Vortrag Heino Stöver - Österreichische ARGE Suchtvorbeugung

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Vortrag Heino Stöver - Österreichische ARGE Suchtvorbeugung

ARGE Tagung, Gender und Sucht. BrennpunktGendersensible Suchtprävention und Suchtarbeit:„Kann gendern ‘was ändern?“„Männlichkeiten und Sucht/Süchte“Prof. Dr. Heino Stöver, Institut für Suchtforschung Frankfurt(ISFF)1


Höhere Mortalität an Herz-Kreislauf-Erkrankungen Höhere Unfallraten (einschl. Arbeits- u.Verkehrsunfälle Höhere Selbstmordrate HIV/AIDS und viele andere Infektionskrankheiten Höhere Delinquenz und Haftaufenthalte Höherer Alkohol- und Drogengebrauch Höhere Anzahl von Leberzirrhose u.Lungenkrebs, Herzinfarkte und Muskel-Skelett-Erkrankungen Kürzere Lebenserwartung (6 Jahre) Höherer Anteil von Fettleibigkeit/Adipositas … …aber gesund!5


GesundheitsriskantereVerhaltensweisen, Nicht-Inanspruchnahme vonFrüherkennungs-/Vorsorgeangeboten Teil derMännlichkeitskonstruktion Je unachtsamer, cooler,selbstsorgloser, riskanter, destomännlicher Schlafen, Trinken, Sporttreiben,Arbeiten… - immer sichtbar machen!!7


Alkohol: 1/3 Frauen, 2/3 Männer Illegale Drogen: 1/3 Frauen, 2/3 Männer Path. Glücksspiel: 10% Frauen, 90% Männer Essstörungen: 90% Frauen, 10% Männer Medikamentenabhängigkeit: 2/3 Frauen, 1/3Männer Also: Was hat ihr Drogenkonsum mit ihremAlltag, ihrem Mannsein und den gesellschaftlichenWerten und Normen zu tun?Angaben: Drogenbeauftragte der Bundesregierung (Nov. 2002)14


Zusammenfassend zeichnen sich seit2001 bzw. 2004 bei den 12- bis 17-jährigen Jugendlichen substanzübergreifend,d. h. für Alkohol, Tabak undCannabis, Konsumrückgänge ab.15


(BZgA 2012)


(BZgA 2012)


(BZgA 2012)


(BZgA 2012)


(BZgA 2012)


(BZgA 2012)


(BZgA 2012)


Seit 2001 ist der Anteil exzessiv konsumierenderMädchen signifikant angestiegen Mit zunehmendem Alter sind es jedoch vorallem männliche Jugendliche, diedurchschnittlich größere Mengen,regelmäßiger und exzessiver trinken Die Anzahl der alkoholintoxikierten männlichenJugendlichen ist annähernd doppelt so hochwie bei den weiblichen Jugendlichen24


27 Mio. Menschen > 65 Jahre Problematischen Alkoholgebrauch:26,9% Männer + 7,7% Frauen Alkoholiker/innen:2 - 3% Männer + 0,5% Frauen 16% Männer + 7% Frauen rauchen 5-10% Schmerzmittel Nur 12.400 wurden erreicht durchHilfeangebote Adäquate Angebote?25


Angleichungstendenzen in jüngerenAltersgruppen Aber: Härtere Konsummuster inBezug auf Quantität und Qualität Aber: Konsum öffentlicher,unangepaßter, risikoreicher Aber: Früherer Einstieg Aber: Größere psycho-sozialeFolgeproblematiken Aber: Weniger protektive Kräfte27


Unverletzlichkeitsphantasien Abwertungen von Frauen und Männern Hierarchisierungen Größenwahn und Gruppenerleben Kampf- und Komatrinken (nicht nur beiJugendlichen!), Quantifizierung, Trophäen sammeln Demonstration von Stärke, Mut und Macht Symbolisierung – die Sprache desAlkohols „Kleine Fluchten“ – vor sich selbst?29


Gesundheitsriskante Verhaltensweisendifferieren stark mit dem Geschlecht –Selbst-Sorglosigkeit traditionellmännlich konnotiert und praktiziert Jungen und junge Männer suchen vorallem körperliche Grenzerfahrungen mitexternalisierenden Strategien (z.B.exzessive Alkoholkonsumpraxen) Alkoholtrinken – wirkungs- stattgenussorientiert30


Angleichungstendenzen vorübergehend -im substanzmittel-spezifischenRisikoverhalten sind Männer in allenAltersgruppen stärker vertreten Hohe Funktionalitäten männlichenRisikoverhaltens - riskanterAlkoholkonsum als Mittel zurDemonstration männlicher Integrität undInvulnerabilität und zur Bewältigunggesellschaftlicher Anforderungen an diemännliche Geschlechtsrolle – warum 31gerade Alkohol?


Wie beschreiben junge Männer und jungeFrauen ihre Alkoholkonsumpraktiken?Gibt es altersbezogene Veränderungen?Geschlechtertypische Konsumpraktiken?Welche Konsumformen bewerten diejungen Erwachsenen für Männerangemessen und welche für Frauen?Welche Bedeutung hat Alkoholkonsumund Rauschtrinken für die Inszenierungvon Männlichkeiten und Weiblichkeiten?Wie wirken sich unterschiedliche sozialeMilieus aus?3333


9 leitfadengestützteGruppendiskussionen mit Frauen,Männern und gemischtgeschlechtlichen(Real-)Gruppen12 Problemzentrierte Einzelinterviews 30 junge Männer + 23 junge Frauen,Durchschnittsalter 20,8 Jahre 24 Abitur, 17 Mittlere Reife, 9Hauptschule, 3 (noch) keinenQuantitativer Kurzfragebogen34


Getränkeprävalenz in %gesamt Männer Frauen10087 83 87807061453355279185907879778359524791797035


Jungen/junge Männer demonstrieren Männlichkeit:Trinkspiele, Prahlerei, Abwertung des Nicht-Trinkens alsunmännlich Mädchen/junge Frauen: Ambivalenz zw. demRauschtrinken als Form der Gleichberechtigung undErfüllung gesellschaftlicher Erwartungen Rauschkonsum der Männer als regelkonformesVerhalten Trinkende Mädchen/Frauen von beiden Geschlechtern inihrer Weiblichkeit abgewertet Verinnerlichung gesellschaftlicher Konventionen undtraditioneller, ‚männlicher‘ Bewertungsmuster36


Gemischtgeschlechtliche Trinkgruppenüblich, Rauschkonsum in geschlechterhomogenenGruppen bevorzugtDosierter/kontrollierter Einsatz vonAlkohol als Katalysator derKontaktaufnahme zum anderenGeschlechtVeränderung des Konsumverhaltens ineiner Partnerschaft37


Jüngere Männer:- Grenzerfahrungen,- Exzessiver, unterbrochenerDrogenkonsum- harte Konsummuster Ältere Männer:- permanenter Alkohol- undDrogenkonsum- Auseinandersetzung mit Konsum(Rauchen)40


Selbstsorge Ernährung Bewegung Inanspruchnahme von Früherkennung „Geht schon“, „kriegen wir schon hin“,diesmal noch“, „merkt keiner“ „Was von allein kommt, geht auch vonallein wieder weg“ Kommunikative Kompetenzen =>42


Emotionale Kontrolle Homophobie Kontroll-, Macht-, Wettbewerbszwänge Hemmung sexuellen, affektiven Verhaltens ‚Sucht‘ nach Leistung und Erfolg (Erwerbs-)Arbeitssucht Defizitäre Gesundheitsverhalten44


‚Entwicklungsfunktional‘ Alkoholgebrauch als Stimulations- undKompensationsmittel gegenüberLeistungsanspruch+Kampfbereitschaft Alkoholgebrauch/-mißbrauch alsLinderungsmittel traditionellerMännlichkeit: Verdrängen, Abspalten,Abschotten Alkohol auch als Kontaktmittel, umtraditionelle Grenzen zu überschreiten46


Vater Orientierung Sinn Innere Stärke (Balance) Beziehungs-, Liebesfähigkeit Vorbereitung auf Herausforderungen anMänner durch psycho-sozio-kulturellenUmbruch Männer = Modernisierungsverlierer?47


„Bedürfnis nach Macht-erlebte Ohnmacht-Alkoholkonsum“ Dominanzstreben bei der stärkstenKonsumgruppe bei jungen Männern amhöchsten Need for power-Hypothese: der Wunschnach vergrößerter persönlicher Machtkorreliert mit starkem Trinken48


VON „TRUNKENBOLDEN“ UND ANDERENMÄNNERN IM RAUSCHSucht und Männlichkeiten in Theorie und Praxis


Warum gerade jetzt? Geschlecht als zentrale Kategorie in derGesundheitsförderung Konstruktionen von Männlichkeiten unddie Bedeutung des Drogengebrauchs Gender Mainstreaming51


Warum bleiben Männer gesund - Was sinddie „heilsamen Ressourcen“? Von der Medikalisierung noch nicht ganzerfasst – der ‚gesunde Mann‘ Defizitäre Blick = autonomie-einschränkend =kontraproduktiv Wie kann man zu Gesundheit befähigen?- Orientierung am Gelingenden- Wissenslücken in Bezug auf männlicheSozialisation, Lebenslagen und Risikolust- Akzeptanz-orientiert arbeiten52


Leitbild und Konzepten Qualifikation der MitarbeiterInnen Angebotstruktur Kommunikation Datenerhebung und Dokumentation Darstellung der Angebote Rahmenbedingungen Steuerung Vernetzung und KooperationVgl. Heinzen-Voß/Ludwig (2009): Grundlagen und Leitlinien – Genderaspekte inInstitutionen der Suchthilfe53


Suchtarbeit ist effizient underfolgreich: zielgruppenspezifisch lebensweltnah orientiert an Erfahrungen,Bedürfnissen und Ressourcen54


Inhalt: In allen Ländern der Weltkonsumieren Männer mehrAlkohol und rufen dabeimehr Probleme hervor alsFrauen Konstruktion vonMännlichkeit „Doinggender with drugs“ Demonstrationvermeintlicher Macht undStärke Teil des männlichenRisikoverhaltens57


Bei Jugendlichen unangemessen Suchtdiskurs und Autonomie – in allenAltersstufen Gefährlichkeitsraum wird geöffnet Risikokompetenz erwerben58


äventionAlkohol-EinheitenrechnerAlkohol Diary Login59


Alkohol. Irgendwann ist der Spaß vorbei60


Alkohol. Irgendwann ist der Spaß vorbei61


Phase exzessiven Drogenkonsums ohneirreversiblen Schädigungen überleben Überleben ohne größeren psycho-sozialeFolgeschäden überstehen Schwerwiegende Folgen für Dritte vermeiden Wissen um Wirkungen, Wechsel- undNebenwirkungen vergrößern „Drogenkonsum“ als Herstellungsmittel vonMännlichkeit hinterfragen Sensibilisierung für eindimensionale Ausrichtung Genussorientierung62


Harm Reduction (1/2)Zahlreiche risikominimierende Strategien undSelbstkontrollregeln–Regulierung der Trinkmenge/Grenzen erkennen undeinhalten/Vermeiden bestimmter Getränke o.Mischkonsum–Anpassung des Konsums an Verpflichtungen,Beachtung der körperlichen und/oder psychischenVoraussetzungen–Gegenseitiges Achtgeben–Kein Fahren unter AlkoholeinflussErfahrungen der vergangenen Jahreerleichtern erheblich den risikoarmenKonsum; alkohol 2.063


Harm Reduction (2/2)Problematische Folgen vorrangig beiden jungen Männern (z.B. Gewaltausübung/-erfahrung,riskante Situationen,Vorwürfe durch Familie etc.)Angemessene, glaubwürdigeThematisierung64


Optimaler Umgang mit dem akzeptiertenRisiko und dem kompetenten Ausschließennicht akzeptabler Risiken -Rausch- und Risikoerfahrungen als Mittelfür persönliches Wachstum undgesellschaftliche Veränderung +Offene Kommunikation +Stabile, unterstützende soziale Netze +Selbstwahrnehmung +Abwägen, aber reflektierteEntscheidung als soziales Phänomen66


– Gruppe als Risiko- undSchutzraum– Entwicklung einer Vielzahl vonRegeln und Ritualen– Austarieren „Nicht übertreiben“– Delegation „Aufpassen“67


Verantwortungsvoller vs.verantwortungsloser UDie Kampagne hat zum Ziel, über Alkohol –seine Wirkungen, seineGesundheitsschädlichkeit und seinSuchtpotenzial – zu informieren und zueinem verantwortungsbewussten Umgangmit Alkohol zu motivieren.68


Alkohol-EinheitenrechnerAlkohol Diary Login69


Prävention


Warum bleiben Männer gesund - Wassind die „heilsamen Ressourcen“? Defizitäre Blick = autonomieeinschränkend= kontraproduktiv Wie kann man zu Gesundheitbefähigen?72


Orientierung am Gelingenden Wissenslücken in Bezug aufmännliche Sozialisation,Lebenslagen und Risikolust Akzeptanz-orientiert arbeiten73


Auseinandersetzung mit d. eigenenKonstruktionen von Männlichkeit Beziehungen zu Frauen zu komplex? Organisationelle Antwort/en (Vorübergehend) monogeschlechtlicheGruppen-/Einzeltherapie Alternative Erfahrungen von Rausch Identitätsangebote: Ehemaliger?74


Körperbewußtsein/-erfahrung Konfliktfähigkeiten erhöhen Ressourcen identifizieren und steigern Handlungskompetenzen erhöhen Alternative Erfahrungen von Rausch Identitätsangebote: Ehemaliger? Verminderung der Abhängigkeit vonErwerbsarbeit75


Champions identifizieren: Beispiele guter männer-/frauenspezifischer Praxis in- Prävention- Beratung- Behandlung Erfahrungen und Konzepte sammeln und auswerten:Wo und wie wird frauen- und männerspezfisichgearbeitet? Methoden systematisieren Lernen von der Frauengesundheits/-sucht – Debatte? Strukturelle Verankerung + Entwicklung vonLeitlinien =>76


Verantwortungsübernahme derLeitung, z.B. Personalpolitik Bereitstellung von Ressourcen Weiterentwicklung der Fachlichkeit Haltung der MitarbeiterInnen Planung, Umsetzung, Evaluationprozessorientiert77


Gleichberechtigte Behandlung beiderGeschlechter Reflektierte professionelle Praxis Verbesserung der Zugänge zuHilfeangeboten und Erhöhung derWirksamkeit78


Welche Schutzmöglichkeiten haben Männer?


Konzentration Aktivität Präsentation Kulturelle Lösung Leistung HeterosozialerBezug Konflikt Stärke Integration Reflexivität Selbstbezug Kulturelle Bindung Entspannung Homosozialer Bezug Schutz Begrenztheit


Ermittlung geschlechtsspezifischerBedürfnisse Entwicklung differenzierter Angebote inPrävention, Beratung und Therapie Bezüge auf gesamtgesellschaftlicheStruktur herstellen Vernetzung und Koordinationgeschlechterspezifischer Angebote


Die Bedeutung der peer-group: Gemeinsamkeiterleben Die Gratwanderung in der Bewältigung desRausches Risikofreudigkeit und Risikoreduktion Macht- und Stärkerituale/-gefühle herausfinden Eigene Ressourcen entdecken:Kontrollstrategien, Souveränität Ambivalente Haltungen identifizieren undthematisieren Ungebrochenes Mannsein erleben können Wissen vermitteln


Die Vaterbeziehung und das eigene Vatersein Beziehungen zu anderen Männern Beziehung zum/zur Partner/in Sexualität Gewalttätigkeit und Gewalterleben Erwerbsleben und Arbeitslosigkeit Bewältigung des Allein-Seins Kulturspezifische Themen: Beispiel: „Wieumgehen mit Stärkeritualen und Kampfeslust“? Bewältigungsziele: „Ich minus Sucht = gleichguter Mann“?


Handlungsempfehlungen LWL Wachsende (Gender)Sensibilisierung? Beginn einer Bewegung? Größerer Kontext: Männergesundheit- Zugang zu Gesundheitsdiensten- Adhärenz bei Behandlungen- Selbstheilung/-hilfe- Rauchverhalten bei Männern im 3.Lebensjahrzehnt Alters-/Migrationsspezifische Ansätze www.drugsandgender.ch auch für D. und A.?


Gender mainstreaming:männerspezifische Angebote alsQuerschnittsaufgabe aller in derSuchthilfe tätigen Organisationen Männerspezifische Angebote alsQualitätskriterium der Förderung vonSuchthilfearbeit86


Für viele Männer ist „Gender“ einweiblich konnotierter Begriff Frauen haben Kompetenzen imUmgang mit diesem Thema erworbenhaben - das Kompetenzgefälle wirdggf. als bedrohlich erlebt ‚Gender‘ passt nicht recht zummännlichen Selbstverständnis87


- Gender mainstreaming zu Lastenvon Frauenförderung?- Gefahr: ‚malestreaming‘?- Ressourcenumverteilung?- Geringschätzung der Bedeutungvon GM- Nicht-Kenntnis der Überlegenheitvon GM-Angeboten- Abwertungen88


Champions identifizieren: Beispieleguter männerspezifischer Praxis in- Prävention- Beratung- Behandlung Erfahrungen und Konzepte sammelnund auswerten: Wo und wie wirdmännerspezifische gearbeitet? Methoden systematisieren Entwicklung von Leitlinien?


Let‘s gender together!!90


http://www.archido.dewww.drugsandgender.ch

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