andale andale - Klett Kinderbuch

klett.kinderbuch.de

andale andale - Klett Kinderbuch

Fußballspiel mitMatschparade„Rocco!“, sagte Frau Schreck-Schraube.„Wolltest du dich melden?“„Ich?“, fragte Rocco.„Ja. Hast du schon mal im Tor gestanden?“„Nein, nein … das kann ich nicht …“„Er will nur nicht angeben“, sagte Nick derStreber und schlug Rocco auf den Rücken.„Fragen Sie die anderen, er ist super!“„Hmm“, sagte Frau Schreck-Schraube. ‚Super’war nicht gerade das erste Wort, das ihr inVerbindung mit Rocco einfiel. Bestimmt gab esnoch jemand anderen.„Wie wäre es denn mit dir selbst, Nikolas?“,fragte sie.„Geht leider nicht, Frau Schreck-Schraube. Ichhab zu schwache Gelenke“, säuselte Nick.„Ach, wirklich?“, sagte Frau Schreck-Schraube.„Hugo, was ist mit dir?“„Tut mir leid, aber meine Mutter möchte nicht,dass ich Fußball spiele.“7


RoccoRandale„Robert?“„Hab keine Fußballschuhe.“Verzweifelt sah Rocco sich um. Irgendjemandmusste doch ins Tor wollen!„Damit hätten wir das geklärt.“ Frau Schreck-Schraube seufzte. „Du stehst am Freitag im Tor,Rocco. Und lass mich ja nicht hängen!“„Aber Frau Schreck…“, setzte Rocco an.Frau Schreck-Schraube blies gellend in dieTrillerpfeife und eilte vom Platz, damit das Spielbeginnen konnte.Rocco starrte ihr nach. Dasdurfte einfach nicht wahr sein.Er sollte der Torwart derSchulmannschaft sein?Das war eineKatas trophe!Ein Albtraum!8


Fußballspiel mitMatschparadeRocco hatte noch nie im Tor gestanden, nochnicht mal auf dem Spielplatz. Er hatte keineAhnung, wie er den Ball halten sollte – wo erdoch noch nicht mal den Mund halten konnte,wenn es nötig war. Hinter allem steckte diesehinterhältige Schlange Nick. Der wusste nur zugut, dass Rocco eine Niete im Fußball war.Nick wollte nur sehen, wie Rocco sich blamierte.Nach der Sportstunde trottete Rocco nebenDamian, Hugo und Donna zurück zum Schulgebäude.„Mach dir nichts draus“, sagte Donna. „Wardoch gar nicht so schlecht.“„Genau“, sagte Damian. „Als du zwischendurchmal kurz die Augen aufgemacht hast,warst du schon viel besser.“Nick der Streber holte sie ein. Sein Trikot undseine Hosen waren fleckenlos rein. „He, Rocco,9


RoccoRandalewie hoch habt ihr noch mal verloren? Sag’smir!“, höhnte er.Rocco beachtete ihn nicht.„Sechs zu null? Oder sieben zu null? Ich habirgendwann aufgehört mitzuzählen.“„Wenigstens will mich Frau Schreck-Schraubejetzt nicht mehr in der Mannschaft haben“,sagte Rocco.10


Fußballspiel mitMatschparade„Da irrst du dich aber.“ Nick grinste. „Es gibtsonst niemanden.“Rocco stöhnte. „Warum ich? Kann nichtjemand anders im Tor stehen?“„Nein danke!“, sagte Damian. „Ich bin Stürmer.Der Torwart kriegt doch immer die Schuld, wennman verliert.“„Glaubst du, wir verlieren?“, fragte Rocco.„Machst du Witze?“, sagte Damian. „Wirspielen gegen die von der Zacker-WürghausenerGrundschule.“Rocco sah ihn verständnislos an.„Die sind die Nummer eins der Schulliga“,sagte Donna. „Haben noch kein Spiel verloren.“„Hä! Hä!“, lachte Nick hämisch. „Das wirdeine vernichtende Niederlage. Das Spiel guckich mir auf jeden Fall an. Um nichts in der Weltwill ich das verpassen!“11


2. KapitelNach der Schule trottete Rocco geknickt nachHause.Beim Mittagessen erzählte er seinen Eltern dieNeuigkeit.„In der Schulmannschaft?“, fragte sein Vater.„Das ist ja großartig!“„Hm“, sagte Rocco. „Außer, dass sie mich insTor stellen wollen.“12


Fußballspiel mitMatschparade„Das ist doch toll, oder?“ Seine Mutter strahlte.„Besonders begeistert siehst du allerdings nichtaus.“„Klar ist er begeistert“, sagte sein Vater. „Ichwusste gar nicht, dass du im Tor spielst, Rocco.“„Tu ich auch nicht!“, stöhnte Rocco. „Das ist esja. Ich wurde nur aus Versehen ausgewählt.“„Red keinen Unsinn“, sagte seine Mutter. „Dubist bestimmt besser, als du denkst.“„Bin ich nicht!“, heulte Rocco. „Ich bin superschlecht.“„Ach, das wird schon klappen“, sagte seineMutter. „Solange du dein Bestes gibst, wird dirkeiner böse sein.“Frau Schreck-Schraube wird mir sehr wohlböse sein, dachte Rocco. Nichts auf der Welthasste die Lehrerin mehr, als zu verlieren – undsei es beim Mensch-ärgere-Dich-nicht. WennRocco schlecht spielte, würde sie ihn als Fußballbenutzen und quer über den Platz treten.13


RoccoRandaleRoccos Vater hatte seine alten Sportschuheaus dem Flur geholt. „Ich hab ja früher auchein bisschen gekickt“, sagte er. „Nur so im Park,aber ich war ziemlich gut.“„Echt?“, fragte Rocco. Das hatte er gar nichtgewusst.„Lass uns draußen im Garten ein wenigtrainieren. Ich kann dir ein paar Tipps geben.“Fünf Minuten später stand Rocco zwischen zweiTorpfosten aus alten Blumentöpfen. Er trug seineWollhandschuhe und eine Baseballkappe.Sein Vater ließ den Ball ein paarmal aufprallenund legte ihn dann auf dem Rasenzurecht. „Jetzt“, sagte er, „mach dich groß.Nicht so zusammengekauert dastehen. Armeweit auseinander, Kopf hoch, Augen zum Ball.Ich komm gleich auf dich zu, und du versuchst,mich abzuwehren.“14


Fußballspiel mitMatschparadeRocco ruderte mit den Armen. „Hau ab! Hauab!“, schrie er.„Was machst du da?“, fragte sein Vater.„Ich wehre dich ab.“„Doch nicht so. Du musst rauskommen.“„Ich dachte, ich soll im Tor stehen!“, sagteRocco.Sein Vater seufzte. „Pass auf! Ich werde jetztschießen, und du versuchst, den Ball zu halten,okay?“Roccos Vater trat drei Schritte zurück.Er nahm Anlauf und schoss mitaller Kraft. Rocco sah zu,wie der Ball meilenweitüber seinen Kopf hinwegin den Garten derNachbarnflog.15


RoccoRandaleKRACH! KLIRR!„Ups“, sagte Roccos Vater. „Ich glaube, wirspielen besser ein andermal weiter.“Während der nächsten Tage war Rocco wiebenommen. Er konnte an nichts anderes alsan das bevorstehende Fußballspiel denken.Sogar nachts hatte er Albträume davon.Er träumte, dass er gegen eine Mannschaftspielte, in der lauter Frau Schreck-Schraubesspielten. Frau Schreck-Schraube dribbelte.Sie passte hinüber zu Frau Schreck-Schraube.Frau Schreck-Schraube schoss. Rocco hechtetezum Ball … und wachte schweißgebadet aufdem Fußboden auf.16


3. KapitelDann kam der Tag des großen Spiels. Roccostarrte die Regentropfen an, die an der Fensterscheibedes Kleinbusses hinunterliefen. Er warerledigt.„Guck nicht so“, sagte Damian. „Was kanndenn schon passieren?“„Wir verlieren, das kann passieren“, sagteRocco. „Weil ich zwanzig Bälle reinlasse.“17


RoccoRandale„Lässt du nicht!“, sagte Damian. „Sooo schlechtbist du auch wieder nicht.“„Nein?“, fragte Rocco.„Nein!“, sagte Damian. „Du bist nur einfachnicht richtig gut.“„Danke“, sagte Rocco.Donna drehte sich vom Vordersitz zu ihnenum. „Man kann nie wissen. Vielleicht spielst dutoll“, sagte sie, „und wir gewinnen heute sogar.“„Gegen die aus Zacker-Würghausen?“, fragteDamian.„He, Rocco!“, kam da eine laute Stimme vonhinten. „Fang!“Rocco wandte sich um. Ein Bonbon traf ihnan der Nase.„Ha! Ha!“, kreischte Nick der Streber. „Unddu willst Torwart sein? Du kannst ja noch nichtmal ein Bonbon fangen!“18


Fußballspiel mitMatschparadeEs schüttete wie aus Eimern, als der Bus vor derZacker-Würghausener Grundschule einbog undanhielt. Roccos Mannschaft stieg aus.Alle starrten auf denSportplatz. Der standhalb unter Wasserund sah aus wie dasDeck einessinkendenSchiffes.Ein paarGrasbüschelschautenheraus – der Restwar ein riesiger See aus Matsch. In einer derPfützen paddelte eine Möwe.Rocco fiel ein riesiger Stein vom Herzen.Da das Spielfeld unter Wasser stand,wurde das Spiel doch sicherlich abgeblasen.Er musste nicht spielen! Er war gerettet!19


RoccoRandale„Also los, rein mit euch und umziehen!“, kommandierteFrau Schreck-Schraube.„Aber was ist mit dem Platz?“, fragte Rocco.„Was soll damit sein?“„Das ist ein einziger Sumpf. Darauf könnenwir doch nicht spielen!“„Unsinn! Ein paar kleine Pfützen haben nochkeinem geschadet. Zu meiner Zeit konnten wirbis zu den Knien im Schnee stehen, und wirhaben trotzdem noch Hockey gespielt!“In diesem Moment rannte die Mannschaft vonZacker-Würghausen in ihren roten Trikots aufsFeld. Die Spieler wärmten sich auf und donnertenabwechselnd den Ball in eines der Tore.Nick der Streber kam zu Rocco geschlichen.„Die sind ganz schön groß, was? Guck dir maldie Nummer neun an. Also, dem möchte ichnicht gern im Weg stehen.“ Er grinste gemein.Rocco stapfte wortlos Richtung Umkleidekabinedavon.20


RoccoRandaleund sagten, dass er sich von Matsch fernhaltensollte. Von Torhütern aber erwartete mangeradezu, dass sie sich dreckig machten.Das gehörte zu ihrem Job.Rocco platschte durch eine Pfütze. Wie es wohlwäre, durch den Matsch zu schlittern?, überlegteer. Er nahm Anlauf und glitschte quer durch dasTor. Matsch spritzte in alle Richtungen. Nichtschlecht. Als Nächstes nahm er sich die größtePfütze im Tor vor – und schlitterte mittendurch.BUMM! WUSCH!Etwas sauste an seinem Kopf vorbei. Er schauteauf. Warum jubelten plötzlich alle? Die Spielervon Zacker-Würghausen umringten ihreNummer neun. Rocco wandte langsam denKopf. Hinter ihm im Netz lag ein Fußball.Frau Schreck-Schraube lief violett an.„Rocco!“, donnerte sie. „Was machst du da?“„Tschuldigung! Ich hab grade nicht hingeguckt“,sagte Rocco.22


Fußballspiel mitMatschparadeDamian holte den Ball aus dem Netz. „Dusolltest eigentlich versuchen, ihn zu halten!“,schimpfte er.„Ich war nicht darauf vorbereitet!“, beklagteRocco sich. „Keiner hat mir Bescheid gesagt,dass ein Schuss kommt!“Seine Mannschaft stürmte davon. Roccoseufzte. Genau das war der Grund, warumer nicht im Tor sein wollte. Man stand stundenlangherum und fror sich zu Tode, und kaummachte man einen klitzekleinen Fehler, warenalle stinksauer.Vom Spielfeldrand zeigteNick der Streber ihm dieerhobenen Daumen.„Super, Rocco!“, jubelteer schadenfroh.Den Rest der erstenHalbzeit versuchteRocco, sich auf das23


RoccoRandaleSpiel zu konzentrieren. Das war nicht allzuschwer, weil sich der größte Teil um sein Torherum abspielte. Zacker-Würghausen war gutin Form. Roccos Mannschaft jagte hinter jedemBall her und verteidigte erbittert. Rocco hechtete,rutschte und schlitterte durch den Schlamm,während die Bälle wie Kanonenkugeln auf ihneinprasselten. Einer krachte gegen den Pfosten.Einer sprang donnernd von derQuerlatte zurück. Ein dritterschlüpfte durch Roccos Beineund rollte aufs Tor zu,bis er in einer Pfützestecken blieb.Zur Halbzeit trotteteRoccos MannschaftvomPlatz –24


Fußballspiel mitMatschparadefroh und dankbar, dass sie nur ein Tor kassierthatte.Ihre Trainerin war alles andere als begeistert.„So was Unfähiges!“, brüllte Frau Schreck-Schraube. „Erbärmlich! Ich bin doch nicht denganzen Weg hierhergekommen, nur um euchbeim Verlieren zuzugucken! Jetzt geht da rausund fangt endlich an zu spielen!“25


RoccoRandaleDie zweite Halbzeit begann. Es regnete Bindfäden.Rocco wurde immer matschiger. SeinTrikot klebte ihm am Rücken. Seine Shortswaren dunkelbraun. Seine Fußballschuhewaren patschnass und gaben bei jedem Schrittein schmatzendes Geräusch von sich.Und dann geschah das Wunder: Roccos Mannschaftschoss ein Tor! Es war Donna, die allevollkommen überraschte, indem sie den Ballnach einer wilden Dribbelei ins Tor bugsierte.„TOR!“, schrie Frau Schreck-Schraube undschwenkte ihren Regenschirm.„TOR!“, schrie Rocco und machte einen Handstandim Matsch.Nick der Streber schüttelte den Kopf. DieSpieler von Zacker-Würghausen sahen sichungläubig an. Fünf Minuten vor Spielendestand es unentschieden: eins zu eins.„Auf jetzt, ihr Laschies!“, röhrte Frau Schreck-Schraube. „Das schafft ihr!“26


Fußballspiel mitMatschparadeZacker-Würghausen griff an. Roccos Mannschaftklärte und schoss den Ball weit ins Seitenaus.Beim Einwurf holte sich der Zacker-Würghausenermit der Nummer neun das Leder unddrängte damit in den Strafraum.„Komm raus, Rocco!“, schrie Damian.Wie ein Hochgeschwindigkeitszug schossRocco aus dem Tor. Er schlitterte durch denSchlamm, konnte nicht mehr bremsen …„Auaaa!“, brüllte Nummer neun, als Rocco ihnumlegte.27


RoccoRandaleTRILLER! Der Schiedsrichter zeigte auf denElfmeterpunkt.Roccos Mannschaft stöhnte auf. Ausgerechnetin den letzten Minuten verdarb Rocco ihnendas Ergebnis.Rocco rappelte sich auf und platschte zur Torlinie.Typisch, dachte er, jetzt verlieren wir, unddann bin ich wieder an allem schuld.Mit ausgestreckten Händen ging er ein bisschenin die Hocke. Es war sein erster Elfmeter.Nummer neun scharrte über den Rasen. Dannnahm er Anlauf. Hinter dem Tor hörte Rocco28


Fußballspiel mitMatschparadeeine Stimme singen: „Im Tor, da steht ein kleinerMann, hat kaputte Hosen an!“Rocco fuhr herum und starrte direkt in dasgrinsende Gesicht von Nick dem Streber.BUMM! … KLATSCH!Irgendetwas donnerte an Roccos Hinterkopf,sodass er Sternchen sah. Halb benommen saher einen Ball im Matsch aufspringen. Er griff zuund hielt ihn fest, bevor der Ball über die Linierollte. Sekunden später wurde er von seinenMannschaftskameraden umringt.„Super, Rocco!“29


RoccoRandale„Was für eine Parade!“„Und das, ohne zu gucken!“Die ganze Mannschaft drängte sich um ihn,alle schlugen ihm auf den Rücken. Roccogrinste und spuckte ein Büschel Gras aus.Kurz darauf ertönte der Abpfiff. RoccosMann schaft warf die Arme in die Höhe.Frau Schreck-Schraube tanzte durch die Pfützen.Ein Unentschieden gegen die Favoriten ausZacker-Würghausen war so gut wie ein Sieg.Rocco wurde von seinen jubelnden Mannschaftskameradenauf den Schultern vom Platzgetragen. Dabei entdeckte er einen missmutigdreinblickenden Jungen, der versuchte, sichunbemerkt davonzuschleichen. Rocco zupftesich einen Matschklumpen vom Trikot, zielteund …PLATSCH!30


Fußballspiel mitMatschparade31


Für Kate, James und Klein- ‘O’ - D. R.Für alle an der Greythorn-Grundschule - A. M.First published in Great Britain in 2009By Stripes PublishingAn imprint of Magi PublicationsDirty Bertie MUD!Characters created by David RobertsText copyright Alan MacDonald, 2009Illustrations copyright David Roberts, 2009Für die deutsche Ausgabe2012 by Klett Kinderbuch, LeipzigAlle Rechte vorbehaltenUMSCHLAGGESTALTUNG atelier eilenberger, Tauchaunter Verwendung einer Illustration von David RobertsLAYOUT UND HERSTELLUNG atelier eilenberger, TauchaDRUCK UND BINDUNG GGP Media GmbH, PößneckPrinted in GermanyISBN 978-3-941411-51-7www.klett-kinderbuch.de


Drei Geschichten in einem BandMehr von Rocco:ISBN 978-3-941411-51-7€ 8,90 [D] € 9,20 [A]

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine