SMG 06-03.indd - SFV STRONGBOW

sfv.strongbow.com

SMG 06-03.indd - SFV STRONGBOW

SMGN° 6SEEMANNSGARNVereinszeitung der Seefahrervereinigung Strongbow e.V.KARIBIK-SPECIALWINDWARD ISLANDSFünf zweiwöchige Törns im ParadiesÜBER DEN GROSSEN TEICHUnd wieder zurückAusbildungVon A-Schein bis AstronavigationMirno More 2005Mit Kindern für den Frieden segelnWinter 2006 / 2007Indischer Ozean und Seychellen


SMG N° 6■ 2


INHALTSVERZEICHNISTörnberichteÜber den grossen Teich 5Die Aufholjagd 8Die Windward IslandsModul 3 10Modul 4 16Modul 5 19Modul 6 21Modul 8 26Modul 9 27Module 10–11 30Mirno More 2005 32Vereinigte Seefahrer!Diese sechste Ausgabe des Seemannsgarnsist – wie unschwer zu bemerken – die erstein neuem Design.Wir haben Anfang Sommer begonnen,uns über den Auftritt der SFV Strongbowin der Öffentlichkeit, über Werbewirksamkeitund Ähnliches Gedanken zu machenund ich bin sehr stolz darauf, dass es unsgelungen ist, in weniger als einem halbenJahr, eine völlig neue Corporate Identity zulich der Berichterstattung des Projekts „Mitder Wotan über den Atlantik in die Karibik2004/2005“ gewidmet. Lasst also die Teilnehmererzählen, sammelt Eindrücke undlasst Euch auf den Geschmack bringen.Ähnliche Projekte wird es in Zukunft wenigstensjedes zweite Jahr geben.Die Ausbildung ist – wie ja allgemeinbekannt ist – eines der statutengemäß erklärtenHauptziele der Seefahrervereini-ClubAusbildungsangebot 34LEITARTIKELschaffen, die dokumentiert, dass wir, abgehendvon unserer eher nostalgischen traditionellenLinie, eine aktive, moderne, sportlicheGemeinschaft von Seefahrern sind.Dies drückt sich in unserer neuenFlagge, in unserem neuen Logo, in unsererneuen Website aus und ich hoffe, dass esuns damit gelingt, den Sinn der Tätigkeitder Seefahrervereinigung Strongbow auchbesser im Bewusstsein unserer Mitgliederund Freunde zu verankern.Wir müssen und wollen aktiver werdenund haben in diesem Sinne in der vergangenenWintersaison unser erstes wirklichesGroßprojekt erfolgreich zu Ende gebracht:Sieben Monate durchgehend auf einemSchiff, zwei Atlantiküberquerungen, sechszweiwöchige Törns in der Karibik, 39 Teilnehmer,12000 Meilen.Wenn das Projekt auch, wie die meistenvon Euch wissen werden, nicht ganz so geendethat wie geplant, war es aus Sicht derSFV Strongbow ein voller Erfolg. DieseAusgabe des Seemannsgarns ist hauptsäch-gung Strongbow. Und da viele Dinge imtäglichen Leben immer mehr reglementiertund damit komplizierter werden, haben wiruns entschlossen, auch diesem wichtigenBereich den ihm zukommenden offiziellenTouch zu geben:Ab Sommer 2005 betreibt die SeefahrtsschuleStrongbow Sailing die Ausbildungfür die Seefahrervereinigung Strongbow.Dies bringt zwar keine sonderlichen Veränderungenam bewährten System undam personellen Sektor mit sich, hat aberden unschätzbaren Vorteil, dass jetzt nichtnur mehr Mitglieder der SFVS ausgebildetwerden können, sondern jeder am Segelnund an der Seefahrt Interessierte – was derSFVS natürlich den Vorteil bringt, dass überdiesen Bereich neue Mitglieder geworbenwerden können.Viel Spaß also mit dem neuen Seemannsgarn,Der CommodoreIMPRESSUMHerausgeberSeefahrervereinigung Strongbow e.V.A-1030 Wien, Dietrichgasse 18/60Tel +43 676 4090065Fax +43 1 9530602E-Mail sail@sfv-strongbow.comwww.sfv-strongbow.comRedaktionBerndt WesiakLayout & Art DirectionMarkus Mayer, PLUTONIKA designProduktionWerner BregarSMG N° 63 ■


MIT DER WOTAN ÜBERDEN ATLANTIK IN DIEKARIBIK 2004/2005SMG N° 6Nachdem wir vor mittlerweile über fünfJahren erstmals versucht hatten, mitdem TÖRN 2000 ein nautisches Großprojektzu veranstalten, nämlich mit einemSchiff über circa ein halbes Jahr vom Mittelmeerüber den Atlantik in die Karibik undzurück zu segeln, war es 2004 wieder einmalso weit. Auf der Tullner Messe legten wir,mit Beginn der Kooperation mit GordonJovic von MTI-Yachting, den Grundsteinfür die zweite Auflage dieses Projekts.„Mit der Lorelei über den Atlantik indie Karibik“ sollte es heißen, aus der Loreleiwurde im letzten Moment die Wotan,aber das Projekt wurde – trotz so mancherSchwierigkeit – durchgezogen.Insgesamt segelten 39 Teilnehmer über12000 Meilen auf 12 Modulen von 30. Oktober2004 bis 31. Mai 2005, also 7 Monatelang, durchs Westliche Mittelmeer, über denAtlantik, mehrmals die Kleinen Antillen aufund ab und zurück über den Atlantik nachSpanien.Dass einerseits das Projekt die Kooperationmit Gordon Jovic beendete und, andererseits,Gordons mangelnder Weitblickdas Projekt, ist schade, ändert aber nichts ander Tatsache, dass wir, als nicht allzu großerHochseesegelverein, sehr stolz sein können,dieses Projekt erfolgreich durchgeführt zuhaben.Auf den folgenden Seiten erzählen dieTeilnehmer an den einzelnen Modulen vonihren Erlebnissen und Eindrücken, und wirhoffen, dass alle, die diesmal nicht dabei seinkonnten, genug Geschmack an der Sachefinden, um beim nächsten Mal mitzumachen– beispielsweise kommenden Winter,wenn es in die andere Richtung, nämlichdurch den Suezkanal und den IndischenOzean auf die Seychellen geht!Noch kurz zur Erklärung des Ablaufsund der Berichterstattung: Geplant waren14 Module, beginnend mit den Modulen0 A und B, der Mittelmeerdurchquerung.Der Bericht über Modul 0A erschien bereitsim Seemannsgarn 5, über Modul 0B gibtes offensichtlich nichts zu berichten (BöseZungen behaupten aber auch, dass es nurdeshalb keinen Bericht gibt, weil SkipperAlexander Begusch nicht schreiben kann).Das Modul 1 war die Atlantiküberquerungvon Osten nach Westen, die Module 2bis 9 waren meist zweiwöchige Törns in derKaribik, wobei Modul 7 ausfiel.Auf den Modulen 10 und 11 wurde derAtlantik zum zweiten Mal, nämlich vonWesten nach Osten überquert, und Modul12 fiel Gordon Jovics Unverstand zumOpfer.Viel Vergnügen bei der Lektüre,Der Commodore■ 4


ÜBER DEN GROSSEN TEICHVON BERNDT WESIAKDie erste Atlantiküberquerung in derGeschichte der SFV Strongbow. Überdie organisatorischen, logistischen undpersonellen Probleme, mit der man beieiner Ozeanüberfahrt zu kämpfen hat.Und über die Erkenntnis, dass eineKleinstcrew das alles bestens bewältigenkann.AUSZUG AUS DEM LOGBUCH„Hier beginnt die Geschichte von den zehnkleinen Negerlein; was wir allerdings zudiesem Zeitpunkt noch nicht wussten. Nachdemwir – Sissi und Berndt – durch Totalausfallunseres Transportmittels Jeep in Frankreichetwas Verspätung hatten und Alex in Gibraltarkeinen Liegeplatz gefunden hatte, begannenwir die Übernahme der Wotan am Samstag, 27.November, in Algeciras – Ausräumen unseresfranzösischen Mietwagens (der interessanterweiseden gesamten Jeepinhalt in sich aufgenommenhatte), Beladen der Wotan und ersterGroßeinkauf.Um circa 0200 Uhr trafen wir, nach dem erstenVersuch, den Schlepp-/Windgenerator aus derEU zu exportieren, in Gibraltar ein, wo Alexmittlerweile, wenn auch etwas reluktant, einenLiegeplatz in der Queensway Quay Marinagefunden hatte.Erste Nacht am Schiff, etwas kurz, denn in derFrüh fuhren Tarek und ich sofort wieder nachSpanien, um den zweiten Generatorexportversuchzu starten. Hatte man uns gestern erklärt,es ginge nur bei Tag, nahm man heute denSonntag als Ausrede; also nochmals mañana.Es dauerte bis Dienstag, dann hatten wir endlicheine korrekt formulierte Rechnung, eineSpedition, die das Ganze für uns abwickelte,und Walter und ich waren zwei Mal zu Fußin Spanien gewesen. Die letzte Ausreise erfolgte– mit Generator auf der Transportrodel – überdie LKW-Spur – sehr zur Verwunderung dergibraltesischen Zollbeamten.Die Zeit in Gibraltar (insgesamt drei Tage)wurde natürlich genutzt – zum Bunkern (2.Großeinkauf ), zum Essen Gehen und einfachzum Genießen des gibraltesischen Regenwetters– dem auch ein Besuch des Upper Rock mitseinen legendären Affen zum Opfer fiel.Mittwoch Mittag war es dann so weit, dieWotan war entsprechend vorbereitet, Schleppgeneratorbetriebsbereit, die Crew hoch motiviertund harrend der Dinge, die da auf unszukommen würden.SMG N° 65 ■


SMG N° 6Nur Edis drei kaputte Genuas hatten wir nochnicht repariert. Wir hatten ja nicht gewusst,dass wir so lang bleiben würden. Das sollte inLas Palmas gemacht werden.Die Abreise war so geplant, dass wir mit demStrom durch die Straße von Gibraltar kommenwürden. Die Rollanlage machte uns allerdingseinen Strich durch die Rechnung, sie verklemmtesich, wir entwirrten und wechselten die Genuabis Hochwasser und fuhren dann gegen Stromund Wind durch die Straße. Entsprechend FüGund Etmal. Walter wurde durch die Arbeitenam Vorschiff seekrank und fiel aus.“Auf See ist Walter weiterhin krank, Matthiasbeginnt ebenfalls an Seekrankheit zuleiden, sein Versuch, diese mit Wodka zubekämpfen, misslingt.Nach zwei Tagen beginnen Problememit dem Motor, bei Drehzahlen über 2000rpm verliert er Leistung, Entlüftungsversucheund Reinigung der Filter verbesserndie Situation zwar, lösen aber nicht das Problem.Am Montag, dem 6. Dezember, segelnwir erstmals volle 24 Stunden durch, Waltergeht es besser, ein eingeklemmter Nerv löstseine Seekrankheit ab. Matthias scheintden Wind nicht zu vertragen, er ist wiederseekrank und deponiert abends seinen Unwillen,an der Wache teilzunehmen.Am Dienstag, dem 7. Dezember, alsonach sechs Tagen, legen wir in Puerto de laLuz, Las Palmas an.AUSZUG AUS DEM LOGBUCH„Die erste Etappe ist geschafft, der Aufenthalt inLas Palmas sollte natürlich so kurz wie möglichwerden; allerdings war einiges zu tun: Segel(vier Genuas) und Bimini nähen lassen, Motorreparieren bzw. reparieren lassen, Windgeneratormontieren, einkaufen, bunkern, Vorbereitungenfür die Atlantiküberquerung. Zwarwar noch geplant, Cabo Verde anzulaufen, aberdas war, erstens, unsicher und, zweitens, sollendie Einkaufsmöglichkeiten dort nicht besonderssein, während es in Las Palmas alles gibt unddas duty free!Nachdem der 8. Dezember natürlich auch – odergerade – in Spanien Feiertag ist, wurden gleicham Dienstag noch Segelmacher und VolvoPenta-Spezialist aufgetrieben. Am Donnerstagin der Früh sollte dann alles erledigt werden.Den Feiertag und auch den Donnerstag (undFreitag) nützten wir für die Montage desWindgenerators ( was nicht so leicht war, dasich die gibraltesischen inches offensichtlich vonden englischen unterschieden, jedenfalls war dasin Gibraltar – natürlich nach Maß – gekaufteMontagerohr etwas zu dick, aber dank SissisTip, das Ding längs etwas aufzusägen, ginges dann doch), die Reparatur der Seitenlichter(Austausch), des Ankerwinsch-RC-Anschlusses,weitere Kleinigkeiten und einige Versuche, dasProblem mit dem Motor selbst in den Griff zubekommen. Grundsätzlich gab’s zwei Möglichkeiten:Wasser oder Schmutz im Tank oderProbleme mit der Luftzufuhr. Ich tendierte– nach Studium der Bedienungsanleitung – zurzweiten Variante und fand auch eine etwasverklemmte Ladeluftreglerklappe. Die wurdegängig gemacht, was das Problem linderteaber leider nicht löste. Nun – am nächsten Tagwürde ja der Spezialist kommen.Am Donnerstag brachten wir die Segel zumSegelmacher, die Wäsche zur Laundry undwarteten auf den Mechaniker, der nicht kam.Außerdem wurde eingekauft. Walter fuhr insSpital und dann zum Physiotherapeuten, seinNerv war derart schlimm geworden, dass erernsthaft an Abbruch des Törns denken musste,sollte ihm hier nicht geholfen werden. Leiderkam es schließlich auch so, man stellte fest, dasseine längere Therapie notwendig war und vonder mindestens zweiwöchigen Atlantiküberquerungabgesehen werden sollte. Also Heimflugauf Kosten der Europäischen Reiseversicherung.Der Mechaniker erschien am Freitag am Nachmittagim Ausgangsanzug, behauptete, er wäreum 0700 Uhr in der Früh auch schon da gewesenund stellte nach einer viertelstündigenUntersuchung die Diagnose, dass Wasser imTank sein müsste. Selbstverständlich könnteer das Entleeren des Tanks und die Reinigungorganisieren, aber natürlich erst am Montag.Erschwerend kam hinzu, dass ein echter Bavariatankkein Inspektionsluk hat, sondern aufgesägtwerden muss um gereinigt zu werden. Alsobeschloss ich, das Ganze auf nach der Atlantiküberquerungzu verschieben, da wir, erstens,ohnehin über den Atlantik segeln mussten, weilja auch der beste Motor ohne ausreichend Dieselnicht funktioniert, wir dann, zweitens, irgendwanndie Diagnose überprüfen könnten, indemwir die Dieselzufuhr von Tank auf Kanisterumbauen, drittens, der Motor unter 1500 rpmtadellos funktionierte, also zum Laden der Batterienoder zur Bewältigung kurzer Streckenausreichte und, viertens, weil wir es nun wirklichschon ziemlich eilig hatten, rechtzeitig zuBeginn des Moduls 2 in Trinidad zu sein. Nochein Wochenende zu warten, und das mit fraglichemErfolg, war also nicht angebracht.Matthias schien mittlerweile festgestellt zuhaben, dass so eine Atlantiküberquerung dochnichts für zivilisationsverwöhnte Landrattenmit einer unterdurchschnittlich ausgeprägten,dafür aber durch erhöhten Arbeitsunwillenkompensierten, Fähigkeit, sich in ein Teameinzufügen, sei. Interessanterweise hatte er allerdingsnicht die Courage, dies einfach kundzutunund auszusteigen, sondern versuchte sichals Revolutionsführer, indem er sich – beimWäschewaschen – größte Mühe gab, Sissi undTarek von der Unmöglichkeit einer Atlantiküberquerungohne perfekten Dieselmotor zuüberzeugen.Das Ergebnis war eine einstündige Diskussionmit mir, in der er versuchte, mir weiszumachen,dass die ganze Crew sich geeinigt hätte,dass vor Abfahrt der Motor repariert werdenmüsste. Sissis und Tareks Wortmeldungen warzu entnehmen, dass es mit der Einigkeit nichtwirklich ganz so war. Jedenfalls gestand ich, alsVorschlag zur Güte, zu, die ersten 30 bis 40Meilen um Gran Canaria unter Maschine zufahren, um die Zuverlässigkeit des Motors imjetzigen Zustand noch einmal zu überprüfen.Wir würden also noch in Las Palmas zu Abendessen, dann ablegen, und am nächsten Morgenkönnte jeder entscheiden, ob er über den Atlantikfahren möchte oder lieber in Gran Canariableibt.Tarek bereitete – zum zweiten Mal – ein ausgezeichnetesAbschiedsmahl zu, Matthias erlitteinen Schwächeanfall beim Abwaschen, Abschiedvon Walter, der am nächsten Tag heimfliegen musste, und los ging’s.Wir legten um 0145 am 11. Dezember in LasPalmas ab und um 1255 in Arguineguín, derletzten Haltestelle vor Amerika, wieder an,nachdem Matthias um 0700 kundgetan hatte,dass er nicht mitfahren wollte. Der Motorfunktionierte bis Arguineguín wie erwartet.Matthias – und auch Tarek – verließen uns hier,Sissi und ich begannen um 1450 die Atlantiküberquerung– zu zweit“Nun sind wir also unterwegs. Die erstenvier Tage kämpfen wir gegen hartnäckigenSüdwestwind, wissen aber aus dem Forecast,dass nach einigen Tagen der Passat kommenwürde. Am 15. Dezember ist es dann soweit.Weltuntergangsstimmung im Nordosten,Wolken in allen Farben und ein Windauge,aus dem der Wind, der, wie wir glauben, unsproblemlos über den Atlantik bringen wird,dann auch kommt. Ein kleiner Spatz landetan Bord, versteckt sich unter der Stb-Heckklampeund wartet mit uns, was passierenwerde.Die nächsten zwei Tage sind optimal,wir segeln unter Passatrigg mit bis zu acht■ 6


AUSZUG AUS DEM LOGBUCH„Es ist vollbracht. Die erste Atlantiküberquerungfür uns und im Rahmen der SFVS istvollendet. Wir haben zwar über eine Wochelänger gebraucht als geplant, was an der Unverlässlichkeitdes verlässlichsten Windes derErde liegt, aber es hat keine gröberen Schwierigkeitengegeben. Das lag einerseits am Wetter,das zwar nicht immer schön, manchmal auchetwas zermürbend war, aber uns nie herausgeforderthat, andererseits aber auch an derCrew. Unser potentieller Störfaktor hatte unsja in Arguineguín verlassen und so gab es keinezwischenmenschlichen beziehungsweise gruppendynamischenProbleme.Die Belastung des einzelnen war zwar naturgemäßzu zweit höher als zu viert oder fünft,aber problemlos bewältigbar. Hier spielt auchwieder das Wetter eine Rolle. Es waren eigentlichnur die ersten vier Tage anstrengend, alswir von Gran Canaria gegen den SW-Windkreuzen mussten, dann hatten wir günstigenoder keinen Wind beziehungsweise Schwachwind.Maximal Bft 6 und das nur selten.Auch die Weite und das Alleinsein mitten amMeer machte nichts. Durch die permanentwechselnde Bewölkung hat man gar nicht denEindruck der Weite, es ist vielmehr sehr interessant,den Himmel und das Meer in den verschiedenstenFarbschattierungen zu sehen, dieanderswo nicht vorstellbar sind.Schade ist natürlich, dass durch unsere VerspätungModul 2 drastisch abgekürzt wurde unddie Crew – nicht wissend, wann wir kommenwürden – in Trinidad und Tobago auf unswarten musste“Berndt Wesiak„Ein unvergleichbares Erlebnis, das sicher unvergesslichbleibt. Kein Fernseher, kein lästigesTelefon – herrlich. Bis jetzt war das der absolutgeilste Törn und wahrscheinlich nur sehrschwer zu übertreffen; der Passat hätte sich nuröfter blicken lassen können.“Elisabeth LockerKnoten über den Ozean, wir sind uns sicher,dass wir den Zeitplan einhalten werden,auch der Bruch eines Spinnakerbaumes, deruns in der Nacht, wie mit Kuhglocken, auf ’sVorschiff zwingt, tut der guten Stimmungkeinen Abbruch.Doch es sollte anders kommen - dreiTage später die erste Flaute. Wir warten,fahren unter Maschine, nützen jeden Windhauch,rechnen immer wieder nach, ob essich noch ausgehen wird.Zu Weihnachten bekommen wir einbisschen Wind, am 25. Dezember, als wirin Trinidad sein sollen, haben wir noch über1000 Meilen vor uns. Zu Sissis Geburtstagwünschen wir uns wieder Wind oder einpaar Liter Diesel von Aeolus.Und am 3. Januar um 0355 Uhr sehenwir endlich Land. Endlich? Wir könnendie oft beschriebene Freude von Ozeanüberquerernbei Landsicht nach Wochennicht nachvollziehen. Mit gemischten Gefühlenabsolvieren wir die letzten Meilen inRichtung Trinidad, werden am Nachmittagvon der Folgecrew nach Tobago umgeleitetund landen schließlich, nach unnötigen 25Meilen, wieder einmal gegen Wind undStrom, in Scarborough.STATISTIKYachtBavaria 50 WotanRouteGibraltar – Las Palmas – TobagoZeit 27. November 2004 – 3. Jänner 2005Meilen 4013CaptainBerndt WesiakCrewElisabeth Locker – 1. WFWalter Ess*Tarek Saleh*Matthias Rebernik**bis Gran CanariaSMG N° 67 ■


Wie man’s nicht machen sollte. DieWindward Islands à la japonaise.Und die Wahrheit über das karibischeWetter.DIE AUFHOLJAGDVON BERNDT WESIAKÜber Modul 2 gibt es leider nicht sehrviel zu berichten. Durch die Verspätungbei der Atlantiküberquerung war diesesModul auf weniger als die Hälfte reduziert,trotzdem hatten wir die Strecke von Tobagobis Martinique zu bewältigen.Wir hatten zwar zu Beginn optimalenWind, der neuen Crew war dies jedoch teilweiseein bisschen zu viel – wieder Ausfälle.In Grenada – unserem einzigen Stoppauf diesem Modul – mussten Stefan undMarion abreisen, da sie früher als der Restwieder in Österreich sein mussten und sonstihren Rückflug nicht mehr erreicht hätten.In Grenada wurde auch unser Motorproblemendgültig gelöst. Zu meiner Schandemuss ich eingestehen, dass es nur am einzigenFilter, den wir nicht gewechselt hatten,gelegen war, zu meiner Verteidigung sei abererwähnt, dass auch der englische Spezialist,der herbeigerufen worden war, über vierStunden brauchte, um dies herauszufinden.Der geplante Zwischenstopp auf Bequiafiel dem Wetter zum Opfer. Es regnete eigentlichdie ganze Woche in Strömen, Bequiaverschwand drei Meilen vor Erreichenvon Port Elizabeth in einer riesigen Gewitterwolke.Wir meinten, die Einklarierungsgebührenstünden in keinem vertretbarenVerhältnis zu einem kurzen Aufenthalt ineiner Regenwolke, Zeit hatten wir ja nichtviel.Kurz vor Martinique dann doch noch einaufregendes Erlebnis: Um 0030 morgenstauchte, mitten auf dem Meer plötzlich einunbeleuchtetes Motorboot auf. Piraten?Nein, wie wir feststellten, waren es Flüchtlinge,die sich auf dem Weg von Martiniquenach St. Lucia offensichtlich im Regenverirrt hatten. Wir informierten die CoastGuard von St. Lucia über Funk, da die fünfhalbnackten Männer dort hinwollten undzu wenig Treibstoff mithatten, was dazuführte, dass sich die französische CoastGuard meldete und sich sehr für das Bötcheninteressierte.Am Samstag, dem 8. Januar landeten wirschließlich in Le Marin, Martinique, unsererBasis für die folgenden Karibikmodule.STATISTIKYachtRouteBavaria 50 WotanTobago – MartiniqueZeit 3. – 8. Jänner 2005Meilen 370CaptainBerndt WesiakSMG N° 6CrewElisabeth Locker – 1. WFWalter EssAdolf KlimsaStefan Schiel*Marion Gäbler**bis Grenada■ 8


DIE WINDWARDISLANDSFünf zweiwöchige Törns im „Paradies“.SMG N° 69 ■


MODUL 3VON MICHAEL JABINGERObwohl unser Törn erst am 08 01 05beginnen sollte, sind wir bereits am 06bzw. 07 01 angereist. Zwar hätte dasim zeitlichen Zusammenhang nochnichts im Törnbericht verloren, dieEreignisse dieser beiden Tage hattenjedoch wesentliche Auswirkungen aufunsere Erlebnisse weshalb sie hier nichtunerwähnt bleiben dürfen.sonstiges war geöffnet, die Strassen menschenleer,die Gehsteige „aufgerollt“.Letztenendes konnten wir unserenHunger im Hotel stillen, aber auch hierwaren wir so ziemlich die einzigen Gäste.SAMSTAG 08 01 05Anfängliche Bruchstücke eines blauenHimmels wurden binnen kürzester Zeit erfolgreichdurch Wolken verdeckt, die auchheute wieder den berühmten Regen „vondass sie ihren 3. Mann gefunden hatten, ersei am Flughafen aufgefunden worden undhalte sich dort bei der Polizei auf. Somit warmal klar, er lebt, und kann eigentlich nichtschwerer verletzt sein, sonst wäre er ja nichtbei der Polizei. Aufatmen bei uns - alles andereals Personenschäden lässt sich ja verschmerzen.Mittlerweile war auch die Wotan eingelaufen,allerdings nicht in FDF sondern inLE MARIN, was uns dankenswerter Weiseeine neuerliche Taxirechnung von 70 € be-Ich beginne meine Berichterstattung alsomit demFREITAG 07 01 05SMG N° 6Nach planmäßiger Landung auf dem FlughafenLAMENTIN auf MARTINIQUE,bei strömenden Regen, der noch einigeTage anhalten sollte, und dem erfolgreichenTreffen mit Peter versuchen wir zum Restunserer künftigen Crew, Günther (Günzi),Gerri und Andi (3 firefighter aus WIEN)Verbindung aufzunehmen.Sie waren bereits am Vortag angereist,und wollten, nachdem Günzi von mir informiertworden war, dass die WOTAN möglicherweisenicht rechtzeitig ankommenwürde, da unser Skipper Walter am Montagnoch auf TOBAGO festsaß, ein entsprechendesHotel erkunden.Nach 2 weiteren Telefonaten wusstenwir von Walter: dass er noch 120 nm vorMARTINIQUE war, dass es besser wäreuns selbst ein Hotel zu suchen, zumal sichunsere firefighter dazu entschlossen hättenam Strand zu nächtigen, dass die WOTANerst am nächsten Tag gg. Mittag einlaufenwürde, und nach Rücksprache mit SkipperBerndt, dass man in FORT DE FRANCEanlegen werde.Über die Touristeninformation am Flughafenließen wir uns ein günstiges Hotel inFORT DE FRANCE in Hafennähe vermitteln.(50€ für eine zwar saubere aber ansonstennur Bruchbude)In weiterer Folge konnten wir feststellen,dass unser Reiseführer absolut recht hatte,dass in der Karibik Restaurants abends echteMangelware wären. Wir spazierten gg. 1830Uhr durch die „Kärntner Strasse von FDF“und kein einziges Geschäft, Restaurant oderder Seite“ ausließen.Während einer Shoppingtour durch FDFerreichte uns endlich Günzi und das sogleichmit einer Horrormeldung: Sie wären letzteNacht am Strand überfallen worden, einervon ihnen sei den Tätern nachgegangen undseitdem verschollen. Geld, Pässe Bankomatkarte,Fotoapparat u. Handy wären zumindest2 von ihnen abgenommen worden.Zudem wüssten sie nicht einmal wo sieseien. Sie hätten sich bereits an die Gendarmeriegewandt, aber auch diese hätte ihnenvorerst nicht helfen können.Vorerst wollten sie jetzt noch alle Spitälerkontaktieren, und sich dann nochmalsmelden.Erst am frühen Nachmittag klärte sichdann die Lage, Günzi hatte uns mitgeteilt,scherte.Gegen 1700 Uhr waren dann alle zusammengetroffen,und die Horrormeldungendes Tages wurden Schritt für Schritt relativiert.Gerry war insgesamt 3 mal (von denselben Typen) überfallen worden, als er sichdann beim 3. Überfall gewehrt hatte wäre erdann von hinten niedergeschlagen worden,ihm fehlte sein Geld, Handy u. Fotoapparat,Andy wurde „nur“ ums Geld erleichtert, aberes waren wenigstens die Flugtickets undPässe zurückgeblieben bzw. in Mülltonnenwieder aufgefunden worden.Man hätte wohl doch auf den Rat derauftauchenden Polizeipatrouille hörensollen, an diesem Strand nicht zu übernachten,durch die aufgetretene Äthanolin-■ 10


kompatibilität (a leichtes Hammerl) war derLeichtsinn jedoch zu groß geworden.Nach einem Abendessen im Restaurantin der örtlichen Marina, bei dem wir vorallem das Preiskolorit bewunderten (a Halbe4,5 €) bezogen wir unsere Kojen.Für leichte Verwunderung sorgte beiuns noch die rege Flugumbuchungstätigkeitunserer (Fast-)Skipperin Elisabeth,die kurzfristig in der ersten Woche alsSkipperin einspringen wollte, um Walterals einzig wirklich Segelkundigen zu unterstützen,weshalb sie ihren ersten Flug deram nächsten Tag stattfinden sollte, um eineWoche verschob.Nach einem Absturz, den sie beimAbschneiden einer Serpentine währendihrer Hotelsuche erlitt, zog sie sich allerdingszahlreiche Blessuren zu, was zu einerRückbuchung auf den ursprünglichen Flugführte.SONNTAG 09 01 05Einen Tag verspätet begann die Schiffsübergabe,dies sollte eigentlich schon der 2.Tag unseres Törns sein, aber der alte Skipperhatte noch nicht mal seine Logbucheintragungenabgeschlossen.Der Schiffszustand war enttäuschend,bei teilweise aufgelockerter Bewölkung,meist aber Regen von der Seite war der Tagmit Reinigungsarbeiten ausgefüllt. Das Vorsegelwar beschädigt und am schlimmsten:der Kühlschrank war defekt. Um die unbedingterforderlichen Grundnahrungsmittel(Heineken Dosenbier) im entsprechendenFrischezustand zu erhalten, behalfen wir unsmit 2 Säcken Eis die wir zum Okkasionspreisvon je € 6,5 bei den wahren Piraten derKaribik erwarben.MONTAG 10 01 05Auch der 3.Tag begann mit Regen der vonder Seite kam. Unser Versuch einen Kühlschrankmechanikeraufzutreiben endetemit der Erkenntnis, dass der uns Genanntewelcher auch über die erforderlichen Englischkenntnisseverfügen soll, frühestensMittwoch zur Verfügung stehe.Daher erfolgte der Beschluss – unsreicht`s – wir fahren raus.Zuvor waren allerdings noch weitereReinigungsmaßnahmen erforderlich, dawir neue Lagerstätten von Lebensmitteln– unter Wasser - gefunden hatten.Eine während der Reinigungsarbeitenaufgefundene Dose PU-Schaum beschlossdabei ihr weiteres Dasein durch Detonation(ohne Fremdeinwirkung!) zu beenden.Für die weiteren Ereignisse nicht unbedeutend,sei hier noch ein Anruf erwähnt,der uns über Günzi`s Handy erreichte, undoffensichtlich von irgendeiner Behördekam.Da war die Rede von einer toten Frau,die man in einer Bucht gefunden hatte, undals uns zugehörig beurteilte.Hier waren mehrere voneinander unabhängigeEreignisse zu einem Ganzen verschmolzenworden.Einerseits hatte Walter, als er bereitsüber eine Woche auf die Wotan gewartethatte, das Schiff bei der Küstenwache in Trinidadals überfällig gemeldet. (wurde natürlichwieder zurückgezogen, aber das hat sichnicht bis Martinique durchgesprochen)Diese Info (1 Mann, eine Frau an Bord,beide Österreicher) wurde mit der Vermisstenanzeigeunserer Strandschläfer vermengt(auch Österreicher) und dann hatte mannoch eine tote Frau aufgefunden. Als wirdenen dann noch mitteilten, dass wir nichtwie gewünscht eine Zusammenfassung perFax oder E-Mail schicken könnten weil wirja auf einem Schiff sind, und das noch dazudie gesuchte Wotan war, war die Verwirrungperfekt.Nur mühsam konnten wir dem Beamten,welcher schwerste Probleme hatte, sich inEnglisch zu verständigen die Zusammenhängeerläutern und alles aufklären. (Oderdoch nicht?) Um 1310 Uhr endlich!!! Ablegenunter Maschine, während der Fahrtkein Regen, die Sonne bricht durch, aber dasBarometer fällt neuerlich. Zum Baden hat`saber gereicht.Um 1400 Uhr gehen wir vor der Buchtvon St.ANNE vor Anker. Neuerlich stelltunser Smutje seine Kochkünste mit spanischemOmelette und Kaiserschmarren (dererste der zu Bier passt!) unter Beweis.Bei Kärntner Würsteln, Heineken undGitarrenklängen verbringen wir einen gemütlichenAbend, bis uns neuerlich derRegen unter Deck trieb. Es folgte eine teilssehr windige Nacht mit sintflutartigen Regenfällen.DIENSTAG 11 01 05Der Tag beginnt mit 5/8 Bewölkung, alsGerry u. Günzi per Dingi St. ANNE erkundetenund dies mit einer Einkaufsfahrt verbandenwurden wir vom schon lange überfälligenWolkenbruch „überrascht“.Mittags waren wir dann endlich unterSegeln, und bei recht gutem Wind ging`serst mal Richtung Diamonds Rock.Für einige überraschend war dann dochdie Schräglage des Schiffs, die uns vonWalter als voll normal verkauft wurde.Gegen 1520 Uhr überflog uns danneine 2motorige Turboprop-Maschine inziemlich geringer Höhe, und das gleich ausmehreren Richtungen! Anhand von 2 verlorenenKappen übten wir dann noch eineWeile Mann über Bord Manöver, Ergebnis:1 Kappe gerettet, 1 versenkt.Aufgrund der Windrichtung und desneuerlich aufziehenden Regens beschlossenwir dann nach St. Anne zurückzukehrenund die Umfahrung des Diamond Rock zuverschieben.Peter, (böse Zungen ließen den BegriffEmily fallen, weil er so gerne am Bug stand,und der Vergleich mit der Kühlerfigur einerbritischen Nobelkarosse nicht bösartig aberdoch nahe liegend war) meldete als erstermit den Worten „Mahnt dea uns?“, „mahntdea uns?“, I glaub dea mahnt uns“ natürlichnach entsprechender Beurteilung imangemessenen zeitlichen Abstand die Annäherungeines offensichtlich behördlichenBootes, welches vorerst bei den ersten beidenFragen auf uns zuhielt, bei der dritten Frage,vielmehr Feststellung jedoch beigedreht undunsere Richtung aufnehmend uns für dienächsten SM (was für die Landratten unterden Lesenden erläuternd Seemeilen undnicht Sado-Maso bedeutet) begleiten sollte.Rein körperlich empfand zumindestich das nun folgende „Spiel“ zwischen denSchiffen mit dem Wechsel zw. Steuerbordund Backbord hinter uns bzw. flankierendund tlw. Vorauseilend als das, was man in derFliegerei wohl als „Abfangjagd“ bezeichnenwürde, was es schlussendlich auch war.Durch gestikulieren mit entsprechendeninternationalen Zeichen wurde uns vermittelt,dass eine Verbindungsaufnahme nichtauf dem international üblichen Kanal sondernauf Kanal 11 erfolgen solle, nach entsprechendemAnruf und unserer Antwortwar dann dem Boot der „Douanes Francaises“zumindest vordergründig klar, dassunsere bevorzugte Sprache Englisch undnicht Französisch sein würde.Nach der Frage der Anzahl der an Bordbefindlichen Personen und dem Ziel derheutigen Etappe erhielten wir das Versprechenuns in St. ANNE zu sehen.Für Walter bedeutete das sein erstes Anlegemanöveran ein anderes Boot mitten aufSee, welches er mit Bravour meisterte. Alswährend des Ankermanövers unseres behördlichenBegleiters deren offensichtlicherKapitän aus der Kajüte heraustretend durchAusrutschen für ein Beispiel hervorragenderFallschule sorgte, dies mit einem etwasSMG N° 611 ■


SMG N° 6lautem Heiterkeitsausbruch mehrerer unsererBesatzungsmitglieder sorgte bedeutetedies für Walter und mich einen Zustand extremerVerkrampfung in weiser Voraussichtev. behördlicher Unannehmlichkeiten. (Wirsahen schon Gummihandschuhe ;-)). Dieweiteren 1,5 Stunden – wir empfanden denZeitraum subjektiv als viel länger – gestaltetensich mit Abfragen über unsere Pässe,Erläuterungen wie das mit unseren Törnsjetzt wirklich funktioniert, wer da wo anund von Bord geht, und einer detailliertenDurchsuchung des Schiffs und natürlich unseresGepäcks. Auch diese Durchsuchungsollte noch für Folgewirkungen sorgen!!Für uns blieb die Überzeugung, dassdiese Aktion aufgrund eines gezielten„Zund`s“ erfolgte, zumal Durchsuchungenauf Drogen nun mal anders ablaufen, undauch die Gestik zweier Besatzungsmitgliederdes Zollschiffs eindeutig darauf hinwies,dass nach etwas gesucht, was letztlichnicht gefunden wurde.Unser Abend endete kulinarisch wiederausgezeichnet bei hervorragenden Schinkenfleckerlmit Salat mit anschließend gemütlichemZusammensitzen bei einigenCocktails, da das Bier zu warm und sowiesoschon aus war.MITTWOCH 12 01 05Unser 5. Tag begann um 0600 Uhr (unddas im Urlaub!!) mit einem guten Frühstückund anschließender Verlegung nachLE MARIN von 0740 bis 0840 Uhr. DasWetter zeigte sich brauchbar bei 3/8 Bewölkungund dem Eindruck aufkommendenPassats (beim Eindruck blieb`s allerdings)Um 0830 Uhr kontaktierten wir vereinbarungsgemäßunseren Kühlschrankmechaniker,der uns gleich auf 1400 Uhr vertröstete.Die Zeit dahin vertrieben wir uns mitweiteren Reparaturarbeiten wie der Bugleuchteund der Bilgepumpe (sehr umfangreich!!),Reinigungsarbeiten und einemKurztrip zum lokalen Markt. (Auch hierüberraschte uns das hohe Preisniveau vonz.B. € 2 für eine Wassermelone oder eindürres Bündel Petersilie, (was aber unserenSmutje angesichts der farbenprächtigenVerkäuferin nicht davon abhielt, denselbenals für die Küche unabdinglich dann auch zuerwerben). Als unser Kühlschrankmechanikersich um 1430 noch immer nicht gemeldethatte und uns auf Rückfrage erklärte,erst morgen Zeit zu haben, uns aber auf eineAlternative angesprochen, einen Kollegenvermittelte, der wie sich später herausstellteschon in den letzten Tagen pausenlos umuns herumgeflitzt war, konnte dieser nochwährend des Telefonates in nächster Nähefestgehalten und „verhaftet“ werden. Binnen30 Minuten war das Problem (kaputteElektronik u. Lüfter), das uns nun schon 3Tage festhielt, gelöst, und der Bootseignerum € 220 ärmer. Nun galt es entsprechendeKühlschrankgerechte Nahrung zu beschaffen,was leider wieder nicht von Erfolggekrönt war, da unser Containershop mittlerweileseine Pforten geschlossen hatte.Dies führte beim entsandten Einkaufsteamzu einem derartigen Frustrationsmoment,das man durch einen kurzen aberumso heftigeren Absacker bekämpfte. KommentarSkipper: „De zwa wern speib`m“DONNERSTAG 13 01 05Wieder fehlt uns ein Mann! Wir wolltenschon eine neuerliche Vermisstenanzeigenach Peter aufgeben, der, wie wir später erfuhren,von Schlaflosigkeit geplagt in denfrühen Morgenstunden das Schiff verlassenund sich auf Muschelsuche begeben hatte.Bis 1000 Uhr erfolgten letzte Bunkertätigkeitenwobei auch die hier erlebten Ereignissenicht vorenthalten werden sollen:Ich fühlte mich an eine der legendärenFolgen der „versteckten Kamera“ zurückerinnert,und zwar an jene, in der an einerTankstelle ein präparierter Puch 500 mitschier unglaublichen Mengen Benzin betanktwurde, nachdem das halbe Fahrzeugzu einem einzigen Tank umgebaut wordenwar.In diesem Fall war es Günzi, dem nach25 Minuten Befüllen eines der Wassertanksdie Erkenntnis kam, das dieser schon längstvoll sein müsste. War er auch. Das Schiffaber auch schon ziemlich.Wie wir nachträglich rekonstruiertenhatte einer der Zöllner bei seiner Kontrolleauch den Tankverschluss geöffnet,und nachher offensichtlich nicht mehr ordnungsgemäßverschlossen, wodurch sichzig Liter des kostbaren Nasses in die Bilgeergossen, wir aber andererseits Gelegenheiterhielten, die neue Pumpe gleich ausgiebigzu testen.Nachdem wir auch noch unsere Dieselvorräteergänzt hatten, gingen wir endlichunter Segel. Bei passablem Wetter (3/8 Bewölkung)ging es Richtung ST. LUCIA:Gg. 1245 Uhr bekamen wir Land inSicht. Nach dem Einklarieren in ST.LUCIAgingen wir in der do. Bucht (RODNEYBAY) vor Anker.Hier konnten wir einen britischen 2-Master bei einem Ankermanöver beobachten,das wie sogar wir Landratten feststellten,eigentlich keines war. Das Schiffhat sich dann auch prompt losgerissen undwurde abgetriebe n und prallte in Folge nochgegen einen deutschen Segler, nachdem diegesamte Besatzung per Dingi an Land gefahrenwar.Da unser Dingi sich ebenfalls bei einerLanderkundungstour befand konnten wirnicht helfen.Die beherzte Mannschaft eines weiterendt. Seglers begab sich aber dann an Bord, undirgendwie gelang es das Schiff in Betrieb zunehmen und entsprechend abzusichern.■ 12


Aufgrund der unruhigen Wind undWetterverhältnisse lernten wir die Vorzügeeiner Ankerwache kennen. Es folgteeine stürmische regnerische Nacht, und wirmussten die Feststellung machen, dass derBierkonsum verkehrt proportional zu denVorräten verlief.FREITAG 14 01 05Wir fassten den Beschluss, die Marina v.RODNEY BAY anzulaufen, da hier für denheutigen Abend ein Chicken-Fest angesagtist, und ein Landgang in entsprechenderGarderobe per Dingi nicht möglich erscheint.In der Marina lernten wir einen Österreicherkennen, der erzählte, dass es sichtatsächlich um ein tolles Fest handeln solle,er riet uns jedoch dringend für Hin u. Rückfahrtein Taxi zu nehmen, unbedingt in derGruppe zu bleiben, nur wenig Geld, keinesfallsaber Handy oder Fotoapparate mitzunehmen.Unter diesen Umständen verzichtetenwir auf diesen Ausflug, denn „wehe wennsie losgelassen....“, so verbrachten wir denAbend an Bord mit Bauern-, bzw. Stockschnapsen,und enterten dann noch dieMarina auf ein paar Bier und was „zumSchneiden“.SAMSTAG 15 01 05Nachdem der Skipper berechnet hatte,dass der Sprung v. ST. LUCIA nachST.VINCENT zu weit wäre, da wir nochganz ST.LUCIA abzufahren hatten, lauteteunser Tagesziel VIEUX FORT, ein(Container-) Hafen an der Südspitze v.ST.LUCIA.Um 0910 gingen wir unter Segel underreichten unter mäßigem Wind aber passabler2/3 Bewölkung gg 1500 Uhr unserZiel.Gegen 1530 startete dann ein Großteilder Besatzung (bis auf den Berichtleger)zu einem Landausflug Richtung der Buchtv. ANSE DE SABLES. Der Trip begannschon damit, dass man nach Anlandung perDingi realisierte, sich innerhalb der Hafenumzäunungzu befinden, und dieser durcheinen mit Pump-Gun bewaffneten Wächtergeschützt wurde, was aber in weiterer Folgekein Problem darstellen sollte, nur dem Vertrauenin die Landbevölkerung abträglicherschien. Man stellte in weiterer Folge fest,dass weit u. breit kein einziger weißer Inselbewohnerzu sehen war.Dem Vernehmen nach sollen einige derEingeborenen begehrliche Blicke auf dieVerlängerten Rückseiten unserer Firefightergeworfen haben, was zu Äußerungen wie„I glaub der steht a bissl auf Di`“ und größerenUnwohlgefühlen - Angst kennen wirja nicht - geführt haben soll.Gg. 1800 Uhr waren aber dann dochalle wieder unbehelligt an Bord und wir genossennoch ein Bad gemeinsam mit der untergehendenSonne. Der Abend endete sehrfrüh in den Kojen.SONNTAG 16 01 05Der Skipper muss zum Ausklarieren zumörtlichen Flughafen.Nachdem er per Dingi an Land transportiertworden war nahm er umfangreicheTaxidienste in Anspruch die bis zur Aktivierungder zuständigen Zollbeamten reichten.Das Geld war also gut investiert und sokonnten wir bereits um 0930 unser Ankermanöverdurchführen. Unter großteilsgutem Wind ging es nach ST.VINCENTwo wir um 1400 Uhr in der malerischenWALLILABOU BAY eintrafen. UnsereGefühle waren gemischt, da in der einschlägigenLiteratur vor der hohen Kriminalitätsrategewarnt wird.Bezeichnend für diese Bucht warenjedenfalls die boatboys, die in den waghalsigstenGefährten schon aus der Buchtentgegenkommen um ihre Dienstleistungenund Waren anzubieten. So waren wir danngleich in Beschlag genommen, um 20 ECfür den Guide und um 20 für den Liegeplatzvorm Restaurant erleichtert, und dadas ohne Quittung erfolgte auch gleich beschissen.Es gibt sie also noch, die modernePiraterie. Angesichts der vorherrschendenArmut nimmt man so was aber nicht zuernst, wo uns doch die Bucht an sich entschädigte,Sicht bis zum Grund und romantischeKulissen (nämlich die originalen ausdem Film „Fluch der Karibik“).Binnen kürzester Zeit waren wir vonallen Seiten belagert. Wir versuchten möglichstvon jedem irgend etwas zu erwerben,um uns so das Wohlwollen der Insulanersicherzustellen. So deckten wir uns mitObst und Souvenirs ein, bestellten für dennächsten Tag frischen Fisch und Brot undorderten für den späteren Abend noch eineKiste Bier mit Eis, für die uns weitere 70 ECabgeknöpft wurden.Die Größe der Portionen im einzigenLokal vor Ort lag verkehrt proportional zumPreis.Nachdem wir noch eine Kiste Bier zuleeren hatten, um sie am nächsten Tag alsLeergebinde zurückgeben zu können, da wirkeinen Einsatz bezahlen wollten, begabenwir uns an Bord zu einer kleinen Gitarrensessionund leerten die Kiste, was unserenLieferanten am nächsten Tag veranlasste zusalutieren und ein ungläubiges „respect, sirs“zu stammeln.MONTAG 17 01 05Der Fisch – es waren vier red snappers -wurde pünktlich geliefert, fachgerecht entschupptund ausgenommen und zu Mittagdurch unseren Smutje dann tadellos zubereitet.Was uns sonst noch aufgefallen ist? Wirkonnten dort bei keinem Schwarzen dasWeiße im Auge erkennen, da das bei allenentweder rot (eingeraucht oder dicht) odergelb (Leberschaden?) war.Um 0910 hieß es dann Leinen los RichtungBEQUIA.Unterwegs haben wir dann Delfine gesichtet,die sich einige Zeit auch ums Boottummelten.Gg 1300 Uhr ankerten wir vor PETITNEVIS, einer kleinen Walfanginsel, wo dieWale die noch wie zu Moby DicKs Zeitengefangen (Quote 2 pro Jahr), zerlegt undaufbereitet werden. Dort schnorchelten wirein wenig herum stellten fest, dass das Ufermit gigantischen Seeigeln „versaut“ war, anderestellten dies durch austesten mit denFüßen fest, und konnten z.T. die Erfahrungmachen, dass man nur so weit hinausschwimmen sollte, wie man auch wieder zurückschafft, was aber in diesem Fall nochglimpflich ausging.Weiter ging es unter Begleitung durchein paar karibische Drinks Richtung BE-QUIA wo wir bei starkem Schwell in derBucht vor Anker gingen. Die Bucht war voneinem Hotel dominiert, das den Segelführernzufolge einem Schweden gehören sollund die Möglichkeit zur Versorgung mitWasser und Brot (wie im Häfen) biete.Also das, was wir selbst feststellenkonnten, war das Vorhandensein einer sauteurenStrandbar, was uns aber nicht davonabhielt dort einige Bierchen zu trinken,nachdem wir bei der Anlandung per Dingischon mal gekentert waren.Ach ja, zu erwähnen wären da noch diebeiden dunkelhäutigen Eingeborenen (ca 5u. 8 Jahre alt, die mit einem Board zu unshinausgekommen waren und unbedingt mituns am Dingi an Land fahren wollten. ImAustausch durfte Gerri auf das Board, undseine anfänglichen „Gleichgewichtsstörungen“führten bei den Kleinen zu derartigenLachstürmen, dass sie uns fast aus demBoot gefallen wären.SMG N° 613 ■


Nachdem in der Bar und auch im Hotelweder Brot noch Zigaretten zu erhaltenwaren, begaben sich Günzi und Gerri aufSpähtrupp, um im angeblich nahe gelegenenShop die notwendigsten Grundnahrungsmittelnzu ergattern. Und dann waren sieauch schon verschollen. Nicht nur sie, auchAndy, der zuvor noch am Strand spaziertwar, war auf einmal nicht mehr zu sehen!Seine Silhouette konnten wir jedochwenig später bei einem Köpfler am Schiffausmachen, er war tatsächlich ein ganzesStück zurückgeschwommen. Auf ein Lebenszeichenvon G&G mussten wir allerdingsnoch ein Stündchen warten. Dannkam Gerry, voll begeistert, auch sonst,hatten sie doch ein Geschäft gefunden wosämtliche Einkäufe zu erhalten wären, diesenoch aufs Boot gebracht würden, und diezudem noch billiges Bier hätten. Wir folgteGerri also zum wartenden Auto? mit demuns „Sergeant“ der Mann der Geschäftsinhaberinzu dem Laden führte.Einige Dosen Bier und einen die dringendstenBedürfnisse deckenden Einkaufspäter, mit Sergeants Versprechen, uns amnächsten Tag in den Ort zum Markt zufahren, fuhren wir zu viert mit unseren Errungenschaftenan Bord, unser Dingi fastversenkend, zurück zur WOTAN.sind wir am Ziel, eine viertel Stunde späterlagen wir vor Anker vor BARADAL.Mit dem Dingi ging’s an Land, und dortwurde wieder ausgiebigst geschnorchelt. DieInsel selbst war enttäuschend, da verdreckt(mitten im strengsten Naturschutzgebieteine Schiffsbatterie, Glasscherben, Restevon diversen kommerziellen Grillfeten undähnliches.)Wir beschlossen also einen Stellungs-DONNERSTAG 20 01 05Um 0800 beginnt ein herrlicher Tag mitder Eroberung von Gerry`s Island. (PETITBATEAU) mit dem Dingi. Nach einigenFotos von auch dieser traumhaften Insel undein bisschen Genießen der Unterwasserwelt,heißt es Abschied nehmen vom eigentlichenZiel unserer Reise, einem der wohlschönsten Flecken dieser Erde. Keiner sagtDIENSTAG 18 01 05SMG N° 60900 Sergeant ist fast pünktlich, er holtunsere Jungs ab und nach einem „kurzen“Einkauf für 4 Tage = 4 Lagen Dosenbierund ein bißchen was zu Essenkönnen wir um 1150 Uhr ablegen.Von BEQUIA geht’s vorerst unter Segelnbei mäßigen Wind von 3-4 kts, dann aberwieder unter Motor nach CANOUAN, wowir um 1530 vor Anker gingen nachdemuns zuvor bekannt gegeben wurde, dass dievorhandenen Moorings privat wären.Der in der Bucht liegende so genannte„White Rock“ (heisst so, weil von den Vögelnangeschissen) wurde von uns dann ausgiebigstumschnorchelt.Ausgezeichnete Nudeln mit Kartoffelnund Speck rundeten diesen Tag ab, gg. 2030lag Alles in den Kojen und es folgte eine unruhigeNacht vor allem durch den starkenSchwell.MITTWOCH 19 01 050800 Ankermanöver bei 7/8 Bewölkungauf zu unserem Traumziel Günzi`sIsland in den TOBAGO CAYS.Wieder geht`s nur mit Motorkraft, um 0915wechsel und ankerten dann gg. 1200 Uhrvor PETIT RAMEAU. Eine heftige aberkurze Aufregung unter den an Land befindlichenSchwarzen konnten wir uns beimanschließenden Schnorcheln erklären, alswir feststellen mussten, dass trotz Anzeigevon 5 Metern auf dem Tiefenmesser nur 1m neben dem Boot eine gefährliche Untiefelag.Walter manövrierte die WOTAN dannin tiefere Gewässer. Da waren wir nun amZiel unserer Träume, eine traumhafte Insel,die Umgebung vergleichbar mit der DüsseldorferBootsmesse (Kommentar Skipper),ein herrliches Riff, welches gleich ausgiebigerkundet wurde.Hatten wir anfangs unsere gewohnte7/8 Bewölkung, kam es dann um 1430 zueinem heftigen Wolkenbruch, der von derBesatzung zu einer ausgiebigen Dusche undanschließender Schiffsreinigung genutztwurde. Im Anschluß noch mal schnorcheln,dann herrliche Bohnen mit Speck und Semmelknödel(was sich aus Schiffszwieback somachen lässt!) bei ruhigem Wasser und nacheiner Partie Bauernschnapsen (endlich pari)waren wir um 2300 dann in den Kojen.es, aber ich glaub jeder denkt es, hier mussman wieder her. Um 0910 lichten wir etwaswehmütig den Anker und fahren, wie so oft,schon unter Maschine Richtung BEQUIA,wo wir um 1400 einlaufen.Für etwas Aufregung im dortigen Hafenbeckensorgt ein Wrack welches erst seit2 Stunden dort liegt, noch nicht gekennzeichnetist und auf dem wir fast geparkthätten.Nach kurzem Landgang für ergänzendeVersorgungstätigkeiten, die das Team leideretwas missverstanden hat, da dies für intensivereSelbstversorgung diente, verließen wirum 1530 BEQUIA um den großen Schlagzu beginnen.Ein unvorstellbarer Sonnenunterganggeleitete uns auf eine Nachtfahrt unter sternenklaremHimmel, der nur dadurch getrübtwurde, dass er durch den starken Mondscheinnicht so richtig zur Geltung kam.Aufgrund beständigen Gegenwindesging es auch auf dieser Fahrt nur mit Maschinenkraft.Bei Kurs 033° und 5 kts bei vorerst ruhigemWetter (ab 0300 war`s dann etwasbockiger) kam gg 0715 MARTINIQUEwieder in Sicht, und wir steuerten vorerst■ 14


DIAMONDS ROCK für eine ausgiebigeFotosession an.Um 1050 im 2. Anlauf (blöder Wind)gelang dann unser Ankermanöver an derschon gewohnten Stelle in der Marina vonLE MARIN.Es folgte ein heftiger Landgang um zuduschen, die Vorräte für die letzte Nacht zuergänzen und um wieder festen Boden zuspüren.Nach intensiver Nacht folgte eine mehroder weniger erfolgreiche Bootsreinigung,(Walter war ziemlich sauer) und ein intensivesAbschiednehmen von der Insel.Mit ungutem Gefühl (Mischung zwischenschlechten Gewissen und Sorge) ließen wirWalter zurück, der beim nächsten Törn alsBesatzung an Bord bleiben sollte, dem jedochinclusive Skipper, der am selben Tagerst absagte, die komplette Besatzung ausgefallenwar, und der somit vorerst alleinin MARTINIQUE verbleiben musste,was nicht zum ersten mal auf dieser ReiseZweifel an der Organisation aufkommenließ.Für kurze Spannung sorgte noch einversehentlich ins Handgepäck gerutschtesTaschenmesser, welches unter heftigerVersicherung der Mitreisenden, dass es inSchwechat wieder ausgefolgt würde von denSicherheitskräften deutlich wahrnehmbarentsorgt wurde. Das war er also unser großerTörn: Danke Skipper! Danke Jungs!STATISTIKYachtRouteBavaria 50 WotanMartinique – MartiniqueZeit 8. – 22. Jänner 2005Meilen 277CaptainWalter EssCrewPeter Gronemann – 1. WFMichael Jabinger – 2. WFGünter PechaAndi Martinek – SmutjeGerald JochSMG N° 615 ■


MODUL 4VON MARION BRAUNSMG N° 6DIENSTAG, 25.1.Ankunft um 17:30 in Martinique/Fort deFrance. Wir werden von Walter am Flughafenabgeholt, und fahren dann nachLe Marin, wo unser Boot „Wotan“ liegt.Nachdem wir unser Gepäck an Bord verstauthaben, essen wir im „Mango Bay“ zuAbend.MITTWOCH, 26.1.Nach der Einweisung und Aufgabenaufteilungam Boot geht’s dann zum Strand „AnseSalines“ (Postkartenmotiv). Spätestens jetztsind alle Anreisestrapazen wie weggeblasen.Mittagessen in einem Strandlokal (Salat 8 €und nix drauf!) und dazwischen gibt’s selbstgemachtes Kokoseis. Damit es am nächstenTag gleich nach dem Frühstück losgehenkann, besorgen wir noch Proviant für unsereReise.DONNERSTAG, 27.1.Heute üben wir einige Manöver vor Martinique.Bei gutem Wind bekommen wireinen ersten Eindruck vom Segeln. Danachliegen wir vor St. Anne, wunderschöner Ankerplatz.Das 29 Grad warme, türkisfarbeneWasser lädt zum Sprung ein. Nach dem Badgenießen wir einen wunderbaren Sonnenuntergang(mit Sundowner) und bereitenunser Abendessen heute an Bord zu.FREITAG, 28.1.Aufbruch zur ersten großen Überfahrtnach St. Lucia. Doch vorher muss noch dieMotorbedienung repariert werden. Es gibtheute nicht viel Wind und deshalb fahrenwir mit Motor. Kurz vor 16 Uhr kommenwir in St. Lucia in der Marigot Bay an. Sicherlicheiner der schönsten Buchten in derKaribik. Eine Mischung aus Strand undPalmen, Regenwald und Mangroven (AchtungMosquitos!). Wie es in der Karibikin den meisten Buchten üblich ist, werdenwir von Boat-Boys, die ihre Waren an denMann bringen wollen, besucht. Bei einemRastafari verkosten wir frische Früchteund bestellen auch gleich welche für dennächsten Tag (Eine Bob Marley-Zigarettewäre auch kein Problem gewesen!). Es gibteinige Restaurants in der Bucht, und währendwir uns Gedanken machen, in welcheswir wohl gehen werden, bekommen wirlaufend per Boot die Speisekarten von allenRestaurants aus der Bucht vorbeigebracht.Damit fällt die Auswahl nicht schwer undwir entscheiden uns für JJ´s Paradise SunsetRestaurant, hier gibt es heute Buffet (50EC$). Doch bevor wir uns auf den Weg machen,lassen wir uns vom Sonnenuntergangverzaubern.SAMSTAG, 29.1.Der Rastafari kam zur vereinbarten Zeitmit unserer Obstbestellung vorbei, ca. 8 kgBananen, 11 Maracujas 12 Mangos, 2 Ko-■ 16


kosnüsse und 2 Obstkörbe aus Palmwedelgeflochten. Die Früchte waren nicht geradebillig, aber dafür von einer ausgezeichnetenQualität. Wir verlassen wieder mit Motorund dem ersten tropischen Regen die MarigotBay Richtung St. Vincent. Bei einergemütlichen Kaffeejause haben uns kurzDelphine begleitet, beim Versuch Fotos zumachen, haben wir lediglich den Kaffee verschüttet.Wir kommen bei Sonnenschein inSt. Vincent in der Wallilabu Bay an. Walter,unser Kapitän hatte uns vorher erzählt, dasshier viele Boat-Boys ihre Waren verkaufenmöchten und auch manchmal sehr aufdringlichwerden können. Wir hatten Glück,denn heute ist Samstag, und die meisten derBoat-Boys sind zu Hause bei ihren Familien.Bei Asman bestellen wir Brot für das Frühstück,Ananas, Zitronen und Grapefruitsund haben einen Spaziergang zu einemnahen Wasserfall vereinbart. Asman hat unsmit dem Boot abgeholt und wir sind danngemeinsam zum Wasserfall spaziert. Die Vegetationder Insel ist einfach überwältigend,überall sattes Grün und tropische Bäumeund dazwischen immer wieder Palmen. DieWallilabu Bay ist für die Dreharbeiten fürden Kinofilm „Fluch der Karibik“ bekanntgeworden. Hier steht auch noch ein Teil derRequisiten, der Steg und einige Häuser, ineinem befindet sich ein Restaurant, wo wirauch zu Abend gegessen haben.SONNTAG, 30.1.Asman hat uns, wie versprochen, mit Brotfür das Frühstück und Obst versorgt. Nachdem Frühstück machen uns Asman undsein Freund von der Palme los und bittenuns, sie ein Stück bis zur nächsten Buchtmit dem Boot mitzuziehen. Es ist ein wunderschönerTag, aber nur wenig Wind, alsofahren wir wieder mit Motor. An Bord verkostenwir die frischen Früchte, die wir inSt. Lucia und in St. Vincent gekauft haben.Wir fahren bis nach Bequia, doch vorherhalten wir vor Petit Nevis (Achtung Strömung!),um zu schnorcheln. Anschließendankern wir in der Friendship Bay in Bequia.Nach einem erfrischendem Sprung insWasser fahren wir mit dem Dingi an Landum einen Spaziergang zu machen. Dasmacht natürlich durstig und hungrig undda kommt die Strandbar „Mosquito“ geraderecht. Hier gibt es sehr gute Fruchtsäfte undnatürlich auch Cocktails und lokales Bier.So verbringen wir den Sonnenuntergangund genießen ein für diese Gegend nichterwartetes vorzügliches Essen. Der perfekteTag!MONTAG, 31.1.Weiter geht es in die Tobago Cays. Eineunbewohnte Inselgruppe und eines derHighlights der Karibik. Nachdem wir angekommensind, warten auch schon die Boat-Boys oder lieber „fliegende Händler“?Wir lassen uns nicht lange Zeit, um instürkisblaue Meer einzutauchen, hier ist estraumhaft. Mit dem Dingi fahren wir zueiner der Inseln, Petit Bateau. Max erfülltsich gleich seinen Traum und erntet zweiKokosnüsse. Für das Abendessen hat unsein Fischer mit einem White Snapper versorgt,den uns Walter schmackhaft zubereitet.Wir bewundern den Sternenhimmel,der hier noch intensiver als daheim zu funkelnscheint.DIENSTAG, 1.2.Gleich nach dem Frühstück bekommenwir auch schon unser Abendessen geliefert,einen frischen Thunfisch. Wir bleibenauch heute noch in den Tobago Cays undgenießen einen wunderschönen Tag miteiner leichten Brise, das macht die Hitzeerträglicher. Mit unserem Dingi fahren wirheute zur Insel Baradal. Beim Schnorchelnsehen wir einen Steinfisch, Schlangen, Kofferfische,…Max hat, während er nur so imWasser stand, sogar einen Rochen gesehen.Auch dieser Tag in den Tobago Cays wartraumhaft.MITTWOCH, 2.2.Wie immer, nach einem wunderbaren Frühstück,starten wir in den Tag. Wir lichtenden Anker und nehmen Kurs auf die Insel„Petit Tabac“ (die Insel wurde ebenfalls fürdie Dreharbeiten „Fluch der Karibik“ genützt).Um zu dieser Insel zu gelangen, mussman um die Inseln der Tobago Cays herumfahren,da diese vom Hufeisenriff umgebensind. Wir erkunden die Insel zunächst zuFuß und danach natürlich unter Wassermit Schnorchel und Flossen. Das Riff vorPetit Tabac ist an manchen Stellen durchrücksichtslose Segler beim Ankern ordentlichzertrümmert. Nach der Inselerkundung,geht es weiter nach Palm Island. Auf dieserbefindet sich ein nobles Hotel, was sehrschade ist, da man deshalb nur einen Teilder Insel betreten darf. Als Ankerplatz fürdie Nacht segeln wir nach Mayreau weiter.Wir ankern in der Saline Bay und werdendurch den einlaufenden Schwell ganz schöndurchgeschaukelt. Sogar die großen Schiffe,die hier liegen, lässt das nicht unbeeindruckt.Wir machen uns mit dem Dingi auf zumSteg und gehen bergauf in die Ortschaft umein Lokal für das Abendessen zu suchen.DONNERSTAG, 3.2.Da die Nacht durch den Schwell sehr unruhigwar, beschließen wir während derFahrt nach Bequia zu frühstücken. In Bequiaangekommen, müssen wir nun aus denGrenadinen ausklarieren. Wir besorgennoch Sprit für unser Dingi, natürlich fri-SMG N° 617 ■


sches Obst am Markt und Rum (Walterkauft im Shop den ganzen Vorrat an „Angostura1919“ auf ). Danach brechen wir zurletzten Fahrt auf, zurück nach Martinique.Wir fahren die Nacht durch, somit habenwir etwas Zeit gewonnen und konntenlänger in den Tobago Cays bleiben. Bei St.Vincent treffen wir wieder auf eine Gruppevon Delphinen, doch dieses Mal haben wires geschafft, einige Fotos zu machen. Für dieNachtfahrt werden wir mit einem wunderschönenSonnenuntergang belohnt, der dasganze Meer in feuriges Rot taucht. NachEinbruch der Dunkelheit fing der Krill inden Bootswellen zu leuchten an, und dazunoch der fantastisch klare Sternenhimmel -beeindruckend-. Es hat sich gelohnt, einigeStunden Wache zu schieben!Bei Sonnenaufgang ankern wir in St.Anne vor Martinique, um zu frühstücken.Danach geht’s in die Marina nach LeMarin, wo unser erstes Segelabenteuer zuEnde geht.Zwei wunderschöne Wochen, voller Eindrückeund Erlebnisse, die uns noch lange inErinnerung bleiben werden. Es war einfachtraumhaft schön!STATISTIKYachtRouteBavaria 50 WotanMartinique – Tobago Cays – MartiniqueZeit 22. Jänner – 5. Februar 2005Meilen 257CaptainCrewWalter EssMaximilian RotterHerbert SalzerMarion BraunSMG N° 6■ 18


MODUL 5VON ANGELICA REICHELTAm Morgen des 4. Februar besteigenwir die AirFrance Richtung Martinique,um dem verschneiten, eisigenWien für zwei Wochen den Rücken zukehren. Die Zwischenlandung in Parisnützen wir für Austern, Gänseleberund Rosé.Abgesehen von der angenehm warmenLuft, die uns in Martinique empfängt,sind es auch die bunten Farben, die es nichteinmal im Sommer in Österreich gibt. „Europaist wie Schwarzweißfernsehen“ hörenwir in einer Boutique von der Verkäuferin,die sich über unser winterliches Outfit wundertund unschwer errät, woher wir geradekommen.Leider beginnt die Reise nicht so schönwie erwartet und das aus zwei Gründen:1. habe ich mir – wahrscheinlich bei denAustern – eine Salmonellenvergiftung zugezogen,die sich sehr schmerzhaft und langwierigerweist und die mich in ein hiesigesSpital führt, und, 2. ist von unseren vierTaschen nur eine angekommen, d. h. wirmüssen zumindest für die ersten Tage T-Shirts, kurze Hosen und Flipflops kaufenRichtig schön wird es erst, als dieseganzen Probleme beseitigt sind, die vorigeCrew abgereist ist und wir zu zweit lossegelnkönnen, Berndt und ich.Unser erstes Ziel ist St. Lucia, mir gehtes zum Glück wieder gut, und ich kann dasSegeln ordentlich genießen. Wir habenguten Wind, und es gefällt mir richtig gut.Nach einem herrlichen Nachmittag beschließenwir, in Rodney Bay zu bleiben. Ineinem einfachen Lokal in der Hafeneinfahrt,Eagle’s Inn, verspeisen wir, nach sehr gutenVorspeisen, einen schmackhaften Lobster,den wir selbst ausgesucht haben. Das ersterichtige Essen in der Karibik nach Tagenmit Tee und Reis.Am nächsten Tag beim Frühstück bemerkenwir den Kontrast zum noblen französischenMartinique. Hier ist alles einfachund amerikanisch. Die ersten SAIL FAST-Leiberl werden gekauft.Danach geht’s weiter in die berühmteMarigot Bay, die wie eine Filmkulisse wirkt.Durch das flaschengrüne Wasser kommtein Boatboy nach dem anderen, um unsBananen, Kokosnüsse, Steinschildkröten,Reggae- und Calypso-CDs und vieles mehranzubieten und zu verkaufen.Kaum verlassen wir St. Lucia, die Regeninsel,wird das Wetter gleich schöner.SMG N° 619 ■


SMG N° 6Wir verbringen einen schönen Segelnachmittagin Richtung St. Vincent. Am Abenderreichen wir die Wallilabou Bay, die ganzeBucht macht einen gespenstisch-ausgestorbenenEindruck. Auch das Lokal – wie einGeisterschloss mit angeschlossenem Museum– aber wir bekamen noch was zumEssen und, ganz wichtig: Rumpunsch. Waswill man mehr, wir sind rundum zufrieden.Am Freitag schwimmen wir zum erstenMal im Meer! Wir bekommen am Strand,wo die Filmkulisse von „Fluch der Karibik“aufgebaut ist, einen ganzen Haufen frischeFrüchte – orange Kokosnüsse, Mangos, Papayas– und geben im Gegenzug Nudeln,Kaffee und Chips.Wir segeln weiter nach Bequia. Dortist alles wie im Bilderbuch – bunt, fröhlich,wunderschön und gemütlich. Wir stärkenuns im Gingerbread, dem herzigsten Lokalder Stadt, und schauen uns nachher PortElizabeth an. Leider haben die Geschäfteschon zu. Zum Abschluss gibt’s ein klassisch-traditionellesCandlelight Dinner imFrangipani.Am Samstag fahren wir weiter in dieTobago Cays – unwirklich türkises Meer inder Abendstimmung, ein paar kleine Inseln– umwerfend. Wir ankern abseits der Masseund beschließen, uns zur Feier des Tageseine Languste zu gönnen, die der Boatboyfertig zubereitet auf ’s Schiff liefert. Es istwie im Paradies.Nach dem Frühstück am nächsten Tagfahren wir mit dem Dingi herum, um zuschnorcheln. Aufregend – das erste Mal aufeinem Riff. Wir sehen Korallen und Fischein allen Farben – sogar gestreifte, blitzblaueund hellviolette sind dabei.Auf einer winzigen, einsamen Insel, Baradal,sammeln wir Muscheln und grüneSteine. Später ankern wir auf der anderenSeite in der Hoffnung, dass es dort ruhigerist. Ein netter Holländer kommt uns mitseiner kleinen Tochter besuchen und erzähltvon seiner Atlantiküberquerung mit vierKindern, zwei, vier, sechs und acht Jahre alt.Wir trinken einen Sundowner zusammen.Am Abend entscheiden wir uns für RedSnapper mit frischem Salat.Am Montag verlassen wir die TobagoCays. Eigentlich wollen wir nach UnionIsland, aber als wir PSV (Petit St. Vincent)sehen, ändern wir schlagartig unsere Meinung– ein Traumstrand mit einem kleinen,versteckten Luxus Ressort – eine richtigeHoneymoon-Insel.Wir begeben uns auf die Terrasse, um denrestlichen Tag dort zu verbringen, zwischentropischen Pflanzen und Blick auf ’s Meer.Wir trinken Rumpunsch um 80 Euro undfeiern den Valentine’s Day standesgemäß.Am Abend fahren wir auf die gegenüberliegende Insel, Petite Martinique, plaudernam Steg mit Neger Michael und essen dannim Palm Beach Callalou Soup und würzigesChicken. Geankert wird wegen Schwellwieder in PSV.Nach dem Frühstück im PSV-Ressortwird ausgiebig im warmen, türkisen Meergeschwommen, dann geht’s weiter nachUnion. Aber halt – ein kurzer Zwischenstoppin Palm Island muss sein – schonwieder ein Traumstrand. Wir essen einSandwich unter Palmen.Abendessen im coolsten Lokal der InselUnion (die zum Glück völlig untouristischist) – Bougainvillea – mit Riesenaquarium,Live Music und sehr gutem Seafood.Am nächsten Tag, Mittwoch, fahren wirnach Mayreau in die Salt Whistle Bay undauch, oder gerade dort, ist es wieder einmalso besonders schön, dass man gar nichtmehr weg will. Unseren Lunch nehmenwir diesmal in einer witzigen Bar mitkleinen Hütten und Steintischen ein, es gibtLobster-Sandwich … und das Rumpunschtestengeht eifrig weiter.Am Abend sind wir in Mustique – dieInsel der Reichen und Schönen. In Basil’sBar treffen wir zwar nicht Mick Jagger, aberes gibt ein ausgezeichnetes WednesdayNight Barbecue und wieder Live Music!Nach einem Besuch und Einkauf in dersehr hübschen Treasure Boutique fahren wiram Donnerstag über die Friendship Bayund Petit Nevis wieder nach Port Elizabeth,Bequia. Kurzer Rundgang und obligaterLunch im Gingerbread, dann geht’s leider,leider weiter Richtung Norden.Plötzlich – irgendwann in der Nacht– fängt der Motor an, komisch zu tuckern… und der Diesel ist aus. Wir versuchenauf die verschiedensten Arten, Soufrière,St. Lucia, zu erreichen – Schiff mit Dinghiziehen, Segeln, Schiff mit Dinghi schiebenEigentlich ist es eine sehr schöne NachtfahrtSTATISTIKYachtRouteBavaria 50 Wotanmit orangem Mond und vielen Sternen, wirlassen uns jedenfalls unsere gute Launenicht verderben und singen, was das Zeughält, von Celentano über Lucio Dalla. Esmacht richtig Spaß. Die letzte Meile in dieBucht werden wir von einem aufmerksamenBoatboy gezogen und um 6 Uhr Früh gehenwir schlafen.Freitag – Soufrière ist eine triste Stadt,in der die Armut und das Elend überallsichtbar sind. Nach einem Lunch im LaMarie fahren wir weiter nach Martinique,wo wir am Abend ankommen – Abschlussessenim Ti Tocques.Es waren zwei wunderschöne karibischeWochen mit allem Drum und Dran, jedeInsel hat ein anderes Flair und lohnt, angeschautzu werden. Das Segeln hat mir so gutwie noch nie gefallen, was unter anderemauch daran liegt, dass wir nur zu zweit warenund daher viel Platz und viel Spaß hatten.Martinique – Tobago Cays – Petit St. Vincent – MartiniqueZeit 5. – 19. Februar 2005Meilen 268CaptainCrewBerndt WesiakAngelica Reichelt■ 20


Donnerstag, 17,Februar 2005, 0400Uhr, in Wien ist es bitter kalt und derSchnee bedeckt so manches Autodach.MODUL 6VON MARTINA FRIEDLAchtzehn Stunden später landen wir inFort de France, Martinique! Es ist jetzt17:10 Ortszeit. Gerade mal aus dem Fliegerdraußen und unterwegs zur Passkontrolle,werden plötzlich unsere Namen aufgerufen.Wir müssen ins Büro der Air France, daleider unser Gepäck nicht da ist.Die Dame im Büro entschuldigt sichmehrmals, und versichert uns, dass wir unserGepäck am nächsten Tag erhalten, und essogar in die Marina überstellt wird. Wir erhaltennoch alle ein Kosmetiktäschchen undden Hinweis, dass wir pro Person um € 115,-notwendige Dinge einkaufen können, dieuns Air France später rückerstattet. So aberjetzt ab in die Marina, wir wollen endlichdas Meer sehen, etwas Ordentliches essenund dann schlafen, wir sind alle kaputt!Werner und Raini besorgen uns ein Leihauto,Gott sei dank haben wir kein Gepäck,das wäre sehr eng geworden! Nach kurzenOrientierungsschwierigkeiten, finden wirdoch die richtige Straße nach Le Marin.Endlich in der Marina angekommen,fragen wir einige Leute ob hier irgendwoein Hotel sei, doch leider wissen die dasauch nicht, und so machen wir uns selbst aufdie Suche. (Wegen der schlechten Straßenbeleuchtung,kann man auch dummerweisekeine Reklametafeln lesen). Es ist bereits20:30, doch wer suchet der findet auch, undsomit landen wir in einem einfachen aberentzückenden Hotel, mit bequemem Bettund funktionierender Dusche um € 40,- proZimmer. (Was will man mehr!)Der Inhaber empfiehlt uns auch nochein tolles Restaurant „Steakhouse“, wo wirauch gleich hinfahren, da uns schon derSMG N° 621 ■


SMG N° 6Magen knurrt und das Verlangen nacheinem kühlen Bier immer stärker wird.Das Essen ist wirklich ausgezeichnet, dieBedienung karibisch langsam, aber an daswerden wir uns sicher auch noch gewöhnen.Eine kurze Zwischenanmerkung: In derKaribik gibt es den 12 Stunden Tag!D.h. um 6:30 geht die Sonne auf und um18:30 ist es finster. Das ist etwas eigenartig,da es auf der restlichen Welt immer einmalim Jahr einen kürzesten und einen längstenTag gibt, aber dort ist eben alles anders. Waszur Folge hat, dass auch die Geschäfte (bisauf einige Lokale), ab Einbruch der Dunkelheitschließen. Auch die Bars und Restaurants(bis auf wenige Ausnahmen), sindum spätestens 24 Uhr dicht. So ein ruhigesLeben sind Streuner, wie wir, gar nicht gewöhnt!Nachdem wir den Freitag und Samstagfür die Schiffsübernahme genützt hatten,geht’s am Sonntag, 20.2., los, wie vereinbartstehen alle um 8 Uhr auf, da wir ja so schnellwie möglich auslaufen möchten.Es ist sehr windig und die Wellen sindfür unsere Erfahrung doch recht hoch, undwir müssen schon nach wenigen Meilenerkennen, so schaffen wir es nicht bis Grenada.Der Gedanke ist noch nicht ausgesprochen,bemerken wir schon, dass es Andi undClau sehr schlecht geht.Kurze Zeit später ist es dann auch schonsoweit, die Fische werden gefüttert, Claudiaist das ganze sehr unangenehm, aber dasmuss es nicht sein, bei dem Seegang!Unausgesprochen sind wir uns einig, wirfahren nicht nach Grenada, wir übernachtenin St. Lucia.Nach 26,18 Meilen, fahren wir in dieMarina Rodney Bay. Ziemlich noble Gegend,mehrere Eignerschiffe und Villen mitPrivatstegen und dezenten Jachten davor, naja, alles kann man auch nicht haben.Wir legen am Steg an. Raini und Wernerchecken die Marina und ich koche eineSuppe, dass sich die kaputten Mägen wiedererholen.Dann wird es wieder etwas entspannter,Werner und Andi rechnen die Bordkasseder letzten Tage ab, Clau wäscht das Geschirrund anschließend genießen wir nochdie letzten Sonnenstrahlen.Am Abend machen wir nur schnelleKüche, Eierspeise und was der Kühlschrankso hergibt. Mir fällt das erste Mal auf, dassder Eiskasten nicht wirklich kühlt, vielleichtzu nieder aufgedreht, mal sehen.Törnbesprechung, wie geht’s jetzt weiter,Raini meint auch, dass es so keinen Sinn ergibtund wir beschließen, doch nur in kurzenAbschnitten die Karibik zu erkunden. ErsteStation am nächsten Tag, noch eine andereBucht auf St. Lucia, besser wir gehen esnicht so hart an.Sind nach dieser kurzen aber dochsehr intensiven Überfahrt sehr erschöpft,so gehen wir auch sehr bald schlafen undfreuen uns schon auf den nächsten Tag.DIENSTAG, 8 UHRund tatsächlich kommt Boatboy Chill bringtuns, wie versprochen,frische Baguette undObst. Nach dem Frühstück legen wir gleichab.Heute geht es nach St. Vincent. Rainimöchte mit uns in die Wallilabu Bay, zurFilmkulisse von Fluch der Karibik!Nach ca. 6 Stunden Überfahrt undwieder einmal sehr rauher See, haben wir esgeschafft.Ein Boatboy namens Thomas, der unsschon von Walter empfohlen wurde, kommtzu uns und begrüßt uns. Er verspricht, dasser auf uns aufpasst und uns die gewünschtenSachen bringt.Plötzlich stürmen uns Dutzende vonBoys und möchten uns alles mögliche verkaufen,wir versuchen sie los zu werden,doch leider ist das hier nicht so einfach.Wir sind genervt. Einer droht sogar, unsin der Nacht die Leinen durchzuschneiden,super!Werner und Raini fahren kurz an Landum den Papierkram zu erledigen, als siewieder zurückkommen, diskutieren wirgerade mit Thomas über den Preis vonMineralwasser. Wir blieben am Abend anBord, die Stimmung war nicht besonders,der Appetit ist uns auch vergangen. Wirgehen auch bald schlafen, morgen müssenwir zeitig raus, und so schnell es geht vonhier weg.MITTWOCH FRÜHNichts wie weg von hier, Frühstück und ablegen!Um 9 Uhr sind wir schon auf demWeg nach Bequia!Nach nur 2 Stunden sind wir auch schonangekommen, eigentlich wollten wir nureinen kurzen Zwischenstopp machen umzu baden und zu schnorcheln, doch es sollteanders kommen.Wir ankern, nach dem vierten Versuchdürfte es dann geglückt sein, aber ganz sichersind wir uns auch nicht.Andi ist der Erste im Wasser, Werner bekommtHunger! Er kocht für alle ein Dosen-Chili, anschließend waschen die Männer dasGeschirr, Werner wirft die Teller einfach insWasser, Pech die gehen aber nicht unter undso muss er ihnen nach schwimmen, wenigstensist er danach erfrischt.Werner und ich fahren zur Tauchstationum zu fragen ob Sie die Flaschen füllenkönnen, die sind sehr nett und meinen, wenner gleich kommt, dann füllen sie sofort. Wirfahren gleich zum Schiff zurück und ladendie Tauchflaschen. Raini fährt diesmal mit,Clau und ich gehen schwimmen.Als die beiden zurückkommen, beschließenwir, den heutigen Tag in Bequia zuverbringen, da es hier wirklich unheimlichschön ist. Raini und Werner machen ihrenersten Tauchgang, leider ist dies ganz schönviel Aufwand aber es macht ihnen Spaß.Nach schwimmen, tauchen und abduschenfahren die Männer an Land um dieGegend zu erkunden. Wir Mädels ziehenuns für den Landgang um und warten, dasswir abgeholt werden.Zuerst machen wird Halt in einer urigenBretterbude. Der Besitzer ist etwas muffig,aber das Bier ist sehr gut, wir haben keineZigaretten mehr, und kaufen in der Bar einPäcken karibische. Ups! Was ist das für einKraut?Nun ist es Zeit fürs Abendessen und wirkehren in ein schönes Restaurant ein, mit■ 22


Kerzenlicht, sehr romantisch. Nach längererWartezeit kommt das Essen, doch schade,die Preise sind enorm und die Steaks sindfurchtbar.Nach dieser Enttäuschung fahren wir zurückzur Wotan um dort noch einen Drinkzu nehmen. Jetzt bemerken es auch dieanderen, der Eiskasten ist kaputt. Wernerzerlegt das Teil und stellt fest, dass Wasserhineingekommen ist, da die Elektronik amBoden des Schiffes ist, und so alles korrodiertist.Claudia ist zuckerkrank und braucht gekühltesInsulin, also beraten wir, was wir tunkönnen, und wir beschließen, am nächstenTag nachzuforschen, ob hier ein Technikerist der uns helfen kann. Hoffentlich!Nach ein paar warmen Bier undSouthern Comfort, lassen wir auch diesennetten Abend ausklingen und gehen zu Bett.Der nächste Tag wird spannend.Wieder bekommen wir unser Frühstücküber einen netten Boatboy, wir fragen ihnum Eis für den Kühlschrank und um einenTechniker. Er gibt uns die gewünschte Auskunftund bestellt über Funk einen Kollegender uns Eis bringt.Tatsächlich gibt es hier einen Techniker,aber der ist nicht immer erreichbar, daherfahren die Männer an Land, um diesenMann zu suchen.Gegen Mittag kommt Raini und holtuns ab, um 15 Uhr haben Sie einen Terminin der Werkstätte. Wir sitzen im Gingerbread,das ist ein Strandlokal, sehr nett undauch sehr günstig. Wir trinken und essensehr gut, dann drängt die Zeit. Claudiaund Raini gehen Richtung Werkstatt, wirwarten noch ein wenig und gehen ihnendann nach, in einer Bar gegenüber treffenwir uns wieder alle, Raini erklärt uns, dass ermorgen wieder kommen soll, ok, also nochein Tag in Bequia!Wir finden das nicht so schlimm, ist jaschön hier, nur Andi wird schon langsamunruhig, aber wenigstens gibt es ein paarHügel, die er erklimmen kann.Nach ein paar Drinks fahren Werner undich mit einem Wassertaxi zurück zum Schiff,die anderen gehen noch auf den Markt zuJimmy, um Obst zu kaufen.Das mit dem Eis funktioniert super, wirhaben endlich kaltes Bier! Am Abend sindwieder alle an Bord, und wir spielen Würfelpoker.Wir haben sehr viel Spaß, um ca. 1Uhr gehen alle schlafen, Raini hält Ankerwache,wir wissen noch immer nicht, ob erhält.SAMSTAGHeute schlafen wir uns mal richtig aus,haben ja keinen Stress, müssen sowieso aufdie Ersatzteile warten.MONTAGNach dem Frühstück geht’s wieder los.Wir bestellen ein Tankboot, wir benötigenWasser und Eis. Es dauert Ewigkeiten, bises kommt, Eis haben wir noch immer nicht.Andi und Werner fahren an Land und holeneines, in der Zwischenzeit kommt plötzlichunsere Lieferung, nach 2 Stunden! Wir schickenIhn wieder weg, Sorry, aber zu spät!So, nun ist es schon fast Mittag, und wirhaben es endlich geschafft, wir legen ab! Aufgeht’s zu den Tobago Cays!Werner und Andi legen sich in die Sonne,ich bleib bei Raini, der Seegang ist wieimmer rauh! Claudia bleibt in der Koje undversucht zu schlafen, sie hat Angst, dass ihrwieder schlecht wird. Nach einigen Stundenerreichen wir unser Ziel, und sind wie vomBlitz getroffen! Hier sieht es aus wie auf denPostkarten!Nur unbewohnte Inseln, mit weißenStränden und Palmen, menschenleer! DasWasser leuchtet in allen Blautönen und mansieht bis auf den Grund.Wir suchen uns einen schönen, etwasabgelegenen Ankerplatz. Die Boatboyskommen und bieten uns Fisch und Langustenan, doch leider mag keiner Langusten,außer mir!Wir bestellen für den nächsten Tagwieder Brot und freuen uns, dass wir auchEis bekommen können – zwar etwas teureraber egal. Wenn wir das schon früher gewussthätten!Die Männer gehen noch ein wenigschnorcheln und den Strand erkunden, Clauund ich gehen kochen. Ich hab in Bequianoch Hühnerfleisch erstanden, und somitgibt es heute Geschnetzeltes mit Reis! EinGeheimrezept von mir, Claudia staunt undschreibt gleich mit, so einfach und schnellkann kochen sein!Heute haben wir alle zuviel Windund Sonne erwischt, wir sind hundemüde,Werner und ich spielen noch ein paarRunden Poker, der Rest geht bald schlafen,wir beenden den Abend um ca. 1 Uhr früh.Wir haben beschlossen, den nächstenTag auch noch hier zu verbringen und dannerst wieder zurück zu fahren.DER DIENSTAGist ein herrlicher Tag, unser seltsamerBoatboy bringt uns Eis und Brot und meint,er möchte mehr Geld als vereinbart, aber wirweigern uns und er fährt sauer davon.Nach dem Frühstück fahren wir mit demDingi zum Strand. Gott, ist das traumhaft!Der Strand ist schneeweiß und nichtheiß, das Wasser wie eine Badewanne. Wirspielen wie kleine Kinder im Sand, ichmache ein Peeling und Werner hilft mirdabei, danach gräbt er mich ein.Claudia versucht zu schnorcheln, dochdie ersten Versuche gelingen nicht so ganz,Andi erkundet die Insel. Wir genießen denTag und haben wahnsinnig viel Spaß!Am späten Nachmittag fahren wir zurückzum Schiff, die Männer gehen nochtauchen. Werner taucht eine Riesenmuschelhoch, in der sich ein großer Krebs angesiedelthat, die beiden anderen sind mit derUnterwasserkamera unterwegs.Nach so viel Sonne, Luft und Wassersind wir alle sehr müde. Claudia hat leiderzu wenig aufgepasst und hat einen fürchterlichenSonnenbrand am ganzen Körper.Diesmal kocht Claudia eine Thunfischsauceund Spaghetti, den Abwasch erledigenwir erst morgen, wir sind zu müdeund Werner und ich schlafen sogar kurzim Salon ein. Andi ist schon in seiner Koje,Raini und Claudia dürften doch noch längeraufgeblieben sein. Jedenfalls um ca. 2 Uhrwache ich auf und wecke Werner um auchins Bett zu gehen, da der Rest der Mannschaftschon in ihre Kojen verschwundenist.Morgen geht es zurück nach Bequia, derUrlaub nimmt langsam sein Ende.Am nächsten Tag nach dem üblichenFrühstück, räumen wir weg und legen ab.Schade, noch ein paar sehnsüchtige Blickezu den Stränden und dann sind sie auchschon hinter uns verschwunden.Es geht zurück nach Bequia, nun daskennen wir ja schon, es ist schon fast so, alsob man heimfährt.In unserer Stammbucht angekommenfahren wir gleich ans Ufer um einige Besorgungenzu machen. Werner und ich geheneinkaufen, Raini und Andi fragen wiedereinmal wegen den Ersatzteilen, doch wiedererfolglos.Danach fahren wir zum Schiff zurückund beschließen, den Abend noch einmalbei Aflec zu verbringen. Wir bestellendiesmal ein Taxi, das sehr lange auf sichwarten lässt, Thomas versetzt uns und wirbestellen ein anderes.In der Bar angekommen, bestellen wirzu essen und Claudia bemerkt, dass sieihr Insulin nicht mit hat. Raini muss alsonoch einmal zurück. Doch danach wird derAbend noch sehr gemütlich. Aflec setzt sichSMG N° 623 ■


SMG N° 6mit einem Freund zu uns und erzählt unsvon seinem Leben, das nicht immer sehreinfach war.Danach holt er die Gitarre und diebeiden Freunde spielen und singen für uns.Leider geht auch dieser Abend bald zuEnde, während Andi, Raini und Clau zurückfahren, gehen Werner und ich noch aufein Getränk. Doch leider sperrt schon alleszu und wir haben das Glück, wieder einmalsehr nette Einheimische kennen zu lernendie uns dann zum Schiff zurück bringen, daauch kein Taxi mehr zu finden ist.Wir gehen gleich zu Bett, da wir schonum 4 Uhr aufstehen, Raini ist der Meinungdass wir mit circa 14 Stunden Überfahrtrechnen müssen, je nach Wetter, da wir jagleich bis nach St. Lucia fahren! Bequia, duvertraute Insel, wir werden dich nicht vergessenund kommen sicher wieder!DONNERSTAGIch kann’s nicht glauben! Ich wache miteiner Augenentzündung auf - super! Allesehen sehr verschlafen aus, es ist nochdunkel und die Insel schläft, es ist sehr ruhigund romantisch. Seltsamerweise ist auchdas Wasser spiegelglatt, wie noch nie inden letzten Tagen und es weht absolut keinLüftchen. Wir legen plangemäß um 5 Uhrab, und lassen schon nach kurzer Zeit Bequiahinter uns. Es ist totale Windstille undals der Morgen graut, sehen wir ein ganzesRudel Delfine hinter uns springen. Es istwunderschön!Claudia hat sich wieder niedergelegtund versäumt leider diese tolle Stimmung,Werner und Andi machen bei uns an Decknoch ein Nickerchen. Ich bekomme Ohrenstechen,das auch noch. Werner meint, ichsollte mich auch noch en wenig hinlegen,vielleicht wird es ja besser. Jetzt ist nur mehrRaini wach und hält das auch mit Bildernfest. Später halte ich die Schmerzen nichtmehr aus und nehme ein Schmerzmittel,hurra, es wirkt und ich kann wieder anDeck!Wie gesagt, das Wetter ist ein Traum, nurleider kein Wind. Wir fahren volles Tempounter Motor, und erreichen St. Lucia schonnach knappen 8 Stunden. Unser Ziel: MarigotBay. Sehr schöne Touristenbucht! Wirbeschließen, uns an den Steg zu legen, dazufällig etwas frei ist. Der Wasserstand istetwas niedrig, aber es geht sich aus.Wir kaufen noch Bananen, Hauptnahrungsmittelvon Clau und Andi, danacherledigen wir wieder den Papierkram. Alswir damit fertig sind, holt Raini die anderenund wir fahren mit dem Taxi auf die Halbinselvis a vis.Wir planen dort Souvenirs zu kaufeneinen Cocktail zu trinken und dann zurückzufahren um am Abend dort essen zu gehenund vielleicht noch einen Rumpunsch zutrinken. Es kommt wieder einmal anders,die Cocktailbar ist wunderschön und dieCocktails sind alle so gut, dass wir es nichtmehr schaffen.Irgendwann gehen Andi und Claudiaessen, es wird sehr spät und lustig. Nachetlichen verschiedenen Drinks ist der Chefdes Hauses so nett und fährt uns drei zumSchiff zurück. Werner verliert seine geliebtenHolzpantoffel.Wir sind dann auch bald im Bett undbekommen gar nicht mit, dass die beidenanderen auch mit dem Chef der Bar zurückkommen.Von Schlaf ist aber keineRede, da wir am Steg angelegt haben, liegenwir mitten in den Mangrovenbüschen! Wirhaben 14 Tage kein einziges Insekt gesehen,doch nun haben wir tausende Stechmückenim Schiff. Wir wandern alle an Deck, dieseNacht wird sehr kurz!Beim Aufstehen sind wir alle gerädert.Wir nutzen noch die Duschen und legendann zeitig ab. Heute geht es zurück nachMartinique, doch zuvor ist noch ein Zwischenstoppin der Rodney Bay geplant, umdort zu frühstücken. Nach einer kurzenFahrt gehen wir dort vor Anker. Andischwimmt an Land und wandert zur Ruinehinauf, wir kochen Kaffee und beobachtenein Piratenschiff, das mit Massen von Touristenvoll beladen wird.Das einzig Tolle an dem Schiff ist, dasses beim Auslaufen die Segel setzt. NachdemAndi zurück ist, legen wir auch schon wiederab und ab geht’s zur letzten Überfahrt!Diesmal ist das Meer leider nicht so ruhig,es ist wieder einmal Kreuzsee. Claudia undich halten die Stellung, wir sehen wiederDelfine, doch sonst nur hohe Wellen.Wir sind sehr froh, dass auch diese Stundenberechnungnicht ganz stimmt und soerreichen wir schon nach ca. 6 Stunden dieEinfahrt von Le Marin. So nun ist es soweit,ein letztes Anlegemanöver und der letzteAbend beginnt.Wir verabreden uns mit Andi zumAbendessen und gehen noch auf ein Bier.Danach gehen wir in ein Lokal direkt amSteg, ein sehr schönes Lokal, mit Livemusik.Das Essen kommt, doch Andi kommt nicht.Raini ladet uns auf das letzte Abendmahlein – Captain’s Dinner!Als wir dann zum Schiff zurückkommen,ist Andi im Saloon, er erzählt uns, dass erdas Essen leider verschlafen hat. Wir lassenden letzten Abend sehr bald ausklingen,morgen haben wir noch viel zu tun bevor eszum Flughafen geht.SAMSTAG, DER LETZTE TAGAm Abend fliegen wir Richtung Heimat.Wir besorgen noch ein paar Souvenirs, Andiund Clau gehen danach zurück, wir bleibennoch etwas sitzen und lernen eine Crewkennen, die gerade angekommen ist. DieD■ 24


Glücklichen! Doch irgendwann wird es Zeitund auch wir müssen leider zurück.Die Männer schrubben das Deck, dieFrauen den unteren Teil. Danach packenwir unsere Sachen, verteilen noch angefangeneLebensmittel und Getränke an unsereSchiffsnachbarn und dann ist es soweit.Wir verschließen die Wotan und gehenRichtung Straße. Wir kehren noch im Lokalvom Vorabend ein und warten auf unserTaxi, das wir am Nachmittag bestellt haben.Das kommt auch pünktlich und losgeht’s, noch einen letzten Blick aufs Meer,dann sind wir auch schon am Flughafen.Wir geben unser Gepäck beim Schalterab, und erfahren, dass unser Flug Verspätunghat, das fängt ja gut an, hoffentlich erwischenwir in Paris den Anschluss.Also gut, wir können es ja nicht ändernund gehen noch hinaus auf einen kleinenImbiss. Die Stunden sind endlos, aber irgendwannist es dann doch soweit. BeimBoarding haben wir ein wenig Stress mitdem Zollbeamten, da wir ihm die Pässenicht gesondert überreichen, doch auch daserledigt sich bald. Jetzt kann es nicht mehrlange dauern, die Leute sehen uns etwasseltsam an, da wir alle in der kurzen Hoseam Flughafen stehen, aber es ist einfach zuheiß, wir ziehen uns erst im Flugzeug um.Ich denke, dass ich aber für alle sprechenkann: „Es war ein Traum, den wir nie vergessenwerden und den wir hoffentlich irgendwannnoch einmal träumen dürfen!“STATISTIKYachtBavaria 50 WotanRouteMartinique – Tobago Cays – MartiniqueZeit 19. Februar – 5. März 2005Meilen 250CaptainRaimund BröthalerCrewWerner SlabihoudMartina FriedlClaudia GrafAndreas SpitzmüllerESIGN VORAUS!PLUTONIKA Design realisiert Internetauftritte und interaktive Animationen, gestaltet kompletteUnternehmensauftritte, Werbemittel und Verpackungen und visualisiert fotografisch, illustrativund in 3D. Wie Sie Ihr Unternehmen auf Kommunikationskurs bringen, erfahren Sie unterberatung@plutonika.com.Mitglieder der SFV Strongbow erhalten bis 30.6.2006 10 % Ermässigung auf alle Dienstleistungen.SMG N° 6WWW.PLUTONIKA.COM25 ■


MODUL 8VON LAURA WESIAKAm 18.3.2005 starteten wir unsereReise vom Flughafen Wien-Schwechatnach Martinique. Mit vielen Verzögerungenkamen wir um circa 22:00Ortszeit in Martinique an.SMG N° 6Die nächsten zwei Tage verbrachten wirdamit, uns auf dem Schiff heimisch einzurichtenund ein bisschen mit einem Mietautodie Insel zu erkunden. Am Sonntagging es endlich los. Nach einem kurzenAbstecher nach Dominica mit Besuch beikalten und warmen Wasserfällen und demCold Water Lake segelten wir endlich inRichtung Süden. Wir segelten zur Marinain der Rodney Bay/St. Lucia. Von dort auswar unser nächster längerer Aufenthalt inSoufrière wo wir einen sehr schönen Landgangmachten. Dann wollten wir in derWallilabou Bay ankern, doch leider hinderteuns der „Fluch der Karibik 2“ daran. Dochin der nächsten Bucht, der CumberlandBay, kamen wir bei „Joseph the Fisherman“voll auf unsere Kosten. Zu essen gab es einHendl mit Gräten.Es ging weiter nach Bequia und in diewirklich wunderschöne Saltwhistle Bayauf Mayreau. Über Union Island fuhrenwir nach PSV, wo wir wieder einmal einentraumhaften Landgang machten. Weiterging es nach Petite Martinique und es wurdeendlich so richtig karibisch. Wir erreichtendie Tobago Cays und das Horseshoe Reef.Es war wirklich traumhaft. Doch leider gabes wegen des starken Windes einen sehrhohen Seegang, also konnten wir keinenHummer essen, obwohl wir uns schon seitTagen darauf freuten. Danach ging es überCanouan nach Mustique, die Insel der Rei-chen. Dort besuchten wir in Basil’s Bar eine„preiswerte“ Grillparty. Das Essen war hervorragend,aber das war bei diesem Preis jazu erwarten.Am nächsten Tag ging es leider schonwieder zurück in den Norden, nach St. Vincent.Nach einem Besuch von Steinmännernin der Buccament Bay und RiesenschiffenSTATISTIKYachtRouteBavaria 50 WotanMartinique – Tobago Cays – Petit St. Vincent - MartiniqueZeit 18. März – 3. April 2005Meilen 428CaptainCrewBerndt WesiakElisabeth Locker – 1. WFGerd WesiakBrita WesiakLaura Wesiakmit Johnny the Depp segelten wir die Nachtdurch nach St. Lucia. In Fort Rodney wäre esuns fast gelungen, einen Einheimischen, dersich auf unser Boot hängte, mit nach Hausezu nehmen. Noch ein Tag Martinique unddann ging es auch schon wieder nach Hause.Es waren zwei sehr schöne Wochen, die wiralle in guter Erinnerung behalten werden.■ 26


MODUL 9VON FRANZ GATTERMAYRWir stimmen uns langsam auf dieRückfahrt ein. Das letzte Karibikmodulführt bereits nach Norden– durch die Leeward IslandsDer raume Wind bläht die Segel, verhaltenschlagen Wellen an den Rumpfund nur hin und wieder spritzt Gischt amBug hoch zerstäubt sofort in einem Schleier,der für einen Augenblick alle Farben einesRegenbogens erkennen lässt, an Steuerbordist schon seit längerem saftig grüner Regenwaldan der Küste einer Insel zu sehenund „Radio Wotan“ spielt gerade die Titelmelodieaus „Conquest Of Paradise“. MeinLidschlag holt mich wieder in die Realitätzurück – aber eben die sieht so aus!COCONUT AIRLINES...Ich kann es noch kaum fassen. Eben nocham spätwinterlichen Weißwurstäquator ganzund gar in den Zwängen des Kapitalismusgefangen habe ich mich mit Werner, einemehemaligen Studienkollegen, entschlossen,am Projekt der SFVS teilzunehmen undKaribik und Atlantik zu erkunden. LetzterArbeits- und erster Urlaubstag fielen diesesMal zusammen. Die Urlaubsstimmungholte mich aber erst am Abflugschalter ein.Die Flüge waren samt und sonders sogenannte„Billigtickets“. Der Vorteil – mankommt um 500 Euro sehr weit; Der Nachteil…Kennst Du den Film „In 80 Tagenum die Welt“?Das war natürlich nicht ganz ernst gemeint;In Zeiten, in denen ein Interkontinentalfluggenau so schnell gebucht ist, wieein Busticket nach Gumpoldskirchen darfdie Reise nicht ihren Stellenwert im Urlaubverlieren. Die erste Nacht schlug ich mirin London/Stansted um die Ohren. DenFlughafen kannte ich ja schon vom letztjährigenIslandtörn und wusste mir die Zeit zuvertreiben. Weiter ging’s nach Dublin unddamit setzte ich zum ersten Sprung überden Atlantik an! Bereits im Bereich deramerikanischen Abflugschalter wurde ichmir gewahr, dass ich mich in einer Enklavejenes Landes befinde, das sich mit dem Restder Welt immer noch/schon wieder (?) imKriegszustand befindet. Neben unzähligenKameras und Wachebeamten lässt die Klimaanlagejeden Schurken vor Angst erstarren.Während ich in Pullover und langenHosen schlottere, verlesen einige (offensichtliche)Bewohner der Neuen Welt dieWartezeit in Shorts und Badesandalen. Mirwachsen allein beim Anblick Frostbeulen!NY Newark fasziniert durch Starts undLandungen im 58-Sekundentakt. Das habeich einige Male nachgestoppt, nachdem dieFunktion die einzige ist, zu der ich meinMobiltelefon noch gebrauchen kann. KeinNetzempfang – zum ersten Mal verspüreich leises Unbehagen, unseren Treffpunkt inMartinique nur in einem saloppen E-Mailvereinbart zu haben!Der nächste Flug bringt mich nachSan Juan/Puerto Rico. Hier macht sich einHauch südländischer Lebensart bemerkbar!Nach einer seeeehr knappen Ankunft amGate (nichts desto trotz wurde jeder drittePassagier bis auf die Unterwäsche „gefilzt“und ich brauche nicht zu erwähnen, dassvor mir schon zwei „ungeschoren“ durchgingen…).Statt vierstrahliger Düsenflugzeugesteigen wir – schon ein wenig gebückt– in eine gute alte Dash 8 ein (mit ihren vierPropellern für mich weit vertrauenerweckenderals die Jets), die uns nach Tortola(eine der British Virgin Islands) bringt. Dergestrenge Immigration Officer kostet Zeitund Nerven, aber eine absolut fototauglichesandige Bucht nahe dem Rollfeld hilft, dieSMG N° 627 ■


Wartezeit zu vertreiben. Urlaubsstimmungmacht sich breit!Eine zweimotorige De Havilland bringtuns Reisende via St. Kitts und Nevis nachSt. Lucia. Mittlerweile ist die Tropennachthereingebrochen, nur in der Abflughalle (dienur unwesentlich größer ist als ein Wohnzimmer)herrscht Jahrmarktstimmung. Diehat’s auch notwendig, denn den letzten Teilder Reise verbringen wir – den Piloten imNacken sitzend – in einer neunsitzigenCessna. Die Umstellung von bombensicherenCockpittüren zu einem nicht zugezogenen,altersschwachen Vorhang machtdie Aufforderung des Piloten perfekt, unsso zu sitzen, dass die Gewichtsverteilungstimmt... Das ist nun wirklich nicht mehrEuropa!Schluchten, schwefelhaltige Wasserfälle undeine umwerfende Fauna ließen die Naturauch ohne Cocktailstops in den leuchtendstenFarben erscheinen. Eben genannteStops taten ihr übriges, dass wir schon rechtbeschwingt zum Abendessen bummelten.Mit welcher Geschwindigkeit der erst vormittagserstandene Sangsters aus seiner Flascheverdunstete, dürfte sowieso die Physikrevolutionieren.Die winzige Inselgruppe Les Saintessüdlich von Guadaloupe sowie Marie Galantebedeuteten weitere willkommene Zwischenstopsund die Gelegenheit ankertauglicheBuchten auszuspähen, jeden Tag aufsNeue die perfekte Bucht zu finden und diekulinarischen Köstlichkeiten der bunt zu-masten verwandelten Ansteuerungsschornsteineund das Nichtwissen um die richtigeFreeman Bay...!Plymouth legt ein stummes Zeugnis überdie Zerbrechlichkeit unserer bewohnbarenUmwelt ab; von der ehemaligen Hauptstadtist nach dem Ausbruch des Mt. SoufriereMitte der 90er Jahre nur noch ein Lavafeldmit vereinzelten Ruinen zu sehen.Guadaloupe brachte uns (neben einerAnfahrt auf Gehör – wir wissen jedoch bisheute nicht, ob das Echolot auch negativeWerte anzeigen kann) drei nahezu segelfreieTage. Berndt musste - nicht zuletztum unseren Wurstvorrat aufzustocken unduns einen funktionierenden Kühlschrankdeckelaus der alten Welt zu besorgen – nachTRINKWASSER FÜR 300 EUR...SMG N° 6Berndts Eltern holen mich vom Flughafenab – erstaunlich unkompliziert ging das! Dieersten 3 Tage verbringen wir (haben ja nochdas Leihauto) in Martinique und nützen dieZeit, in Pointe du Bout auszugehen, diverseSesselbezüge zu „organisieren“, aber auchdas Schiff auf legale Art auszustatten. Unvergessenbleibt ein Ausflug nach Fort deFrance, den wir zu intensivem Shoppingnützten, während Berndt die Ausreiseformalitätenerledigte. Der Riesensupermarktin europäischem Stil überraschte teils durchhorrende Preise (1 Salatkopf um EUR 7,-),aber auch durch reichhaltiges Angebot (wirkauften die gesamte verfügbaren Haltbarbrotvorräteauf und hatten doch nur circaein Drittel unseres Reisebedarfs gedeckt.Die Kreditkarten glühten noch, da rolltenwir schon mit gut 150 l Trinkwasser inKunststoffflaschen Richtung Marina zurück.Wer Piron und Knapp’s Urlaubsfahrtüber den Semmering kennt, weiß, wovon ichschreibe...INSELHÜPFENSchon am Nachmittag hatten wir endlichetwas mehr als die „Handbreit“ Wasser unterdem Kiel und segelten NNEwärts RichtungDominica. Pfeilschnelle leuchtende Fischeund unbeleuchtete Großschiff-Festmacherpollerin der Bucht von Roseau machten dasAnlegen doch noch recht spannend, dafürlockt dann ein gut gebrutzeltes Abendessenund die Koje. Nixtun macht ja soooo müde!Neben einem Besuch im Internetcaféund einem Bummel durch die „Stadt“ warder Ausflug mit Philip (vormals als „Kolonialarbeiter“tituliert) auf die Berge von Dominicadas Highlight des Tages. Bebadbaresammengewürfelten, jedoch stets mit einemSchuss Europa gewürzten Speisenvielfaltauszukosten.Während sich ganz English Harbour aufdie „Antigua Race Week“ vorbereitet, liegtdie Wotan wie ein Globetrotter im Opernballzwischen auf hochglanz polierten Teakyachten,und die Crew hat Zeit, sich an denfesten und flüssigen Nahrungsmittelreservender Insel gütlich zu tun. Sissi spendiert einAbendessen für die Crew, zieht es aber danndoch in einer Geste nobler Zurückhaltungvor, selbst daran nicht teilzunehmen und dasVolk unter sich zu lassen.Dass wir mit dem Sonnenaufgang NorthBluff von Montserrat runden, hat nicht nurmit der reichlichen Menge an Zielwasser zutun, mit denen wir uns gründlich vorbereitethaben, hier stören auch keine zu Schiffs-Hause. Sissi und ich rundeten derweil dieInsel per Boot und gönnten uns einen Tagim Mietauto, um auch im Inland nur nixSehenswertes auszulassen. Abends gab’s einekleine Bootparty (die im Nachhinein ehganz schön teuer gekommen ist...) und ichdarf mich wundern, wie untrainiert meineLeber immer noch auf die Cocktailpalettereagiert. Gut, dass zumeist vor dem Frühstückeine Runde Schwimmen drin ist, sonstschmeckat’s ma gor net.„Captain auf der Brücke“ heißt’s baldwieder, der Passat bläst uns mit schlagendenSchoten und zerfallenden Leitblöckennordwärts.Der Urlaub scheint im Gleichklang derTage schon ewig zu dauern und das fühlinglicheEuropa unendlich fern zu sein.Während wir aus unseren Badehosen nicht■ 28


herauskommen, erreichen uns immer wiederfernelektronische Hiobsbotschaften von denWetterkapriolen zuhause; so ein warmerFrühling könnt ich alle Jahre gebrauchen!So schnell’s geht (und trotzdem zweiTage hinter dem Zeitplan) laufen wir nachSt. Martin ab. Der Legende nach haben sichnach sinnlosen Kriegswirren der französischeund der holländische kommandierendeOberbefehlshaber mit je einem Flascherlheimischem Hochprozentigen in der Mitteder Insel getroffen, und die Gebietsaufteilungbesprochen. Wie’s scheint, hat wohlder Franzose die „besseren Argumente“besessen, jedenfalls gilt die Insel als Einkaufsparadies– besonders für amerikanischeTouristen – was dadurch auffällt, dass Euround US-Dollar 1:1 getauscht werden...Für uns, die Gelegenheit, mit Alex Beguschdie Atlantikcrew zu erweitern. Natürlichwerden die Tage zum Bunkern genutztund die Nächte, um bei einem guten Abendessenund etlichen Verdauungscocktails dienötige Bettschwere zu erlangen. Salsa wirdhier mit großer Kunst getanzt - es ist schoneine Augenweide, den Paaren zuzusehen,wie sie in scheinbar zufälligen Figuren überdie Terrasse wirbeln!AM ANFANG WAR DAS WORT……und das Wort war Fleisch geworden.Naja, zumindest roch es stark danach, unserSkipper war stinkesauer und der Chris-Doyle-Karibik-Guide zu nicht viel mehr alszum Fliegen anlocken zu gebrauchen. Wasmüssen auch die Fleischtassen nicht dichtsein und die Crew zu wenig nüchtern zumAufräumen und überhaupt! Es grenzt jaschon fast an Methode, aber nachdem sichNeptun und Aeolus in einer hinterhältigenKommandoaktion in Guadaloupe schonBerndts Navigations-Plotter geholt haben,leiden die Navigationsutensilien unterstarker Schwindsucht.Nur zu gut, dass jedes neue Crewmitgliedauch gleich einen Satz „Zeichenunterlagen“mitbringt!Mit 2 Tagen Verspätung holen wir dannschließlich Werner in Road Harbour/Tortolaab. Verzweifelt ließ er schon nach derösterreichischen Segelyacht Lorelei ausallen Häfen Funksprüche absetzen. Nur zuschade, dass die kroatische Yacht Wotan (aufder wir uns befanden) ein defektes – unddaher fast immer ausgeschaltetes - Funkgerätbesaß...Nun, die Crew war komplett, keinWunder, dass wir das ordentlich begießenmussten und so volle zwei Tage zwischenSteg und Marinarestaurant hin und herpendelten. Unvergessen bleibt der Abend,als wir das Restaurant um dessen Vorräte anCarib-Bier restlos erleichterten, dafür anschließendmit den Gartenstühlen im Poolsaßen und uns die Cocktails auf schwimmendenInseln (Schwimmreifen + Mülleimerdeckel)servierten.STATISTIKYachtRouteBavaria 50 WotanMartinique – Guadeloupe – St. Martin - TortolaZeit 2. – 17. April 2005Meilen 605CaptainCrewBerndt WesiakElisabeth Locker – 1. WFFranz GattermayrAlexander Begusch** ab St. MartinSMG N° 629 ■


Die zweite Atlantiküberquerung. Esgeht auch zu fünft. Zephyros und derGolfstrom in einer neuen Fassung von„Denn sie wissen nicht, was sie tun“AB INS BERMUDA DREIECK!Der Atlantik ruft, wir rufen zurück. Soschwer der Abschied fällt, es nütztnix, wir müssen los. Die Tage bis Bermudasind abwechslungsreich – sowohl wind- alsauch wettermäßig. Auch beginnt sich schönlangsam unser Gewissen zu regen und unsdarauf aufmerksam zu machen, dass wir kurznach dem Törn die FB4 – Theorieprüfungzu bestehen hätten. Und trotzdem kostetees anfangs eine unglaubliche Überwindung,dieses wohl auf ein Fass brackiges Bachwasserzusammenschrumpfen. Kurzum, wireinigen uns auf ein Bier pro Person und Tagsowie den üblichen Sundowner (und, eh,Rotwein zu den diversen Nudelsessions)beziehungsweise auf soviel, wie auf zweiMopeds interinsulär transportiert werdenkann. Werner und Franz brechen zur Versorgungstourauf.NORDATLANTIKDie Sonne und eine sanfte Seebrise imRücken tuckern wir durch den wirklichschmalen Kanal aus der Bucht von St.Georges und steuern alsbald Kurs ENE. Dieersten Tage bringen noch herrliches Sommerwetter,obwohl uns der günstige Windnicht mehr sehr gewogen scheint. Im Ge-nichts zu wissen, denn die herbeiprognostiziertenTiefdruckgebiete mit den heißersehnten Westwinden (immerhin sind wirmittlerweile auf der geographische Breitevon Split angelangt) lösen sich täglich inWohlgefallen auf. Dabei haben wir in derWestwindzone ein Anrecht auf Westwind!Oder zumindest den Golfstrom. Aber derhat volltrunken von unseren vielen „Schüttungen“dermaßen die Orientierung verloren,dass Norwegens Kartoffelernte fürheuer ernsthaft in Gefahr ist!Nach einer Äußerung von Sissi bereitetes der „Frühstückswache“ ein besonderesVergnügen, die Crew mit der ganzen Kraftvon 4*50 Watt in den neuen Tag zu geleiten.Tagelang in den Charts verblieben„Das Boot“ (K. Doldinger), „Chariots OfMODULE 10–11VON FRANZ GATTERMAYRSMG N° 6das Nixtun an den „Nagel zu hängen“ unddas Skript aufzuschlagen. Nebenbei hatteBerndt eine anständige Bordbibliothek zusammengetragen,die alles Wissenswerteüber Wetter, Seefahrt und Technik beinhaltete.Aber bei Polfiguren, sphärischen Dreieckenund der Vielzahl an Fachausdrückenverstanden wir erst mal gar nix.Da kam Bermuda gerade recht! Ebennoch den tückischen Riffen an der SE–Küste entronnen, begrüßt uns die Insel miteinem Regenschauer, der alles Dageweseneverblassen lässt. Nach der Beseitigung diversersprachlicher Barrieren (First nameist eben nicht der Nachname, und Beguschmit Vornamen zu heißen wär’ zugegebenermaßenschräg) genossen wir die zwei Tageauf der Insel aus vollen Zügen. Per Mopederkundeten wir die schönsten Strände, testetendie verstreuten Lokale und die Trinkfestigkeitder Einheimischen.An den Urlaub könnt man sich gewöhnen!(Und ein Hoch auf die Kreditkartenkultur)!Wotan liegt unterdessen gut vertäut direktvor der Terrasse eines Hafenrestaurants,das uns im Notfall als letzte Zufluchtsstättedienen könnte. Aber die Bordvorräte sindnoch nicht erschöpft und werden weiter aufgestockt!Besonders in der Getränkebevorratungscheiden sich allerdings die Geister!Spräche unser Durst für eine eigene Proviantbarkemit wohl sortiertem Lager, bei genauererBetrachtung der Kontostände würdegenteil! Jeder Kurs, der zwischen Nord überOst nach Süd weist ist ein Kampf mit Wendewinkelund Ultrahartamwindsegeln undüber eine Woche sieht’s so aus, als könntenwir unsere Nachfolgecrew entweder nachNeufundland oder nach St. Helena bestellen.Als wird dann auch noch die Eisbergwarngrenze(nach Pilot Charts) überfahren, kannnur noch ein schneller „Xichtsaufheller“ dieStimmung in der Mannschaft heben. DieZeit zwischen den postfrühstücklichen Astrogesprächenund der folgenden Appetitwellevertreiben wir uns mit „Bojefangen“.Die tägliche Sichtung wird zur Normalität,in enger werdenden Kreisen wird die Bojeverunsichert und dann so oft angefahren, bissie - von einem auf dem Vordeck liegendenCrewmitglied - per Hand gefangen wird.Klar, dass die Manöver einer besser beherrscht,als der andere, klar, dass die letzten30 Versuche der Skipper für sich „reserviert“,was bei der Mannschaft krampfende Oberarmeund schwielende Handflächen hervorruft.Nur Werner zieht sich einige Maleschmollend zurück, nicht zuletzt, weil erseinen Zeitplan (am 26. Mai im Flugzeugnach Hause zu sitzen) arg in Gefahr sieht.Je mehr wir aus den recht fragwürdigenFragelisten des ÖSV zur FB4 - Prüfunglernen und Berndts Bordbibliothek studieren,umso mehr fühlen wir uns auchmeteorologisch versiert, was uns immerhäufiger zu Wetter- und Windvorhersagenfür die nächsten Tage verleitet. Allerdingsscheint Petrus von unserem Wissen nochFire“ (Vangelis) sowie die Titelmusik aus„Conquest Of Paradise“ (Vangelis). DieAufwachphase lag dabei jeweils im Millisekundenbereichund die Breite des Grinsensin den Gesichtern der im Cockpit versammeltenCrewmitglieder stand in direktemZusammenhang mit der Breite der Augenringeder „Neuankömmlinge“…STURM!Nichtsdestotrotz zeigte sich Aeolus dochnoch etwas bemüht um uns. Das heiß ersehnteSchlechtwetter näherte sich mitlangsam steigenden Windgeschwindigkeitenund gipfelte in einer halben Stundebei Bft. 10. Alex und Franz nutzten die Zeitin einer jedes Katholiken unwürdigen Seriean Flüchen zum Geschirrwaschen, weil sichim Salon neben den üblichen 400 LiternSeewasser eine bunte Mixtur an Lebensmittelnmit oder ohne zugehörigem Geschirrverteilte.Die Bezeichnung SALON war in jenenTagen generell eine Beschönigung sondergleichen.Der Umstand, dass die Bilgepumpeauf der „falschen“ Seite montiert war unddeshalb stets hoch im Trockenen lag kostetebereits mehreren Kühlschrankaggregatendas Leben. Als Folge davon stieg das Wassersowohl in der Bilge, als auch im „Hochbehälter“(Kühlschrank), der sich im Laufe derTage in einen Eintopf aus offenen, leckgeschlagenenund frischen Lebensmitteln verwandelte.Schade, dass wir keinen versierten■ 30


Biologen an Bord hatten - die Entstehungdes Lebens hätte reproduzierbar mitverfolgtwerden können!Wurde länger als einen halben Tag nichtgelenzt (ohne auf die Uhr sehen zu müssenkonnte man das daran erkennen, dasssich Alex in der Freiwache statt in seinenSchlafsack in mehrere Bahnen der Reservegenuawickeln musste) trat auch in denAnschlussorten „Achterkabine Stb.“ bzw.„~ Bb.“ Hochwasser ein und unsere Ausrüstungmusste samt und sonders in eine Ebenehöher der Kojen verfrachtet werden.Ein anderes Aha - Erlebnis war dassich unter stetem „Wopp - Blopp“ auf undab bewegende steuerbordseitige GFK -Deck. In ursächlichem Zusammenhangstand dabei das sich mitbewegende Rüsteisenund dessen - höflich ausgedrückt -etwas lose Verschraubung mit dem Rumpf.Wieder einmal in die undankbare Rolle desKleinsten an Bord gezwängt, fand Alex nachlängerem Suchen die Kontermutter in derBilge hinter „Müllecke“ und Kühlschrank,die zweite Mutter quietschte in den letztenWindungen. Unnötig zu erwähnen, dass dieLage eine Benützung von Werkzeug zumFestziehen der Verschraubung unmöglichmachte… Beinahe wären wir auf diese Weisezu einer Kabrio-Yacht mit Pool gekommen.Bavaria lässt grüßen!DIE ERSTE AZOREDie letzten Tage vor den Azoren bringengutes Segelwetter und beständigen Westwind- endlich der Richtige für unserenKurs! Von der Meldung „Flores, Acores, inSicht“ bis zur Landung in Horta auf Faialvergingen noch fast zwei Tage, aber dasGrün der Küsten und die Schattierungender Wolken waren eine Augenweide. Außerdemfand sich Alkohol nur noch in medizinischerDosis an Bord - auch ein Grundfür das Landbedürfnis der Crew.Der Aufenthalt in Faial brachte einigesan Arbeit mit sich. Der Lebensmittelvorratmusste ergänzt und Segel wollten geflicktwerden. Berge schmutziger Wäsche wartetenauf die Maschine, die Ruderanlage musstenachgestellt werden. Die gesamte Innenausstattungmusste getrocknet werden, ausden Polstern tropfte bereits das Wasser, unddie Schlafsäcke rochen nicht besser. Nichtzuletzt galt es, die Heimflüge von Spanienzu organisieren. Werners 6 Urlaubswochengingen zu Ende, er bezweifelte, dass wir dasFestland rechtzeitig erreichten und erwogeinen Abbruch der Reise.Mit viel Kopfweh (und des kriagt ma nitvom Arbeiten) konnten wir Yacht und Ausrüstungin zwei Tagen wieder einigermaßenauf Vordermann bringen und legten alsbaldmit Ziel Gibraltar ab. Fast zwei weitere Tagesegelten wir bei recht gutem Wind an Pico,São Jorge, Terceira und São Miguel vorbei,um dann den Kurs auf Cabo São Vicente ander Südostecke Europas zu ändern.EUROPA…STATISTIKYachtRouteBavaria 50 WotanTortola – Bermuda – Azoren - MálagaZeit 18. April – 31. Mai 2005Meilen 3127 (M 10 bis Horta (Faial) und 1184 (M 11)CaptainCrewBerndt WesiakElisabeth LockerFranz GattermayrAlexander BeguschWerner Mojzischek** bis Vilamoura (Portugal)Wieder sind Delphine unsere täglichen Begleiter,unterhalten sich mit dem Echolotund spielen manchmal auch in größerenSchulen in der Bugwelle. Ihr Schnatternkönnen wir in den Kabinen hören, eine überraschendeTatsache! Genau so oft herrschtallerdings auch Flaute und spiegelglatte See.Dann ist’s Zeit für die Suche nach Schildkröten,die sich durch unsere Anwesenheitnicht stören lassen und gemächlich auf entgegengesetztem Kurs ihrem Ziel entgegenpaddeln,und den Portugiesischen Galeeren,einer Quallenart, die den Namen ihrer Formverdankt.Sogar ein Wal beobachtet uns beim Bojefangen,was augenblicklich eine Flut anBefürchtungen und Schauergeschichtenhervorruft, als gehörte Moby Dick in Yachtie- Kreisen zur täglichen Gefahr. Aber derWal dürfte unseren Schreck wohl bemerkthaben und geht diskret auf Tauchstation.Als endlich das Festland in Sicht kommt,hat für die sorgsam gehütete Flasche Sektund unsere Siegeszigarren das letzte Stündleingeschlagen. Ojee, der Urlaub ist baldaus!Erst gegen Abend gehen wir in Vilamouraan Land. Werner will nächsten Tagvon Porto seine Rückflüge erwischen undsomit steht nach der Internetbuchung einletztes gemeinsames Abendessen am Programm.Es endet, wie die meisten geendethaben… Jedenfalls klagt Mojzi noch denganzen nächsten Tag über Landkrankheitund flauen Magen, Sissi vergisst auszusteigenund auch Alex erblickt das Licht der Welterst kurz vor Sonnenuntergang. Da hörenwir bei verdüstertem Himmel aber bereitseinige Pan-Pan Rufe in der Strasse von Gibraltarund steuern - gejagt von Containerfrachtern- Ceuta an der nordafrikanischenKüste an. Die spanische Provinz in Marokkoliegt schon in der nächtlichen Ruhe, als wiranlegen, das Abendessen „renkt“ unsereMägen aber endgültig wieder ein.Mit günstigem Diesel und Jause versorgtsetzten wir nach Gibraltar über und dreheneine Runde im Hafenbecken. Leider ist dasWetter absolut fotountauglich, nur der Wüstenwindbringt etwas Farbe auf die Wotan.Der Küste entlang motoren wir (der Gegenwindhat uns wieder) nach Benalmádena,wo wir die Nacht verbringen. Ein letzterVersuch, ob Alex’ oder meiner Kreditkartenoch etwas Bares zu entlocken ist, machtden Versuch, die Bordkassa abzuschließen,schnell zunichte, somit bleibt als nächsterHafen Málaga. Wir versuchen unser Glück,einen Liegeplatz für die nächsten Tage zubekommen, der Tag endet aber mit meinemAbschied, weil mein Flug nach Hause unmittelbarbevor steht und einer Suchfahrtnach einem Liegeplatz, die den Rest derCrew und die Wotan noch gut 30 Meilenostwärts bringen sollte.Mit gemischten Gefühlen und einemübervollen Seesack am Buckel spaziere ichdurch die Altstadt von Málaga - ich kann’snoch gar nicht fassen, dass 8 Wochen Segelnso schnell vorbei sein können…SMG N° 631 ■


MIRNO MORE 2005VON ANGELICA REICHELTSMG N° 6Die SFV Strongbow ist Mitglied beiMirno More, einem Verein, der benachteiligtenKindern zu Segelfreudenverhilft und auf diese Art, den Abbauvon Grenzen und Vorurteilen fördert.2005 nahmen wir erstmals an derjährlich veranstalteten „Friedensflotte“teil.Schon öfters hatten Berndt und ich dieIdee gehabt, mit Kindern segeln zu gehenund zwar mit solchen, die benachteiligt sindund sonst nicht zum Segeln kommen.Also war Mirno More eine gute Gelegenheit,dies einmal auszuprobieren. DerVerein Mirno More organisiert seit überzehn Jahren einmal jährlich die Friedensflotte,also Flottillensegeln mit Kindern.Ursprünglich waren es einige wenige Schiffemit Kindern aus den gerade vom Kriegheimgesuchten Nachfolgerstaaten des ehemaligenJugoslawien, heuer nahmen bereits67 Schiffe mit Kindern aus Bosnien, Kroatien,Serbien, Deutschland und Österreichteil.Wir fuhren also mit fünf Buben im Altervon 8 – 13 Jahren und zwei Tanten aus demHeilpädagogischen Zentrum Hinterbrühlnach Kroatien.In der Marina Kornati in Biograd warteteein wunderschönes neues Schiff, einSun Odyssée 43 DS namens Chardonnayauf uns.Unser erstes Ziel war Zlarin, eine hübschekleine Insel mit Feigenbäumen undalten Steinhäusern, auf der wir einen ruhigenAbend und Vormittag verbrachten.Weiter ging’s nach Vodice, wo am Mittwochein Riesenprogramm für alle Teilnehmer geplantwar.Das einzig Störende war die eiskalteBora, die uns um die Ohren pfiff, sonst warder Tag ein schönes gemeinschaftliches Erlebnis,das in einem Friedensfest am Hauptplatzmit Musik, Tanz und Aufführungender Kinder einen gelungenen Ausklangfand.Am nächsten Morgen gab es zum Abschlusseine Formationsfahrt aller 67 Schiffevon Vodice bis Jadrija vor Sibenik.■ 32


Den Nachmittag verbrachten wir mitBaden bei einer Burg, wo unser „Seehund“Selim mit einem großen Plastikkrokodilkämpfte und es erlegte.An Sibenik vorbei fuhren wir den FlußKrka hinauf bis nach Skradin. Die Kinderhatten einen Riesenspaß, weil wir ihnen erlaubten,mit dem Dinghi neben uns her zufahren.Am Abend gingen wir alle gemeinsam inein gemütliches Restaurant, auch das war fürdie Kinder ein Erlebnis.Für Berndt und mich war es eine Freudezuzuschauen, wie die sogenannten „schwierigen“Kinder von Tag zu Tag aufblühten,lachten und Selbstvertrauen gewannen, auchdadurch, dass wir sie ermutigten am Schiffzu helfen, ihre Fragen beantworteten undihnen ihren Spaß ließen beim Schwimmen,vom Boot Springen und so weiter.Nachdem wir am nächsten Morgen ineiner Taverne gefrühstückt hatten, fuhrenwir mit einem Ausflugsboot zu den KrkaWasserfällen, die uns alle sehr beeindruckten.Eine gemütliche und ruhige Segelfahrtbrachte uns auf die Kornaten, wo wir inder Bucht Opat anlegten. Berndt und ichgingen essen und als wir zurückkamen gabes eine kurze Aufregung, weil einer der Burschen„abgängig“ war. Das Problem war aberbald gelöst, wir fanden ihn auf einer Stufesitzend, er wollte einfach seine Ruhe habenund nachdenken. Ich setzte mich zu ihmund wir redeten über das Leben.Kurz zu den Kindern: Der Jüngste warDavid, 8 Jahre alt, ein pfiffiger, dunkelhaarigerBub, der uns mit seinen Bemerkungenund seiner „Vorliebe“ für Fischpalatschinkenoft zum Lachen brachte. Er avancierteschnell zum Ersten Rudergänger der Chardonnay.Marcel war der Stillste und Unauffälligsteder Gruppe. Alex, ein sommersprossiger,lustiger Bub, liebte es, vom Schiffzu springen und zu schwimmen. Außerdemredete er gern und viel. Christopher war einaufgeweckter, wissbegieriger Knabe, der vieldazulernte in dieser Woche. Und Patrickwar ein sensibler, ruhiger Jugendlicher, mitdem man besonders gut reden konnte.Alle waren ausgesprochen liebe, hilfsbereite,höfliche und herzliche Kinder, keinbisschen „schwierig“. Sie waren mit einerBegeisterung bei der Sache, wie man sie beiErwachsenen nur selten findet.Am nächsten Morgen wachte ich frühauf und machte mit Christopher undSelim einen Morgenspaziergang auf denGipfel des Opat. Von dort oben hattenwir eine wunderschöne Aussicht auf dasvon der Sonne beschienene Meer und dieMondlandschaft der Kornaten. Späterschwammen wir, schnorchelten und fuhrenmit dem Dinghi herum bis wir schließlichaufbrechen mussten.Durch die Inselwelt der Kornaten segeltenwir zur Luka Zut, in der Berndt undich mit Patrick und David an Land fuhrenund in einem entzückenden kleinen Lokaleinen herrlichen Fisch verspeisten.STATISTIKYachtRouteBénéteau Sun Odyssée 43 DS ChardonnayBiograd – Zlarin – Vodice – Skradin – Kornati – BiogradZeit 18. – 25. September 2005Meilen 120CaptainCrewBerndt WesiakAngelica Reichelt – 1. WFSelimElfriede DragositsIrma HehingerDavid FreitagChristopher GlatzlAlexander KralPatrick KralMarcel GrieseEs wurde spät und die Kinder kamendoch noch zu ihrer heißersehnten, aber vonden Tanten abgelehnten, Nachtfahrt zurücknach Biograd.Alle saßen gemütlich in Decken gehülltim Cockpit, während David glücklich undstolz das Schiff steuerte.So nahm diese gelungene und erfolgreicheWoche ein schönes Ende.SMG N° 633 ■


AUSBILDUNGWie bereits im Leitartikel angesprochen, ist die Ausbildung imRahmen der Seefahrervereinigung Strongbow seit Sommer2005 Sache der Seefahrtsschule Strongbow Sailing.Das Kurssystem ist im wesentlichen gleich geblieben, im Rahmenunseres Atlantikprojekts wurde das Angebot um FB 4–Themen wieAstronomische Navigation erweitert, dafür haben wir – im Sinneder Steigerung des Qualitätsniveaus – die Kroatischen Sportbootführerscheineaus dem Programm genommen.Das Ausbildungsteam der Seefahrtsschule Strongbow Sailing bestehtaus Berndt Wesiak und Raimund Bröthaler aktuelle Informationengibt’s auf der Website der SFVS – www.sfv-strongbow.com– unter Ausbildung.Die im Seemannsgarn übliche Erfolgsstatistik fällt diesmal aufGrund der zeitlichen Inanspruchnahme durch das Atlantik-Karibik-Projektin quantitativer Hinsicht etwas kleiner aus also sonst,dafür haben erstmals ÖSV-FB4-Prüfungen veranstaltet .Seit Erscheinen der letzten Ausgabe des Seemannsgarns gibt esalso:2 Absolventender ÖSV-Theorieprüfung FB 34 Absolventender ÖSV-Theorieprüfung FB 42 Absolventender MSVÖ-Zusatzprüfung TechnikDie dazugehörigen Praxisprüfungen sind für die erste Jahreshälfte2006 geplant, wie auch die Theorie- und Praxisprüfungen derderzeit laufenden ÖSV-FB 3-Kurse B11 und B12.KURSANGEBOTÖSV- UND MSVÖ-BEFÄHIGUNGSAUSWEIS FB 2/3 („B-SCHEIN“)Die Kurse werden als FB 3-Kurse, geführt, wer nur den FB 2 machen will, hat ein bisschen weniger zu tun.TheoriePraxisAbendkurs über ca. 4–5 Monate mit jeweils einem Abend pro Woche, insgesamt 20–25 Abendeoder Intensivkurs über ca. 5 Wochenendenoder Theorie in der Praxis: Kurs teilweise auf Törns, kombiniert mit Abend oder IntensivkursAbschluss jeweils mit TheorieprüfungEinwöchiger Praxiskurs auf einer der Teilnehmerzahl entsprechenden Segelyacht. Abschluss mit PraxisprüfungVoraussetzungen Theorie offiziell keine; Erfahrung, Grundkenntnissesind von VorteilÖSVMSVÖPraxis FB 2 500 Seemeilen 500 Seemeilen3 Nachtfahrten 3 Nachtfahrten20 BordtagePraxis FB 3 1000 Seemeilen 1000 Seemeilen5 Nachtfahrten 5 Nachtfahrten100 Seemeilen 100 Seemeilenaußerhalb des FB 2 außerhalb des FB 230 Bordtage 14 BordtageDas alles kann auf Törns ab dem vollendeten 14. Lebensjahr erworben werden. Fehlende Meilen, Tage usw. können teilweiseim Kurs absolviert werden.SMG N° 6Wichtig!Für alle, die die „alten“ Prüfungsordnungen noch im Kopf haben: Die Meilenerfordernisse wurden angeglichen, das heißt beim ÖSVweniger und beim MSVÖ mehr. Und: Es gibt wieder die Bordtage, ihr müsst also mehr segeln■ 34


ÖSV – SEGELFÜHRERSCHEIN ASegeln lernen auf unseren Clubjollen. Theoriekurse in Wien, Praxiskurse imSegelzentrum Wien an der Neuen Donau und in Oggau am Neusiedlersee.Wenn der A-Schein formell auch nicht mehr Voraussetzung für die B-Theorieprüfungist, empfehlen wir doch jedem Schiffsführer in spe, auf diese Arteinmal wirklich segeln zu lernen. Was hier verabsäumt wird, ist auf Yachtenkaum nachholbar.ASTRONOMISCHE NAVIGATIONERSTE HILFEDer wesentliche Teil des Upgrades von FB 3 auf FB 4 – Weltweite Fahrt.Und eine nicht nur für Nostalgiker interessante sondern durchaus sinnvolleund praktikable Ergänzung zur terrestrischen und elektronischen Navigation,weit unkomplizierter als allgemein angenommen wird.Der Vollständigkeit halber, hier die Praxisvoraussetzungen für den FB 4:3500 M, davon 200 außerhalb FB 2 in 2 Revieren, 200 außerhalb FB 3in einem 3. Revier,10 Nachtfahrten und 70 Bordtage (für beide Verbände gleich, außerdie Reviere bei den Überfahrten, die nur beim ÖSV gelten; alles ab demvollendeten 14. Lebensjahr)Erste Hilfe - Maßnahmen auf See, derzeit zwar nicht der vom ÖSVvorgeschriebene Kurs zur Erlangung der diversen BFA, aber durchaussinnvoll, weil hier nicht nur auf die allgemeine Erste Hilfe, sondern auf diebesondere Situation auf See - längere Wartezeiten auf ärztliche Hilfe vonaußen -, auf Seekrankheit und auf den Inhalt einer gut sortierten Bordapothekeeingegangen wird.Global Maritime Distress and Safety System – das internationale satellitengestütztedigitale Seenotrettungssystem wird in wenigen Jahren endgültigUKW-Sprechfunkkanal 16 als Notrufkanal ablösen. Kurs in Kooperation mitder Motorbootfahrschule Wolf, Prüfung bei der Österreichischen Fernmeldebehördein Wien können jetzt schon absolviert werden.GMDSS – KURSPRAXIS-, MEILENTÖRNS, ÜBERFAHRTEN, LANGSTRECKENSEGELNGlobal Maritime Distress and Safety System – das internationale satellitengestütztedigitale Seenotrettungssystem ist seit Februar 1999 in Betrieb undwird in naher Zukunft endgültig UKW-Sprechfunkkanal 16 als Notrufkanalablösen. Kurs in Kooperation mit der Motorbootfahrschule Wolf, Prüfungbei der Österreichischen Fernmeldebehörde in Wien.Törns zur Erlangung von Prüfungsvoraussetzungen, Tipps für die Praxis zuCrewzusammensetzung und -einteilung auf längeren Törns, zu Wachsystemen,Bunkern und so weiter.SKIPPERTRAININGKATAMARANTRAININGHalb- bis einwöchige Törns zur Festigung der unabdingbaren Fähigkeitenund Kenntnisse jedes Skippers: Hafenmanöver, Segelmanöver, Mann-Über-Bord-Manöver und -aufnahmetechniken, Tipps für die Übernahme einerCharteryacht, rechtliche Bestimmungen und vieles mehr.Für alle, die vor dem ersten Törn mit einem Katamaran, eine professionelleEinweisung in die Eigenheiten dieser immer beliebter werdenden Yachtenerhalten wollen.SMG N° 635 ■


WINTER 2006-07ROTES MEERINDISCHER OZEANSEYCHELLENInfoauf der SFVS-Website www.sfv-strongbow.comim SFVS-Newsletter,bei der Projektleitung:Berndt WesiakT +43 676 409 0065E berndt.wesiak@sfv-strongbow.comPeter CzipinT +43 664 3560396E pczipin@utanet.atIm Rahmen der SeefahrervereinigungStrongbow wird auch heuer wieder ein nautischesGroßprojekt veranstaltet, um allenMitgliedern und Freunden die Möglichkeitzu geben, dem tristen Winterwetter nördlichdes Alpenhauptkammes zu entfliehen.Nachdem wir in der Wintersaison 2004– 05 den Atlantik und die Karibik kennengelernt haben – 39 Teilnehmer segelten insgesamtcirca 12.000 Meilen – geht’s heuer indie andere Richtung:Wir starten am 7. Oktober in Salerno,segeln über Cypern und den Suezkanal insRote Meer, wo es einige kombinierte SegelundTauchmodule im November gebenwird.Ende November geht’s weiter in den IndischenOzean, zu Weihnachten werden wirauf den Seychellen sein und dort bis MitteMärz bleiben.Die Rückfahrt entlang der selben Routeendet am 28. April in Salerno.Das Projekt ist wie üblich in Moduleeingeteilt, erfahrene Mitglieder der SFVStrongbow fungieren als Schiffsführer, dieTeilnahme steht wieder allen Mitgliedern,aber auch Freunden, offen.Auf den Seychellen und im Roten Meerist es auch wieder möglich, bareboat zuchartern.DAS SCHIFF:Wir haben diesmal eine zweijährige Océanis411 der italienischen Charterfirma South-Star, die 8 Personen in Kabinen Platz bietetund selbstverständlich technisch und ausrüstungsmäßigauf dem letzten Stand ist.DAS PROJEKT:Veranstalter des Projekts sind Berndt Wesiak,Commodore der SFV Strongbow, undPeter Czipin, Inhaber von CzipinCharter.Die Seefahrervereinigung Strongbow dient,bewährterweise, als Informations- und Kontaktplattform.Modul Datum Route Distanz in Meilen Preis pro Person1 7. – 21. Okt 2006 Salerno – Larnaca 800 EUR 600,-2 21. – 28. Okt. 2006 Larnaca – Larnaca EUR 350,-3 28. Okt. – 4. Nov 2006 Larnaca – Port Said – Suezkanal – Sharm el-Sheikh 550 EUR 350,-4 4. – 11. Nov. 2006 Sharm el-Sheikh – Sharm el-Sheikh EUR 400,-5 11. – 18. Nov. 2006 Sharm el-Sheikh – Sharm el-Sheikh EUR 400,-6 18. – 25. Nov. 2006 Sharm el-Sheikh – Sharm el-Sheikh EUR 400,-7 25. Nov. – 23. Dez. 2006 Sharm el-Sheikh – Seychellen 2700 EUR 800,-8 23. Dez. 05 – 6. Jan. 07 Seychellen EUR 1.000,-9 6. – 20. Jan. 2007 Seychellen EUR 950,-10 20. Jan. – 3. Feb. 2007 Seychellen EUR 950,-11 3. – 17. Februar 2007 Seychellen EUR 950,-12 17. Feb. – 3. Mär. 2007 Seychellen EUR 950,-13 3. – 17. März 2007 Seychellen EUR 950,-14 17. März – 14. April 2007 Seychellen – Port Said 3000 EUR 800,-15 14. - 28. April 2007 Port Said – Salerno 1000 EUR 600,-BAREBOAT Möglich auf Modulen 4 - 6, 9 - 13 Preis/Schiff/Woche EUR 2.650,-

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine