Sonderthema: energie & Umwelt - wia

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Sonderthema: energie & Umwelt - wia

Energy Forum: Neue LösungenBremerhaven hat sein„Klimahaus“ENergieumweltFoto: Klimahaus BremerhavenWährend eines Workshops zur „GebäudeintegriertenPhotovoltaik“ im Rahmen des 4. „Energy Forum“im Forum Brixen am 1. Dezember 2009 wird das„Klimahaus Bremerhaven“ vorgestellt, das dem Südtiroler Klimahausalle Ehre macht. Bei dem Gebäude, dessen Silhouette aneinen Wal erinnert, handelt es sich um ein Museum, das im Junieröffnet wurde. Im Inneren wird der Besucher einmal um denErdball geführt: entlang des achten östlichen Längengrades erlebter fünf verschiedene Klimazonen - vom trockenen WüstenklimaNigers (35°C), über polares Klima der Antarktis (-6°C) bis hinzum tropisch feuchten Klima Samoas (30°C).Die Wärmeenergie des Museums wird vollständig aus regenerativenEnergien, geothermischen Energiepfählen und über Fernwärmeaus einem Müllheizkraftwerk gedeckt. Die angewandtenTechnologien wie Betonkernaktivierung, Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung oder natürliche Belüftung sind für sich nicht neu - dasBesondere ist die ganzheitliche Planung. Das Projekt soll in diesemBereich Schule machen.Das Museum besteht eigentlich aus zwei voneinander getrenntenKörpern. Die Außenhülle aus Glas und das Dach mit seiner Trägerkonstruktionaus Aluminium umgeben eine Innenkonstruktionaus Beton. Keine Glasscheibe der sanft geschwungenen Fassadegleicht der anderen. Ein weiteres technisch zu lösendesProblem war die Belüftung des Gebäudes. Anstatt einer energieaufwendigenVollklimatisierung haben die Klimaingenieure mittelsnatürlicher Belüftung sowie Bauteilkühlung komfortableAufenthaltsbedingungen für die Besucher geschaffen. Die Zirkulationder Innenluft und die Sonneneinstrahlung werden zur Belüftungund Klimatisierung des Gebäudes genutzt. Für einen Teilder Ausstellung ist eine Kunstlichtversorgung mit Solarstrom ausfassadenintegrierten Photovoltaikmodulen von der österreichischenErtex Solar realisiert worden. Die 143 Photovoltaik Paneelein Isolierglasausführung haben eine Leistung von insgesamt37 Kilowatt. Architekt und Generalplaner des Klimahauses Bremerhavenwar der Bremer Thomas Klumpp; die Projektideestammt von Carlo Petri, Petri & Tiemann, Hamburg. Wirtschaft im Alpenraum • August 200961


ENergieEVME: Europäischer Verband mittelständischer EnergieunternehmenEnergieunternehmen bündeln ihre InteressenVor rund einem Jahr, am 2. Juli2008, haben sich mittelständischeEnergieunternehmen aus Österreich,Bayern, Hessen und Südtirol überihre Interessenvertretungen und Kooperationsgemeinschaftenzu einereuropaweit tätigen Dachorganisationzusammengeschlossen.Der Verband sieht sich alsErgänzung zu den etabliertenInteressenvertretungen undverfolgt das Ziel, den mittelständischenEnergieunternehmenEuropas im BrüsselerMachtzentrum das entsprechendeGehör zu verschaffen.„Dieser Schritt war notwendiggeworden, weil sich gezeigthat, dass Brüssel nur sehr unzureichendüber die hervorragendenArbeiten der mittelgroßenEnergieversorger vorOrt informiert ist. Dabei punktenumweltFoto: EVMEgerade diese Unternehmen bei ihren Kundenin puncto Leistungsfähigkeit, Zuverlässigkeitund Kundenfreundlichkeit“, erklärtEVME-Geschäftsführer Mag. RolandTropper. „Zudem sind sie aufgrund ihrerGründungsmitglieder der EVME: „Wir wollen mittelständischenEnergieunternehmen in Brüssel Gehör verschaffen.“lokalen Kompetenz und in ihrer kommunalenVerantwortung ein wesentlicherWertschöpfungsfaktor und Arbeitgeber fürdie Region, in der sie tätig sind.“Bereits in der Vergangenheit waren einigeder Mitgliedsbetriebe ineinem losen Zusammenschlussin Brüssel aktiv. Mit zunehmenderKomplexität der Themenfür die Branche und derverstärkten Richtlinienkompetenzder EU war es jedochnotwendig geworden, sich direktam Ort des Geschehenseinzubringen.Zum Präsidenten des EuropäischenVerbandes wurde FritzSchweiger aus Deutschlandgewählt. Vizepräsidenten sindPaul Kiendle aus Österreichund der Geschäftsführer desRaiffeisen Energieverbands,Rudi Rienzner. Erneuerbare Energien: Neue FachmesseRenexpo feiert in Salzburg PremiereZum ersten Mal findet vom 26.bis 28. November im MessezentrumSalzburg die RENEXPO®Austria, internationale Kongressmessefür erneuerbare Energien & energieeffizientesBauen und Sanieren statt. Diein Zusammenarbeit mit der Messe Salzburgveranstaltete Messe mit Kongressbildet die gesamte Bandbreiteder regenerativen Energien unddes energieeffizienten Bauensund Sanierens ab. Nach der erfolgreichenDurchführung vonMessen und Kongressen zu denThemen erneuerbare Energienund energieeffizientes Bauenund Sanieren in Deutschlandund im zentral- und südosteuropäischenRaum, wird sichder deutsche Messe und KongressveranstalterREECO Groupnun auch in Österreich engagieren.„Die Schwerpunkte inSalzburg liegen auf Bioenergie62Foto: Reecound energieeffizientem Bauen und Sanieren.Weitere Messethemen sind SolarTechnik, Wärmepumpen, Geothermie,Energiedienstleistungen, Windkraft undWasserkraft“, so Diana Roehm, Prokuristinder neu gegründeten REECO AustriaGmbH, in der alle Österreich-Aktivitätender Gruppe ab sofort gebündelt werden.In Salzburg werden circa 4.000 Fachbesucher erwartet.Wirtschaft im Alpenraum • August 2009„So wird es als Ausstellungsbereiche unteranderem eine ‚Wasserkraft-Straße’ undeine ‚Holzenergie-Allee’ geben.“ Die internationaleAusrichtung der Fachmessewird durch eine Partnerland Präsentationverstärkt, die auf der Premiere der REN-EXPO® Austria das deutsche BundeslandBayern stellt. Erwartet werden insgesamtrund 100 Aussteller und geschätzte4.000 Besucher.Im Rahmen der Messe finden zudemverschiedene Fachtagungenwie der 1. RENEXPO® AustriaFachkongress für Holzenergie, unterstütztvom Österreichischen Biomasseverband,das 1. ÖsterreichischeWärmepumpen-Forum, der 1. ÖsterreichischeEnergieberater-Tagund die 1. Internationale Kleinwasserkraftkonferenzin Zusammenarbeitmit dem Europäischen KleinWasserkraft Verband (ESHA). WeitereInformationen gibt es unterwww.renexpo-austria.at.


ENergieumweltWasserkraft: Neues E-Werk im Pustertal eröffnetWie ein Felsen, der aus dem Hang brichtMitte Juli wurde das WasserkraftwerkWinnebach KonsortialGmbH feierlich seinerBestimmung übergeben. „Damit geht einlang ersehnter Wunsch in Erfüllung“, erklärtendie Bürgermeister der GemeindenVintl und Terenten, Rudolf Cerbaro undJosef Weger bei der Eröffnungsfeier. Bereitsvor mehr als zehn Jahren wurde dererste Versuch gestartet, gemeinsamein Wasserkraftwerk zu errichten.Nach der Einigung der beiden Gemeindenvereinbarte man die Kooperationmit der SEL AG und gründeteim Frühjahr 2006 die Konsortialgesellschaftmit beschränkter HaftungE-Werk Winnebach. Die GemeindeVintl übernahm 23,33 Prozent, dieGemeinde Terenten 46,67 Prozentund die SEL AG übernahm 30 Prozent.2008 wurde die SEL AG in derKonsortialgesellschaft von der HydrosGmbH ersetzt. Ende FebruarFoto: monovolume2008 wurden die Arbeiten aufgenommenund nach nur einem Jahr Bauzeit ging dasneue E-Werk am 30. März 2009 in Betrieb.Das Besondere liegt an der ansonsten nichtüblichen architektonischen Gestaltung desKrafthauses, die durch das Bozner Architekturbüromonovolume erfolgte. „Dasneue Krafthaus charakterisiert einen Felsen,Das Krafthaus: Außergewöhnliche Architektur.der aus dem Hang bricht. Dieses Bild wirdzusätzlich durch den reduzierten Einsatzvon Materialien sowie durch ‚Adern’ ausgeschichteten Floatglasscheiben und imBeton eingelassenen Cortenstahlschienenund ‚Gesteinsverfärbungen’ in Form vonflächenbündigen Cortentoren verstärkt“,erklärt der verantwortliche Architekt JuriAnton Pobitzer.Das Krafthaus in Obervintl, das auf802 Meter Seehöhe errichtet wurde,ist mit der Wasserfassung amWinnebach auf 1.258 Meter Seehöheüber eine 3,3 Kilometer lange,unterirdische Druckrohrleitungverbunden. Das neue Kraftwerk, daseine Jahresleistung von acht MillionenKilowattstunden aufweist, kannan die 2.000 Haushalte mit Stromversorgen. Die Gesamtkosten dafürbeliefen sich auf fünf MillionenEuro. Schloss Sigmundskron: 1. Südtiroler Sonnenhaus-TagungErstes Südtiroler Sonnenhaus steht in GoldrainZwei Prinzipien stecken hinterder Idee des Sonnenhauses: DieEinstrahlung der Sonne so effizientwie möglich zu nutzen und fehlendeEnergie so effizient wie möglich nachzuheizen.Typisch für die Sonnenhausbauweisesind steil geneigte Sonnenkollektorflächen,die die Sonnenenergie einsammeln.Diese Energie wird in einem großenPufferspeicher mit integriertemWarmwasserboiler über Tage bzw.Wochen gespeichert.Das Konzept eines Sonnenhauseswurden Mitte Juli auf der 1. SüdtirolerSonnenhaus-Tagung aufSchloss Sigmundskron bei Bozenvorgestellt. Dazu eingeladen hatteBauunternehmer und LVH-Ortsobmannvon Schlanders, GüntherGemassmer, Mitglied der GruppeProMassivhaus, einer Interessensgemeinschaftvon rund 40 mittelständischenBauunternehmen ausSüddeutschland, Österreich und64Foto: LVHSonnenhaus in Goldrain: Einstrahlung effizient nutzen.Wirtschaft im Alpenraum • August 2009Südtirol und zurzeit der einzige Anbieterder Sonnenhaus-Bauweise in Südtirol.„Wir haben im vergangenen Winter inGoldrain das erste Sonnenhaus in Südtirolfertig gestellt“, berichtet Gemassmer. WeitereSonnenhäuser werden zurzeit in Partschinsund Sterzing gebaut bzw. ge-plant.Technisch gesehen entspricht das Sonnenhauseinem Klimahaus A. „Man benötigtdazu in Südtirol eine Sonnenkollektorflächezwischen 25 und 35 Quadratmetern.Der Solarspeicher, der die gewonnene Energieverlustfrei speichert, nimmt zumBeispiel in einem typischen Reihenhausvon circa 110 Quadratmetern eine Flächevon etwa vier Quadratmetern in Anspruchund kann im Keller untergebrachtwerden“, so Gemassmer.Die Sonnenhaus-Technik istauch in Mehrfamilienhäuserneinsetzbar. „In einem Sonnenhauswird zwischen 50 und 70Prozent des Energiebedarfsdurch die Sonne gewonnen. DerRest wird durch regenerativeEnergie wie Holzheizung oderHackschnitzel gedeckt“, erklärteder Schweizer UnternehmerJosef Jenni, Referent der Tagung,der in den achtziger Jahren dieIdee des Sonnenhauses begründete.


ENergieumweltAuf diese Art und Weise sollen in BozenSüd 240 Kubikmeter Wasserstoff proStunde produziert werden. Das ergibt5.760 Kubikmeter bzw. rund 500 Kilogrammproduzierten Wasserstoff pro Tag.Zum Vergleich: Ein wasserstoffbetriebenerAutobus benötigt täglich circa 40 KilogrammWasserstoff. „Mit einer Tagesproduktionvon 500 Kilogramm könnten alsozwölf Busse versorgt werden, die damittäglich rund 200 Kilometer zurücklegenkönnen“, rechnet der I.I.T.-Präsident vor.Die neueren Hybridbusse würden sogarschon mit sechs bis zehn KilogrammWasserstoff pro 100 Kilometer auskommen.„Die Entwicklungen in diesem Bereichsind rasant. Die EU prognostiziert,dass bei fortschreitender Entwicklungder Wasserstoff als Treibstoff ab 2025 dieRentabilität erreichen wird“, weiß Huber,der für den Einsatz von erneuerbarenEnergieträgern für die Wasserstoffproduktionund -komprimierung noch eingroßes Optimierungspotential sieht. Derbei der Elektrolyse anfallende Sauerstoff,so Huber, könne in Flaschen gefüllt undbeispielsweise für Gesundheitszwecke vermarktetoder im Bereich der Metallurgieeingesetzt werden.H2-Plattform in Südtirol gegründet.Ende Oktober 2008 erfolgte die Gründungeiner Plattform, die dem Wasserstoffin Südtirol zum Durchbruch verhelfensoll. Auf Initiative des Umwelt- undEnergielandesrats Michl Laimer sind inder H2-Plattform Institutionen wie Land,Uni und EURAC ebenso vertreten, wieUnternehmen, die Erfahrung im Energie-Wasserstoff- oder Autosektor mitbringen.„Unser Ziel ist, Interessierte zusammenzuführen,um die Wasserstofftechnologieauf Landesebene einzuführen und einermöglichst breiten Nutzung zuzuführen“,so Walter Huber. „Denn soll Wasserstoffzu einer ernstzunehmenden Alternativezu fossilen Brennstoffen werden, mussder Kreislauf von der Produktion über dieSpeicherung in Brennstoffzellen bis hinzur Verwendung geschlossen werden.“Diesem übergeordneten Ziel verpflichtet,werden die einzelnen Partner in der H2-Plattform unterschiedliche Wege einschlagen.So werden sich einige auf die H2-Produktion konzentrieren, andere auf denStrom, wieder andere auf die Herstellungvon Brennstoffzellen, Tank- oder Speichersystemenoder auf die Wartung vonH2-getriebenen Motoren und Brennstoffzellen.„Die rund 40 Mitglieder der Plattformtreffen sich alle zwei bis drei Monate,um sich gegenseitig über Neuerungen zuinformieren, Entwicklungen europa- undweltweit zu diskutieren und Anregungenauszutauschen“, so Huber, der sich davonSicherheit für alle Beteiligten verspricht:I.I.T.-Präsident Walter Huber:„Wir wollen die Wasserstoffproduktionfür Forschungszweckenutzen und damitauch Privatinitiativen fürdieses innovative Themagewinnen.“Foto: wia„So wissen alle, dass der zu beschreitendeWeg im Sinne der Zukunftsplanung derLandesregierung ist und dass sich Investitionenlohnen, da es sich um ein zukünftigesBetätigungsfeld und keine Eintagsfliegehandelt.“Neben einer Anlage für die Wasserstoffproduktionwird in Bozen Süd auch eineWasserstofftankstelle vorgesehen. Weiteresind im Rahmen einer so genannten Wasserstoff-Meileentlang der A22 am Brenner,in Nogaredo West und Ost sowie amAutobahnanschluss A4 und A1 geplant.Am Brenner soll die Wasserstoff-Produktionmittels Windkraft, in Nogaredo hingegenmit einer Photovoltaikanlage erfolgen.Zudem wird viel in die Errichtungvon Folgestrukturen investiert. So soll unteranderem eine Struktur für Wartungsarbeitenfür wasserstoffbetriebene Fahrzeugewie Busse errichtet werden.Hydrogen Bus Alliance. Das LandSüdtirol ist Mitglied der „Hydrogen BusAlliance“, der internationalen Wasserstoff-Busflotten-Allianz, die neben Südtirolnoch Amsterdam, Barcelona, Berlin, BritishColumbia, Köln, Hamburg, London,Madrid und Western Australia zu seinenMitgliedern zählt. Die zu 50 Prozent vonder EU finanzierte „Hydrogen Bus Alliance“sieht den Kauf von Wasserstoff-Bussenvor. Zur Funktionsweise dieser Bussein den einzelnen Territorien werden gemeinsameTestprotokolle erstellt, die vonWirtschaft im Alpenraum • August 2009den Herstellern zur Weiterentwicklungihrer Produkte genutzt werden können.„In Südtirol soll der Einsatz von Wasserstoff-BussenEnde 2010/Anfang 2011Realität sein“, ist I.I.T.-Präsident Huberüberzeugt. „Bis 2013 sollen circa 300Busse, bis 2015 rund 1.000 Autobusseim Umlauf sein.“ Der Ankauf von zweiWasserstoffbussen über die I.I.T. ist bereitsgeplant. Wasserstoffbetriebene öffentlicheVerkehrsmittel sollen eine Vorbildfunktionfür die Inhaber privater Verkehrsmitteleinnehmen.Zudem soll künftig der Mix zwischenErdgas und Wasserstoff forciert werden,wobei der Anteil des Wasserstoffs bis zu 30Prozent betragen kann. Ein möglicherEinsatzbereich wären die 80 von der StadtBozen verwendeten Erdgasbusse, die ohnegrößere Investitionen künftig mit einerMischung aus Erdgas und Wasserstoff betanktwerden könnten. „Leider gibt esnoch keine detaillierten Untersuchungendarüber, wo der optimale Mix für die verschiedenenFahrweisen liegt. Aus diesemGrund möchten wir uns mit einer Gruppevon Forschern an der Suche nach effizientenLösungen beteiligen“, so Huber abschließend.Die Gesellschafter des Instituts fürInnovative Technologien (I.I.T.):- 20 Prozent Autonome ProvinzBozen Südtirol- 20 Prozent Brennerautobahn AG- 20 Prozent Leitner AG- 20 Prozent SEL AG- Restliche 20 Prozent: EURAC,SGS Hydrogen S.r.l., GPI S.r.l.67


ENergieumweltEtsch-dialog Oberer Vinschgau: Vorzeige-initiative gestartetFür ein besseres Leben am FlussFotos: Etsch-DialogEs handelt sich in mehrfacher Hinsicht um eine Vorzeige-Initiative: „Etsch-Dialog“ heißt dasProjekt, das in puncto Hochwasserschutz, Landnutzung, Wasserwirtschaft und Ökologie auf einenMehrwert für Etsch, Gemeinden und Bewohner des Oberen Vinschgaus abzielt. Aus der Taufegehoben wurde es von der Abteilung Wasserschutzbauten des Landes Südtirol, gemeinsam miteiner Reihe von Projektpartnern und sechs Gemeinden des Oberen Vinschgaus.von Monika PichlerNach Projekten an der Ahr undam Oberen Eisack dreht sich2009 ein Jahr lang alles um dieEtsch. „Eine integrierte Gewässerschutzpolitikin Europa hat auch uns in Südtiroldazu bewogen, in sensiblen Gebieten dasThema Flussraummanagement anzugehen“,erklärt Rudolf Pollinger, Direktorder Abteilung Wasserschutzbauten, zu denBeweggründen für die Initiative. Das Projekt„Etsch-Dialog“ umfasst die GemeindenLaas, Prad, Schluderns und Glurns.Aufgrund der wasserwirtschaftlichenNutzung sind auch Mals und Graun in dasProjektgebiet eingebunden.Hinter dem sperrigen Begriff „Flussraummanagement“verbergen sich der Flussund das Wasser, ohne die weder Lebennoch Überleben gewährleistet sind, sowiedie Frage, wie die Bedürfnisse von Natur,68Bevölkerung, Landwirtschaft und Industriein der unmittelbaren Flussumgebungmiteinander in Einklang gebracht werdenkönnen. Die Gestaltung der Flussläufe sollneu überdacht, Hochwassersicherheit garantiert,Räume umgestaltet und die Wasserwirtschafteingebunden werden. „EsAbteilungsdirektorRudolfPollinger: „AlleAnforderungensinnvoll vereinen.“braucht also ein Management, einen Entwicklungsplan“,so Pollinger. „Dazu hatWirtschaft im Alpenraum • August 2009die Europäische Union mit der Wasserrahmenrichtlinie,die seit Dezember 2000in Kraft ist, den Startschuss gegeben undfinanziert über das Programm ‚RegionaleWettbewerbsfähigkeit und Beschäftigungdes Fonds für regionale Entwicklung‘das Projekt zu einem beträchtlichen Teilmit.“Konkrete Maßnahmen. Ausgangspunktfür die Erstellung eines Entwicklungsplansist die heutige Situation an der Etsch imOberen Vinschgau. Wie und wohin dieEtsch und ihr Umland sich in den nächsten15 bis 20 Jahren entwickeln sollen,wird vom Flussraumforum ausgearbeitet.Erstmals trafen sich die Interessensvertreterdes Oberen Vinschgau im vergangenenFebruar in Prad, um die Vorgehensweisedes Projektes auszuarbeiten. Auf diesesTreffen folgten drei weitere, ein fünftes


ENergieumweltund letztes Flussraumforum ist für den 15.September vorgesehen. „Das Flussraumforumist als Fachgremium der Schlüsselzur Ausarbeitung eines Leitbildes fürunsere Etsch im Oberen Vinschgau. Wirbeschäftigen uns mit den analysierten Ist-Zuständen und Konfliktpotentialen rundum die Etsch und erarbeiten das Bild fürdie Entwicklung in den nächsten Jahren“,erklärt der Schludernser BürgermeisterErwin Wegmann, der gleichzeitig auch alsSprecher der Steuerungsgruppe „Etsch-Dialog“ fungiert. Im September werdendas Leitbild und der Maßnahmenkataloggenehmigt und Prioritäten, Zeithorizonteund Überprüfungsmodalitäten festgelegt.„Die Weiterentwicklungen der Etsch imOberen Vinschgau sollen in den nächsten20 bis 30 Jahren Bestand haben“, sind dieProjektträger von der Nachhaltigkeit des„Etsch-Dialogs“ überzeugt.In Verbindung mit dem „Etsch-Dialog“finden seit Anfang des Jahres zudem verschiedeneDiskussionsrunden, Kamingesprächeund Schulprojekte im OberenVinschgau statt. Eine Wanderausstellungzur Etsch macht in allen ProjektgemeindenHalt. Gemeinsames Ziel ist die Einbindungder gesamten Bevölkerung. „Unswar wichtig, dass sich jeder aktiv beteiligenund zur Weiterentwicklung der Etschim Oberen Vinschgau beitragen kann“,unterstreicht Willigis Gallmetzer, Projektkoordinatorbei der Abteilung Wasserschutzbauten.Etsch-Dialog macht Schule. BesondereAufmerksamkeit wird auch der Sensibilisierungder Kinder und Jugendlichenim Projektgebiet geschenkt. Gallmetzer:Flussraumforum: „Es geht um eine ganzheitliche Betrachtung des Flussgebiets.“„Für Bewusstseinsbildung zum ThemaFluss stellt die Schule den idealen Kontextdar. Daher haben wir zwei Initiativen angeboten,um den Schülern Verantwortungfür Natur und Umwelt zu vermitteln undden Umgang mit Wasser bewusster zu gestalten:zum einen den Fluss-Bus, ein rollendesForschungslabor, zum anderen daskreative Projekt ‚24 Stunden Fluss‘.“Vom 12. bis 16. Mai machte Lumbricus,der Fluss-Bus, direkt an der Etsch und ihrenNebengewässern Station. Zwei Biologennahmen die rund 300 Grund- undMittelschüler mit auf eine Entdeckungsreisedurch die Flora, Fauna, Gesteinsartenund Wasserqualität ihres Heimatflusses.Die Teilnehmer waren vom erlebnisreichenUnterricht begeistert. Schüler derMittelschule Mals und der GrundschuleTschengls hingegen erarbeiteten im Rahmenvon „24 Stunden Fluss“ mit großemEifer die Projekte „Die Etsch im Olympiafieber“und „Ein Erlebnistag am Fluss“.Große Abschlussveranstaltung. Dasgroße Abschlussfest zum „Etsch-Dialog“findet am 19. September ab 14 Uhr imZeichen von Spiel und Abenteuer amFluss in der Prader Sand statt.Die Projektträger erwarten sich aber auchdarüber hinaus großes Engagement füreine nachhaltige Entwicklung des Flussraumes.Rudolf Pollinger: „In den nächstenJahren wird es darum gehen, mit denFlussgebietsplänen, dem Leitbild undeinem umsetzbaren Masterplan zur Verbesserungder Sicherheit beizutragen undalle Anforderungen von Bevölkerung,Ökologie, Landwirtschaft und Wasserwirtschaftsinnvoll zu vereinen.“Projektträger:Landesabteilung Wasserschutzbauten, LandesabteilungNatur und Landschaft, Amt fürGewässerschutz, Bezirksamt für LandwirtschaftSchlanders, Gemeinden Laas, Prad,Schluderns, Glurns, Graun, Mals, BonifizierungskonsortiumVinschgau, seledison AG,Umweltschutzgruppe Vinschgauwww.etschdialog.itDas Projektgebiet im Oberen Vinschgau: Laas, Prad, Schluderns und Glurns.Wirtschaft im Alpenraum • August 200969


ENergieumweltEnergie lokal organisiert: Schlagkraft durch kooperationBürgernahe Energie fürmehr AutonomieUnter dem Motto „Energie lokal organisiert“werden der Raiffeisen Energieverband (REV) undder Südtiroler Biomasseverband (BMV) in Zukunftenger zusammenarbeiten. wia traf die Vertreterder beiden Organisationen in Toblach zu einemGespräch am Runden Tisch.von Monika Pichlerwia: Können Sie kurz die Inhaltedes Konzeptes „ELO – Energie lokalorganisiert“ erklären und wie es dazugekommen ist?Georg Wunderer, Präsident des REV:Die Idee zu „ELO – Energie lokal organisiert“entstand in der Phase der Liberalisierungdes Strommarktes in Italien Endeder neunziger Jahre. Es wurde eine Arbeitsgruppebestehend aus Etschwerke AG,Stadtwerke Brixen, Stadtwerke Bruneck,Gemeinde Schlanders und Latsch sowieden E-Werken Prad und Stilfs gegründet,die gemeinsam mit verschiedenen Technikernsowie dem Management Center St.Gallen ein Konzept erarbeiteten, wie eineKooperation im Bereich der erneuerbarenEnergien in Südtirol aussehen könnte.Unter anderem war darin vorgesehen, dieStromverteilung auf Bezirksebene zu organisieren.Zwar präsentierten wir unserKonzept dem Landeshauptmann, in derFolge fand es jedoch nicht weiter Berücksichtigung.70Biomasse in Südtirol: Beiden Fernheizwerken geht eskünftig um Optimierung.Wirtschaft im Alpenraum • August 2009Rudi Rienzner, REV-Geschäftsführer:Es ging um die Frage, wie die Energieunternehmenin Südtirol auf die Liberalisierungdes Strommarktes reagieren sollten.Die Liberalisierung bot dem Land Südtiroldie Möglichkeit, sich auf ein Gesetzaus den siebziger Jahren zu berufen, dasdem Land im Energiebereich eine gewisseAutonomie zuweist. Im Prinzip handelt essich bei ELO also um ein Konzept für dieEnergieautonomie in Südtirol. Es ist einProjekt, dem man sich schrittweise nähertund das die gesamte lokale Energieorganisationunter der Berücksichtigung derEigenständigkeit der einzelnen Betriebeumfasst.Wie ging es dann weiter? Verschwanddas Konzept in der Schublade?Rudi Rienzner: Weiterverfolgt wurde


ENergieumweltdas Konzept in einem ersten Moment von den Genossenschaften,die die Ökovolt gründeten, um gewisse Synergien zu schaffenund dadurch Kostenstellen zu reduzieren. Dabei stand der Serviceund nicht so sehr die Interessensvertretung im Vordergrund.Die Gründung des Raiffeisen Energieverbandes im Dezember2007 war dann ein erster Schritt in Richtung Verstärkung derInteressensvertretung. Bereits im September 1999 war der SüdtirolerBiomasseverband aus der Taufe gehoben worden, der imBereich Biomasse dasselbe Ziel verfolgt wie der REV im BereichStrom - die Interessen der Produzenten von erneuerbaren Energienin Südtirol zu vertreten.Mittlerweile sind wir einen wichtigen Schritt weiter. Die erneuerbarenEnergien sind eine Familie, beide Verbände sind indiesem Sektor tätig. Seit Herbst 2008 fanden daher die erstenTreffen zwischen Biomasseverband und Raiffeisen Energieverbandstatt, um eine Zusammenarbeit zu definieren.Hanspeter Fuchs, Präsident des Südtiroler BiomasseverbandsWas erwarten Sie sich von der verstärkten Kooperation?Georg Wunderer: Es wird nur wenige Gebiete in Europa geben,wo eine so große Kompetenz im Bereich der erneuerbarenEnergien vorhanden ist, wie in Südtirol. Sowohl die Fernheizwerkeals auch die Wasserkraftwerke bilden ein dezentral organisiertesNetzwerk von Betrieben, die alle sehr bürgerorientiertund im Allgemeininteresse arbeiten. Da die erneuerbaren Energieträgerüber das ganze Land verstreut sind und ihre Entwicklungnur dezentral möglich ist, müssen sie auch lokal organisiertwerden. Nun gilt es diese Kräfte zu bündeln und in Zukunft gemeinsamaufzutreten. Derzeit umfasst der REV 130 Mitglieder,während der Biomasseverband 45 Mitglieder zählt. Nur wennalle an einem Strang ziehen, können wir das Konzept der lokalorganisierten Energie umsetzen.Rudi Rienzner: Durch die wachsende Zusammenarbeit zwischendem Raiffeisen Energieverband und dem Biomasseverbandin den letzten Monaten möchten wir unsere Ziele in derGemeinschaft stärken. Wir möchten das Projekt „Energie lokalorganisiert“ erneut in Schwung bringen und konsequent weiterverfolgen.Ziel ist es, mit ELO eine Stelle zu schaffen, wo jederBetrieb zentrale Dienste abrufen kann. Erst vor kurzem wurdeeine gemeinsame Schulung im Bereich der Arbeitssicherheitdurchgeführt. Auch in der Öffentlichkeitsarbeit werden die Verbändein Zukunft verstärkt kooperieren. So wird auf der KlimaenergyMesse Ende September in Bozen ein gemeinsamer Auftritterfolgen. Noch ist ELO eine Vision – man wird noch vieleGespräche führen müssen. Wir möchten aber die Initialzünder indieser Sache sein.Georg Wunderer, Präsident des Raiffeisen EnergieverbandsRudi Rienzner, Geschäftsführer des Raiffeisen EnergieverbandsDer Begriff der erneuerbaren Energien ist in letzter Zeitin aller Munde. Fast hat man den Eindruck, man wollehier ständig neue Einrichtungen ins Leben rufen.Hanspeter Fuchs, Präsident des Biomasseverbandes: Ichbin davon überzeugt, dass man das Rad nicht unbedingt neu erfindenmuss. Vielmehr geht es um eine Weiterentwicklung undum eine Koordinierung der einzelnen Realitäten. Welcher Servicekann effizient zentral für jeden einzelnen Betrieb angebotenWirtschaft im Alpenraum • August 2009Norbert Costa, Direktor der Stadtwerke Bruneck71


ENergieumweltImpressumChefredakteur:Mag. Oliver Pohl (op)Stv. Chefredakteurin:MMag. Monika Pichler (mpi)Redaktion (verantwortlich):Gerhard Weissenberger (gw)Mag. Helmuth Thöny (hth)Mag. Andrea Salzburger (asa)Mag. Katharina Ötzbrugger (oka)Maria Natale (mana)Mag. Gloria Staud (gst)Mag. Christof MerglMag. Judith InnerhoferMelanie HollausSabine Mollwerden? Ich denke da beispielsweise andie EDV, die neuen Technologien. Bisherwurde bereits viel Papier produziert. Nunsoll endlich etwas weitergehen.Rudi Rienzner: Letztlich hängt der Erfolgder Initiative „Energie lokal organisiert“von uns ab. Der Sinn der Initiativeliegt auf der Hand. Aber bisweilen tun sichoperative Unternehmen schwer, Gemeinsamkeitenzu finden. In Südtirol herrschtnoch viel zu oft Kirchturmdenken vor.Was halten Sie in diesem Zusammenhangvon der Energie-Roadmapdes Landes, die ausgearbeitet werdensoll?der Biomasse und der Wasserkraft inSüdtirol?Gastautoren:Ingelies ZimmermannAbo-Service:+43(0)512-57 19 85-0(Jahres-Abo 10 Ausgaben inkl.Postversand und MwSt. im Inland Euro 23)Medieninhaber, Herausgeber, Verleger:Pohl & Partner Verlags GmbHAnschrift für alle:Rennweg 9, A-6020 Innsbruck72Anzeigenverwaltung u. Hersteller:Pohl & Partner Verlags GmbHRennweg 9, A-6020 InnsbruckTel. +43 (0)512 57 19 85-0Fax +43 (0)512 57 19 85 - 19e-mail: pohl.partner@wianet.atwww.wianet.atGrafik, Satz, Litho:Mag. (FH) Gertrude Maynollo,Kathrin Ettel, Barbara TriendlDruck:Niederösterreichisches PressehausAlle in diesem Magazin angeführten Datenund Fakten wurden nach bestem Wissenrecherchiert. Trotzdem muss sich dieRedaktion Irrtümer sowie Satz- undDruckfehler vorbehalten.Bildquellen:photocase, BilderBox, wiaDie nächste Ausgabe erscheint am:07. 09. 2009Anzeigenschluss:28. 08. 2009Wasserkraft in Südtirol: „Die Nutzung weiterer Gewässer muss nachhaltig erfolgen.“Rupert Rosanelli, Geschäftsführer derSyneco Consulting: Die Roadmap desLandes versammelt sämtliche öffentlicheOrganisationen im Bereich der erneuerbarenEnergien, private Betriebe sind keinedabei. Der Informationsaustausch, derdadurch erfolgt, ist durchaus zu begrüßen,aber das Ganze läuft zu distanziert von deneigentlichen Akteuren ab. Vielmehr gehtes darum, den Forschungs- und Entwicklungsbedarfin diesem Bereich zu erheben.Für die Festlegung eines Rahmenkonzeptssamt Zielen wäre hingegen ein neuer Landesenergieplanviel geeigneter. Der letztestammt aus dem Jahr 1995. In Südtirol istlokal sehr viel Know-how im Bereich erneuerbareEnergie vorhanden. Das mussberücksichtigt werden, wenn man einenneuen Plan aufstellt.Gibt es Grenzen in der NutzungWirtschaft im Alpenraum • August 2009Hanspeter Fuchs: Was die Biomassebetrifft, liegen die Grenzen für Südtirolbei circa einer Million Schüttraummeter.Derzeit sind wir in Zusammenarbeitmit dem Südtiroler Bauernbund dabei,die Nutzung der Biomasse aus den heimischenWäldern zu fördern und in Zusammenarbeitmit der Forstverwaltung,eventuelle Probleme auf Bezirksebenezu lösen. Wenn das gesamte Potential derheimischen Wälder genützt würde, dannkönnten wir den jährlichen Verbrauch inSüdtirol abdecken. Derzeit stammt jedochnur 20 Prozent der Biomasse aus den heimischenWäldern, der Rest wird von außenzugekauft. Was schließlich die Anzahlder Fernheizwerke in Südtirol betrifft, gibtes sicherlich eine Sättigung. Es bestehen60 Werke in 116 Gemeinden, damit sindwir neben Skandinavien führend in Europa.In den nächsten Jahren wird es daher indiesem Bereich vorrangig um eine Optimierunggehen. Fernheizwerke sollen keineModeerscheinung werden, sondern siemüssen wirtschaftlich arbeiten können. InSüdtirol stehen sie zu 95 Prozent dort, wosie auch Sinn machen.Georg Wunderer: Beim Strom ist dasThema der Sättigung ein heikles Kapitel.In punkto Erzeugung können wir hier aufeine interessante Entwicklung zurückblicken:1999 wurden in Südtirol 5,8 MilliardenKilowattstunden Strom erzeugt.Durch die Restwasserverordnung aus dem


ENergieumweltJahr 2002 ging die Produktion um 1,2Milliarden Kilowattstunden zurück. Heutebeträgt die landesweite Produktion 4,8Milliarden Kilowattstunden. Es gibt nochGewässer, die genutzt werden könnten,aber eine solche Nutzung muss nachhaltigund insbesondere sozialverträglich erfolgen.Ich schätze das Potenzial auf circa 0,5bis eine Milliarde Kilowattstunden ein.Rupert Rosanelli: Es gibt bei der Wasserkraftnoch einige Nischen, etwa imBereich der Trinkwasserleitungen, diedurch lokale Akteure erschlossen werdenkönnen. Noch viel Potenzial sehe ich inder Kraftwärmekoppelung (KWK). IhreWeiterentwicklung wird in Zukunft einwichtiges Thema der Fernheizwerke undGemeinden sein. Weitere Chancen liegenin der energetischen Nutzung von Reststoffen,die noch verstärkt werden kann. Ingewissen Bereichen ist also noch viel zutun. An oberster Stelle soll dabei der lokaleNutzen stehen.Wo sehen Sie Handlungsfelder für dieEnergie-Zukunft des Landes?Georg Wunderer: Großes Potenzial liegtmeiner Ansicht nach in der Photovoltaik.Wenn der Preis der Solarzellen weiter fällt,wird diese Form der Energieerzeugunglangsam wirtschaftlich und soll daher auchins Auge gefasst werden. Die 3.000-Einwohner-GemeindePrad am Stilfserjochwird ab 2010 vier Millionen KilowattstundenStrom durch Photovoltaikanlagenerzeugen, das entspricht einer Pro-Kopf-Erzeugung von 1.200 KilowattstundenStrom. Insgesamt sind die Voraussetzungenfür eine erfolgreiche Zukunft wirtschaftlichgesunde Betriebe, deren Gewinnewieder reinvestiert werden.Rupert Rosanelli: Meiner Ansicht nachwird die Energieeinsparung ein großesZukunftsthema. Denn die wertvollste Energieist die, die nicht verbraucht wird. DieEnergieeinsparung wird in Zukunft nichtnur einen wesentlichen Aufgabenbereichder lokalen Betriebe darstellen, sondernauch zu deren Weiterentwicklung maßgeblichbeitragen.Norbert Costa, Verwaltungsrat desBiomasseverbandes und Direktor derStadtwerke Bruneck: Nicht vergessenwerden darf die Energieeffizienz dergesamten Anlagen. Wir müssen uns unsererklimatischen Situation bewusst seinund versuchen, die Energieeffizienz derAnlagen laufend zu verbessern. Auch dieFördermaßnahmen sollten auf bestimmteKriterien der Energieeffizienz ausgerichtetsein.Rudi Rienzner: Durch die Liberalisierungkam es zu einer starken Kommerzialisierungder Stromversorgung. Südtirolmuss aufpassen, dass die Energie nicht zueinem Spekulationsobjekt wird. Vielmehrbrauchen wir eine sozial verträglicheEnergieversorgung, denn Energie ist einGrundnahrungsmittel. Nicht Kapital undDividende sollen im Mittelpunkt stehen,sondern die Energie soll beim Bürgergünstig ankommen. Um eine nachhaltigeWirtschaft aufzubauen, muss man daherdas Prinzip der Allgemeinnützigkeit berücksichtigen.Vielen Dank für das Gespräch.Kompetenz und Partnerschaft für EnergieSeit mehreren Jahren ist SYNECOmit einem interdisziplinären Teamexklusiver Fachpartner des SüdtirolerBiomasseverbandes und des RaiffeisenEnergieverbandes, der beiden wichtigstenInteressensvertretungen der Energieproduzentenund -verteiler in Südtirol. DerAufgabenbereich reicht von der allgemeinenAufbauarbeit und Verbandsbetreuungüber diverse Services für die Mitgliederbis hin zur Betreuung und Realisierungvon Energie- und Anlagenprojekten.SYNECO hat mit den HaupttätigkeitsbereichenEnergie, Umwelt und Innovationeine führende Marktposition alsBeratungs- und Serviceunternehmenaufgebaut. Vom Standort Südtirol aus, mitBetriebsstellen in Innsbruck und Bologna,verknüpft SYNECO Märkte, Technologienund Menschen. Vertieftes Know-howbesteht für Projektentwicklung von Energieerzeugungsanlagenmit erneuerbarenEnergieträgern, insbesondere Bio- undSolarenergie. Auch integrierte EnergieundUmweltprojekte für überbetrieblicheund öffentliche Organisationen gehörenzum täglichen Geschäft. SYNECO unterstütztneben regionalen Unternehmen undKörperschaften auch Firmen nördlich desAlpenhauptkammes bei der Markteinführungin Italien. Als absolut herstellerunabhängigesBeratungsunternehmen arbeitetSYNECO ausschließlich im Interesse seinerAuftraggeber.Durch die guten direkten Kontakte zuden nationalen Stellen wie GSE, AEEG,ENEL, FIPER und einschlägigen Ministerienist das Team immer auf dem letztenStand der Entwicklungen und unterstütztRupert Rosanelli, Geschäftsführer desEnergiedienstleisters SYNECO.Wirtschaft im Alpenraum • August 2009die Kunden in technisch-rechtlichenSpezialfragen, bei den teils aufwändigenGenehmigungsverfahren und bei derAbwicklung der notwendigen Schritte,um in den Genuss der nationalen Förderungenzu gelangen.SYNECO ist Mitglied der KompetenzzentrenCoPES (Photovoltaik), ALPIBIOGAS (Bioenergie) und META-MORPHOSIS (ecodesign), die Forschungs-und Entwicklungsprojekte imBereich der erneuerbaren Energien unddes ökologischen Produktdesigns in Zusammenarbeitmit in- und ausländischenForschungseinrichtungen vorantreiben.Gemeinsam mit unseren Partnerninvestieren wir in die Zukunft!73

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