Gegen den Strom - Diakonie Dresden

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Gegen den Strom - Diakonie Dresden

AN(GE)DACHT„mit dem Strom“So lebt es sich leichter! Oft habenwir ein gutes Gespür dafür, wasgerade angesagt ist. Wenn wir dannsagen, was allgemeine Meinung ist,dann können wir gut „mit dem Stromschwimmen“. Wer sich dem Mainstreamanschließt, der hat es schlichteinfacher. Er fällt nicht auf. Er mussseine Meinung nicht begründen, jaandere Menschen fragen gar nicht erstnach.Manchmal habe ich im Gespräch mitMitarbeiterinnen und Mitarbeitern denEindruck, sie sagen das, von dem siemeinen, dass der Direktor es hörenmöchte. Ein wirklicher Dialog entstehtnicht, eher ein oberflächliches Gerede.Und das Gespräch führt uns keinenSchritt weiter. Es gibt dann keinenehrlichen Gedankenaustausch, deruns beide zum Nachdenken anregtund dadurch gegenseitig bereichert.Aber sicher, es lebt sich ruhiger undentspannter, wenn gesagt wird, wasder andere wahrscheinlich gerne hört.Es sind keine besonderen Erklärungennotwendig. Aber wir haben dieChance voneinander zu lernen wiedereinmal verpasst.„gegen den Strom“Da wird es schnell anstrengend, wiedas Bild schon sagt. Wer gegen dieStrömung schwimmt oder rudert, dermuss viel Kraft aufwenden. Er spürtWiderstand, vielleicht sogar Unverständnis.Wer seine Gedanken gegendie allgemeine Meinung vertritt, derwird auffällig und angreifbar. Er musseinen klaren Standpunkt haben, umnicht umgeworfen zu werden. Esmacht nicht nur Mühe, sondern es bedarfdes Mutes. Und doch erlebe ich immerwieder, dass gute neue Lösungen vonschwierigen Fragen nur in einer konzentriertenund zielführenden Auseinandersetzungerlangt werden können. Nur dann kommenwirklich alle Aspekte und Sichtweisen zurSprache, werden gehört, bedacht undabgewogen. Erst wenn ich den Widerstandwahrnehme und überwinde, erlange ichwirklich das Ziel.Jesus handelt „gegen den Strom“Jesus erzählt ein Gleichnis, indem ein WeinbergsbesitzerTagelöhner anstellt. Die erstenam frühen Morgen. Im mündlichen Arbeitsvertragwird ein Silbergroschen vereinbart.Dann stellt er in der Mitte des Vormittagsund wieder zur Mittagszeit und sogar amNachmittag immer wieder neue Arbeiterein. Schließlich ist Feierabend. Diejenigen,die nur wenige Stunden gearbeitet habenerhalten jeder ihren Silbergroschen. Undschließlich diejenigen, die den ganzen Tagin der Hitze der Sonne schwer geschuftethaben, bekommen auch den vereinbartenLohn, einen Silbergroschen. Aber sie sindwütend und sehr verärgert. Sie meinen, esstände ihnen mehr zu, da ihre Leistung vielhöher gewesen sei, als die der anderen. Vertraglichliegen sie falsch, denn der mündlicheArbeitsvertrag wurde eingehalten. Vominneren Gerechtigkeitsgefühl kann ich denÄrger gut nachvollziehen.Warum handelt Jesus gegen das Gefühl fürGerechtigkeit? Warum verursacht er diesenÄrger? Warum gegen die allgemeine Meinung?Jesus geht es nicht darum, Oppositionzu spielen, damit er Aufmerksamkeiterlangt. Das wäre reine Selbstdarstellungauf Kosten anderer. Verständlich wird diesesGleichnis, wenn Sie bedenken, wie hoch dieKaufkraft eines Silbergroschens damals war.Dieser reichte aus, um einen Tag eine Familiezu ernähren. Jesus handelt also so, damitbei allen Tagelöhnern eine eintägige Grundsicherunggewährleistet ist. Dieses ist ihmwichtiger als der Ärger. Dafür „schwimmter gegen den Strom“. Und dieses Gleichnissteht für das Reich Gottes, in dem niemandmehr Hunger und Not leiden wird.„gegen den Strom“ muss einen Sinn habenMir ist an der Erzählung wichtig, dass eseinen Sinn haben muss, „gegen den Strom“zu handeln und dadurch Widerstand in Kaufzu nehmen. Selbstzweck darf es nicht sein.Aber wenn es dem Leben dient, dann istes notwendig. Ja, Gott erwartet von uns„gegen den Strom“ zu agieren.Wenn wir der Überzeugung sind, dass dasHandeln eines Kollegen oder einer Führungskraftnicht gut und weiterführend ist,dann muss dieses angesprochen werden.Wenn wir erleben, dass sozialpolitischeEntscheidungen kritikwürdig sind, dannsprechen wir dieses als Diakonie an. Inanständiger und gut durchdachter Weise,das kann jeder von uns erwarten, aber mitnötigem Nachdruck und Standfestigkeit.Das bedarf oft des Mutes, denn Widerstandkommt schnell, manchmal auch zusätzlichdurch die Medien. Aber als Mitarbeiterinnenund Mitarbeiter der Diakonie sind wirdem Leben verpflichtet. Dieses hat uns Gottgeschenkt und wir setzen uns dafür ein,dass viele Menschen mit dem Geschenkdes Lebens gut umgehen können. „Gegenden Strom“ – wenn es dem Leben dient, nurdieses Verhalten hilft uns untereinander undin unserer Gesellschaft weiter.Ihr Pfarrer Christoph StolteDirektorQuelle: pixelio.de Marianne J.1. Ausgabe Juni 2013 2

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