Folder (1.1 MB) - Haus der Zukunft

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DI Claudia DanklÖGUT, Haus der ZukunftInnovationsthemaHaus derZukunft Plus –auf dem Weg zum Gebäude der ZukunftDer Gebäudebereich zeichnet für einen wesentlichenAnteil am Energieverbrauch und an denCO 2-Emissionen verantwortlich. Er bildet damit denzentralen Ansatzpunkt nachhaltiger Energieszenarienund verfügt über die größten Potenziale zurErhöhung der Energieeffizienz und zur Reduktiontreibhausrelevanter Emissionen.Weitere Informationenüber das Programm finden Sie unterwww.HAUSderZukunft.at4 | Stadtumbau LEHen„Haus der Zukunft“ wurde imJahr 1999 als Teil des Impulsprogramms„Nachhaltig Wirtschaften“vom Bundesministerium fürVer kehr, Innovation und Technologie,bmvit, gestartet. Die beidenwesentlichen Bausteine diesesFor schungs- und Technologieprogrammswaren das solareNiedrigenergiehaus und dasPassivhaus. Die „energieorientierten“Innovationen wurden umökologische, ökonomische undsoziale Anforderungen erweitert.In Österreich wurden bisher 25„Haus der Zukunft“-Demonstrationsgebäudeerrichtet, dienachhaltiges Bauen begreif- undbegehbar machen. Diese Gebäudeentsprechen höchsten Ansprüchenim Hinblick auf Energieeffizienz,Einsatz von erneuerbarenEnergieträgern und ökologischenBaustoffen und gewährleisteneine hohe Nutzungsqualität beiangemessenen Kosten.Darüber hinaus konnte das ProgrammEntwicklungen auslösen,die Österreich zu einem derführenden Länder im Bereich derPassivhausbauweise und entsprechenderEffizienztechnologiengemacht haben:• die wissenschaftliche Kompetenzim Fachbereich ist starkgestiegen.• Österreich weist die höchstePassivhausdichte weltweit auf.• Österreichische Betriebekonnten die weltweite Technologieführerschaftim Bereich nachhaltigesBauen übernehmen.• anpassungsprozesse derWohnbauförderung an neuesteEntwicklungen im Bereich desBauens konnten unterstütztwerden.• das klima:aktiv-Programmdes Lebensministeriums bautwesentlich auf Ergebnissen von„Haus der Zukunft“ auf und unterstütztdie weitere Umsetzung.Die langfristige Vision für das„Gebäude der Zukunft“ ist, dieenergetische Effizienz bezüglichProduktion und Betrieb derart zuerhöhen, dass über den gesamtenLebenszyklus von Gebäuden dietreibhausrelevanten Emissionen inSumme auf Null reduziert werden.Das bedeutet, dass sich Gebäudein der Betriebsphase vom Verbraucherzum Lieferanten von Energieentwickeln. Mit diesem Ziel startete2008 „Haus der Zukunft Plus“.Zwei Ausschreibungen fandenbisher statt, bei denen Projekte zufolgenden Schwerpunkten eingereichtwerden konnten:• entwicklung vonSchlüsseltechnologien• industrielle Umsetzunginnovativer Technologien• strategien, Vernetzung undAusbildung.Damit sollen die technologischePosition Österreichs weitergestärkt, die Technologien unddas begleitende Know-how inder Bauwirtschaft weiter verbreitetwerden – mit dem Zieleiner signifikanten Erhöhung derEnergieeffizienz, der Schaffungintelligenter Gesamtsysteme undeiner verstärkten Nutzung erneuerbarerEnergieträger.Im Rahmen der ersten Ausschreibungwurden auch „Leitprojekte“gestartet: mehrjährige, strategischausgerichtete Verbundprojektemit Fokus auf Gebäudeverbändeund auf richtungweisende Modernisierungenvon Gebäuden.Leitprojekte unterliegen einemintegrativen Gesamtmanagementund bestehen aus einem zusammenhängendenBündel vonEinzelprojekten, die – integriert ineine klar definierte Strategie – einkonkret beschriebenes Ziel verfolgen.Eines dieser Leitprojekte istdas vom sir koordinierte Projekt„Stadtumbau Lehen“.


Kollektoranlagen Gesamtkollektorfläche 2.000 m²SolarnetzDr.-Ing. Boris MahlerSteinbeis-TransferzentrumStadtumbau LehenMicronetzFernwärmeBestands-Hoch-hausAbsorptions-Wärmepumpeca. 160 kWAnlagenschema HeizzentralePufferspeicher 200 m³Fernwärme ca. 900 kWSolarstationInnovationsthemaSolarenergie fürstädtische LösungenDas Projekt „Stadtwerk Lehen“ zeigt,wie solares Bauen mit hohem solaren Deckungsanteildurch ein innovatives Gesamtkonzept ohneriesige Saisonalspeicher möglich ist.SolarnetzKollektorfelderHeiz-zentraleGrundstücksgrenzenPufferspeicherLageplan mit Kollektorflächen,Mikronetz und HeizzentraleInnerhalb von fünf Jahren sollaus dem Brachgelände ein ökologischerStadtteil mit Wohnungen,einem sanierten Hochhausund Forschungs-/Gewerbegebäudenentstehen. Basis istein integrales Energiekonzeptmit reduziertem Wärmebedarf,Sanierung von Gebäuden undoptimierter zentraler Solaranlage.Alle Gebäude werden an einezentrale Nahwärmeversorgungangeschlossen. Die Heizzentraleist im Untergeschoß zwischenHochhaus und den Wohnbautenvorgesehen. Die Wärme für Heizungund Warmwasserbereitungwird über ein in der Tiefgarageund in den Untergeschoßen derGebäude verlegtes Mikronetz andie Gebäude verteilt. Betreiberder Wärmeversorgung wird dieSalzburg AG sein.Mit der Umsetzung von „StadtwerkLehen“ soll ein hoher solarerDeckungsanteil über 30 % beigleichzeitig hohem spezifischenKollektorertrag über 400 kWhpro m² Kollektorfläche realisiertwerden. Deckungsanteile über30 % sind erreichbar durch dieIntegration von Mehrtagesspeichernoder saisonalen Speichern.Aufwendige Saisonalspeicher(bisher realisierte Anlagenhaben Speichervolumina von ca.3.000 bis 15.000 m³) führen zuhohen Systemkosten. Anlagenmit Mehrtagesspeichern (typ.Speichervolumina einige 100 m³)sind zwar kostengünstiger, weisenaber oft niedrige spezifischeKollektorerträge von nur ca.300 kWh/m²a auf. Grund dafürist die Überdimensionierung imSommer. Für das Projekt „StadtwerkLehen“ ist eine Solaranlagemit Mehrtagesspeicher mit ca.2.000 m² Kollektorfläche und200 m³ Pufferspeicher geplant.Das Ziel hoher Deckungsanteilund gleichzeitig hoher spezifischerErtrag wird durch dieIntegration einer Wärmepumpein die Anlage erreicht. Zusätzlicherhalten alle Neubauten einensehr guten Wärmeschutz. Wohngebäudeund Gewerbebautenwerden mit Heizkennzahlenunter 20 kWh/m²a nahe amPassivhausstandard realisiert.Dadurch steigt das Gewicht dessommerlichen Warmwasserbedarfsam Gesamtwärmebedarf.Die Überhitzungen im Sommerwerden geringer, der solareDeckungsanteil steigt.Die auf den Flachdächern derGebäude aufgeständerten Kollektorenspeisen über einen Wärmetauscherin den Pufferspeicherein. Reicht die Solarwärme nichtaus, so wird mit einer Wärmepumpeund Fernwärme aus demNetz der Salzburg AG nachgeheizt.Die Verdampferseite derWärmepumpe kühlt dabei denunteren Pufferspeicherbereichab und sorgt so dafür, dass dieKollektoranlage mit einem hohenWirkungsgrad arbeiten kann. DieKondensatorseite ist an die obereSpeicherhälfte angeschlossenund erwärmt diese möglichst aufden Sollwert der Netz-Vorlauftemperatur.Das Verteilnetz istzur Begrenzung der Netzverlusteund Optimierung der Solaranlageals Niedertemperaturnetzmit 65 °C Vorlauf- und 35 °CRücklauftemperatur ausgelegt.Die Wohngebäude werden vonder Bauträgergemeinschaft gswbund Heimat Österreich errichtet.In die Planung von Netz undÜbergabestationen fließen dieErfahrungen von im Betriebbereits bewährter Niedertemperaturnetze(z.B. Gneis Moos) ein.In den Wohngebäuden werdenWohnungsstationen mit Warmwasserbereitungim Durchflusseingebaut.Das Gesamtkonzept wurde imVorfeld durch ein dynamischesSimulationsprogramm abgebildetund optimiert. Der realeBetrieb soll durch ein detailliertesMonitoring verfolgt werdenund so den tatsächlichen Erfolgnachweisen.Stadtumbau LEHen | 5


Die verschiedenen Projekte und Aktivitäten in Lehen werden demStadtteil bis 2014 ein neues Gesicht und modernen Lebensstandardmit höchster Energieeffizienz sichern.Für diese Projekte wurden Qualitätsziele und Standards formuliertund ein Informationsnetzwerk der verschiedenen Projektbeteiligtenerrichtet. Für das „Stadtwerk Lehen“ als größtes Bauvorhaben wurdeeine eigene Qualitätsvereinbarung erstellt, in der genaue Zielwerte,Qualitätsstandards, ein Zeitplan und das Projektmanagementfixiert und von allen Projektpartnern unterzeichnet wurde. Ineiner Steuerungsgruppe unter Federführung von Stadtrat Padutschtreffen sich die Partner monatlich und hier werden die wichtigenEntscheidungen besprochen und Informationen ausgetauscht.AllgemeineProjektbeschreibungStadtwerk LehenAuf dem 43.000 m² großen Areal befanden sich früher die Verwaltungsgebäudeund Gasspeicher des städtischen Energieversorgers.Im nördlichen Teil werden 289 geförderte Wohnungen,ein Kindergarten, ein Studentenheim, ein Cafe und Galerien inNiedrigstenergiebauweise errichtet. Stromsparkonzepte und guteTageslichtnutzung halten den Stromverbrauch gering. Errichterhierfür sind die gemeinnützigen Bauträger gswb und HeimatÖsterreich. Baubeginn für den Nordteil war im Oktober 2009,Fertigstellung wird im Herbst 2011 sein. Im Südteil wird von demInvestor Prisma ein Hotel und ein Competence Park mit Büros,Labor- und Seminarräumen errichtet.Die Energieversorgung erfolgt mittels einer großen thermischenSolaranlage (2000 m²). Die Wärme wird in einemzentralen Puffer, der am Boulevard (an der mittleren Erschließungsachse)situiert ist, gespeichert. Die Restenergie kommtaus der städtischen Fernwärme.Architekten:transparadiso, Bernd Vlay, Thomas Forsthuber +Christoph Scheithauer, Feichtinger architectes (Nordteil),Riepl Riepl (Hochhaus),Berger+Parkkinen (Competence Park),Boris Podrecca (Hotel)QuartiersmanagementVor dem Hintergrund der demografischund sozial sensiblen Strukturdieses Stadtteils wird beim StadtumbauLehen neben den umfassendenund nachhaltigen Maßnahmen zurErhöhung der Energieeffizienz auchein Schwerpunkt auf die sozioökonomischenund soziokulturellenAspekte gelegt.Dabei ist die Information undEinbeziehung der Bevölkerung imStadtteil ein wesentliches Anliegen,um den gesamtheitlich nachhaltigenAnsatz auch an die Bewohner zukommunizieren. Dies macht einebreite Öffentlichkeitsarbeit notwendig.So wurde ein Info-Point in einersanierten Stadtvilla eingerichtet, derAnlaufstelle für Anrainer, GeschäftsundWohnungsinteressenten sowieBesucher ist und die interaktivewebsite www.stadtwerklehen.ateingerichtet. Dem 2009 gegründeten„Verein Stadtwerk Lehen“ obliegt dieEntwicklung der urbanen Sockelzonezu einem lebendigen, nutzungsgemischtenStadtquartier.Mit den soziokulturellen und partizipativenAktivitäten in den nächstenJahren soll vor allem eine Bewusstseinsbildungund damit Steigerungder Energieeffizienz erreicht werden.WohnhausEsshaverstraßeDas Passivhaus Esshaverstraßemit 12 Miet- und Eigentumswohnungenwurde in einer Baulückeam Areal mit konsequenterOst-West-Ausrichtung errichtet.Weit auskragende Balkone vergrößerneinerseits den Wohnbereichins Freie und verhinderneine Überhitzung im Sommer.38 m² Solarkollektoren amDach bereiten umweltfreundlichWarmwasser. Eine Komfortlüftungsichert gute Luftqualität auch beigeschlossenen Fenstern. Der Bauwurde im Juni 2008 fertig gestellt.Nun wird für 3 Heizperioden einausführliches Energie-Monitoringdurchgeführt.Bauträger ist die gemeinnützigeWohnbaugenossenschaft „DieSalzburg“Architekten: mayer & seidl6 | Stadtumbau LEHen


Stadtumbau LehenOption area 2Option area 1retrofit areaNew built arearetrofit areaNeue Mitte LehenAm Areal des alten Fußballstadionsim Zentrum des StadtteilsLehen wurde ein Projekt errichtet,das die Funktion einesneuen Stadtteilzentrums erfüllt.Zwei Baukörper sind östlich undwestlich einer freien Grünfläche(ehemaliges Fußballfeld) situiert.Im westlichen Baukörper sind dieneue Stadtbibliothek von Salzburgsowie einige Nahversorger untergebracht.Im Ostteil befindensich ein Seniorentageszentrum,eine Lehrküche und ein Veranstaltungssaal.In den Obergeschoßenwurden 48 neue geförderte Mietwohnungenerrichtet. Warmwasserund Heizung wird mit einerSolaranlage mit 140 m² Kollektorflächeunterstützt.Bauträger ist die gemeinnützigeWohnbaugenossenschaft„Die Salzburg“Architekten: HALLE 1architekturbüro Sailer & LangNew built area: About 300-350 new dwellings will be built in lowest energy standard with aSeniorenzentrum 2.000 Sanierungm² solar collector and PV SanierungSiebenstädterstraße Retrofit Kuenburggassearea: About 650 old dwellings – 200 – Strubergassensiedlung300 dwellings shall renovated till 2011Option area 1: Old stadium: here a new social centre shall be built: 32 dwellings, library, ecentre, rooms for the youngsters…. Beside about (Wohnpark 300 old houses Strubergasse)Für die Bebauung der 14.000 m² Option Das area Eckhaus 2: old industrial Kuenburggasse/ estate 14.500m²– Die shall städtische be build a Wohnsiedlung senior residence in with day-cgroßen ehemaligen Mercedesgründewurde 2003 ein Europan errichtet und umfasst 43 Woh-Wohnungen. Die Gebäude wurdenstation Rudolf-Biebl-Straße and 30-40 senior-dwellings wurde and 1944 50-60 normal der Strubergasse dwellings in umfasst low energy ca. 480 standard wiventilation with heat recovery and use of solar energy.Wettbewerb ausgeschrieben.Das Siegerprojekt verbindet einPflegeheim mit ca. 90 Betten mitbetreubaren Wohnungen undeinen Bauteil mit „normalen“Mietwohnungen. DurchwanderbareGrünräume verbinden dieverschiedenen Bauzonen. Niedrigstenergiestandard,eine großethermische Solaranlage und einekontrollierte Wohnraumlüftungsorgen für eine zukunftsweisendeBauweise. Baubeginn war imMärz 2010, die Fertigstellungwird im Früh ling 2012 erfolgen.Bauträger ist die gemeinnützigeWohnbaugenossenschaft„Die Salzburg“Architekten:Torzimsky Herold & Mehlemnungen. Das Dach wurde voreinigen Jahren erneuert. VonMärz 2009 bis März 2010 wurdedas Gebäude nun thermischoptimiert saniert, wobei besondersauf einige architektonischeDetails zu achten war: EineGehsteigüberbauung, Konglomerat-Portalebei den Hauseingängenund zurückspringendeschmale Loggien waren beider thermischen Sanierung mitviel Sorgfalt und Kleinarbeit zulösen. Das Gebäude wurde andie städtische Fernwärme angeschlossenund nach und nachsollen nun auch die Heizungender einzelnen Wohnungen angeschlossenwerden.Bauträger ist die gswb –Gemeinnützige SalzburgerWohnbaugesellschaft m.b.H.in den 1950er und 1960er Jahrenerrichtet und sind grundsätzlichsanierungbedürftig. GroßzügigeFreiflächen zwischen den Gebäudenweisen einen schönenalten Baumbestand auf, sehenaber keinen Raum für Parkplätze,Fahrradabstellplatz oder Mülltonnenvor. In einer Studie wurden dieSanierungspotenziale erhoben undVarianten zur energieoptimiertenSanierung bis hin zur Plus-EnergieSiedlung aufgezeigt. Nun werdenauf Basis der Studie die einzelnenObjekte geprüft und die passendeSanierungsvariante ausgewählt.Dabei soll die thermische Sanierungeine höchstmögliche Energieeffizienzsicherstellen, zur Energieversorgungein Anschluss an dasMikronetz des „Stadtwerk Lehen“erfolgen und die Situierung dezentralerSolaranlagen geprüft werden.Für die Gestaltung der Freiflächenwird eine eigene Arbeitsgruppegebildet.Stadtumbau LEHen | 7


Helmut MeislgswbInnovationsthemaIntelligentese-MonitoringSo bunt wie die Fassade zum Salzburger Hauptbahnhof ist auch die Zusammensetzungder Bewohner. Mindestens 12 verschiedene Muttersprachen wohnen untereinem gemeinsamen Dach. Information muss da einfach und selbsterklärend sein.Wärmedämmung an der Gebäudehülle undWärmerückgewinnung bei der Wohnungslüftungstoßen an technische und finanzielle Grenzen.Weitere Einsparung von Energie funktioniert nichtohne Bewohner. Kann Bewusstseinsbildung undMotivation durch ein intelligentes e-Monitoringerleichtert werden? Wieviel Information ist hilfreichund wie soll diese Information vermittelt werden?Informationsmonitore bei den Hauseingängenvisualisieren den aktuellen Energieverbrauch, dieaktuellen Kosten pro Wohnung und den Energiemix(Fernwärme und Solarenergie).Bei zu hohem Verbrauch schaltet die „Energieampel“auf rot, sind die Bewohner sparsam, leuchtetsie grün auf. Die Information wird auch in dasFernsehnetz eingespeist und steht so in allenWohnungen zur Verfügung.Zweifellos herzeigbare Fortschrittegibt es im Bereich der Bau- undGebäudetechnik, wenn es um dieReduktion des Energiebedarfs fürRaumheizung und Warmwasserbereitunggeht. Galt vor wenigenJahren das Niedrigenergiehaus alsanzustrebendes Ziel, so ist heutedas Passivhaus im Qualitätswohnbauklar formulierter, realistischernächster Schritt. Ohne intensivererEinbindung der Bewohner undvor allem ohne Zutun derselbenwerden die Energiestatistiken nichtmehr wesentlich nach unten zudrücken sein.Bewusster Umgang mit Energiekann erst dann gelingen, wenndie Folgen des eigenen Tuns oderNichtstuns sichtbar werden, undzwar nicht (nur) sichtbar in Kilowattstunden,sondern vor allemin Euro, dem wichtigsten gemeinsamenNenner, der von allenBewohnern verstanden wird.Die Entwicklung am Markt derEnergiezählung und Visualisierungist rasant und unüberschaubar.Parallel wird von vielen Herstellernentwickelt, geforscht und in Pilotprojektengetestet. Noch vor zweiJahren hätten Schritte in RichtungIn einer Wohnanlage mit 104 Wohnungen gibt es immer auchweiteren Informationsbedarf. Die „Energieampel“dient weiters als „schwarzes Brett“ und bietetso einen wichtigen Zusatznutzen.Visualisierung des Energieverbrauchsin einer Wohnanlage zueiner komplizierten und teurenHardware vor Ort geführt, die mitebensoviel Softwareaufwand ineine für die Bewohner verstehbareForm hätte gebracht werdenmüssen. Die rasante Entwicklungim Bereich „smart-metering“zeigt jedoch in eine ganz andereRichtung. Intelligente Energiezählererfassen und sammeln rund umdie Uhr relevante Verbrauchsdatenund senden diese an zentraleServer, wobei dafür alle derzeitverfügbaren „Transportwege“genutzt werden.Von diesen zentralen Datenserverngilt es als „Zusatznutzen“ jeneindividuellen Daten herauszufiltern,die für die Bewohner so gutaufbereitet werden müssen, dassdiese von Interesse sind und einenunmittelbaren Nutzen versprechen.Die Techniker werden dabei mitden Soziologen eng zusammenarbeitenmüssen, denn nicht alles,was für Techniker „sexy“ ist, interessiertin gleichem Ausmaß auch„Otto-Normalverbraucher“.Die Aufbereitung der Informationmuss die ganze Bandbreite anBewohnern berücksichtigen, mussdem Bewohner mit Migrationshintergrundgenauso gerecht werdenwie dem akademisch ausgebildetenMieter und Wohnungseigentümer.Es muss also eine (kostenlose)Grundinformation und eine(kostenpflichtige) Detailinformationgeben. Die Grundinformationmuss simpel und einleuchtendsein, ähnlich einer Verkehrsampel:Rot und Grün und „Geld“ verstehenMenschen auf der ganzenWelt auch ganz ohne komplizierterBeschreibung. In der Detailinformationkönnen sich Programmierernahezu grenzenlos austoben.Dass als Transportmedium wohlnur das Internet infrage kommt,muss nicht mehr diskutiert werden.Doch wie kommt die Informationan jene, die (noch) über kein Internetverfügen? Fernsehen gibt esin jeder Wohnung, es wird in nurwenigen Jahren 100% digital, alsoauch für den Transport individuellerInformationen geeignet sein.Was (derzeit) fehlt, ist die Technik,mit der individuelle Daten unterBerücksichtigung des Datenschutzesvom Webserver zum Fernseherin das Wohnzimmer des einzelnenBewohners transportiert werden.Dass das Projekt im „StadtumbauLehen“ am richtigen Weg istbeweist u.a. die Tatsache, dass sichauch schon der Meister gigantischerDatenmengen, der InformationsrieseGoogle, dieses Themasangenommen hat.8 | Stadtumbau LEHen


Dr. Raimund Gutmann / Mag. Sarah Untnerwohnbund:consultInnovationsthemaQuartiersmanagement&Info-PointQuartiersplatz © transparadisoEin „kooperatives Quartiersmanagement“ miteinem Info-Point vor Ort ist Besucherzentrum,Drehscheibe und Knotenpunkt für die Entwicklungvon Beteiligung, Netzwerken und Kooperationskulturim „Stadtwerk Lehen“. Es wird von der StadtSalzburg und den Bauträgern als Instrument derQualitätssicherung für 3-5 Jahre finanziert.Nachbarschaftstreff Ost © Bernd VlayInfopoint © wohnbund:consultMit der Nachnutzung desehemaligen Stadtwerke-Arealsverknüpfen die Stadt Salzburgund ihre Projektpartner nichtnur städtebaulich, architektonischund energietechnischambitionierte Maßstäbe, sondernauch sozialplanerischeZiele. Mit dem begleitendenQuartiersmanagement wirdein integrativer, sozialräumlicher„Anschub“ geleistet,damit selbsttragende sozialeStrukturen im neuen Quartierund im Stadtteil entstehenund sich nachhaltig festigenkönnen. Sozialorganisatorischbegleitet werden die Start-,Bau- und die Besiedlungsphase.Im Zentrum stehen dabeiQualitätssicherung, Beteiligungund die Entfaltung urbanenöffentlichen Lebens, dievon zwei Personen in Teilzeitumgesetzt wird.Das Quartiersmanagement„Stadt werk Lehen“ umfasstim Wesentlichen folgendeSchwerpunkte:„Info-Point“ als DrehscheibeEin moderner „Info-Point“als Vor-Ort-Büro und Besucherzentrumam Rande desBauplatzes in einer saniertenStadtvilla bildet die Anlaufstellefür Anrainer, Geschäfts- undWohnungsinteressenten sowieBesucher. Der Info-Point bieteteine umfassende Ausstellung, einProjekt- und Umgebungsmodell,die Präsentation des Concerto-Energieprogramms, Platz fürVersammlungen, Workshopsund eine Kinderspielecke.ÖffentlichkeitsarbeitNeben der klassischen Informationstätigkeitwie Plakate,Infobroschüren etc. wird einbesonderes Augenmerk aufdie Betreuung der „Online-Öffentlichkeit“ gelegt, mit derinteraktiven website www.stadtwerklehen.atwird sowohl einumfassendes Projekttagebuch,als auch eine kommunikativePlattform zu allen Fragen desneuen Quartiers und der Stadtteilentwicklunggeboten.„Urbane Sockelzone“Im Auftrag des neu gegründeten„Vereins Stadtwerk Lehen“ obliegtdem Quartiersmanagementauch die Entwicklung der Erdgeschoßflächenam Ost-West-Boulevard,der „urbanen Sockelzone“mit zusammen ca. 1.600 m 2Fläche zu attraktiven städtischenAngeboten wie Galerien, Ateliersund sozialen Diensten. Die Einrichtungund Starthilfe für zweiNachbarschaftstreffs ist ebenfallsTeil davon.„Das gemeinsame Produktist nicht ein Gebäude,eine Siedlung,sondern Urbanität, Nachhaltigkeit,soziale Balance und neue Stadtqualitäten.“(wohnbund:consult)Bewohnerbeteiligung undsoziokulturelle AktivitätenDie frühzeitige, weitreichendeaber kompakte Bewohnerbeteiligungzählt zu denKernaufgaben des Quartiersmanagements.Es schließtFreiraumgestaltung, Energie-Fragen, interkulturelles Zusammenlebenund Modellwohnformensowie die Arbeit an einemsozialverträglichen Bewohnermixmit ein.Imagebildungund StandortmarketingBedingt durch den Standort unddie gewünschte Nutzungsmischungwird ein besonderer Schwerpunktin der Stärkung der Identität unddes Profils des neuen Quartiers unddie Entwicklung zu einer „Marke“Stadtwerk Lehen („NeighbourhoodBranding“) gesehen.10 | Stadtumbau LEHen


Mag. Alexander MandlPRISma Zentrum für StandortundStadtentwicklung GmbHStadtumbau LehenVisualisierung: HöllInnovationsthemaModellhafteSanierungeines BürohochhausesDie modellhafte Sanierung des ehemaligenStadtwerkehauses ist Teil eines Gesamtkonzeptes –dem Competence Park SALZbuRG.Mit dem Competence ParksaLZBurG entsteht nach einemKonzept der PrisMA Unternehmensgruppeinnerhalb dernächsten Jahre ein moderner,lebendiger Campus für Unternehmenund Institutionen aus denBereichen „Creative Industries“und „Life Science“ sowie ergänzendeBildungseinrichtungen undDienstleistungsunternehmen.Neben dem Fokus auf dieangesprochenen thematischenSchwerpunkte liegt ein besonderesAugenmerk bei der Entwicklungdes Competence Parks saLZBurGauf nachhaltigen, ganzheitlichenund energieeffizienten Gebäudekonzepten.Durch seine herausragendeArchitektur, bauliche Ausdehnungund gute Sichtbarkeit nimmt dasStadtwerke Hochhaus in Salzburgeine Landmark-Funktion ein –diesen Wiedererkennungswertzu bewahren wurde als einePlanungsvorgabe definiert – folglichwurde vorgesehen die bestehendeFassade zu erhalten.Daneben waren die funktionaleModernisierung und die thermischeSanierung die wesentlichenZiele bei der Entwicklung desumfassenden Konzeptes.Nach Prüfung verschiedener Variantensind die wesentlichen Bausteineder nun vorliegenden Planung:• thermisch hochdämmende Elementehinter den bestehendenFassadenplatten im Bereich derBrüstungen (Ost- und Westfassade),• hocheffiziente Vakuum-Dämmelementean der Süd- und Nordfassade,• moderne Fenstertechnologie undSonnenschutz,• Wärmerückgewinnung der Lüftungsanlagemit einem Wirkungsgradvon rund 80 %.Dem ganzheitlichen Entwicklungsansatzentsprechend wird dasHochhaus nach der Sanierung indas von Solarkollektoren gespeisteMikronetz eingebunden. Die Errichtungeiner Photovoltaikanlageauf dem Dach des Hochhauses istebenfalls projektiert.Der modellhafte Charakter unddie besondere Relevanz desProjektes bestehen einerseitsim engagierten Ziel in Hinblickauf die thermische Effizienz desGebäudes. Der angestrebteMindeststandard bei der Sanierungist ein Energieausweis derKlasse A – eine bei gewerblichenNeubauten heute in der Regelnicht erreichte Qualität. Andererseitsbieten die im Rahmen derSanierung gesammelten Erkenntnisseund Erfahrungen wertvolleEntscheidungshilfen bei dem zurSanierung anstehenden großengewerblichen Baubestand mitvergleichbaren Baujahren.Ein wesentlicher Teil dieses Ganzenist die modellhafte Sanierungdes ehemaligen Verwaltungsgebäudesder Salzburger Stadtwerke,des sogenannten StadtwerkeHochhauses.Stadtumbau LEHen | 11


HerausGEBer:sir – Salzburger Institut für Raumordnung & Wohnen,Schillerstraße 25, 5020 Salzburg, www.sir.at.Koordination: Birgit Danninger und Ing. Inge Straßl, sirDie Verfasser sind für den Inhalt und die Abbildungenihrer Artikel jeweils verantwortlich.Visualisierung am Umschlag: Competence Park © www.hoell.at /Berger+ParkkinenFoto am Cover: Ing. Inge Straßl, sirErscheinungsjahr 2010

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