Einkommens- und Sozialpolitik Vorschläge für ... - SGB - CISL

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Einkommens- und Sozialpolitik Vorschläge für ... - SGB - CISL

Nr. 23/200809.12.08Versand im Postabonnement,D.L. 353/2003(konv. in Gesetz27/02/2004 Nr. 46)Art. 1, Abs. 2,DCB Bozen,Taxe PercueContiene I.R.Aktuelles aus dem Südtiroler Gewerkschaftsbund SGBCISLEinkommens- und SozialpolitikVorschläge für Südtirols ZukunftLandtagswahlenGewerkschaftliche BetrachtungenLaborfondswahlen vom 9.-20. Februar 2009Mitmachen. Mitentscheiden.


ÜberblickLandtagswahlenInhaltSeite 4-5Laborfonds-WahlenSeite 8-9SteuerneuheitenSeite 132345678-910111213141516LeitartikelEin neues Bündnis braucht das Land!LandtagswahlenSo schön absurd ist PolitikFaktoren, die eine Wahl entscheiden…Vorschläge für die neue LegislaturperiodeOrganisationDer SGBCISL lässt seine Werte hoch lebenZusatzrenteVom 9.-20. Februar sind LaborfondswahlenAus den BezirkenAnzeichen einer KriseTeures BrixenStandpunkt„Jetzt hilft nur noch private Altersvorsorge“ServiceSteuerneuheitenVermischtesNützliches und KuriosesKultur & FreizeitJahresangebote 2009Zu guter letztSolidarität für…ImpressumSOLIDARIETÀSOLIDARITÄTZeitschrift des SGBCISLSiemensstraße 2339100 BozenTel. 0471 568 401Fax 0471 568 403www.sgbcisl.itEintragung LandesgerichtBozen Nr. 2/77 vom 4.2.1977Presserechtlich verantwortlich:Florian KronbichlerGrafik: www.socompierre.comFoto Titelseite:www.davidni black.comDruck: Tip. Alto Adige, BozenRedaktion:Anton von Hartungen,Carlo Gobetti,Tila Mair,Daniela Bernardi,Manfred Gamper,Nicola Calanducci,Armin Pircher (Koordination)Kontakt:armin.pircher@sgbcisl.itSiemensstraße 23 - 39100 BozenTel. 0471 568 402


LeitartikelEin neues Bündnisbraucht das Land!Anton von HartungenLandessekretär des SGBCISLHinweisDieser Ausgabe der Solidaritätliegt der SGBCISL-Taschenkalenderfür 2009 bei. Wir haben bereitseinige wichtige Fälligkeiteneingetragen. Wir hoffen, dassder Kalender euch das ganze Jahrhindurch gute Dienste leistet.Wir wünschen allen Lesern undLeserinnen besinnliche Festtageund einen guten Start ins NeueJahr.Bereits vor 90 Jahren gab eseine ähnliche Finanzkrise wieheute. Auch damals führtenwilde und unkontrollierte Börsenspekulationenzu einer weltweitenWirtschaftskrise. Der so genannteschwarze Freitag im Jahr 1929brachte Massenarbeitslosigkeit undweit verbreitete Armut.Auf die Weltwirtschaftskrise von1929 folgten zwei unterschiedlicheEntwicklungen. Während inDeutschland und Italien faschistischeDiktatoren die Macht übernahmen,kam es in den USA zum„new deal“, einem Bündnis fürstaatliche Wirtschafts- und Sozialreformen.In Europa tobte bereits wenigeJahre später ein verheerender Weltkrieg,den vor allem Nazi-Deutschlandvom Zaun gebrochen hatte.Diese Jahre forderten Millionenvon Opfern und stellen das wohldunkelste Kapitel der Menschheitdar. Auch Südtirol, das beide Diktaturenerlebte, blieb davon nichtverschont, erlitt Unterdrückung undArmut, hatte Opfer und Täter.In Amerika hingegen wurde infolgeder Weltwirtschaftskrise der „newdeal“ (engl. für „neues Abkommen“)umgesetzt, die Idee einersozialen und wirtschaftlichen Neuverteilungder Karten. Der Staatmischte kräftig mit am Markt undin der Gesellschaft, er führte eineBörsenüberwachung, ein progressivesSteuermodell und bessere Sozialsystemeein, etwa die Arbeitslosenversicherung.Um Arbeitsplätzezu schaffen, wurde die Arbeitszeitreduziert.Die ganze Tragweite der Folgen deraktuellen Finanz- und Wirtschaftskriseist noch nicht absehbar. Sicherist, dass es keine Entwicklung wiejene in Europa in den Jahren nach1929 geben darf. Sicher ist weiters,dass auch unser kleines Land denAuswirkungen der Wirtschaftskrisenicht entgehen wird. WenigeTage vor der Landtagswahl nahmLandeshauptmann Durnwalder dieFinanz- und Wirtschaftskrise zumAnlass, um die Maßnahmen desLandes zur Abfederung der Krisevorzustellen und um die Vorschlägeder Gewerkschaftsbünde anzuhören.Wir haben dabei vor allemeines klar zum Ausdruck gebracht:Die Krise darf nicht als Vorwanddienen, um die Arbeits- und Lebensbedingungender ArbeitnehmerInnenzu verschlechtern.Wenn wir den in Südtirol relativbreit gestreuten Wohlstand undden sozialen Frieden halten wollen,dann brauchen wir mehr als nureinen medienwirksamen Vorwahlterminbeim Landeshauptmann.Wir brauchen eine Art Südtiroler„new deal“, ein Bündnis zwischenden Sozialpartnern und der Landesregierung,um Maßnahmenpartnerschaftlich im Interesse derAllgemeinheit zu treffen. Nur dieEinbindung der sozialen Kräfte indie Entscheidungsfindung stellt sicher,dass die Umschichtung vonRessourcen gerecht und die Verteilungder sozialen Unterstützungsmaßnahmentreffsicher erfolgen.Denn darauf kommt es an.Übrigens, in der Zeit des „newdeal“ wurde den Gewerkschaftenvom Staat eine größere Rolle zuerkannt…Anton von Hartungen3


ThemaKOMMENTARSo schön absurd ist PolitikEine tröstliche Nachbetrachtung für alle Landtagswahl-Verlierer von Florian Kronbichler*Florian KronbichlerAus Gewerkschaftssicht sei’s geklagt:Die Landtagswahlen sindschlecht ausgegangen.Aber wirklich, sind sie das?Es lässt sich nicht leugnen: Wennlinks gut ist und rechts schlecht,dann war’s schlecht: fünf Freiheitliche,zwei Freiheit für Südtirol,einer Union, macht acht Abgeordnete,die nicht beleidigt sind, wennman sie „rechts“ heißt. In der letztenAmtsperiode waren es vier, alsodie Hälfte.Bei den Italienern blieb summasummarum alles beim Alten, unddas ist schlimm genug: acht Abgeordnete,davon fünf erklärtermaßenrechts. Niemand wird behauptenwollen, Elena Artioli und ihreLega seien nicht rechts. Da kann dieSchöne wetterwendisch sein, wiesie will, ihre forma mentis ist rechts,nicht minder jedenfalls als die ihrerdrei Kollegen vom Popolo della Libertà.Und die SVP? Ja, die SVP! Ihre neueLandtagsfraktion sei rechter, als esdie alte war, heißt es. Scheint unlogisch.Wie kann sie rechter gewordensein, wenn die rechtenDeutsch-Südtiroler die Freiheitlichenund Eva Klotz gewählt haben?Müsste doch der verbliebene Restin der Summe linker sein.Ist er aber nicht. Die Arbeitnehmerals die Linken in der Parteisind von sechs auf drei halbiertworden. Otto Saurer, Julia Unterbergerund Herbert Denicolò sindnicht mehr, und niemand hat sieersetzt. Die Partei, die sich Sammelparteider Südtiroler nennt undmit italienischer Stimmenhilfe sichgrad noch zur kleinstmöglichen absolutenMehrheit gerettet hat (18Mandate von 35), hat nach rechtsverloren und ist selber nach rechtsgerückt. Die Grünen haben einenvon drei Sitzen verloren, die italienischenAutonomisten vom PartitoDemocratico behalten ihre kümmerlichenbeiden Sitzchen – mankönnte, wenn man wollte, verzweifeln.Tät ich aber nicht. Wir sollten es,wenn es schon so ist, wie es ist,leicht nehmen. Denn es ist in derPolitik ähnlich komisch und absurd,wie es derzeit mit der wirtschaftlichenLage ist. Es komme schlimm,wie seit Jahrzehnten nicht mehr,heißt es: Die Finanzen sind schonflöten, die Realwirtschaft wird einbrechen,ein Wunder, dass wirnoch Arbeit haben. Und was ratenuns Politiker und die Wirtschaftsweisen?Nein, nicht zu haushaltenund zu sparen, wie es logisch wäre.Nein, wir sollten jetzt kaufen. Kaufenund konsumieren. Wer jetztkein neues Auto kauft, handelt unverantwortlich.Konsumieren istplötzlich erste Bürgerpflicht.So verkehrt ist die Welt. Und dasGott sei Dank nicht nur in der Wirtschaft.Weil die Wahlen ausgegangensind, wie sie es sind, sei zumTrost daran erinnert: Selten, nein:eigentlich nie haben rechte Regierungenihre Wahlversprechen (wasWahldrohungen sind) wahr gemacht.Und um es ganz genau zusagen: Die Rechten haben immerAngst vor den Linken. Sie wollenden Linken beweisen, dass sieeigentlich sozialer sind als dieseselbst. Oder hat etwa nicht derrechte Berlusconi den italienischenStaatshaushalt geplündert, und hatetwa nicht der linke Prodi ihn dannwieder sanieren müssen? So absurdist Politik.Wir mussten gar nicht erst auf dieneue Landesregierung warten, umdie Gültigkeit dieses politischenAbsurdums bestätigt zu bekommen:Wie zahm, ja wie wohlerzogenbenehmen sich doch unsereFreiheitlichen seit ihrem grandiosenWahlerfolg! Und erst die SVP: DieHalbierung der Arbeitnehmer hatsie in Beweisnot gestürzt. Sie willjetzt beweisen, dass sie schon trotzdemSammelpartei bleibt. Und siewird das durch soziale Politik beweisenmüssen. Sonst glaubt es ihrniemand, und sie verliert nächstesMal nach links.Ich würde also eher nicht verzweifeln.Und das grad aus gewerkschaftlicherSicht.* Florian Kronbichler ist freischaffender Journalist4


ThemaLANDTAGSWAHLFaktoren, die eine Wahl entscheiden…Wir haben die 3 SGBCISL-Bezirkssekretäre gebeten, den Wahlausgang aus ihrer Sicht zu beurteilen.Bozen/UnterlandDie letzten Landtagswahlenha benleider gezeigt,dass auch in Südtiroldie Politikverdrossenheitzunimmt. DiesDaniela Bernardidrückt sich in dersinkenden Wahlbeteiligungaus. Da ist die politischeKonfusion vor allem auf italienischerSeite nicht förderlich. Im Parteiensystemwird laufend neu gegründet, abgespalten,zusammengeschlossen; und dieÜblichen finden sich mal auf dieser undmal in jener Liste wieder. Die Landtagswahl2008 ist aufgrund der Weltwirtschaftskrisestark von Unsicherheit undAngst beeinflusst worden, ebenso vonder Teuerung bei den grundlegendenKonsumgütern, weswegen die einkommensschwachenBevölkerungsschichtenzunehmend verarmen, aber auch vonEisack/RienzAus meiner Sichtist bezeichnend,dass Mitglieder desSGBCISL erst malsganz offen ausgesprochenhaben,dass sie diesmalEduard Wieser sicher nicht mehrSVP wählen bzw.den Freiheitlichen ihre Stimme gebenwerden. Das Hauptargument war sicherlich,die Macht der Mehrheitsparteieinzuschränken. Zudem wurdeim Wahlkampf bei den Arbeitern dieHoffnung geweckt, dass es ihnen besserginge, wenn Immigranten wenigerSozialleistungen bekommen. Niemandwar imstande Lösungen aufzuzeigengegen den Kaufkraftverlust, gegen diezu teuren Wohnungen und Mieten oderfür die Sicherung der Arbeitsplätze. KeinVerständnis gab es für unnötige Bürokratieund die übertriebenen Ausgabenfür öffentliche Bauten – wie den Flugplatz– und für die Kultur. Positive Maßnahmenwie die Pflegesicherung, dieder zunehmenden Präkarisierung derArbeitswelt. Hinzu kommt noch die aufgesamtstaatlicher Ebene massiv thematisierteSicherheitsfrage, wobei der kriminelleund schmarotzende Ausländerals Gefahrenherd ausgemacht wird. Mitsolcher Unsicherheit konfrontiert undin einem Gefühl der Ohnmacht tendiertder Mann von der Straße eher hin zujenen Parteien, die große Töne spuckenund diesen komplexen Problemen denKampf ansagen, im Glauben, dass dieharte Linie die einzig zielführende sei.Diese Faktoren haben den Sprachgruppenübergreifenden Rechtsruck derWählerschaft mitbestimmt. Darauf möchteich die Aufmerksamkeit lenken.Die Einwanderung darf nicht als Sicherheitsproblemverstanden, sondernmuss als soziales Thema angegangenwerden. Eine Gesellschaft, die Arbeitskräfteholt, muss auch imstande sein,diese als Menschen mit einem Rechtauf ein würdiges Leben zu akzeptieren.Pustertaler Bahn und die Förderungenfür den Personennahverkehr gingen imWahlkampf leider unter. Die Arbeitnehmerin der SVP waren als Gruppierung,welche gemeinsame Ziele weiterbringt,nicht erkennbar. Der GewerkschafterGeorg Pardeller hat trotz großer Sprücheim Landtag nicht erreicht, dass dieLandespolitik die Unternehmer zumAbschluss von Landeszusatzverträgendrängt, indem sie z. B. die Vergabe vonBeiträgen daran koppelt. Nach niedrigerenSteuern schreien ist zu wenig,und das können die Unternehmer auchnoch besser. Absurd ist das Wahlverhaltender Frauen. Diese sind im Landtagweiterhin unterrepräsentiert. Julia Unterberger,die sich sehr für Frauenthemeneingesetzt hat, ist sogar abgewählt worden.Bedauerlich ist auch, dass in Südtirolvor allem ethnisch gewählt wird undeine interethnische Politik keine Chancehat. Im Pustertal kam ganz klar heraus,dass die Leute mitreden und sich nichtbevormunden lassen wollen. Sehr positivist, dass sie von ihrem Wahlrecht Gebrauchgemacht haben.Nicola CalanducciMeran/VinschgauDas bemerkenswertesteErgebnisdieser Landtagswahlensindmeines Erachtensdie rund 13.000Wählerstimmenvon ArbeitnehmernundRentnern, die von der SVP zu denFreiheitlichen gegangen sind. Dieswar im Burggrafenamt und im Vinschgau,mit einzelnen Ausnahmen,nicht anders. Ich glaube, dass dieGruppe der “Nicht-Privilegierten”sich von der SVP nicht mehr vertretenfühlte, und deshalb aus Protestdie Freiheitlichen gewählt hat.14.057 Euro, 21.085 Euro, 23.897Euro, 26.708 Euro brutto: dies liestsich wie das Jahreseinkommen dervon uns vertretenen Arbeitnehmer,dabei sind es der Reihe nach dieMonatsgehälter der Landtagsabgeordneten,des Landtagspräsidenten,der Landesräte und des Landeshauptmanns.Sie verdienen in einemMonat, was wir in einem Jahr verdienen!Eine schlechte Figur hat vor allemder Gewerkschafter Georg Pardellergemacht. Er hat seine Politikerprivilegienverteidigt und in fünf Jahrennichts erreicht für jene, die er vertretenhätte sollen. Aus „Einer vonuns“, wie sein Wahlslogan lautete,ist „Einer von denen“ geworden.Wenn die Freiheitlichen ihre extremnationalistischen Standpunkte aufgebenund dafür „sozialere“ einnehmen,und wenn die SVP ihre Politikweiterführt, viel an wenige zu verteilenund wenig an viele, dann werdendiese Stimmen auch nicht mehrzur SVP zurückkehren.5


ThemaVORSCHLÄGE FÜR DIE NEUE LEGISLATURPERIODELöhne, soziale Gerechtigkeit und SteuernWir führen drei Beispiele an, warum der Soziale Dialog zwischen Landesregierung, Arbeitgeberverbändenund Gewerkschaften in der kommenden Legislaturperiode verstärkt werden muss.2. Verhandlungsebene stärken!Eine noch unveröffentlichte Studiedes ArbeitsförderungsinstitutesAFI-IPL belegt, dass die Schere zwischenProduktivität und Entlohnungin Südtirol immer weiter auseinandergeht.Diese Entwicklung ist aufgesamtstaatlicher Ebene ähnlich,deshalb wird derzeit die Erneuerungdes Verhandlungsmodells der Kollektivverträgediskutiert. Eines dervorrangigen Ziele ist es, die zweiteVerhandlungsebene zu stärken. ÜberBetriebs- oder Landesabkommenkönnen die Löhne an die lokalen Gegebenheitenoder aufgrund betrieblicherErgebnisse nach oben angepasstwerden. Die Löhne steuerlichzu entlasten reicht allein nicht aus,um die Kaufkraft wirklich zu stärken.Dafür braucht es auch höhere Löhne.Und diese können über betrieblicheoder territoriale Zusatzverträge ausgehandeltwerden. Derzeit sind aberviele ArbeitnehmerInnen in Südtiroldavon ausgeschlossen.An die neue Landesregierung richtenwir die Forderung, sich für die zweiteVerhandlungsebene einzusetzen.Sie kann und soll sich zwar nicht indie Tarifautonomie der Sozialpartnereinmischen, darf den Betrieben abernicht undifferenziert öffentliche Unterstützungengewähren, ohne dieseFörderung an eine Gegenleistungzu binden, die den Arbeitnehmernzugute kommt. Hier kann und mussdie Landespolitik ansetzen.Anton von Hartungen6Soziale Treffsicherheit erhöhenDie Gewerkschaften fordern seit Jahren,dass das Land Südtirol das Systemzur Einkommenserhebung fürdie Ermittlung der Bedürftigkeit undfolglich für die Vergabe von Sozialleistungenabändert. Das derzeitigeSystem weist zu viele Bestimmungen,Berechnungsarten, Privilegien undUnklarheiten auf. 85% der eingehobenenEinkommenssteuern wer denvon Arbeitnehmern und Rentnernbezahlt, die dann aber nur 50% desBruttoinlandsprodukts erhalten. Mitihren Steuern finanzie ren sie somitauch die Beiträge für jene, die Steuernumgehen oder hinterziehen.Steuerföderalismus und SüdtirolDie Regierung hat unter Federführungdes Lega-Ministers Calderoli denGesetzesentwurf zum Steuerföderalismusverabschiedet. Im Konkretengeht es für Südtirol um folgendeFragen: Welche Verwaltungsebene(Staat, Regionen, Provinzen, Gemeinden)macht was mit welchen finanziellenMitteln und wie werden dieSonderautonomien darin eingebunden?Dies ist für Südtirol brisant, weildiese Fragen im großen und ganzenbereits über das Autonomiestatutund die Durchführungsbestimmungengeregelt sind. Zudem hat der Ministerakzeptiert, dass Südtirol neueKompetenzen übernimmt ohne zusätzlicheFinanzierung seitens desWir fordern ein neues Erhebungssystem,das grundsätzlich drei Kriterienerfüllen muss:1. es muss einheitlich sein, weil esnicht angeht, dass je nach Sozialleistungunterschiedliche Einkünfte,Einkommenszeiträume oder Familienmitgliederberücksichtigt werden.2. es muss einfach sein. Der aufDruck der Gewerkschaftenausgearbeitete Entwurf einesLandes-Einkommenserhebungssytemsist noch immer zu kompliziert.Die Umsetzung der Verteilungsgerechtigkeitmag schwierigsein, ist aber lösbar. Das Systemmuss die wirtschaftlichen Verhältnisseund somit die Bedürftigkeitder Familien einfach undzweckmäßig zu erheben.Staates. Im Zuge des Steuerföderalismusmuss aus der Sicht des SGBCISLfolgendes berücksichtigt werden:1. Gewerkschaftliche Mitsprache beider graduellen Übernahme neuerKompetenzen seitens des Landes,etwa der staatlich verwaltetenDienste wie das Justizwesen, Steuerwesen,aber auch der Postdienst.Das Dienstrecht soll an jenes deranderen öffentlichen Verwaltungen(Land, Gemeinden) angeglichenwerden.2. Bessere Abstimmung der Befugnissezwischen den öffentlichen Verwaltungenfür mehr Bürgernähe3. Die öffentlichen Dienstleistungenwie das Gesundheitswesenmüssen weiterhin allen Bürgern3. es muss bürgerfreundlich sein:die Bürokratie darf nicht auf dieAntragstellenden abgewälzt werden.Es kann nicht sein, dass diebürokratische Prozedur bei jedemAntrag wiederholt werden mussund die öffentlichen Ämter denBürgerInnen komplizierte undlange Formulare aushändigenund keine entsprechende Beratungbieten. Wir fordern deshalbeine Stelle, welche beim Ausfüllender Anträge behilflich ist.Italienweit wird das ISEE-Bemessungssystemschon vielfach und erfolgreichangewandt, auch im Trentino wirdeine ähnliche Erhebungsmethodeeingesetzt. Es ist also machbar.Nicola Calanduccizugänglich sein, die Kostenbeteiligungaber gerecht geregelt werden.4. Neue Gesetzesmaßnahmen, besondersbei Beiträgen und Begünstigungen,müssen anMitbestimmungs- oder Mitsprachemechanismender Sozialpartnergebunden werden, um allean ihrem Genuss zu beteiligen.5. Solidarität: Autonomie darf nichtnur mit Privilegien und Sonderstellunggleichgesetzt werden. Südtirolsoll sich verstärkt auch derVerantwortung für eine globaleGerechtigkeit stellen, z.B. durchEinbindung in internationalen HilfsundEntwicklungsprogramme.Agnes Haller


60 Jahre SGBCISLDer SGBCISL lässt seine Werte hoch lebenAm 17. Oktober feierte der SGBCISL im Kolpinghaus in Bozen im Beisein von vielen Mitarbeitern undGästen, darunter Cisl-Generalsekretär Raffaele Bonanni, sein 60jähriges Bestehen. Bei der Festveranstaltungwurde gemeinsam auf die wechselvolle Geschichte zurückgeblickt, aber auch die Bedeutungder tragenden Werte hervorgehoben.150 Mitarbeiter und Gäste warenam Nachmittag des 17. Oktober2008 im Kolpinghaus in Bozen zusammengekommen,um den 60.Geburtstag des SGBCISL zu feiern.Im selben Gebäude hatten SandroPanizza und Alfons Benedikter aufden Tag genau vor 60 Jahren denSüdtiroler Gewerkschaftsbundals Arbeitnehmervertretung allerSprachgruppen gegründet.Landessekretär Anton von Hartungeneröffnete die Veranstaltung.In seiner Ansprache spannte er denBogen von den Gewerkschaftsgründungin der Nachkriegszeit bis zurheutigen Rolle der Gewerkschaft imZeitalter der Globalisierung und Mobilität.Über die Jahre hätten sich dieWerte Solidarität, Parteiunabhängigkeit,Pluralismus sowie die Sprachgruppenübergreifende Zusammenarbeitbewährt. „Der SGBCISL isteines der besten Beispiele für dasfriedliche Zusammenleben und füreine große interethnische Interessenvertretungin Südtirol.“ Die interethnischeAusrichtung als Ausdruck derSolidarität unter den Sprachgruppenhabe den SGBCISL zum mitgliederstärkstenGewerkschaftsbundin Südtirol gemacht, der in allenethnischen Gruppen gleichermaßenZuspruch findet. Heute sei dieMarktwirtschaft sozialer Prägungin Gefahr, mahnte von Hartungen,„wir müssen uns damals wie heuteeinsetzen für das Gemeinwohl, füreine solidarische und demokratischeGesellschaft. Es braucht unsere Gewerkschaft,unsere Werteund unserenEinsatz auchheute noch,sogar mehrdenn je!“Cisl-GeneralsekretärRaffaele Bonanni,der eigens für die 60-Jahrfeierfür vier Stunden nach Bozengekommen war, schätzte die interethnischeBesonderheit des SGB-CISL als eine wertvolle Erfahrungund verwies darauf, dass nur dieCisl wirklich unabhängig von Parteienund Institutionensei, was sie zu einerglaubhaften Interessenvertretungmache, diesich ausschließlich für dieAnliegen und das Wohlder ArbeitnehmerInneneinsetzen könne. Die aktuelleFinanzkrise machedeutlich, dass ein Kapitalismusohne Regeln undohne Rücksicht für die Menschensogar sich selbst zerstöre, so Bonanni.Europa müsse sich für ein besseresWirtschaftsmodell einsetzen undvor allem den fernöstlichen ModellenEinhalt gebieten, in denen dieMitsprache und die Würde der Arbeitnehmerkaum Platz haben.Die ehemaligen LandessekretäreKlaus Reider und Gigi Apolloniblickten in ihren Erinnerungen vorallem auf ihre Amtszeit in den 70erund 80er Jahren zurück. In diesenSchlüsseljahren erfolgte - nach derAbspaltung des ASGB 1964 undder kommissarischen Verwaltung1974-1977 aufgrund interner Konflikte– die entscheidende organisatorischeNeuorientierung und Weichenstellungdes SGBCISL. Hierbeispielten u.a. die Stärkung des interethnischenGewerkschaftsmodells,eine pragmatische Haltung zur Südtirolautonomiesowie die Dezentralisierungder Strukturen und Diensteeine wichtige Rolle.Landesrat Richard Theiner sprachdie Grußworte in Vertretung vonLandeshauptmann Luis Durnwalder,der sein Kommen kurzfristig abgesagthatte.Im Anschluss an den offiziellen Teilder Feierlichkeiten folgte das frauenpolitischeKabarett „Im Namendes Apfels“ mit gewerkschaftlichenAkzenten. Bei einem gemeinsamenUmtrunk ließen die Anwesendendie Veranstaltung ausklingen.im Bild: Raffaele Bonanni (3.v.l.) mit aktuellen und ehemaligen SGBCISL-Landessekretären7


vom 9. bis 20. Februar 2009 findenLaborfonds-Wahlen stattDie Mitglieder des regionalen Zusatzrentenfonds Laborfonds sind aufgerufen,ihre VertreterInnen in der Delegiertenversammlung zu wählen.Auch der SGBCISL tritt mit einer eigenen Kandidatenliste an.BJMuaFac SimileWas wird gewählt?Gewählt wird die Delegiertenversammlungdes regionalenZusatzrentenfonds Laborfonds.Diese besteht aus 60 Mitgliedern;Südtirol stehen 34 Delegierte, demTrentino deren 26 zu.Da die Arbeitgeber- und dieArbeitnehmerseite die selbe Anzahlan Vertretern stellen, werden 17 vonden insgesamt 34 SüdtirolerDelegierten von den im Laborfondseingeschriebenen ArbeitnehmerInnengewählt.Was ist und tut die Delegiertenversammlung?Die Delegiertenversammlung ist einVerwaltungsgremium des Laborfondsund wird alle drei Jahre neu gewählt.Deren Aufgabe ist es u. a.,– die Mitglieder des VerwaltungsundAufsichtsrates zu wählen,– die Jahresbilanz zu genehmigen– eventuelle Änderungen derSatzungen zu beschließen.Wie wird gewählt?Anders als bei politdie Wahlkreise nichsondern nach Bescheingeteilt. Es gibt vder Klammer ist anDelegierte pro BereVersammlung gewä• LandwirtschaDelegierte/r)• Industrie (5 D• Handel/FremdDienstleister• Öffentlicher D8


Da affiggere all’albo sindacale ai sensi della L:300/70. Stampa: Tipografia, Alto Adige, BolzanoBist du im Laborfonds eingeschrieben?Jetzt zählt deine Stimme!Mach’ mit undunterstütze den SGBCISLauf dem Wahlzettel die erste Liste von rechts.LaborfondsDeine Zusatzrente!SGBCISLDeine Wahl!hlt?politischen Wahlen sindnicht geografisch,eschäftigungssektoribt vier Wahlkreise. Int angegeben, wie vieleBereich in dieewählt werden:chaft/Handwerk (1/r)(5 Delegierte)remdenverkehr/privateter (4 Delegierte)her Dienst (7 Delegierte).Jede/r ArbeitnehmerIn, der/die imLaborfonds eingeschrieben ist, bekommtden Wahlzettel des jeweiligen Wahlkreises,ein frankiertes Kuvert für die Übermittlungdes Stimmzettels an die Wahlkommissionsowie einen Begleitbrief zugeschickt.Auf dem Wahlzettel sind die Kandidatenlistender vier Gewerkschaftsbündeangeführt. Wählen ist einfach. Es reicht,die gewünschte Liste anzukreuzen.Achtung: Es können keine Vorzugsstimmenvergeben werden. Statt derBriefwahl kann die Stimmabgabe auch überdie Laborfonds-Webseite erfolgen.Warum den SGBCISL wählen?Die KandidatInnen des SGBCISLsetzen sich für die Selbständigkeitdes Laborfonds und gegendie Einmischung der Politik ein.Zudem soll das Mitspracherechtder ArbeitnehmerInnen verstärktwerden.Der SGBCISL hat sich entschieden,mit einer eigenen Listeanzutreten, um den ArbeitnehmerInneneine demokratischereWahl ihrer Vertreter zuermöglichen und ihrer Stimme somehr Gewicht zu verleihen.Da affiggere all’albo sindacale ai sensi della L. 300/70. Stampa: Tipografia Alto Adige, Bolzano9


BezirkeMERAN/VINSCHGAUAnzeichen einer KriseDie Folgen derweltweiten Wirtschaftskrisesindauch in Südtiroldeutlich zu spüren.Obwohl dieKrise von der geplatztenFinanzblasein AmerikaWalter Gasserausgelöst wurde, bekommen dochauch viele Beschäftigte bei uns jetztdas schwierigere wirtschaftliche Umfeldzu spüren, in dem sich ihre Arbeitgeberbewegen.Dies trifft nicht nur die wenigengroßen Industrieunternehmen imRaum Meran/Vinschgau wie etwadie Firma Hoppe. Auch mehrere mittelständischeBetriebe, die bishernoch nie auf die Lohnausgleichskassezurückgegriffen haben, nutzenjetzt dieses Instrument und hoffen,damit die Auftragsflaute zu überbrücken.Besonders stark betroffenscheint zurzeit der Metallsektor mitder Autozulieferindustrie, in der derLohnausgleich durchweg für mehrereWochen nicht nur beantragt,sondern auch genutzt wird. Ein Unternehmenim Passeiertal hat erstkürzlich Kontakt mit uns aufgenommen,um über einen zukünftigenPersonalabbau im Rahmen der Mobilitätzu sprechen.Einige der betroffenen Firmen warenschon vor der Krise in einer schwierigenwirtschaftlichen Situation; dieAuftragsflaute trifft sie jetzt umsohärter. So hat ein Betrieb es seit Jahrenverabsäumt, ein effizientes Produktmanagementzu installieren unddies auch zu kontrollieren. Es ist lobenswert,wenn ein Jugendlicher dieLehre an einer Arbeitsstätte beginnt,und nach 30 Jahren dort Betriebsleiterist. Man kann aber nicht mit denOrganisations- und Qualitätsstandardsaus jener Zeit ungestraft weiterarbeiten.Es muss sicher von allenBeschäftigten die Bereitschaft gegebensein, mit den Erfordernissender Zeit mitzugehen. Hier sehe ichdurchaus Möglichkeiten für die Mitarbeiter,mit Hilfe der Gewerkschaftdie Firmen krisensicherer zu machen.So sollte die Kommunikation zwischenden einzelnen hierarchischenEbenen offener und das Leistungsprinzipmehr beachtet werden.Es gibt aber durchaus Lichtblicke.So gibt es auch bei uns Firmen, diemit zeitgemäßen und innovativenProdukten der Krise trotzen. Auchgrößere Arbeitgeber haben miteiner weitsichtigen Firmenpolitik beiweitem nicht so eine schlechte Ausgangslagewie andere.Das Handwerk spürt die Krise nochnicht so stark, aber es gibt sehr wohleinige Mitarbeiter, die auf ihre gewohntenÜberstunden verzichtenmüssen. Dies bedeutet auch immereinen Einkommensverlust. FähigeFacharbeiter sind im Handwerk zwarimmer noch gefragt; ab 50 Jahrenwird die berufliche Situation aberbestimmt nicht rosiger.Auch Betriebe des Dienstleistungssektors,in dem ja die meisten Beschäftigtenim Bezirk tätig sind,haben mit uns Kontakt aufgenommen,um über etwaige Personalüberschüssezu reden. Hierbei gehtes zwar nie um große Betriebe mitvielen Beschäftigten; die Anzahl derAnfragen überrascht uns aber doch.Darunter sind auch einige alteingesesseneUnternehmen, die als krisensichergegolten haben.Für die Mehrheit der Beschäftigtenin unserem Bezirk ist aber sichernicht die globale Wirtschaftskrise diegrößte Sorge, sondern vielmehr daszurückhaltende Konsumverhaltender Einheimischen und Touristen,das auf die unsicheren Zukunftsaussichtenzurückzuführen ist. Dieskann über einen längeren Zeitraumauch in unserem Land mit seinemklein strukturierten Wirtschaftsgefügezu einem Problem werden.Walter GasserMitarbeiter im SGBCISL-Büro Meran10Welcher Zukunft sehen Südtirols Betriebe entgegen? Innovation ist ein wichtiger Wettbewerbsfaktor


BezirkeBRIXEN-BRUNECKTeures BrixenEine jüngstveröffentlichteStatistik dasArbeitsförderungsinstitutesAFI belegt, dassBrixen bei denöffentlichen TarifenlandesweitManfred Gampervorne liegt. Als diese Zahlen veröffentlichwurden, gab es zwar einenleichten Aufschrei in der Bevölkerung,überraschend kommen dieseDaten allerdings nicht.Vor über zwei Jahren hat die GemeindeBrixen eine Arbeitsgruppeeingesetzt, welche die Tarife unterdie Lupe nehmen sollte. Diese Arbeitsgruppesetzte sich aus Vertreternder Sozialverbände undGewerkschaften, der Verbraucherzentraleund der Wirtschaftsverbändezusammen. Ich selbst habe denVorsitz geführt. Böse Zungen behauptetengar, dass mit der Einsetzungder Arbeitsgruppe nach denGemeinderatswahlen lediglich eineZusage an die Gewerkschaftsbündeerfüllt wurde. Dabei war es natürlicherfreulich, dass auch die Vertreterder Arbeitnehmer sich offiziellmit dieser Thematik auseinandersetzenkonnten.Wegen der Komplexität des Tarifdschungelshaben wir uns anfangsvor allem mit den Mülltarifen befasst.Als nach einem halben Jahrder Abschlussbericht vorlag, stießendie Zahlen manchem Verwalterschwer auf. Wir hatten erhoben,dass die Müllgebühren sich von1999 bis 2006 mehr als verdoppelthatten, dass Mülltrennung unterdem finanziellen Aspekt nicht geradelohnt, dass die Straßenreinigungeinen extrem hohen Anteil am Tarifausmacht, oder dass Brixen im Vergleichzu anderen Gemeinden dieserGröße bei den Tarifen absoluterSpitzenreiter ist. Als die Arbeitsgruppeder Gemeinde anbot, auchdie anderen Tarife zu durchleuchten,wurde sie regelrecht abserviert.Es war wohl zuviel der Kritik. Jetzt,fast zwei Jahre später, hat die AFI-Studie die Ergebnisse unseres Abschlussberichtsbestätigt.Die goldenen Zeiten sind wohl vorbei.Das Einkommen von immermehr Arbeitnehmern und Rentnernreicht nicht bis zum Monatsende,die aktuelle Finanz- undWirtschaftskrise hinterlässt auch inSüdtirol ihre Spuren. Dies sind Anzeichen,dass die „einfachen Bürger“immer schwierigeren Zeitenentgegen gehen. Die letzten Landtagswahlenhaben klar gezeigt,dass sich die Arbeitnehmerschaftvon der Politik, ganz egal welcherCouleur, nicht mehr vertreten fühlt.Das müsste manchem Volksvertreterdoch zu denken geben. Warumnicht bei den kleinen Dingen anfangen,etwa der Tarifgestaltung,bei der der soziale Aspekt stärkerzu berücksichtigen ist. So wäre dieEinführung eines einkommensbezogenenTarifsystems aufgrundder ISEE-Berechnung sicherlich gerechter.STEUERDIENST BEZIRK EISACK/RIENZBeratungsdienst zu neuem BesteuerungssystemDer Steuerdienst des Bezirks Eisack/Rienz bietet einen neuen Dienstfür Kleinunternehmer, Freiberuflerund all jene Lohnabhängigen an,die auch Honorarnoten ausstellen.Diese haben ab 1.1.2008 die Möglichkeit,ein vereinfachtes Buchhaltungs-und Besteuerungssystem zuwählen.Dieses neue Pauschalsystem hat fürLohnabhängige den großen Vorteil,dass durch Honorarnoten erzieltesZusatzeinkommen nicht mehr in dieprogressive Besteuerung fällt, sonderneiner günstigeren Ersatzsteuervon 20% unterliegt (der niedrigsteEinkommenssteuersatz liegtbekanntlich bei 23% und somit injedem Fall höher). Die Einnahmensind zudem nicht der Mehrwertssteuerunterworfen, weiters entfälltdie Pflicht der periodischen Mwst-Abrechnungen und Erklärungen.Überdies ist der Gewinn von derIRAP-Steuer befreit. Mit der Tätigkeitzusammenhängende Spesen,wie Hilfsmaterialien oder Fortbildungen,können vom Umsatz abgezogenwerden.Grundlegende Voraussetzungen,um in dieses Pauschalsystem wechselnzu können, sind ein maximalerJahresumsatz von 30.000 Euro undhöchstens 15.000 Euro an Investitionenin den vorangegangenen dreiJahren. Der/die Antragstellende darfauch keine Angestellten haben.Vorteilhaft kann dieses Pauschalsystemvor allem für jene sein, dieHonorarnoten über einen Gesamtbetragvon mindestens 2.000 Euroausstellen.Ob sich der Wechsel in das neuePauschalsystem tatsächlich lohnt,muss von Fall zu Fall untersuchtwerden. Deshalb raten wir allen Interessierten,sich für ausführliche Informationenund individuelle Beratungan den Steuerdienst CAAF inden SGBCISL-Bezirksbüros in Brixenund Bruneck zu wenden.11


Standpunkt„Jetzt hilft nur noch privateAltersvorsorge“Wer erinnert sich noch an diePropagandalüge, die in SachenPension in den 90erJahren des vorigen Jahrhunderts massenweisein Europa, auch in Südtirol,verbreitet worden ist? Das Umlageverfahren,wurde wortgewaltig landauflandab verkündet, funktionierenicht mehr, das Kapitaldeckungsverfahrensei die Lösung für die Zukunft;die private Altersvorsorge rentieresich um vieles mehr als das marodestaatliche Pensionssystem. Die Euphoriezu Gunsten des Kapitalmarktesstammte aus der Zeit der Spekulationsblasenauf den Aktienmärkten.Damals wurden große Renditen versprochenund ab und zu auch erzielt.Inzwischen sind die Blasen geplatzt.Ernüchterung ist eingekehrt. Angstgeht um. Der alte, schon tot geglaubteDreigenerationenvertrag samtUmlageverfahren erlebt eine neueBlüte. So schnell ändern sich Moden.Was ist Umlage, was Kapitaldeckung?Beim Umlageverfahren werden dieBeiträge der Arbeitenden (Lohnabhängigeund Selbständige) vonden Rentenversicherungsanstalteneingesammelt und an die Rentnerausgezahlt. Die Beitragszahlendenerwerben dabei einen Anspruch aufeigene spätere Rente.Beim Kapitaldeckungsverfahrensollen die Beiträge (Prämien) derVersicherten als Kapital gesammeltund angelegt werden. Nach Fälligkeitdes Versicherungsvertrageswerden dann Kapitalstock undRendite zusammen dem jeweilsVersicherten als private Rente ausbezahlt.Weitsicht der GewerkschaftenDie europäische Gewerkschaftsbewegunghat sich seit jeher fürdie Beibehaltung des Umlageverfahrensstark gemacht. Sie hat diesmit dem Argument getan, im Interessedes Gemeinwohles dürfeder Staat nicht zulassen, dass diegesamte Altersvorsorge seiner Bürgerden Spekulationen auf den Finanzmärktenüberlassen wird. Wiegoldrichtig ihr Standpunkt war, beweisender Absturz der Aktien inden letzten Monaten und die chaosartigenZustände an den Börsender Welt.In hohem Verantwortungsbewusstseinhaben sich die italienischenGewerkschaften in der Vergangenheitfür eine gemischtes Rentensystemausgesprochen, das wie folgtlautet: Der Hauptteil der zukünftigenRente muss nach wie vor überdas Umlageverfahren sichergestelltwerden und nur ein kleiner Teil derAltersvorsorge der Zukunft soll überdie Kapitaldeckung laufen. Damitwird das Risiko, viel zu verlieren, sogering wie möglich gehalten. Wennes das Umlageverfahren nicht schongäbe, man müsste es erfinden. Esist preiswert, es arbeitet einfach,es ist den meisten Menschen zugänglichund für sie verstehbar. DieEntwicklung der letzten Monatehat den Gewerkschaften Recht gegeben.Sepp StrickerZu Besuch bei KollegenEine interessante Studienreise derMetallergewerkschaft FIM führte 22Teilnehmer vom 16. bis zum 19. Septembernach Unterfranken. Höhepunktder Studienfahrt war die Besichtigungder Produktionsstätte derGKN Sinter Metals in Bad Brückenau.Ein besonderes Erlebnis vor allem fürjene Teilnehmer, welche beim BruneckerWerk des internationalen Metallkonzernsbeschäftigt sind. Auf demProgramm standen weiters der Besuchdes deutsch-deutschen Grenzmuseums„Point Alpha“ in Rasdorf,ein Ausflug in die Barockstadt Fuldasowie die Besichtigung der GießereiMTK Metal Technologies. Ein Dankgeht an die deutschen Betriebsräteder GKN Sinter Metals, Franz Kesslerund Peter Fröhlich, welche die SüdtirolerGruppe (im Bild) bei ihrer Studienfahrtbegleitet und betreut haben.LaborfondsInfoveranstaltungengestartetAngesichts der Lage auf den Finanzmärktenhat der ZusatzrentenfondsLaborfonds eine Reihe von Informationsveranstaltungenorganisiert.Die Laborfonds-Mitglieder könnensich dabei über die Finanzmarktsituationund die Vermögensverwaltungvon Laborfonds informieren. Beiden Veranstaltungen haben die Anwesendenweiters die Möglichkeit,Fragen zu stellen, Zweifel auszuräumen,sowie Anregungen oder Kritikvorzubringen.Die Termine in Südtirol im ZeitraumJänner und Februar 2009 sind auchauf www.sgbcisl.it zu finden.12


ServiceSteuerneuheitenWir listen einige z.T. auch neue Steuerabzüge auf, welche über dieSteuererklärung 2009 beansprucht werden können.Irpef-Steuerabzüge- der Steuerabzug von 20% für denAustausch eines Kühl- oder Gefrierschranksdurch ein Gerät der EnergieklasseA+ bleibt aufrecht.- Stammrollenlehrer aller Schulen,aber auch Lehrpersonen mit Jahresauftrag,können einen Steuerabzugvon 19% für belegbare Spesen fürAus- und Weiterbildung beanspruchen.- Steuerabzug von 19% für Universitätsstudentenbei Mietverträgen mitStudentenwohnheimen u. ä., soferndie Universität, an der die Studenteninskribiert sind, in einer anderen Pro-vinz und zudem mindestens 100 kmvon der Wohnsitzgemeinde der Studentenentfernt liegt.- Steuerabzug von 19% auf den zulässigenHöchstbetrag von 250 Eurofür im Jahr 2008 getätigte Ausgabenfür Abonnements des öffentlichenPersonennahverkehrs.- Der Höchstabsetzbetrag für Darlehensratenfür den Kauf der Erstwohnungist auf 4.000 Euro angehobenworden.- Weiters gibt es einen Absetzbetragvon 19% für den Nachkauf der Studienzeitenvon zu Lasten lebendenFamilienangehörigen.„Bonus“ und „Social card“ für BedürftigeDie Regierung hat kürzlich Unterstützungsmaßnahmen für Beziehervon niedrigen Einkommen eingeführt. Wir stellen in der Übersichtdrei Leistungen kurz vor:„Steuerbonus“MinisterielleEinkaufskarte“Socialcard“„Energiebonus“Begünstigte Antragsstellung Fälligkeit– Lohnabhängige– Rentner– geregelte und koordinierteMitarbeit (keineSelbständigen!)– Bezieher von Arbeitslosenunterstützung,Personenin Lohnausgleichoder Mobilität– Senioren ab 65 Jahren miteinem jährlichen Einkommenunter 6.000 Euro– Senioren ab 70 Jahren miteinem jährlichen Ein kommenunter 8.000 Euro– Familien mit Kinder unter3 Jahren– Haushalte, deren Stromleistungauf 3 KW beschränktist und einemISEE-Wert unter 7.500Euro.– Personen, die auf lebenserhaltendeelektromedizinischeGeräte angewiesensindEntsprechenderVordruckISEE und dasModell A001/08ISEE und dasModell B001/08ISEE und derentsprechendeVordruck(Bescheinigungder Sanitätseinheitim Fallevon lebenserhaltendenGeräten)31.01.2009wenn die Bezugseinkommenjene aus demJahr 2007 sind;März 2009 fürdie Einkommen200831.12.2008Innerhalb28.2.2009 umden Bonusrückwirkendfür 2008 zubeanspruchenFür 2009 imNachhineinN.b. Den Inhabern der “Social Card”, welche die Voraussetzungen für den Energiebonuserfüllen, wird der Bonus automatisch gutgeschrieben.LÄNDERÜBERGREIFENDES SEMINARGewerkschafter ver glei -chen SozialsystemeDer Bildungsverein des ÖGB hat imOktober im Rahmen seines jährlichenFortbildungsprogramms eindreitägiges Seminar zu den verschiedenensozialpolitischen Modellenin Europa angeboten. Aufder Suche nach einem Referenten,der das italienische Sozialsystemvorstellen könnte, haben die österreichischenKollegen beim SGBCISLangefragt. So stellte Rudi Nöcklervom Patronat INAS in Brixen denösterreichischen KollegInnen dieBesonderheiten des italienischenSozialsystems vor.Diese waren besonders überraschtüber die niedrigen Mindestleistungenin Italien, wie z.B. die geringeHöhe der Mindestrente und derSozialhilfe. Erstaunt zeigten sie sichweiters über die Ungleichbehandlungenim italienischen Sozialsystem,etwa die lange Zeit geltendenverschiedenen Rentenbestimmungenin der Privatwirtschaft und imöffentlichen Dienst.In einer zunehmend mobileren undglobalisierten Welt wird es auch fürdie Gewerkschaften immer wichtiger,den InformationsaustauschRudi Nöckler stellte in Hirschwang (NÖ) die italienischeSozialpolitik vor.und die Zusammenarbeit auf internationalerEbene zu intensivieren.Über die Stärkung der inhaltlichenKompetenzen der Gewerkschafterkann vor allem die Mitgestaltungder Sozial- und Gesellschaftspolitikim Interesse der ArbeitnehmerInnenverbessert werden.Die ISEE-Erklärung kann beim Steuerdienst CAAF des SGBCISL gemacht werden. Diesersteht auch für detaillierte Informationen zu den 3 Leistungen zur Verfügung: Bozen (Tel.0471-568422), Meran (0473-497184), Bruneck (0474-537485) und Brixen (0472-836151).13


VermischtesBezirkeTIPPFrauenkalender 2009frauenkalender2009Die Frauenvereinigung Alchemilla hat auch für 2009 wieder den Frauenkalenderherausgegeben. Der vielseitige, handliche und praktischeKalender beinhaltet neben einem umfangreichen Serviceteil wiederviele Anregungen, Infos, Hinweise und Tipps zu verschiedenen Themen,von Arbeit über Kultur, Reisen und Gesundheit bis hin zu Frauengeschichtenund Frauengeschichte.Der Frauenkalender ist auch in den SGBCISL-Büros kostenlos erhältlich,solange der Vorrat reicht!AlchemillaKURIOSESFerienhandel & fairer HandelFerien sind ein unverzichtbares Recht der ArbeitnehmerInnenund dienen der körperlichen und geistigen Erholung. Das passteeinem Beschäftigten kürzlich nicht ins Konzept, denn er wolltewissen, zu welchem Preis er seine Restferien an einen Arbeitskollegenweiterverkaufen könne…AUFGEZEICHNETFinanzkriseMist. Was nun, wenn sogardie Banken kein Geld mehrhaben? Wir bekommen bestimmtkeine staatliche Beihilfe!14


Kultur und FreizeitREISEN BILDETWas das Jahr 2009 bieten wird!Die Freizeit- und Kulturangebote des ETSI/SGBCISL begleiten euch durch das Jahr 2009. Das Rahmenprogrammist bereits zusammengestellt. Nachfolgend einige Vorschläge für die kommenden Wochen.Ägyptenins Land der Pharaonenvom 9. bis 23. März 2009Zwei Wochen in Ägypten mit vielen Höhepunkten: von der Hauptstadt Kairoüber eine Nilkreuzfahrt und dem Tal der Könige bis hin zu einem kurzenMehraufenthalt in Marsa Alam (Hotel Seaclub Gorgonia Beach*****).Flugreise ab Verona.Teilnahmegebühr: 1.605 Euro bei mindestens 30 TeilnehmerInnen (zzgl.Einreisevisum, Plichttrinkgelder). Einzelzimmerzuschlag 250 Euro.Jänner:- Tagesfahrt nach Mals und Glurns mit Besuch einer Wellness-Einrichtung.Donnerstag, 22. Jänner- Tanzfeste im Kolpinghaus in Bozen am 11. und 25. JännerFebruar:- Treviso: Ausstellung des venezianischen Malers Canaletto (1697-1768)in der „Cà dei Carraresi“. Samstag, 14. Februar- Sorrento oder die Amalfitanische Küste8-9 Tage Aufenthalt- Tanzfest im Kolpinghaus Bozen am 8. und 22. Februar („Crostolata“)März:- Kuraufenthalt in Ischiazweiwöchiger Aufenthalt vom 7. bis 21. Februar- Briscola-Frühjahrsturnier„„Die Zeit verlängertsich für alle, die siezu nutzen verstehen.Leonardo da VinciInfo + AnmeldungETSI Kultur- und FreizeitvereinSiemensstraße 23, BozenTel. 0471 568 475etsi@sgbcisl.it15


Solidarität für…Die wahren Opfer der FinanzkriseBei der am 5. April 2008 in Slowenien veranstalteten Großkundgebungdes Europäischen Gewerkschaftsbunds wurde nicht nur mehr Lohn fürEuropas ArbeitnehmerInnen, sondern auch mehr Transparenz und bessereRegeln für die Finanzmärkte gefordert.Mittlerweile ist die Finanzblase geplatzt und die Wirtschaftskrise da. In denvergangenen Jahren haben Manager und Spekulanten Unsummen verdient.Jetzt ist die Party vorerst vorbei und die Zeche bezahlen andere. DieArbeitnehmerInnen, von denen gar manche ihre Ersparnisse an der Börseverloren haben, finanzieren nun mit ihren Steuern die staatlichen Finanzspritzenfür Banken und Großbetriebe, um Schlimmeres zu verhindern.Doch nicht nur das. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeitund Entwicklung OECD sagt voraus, dass die Zahl der Arbeitslosen in den30 der Organisation angehörenden Industrieländern (darunter auch allegroßen EU-Länder) bis 2010 wegen des Wirtschaftsabschwungs von derzeit34 auf 42 Millionen steigen wird. Einer Anfang Dezember veröffentlichtenCisl-Studie zufolge riskieren in Italien in den nächsten beiden Jahrenca. 900.000 Beschäftigte in der Industrie und im Bau ihren Job.„Es ist an der Zeit, dass Europa bessere Regeln und Standards für Finanzmärktedurchsetzt, sich für die Stärkung der Realwirtschaft einsetzt unddie Aufmerksamkeit auf jene richtet, welche die Hauptlast der Finanzkrisetragen.Reich wird manerst durch Dinge,die man nicht begehrt.Mahatma Gandhi „HauptsitzBozen Siemensstraße 23Tel. 0471 568400info@sgbcisl.itBezirkeBozen Palermostraße 79/BTel. 0471 204 602Cl.-Augusta-Str. 133Tel. 0471 400123Leifers Weissensteiner Straße 1Tel. 0471 952 692Neumarkt Franz-Bonatti-Platz 4Tel. 0471 812 139Brixen Großer Graben 7Tel. 0472 836 151brixen@sgbcisl.itBruneck Stegener Straße 8Tel. 0474 553 355bruneck@sgbcisl.itSterzing Neustadt 26Tel. 0472 766 640Meran Sparkassenstraße 24Tel. 0473 230 242info.me@sgbcisl.itMals General-Verdross-Str. 45Tel. 0473 831 418www.sgbcisl.it

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