Departement Volkswirtschaft und Inneres Vorsteher - Gemeinde ...

moeriken.wildegg.ch

Departement Volkswirtschaft und Inneres Vorsteher - Gemeinde ...

DepartementVolkswirtschaft und InneresVorsteherSperrfrist: 1. August, 18.00 UhrBundesfeieransprache von Regierungsrat Dr. Urs Hofmann auf Schloss Wildegg((Es gilt das gesprochene Wort))Wenn alle mittragen – dann gelingt es wirklichIn der Schweiz gibt es eine Bundesfeier, keinen Nationalfeiertag. Was ist der Unterschied?Manche Länder feiern ihren Nationalfeiertag, weil sie an den Tag ihrer Unabhängigkeit denken,an die Kapitulation einer fremden Macht oder an einen heroischen Sieg über fremdeArmeen, an die angebliche Überlegenheit ihrer Nation.Wir in der Schweiz feiern nicht unsere Nation, wir feiern auch nicht ein bestimmtes Ereignis,wir halten am 1. August keine militärischen Paraden und Defilees ab. Wir führen keine modernenWaffensysteme vor, wir taufen keine atomgetriebenen Flugzeugträger.Wir feiern unseren Bund.Sei es den Bund der Eidgenossen, der über Jahrhunderte hinweg in zum Teil kriegerischenAuseinandersetzungen entstanden ist. Ich denke da in diesem Jahr vor allem an die Villmergerkriege,wo im Zweiten Villmergerkrieg fast auf den Tag genau vor 300 Jahren, am 25. Juli1712, bei Villmergen Tausende von Männern ihr Leben liessen.Sei es aber auch unseren Bundesstaat von 1848 als Grundlage der modernen Schweiz. Wirfeiern, dass wir unsere eigene Verfassung und unsere eigenen Gesetze haben, die uns nichtverordnet, sondern von uns selbst beschlossen werden.Und wir feiern heute vor allem auch, um zu danken. Für das Bestehen unseres Landes mitseinen Einrichtungen und mit seiner Kultur.Wir würdigen das, was die Menschen in den letzten Jahrzehnten und in früheren Generationenerarbeitet, geschützt und entwickelt haben. Sie haben dies oft unter schwierigsten Bedingungenin harten Zeiten getan. In Zeiten, wo rundum Krieg herrschte. In Zeiten, in denenes Mut und Standfestigkeit brauchte, sich zu exponieren.


2/5Bundesfeier heisst für mich deshalb immer zuerst Wertschätzung und Dankbarkeit. Zwarsind wir uns bewusst, dass die Existenz unseres Landes und unser Wohlstand nicht alleinunserem menschlichen Schaffen zu verdanken sind. Vieles haben wir unserer geografischenLage, den Unwägbarkeiten der Geschichte oder auch Glück zu verdanken. Im Zentrum standenaber die vielen Menschen, Frauen und Männer, die über die Jahrzehnte und Jahrhundertehinweg am Schweizerhaus gebaut haben. Zu Recht dürfen wir stolz sein auf unserLand und auf die Leistungen unserer Vorfahren, auf das, was an Freiheit und Demokratie, anSicherheit und Wohlstand erreicht wurde.Als Aargauerinnen und Aargauer dürfen wir stolz darauf sein, dass fortschrittliche Männerund Frauen im 19. Jahrhundert aus ärmlichen Regionen, die von Napoleon am Reissbrettzusammen gefügt wurden, einen neuen Staat gebildet haben. Einen der damals modernstenKantone, der auf Volksbildung setzte, der die demokratischen Rechte weiter entwickelte, derstaatliche Dienstleistungen auf- und ausbaute, der die Freiheit der Bevölkerung stärkte. DieAnfangsjahre des Aargaus waren eine Zeit von Argwohn und Misstrauen zwischen den verschiedenenRegionen, zwischen Reformierten und Katholiken. Kaum jemand beschied demjungen Kanton ein langes Dasein. Aus diesem künstlichen Konstrukt ein einheitlichesStaatswesen zu machen, war eine schwierige Aufgabe – und für die Schweiz eine Pionierleistung.Es galt, im Aargau das zu wagen, was es zuvor in dieser Form nicht gegeben hatte,eine überkonfessionell verankerte Staatsidee in die Realität umzusetzen. Wie wir wissen, istes gelungen. Der Aargau wurde zu einem Beispiel dafür, wie Menschen, so unterschiedlichsie auch sind, zusammenfinden können, um ihre Zukunft gemeinsam zu gestalten.Als Schweizerinnen und Schweizer dürfen wir darauf stolz sein, dass sich unser Bundesstaatauf der Basis von Frieden und Freiheit zu einem Land entwickelt hat, das möglichst vielenMenschen gute Voraussetzungen für ein glückliches Leben bietet, das für sozialen Ausgleichsorgt, das auch die Schwächeren als vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft anerkennt.Viele unserer Errungenschaften mussten in der politischen Auseinandersetzung harterkämpft werden: Die Volksschule für alle, das Verbot von Kinderarbeit, die AHV, die Invalidenversicherung,Gleichberechtigung von Frau und Mann sind nicht einfach so entstanden.Für all das brauchte es Männer und Frauen, die für ihre Überzeugung eintraten, dafür kämpften,auch wenn dies nicht immer einfach war und viele berufliche und gesellschaftlicheNachteile für ihre Hartnäckigkeit in Kauf zu nehmen hatten.


3/5Ich bin davon überzeugt: Unser Land, unser Kanton, unsere Gemeinden stehen heute nurdeshalb so gut da, weil sich nicht nur einzelne, sondern immer wieder sehr viele Menschenengagiert haben. Nicht alle in der gleichen Art und mit den gleichen Möglichkeiten. Immer jedochim Bewusstsein, dass wir alle gemeinsam Verantwortung für unser Land tragen. Nichtdie anderen, sondern wir.Dazu eine kurze Geschichte. Sie stammt vom argentinischen Schriftsteller und Arzt JorgeBucay. Sie könnte aber auch einem Sagenbuch aus unserer Gegend entnommen sein. Vielleichtkäme dann anstatt des Königs ein gütiger Fürst oder Landvogt vor.In einem kleinen Land herrschte ein allseits beliebter König. Die Leute liebten ihn, weil erkeine Kriege anzettelte, weil er gerecht war, geringe Steuern verlangte und sich um die Sorgender Bürgerinnen und Bürger kümmerte.Und weil die Bürgerinnen und Bürger ihren König so liebten, beschlossen sie, an seinemnächsten Geburtstag eine riesige Feier zu machen. Aber was sollte man dem König schenken?Er hatte ja schon alles, er war bescheiden, er wollte keinen Luxus, er war ein wahrerDiener seines Volkes.Da rief einer in die Runde: Unser König trinkt doch gerne am Abend ein Glas Wein und freutsich auf Reisen, wenn er die Rebberge besuchen kann. Jedes Dorf ist stolz auf seinen Wein.Also soll jedes Dorf aus dem ganzen Reich am Festtag eine Korbflasche mitbringen mit seinembesten Wein.Die Idee schlug ein. Bald stand der Plan fest: Auf dem Schlossplatz sollte eine Bühne aufgestelltwerden und darauf ein riesiges Fass. Ein hübsches Mädchen und ein hübscher jungerMann aus jedem Dorf sollten am Festtag nach vorn gehen, auf die Bühne steigen, die Leiternhochklettern und die Korbflasche mit dem besten Wein ins Fass giessen. Am Abend würdeder König als erster sein Glas unter den Zapfhahn halten und von dem feinen Tropfen kosten.Anschliessend könnten auch alle übrigen Festbesucher bewirtet werden.Gesagt – getan. Das Fest war da, die erwartungsvolle Menge begrüsste mit Jubel die jungenLeute, die das Fass füllten. Unter tosendem Applaus bestieg der König die Bühne und füllteals erster sein Glas. Er hielt es in die Höhe, ins Licht der Lampions und Fackeln.


4/5Plötzlich wurde es still, mucksmäuschenstill. Verwunderung und Ratlosigkeit im Gesicht desKönigs und in den Gesichtern der Leute. Alle blickten und starrten auf das Glas. Es war nurWasser darin. Wasser, reines, klares Wasser.Die Kinder begannen verlegen zu lachen. Alt und Jung blickte scheu in die Runde. DasSchweigen verdichtete sich zu einer unsichtbaren undurchdringlichen Mauer.Im Stillen dachten alle mit schuldbewusster Miene dasselbe:Natürlich mögen wir unseren König. Und wie! … Aber wir dachten, wenn nur unser Dorf,wenn nur wir in unserem Weinkeller statt dem teuren Wein nur Wasser in die Korbflaschefüllen, wer merkt das schon? – Ein kleines bisschen Wasser in so einem riesigen Fass mitWein.Soweit die Geschichte.Sie, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, liebe Kinder, machen Sie sich Ihre eigenen Gedanken.Sicher kommen Ihnen viele Alltagssituationen in den Sinn, die Sie daran erinnern, waspassiert, wenn alle Wasser statt Wein ins Fass giessen.Denken Sie ans Energiesparen? Kommt es wirklich darauf an, wenn man ein bisschen verschwendet- alles auf Standby - es ist so praktisch, Festbeleuchtung in allen Zimmern - dannist es immer hell? Oder denken Sie an den Abfall? Spielt es eine Rolle, wenn man ein wenigBauschutt im Wald entsorgt? Wenn wir das bisschen Altöl halt in den Schacht leeren? Nurich - nicht alle anderen. Wer sieht das schon?Oder bei den Banken: Ein paar faule Hypotheken in riesigen – angeblich bombensicheren –Kreditpaketen versteckt, diese versichert und weiter verkauft an Banken, an Pensionskassenund andere Anleger. Das merkt doch niemand, da kann doch nichts passieren!Oder denken Sie an unsere Mitmenschen im Quartier und in der Gemeinde? Warum soll ichmich darum kümmern? Jemand anders wird's schon richten. Ich habe doch schon genug anderesam Hals.Oder in der Politik: Sollen doch die anderen im Gemeinderat, in der Schulpflege, in einerKommission ihre Zeit vergeuden und den Kopf hinhalten. Ich habe Gescheiteres zu tun. Ir-


5/5gendwie funktioniert's dann schon - und sonst kann ich immer noch dagegen sein oder einenLeserbrief schreiben.Viele weitere Beispiele liessen sich anfügen.Gerade unser Land ist gross geworden und lebt davon, dass wir alle Verantwortung übernehmen,dass wir uns nicht abmelden, dass wir nicht einfach darauf vertrauen, die anderenwürden es schon richten, auf uns selbst komme es nicht drauf an. Wenn wir weiterhin Freudehaben wollen an unserem Land, wenn unser Land auch in Zukunft Erfolg haben soll,muss auch künftig jede und jeder etwas dazu beitragen. Im Grossen und im Kleinen. In gutschweizerischer Tradition.Es ist schön, heute Abend hier bei Ihnen zu sein. Es ist schön, heute gemeinsam zu feiernund zu danken für all das, was in unserem Land geschaffen wurde. Es ist schön, in einemLand zu wohnen, das von den Bürgerinnen und Bürgern mitgetragen und mitgestaltet wird.In einem Land, in dem jede und jeder im Rahmen ihrer und seiner Möglichkeiten einen Beitragleistet für die gemeinsame Zukunft, in einem Land, in dem wir alle Wein ins gemeinsameFass giessen und nicht Wasser - in der Hoffnung es merke es niemand. Wein nicht für unsselbst, sondern für uns alle, für unser Land, für die Schweiz. Sie hat es verdient.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine