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WAS KANN BIOGAS?Reines Biomethan aus der Zapfsäulegibt es bereits an über100 Tankstellenin Deutschland12Millionen Haushalte mit Stromund Wärme aus BiogasIm Jahr 2012 wurden mehr als 22 MilliardenKilowattstunden (kWh) Strom aus Biogas erzeugt.Dies entspricht 15 Prozent des Stromsaus Erneuerbaren Energien und fast vier Prozentdes gesamten Stromverbrauchs in Deutsch-ANLAGENZAHL UND INSTALLIERTE ELEKTRISCHE LEISTUNG7.0006.0005.0004.0003.0002.0001.0003706171.0501.600390land. Im Durchschnitt wurden damit über sechsMillionen Haushalte mit Strom aus Biogas versorgt– annähernd jeder siebte Haushalt.3.5003.8912.2911.100 1.3772.0505.9057.5153.4007.7723.586– 01996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2013Prognose– 3.500– 3.000– 2.500– 2.000– 1.500– 1.000– 500Anzahl Biogasanlageninstallierte elektrische Leistung (MW)Im Gegensatz zu vielen Großkraftwerken liefernBiogasanlagen auch Wärme. Bei der Stromproduktionim Blockheizkraftwerk (BHKW) entstehtals Nebenprodukt thermische Energie – im Jahr2012 wurden rund elf Milliarden kWh Wärmeabgegeben. Damit können fast eine MillionHaushalte CO 2-neutral beheizt werden.Sichere Energie und gut für’s KlimaIndem bei der Produktion von Strom und WärmeBiogas an die Stelle fossiler Energieträger tritt,konnten im Jahr 2012 gut 13 Millionen Tonnenklimaschädliches CO 2eingespart werden.Da jeder Deutsche im Schnitt einen umgerechnetenCO 2-Fußabdruck von elf Tonnen hat,bewegen sich durch den Einsatz von Biogasbereits mehr als eine Million Bürger „CO 2-frei“durchs Land. Und das auf sicherem Weg: fastdrei Atomkraftwerke können die bestehendenBiogasanlagen bereits ersetzen, ohne dass derSteuerzahler Risikotransporte oder Endlagerfinanzieren muss.Biogas kann Erdgasflotte mitBiomethan versorgenZu Biomethan aufbereitetes Biogas kann problemlosins Erdgasnetz eingespeist werden.Damit wird das Gasnetz zum einen als riesigerSpeicher und zum anderen als ideales Transportmediumgenutzt. Ein potenzielles Transportzielsind Erdgastankstellen. Biomethan kann wieErdgas als Kraftstoff genutzt werden. Der Einsatzvon Biomethan in Erdgasfahrzeugen istohne technische Anpassungen möglich. Aktuellsind mehr als 90.000 dieser Kraftfahrzeuge inDeutschland zugelassen. Über 100 der rund900 hiesigen Erdgastankstellen werden bereitsausschließlich mit Biomethan betrieben. Weitere100 haben Biomethan anteilig dem Erdgasbeigemischt. Schon heute könnten die bestehendenBiomethan-Anlagen die kompletteErdgasflotte versorgen.Darüber hinaus lässt sich Biomethan über dasGasnetz auch zu Orten mit einem hohen Bedarfan Strom und Wärme transportieren. Ende 2012waren 109 Einspeiseanlagen in Betrieb, die proJahr rund 500 Millionen Kubikmeter Biomethanins deutsche Erdgasnetz einspeisen.13


Landwirtschaft, NaturundKlimaschutzTREIBHAUSGASEMISSIONEN EINER 190-KW-BIOGASANLAGEim Vergleich zu einem fossilen Kraftwerk gleicher LeistungSTROM UND WÄRME AUS BIOGAS STROM UND WÄRME AUSFOSSILEN QUELLEN20AKTIVER KLIMASCHUTZIm Jahr 2012 wurden durch die Nutzung vonBiogas-Strom mehr als 13 Millionen Tonnenklimaschädliche CO 2-Emissionen vermieden,die bei der Verwendung fossiler Energieträgerangefallen wären. Folgende Einsparmaßnahmentragen hierzu bei:• Ersatz fossiler Energieträger und der damitverbundenen Emissionen• Ersatz von mineralischen Düngemitteln, dieunter hohem Energieaufwand hergestelltwerden• Reduktion der Methanemission (23-malklimaschädlicher als CO 2) aus der Lagerungtierischer Exkremente durch derenVerwertung in Biogasanlagen• Vermeidung schädlicher Klimagase durchdie Vergärung kommunaler AbfälleWIE VIEL EMISSIONEN SPART EINE ANLAGE?Bei der Stromerzeugung aus Biogas wird Kohlendioxid(CO 2) freigesetzt. Die ausgestoßeneCO 2-Menge entspricht dabei der Menge, die dieeingesetzten Energiepflanzen während ihresWachstums der Atmosphäre entzogen haben.Natürlich müssen auch die Aufwendungen beimAnbau von Energiepflanzen und beim Betrieb derAnlage berücksichtigt werden. Die beispielhaftdargestellte 190-kW-Biogasanlage (siehe Seite21) erzeugt jährlich etwa 1,5 Millionen Kilowattstunden(kWh) Strom und es werden 350.000kWh Wärme in einem Wärmenetz genutzt. Sieversorgt damit etwa 430 Haushalte mit Elektrizitätund 30 mit Heizenergie. Eingesetzt werdenknapp 7.000 Tonnen Substrate (davon 2.500Tonnen Rindergülle). Die bei der Bereitstellungder Substrate (Anbau, Düngung, Transport) entstehendenTreibhausgasemissionen summierensich auf 200 Tonnen. Hinzu kommen weitereEmissionen beim Bau und Betrieb der Anlage, sodass insgesamt 455 Tonnen CO 2anfallen.SubstratbereitstellungBetriebsstoffe undEnergieeinsatzAnlagentechnikund BauDiffuse EmissionenMethanschlupfWürde die gleiche Menge an Strom und Wärmedurch fossile Energieträger bereitgestellt, entstünden1.100 Tonnen CO 2. Damit ergibt sichüber die Nutzung von Biogas eine Netto-Einsparungvon 650 Tonnen CO 2pro Jahr. Weitaushöhere Einsparungen ergeben sich, wenn nebenEnergiepflanzen noch mehr Gülle oder auchRest- und Abfallstoffe eingesetzt werden.200 t CO 2Fossiler Strom1000 t CO 2120 t CO 250 t CO 250 t CO 2Fossile Wärme100 t CO 235 t CO 2Gesamtemissionen: 455 t CO 2Gesamtemissionen: 1.100 t CO 2Eine Ausweitung der Wärmenutzung verbessertdie Bilanz zusätzlich, so dass Einsparungen vonnahezu 100 Prozent möglich sind. Neben der Klimabilanzist in der Regel auch die Energiebilanzeiner Biogasanlage eindeutig positiv: es wird biszu fünfmal mehr Energie erzeugt als verbraucht.21


BIOGENE RESTSTOFFEDER URSPRUNG DER BIOGASERZEUGUNGNeben den speziell für die Biogaserzeugungangebauten Energiepflanzen werden auch biogeneReststoffe in Biogasanlagen vergoren. Biszur Einführung einer zusätzlichen Vergütung fürden Einsatz von Nachwachsenden Rohstoffen imJahr 2004 (NawaRo-Bonus) waren Abfälle sogardie maßgeblichen Einsatzstoffe. Heutzutage wirdnoch immer der Großteil der biologischen Abfallproduktein Vergärungsanlagen eingesetzt. Diesefallen sowohl in der Landwirtschaft als auchin der Nahrungsmittelindustrie, der Gastronomie,dem Einzelhandel oder in Privathaushalten an.DREIFACHER KLIMASCHUTZDie wichtigsten landwirtschaftlichen Reststoffesind Gülle, Jauche und Festmist. Durch die Vergärungdieser Stoffe in gasdicht abgedecktenBiogasanlagen wird nicht nur aus einem ohnehinanfallenden Nebenprodukt Energie gewonnen.Es wird darüber hinaus vermieden, dass klimaschädlichesMethangas aus offenen Güllelagernentweicht. Außerdem kann das am Ende desGärprozesses anfallende Gärprodukt mineralischeDüngemittel ersetzen, deren Herstellungsehr viel Energie verbraucht. So wird ein dreifacherKlimaschutzeffekt erzielt! Das Gärproduktaus der Biogasanlage ist zudem hygienischin einem besseren Zustand als unvergoreneGülle aus konventioneller Landwirtschaft. Undzu guter Letzt riecht es nachweislich erheblichweniger, wenn die in einer Biogasanlage vergoreneGülle auf den Feldern ausgebracht wird.(FAST) ALLES KANN VERGOREN WERDENDarüber hinaus können auch Ernterückständeund Stroh sowie Gemüse-, Kartoffel- undGetreideabfälle in Biogasanlagen vergoren werden.Ebenso die bei der Herstellung von Lebens-,Futter- und Genussmitteln anfallenden Reststoffe.Diese können pflanzlicher Herkunft sein,wie etwa Schlempen aus der Alkoholproduktion,Treber aus der Bier- und Weinherstellung, Tresteraus der Saftproduktion oder Rückstände aus derBiodieselherstellung.Tierische Reststoffe wie Fettabscheider, MagenundDarminhalte, Häute, Federn oder Blutrestesind aufgrund ihres hohen Energiegehaltesvorzügliche Einsatzstoffe für Biogasanlagen(siehe Tabelle „Stromertrag Reststoffe”). Sehrenergiereiche Substrate sind auch Speisereste ausKüchen, Kantinen und Restaurants, die hier explizitfür den Einsatz in Biogasanlagen gesammeltwerden. Darüber hinaus eignen sich überlagerteund aussortierte Lebensmittel und die Inhalteaus der getrennt gesammelten Biotonne oderGrünabfälle aus privaten Gärten oder öffentlichenParkanlagen für die Vergärung in Biogasanlagen.STROMERTRAG RESTSTOFFESTRENGE VORSCHRIFTENBeim Einsatz von Abfällen in Biogasanlagengelten sehr strenge rechtliche Vorgaben, unteranderem Behandlungs-, Nachweis- und regelmäßigeUntersuchungspflichten. Dies garantiert,dass die erzeugten Gärprodukte seuchen- undpflanzenhygienisch unbedenklich sind, da allein den Bioabfällen enthaltenen Keime abgetötetwerden. Dies kann durch hohe Temperaturen(70°C) oder längere Verweilzeiten im Biogasreaktorbei thermophiler Prozessführung (> 50°C)gewährleistet werden.Die genannten Reststoffe dürfen nur in Biogasanlageneingesetzt werden, die nachweislich fürderen Einsatz zugelassen sind und die gesetzlichenVorgaben und Kontrollen einhalten.Einsatzstoff Methanertrag Stromertrag (kWh el)(m 3 /t Frischmasse)Schweinegülle 12 48Rindergülle 17 68Getreideschlempe 18 72Obst- und Traubentrester 49 196Speisereste 57 228Biertreber 61 244Kartoffelschalen 66 264Geflügelmist/-trockenkot 82 328Tierblut 83 332Altbrot 254 1.0162425


RAHMENBEDINGUNGEN28ENERGIEWENDE IN DEUTSCHLANDIm Juni 2011 wurde mit dem so genanntenEnergiewendepaket ein Bündel an gesetzlichenRegelungen verabschiedet, das den Umbaudes Energiesystems in Deutschland weg vonder Atomkraft und fossilen Brennstoffen hin zuErneuerbaren Energien ermöglichen soll. DerFahrplan sieht vor, schrittweise alle Atomkraftwerkespätestens bis zum Jahr 2022 stillzulegen.Gleichzeitig soll der Ausbau der ErneuerbarenEnergien (EE) forciert werden. Ziel ist es, denAnteil erneuerbaren Stroms am Bruttostromverbauchbis 2020 auf mindestens 35 Prozent zusteigern. Gleichzeitig will die Bundesregierungdie Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 senken.DAS ERNEUERBARE-ENERGIEN-GESETZ (EEG)Klima- und Gesundheitsschäden sowie Endlager-und Rückbaukosten, die durch denBetrieb von Kohle- und Atomkraftwerken entstehen,werden in den derzeitigen Strompreisennicht abgebildet. Auch im Wärme- undKraftstoffmarkt spiegeln die Marktpreise nichtdie Gesamtkosten wider. Daher sind Strom,Kraftstoff und Wärme aus Biogas und anderenErneuerbaren Energien derzeit teurer als ausnicht erneuerbaren Quellen. Um deren Anteilan der Versorgung in Deutschland zu erhöhen,muss dieser Wettbewerbsnachteil ausgeglichenwerden.Das weltweit erfolgreichste und (kosten-)effizienteste Fördersystem zum Ausbau der ErneuerbarenEnergien im Strombereich ist dasdeutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).2012 betrug der Anteil Strom aus regenerativenQuellen 23 Prozent, vor dem In-Kraft-Treten desEEG im Jahr 2000 waren es gerade mal sechsProzent.Im Kern besitzt das EEG zwei zentrale Bausteine.Zum einen wird Erzeugern von ErneuerbaremStrom über 20 Jahre ein fester Preisfür den eingespeisten Strom garantiert. Zumanderen werden Stromnetzbetreiber verpflichtet,erneuerbaren Strom gegenüber Strom ausKohle-, Gas- und Atomkraftwerken vorrangigabzunehmen und durchzuleiten.Diese Rahmenbedingungen schaffen eineInvestitionssicherheit, die zu einer einzigartigenTechnologieentwicklung in Deutschlandgeführt hat. Bis heute haben knapp 50 Länderder Welt die Grundsätze des deutschen EEGkopiert.WÄRME- UND GÜLLENUTZUNG IM EEGSeit der Novellierung des EEG im Jahr 2004 gibtes auch Anreize, die bei der Stromerzeugung imBlockheizkraftwerk (BHKW) anfallende Wärmezu verwerten. Über den so genannten KWK-Bonus (KWK = Kraft-Wärme-Kopplung, d.h.gleichzeitige Nutzung von Strom und Wärme)erhalten die Betreiber eine zusätzliche Vergütungin Höhe von zwei (2004) bzw. drei Cent(ab 2009). Seitdem gehen in Deutschland kaumnoch Anlagen ohne sinnvolles Wärmekonzept inBetrieb. Mit der erneuten Überarbeitung des EEGim Jahr 2012 wurde der bisherige KWK-Bonusabgeschafft. Stattdessen sind Betreiber vonBHKW nun gesetzlich verpflichtet, mindestens60 Prozent der anfallenden Wärme zu nutzen.Die Güllevergärung ist besonders Klima schonendund förderungswürdig. Daher wurde im EEG 2009der so genannte Güllebonus für alle Biogasanlageneingeführt, die mindestens 30 Prozent Güllenutzen. Zusätzlich konnten Biogasanlagenbetreiberden Bonus für den Einsatz von Energiepflanzen(NawaRo-Bonus) in Anspruch nehmen.Gerade in Regionen mit vielen Tierställen führtediese Kombination zwischen 2009 und 2011 zueinem regelrechten Boom beim Anlagenneubau,der intensive Diskussionen über die Biogasnutzungauslöste. Das EEG 2012 sieht keinenGüllebonus mehr vor. Somit ist der Zubau vonBiogasanlagen in den Konzentrationsregionenweitestgehend zum Erliegen gekommen, wasdie Lage entspannt.ERNEUERBARE ENERGIENWÄRMEGESETZ (EEWärmeG)Mit einem Anteil von knapp 50 Prozent amEnergieverbrauch ist der Wärmesektor noch vorStrom (22 %) und Kraftstoffen (30 %) der wichtigsteEnergiebereich. Das 2009 eingeführte ErneuerbareEnergien Wärmegesetz (EEWärmeG)verpflichtet Bauherren dazu, einen bestimmtenAnteil der Wärmebereitstellung im Neubau überErneuerbare Energien zu realisieren. Der Hauseigentümerkann die Pflicht auch erfüllen, indemer zur Gebäudeheizung mindestens 30 ProzentBiomethan in einem (kleinen) Blockheizkraftwerkeinsetzt.BIOKRAFTSTOFFQUOTENGESETZUnternehmen, die in Deutschland Kraftstoffeverkaufen, müssen einen bestimmten Anteil,eine Quote, durch Biokraftstoffe wie Biodiesel,Bioethanol und Biogas, decken. Diese Verpflichtungist im Biokraftstoffquotengesetz geregelt.Biomethan als Kraftstoff gewinnt dabei zunehmendan Bedeutung. Da der Markt für Erdgasfahrzeugemit rund 90.000 in Deutschland nochrelativ klein ist, sind die Absatzmöglichkeiten fürBiomethan heute beschränkt. Damit der Biomethan-/Erdgas-Kraftstoffmarktschneller wächst,müssten verschiedene Maßnahmen umgesetztwerden. Der Fachverband Biogas hat der Politikentsprechende Vorschläge unterbreitet.29


BIOGASPOTENZIALE UNDPERSPEKTIVENBiogaspotenzial bis zum Jahr 20303.5003.000BIOMASSEPOTENZIALtechnisches Potenzial in MWinstallierbare Leistungrealistisches Potenzial in MWinstallierbare Leistungbereits installierte Leistung in MWProdukteRealistisches PotenzialInstallierbare Leistung [MW] Nettostromproduktion [TWh]2.50030Energiepflanzen 3.750 27,6Wirtschaftsdünger (Gülle, Mist, etc.) 1.081 8,0Ldwi. Nebenprodukte (Rübenblatt, Stroh, etc.) 902 6,6Rein pfl. Nebenprodukte (Rapskuchen, etc.) 337 2,5Bioabfälle 270 2,0Tier. Nebenprodukte (Tierblut, Fette, etc.) 114 0,8Summe 6.454 47,5Anmerkungen: Berechnung unter folgenden Annahmen: 2 Mio. ha Ackerflächen stehen für den Anbau von Energiepflanzenfür Biogas zur Verfügung; 8.000 Volllaststunden und 8 % Eigenstrombedarf; Quelle: eigene BerechnungenBei einem Eigenstrombedarf von acht Prozent sowie 8.000 Volllaststunden könnten somit 57,6 Terrawattstunden Stromerzeugt werden, was etwa elf Prozent des heutigen Stromverbrauchs in Deutschland darstellt.BIOGASPOTENZIAL BIS 2030Häufig wird die Frage gestellt, wie viele Biogasanlagenin Deutschland noch gebaut werdenkönnen und welche Strommenge sich dannproduzieren lässt. Der Fachverband Biogas e.V.hat versucht, die erfassbaren Einsatzstoffmengenabzuschätzen. Dabei wurden zum einenAbfälle, Reststoffe und Nebenprodukte erfasst.Es wurde mit realistischen Mengen kalkuliert,da nicht davon ausgegangen werden kann, dassimmer der komplette Stoffstrom den Weg in eineBiogasanlage findet. Zum anderen ging es umeine realistische Einschätzung beim Anbau vonEnergiepflanzen.Viele Studien kommen zu dem Ergebnis, dassauch in Zukunft noch weitere Flächen für den Energiepflanzenanbauzur Verfügung stehen werden.Gründe hierfür sind steigende Erträge undeine höhere Effizienz in der landwirtschaftlichenProduktion. Beim Anbau von zwei MillionenHektar Energiepflanzen für die Biogasproduktionerrechnet sich ein aufsummiertes Potenzialvon etwa 6.500 Megawatt installierbarer elektrischerLeistung, woraus 47,5 TerawattstundenStrom erzeugt werden können – genug Stromfür rund 13,6 Millionen Haushalte. Im Jahr 2030könnten knapp zehn Prozent des heutigenStromverbrauchs aus Biogasanlagen stammenund damit sechs Kernkraftwerke ersetzt werden.2.0001.5001.000500NawaRo:Mais, GPS,alternativeEnergiepflanzen,etc.BIOGASPERSPEKTIVENWD tierischerHerkunft:Gülle, Mist, etc.„Nichtflächen”–NawaRos:Stroh, Kartoffelkraut,Rübenblatt, etc.Biogas ist derzeit der einzige regenerative Energieträger,der zu geringen Kosten über das Erdgasnetzoder die Folienspeicher der Biogasanlagengespeichert werden kann. Um die Spitzenund Täler der Stromproduktion aus WindkraftundPhotovoltaikanlagen im künftigen Energiesystemmanagen zu können, bedarf es einer steuerbarenerneuerbaren Stromerzeugungsoption.Zumindest teilweise kann Biogas diese Funktionin den nächsten Jahren übernehmen. Daher wirdBiogas bei der Umsetzung der Energiewende einezentrale Rolle spielen.Rein pfl. Nebenprodukteliste:Schlempe, Treiber,etc.Bioabfälle:Biotonne,Marktabfälle, etc.TierischeNebenprodukte:Speiseabfälle, Fette,etc.Annahme: Zwei Mio. ha Ackerflächen stehen für denAnbau von Energiepflanzen für Biogas zur Verfügung.Berechnungen FvB 2012; Datengrundlage KTBL 2010;DBFZ 2011Neben der bedarfsgerechten Stromproduktionwird die Bedeutung von Biogas als Kraftstoff inErdgasfahrzeugen zunehmen. Hier reduziert esdie Treibhausgasemissionen im Vergleich zumBenzin deutlich. So hilft Biogas auch den Automobilherstellern,ihre Flottenemissionen zu senken.Darüber hinaus wird Biogas zukünftig auchbeim Ersatz von Erdgas in der stofflichen Verwertungeine zunehmend größere Rolle spielen. Invielen industriellen Anwendungen wird Erdgasbenötigt, das nach und nach durch eine erneuerbareAlternative ersetzt werden muss.31


FAKTEN STATT VORURTEILEEs wird behauptet:BIOGASANLAGEN ERHÖHENDIE PACHTPREISEEs wird behauptet:BIOGASANLAGEN SIND LAUT UND STINKENEs wird behauptet:BIOGASANLAGEN SORGENFÜR MEHR VERKEHREs wird behauptet:BIOGASANLAGEN SIND SCHULDAM HUNGER IN DER WELTTatsache ist: Biogasanlagen sind keine Gelddruckmaschinen!Wie in allen anderen Bereichender Landwirtschaft muss auch der Betreiber einerBiogasanlage mit spitzem Bleistift rechnen. Fürseinen erzeugten Strom erhält er über 20 Jahrengleichbleibend die im EEG festgeschriebenen Vergütungen.Der Preis für die Biomasse schwankthingegen erheblich. Daher ist der Landwirt gezwungen,in Zeiten günstiger SubstratpreiseRücklagen für schlechtere Zeiten zu bilden. Wermit kurzfristig höheren Gewinnmargen teurePachtpreise zahlt wird langfristig mit seiner Biogasanlagekeine schwarzen Zahlen schreiben.In manchen Gegenden – vor allem in solchen mittraditionell hohem Tierbestand – ist die Situationtatsächlich angespannt. Um Flächenkonfliktezu vermeiden rät der Fachverband Biogas, neueAnlagen standortangepasst zu bauen. Die Größeder Biogasanlage sollte sich an der in der Regionvorhandenen Substratmenge orientieren. Fallszusätzliche Energiepflanzen benötigt werden istder Zukauf von Substraten einer Flächenpachtgenerell vorzuziehen.Tatsache ist: Ordnungsgemäß betriebeneBiogasanlagen stinken nicht! Sie sorgen imGegenteil sogar dafür, dass die zum Düngenauf die Felder ausgebrachte Gülle wenigerriecht. Durch den Vergärungsprozess im Fermenterverringert sich die Geruchsintensitäterheblich. Viele Biogasanlagen stehen interessiertenGästen für eine Besichtigung – undGeruchsprobe – offen. Eine Übersicht überdiese Referenzanlagen gibt der Biogasatlasauf der Seite www.biogas-kanns.de.Analog zum Geruch sind auch Geräuscheüber entsprechende Vorgaben geregelt. Biogasanlagenmüssen gesetzliche Grenzwerteeinhalten. Durch erfahrene Planer und dierichtige Standortwahl, die Verwendung geräuscharmerKomponenten (schallisolierteBHKW-Räume oder Antriebe) und Schallschutzmaßnahmen(Erdwall, Gebäudeanordnung,etc.) lassen sich Lärmemissionenvermeiden.Tatsache ist: Der Betrieb einer Biogasanlageerfordert eine gewisse Logistik: Gülle und Energiepflanzenmüssen zur Anlage hin gefahren unddie ausgegorenen Gärprodukte werden späterauf den landwirtschaftlichen Flächen ausgebrachtwerden. Dieses Verkehrsaufkommen ist mit dem inder klassischen Landwirtschaft vergleichbar. Auchhier werden Flächen bewirtschaftet und Gülle fälltin der Viehhaltung ohnehin an. In der Regel lässtsich das Transportaufkommen auf wenige Fahrtenund kleine Zeitfenster reduzieren.Ein verantwortungsvoller Anlagenbetreiberstimmt sein Logistikkonzept im Vorfeld mit denAnwohnern ab. Über maximale Lenkzeiten inden Nächten, angepasste Geschwindigkeitenund andere freiwillige Maßnahmen lässt sichreden. Das vermeidet potenzielle Verkehrsbelastungenund schafft Vertrauen und Akzeptanzbei der Bevölkerung.Tatsache ist: Seit über 40 Jahren ist die Zahlder Hungernden in der Welt konstant. Rund800 Millionen Menschen leiden an Unterernährung.Diese Situation hat aber nicht das Geringstemit dem Energiepflanzenanbau zu tun,der erst seit 15 bis 20 Jahren praktiziert wird.Es ist vielmehr ein Problem der Massenproduktionin einer globalisierten Ernährungsindustrie:In vielen Entwicklungsländern wurde die heimischeAgrarstruktur durch den Import billiger,subventionierter Lebensmittel zerstört. Sie sindnicht mehr in der Lage, sich selbst zu versorgenund von der Preispolitik ausländischer Anbieterabhängig.Auf der anderen Seite scheint die Wertschätzungvon Nahrungsmitteln in den sogenannten entwickeltenLändern immer weiter zu sinken: Untersuchungenzufolge landet in Deutschland runddie Hälfte aller angebauten und produziertenLebensmittel – bis zu 20 Millionen Tonnen imJahr – im Müll. Das meiste schon auf dem Wegvom Acker in den Laden.3233


Der Fachverband Biogas e.V. ist die größte Interessenvertretung für Biogas in Europa.Die hauptamtlichen Mitarbeiter in Freising, Berlin und in den Regionalbüros werdenvon zahlreichen ehrenamtlich Aktiven in 23 Regionalgruppen unterstützt. Das Zielist der weitere nachhaltige Ausbau der Biogasnutzung in Deutschland.www.biogas.orgwww.biogas-kanns.dewww.biogas-tour.dewww.farbe-ins-feld.deHauptgeschäftsstelleAngerbrunnenstr. 1285356 FreisingTel.: 08161 - 98 46-60Fax: 08161 - 98 46-70E-Mail: info@biogas.orgHauptstadtbüroSchumannstr. 1710117 BerlinTel.: 030 - 27 58 179-0Fax: 030 - 27 58 179-29E-Mail: berlin@biogas.org36

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