Europäischer Tag des Denkmals 2013 - Denkmalpflege - Kanton ...

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Europäischer Tag des Denkmals 2013 - Denkmalpflege - Kanton ...

2 | Europäischer Tag des Denkmals 2013 Herzlich willkommen! | 3InhaltHerzlich willkommen zumEuropäischen Tag des Denkmals!3Herzlich willkommen zum Europäischen Tag des Denkmals!Hans-Peter Wessels, Regierungsrat, Vorsteher Bau- und VerkehrsdepartementImpressumDieses Programmheft erscheint zumEuro päischen Tag des Denkmals 2013als Beilage zur TagesWoche vom30. August 2013Herausgeberin:Kantonale Denkmal pflege Basel-StadtKonzept, Redaktion:Klaus SpechtenhauserFoto Titelseite: Klaus SpechtenhauserLayoutkonzept: eyeloveyou®Umsetzung: Klaus SpechtenhauserDruck: Zehnder AG, Wil SGAuflage: 30 000Die Kantonale Denkmalpflege danktallen Institutionen und Personen für ihrEngagement beim Europäischen Tagdes Denkmals sowie bei der Umsetzungdieser Programmzeitung.46810162032Weshalb braucht es Denkmalpflege?Daniel Schneller, Kantonaler DenkmalpflegerRahmenprogramm – Was ist wo?Programmübersicht: Themenführungen – Im Fokus –Führungen Baudenkmäler – Für KinderThemenführungen10 Ein Ort städtebaulicher Umbrüche: Städtebaulicher Rundgang12 Entdeckungen aus drei Jahrtausenden: Archäologischer Rundgang13 Erlebbare Stadtgeschichte: Baugeschichtlicher Rundgang14 Geschichte und Geschichten im Kleinbasel15 Arbeiterkinder und Dichterfürsten: Ein literarischer SpaziergangIm Fokus16 Die Moderne im Kleinbasel – Eine zwiespältige Geschichte17 Mit 430 PS durchs Kleinbasel: Mühlen, Teiche, Färbereien18 Die Drei Ehrengesellschaften Kleinbasels19 Volksbildung und Arbeiterkultur – Ein kultur- und sozialhistorischer SpaziergangFührungen Baudenkmäler20 Am Unteren Rheinweg – 3 Führungen auf einen Blick: Vom Kloster zur Kaserne; Heiligesund tierisches Gewimmel: Skulpturen des Basler Münsters; Die Kaserne – Basels Aufbruch ineine neue Zeit22 Kirchenbauten – 3 Führungen auf einen Blick: Clarakirche; Theodorskirche; Orgelklänge undOrgel geschichten in der Theodorskirche24 Zwischen Lindenberg und Wettsteinbrücke – 3 Führungen auf einen Blick: Kartause / Waisenhaus;Hattstätterhof: Ein repräsentativer Herrensitz; Hattstätterhof: BauhistorischeTrouvaillen26 Stilvoll logieren am Rhein: Hotel Krafft28 Rheingasse und Lindenberg – 3 Führungen auf einen Blick: Zum Blauen Stein & Zum BlauenSpiess; Historische Gewerbebauten – Neu genutzt; Wohnen am Lindenberg30 Vom Claragraben aufs Land – 3 Führungen auf einen Blick: Im Zeichen von Erziehung undArbeit: Wettstein-Schulhaus und Wettsteinhof; Wettstein-Häuschen und Umgebung; Vor denToren Kleinbasels: Die SandgrubeKonzerte, weitere VeranstaltungenDieses Jahr öffnet der Kanton Basel-Stadt amEuro päischen Tag des Denkmals die AltstadtKleinbasel für die Bevölkerung. Dies konnte nurgelingen, da zahlreiche Institutionen und Privatpersonensich dafür begeistern liessen, ihrewertvollen Baudenkmäler zu zeigen.Die Altstadt von Kleinbasel ist ein Stadtteilvoller Gegensätze im Herzen unseres Kantons:Während am Rhein idyllische Altstadtgassendie Hochkonjunktur überlebt haben und zu einem«In-Wohnquartier» wurden, präsentiertsich die Greifengasse heute als Verkehrsachseund Geschäftszentrum. Die mittelalterliche Clarakirchesteht auf einem Platz, den das 20. Jahrhundertgeprägt hat, und der von fast allen Nationender Welt belebt wird. Eigentlich zeigt sich dieInternationalität Basels nirgends so deutlich wiehier. Und im Kleinbasel haben auch die Arbeiterbewegungenihre Wurzeln.Oft wird die Altstadt Kleinbasel in ihremkulturgeschichtlichen Wert unterschätzt. Dassdies nur wenig mit der Realität zu tun hat, möchtedie Denkmalpflege mit ihren Führungen aufzeigen:Vom mittelalterlichen Kloster Klingentalüber die neugotische Kaserne von JohannJakob Stehlin d. J. bis hin zu schützenswertenBauten der 1950er Jahre hat auf kleinstem Raumfast jedes Zeitalter markante Spuren hinterlassen.Die Altstadt von Kleinbasel ist ein Mikrokosmos,in dem sich die ganze Vielfalt der bewegtenBasler Geschichte widerspiegelt.Allen Institutionen und Privatpersonen, dieam Denkmaltag mitwirken, möchte ich für ihrEngagement meinen herzlichsten Dank aussprechen.Die bedeutenden Kulturdenkmäler derAltstadt Kleinbasel dürfen wir heute bestaunen,weil sie dank der gemeinsamen Anstrengungenvon Eigentümerschaft und Denkmalpflege fürdie Zukunft erhalten werden können. Im Kleinbaselist die Denkmalpflege auch selbst beheimatet:Seit 1929 sind ihre Büros im Klingentaluntergebracht und beleben den Gründungsbaudes ehemaligen Dominikanerinnenklosters.Über Ihren Besuch freue ich mich zusammenmit den Mitarbeitenden der Denkmalpflege. Ichwünsche Ihnen viel Vergnügen und spannendeEntdeckungen.Hans-Peter WesselsRegierungsratVorsteher Bau- und Verkehrsdepartement| Foto: Reto Schlatterwww.denkmalpflege.bs.ch© 2013 Kantonale Denkmalpflege Basel-Stadt; Autoren; Fotografen32 Unsterbliche Musik für eine unsterbliche Stadt. Hans Hubers Kleinbasler Gedenkfeier von1892: Mittagskonzert mit dem Sinfonieorchester Basel und dem Konzertchor Ludus Vocalis36 Arbeiterlieder im Klingental: Schlusskonzert mit dem 1. Mai-Chor Basel – Würste vom Grill undBier vom Fass37 Hesch gseh? Rundgang für Kinder38 Spitzkehre am Claraplatz: Gratisfahrten mit einer historischen Tramkomposition der BVB


4 | Europäischer Tag des Denkmals 2013 Weshalb braucht es Denkmalpflege? | 5Weshalb braucht es Denkmalpflege?Sieben Gründe, die dafür sprechenDaniel Schneller, Kantonaler DenkmalpflegerDas Haus an der Gundeldingerstrasse 428/430 wurdevom Regierungsrat auf Antrag der Denkmalpflegeim Juni 2013 unter Schutz gestellt und damit vor demAbbruch bewahrt. Das historistische, 1896/97erbaute Wohnhaus prägt das Quartier und besitzt mitStuckdecken und Parkettböden eine gut erhalteneInnenausstattung aus der Bauzeit. Für die Erhaltung desHauses hatten sich auch Bewohner des Quartierseingesetzt.| Foto: Klaus Spechtenhauser, Kantonale DenkmalpflegeDenkmalpflege gibt es seit Jahrhunderten –als staatliche Institution in Europa seitdem 17. Jahrhundert. Aber weshalb wurdenund werden Bauten, die vor Genera -tionen entstanden sind, erhalten, gepflegtund geschützt? Die Gründe mögensich im Lauf der Zeit verändern – dennochbleibt ein Hauptgrund bestehen: derWunsch nach einer unverwechselbarenIdentität. Und der Wunsch, die Geschichteeiner Stadt oder eines Lands in derGegenwart erleben zu können. Aber es gibtdarüber hinaus weitere gewichtigeArgumente, historische Bauten zu schützen.Sieben davon sollen hier in denFokus gerückt werden.Das unverwechselbare Gesicht einerStadt oder einer LandschaftDie gebaute Umwelt ist ein Spiegel der Geschichte:Im Lauf der Zeit haben Menscheneinen Ort mit Bauten geprägt und gleichsameinen Abdruck ihres Lebens und Wirkenshinterlassen. Diese gebaute Umwelt verleihteinem Ort ein unverwechselbares individuellesGesicht, einen spezifischen Charakter,eben den Genius loci. Wer an Bern denkt, dersieht vielleicht vor dem inneren Auge graugrüneSandsteinfassaden, Laubengänge undüber dem Häusermeer die Kuppel des Bundeshauses.Wer sich Basel imaginiert, mag roteSandsteinfassaden, die Silhouette schmalerAltstadthäuser zum Rhein mit dem doppeltürmigenMünster als Höhepunkt, die prächtigbemalte Rathausfassade oder die einer Burgähnliche Kaserne sehen. Alle diese Bautenbilden einen Lebensraum, der unverwechselbarist, der sich an keinem anderen Ort wiederholt.Er bildet eine wesentliche Grundlagedafür, was wir als Heimat empfinden und ermöglichtuns, «Wurzeln zu schlagen» unduns mit einem Ort zu identifizieren, auchwenn wir nicht dort geboren oder aufgewachsensind.In diesem barocken Wohnhaus an der Hebelstrasse 17 befindet sich seit dem 19. Jahrhundert ein Studentenheim.Die künstlerische Ausgestaltung trägt wesentlich zum einmaligen Charakter der Innenräume bei.| Foto: Erik SchmidtLebendige Geschichte im AlltagHistorische Bauten geben uns eine einmaligeChance: Geschichte wird im Alltag präsentund erlebbar. Dinge, die in der Vergangenheitgeschaffen worden sind, können wir heutebenutzen und mit ihnen tagtäglich leben. Wirkönnen uns mithilfe der historischen Gassenund Wohnräume in das Lebensgefühl unddas Denken vergangener Zeiten versetzen.Bewundernswert ist beispielsweise, wie manin vergangenen Jahrhunderten die Häuser inden Altstädten trotz ihrer individuellen Gestaltungzu einer übergeordneten Einheit verschmelzenkonnte. Das ist Ausdruck einesanderen sozialen Bewusstseins, einer höherenVerantwortung für das Ganze, das Gemeinsame.So kann man in der gebauten Umweltlesen lernen, wie sich das Bewusstseinder Menschen im Lauf der Zeit verändert hat.Es wird so zu einer Referenz für unsere eigeneZeit und kann helfen, Massstäbe für dieZukunft zu entwickeln.Künstlerische WerteViele historische Baudenkmäler besitzen einewertvolle kunsthandwerklich oder sogarkünstlerisch gestaltete Ausstattung. Dabeikommt zuweilen jene unbekümmerte, freieund unmittelbare künstlerische Schaffensfreudezum Ausdruck, die wir heute zu einemgrossen Teil verloren haben.UmweltschutzDenkmalpflege ist auch Umweltschutz: DerErhalt historischer Baudenkmäler macht auchaus ökologischer Sicht Sinn. In der Zeit vordem Zweiten Weltkrieg gab es Baumaterialiennicht im Überfluss. Deshalb zog man esin der Regel vor, ein bestehendes Haus nichtabzubrechen, sondern daran weiterzubauen.Dieses Bewusstsein ist nach dem ZweitenWeltkrieg verloren gegangen. In der Zeit derHochkonjunktur schien alles möglich undStädte sollten radikal umgebaut und verändertwerden – ohne Rücksichtnahme auf diezur Verfügung stehenden Ressourcen. Heutesollte der Respekt vor dem Gebauten aufgrunddes erhöhten ökologischen Bewusstseins wiedersteigen. Der Erhalt und das Weiterbauenan einem Baudenkmal ist nachhaltig: Ressourcenund graue Energie werden nicht verschwendetoder vernichtet, sondern sinnvollweiterverwendet.BaubiologieBauten, die vor dem Zweiten Weltkrieg entstandensind, wurden in der Regel mit natürlichenMaterialien erstellt, Industrieprodukteund synthetische Materialien waren damalsnoch wenig verbreitet. Das Haus wurde alszweite natürliche Haut des Menschen errichtet:Holz, Stein, Gips und Ton kamen im Wesentlichenzur Anwendung. Zum Einsatz gelangtennatürliche Materialien aus derdirekten Umgebung des Bauplatzes. Farbanstrichewaren mit Leinöl oder Kalk gebunden.Wer ein historisches Haus aus der Zeit vordem Zweiten Weltkrieg besitzt, hat deshalbin der Regel auch ein Haus, das – wenn es nichtvon späteren Generationen mit KunststoffundIndustrieprodukten überformt wurde –den heutigen baubiologischen Kriterien entspricht.Wohnqualität in einem Altstadthaus amBlumenrain. Die sorgfältige Restaurierungdes Hauses wurde von der Denkmalpflegebegleitet.| Foto: Christian FlierlVielfältiges BauhandwerkWer sich historische Bauten genauer ansieht,wird feststellen, dass bei der Erstellung vieleMaterialien und Werkzeuge verwendet wurden,die wir mittlerweile kaum mehr kennen.Dennoch gibt es heute noch Handwerker, dietraditionelle Techniken und altes Wissen pflegenund weitergeben. Dieser wertvolle Schatzan Können lebt nur weiter, solange er gebrauchtwird – nämlich bei der Pflege historischerBauten.WohnqualitätHistorische Bauten ermöglichen oft ein ungewöhnlichesund individuelles Wohnen,eine Wohn- und Lebensqualität, die nicht vonNormen und Vorgaben der Industrie geprägtwird. Die Spuren handwerklichen Schaffenssowie die künstlerische und kunsthandwerklicheGestaltung schaffen eine einmaligeWohnatmosphäre, wie sie nicht homogen geplantund ausgeführt werden kann. Der Reizeines solchen Wohnens gründet vielmehr inder vielfältigen Schichtung und anregendenErkennbarkeit unterschiedlicher Bauphasenund Gestaltungsmethoden.


12313432344244505254565825293539414324812 162324111357119963579797194618243573961397 53106 | Europäischer Tag des Denkmals 2013 Rahmenprogramm – Was ist wo? | 7RahmenprogrammSamstag, 7. September 2013Was ist wo?Offizielle EröffnungTag des Denkmals inBasel9.30–10.30 UhrOrt: Theodorskirche,Theodorskirchplatz 5Eröffnung: Guy Morin,RegierungspräsidentZur Kultur- und Baugeschichte imKleinbasel: Daniel Schneller,Kantonaler DenkmalpflegerÜber den Wandel des Quartiers:Anita Fetz, StänderätinAnschliessend ApéroInformationsstand derKantonalen Denkmalpflege8.30–16 UhrOrt: Vor der Clarakirche, Claraplatz 6Anmeldung zu den Führungen mitbeschränkter TeilnehmerzahlInformationen und Verkauf vonPublikationenMittagskonzert mit demSinfonieorchester Baselund dem KonzertchorLudus Vocalis12.30–13.45 UhrOrt: Clarakirche, Claraplatz 6Eintritt freiAuszüge aus der monumentalenKleinbasler Gedenkfeier von 1892,die dem Basler Komponisten HansHuber zum Durchbruch verhalf.Sinfonieorchester BaselKonzertchor Ludus VocalisDetails: S. 32–35Gratisfahrten mit einerhistorischen Tramkompositionder BVB9–17 UhrOrt: Rundkurs Claraplatz–Wettsteinplatz– Barfüs serplatz–Marktplatz–ClaraplatzDetails: S. 38/39Kaffee-MobilAb 8.30Ort: Beim Informationsstand derKantonalen DenkmalpflegeOb Espresso, Macchiato oder Lattefreddo: Das Kaffee-Mobil ist vorOrt und bietet gehobene Kaffeekulturauf drei Rädern.Schlusskonzert mit dem1. Mai-Chor Basel17 UhrOrt: Im Innenhof des KleinenKlingentals, Unterer Rheinweg 26,Zugang durch das rückseitigeHoftor, Klingental 19Eintritt freiEine Auswahl des linken Liedguts,das seit Jahrhunderten dierevolutionären Inhalte der Arbeiterbewegungtransportiert.1. Mai-Chor BaselDetails: S. 36Geselliges Beisammenseinmit Würstenvom Grill, Bier vom Fassund Akkordeonmusikvon Luzian JennyNach dem Schluss konzert des1. Mai-ChorsOrt: Im Innenhof des KleinenKlingentals, Unterer Rheinweg 26,Zugang vom Klingental 19Drei König-Weglein31910Blumengasse6132119 18 174Hutgasse157 5HeubergBlumenrain31503411210185MarktgasseTanzgässlein21114Rümelinsplatz3Eisengasse21733122Marktplatz8161054 1242 106 814Unterer Rheinweg3815214 162026131612 16141395 11Gerbergasse11 924 265187120442 40Schifflände1411Grünpfahlgasse2230 2822615Gerbergässlein2Leonhardsberg92421237133025162AAllmend152713403881436563448433230Freie Strasse58 10 12602Gerbergasse1445 511657531889 11 15535525Unterer RheinwegMartinskirchplatz2261037Martinsgasse4Falknerstrasse3034121417 233261411387105172512191152920114 103153272952266Klingentalgraben47ArchivgässleinRüdengasse1678135281617141626Martinsgasse7184Freie Strasse2832692434419619324112322Unterer RheinwegMittlere RheinbrückeRheinsprung62183611Stapfelberg372253810201343217Schlüsselberg39PfluggässleinWeisse Gasse94045421715622212434415195018Martinsgasse45Klingental51214535291119Freie StrasseKlingentalgrabenKlingentalweglein5459143213Klingental111069833155Augustinergasse7551511Webergasse7151341119 1117Schlüsselberg288201921213182158101783192291B215202104236 8418130181436716 14 124 101792125KasernenstrasseUntere RheingasseAllmendKlingental1631C2721113191325SägergässleinMünsterplatz17832Ochsengasse515 141A22 24267 1311101215363120 2882713 591717337 21434GreifengasseOberer RheinwegKlybeckstrasse10 12112914621918113118293420 2210716WebergasseRheingasse16114273524225 23719 2126 30281529232 6423 25 27 31982122Untere Rebgasse32 34 3633172531635 37316A53838 40 4219 2129189Teichgässlein1722716447Schafgässlein3110334639 41 43 45418203548 5047911 5231122 28 325238724111Klingentalstrasse166108Greifengasse1535636 381357117Untere Rebgasse4951Rittergasse586Utengasse54Pfalz4160591211544364136645635171036472230194969105167432Schafgässlein1 Informationsstand der Kantonalen Denkmalpflegevor der Clarakirche, Claraplatz 62 Clarakirche, Claraplatz 63 Theodorskirche, Theodorskirchplatz 54 Theodorskirchplatz5 Amt für Wirtschaft und Arbeit, Utengasse 36Rappoltshof1057310312Rappoltshof5111410Oberer Rheinweg7176Claragraben25711101Teichgässlein2757512 148442957Rheingasse80791323315984819896951648638635151783Claraplatz6117A19A5019352 5665 6787811Utengasse4542688392A89ClaragrabenRebgasse6958584 82203718416032175991Klingentalstrasse78 763114728101343111301312174515Lindenberg10933212312A14Claramatte314219Drahtzugstrasse59521747216Claragraben19952142536189789 1164275235582Dolderweg34323521A3813207Riehentorstrasse2940962313A112260443515249102811Claramattweg4Rebgasse4246141330 32161513 17 23152519Clarastrasse58374849 4539501741526431210545411416181 5 73Hammerstrasse3933128129433764508458217358075202766KartausgasseWettsteinbrücke4918732031287121741119516869Claragraben29RebgasseOberer Rheinweg43222474675345 47 55652791115 1712 14 16 18 2040537034Hammerstrasse722670ClarahofwegRiehentorstrasse332A55361264386119B195172A215519A34029Hammerstrasse5342513060KirchgasseDrahtzugstrasse587444963256474527783Theodorskirchplatz8104641345037142312463536HammerstrasseRiehenstrasse528 3033144250ClaragrabenWettsteinstrasse91041401638 362312539 43Clarahofweg3234Clarahofweg451883443438615132464544112783247342540 3823 271251ClarastrasseTheodorsgraben4620181614221448121010 16329185324315543 4133155041Theodorsgraben-Anlage2523924 26 283057361134 3821 340 4274 6 10 813 151 7 115264547574716735634 6 88Wettsteinplatz7 Kleines Klingental / Museum Kleines Klingental,Unterer Rheinweg 268 Kleines Klingental, Hoftor, Klingental 199 Kasernenhof / ehem. Klingentalkirche4Hammerstrasse3Theodorsgraben71326942967148654459RiehenstrasseSchaffhauserrheinweg634210151044121912530921262842514117 916521228263724212532 34 36 389522845Klingnaustrasse11 1323136252715 1915232981740 42 443160RiehenstrasseRheinfelderstrasse RheinfelderstrasseWettsteinalleeAlemannengasse10 Historische Tramkomposition der BVB:Rundkurs Claraplatz–Wettsteinplatz– Barfüs serplatz–Marktplatz–ClaraplatzGrenzacherstrasseRömergasseRiehenring10171929Römergasse1024 2617 21312281914530142162327 9162334MeAlemanSchaffhauserrhewww.kaffee-mobil.ch6 Helvetia am Brückenkopf der Mittleren Brücke| Fotos: Kantonale Denkmalpflege; Plan: Hans Ritzmann, Archiv Kantonale Denkmalpflege.Abgedruckt mit Bewilligung des Grundbuch- und Vermessungsamts Basel-Stadt


10 | Europäischer Tag des Denkmals 2013 Ein Ort städtebaulicher Umbrüche: Städtebaulicher Rundgang | 11Ein Ort städtebaulicherUmbrücheThomas Lutz, Kantonale DenkmalpflegeDas bis 1860 mauerumfriedete Kleinbaselwird heute nur noch zu einem geringenTeil als «Altstadt» erlebt. Der starke städtebaulicheWandel im Lauf des 20. Jahrhundertshat aber in einer von kriegerischenEreignissen verschonten Stadt seineUrsachen nicht allein in der mangelndenWertschätzung des baulichen Erbes.Falkner-Plan, 1865. Ausschnitt mit der Altstadt Kleinbasel.Rot eingezeichnet die heute noch bestehendenhistorischen Bauten, grau die seit 1865 abgebro chenenBauten.| Plan: Stephan Tramèr, Kantonale DenkmalpflegeKontraste, wie sie das Kleinbasel prägen: Das 1971 anstellemehrerer Altstadthäuser errichtete Geschäfts- undGaragengebäude an der Rebgasse 20 (ehem. Jelmoli)und das Haus Zum Lamm (Rebgasse 16), das seine heutigeGestalt gegen Ende des 18. Jahrhunderts erhielt.| Foto: Klaus Spechtenhauser, Kantonale DenkmalpflegeStadtgründung im 13. JahrhundertDie Anlage des rechtsufrigen Kleinbasel alsplanmässige Gründungsstadt dürfte mit demBrückenschlag über den Rhein in der erstenHälfte des 13. Jahrhunderts zusammenhängen.Ihre der hochmittelalterlichen Kernstadtgegenüberliegende, als längliches Rechteckin die Krümmung des Rheinufers geschmiegteFläche wurde bis um 1250–1270 mit einerBefestigung samt zwei Toren (Bläsi- und Riehentor)versehen. Der Grundriss der Planstadtgelangt besonders in den drei regelmässigen,zum Rhein parallelen Längsgassen zum Ausdruck– Rheingasse, Uten-/Ochsengasse, Rebgasse–, die nur in der Brückenachse durcheine bedeutendere Gasse gequert werden. ImBereich der Theodorskirche wurden Teile einerälteren Dorfsiedlung integriert und imunteren Stadtbereich gehörte die Schaffungeines Mühlenquartiers zum Programm.Eine einzige Erweiterung erfolgte durchdie 1278 den Klingentaler Dominikanerinnenbewilligte Vorverlegung des unteren Stadtabschlusses,womit die Nonnen ein geräumigesAreal für ihre neue Klosteranlage gewannen.Um dieselbe Zeit besetzte das ClarissenklosterSt. Clara eine ausgedehnte Flächein zentraler Lage. Die Gründung des Kartäuserklostersmehr als ein Jahrhundert späterprofitierte wohl von einer bereits zusammenhängendenBesitzeinheit im südlichen Winkelder Stadt.Nachmittelalterliche KontinuitätDie Strukturen des unter bischöflicher Stadtherrschafteigenständigen Gemeinwesenslebten auch nach der Vereinigung mit Grossbasel1392 lange fort. Die wichtigen Gewerbebildeten vor allem Schiffleute, Ziegler, Bäcker,Gerber, Färber und Müller. Letztere schufenmit ihren Kanälen und Wasserkraftanlagendie Voraussetzungen für die im 19. Jahrhundertentstehende Farbenindustrie und bildetendamit die Keimzellen der heutigen chemischenGrosskonzerne.In der baulichen Erscheinung der Stadtüberwog jahrhundertelang Kontinuität. Sozeigte Kleinbasel um 1800 noch dieselben Zügewie sie Matthäus Merian 1617 in seinem Vogelschaubildfestgehalten hatte: traufständige,meist dreigeschossige Zeilenbebauung als prägendesCharakteristikum, davon abweichendnur wenige Bauten wie z. B. die durch ihre Ausrichtungauf die Teiche giebelständigen Mühlen.Kulminationspunkte im Stadtbild warenauch nach ihrer Aufhebung die Kirchen undKlöster. Eine besondere Stellung nahmen einzelnestattlichere Bauten ein: am Brückenkopfdas Richthaus, die Nikolauskapelle, das Hauszum Waldeck oder eine Reihe opulenter, überdas ganze Stadtgebiet verteilter Höfe (erhaltensind der Hattstätterhof und das Haus zum Silberberg).Tiefgreifender Wandel im 19. und 20. JahrhundertDer sich im 19. Jahrhundert anbahnende Umbruchbetraf zunächst den wirtschaftlichenSektor, indem sich expandierende (Färberei-)Betriebe in älteren Gewerbeliegenschaftenoder grösseren Gebäudekomplexen breitmachten:in der Utengasse, Rheingasse, im Bläser-hof, Clarakloster und Rappoltshof. Die Hochkamineihrer Kesselhäuser wurden mit jenender nicht mehr von Wasserkraft abhängigenMühlen zum neuen Leitmotiv der Stadtsilhouette.Der Bau des Badischen Bahnhofs auf demheutigen Messeareal beschleunigte den Wandel,indem zur Erschliessung 1855 der Claraplatzauf dem alten Klostergelände und dieClarastrasse geschaffen wurden. Bald fielenauch die Stadtmauern und Tortürme (1864–1867), das Klingental-Kloster wich dem Kasernenneubau(1860–1863), die Strassenbächeverschwanden in unterirdischen Leitungen.Eine Welle des modischen Stadtumbausbrachte Fassadenumgestaltungen, den Einbauvon Schaufenstern und zahllose Aufstockungenmit sich. Gegen Ende des 19. Jahrhundertsmehrten sich Neubauten, welche die Formenspracheder jungen Vorstadtquartiere in dieAltstadt trugen und so deren Verschmelzungmit der Umgebung förderten.Matthäus Merian d. Ä., Vogelschauplan der Stadt Basel, 1617. Ausschnitt mit der Altstadt Kleinbasel.| Repro: Archiv Kantonale DenkmalpflegeMit dem Bau der neuen Mittleren Brücke(1903–1905) wurde die Verwandlung der Greifengassezur neuen Hauptachse durchs Kleinbaseleingeleitet. Immer mehr verlor sie ihreüberlieferte Form, 1920–1930 kam es zu einerumfassenden Korrektion, in deren Folge grosseGeschäfts- und Warenhäuser entstanden.Die Verwandlung des Zentrums zur «City»wurde nach dem Zweiten Weltkrieg durchdie komplette Neuüberbauung von Industriebrachenzwischen Claraplatz und Klingentalstrassevorangetrieben. Daneben erfolgtekontinuierlicher Ersatz: Spätmittelalterliche/frühneuzeitliche Baustrukturen wurden ander Uten- und Rebgasse durch Wohnbautenund im Bereich Webergasse/Klingental durchmodernisierte Bauten der Mühlenindustrieverdrängt.Rückblickend scheint es, als habe ihr ureigenerCharakter zur Auslöschung der KleinbaslerAltstadt beigetragen: die Schlichtheit undunspektakuläre Gestalt der einzelnen Bauten,die in der Regel nicht hinreichte, um einerbreiten Öffentlichkeit Erhaltungsbestrebungenplausibel zu machen. Und dies schon garnicht, wenn das bauliche Beziehungsgefügebereits durch frühere Eingriffe wesentlichbeeinträchtigt war.Städtebaulicher RundgangFührung: Thomas Lutz, KantonaleDenkmalpflegeZeit: 11, 14, 15.30 UhrTreffpunkt: Bei der Helvetia amKleinbasler Brückenkopf derMittleren Brücke – keine Anmeldungerforderlich


12 | Europäischer Tag des Denkmals 2013 Archäologischer Rundgang – Baugeschichtlicher Rundgang | 13Entdeckungen ausdrei JahrtausendenDas Kleinbasel enthält mehr Spuren der Vergangenheit,als man denkt. Diesen mehrheitlichverborgenen Resten wird auf einem Rundgangzwischen Drahtzug und Kaserne nachgegangen.Durchlaufen werden dabei 3 000 JahreMenschheitsgeschichte: vom 19. Jahrhundertn. Chr. bis zurück ins 13. Jahrhundert v. Chr.Vorerst fällt der Blick auf den Chor der Clarakirche:Dieser sieht zwar gotisch aus, ist de factoaber ein Neubau von 1858/59 – weite Teiledes originalen Chors hatten um 1532 einem ausErde aufgeschütteten Bollwerk weichenmüssen, das Mitte des 19. Jahrhunderts wiederumabgetragen wurde. Andere Teile derStadtmauer überdauerten länger: etwa der sogenannteDrahtzug (bzw. die danach benannteArtillerie-Bastion), der in Teilen nochexistiert. Ebenfalls noch erhalten sind Reste dereinstigen Stadtmauer beim Klingental-Kloster. Sie liegen unter der Reithalle der Kaserne– an einem Ort, an dem auch eine Soldatenlatrineaus späterer Zeit zu entdecken ist. DenEndpunkt der archäologischen Zeitreisemarkiert das Areal des neuen Jazz Campus: Hierkamen überraschend gegen drei DutzendTöpfe aus der späten Bronzezeit (13. Jahrhundertv. Chr.) zum Vorschein.Christoph Philipp MattArchäologischer RundgangFührung: Christoph Philipp Matt, Archäologische BodenforschungZeit: 11, 14, 15.30 UhrTreffpunkt: Grünanlage zwischen dem Chor der Clarakircheund dem Haus Claragraben 64 – keine AnmeldungerforderlichErlebbareStadtgeschichteKleinbasel wurde im 13. Jahrhundert als Planstadtinnerhalb eines neu errichteten Befestigungs -rings angelegt. Das in der Folge entstandeneBebauungsmuster ist daher für ein Altstadtgebietvergleichsweise regelmässig, wird aber ausverschiedenen Gründen da und dort aufgebrochen.Die Betrachtung der unterschiedlichen Parzellen-und Bebauungstypen sowie konkreterBauobjekte veranschaulicht diese Entwicklungen:Baugeschichte wird erlebbar und dokumen -tiert die Veränderung der Altstadt über die Jahrhundertehinweg. Der Rundgang führt durchRebgasse, Utengasse und Rheingasse und bietetan den verschiedenen Stationen Einblick inHinterhöfe und einzelne Räume, welche die Stadtgeschichtebeispielhaft verständlich machen.Dabei wird auch auf die Zielsetzungen und Metho -den der Bauforschung der Kantonalen Denkmalpflegehingewiesen.Conradin Badrutt, Hans RitzmannTöpfe aus der Bronzezeit (13. Jahrhundert v. Chr.), ausgegrabenauf dem Areal des zukünftigen Jazz Campus.| Foto: Archäologische Bodenforschung des Kantons Basel-StadtDie imposante Eichentreppe im Haus Zum Silberberg. Sieentstand 1710/11, als das Gebäude durch seinen neuenBesitzer Peter Werthemann, Bankier, Unternehmer und Inhaberwichtiger öffentlicher Ämter, umgebaut wurde undseine heutige Gestalt erhielt.| Foto: Klaus Spechtenhauser, Kantonale DenkmalpflegeBaugeschichtlicher RundgangFührung: Conradin Badrutt und Hans Ritzmann, KantonaleDenkmalpflegeZeit: 11, 14, 15.30 UhrTreffpunkt: Ab 8.30 Uhr obligatorische Anmeldungbeim Informationsstand am Claraplatz mit Bekannt gabe desTreffpunkts – Teilnehmerzahl beschränkt!Max. 40 Personen pro Führung


14 | Europäischer Tag des Denkmals 2013 Geschichte und Geschichten im Kleinbasel – Arbeiterkinder und Dichterfürsten | 15Arbeiterkinderund Dichterfürsten:Ein literarischerSpaziergangGeschichteund Geschichten imKleinbaselDieser Rundgang bietet die Möglichkeit, sich inunterhaltsamer Form einen allgemeinenÜberblick über die Entwicklung der «minderen»Stadt zu verschaffen. Dabei wird – von derTheodorskirche bis zum ehemaligen Klingental-Kloster – das historische Kleinbasel in seinerganzen Länge durchschritten. Natürlich dürfen«Perlen» wie die Kartause, das Wettsteinhäuschenoder der Hattstätterhof nicht fehlen.Sie erfahren einiges über die prekärenWohnverhältnisse, wie sie die Industrialisierungim 19. Jahrhundert mit sich brachte, undwie es den Behörden gelang, die desaströse Zahlder Tuberkulosekranken im Kleinbasel zusenken. Thema sind aber auch die wahren Hintergründe,die im 13. Jahrhundert zumBrückenbau und zur Gründung des Brückenkopfsauf der rechten Rheinseite führten, sowiedie Antwort auf die Frage, weshalb eigentlich dasSpiel der Ehrengesellschaften am VogelGryff noch heute dem Waisenvater seine Aufwartungmacht.Peter HabichtMit dem Kleinbasel verbindet man alles Mögliche:Arbeiter und Ausländer, die Messe und dasMilieu, den Vogel Gryff und das Tattoo, nur anLiteratur denkt man nicht. Tatsächlich wardas Kleinbasel lange ein Stadtteil, in dem BücherSeltenheitswert hatten, waren doch die Kleinbaslervon jeher mehrheitlich arme Leute, die amim doppelten Wortsinn reichen KulturlebenGrossbasels nicht teilnehmen konnten. Arbeiterund Handwerker fanden überall erst spätZugang zum literarischen Leben, sei es als Leser,sei es als Autoren. Dies war auch im Kleinbaselnicht anders. Doch ab Ende des 19. Jahrhundertsverbesserte sich die Lage der Arbeiterschaftund auch die «kleinen Leute» hatten nunZeit zu lesen. Dem Lesen folgte das Schreibenund das Kleinbasel brachte Schriftsteller hervor,die zum Teil weit über die Stadt hinaus Beachtungfanden, z. B. Jakob Schaffner und TheobaldBaerwart. Überdies wurden selbst weltberühmteDichter wie Rainer Maria Rilke oderHermann Hesse vom speziellen Charakter diesesStadtteils angezogen, sodass das Kleinbaselim 20. Jahrhundert endlich seinen verdientenPlatz in der Literaturgeschichte bekam.Albert M. DebrunnerArbeiterkinder und Dichterfürsten: Ein literarischerSpaziergangFührung: Albert M. Debrunner, Lehrer und LiteraturvermittlerZeit: 11, 14, 15.30 UhrTreffpunkt: Theodorskirchplatz, zwischen Theodorskircheund Theodorsschulhaus – keine Anmeldung erforderlichGeschichte und Geschichten im KleinbaselFührung: Peter Habicht, HistorikerZeit: 11, 14, 15.30 UhrTreffpunkt: Theodorskirchplatz, beim Wettstein-Brunnen –keine Anmeldung erforderlichHinter den malerischen Fassaden der Kleinbasler Altstadthäuserverbirgt sich eine spannende, von Brüchen und Kontinuitätgeprägte historische Entwicklung.| Foto: Klaus Spechtenhauser, Kantonale DenkmalpflegeLiterarische Tischgesellschaften: Gegen Ende des 19. Jahrhundertsstieg auch im Kleinbasel das Interesse an derLiteratur. Lokal ansässige Schriftsteller gewannen an Bedeutungund fanden eine steigende Leserschaft.| Foto: Archiv Kantonale Denkmalpflege


16 | Europäischer Tag des Denkmals 2013 Im Fokus: Die Moderne im Kleinbasel – Mit 430 PS durchs Kleinbasel | 17Die Moderne imKleinbasel –Eine zwiespältigeGeschichteDie architektonische Moderne manifestiert sichim Kleinbasel in Einzelbauten, Grossüberbauungen,in städtebaulichen Idealprojekten undin der Modernisierung historischer Fassaden.Das 1930–1932 erbaute Arbeitsamt von ErwinHeman gehört zu einer Reihe repräsentativerBauten der 1930er Jahre – Kunst museum, Stadtcasino,Kollegiengebäude, Spiegelhof undJohanneskirche –, bei denen die Konfron tation dernoch jungen Moderne mit der Tradition ihreunterschiedliche Ausprägung findet. Die Modernevermochte sich in diesem Jahrzehnt nichtdurchzusetzen. Auch die Stadtvisionen der Architektenmitgliederder Künstlergruppe 33 von1943 für das Klein basel blieben Makulatur. Erst inden Boomjahren nach dem Zweiten Weltkriegerfolgte der Durchbruch. Die beiden Haupttendenzensind an prominenter Stelle in repräsentativerWeise ausgebildet: Das 1952–1954erbaute Haus Claraplatz 1–3 von Fritz Rickenbacherund Walter Baumann ist dem moderatenStil der 1950er Jahre verpflichtet, währendbeim 1961/62 errichteten, schräg gegenüberstehendenGewerkschaftshaus von Hans Baumannder Funktionalismus der Moderne seinenzeitgemässen Ausdruck findet.Bruno ThüringDie Moderne im Kleinbasel – Eine zwiespältigeGeschichteFührung: Bruno Thüring, Kantonale DenkmalpflegeZeit: 11, 14, 15.30 UhrTreffpunkt: Vor dem Amt für Wirtschaft und Arbeit,Utengasse 36Mit 430 PSdurchs Kleinbasel:Mühlen, Teiche,FärbereienNein, hier geht es ganz und gar nicht um Rasereiinnerorts. Behaglicher empfundene 430Pferdestärken sind kaum denkbar. Der 1917 aufgehobeneRiehenteich-Kanal versorgtewährend rund sechs Jahrhunderten Gewerbe undIndustrie im Kleinbasel mit Wasserkraft – undnach seinem Verschwinden die Heimatliteratur mitWehmut und Verklärung. Theobald Baerwart(1879–1942) erwies ihm in seinen Jugenderinnerungendie wohl liebevollste Reverenz. DerBasler Schriftsteller beschrieb, wie der Kanal mitzwei schwarzen Wolken im grünen Rhein vonseiner geschäftigen Existenz zeugte. Die Wolkenhatte der Fluss aber bereits auf der Höhe derKaserne «verdaut». Längst ist die gesamte Anlagedes Riehenteichs von den Kleinbasler Strassenund Häusern verdaut, jedenfalls beinahe. MitTheobald Baerwarts Mundarttext «Riechedych»macht sich die Führung auf die – nicht nuridyllische – Spur der verschwundenen Kanäle,Mühlen und Farbenfabriken.André SalvisbergPrägt seit den 1950er Jahren den Claraplatz: das 1952–1954errichtete Wohn- und Geschäftshaus von Fritz Rickenbacherund Walter Baumann. Es ersetzte die 1951 abgerissenenSchetty-Häuser.| Foto: Klaus Spechtenhauser, Kantonale DenkmalpflegeMit 430 PS durchs Kleinbasel: Mühlen, Teiche, FärbereienFührung: André Salvisberg, HistorikerZeit: 11, 14, 15.30 UhrTreffpunkt: Vor der «Neuen Mühle», Unterer Rheinweg 14 –keine Anmeldung erforderlichGewerbe und Industrie mitten in der Kleinbasler Altstadt:Hinterer Teich zwischen Kammradmühle und Rösslimühle,um 1900. Auf dem Brücklein Müllermeister Conrad Wehrli.| Foto: Archiv Kantonale Denkmalpflege


22 | Europäischer Tag des Denkmals 2013 Kirchenbauten – 3 Führungen auf einen Blick | 23Kirchenbauten3 Führungen auf einen Blick«Werke des Teufels»ClarakircheDie Clarakirche aus dem 14. Jahrhundert wareinst Teil einer umfangreichen Klosteranlageder Clarissen. Am ehemaligen Standort desKreuzgangs und des Friedhofs für die Nonnenbefindet sich heute der Claraplatz mit seinemgeschäftigen Treiben. Nichts erinnert mehran die mittelalterliche Struktur und doch beherrschtdie Kirche den Platz. Das Kloster fandsein Ende mit der Reformation und wurde1529 von den letzten zwei Nonnen an die Stadtübergeben. Das heutige Erscheinungsbild derKirche geht auf einen Umbau von 1858/59durch Amadeus Merian zurück, der sich stilistischam Vorgängerbau orientierte. Damiterhielt die rasch anwachsende katholischeGemeinde, die seit 1798 hier Gastrecht genoss,einen angemessenen Versammlungsraum.Führung: Stephanie Fellmann, Kantonale DenkmalpflegeZeit: 14, 15.30 UhrTreffpunkt: In der Clarakirche, Claraplatz 6, beimTaufbecken – keine Anmeldung erforderlichkerung nun näher am Brückenkopf anzusiedelnbegann. In ihrer heutigen Form geht dieKirche auf das 14. und 15. Jahrhundert zurück;nur wenigen dürfte bekannt sein, dass der Bauursprünglich zwei Türme hatte, die zusammenmit dem Chor und dem Westgiebel beimErdbeben von 1356 zerstört wurden. Im wohlproportionierten,dreischiffigen Kirchenraumsind einige Ausstattungselemente aus der Bauzeiterhalten: Teile des Chorgestühls, ein monumentalesChristophorusbild und verschiedeneGlasmalereien. Bemerkenswert ist auchdas originale Dachwerk von 1358.Führung: Reto Bieli, Kantonale DenkmalpflegeZeit: 11, 14 UhrTreffpunkt: Vor der Theodorskirche, Theodorskirchplatz5 – keine Anmeldung erforderlichOrgelklänge undOrgel geschichten in derTheodorskircheDie facettenreiche Geschichte der Orgeln inder Theodorskirche lässt sich bis ins 16. Jahrhundertzurückverfolgen. Vorerst befand sichan der südlichen Obergadenwand zwischenKanzel und Lettner eine Schwalbennestorgel,1770 wurde eine Orgel der bedeutenden ElsässerOrgelbauer-Dynastie Silbermann installiertund 1917 folgte eine pneumatisch betriebeneZimmermann-Orgel. Die heutige, 1983eingebaute Orgel stammt von Alfred undDaniel Kern aus Strassburg und erlaubt aufgrundihrer klanglichen und stilistischenVielseitigkeit das Spielen von Stücken aus unterschiedlichenEpochen. Bei der Konzert-Führung werden – ergänzt durch Erläuterungenzu Geschichte und Technik – ihre38 Register auf drei Manualen zum Klingengebracht.Mit der Reformation – in Basel 1529 – wurde dieMusik aus den Kirchen der reformiertenStädte verbannt. Im Kanton Zürich wurde diesbesonders konsequent umgesetzt. Zwingliwar zwar ein begnadeter Musiker, hielt aber nichtsvon Orgeln in der Kirche: Sie seien «Werkedes Teufels». 1528 wurde deshalb aus dem ZürcherGrossmünster die Orgel verbannt. Die WinterthurerStadtkirche war 1809 die erste im KantonZürich, in der wieder eine Orgel aufgebautwurde – trotz des immer noch geltenden Verbotsund sehr zum Ärger der Regierung in Zürich.Basel schlug da einen gemässigteren Weg ein:Obwohl auch hier Musik im Gottesdienstzunächst verboten wurde, kam es nicht zum Abbruchder Orgeln in den Kirchen. Und schon32 Jahre nach der Reformation wurde 1561 dasOrgelspiel im Münster wieder aufgenommen.Im 18. Jahrhundert kam es in Basel zumAufbau bedeutender Orgeln der im Elsassansässigen Familie Silbermann – in der Peterskirche,Predigerkirche, Leonhardskirche undauch in der Theodorskirche. Hier steht heute allerdingseine andere Orgel: Sie wurde 1983installiert und stammt von Alfred und Daniel Kernaus Strassburg.Daniel Schneller Führung Orgelklänge und Orgel geschichten in derTheodorskircheTheodorskircheDie Theodorskirche wird erstmals 1084 urkundlicherwähnt. Anfang des 12. Jahrhundertsgehörte sie zum St. Alban-Kloster. Mitdem Bau der ersten Rheinbrücke um 1225 sankihre Bedeutung, da sich die Kleinbasler Bevöl-Führung: Führung/Konzert mit Nicoleta Paraschivescu,Organistin der Theodorskirche und Orgellehrerinan der Musikakademie Basel sowie Reto Bieli, KantonaleDenkmalpflegeZeit: 15.30 UhrTreffpunkt: Vor der Theodorskirche, Theodorskirchplatz5 – keine Anmeldung erforderlich| Fotos: Kantonale Denkmalpflege


26 | Europäischer Tag des Denkmals 2012 Stilvoll logieren am Rhein: Hotel Krafft | 27Stilvoll logieren am Rhein:Hotel KrafftKlaus Spechtenhauser, Kantonale DenkmalpflegeHier übernachtet und tafelt man auf hohemNiveau: Das Hotel Krafft an derRheingasse gehört seit langer Zeit zu denbesten Adressen Basels. Dabei wirdbewusst auf international nivellierte undanonymisierte Gepflogenheiten verzichtet.Vielmehr setzt man auf Authentizität,Atmosphäre und persönlichesAmbiente. Die sorgfältige Pflege des ausdem 19. Jahrhundert stammendenGebäudes, die Anpassung an die Erfordernisseeiner zeitgemässen Hotellerieund Gastronomie mit stilsicheren Eingriffenund nicht zuletzt ein Hauch vonNostalgie haben das Krafft längst zu einemunverwechselbaren, identitätsstiftendenOrt gemacht – sowohl für Reisende alsauch für das ortsansässige Publikum.Zu Recht wurde es zum historischen Hoteldes Jahres 2007 aus ge zeichnet.Gepolsterter Fauteuil, entworfen 1930von Werner M. Moser. Das heutewieder vom ursprünglichen HerstellerEmbru in Rüti ZH produzierte Stück isteiner der bekanntesten SchweizerDesignklassiker. Er ist – in verschiedenenFarben der Polsterung – fixerBestandteil der Zimmer-Möblierungim Hotel Krafft.Blickfang am RheinuferBis in die Mitte des 19. Jahrhunderts war dieRheingasse eine wichtige Verkehrsachse zwischenGrossbasel und den rechtsrheinischenGebieten. Seit dem Mittelalter entstanden hierTavernen und Gasthöfe. Mit dem 1820–1860vollzogenen Wandel des Kleinbasler Rheinufersvom schmutzigen Flussgestade zur Uferpromenadegewann die Rheingasse für dieHotellerie erneut an Attraktivität. Auch deraus dem nahen Wiesental stammende GastwirtErnst Krafft wirtete hier im SchwarzenBären. Er erkannte die Zeichen der Zeit undkonnte sodann vier alte Handwerkerhäuseran der Flussseite der Rheingasse erwerben. Erliess sie niederreissen und 1872/73 durch denBasler Architekten Ferdinand Iselin einen repräsentativenHotelneubau errichten. DasGebäude mit klassizistisch bestimmter Gestaltungund neubarocken Details setzt bisheute einen Akzent in der kleinteiligen Altstadtbebauung.Ernst Krafft betrieb sein Hotel mit zunehmendemErfolg. Ende der 1880er Jahre suchteer allerdings neue Herausforderungen undzog weiter. Die nachfolgenden Besitzerfamilienleiteten das Hotel in mehreren Generationen;stets scheint eine Aura des Einzigartigendas Haus ans Herz seiner Betreibergebunden zu haben. Über die Jahrzehnte hinwegwurde das Hotel sorgfältig unterhalten.Da und dort unternahm man Veränderungenund Modernisierungen im Geist der jeweiligenZeit. 1953 kam es durch Ernst Egeler zuUmbauten und Neugestaltungen, eleganteVorhänge, Tapeten, Leuchten und Stühle bestücktenfortan die Räume. Im Keller wurdegegen den Rhein ein kleines Bistro eingerichtet,gleichzeitig eröffneten die damaligen Besitzerein Boulevardcafé am Rheinweg. FünfJahre später wurde das Haus wiederum nachPlänen Egelers renoviert und umgebaut. Damalsentstand die zweiachsige Erweiterungmit den charakteristischen Loggien und demDurchgang, in dem sich heute der wohl stadtbekanntesteKiosk befindet. In den folgendenJahrzehnten war das Kleinbasel einem starkenWandel ausgesetzt. Vieles in der Nähe desalteingesessenen Hotels veränderte sich. DieStammgäste und feinen Herrschaften aus allenTeilen der Welt blieben dem Haus allerdingstreu. Ebenso wie viele Angestellte: Hierarbeitete man nicht für kurze Zeit, sondernblieb über Jahre hinweg.Illustre GästescharAuf Künstler und Artisten übte das Krafft immerschon eine magische Anziehungskraftaus. Ein Blick ins Gästebuch weiss dies zu bestätigen:Schauspieler, Maler, Musiker undSchriftsteller haben sich hier mit begeistertenWorten verewigt; Carigiet, Frisch undDimitri oder gar Roy Lichtenstein sind nureinige wenige Namen, denen man auf denSeiten begegnet. Neben illustren Hotelgästenaus aller Welt bot das Krafft aber immer auchLangzeitgästen eine Logie an. Zu den berühmtestenzählte 1923/24 Herman Hesse. Wobeiwohl dessen Frau Ruth Wenger, die ebenfallsim Krafft einquartiert war, mit ihren zweiHunden, einer Katze und dem Papagei Cocofür weit mehr Aufsehen sorgte als der launenhafteLiterat.Frischer WindEnde 2002 begann im Krafft eine neue Ära,die bis heute die Ausrichtung, aber auch dieGestaltung des Hotels prägt. Der Basler GastronomFranz-Xaver Leonhardt kaufte dasKrafft und erfüllte sich damit einen alten Bubentraum:ein Hotel am Fluss zu betreiben.Mit viel Elan und Engagement ging der neueHoteldirektor daran, das in die Jahre gekommeneHaus mit Sorgfalt zu entrümpeln, umdas Ursprüngliche wieder besser zur Geltungzu bringen. 2003 kaufte die Stiftung EdithMaryon das Hotel samt der gegenüberliegendenDépendance, in der im Herbst 2008 dieConsum-Bar eröffnet wurde. Mit Leonhardtund seinem Leitungsteam wurde ein langjäh-Der Anfang 2013 sanft renovierte Speisesaal mit den charakteristischen Bogenfenstern, die den famosen Blick auf Rhein, alte Universität und Münsterhügel öffnen. Zwei grosseSpiegel an den Stirnseiten intensivieren und multiplizieren diese Aussicht; das Aufhängen von Bildern erübrigt sich.| Fotos: Klaus Spechtenhauser, Kantonale DenkmalpflegeBlick auf das Hotel Krafft vom Schafgässlein aus.riger Mietvertrag abgeschlossen, woraufhindie schrittweise Renovation des gesamtenHotels weitergedeihen konnte. Alle Wirtschaftsräumewurden modernisiert, eine neuKüche eingebaut, die Fassaden des Gebäudesgestrichen, der Schriftzug neu vergoldet.2005/06 waren die Hotelzimmer an der Reihe:Sie erhielten neue Badezimmer, wurdensanft renoviert und mit eigens entworfenenKastenmöbeln sowie Designklassikern neuausgestattet. Jüngster Akt bei der steten Pflegedes 140-jährigen Hauses war Anfang 2013 dasFacelifting des grossen Speisesaals, gleichsamSeele und Bauch des Hotels. Die gestalterischeSprache der Hotelzimmer, des Fumoirs undder zentralen Halle sollte auch beim 2004 lediglichgestrichenen und mit neuem Mobi liarbestückten Saal einfliessen. Bei den klugenEingriffen ging es letztlich um eine dezenteIntensivierung der einmaligen Raumatmosphäre.Der Ansatz entspricht dem bisherigenProgramm: Bestehendes bewahren, sorgfältiginstandsetzen und zeitgemäss ergänzen.Mittlerweile ist das altehrwürdige Hausam Rheinufer Teil der Krafft Gruppe geworden.Sie wird von einer fünfköpfigen Crewgeleitet. Expandiert wird mit Bedacht; unddies stets mit der Maxime, in allen BereichenTradition, Innovation und Qualität untereinen Hut zu bringen.Hotel KrafftFührung: Franz-Xaver Leonhardt,HoteldirektorZeit: 11, 14, 15.30 UhrTreffpunkt: Ab 8.30 Uhr obligatorischeAnmeldung beim Informationsstandam Claraplatz mitBekanntgabe des Treffpunkts –Teilnehmerzahl beschränkt!Max. 25 Personen pro Führung


28 | Europäischer Tag des Denkmals 2013 Rheingasse und Lindenberg – 3 Führungen auf einen Blick | 29Rheingasse und Lindenberg3 Führungen auf einen Blick Frühe Hochkonjunktur an derRheingasseZum Blauen Stein & ZumBlauen SpiessDie beiden erstmals 1363 urkundlich erwähntenAltstadthäuser sind hervorragend erhalteneBeispiele eines für das Kleinbasel charakteristischen,im Kern mittelalterlichen Ge bäu -detyps. Ausschlaggebend für die Bebauungwaren schmale und sehr tiefe Parzellen zwischenden rheinparallelen Hauptgassen, aufdenen die Häuser in mehreren Etappen errichtetwurden, ergänzt durch Wirtschaftsgebäudeund Gartenflächen. Erst zu einem späterenZeitpunkt kam es zur Zusammenfassung dereinzelnen Teil unter einem Dach, wobei sowohlbeim Blauen Stein als auch beim BlauenSpiess diese ursprünglichen Gebäudeteile nochgut erkennbar sind. Beide Häuser waren überJahrhunderte im Besitz von Hafnern bzw. Bäckern.Unlängst sind sie sanft restauriert undim Innern sorgfältig heutigen Standards angepasstworden. Ein Coiffeurladen und eineGelateria mit lauschigem Innenhof führen diegewerbliche Nutzung weiter.Führung: Thomas Krattiger, EigentümerZeit: 11, 14, 15.30 UhrTreffpunkt: Ab 8.30 Uhr obligatorische Anmeldungbeim Informationsstand am Claraplatz mit Bekannt gabedes Treffpunkts – Teilnehmerzahl beschränkt!Max. 25 Personen pro FührungHistorischeGewerbebauten –Neu genutztAb 1800 bis kurz nach dem Ersten Weltkriegbestimmten Färberei-Betriebe die Nutzungdes Areals zwischen Rhein- und Utengasse.Aus dieser Zeit stammt auch der Hauptteil dergewerblichen Gebäude, die sich um einenschmalen Hof gruppieren und derzeit unterdem Leitmotiv «Denkwerkstatt» zum neuenSitz der Stiftung Habitat umgebaut werden.In dem umfangreichen Gebäudekomplex entstehengrosszügige Büroräume und drei Wohnungen.Im Zug der sorgfältigen Umbauarbeitenwerden auch jüngere Einbautenbeseitigt, sodass eindrucksvolle Räume wiedie bis kurz nach dem Ersten Weltkrieg betriebenenWerkhallen der Färberei in ihrerursprünglichen Wirkung wieder erlebbarwerden.Führung: Katharina Sommer, Stiftung Habitat undMen Kräuchi, Kräuchi ArchitektenZeit: 11, 14, 15.30 UhrTreffpunkt: Ab 8.30 Uhr obligatorische Anmeldungbeim Informationsstand am Claraplatz mit Bekannt gabedes Treffpunkts – Teilnehmerzahl beschränkt!Max. 30 Personen pro FührungWichtiger Hinweis: Die Besichtigung ist eine Baustellenführung– Teilnahme nur mit gutem Schuhwerk!Wohnen am LindenbergGegen Ende des 19. Jahrhunderts mehrten sichEingriffe in die mittelalterliche BebauungsstrukturKleinbasels. Vielfach wurden diekleinteiligen Parzellen zusammengelegt undstattliche Neubauten errichtet. Zwei unmittelbarnebeneinander stehende Wohnbautenzeigen die dadurch entstandenen Kontrasteauf und widerspiegeln gleichzeitig die WohnundLebensverhältnisse, wie sie sich über dieJahrhunderte hinweg verändert haben. Daseine Gebäude ist ein typisches Handwerkerhausund reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück.Zwar stammt seine Strassenfassade aus derzweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, im Innernist jedoch noch die ursprüngliche mittelalterlicheBaustruktur gut ersichtlich. Das andereGebäude wurde 1900/01 von Romang & Bernoullierrichtet. Es ist ein voluminöses Doppel-Mehrfamilienhausund umfasst 12 DreiundVierzimmer-Wohnungen, die den gestiegenenbürgerlichen Wohnansprüchen derdamaligen Zeit Rechnung tragen.Führung: Klaus Spechtenhauser, KantonaleDenkmalpflege und die EigentümerZeit: 11, 14, 15.30 UhrTreffpunkt: Ab 8.30 Uhr obligatorische Anmeldungbeim Informationsstand am Claraplatz mit Bekannt gabedes Treffpunkts – Teilnehmerzahl beschränkt!Max. 25 Personen pro Führung| Fotos: Kantonale DenkmalpflegeBis vor nicht allzu langer Zeit durchmischten sichim Kleinbasel die verschiedenen Nutzungsbereichevon Wohnen, Handwerk, Gewerbe undIndustrie auf engstem Raum. So auch an derRheingasse. Fast 50 Meter lang ist die Lücke inder geschlossenen Häuserzeile, wo seit 1932das Amt für Wirtschaft und Arbeit steht. Angesichtsder kahlen Giebelfassaden links undrechts des markanten Halbrunds mag der Eindruckentstehen, dass erst die Errichtung dieses Gebäudeseine Bresche ins intakte Altstadtgefügeschlug. Tatsächlich aber befanden sich hier inder Nachfolge mittelalterlicher Ziegeleien aus dem14./15. Jahrhundert immer schon Gewerbebetriebe.Deren Grundstücke waren nur teilweisebebaut und gegen die Rheingasse mit Hofmauernabgeschlossen. Die beiden nordwestlichdes Arbeitsamts an der Rheingasse gelegenenHäuser sind die letzten Zeugen dieses von Gerbereien,einer Zimmerei und einer Färberei genutztenAreals. Ihre heutige Gestalt erhielten sieMitte des 19. Jahrhunderts. Damals wurdenauch beidseits des Hofs bis zur Utengasse langgestreckteGewerbebauten angelegt. AlleGebäude gehörten – bekrönt durch einen 38 Meterhohen, emissionsreichen Hochkamin – inder zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts FriedrichLotz, der hier einen florierenden Färberei-Betrieb unterhielt. Auch nach dem gegenwärtigenUmbau bleibt das Ensemble als Zeuge einerfrühindustriellen Produktionsstätte erhalten undwird den neuen Nutzern und Bewohnerinnenals inspirierender baulicher Rahmen dienen.Klaus Spechtenhauser Führung Historische Gewerbebauten – Neu genutzt


30 | Europäischer Tag des Denkmals 2013 Vom Claragraben aufs Land – 3 Führungen auf einen Blick | 31Vom Claragraben aufs Land3 Führungen auf einen Blick Direktimport aus ChinaIm Zeichen vonErziehung und Arbeit:Wettstein-Schulhaus undWettsteinhofBeide Gebäude mit repräsentativem Charakterstehen am Claragraben. Das Wettstein-Schulhaus wurde als zeittypischer «Schulpalast»von Kantonsbaumeister Heinrich Reese1880–1882 im Stil der Neurenaissance erbautund stand damals direkt am Riehenteich. Esgehört zur ersten Gruppe wichtiger BaslerSchulhäuser, die zwischen 1873 und 1900 entstanden.Im Innern wird die Strenge der Gestaltungdurch Glasfenster der Basler GlaskünstlerOtto Staiger, Hans Stocker und MaxSulzbachner von 1931 aufgelockert. DemSchulhaus gegenüber errichteten 1896 E. Vischer& Fueter den Wettsteinhof als Vereinshausfür den Evangelischen Arbeiterverein.Die Fassade ist einem spätgotischen Zunfthausnachempfunden und wird von einem gemaltenFries der beiden Dekorationskünstler WilhelmBalmer und Franz Baur geschmückt. Erzeigt einen Festzug mit Handwerkerkindern.Führung: Romana Anselmetti, Kantonale DenkmalpflegeZeit: 11, 14, 15.30 UhrTreffpunkt: Ab 8.30 Uhr obligatorische Anmeldungbeim Informationsstand am Claraplatz mit Bekannt gabedes Treffpunkts – Teilnehmerzahl beschränkt!Max. 30 Personen pro FührungWettstein-Häuschen undUmgebungDas unscheinbare Gebäude ist das letzte dereinst zahlreichen Rebhäuschen ausserhalbder ehemaligen Stadtbefestigung. Die Kleinbautenverfügten jeweils über ein gemauertesErdgeschoss, das Raum zur Aufbewahrungder Gerätschaften für den Rebbau bot, und einObergeschoss aus Fachwerk, in dem eine kleineStube untergebracht war. In seiner knapp500-jährigen Geschichte zählte auch BürgermeisterJohann Rudolf Wettstein zu den Eigentümern.Ende des 19. Jahrhunderts diente esder Basler Künstlergesellschaft als Vereinslokal.Für den Künstler Alexander Zschokkewurde in den 1930er Jahren ein grossräumigesAtelier angebaut, in dem er u. a. den Brunnenbeim Kunstmuseum schuf. Das leicht zu übersehendeKleinod wird bis heute von einemBildhauer als Arbeitsstätte genutzt.Führung: Rebekka Brandenberger, Kantonale DenkmalpflegeZeit: 11, 14, 15.30 UhrTreffpunkt: Ab 8.30 Uhr obligatorische Anmeldungbeim Informationsstand am Claraplatz mit Bekannt gabedes Treffpunkts – Teilnehmerzahl beschränkt!Max. 25 Personen pro FührungVor den Toren Kleinbasels:Die SandgrubeDie Sandgrube wurde 1745 von Johann JakobFechter für den Seidenbandfabrikanten AchillesLeissler als Landsitz errichtet. Das Anwesenmit Herrenhaus, seitlichen Pavillonsund Stallungen sowie einer grosszügigen Gartenanlage– dem französischen Vorbild des«Hôtel entre cour et jardin» folgend – ist einbedeutender Bauzeuge aus der Blütezeitder barocken Architektur in Basel. Blickfangdes wohlproportionierten herrschaftlichenWohnhauses ist der elegant geschwungeneMittelrisalit, ein Motiv, das Fechter später auchbeim Wildt’schen Haus am Petersplatz einsetzensollte. Im Innern sind Kostbarkeiten deroriginalen Ausstattung erhalten: edle Parkettböden,sorgfältig gearbeitete Türen und Täfer,Cheminées mit Spiegelaufsätzen, Supraporten,Fayence-Öfen, Leinwandtapeten und insbesonderedie direkt aus China importierten Papiertapetenim Salon des Obergeschosses.Führung: Markus Schmid, Kantonale DenkmalpflegeZeit: 11, 14, 15.30 UhrTreffpunkt: Ab 8.30 Uhr obligatorische Anmeldungbeim Informationsstand am Claraplatz mit Bekannt gabedes Treffpunkts – Teilnehmerzahl beschränkt!Max. 25 Personen pro FührungIm 18. Jahrhundert brach in Europa eine wahreChina-Euphorie aus. Chinoiserien aller Artnahmen Einzug in die Architektur und Wohnkultur,indem sie u. a. auf Gemälden, Tapeten,Ofenkeramik, Porzellan oder gar in Form ganzerRaumdekorationen und Kabinette Verbreitungfanden. Im Unterschied zu diesen europäischenNachahmungen chinesischer Motiveist die Papiertapete im oberen Salon der Sandgrubeaus der Zeit um 1770 eine absoluteRarität, stammt sie doch direkt aus China. Wahrscheinlichin Kanton, dem dortigen Zentrumfür Tapetenproduktion hergestellt, gelangte sieper Schiffstransport nach Europa, wo sie ineinem der Verkaufszentren für chinesische Tapeten– Amsterdam, London oder Paris – vomBasler Bandfabrikanten Achilles Leissler für seinenKleinbasler Landsitz bestellt wurde. Aufzwölf Bildbahnen sind blühende Bäume, Blumenund Vögel zu sehen, die den Raum in eineexotische Gartenwelt verzaubern. Ob und inwieweitdie damaligen Betrachter die vielfältigechinesische Symbolik der Bildmotive zu entschlüsselnwussten, ist unbekannt.Anne Nagel Führung Vor den Toren Kleinbasels: Die Sandgrube| Fotos: Kantonale Denkmalpflege; Erik Schmidt


32 | Europäischer Tag des Denkmals 2013 Unsterbliche Musik für eine unsterbliche Stadt: Mittagskonzert mit dem Sinfonieorchester Basel und dem Konzertchor Ludus Vocalis | 33Unsterbliche Musik für eineunsterbliche StadtHans Hubers Kleinbasler Gedenkfeier von 1892Daniel Schneller, Kantonaler DenkmalpflegerDie Idee, das 500-Jahr-Jubiläum der Vereinigungvon Klein- und Grossbasel zu feiern, entstandwährend eines «Gryffemähli» 1890. Die Kommission,die unter Leitung des RegierungsratsRudolf Philippi (1835–1903) mit der Konzeptiondes Festprogramms beauftragt war, beschloss,als Höhepunkt der Feier ein Festspielaufzuführen. Staatsarchivar und HistorikerRudolf Wackernagel (1855–1925) erhielt denAuftrag, den Text zu schreiben, während derdamals noch unbekannte Hans Huber (1852–1921) mit der Komposition der Musik beauftragtwurde. Es sollte der Beginn einer erfolgreichenZusammenarbeit werden: Huber wurde überNacht zum Star der Basler Musikwelt. Wackernagelund Huber schufen danach weitere Erfolgemit der Oper «Weltenfrühling» (1894),einem Böcklin-Festspiel (1897) und schliesslichdem Festspiel «Der Basler Bund» (1901).Von den Kelten bis zur Schlacht vonSempach: Basel auf dem Weg zur FreiheitErstaunlich ist, dass sich der Historiker RudolfWackernagel in seinem Festspieltext vom Wissenschaftlerzum Künstler zu wandeln vermochte,goss er doch seine fundierten Kenntnissein eine freie künstlerische Form.Inhaltlich weist das Festspiel unübersehbareParallelen zu Wackernagels mehrbändiger BaslerGeschichte auf, die ab 1907 erschien. Dieseist trotz des unerschöpflichen Faktenreichtumsnicht bloss eine chronologische Aufzählungvon Ereignissen, sondern wird vielmehr voneiner Leitidee geprägt: dem Erstarken der Stadtbürgergegenüber der autoritären Zentralgewaltvon Bischof und Kaiser. Und genau dieserGrundgedanke, das Erringen der Freiheit durchdie Bürger der Stadt, ist auch Leitmotiv derKleinbasler Gedenkfeier.Der 40-jährige Hans Huber im Aufführungsjahr derKleinbasler Gedenkfeier 1892.| Foto: Bulacher & Kling, Universitätsbibliothek Basel,Sign. Portr. BS Huber H 1852 1aDas Foto von einer der ersten Aufführungen der Kleinbasler Gedenkfeier 1892 zeigt eine Szene im keltischenDorf aus dem Vorspiel. Die sitzende keltische Frau rechts aussen ist Ida Huber-Petzold, die Frau Hans Hubers.Sie sang in ihrer Rolle das Lied «Leise rauscht der Strom dahin», die musikalische Einleitung des Festspiels.| Foto: Bulacher & Kling. Staatsarchiv Basel-Stadt, Bild 15, 603Das Festspiel beginnt mit der römischen Eroberungder keltischen Siedlung am Rhein.Wackernagel stellt die Kelten als Naturvolkdar, und so beginnt die erste Szene mit demLied «Leise rauscht der Strom dahin», das einekeltische Frau am Ufer des Rheins singt. DasIdyll findet allerdings ein rasches Ende mitder Eroberung des keltischen Dorfs durchKaiser Valentinian (374), der in der Folge amRheinknie eine Stadt mit dem Namen Basileagründet. Römische Soldaten und Kelten feierngemeinsam den Anbruch einer neuen Zeitunter der Schirmherrschaft des Kaisers. Daszweite szenische Bild «Der Bau der altenRheinbrücke» spielt am Grossbasler Rheinufer.Fährleute und Kaufleute beklagen dieGefahren des Rheinstroms: Immer wiedersinken Schiffe, es ertrinken Menschen undwertvolle Handelswaren gehen unwiederbringlichverloren. Als Retter tritt BischofHeinrich von Thun auf, der den Bau einer Brückebefiehlt und damit die beiden Basel verbindet(1225). Im dritten Bild zieht Rudolf vonHabsburg im Kleinbasel ein. Er wird von derBevölkerung und den Ehrengesellschaftengefeiert, denn er verleiht der rechtsufrigenStadt die Freiheitsrechte (1285). Im viertenBild sind diese durch Herzog Leopold vonHabsburg gefährdet: Der Bischof hat Kleinbaseldem Herzog verpfändet. Der Herzog sammeltin Kleinbasel die Ritter, mit denen er gegendie Eidgenossen bei Sempach in dieFür die Aufführungen der Kleinbasler Gedenkfeier 1892 auf der Margarethenwiese wurde eine monumentale Bühnenarchitektur aufgebaut. Über dem Bühnenportal sinddie Figuren der Drei Ehrengesellschaften angebracht: Löwe, Wilder Mann und Vogel Gryff. Die hier festgehaltene Szene stammt aus dem Vorspiel: Es ist der römische Waffentanznach der Eroberung des keltischen Dorfs. Der Mann mit Hut, der im Orchestergraben steht, ist Hans Huber, der seine Musik selbst dirigierte.| Foto: Staatsarchiv Basel-Stadt, Bild 15, 604Offizieller Festführer zur Kleinbasler Gedenkfeier von1892. Neben der Aufführung des Festspiels von Huberund Wackernagel gab es Festumzüge durch die Stadt,Festwirtschaften am Unteren Rheinweg und eine Feierim Münster.| PrivatsammlungSchlacht zieht (1386). Doch die Bürger derStadt stehen auf Seiten der Eidgenossen undhoffen, ihre verlorene Freiheit zurückzugewinnen.Der Feldzug misslingt, Leopold fälltund die Bürger erkennen ihre Chance, dieFreiheitsrechte zurückzugewinnen. In diesemletzten Bild will Wackernagel aufzeigen,dass Basel bereits lange vor dem Beitritt zurEidgenossenschaft 1501 deren Nähe gesuchthatte und in seinem Streben nach Freiheit mitdieser wahlverwandt war. Diese Sichtweiseist stark geprägt durch die Zeit, in der Wackernagellebte: Basel wollte sich in einer Zeit deseuropäischen Nationalismus als SchweizerStadt verstehen und den Keim zu seinem späterfolgten Beitritt 1501 bereits in das vorangegangeneSpätmittelalter verlegen. In den vierBildern schildert Wackernagel die EmanzipationBasels vergleichbar dem Mündigwerdeneines Menschen: Geburt und väterlichgeführte frühe Kindheit (Kelten und Römer,Bischof Heinrich von Thun), in der frühen Jugenderhaltene erste Selbständigkeit (Freiheitsrechtedurch Rudolf von Habsburg) undschliesslich die pubertäre Befreiung von derautoritären Bevormundung (Herzog Leopoldvon Habsburg, Erkaufen der Freiheitsrechte).Hans Huber: Ein neuer Stern geht aufDie Musik zur Kleinbasler Gedenkfeier hatteHans Huber komponiert, der seit 1877 in Baselwirkte. Huber stammte aus Schönenwerd undhatte in Leipzig studiert. Er machte als Komponist,Lehrer, Dirigent und Pianist Basel zumZentrum des Schweizer Musiklebens zwischen1890 und 1920. Huber ist der bedeutendste Komponistder Schweizer Spätromantik: Er schriebacht Sinfonien, drei Klavierkonzerte, ein Violinkonzert,fünf Opern, mehrere Kantaten undMessen sowie zahlreiche kammermusikalischeWerke. Mit der Musik zum KleinbaslerFestspiel, das auf der St. Margarethenwiese alsFreilichtspiel aufgeführt wurde, gelang ihmin Basel sein Durchbruch als Komponist. DieMelodien aus dem Festspiel wurden populär,der Klavierauszug gehörte bei den meisten BaslerFamilien zum fixen Bestand des heimischenMusikalienschranks.


36 | Europäischer Tag des Denkmals 2013 Arbeiterlieder im Klingental: Schlusskonzert mit dem 1. Mai-Chor Basel – Würste vom Grill und Bier vom Fass – Hesch gseh? Rundgang für Kinder | 37Arbeiterlieder im KlingentalSchlusskonzert mit dem 1. Mai-Chor BaselAriane Rufino dos SantosHesch gseh?Rundgang für KinderSchlusskonzert mit dem1. Mai-Chor BaselZeit: 17 UhrOrt: Im Innenhof des KleinenKlingentals, Unterer Rheinweg 26,Zugang durch das rückseitigeHoftor, Klingental 19 – Eintritt frei1. Mai-Chor BaselAriane Rufino dos Santos, Leitungwww.arianerufino.chAnschliessend geselliges Beisammenseinmit feinen Würstenvom Grill, kühlem Bier vomFass und Akkordeonmusik vonLuzian Jenny1. Mai-Chor BaselDer 1. Mai-Chor Basel ist ein Adhoc-Chor, der seit vielen Jahren den 1. Mai-Umzug in Baselbelebt. Rund 60 Sängerinnen und Sänger, begleitet von Akkordeon und Trommel, schaffendabei eine friedlich-bewegte Stimmung. Chorleiterin ist die Singanimatorin Ariane Rufinodos Santos. Sie leitet auch den Surprise-Strassenchor und ist bei zahlreichen weiteren Projektenund Gruppen engagiert, u. a. beim Netzwerk Stimmvolk.ch und der Singbewegung Il cantodel mondo.Das Konzert im Kleinen Klingental bildet denAbschluss des diesjährigen Denkmaltags imKleinbasel. Eine 17-köpfige Gruppe des 1. Mai-Chors unter der Leitung von Ariane Rufinodos Santos singt eine Auswahl des linkenLiedguts, das seit Jahrhunderten die revolutionärenInhalte der Arbeiterbewegung transportiert.Das Liederspektrum aus der Schweiz,Deutschland und Italien reicht vom Klassikerder «Internationale» von 1871 bis zu VolksundLumpenliedern aus neuerer Zeit.Zum Beispiel ist da das Lied «Addio Luganobella» von 1895: Es stammt von PietroGori, einem italienischen Journalisten, Juristenund anarchistischen Dichter, der nachmehreren Verhaftungen in seiner Heimat1894 nach Lugano floh, um sich einer fünfjährigenGefängnisstrafe zu entziehen. Baldschon witterten die Schweizer Behörden anarchistischeUmtriebe und Gori wurde 1895 mit17 anderen Anarchisten ausgewiesen, woraufer dieses Abschiedslied schrieb. Darin klagter an, dass die Behörden ihre nationale Legendedes freiheitsliebenden Wilhelm Tell mitdiesem feindlichen Akt verraten würden. Erselbst flüchtete nach London und blieb bis zuseiner Amnestie viele Jahre im Exil.Im Repertoire enthalten sind auch zweivon Hanns Eisler vertonte Lieder von BertoltBrecht, der im aufkommenden Nationalsozialismusin Deutschland eine wichtige Stimmedes Widerstands war. Das Einheitsfrontliedhatte zum Ziel, die Massen der Arbeiter schaftgegen die Obrigkeit zu vereinigen und wurdean der Musikolympiade in Strassburg 1935uraufgeführt und von 3 000 Arbeitersängernvorgetragen.Das älteste Lied im Repertoire, das heutenoch gesungen wird, ist das beliebte Volkslied«Die Gedanken sind frei», das erstmals 1780auf Flugblättern in Deutschland erschien undtrotz baldigen Verbots bis heute erhalten blieb.| Foto: Markus B. ChristenIn Januar ziehen Wild Maa, Leu und Vogel Gryffdurch die Gassen Kleinbasels. Heute werdenwir ihnen nicht begegnen. Nur der Ueli lacht unsan, wenn wir bei ihm vorbeispazieren.Unsere Entdeckungsreise beginnt beim Informationsstandam Claraplatz und führt durchverschiedene Gassen zum Rheinufer. Von dortaus können sogar Blinde das Münster unddie Häuser auf der anderen Rheinseite sehen. Aufdem Spaziergang begegnen uns überallTiere: Riesengrosse Ameisen krabbeln die Hauswandhoch, Fische schwimmen über einerEingangstür. Weideten im Schafgässlein wirklicheinmal Schafe? Und wie schmal doch dieHäuser hier sind. Hatte es denn da überhauptPlatz für Kinderzimmer? Oder gab es diefrüher gar nicht?Viele weitere Besonderheiten und fantastischeDinge gilt es zu entdecken. Am Schluss besuchenwir Helvetia und fragen sie, worüber sie nachdenktund was sie wohl alles in ihrem Koffer mitträgt.Vielleicht mag sie ja auch gerade ihreHeimat für eine Zeit lang verlassen wollen? Wirhingegen kehren nach unserer Entdeckungsreisezurück zum Claraplatz.Barbara LütscherHesch gseh? – Rundgang für KinderFührung: Barbara Lütscher, Pädagogin und StadtführerinZeit: 11, 14, 15.30 UhrTreffpunkt: Beim Informationsstand vor der Clarakirche,Claraplatz 6 – keine Anmeldung erforderlichAlter: 6–10 Jahre; bis 7 Jahre nur in Begleitung einererwachsenen Person| Fotos: Kantonale Denkmalpflege


38 | Europäischer Tag des Denkmals 2013 Spitzkehre am Claraplatz: Gratisfahrten mit einer historischen Tramkomposition der BVB | 39Spitzkehre am ClaraplatzAus der Frühzeit des Trams im KleinbaselKlaus Spechtenhauser, Kantonale DenkmalpflegeStrassenbahnen prägen das Stadtbild wie historischeBaudenkmäler. Sie gehören zum festenInventar der städtischen Infrastruktur:Wer könnte sich Basel, Bern oder Zürich ohneTram vorstellen? Das Tram trägt wesentlichzur Identität einer Stadt bei. Zwar unterliegtder Fahrzeugpark einem steten Wandel, wasaber meist bleibt, ist die Farbe: Grün in Basel,Blau/Weiss in Zürich, Rot/Weiss in Wien. Inerster Linie aber ist das Tram das effizientesteöffentliche Verkehrsmittel in der Stadt. Vergangensind die Zeiten, als in zahlreichen StädtenEuropas das Tramnetz beseitigt wurde, umdie Städte autogerechter zu machen. Vielerortsist das Tram heute wieder zurückgekehrt.Auch das Kleinbasel wäre ohne Tram undenkbar.Seit 1895, dem Geburtsjahr der elektrischenStrassenbahn in Basel, verkehrt hierein Tram. Die «Stammlinie» der Basler StrassenbahnenBStB – wie die BVB bis 1946 hiessen– wurde am 6. Mai 1895 offiziell dem Verkehrübergeben. Morgens um 6.30 Uhr verliessder erste Tramwagen den Centralbahnplatzund fuhr über die Strecke Aeschenplatz–Barfüsserplatz–Marktplatz–Claraplatzzum BadischenBahnhof, der sich damals noch amOrt der heutigen Messe befand. Es war diesder erste kommunale Strassenbahnbetriebder Schweiz. Sozusagen als sozialpolitischeAbsichtserklärung zu werten ist der damaligeZwei der 1967 und 1972 inzwei Serien beschafftenDüwag-Gelenkwagen mitGrossraumanhängernin der Greifengasse. ÜberJahre hinweg prägten dieeleganten und robustenFahrzeuge die StrassenBasels. Auf dem Fotozu sehen ist die HaltestelleClaraplatz, die mit derEröffnung der Fussgängerzonein der oberenGreifengasse am 22. März1972 hierher verlegtwurde. Aufgrund von Protestenwurde die Haltestelleaber schon im Mai1974 zurückverlegt.| Foto: Hans Bertolf,Staatsarchiv Basel-Stadt,BSL 1013 1-6213 1Der historische Motorwagen Be 2/2 Nr. 156 mit dreiachsigemAnhänger Nr. 1303 bei der Haltestelle Dreirosenbrücke.Der Motorwagen wurde 1920 in Dienst gestelltund ist seit 2011 als Museumsfahrzeug unterwegs.| Foto: Archiv BVBBeschluss des Grossen Rats, dass das neueTram keinen Gewinn abwerfen müsse. Vielmehrsah man das neue Verkehrsmittel schonfrüh als geeignetes Mittel, um die anstehendenProbleme der Stadtentwicklung wirkungsvollangehen zu können. Das Tram wurde zumProgramm, das Liniennetz sollte möglichstrasch ausgebaut werden.Vor der Inbetriebnahme der ersten Strassenbahnlinieder BStB hatte es bereits mehrereprivate Initiativen und konkrete Projektefür den Bau eines schienengebundenenTramnetzes in der Rheinstadt gegeben. EineKonzession erhielten dann aber lediglich dieprivaten Betreiber der sogenannten Tram-Omnibusse. Die von Pferden gezogenen, tramähnlichenGefährte verkehrten – wohlgemerktnicht auf Schienen – zwischen 1881und 1895 in Konkurrenz zu den traditionellenDroschken zwischen Centralbahnhof undBadischem Bahnhof. Die Tram-Omnibussewaren allerdings ein recht exklusives Verkehrsmittel.Aufgrund der hohen Tarifansätzewurden sie insbesondere von mittelständischenHandels- und Kaufleuten genutzt.Der Wechsel vom Pferdeomnibus zumelektrischen Tram stand für viele als Symbolfür den definitiven Anschluss an den Fortschritt.Gegenüber den etwas altertümlichen,vom Profitinteresse der privaten Betreiber abhängigenTram-Omnibussen war das elektrischeTram moderner, bequemer, billiger,staatlich betrieben, von Anfang an für ein breiteresPublikum vorgesehen und natürlich auchschneller. Vorerst allerdings nur unwesentlich:Mit einer moderaten Höchstgeschwindigkeitvon 15 Stundenkilometern dauerte die Fahrtzwischen den beiden Endstationen 16 Minuten,4 Minuten kürzer als mit dem Tram-Omnibus.Zudem war das Tram in der Anfangsphasenoch weit entfernt von seinem späterenStatus als Massenverkehrsmittel. Allerdingswurde bereits 1897 ein Arbeiterabonnementeingeführt, dass die Fahrkosten bis zu 70% reduzierteund die Benutzung des Trams – zuklar definierten Zeiten – auch für die Arbeiterschafterschwinglich machte. Der günstigeAr beitertarif war für das Unternehmen nichtkostendeckend. Vielmehr sollte er als Instrumenteiner fortschrittlichen Sozial politik eingesetztwerden.Das Kleinbasel war in den ersten Betriebsjahrenquasi das infrastrukturelle Herzstückdes neuen elektrischen Trams. So wurde 1895am Claragraben ein Kraftwerk gebaut, umden Strom für das Tram zu erzeugen. Mit Kohlebeheizte Dampfmaschinen trieben Dynamosan, die den Strom direkt an die Fahrleitungabgaben. Sowohl der Standort mitten inder Stadt – die Kohle musste mühsam mitPferdefuhrwerken herangekarrt werden –, alsauch der Umstand, dass die Emissionen ungefiltertin die Luft gingen, mag heute befremden,war damals aber an der Tagesordnungund wurde für den Fortschritt in Kauf genommen.Bereits bei der ersten NetzerweiterungDer Claraplatz um 1900. Neben der Clarakirche ein Motorwagen auf der ersten, 1895 eröffneten elektrischen TramlinieBasels zwischen dem Centralbahnhof und dem alten Badischen Bahnhof. Ab April 1897 zweigte hier dieneue Linie nach Kleinhüningen ab. Wegen der engen Ausmündung von Greifengasse und Unterer Rebgasse musstendie Wagen der im Oktober 1903 eingeführten Linie Morgartenring–Kleinhüningen hier eine Spitzkehre machen.| Bildpostkarte, Privatsammlungdes Trams 1897 reichte der produzierte Stromnicht mehr und musste von auswärts zugekauftwerden. Die Überreste des einstigenKraftwerks samt Hochkamin sind trotz mehrmaligerUmbauten und Umnutzungen nochheute am Dolderweg gut ersichtlich. Und auchdas erste Depot der BStB befand sich im Kleinbasel,an der Hammerstrasse 32. Die Zufahrtführte vom Claraplatz über Claragraben,Clarahofweg und Hammerstrasse. Platz fandenim Depotgebäude zwölf Wagen, die übereine von Hand betriebene Schiebebühne aufdie vier Gleise verteilt werden konnten. Mitder Eröffnung weiterer Tramlinien wurdengrössere Depots eröffnet und 1909 verliess derletzte Tramwagen die Hammerstrasse. Derschöne Industriebau wurde sodann unterweitgehender Wahrung des äusseren Erscheinungsbildszur bis heute existierenden KantonalenEichstätte umgebaut.Besonders faszinierend beim neuen Tramwar die Elektrizität, die damals in Basel – mitAusnahme einiger elektrischer Beleuchtungenin Foyers repräsentativer Gebäude – nochweitgehend unbekannt war. Erstmals wurdenun die Elektrizität in grossem Massstab angewendet.Zeitgenössische Kommentatorenschrieben von der «unsichtbaren Kraft», dieden «Wagen» vorwärtsschob, zeigten sich begeistertvon der Bündelung und Weiterleitungvon «Hunderten von Pferdekräften in einemdünnen Kupferdraht». Allerdings gab es auchSkepsis: Hausbesitzer fürchteten, die Elektrizitätkönnte ihre Gebäude in Schwingungenversetzen und weigerten sich, Isolatoren ander Fassade anbringen zu lassen. Zudem wurdebereits vor der Inbetriebnahme des Tramskritisiert, die Oberleitung führe zu einer Verschandlungdes Strassenbilds.Der rasche Ausbau des Tramnetzes betrafauch das Kleinbasel: 1897 fuhren die erstenWagen vom Claraplatz nach Kleinhüningen,im gleichen Jahr wurde die Linie über dieWettsteinbrücke eröffnet. Der Verkehr wurdedurch die Einführung neuer Linien immerdichter, der Claraplatz entwickelte sich schonbald zum wichtigen Verkehrsknotenpunkt.Gratisfahrten mit einer historischenTramkomposition der BVBZeit: 9–17 UhrOrt: Rundkurs Claraplatz–Wettsteinplatz–Barfüsserplatz–Marktplatz–Claraplatz;Ein- und Ausstiegan allen Haltestellen; Intervallca. 15 Minutenwww.bvb.ch+41 61 685 14 15Zu Beginn gab es allerdings zahlreiche einspurigeAbschnitte, die Schritt für Schrittauf Doppelspur erweitert wurden. Einspurigging es durch die bis zur 1930 abgeschlossenenKorrektion ziemlich enge Greifengasse,ebenso bis 1939 über die Wettsteinbrücke. Diebeengten Verhältnisse an der Ecke Greifengasse/UntereRebgasse führten dazu, dass dieWagen der neu eingeführten Linie Morgartenring–Kleinhüningenam Claraplatz eineSpitzkehre machen mussten und daher keineAnhänger mitführen konnten.Diese Streiflichter auf die Frühzeit des BaslerTrambetriebs mögen dazu animieren, selbstein Stück Tramgeschichte am Tag des Denkmalsmitzuerleben. Und zwar als Fahrgast imOldtimertram auf dem Rundkurs Claraplatz–Wettsteinplatz–Barfüs serplatz–Marktplatz–Claraplatz. Der über 90-jährige zweiachsigeMotorwagen mit Anhänger erinnert daran,dass solche Gefährte über Jahrzehnte hinwegdas Basler Stadtbild geprägt haben. In einerZeit, da Niederflur oder Klima anlage nochabstrakte Begriffe waren, und da der lautstarkeElektromotor dem Fahrgast noch ein Gefühlunmittelbarer Beteiligung bei der Kraftübertragungvermittelte.Spezialfahrten: Vom Depot Wiesenplatzzum Claraplatz mit anschliessenderAbfahrt ab Claraplatz10.50, 13.50 und 15.20 – mit diesenKursen gelangt man bequem zuden Führungen, die beim Theodorskirchplatzbeginnen


Wichtigfür das GesichtBasels.Kantonale DenkmalpflegeKleines KlingentalUnterer Rheinweg 264058 BaselTel. 061 267 66 25Fax 061 267 66 44denkmalpflege@bs.chwww.denkmalpflege.bs.ch

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