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ROOT CAUSES – 3 DIMENSIONS - Österreichs Bundesheer

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Der jetzige Parteichef

Der jetzige Parteichef der DPK, Mas’ud Barzani, wurde 1946 in Mahabad im Iran geboren. Er stammt mütterlicherseits von den Zibari, den Erzfeinden der Barzanis, 193 ab und wuchs mit seiner Mutter bei ihnen auf, als sich sein Vater in der Sowjetunion aufhielt. 194 Latto und Arschad Zibari, deren Vater von Mulla Mustafa Barzani getötet worden war, nutzten zunächst jede Gelegenheit, um den Barzanis zu schaden und engagierten sich daher auf Seiten des irakischen Regimes. 195 Mas’ud gelang es aber aufgrund seiner familiären Bindung an die Zibari, den alten Streit beizulegen. Heute findet man wichtige Zibaris, wie Hoschyar Zibari in den Reihen der Spitzenkader der DPK. Die Kurden aus Barzan verließen sich also wie ihr großer Gegenspieler in Bagdad lieber auf Familien- und Stammesbindungen als auf Parteiprogramme, wenn es um Loyalität ging. Die Sippe Dschalal Talabanis, des Vorsitzenden der PUK, stammt aus der Region Kirkuk Köy Sandschaq. Er verdankt der Bekanntheit seiner Familie viel für seine politische Karriere. Andere Talabanis, Mukarrem Talabani und Nakman Talabani, waren prominente Mitglieder der irakischen Kommunisten. In den 70er Jahren war Mukarrem sogar kurze Zeit Kabinettsminister. 196 Die Talabani sind eine Dynastie von Scheichen, die einem anderen in Kurdistan aktiven Derwischorden angehört, nämlich den Qadiris. 197 Ihre Stammesbindungen scheinen nicht so stark zu sein wie die der Barzani, was für den soranisprachigen Süden typisch ist. Der persönlichen Hass zwischen Dschalal Talabani und Idris Barzani, 198 der viel zur Spaltung der DPK und zum kurdischen Bürgerkrieg Ende der 70er Jahre beigetragen hat, steht aber in keinem Zusammenhang mit ihrer Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Derwischorden. Dschalal Talabani hat sich zeitlebens als moderne, linke Alternative zum aristokratischen Stammesfürsten Mulla Mustafa Barzani präsentiert. Seine Nichten wurden gemeinsam mit den Barzanis 1980 umgebracht. 199 Die aus der Region Suleymaniya stammenden Barzindschis sind eine der ältesten und einflussreichsten Familien Kurdistans, die sich auch international (Mekka und Medina) als Gelehrte einen Namen gemacht haben und traditionellerweise Scheiche der Qadiriya sind. Scheich Mahmud Barzindschis wurde in den 1920er Jahren so mächtig, dass er den Spitznamen „König von Kurdistan“ bekam. Sein Sohn Scheich Latif provozierte mit seiner Ausbeutung einen Aufstand der abhängigen Bauern, den die Kommunisten unterstützten (1948). Seltsamerweise wurde er in den 60er Jahren als Sympathisant der KP bekannt. Obwohl er kurdischer Nationalist war, wollte er die Barzanis nicht unterstützen. Sein Sohn Scheich Kawe kämpfte auf Seiten Bagdads gegen die Barzanis und wechselte 1982 zu den Iranern, kehrte aber bald zurück und schloss sich den kurdischen Sozialisten der KSP an, auf deren Seite er fiel. 200 Heute findet man mehrere weniger prominente Mitglieder der Familie in fundamentalistischen Organisationen. Scheiche wie Aghas bildeten von Zeit zu Zeit paramilitärische Einheiten, die je nach Stellung zur kurdischen Unabhängigkeit als peschmerga „[die] vor dem Tode [stehen]“ oder dschasch „kleine Esel“ (offizieller Titel: Fursan Salahaddin/Ritter Saladins) bezeichnet werden. Nicht wenige Kurden ließen sich von der Regierung als Söldner anwerben. Meistens waren es Arbeitslose, die so ihr Dasein fristeten. Viele Stammesfürsten, die mit den Barzanis verfeindet waren, sahen dies als Chance, zu Waffen und Geld zu kommen. 201 193 Anhand der zur Verfügung stehenden Literatur war es unmöglich, auch nur einen einzigen Stamm zu finden, der kein Feind der Barzanis wäre. 194 Van BRUINESSEN, S. 334. 195 McDOWELL, S. 356. 196 ABURISH, Saddam Hussein, S. 100. 197 Van BRUINESSEN, S. 221f. 198 McDOWELL, S. 317, 344. 199 ABURISH, Saddam Hussein, S. 240. 200 van BRUINESSEN, S. 220f, 328. 201 McDOWELL, S. 312. 39

Die Qualität der Dschasch reichte von gut ausgebildeten Milizionären bis zu Pro-Forma-Verbänden, bei denen die Anführer zwar pro kämpfenden Mann bezahlt bekamen, aber nicht einmal annähernd so viel Truppen, wie auf dem Papier standen, ins Feld führen konnten oder wollten. 202 Außerdem führte die Bewaffnung dieser ausgewählten Stämme dazu, dass einige, die insgeheim mit der Widerstandsbewegung sympathisierten, ihre Waffen und Munition weitergaben oder verwundete Peschmergas pflegten. 203 Kämpfe zwischen den dschasch-Truppen und den Aufständischen waren bis in die jüngste Vergangenheit an der Tagesordnung. Seit Ende der 70er Jahre nutzten Scheiche, die sich und ihre Anhänger von der irakischen Regierung bewaffnen ließen, das Dschasch-System, um areligiöse Gruppen (vorab die Kommunisten) zu bekämpfen. Im Krieg gegen den Iran wurde dieses System weiter ausgebaut und dankbar angenommen, um dem Wehrdienst an der südlichen Front am Schatt al-Arab zu entkommen. Die kurdischen Nationalisten sahen in den Dschasch nur Verräter an der Sache des Kurdentums. Die Wahrheit ist aber nicht so einfach: DPK-Führern gegenüber meinte Hussein Surtschi, dessen Stamm seit jeher als Dschasch eingesetzt war: „My villages are still standing and are still wealthy, my people still dress as Kurds, speak Kurdish and have a good life. Look what your nationalism has done for you. Your villages are destroyed, your people have been forcibly re-settled, you live in exile and you have nothing left. Why call me a traitor?“ 204 Abschließend sei noch bemerkt, dass es sowohl christliche Dschasch als auch christliche (d.h. assyrische) Peschmergas gab. 205 II-2.2.2. Mulla Mustafa Barzani und die alte DPK Die erste Phase des kurdischen Widerstandes ist eng mit Mulla Mustafa Barzani (1903-1979) 206 verbunden. In den Unruhen der 30er und 40er Jahre auch außerhalb des Irak bekannt und berühmt geworden, wurde er bald zum (wenngleich nicht ganz) unumstrittenen Führer der kurdischen Nationalbewegung. Natürlich stellte sich sehr schnell heraus, dass sich seine Stammesinteressen nur schwer mit modernem Nationalismus in Einklang bringen ließen. Ebenso klar war aber, dass er als einziger charismatischer Führer in der Lage war, die Massen zu mobilisieren. Mulla Mustafa schloss sich 1945 der kurdischen Nationalbewegung DPK-I in Mahabad/Iran an, die den einzigen, jemals existierenden Kurdenstaat, die Republik von Mahabad, gründete. Die Demokratische Partei Kurdistans wurde auf Anweisung Mulla Mustafa während seines Aufenthalts im Iran nach dem Vorbild der iranischen DPK-I 1946 gegründet und sollte eine Sammelbewegung für alle kurdischen Bewegungen im Irak werden. Ziel war es, ein geeintes Großkurdistan mit Mahabad als Hauptstadt aufzubauen. Unter städtischen Kurden war dieser Schritt nicht unumstritten, da viele Aktivisten der Ansicht waren, dass es klüger sei, sich mit der irakischen Opposition zu verbünden. 207 Die nationalistisch orientierte DPK-I geriet bald unter sowjetischen Einfluss. Als die Sowjets 1946 aus dem Iran abzogen, schlug zuerst der unabhängigen Republik (Süd-)Aserbaidschan und dann 202 McDOWELL, S. 354f. 203 Ähnliches geschah mit den Dorfschützern in der Türkei. Hierzu: YALÇIN, Soner: Binbaşı Ersever’in İtirafları, (= Die Aussagen des Major Ersever) [türkisch], İstanbul 1994, 10. Auflage 1996, S. 55. 204 McDOWELL, S. 377. 205 Ebenda, S. 381. 206 Für einen hagiographischen Lebenslauf Mulla Mustafa Barzanis siehe die Homepage der DPK/PDK: http://www.DPK.pp.se. 207 Für die verschiedenen Gruppen und Grüppchen und die Entwicklungen, die letztlich zur Gründung der DPK führten, siehe: McDOWELL, S. 295-300. 40

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