Merkblatt Chemischreinigung - Rhein-Erft-Kreis

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Merkblatt Chemischreinigung - Rhein-Erft-Kreis

Stand: August 2008, Seite 1

Der Landrat

Untere Wasserbehörde

Einleitung von lösemittelhaltigem Kontaktwasser

aus Chemischreinigungen in öffentliche Abwasseranlagen

1. Problemdarstellung

Leitfaden für Ingenieurbüros, Bauherren und Betreiber

Entsprechend der 2. BimSchV darf seit dem 01.01.1993 als Lösungsmittel in Chemischreinigungsanlagen nur noch

Tetrachlorethen (Perchlorethylen - Per) in technisch reiner Form verwendet werden.

Beim Einsatz von Per in Chemischreinigungsanlagen werden dessen physikalischen und chemischen Eigenschaften

wie z.B. sehr gute Fettlösbarkeit, Nichtbrennbarkeit, Leichtflüchtigkeit genutzt. Gelangt Per in die Umwelt, so

hat dies negative Auswirkungen auf die Umwelt und damit auch auf den Menschen.

Per ist ein Lösungsmittel auf der Basis halogenorganischer Verbindungen (HOV). Die Lösungsmittel auf HOV-Basis

gelten seit längerer Zeit für die Umwelt und insbesondere für das Wasser als gefährliche Stoffe. Der über viele

Jahre zu sorglose Umgang mit diesen Stoffen und die weitverbreitete Unkenntnis über ihr Umweltverhalten,

insbesondere über ihr Durchdringungsvermögen von Beton, haben zu einer erheblichen Gefährdung der Trinkwasserversorgung

durch viele, oft zu spät erkannte Grundwasserschadensfälle geführt. Ihre große Flüchtigkeit

und die unzureichende Kenntnis über ihren Abbau in der Atmosphäre haben den unzutreffenden Eindruck erweckt,

sie würden sich in der Atmosphäre nicht anreichern können. Inzwischen ist die Gefährdung der Umwelt

und speziell des Wassers durch halogenorganische Verbindungen längst erkannt.

Lösungsmittel gehören entsprechend der Definition des Wasserhaushaltsgesetzes ∋ 7a zu den gefährlichen Stoffen.

Als gefährliche Stoffe sind Stoffe oder Stoffgruppen einzustufen, wenn sie wegen der Besorgnis einer Giftigkeit,

Langlebigkeit, Anreicherungsfähigkeit oder einer krebserzeugenden, fruchtschädigenden oder erbgutverändernden

Wirkung als gefährlich zu bewerten sind.

Deshalb darf die wässrige Phase (Lösungsmittel-Wassergemisch) aus der destillierten Flotte der Reinigungsmaschine

oder aus der Abluftreinigung durch Aktivkohlefilter nicht ohne entsprechende Vorbehandlung nach dem

Stand der Technik in die öffentliche Abwasseranlage (Kanalisation oder Kläranlage) eingeleitet werden.

Durch die Behandlung des Kontaktwassers nach dem Stand der Technik muss der Betreiber der Chemischreinigung

den Perchlorethyleneintrag bei der Abwassereinleitung in die öffentliche Kanalisation minimieren und den

nach Anhang 52 der Abwasserverordnung festgesetzten Grenzwert für AOX (Adsorbierbare organisch gebundene

Halogene) einhalten.

Weiterhin können Betreiber durch eine Abwasserbehandlung des anfallenden Kontaktwassers nach dem Stand

der Technik erhebliche Entsorgungskosten einsparen. Mitarbeiter sowie unmittelbar benachbart wohnende Personen

werden durch Anlagerung von Perchlorethylen im Fettgewebe gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt.

Durch Emissionen von halogenierten Kohlenwasserstoffen aus Chemischreinigungsanlagen kann es zu globalen

Störungen des natürlichen Ozongehaltes in der Stratosphäre und zur Erhöhung des Treibhauseffektes kommen.


2. Gesetzliche Grundlagen

Grundlagen für zu stellende Anforderungen an das Einleiten von Abwasser bilden das Gesetz zur Ordnung des

Wasserhaushalts (Wasserhaushaltsgesetz - WHG) als Rahmengesetz sowie das Wassergesetz für das Land Nordrhein-Westfalen

(Landeswassergesetz - LWG) als den Rahmen ausfüllendes Landesgesetz.

Nach § 58 Absatz 2 des Wassergesetzes für das Land Nordrhein-Westfalen (Landeswassergesetz - LWG) bedürfen

Bau, Betrieb und wesentliche Änderungen von Abwasserbehandlungsanlagen einer Genehmigung durch die

Untere Wasserbehörde des Rhein-Erft-Kreises. Die Genehmigung nach § 58 Absatz 2 LWG ist nicht erforderlich,

wenn die Abwasserbehandlungsanlage durch die ⎺Rechtsverordnung über die Freistellung von Abwasserbehandlungsanlagen

von der Genehmigungspflicht (FreistVO) von der Genehmigung freigestellt ist.

Die Indirekteinleitung von Abwasser mit gefährlichen Inhaltsstoffen bedarf nach § 59 LWG der Genehmigung

durch die Untere Wasserbehörde des Rhein-Erft-Kreises.

Eine Abwasserbehandlungsanlage im weitestgehenden Sinne ist definiert als Anlage zur Reduzierung bzw. Elimination

und Rückhaltung bestimmter Schmutz- und Schadstoffe. Die Indirekteinleitung bezieht sich auf Abwasser

mit gefährlichen Inhaltsstoffen (Definition § 7a WHG), welches nach dem Durchfließen einer Abwasserbehandlungsanlage

der städtischen Misch- oder Schmutzwasserkanalisation zur weitergehenden Abwasserbehandlung

in der kommunalen Kläranlage zugeführt wird.

Den einzuhaltenden Grenzwert für AOX (Adsorbierbare organisch gebundene Halogene) im Ablauf der Abwasservorbehandlungsanlage

sowie die zwingend vorgeschriebenen Behandlungsverfahren regelt die Abwasserverordnung

mit ihrem Anhang 52: Chemischreinigung.

3. Abwasserbehandlungsanlagen für Kontaktwasser aus Chemischreinigungsanlagen

3.1. Wasserabscheider

Wasserabscheider sind Anlagen zur Rückgewinnung von Lösungsmitteln aus der wässrigen Phase (z.B. aus der

destillierten Flotte der Reinigungsmaschine oder aus der Abluftreinigung durch Aktivkohlefilter) durch mechanische

Abtrennung. Aufgrund der unterschiedlichen Dichte der ungelösten Lösemittel im Abwasser setzt sich das

schwerere Lösungsmittel im Abscheider nach entsprechender Verweilzeit ab.

Als Abwasser ist erst die aus den Wasserabscheidern abgeschiedene

wässrige Phase (Kontaktwasser) anzusehen. Aufgrund der Restbelastung

von ca. 160 mg/l Per ist das Kontaktwasser der weitergehenden

Abwasserbehandlung zuzuführen oder entsprechend zu entsorgen.

3.2. Kontaktwasserbehandlungsanlagen

3.2.1. Sicherheitsabscheider

Es handelt sich hierbei um einen sogenannten Schwerkraftabscheider, d.h. das leichtere Kontaktwasser lagert sich

über dem schwereren nicht gelösten Lösungsmittel allein durch die unterschiedliche Dichte ab.

Im Bedarfsfall, insbesondere nach Betriebsstörungen der Lösemitteldestillation, muss der Sicherheitsabscheider

den gesamten Kontaktwasseranfall eines Tages auffangen. Der Sicherheitsabscheider ist Bestandteil der Kontaktwasserbehandlungsanlage.

Er sollte z.B. einem Aktivkohlefilter vorgeschaltet sein.

3.2.2. Adsorption an Aktivkohle

Bei diesem Verfahren strömt das lösemittelhaltige Kontaktwasser durch einen oder mehrere Adsorber (Module)

hindurch. Dabei werden die Lösungsmittel an der porösen Oberfläche der Aktivkohle durch Molekularkräfte angereichert.

Nach Erschöpfung der Aufnahmekapazität des Aktivkohlefilters, d.h. wenn die maximale Durchsatzmenge

von Kontaktwasser gemäß den Angaben der Betriebsbeschreibung des Herstellers behandelt worden ist, ist

dieser gegen einen neuen unbeladenen Aktivkohlefilter auszutauschen.

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3.2.3. Extraktions-/Sorptionsanlagen

Das Lösungsmittel wird bei diesem Verfahren von der Extraktionsflüssigkeit, einem lipophilen (fettliebenden)

Mittel auf Paraffinölbasis, aufgenommen. Der Ablauf der Anlage (vom Lösungsmittel befreites Abwasser) kann in

die Kanalisation abgelassen werden. Das mit leichtflüchtigen Chlorkohlenwasserstoffen beladene Extraktionsmittel

kann in der betriebsinternen Destillationsblase aufbereitet oder entsprechend entsorgt werden.

3.2.4. Stripverfahren

Beim Strippen wird das leichtflüchtige Per aus dem Kontaktwasser mit der Hilfe von durchströmender Luft ausgetrieben.

Durch das Nachschalten eines Aktivkohle-Luftfilters wird das PER-haltige Trägermedium Luft regeneriert.

Stripanlagen kommen nur für größere Betriebe mit einem Kontaktwasseranfall von mindestens 100 Litern

in Betracht.

Die Eignung der verschiedenen Kontaktwasserbehandlungsanlagen für den jeweiligen Betrieb wird von der Unteren

Wasserbehörde im Einzelnen überprüft.

4. Chemischreinigungen ohne Abwassereinleitung in kommunale Kanalisationen

Die Genehmigungspflicht der Indirekteinleitung nach § 59 LWG in Verbindung mit der VGS entfällt, sofern das

PER-haltige Kontaktwasser aus dem Betrieb der Reinigungsmaschine/n ebenso wie die Destillationsschlämme,

Flusen, Filter und andere PER-haltige Rückstände einer geordneten Entsorgung/Verwertung entsprechend dem

Kreislaufwirtschafts-/Abfallgesetz und der Nachweisverordnung zugeführt werden.

5. Ansprechpartner

Herr Dr. Bininda Tel. 02271 83-4662

Herr Appel Tel. 02271 83-4711

Herr Hartmann Tel. 02271 83-4681

Frau Bernt Tel. 02271 83-4740

Frau Sommerfeld Tel. 02271 83-4701

oder per E-Mail unter: 70@Rhein-Erft-Kreis.de

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Über die Kommune ____________________

an den

Rhein-Erft-Kreis, der Landrat

Untere Wasserbehörde

Willy-Brandt-Platz 1

50126 Bergheim

Antrag

auf Indirekteinleitung von Abwasser aus Chemischreinigungsanlagen

gemäß § 59 Absatz 1 LWG

Antragsteller/Eigentümer der Anlage:

Name: _______________________________________ Tel.: ___________________

Straße, Nr.: ___________________________________

PLZ, Wohnort: _________________________________

Standort der Anlage:

Name/Firma: _________________________________ Gemarkung: __________________

Straße, Nr.: ___________________________________ Flur: ________________________

PLZ, Ort: _____________________________________ Flurstück(e): __________________

Bestandteile des Antrags in vierfacher Ausfertigung sind:

1. Ausgefüllter Antragsvordruck

2. Übersichtsplan (z.B. Kopie aus dem Stadtplan) mit Kennzeichnung des Standorts

3. Katasterauszug (unbeglaubigt) mit Kennzeichnung des Grundstücks

4. Beschreibungsbogen für den Abwasseranfall und Abwasserbehandlung

5. Blockschema der Entwässerung des Betriebes

6. Grundrissplan der Chemischreinigung (mit Standort der Reinigungsmaschine und Kontaktwasserbehandlungsanlage)

7. Technische Beschreibung der Reinigungsmaschine/n

8. Technische Beschreibung der Kontaktwasserbehandlungsanlage/n

9. Bauartzulassung der Kontaktwasserbehandlungsanlage/n

___________________________________ __________________________________________

Ort, Datum Unterschrift


Beschreibungsbogen für den Abwasseranfall und die Abwasserbehandlung

1. Eingesetzte Lösemittelart: [ ] Tetrachlorethen (Perchlorethylen)

2. Kontaktwasseranfall: _____________ Liter/Tag, ____________ m³/Jahr

3. Abwasserbehandlung:

Das Kontaktwasser wird:

[ ] in einer Anlage behandelt, die einen Überwachungswert von _____ mg/Liter AOX gewährleistet;

[ ] in einer von mir bestellten Anlage behandelt, der Einbau der Anlage erfolgt bis spätestens zum

_________.

Hersteller:_______________________________________________________________________________

Art der Anlage (Verfahren):

_______________________________________________________________________________________

_______________________________________________________________________________________

Bei Adsorptions- und Extraktionsanlagen: zulässiger Gesamtdurchsatz_________ Liter

Bei Strippanlagen: die Anlage ist für ________ Liter/Tag Kontaktwasser bemessen

[ ] Ein Sicherheitsabscheider ist der Kontaktwasserbehandlungsanlage vorgeschaltet:

Auffangvolumen ______ Liter/Tag, Nutzvolumen für HKW-Phase: ______Liter/Tag

[ ] nicht vorgeschaltet

4. Prüfzeichen/Bauartzulassung von serienmäßig hergestellten Anlagen:

Die Anlage ist

[ ] mit Prüfzeichen des Institutes für Bautechnik (Berlin) versehen (bitte in Kopie beifügen)

[ ] der Bauart nach vom Landesumweltamt Nordrhein-Westfalen zugelassen (bitte in Kopie beifügen)

Blockschema der Entwässerung

Bitte die Herkunft des Abwassers und die Abwasserführung von den Wasserabscheidern bis zum öffentlichen

Kanal schematisch zeichnerisch auf besonderem Blatt darstellen. Die Lage und die Art der Abwasserbehandlungsanlage(n)

ist zu kennzeichnen.

Destillation

Trocknung

Abluft-

reinigung

Lösemittel-/

Wassergemisch

Lösemittel-/

Wassergemisch

Lösemittel-/

Wassergemisch

Beispiel für ein Blockschema

Wasser

abscheider

Lösemittel

Auffangbehälter

Sicherhei

tsbehälter

Absperr

schieber

A-Kohlefilter

I

A-Kohlefilter

II

Auffangbehälter

Einleitung in Kanal

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