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FOTOS: L. SEIBERT

Ein Ort vereinter Gegensätze

Feuer, Wasser, Erde, Luft heißen die vier irdischen Grundelemente.

Bei der Herstellung der wichtigsten Materialien der Neuzeit – Eisen

und Stahl – sind alle vier im Wechselspiel chemischer Prozesse im

Einsatz. Das Weltkulturerbe „Völklinger Hütte“ mitten im Saarland

dokumentiert ein spannendes Kapitel deutscher Industriegeschichte.

Nach seiner Schließung wurde das Eisenwerk zum europäischen

Kulturzentrum erster Wahl.

Rost verbreitet eine

melancholische Stimmung.

Er erinnert daran, dass

selbst ein so hartes Material

wie Eisen vergänglich ist.

Und Rost bildet die Patina,

welche den Gesamteindruck

der Völklinger Hütte

bestimmt. Nachts werden

die bräunlichen Oberfl ächen

von bunten Scheinwerfern

bestrahlt, die ein surreal

anmutendes Spektrum

von Farben und Formen

entstehen lassen.

Aber auch das Werden,

das Gegenteil des Vergänglichen,

zeigt sich in der

Völklinger Hütte. Nachdem

1986 das letzte Roheisen

abgestochen worden ist,

hat man ganze Teile der

Anlage einfach sich selbst

überlassen. Wo früher die

Kokerei mit den höllischsten

Arbeitsbedingungen war,

ist ein Paradies entstanden:

Üppige Vegetation hat sich

in der eisernen Zivilisation

angesiedelt, Kultur und

Natur sind in Dialog getreten.

Mithilfe der Landschaftsarchitektin

Catherine Gräfi n

Bernadotte wurde daraus

ein malerischer Garten.

Der Schwerpunkt des

Weltkulturerbes liegt auf

der Dokumentation der

Eisenherstellung: Multimediashows

zeigen historisches

Filmmaterial, und

Zeitzeugen, die damals in

der Hütte gearbeitet haben,

führen Besucher durch die

Anlagen. Die „Ehemaligen“

haben am eigenen Leib

erfahren, wie es sich anfühlt,

wenn der Hochofen die

Körperfront mit 200 Grad

erhitzt, während eisiger Winterwind

bei minus zehn Grad

am Rücken vorbeizieht. Sie

wissen noch, wie der rote

Eisenstaub schmeckt, von

denen die Hütte Tag für Tag

32 Tonnen in die Luft blies:

Die Völklinger Frauen mussten

ihre Waschtage auf die

Windrichtung abstimmen.

Audiobeschallungen geben

Besuchern einen Eindruck

der originalen Akustik und

Atmosphäre in den Hallen.

Es war nicht leicht, im

Eisenwerk zu arbeiten. Doch

die Portraits von Mitarbeitern

aus den 30er Jahren zeigen:

Man war stolz, auf der Hütt`

zu schaffen. Auch wenn

die Jacke vom Funkenfl ug

Brandlöcher aufwies,

Sicherheitskleidung noch

nicht existierte und der Tod

durch Gasvergiftung drohte:

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