Herausforderungen für eine digitale Jugendbildung - IJAB

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Herausforderungen für eine digitale Jugendbildung - IJAB

Jugend xxx onlineist ein Projekt von IJAB – Fachstelle fürInter nationale Jugendarbeit der BundesrepublikDeutschland e.V. und wird gefördert vomBundes ministerium für Familie, Senioren, Frauenund Jugend.Ziel von Jugend online ist es, den kreativenund kritischen Umgang junger Menschen mitInternet, Multimedia und mobilen Medien sowieihre informationelle Selbstbestimmung zufördern. Jugend online macht Angebote fürJugendliche und Fachkräfte der Jugendarbeit:Mit dem Jugendportal netzcheckers.de stellt dasProjekt einen informellen Lernraum bereit, derjungen Menschen vielfältige Gelegenheit bietet,sich multimedial auszuprobieren. Die Initiativewatch your web will Jugendliche in ihrer Netzkompetenzund im verantwortungsvollen Umgang mitpersönlichen Daten im Internet stärken. Mit denPartnerportalen netzcheckers.net richtet sichJugend online an Medienzentren und Einrichtungender Jugendarbeit, die aktive Medienarbeitmit Kindern und Jugendlichen machen möchten.Informationen und Termine aus dem Bereich derMedienpädagogik finden Fachkräfte auf der Websitewww.jugendonline.eu.Übersicht über die Autorinnenund Autoren auf den Umschlaginnenseiten


Autorinnenund Autoren/teil b-mBThomas BernhardtDiplom-Medienwissenschaftler, wissenschaftlicherMitarbeiter am Fachbereich Erziehungs- undBildungswissenschaften der Universität Bremen.Arbeitsbereich: Didaktische Gestaltung multimedialerLernumgebungen.Niels BrüggenWissenschaftlicher Mitarbeiter am JFF – Institutfür Medienpädagogik in Forschung und Praxis.Schwerpunkte: Medienpädagogische Evaluationsforschung,Medienaneignungsforschung, ÄsthetischeBildung und medienpädagogische Ansätze,Lernen mit digitalen Medien.EBernhard EckmannDiplom-Sozialpädagoge (FH), freiberuflich tätigu. a. als Coach, Trainer und Moderator im BereichComputermedienpädagogik. Moderator desPartnerportal-Netzwerks netzcheckers.net.Jürgen ErteltSozial- und Medienpädagoge, Koordinator imProjekt Jugend online / IJAB – Fachstelle für InternationaleJugendarbeit der Bundesrepublik Deutschlande.V. Als Webarchitekt und Autor entwirft erCommunity-Software für die pädagogische Arbeit.FBjörn FriedrichMedienpädagoge bei medien+bildung.com in Kaiserslautern,Entwickler und Leiter des Internetkompetenz-Projektscheck the web und verantwortlichfür den Förderpreis konzept m+b.Albert FußmannDiplom-Pädagoge, Kulturpädagoge, FachbereichNeue Medien und Kulturelle Bildung, Direktor desInstituts für Jugendarbeit Gauting.GDr. Sonja GanguinUniversität Paderborn, Lehrbereich Medienpädagogikund Empirische Medienforschung, Mitgliedim Bundesvorstand der GMK – Gesellschaft fürMedienpädagogik und Kommunikationskultur inder Bundesrepublik Deutschland e.V.Isabel GötteReferentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeitim Projekt Jugend online / IJAB – Fachstelle fürInternationale Jugendarbeit der BundesrepublikDeutschland e.V.


HChristian HerrmannWebredakteur für das Fachkräfteportal der KinderundJugendhilfe (www.jugendhilfeportal.de) undReferent bei der Stabsstelle Kommunikation vonIJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeitder Bundesrepublik Deutschland e.V.Katrin HuberDiplom-Pädagogin, Medienpädagogin, Mitarbeiterinim SIN-Studio im Netz e.V. Zuständig für dieAG Inter@ktiv, den pädagogischen Interaktiv-PreisPädi, den Frauencomputerclub und die Organisationdes 12. Gautinger Internet-Treffens.KVerena KetterMedienpädagogin im Amt für Soziale ArbeitWiesbaden, Abteilung Jugendarbeit wi&you.Doktorandin an der Pädagogischen HochschuleLudwigsburg, Lehrbeauftragte an der HochschuleRheinMain und der Hochschule Darmstadt.Marcel KirchnerDiplom-Medienwissenschaftler, wissenschaftlicherMitarbeiter im Fachgebiet Kommunikationswissenschaftder TU Ilmenau und Mitbegründerder EduCamp-Reihe.Thomas KupserMedien- und Kulturpädagoge, Projektleiter vonGenerationen im Dialog – Mediale Brücken zwischenJung und Alt beim JFF – Institut für Medienpädagogikin Forschung und Praxis.LMichael LangeMedienpädagoge, freiberuflich tätig u. a. für Metaversae.V. und Landesarbeitsgemeinschaft MedienarbeitBerlin e.V. Verantwortlich für die Konzeptionvon Internetprojekten in Jugendarbeit undSchule und Beratung von Online-Communities.Jürgen LaufferDiplom-Soziologe, Geschäftsführer der Gesellschaftfür Medienpädagogik und Kommunikationskulturin der Bundesrepublik Deutschland e.V.,Mitglied in der Jury des Deutschen Computerpreises,stellvertretendes Mitglied der VergabekommissionEin Netz für Kinder.MKirsten MascherDiplom-Pädagogin, Medienpädagogin, Leiterindes Projektbüros des MedienkulturzentrumsDresden e.V., Projektleiterin des Deutschen Multimediapreisesfür Kinder und Jugendliche MB21 –Mediale Bildwelten.Marco MedkourOnline-Redakteur und Community-Manager desJugendportals netzcheckers.de, Jugend online /IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeitder Bundesrepublik Deutschland e.V.Fortsetzung auf den Umschlagseiten U5/6


Autorinnenund Autoren/teil n-zFortsetzung von den Umschlagseiten U3/4NProf. Dr. Horst NiesytoPädagogische Hochschule Ludwigsburg, AbteilungMedienpädagogik. Sprecher der InitiativeKeine Bildung ohne Medien! und Vorsitzender derSektion Medienpädagogik in der Deutschen Gesellschaftfür Erziehungswissenschaft.PHans-Jürgen PalmeMedienpädagoge, geschäftsführender Vorstanddes SIN - Studio im Netz e.V., Buchautor und Initiatorzahlreicher medienpädagogischer Modellprojekte,Mitorganisator der AG Inter@ktiv.RMaren RischMedienpädagogin, Mitarbeiterin beimedien+bildung.com. Schwerpunkte: Erprobungmobiler Medien im Unterricht, Video- und Trickfilmarbeit,Fotografie.Prof. Dr. Franz Josef RöllProfessur an der Hochschule Darmstadt, FachbereichGesellschaftswissenschaften und SozialeArbeit. Schwerpunkt: Neue Medien und Medienpädagogik.Daniel PoliDiplom-Politologe, Projektkoordinator beiJugend online / IJAB – Fachstelle für InternationaleJugendarbeit der Bundesrepublik Deutschlande.V., Initiator der Jugendkampagne watch your web,Berater im Bereich Social-Media-Nutzung undnetzbasierte Partizipation von Jugendlichen.


Inhaltsverzeichnis2Lutz StroppeGrußwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4Marie-Luise DreberVorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6Multimedia und kulturelleBildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8Christian Herrmannnetzcheckers.de. Geschützter Lernraumund Spezialist für digitale Kultur . . . . . . . . . . . . . . . 10Daniel Polinetzcheckers.tv. Magazin für digitaleJugendkultur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .12Kirsten MascherMB 21 – Mediale Bildwelten. Deutscher Multimediapreisfür Kinder und Jugendliche . . . . . . . . . .13Daniel Seitzwatch your game. Erarbeitung medienpädagogischerStandpunkte zu Computerspielenauf Augenhöhe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .15Michael LangeCyberland und Cybergrid. Virtuelle Weltenin der Bildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .17Christian Herrmannnetzcheckers-Action-Tour. Zwischen virtuellenWelten und realem Erleben . . . . . . . . . . . . . . . . 18Marco MedkourPodcast mit freier Musik. MedienpädagogischePraxisarbeit auf netzcheckers.demit Creative-Commons-Inhalten . . . . . . . . . . . . . . . 20Rosi StolzLizzyNet.de. Gender und Zugang zur Jugendinformation. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .21Prof. Dr. Horst NiesytoKeine Bildung ohne Medien!Initiative für Medienkompetenzförderungund Medienbildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23Vernetzung von Jugend- undMedienarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .26Bernhard EckmannNetzwerk für Medienarbeit. Die Partnerportalenetzcheckers.net . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28Bernhard Eckmann, Wolfgang SchindlerCommunityDeveloperCamp. Das Treffender Partnerinnen und Partnervon netzcheckers.net . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29Wolfgang SchindlerPartnerportal-Workshops. Qualifizierungfür Netzwerkpartnerinnen und -partner imStudienzentrum Josefstal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .31Thomas Bernhardt, Marcel KirchnerEduCamp. Gestaltung eines Lernraumes . . . . . . . 32Albert Fußmann, Hans-Jürgen Palme, Katrin HuberGautinger Internet-Treffen. Medienpädagogiktrifft Jugendarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33Wolfgang SchindlerMaC*days. Der Event für Bildungsarbeit mitdigitalen Medien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35Prof. Dr. Franz Josef RöllPotentiale von Social Mediafür die Jugendarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .37Internet und digitaleGesellschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40Valentin TomaschekPolitCamp 10 in Berlin. Politik trifft Web 2.0 . . . 42


grußwort4 „Nichts im Leben, außerGesundheit und Tugend, istschätzenswerter als Kenntnisund Wissen“, heißt esbei Goethe — und das gilt inunserer heutigen Mediengesellschaftin ganz besonderemMaße für den kompetentenUmgang mit Internet und NeuenMedien.Medien sind integrierter Bestandteil individuellenDaseins und gleichzeitig eine Größe des sozialenund gesellschaftlichen Lebens. Sie sind kommunikativerSchlüssel zur gesellschaftlichen und politischenTeilhabe. Die Erlangung der Fähigkeit, mitMedien aktiv umzugehen und sie kritisch zu hinterfragen,ist in der Mediengesellschaft ein zentralesElement der Bildung von Kindern und Jugendlichenund ihrer gesellschaftlichen Integration.Kinder und Jugendliche zu befähigen, mit Medienkompetent umgehen zu können, ist deshalb einzentrales jugendpolitisches Ziel des Bundesministeriumsfür Familie, Senioren, Frauen und Jugend.Für junge Menschen sind digitale Medien Teil derAlltagswelt, in der sie sich mit zunehmendem Altereigenständig bewegen. Jugendliche sollen eigenverantwortlichund kreativ mit den Medien umgehenund dabei Chancen und Risiken ihrem Alterentsprechend einschätzen können. Um Vorschlägefür eine zeitgemäße Kinder- und Jugendpolitikin der digitalen Welt gemeinsam mit den verantwortlichenAkteuren zu entwerfen, hat Frau BundesministerinDr. Kristina Schröder im November2010 den Dialog Internet ins Leben gerufen. Auf derDialogplattform www.dialog-internet.de sind alleaufgefordert, hierbei mitzudiskutieren.Mit dem Projekt Jugend online hat IJAB — Fachstellefür Internationale Jugendarbeit der BundesrepublikDeutschland e.V. im Auftrag des Bundesministeriumsfür Familie, Senioren, Frauen und Jugendfrühzeitig Wege chancenorientierter Kompetenzstärkungerprobt. Dabei war das Ziel, den kreativenund kritischen Umgang junger Menschenmit Internet, Multimedia und mobilen Medien zu


fördern, weit gesteckt. Eine Vielzahl von Möglichkeitenwurde erprobt: die direkte Ansprache vonJugendlichen, zum Beispiel durch die Angebotebei netzcheckers.de, die Förderung des Austauschesund der Vernetzung durch das Partnerportalnetzwerknetzcheckers.net, die Beratung von Multiplikatorinnenund Multiplikatoren und Fachkräftender Trägerlandschaft der Kinder- und Jugendhilfedurch ein Monitoring aktueller Diskurse und Entwicklungenim Bereich Internet, Social Media, Medienpädagogikund Jugendkommunikation.Lutz StroppeLeiter der Abteilung 5 –Kinder und JugendBundesministerium für Familie,Senioren, Frauen und Jugend5Die Verknüpfung aktiver Medienarbeit mit aufklärenderMedienbildung hat Jugend online anhand derJugendkampagne watch your web erfolgreich in Angriffgenommen. Es ist ein Verdienst, dass sich seitdem Start der Kampagne über eine Million jungerMenschen kritisch mit dem Umgang ihrer persönlichenDaten im Netz auseinander gesetzt haben.Die vielfältigen Angebote, die im Rahmen vonJugend online entwickelt und erprobt wurden, zeigen,wie vielschichtig und weitreichend nicht nurder Begriff der Medienkompetenz, sondern auchdie Aufgaben der Jugendpolitik heute sind, umPartizipation, Integration und Zukunftschancenzu ermöglichen.Ich freue mich auf die Beiträge von IJAB, auch aufbauendauf den Erkenntnissen des Projekts Jugendonline, um die Partizipation von Jugendlichen inder digitalen Welt mit Blick auf die europäischeund internationale Zusammenarbeit weiterzuentwickeln.


vorwort6 Das Internet und die NeuenMedien sind zentraler Teil derzeitgenössischen Jugendkultur.Längst ist das Handy zurKommunikationszentrale gewordenund die sozialen Netzwerkeim Internet zu Treffpunktenvon Jugendlichen. Die virtuelleWelt ist damit ein ganzselbstverständlicher Teil desLebens junger Menschen und einwichtiger Raum für Kommunikationund Identitätsfindung.Aus den neuen Möglichkeiten der digitalen Weltresultiert eine Vielzahl (medien-)pädagogischerAufgaben, die IJAB – Fachstelle für InternationaleJugendarbeit e.V. mit dem Projekt Jugend online unddem Jugendportal netzcheckers.de frühzeitig in dieöffentliche Diskussion gebracht hat.Medienkompetenz ist in der heutigen Gesellschaftvon entscheidender Bedeutung, ist sie doch eineArt Navigator, um sich in der Webwelt zurechtzufinden,das kreative Potenzial der Medien auszuschöpfenund an der digitalen Gesellschaft zupartizipieren. Darüber hinaus befähigt sie dieNutzerinnen und Nutzer, Risiken abzuschätzenund verantwortungsvoll zu handeln. Medienkompetenzist eine Schlüsselqualifikation und befähigtzum bewussten Umgang mit persönlichen Datenim Internet und dem korrekten Umgang mit Urheberrechten.Sowohl im Hinblick auf die Chancen, die Internetund Web 2.0 bieten, als auch auf die Risiken hatdas Projekt Jugend online der Medienpädagogik vieleImpulse gegeben. Anhand der Jugendkampagnewatch your web, die Jugendliche für einen kritischenUmgang mit persönlichen Daten im Netzsensibilisiert, erprobt das Projekt die Verknüpfungvon aktiver Medienarbeit mit aufklärender Medienbildung.Nach dem Prinzip der aufsuchendenJugendarbeit spricht watch your web Jugendlichedort an, wo sie sich im Netz austauschen. Angeregtdurch die Kampagne setzten sich bereits über eineMillion junger Menschen kritisch mit ihrem Umgangmit persönlichen Daten im Netz auseinander.


Auch im Bereich der Medienkompetenzförderungvon Jugendlichen sowie Multiplikatorinnenund Multiplikatoren kommt Jugend online einebundesweit wichtige Stellung zu. Mit der dezentralenStruktur des Partnerportalnetzwerksnetzcheckers.net ist es gelungen, Inhalte, Modellprojekteund Kampagnen bundesweit zu streuenund mit Partnern vor Ort umzusetzen.Hiermit wird Jugend online den drei Dimensionender Medienkompetenzstärkung gerecht: Inhaltedes Portals netzcheckers.de im Bereich „Medien-Know-how“ vermitteln Medienwissen, interaktiveAngebote motivieren selbstständiges Handelnund in der Zusammenarbeit mit Pädagoginnenund Pädagogen vor Ort wird die Reflexion sichergestellt.Die Wettbewerbe MB21 – Mediale Bildweltenund Ohrenblick mal! haben sich unter Beteiligungvon Jugend online zu den wichtigsten bundesweitenJugendmedienwettbewerben entwickelt. Sie fordernjunge Menschen auf, kreativ eigene Medienproduktezu erstellen.Darüber hinaus leistet Jugend online ein Monitoringüber aktuelle Diskurse und Entwicklungen imBereich Internet, Social Media, Medienpädagogikund Jugendkommunikation und trägt die Ergebnissein Form von Beratung in die Trägerlandschaftder Kinder- und Jugendhilfe. Mithilfe des Portalswww.jugendonline.eu informiert das ProjektFachkräfte über Veranstaltungen und Workshops.Durch die Ausrichtung der europäischen KonferenzYouth Information 2.0 zu Herausforderungenund Möglichkeiten von webbasierter Jugendinformationund Jugendportalen im Jahr 2008 sowie derMitarbeit in der dort initiierten Arbeitsgruppe zurErarbeitung europäischer Prinzipien für eine internetgestützteJugendinformation leistet Jugendonline einen wichtigen Beitrag in der Vermittlungnationaler Aktivitäten und der Gestaltung europäischerund internationaler Entwicklungen.Mit Blick auf den Abschluss des fünfjährigen Projektesam 30. Juni 2011 möchte diese BroschüreBilanz ziehen: Sie schaut auf die Angebote undMaßnahmen, die Jugend online initiiert und erprobthat, auf neue Entwicklungen der digitalen Weltund ihre Bedeutung für die Medienpädagogik. Ergänzendberichten Partnerinnen und Partner vonJugend online von gemeinsamen Projekten, Veranstaltungenund Aktionen. Doch vor allem soll dieseDokumentation vielfältige Anregungen für einezeitgemäße Medien- und Jugendarbeit geben.Eine spannende Lektüre und viele Anregungenwünscht Ihnen7IhreMarie-Luise DreberDirektorin von IJAB – Fachstellefür Internationale Jugendarbeit derBundesrepublik Deutschland e.V.


Multimediaund kulturelleBildung


Multimedia und kulturelle BildungNetzcheckers.deGeschützter Lernraumund Spezialist für digitaleKultur10 netzcheckers.de gehört zu denPionieren unter den deutschsprachigenWeb-Angeboten fürJugendliche. Als noch niemandwusste, was Social Media sind,bot netzcheckers.de bereitseine Community, vielfältigsteInteraktionsmöglichkeiten undKreativangebote. Das kam gutan.„netzcheckers hat es mir über Jahre ermöglicht, übermich selbst nachzudenken, und das unbehelligt“.Das schrieb Userin Lena, nachdem sie zwei Jahrelang ein Weblog bei netzcheckers.de geführt hat –mit großer Beständigkeit und wachsender Leserschaft.Lena gehörte zu den Ersten, die netzcheckers.de 2004,als das Jugendportal online ging, für sich entdeckte.Was Lena begeisterte, war, dass es endlich eineJugendseite gab, auf der man tatsächlich etwas machenkonnte. Zu dieser Zeit gab es ansonsten kaumAngebote für Jugendliche im Netz.Dass man „einfach so“ etwas schreiben und aufnetzcheckers.de publizieren durfte, war erst rechtfür ein mit öffentlichen Mitteln gefördertes Portaleine kleine Revolution – und ist es bis heute.Was Lenas Zufriedenheit ausmachte, entwickeltesich zu einem Markenzeichen von netzcheckers.de:Der geschützte Raum, in dem man alles ausprobierendarf, ohne dass dies gleich einer ganz großenÖffentlichkeit zugänglich wird.Innovative digitale KulturDer damalige Mangel an anderen jugendspezifischenAngeboten erlaubte es netzcheckers.de, vieleJugendinteressen erfolgreich abzubilden: Musik,Religion, Politik und, und, und. Das Internet hatsich seitdem rasant entwickelt.Der damalige Projekttitel Bundesinitiative Jugendans Netz klingt heute wie aus einer anderen Epoche.Die Jugend ist längst im Netz angekommen, und siefindet interessante Angebote zuhauf. Aus diesemGrund spezialisierte sich netzcheckers.de im Jahr2006 und wurde das Jugendportal für digitale Kultur.Nun war es auch namentlich das, als was es schonimmer zur Kenntnis genommen worden war. Dergroße Durchbruch des Portals setzte mit demselbst gestaltbaren Klingelton ein: netzcheckers.debot eine Software zum Download an, die es ermöglichte,Handy-Klingeltöne selbst zu generieren,statt diese mit teuren Abonnements zu kaufen.Das Thema „Abofallen“ war damals in aller Munde,und netzcheckers.de wurde durch das Angebot kostenfreier,selbst gestaltbarer Klingeltöne schlagartigbekannt.


Der große Durchbruch desPortals netzcheckers.desetzte mit dem selbstgestaltbaren Klingelton ein.Lösungen anbietenDie netzcheckers-Redaktion hat viel daraus gelernt:Man muss die Medienthemen aufgreifen, die fürJugendliche aktuell in der Luft liegen, und Lösungenfür die mit ihnen verbundenen Herausforderungenanbieten. Bis heute hat netzcheckers.de einebeeindruckende Anzahl von Tutorials und Workshopsbis hin zur Kampagne watch your web entwickelt.Das Jugendportal für digitale Kultur schafftdigitale Angebote und bietet jede Menge Spaß fürJugendliche, die diese anwenden.11www.netzcheckers.deChristian Herrmann, IJAB –Fachstelle für InternationaleJugendarbeit der BundesrepublikDeutschland e.V.


Das Formatknüpfte an dieFreizeitinteressenjunger Menschenan: Inhalte direktnachvollziehenund neue Diensteerproben.mb 21 –Mediale BildweltenDeutscher Multimediapreis fürKinder und JugendlicheJugendgerechte VerbreitungDie Sendungen wurden auf netzcheckers.de undzusätzlich auf den Videoplattformen YouTube.comund MyVideo.de sowie in Form eines eigenen Channelsauf Clipfish.de und Sevenload.de veröffentlicht.Durch diese vielfältigen Formen der Verbreitungist es möglich geworden, die Inhalte auch über daseigene Portal hinaus an weit mehr Jugendliche zuvermitteln und neue Nutzergruppen anzusprechen.Damit wurde frühzeitig der Grundstein einerdigitalen Jugendbildung gelegt: Inhalte wurdendort platziert, wo sich Jugendliche im Internet aufhaltenund ihre Freizeit verbringen. Das Formatknüpfte an die Freizeitinteressen junger Menschenan und bot Möglichkeiten, die Inhalte direkt nachzuvollziehenund neue Programme und Dienste zuerproben. Darüber hinaus konnte eine viel größereZahl an Jugendlichen erreicht werden, als es mitklassischer Werbung für die Inhalte auf dem eigenenPortal möglich gewesen wäre.www.netzcheckers.deDaniel Poli, Jugend online /IJAB – Fachstelle für InternationaleJugendarbeit der BundesrepublikDeutschland e.V.Bilder links: netzcheckers.tv-Moderatorin Tinabeim Dreh.Der größte deutsche Multimediapreisist ein Ort der digitalenKinder- und Jugendkulturmit hohem Niveau:Wer hinschaut, zuhört, Raumgibt, wird vom Ideenreichtumund Können der Teilnehmendenüberrascht.Plastikdinos erkunden durch Vorschulkinder dieWelt, und Jugendliche erstellen gesellschaftskritischeKurzfilme mithilfe von Lego-Figuren. Computerspielewerden zum Filmemachen umfunktioniert,eigene Fotos werden mit selbst produzierterMusik kombiniert, Onlinemedien werden gestaltetund kompetent zur politischen Teilhabe eingesetzt.Bei MB21, dem Deutschen Multimediapreis, könnenKinder und Jugendliche, Medienexpertinnenund Medienexperten oder Anfängerinnen undAnfänger ihre Medienkreationen einreichen. Siezeigen dabei spielerisch viel Charme, Ironie, Innovationund kritische Reflexion zu Themen, die sieberühren.Fantasievoll mit Medien umgehenKinder und Jugendliche wachsen heute in einer interaktivenWissens- und Informationsgesellschaftmit sich rasant verändernden virtuellen Räumenauf. Digitale Medien prägen die Lebensweltenmaßgeblich.13Gleich, ob in Freizeit oder Schule, der souveräneUmgang mit Neuen Medien ist ein zentraler


Multimedia und kulturelle BildungMB21 unterstütztKinder und Jugendliche,mit Medienangebotenumzugehen, eigeneIdeen einzubringenund Beiträge zuproduzieren.14 Schlüssel für gesellschaftliche und kulturelle Teilhabeund Zukunftschancen. Medien werden alleinund in der Gruppe spielerisch erkundet, dienen derKommunikation, der Produktion eigener Inhalteund dem kreativen Ausdruck.MB21 – Mediale Bildwelten ist in den letzten zwölfJahren zum größten und bekanntesten DeutschenMultimediapreis für Kinder und Jugendliche bis 21Jahre herangewachsen. Er honoriert die Leistungender Kinder und Jugendlichen und bietet einePlattform (www.mb21.de), auf der junge Einsteigerinnenund Einsteiger sowie Expertinnen und Expertenihre kreativen Ideen, Projekte oder Produktekommunizieren können.MB21 unterstützt Kinder und Jugendliche, eigenverantwortlichund fantasievoll mit den vielfältigenMedienangeboten umzugehen, eigene Ideeneinzubringen und Beiträge zu produzieren. DerAbschluss des Wettbewerbsjahres bietet Kindernund Jugendlichen die Gelegenheit, auf einem Festivalmit vielen multimedialen Mitmachaktionendie neuesten Entwicklungen digitaler Kultur kennenzulernenund selber auszuprobieren.Der Wettbewerb wächstVeranstaltet und organisiert wird MB21 vom MedienkulturzentrumDresden und netzcheckers.de,dem Jugendportal für digitale Kultur. Die seit 2003bestehende Kooperation mit Jugend online ist sehrerfolgreich.Bei zahlreichen bundesweiten Veranstaltungenkonnten Kinder und Jugendliche mithilfe interes-


watch your gameErarbeitung medienpädagogischerStandpunktezu Computerspielenauf Augenhöhesanter Mitmachaktionen (z. B. Schreibox) auf MB21und netzcheckers.de aufmerksam gemacht werden.Ferner stieg die Zahl der Einreichungen jährlichund das MB21-Festival erfreut sich wachsenderbundesweiter Beliebtheit.Beide Organisationen waren erfolgreich darum bemüht,Kinder und Jugendliche mit ihren Ideen undihrer Kreativität ernst zu nehmen, sie zu fördernund sie dabei auch für die Risiken der digitalenMedienwelt zu sensibilisieren.www.mb21.deKirsten Mascher,Medienkulturzentrum DresdenDas medienpädagogische Aktionsfeldder Computerspieleist noch recht jung undgeht häufig von einer tendenziellproblembehaftetenSicht Erwachsener aus. watchyour game und das GamesCampversuchen, Themenfelder abzustecken,Sichtweisen Jugendlicherauf das Themaaufzudecken und daraus Handlungsempfehlungenabzuleiten.15Mit watch your game ist für die gamescom 2010 unddie Veranstaltungen der European eSports League(ESL) ein Spiel entstanden, dass die anspruchsvolleZielgruppe der „Hardcore-Gamer“ anspricht,um eine Auseinandersetzung zum altersgerechtenSpielen zu ermöglichen.Dies wurde im Auftrag von Jugend online durch dasMedienkulturzentrum Dresden und Mediale Pfadein Form eines QR-Games realisiert. Ausgestattetmit eigenen oder geliehenen Smartphones machtensich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufden Weg, so genannte QR-Codes, das sind zweidimensionaleBarcodes, zu finden und zu entschlüsseln.Diese enthielten spielerische Aufgaben, die vorallem eine Positionierung zu bestimmten Themenverlangten. So wurden die Teilnehmenden zu ihrerMeinung zu USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrollefür Deutschland) und zu PEGI


Multimedia und kulturelle BildungDurch watch your game ist esgelungen, Akteure zu vernetzen,gute Projekte sichtbarzu machen und Kontakte in dieGames-Branche aufzubauen.16 (Pan European Game Information) befragt. „PEGIist neutraler, ohne politische Lobby“, war eine derzahlreichen Positionen der befragten Jugendlichen.Selbstbeteiligung erwünschtFür 2011 ist ein GamesCamp geplant, das das sehrerfolgreiche Format sogenannter Unkonferenzen –der BarCamps – aufgreift.Hierbei wird auf die hohe aktive Beteiligung allerTeilnehmenden gesetzt, um sie auch als Expertinnenund Experten in ihrer Sache ernst zu nehmen.Sie schlagen Themen vor, halten Referate undWorkshops, führen Diskussionen.Das gängige hierarchische Konzept der vortragendenFachkräfte gegenüber einem meist passiven„Konferenz-Publikum“ wird so verlassen. Auf dieseWeise kann beim GamesCamp auf Augenhöhe mitJugendlichen diskutiert werden, um deren Themenund Meinungen zu erfahren.Vernetzung schaffenErfreulicherweise gibt es im Bereich Computerspieleauch Akteure, die mit positiven AnsätzenJugendliche in ihrer Lebenswelt ernst nehmenund daraus Aktionen entwickeln wie z. B. das Institutfür Computerspiel – Spawnpoint, der SpieleratgeberNRW und die interaktive Online-Plattformwww.spielbar.de der Bundeszentrale für politischeBildung, um nur einige zu nennen.Auch durch watch your game ist es gelungen, Akteurezu vernetzen, gute Projekte sichtbar zu machenund Kontakte in die Games-Branche, wie z. B. zuTurtle Entertainment und der ESL, aufzubauen.Daniel Seitz,Medienkulturzentrum Dresden


Cyberlandund CybergridVirtuelle Weltenin der BildungMetaversa e.V. entwickeltund realisiert Konzepte undBildungsangebote, die einenpartizipativen und demokratischenUmgang von Jugendlichenmit Medien fördern, darunterdie Projekte Cyberland-Jugendcommunity und Cybergrid.Cyberland ist eine Online-Community von Jugendlichenfür Jugendliche und besteht bereits seit1997. Basierend auf einer grafischen Oberflächekönnen Kinder und Jugendliche per Textchat überdas Internet miteinander kommunizieren undihre Avatare und Chaträume individuell gestalten.Das Prinzip der Selbstverwaltung der Communitydurch die jugendlichen Nutzer/-innen war und istbis heute zentrales Element des medienpädagogischenProjekts. Jugendliche bekommen die Chance,genau wie in der physischen Realität, ihre Lebensweltauch im Internet aktiv zu formen.Mit dem Aufkommen der 3D-Welten entstand dieIdee, ein weiteres Cyberland in der virtuellen Weltvon Teen Second Life aufzubauen. Metaversa Islandging im November 2007 als erstes deutschsprachigesProjekt in Teen Second Life online und botnicht nur Raum für die Jugendcommunity, sondernkonnte auch von Schulen und Jugendeinrichtungenfür eigene Projekte genutzt werden. Dochbrachte die Abhängigkeit vom Second-Life-Betreiberleider Schwierigkeiten mit sich. Das größteHindernis stellte hierbei die Zugangskontrolle beider Anmeldung für Teen Second Life dar. Dennocherlebte die Insel in einer sechsmonatigen Phase imJahre 2008, während der sich deutsche Jugendlicheohne Formalitäten anmelden konnten, einenregelrechten Boom. Innerhalb kürzester Zeit warMetaversa Island eine der bestbesuchten Inseln inTeen Second Life. In dieser Zeit führten wir einigeOnlineworkshops durch und starteten verschiedeneProjekte. Hier zeigte sich das große Potentialvirtueller Welten für den Bildungsbereich.Parallel zu Second Life wurde ab 2008 mit OpenSimulatoreine Opensource-Version der Second Life-Software entwickelt. Mit einem der ersten Open-Simulator-Anbietern, der Berliner virtyou GmbH,fanden wir einen Partner, der uns sehr unkompliziertgegen Ende 2009 unsere eigene virtuelle Weltunter dem neuen Namen Cybergrid einrichtete. ImUnterschied zu Teen Second Life besteht nun die volleKontrolle über Inhalte und Zugangsregeln.Wie auch schon Metaversa Island steht Cybergridallen Bildungsprojekten offen, die virtuelle Onlineweltenin ihrer Arbeit einsetzen und ihren Jugendlicheneinen kreativen Raum im Netz bieten möchten.Unser Ziel ist es, ein Netzwerk zur gegenseitigenUnterstützung und zum fachlichen Austauschzu etablieren und internationale Partner für gemeinsameProjekte zu interessieren. Mit Jugend onlinebesteht seit über drei Jahren eine Kooperation,und das Jugendportal netzcheckers.de ist mit einemeigenen Haus in Cybergrid präsent. Seit 2010 nutztdie Jugendcommunity auch die Partnerportalsoftwarevon netzcheckers.net.www.cyberland.orgwww.cybergrid.deMichael Lange, Metaversa e.V.17


Multimedia und kulturelle Bildungnetzcheckers-Action-TourZwischen virtuellen Weltenund realem Erleben18 Vom 11. Juni bis 31. Juli2007 war das netzcheckers-Action-Team in 15 Jugendeinrichtungenim gesamtenBundesgebiet unterwegs, umMultimedia-Spielaktionenrund um das Jugendportalnetzcheckers.de durchzuführen.Durch die Spielaktionenwurde der Zusammenhang zwischenjugendlichen LebensundMedienwelten, Medienbildungund Medienpädagogik vorOrt lebendig.Multimediale SpielaktionenJugendeinrichtungen, die sich für Agentengeschichtennicht erwärmen konnten, entschiedensich dafür, den „Multistar“ zu küren. Die Stars derTV-Serie „Sülzige Zeiten, triefende Zeiten“ warendank schlechten Kantinenessens unpässlich. Nunmussten die Jugendlichen der Einrichtung für Ersatzsorgen. Songs wurden im Aufnahmestudioeingespielt, ein CD-Cover entworfen, und natürlichfehlte es auch hier nicht an zusätzlichen Bewegungsspielen.Beide Multimedia-Spielaktionen brauchten reichlichAusstattung: Video-Einspieler für die Rahmenhandlung,Perücken, Kostüme und Brillen.Wegweiser markierten in den Einrichtungen denZugang zu den „Laboren“ und „Studios“. DemAction-Tour-Team wurde zudem einiges an schauspielerischerLeistung abverlangt.Zwei verschiedene Spiel-Szenarien standen imRahmen der netzcheckers-Action-Tour zur Auswahl:Zwielichtiger Held der Hälfte der Veranstaltungenwar „Agent 0815“, ein Tollpatsch mit James-Bond-Attitüden, der dringend auf die Hilfe der Jugendzentrumsbesucherangewiesen war, um die Weltretten zu können.Damit die Weltrettung gelingen konnte, war vielesnötig: Radiospots mussten am Computer erstelltwerden, Passanten wurden interviewt und die darausentstandenen Videosequenzen geschnitten.Und damit beim Sitzen vor dem Computer keinRost angesetzt werden konnte, gab es immer wiederreale Spieleinlagen.


Die Aktion hat allenBeteiligten Spaß gemachtund war eine gelungene undnachhaltige Veranstaltung.Positives FeedbackWie das ankam, hat Martin Hahne vom Eierclub inEisenach so beschrieben: „Für die Einrichtung wares die erste Veranstaltung dieser Art und hat beiJugendlichen und Betreuenden einen bleibendenEindruck hinterlassen, wie mit einfachster Technikeffektive Ergebnisse schnell erzielt werdenkonnten. Sehr positiv zu werten war auch, dasswir gegenüber den Vertretern der Stadt auf unsereArbeit aufmerksam machen konnten. Die Veranstaltungwar Motivation, die Medienarbeit weiterauszubauen. Die Aktion hat allen Beteiligten Spaßgemacht und war eine gelungene und nachhaltigeVeranstaltung.“19Und netzcheckers-Userin „knoddel“, die bei derAction-Tour in Lonsheim dabei war, meinte: „Hammermäßig!Das war echt geil! Hat mir gut gefallen.“Action-Tour – eine runde SacheDie netzcheckers-Action-Tour 2007 verband das Erlernenvon kreativen Fertigkeiten am Computer miteiner spielerischen Rahmenhandlung, erweitertedie Interessen der Mediennutzung von Jugendlichenund setzte sich über die scheinbare Grenzevon Virtuellem und Realem hinweg.Christian Herrmann, IJAB –Fachstelle für InternationaleJugendarbeit der BundesrepublikDeutschland e.V.


Multimedia und kulturelle BildungPodcastmit freier MusikMedienpädagogische Praxisarbeitauf netzcheckers.de mitCreative-Commons-Inhalten20Creative Commons (CC) heißtübersetzt Schöpferisches Allgemeingutund füllt die Lückezwischen „alle Rechte vorbehalten“und „keine Rechtevorbehalten“, wenn es um dieVerwertung von kulturellenGütern geht.Urheber/-innen verwenden das LizenzierungsmodellCreative Commons, um ihre Werke (Musik,Text, Foto oder Film) im Internet zu verteilen undder Gemeinschaft zu schenken.Kunstschaffende, die ihre Werke unter CC stellen,verzichten bewusst auf Verwertungsgesellschaftenwie GEMA, VG-Bild, VG-Wort, erlauben den kostenlosenDownload ihrer Werke, die Verbreitung(digitale Kopie) und öffentliche Aufführung. Siekennzeichnen sie mit einer von sechs Creative-Commons-Lizenzen.CC-Lizenzen und ihre BedeutungAm häufigsten kommen die beiden CC-Lizenzenby-nc-nd und by-nc-sa zum Einsatz. CC-Inhaltemit der ersten Lizenz stehen für: Namensnennung(by), nicht-kommerzielle Nutzung (nc), keineweitere Bearbeitung (nd) und bieten sich für denEinsatz in Medienproduktionen mit Kindern undJugendlichen an. CC-Musik darf beispielsweiseim Podcast oder im Jugendradio gespielt werden,solange kein Gewinn mit der Verwertung dieserCC-Medien beabsichtigt wird. CC-Medien mit derLizenz sa (share alike) dürfen bzw. müssen ähnlicheingesetzt werden, mit folgendem Unterschied:Der oder die Urheber/-in erlaubt ausdrücklich dieBearbeitung (Remix, Mash-up) des Originals, solangedas neue Werk unter denselben Bedingungenwieder veröffentlicht wird. Man konsumiert hiernicht nur Gratis-Medien, sondern gestaltet selbstund stellt der Allgemeinheit mit Creative Commonswiederum ein neues Werk zur Verfügung.CC-Medienprojekte mit Kindern undJugendlichenSeit 2009 erscheint der netzcheckers-Podcast mitCreative-Commons-Musik im monatlichen Rhythmusals Gratis-Download auf netzcheckers.de. In derSendung werden fünf ausgewählte Musikstückevorgestellt. Der Moderator erklärt eingangs, wasCC, das Schöpferische Allgemeingut, bedeutetund warum die Hörer CC-lizenzierte Musik gratisrunterladen, kopieren und verschenken dürfen.netzcheckers.de leistet mit dem CC-Musik-Podcasteinen Beitrag zur digitalen Jugendbildung, denn:Es wird ausschließlich CC-Musik präsentiert, quasials Alternative zu kommerziellen Musikangeboten(GEMA). netzcheckers.de empfiehlt Creative-Commons-Musik,um auch Nachwuchsmusikerinnenund -musikern eine Plattform zu bieten undmusik begeisterte Hörer/-innen von der Idee desSchenkens und Teilens zu überzeugen.www.netzcheckers.deMarco Medkour, Jugend online /IJAB – Fachstelle fürInternationale Jugendarbeit derBundesrepublik Deutschland e.V.


LizzyNet.deGender und der Zugang zurJugendinformationDer Zugang von Mädchen zuInternet und Jugendinformationunterscheidetsich heute quantitativ kaumnoch von dem der Jungen,ist jedoch inhaltlichanders ausgerichtet. Sosurfen Mädchen vor allemnutzenorientiert: Wo findeich Informationen, die michweiterbringen? Wo kann ichetwas lernen? Sie suchenganzheitliche Angebote,die Kreativität mit Lernen,Kommunikation und Spaßverbinden.21Laut der JIM-Studie 2010* halten sich Mädchen öfterals Jungen (54 % vs. 39 %) in Communities auf,sind Nutzerinnen mehrerer Plattformen (1,8 vs. 1,4)und chatten und kommunizieren öfter per E-Mail;während unter den Jungen jeder zweite regelmäßigspielt, tun dies nur 14 % der Mädchen.Auch beim Lesen unterscheiden sie sich: Greiftknapp die Hälfte der Mädchen mehrmals pro Wochezu einem Buch, tun dies nur 28 % der Jungen.


Multimedia und kulturelle BildungDie Möglichkeit, sich„unter Mädchen“ überunterschiedliche Themenauszutauschen, wird starknachgefragt.22 Ein weiterer „weiblicher“ Vorsprung liegt in der digitalenFotografie, Mädchen fotografieren mehr alsJungen, und sie besitzen auch häufiger eine eigeneKamera.Online-Plattform für MädchenDie Mädchen-Plattform www.LizzyNet.de ist trotzdes rasanten Wachstums von Social-Media-Angeboteneine feste Größe für Mädchen und jungeFrauen geblieben. Die Möglichkeit, sich „unterMädchen“ über unterschiedliche Themen auszutauschen,wird stark nachgefragt.In seiner zehnjährigen Geschichte hat LizzyNet sichstetig weiterentwickelt und die sich wandelndenBedürfnisse aufgegriffen: Waren die Kommunikationswerkzeuge(Mail, Chat, Messenger) anfangseiner der Hauptgründe, sich bei LizzyNet anzumelden,so stehen heute Lebensentwürfe, Engagement,Fragen zu Politik und Umwelt sowie Schuleund beruflicher Zukunft im Vordergrund. Im vielfältigenAngebot von LizzyNet ist die Rubrik „Machmit!“ am beliebtesten.Kreativer Umgang mit MedienGerade in Bezug auf kreative Mitmach-Angebotefür Jugendliche können LizzyNet und Jugend onlineauf eine lange gemeinsame Geschichte zurückblicken.So initiierten sie gemeinsam mit dem JFF –Institut für Medienpädagogik in Forschung undPraxis den Handyclip-Wettbewerb Ohrenblick mal!,und bei MB21 zeichnet LizzyNet für den Sonderpreis„Beste Medienmacherin“ verantwortlich.Auch auf Veranstaltungen wie der Jugendmesserespect our future präsentierten sich LizzyNetund Jugend online häufig gemeinsam und ludenMädchen und Jungen mit spannenden Aktionenzur kreativen Mediennutzung ein. Hervorzuhebenist auch das hohe Maß an fachlichem Austausch,das die Kooperation von LizzyNet und Jugend onlineüber die Jahre auszeichnete und zu etwas ganz Besonderemmachte.www.LizzyNet.deRosi Stolz, LizzyNetNeben der SchreibMit-Aktion, wo sich die MädchenBücher, CDs und Spiele bestellen und sie dann mitihrer Bewertung im Netz präsentieren, sind es vorallem die kreativen Angebote wie Schreibwettbewerbeund Aufrufe zu Foto-Contests, die sich großerBeliebtheit erfreuen.*Eine Erhebung des Medienpädagogischen ForschungsverbundsSüdwest (mpfs) zum Medienumgang 12- bis19-Jähriger in Deutschland


Horst NiesytoKeine Bildungohne xxx Medien!Initiative für Medienkompetenzförderungund MedienbildungDie Medienpädagogik hat in den vergangenen zwei Jahrzehntenbeachtliche Fortschritte in Theorie, Forschung undPraxis erzielt. Es gibt eine Fülle an hervorragendenmedienpädagogischen Materialien für die Praxis und eineVielzahl an überzeugenden Modellversuchen und Projekten– aber es fehlt an der erforderlichen Breitenwirksamkeitund Nachhaltigkeit. Deshalb überlegten verschiedeneEinrichtungen und Organisationen, wie Anliegen derMedienpädagogik in der bildungspolitischen Öffentlichkeitbesser artikuliert werden können, um ein breitesgesellschaftliches Bündnis für Medienkompetenzförderung undMedienbildung voranzubringen.23Im Laufe des Jahres 2008 entstand die Idee zu einemMedienpädagogischen Manifest. Das 2009 veröffentlichteManifest skizziert wesentliche medienpädagogischeAufgaben und Ziele und benennt diedringendsten Handlungsbedarfe. Zu den Erstunterzeichnerinnenund Erstunterzeichnern des MedienpädagogischenManifests gehören der Vorstand derKommission Medienpädagogik in der DeutschenGesellschaft für Erziehungswissenschaft, die FachgruppeMedienpädagogik in der Deutschen Gesellschaftfür Publizistik- und Kommunikationswissenschaft(DGPuK), der Vorstand der Gesellschaftfür Medienpädagogik und Kommunikationskultur(GMK), der Vorstand des JFF – Institut für Medienpädagogikin Forschung und Praxis und das Hans-Bredow-Institut für Medienforschung.Vom Medienpädagogischen Manifestzum KongressInsgesamt unterstützten über 1.350 Personen, Einrichtungenund Organisationen mit ihrer Unterschriftdas Manifest. Unter den Unterzeichnendenbefinden sich u. a. mehrere Dachverbände auf Bundesebenewie z. B. der Deutsche Bundesjugendring,der Deutsche Bibliotheksverband, der Bundesvorstandder Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft(GEW). Auch IJAB – Fachstelle für InternationaleJugendarbeit der BundesrepublikDeutschland e.V. unterstützte das Manifest undberichtete wiederholt über die Initiative Keine Bildungohne Medien!


24 Aufgrund der positiven Resonanz entschlossensich die Erstunterzeichnendendes Manifests, am 24./25. März 2011 den medienpädagogischenKongress Keine Bildung ohne Medien!in Berlin durchzuführen. Der Kongress hatte folgendeZielsetzungen:Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Notwendigkeiteiner breiten Förderung von Medienkompetenzin verschiedenen Handlungsfeldern.Diskussion sowie Konkretisierung der Vorschlägeund Forderungen des MedienpädagogischenManifests mit allen interessierten Kräften.Dialog mit Verantwortlichen in Bildungspolitikund Bildungsadministration über die zentralenAufgaben und die zu ergreifenden Maßnahmen.Der Kongress fand an der TU Berlin statt und wurdevon der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) und der Landesanstalt für MedienNordrhein-Westfalen (LfM) finanziell gefördert.Im Rahmen eines Call for Papers entstanden 13 Arbeitsgruppen,die den Kongress auf der Basis von Positionspapierenvorbereiteten. Innerhalb sehr kurzerZeit meldeten sich über 400 Personen für den Kongressan, der damit zur bisher größten medienpädagogischenVeranstaltung in Deutschland wurde.Mit dem Berliner Medienkongress wurde ein wichtigerSchritt gemacht, die Anliegen und Forderungendes Medienpädagogischen Manifests aus dem Jahre2009 zu konkretisieren. Die Ergebnisse wurdenauf der Website des Kongresses detailliert dokumentiert.Aus meiner Sicht sind die Kernpunkte:Der gesellschaftliche und politische Mediendiskursdarf nicht länger allein an Problemen, Risikenund Defiziten orientiert sein – das positiveund kreative Potential von Medien muss in informellenund formellen Bildungskontexten erkanntund anerkannt werden. Computerspiele, Handys,Web 2.0 sind wie Filme und andere Medien zumGegenstand medienpädagogischer Angebote unddigitaler Medienbildung zu machen.Medienpädagogische Kompetenz ist als integralerBestandteil des Berufsprofils pädagogischerFachkräfte in der Kindertagesbetreuung, in der Eltern-und Familienbildung zu verankern. Internet,Handy und audiovisuelle Medien müssen genausowie Print- und Hörmedien zum Gegenstand frühkindlicherBildung werden. Notwendig sind aucheine lebensweltbezogene und zielgruppensensibleBegleitung von Eltern bei der Gestaltung medialerBildungsräume von Kindern sowie generationenübergreifendeMedienprojekte.Entwicklung und Etablierung einer medienpädagogischenGrundbildung für alle pädagogischenAusbildungsbereiche! Medien- und Informationskompetenzgehören elementar zur Bildung im 21.Jahrhundert. Vertiefte medienpädagogische Studienangebotesind an Hochschulen als Wahlbereicheauszubauen, um den wachsenden Fachkräftebedarfabzudecken. Medienbildung ist fest in derFort- und Weiterbildung in allen Bildungsbereichenzu verankern, auch in Form von Medienkompetenzportfolios.Kein Jugendlicher darf die Schule ohne grundlegendeMedienbildung verlassen, keine Lehrkraftdarf ihre Ausbildung ohne Kompetenz zur Medienbildungabschließen. Jede Schule muss einfächer- und jahrgangsübergreifendes Medienbil-


dungskonzept als Teil des Schulprogramms entwickelnund umsetzen. Digitale Medienbildungmuss auch integraler Bestandteil der beruflichenBildung werden.Es sind Rahmenbedingungen für eigenständiges,selbstgesteuertes und experimentelles Medienhandelnzu schaffen, um das Schrift-Sprachliche,das den Schulunterricht dominiert, umandere Ausdrucksmöglichkeiten, um Bildlichkeit,Mündlichkeit, Objektbezug und Körperlichkeit zuergänzen (kulturelle Medienbildung). Dazu gehörenauch eine kontinuierliche Grundfinanzierungmedienpädagogischer Projekte und alltagsnaheBeratungs- und Unterstützungsangebote auf verschiedenenEbenen.Notwendig sind gezielte Maßnahmen, um derzunehmenden digitalen Ungleichheit aktiv entgegenzutreten.Inklusive Medienbildung – auch fürMenschen mit Behinderung – im Sinne des lebenslangenLernens ist notwendig, um insbesondereKinder, Jugendliche und Erwachsene aus bildungsbenachteiligtenSozialmilieus erheblich besser zufördern.Vorhandene Ressourcen sind besser zu vernetzen;Schule muss sich deutlich mehr für außerschulischePartner öffnen; Schulmediatheken sind auszubauen,auch für eine aktiv-produktive Gestaltungmit Medien; es bedarf koordinierender Stellen, umeine praxisnahe Vernetzung medienpädagogischerProjekte in Gemeinwesen und Region voranzubringen.AusblickAuch die Rahmenbedingungen für medienpädagogischeForschung und Lehre sind entscheidend zuverbessern, insbesondere durch den Ausbau medienpädagogischerProfessuren an Hochschulen unddie Einrichtung eines Forschungsförderschwerpunktszum Themenfeld Medien und Bildung.Aufnahme der akademischen Medienkompetenzals Zielvereinbarung zwischen Hochschulen undBildungsministerien der Länder. Leider nahmenam Kongress keine Spitzenvertreterinnen und -vertreteraus den Ministerien teil, die im Vorfeld angefragtwurden. Der Deutsche Städtetag benannteüberhaupt keine Vertretung. Medienbildung ist immernoch kein vorrangiges gesellschaftliches Thema,welches von einem breiten Konsens getragenwird. Auf der Basis der Bündelung der Kernpunkteund der Präzisierung der Umsetzungsvorschlägewird in einer nächsten Phase zu überlegen sein, wiedie weitere Auseinandersetzung mit Politik, Wissenschaft,Medien, Wirtschaft etc. zu führen ist. Esist zu hoffen, dass die Initiative Keine Bildung ohneMedien! künftig von noch mehr Personen und Organisationenaktiv unterstützt wird. Die Vernetzungaller Akteure – vor Ort, regional und überregional– ist zu verstärken und der politische Druck ist zuerhöhen!Prof. Dr. Horst Niesyto,Pädagogische Hochschule Ludwigsburg,Abteilung Medienpädagogik. Sprecherder Initiative Keine Bildung ohneMedien! und Vorsitzender derSektion Medienpädagogik in derDeutschen Gesellschaft fürErziehungswissenschaft1www.keine-bildung-ohne-medien.de/?page_id=632www.keine-bildung-ohne-medien.de/?page_id=11363www.kopaed.de/kopaedshop/index.php?PRODUCT_ID=728 (Konferenz-Booklet)25


Vernetzung vonJugend- undMedienarbeit


Vernetzung von Jugend- und MedienarbeitNetzwerk fürMedienarbeitDie Partnerportalenetzcheckers.net28 Neue Wege für die Medien- undJugendarbeit bieten die Partnerportalenetzcheckers.net.Das Projekt Partnerportale netzcheckers.net hat sichzum Ziel gesetzt, bundesweit Einrichtungen derJugendarbeit die Möglichkeit zu geben, auf derBasis einer speziell für die Jugendarbeit entwickeltenSoftware, eigene Internetportale aufzubauen.Damit verbunden ist der Aufbau eines Netzwerksvon Partnereinrichtungen sowie ein Support, dersowohl Unterstützung bei technischen Fragen alsauch medienpädagogische Beratung umfasst. Sowird es Jugendeinrichtungen ermöglicht, sichselbst im Mitmach-Web angemessen zu präsentierenund den Jugendlichen attraktive medienpädagogischeAngebote zu machen. Das Netzwerkfördert den fachlichen Austausch. Flankiert wirddas Projekt durch ein obligatorisches Weiterbildungsangebotdes Studienzentrums Josefstal. Dieteilnehmenden Einrichtungen sollen aktive Medienarbeitanbieten und Interesse an der Kooperationim Partnernetzwerk zeigen.Das Partnerportalnetzwerk heuteDas Angebot wurde und wird gut angenommen.Seit März 2009 ist das Projekt stetig gewachsenund umfasst im Februar 2011 insgesamt 97 Partnerportale.Hiervon sind 52 Portale bereits fertigaufgebaut und offiziell gestartet. Etwa die Hälfteder Portale wird von Jugendeinrichtungen oderJugendorganisationen betrieben. Hier liegt derSchwerpunkt darauf, das eigene Angebot darzustellen,das Medium Internet in die pädagogischeArbeit zu integrieren, die Jugendlichen an dieserGestaltungsarbeit partizipieren zu lassen undMedienprodukte zu erstellen. Etwa ein Drittel derPortale sind solche Projektportale, die ihre Inhaltemedial präsentieren und darüber hinaus aktiveMedienarbeit anbieten. Den Rest bilden Themenportale,die die jugendgerechte Aufbereitung vonrelevanten Themen übernommen haben.Partnerportale in der PraxisIn der Praxis vor Ort zeigt sich, dass die Softwareauch für Nicht-Medien-Profis leicht zu bedienenist und dass der Support in der Regel sehr schnellund effektiv erfolgt. So kann auch ein Jugendzentrum,dessen konzeptioneller Schwerpunkt nichtauf der Medienpädagogik liegt, eine zeitgemäßeInternetpräsenz aufbauen. Das flexible und sehrkleinräumig einstellbare Rechtesystem macht esmöglich, Jugendlichen die Partizipation an der Erstellungvon Inhalten und internetgestützter Kommunikationeinzuräumen, die dem jeweiligen Entwicklungsstandentspricht. Mit dem Wachstumund der Entwicklung des Netzwerkes entwickeltensich sowohl aufseiten der Beratung und des Supportsals auch im Netzwerk der Partnerportale praxisgerechteFormen der gegenseitigen Information,der fachlichen Kommunikation und des fachlichenFeedbacks. Zentraler Ort für diese Netzwerkarbeitist das Community-Portal der Netzwerkpartnerhttp://netzcheckers.net.Bernhard Eckmann, Moderationnetzcheckers.net / Jugend online


CommunitydeveloperCampDas Treffen der Partnerinnen undPartner von netzcheckers.netDas CommunityDeveloperCampist das jährliche Treffender Betreibenden von Partnerportalen.Es bietet denNetzwerkpartnerinnen und-partnern Gelegenheit, sichpersönlich kennen zu lernenund Impulse für die Weiterentwicklungund die Praxisder Partnerportale zu geben.29Die Betreibenden von Partnerportalen im Projektnetzcheckers.net können sich auf die Ressourcen einesNetzwerks stützen, das im Community-Portalhttp://netzcheckers.net sein virtuelles und ganzpraktisches Zentrum hat. In der Regel kennen sichdie beteiligten Kolleginnen und Kollegen nichtpersönlich, und die Kommunikation zwischenden Partnerinnen und Partnern, der Moderationund dem/der Communitymanager/-in erfolgt perE-Mail, Foren und Telefon. Auf die Informationenund Materialien im Community-Portal kann dabeiimmer zugegriffen werden.


Vernetzung von Jugend- und MedienarbeitDas CommunityDeveloperCampist der Ort, an dem gemeinsamdie wichtigsten Impulse fürdie Praxis der Partnerportaleentwickelt werden.30 Community-Entwicklung undPartizipationEinmal im Jahr gibt es für alle Beteiligten dieMöglichkeit, sich zum CommunityDeveloperCampin Josefstal zu treffen. Das Studienzentrum fürevangelische Jugendarbeit stellt als langjährigerQualifizierungspartner von Jugend online bei diesenNetzwerktreffen den Rahmen und die Moderationzur Verfügung.Auch wenn nicht immer alle Betreiber/-innen einesPartnerportals dabei sein können, so ist dasCommunityDeveloperCamp doch der Ort, an demgemeinsam die wichtigsten Impulse für die Praxisder Partnerportale entwickelt werden.Es spricht für die Lebendigkeit des Netzwerks,dass die Teilnehmenden eine Fülle von Vorschlägen,Anregungen, Kritik und Angeboten in dasCommunityCamp mitbringen und im Austauschmit den beteiligten Projektpartnerinnen und -partnernausformulieren. Nur hier ist der Kontakt mitden Programmierenden, dem Projektmanagementund mit dem Team der Trainer/-innen der Qualifizierungs-Workshopsschwellenfrei möglich.(digital codierte) Konzeption ist, ist diese interdisziplinäreKommunikation von Pädagogik, Projektmanagementund Informatik unverzichtbar. Undes ist zugleich die Umsetzung des partizipativenGrundgedankens der Community, der für jungeMenschen dann besser erlebbar wird, wenn diebeteiligten Pädagoginnen und Pädagogen an sichselbst diese Erfahrung von realisierter Partizipationmachen.Für die Effizienz der Community ist es allemal einGewinn, in Distanz zum Alltagsbetrieb die Grundlagender eigenen Praxis als Moderierende einesEntwicklungsprozesses zu pflegen und weiterzuentwickeln.Bernhard Eckmann, Moderationnetzcheckers.net / Jugend online,Wolfgang Schindler, Studienzentrumfür evangelische Jugendarbeit inJosefstal e.V.Davon profitieren die Community und die Entwicklungder Plattform. Da Software immer auch


Partnerportal-WorkshopsQualifizierung für Netzwerkpartnerinnenund –partner imStudienzentrum JosefstalCommunity-Software wie diefür netzcheckers.net entwickelteoOS-Plattform zieltauf die Kooperation einerVielzahl von Menschen ab, dieWebinhalte generieren.Online-Communities sind sou. a. auf Software-Ebene zugestaltende Organisationen,für deren Entwicklung Kenntnisseauf technischer und aufsozialer Ebene nötig sind.Technische Kenntnisse werden zwar oft im Selbststudiumerworben. Gerade aber in pädagogischenBerufen fehlen dazu oft Selbstvertrauen und Zeit.Die Partnerportal-Mitarbeiter/-innen lernen zielgerichtetin einer Gruppe, die von den vielfältigen,einschlägigen Kenntnissen der Teilnehmendenund Leitenden geprägt und belebt wird. Die dreitägigenWorkshops, die seit 2006 stattfinden, bietendaher eine Lernumgebung, die eigenständige Explorationund wechselseitige Beratung ermöglichtund fördert. Statt trägen Wissens im „Schulungs-Setting“ werden in solch einer konstruktivistischgestalteten Lernumgebung aktives Wissen undTransferkompetenz erarbeitet sowie Selbststudiumund kollegiale Vernetzung online wie offlineangeregt.deswegen auf die gemeinsame Entwicklungeines (Übungs-) Partnerportals durch die Teilnehmendenangelegt. Im Verlauf wird dabei dieenge Verzahnung zwischen sozialem Prozess undtechnischer Realisierung erfahrbar. Beispielhaftwird das etwa an der Gestaltung der Vergabe vonZugriffsrechten verständlich, die mit der Rolle imGruppenprozess korreliert – das Rechtesystem imCMS ist auch als Spiegel der Gruppenstruktur zumjeweiligen Zeitpunkt verstehbar. Um produktiv arbeitenzu können, brauchen Gruppen Mitglieder,die ihre Rollen ausfüllen und diese – ihrem Wachstumsprozessentsprechend – auch ändern können.Die Workshopleitung gewährleistet das Arbeitenin angemessenen Räumen und stellt die technischenund zeitlichen Ressourcen zur Verfügung.Sie führt die Teilnehmenden zur Gestaltung desÜbungsportals. Das ist ein gemeinsamer Weg produktiverMedienarbeit, der immer auch gruppendynamischeProzesse umfasst. Die Kursgruppe istdamit zugleich ein Erlebnisraum für die Teilnehmenden,die nach dem Workshop selbst Leitungsaufgabenin der eigenen Online-Community vorOrt übernehmen. Die Reflexion des Prozesses hilft,solche Zusammenhänge zu verstehen. Am Modelldes Leitungsteams kann untersucht werden, wiedessen Handeln die Arbeitsfähigkeit der Gruppebeeinflusst.www.josefstal.deWolfgang Schindler, Studienzentrumfür evangelische Jugendarbeit inJosefstal e.V.31Workshops als Lern- und ErlebnisraumSoziales Wissen und didaktisch pädagogischeKompetenz sind für die Gestaltung einer Online-Community unabdingbar. Die Workshops sind


Vernetzung von Jugend- und MedienarbeitEduCampGestaltung eines Lernraumes32 Die EduCamp-Reihe im deutschsprachigenRaum nahm ihrenAnfang im April 2008 mit demersten Camp in Ilmenau. Alsthemenspezifisches BarCamplockt es seitdem im halbjährlichenAbstand Interessiertezu Fragen rund ums Lernen undLehren mit digitalen Medien.Jugend online unterstützt dasEduCamp seit 2008 als Fördererund Kooperationspartner.BarCamps – auch „Unkonferenz“ bezeichnet – unterscheidensich von herkömmlichen Konferenzendarin, dass sich die Organisatorinnen und Organisatorenvöllig aus der thematischen Ausgestaltungder Konferenz heraushalten und diese Verantwortungganz in die Hand der Teilnehmendenlegen. Diese werden aufgerufen, ihre Themen zumEduCamp selbst mitzubringen und innerhalb einerSessionpräsentation zu Beginn eines Tages vorzustellen.Findet das Thema durch Handzeichen desPublikums ausreichend Zuspruch, kommt die Sessionzustande und wird in den Sessionplan eingetragen.Vorab findet stets eine Kurzvorstellung allerTeilnehmenden anhand des Namens und dreierSchlagworte statt.Die Teilnahme und Verpflegung an den EduCampsist kostenlos. Auf eine Grund- oder Vollfinanzierungder Organisationskosten kann also nichtzurückgegriffen werden. Die Einwerbung vonSponsorengeldern gehört daher zu einer der wichtigstenAufgaben im Vorfeld. Ende des Jahres 2010entschlossen sich die bisherigen Organisierenden,einen gemeinnützigen Verein als organisatorischesRückgrat der Veranstaltung zu gründen. Neben einerunkomplizierten finanziellen Abwicklung bietetdie Gründung vollständige Transparenz der Aktivitätendes Vereins gegenüber allen Beteiligten.Seit dem ersten EduCamp in Ilmenau stellt der Microblogging-DienstTwitter ein wichtiges Kommunikationsinstrumentdar – und zwar vor und nach,aber insbesondere auf dem EduCamp selbst. VorOrt aufgestellte Twitterwalls ermöglichen es auchNicht-Twitterern zu sehen, was gerade auf diesemBackchannel diskutiert wird. Twitter bietet somiteinen idealen Informationskanal über verlegte Sessions,für deren Inhalte oder für die Ankündigungvon Abendveranstaltungen und Live-Streamings.Zentrales Bindeglied für die Dokumentation stelltder Sessionplan dar, der sein digitales Pendant inder Mixxt-Matrix (Beispiel vom Bremer EduCamp2011 http://tinyurl.com/mixxtmatrix) findet. DasRaster aus Sessionslots mit ihren Ort- und Zeitkoordinatenbietet die Möglichkeit, Sessions schnellwiederzufinden und eine entsprechende Dokumentationvorzunehmen.http://educamp.mixxt.deThomas Bernhardt, Uni Bremen undMarcel Kirchner, TU Ilmenau


GautingerInternet-TreffenMedienpädagogiktrifft JugendarbeitDas Gautinger Internet-Treffenist ein bundesweites Forumfür medienpädagogisch Interessierte.Dieser reale Eventbietet zeitgemäße Impulse,zwischenmenschliche Begegnungenund praxisnahe Erkenntnisse.33Das erste Gautinger Internet-Treffen fand im März2000 statt. Es stand noch unter keinem Motto. Inder Ausschreibung von damals hieß es: „Passendzum neuen Jahrtausend – so möchte man sagen –bietet das Institut für Jugendarbeit in Gauting inKooperation mit dem SIN-Studio im Netz eineneue Arbeitsform an: Das Erste Gautinger Internet-Treffen“. Seit 2008 ist Jugend online Mitveranstalterder Gautinger Internet-Treffen.Medienarbeit in Theorie und PraxisDie Arbeitsform als Treffpunkt von Medienfachleutenund Fachkräften der Jugendarbeit hat sichbewährt und bietet jährlich Vorträge, Best-Practice-Beispiele und Workshops zu einem Thema, das ausdem pädagogischen Alltag nicht mehr wegzudenkenist. In dem zweitägigen Internet-Treffen gebenkompetente Referentinnen und Referenten Inputszur theoretischen Auseinandersetzung mit dem Ta-


Vernetzung von Jugend- und MedienarbeitIns Gautinger Internet-Treffenwerden außerdem neuste Internet-Anwendungenintegriert– so wird seit einigen Jahrengestreamt, getwittert, gebloggt,gefacebookt und gemixxt.34 gungsthema, die ergänzt werden durch alltagstauglicheund zukunftsweisende Projekte als Impulsefür die tägliche Praxis. Auch die Präsentationen vonden geförderten Projekten der Fördermittel NeueMedien und Internet des Stadtjugendamts Münchendürfen nicht fehlen. Als Abendprogramm hat sichein „digitales Lagerfeuer“ in unterschiedlichen Formenetabliert. Ins Gautinger Internet-Treffen werdenaußerdem neuste Internet-Anwendungen integriert– so wird seit einigen Jahren gestreamt, getwittert,gebloggt, gefacebookt und gemixxt.Und wie hieß es so schön in der ersten Ausschreibungim Jahre 2000: „Das Gautinger Internet-Treffen ist gedachtals Plattform zum Erfahrungsaustausch, Börsefür neue Ideen, Ort für neue Anregungen und zurkonzeptionellen Weiterentwicklung“. Dies galt undgilt auch für alle weiteren Gautinger Internet-Treffen.Bisherige Mottos2001: Multimedia für Kinder und Jugendliche:Neue Ungleichheiten oder neue Chancen?2002: Die PC-Welt und künstlerische Ausdrucksformen:Alte Kunst in neuen Schläuchenoder virtuelle Realitäten?2003: Computerspiele: Zwischen Fiktion undWirklichkeit?2004: Just Imagine… digitale Inspirationen zurFörderung von Kreativität und Fantasie!2005: Gut geklickt ist halb gelernt? Formen desvirtuellen Lernens2006: WWW – Weites Netz mit großen Lücken.Zielgruppenspezifische Zugänge zum Web2007: Allmächtige Medien!? Was machen dieMedien mit den Jugendlichen? Und was machendie Jugendlichen mit den Medien?2008: Radikal im Netz: Pädagogische, psychologischeund politische Aspekte der Internetnutzungvon Jugendlichen2009: Von den Computerfreaks zur Mediengeneration2010: Gutes Netz – böses Netz2011: Digitale Jugendbildung: E-Partizipationin Jugendarbeit, Schule und Gesellschaftwww.institutgauting.dewww.sin-net.dehttp://git.mixxt.deAlbert Fußmann, Institut fürJugendarbeit GautingHans-Jürgen Palme und Katrin Huber,SIN-Studio im Netz e.V.Bild oben: Albert Fußmann vom Institut für JugendarbeitGauting eröffnet das 12. Gautinger Internet-Treffen.


Mac*daysDer Event für Bildungsarbeitmit digitalen MedienDie MaC*days sind ein seitJahren anregender medienpädagogischerEvent für Bildungsarbeitmit digitalen Medien inSchule und Jugendarbeit. Mitdem Ziel, der Jugend ans Netzzu helfen, haben die MaC*dayseinen festen Platz in der Bildungslandschaftfür medienpädagogischengagierte pädagogischeMitarbeitende erobert.Jugend online ist seit der ersten Ausgabe derMaC*days als Mitveranstalter dabei. Seit 2003stellen sich die MaC*days aktuellen Herausforderungen,wie schon in den Tagungstiteln deutlichwird:2003: Bildung und Lernen online – Chancennach „PISA“?2004: Historische Utopien, aktuelle Perspektiven2005: Erfolgreich digital. Zwischen Avantgardeund Mainstream2006: Mit Netz und doppeltem Boden – Arbeitmit Jugendlichen im Web 2.02007: Entdeckungen & Begegnungen –Bildungschancen in digitalen Räumen2008: Netzkultur Zwo.Null – erfolgreicheVerhaltensstrategien in sozialen Netzwerken2009: Im Netz werken: Kollaboration Zwei.Null2010: Jugendarbeit online vernetzt – keineBildung ohne MedienGemeinsamer Nenner dieser unterschiedlichenAkzente ist Bildungsarbeit mit digitalen Medien,mit dem Blick auf die Pädagoginnen und Pädagogenund deren Institutionen, mit und in denen derParadigmenwechsel vom Belehren zum BegleitenWirklichkeit werden könnte und soll.Denn Bildungsarbeit – schulisch wie außerschulisch– entfaltet in der Breite bislang eher halbherzigdie Chancen digitaler Medien. Medienprojektescheinen oft nur der Schaum auf dem pädagogischenAlltagsbier zu sein, das weiterhin lieber nach„Schulmeisterart“ denn nach „Montessori 2.0“ gebrautwird. Deren Leitmotiv für pädagogischesHandeln hieß: „Hilf mir, es selbst zu tun“.Das funktionierte 1907 mit Holzbausteinen, 2011funktioniert es mit digitalen Medien umso besser.Neurologie und Konstruktivismus liefern dazu dieanthropologischen Grundlagen, die IT-Branchedie Werkzeuge und die MaC*days Impulse zur Realisierung:35


Vernetzung von Jugend- und MedienarbeitBildungsarbeit entfaltet inder Breite bislang eher halbherzigdie Chancen digitalerMedien.36Als Event für Bildungsarbeit mit digitalen Medien,als animierend gebaute Lernumgebung, als „Spiel-Raum“ für Professionelle in Schule und Jugendarbeit:Statt „Schulung“ experimentieren sie in diesendrei Tagen mit neuen Ideen und Werkzeugendes Mitmach-Internets. Denn Empowerment undPartizipation junger Menschen kann nur fördern,wer statt drohender Entwertung seiner bisherigenMedienkompetenz selbst die Lust am Lernen neuerleben darf.www.josefstal.de/mac/daysWolfgang Schindler,Studienzentrum für evangelischeJugendarbeit in Josefstal e.V.


Franz Josef RöllPotentiale von Social Mediafür die JugendarbeitAm 12.04.2011 besuchte ich die Stuttgarter Medientage. Ineiner Arbeitsgruppe berichtete Christine Bollig über „MobileJugendarbeit 2.0 und die Anforderungen an eine virtuellaufsuchende Jugendarbeit“. Die von ihr vorgestellte MobileJugendarbeit versteht sich als niederschwelliges Angebot fürjunge Menschen, die ausgegrenzt und gesellschaftlich benachteiligtsind und von den herkömmlichen Angeboten der Jugendarbeitund Jugendhilfe nicht erreicht werden. 1 Eines ihrerZiele ist es, zu einer Verbesserung der Lebenssituation vonjungen Menschen beizutragen.37Dazu gehört weiterhin die Einbeziehung traditionellerMethoden der aufsuchenden Jugendarbeit.Mithilfe von Social Media arbeitet Christine Bolligzugleich auch am Aufbau einer virtuellen Vernetzungsstrukturim Sozialraum. Social Media ersetzendabei nicht die persönliche Begegnung, eherkann von einer Erweiterung gesprochen werden.Am 13.04.2011 machte ich mit einer Gruppe vonStudierenden eine Exkursion zu dem gerade neugebauten Jugendzentrum Ginsheim. 2 Oliver Diehl,der u. a. für die Medienprojekte zuständige Sozialpädagoge,vermittelte bereits zu Beginn denStudierenden, dass nach seiner Auffassung offeneJugendarbeit in erheblicher Weise profitiert, wennman die Medienerfahrungen der Jugendlichennutzt und sich ebenfalls vor allem in Plattformenaufhält, wo sich die Jugendliche befinden. Nachseiner Erfahrung werden Jugendlichen nicht mehrmit Flyern erreicht. Der Ort, der diese ansprechbarmacht für Impulse, ist aktuell Facebook, wo das JugendhausGinsheim 195 Freunde verzeichnet. 3


38 Ergänzend zu den Begegnungen im Jugendhausbietet die Jugendhaus-Seite bei Facebook den Sozialpädagoginnenund –pädagogen die Chance, invirtuellem Kontakt mit den Jugendlichen zu sein.Dies wird sowohl von Jugendlichen genutzt, umbei Bedarf eine Beratung zu bekommen, und eswird von den Sozialpädagoginnen und –pädagogengenutzt, um auf ihre Angebote und Projektehinzuweisen.Die beiden Beispiele zeigen, dass Social Mediavielfältige Potentiale für die Jugendarbeit eröffnen.Jugendliche stehen vor unterschiedlichenHerausforderungen. Sie müssen sich von der Familielösen, sie sind damit konfrontiert, sich mit ihrerberuflichen Zukunft auseinanderzusetzen, sie sindauf der Suche nach befriedigenden FreundschaftsundPartnerbeziehungen.Da die traditionellen Werte und Vorgaben zunehmendschwinden, sind sie gezwungen, sich selbstzu orientieren, eigene Entscheidungen zu treffen,sich innerhalb ihrer Lebenswelt zu verorten undKompetenzen zu erwerben, die es ihnen erlauben,in einer immer schwieriger zu durchschauendenLebenswelt zurecht zu kommen. Vor allem die PeerGroup bietet einen Raum des Rückzugs, der Sondierungund der Bewältigung anstehender Herausforderungen.Verbunden ist die Peer Group durchmobile Kommunikation und Netzwerke.Zur Zeit verkörpert vor allem Facebook den zentralenvirtuellen Dorfplatz von Peer Groups. Warumsich auch aufgrund von veränderten strukturellenBedingungen in der virtuellen Welt der Social MediaRessourcen für eine zeitgemäße Jugendarbeiteröffnen, möchte ich im Folgenden skizzieren.Unsere Vorstellungen vom Lebens- und Sozialraumsind noch stark an geographischen Verortungenorientiert. Für Jugendliche löst sich aufgrundder Alltagserfahrung die Vorstellung der Trennungvon realem und virtuellem Raum auf. BeideLebenswelten werden im Wahrnehmungsprozessvon Jugendlichen als Amalgam erlebt. Daher ist esauch stimmig, dass Jugendliche in den Social Mediavor allem mit denen kommunizieren, mit denensie auch im realen Leben verbunden sind.Martina Löw definiert Räume als relationale(An-)Ordnungen von Lebewesen und sozialen Güternan unterschiedlichen Orten. Räume sind nachdiesem Konzept das Resultat von Handlungen. Esgibt somit nach diesem Verständnis keine kategorialeUnterscheidung zwischen realen und virtuellenRäumen. Bei Christian Reutlinger wird dersoziale Raum als ständig (re-)produziertes Gewebesozialer Praktiken verstanden.Der soziale Raum im Internet kann daher nichtmehr durch die Anordnungsmuster der Standortevon Menschen und Artefakten bestimmt werden(geographischer Aspekt), sondern durch ein Koordinatensystemvon sozialen Handlungen bzw. sozialenPositionen (Beziehungskorrelationen).


Der Aufbau und die Pflege von Kommunikations-und Beziehungskulturen bilden folgerichtigauch die Matrix des Interesses von Jugendlichen,sich bei Social Media zu beteiligen.Zunehmend ist entscheidend, welchen Umfangdes ökonomischen, kulturellen oder symbolischenKapitals diejenigen besitzen, mit denen man inVerbindung steht. Die Möglichkeit einer Akteurin/eines Akteurs aufgrund ihrer/seiner sozialen Positionin einem sozialen Beziehungsgeflecht bestimmteRessourcen zu mobilisieren, hat Auswirkung aufsein /ihr soziales Kapital (Pierre Bourdieu). Aus diesemGrunde erhalten aktuell computervermitteltesoziale Netzwerke eine zentrale Bedeutung bei derStrukturierung sozialer Beziehungen.Prof. Dr. Franz Josef Röll,Hochschule Darmstadt,Fachbereich Gesellschaftswissenschaftenund soziale Arbeit,Schwerpunkt: Neue Medien undMedienpädagogik1http://www.hilfezurselbsthilfe.org/arbeits_felder/02_01.html2http://www.juz.gigu.de/3http://de-de.facebook.com/people/Jugendzentrum-Ginsheim/100002074440194)39Die Identitätsarbeit ist in der Postmoderne nieabgeschlossen, da die Teilidentitäten instabil sind.Daher handelt es sich um einen lebenslangen offenenProzess. Bei der Arbeit an den jeweiligenTeilidentitäten bietet das Web 2.0 Kinder- und Jugendlicheneinen Erfahrungsraum. Bei ihrer Suchbewegunghin zu einer Kernnarration, der narrativenVerdichtung der Darstellung der eigenenPerson, können Social Media eine beachtliche Hilfestellungleisten, da die User im Internet ihre Identitätennicht in einem Bewusstseinsakt gestalten,sondern im Kontext des aktuell geführten Dialogs.Social Media sind somit nicht nur Ort der Informationund Kommunikation, sondern zugleichOrt der Vermittlung soziokultureller Denk- undWahrnehmungsweisen. Web 2.0 trägt dazu bei,Denk- und Wahrnehmungsmuster zu entwickeln,die helfen, in der aktuellen gesellschaftlichen SituationHandlungsfähigkeit zu entwickeln.Aus diesen Gründen bieten Social Media erheblichePotentiale für die Jugendarbeit.


Internetund digitaleGesellschaft


Internet und digitale GesellschaftPolitCamp 10 in BerlinPolitik trifft Web 2.042Vom 20. bis 21. März 2010fanden in Berlin im RadialsystemV, einem ehemaligenPumpwerk an der Spree, dasPolitCamp und erstmals auchdas JugendPolitCamp statt.Unter dem Motto „Politiktrifft Web 2.0“ diskutiertenPolitikerinnen und Politiker,Netzaktivistinnen und -aktivistensowie Jugendliche überaktuelle Netzpolitik und diePerspektiven politischer Kommunikationund Partizipationim Internet.Zahlreiche Politikerinnen und Politiker konntenfür die Veranstaltung gewonnen werden: So nahmDr. Kristina Schröder, Bundesministerin für Familie,Senioren, Frauen und Jugend, an einer Podiumsdiskussionteil, ferner kamen Matthias Groote(MdEP), Manuel Höferlin (MdB) Volker Beck (MdB),Halina Wawzyniak (MdB), Ralf Stegner (MdL,Schleswig-Holstein) und Stefan Hennewig aus derCDU Bundesgeschäftsstelle.Inhaltlicher Schwerpunkt waren die Themen Online-Partizipationbei Parteien, Regierungen undKommunen, Netzneutralität und Zugangserschwerungsgesetz,Vorratsdatenspeicherung, Jugendmedienschutzstaatsvertragsowie der Online-Wahlkampf bei der Landtagswahl in NRW. Das JugendPolitCampwurde von Jugend online unterstütztund beschäftigte sich vor allem mit der Partizipationvon Jugendlichen und den Erfahrungen, die siemit Beteiligungsmöglichkeiten gemacht haben.Breite ResonanzInsgesamt nahmen 964 Interessierte an der Veranstaltungteil, und alle von ihnen vorgeschlagenenSessions konnten durchgeführt werden: Es fanden53 Präsentationen, Workshops und Diskussionsrundenstatt, darunter zehn Veranstaltungen vonJugendlichen für Jugendliche. Neben den Session-Vorschlägen der Teilnehmenden gab es acht Vorschlägedes Organisationsteams, die bereits imVorfeld ausgewählt wurden.Die Mischung von bereits feststehenden Panelsund partizipativ eingebrachten Sessions (Bar-Camp-Prinzip) fand ein großes Echo.


Inhaltlicher Schwerpunktwaren die Themen Online-Partizipation bei Parteien,Regierungen und Kommunen,Netzneutralität und Zugangserschwerungsgesetz,Vorratsdatenspeicherung,Jugendmedienschutzstaatsvertrag.Zum PolitCamp gab es eine aktive Medienberichterstattungder Jugendpresse, die auf www.netzcheckers.deund auf www.politikorange.de multimedialüber die Veranstaltung berichtete. DasPolitCamp fand eine breite Resonanz vor allem inden Online-Medien, auf verschiedenen relevantenBlogs sowie auf Twitter und Facebook.Die OrganisatorenDas PolitCamp wird veranstaltet vom IdeengeberValentin Tomaschek und einem überparteilichenOrganisationsteam bestehend aus Ralph Makolla,Sylvia Braun, Lars Brücher, Hansjörg Schmidt undAlexander Kurz.http://10.politcamp.orghttp://11.politcamp.orgBild oben: Christian Heller bei seinem Vortrag auf demPolitCamp 10.Bild links unten: Dr. Kristina Schröder, Bundesministerinfür Familie, Senioren, Frauen und Jugend, undVolker Beck (MdB).Bild rechts unten: Podiumsdiskussion mit ThomasKnüwer, Dr. Dr. Alexander Görlach, Dr. Kristina Schröderund Volker Beck.43Valentin Tomaschek, PolitCamp


Internet und digitale GesellschaftEnquete-Kommission Internetund digitale GesellschaftVeränderte Medienrealität alspolitische Herausforderung44Der Deutsche Bundestag hat imMärz 2010 eine Enquete-KommissionInternet und digitaleGesellschaft (EIDG) einberufen,die sich mit den politischenHerausforderungen einerveränderten Medienrealitätauseinandersetzt.Die Kommission der EIDG besteht aus 17 Abgeordnetenund 17 berufenen Sachverständigen. Hinzukommt der/die sogenannte 18. Sachverständige,der bzw. die die Meinungen sich einbringenderBürger/-innen repräsentiert. In Diskussionsforenund zusätzlich über ein Beteiligungsportal könnenInteressierte ihre Standpunkte und Argumente indie Debatte einbringen. Auf Basis einer speziellenSoftware zur Eingabe und Abstimmung von Positionenwerden die Meinungsmehrheiten dargestellt,die die EIDG in ihrem Meinungsbildungsprozessunterstützen sollen.Die EIDG arbeitet in Projektgruppen zu untergliedertenThemen. Hierzu gehört neben Urheberrecht,Datenschutz oder Netzneutralität auchMedienkompetenz. Das Projekt Jugend online hatsich zu Fragen der Medienkompetenz mit eigenenÜberlegungen zu einer digitalen Jugendbildung inden Diskussionsforen der EIDG eingebracht. Mitdieser Empfehlung wurde ein Vertreter des Projektes,Jürgen Ertelt, zur öffentlichen Anhörungzum Thema Medienkompetenz eingeladen. In derStellungnahme wurden besonders die Chancen fürPartizipation durch digitale Medien und Internetherausgestellt.Medienkompetenz-Debatte on- undofflineDarüber hinaus nahm Jugend online im Rahmenvon Netzwerkarbeit aktiv an der politischen Debatteteil. So wurden überparteiliche Kontakte zu denMitgliedern und den Sachverständigen der EIDGaufgebaut.Hilfreich dabei war und ist der NachrichtendienstTwitter, der ein Monitoring und eine Kommentierungvon Informationen mit dem Schlüsselwort#EIDG erleichtert. Zusätzlich ist die fast 300 Mitgliederzählende Gruppe „Medienpädagogik“ innerhalbvon Facebook ein wertvoller Multiplikatordes Diskurses. Neben den Online-Aktivitäten stellenauch Offline-Begegnungen wie der KongressKeine Bildung ohne Medien! einen wichtigen Ort dar,die Diskussion um Medienkompetenz fortzuführenund Kolleginnen und Kollegen in ihrem Engagementzu unterstützen.https://enquetebeteiligung.dehttp://www.bundestag.de/internetenquete/http://forum.bundestag.de/forumdisplay.php?20Medienkompetenz/page3&order=descJürgen Ertelt, Jugend online /IJAB – Fachstelle fürInternationale Jugendarbeit derBundesrepublik Deutschland e.V.


Partizipation im NetzDialog Internet erprobtdezentrale Strategiefür ePartizipation vonJugendlichenDas Mitmach-Internet bietetKindern und Jugendlichen dieMöglichkeit, für ihre Belangeeinzutreten. Bisher ist ihreBeteiligung bei elektronischenPartizipationsformaten jedochnoch gering. Neue Wege gehtder Dialog Internet.Die Entwicklung hin zum dialogischen Internetmit seinen Möglichkeiten des Austauschs, derVernetzung und des kooperativen Arbeitens bietetKindern und Jugendlichen die Chance, ihre Interessenöffentlich zu artikulieren. Doch zeigen bisherigeErfahrungen im Bereich der Angebote elektronischerPartizipation eine deutliche Schieflage beiden Nutzergruppen: Jugendliche sind bei diesenVerfahren stark unterrepräsentiert. Gründe hierfürliegen einerseits in einem fehlenden jugendspezifischenFokus der Akteure und an den Verfahren etablierterePartizipationsformate, andererseits daran,dass junge Menschen bisher wenig Unterstützungfinden, ihr spontanes und punktuelles Engagementim Internet in nachhaltige Beteiligungsprozesse zuüberführen.Beteiligung über Soziale NetzwerkeOnline-Partizipationsvorhaben müssen sich denneuen Kommunikationsformen des Web 2.0 anpassenund junge Menschen darin bestärken, zielgerichtetauf konkrete politische Entscheidungen Einflusszu nehmen. Modellhaft wird dies im Rahmendes Dialog Internet erprobt, den BundesministerinDr. Kristina Schröder im November 2010 startete,um mit Expertinnen und Experten, Interessiertenund Jugendlichen über Chancen und Risiken des Internetszu diskutieren und gemeinsam Vorschlägefür eine zeitgemäße Kinder- und Jugendpolitik fürdie digitale Welt zu erarbeiten. Neben Arbeitsgruppen-und Expertentreffen wurden eine moderierteInternetplattform unter www.dialog-internet.deeingerichtet und alle Beiträge und Ergebnisse derDiskussion sammelt. Um auch junge Menschen zubeteiligen, verfolgt der Dialog Internet eine dezentralePartizipations-Strategie in sozialen Netzwerken.Dazu wurde zum einen eine Facebook-Gruppe initiiert,die engagierte Jugendliche betreuen undmoderieren. Zum anderen entwickelte man einePartizipations-Applikation und platzierte diese imSchülerVZ. Die App ermöglicht es Jugendlichen,ein Anwendungsprogramm zu installieren, mitdem sie in wöchentlichen Abständen bestimmteFragen des Dialogprozesses innerhalb ihres Profilsauf SchülerVZ diskutieren können. So werden dieFragen des Dialogs in jugendverständlicher Sprachean dem Ort gestellt, wo junge Menschen sichim Internet austauschen. Eine aktive Moderationdes Gesamtprozesses spiegelt die Diskussionsergebnissein die Dialogplattform zurück. Somiterfüllt der Dialog Internet den Anspruch, sich innerhalbder Peer-to-Peer-Kommunikation einzubringenund gleichzeitig einen direkten Rückkanalzur politischen Ebene anzubieten, um die Diskussionsergebnisseder Jugendlichen in die zukünftigepolitische Strategie des Ministeriums einbeziehenzu können.www.dialog-internet.deDaniel Poli, Jugend online / IJAB –Fachstelle für InternationaleJugendarbeit der BundesrepublikDeutschland e.V.45


Das Konzept der digitalenJugendbildung folgt entgegenherkömmlicher Lernkultureiner ressourcenorientiertenKompetenzvermittlung, die(informelle) Lerninhalte dortplatziert, wo die Jugendlichensich im Netz austauschen.sie zu beteiligen und zum gleichberechtigtenTräger von Information zu machen,Netzwerke in der Jugendarbeit aufzubauen,die virtuelle Lebens- und Lernerfahrungen realbegleiten,Netzwerke mit Online-Communities, Institutionender Selbstkontrolle und der Internetwirtschaftaufzubauen, um sie als Partner von Jugendbildungzu gewinnen.Jugendarbeit in CommunitiesJugendarbeit online steht als offenes Angebot innerhalbvon Online-Communitys, beispielsweiseals Twitterkanal, YouTube-Chanel oder Schüler-VZ-Profil immer dann zur Verfügung, wenn jungeMenschen ein Interesse anmelden und direkteFragen stellen. Die Rolle des Pädagogen bzw. derPädagogin wandelt sich zu einer Mentoren- bzw.Unterstützertätigkeit, die dazu beiträgt, dasssich eine von Jugendlichen bestimmte Lernumgebungkonstituiert. Er ist damit nicht Teil derPeer-to-Peer-Kommunikation, sondern steht imAustausch mit Einzelnen, wenn bestimmte Informationenund Kompetenzen innerhalb der Communitynicht selbst generiert werden können. Somitlernen die Begleitenden von den Expertinnenund Experten der Jugendkommunikation, undes können sich gemeinsame Lernprozesse entwickeln.Einzug in die pädagogische Praxis finden:Kreative Potentiale stärken und Medien als aktiveProduzierende erleben.Informationskompetenz stärken, um kritischmit Quellen im Internet umzugehen.Sensibilisierung für einen reflektierten undkritischen Umgang mit persönlichen Daten.Junge Menschen darin stärken, kritische Konsumierendeim Internet zu werden.Selbstbewusster und kompetenter Umgangmit Urheberrechten.Sensibilisierung zur Vermeidung einer exzessivenMediennutzung.Stärkung eines nachhaltigen und ressourcenschonendenUmgangs mit Technik und Energie.Chancen für Partizipation mithilfe digitalvernetzter Medien nutzen und verstärkt neue Formenvon ePartizipation im Rahmen digitaler Jugendbildungerproben.Daniel Poli, Jugend online / IJAB –Fachstelle für InternationaleJugendarbeit der BundesrepublikDeutschland e.V.47Aufgaben digitaler JugendarbeitAngesichts des veränderten Mediennutzungsverhaltensjunger Menschen bedarf die Interpretationvon Medienkompetenz einer deutlichenNeuanpassung und Erweiterung. Es gilt jetzt vorallem, dass neue, netzspezifische Inhalte im Rahmender positiven Medienkompetenzförderung


Wolfgang ZachariasMedienbildunggeht xxx [uns] alle anKulturelle Bildungund digitale Medienkultur48Bei aller Aktualität Kultureller Bildunggilt es, die nachwachsenden Generationen,ihre Medienwelten und symbolischenKommunikationsformen nicht zu verfehlen.Dies ist Anliegen einer neuen kulturellenMedienbildung 2011 und Impuls für KulturelleBildung generell. Es ist unverzichtbarerTeil allgemeiner Bildung und untrennbar vonKultur-, Jugend- und Schulpolitik, ästhetischerFrüherziehung und Erwachsenenbildung. DasPostulat von Kooperation und Vernetzung auch aufder Ebene von „Ganztagsbildung“ und „lokalenBildungslandschaften“ gilt es dabei, auf diezunehmend digitalen Medienwelten vor allemjunger Menschen, deren kreative wie werthaltigeSymbol- und Kommunikationswelten, erweiterndzu beziehen. Kulturelle Medienbildung schließtlebensweltliche, leibliche Sinnesbildung undErfahrungsproduktion komplementär und konvergentzu aller kulturellen Medienkompetenz heute undin Zukunft mit ein. Medienbildung ist auchWahrnehmungs- und Sinnesbildung!


Aktuelle Medienkulturen verändern die menschlicheZeit- und Raumwahrnehmung und damit dieentsprechende Verortung des Ichs in kulturhistorischenDimensionen. Bildung ist dabei entsprechenddes Ziels eines gelungenen und balanciertenSelbst- und Weltverhältnisses zentral betroffen.Dies ist eine medienästhetische Herausforderungfür Kulturelle Bildung insgesamt. Es betrifft diebesondere „Mensch-Maschine-Relation“ entsprechendder Wertung des Computers als „universelleMaschine“ einerseits. Andererseits geht es um diekulturelle Verfasstheit des Menschen als „animalsymbolicum“ und „homo ludens“, in aktualisierterForm als „homo medialis digitalis“ mit durchausanthropologischen Transformationsqualitäten.49Der medial vernetzte Alltag formtkulturelle Identitätsbildung neuDie Enquete-Kommission des Deutschen Bundestagesstellt im Schlussbericht „Kultur in Deutschland“entsprechend der Bedeutung von Kunst undKultur für Individuum und Gesellschaft im Horizontvon aktuellen (Bildungs-)Herausforderungenfest: „Eine zunehmend wichtiger werdende Facetteder kulturellen Bildung ist daher die kulturelleMedienbildung.“ Es heißt weiter: „Neue Medienhaben die Eigenschaften, dass sie sowohl Kompetenzenerfordern wie auch Kompetenzen vermitteln.Dazu gehören unter anderem Symbol- undBildsprachenkompetenz, Wahrnehmungs- undAusdrucksfähigkeit sowie Text- und Sprachkompetenz,des Weiteren die Fähigkeit, mit neuenMedien sowohl rezeptiv und produktiv als auchkritisch und reflektiert umzugehen.“ (DeutscherBundestag 2008, S. 593)Kulturelle Medienbildung ist mehrund geht alle anDie lebensweltdurchdringende Expansion der digitalenund vernetzten Medientechnologien, etwaim Web 2.0 und als zeit-räumliche weltweite Mobilisierungvon Daten und Informationen, ist einPhänomen, das alle Sparten, Felder und Formendes Künstlerischen und Kulturellen betrifft. Insoferngeht eine erweiterte Medienbildung, wennauch in neu zu gestaltenden Formen, alle kulturellästhetischbildenden Angebote an.Insbesondere in den sozialen Netzwerken undCommunities, den interaktiven Spielwelten undThemenforen, den Echtzeitinformationsplattformenmit zunehmenden Bild-/Textdistributionen,der räumlichen Verortung und Informationsversorgungentstehen neue Kommunikations- undWahrnehmungskulturen. Sie haben exemplarischeund zu fördernde Qualitäten wie: kollaborativesAustauschen und Produzieren, kollektivehierarchiefreie Meinungsbildung auch mit besondererpolitischer Relevanz, Eigenaktivität und Kreativitätdabei stärken und offene Gemeinschaften(er-)leben, Hierarchien abbauen und Strukturenanschaulich machen, Mobilität und Transparenzerhöhen, Diskurse und Austausch beschleunigen


50 und intensivieren, Inszenierungen und Präsentationenvereinfachen und vervielfachen, neue Kontakteund Zielgruppen erreichen, Gehör finden undpolitische Prozesse demokratisieren.Vermittlung kulturell-ästhetischerMedienkompetenzAktiver Medienumgang verwirklicht also künstlerisch-ästhetischeTeilziele, vermittelt Schlüsselkompetenzenund Wirkungsdimensionen kulturellerBildung entsprechend eines erweitertenKunst- und Kulturbegriffs mit gesellschaftlicherBedeutung und Dimension. Spezifisch medienpädagogischeKompetenzen fokussieren hierbei dieunmittelbare Mediennutzung in sowohl produktivenwie rezeptiven Formen zugunsten von informationstechnologischerüber gestaltend-kreativerbis zu medienkritischer Kompetenzaneignung.Kulturelle Medienbildung wird damit zum Auftragund Anliegen aller Akteurinnen und Akteureund Formate Kultureller Bildung. Und zwar indem Maße, wie man die veränderten kulturellenAlltags- und Lebensweltbezüge ihrer Adressaten,ihrer kommunikativen Bildungsbiographien undkulturell-ästhetischen Ausdrucksinteressen ernstnimmt. Dies schließt selbstverständlich auch denpositiven Bezug zu popkulturellen wie interkulturellenAlltagsphänomenen ein. Hier beginnenkulturelle Inklusion und ästhetische Partizipationals Teilhabechance auch jenseits des traditionellenKulturkanons. Verstärkt wird dies durch die aktivierendeAkzeptanz experimentell-spielerischerUmgangsweise mit neuen Ausdrucksformen, Technologienund kollaborativen Kommunikationen.Vernetzte und interaktive Kommunikationsskulpturenbedeuten eine Chance und einen potentiellenFreiheitsgewinn auch für sich selbstregulierendeinformelle Bildungsprozesse. Aber gerade dazu bedarfes kultur- und medienpädagogisch gestalteterGelingensbedingungen und Ermöglichungsstrukturenin situativen räumlichen Konstellationenund zeitlich flexibel rhythmisierbaren Passagen.Zu verankern ist dies sowohl in den realen leiblichsozialenLebenswelten wie auch in den immateriellenSymbol- und Kommunikationssystemen derdigitalen Medienwelten. Diese gilt es als Spiel-,Experimentier-, Options- und Lernräume mit ihrenFaszinationen, Verführungen, Chancen undRisiken zugunsten von Sinnfindung, Navigation,Orientierung, Selbstverortung und Mitgestaltungzu öffnen und anzubieten. Dort werden die zunehmendlabyrinthischen Wirklichkeiten erfahrbarund beherrschbar. Dies wird zum erweiterten medienästhetischenBildungsziel zugunsten kulturellerund sozialer Identitätsfindung: Kulturelle Medienbildungzwischen „Sinne“ und „Cyber“ ist dieParole und Perspektive (vgl. Zacharias 2010).Herausforderungen und Handlungsbedarf:KuBi 2.0Kulturelle Bildung mit den Möglichkeiten und unterden Bedingungen einer lokalen und globalendigital-vernetzten Gesellschaft mit weitgehendverfügbaren Daten, Informationen und potentielleraktiver Teilhabe daran wird im Wechsel der GenerationenKultur und Bildung grundlegend sowieunabsehbar zukunftsoffen verändern. Hier bestehtinnovativer Handlungsbedarf. Dieser technologie-und medienbedingte Transformationsprozessbetrifft alle existentiellen und gesellschaftlichenLebensbereiche. Der Sektor, der die Schnittmengenvon Kultur und Bildung in unübersichtlichenaktuellen Zuständen repräsentiert und formatiert,ist in dieser Situation ganz besonders gefordert.


Hier gilt es einerseits das Generationenverhältniskonsensual zu gestalten, andererseits die unteralltäglichen Medienbedingungen und deren Möglichkeitenwie Versuchungen nachwachsenden Generationenauf eine ungewisse und offene Zukunftvorzubereiten, beziehungsweise ihnen dazu auchanteilig eigenverantwortliche Rahmenbedingungenzu schaffen, kulturelle Erfahrungen machenzu können und ästhetisch-gestaltende Aktivitätenzu entwickeln. Allgemein wird es darum gehen,Kulturelle Bildung mit medialem Akzent anteiligals eine Art „Pädagogik der Transformation undPerformation“ zugunsten medialer Navigationskompetenzund sinnsichernden Orientierungen zugestalten: Kulturen als Orte, Plattformen und Felderder gesellschaftlichen Veränderungen. Dies betrifftsowohl das Zusammenspiel der Generationenwie auch die Bedeutungsgewinne symbolisch-medialerWeltwahrnehmung und Wirklichkeitsaneignung.Die notwendigerweise offene identitätsstiftendeund biographische Selbstverortung ist dabeider nichtlineare perspektivische Bildungsauftrag.Dies wiederum gilt es zu verbinden mit derzu verstärkenden Chance zur leiblich-sinnlichenpersonalen Präsenz und Selbstwirksamkeit imKontext authentisch-unmittelbaren ästhetischenLernens und Agierens. Kulturelle Bildung ist dannauch als Moderation, Aktionsbühne sowie aktiverGestalt(er)findung des medienbedingten kulturellenWandels zu sehen.Dies geschieht durchaus unter Wahrung überzeitlicherPotentiale und Qualitäten des historischenund je aktuellen, auch weltweiten kulturellen Kapitals,dessen humane und evolutionäre Dimensionen.Dies ist der Sphäre des Künstlerischen undKulturellen angemessen: als Ort, Werkstatt undRaum der Vermittlung, der Erfahrung und Nutzungvon Phantasie und Imagination mit Kreativität,Vorstellungskraft, anschaulicher Entwürfe undInszenierungen zugunsten von Zukunftsmöglichkeitengesellschaftlicher Transformation. Und diesgilt es dann auch, unter verstärkter Nutzung medialerEntwurfspotentiale, deren kommunikativerAustauschchancen performativ in Szene zu setzen.Gerade dabei besteht die Chance kollaborativer undzeit-räumlich permanenter Teilhabe zu allen möglichenFragestellungen, Gestaltungskontexten undmit vielerlei Ausdrucksformen entsprechend derVielfalt künstlerisch-ästhetischer Zugangs- undInszenierungsweisen.Prof. Dr. Wolfgang Zacharias,Hochschule Merseburg,Vorstandsmitglied BundesverbandJugendkunstschulen undkulturpädagogische Einrichtungen(BJKE) und Vorsitzender PädagogischeAktion SPIELkultur e.V.LiteraturDeutscher Bundestag (Hg:) (2008): „Schlussbericht derEnquete-Kommission: Kultur in Deutschland“, Regensburg,ConBrio.Zacharias, Wolfgang (2010): „Kulturell-ästhetische Medienbildung.Sinne – Kunst – Cyber“, München, Kopaed.51


Daten- undVerbraucherschutz,Jugendmedienschutz


Daten- und Verbraucherschutz,JugendmedienschutzGute Freunde?Kommerzielle Interessenund PrivatheitUm sich in modernen „Netzen“sicher zu bewegen, ist dahereine umfassende (Medien-)Kompetenz notwendig, derenFörderung einen festen Platzin unserem Bildungssystemeinnehmen muss.54 Die stetig wachsende Kommunikationin sozialen Netzwerkenund die Zunahme mobiler Kommunikationhat die Diskussionum Veränderung von Privatheitin unserer digitalen Welt neuentfacht. Die Fachtagung DasEnde der Privatheit - Strategiender Sensibilisierung vonJugendlichen im Umgang mitpersönlichen Daten im Internetnahm die veränderte Medienrealitätin den Blick undentwickelte Lösungsansätzefür die verantwortungsvolleinformationelle Selbstbestimmungjunger Menschen.Kommunikationskultur (GMK) und der AkademieRemscheid im April 2009 die Fachtagung Das Endeder Privatheit, an der sich Vertreter/-innen aus Pädagogik,Politik, Verbraucherschutz sowie Webaktivistinnenund Webaktivisten beteiligten. Sie beleuchtetendas Social Web als jugendkulturellesPhänomen und medienpädagogische Herausforderungfür Politik und Gesellschaft.Die Kampagne watch your web, die einen Schwerpunktauf die subjektive und private Seite derMediennutzung legt, hat eine Sensibilisierungim Umgang mit den eigenen Daten vor allem insozialen Netzwerken angestoßen. Doch alle Bestrebungenzur Sensibilisierung der Nutzer/-innen imUmgang mit ihren Daten sind mit dem Datenhungerder „Big Player“ der Medienbranche konfrontiert,denen es um eine erfolgreiche Vermarktungihrer Produkte geht.Da die mobile Kommunikation und die Kommunikationin sozialen Netzwerken für (ältere) Kinderund Jugendliche besonders attraktiv sind, hat mitder gesteigerten Kommunikation auch die Besorgnisvon Jugendschützerinnen und –schützern zugenommen.Zum Start der Jugendkampagne watchyour web organisierte Jugend online in Kooperationmit der Gesellschaft für Medienpädagogik und


Jagd auf persönliche DatenMediale Angebote sind heute so attraktiv gestaltet,dass aus Sicht vieler Nutzer/-innen kaum ein Wegan der Nutzung vorbeiführt. Die damit verbundenenRisiken werden in Kauf genommen oder alsminder bedrohlich wahrgenommen. So setzt z. B.Apple starke Anreize, mit dem iPhone oder iPadauch die firmeneigene Plattform zu nutzen undweitere Produkte zu erwerben.55Quasi nebenbei werden fortlaufend Daten über dieBewegungen und Aktivitäten der Nutzer/-innen erhoben.Ob und wie diese Daten dann systematischfür kommerzielle Ziele ausgewertet werden, istzurzeit noch unklar. Aber dass sie ohne Wissen derNutzer/-innen erhoben werden, ist problematisch.Apple erhielt daher völlig zu Recht den BigBrotherAward 2011 in der Kategorie „Kommunikation“.Verliehen wurde er für „.....die Geiselnahme ihrerKunden mittels teurer Hardware und die darauffolgende Erpressung, den firmeneigenen zweifelhaftenDatenschutzbedingungen zuzustimmen.Wer sich für mehrere Hundert Euro ein schickesneues iPhone gekauft hat, will es auch nutzen.Die Kunden haben quasi keine Wahl, den 117 iPhone-Display-Seitenmit Datenschutzbedingungennicht zuzustimmen, denn sonst könnten sie ihrteures Gerät maximal zum Telefonieren nutzen.“ 1Mittlerweile ist bekannt geworden, dass das BetriebssystemAndroid des Konkurrenten Googleebenfalls Bewegungsdaten erfasst und speichert.Auch Facebook erhielt den BigBrotherAward 2011in der Kategorie „Kommunikation“ „…für die gezielteAusforschung von Menschen und ihrer persönlichenBeziehungen hinter der netten Fassadeeines vorgeblichen Gratisangebots … per »Freundefinder«und »Handy-App« eignet sich FacebookTelefonnummern und Mailadressen aus den Adressbüchernder Nutzer/-innen an. Der »Gefälltmir«- Button auf fremden Werbeangeboten verpetztauch ohne Anklicken alle Besucher der Seitean Facebook.“ 2Die modernen Datensammler/-innen kommen als„Freunde“ und mit attraktiven Geräten, Spielmöglichkeitenund Apps.


Daten- und Verbraucherschutz,Jugendmedienschutz56 Dass sie dabei aber in kaum vorstellbarem AusmaßDaten erheben und für kommerzielle Zwecke auswerten,ist den Nutzerinnen und Nutzern in derRegel nicht bewusst.Recht auf Privatheit schützenFazit: Wir müssen uns bewusst werden, was wir alsprivat betrachten, und bei jeder Kommunikationabwägen, welche Daten wir dabei mit welchenKonsequenzen preisgeben. Diese möglichen Konsequenzenmüssen natürlich bekannt sein. Umsich in modernen „Netzen“ sicher zu bewegen, istdaher eine umfassende (Medien-)Kompetenz notwendig,deren Förderung einen festen Platz in unseremBildungssystem einnehmen muss.Produzierende und Anbietende möchten ihre Angebotemöglichst profitabel vermarkten. Kinder,Jugendliche und Erwachsene wollen sich informieren,sich unterhalten, kommunizieren oder einfachSpaß haben. Kommerzielle Interessen stehendiesen Interessen und dem Recht auf Privatheitmitunter entgegen.Ziel einer modernen Medienbildung ist es daher,alle Bürger zu befähigen, sich sicher und selbstbewusstin virtuellen Räumen zu bewegen undsich auch über die Folgen des eigenen Handelnsbewusst zu sein, um schädliche Konsequenzen fürsich und Andere zu vermeiden.S. 54Bild unten links: Prof. Dr. Max Fuchs, Präsidentdes Deutschen Kulturrates.S.55Bild oben: Dr. Guido Brinkel (Bundesverband Informationswirtschaft,Telekommunikation und neue Medien),Philippe Gröschel (StudiVZ Ltd.) und Dr. Rainer Metz,Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaftund Verbraucherschutz (BMELV), in einer Podiumsdiskussion.Bild rechts: Ute Trentini, Bundesministerium für Familie,Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), bei ihrerBegrüßungsrede.S. 56Bild oben: Edgar Wagner, Landesbeauftragter für denDatenschutz Rheinland-Pfalz, in der Podiumsdiskussionzum Thema „Social Web als jugendkulturelles Phänomen– medienpädagogische Herausforderungen fürPolitik und Gesellschaft“.Bild Mitte: Jürgen Lauffer, Geschäftsführer der Gesellschaftfür Medien und Kommunikation.Bild unten: Prof. Dr. Franz Josef Röll, Hochschule Darmstadt.Jürgen Lauffer, Gesellschaftfür Medienpädagogik undKommunikationskultur in derBundesrepublik Deutschland e.V.1www.bigbrotherawards.de/20112www.bigbrotherawards.de/2011


Watch your webJugendkampagne zum kritischenUmgang mit persönlichen Datenim NetzMit minimalem technischenAufwand können junge Menschenin Internet-Communities Profilseitenveröffentlichen undsich zahllosen Themengruppenanschließen. Dabei herrschtjedoch eine überwiegend freizügigePreisgabe persönlicherDaten. Die Jugendkampagnewatch your web sensibilisiertJugendliche für einen kritischenUmgang mit persönlichenDaten im Netz.Am 9. Juni 2009 startete die virale Kampagne watchyour web, die junge Menschen über die Risiken imUmgang mit Social Networks aufklärt und zeigt,wie sie persönliche Daten im Internet schützenkönnen. watch your web spricht die Jugendlicheninnerhalb der größten sozialen Netzwerke an undmotiviert sie, selbst zu Multiplikatorinnen undMultiplikatoren der Botschaften zu werden. DieIdee der Kampagne basiert auf den Arbeiten einesvon dem Projekt Jugend online initiierten, breit angelegtenPartnernetzwerks, das seit Anfang April2008 zusammenarbeitet.Gefördert wird watch your web gemeinschaftlichvom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaftund Verbraucherschutz und dem Bundesministeriumfür Familie, Senioren, Frauen und Jugend.Träger der Kampagne ist IJAB – Fachstelle fürInternationale Jugendarbeit der BundesrepublikDeutschland e.V. mit dem Projekt Jugend online. Am15. Dezember 2010 starteten die Fortsetzungsaktivitätenvon watch your web. Hierzu wurde im Rahmeneines Schulbesuchs von Bundesministerin IlseAigner eine Applikation im SchülerVZ vorgestellt,mit der Jugendliche eigene Avatare gestalten undStatements zum Thema Datenschutz veröffentlichenkönnen.Webman gegen Data DevilDie Protagonisten der Kampagne sind zwei Comicfiguren:der Bösewicht Data Devil und der HeldWebman. Sie symbolisieren den Kampf „Gut gegenBöse“ und zeigen durch alltägliche Situationen,wie schnell man im Web in Gefahr geraten und wieman sich schützen kann. Vier Filme vermitteln dieKernbotschaften der Kampagne:„Das Internet vergisst nichts!“„Du hast keine uneingeschränkte Kontrolleüber Deine Daten!“„Virtuelles ist real!“„Im Internet ist man nicht immer ungestört!“Die Videoclips können mit einem personalisiertenText an Freunde verschickt werden. Ein YouTubeundein Twitter-Kanal tragen zur weiteren Verbreitungder Inhalte bei. Auf der Kampagnenwebsitewww.watchyourweb.de finden Jugendliche praktischeTipps, eine Pinnwand, an der sie ihre Interneterfahrungenposten können, und einen Webtest,mit dem sie spielerisch ihr Nutzerverhalteneinschätzen können. Bei Fragen oder Ängsten in57


Daten- und Verbraucherschutz,JugendmedienschutzEine interne Onlinebefragungdurch SchülerVZ zeigte, dassdie Kampagne weitreichendeLerneffekte erzielt hat unddurch die viralen Effekteinnerhalb der sozialenNetzwerke Verbreitung fand.58 Bezug auf die Internetnutzung haben die Jugendlichendie Möglichkeit, sich anonym an Webman zuwenden, der die Mails persönlich beantwortet.Die Kampagne in ZahlenMit der Jugendkampagne watch your web ist es gelungen,eine breite Öffentlichkeit direkt zu erreichen.In über 1.000 Beiträgen in Printmedien bundesweit,über 300 relevanten Onlinemedien undüber 20 TV-Beiträgen wurde über die Kampagneberichtet. Die große Resonanz zeigt, dass die Initiativeein gesellschaftlich relevantes Problemfeldthematisiert und Lösungsansätze bietet, wie siein dieser Form bisher nicht vorhanden waren.In erster Linie hat watch your web junge Menscheninnerhalb sozialer Netzwerke erreicht. So habenüber eine Million unterschiedliche jugendlicheNutzerinnen und Nutzer das Profil von Webmanauf SchülerVZ besucht, knapp 85.000 haben einHäkchen bei „ich finde Webman gut“ gesetzt unddamit einen Direktlink in ihrem Profil zum Kampagnenprofilhinzugefügt. Weit über 20.000 Einträgebefinden sich aktuell auf der Pinnwand desProfils und über den internen Maildienst erhieltWebman etwa 10.000 Nachrichten und Fragen.Insgesamt gründeten die Jugendlichen über 60Diskussionsgruppen zur Kampagne mit über 600Mitgliedern.Den Webtest übernahmen knapp 20.000 Jugendlicheins eigene Profil und die Kampagnenvideoswurden auf der VideoplattformYouTube über 500.000 Mal angeschaut.Ähnliche Effekte konnten auch in anderen sozialenNetzwerken wie Facebook, Wer-kennt-wenund den Lokalisten erreicht werden.watch your web wirktEine interne Onlinebefragung durch SchülerVZzeigte, dass die Kampagne weitreichende Lerneffekteerzielt hat und vor allem durch die viralenEffekte innerhalb der sozialen Netzwerke Verbreitungfand. 36,7 % (von damals 5,4 Millionen Usern)der 12 bis 14-Jährigen gaben an, dass ihnen Webmanals Protagonist der Kampagne watch your webund die Kampagne selbst bekannt seien. 43 % bestätigten,ihr Verhalten in Bezug auf Privatsphäreeinstellungengeändert zu haben und 45 % derJugendlichen sagten, dass sie durch die Kampagnevorsichtiger im Bezug auf die Veröffentlichungprivater Daten im Netz geworden sind.watch your web erhielt 2009 den silbernen Pädi-Preis und 2010 den Internationalen Deutschen PR-Preis in der Kategorie „Social Media/Web 2.0“.www.watchyourweb.deDaniel Poli, Jugend online / IJAB –Fachstelle für InternationaleJugendarbeit der BundesrepublikDeutschland e.V.Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (imBild mittig) und Gerd Hoofe (ganz links), Staatssekretärim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauenund Jugend, gaben am 9. Juni 2009 in Berlin den Startschussfür die Kampagne watch your web.


Verschwunden im NetzDas Spiel zu Persönlichkeitsrechtenim NetzEinen spielerischen Zugangzum verantwortungsvollen Umgangmit persönlichen Daten imInternet bietet das MethodensetVerschwunden im Netz, dasin Einrichtungen und Projektender außerschulischen Jugendarbeiteingesetzt wurde.Das Set enthält ein Brettspiel und Materialien fürPädagoginnen und Pädagogen. Es wurde 2009 inZusammenhang mit der Kampagne watch your webzum Thema „Persönlichkeitsrechte im Netz“ vonJugend online entwickelt.Eine Datenräuberbande steht im Mittelpunkt desSpielgeschehens: Sie will mit Millionen erbeuteterDaten das große Geschäft machen. Auf zehn Servernweltweit hat die Datenmafia Daten verstecktund verkauft täglich den kompletten Datenbestandeines ihrer Computer – ab dem dritten Tagsogar alle zwei Stunden. Mit dem Spiel beginnt fürzwei bis sechs Spielerinnen und Spieler ein Wettlaufgegen die Zeit: Sie schlüpfen in die Rolle vonDaten-Detektiven und versuchen, die Server zufinden, bevor die Daten zur illegalen Verwendungweiterverkauft werden können. Mit dem richtigenWissen und genauer Detektivarbeit können sie dieComputer der Datenmafia aufspüren, untersuchenund die Daten vor dem Missbrauch retten.Internetwissen spielend vermittelnVerschwunden im Netz hinterfragt mit Aktionsaufgaben,Wissensfragen und Spielrollen das Vertrauenjunger Menschen in die Netzwelt und bietetGelegenheit, ihren Umgang mit Privatsphäre undDatenschutz in Communities zu diskutieren. Dabeimacht das Spiel ganz einfach Spaß und kann –ohne erhobenen Zeigefinger – viel Internetwissenvermitteln. Als es um die Frage ging, wie langeDaten im Netz gespeichert bleiben, staunten zumBeispiel die Jugendlichen im Wiesbadener JugendzentrumSchelmengraben: „Für immer? Neeee,kann nicht sein!“Einsatz in der JugendarbeitDas Methodenset wurde in zahlreichen Einrichtungenin ganz Deutschland eingesetzt, rund50 der Spielaktionen sind im Internet unterhttp://verschwunden.netzcheckers.net dokumentiert.Da das Spiel aufgrund der großen Nachfrageleider vergriffen ist, finden Interessierte dort auchalle Materialien zum Ausdrucken und Nachbauen.Olaf Teuerle vom Jugendclub Bad Köstriz berichtetvom Spiel: „Schnell sprang der Funke über, dieJugendlichen waren fair und begeistert und trotzunterschiedlichem Wissensstand bei der Sache.“Und der Leiter vom Haus der Jugend in Mainz urteilt:„Das Spiel ist hervorragend geeignet, um sichspielerisch mit den Gefahren im Internet auseinanderzusetzen.Das können wir wunderbar in demein oder anderen Projekt, auch in Präventionsprojektenin Schulen, einsetzen“.http://verschwunden.netzcheckers.netIsabel Götte, Jugend online/ IJAB – Fachstelle fürInternationale Jugendarbeit derBundesrepublik Deutschland e.V.59


Daten- und Verbraucherschutz,JugendmedienschutzJugendmedienschutz-Staatsvertrag60 Der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) solltezum 1. Januar 2011 novelliertwerden. Bis zuletzt hat es umden JMStV kontroverse Debattengegeben.Zum ersten Mal wurde Jugendschutz zu einem sehrpräsenten pädagogischen und politischen Thema –auch bei der so genannten „Netzgemeinde“.Die Novellierung des JMStV ist kurz vor Ablauf derRatifizierungsfrist im Dezember 2010 gescheitert.Jetzt besteht die Möglichkeit, das gewachsene Interessean dem Thema zu nutzen und eine breiteDiskussion zu führen, um alle Betroffenen an einergrundsätzlichen Reformierung des Jugendmedienschutzeszu beteiligen. Jugend online begleitetedas Thema durch die Präsenz bei Anhörungen inLandesparlamenten und mit der VeranstaltungJMStVcamp.de, die Ideen für einen verbesserten Jugendschutzzusammentrug.Einige Kritikpunkte am abgelehnten Novellierungsentwurfdes JMStV zeigen, welche Problemeverstärkt diskutiert werden müssen:Der klassische Rundfunk-Begriff mit seinerSender/Empfänger-Trennung darf nicht kurzsichtigauf das interagierende Internet übertragenwerden: Die kommunikativen Besonderheiten desInternets, an dem sich jeder als Sender und Empfängerbeteiligen kann, müssen berücksichtigtwerden.Netzsperren durch lokale Filterprogrammebieten keinen echten Jugendschutz. Blacklists undWhitelists sind technisch über Proxys (Zwischenspeicher,die die Anzeige von Webseiten umleiten)umgehbar. Gesetze dürfen aber Erziehungsberechtigtenkeine Sicherheit suggerieren, die so de factonicht gewährleistet ist.Alterseingruppierungen durch Inhalte-Anbieterkönnen ohne besondere Qualifizierung nichterbracht werden. Sie führen zudem zu Overblocking(Labeling für eine höhere Altersstufe) undzu Chilling-Effects (Verzicht auf Veröffentlichung)und damit zu Netzkultur-Verlust.Auf das Internet zielende Jugendschutzregelungendürfen Jugendmedienarbeit nicht behindernund kommerzielle Anbieter nicht bevorzugen.Lobby-Interessen können nicht den Jugendschutzregulieren. Die Gesellschaft für Medienpädagogikund Kommunikationskultur fragte in ihrer Resolutionzum JMStV zu Recht: „Wird die Jugendmedienarbeitdurch den Jugendmedienschutz-Staatsvertragzukünftig behindert?“ Der Entwurf ließein Zweiklassen-Netz zugunsten kommerziellerAnbieter befürchten. Eine solche Kommerzialisierungdes Netzes liefe den Ansprüchen der freiheitlichenNutzung des Internets zuwider und mussdaher in der zukünftigen Diskussion ausgeschlossenwerden.Jürgen Ertelt, Jugend online / IJAB –Fachstelle für InternationaleJugendarbeit der BundesrepublikDeutschland e.V.Dieser Artikel basiert auf http://www.newsgrape.com/a/jugendmedienschutz-staatsvertrag-ein-ungetum-stolpert-uber-die-internet-evolution/und derPrintversion in http://merz-zeitschrift.de.


Helga TheunertPartizipationEin Ziel der Medienpädagogik„Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Beteiligung undMitgestaltung“ – so beginnt die Präambel einer vom BMFS-FJ 2010 herausgegebenen Broschüre 1 und es folgt der Hinweis,dass dieses Recht in nationalen und internationalen Gesetzestextenfestgeschrieben sei. So finden sich etwa in derUN-Kinderrechtskonvention mehrere Artikel, die für das Beteiligungsrechtrelevant sind, z. B. Berücksichtigung desKindeswillens (Art. 12), Meinungs- und Informationsfreiheit(Art. 13) oder Zugang zu den Medien (Art. 17). In der Broschüredes BMFSFJ tauchen Medien hingegen nicht auf.61In den „konkreten Handlungsschritten zur Umsetzungvon Partizipation“ in Feldern wie Kita, Schule,Jugendarbeit etc. gerät die Medienwelt weder alsInformationsquelle und meinungsbildende Größein den Blick, noch werden ihre Potentiale für eineteilhabende Lebensführung erwähnt.Dabei hat das Verhältnis von Medien und PartizipationTradition, ist theoretisch gut fundiert 2 ,und für Handlungsfelder, die sich mit Kindern undJugendlichen befassen, pädagogisch vielfältig konzeptioniert.Vor allem in den 70er Jahren des letzten Jahrhundertswurde die Beteiligung an gesellschaftlichenEntscheidungen als grundlegendes demokratischesPrinzip eingefordert. Medien waren in diesenKontext als Mittel der Information und Artikulationintegriert. Niederschlag fand diese Perspektivez. B. in alternativen Bürgermedien. In der Medienpädagogikwurde die bis heute zentrale Methodeder aktiven Medienarbeit konzeptioniert. 3Mit ihr ist die Absicht verbunden, Heranwachsendenden eigentätigen und selbstbestimmtenGebrauch der Medien als Mittel der Artikulationnahezubringen und ihnen so Wege zu öffnen, ihreBelange und Anliegen öffentlich zur Geltung zubringen. In ihren Wurzeln hat Partizipation mittelsMedien eine klare emanzipatorische Dimension,ist mit der (Wieder-)Erreichung von Mündigkeitund der Gestaltung selbstbestimmter und sozialverantwortlicher Lebensführung verbunden. Indiesem Verständnis war und ist Partizipation eineZielsetzung (medien-)pädagogischen Handelns.Die Bedeutung hat sich durch Mediatisierungsprozessein der Gesellschaft und im sozialen Miteinandererhöht. Durch diese verschränken sichzunehmend mediale Gegebenheiten, soziale Handlungspraktikenund kulturelle Sinnkonstitution. 4


62 Möglichkeiten des Social Web als Ansatzpunktefür partizipatives HandelnPartizipation ist heute erneut zu einem viel gebrauchtenBegriff geworden und ist weiterhinmedial konnotiert, nämlich dann, wenn vomMitmach-Internet die Rede ist. Zahllose Informationszugängeund Kommunikationsmöglichkeiten,mediale Werkzeuge zur Artikulation und Selbstinszenierung,Distributionswege und Veröffentlichungsflächen– alles ist im Prinzip allen zugänglichund kann potentiell für Partizipation genutztwerden. Über deren Realisierung und Qualität istdamit jedoch noch nichts gesagt. Zwar tummeltsich die Mehrheit der Heranwachsenden eifrig imSocial Web, empirische Befunde verweisen jedochdarauf, dass nur ein kleiner Teil die Optionen fürernsthafte Beteiligungsformen im Sinne von sozialverantwortlicher Selbstbestimmung realisiert.Es sind dies vorrangig ältere und gut gebildete Jugendliche,die einen hohen Aktivitätslevel im Medienhandelnsowie Interesse und Engagement fürsoziale, zivilgesellschaftliche und politische Kontextezeigen. Die Möglichkeiten des Mitmach-Internetsaktivieren nicht per se und nicht allein Partizipation.Aber sie bieten Ansatzpunkte, um denpartizipativen Handlungshorizont zu erweitern. Sorealisieren Heranwachsende in ihren Community-Aktivitäten z. B. Mitwirkung, wenn sie sich durchMeinungsäußerung oder Darstellung eigener Perspektivenin bestehende Gruppen oder Foren aktiveinbringen. Ein weiterer Schritt zur Realisierungpartizipativen Medienhandelns mit einem größerenMaß an Selbstbestimmung ist getan, wennHeranwachsende selbst mediale Strukturen undRäume initiieren und gestalten, um für ihre Belangeeinzutreten und Unterstützung zu erhalten.Leitlinien für eine auf Teilhabeausgerichtete MedienpädagogikDen Anforderungen an medienpädagogischesHandeln, das Kindern und Jugendlichen die Potentialeder Medienwelt für Partizipation nahebringenwill, ist nicht allein mit Vermittlung vonAufklärungswissen und Schulung instrumentellerFertigkeiten nachzukommen. Für die Entwicklungvon Leitlinien können folgende Überlegungen hilfreichsein:Partizipation mit medialen Mitteln wird angesichtsfortschreitender Mediatisierung der Gesellschaftzunehmend zu einem Element souveränerLebensführung. Es ist entsprechend notwendig,ihre Realisierung allen Heranwachsenden zugänglichzu machen, in altersdifferenzierten undmilieusensiblen Formen. Ressourcenorientierungsowie Stärkung und Erweiterung vorhandenerFähigkeiten sind dabei maßgebend für pädagogischesHandeln.Partizipatives Medienhandeln gründet aufBereichen und Belangen der Lebenswelt von Heranwachsenden.Auch wenn diese in mediale Räumeverlängert oder verlagert werden, bleibt dieWirkrichtung auf das reale Leben bezogen. DiesesVerständnis gilt es aufrechtzuerhalten. Gleichzeitigist allen Versuchen entgegenzuwirken, diePartizipation von Kindern und Jugendlichen aufmediale Spielwiesen begrenzen oder sie zur Dekorationkommerzieller Interessen missbrauchen zuwollen.Partizipation mit medialen Mitteln impliziertimmer die Mitgestaltung medialer Räume durchThemensetzung, Werthaltungen, Kommunikationsformen,ästhetische Kriterien etc. Daraus entstehtsoziale und ethische Verantwortung. Medi-


enpädagogik muss einerseits Heranwachsendendiese Verantwortung ins Bewusstsein heben. Andererseitsist sie gefordert, im öffentlichen Diskursdafür einzutreten, dass Heranwachsende nichtmit Verantwortung überfrachtet werden oder gar,wenn sie Versuchungen der kommerzialisiertenMedienwelt verfallen, persönlich in die Verantwortunggenommen werden.Eine handlungsorientierte Medienpädagogik, dienicht nur, aber auch in den medialen Räumen desMitmach-Internets agiert, wird solche Anforderungenam ehesten zielführend konkretisieren –vorausgesetzt es gelingt ihr, im pädagogischenVerhältnis die Balance zu halten zwischen der Ermöglichungautonomen Handelns in medialenund realen Räumen und der an den thematischenund emotionalen Belangen von Kindern und Jugendlichenausgerichteten Anregung zu Reflexionund Erweiterung des Handlungshorizonts.1BMFSFJ (Hrsg.) (2010): Qualitätsstandards für Beteiligungvon Kindern und Jugendlichen. www.bmfsfj.de2Siehe z. B. Brechts Radiotheorie (1932), EnzensbergersMedienbaukasten (1970) oder Negt/Kluges Öffentlichkeitund Erfahrung (1972)3Vgl. z. B. Schell, F.(1989): Aktive Medienarbeit mit Jugendlichen.Theorie und Praxis. München4Vgl. Krotz, F. (2008): Kultureller und gesellschaftlicherWandel im Kontext des Wandels von Medien und Kommunikation.In: Thomas, T. (Hrsg.): Medienkultur undsoziales Handeln. Wiesbaden63Prof. Dr. Helga Theunert,Universität Leipzig und JFF –Institut für Medienpädagogik


MobileLearning


Mobile LearningOhrenblick mal!Der Handyclip-Wettbewerbfür JugendlicheOhrenblick mal! will daskreative Potential desHandys bekannt machen undJugendliche im Bereich deraktiven Medienarbeit stärken.66 Das Handy als Filmkameraentdecken – das können jungeMenschen zwischen 12 und 20Jahren bei Ohrenblick mal!Hier sind Handyclips gefragt,die originelle Ideen und neueBlickwinkel auf unseren Alltagbieten.Das Handy ist das Jugendmedium Nummer 1. OhneHandy geht heute kaum noch jemand aus demHaus. Es kann weit mehr als telefonieren und SMSverschicken: Mails abfragen, online gehen, Musikspielen oder Fotos knipsen, das alles kann das MultifunktionswunderMobiltelefon! Und: das Handyist eine vollfunktionsfähige Filmkamera unddamit das mobilste kreative Werkzeug überhaupt.Hier setzt der Handyclip-Wettbewerb Ohrenblickmal! an. Er will das kreative Potential des Handysbekannt machen und Jugendliche im Bereich deraktiven Medienarbeit stärken.Geschichten erzählen mit dem HandyHandyclips wackeln, sind unscharf, haben einenschlechten Ton – und sind trotzdem spannend!Mit dem Handy gedrehte Videoclips bieten fürjede/-n die Möglichkeit, fast überall und jederzeitihr/sein Umfeld zu dokumentieren und eine eigeneGeschichte zu erzählen. Der Vorteil, dass das Handyimmer und überall einsatzbereit und dabei ist,kann kreativ genutzt werden, um aus Perspektivenzu filmen, die eine normale Filmkamera gar nichtermöglicht.Der WettbewerbGewohntes in ungewöhnlicher Sichtweise zu zeigen,ist das Motto des Wettbewerbs Ohrenblick mal!,der seit 2005 einmal im Jahr und von Anfang an inKooperation zwischen JFF – Institut für Medienpädagogikin Forschung und Praxis, Jugend onlineund LizzyNet stattfindet. Seit 2010 schreibt auchdie Initiative medien+bildung.com den Wettbewerbmit aus und unterstützt lokale Handyprojekte. BeiOhrenblick mal! ist kein großes Kino gefragt, sondernGeschichten, die nur mit dem Handy erzähltwerden können. Zum Wettbewerb zugelassen sindkurze Clips von maximal zwei Minuten Länge, diemit dem Handy produziert wurden. Von den ausder gesamten Bundesrepublik eingereichten Clipsnominiert dann eine Fachjury die innovativstenund aussagekräftigsten. Auf der Preisverleihung,die im Herbst in München stattfindet, werdenschließlich die Preisträgerinnen und Preisträgerbekannt gegeben und die Gewinnerclips vor großemPublikum gezeigt.Zudem bietet www.ohrenblick.de den Austauschmit anderen Handyfilmerinnen und –filmern undjede Menge Informationen zum Thema Handy, obfür jüngere oder ältere Nutzerinnen und Nutzer, obeinfach nur zum Spaß und Ausprobieren oder ummehr zum Thema Mobiltelefon zu erfahren.www.ohrenblick.deKati Struckmeyer, Thomas Kupser,JFF – Institut für Medienpädagogikin Forschung und Praxis


GeocachingMobile Spielformen alszeitgemäße Lern- undErfahrungsräumeSchnell hat sich gezeigt,dass Jugendliche durchden Einsatz modernerMedien wie GPS und desJugendmultimediums Handyerreicht und begeistertwerden können.Geocaching ist eine Art GPSbasierteSchatzsuche oderSchnitzeljagd. Es schafft dieVerbindung von Freizeitaktivitätdraußen und der Welt desDigitalen. Eine Verbindung,die vor allem bei jungenMenschen sehr beliebt ist.Bereits seit 2006 setzt Jugend online Geocaching alsmedienpädagogisches Instrument ein. Schnell hatsich gezeigt, dass Jugendliche durch den Einsatzmoderner Medien wie GPS und des JugendmultimediumsHandy erreicht und begeistert werdenkönnen. Nach einer bundesweiten Aktion, die anfünf Standorten parallel als Wettkampf stattfand,ist die Idee der Geocaching-Camps (GC-Camps) entstanden.Die Geocaching-CampsBei den GC-Camps wurden in den Jahren 2009 und2010 jeweils 60 Jugendliche sowie Multiplikatorinnenund Multiplikatoren aus dem gesamten Bundesgebieteingeladen, um mobile Spielformen ausder Perspektive Jugendlicher weiterzuentwickeln.In Form von Workshops und 2010 auch in Form einesBarCamps konnten Angebote zahlreicher Partner– von der Universität Bonn mit Mister X überGeocaching für Anfänger zweier Jugendlicher bis hinzu Citytracks – Multimedia-Spiele im urbanen Raumdes Medienkulturzentrums Dresden – praktischerprobt werden. Durch die unmittelbare Bewertungder teilnehmenden Jugendlichen konnten dieKonzepte zielgruppennah eingeordnet und weiterentwickeltwerden. Beim Night(mare)-Caching vonMediale Pfade wurden mobile Spielformen sowieAlternate Reality Games und Erlebnispädagogikkombiniert, mit der Erkenntnis, dass weit reichendeLernräume sowie Anreize zur Persönlichkeitsbildungsehr gut in moderner Form eröffnet werdenkönnen.Spielend mobil lernenAus der Erprobung spielerischer Ansätze entwickeltensich schnell Aktionen, die sowohl informellesals auch – mit unterschiedlichen pädagogischenZielstellungen – formelles Lernen in denFokus nahmen. Mobile Spielformen bieten denpädagogischen Fachkräften und den Jugendlicheneinen niedrigschwelligen Einstieg, wodurch siesich hervorragend für die pädagogische als auchBildungsarbeit eignen. Jugend online unterstütztedies auch durch die Entwicklung entsprechenderHandreichungen, die auf www.netzcheckers.deund www.geocachingspiel.de veröffentlicht wurden.www.medialepfade.dewww.geocachingcamp.de67Daniel Seitz, Mediale Pfade


Mobile LearningMobil spielenund lernenMobile Jugendmedienbildungim Sozialraum68 Handlungsorientierte Medienpädagogikmit dem Internetwar bislang an einenFestnetzanschluss gebunden.Medienentwicklungen wie dasWeb 2.0 und mobile Technologienbegünstigen nun aucheine mobile Jugendmedienbildung.wi&you, das Kinder- undJugendportal des Amtes fürSoziale Arbeit Wiesbaden, istein sozialraum– und lebensweltbezogenesMedienprojekt,das zur Vernetzung und Aufbereitungvon medienpädagogischenAktivitäten genutztwird. Es verwendet diePartnerportalsoftware vonnetzcheckers.net.Unmittelbar im Stadtteil der Jugendlichen an ihrenAufenthaltsorten kann heute Medienbildungstattfinden. Mit mobiler Medientechnologie ausgestattetkann Jugendarbeit Heranwachsendedort aufsuchen und ihnen die Möglichkeiten multimedialerSelbstnarrationen eröffnen. Schmidtbeschreibt Selbstnarrationen als Erzählungen überdie eigene Person, die den Individuen als Rahmender eigenen Identität und zur Einbettung in die eigeneLebenswelt dienen. 1Die Jugendlichen können sich mit Identitätsfragenwie „Was zeichnet mich aus?“, „Was ist typisch fürmich?“ und ihrer Umwelt direkt im Sozialraumauseinandersetzen. Die Erfahrungen des eigenenSelbst im Verhältnis zur Lebenswelt präsentierendie Heranwachsenden als Tonaufnahme oder Bilderclipauf einer Landkarte im Internet.Vergleichbar mit der „Nadelmethode“ 2 , einer Methodeder Sozialraum- und Lebensweltanalyse mitKindern und Jugendlichen, werden auf einer denSozialraum darstellenden Online-Karte Pins gesetzt.Mit diesen virtuellen Pins werden die multi-


Die Selbstdarstellungenauf der Online-Landkarterepräsentieren einedirekte und authentischeForm von Partizipation,eine sozialräumlicheBeteiligung undMitgestaltung.medialen Selbstnarrationen der Jugendlichen zumBeispiel auf eine Karte von Google Maps eingebundenund können durch einen Mausklick wahrgenommenwerden.69Zugleich verorten sich die Jugendlichen damit imSozialraum und zeigen für sie bedeutsame Plätzeim Stadtteil bzw. stellen Öffentlichkeit für ihreInteressen her. Die Selbstdarstellungen auf derOnline-Landkarte repräsentieren eine direkte undauthentische Form von Partizipation, eine sozialräumlicheBeteiligung und Mitgestaltung, dieinsbesondere für Jugendliche aus sozial- und bildungsbenachteiligtenMilieus geeignet ist.Mobile Spurensuche mit QR-Codesund InternetUm Kinder an Internet und Web 2.0 heranzuführen,ihnen kreativ neue Erfahrungsräume und diebewusste Wahrnehmung ihres Lebensraums zueröffnen, wurde die Mobile Spurensuche konzipiert,die mittels einer Google-Maps-Karte auch andereKinder in Wiesbaden nachspielen können. An diesemProjekt für Kinder ab sechs Jahren nahmen inzwei Wochen acht Kindereinrichtungen der StadtWiesbaden teil. Jeweils am Projekttag der Einrichtungwurde den teilnehmenden Kindern ein QR-Code auf einer Internetseite präsentiert. DiesenCode entschlüsselten sie nicht per Handy, sondernmit kostenlosen Online-Anwendungen. Anschließendlösten die Kinder das im QR-Code enthalteneRätsel, das sie zu einem Ort in ihrem Sozialraumführte, an dem sie einen weiteren QR-Code fanden.Zum Beweis fotografierten sich die Kinder mit demQR-Code an der Fundstelle, nahmen den entdecktenCode mit und entschlüsselten ihn wieder amComputer. Als Lösung erhielten sie einen Buchstaben,den sie auf eine Internetseite eintrugen. DasLösungswort ergab sich, sobald alle teilnehmendenEinrichtungen ihren Lösungsbuchstaben eingetragenhatten.www.wiandyou.deVerena Ketter, Amt für SozialeArbeit Wiesbaden, AbteilungJugendarbeit wi&you1Schmidt, J. (2006): Weblogs. Eine kommunikationssoziologischeStudie. Konstanz: UVK2Kirsch, R. (2009): Sozialräumliche Methodik der Jugendarbeit.Aktivierende Zugänge und praxisleitendeVerfahren. Weinheim, München: Juventa


Mobile LearningMyMobileNützlich statt störend:Das Handy im Unterricht70Das Handy gehört heute zurGrundausstattung von Jugendlichenund vereint eine Vielzahlvon Funktionen der Medienkommunikation.Doch nichtnur die technische Ausstattungvon Handys hat sich verändert:Auch die Pädagogikentdeckt das Handy zunehmendals Lernwerkzeug.In deutschen Schulen sind Handys ungern gesehen,in vielen Schulen sind sie verboten. Aus medienpädagogischerSicht ist die Einbeziehung vonHandys in Lernprozesse jedoch überaus spannend.Das Projekt MyMobile 1 erprobte den Einsatz vonHandys im Fachunterricht. medien+bildung.comhat das Pilotprojekt von September 2009 bis November2010 durchgeführt. medien+bildung.com isteine Tochter der Landeszentrale für Medien undKommunikation Rheinland-Pfalz (LMK) und setztseit 2006 als „Lernwerkstatt“ innovative Medienprojekteum. 2Handybasierte Lernszenarien in derSchuleMit MyMobile haben sich sieben Partnerschulenauf den ungewöhnlichen Versuch eingelassen, einenTeil ihres Unterrichts mit dem Handy zu gestalten.Über vier bis acht Wochen konnten imCo-Teaching von Lehrerinnen und Lehrern undMedienpädagoginnen und Medienpädagogen verschiedenehandybasierte Lernszenarien erprobtwerden. Die Schülerinnen und Schüler bearbeitetenAufgaben unter Einsatz der verschiedenstenHandyfunktionen. Sie erstellten beispielsweiseTexte und gingen auf Foto-Safaris, setzten GPS ein,drehten Videos und twitterten ihr Feedback. AlleAufgaben waren in den Lehrplan des jeweiligenUnterrichts integriert und orientieren sich an dencurricularen Anforderungen der Schule. So wurdedas Handy nicht als mediales Spielzeug eingesetzt,sondern als den Unterricht sinnvoll ergänzendesLernwerkzeug. Dem Projekt liegen Eckpunkte einer„Didaktik des mobilen Lernens“ von Prof. BenBachmair zugrunde, der sich mit der „London MobileLearning Group“ 3 bereits seit mehreren Jahrenmit mobilen Lernszenarien beschäftigt.Mit dem Handy lernenEinen Erfahrungsaustausch über die Einsatzmöglichkeitenvon Handys im medienpädagogischenKontext 4 bot 2010 das 5. Fachforum Mobile Kommunikation.Jugend online ist hier seit dem ersten Fachforumals Mitveranstalter dabei. Zudem beteiligtsich medien+bildung.com seit 2010 am Handyclip-Wettbewerb Ohrenblick mal!, der – ebenso wie das


So wurde das Handy nichtals mediales Spielzeugeingesetzt, sondern alsden Unterricht sinnvollergänzendes Lernwerkzeug.Fachforum – in Kooperation mit Jugend online /netzcheckers.de, JFF und LizzyNet durchgeführt wird.In diesem Netzwerk will die rheinland-pfälzischeOrganisation auch zukünftig innovative Möglichkeitender Handy-Nutzung ausloten. Dazu wirdMyMobile mit Projektschulen und Fortbildungsangebotenauch 2011 weitergeführt.71www.mymobile-online.deBjörn Friedrich, Maren Risch,medien+bildung.com1www.mymobile-online.de, http://www.beltz.de/de/verlagsgruppe-beltz/unsere-autoren/autor/medienbildungcom-ggmbh.html2www.medienundbildung.com, www.taschenfunk.de3www.londonmobilelearning.net, http://www.benbachmair.de4www.medienundbildung.com/erwachsenenbildung/fachtagungen/5-fachforum-mobile-kommunikation


Sonja GanguinJugendarbeit heuteEine Bestandsaufnahme72Das Internet ist heute ein soziokultureller Ort für Jugendliche– nicht nur ein Medium, sondern ein virtueller Lebensraum,der Teilhabe an der Kultur ermöglicht. Welche Konsequenzenergeben sich aus der Mediennutzung junger Menschenfür eine zeitgemäße Jugendarbeit?Jugendarbeit als eigenständiges Erziehungsfeld undals dritte Sozialisationsinstanz neben dem Elternhausund den Institutionen des schulischen undberuflichen Bildungswesens (vgl. Stork 1995: 44) istnach § 11 Achtes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VIII)heute Teil der Kinder- und Jugendhilfe. Dort ist dasRecht von Kindern und Jugendlichen auf Erziehungverankert, und diese ist auf das Ziel verpflichtet,die persönliche und soziale Entwicklung Heranwachsenderzu einer eigenverantwortlichen undgemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu fördern.An die Interessen und Bedürfnisse der jungen Menschenanknüpfend gilt es, ihnen Lernfelder zu eröffnen,damit diese lernen, selbstbestimmt politischeund gesellschaftliche Prozesse mitzugestalten (§ 11KJHG).Die zur Verfügung zu stellenden Angebote der Jugendarbeitsollen sich dabei explizit an alle jungenMenschen richten, also im Unterschied zu anderenFeldern der Jugendhilfe nicht problemgruppenorientiertstrukturiert sein (Seckinger et al. 1998: 110).Öffentliche und freie Träger nehmen die Aufgabender Jugendarbeit wahr, wobei hier hinsichtlichTrägern, Inhalten, Arbeitsformen und Methodeneine große Vielfalt vorzufinden ist. Da die Teilnahmean den Angeboten der Jugendarbeit freiwilligist und in der Freizeit von Heranwachsenden stattfindet,gilt es, Erfahrungs- und Lernfelder zu bieten,für die sich junge Menschen begeistern (lassen).Allerdings wird seit einigen Jahren kritisiert,dass die Jugendarbeit aufgrund konkurrierenderFreizeitveranstalter an Attraktivität verliert. „Mitden fulminanten Highlights des Kommerzes kannJugendarbeit ohnehin nicht mehr konkurrieren“(Kübler 1998: 12).Eine weitere Ursache für das (scheinbar) sinkendeInteresse Jugendlicher an Angeboten der Jugendarbeitsieht Bauer darin, dass der Alltag Heranwachsenderneben der Schule häufig sehr verplantist, Jugendliche „ein gewaltiges Pensum an ganzunterschiedlichen Terminen zu bewältigen haben“(Bauer 1991: 78) und daher keinen weiteren Verpflichtungenmehr nachgehen wollen. Vor diesemHintergrund stellt sich die Frage nach den heutigenBedürfnissen und Interessen Jugendlicher.Welche Themen sind es, die Jugendliche bewegenund welche Orte des selbstbestimmten Austauschessind ihnen daher in einer sich wandelndenGesellschaft bereitzustellen, um ihnen Partizipationund die Bewältigung von Entwicklungsaufgabenzu ermöglichen?


das nahezu vollständig, und zwar zu 98 %, in denbundesdeutschen Haushalten vorhanden ist, in denenJugendliche leben; die Voraussetzung des sozialpädagogischenZiels von Chancengleichheit imNetz ist demzufolge formal gegeben. So ist dessenNutzung auch in den letzten sieben Jahren erheblichangestiegen, von 49 % (2004) auf 90 % (2010).Dabei nutzt der bundesdeutsche Jugendliche nachSelbsteinschätzung das Internet im Durchschnittüber zwei Stunden täglich. Dabei bestimmten vorallem Interaktion, Kommunikation und Kooperationdie Netzwelt Jugendlicher.73Freizeitaktivitäten Jugendlicher –Digitale Medien als SozialraumDa Jugendarbeit den Anspruch erhebt, sich ander Lebenswelt- und Alltagsorientierung jungerMenschen zu verorten, ist es sinnvoll, bei denFreizeitinteressen von Kindern und Jugendlichenanzusetzen. Betrachtet man die wichtigsten FreizeitaktivitätenJugendlicher (vgl. MedienpädagogischerForschungsverbund Südwest 2010: 9ff.),dann zeigt sich, dass deren Alltag stark durch Medienkonsumdominiert wird.Bei einem quantitativen Vergleich zwischen medialenund non-medialen Freizeitaktivitäten belegenHandy-, Internet- und Fernsehnutzung die oberstendrei Plätze, gefolgt von Treffen mit Freunden.Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dasssich diese Aktivitäten in den sozialen Situationengegenseitig durchdringen. So spielt etwa bei demZusammensein mit Freunden das Handy eine bedeutsameRolle, indem es auch als Kommunikationsmediumdient, um sich zu verabreden, auszutauschenetc. Gleiches gilt heute für das Internet,Über Social-Media-Angebote wie StudiVZ, Facebook,YouTube und Blogs vergewissert man sichseiner Zugehörigkeit, präsentiert sich seinenFreunden, schreibt sich Nachrichten, teilt Videos,Musik und Bilder und stupst sich virtuell an, um zuverdeutlichen: „Ich habe gerade an Dich gedacht“.So nutzen laut Shell-Studie 2010 24 % der Jugendlichentäglich soziale Netzwerke (vgl. Jugendwerkder Deutschen Shell AG 2010: 103). Hierbei findetzudem eine immer stärkere Verknüpfung zwischenSpielen und sozialen Netzwerken statt: Diesogenannten Social-Games gewinnen zunehmendan Bedeutung.Jugendmedienarbeit bedarfnachhaltiger StrukturenDas Internet ist heute ein soziokultureller Ort fürjunge Menschen – nicht nur ein Medium, sondernein virtueller Lebensraum, der Teilhabe an der Kulturermöglicht. Doch die Selbstverständlichkeitdes Sich-im-Netz-Bewegens der so genannten DigitalNatives, deren Bedienungskompetenz häu-


74fig die des Jugendarbeiters bei Weitem übertrifft,bedarf auch eines kritischen Blicks. Neben denChancen der boomenden Web 2.0-Angebote wieder Selbstpräsentation, dem Spielen mit der eigenenIdentität, neuartigen Kontaktaufnahmen undder Kommunikation mit anderen Nutzerinnen undNutzern gehen auch Risiken einher, die etwa mitden Fragen nach der informationellen Selbstbestimmung,des Datenschutzes und der Privatsphäreverbunden sind.Diese Probleme zeigen sich beispielsweise dann,wenn bei Online-Diensten den Nutzerinnen undNutzern nicht das Recht zugesprochen wird, Informationenüber sich zu löschen, wenn persönlicheInformationen ausgespäht werden oder wennein unsensibler, unreflektierter Umgang mit denpersönlichen Daten erfolgt – etwa durch Veröffentlichungindividueller Vorlieben, der Telefonnummeroder den Missbrauch des Internets, umandere junge Menschen zu belästigen und zu nötigen,wie es beim Cyberbullying und -mobbingder Fall ist (vgl. Ganguin 2010: 97f.). So sind Nutzenund selbstbestimmtes, kritisches Handeln nichtgleichzusetzen. Jugendliche bedürfen mehr undmehr der Förderung eines medienkompetentenUmgangs: „Es gilt, die Neugier von Kindern undJugendlichen auf Kommunikation unbekannterArt derart freizusetzen, dass sie autonom, zugleichsozial verantwortlich in eine Weltgesellschaft hineinwachsen“(Baacke 1997: 34). In diesem Sinn istes auch das Anliegen der Gesellschaft für Medienpädagogikund Kommunikationskultur (GMK), diemediale Beteiligung, die Kreativität und KritikfähigkeitJugendlicher zu fördern. Da Jugendarbeitsich an den gesellschaftlichen Veränderungen zuorientieren hat, muss auch eine verstärkte Jugendmedienarbeitstattfinden.Obwohl von der Politik seit Jahren der Erwerb einerumfassenden Medienkompetenz von Kindern undJugendlichen gefordert wird, um die Zukunft derInformationsgesellschaft mitzugestalten – wozuauch der Einsatz des Internets als Kommunikations-und Recherchemedium gehört – mangeltes zurzeit an der finanziellen Unterstützung, bildungspolitischenUmsetzungen und an nachhaltigenStrukturen. In diesem Sinn gilt es, wie es auchdie Arbeitsgruppe „Digitale Jugendbildung“ aufdem Kongress Keine Bildung ohne Medien! geforderthat, den „Aufbau einer nachhaltigen (nicht nur aufeine Vielzahl begrenzter Einzelprojekte beschränkten)und systematischen digitalen Jugendbildung“zu fördern und „Medienbildung in der Ausbildungvon Pädagoginnen und Pädagogen der Jugendarbeit“zu verankern (AG Digitale Jugendbildung2011:2).


Dr. Sonja Ganguin,Universität Paderborn, LehrbereichMedienpädagogik und EmpirischeMedienforschung, Mitgliedim Bundesvorstand der GMK –Gesellschaft für Medienpädagogikund Kommunikationskultur in derBundesrepublik Deutschland e.V.LiteraturAG Digitale Jugendbildung (2011): Ergebnisse der Arbeitsgruppe„Digitale Jugendbildung“ vom KongressKeine Bildung ohne Medien! am 24./25. März inBerlin. Abrufbar unter: http://www.keine-bildungohne-medien.de/ergebnisse-der-arbeitsgruppen[Stand:01.04.2010].Baacke, D. (1997): Jugend und Internet. Ersetzen desErziehungs-Paradigmas durch das Dialog-Paradigma.In: Baacke, D./ Schnatmeyer, D. (Hrsg.): Neue Medien -Neue Gesellschaft? Bielefeld, S. 26-36.Bauer, W. (1991): Jugendhaus. Geschichte, Standort undAlltag offener Jugendarbeit. Weinheim: Beltz.Ganguin, S. (2010): Browsergames. In: Ganguin, S./Hoffmann, B. (Hrsg.): Digitale Spielkultur. München:kopaed, S. 93-104.Jugendwerk der Deutschen Shell-AG (2010): Jugend2010. 16. Shell-Jugendstudie. Frankfurt a.M.: Fischer.Kübler, H.-D. (1998): Info online: von Jugendlichen nochnicht entdeckt? Informationsbedürfnisse Jugendlicher:Voraussetzungen zur Konzeption eines Jugendinformationszentrums.Sozial extra, 22 (6), 11-13.Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest(2010): JIM-Studie 2010: Jugend, Information, (Multi-)Media. Basisuntersuchung zum Medienumgang12- bis 19-Jähriger. Stuttgart: MPFS. Abrufbar unter:http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf10/JIM2010.pdf[Stand: 01.04.2010].Seckinger, M./Weigel, N./van Santen, E. /Markert, A.(1998): Situation und Perspektiven der Jugendhilfe. Eineempirische Zwischenbilanz. München: DJI Verlag.Stork, R. (1995): Jugendhilfeplanung ohne Jugend?Chancen der Partizipation am Beispiel der Jugendarbeit.Münster: Votum.75


Europa undInter nationales


Europa und Inter nationalesYouth Information 2.0Europäische Konferenz zu Herausforderungenund Möglichkeitenvon web basierter Jugendinformationund Jugendportalen78 Im Rahmen der verstärktenjugendpolitischen Zusammenarbeitin der EuropäischenUnion („Weißbuch-Prozess“)hatte sich die „Informationjunger Menschen“ als einesder Schlüsselthemen herauskristallisiert.Die Möglichkeitenvon Online-Angebotender Jugendinformation diskutiertedie Konferenz YouthInformation 2.0 vom 21. bis24. Februar 2008 in Berlin.Jugendinformation wird – politisch betrachtet – alseine Voraussetzung für die Stärkung junger Menschengesehen, das eigene Leben aktiv zu gestaltenund dadurch die Teilhabe und Teilnahme an gesellschaftlichenThemen und Prozessen zu fördern.Das beinhaltet zunehmend, junge Menschen via„moderner Informations- und Kommunikationstechnologien“und insbesondere über das Internetanzusprechen und sie zu aktivieren, sich an derInformationserstellung und -verbreitung aktiv zubeteiligen. Im Fokus standen 2008 besonders Webportale,die dem Anspruch, jugendnah und mitqualitativ hochwertigen Informationen bestücktzu sein, gerecht werden.Online-Jugendinformation in EuropaDer Bund und auch die Länder haben die internetgestützteJugendinformation und den Aufbau vonJugendportalen in Deutschland schon früh durchLeuchtturmprojekte wie den Jugendserver, die BundesinitiativeJugend ans Netz, das Jugendinfonetzund Jugend online mit netzcheckers.de/.net gefördert.Nicht zuletzt geschah dies wegen der fehlendenDichte von Jugendinformationszentren inDeutschland.Vor allem die südeuropäischen Länder und, initiiertdurch den europäischen Dialog, Finnlandverfügen über ein flächendeckendes Netz an Jugendinformationszentren.Diese sehen in denOnline-Angeboten der Jugendinformation einesinnvolle und notwendige Ergänzung zu den bestehendenOffline-Angeboten. Somit trug dieKonferenz dazu bei, die europäische Vernetzungder Akteure im Arbeitsfeld zu fördern und den Erfahrungsaustauschzur Nutzung des Web 2.0 in derInformation und Beratung junger Menschen aufeuropäischer Ebene zu stärken.Beteiligung braucht MedienkompetenzIn zahlreichen Workshops während der Konferenzwurden die technischen Möglichkeiten desWeb 2.0 vorgestellt und daraus entwickelbare Informations-und Beratungsangebote diskutiert.Viele bereits europäisch agierende Projekte in derJugendmedienarbeit und -bildung stießen bei denTeilnehmenden auf großes Interesse.Der Aspekt der Beteiligung Jugendlicher stand inmehreren Projekten im Vordergrund und regteauch kontroverse Diskussionen an. Hier wurdedie Notwendigkeit der Medienkompetenzbildungbei Jugendlichen sowie Multiplikatorinnen undMultiplikatoren betont. Wichtige Aspekte in denForen waren die Nutzung von sozialen Netzwerkenim Web sowie deren Anerkennung als Lernorte


Meilenstein der digitalenJugendbildungDie Konferenz diente als Plattform auf europäischerEbene, die den Erfahrungsaustausch intensivierte,innovative Lösungen präsentierte, dieZusammenarbeit von Verbänden sowie Multiplikatorinnenund Multiplikatoren im Arbeitsfeld stärkte,neue Impulse gab und zusätzliche Perspektiveneröffnete. In diesem Sinne stellt die Konferenz einezentrale Wegmarke in der internationalen und europäischendigitalen Jugendbildung dar.79von Jugendlichen und die Präsenz der Jugendarbeitund -bildung mit qualitativ guten Angebotenin den nationalen und internationalen Netzwerkenim Internet.Vernetzung und InnovationDurch die frühzeitige Beteiligung der europäischenNetzwerke der Jugendinformation, die EuropeanYouth Information and Counselling Agency(ERYICA), Eurodesk und die European Youth CardAssociation (EYCA), konnte ein attraktives Programmerstellt, ein Kreis von hoch interessiertenMultiplikatorinnen und Multiplikatoren eingeladenund gleichzeitig für eine nachhaltige Wirkunggesorgt werden.In der Folge der Konferenz entstanden viele europäischeund nationale Projekte und Angebote mitgroßem Nachahmungswert. Dies wurde von denpolitisch Verantwortlichen aus dem Bundesministeriumfür Familie, Senioren, Frauen und Jugendund der Generaldirektion Bildung und Kultur derEuropäischen Kommission, die die Konferenz förderte,gewürdigt.Die Tagung ist dokumentiert unter:www.youth.infoReinhard Schwalbach,Geschäftsbereichsleiter, IJAB –Fachstelle für InternationaleJugendarbeit der BundesrepublikDeutschland e.V.Bild oben links: Pierre Mairesse, Jugenddirektor der EuropäischenKommission, eröffnet Youth Information2.0 – Europäische Konferenz zu Herausforderungenund Möglichkeiten webbasierter Jugendinformationund Jugendportalen.Bild oben rechts: Podiumsdiskussion mit BernardCharbonnel (Eurodesk), Pierre Mairesse (EuropäischeKommission), Wolfgang Schick (EYCA) .Bild unten links: Martin Pinkerneil (Moderation), WilhelmTeuber (BMFSFJ), Marc Boes (ERYICA)Bild unten rechts: Frank Syré (zoomer.de) und Tim Cole.


Europa und Inter nationalesEuropas Jugend onlineEuropäische Prinzipienfür Online-JugendinformationOnline-Jugendinformation istein wichtiger Meilenstein,um den Bildungsauftragzur Stärkung von MedienundInformationskompetenzumzusetzen.80 Im Weißbuch „Neuer Schwungfür die Jugend Europas“ benenntdie Europäische Kommissiondie Jugendinformationerstmals als wichtige jugendpolitischeAufgabe und zwingendeVoraussetzung für diePartizipation Jugendlicher amöffentlichen Leben.Der Entwurf der EU-Jugendstrategie „Investitionenund Empowerment“ hebt die Bedeutung einer qualitätvollenJugendinformation für die Realisierungeiner umfassenden Beteiligung weiter hervor. Diezentrale Informationsplattform junger Menschen istheute das Internet – die Jugendinformation in Europawill deshalb ihre webbasierten Angebote ausbauen.Die European Youth Information and CounsellingAgency (ERYICA) hat auf ihrer Generalversammlungim Dezember 2008 in Montenegro das Themader internetgestützten Jugendinformation hervorgehobenund eine Arbeitsgruppe beauftragt, gemäßder Europäischen Charta der Jugendinformationeuropäische Prinzipien für eine internetgestützteJugendinformation zu erarbeiten. Ende April 2009tagte die Arbeitsgruppe unter Beteiligung von IJABin Rotterdam. Angestoßen wurde dieser Prozessauch durch die im Februar 2008 durchgeführte europäischeKonferenz Youth Information 2.0.Das in Rotterdam erarbeitete Papier zu Prinzipienfür Online-Jugendinformation in Europa nenntdrei wesentliche Aufgabenfelder. Zunächst beschreibtes, mit welchen Standards die Qualität derinternetgestützten Jugendinformation gesichertwerden kann. Dabei stehen die sorgsame Auswahlund Prüfung der Information anhand der Bedürfnissejunger Menschen sowie die Aktualität der Informationim Vordergrund. Die zugrunde gelegtenKriterien der Auswahl und Filterung sollen deutlicherkennbar sein. Eine zweite Gruppe von Prinzipienbetrifft die direkte Kommunikation und Interaktionmit der Zielgruppe. Hierbei thematisiertdas Papier vor allem neue Entwicklungen des Web2.0 und den Umgang mit User-Generated-Contentim Zusammenhang mit den Prinzipien qualitativhochwertiger Informationsdarstellung.Online-Jugendinformation ist ein wichtiger Meilenstein,um den Bildungsauftrag zur Stärkungvon Medien- und Informationskompetenz umzusetzen.Sie soll jungen Menschen helfen, die richtigenInformationen im Netz schnell und einfachzu finden und sie anleiten, sich sicher und verantwortungsvollim Internet zu bewegen und Informationenkritisch zu hinterfragen. Dazu werdenabschließend Prinzipien vorgestellt, die beschreiben,wie die Jugendinformationsdienste als solchebeschaffen sein sollen. Im Fokus steht hier dieSchaffung eines sicheren und geschützten Raumsim Internet, in dem sich junge Menschen ausprobierenund ihre Online-Kompetenz ausbilden undstärken können. Dazu gehört beispielsweise nebendem richtigen Umgang mit Copyrights auch dersensible Umgang mit persönlichen Daten.www.eryica.orgDaniel Poli, Jugend online / IJAB –Fachstelle für InternationaleJugendarbeit der BundesrepublikDeutschland e.V.


Niels BrüggenEvaluationnetzcheckers.de im Blick der wissenschaftlichenBegleitung – Einblicke, Ergebnisse, Anregungen„Welche Konzepte sind für die Jugendarbeit zielführend,um die neu entstehenden Möglichkeitendes Web 2.0 aktiv pädagogisch nutzen zu können?“Dies ist eine der übergeordneten Fragen, mitdenen Aktivitäten des Projektes Jugend onlinedurch das JFF – Institut für Medienpädagogik inForschung und Praxis wissenschaftlich begleitetund evaluierend eingeschätzt wurden. Zum einenwertete das JFF die Projektmaßnahmen mit vorwiegendqualitativen und beteiligungsorientiertenMethoden der Sozialforschung aus und gab zum anderenzu neu erarbeiteten pädagogischen Konzeptenberatend Rückmeldung. Im Fokus standen dabei dasJugendportal netzcheckers.de und dessen inhaltlicherwie auch technischer Relaunch sowie derAusbau des Partnernetzwerks netzcheckers.net inder Jugendarbeit. Zentrales Anliegen war dabei,die Perspektive der Adressatinnen und Adressateneinzubeziehen – bei netzcheckers.de waren das Jugendliche,bei den Partnerportalen pädagogischeFachkräfte und jugendliche Zielgruppen.81


Inhalte sind das Futter,Beziehungen der Klebstoff beider pädagogischen Arbeit mitdem Social Web.82 Pädagogische Angebote im Netz undBesonderheiten für die EvaluationBei der Evaluation galt es, die besonderen Bedingungenpädagogischer Arbeit im und mit dem Internetzu beleuchten. Dies stellte auch besondereAnforderungen an die eingesetzten Evaluationsmethoden.Die Jugendplattform netzcheckers.de ist beispielsweisenicht allein ein Online-Angebot, auf demInhalte angeboten werden und bei dem die Beurteilungdieser Inhalte ausreicht. Vielmehr ist mit demAnspruch, ein Community-Angebot zu gestalten,verbunden, dass auch darauf bezogene Kriterienwie die sociability 1 der Online-Gemeinschaft erfasstwerden. In Interviews sind derartige Aspektenicht ausreichend zu erfassen. So wurden in derEvaluation weiterreichende Verfahren entwickelt,um Einblicke zu gewinnen, wie die Jugendlichendie gegenseitige Vernetzung, den möglichen Austauschund die wahrgenommene Öffentlichkeit– inwiefern es überhaupt lohnt, sich einzubringen –auf netzcheckers.de einschätzten. Konkret fanden inder Evaluation Workshops mit kleinen GruppenJugendlicher statt, in denen diese die Community-Möglichkeiten von netzcheckers.de erschließen undauf dieser Basis das Portal fundiert bewerten konnten.Eine weitere Herausforderung bei der längerfristigenBegleitung der Portale war, dass diese kontinuierlichweiterentwickelt und verändert wurden.Neu eingeführte Module mussten entsprechendjeweils zeitnah erprobt werden, wodurch aucheventuelle Fehler oder Probleme an das Entwicklungsteamrückgemeldet werden konnten. Zugleicherforderte dies, dass bei Erhebungen immerder aktuelle Stand der jeweiligen Portale dokumentiertwurde.Schlaglichter auf die ErgebnisseAn dieser Stelle können nur einige Aspekte derErgebnisse der wissenschaftlichen Begleitungvorgestellt werden. Markant ist, dass die Einschätzungender Angebote zwischen den befragten pädagogischenFachkräften und den befragten Jugendlichenteils deutlich voneinander abweichen.Beide Gruppen bewerten die Angebote aus ihrerPerspektive und gewichten dabei Bewertungskriterienunterschiedlich.Aus der Perspektive der aktiven Portalbetreiberwerden beispielsweise konzeptionelle Aspekte betontund positiv bewertet:Die Werbefreiheit des Angebotes ist ein Türöffnerund in vielen Einrichtungen eine unabdingbareVoraussetzung für die Arbeit mit Web 2.0-Plattformen.Die Möglichkeit, vergleichsweise einfach einInternetangebot zu erstellen, wie auch der zentraleSupport sind darüber hinaus an vielen EinrichtungenEntscheidungskriterien für das Angebot. In einigenFällen können diese Aspekte auch als Voraussetzunggelten, dass überhaupt Jugendarbeit imund mit dem Internet erprobt und entsprechendeProjekte entwickelt wurden.


Projekte sind attraktiv,wenn sich Jugendlicheals Person und mit ihrenInteressen einbringen unddabei neue Beteiligungsformenerschließen können.Die Partizipationsmöglichkeiten über die Plattformenkommen bei den gestalteten Angeboten jenach Einrichtung unterschiedlich stark zum Tragen– abhängig von den pädagogischen Konzepten,mit denen die Plattformen genutzt werden, wieauch von den Arbeitsbedingungen vor Ort.In den Berichten von aktiven Portalbetreibernwird erkennbar, dass die Nutzung und eine längerfristigeBindung der Nutzenden an die Portalenicht alleine durch (gute) Inhalte angeregt werdenkann. Vielmehr ist auch online Beziehungsarbeitnotwendig, um die Potentiale von Web 2.0 zu nutzen.Hierzu wurden im Projekt Ansätze entwickelt,beispielsweise Verbindungen zwischen den Angebotenund den Sozialen Netzwerkdiensten herzustellen,die von den Jugendlichen bereits genutztwerden, um dort mit der Zielgruppe in Austauschzu treten. Auf den Punkt gebracht werden kanndiese Erkenntnis mit dem Satz: „Inhalte sind dasFutter, Beziehungen der Klebstoff bei der pädagogischenArbeit mit Social Web“.Aus Sicht der befragten Jugendlichen stehen vierFragen im Vordergrund:Ist das Angebot inhaltlich und gestalterisch ansprechend?Wie aktuell und glaubwürdig erscheint das Angebot?Gibt es Anknüpfungspunkte, um einen persönlichenBezug zum Angebot herzustellen?Welche Beteiligungsmöglichkeiten sind aufdem Portal möglich? Insbesondere: Wer und wasist darüber zu erreichen?Für die unterschiedlichen Portale − netzcheckers.deund einzelne untersuchte Partnerportale − fielendie Antworten der Jugendlichen durchaus verschiedenaus. Je nachdem, ob es sich um ein Portal einerEinrichtung, eines Projektes oder ein Angebot miteinem thematischen Schwerpunkt handelt, sindaus Sicht der befragten Jugendlichen spezifischeAspekte für die Einschätzung relevant. Ein Community-Portalan sich als reine Infrastruktur istdabei für Jugendliche kein Motivationsfaktor, sicheinzubringen, da sie diese Möglichkeiten an anderen,meist kommerziellen Stellen im Netz bereitseingebettet in den Freundeskreis nutzen. Attraktivsind Projekte vielmehr, wenn sie sich als Person undmit ihren Interessen einbringen und dabei neue Beteiligungsformenerschließen können.In der Zusammenschau bieten die Ergebnissewichtige Grundlagen, um Konzepte für Jugendarbeitin einer sich verändernden und zunehmendmedial durchdrungenen Lebenswelt von Jugendlichenweiterzuentwickeln. Aufbauend auf denProjekterfahrungen erscheinen für eine Weiterentwicklungder bisherigen Ansätze das Fortbestehender Grundstruktur (werbefreies Angebot und Support),eine Intensivierung pädagogisch begleiteterProjekte, um innovative Ansätze voranzutreiben,sowie dezentrale Qualifizierungsangebote fürpädagogische Fachkräfte sinnvoll.Niels Brüggen, JFF – Institut fürMedienpädagogik in Forschung undPraxis1Vgl. Raynes-Goldie, Kate; Walker Luke (2008): OurSpace. Online Civic Engagement Tools for Youth. In:Bennett, W. Lance (Hg.): Civic Life Online. LearningHow Digital Media Can Engage Youth. The John D. andCatherine T. MacArthur Foundation Series on DigitalMedia and Learning. Cambridge, MA: MIT Press, S.161–188. Online verfügbar unter http://www.mitpressjournals.org/doi/pdf/10.1162/dmal.9780262524827.16183


Fotohinweise84Titel Illustration mit Fotos von Rinah Lang,Fotolia/Gajatz, Jugend onlineS. 6/7 Illustration mit Fotos von Marco Prill,Fotolia/Gajatz, Sanja Gjenero, JugendonlineS. 10/11 Jugend online (o.l.), Fotolia/Gajatz (o.r.),Kirsten Mascher und Almuth Frommhold(u.)S. 12 Jugend onlineS. 14 Marco PrillS. 15 Marie Scholz, MB21: Screenshot desBeitrags „Alles ist die Noppe“,1. Preis 16–21 Jahre 2009S. 16 Julian KulaszaS. 17 Michael LangeS. 18 Jugend onlineS. 19 Jugend onlineS. 20 BAR M Kommunikationsdesign BerlinS. 27 Illustration mit Fotos von Rinah LangS. 28/29 netzcheckers.net (l.), Jugend online (r.)S. 32/33 Ralf Appelt (o.) Institut Gauting/Gautinger Internet-Treffen (u.)S. 34 Jugend onlineS. 35 Grafikbüro Rolf Bartsch, BonnS. 36 Jugend onlineS. 40/41 Illustration mit Fotos von Rinah LangS. 43 Helge DavidS. 44 Deutscher Bundestag/Lichtblick/AchimMeldeS. 54 Julian Kulasza (l.u.), Mark Wesemeyer/Jugend online (r.)S. 55/56 Julian KulaszaS. 58 Roman Zurholt/WE DOS. 59 Jugendzentrum LeichlingenS. 60 Karl BihlmeierS. 64/65 Illustration mit Fotos von Rinah LangS. 66 Sebastian Ring und Thomas KupserS. 67 Jugend onlineS. 68 Verena KetterS. 69 Elena Laese (o.), Moreno Meloni (u.)S. 69 Maren RischS. 76/77 Illustration mit Fotos von Rinah Lang,Fotolia/Gajatz, Sanja Gjenero, JugendonlineS. 78/79 Krippendorf/IJAB


ImpressumxxxHerausgeberIJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeitder Bundesrepublik Deutschland e.V.Godesberger Allee 142-148D – 53175 BonnTel. 0049 (0) 228 9506-0Fax 0049 (0) 228 9506-199E-Mail: info@ijab.dewww.ijab.deVerantwortlichMarie-Luise Dreber, DirektorinAutorinnen und AutorenÜbersicht über die Autorinnen und Autoren aufden Umschlaginnenseiten.Alle Texte dieser Broschüre stehen unter derCreative-Commons-Lizenz „Namensnennung –nicht kommerziell – keine Bearbeitung“.GestaltungBAR–M.de Kommunikationsdesign, BerlinIllustrationRinah Lang, BerlinDruckDCM Druck Center Meckenheim GmbHIm Auftrag des Bundesministeriumsfür Familie, Senioren, Frauen und Jugendgefördert aus Mitteln des Kinder- undJugendplanes des BundesDie hier veröffentlichten Beiträge geben dieMeinung der Autorinnen und Autoren wieder, dienicht der Meinung der Redaktion bzw. des Herausgebersentsprechen muss.Juni 2011RedaktionIsabel Götte, Ana ParvanovaText-Raum – Zweiraumagentur fürKommunikationLektoratKatharina IlicÜbersicht über die Autorinnenund Autoren auf den Umschlaginnenseiten


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