Stars, mehr Geld und noch mehr Spannung

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Stars, mehr Geld und noch mehr Spannung

Frauen-Bundesliga mit großen Erwartungen in die neue Saison

Mehr Stars, mehr Geld und noch mehr Spannung

Es war ein Bild des Jammers.

Weinend lagen die Spielerinnen des FC Bay-

ern München auf dem grünen Rasen. Fas-

sungslose Gesichter. Sprachlose Protagonis-

tinnen. Nur ein einziges Tor hatte gefehlt zur

Meisterschaft am Ende einer langen Saison.

Doch das 3:0 beim Absteiger TSV Crailsheim

war zu wenig für das Team von Günther

Wörle. So heimste Turbine Potsdam durch

ein 3:0 gegen den VfL Wolfsburg den Titel

der Spielzeit 2008/09 ein – in einem Herz-

schlagfinale.

Die Frauen-Bundesliga war so spannend

wie nie zuvor. Drei Vereine kämpften bis

zum Schluss um die Tabellenspitze. Neben

München und Potsdam hatte selbst der

FCR 2001 Duisburg – UEFA-Cup-Sieger und

Pokalchampion 2009 – am letzten Spieltag

noch Chancen, durch Mithilfe der Konkur-

renz das Triple perfekt zu machen. Am Ende

lag der Tabellendritte Duisburg nur einen

Punkt hinter den beiden Spitzenteams.

Spannung pur verspricht auch die neue Sai-

son 2009/10, die am 20. September

nach der Europameisterschaft in

Finnland beginnt. „Wir wollen

um alle drei Titel – also Meis-

terschaft, Pokal und Cham-

pions League – mit-

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spielen und mindestens einen davon gewin-

nen“, sagt FCR-Trainerin Martina Voss selbst-

bewusst. Doch auch Bayerns Abwehrspiele-

rin Bianca Rech hat klare Ziele: „Wieder ganz

oben mitmischen – das ist aber schwer, weil

die Liga immer ausgeglichener wird.“

Neben Potsdam, München und Duisburg

dürfte auch wieder mit dem 1. FFC Frank-

furt zu rechnen sein. Der frühere Serien-

meister aus Hessen war in der vergangenen

Spielzeit vom Verletzungspech verfolgt, Leis-

tungsträgerinnen wie Birgit Prinz oder Conny

Pohlers fielen lange aus. „Der 1. FFC ist noch

längst nicht am Boden. Frankfurt hat genug

Potenzial“, weiß auch Turbines Meister-

trainer Bernd Schröder.

Vor allem Potsdam hat aber für die neue Sai-

son kräftig aufgerüstet. Als „spektakulärsten

Wechsel“ bezeichnet Duisburgs Trainerin

Martina Voss den Weggang von National-

spielerin Fatmire „Lira“ Bajramaj aus ihrem

eigenen Team hin zu Schröders Meister-

mannschaft. „Unsere Philosophie ist es,

junge Spielerinnen zu verpflichten“, sagt das

67-jährige Potsdamer Urgestein. Neben Baj-

ramaj holte der Ostverein auch die Nach-

wuchshoffnung Nadine Keßler (beide 21)

vom Aufsteiger 1. FC Saarbrücken. Der Coach

warnt aber seine Neulinge: „Es wird nicht

einfach. Sie waren

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in ihren Mann-

NEWS 2011 Nr. 4

schaften große Stars – das muss hier in Pots-

dam nicht so sein.“

Auch der FC Bayern München hat aufgerüs-

tet, verpflichtete Nationalspielerin Isabell Ba-

chor und Duisburgs bisherige Nummer 1 im

Tor, Kathrin Längert. Der FCR Duisburg

wiederum sicherte sich die Dienste von Na-

tionalkeeperin Ursula Holl, die vom SC Bad

Neuenahr kommt. Bei Frankfurt darf man auf

Neuzugang Sara Thunebro gespannt sein.

Die Abwehrspielerin lief 43 Mal für Schwe-

den auf.

Es kommt also Bewegung in die Frauen-

Bundesliga. Und der DFB versucht durch fi-

nanzielle Unterstützung, verbesserte profes-

sionelle Strukturen in den einzelnen Klubs

zu ermöglichen. So sichert ein neuer TV-

Vertrag allen Bundesligaklubs für die

nächsten 48 Monate jährlich einen

Geldbetrag in Höhe von etwa

180.000 Euro. Vorher war es

lediglich ein Drittel dieser

Summe.

Freude und Frust:

Potsdamer Jubel und Münchner Tristesse mit

Bianca Rech (oben) über den Ausgang der

dramatischen Bundesliga-Meisterschaft.

>>


Dieses Geld soll zur vom DFB geforderten

Professionalisierung des Frauenfußballs bei-

tragen. Hauptamtliche Geschäftsführer und

Trainer sind ab der neuen Saison vorge-

schrieben. Zwei Jahre vor der Weltmeister-

schaft im eigenen Land soll der Weg des

Frauenfußballs in Deutschland weiter nach

oben gehen. Die Millionenmarke der weib-

lichen DFB-Mitglieder wurde längst über-

schritten, die Auftritte der deutschen Frauen-

Nationalmannschaft füllen immer häufiger

auch große Stadien und locken ein Milli-

onenpublikum vor den Fernseher.

IMPRESSUM

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Wechsel zum Meister:

Nadine Keßler vom Aufsteiger Saarbrücken

spielt künftig für Potsdam.

Nur die Zuschauerzahlen in der Bundesliga

können noch nicht Schritt halten. Zwar gibt

es auch hier von Jahr zu Jahr Steigerungen,

doch das spannende Saisonfinale 2009 sa-

hen insgesamt nur 8.703 Fans vor Ort. In der

Spielzeit davor waren es am letzten Spieltag

lediglich 8.218 Zuschauer. Geduld ist also

weiter gefragt.

Inzwischen hat auch der Männerfußball die

kickenden Mädels für sich entdeckt. Immer

mehr traditionsreiche Vereine rufen eigene

Frauenfußball-Abteilungen ins Leben oder

gehen Kooperationen mit in der Nähe be-

heimateten Frauenklubs ein. Als Vorreiter

gelten der FC Bayern München oder der VfL

Wolfsburg, deren Fußballerinnen seit Jahren

erfolgreich die Bundesliga aufmischen. Die

Bayern glänzen zudem mit einer bundesweit

hochgelobten Nachwuchsarbeit. „Wir wol-

len den ruhigen, geduldigen Weg weiter ge-

hen“, sagt Karl-Heinz Rummenigge. Der Vor-

standsvorsitzende des FC Bayern München

sah in der vergangenen Saison sein erstes

Frauen-Bundesligaspiel live.

Auch Vereine wie Schalke 04 oder Werder

Bremen drängen sich immer mehr auf. Die

Königsblauen kooperieren seit 2007 mit dem

1. FFC Recklinghausen. Fast gleichzeitig rie-

fen die Bremer ihre Frauenfußball-Abteilung

ins Leben und konnten sich vor Anfragen von

kickenden Mädels kaum retten. Mittlerweile

spielt das Team in der 2. Bundesliga.

Frauen-Power:

Rasanz und Fairness, viel Kampfgeist und

spektakuläre Szenen bietet der Frauenfußball

auch in der Saison 2009/10.

2008 nahm Bayer 04 Leverkusen den Zweit-

ligisten TuS Köln rrh. auf, ein Jahr später ist

nun auch der 1. FC Köln im Frauenfußball ak-

tiv. Am 1. Juli übernahmen die Kölner die Li-

zenz des Zweitliga-Aufsteigers FFC Brauweiler

Pulheim 2000 – und können gleich mit zwei

spektakulären Neuzugängen wuchten: Natio-

nalspielerin Sonja Fuss (vom FCR Duisburg)

und die langjährige Bundesligaspielerin Patri-

cia Hanebeck (vom Hamburger SV). Seit Be-

ginn der Saison 2007/08 hat auch die TSG

1899 Hoffenheim eine Frauenfußball-Abtei-

lung: Alle Mannschaften der aufgelösten

Spielgemeinschaft 1. FC Mühlhausen/VfB St.

Leon spielen unter dem neuen, prominenten

Hintergrund ist der Wunsch, dem DFB-Pokal-

finale der Frauen ein eigenes Gesicht zu ge-

ben und es nicht nur als wenig beachtetes

Anhängsel zum Männerendspiel zu präsen-

tieren. Angesichts der spärlich besetzten

Ränge im Berliner Olympiastadion Stunden

vor dem „großen Endspiel“ sicher eine gute

Sache. Das Frauenfinale findet 2010 erstmals

also im mehr als 50.000 Zuschauer fassen-

den RheinEnergieStadion in Köln statt. Am

15. Mai, voraussichtlich um 16 Uhr, vier Stun-

den vor dem Anpfiff des DFB-Pokalendspiels

der Männer in Berlin.

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Namen.

Die Abschlusstabelle der Frauen-Bundesliga 2008/09

Ein bisschen abheben von den Männern

möchte man sich aber dann schon. So hat

der DFB entschieden, dass das Frauen-Pokal-

finale nicht mehr in Berlin stattfinden wird.

Nach einer langen Bewerbungsphase war die

Wahl auf die Domstadt gefallen, für die laut

DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg

vor allem „das exzellente Gesamtkonzept“

sprach. Köln setzte sich am Ende gegen die

Mitbewerber Leverkusen, Frankfurt, Gelsen-

kirchen und Wolfsburg durch, ursprünglich

hatten sogar 15 Kandidaten ihre Bewer-

bungsunterlagen eingereicht. Nach dem Er-

eignis soll entschieden werden, ob Köln wei-

ter Austragungsort bleibt oder eine neue

Ausschreibung erfolgt.

NEWS 2011 Nr. 4

Platz Mannschaft Spiele g u v Torverhältnis Differenz Punkte

1. 1. FFC Turb. Potsdam 22 17 3 2 67:19 48 54

2. FC Bayern München 22 17 3 2 69:22 47 54

3. FCR 2001 Duisburg 22 17 2 3 86:20 66 53

4. 1. FFC Frankfurt 22 14 3 5 58:25 33 45

5. SG Essen-Schönebeck 22 9 3 10 46:39 7 30

6. Hamburger SV 22 9 2 11 53:49 4 29

7. SC Freiburg 22 9 2 11 36:53 -17 29

8. VfL Wolfsburg 22 8 3 11 53:48 5 27

9. FF USV Jena 22 7 2 13 32:56 -24 23

10. SC 07 Bad Neuenahr 22 5 3 14 26:74 -48 18

11. Borussia Friedenstal 22 4 2 16 23:79 -56 14

12. TSV Crailsheim 22 1 2 19 14:79 -65 5

Jana Wiske

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