CARRERA PANAMERICANA 2010 - Classic Speed Shop

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CARRERA PANAMERICANA 2010 - Classic Speed Shop

RACE REPORTS 2010 CARRERA PANAMERICANA 2010

CARRERA PANAMERICANA 2010

21.–28. Oktober 2010

66 DEZEMBER

2010

Text und Fotos: Andreas Beyer

Oh Mann, ein Start in aller Herrgottsfrühe ist nicht jedermanns Sache.

Noch liegt stockfinstere Nacht über Tuxtla Gutierrez, aber das Grollen

großvolumiger V8 wird lauter und lauter. Die ersten Kippen glimmen

schon, und Café Americano gibt's im Oxxo-Shop um die Ecke. Auch das

weckt Lebensgeister. Und wer beim Gedanken an die neun Wertungsprüfungen

dieses Tages nicht vom Adrenalin durchflutet wird, dem ist

sowieso nicht zu helfen. Um sieben wird der erste der wilden Renner auf

die Strecke gehen. Das beruhigende Nachmittagsbier muss warten bis

zum Etappenziel Oaxaca. Dazwischen liegen 550 harte, staubige Kilometer,

von denen immerhin 130 auf Bestzeit gefahren werden.

Auch Ex-Profi Jochen Mass ist bei der 23. Neuauflage der legendären

Carrera Panamericana dabei. Im Schalensitz neben ihm Wolfgang Kurth

als Navigator, auf den Knien das 300 Seiten starke Roadbook, in dem

sämtliche Sonderprüfungen und deren hundsgemeine Kurven verzeichnet

sind. Mass und Kurth gehen in einem Ford Mustang als achtes von

120 Teams ins Rennen. Vor ihnen liegen nur noch Boliden der besonderen

Art, sprich mit lupenreiner Nascar-Technik und mindestens 500 PS.

"Um da mitreden zu können, fehlen unserem Mustang doch ein paar

Pferdchen", schmunzelt Mass, "aber in unserer Klasse haben wir gute

Chancen".

Kurz hinter Tuxtla wird die erste Sonderprüfung gestartet: Helme und

HANS auf, Netze vor die Fenster, es wird ernst. Vor allem Neulinge lernen

viel in diesen ersten Stunden des Rennens. So etwa der Hesse

Heinz Meyer. Er hat mit Elke Middeldorp ebenfalls einen schönen Mustang

gemietet und wollte es eigentlich ruhig angehen lassen. Doch

plötzlich passiert es: "Nach einem Reifenplatzer konnte ich die Karre

nicht halten", erzählt Meyer. "Dann sind wir vorne rechts eingeschlagen.

Im Grunde harmlos, ein reiner Blechschaden, aber wir standen blöd."

Also parkt Meyer den Wagen um, und kaum dass Team und Mustang in

Sicherheit sind, überschlägt sich an genau derselben Stelle ein schöner

Lincoln Capri. Bis Renndoktor Denis Rodriguez kommt, leisten die

Deutschen erste Hilfe. Der Lincoln, der praktisch ohne Bremsen zu Tal

rauschte, ist nur noch ein schlimm anzuschauendes Wrack. Am Abend

fehlt dann vorübergehend ein knappes Drittel der Gestarteten. Eine

knallharte Nachtschicht erwartet die Mechaniker.

Dabei war das nur die erste von sieben Etappen der diesjährigen Carrera:

Insgesamt 3200 Kilometer quer durch Mexiko stehen auf dem

Programm. 560 davon mit Gasfuß am Bodenblech. 120 autoverrückte

Teams sind Ende Oktober 2010 dabei. Das Material: US-Cars wie Buick

Century, Oldsmobile 88 oder Studebaker Commander auf der einen

Seite, als europäischer Gegenpol beispielsweise Alfa Giulia, Mercedes

300 SL oder Porsche 911. Unter den Teilnehmern aus aller Welt finden

wir weitere deutsche Rennfreaks. Mit drei Pagoden und einem W 108

schwört ein Teil auf Stuttgarter Wertarbeit, das Hamburger Ehepaar

Haase ist mal wieder mit dem Jaguar Mk1 dabei, und "Opel der Zuverlässige"

darf auch nicht fehlen: ein brachial aufgerüsteter Diplo A mit

5,7 Liter Chevy V8. Friedhelm Tang und Harald Mertes oder das Team

Pabst/Reichle vertrauen auf Wagen amerikanischer Herkunft wie Ford

Falcon, Autos die man zum Beispiel über die Jungs von "Euro-Latino

Racing" mieten kann.

Am nächsten Morgen muss die ganze Bande dann wieder früh raus: Von

Oaxaca geht es nach Puebla. Knochentrockenes Land, weite Blicke, unzählige

Kakteen: Das ist Mexiko-Feeling pur. Und die traditionelle Mittags-Fiesta

in Tehuacan darf natürlich auch nicht fehlen. Tausende von

begeisterten Muchachos und Muchachas umlagern die bunten Oldies.

Die Luft brennt. Statt Mariachis hämmert Techno. Albrecht Haase rettet

sich aufs Dach seines Jaguar Mk1, während Gattin Christine tapfer Autogramme

schreibt. Tino Schmidt und Thomas Ledergerber verteilen die

beliebten Autogrammkarten sicherheitshalber gleich aus dem Schiebedach

ihres Mercedes 280 SE. Der Nachmittag verläuft dann entspannt.

Ein "Transito" über die mexikanische Autobahn führt ins Etappenziel. In

der Wertung liegt Harri Rovanpera in einem Studebaker vorn, in genau

dem Auto, das Stig Blomqvist im Vorjahr zum Sieg fuhr.

DIESE SEITE

Heavy Metal: Cadillac Series 62, ausgestattet mit feinster Nascar-Technik

und knapp 600 feurigen Pferdchen unter der Haube

GEGENÜBERLIEGENDE SEITE

Saubere Linie: Jochen Mass und Wolfgang Kurth treiben ihren Mustang

durchs Kurvengeschlängel der Sierra Madre

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RACE REPORTS 2010 CARRERA PANAMERICANA 2010

Am Tag Drei betreten wir Neuland. "Mineral del Chico" heißt eine Sonderprüfung,

die bisher nicht zur Carrera-Strecke gehörte. Auf etwa 2700

Metern Höhe spielt sich das Ganze ab. So hoch wie die höchsten Pässe

unserer Alpen. Kurvenreich und steil bergab endet die SP in einem pittoresken

Dörfchen. So weit so gut - aber: ein Studebaker überschlägt sich

hier. Und auch für die Opel-Gang endet das Unternehmen Carrera abrupt.

In der langen Bergabpassage fängt der Diplo Feuer. Hubertus von

Wangenheim gelingt es zwar, den Wagen auf einem geraden Stück sicher

abzustellen, aber der eigene Feuerlöscher verpufft wirkungslos: Vater

und Sohn müssen mit ansehen wie das gute Stück von vorne nach hinten

langsam aber sicher ausbrennt. Andere Teams "tragen" auf den letzten

Kilometern ihre Boliden zur Zeitnahme, denn die Bremsen sind gnadenlos

überfordert. Selbst Jochen Mass sitzt staunend im Auto und pumpt sechs

bis acht Mal ehe sich am Bremspedal wieder Druck aufbaut. Der Re-Start,

DIESE SEITE

Weite Blicke, karges Land: Studebaker Champion und Oldsmobile 88 vor

typisch mexikanischer Kulisse. Fehlt eigentlich nur noch der Geier!

GEGENÜBERLIEGENDE SEITE (von oben nach unten)

Gestrandet: Tom und John Overbaugh kamen mit ihrem Lincoln zwar von der

Straße ab, aber mit dem Schrecken davon

Nachtschicht: Nach dem Renntag schlägt die Stunde der Schrauber. Da

gehören auch ausgefeilte Motorreparaturen dazu. Hier ausgeführt an einem

Porsche 911

Kaktus-Valley: Der Ford Falcon von Manuel Pabst und Klaus Peter Reichle im

Tiefflug

Albrecht und Christine Haase im Jaguar Mk1. Bis zum dritten Tag lief's gut,

dann bremste ein Riss in der Getriebeglocke die Fahrt der beiden Hamburger

68 DEZEMBER

2010

jetzt mit qualmender Kupplung, auf dem steil ansteigenden kopfsteingepflasterten

Marktplatz, sorgt dann endgültig für Unmut unter den Teams.

Die Prüfung wird im nächsten Jahr wohl nicht mehr dabei sein.

Unmut dann auch am Abend: So schön das Fahren ist, oft beginnt die

härteste Herausforderung nach Einbruch der Dunkelheit. Und wir reden

hier nicht vom tückischen Tequila. Nein, es sind die Meetings, die zu

spät anfangen und zu lange dauern und die Ergebnisse, die oft unzuverlässig

bis völlig falsch sind. Wer tagsüber um Kopf und Kragen fährt,

braucht solch organisatorisches Chaos abends am wenigsten. Das

Ganze regelt sich zwar immer irgendwie zum Schluss, lässt aber die im

Prinzip hilfsbereiten Offiziellen nicht gut aussehen.

1600 Kilometer liegen jetzt hinter uns - die Hälfte der Gesamtstrecke

in drei Tagen. Kein Wunder, dass es reichlich Ausfälle gab. Von nun an

geht es etwas ruhiger zu, und gestartet wird auch wieder im Hellen.

Die nächsten 430 Kilometer gipfeln in zwei dicht aufeinander folgenden

Prüfungen kurz vorm Etappenziel Morelia. Insgesamt 36 Kilometer

lang, saugefährlich, aber wunderschön zu fahren! Mil Cumbres (tausend

Hügel) wird die Doppel-SP genannt. "Tausend Kurven wäre wohl

passender", bemerkt der Schweizer Alfa-Pilot Diego Bernhardt später

im Ziel. Mercedes-Mann Jochen Gabriel dreht sich hier mit der 230er

Pagode, zum Glück ohne anzuecken. Albert Otten, der mit Frau Ute

in einem weiteren Ford Mustang unterwegs ist ("wenn er denn fährt")

schaut sich die Sache derweil von weitem an. Die Ottens warten auf

einen neuen Tank, "Der soll morgen kommen, dann haben wir noch die

Chance auf zwei volle Tage Spaß."

Von Morelia bewegt sich der Carrera-Tross gen Westen mit Ziel Guadalajara.

Im Eiltempo geht's von dort weiter nach Aguascalientes. Auf

dieser vorletzten Etappe wird die deutsche Gemeinde leider um ihr prominentes

Mitglied dezimiert. Jochen Mass touchiert in einer Linkskurve

der zweiten Vormittags-SP allzu ungestüm die Leitplanke (zu diesem

Zeitpunkt lagen sie an zehnter Stelle Gesamt und führten die Klasse).

Manuel Pabst vom Classic Speed Shop überbringt die Nachricht: die

Jungs wohlauf, der Wagen hinüber. That's racing.

Und auf einmal neigt sich diese ultraschnelle Woche auch schon ihrem

Ende entgegen. Knapp 300 Kilometer trennen die verbliebenen Teams

noch vom "neuen" Ziel in Zacatecas. Bislang ist das hübsche Silberminenstädtchen

immer Zwischenstation vor dem langen Schlußspurt nach

Nuevo Laredo gewesen. Diesmal aber entfällt die Monsteretappe hinauf

an die texanische Grenze. Die Narco-Syndikate treiben dort oben ihr Unwesen,

und außerdem war dieses elend lange Stück nie richtig beliebt.

Das durch die spanische Kolonialzeit geprägte Zacatecas ist wirklich

das bessere Ziel.

Den Kampf um den Gesamtsieg machen wie gewohnt die brachial aufgerüsteten

Studebaker unter sich aus. Gegen 300 km/h Topspeed, 560

PS und feinste Nascar-Technik ist eben kein Kraut gewachsen. Die beiden

finnischen Rallyeprofis Harri Rovanpera und Jouni Närhi lassen die

Champagnerkorken knallen. 14 Sekunden trennen sie nach 47 Sonderprüfungen

von den Zweitplatzierten Michel Jourdain und Miguel Angel

Diez. So knapp war's noch nie. Der dritte Studebaker liegt chancenlos

13 Minuten zurück.

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RACE REPORTS 2010 CARRERA PANAMERICANA 2010

Das beste Auto mit deutscher Beteiligung ist Martin Laubers Alfa Romeo

Giulia ("das schnellste Taxi Mexikos") auf Rang 8. Bemerkenswert ebenfalls

die Österreicher Lars Kroiss und Martin Rettenbacher, die mit ihrem

Volvo P 1800 Platz 10 im Gesamtklassement belegten. Mexikanisches

Regelwerk macht's möglich, dass die verunfallten Mustang-Mannen

Mass/Kurth auf einem ordentlichen 37. Rang landen. Vor Günter Sundag

und Barbara Hernandez (Mercedes 230 SL/Platz 38) oder Ledergerber/

Schmidt (MB 280 SE/Platz 42). Die vollständigen Ergebnisse finden Sie

auf www.lacarrerapanamericana.com.mx

Das Schlusswort aber möchten wir gerne Jochen Mass überlassen:

"Tolle Strecke, guter Sport. Aber was mir besonders gefiel, ist der Zusammenhalt

und der Teamgeist unter den Fahrern", sagt der ehemalige

Le-Mans-Sieger, "das erinnert wirklich an längst vergangene Zeiten."

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70 DEZEMBER

2010

wird zunehmend eintönig: zu viele Studebaker, zu viele

Porsche 911, eigentlich auch zu viele Ford Mustang.

Außerdem gibt es ein paar Kisten, die wirklich nicht den

Carrera-Spirit ausstrahlen. Etwa BMW 2002 oder Datsun

260 Z: Das sind schöne Sportfahrzeuge, aber bitte

nicht in Mexiko.

ATTRAKTIVITÄT FÜR ZUSCHAUER

Die Organisation: Traditionell etwas durcheinander.

Leider diesmal auch in Bezug auf die Zeitnahme: un-

Die Strecke/Schwierigkeitsgrad: Fantastische Straßen genaue Ergebnisse, seltsame Auswertung, zumindest

durch traumhaft schöne Landschaft, anspruchsvoll, an den ersten drei, vier Tagen. Das braucht man nicht,

sehr viele Kurven. Und das Ganze gewürzt mit atem- wenn man um Kopf und Kragen fährt. Außerdem hakt

beraubenden Bestzeitprüfungen. Gutes zuverlässiges es bei Einfuhr und Zollabwicklung immer noch gele-

Bordbuch. Fahrerisch noch immer eine unvergleichligentlich, was zwar nicht die Organisation direkt trifft,

che Sache. Kann aber trotzdem sehr gefährlich werden! aber im Hinblick auf rechtzeitiges Verschiffen des Fahr-

Das Starterfeld: ein heikles Thema, und damit meinen

zeugs wichtig ist.

wir nicht allein die Lust der Spitzenteams auf moderne Attraktivität für Zuschauer: Die ganze Atmosphäre ist

Nascar-Technik. Es geht um Modellvielfalt und "ori- verdammt mitreißend. Lohnenswert aber nur für jemanginale

Periode (1950 bis 1954)". Leider gibt es immer den, der ohnehin einen Mexiko-Urlaub plant. Ansons-

weniger Renner aus den frühen Jahren. Und die Sache ten dürfte der Aufwand zu hoch sein. Wer aber gerade

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Geschafft! Die finnischen Rallyeprofis Harri Rovanpera und Jouni Närhi lassen

in Zacatecas die Champagnerkorken knallen

drüben ist, findet immer interessante Punkte zum Zuschauen.

In den Sonderprüfungen sollte man eine

Stunde vor dem Start sein Plätzchen gefunden haben.

Danach wird (meist) gesperrt.

Persönlicher Kommentar des

Teilnehmers Wolfgang Kurth:

Die Bewertung ist sehr zutreffend! Die Zeitnahme und

die daraus resultierende Startreihenfolge für den Folgetag

waren noch nie so schlecht wie in diesem Jahr.

Der Rest der Organisation mit Ausnahme der Fahrermeetings

am Abend war ok. Wo findet man denn schon

eine solche Unterstützung durch Polizei und Regionsvertreter,

die es einem erlauben, auch die Transits in

Renntempo zu fahren. Das alles vorbei war, habe ich

erst gemerkt, als mir die Polizei wegen Geschwindigkeitsüberschreitung

gnadenlos $ 200,- abknöpfte.

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RACE REPORTS 2010 CARRERA PANAMERICANA 2010

72 DEZEMBER

2010

17.10.

Flug DUS-CUN

Kein "Carrerarist" fehlt zum Abflug in Düsseldorf!

Startnummer 364 Peter Reichle/Manuel Pabst und Nummer 378

Jochen Mass/Wolfgang Kurth plus Mechaniker Markus Böhme.

In der Departure Lounge stolpern wir noch über ein drittes Team:

Tang/Mertes (#351)

Selten auf einem Flug so wenig geschlafen. Tolle Gespräche mit Jochen über F1 in

den 70ern und heute.

Was sind Jochens Erwartungen? Spass haben!

Bestimmt gehört ein kleiner Klassensieg z.B. in der Historic C auf einem Ford

Mustang Shelby auch dazu!!

18.10.

Anpassung an Mexico

Schön kurz an den karibischen Strand - tolles Wetter.

Ich lerne, F1 Fahrer in den 70er Jahren hatten es manchmal gar nicht schlecht!

Frühstück dauert fast 3 Stunden! Themen sind Segeln, Ballonfahren - kein

Fusball; wenig über die vor uns liegende Carrera - da scheint Jochen völlig

entspannt.

Überraschung! Jochen ist mit Murray Smith, dem Abo-Sieger der Klasse HIstoric C

bei der Carrera, zusammen mit Bill Shanahan, gut befreundet. Hoffentlich kennt

Jochen beim Rennen keine Freunde mehr!!

19.10.

Flug CUN-MEX-TGZ

Vorgeschmack auf das frühe Aufstehen während des Rennens in den

kommenden Tagen: 4:30 für Abflug 7:00.

Zum ersten Mal die Frage:

Warum tue ich mir das an?? Ich erinnere mich an die Antwort: >3000 km

Fahrstunden mit Jochen Mass Am Flughafen in MEX erste Begrüssung von

Vorjahresteilnehmern: John Nielson aus Canada, Michael Emery (USA). Jochen

Mass ist bekannt und scheint schon richtig erwartet zu werden. Im Hotel in Tuxtla

stossen wir auf die Leningrad Cowboys - Jochen scheint in Finnland extrem

bekannt zu sein!

20:00 der Mustang steht vor dem Hotel. Nach erster Sitzprobe: Kupplung härter,

Sitz tiefer, Auspuff höher - nicht viel für einen ersten Test.

20.10.

Abnahme

Um 5:00 !! wecken durch Lärm erster Testfahrten von Carrera Teilnehmern.

Manuel und Markus haben gut vorgearbeitet: Wagen wurde sehr früh und ohne

Beanstandung freigegeben.

Administrative Checks und Medical zügig abgewickelt. Blutdruck so niedrig wie

selten - ich bin entspannt!

Testfahrt für 11:00 geplant. Schon auf den ersten Metern laute mechanische

Geräusche vorne links.Wieder zurück! Erste Diagnose: Gelenk am linken

Querlenker ausgeschlagen!

Da Teile vorhanden ( ~ 2 m 3 Ersatzteile und Werkzeug!) Austausch schnell

möglich. Zwischenzeitlich hat sich die Teilnahme von Jochen ziemlich

rumgesprochen. Er wird immer häufiger angesprochen.

Der Studebaker Commander, der im Frühjahr einmal für Jochen vorgesehen war,

hat ernsthafte Ölprobleme auf dem Weg von Veracruz nach Tuxtla bekommen

- ob er morgen zum Prolog antreten wird ist schwer zu glauben. Gegen 14:00

fahren wir mit dem Mustang zum Testen auf die Rennstrecke Aotodrómo

Chiapas, auf der morgen der Prolog stattfinden wird.

Die Strecke ist ein Mickey Mouse-Kurs! Zum ersten Mal erlebe ich Jochen

am Steuer des Mustang! Er fährt unglaublich ruhig, ohne viel Bewegungen im

Lenkrad. Das Auto bewegt sich sehr gleichmäßig entlang der Haftungsgrenze.

Die Yokohama kreischen sehr früh, haben aber einen super Grip. War ein tolles

Erlebnis, freue mich auf mehr.

Am Navigator-Meeting nimmt Jochen ebenfalls teil - er ist sich wirklich für nichts

zu schade!

21.10.

Prolog

Sponsorenaufkleber von Phönix Technlogy und Optima Batterien aufs Auto.

Kurz vor Abfahrt hektische Suche nach meinen Kopfhörern für den Helm - sie

sind weg und finden sich partout nicht wieder.

Wir werden die gesamten WPs wohl etwas 'einsilbig' fahren. Für den Prolog auf

der Rennstrecke hat es sich gelohnt gestern ein paar Runden zu brennen. Es

läuft gut. Wir sind gespannt auf die Zeiten, die am Abend beim Drivers Meeting

bekannt gegeben werden. Jochen wird von der Organisation besonders begrüßt.

Es werden einmalige Filmaufnahmen der ersten Carrera-Rennen aus 1952

gezeigt. Irre was man noch in den Garagen von San Francisco findet!!

Wir sind 1. in der Klasse und 9. Gesamt - ganz großes Ergebnis - leider müssen

wir dafür um 5:15 raus - um 7:04 ist Start.

22.10.

Tuxtla - Gutierrez - Oaxaca (513 km)

Jochen fährt die ersten WPs sehr abwartend. Wie bei Karl Kling 1952 werden

wir von einem Vogel getroffen! Er verschwindet durch die Lufthutze in der

Motorhaube! Wir bekommen Strafpunkte durch Zeitüberschreitung! Mein Fehler.

Ab Mittag werden wir richtig schnell - sind in jeder WP Schnellster unserer

Klasse. Mit längerer “Beanstandungsliste“ für Mechaniker in Oaxaca angekommen.

Gigantischer Empfang. Abends Siegerehrung. Wir sind 1. in der Klasse!!!

23.10.

Oaxaca - Puebla (465 km)

Die Zündungsprobleme vom Vortag sind noch nicht weg! Phantastische WP:

#254 überholt und auf #388 aufgelaufen. Der Mustang von Dirk Whaijenberg

wird sicher unser schwerster Gegner.

Die Yokos sind nach knapp 1000 km hin! Am Abend bemühen wir uns Reifen von

anderen Teams zu bekommen. Auf die Avon wollen wir noch nicht. Der Empfang

in Tehuacán war gigantisch.

Bin auf das Ergebnis am Abend gespannt.

24.10.

Puebla - Querétaro (608 km)

Wir waren am Vortag nicht unter den ersten Dreien der Klasse!!!! Die Starterliste

für den 24. führt uns an 105. Stelle!! Der Transponder bei uns und einigen

anderen war defekt! Ich bin froh. Da Jochen schnell war, konnte nur ich die

Penalties geholt haben - war aber nicht so.

Die ersten WPs sind sehr schnell und saugefährlich. Auf der WP5 wird

das Starterfeld um 6 Wagen durch Unfälle verkleinert. Der Wagen von v.

Wangenheim brennt völlig aus.

Wir haben uns doch für Avon entschieden. Yokos waren nicht zu bekommen.

Die Avons machen sich gut! Nicht ganz so präzise aber ausreichend schnell und

belasten das Fahrwerk nicht so sehr.

Die Erwartungen von Jochen haben sich geändert: von “ein wenig Spaß haben“

ist heute ein “wenn die Technik hält und wir keine Fehler machen, wollen wir

die Klasse gewinnen“ geworden. Auf den WPs waren wir schon von Anfang an

schnell - jetzt wird er auch auf den Transits sehr schnell. Eigentlich wird nur

gerast - 220 plus auf den Transitetappen sind fast normal!!

Heute wieder die Klasse gewonnen!

25.10.

Querétaro - Morelia (434 km)

Die Anfahrt zum Startplatz war der Supergau: Quer durch die Stadt dem

falschen Teilnehmer gefolgt! Er hatte aufgegeben und war auf dem Weg in eine

Werkstatt. Nur eine Taxe konnte noch helfen. Wenige Minuten vor dem Start

erreichten wir den Startbogen. Während der ersten WPs lief der Wagen nicht

rund. Gegen Mittag Vergaser neu eingestellt --> zeitweise Verbesserung.

Am Nachmittag fahren wir die “Mil Cumbres“. Ein tolles Straßenstück. Die volle

Leistung des Motors ist immer noch nicht da. Mal sehen, wie es morgen wird. Die

Mechaniker arbeiten nahezu jede Nacht durch.

Das Ziel der Etappe, Morelia, ist eine gepflegte schöne Stadt mit einer

Architektur wie in einer historischen Altstadt in Spanien. Beeindruckend.

26.10.

Morelia - Guadalajara (494 km)

Der Wagen läuft auf 8 Zylindern! Auf den ersten WPs gut dabei - ab Mittag

richtig schnell. Auf der letzten WP ein Schnitt von 158 km/h!

Auf Transit wieder Vogelschlag - diesmal auf die Scheibe.

Auf Highway bei 170 km/h zieht #385, Xavier Lamarid, neben uns und reicht eine

Flasche Tequilla durchs Fenster!

Auf der Fahrt in die Stadt (Guadalajara) verabschiedet sich die LiMa. Nachts eine

von den Leningrad Cowboys bekommen. Wir bekommen den letzten und dritten

Satz Reifen (Avon).

2. Platz auf allen heutigen WPs!

Da mit LiMa Wechsel erst um 2:00 morgens begonnen werden konnte,

verschieben wir den Reifenwechsel auf Aquascalientes.

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RACE REPORTS 2010 CARRERA PANAMERICANA 2010

74 DEZEMBER

2010

27. 10.

Guadalajara - Aquascalientes (381 km)

Völlig chaotischer Start. Taxi mit Startliste findet den Startplatz nicht!!

Unsere Startzeit wäre 7:08 gewesen - um 7:27 fahren wir durch den

Startbogen. Die erste Z-Zeit bleibt unverändert!! Wir sind heute 1. in der

Klasse und 10. Gesamt - unser Ergebnis, das wir für Zacatecas halten

wollen. Die ersten WPs laufen gut - wir nehmen den vor uns liegenden

Autos Zeit ab.

Durch die gefährlichste Stelle der WP2 (Brücke in links 2 mit Gravel)

kommen wir gut. Die nächste wirkliche Kurve ist eine rechts 3, die wir zügig

anfahren. Plötzlich folgt der Wagen nicht mehr den Lenkbewegungen.

Der Mustang untersteuert und wir schlagen mit dem linken Kotflügel in die

Leitplanke ein!

Aus der Traum von der Ankunft in Zacatecas.

In der Nacht in Aquascalientes kommt die Bestätigung: ohne

Sicherheitsrisiko wäre das Auto auf der letzten Etappe nicht mehr

einsetzbar.

Auf der Auswertung des Trackersystems von Phönix Technology können

wir am Abend erkennen, dass wir die Kurve mit 151 km/h angefahren sind

und mit 31 km/h eingeschlagen sind.

28.10.

Aquascalientes - Zacatecas

(297 km für die Kollegen, 110 km für uns!)

Im Leihwagen!

Am Nachmittag laufen die letzten verbliebenen Wettbewerber in

Zacatecas ein, auch Manuel und Peter - wir sind nicht dabei. Schade!

Die Siegesfeier findet in der alten Stierkampfarena statt. Ein tolles

Ambiente.

Epilog

Jochen: 1. “To finish first - you first have to finish!“

2. Tolles Rennen.

3. Lass uns mal über 2011 reden.

Das Auto: 1. Der schnellste Mustang im Feld.

2. Zuverlässig.

3. Supi von classic-speed shop in Hannover aufgebaut und

von Marcus hingebungsvoll betreut.

Beifahrer: 1. 7 Tage mit einem Fahrer in einem Auto sind nicht

immer einfach - mit Jochen völlig easy.

2. Jochen beim schnell fahren zu erleben, ist Lehrstunde.

Stabilität des Wagens bei allen Geschwindigkeiten und in

allen Kurven steht an erster Stelle.

3. Jochen, hast Du schon Pläne für 2011??

Zwischen Alaska und Feuerland zählt jede Sekunde.

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