08 10 IV - Московская немецкая газета - MDZ-Moskau

mdz.moskau.eu

08 10 IV - Московская немецкая газета - MDZ-Moskau

Nr. 11 (354) Juni 2013w w w . m d z - m o s k a u . e uUNABHÄNGIGE ZEITUNG FÜR POLITIK, WIRTSCHAFT UND KULTUR • GEGRÜNDET 1870SCHLUSSSTRICHEr war „Held der Sowjetunion“.Dann fing einMilitärflieger noch einmalganz von vornan – als Indianer.SCHLUSSSPURTEnde Juni endet dasDeutschlandjahr in Russland.Die letzten Highlightsund eineerste Bilanz.НЕМЦЫ РОССИИВозможна ли ихреабилитацияи насколькоона вообщевостребована?08 10 IVSTICHWORTEBestes StadtoberhauptRuss lands.Mit diesem Titel wurde Said Amirow,Bürgermeister von Machatschkalain Dagestan, bei einem Wettbewerbdes Regionalministeriums im Aprilausgezeichnet – und jetzt in einerSonderoperation wie aus dem Kinowegen des Verdachts der Anstiftungzum Mord festgenommen.Alle unsere Ziele und Wertesind amerikanisch. Nur dieHomosexuellen haben noch nichtgesiegt.Wassilij Jakemenko, ehemaligerChef der kremltreuen Jugendorganisation„Naschi“ und Mitbegründerdes umstrittenen Schulungslagersam Seliger-See, im Interview mitLenta.ru.Sobjanin weg und doch nicht wegDrei Tage, nachdem Sergej Sobjaninim Gorki-Park in die Pedalegetreten hatte, um die soebeneröffneten Verleihstationen zupromoten, setzte er Anfang Juniganz andere Räder in Bewegung.Moskaus Bürgermeister reichteseinen Rücktritt ein.Der 54-Jährige war 2010 vomKreml ernannt worden, seineAmtszeit läuft noch bis 2015.Das Feld räumen will er nicht,im Gegenteil: Sobjanin strebt an,auch über 2015 hinaus weiter zuregieren. Dafür muss er sich –nach Wiedereinführung der Gouverneurswahlen– dem Votum desVolkes stellen. Das soll nun offenbarbereits in diesem Jahr geschehen,offiziell, um den Amtsinhaberdurch den Wählerwillenstärker als bisher zu legitimieren.Sobjanins Rücktritt macht vorgezogeneNeuwahlen erforderlich,die voraussichtlich Anfang Septemberabgehalten werden undbei denen er als klarer Favoritgelten darf.Als Gegenkandidaten habensich unter anderem die bekanntenOppositionellen Michail Prochorowund Alexej Nawalnyj insGespräch gebracht. Dass sie nunallerdings in den SommermonatenWahlkampf betreiben müssten,lässt sie von einer Finte sprechen.Prochorow bezeichnete dieNachricht auf „Echo Moskwy“ als„Schlag gegen die Interessen derMoskauer“. Nawalnyj schrieb inseinem Blog, das Ganze sei eine„widerwärtige, verlogene Clownsnummer“.tkRosatomUm ehrlich zu sein, gibt eshier nur eine Marke – dasist Putin. Deshalb sind wir alsLand nicht angesagt. Wir müssenes aber angesagt machen, dannkommt auch das Kapital vonallein.Ex-Präsidentschafts-Kandidat undMultimilliardär Michail Prochorowzu Studenten in Krasnojarsk.Unter Berücksichtigungdessen, dass die Sterberateim Lande gesunken ist und sichmit der Geburtenrate deckt, istder Bevölkerungsverlust praktischgestoppt.Russlands GesundheitsministerinVeronika Skworzowa vor der Presse.Ausgabe vom 6. bis 19. Juni16+Winterdienstim SommerDer Atomeisbrecher „Jamal“befindet sich auf Rettungsfahrtin der Arktis. Am 1. Juniist das Schiff von Murmanskaus in See gestochen undsoll nach 10 bis 14 Tagen dieBeaufortsee vor der KüsteKanadas erreichen. Dort warAnfang Mai die russischePolarstation „Nordpol-40“ ineine prekäre Lage geraten: Diemehrere Meter dicke Scholle,auf der sich die Wohn- undWirtschaftsgebäude befanden,zerbrach wegen warmerWitterung in kleinere Teile.16 Wissenschaftler des ArktisundAntarktis-Forschungsinstitutsin St. Petersburg, dieseit Oktober im Eis des NordpolarmeeresKlimadaten erheben,saßen in der Falle. Nunsollen sie geborgen und nachHause gebracht werden.Forschung im VerdachtLewada-Zentrum verzichtet auf AuslandsgelderVon Tino Künzel /tinok@martens.ru„Soziologische Umfragen sindein Thermometer, das anzeigt, wiekrank die Gesellschaft ist. Wer dasThermometer zerschlägt, der versagtsich die Chance auf Genesung.“Jelena Nachapetowa aus Moskauschreibt das im Internet. Sie hatsich online einer Petition deutscherWissenschaftler und Journalistengegen die Stigmatisierungdes Lewada-Zentrums als „ausländischerAgent“ angeschlossen.Ihr kurzer, bildhafter Kommentarerklärt, warum.Rund 13 000 Menschen habendie Petition (siehe auch InterviewSeite 2) mittlerweile unterschrieben.Auslöser war eine staatsanwaltliche„Ermahnung“, die MitteMai dem renommierten MeinungsforschungsinstitutLewada-Zentrumzuging und in dem es aufgefordertwurde, sich an die Gesetzezu halten. Konkret war das seitHerbst 2012 geltende „Agentengesetz“gemeint, das politisch tätigenichtkommerzielle Organisationenverpflichtet, sich bei Inanspruchnahmevon Finanzquellen aus demAusland als „ausländische Agenten“zu registrieren. Das Lewada-Zentrumhat in der Vergangenheit tatsächlichGelder aus dem Auslandbezogen, etwas von der Ford- oderder Soros-Stiftung. Dies sei jedochkein Sponsoring, es handele sichum projektgebundene Mittel undHonorare, die 1,5 bis 3 Prozent desJahresetats ausmachten, so InstitutsdirektorLew Gudkow.02РЕКЛАМА


MOSKAUER DEUTSCHE ZEITUNGNR. 11 (354) JUNI 2013BLICKPUNKT03„Zu Hause rumzusitzen“wäre das LetzteZum Start der Sommerferien: DreiSchüler aus der Provinz über ihre PläneKind müsste man noch mal sein – allein schon wegen der großen Ferien. In Russlanddauern die gleich den ganzen Sommer, nämlich vom 1. Juni bis 31. August.Die MDZ hat drei Schüler aus russischen Provinzstädten am Telefon oder im SozialnetzwerkVkontakte gefragt, was sie mit dieser Herrlichkeit anzufangen gedenken.WladimirPawljutschuk,12 JahreUchta(1700 Kilometervon Moskau)Hallo Wowa, wo erreiche ich dichdenn gerade?Ich bin mit meinen Eltern in derTürkei, am Mittelmeer.Fünf Sterne, all inklusive?Klar, darunter macht man es jaheutzutage nicht. Wobei wir unsim Hotel ein bisschen vorkommenwie an der russischen Schwarzmeer-Küste,weil die allermeistenGäste Russen sind.Du wohnst in Nordrussland. Wiegefällt es dir im Süden?Gut. Aber wir sind schon das dritteMal hier. Das ist auf jeden Fallmein letzter Türkei-Urlaub. Wasmich jetzt viel mehr reizt, sindLänder wie Deutschland, Italienoder Spanien.Von Tino Künzel / tinok@martens.ruWas steht diese Ferien noch an?Wir sind fast die gesamte Zeit mitmeiner Fußballmannschaft bei Turnierenoder im Trainingslager.Ein idealer Ferientag ist für dich?Wenn ich mit Freunden von früh bisabends auf dem Fußballplatz bin.Und nach dem Fußball? Sofa,Fernsehen und Chips?PlayStation, Obst und Saft.Was geht im Sommer gar nicht?Zu Hause rumzusitzen und sichder Hitze auszuliefern.AndrejAgafonow,8 JahreWorkuta(2300 Kilometervon Moskau)Was ist das Beste an denSom merferien?Das Beste ist, dass ich keinen Gipsmehr tragen muss. Ich habe mirLeinen los: Sonne, Wasser und Bewegungsind auch in Russland die klassischenZutaten für tolle Sommerferien.gleich nach den Neujahrsferienden Arm gebrochen, als wir in derSchule Fange gespielt haben. DreiMonate musste der Gips dranbleiben,aber jetzt ist er zum Glückschon eine ganze Weile ab.Welche Pläne hast du für die dreiFerienmonate?Wahrscheinlich fahre ich insFerien lager ans Meer. Vielleichtauch mit der Oma nach Rybinsk.Da gibt es viele Möglichkeiten zumSpielen und einen großen Hund.Und wenn du zu Hause bist, womitbeschäftigst du dich dann?Ich lese gern. Meine Mama hat mirgerade ein neues Buch gekauft. Esheißt „Filipok“. Das sind Erzählungen,Fabeln und Märchen. Ichschaue mir auch oft Enzyklopädienan, über Planeten, Tiere und sogarBlumen. Und ich zeichne viel.Wird dir die Schule fehlen?Zumindest werde ich nicht traurigsein, wenn am 1. September dasneue Schuljahr beginnt. Darauffreue ich mich jetzt schon.AljonaKotschurowa,15 JahreSchadrinsk(1800 Kilometervon Moskau)Tino KünzelSind drei Monate Ferien amStück nicht ein bisschen viel?Nein, der Sommer sollte schulfreisein. Und für mich sind es auch nurzweieinhalb Monate. Wir habengerade Prüfungen. Am 19. Juni istunser Abschlussball.Was gibt es zu feiern?Mit der neunten Klasse endet fürviele die Schulzeit. Ich persönlichmache zwar bis zur elften weiter,aber ich bin in der Minderheit.Wir hatten an unserer Schule dreineunte Klassen mit 66 Schülern.Davon bleiben wenig mehr als 20übrig. Die Abgänger beginnen eineBerufsausbildung.Worauf freust du dich mit Blickauf die Ferien am meisten?Ich bin heute wegen der Matheprüfungum 4.45 Uhr aufgestanden.Also werde ich viel Schlaf nachzuholenhaben. Und dann will ich mitmeinen Freunden endlos durch dieGegend ziehen. Ganz egal, wo undwohin, die Hauptsache ist, dass wirzusammen sind.Du fährst nicht weg?Höchstens mal an den See.Kein Fernweh?Ich bin in den letzten Jahren auchso viel herumgekommen. Erst vorkurzem war ich im Sanatorium inPjatigorsk, das ist im Kaukasus.Und mein Lieblingsurlaubsortam Schwarzen Meer ist Gelendschik.Da war ich zwei Mal mitmeinen Eltern. Letzten Sommerhaben wir kurz vor unserer Abreisenoch eine Unwetterkatastrophemiterlebt. Ich werde nie vergessen,wie die Stadt danach ausgesehenhat.Womit willst du die jetzigenFe rien verbringen?Ich lerne in der Schule Deutschund habe auch schon an Deutscholympiadenim In- und Auslandteilgenommen. Die Ferien will ichdazu nutzen, etwas für den Wortschaftzund die Grammatik zu tun.Und dann möchte ich mir auchein wenig Taschengeld verdienen.Ich singe in einer Mädchengruppe,unsere Auftritte werden unsbezahlt. Wir tragen Coverversionenvon russischen Popsongs beiFesten vor. Sogar Preise haben wirschon gewonnen.РЕКЛАМАIMMOBILIENAKTUELLE BÜROOBJEKTEBUCHHALTUNG/STEUERBERATUNGDie MDZ bringt IhnenRussland nahe!DeutscheImmobilienmaklerinMoskauBÜROS IM GERMAN BUSINESSCAMPUS ZU VERMIETEN- Zentral in Moskau10 Minuten Fußwegvon Metro Paveletskaya- Büroflächen von 15 bis 400 m² zu vermieten- Deutscher Vermieter und deutsche Firmenin direkter Nachbarschaft- Juristische Adresse inklusiveOUTSOURCING BUCHHALTUNGSTEUERBERATUNGFINANCIAL REPORTING (IFRS, HGB)Einfach gewünschtes Abonnementauswählen, und der Kurier kommtdirekt nach Hause oder ins Büro*MINI-ABO – 900 RubHALBJAHRES-ABO – 1 524 RubJAHRES-ABO – 2 520 RubNähere Informationen unterwww.mdz-moskau.euoder per Tel. +7 (495) 531-68-87* gültig nur in MoskauGerman Competence Center OOO115114 Moskau, RusslandShlyuzovaya Nab., dom 8, str. 1Office 406 (4. Etage)Tel: +7 499 678 25 65Mobil: +7 915 496 85 65Ansprechpartner:Dimitri Volodinvolodin@german-center.euWWW.GERMAN-CENTER.EUIhr Ansprechpartnerfür weitere Infos undBesichtigungstermine:Dimitri VolodinTel.: +7 (499) 678 25 65Mobil: +7 (915) 496 85 65volodin@german-center.euMITTEN IN MOSKAUim German Business CampusDie 1. Adresse für deutscheFirmen in RusslandRUFIL OOO115114 Moskau, RusslandShlyuzovaya Nab., dom 8, str. 1Office 414 (4. Etage)Tel: +7 (495) 233 01 25+7 (495) 221 26 65Fax: +7 (495) 221 26 67Ansprechpartner:Anton Schneider und Philipp Roweschneider@rufil-consulting.comrowe@rufil-consulting.comWWW.RUFIL-CONSULTING.COMРЕКЛАМА


WIRTSCHAFT05MOSKAUER DEUTSCHE ZEITUNGNr. 11 (354) JUNI 2013Russland kippt dank deutschem FensterzuliefererRoto Frank ist in seiner Nische spitze. Matthias Eberlein über den großen Schritt nach OstenDer schwäbische Hersteller von Fensterbeschlägen Roto Frank ist2013 mit dem Mittelstandspreis der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammerausgezeichnet worden. Er hat Mitten in der Krise2008/2009 eine eigene Fabrik in der Nähe von Moskau errichtet.35 Millionen Euro hat dasFamilienunternehmen in dieFabrik bei Moskau gesteckt.Von Bojan Krstulovic / mdz@martens.ruOb sie es will oder nicht, wenn diegehobene russische Mittelschichtlüftet, hat sie es wahrscheinlichmit Roto Frank zu tun. Kaum einNeubau in Russland, der nicht auf„europäische“ Fenster setzt, diesich luftdicht verriegeln und nichtzuletzt auch kippen lassen. Dafürist das Produkt des schwäbischenFamilienunternehmens zuständig,der Fensterbeschlag.Roto Frank kam 1995 mit einerVertriebsrepräsentanz nach Moskau,2004 eröffnete es dort einMontagewerk mit 80 Mitarbeitern,in dem die Beschläge nur zusammengebautwurden. Werksleiterwar Matthias Eberlein, der heutigeGeneraldirektor in Russland. „Wirhaben sehr klein angefangen, umzu sehen, ob unsere Kunden überhauptProdukte Made in Russiaakzeptieren“, so Eberlein.Die russische Fabrik ist seit 2008in Betrieb. Das Werk befindet sichbei Noginsk, einer 100 000-Einwohner-Stadtetwa 50 Kilometeröstlich von Moskau. Die Bauinvestitionenbetrugen nach Angabenvon Roto Frank etwa 15Millionen Euro, dazu kommennoch 20 Millionen Euro für denMaschinenpark.Den Bedarf für Drehkippgarniturenin Russland schätzt Eberleinauf 30 Millionen Stück pro Jahr.Bei einem Preis von zehn Euroergibt das einen Markt von 300Millionen Euro. Es gebe so gut wiekeine russischen Konkurrenten.Der Marktanteil von Roto liegebei einem Drittel, womit man mitAbstand Marktführer sei.Das noch junge Werk bei Moskauist eines der modernsten im gesamtenUnternehmen. Auch wennman die Herstellung in Zukunftnoch mehr automatisieren werde,seien die Maschinen nicht entscheidend,erzählt Anton Iwanzow,der bei Roto für Werksführungenzuständig ist. Sie könne schließlichjeder andere auch kaufen. DasWichtigste sei die Organisation derArbeit. Als Beispiel nennt Iwanzowdie Farbe der Arbeitskleidung, diesich je nach Fabrikbereich unterscheidet.So kämen die Mitarbeiternicht so leicht in Versuchung,ihren eigenen Sektor zu verlassen.Außerdem ist auf jedem produziertenElement ein Kürzel für den verantwortlichenArbeiter angebracht,wodurch bei Mängeln schnell aufden Verantwortlichen geschlossenwerden könne.Erst seit wenigen Jahrenkippen die Russen ihre FensterRoto Frank stellt bei Moskau einProdukt her: Dreh-Kipp-Beschläge.Diese erlauben es, die Fenstersowohl mit einer Schwenkbewegungzu öffnen wie auch zu kippen.In Russland sind sie seit den 1990-er Jahren bekannt, als Kunststofffensterin größeren Stückzahlenauf den Markt kamen. Traditionellwurden in Russland Holzrahmenverbaut, die über Minifensterzum Belüften und Regulieren desRaumklimas verfügten (die sogenannten„Fortotschkas“). Ihnengegenüber haben die „deutschen“beziehungsweise „europäischen“Fenster vor allem Vorteile bei derAbdichtung. Das ist nicht nur demMaterial geschuldet: Der Dreh-Kipp-Beschlag erzeugt auf allenvier Fensterseiten einen Andruck,so dass weniger Wärme aus derWohnung entweicht.Die fertigen Beschläge werdennicht etwa an die Fensterherstellergeliefert, sondern anBeschlaghändler, die sie an dieHersteller weiterverkaufen. Diesebauen dann die Fenster aus ihrendrei wesentlichen Komponentenzusammen – dem Fensterrahmen,dem Glas und dem Beschlag. Fürdiesen zahlen die Hersteller übrigens480 bis 720 Rubel (12 bis 18Euro), was in etwa ein Fünftel desFensterpreises ausmacht.Diese Metallbeschläge werdenvon den Schwaben auch inRussland produziert.Matthias Eberlein ist Chefvon Roto Frank in Russland.Herr Eberlein, wieso hat sich RotoFrank entschieden, in Russland zuproduzieren?Wir wollten nah am russischenMarkt sein. Bis zur Krise 2009 ister zwischen 20 und 40 Prozentpro Jahr gewachsen. Russland istder größte Markt für Dreh-Kipp-Fenster in Europa, wahrscheinlichsogar auf der ganzen Welt. Zwarwerden in Nordamerika oder inChina mehr Beschläge verkauft,aber nicht die Dreh-Kipp-Technologie,wie in Deutschland üblich.РЕКЛАМАWas waren die größten Herausforderungenbei diesem Schritt?Als Erstes natürlich die Infrastruktur.Hierfindet man in der Regelkeine fertigen Gewerbegebiete vor.Strom, Wasser, Straßen – das mussman alles selber machen. Ich haltedas heute für die größte Behinderungder wirtschaftlichen EntwicklungRusslands. Um das Jahr 2000konnte man noch auf vorhandene,brachliegende Industriekapazitätenzurückgreifen, etwa irgendwelcheHallen, die leer standen unddie Anschlüsse noch hatten. Seitdemist nichts mehr nachgekommen,und im Ergebnis stagniert dasWirtschaftswachstum.Dazu kommt die schwierige Lagemit den Zulieferern in Russland,etwa von Stahl, den wir brauchen.Die russische Industrie ist aufExport eingestellt und nicht aufAbsatz im eigenen Land. Das bringtgewisse Schwierigkeiten mit sich.Wir brachen zum Beispiel speziellgewalzten Stahldraht. Das ist keinStandardprodukt, das wir einfacheinkaufen können. Um den herstellenzu können, sind bestimmteInvestitionen seitens des Lieferantennotwendig. Man muss ersteinen finden, der dazu bereit ist. Esgibt hier auch nicht den qualifiziertenStahlhandel wie in Deutschland.Auch dort kaufen wir nicht direktbei den Stahlherstellern wie Thyssenoder Klöckner, sondern beiZwischenhändlern.Viele deutsche Unternehmen inRussland haben Schwierigkeiten,Personal zu finden. Sie auch?Wir spüren schon einen extremenMangel an Arbeitern. Unsere Löhnebewegen sich im unteren Mittelfelddes Branchenschnitts, und eskann auch passieren, dass mal 20Mitarbeiter nicht mehr kommen,weil ihnen eine neue Fabrik in derGegend 3000 Rubel mehr zahlt.Wieso zahlen Sie dann nicht überdem Durchschnitt?Das bringt nichts. Wenn wir 200Euro mehr bieten, ziehen die anderennach und die Spirale fängt wiedervon vorne an. Unseren Produktenliegt eine bestimme Kalkulationzu Grunde und wir können nichtohne Ende an der Lohnschraubedrehen. In den letzten vier JahrenRoto Frank (3)ging es nur nach oben, die Gehälterhaben sich von 15 000 Rubel fastverdoppelt. Das ist auch ein Grund,wieso wir die Fabrik weiter automatisierenwerden, neben dem Mangelan Arbeitskraft. Wir bringenja mittlerweile unsere Mitarbeiteraus einem Umkreis von 100 Kilometernmit Bussen zum Werk.Auf dem Weg zu Ihnen nachNoginsk sind wir lange im Staugestanden …Das ist ein riesiges Problem, vorallem für die Mitarbeiter. 2008war ich eine Stunde vom DeutschenDorf in Moskau zum Werkunterwegs. Jetzt fahre ich fast dreiStunden. Als wir die Standortentscheidunggetroffen haben, gab esdrei Autobahnprojekte, darunterauch einen Autobahnring. Das istalles völlig im Sande verlaufen.Was bringt Ihnen eine Auszeichnungwie der Mittelstandspreis? Siesind ja kaum auf Bekanntheit beimbreiten Publikum angewiesen.Das stimmt, mit den Fensterkäufernhaben wir nicht viel zu tun.Niemand wird extra darauf bestehen,ein Fenster nur mit unserenBeschlägen zu kaufen. Das isttypisch für den deutschen Mittelstand.Oft sind unsere FirmenWeltmarktführer, aber in ihrersehr kleinen Nische. Und viele stellenwie wir Sachen her, die irgendwoeingebaut werden und damitfür den Endverbraucher nichtmehr sichtbar sind. Dennoch ist soeine Auszeichnung wichtig, etwafür unsere direkten Abnehmer,die Fensterproduzenten. Und dasPrestige hilft auch bei der Suchenach neuen Mitarbeitern.РЕКЛАМА


06MOSKAUERGESELLSCHAFTDEUTSCHE ZEITUNGNR. 11 (354) JUNI 2013Geflügelte Politik und tote Mäuse im KühlschrankEinsamer Falkner will die russische Tradition der Jagd mit Greifvögeln rettenZu Zeiten der Zaren war die Falkenjagd ein festliches Ereignis undein Instrument der Politik. Heute droht diese alte Kunst der Vogeldressurin Russland verloren zu gehen, meint Konstantin Sokolow,Falkner und Museum-Kurator am Rande von Moskau.Von Julia Alechno / redaktion@martens.ruBei gutem Wetter herrscht imMuseum der Falkenjagd im MoskauerUmland Hochbetrieb. Dreimaltäglich werden Besuchergruppenin die Kunst der Jagd mit abgerichtetenRaubvögeln eingeweiht.Die Hauptattraktion ist dabei derMann mit dem Lederhandschuh,ob mit oder ohne Vogel.In seinem bürgerlichen Lebenist Konstantin Sokolow Journalist.Doch der 48-Jährige hat ganzdem Federvieh verschrieben. Er istKurator des Falknerei-Museum,das sich in einem Naturgebiet etwazehn Kilometer nördlich von Moskaubefindet. Und er ist selbst Falkner,einer von wenigen in Russland.Sein Familienname ist übrigensvon „sokol“ abgeleitet, dasauf Russisch „der Falke“ bedeutet.„Das ist nur ein Zufall“, versichertKonstantin, der obendrein auchäußerlich irgendwie einem Greifvogelähnelt: die scharfe Nase, derbohrende Blick und zwei buschigeAugenbrauen.Wenn er den Kindergruppenvon der Jagd erzählt, von ihrenSitten und Bräuchen, sieht mandie Leidenschaft in seinen Augen.Er schildert, wie er zusammen mitHund und Falke über die Flurereitet und nach Jagdzielen sucht.Ist es gefunden, wird der Falkevom Handschuh gelassen. DerHund scheucht das Tier auf, undder Greifvogel stürzt wie ein Blitzauf sein Opfer. Danach muss derJäger gefüttert und gelobt werden,so Konstantin.Es ist ihm wichtig, seine Kenntnissean die junge Generation weiterzugeben.Gegenwärtig gebe esin ganz Russland nur eine einzigeBeizjagd-Schule und sehr wenigeLeute, die eine solche Jagdtechnikwirklich anwenden. „Bei uns istdie Kunst der Falknerei heute beinaheverloren gegangen“, bedauertKonstantin. Unter Monarchenhabe die Falkenjagd in Russlandihre Blütezeit erlebt. Hundertevon Menschen aus dem Zarengefolgenahmen an dieser feierlichenHandlung teil, und die Jagd seiein wirksames Politikinstrumentgewesen, eine universelle Sprache,die das Volk vereinte. Das Amt desIch bin schonverrückt. Nur meineFrau und einigeVerwandte verstehenmich.Falkners, zu dem man mit einembesonderen Ritual geweiht wurde,sei am Hof des Monarchen hochgeachtet gewesen, weil die Beizvögelals der Stolz des Zaren gegoltenhätten. „Einen Falken zu verlierenJulia Alechnowar so schlimm wie die rechteHand einzubüßen.“Sokolow will diese Jahrhundertealte Tradition vor dem Untergangbewahren. „Die Falknerei ist nichtein Hobby, sondern mein ganzesLeben – ein ziemlich wunderlichesund einsames“, sagt er. Wunderlichund einsam ist, wer wie SokolowMäuse- und Vogelleichen im Kühlschrankhält, die Leckerbissen fürFalke, Habicht und Adler; wer Tagund Nacht durch Moskau hetzt,auf der Suche nach seinen Vögeln,die ihm von zu Hause davongeflogensind. „Ich bin schon verrückt“,meint Sokolow. Finanziell zahle ernur drauf. Die Beizjagd selbst bringekeinen Erlös, wobei Kosten fürdie Ausrüstung und Erhaltung derVögel anfielen. „Nur meine Frauund einige Verwandte haben fürmich Verständnis.“Seit etwa 15 Jahren verbringtSokolow einen Großteil seiner Zeitmit der Falknerei. Sein Wissenhat er sich selbst angeeignet, mitExperimentieren und den wenigenBüchern, die es dazu auf Russischgegeben habe. Weil ihm dasnicht reichte, hat zum Beispiel dasberühmte Falkenbuch von KaiserFriedrich II. aus dem 13. Jahrhundertfür sich übersetzt. „Den erstenVogel versuchte ich noch selbst zufangen. Ohne Erfolg. Also habe ichihn mir am Ende auf dem Vogelmarktgekauft.“ Aber der Habicht,Konstantin Sokolowist einer der wenigenFalkner in Russland.den er Kai nannte, flog nach einigerZeit davon. „Greifvögel akzeptierenkeine Autoritäten, nur dieFreiheit.“ Auch Sokolow fühlt sichfrei von der Gesellschaft, weil erals Falkner keine Vorgesetztenund keine Untergebenen brauche.Diese Einstellung zum Leben habeihn die Jagd gelehrt. „Der Menschmeint, Gebieter der Natur zu sein.Bei der Falkenjagd wird er zumSklaven des Vogels, der ihn in dieKnie zwingt.“ Das dressiere denMenschen, die Natur zu würdigenund zu ihrem Wohl zu handeln– so beendet der Sokolow gerneseine Vorträge vor den Kindergruppen,die oft auf Ausflügen dasMuseum besuchen.RIA NovostiKrähen-Schreck und Putins Schutzengel:Falken im Dienste des StaatesElitesoldat mit elitärem Vogel. Das Kreml-Regiment präsentiert bei seinenParaden nicht nur Gewehr, sondern auch einige Greifvögel.Vier echte Falken sollen im MoskauerKreml Dienst tun, beim sogenannten„Falkendienst“. Ihre Aufgabeist es, mit scharfem Blick dierespektlosen Vögel zur Strecke zubringen, die es wagen, das Herz undHirn Russlands mit Exkrementenzu bombardieren. Besonders diegoldenen Kirchenkuppeln werdenvon Krähen und Tauben bedroht,aber Mäuse und Ratten im Übermaßhat man natürlich auch nichtgerne. Außerdem werden noch Falkenim sogenannten Kreml-Regimentgeführt, einer direkt dem russischenPräsidenten unterstelltenArmeeeinheit. Als Teil des FöderalenSchutzdienstes ist sie für dieSicherheit des ersten Mannes imStaat zuständig. An den mehrmalsim Jahr stattfindenden Paraden desRegiments nehmen auch die gefiedertenSoldaten teil. Während dieübrigen Tiergenossen ihrer Einheitauf vier Hufen über die Straßenund Plätze des Kremls traben müssen,werden die Falken stilgerechtvon Falkner-Offizieren getragen.Was im militärischen Ernstfall vonihnen erwartet wird, bleibt wohleines der vielen Geheimnisse desKremls.bkRussischeFesttageEintritt freiDeutsch-14.–16. Juni 2013digibet PferdesportparkBerlin-Karlshorst • Treskowallee 129www.drf-berlin.deKARAT(Kalinov Most)(Melnitsa)(Alexey Koslovsky)Eddie-Rosner-JazzfestivalJugendfestival „Neuer Wind“Festival „Kultur Brücke“Lesungen im LiteraturzeltTheater & FreiluftkinoDeutsch-Russischer RenntagРЕКЛАМА


MOSKAUER DEUTSCHE ZEITUNGNR. 11 (354) JUNI 2013GESELLSCHAFTM I N D E R H E I T E NEin aussterbendes VolkRumäniendeutsche zwischen Rumänien, Deutschland und Russland07Andrej KolobowSie tragen sächsischeTracht, sie singen sächsischeLieder, sie tanzensächsische Tänze:Volksfest der rumäniendeutschenMinderheit inHermannstadt/SibiuIn Rumänien leben noch etwa 35 000 Deutsche, ein Drittel von ihnenin Hermannstadt, rumänisch Sibiu. Die Siebenbürger Sachsen fühlensich und gelten auch als Deutsche. In der Bundesrepublik sind sie indes„die Rumänen“, die vom Ceausescu-Regime freigekauft wurden. Undauch mit Russland müssen sie ihren Frieden erst noch finden.Peter Knobloch (n-ost) / redaktion@martens.ruEr ist blond, eins neunzig und hatblaue Augen. Die rumänischenKinder gaben ihm den Spitznamen„Sachse“. Ein SiebenbürgerSachse, wie die älteste Gruppe derRumäniendeutschen sich nennt, ister zwar nicht. Aber sein russisches„R“ verrät ihn in Hermannstadtnicht – die Rumäniendeutschenrollen es genauso wie er.Geboren ist Andrej Kolobow inUljanowsk. Dort, erinnert sich derjunge Russe, machten viele Russlanddeutscheauf dem Weg in dieBundesrepublik halt. Die Sprachefaszinierte ihn. Kolobow wollteDeutsch lernen und evangelischeTheologie studieren. 1999 fandsein Pfarrer einen Sprachkurs fürihn im rumänischen Sibiu, Hermannstadt.Der Deutschunterrichtwar im Haus der damaligen theologischenFakultät, dem prächtigenBischofspalis der evangelischenKirche. Im Palast lernte Kolobownicht nur, er wohnte auch dort. Erfühlte sich wohl und blieb.Seit 2006 jobbt er, zunächstneben dem Theologie-Studium inder Jugendarbeit beim DemokratischenForum der Deutschen inHermannstadt. Dort trifft Kolobowüberwiegend auf Kinder ausrumänischen Familien, manchestammen aus Mischehen. Diemeisten „echten“ Sachsen sind alt.„Viele leben noch in der Vergangenheit,vor 20 bis 30 Jahren, alsovor der großen Auswanderungswelle“,sagt Kolobow. In ihremUniversum herrsche der Gedanke:„Die Sachsen sind noch da.“ DiesenSchein wahren zum Teil auchdie Kulturveranstaltungen desDeutschen Forums. Beim traditionellenMaifest etwa marschierenDutzende Paare in Nationaltrachtdurch die Hermannstädter Oberstadt,man sieht viele junge Gesichter.Siebenbürger Sachsen sindkaum dabei: „Sie tragen sächsischeTracht, sie tanzen sächsischeTänze. Und, wenn man Glück hat“,spottet Kolobow, „reden sie auchDeutsch“.Rumänenin DeutschlandDie Rumäniendeutschen sind einendes Volk: Waren es bei der Volkszählung2002 noch rund 60 000, sowaren es 2011 nur noch 36 000.Die Mehrheit der einst über einerhalben Million Rumäniendeutschenlebt längst in der Bundesrepublik.Die meisten SiebenbürgerSachsen – fast 100 000 – in Bayern.Bei ihrem jährlichen Heimattag inDinkelsbühl sagte MinisterpräsidentHorst Seehofer 2012: „WirBayern sind stolz auf unsere SiebenbürgerSachsen“. Von solchenLobsprüchen hält Andrej Kolobownicht viel: „Solange sie hier leben,akzeptiert man sie als Deutsche.Wenn sie nach Deutschland kommenund dort leben wollen, sindsie Rumänen.“„Arme Rumänin“ wurde auchDoris Zakel in ihrer Schulegenannt. Die heute 29-Jährige fühltesich damals wohl in Hermannstadt.Sie wuchs bei ihrer Großmutterin einem großen Haus mitGarten auf. Ihre Eltern brachten siedorthin, um sie besser versorgenzu können: In der Hauptstadt gabes noch kaum Milch, in der Plattenbauwohnungfiel oft der Stromund das Gas aus. Im Sommer 1987stellten die Zakels den Antrag aufAusreise in di--e Bundesrepublik.Sechs Monate später waren sie inNürnberg: Die Familie wurde, wieetwa weitere 230 000 Rumäniendeutsche,von der Bundesregierungfreigekauft. Der westdeutsche Staatzahlte an das Ceausescu-Regimefür einen gut ausgebildeten Deutschenbis zu 10 000 DM. Zwarsei das noch ein Tabuthema, sagtZakel, aber sie glaubt, dass dieBundesregierung stolz darauf sei.Überhaupt hat sie den Eindruck,dass die „Rumäniendeutschen einhohes Ansehen genießen, als einVorzeigebeispiel für positive Integration“.Der Beauftragte für Aussiedlerfragenund nationale Minderheitenim Innenministerium,Christoph Bergner, bezeichnetdie Rumäniendeutschen häufig alsBrückenbauer. Sein Ministeriuminvestiert in diesem Jahr knapp3,2 Millionen Euro in die deutscheMinderheit, 441 600 Euro kommenvom Auswärtigen Amt hinzu. DasGeld geht in Altenheime, deutscheUnternehmen, Jugendprojekteund die Förderung der deutschenSprache.INFODeutsche in RumänienKeine Minderheit wird in Rumänienso gelobt wie die deutsche. PräsidentTraian Basescu bezeichneteihren Weggang als großen Verlustfür sein Land. Das Gesicht derDeutschen ist auch das von KlausJohannis, Vorsitzender des DemokratischenForums der deutschenin Rumänien, der Hermannstadtseit 2000 als Bürgermeister vorsteht.Johannis so ein Brückenbauer:Er hat deutsche Unternehmer inseine Stadt geholt, die heruntergekommeneAltstadt neu aufgebautund Sibiu zur europäischen Kulturhauptstadt2007 gemacht. DieHermannstädter dankten es ihmund bestätigten Johannis im vergangenenSommer mit knapp 78Prozent zum vierten Mal. Dabeisind von den 137 000 Einwohnerngerade ein Prozent Deutsche.Im Februar trat Johannis derNationalliberalen Partei bei, derzweitstärksten Regierungskraft,wenige Tage später wurde er ihrzweiter Vorsitzender. Wie diemeisten Siebenbürger Sachsen warauch Andrej Kolobow von diesemSchritt geschockt, fühlten sich „einwenig verraten“. Zwar ist er Hermannstadtals Bürgermeister erhaltengeblieben, aber seinen Postenals Vorsitzender des DeutschenForums musste er räumen. Füreinen ebenso strahlenden Nachfolger,sagen Kritiker, habe Johannisnicht gesorgt, weil er niemandenneben sich geduldet habe. So verlordas Deutsche Forum mehr als nurseinen Vorsitzenden an die nationalePolitik.Obwohl das DemokratischeForum der Deutschen keine Parteiist, trifft es mit Wahllisten aufkommunaler und Kreisebene anund erzielt auch kleine Achtungserfolge.Würde es sich als Parteiregistrieren, verlöre das Forumden Status als Minderheitenverbandund damit den Anspruch aufstaatliche Förderung.Sicher ist es auch Klaus Johannis’Präsenz in Bukarest zu verdanken,dass in den vergangenenMonaten die für die Deutschenwichtigen Gesetzesreformen inGang gekommen sind. Mitte Maitrat ein neues Restitutionsgesetz inKraft, eine Reform zur Entschädigungder Russlanddeportierten sollfolgen: Nach dem Zweiten Weltkriegwurden etwa 70 000 Rumäniendeutscheaufgrund ihrer Ethniezur Zwangsarbeit in die Sowjetunionverschleppt, über 10 000 verlorendabei ihr Leben. Das Schicksaldieser Zwangsarbeiter beschreibtauch die aus dem Banat stammendeAutorin Herta Müller inihrem nobelpreisgekrönten Roman„Atemschaukel“.Die Überlebenden der Zwangsarbeiterhalten vom rumänischenStaat zwar seit 1990 einemonatliche Sonderrente – jedochnur, wenn sie noch rumänischeStaatsbürger sind. Alle, die ihrerumänische Staatsbürgerschaft inDeutschland abgelegt haben, gingenbisher leer aus. Ein Gesetz,das im rumänischen Senat bereitsmit breiter Mehrheit angenommenwurde, soll das ändern. AuchRussland trägt eine Verantwortungfür die in die Sowjetunionverschleppten rumäniendeutschenZwangsarbeiter. Dieser Verantwortunghat das Land jedoch bisherverweigert.Ein Rehabilitation, die nie ernst gemeint war1991 verabschiedete die Sowjetunion das Gesetz über die Rehabilitationunterdrückter Völker. „Die staatliche Politik der Willkür undder Gesetzlosigkeit beleidigt alle Völker des Landes“, heißt es im Textpathetisch. Das Gesetz erkennt alle vom Sowjetregime verfolgten Minderheitenan, der Staat soll sie für die Repressionen entschädigen. Wasaber nie geschah: „Das Gesetz widersprach der wirtschaftlichen Realität“,erklärt Tatjana Ilarionowa, Professorin für Staatsverwaltung ander Russischen Akademie der Volkswirtschaft. „Es war mehr ein Signalan die Nation, dass Russland sich demokratisieren wolle. Eine richtigeWiedergutmachung war wirtschaftlich gar nicht möglich“.


08MOSKAUERZEITGESCHEHENDEUTSCHE ZEITUNGNR. 11 (354) JUNI 2013waralbum.ruIwan Iwanowitsch,Häuptling der MohawkWie ein sowjetischer Fliegerheld ld in Kanadazum Indianer „Poking Fire“ wurdeFlying Bull: Iwan Dazenkohat den Krieg in Europaerlebt und den Frieden inAmerika. Er legte einen langenWeg vom Militärfliegerzum Indianerhäuptlingzurück – in jeder Beziehung.Diese Geschichte hätte Karl May vor Neid erblassen lassen: IwanDazenko, 26-jähriger Militärflieger in der Roten Armee, wird 1944von den Deutschen abgeschossen und in der Heimat für tot erklärt.23 Jahre später steht er einer sowjetischen Delegation in Kanadagegenüber – als Indianerhäuptling „Poking Fire“.1918 in der Ukraine geboren,kämpft Iwan Iwanowitsch Dazenkoim Zweiten Weltkrieg gegendie deutschen Invasoren. Er fliegtAngriffe auf kriegswichtige Objektejenseits der Frontlinie und nimmtauch an der Schlacht um Stalingradteil. Als stellvertretender Kommandeureiner Fliegerstaffel des zehntenRegiments der sowjetischenLuftstreitkräfte wird Dazenko 1943schwer verwundet. Die Staatsführungverleiht ihm den Ehrentitel„Held der Sowjetunion“.Am 19. April 1944, rund einJahr vor Kriegsende, nimmt dasSchicksal von Iwan Dazenko einejähe Wende. Bei der Bombardierungder Eisenbahnstation vonLwiw in der Westukraine wirdseine Maschine von der deutschenLuftabwehr getroffen und stürztab. Doch Dazenko kann sich mitdem Fallschirm retten. Der Hauptmannder Roten Armee gerät soallerdings in von der Wehrmachtbesetztes Gebiet und fällt denDeutschen in die Hände. Anschließendverlieren sich seine Spuren.In der Sowjetunion gilt er zunächstals vermisst und wird später für toterklärt.1967 findet im kanadischenMontreal die Weltausstellungstatt. Auch eine Delegation ausMoskau, die aus ZK-Mitgliedern,Parteifunktionären und sowjetischenKünstlern besteht, stattetder Expo ihren Besuch ab. Nachder Besichtigung äußern die hohenGäste den Wunsch, Indianer, ihreVon Igor Trutanow, Toronto / redaktion@martens.ruDie Staatsführungverleiht ihm denEhrentitel „Held derSowjetunion“.Kultur und Kunst kennenzulernen.Sie werden daraufhin mit Angehörigendes Mohawk-Stammesbekannt gemacht, die im ReservatCaughnawaga (heute Kahnawake)in der französischsprachigen ProvinzQuebec leben, und wohneneiner Aufführung mit 900 tanzendenMännern, Frauen und Kindernin bunten Indianertrachten bei.Der tschetschenische Tänzerund Schauspieler MachmudEssambajew ist davon so beeindruckt,dass er dem Häuptlingvorgestellt werden möchte. Einmit Federn geschmückter kräftigerMann von hohem Wuchsbittet ihn in seinen Wigwam undverblüfft alle Anwesenden damit,dass er sie in ukrainischer Sprachemit „Herzlich willkommen!“begrüßt. Der Häuptling trägt denNamen „Poking Fire“ (SchürendesFeuer). Auf die neugierigen Fragen,wie es denn komme, dass er Ukrainischspricht, antwortet er: „Ichheiße eigentlich Iwan IwanowitschDazenko und stamme aus demGebiet Poltawa.“ Er habe auch seinerFrau und seinen Kindern Ukrainischbeigebracht und beherrscheselbst außerdem Russisch, Englischund die Sprache der Mohawks.Beim Essen werden ukrainischeKlößchen Galuschki aufgetischt.Dann singt der ehemalige Militärfliegermit seinen Landsleuten vonfrüher ukrainische Volkslieder.Die Öffentlichkeit erfährt vondieser Begegnung erst in den 80erJahren aus einem Interview Essambajewsmit der Zeitung „Trud“. DerFall ist heikel: Wie auch immer esden sowjetischen StaatsbürgerDazenko in den Westen verschlagenhaben mochte, er hatte damitdie Seiten gewechselt, was nach dengeltenden Gesetzen gar nicht möglichgewesen wäre. Gleichzeitig werdenZweifel laut, dass die Geschichteüberhaupt stimmen kann. Dochzumindest Dazenkos SchwesterDarja glaubt ihn auf den Fotos ausKanada mit Bestimmtheit zu erkennen.Ihre Tochter Olga wendet sich2001 an die populäre Fernsehshow„Schdi menja“ (Warte auf mich),um mehr über den Onkel in Erfahrungzu bringen. Die Redaktionmacht rund 20 Personen ausfindig,die Dazenko gekannt haben wollen,darunter auch in Kanada. GerichtsmedizinischeGutachter kommenzu dem Schluss, dass es sich beidem Mann auf alten Armeefotosund auf Foto- und Filmaufnahmenaus Kanada um ein und dieselbePerson handelt.Wie Nachforschungen ergeben,hatte Dazenko vor seinem Lebenunter den Indianern in Montrealgewohnt und auch einen englischenNamen angenommen: JohnMacNober. Dann wurde er Tourismusmanagerin Caughnawaga. Erorganisierte Touren ins Reservatund Folklore-Konzerte und heirateteirgendwann die Tochter desalten Häuptlings. Iwan Dazenkohatte einen guten Ruf in Caughnawaga.Nach dem Tod seinesSchwiegervaters wurde er zumStammeshäuptling der Mohawksgewählt, die sich selbst Kanienkehaakanennen – „Leute aus demNach dem Kriegwar Dazenko niewieder in seiner altenHeimat.uniquelyminnesota.comHeute leben etwa45 000 Indianer vomStamme der Mohawkin Nordamerika.Land des Feuersteins“. Auch vonIndianern spricht man in Kanadaoffiziell nicht. Alle Völker, die dennordamerikanischen Boden schonvor der Ankunft der europäischenEinwanderer bewohnt haben, werdenmit First Nations bezeichnet.Wie Iwan Dazenko in dieseBreiten gelangte, darüber existierenkeine verlässlichen Informationen,nur Theorien. Die erstegeht davon aus, dass er sich 1944vor den Deutschen in Sicherheitbringen und zu seinem Regimentzurückkehren konnte, allerdingsvom sowjetischen Spionageabwehrdienst„Smersch“ verhaftetund als angeblicher Verräter zuArbeitslager verurteilt wurde, wiees damals üblich war. Unterwegsnach Sibirien sei ihm allerdingsdie Flucht gelungen und danachder Grenzübertritt nach Alaska.Wie Dazenko die Beringstraßeüberwunden haben soll, ist jedochunklar. Plausibler klingt deshalbdie zweite Theorie. Ihr zufolgeblieb der Flieger bis zum Kriegsendein deutscher Gefangenschaftund fand sich danach in der amerikanischenBesatzungszone wieder.Er wusste, dass ihn im StalinschenRussland Lagerhaft erwartenwürde und entschied sich dafür,mit anderen Flüchtlingen nachKanada auszuwandern.Nach dem Krieg war JohnMacNober alias Iwan Dazenkonie wieder in seiner alten Heimat.Der „Held der Sowjetunion“ undweiße Häuptling der Mohawk starbnach Angaben des Roten KreuzesAnfang des neuen Jahrtausends inKanada. Wo er seine letzte Ruhegefunden hat, ist unbekannt.


№ 11 (346) Июнь 2013w w w . r u . m d z - m o s k a u . e uНЕЗАВИСИМАЯ ГАЗЕТА О ПОЛИТИКЕ, ЭКОНОМИКЕ И КУЛЬТУРЕ • ОСНОВАНА В 1870 ГОДУБОНУСЫ ДЛЯ УМНЫХНемецкий фонд подсчитал, во сколько обходятсяказне мигранты, а властизадумались, как привлечь их в страну.ТАКОЙ РУССКИЙ БЕРЛИНРусский дом в немецкой столице слыл скучнымместом – но молодые художникиИЗМЕРЯЯ МИРОднажды двое немцев решили измеритьвесь мир, но потерпели фиаско.II III VIиз России доказали обратное.Их история вышла на русском языке.К.КрыловВ ПОИСКАХРОДИНЫСотни российских немцевТворческой академии Кисловодскаищут «Дорогу домой».Театральная постановка стаким названием развиваетинтерес к истории у молодогопоколения переселенцев.Понять, что они потеряли, ачто приобрели, участникипроекта попыталисьвсего за три дня.VНаводнениевекав ГерманииРазбудитьв обществесовестьВ Карачаево-Черкессии прошла международная конференция«Права репрессированных народов в современном мире»,посвященная 70-летию со дня депортации карачаевцевсталинским режимом. Она вызвала бурное обсуждения проблемынесостоявшейся реабилитации репрессированных народов СССР – втом числе российских немцев. Однако возможна ли реабилитациясегодня и востребована ли она самими репрессированными? Наэти вопросы ответила Татьяна Иларионова, профессор Российскойакадемии народного хозяйства.Как исполняется закон о реабилитациирепрессированныхнародов? Почему многие народыдо сих пор не были реабилитированы?В том числе – российскиенемцы?Нужно четко и ясно понимать, какстроится российское законодательствов целом. У нас принимаетсябольшое количество законов,но очень часто с самого началаясно, какие из них будут выполнятся,какие будут выполняться струдом, а какие не будут выполнятсявообще. Эта сложность впервую очередь связана с тем,что мы заново строим российскуюгосударственность. Крометого, законодательство противоречиво.Бывает, что в одном и томже акте две статьи друг другу противоречат.То есть даже не законпротиворечит закону, а в самомзаконе изначально существуютвнутренние несогласия.Что касается закона о реабилитациирепрессированныхнародов, то в нем была другаяочень существенная проблема:смысл и назначение этогоакта полностью противоречилитогдашней экономическойдействительности.С этой точки зрения, законнужно оценивать в первую очередькак акт, содержащий политическуюволю. Реальных условийвоплотить этот акт в жизнь- когда был тотальный дефицит,когда все было сметено с прилавков,когда была полностьюразрушена советская экономика,а новой создано не было, –не было никаких.Общество ожидало от государстваподобного рода заявления.Невозможно было построитьновое демократическое государство,не сказав, что депортациии репрессии по национальномупризнаку являются великим преступлениемпротив собственныхграждан. Сделать это заявлениебыло необходимо. IVВ начале лета на юго-востокеГермании забыли обо всехпроблемах. Кроме одной –наводнения. За три дня уровеньводы превысил рекорднуюотметку 500-летней давности.В зону катастрофы, вместес союзником на ближайшихвыборах премьером БаварииХорстом Зеехофером, оперативноприехала канцлер ФРГ АнгелаМеркель. Жителям помогаютболее 30 тысяч пожарных исолдат бундесвера. Они нерекомендуют покидать квартиры,пока вода не сойдет. Но иногдалюди все-таки выплывают наулицу по делам. Пересесть вбайдарку вместо любимого автои отправиться в магазин можнотолько вдвоем. Для равновесия.ReutersРЕКЛАМА


IIГЕРМАНИЯМОСКОВСКАЯ НЕМЕЦКАЯ ГАЗЕТА№ 11 (354) ИЮНЬ 2013Бонусыдля умныхГермания упростит въезддля специалистовГермания получает от мигрантов больше денег, чем на них тратит.Такие выводы Фонда Бертельсманна, кажется, достаточно мотивировалиправительство к пересмотру визового режима. По задумкеприезжим поможет национальный флаг.Екатерина Келлер /redaktion@martens.ruНесмотря на то что населениеГермании почти на 15 процентовсостоит из иностранцев, досих пор эта страна вела себяпо отношению к ним не оченьгостеприимно. Сложности спризнанием зарубежных дипломови бюрократическая волокитапри оформлении немецкогогражданства скорее отпугиваласпециалистов из развивающихсястран и бывшего СССР, которыепо этой причине предпочиталиискать работу в государствах сболее лояльным визовым режимом,например, в Канаде илиАвстралии. Предвзятое отношениекоренных немцев к приезжимтоже пока никуда не делось.В некоторых консервативныхкругах бытует мнение, что иностранныеспециалисты отбираютрабочие места у местных иложатся грузом на плечи социальнойсистемы.Однако исследование, проведенноефондом Бертельсманнасовместно с Институтом исследованиярынка труда и карьеры(IAB), убеждает в ошибочностиподобного представления.Во-первых, сегодня, по сравнениюс предыдущими десятилетиями,изменился состав миграции:43% приезжих в возрасте от15 до 65 лет могут похвастатьсявысшим образованием (и этовдвое больше, чем десять летназад), а число студентов, сделавшихвыбор в пользу немецкихуниверситетов, выросло с14 до 23%. Во-вторых, мигрантыв среднем моложе остальногонаселения, а это значит, что ониделают социальные взносы и темсамым пополняют государственнуюказну. «Чем выше квалификацияиностранного специалистаи чем лучше он интегрированна немецком рынке труда, тембольше прибыль системы социальногострахования», – подчеркиваютисследователи IBA.70% мигрантовприезжают вГерманию из другихстран Евросоюза.В прошедшем году в ФРГ былпобит рекорд 90-х годов: в странуприбыло около 390 тысячмигрантов, в том числе из России.На процесс «утечки мозгов»сильно повлиял кризис: еслираньше молодые ученые и программистыпредпочитали Испанию,Италию, Ирландию и Великобританию,то сейчас эти странывыглядят для них куда менеепривлекательными. Однако экспертыпредупреждают – значительнаячасть иностранных специалистовв будущем вернетсяна родину. Так что рассчитыватьна них германской экономике вдолгой перспективе не стоит.Pressezentrum BAКроме того, большинствомигрантов приезжает в Германиюиз других европейскихгосударств – в этом им помогаетзакон о свободе передвиженияв зоне ЕС. Однако этистраны так же, как и Германия,еще не решили демографическиепроблемы старения населенияи вытекающей из нее нехваткиспециалистов. «В будущемосновными нашими партнерамибудут бывшие республикиСоветского Союза, а такжеСеверной Африки и БлижнегоВостока», – считает эксперт IBAХерберт Брюкер.Пока для таких специалистовусловия эмиграции не самыерадужные – для них не предусмотренодостаточное социальноеобеспечение и другие привлекательныедля молодого специалистагарантии. ПризнаниеГерманская биржатруда помогаетгражданам ФРГ имигрантам найтиработу мечтызарубежных дипломов и снижениеподоходного налога дляспециалистов – необходимые,но недостаточные шаги.Чтобы реформировать систему,эксперты предложили ввеститак называемую чернокрасно-золотуюкарту. Цветанационального флага Германииотличают новый проект от егопрообразов из Канады, Австриии Швеции, а система пунктов,также заимствованная у болееопытных стран, должна упроститьпроцедуру оформлениядокументов. Наряду с дипломомо высшем образованиидополнительные пункты будутначисляться за конкретное предложениеработы, подходящийвозраст, знание языка и т.д. Стакой картой специалист получитразрешение работать в Германиии перспективу на упрощенноеполучение гражданствав будущем. Студенты же получатспециальную образовательнуюкарту, а мигранты, приезжающиев Германию на сезонную подработкувроде сбора урожая илипродажу мороженого, должныбудут довольствоваться временнойкартой, которая фактическизаменит им визу.Если с реформой все болееменееясно, то со стереотипамив массовом сознании придетсяпоработать. Речь идет не толькоо предвзятом отношении кмигрантам, но и об интеграциилюдей другой культуры в немецкоеобщество. «Нам нужна определеннаядуховная открытость,– сказала федеральный канцлерАнгела Меркель на шестом интеграционномсаммите в Берлине.– Проблема есть, и мы не можемзакрывать на нее глаза».Немцы не верят в свою популярностьРезультаты социальных опросов повергли Германию в шокРедкий победитель стесняется своей медали. Казалось бы – выиграли наслаждайся. Но, как показал опрос Би-Би-Си, немцамсвойственно рефлектировать даже над этим. Самая популярнаястрана мира придумала тысячу и одно объяснение, почему она ейне может быть.В конце мая по заказу британскойрадиовещательной компанииBBC (Би-Би-Си) информационноеагентство «Рейтер» провелоопрос о самой популярнойстране мира, в котором победилаГермания. Немцы скептическиотнеслись ко мнению более 26тысяч респондентов из 25 стран,и через пару дней в газете «DieWelt» был опубликован комментарийжурналистки ДженниферУилтон под названием«German Zweifel» («Немецкиесомнения»).Ольга Капустина / redaktor@martens.ru«Пару дней тому назад BBCудивила новостью о том, чтоГермания считается самой популярнойстраной мира. Не всесмогли быстро оправиться оттакой неожиданности. По крайнеймере, в самой Германии, –писала журналистка. – Какое-товремя немцы задавались вопросом,не допустил ли кто-то здесьошибку в подсчетах. Предполагали(ошибочно), что за Германиюточно не голосовали в кризисныхстранах (неверно). Иличто голоса пришли от своихже (не учитывались). Немцыкак всегда во всем сомневаются.Откуда же появились этинежданные симпатии? И кактеперь объяснить поражение на«Евровидении»?Найти оправданиеЗа пределами Германии с этимбыстро разобрались. Вывод: навсе есть свои причины. Футбол,футбол, сосиски, экономика,футбол. Стереотипы – какнескончаемая, одновременноновая и все та же река. А статистическиеданные, особенно те,что основываются на опросах,– это шлюзы на ее пути, которыеничего на самом деле неменяют. И действительно, ужевышло новое исследование. Егопровела Организация экономическогосотрудничества и развития(ОЭСР). По сути, речь идето том, где лучше всего жить изстран, в которых жить и таксравнительно хорошо.Недавно был назван победитель– Австралия. Радостное обращениесчастливых австралийцев срекомендацией путешествовать иэмигрировать в их страну быстрооблетело весь мир. Кстати, Германияв этом исследовании расположиласьчуть ниже серединысписка. Критики опроса ВВС тутже увидели в этом подтверждениесвоих предположений.В действительности все просто.ОЭСР располагает огромнымколичеством данных,собранных за несколько лет.Но она опрашивает об их личныхощущениях непосредственножителей тех стран, о которыхидет речь в исследованиях.Среди критериев «индексалучшей жизни» есть, например,вопросы о том, насколько людидовольны своей жизнью, своимздоровьем.Немцы чувствуют себя не особенноздоровыми. Хотя у нихдовольно длинная ожидаемаясредняя продолжительностьжизни и достаточно много врачей.О том, насколько онидовольны жизнью, лучше промолчать.Другими словами: еслипроводить опрос среди самихнемцев, то первых мест Германиине видать. Не сомневайтесьв немецкой тяге к сомнениям».Публикуется с согласия Немецкой Волны


IIIМОСКОВСКАЯ НЕМЕЦКАЯ ГАЗЕТА№ 11 (354) ИЮНЬ 2013 РОССИЯ И ГЕРМАНИЯКрасную звезду - на выносНа молодежном арт-фестивале в Берлине разрушали стереотипыИзбавиться от «удушья Кремля» и перестать обсуждать зверстваКГБ - мечта многих российских художников сегодня. Особенноесли они живут за границей, где эти клише особенно популярны.Майский арт-фестиваль «Другая сторона Русского Берлина» сталпопыткой российских мигрантов рассказать о себе по-новому.Фотосушка в Русскомдоме науки и культурыв Берлине привлекланемецких гостейТатьяна Маршанских / redaktion@martens.ruЮлия БаарКаждый, кто гуляет по Фридрихштрассе,рано или поздноувидит его – правильное со всехсторон, строгое советское здание,Русский дом науки и культурыв Берлине. Построенноев конце 80-х, оно так же, как иего сосед, знаменитый «ЧекпойнтЧарли» до сих пор осталсяостровком истории, символомпрошлого, застывшим посредисовременного города. 28 маяболее сорока молодых художников,фотографов и музыкантовпреобразили эти стены до неузнаваемости.На каждом этажеРусского дома разместились«аттракционы» – фотовыставка,маленький кинозал, интерактивнаякомната. До позднего вечерамолодые эмигранты доказывалипублике: Россия – это не толькоКремль, Горбачёв и КГБ. Это ещеи креатив.Желание поюедить стереотипысреди русского комьюнитибыло настолько велико, чторебята организовали этот фестивальсвоими силами. «Нам ненравится, как нас воспринимаютв Германии, – говорит фотографЮлия Бар. – Такое чувство, чтоот русских ничего нового здесьне ждут. На самом деле многиеиз нас отлично интегрировалисьв западное общество и делаюточень интересные проекты».Для Юлии и ее друзей «Другаясторона Русского Берлина»– это не только способ хотябы чуть-чуть развеять устойчивыеклише о России, но и возможностьпоказать свои работыширокой публике и, можетбыть, познакомиться с кем-то,кто поможет им развиватьсядальше. Серия Юлиных фотографий«An der Lebensgrenze»(«На пороге жизни») состоитиз черно-белых снимков пожилыхлюдей: портрет ухоженногобаварца в дорогом костюме ипросящего милостыню итальянцависят почти рядом. Тут же– старушка-хиппи в огромныхочках на карнавале в Берлинеи русская плачущая бабушка наавтобусной остановке районаМарцан. «Цепляет», – короткоподытоживает свои впечатленияпарочка, рассматривающаяработы.Двумя этажами выше «фотосушки»расположилась «DarkRoom» («Темная комната»). Вкомнате при выключенном светеиграет электронная музыка.Какой-то парень, нацепив специальныеочки, в такт ей двигаетсяиз одного угла в другой. Тут жескачет ребёнок с разноцветнымифонариками в руке. При помощиспециальной программы и камерыон рисует светом замысловатыесимметричные узоры прямона стене. Рядом с ним ещё однавидеоинсталляция – светящиесяна полотне треугольники и кубы,которые можно приближать иудалять рукой без помощи компьютерноймышки или планшета.Всего за пару часов консервативнаяатмосфера Русского домакуда-то исчезла.В кинозале темно. Обстановканепринуждённая – люди встаюти уходят, другие, наоборот,заходят прямо во время показафильма. Организаторы отобраливосемь работ молодых режиссерови мультипликаторов, многиеиз которых получили международныенаграды. Среди них былаи первая короткометражка ДарьиБеловой - девятиминутная «BaletStory» («Балетная история»).Тогда, конечно, никто не знал, чтовсего через неделю Даша получитнаграду Каннского кинофестиваляв номинации «Открытие»,правда за другой фильм. «Дочкиматери»– ещё одна лента, которуюждал зал. В ней режиссерКатя Федулова рассказала о тех,кого на улицах Берлина видишьрегулярно – русских девушках,приехавших в Германию за счастьем.«Однажды он выставилмне счет, в котором учел каждуюдеталь», – рассказывает героиняфильма Ольга о неудачном романес немцем. – «Как часто он приглашалменя на ужин, сколько паробуви купил и сколько каждая изних стоила. Очень неприятныйсюрприз...»Чтобы Русский дом преобразилсявсего на один день, дизайнерАнна Деева подробно изучалаего планировку. Почти шепотомдевушка рассказывает о том,что видела в подвалах здания.По ее словам, там настоящиекатакомбы, в которых можножить, в них есть даже библиотека.«Когда мы готовились кмероприятию, то проводили вэтом здании много экспериментов,даже по ночам. Например,разные проекции делали», – рассказываетАнна. И вот однаждыей пришла в голову идея накидатьподушек на первом этаже,чтобы на них лежать и проецироватьна потолок фильмы. Этосколько же тогда людей в Русскийдом приходить будет!Но девушка и сама понимает:ее идея – утопия. Никакихподушек и фильмов, тем болеепо вечерам и ночам, администрацияРусского дома не разрешит.И, может быть, зря. Какпоказал фестиваль, интерес кдругой, не лубочной русскойкультуре у немцев есть. Гостейникто не считал, но их явно былонесколько сотен.Русский праздник в БерлинеГермания ностальгирует по традиционной РоссииВ июне на ипподроме Карлсхорста в седьмой раз пройдёт Германо-российскийфестиваль. В программе джазовый концерт,выступление российских рок-групп и встреча со звездой футбольногоклуба «Шальке 04» Олафом Тоном. Вход на все мероприятиясвободный.Татьяна Маршанских / redaktion@martens.ruПобывать на нескольких концертахсразу, встретиться с легендойнемецкого футбола, попробоватьнациональный колорит на вкус, апотом, лежа на траве под открытымнебом, смотреть кино и всеэто за три дня? Ничего удивительного.Каждый год это успеваютсделать тысячи жителей игостей Берлина. Германо-российскийфестиваль для того и придуман,чтобы наладить общение.В этом году он пройдет подпатронажем президентов двухстран – Владимира Путина иЙоахима Гаука. С утра и до позднеговечера на ипподроме Карлсхорстабудет звучать самаяразная музыка – от популярнойв ГДР рок-группы «Karat»до народных песен ансамбля«Лепота» и востребованнойв России фольк-рок-группы«Мельница». Простые народныенаигрыши, нежное звучаниеирландской арфы, виолончелии флейты плавно перетечет вбурное веселье. «Ночь русскогорока» откроет группа из Новосибирска«Калинов мост». Новыеказачьи песни представит лидергруппы Дмитрий Ревякин.В такой атмосфере российские инемецкие прозаики встретятся считателями, а молодые актерыпокажут небольшие спектакли.Те, кто не согласен с пассивнойпозицией наблюдателя, смогутПресс-центр ГРФТоржественное шествие в честь открытия Германо-российского фестиваляпоучаствовать в соревнованияхпо боксу, дзюдо и шахматам илипоболеть за своего фаворита наскачках.В рамках недели «Российскихфильмов в Берлине» под открытымнебом в Карлсхорсте покажуттонкий психологическийтриллер «Стальная бабочка»режиссера Рената Давлетьярова,основанный на реальных событиях.В этом фильме актрисаДарья Мельникова, известнаяпо сериалу «Папины дочки»,сыграла агента, который долженразоблачить маньяка. В 2012году лента была представлена наXVIII Международном фестивалефильмов о правах человека«Сталкер» и получила хорошиеотзывы критиков. Одни хвалили«наглую попытку режиссераразрушить каноны ментовскоготриллера», другие удивлялисьтому, насколько молодая актрисавжилась в роль «неправдоподобнойуголовницы и подростковоговарианта несчастной русскойбабы». Фильм-то еще и пролюбовь.Германо-российский фестивальпорадует даже гурманов. Длялюбителей вкусно поесть шестьповаров из Санкт-Петербургапроведут в берлинском отеле«Абакус» «Неделя русскойкухни». Ну а те, кому по душедуховная пища, зарядятся хорошимнастроением на джазовомфестивале имени Эдди Рознера.Посещаемость обещает побитьвсе рекорды, ведь такие праздникибывают не каждый день.


IVНЕМЦЫ РОССИИМОСКОВСКАЯ НЕМЕЦКАЯ ГАЗЕТА№ 11 (354) ИЮНЬ 2013Разбудитьв обществе совестьНо ведь сейчас экономическаяситуация изменилась?Сейчас экономическая ситуацияпоменялась – но время ушло,сменилось поколение. Спросите18-летнего москвича, российскогонемца, ингуша и чеченца– что такое реабилитация? Русскийпарень вас точно не поймет,о чем речь. Это было в прошломвеке, это было в прошлой жизни,это было не с ним. Время сыгралона руку законодателям. Самопрактическое решение они планировалиотодвинуть в будущее,и оно нас «излечило»: со стороныпострадавших противодействийне было, потому что законбыл формально принят. На практикеже не было сделано ничего.И никакой реабилитации в томвиде, в котором она прописываетсязаконом, уже не будет.Каково же самочувствие исамосознание депортированныхнародов сегодня?Время многое переменило –в первую очередь глобальнуюориентацию людей. Если раньшеони ориентировались на какиетобольшие, значимые цели,думали о преодолении какихтообщих проблем, то рыночнаяэкономика и новый тип государствазаставили людей думатьо насущном – о себе и о своейсемье. Высокие цели – та жереабилитация – стали казатьсяне очень значимыми и отошлина второй план, в том числе идля тех, кто пережил репрессии.Самочувствие нового поколенияиз числа депортированных народовиное, они не воспринимаютсебя так, как воспринимали себяих отцы или деды еще 20 летназад. В миропонимании оченьмногое изменилось – преждевсего в миропонимании молодогопоколения.Если депортация не волнуетмолодое поколение, что же еговолнует тогда?Посмотрите на проблемы пережившихдепортацию народовИНФОРМАЦИЯЗакон «О реабилитациирепрессированных народов»Северного Кавказа: у них сохраняетсяпамять о депортации, ноона принадлежит старшему поколению.А что волнует молодежь?А то, что их не принимают в должнойстепени в центре России, то,что их могут на улице Москвызадержать из-за того, что они изЧечни или Кабардино-Балкарии.Такое отношение травмируетнамного больше, чем пережитаякогда-то депортация.Верно, сегодня на земляхкарачаевцев и балкарцев поставилипамятники пережившимрепрессии народам. Возвелитакие памятники и репрессированнымроссийским немцам. Ноте представления и настроения,которые царили в среде карачаевцев,балкарцев, российскихнемцев в 1980-х и 1990-х годах,в современном социальномпространстве просто не воспроизводимы– слишком многоепоменялось.Чего же тогда добиваться этимменьшинствам от российскогогосударства - справедливости,покаяния, компенсации?И какого отношения от своихсограждан?Покаяния точно нет – покрайней мере, в той степени,в которой оно рассматриваетсянекоторыми политическимиспикерами из числа национальныхменьшинств. Это бесполезно.От российского государстванужно требовать – и это оченьактуальная проблема – соблюденияправ человека, отстаиваниясвободы, понимания того,что демократическое государство– это не власть большинства,а комфортное сосуществованиеменьшинств. Толькокогда государство будет одинаковокомфортным в самых разныхсредах – среди женщин,инвалидов, детей с физическиминедостатками, любых группнаселения со своими представлениямио жизни и своей судьбойв этом обществе, – толькотогда мы сможем говорить, чтоЭтот акт был принят 26 апреля 1991 г. Верховным Советом РСФСР.Репрессированными признавались народы (нации, народности илиэтнические группы и иные исторически сложившиеся культурноэтническиеобщности людей, например, казачество), в отношениикоторых по признакам национальной или иной принадлежностипроводилась на государственном уровне политика клеветы игеноцида, сопровождавшаяся их насильственным переселением,упразднением национально-государственных образований, перекраиваниемнационально-территориальных границ, установлениемрежима террора и насилия в местах спецпоселения. Реабилитациярепрессированных народов означала в том числе признаниеи осуществление их права на восстановление территориальнойцелостности. Однако некоторые обязательства, предусмотренныезаконом, государством не выполняются. Речь идет не только о невосстановленной республики поволжскихнемцев: в ряде регионовбывшие репрессированные не могут реализовать свое право набесплатный проезд и льготное лечение, не всегда возмещаетсяматериальный ущерб.все хорошо. Пока же мы бесконечнодалеки от подобного родапредставлений.Улучшается ли в России, на вашвзгляд, это отношение?Нет. Более того, пространствосвободы сужается. Я это вижу, именя как гражданку моей страныэто очень беспокоит. Этосвязано со многими проявлениями– в том числе с абсолютнымнеравенством в сфере экономики,с абсолютным неравенствомвозможностей. Недавно я былав Самаре – довести миллионныйволжский город до такойстепени, это уметь надо! А ведьтам множество немецких памятников.Все доведено «до ручки» –как фашист прошел! Один тольковид этого города свидетельствуето том, что никакой солидарностив нашем обществе нет, никакогоравенства возможностей. А ведьименно это – вопрос существованияроссийского государства.Если мы отойдем в сторону отконцепции демократии и свободыи станем проповедовать иныеценности, мы окажемся в одномряду с Угандой. Лично я совершенноне хочу, чтобы в этом рядубыла моя страна. Но такие тенденцииесть.Памятник „Российским немцам - жертвам репрессий“, который возвелив Энгельсе в 2011 году. Еще тогда это событие вызвало бурные спорыКакую же роль должны игратьменьшинства в современнойРоссии?Их роль – будить в обществесовесть. Очень многое онимогут сделать в сфере информации,просвещения благодаряорганизации и проведению собственныхмероприятий. И ведьвроде бы меньшинства стоят засвои интересы, но на самом делеименно эти интересы – интересыобщества. В современноммире социальная ткань все большераспадается на отдельныегруппы и мелкие соединения.К этим небольшим соединениямпринадлежат и этническиеменьшинства.Но ведь политика предпринимаетшаги в этом направлении?Существует, например, федеральнаяпрограмма по развитиюСеверного Кавказа.На Северном Кавказе существуетмного проблем. В прошломгоду я провела там свойотпуск – путешествовала поКабардино-Балкарии, по Карачаево-Черкессии,по Ставропольскомукраю. Там такая красота,Тино Кюнцельтакая необыкновенная природа,но – «черная» экономика.За 21 день разъездов я виделавсего два кассовых аппарата. Тоесть вся экономика неучтенная,из-под полы. Москва не можетналадить там нормальное функционированиежизни. Могупредположить, что эта «черная»экономика – это еще и протестпротив налоговой политикигосударства, против вала законов,который обрушивается набизнес, не давая ему легальноразвиваться. Очевидно, что внашей стране еще очень многобеспорядка, устранить которыйв интересах всех нас – представителейразных народов, социальныхслоев и групп.С Татьяной Иларионовой,доктором философских наук,профессором Международногоинститута государственнойслужбы и управления РоссийскойАкадемии народного хозяйстваи государственной службы приПрезиденте Российской Федерации,генеральным директором Институтаэнергии знаний беседовалАлексей Кнельц


МОСКОВСКАЯ НЕМЕЦКАЯ ГАЗЕТА№ 11 (354) ИЮНЬ 2013 НЕМЦЫ РОССИИVКисловодские источники вдохновенияИстория российских немцев легла в основу театрального проектаИтогом Творческой академии для молодых российских немцев,проходившей с 24-го по 31 мая в Кисловодске, стал спектакльо российских немцах «Дорога домой». Проект, организованныйМеждународным союзом немецкой культуры в рамках рабочегополя «Поддержка авангарда», собрал в Кисловодске участников изболее 15 регионов России.«Mein Name ist Elsa. Elsa Metzger.Ein typisch deutscher Name».Эльза, Элла, Эльвира. Три российскиенемки, уехавшие в Германию.Три совершенно разныхчеловека из почти трех миллионовпереселенцев, уехавших изРоссии в Германию. Но вопросы,ответы на которые ищут героиниспектакля «Дорога домой»,не отличаются от вопросов,которыми задаются их коллегипо этнической принадлежностив России: «Что мы потеряли? Ачто приобрели?»«Каждый раз, когда я прохожумимо этого дома, удивляюсь,что ему столько же лет, сколькоистории моих предков. Онбыл построен в 1763 году. Почемуодни могли в то время строитьдома, а другим пришлосьуезжать от голода и бедности вдругую страну?» – произноситпо-немецки в начале спектакляНаталья Алейникова, одна изучастниц театрального проекта.Наталье 27 лет, она живет в селеМихайловское Алтайского края,преподает немецкий язык. НаТворческую академию в Кисловодскее привел интерес к историироссийских немцев и желаниеузнать о них еще больше.Несколько десятков тысячнемцев отозвались в конце XVIIIвека на приглашение своей венценоснойземлячки ЕкатериныII и отправились в поисках лучшейжизни в Россию. В этом году,когда российские немцы отмечают250-летие начала массовогоЛена Штайнметц / redaktion@martens.ruпереселения своих предков в Россию,не могли обойти сторонойэту тему и организаторы Творческойакадемии для молодыхроссийских немцев. Они решилирассказать о том, что побудилонемцев 250 лет назад покинутьГерманию и как им жилось нановой родине. Где их дом сейчас?Театральная постановка «Дорогадомой», над созданием которойработали участники Академии вКисловодске, помогает отчастинайти ответы на эти вопросы.На создание театрального действаорганизаторы проекта отвеливсего три с половиной дня.Задача непростая: большая частьтекста на немецком языке, большаячасть ребят хоть и российскиенемцы, но родным языкомдля них является все же русский.Кроме того, тексты следовалоне просто заучить, но и суметьза столь короткий срок актерскивоплотить их на сцене. Снуля создавались и декорации среквизитом.«Три дня – это очень мало, этопочти невозможно. Но мы сделалииз невозможного возможное»,– резюмирует режиссер МарияВаркентин (Германия). Ей какавтору сценария небезразличнадальнейшая судьба спектакля: «Янадеюсь продолжить работу надпостановкой, хотела бы углубитьнекоторые аспекты, потому чтоэто моя кровная история. Это моинемецкие корни, мой немецкийязык, мой диалект. Я хочу довестиэто дело до конца». ПослеК.КрыловУчастники проекта „Дорога домой“ и актер Эрик Кнауб (с. Подсосново,Алтайский край) на переднем планенедолгой паузы Мария, улыбаясь,добавляет: «Только не впопыхах,а за более длительный срок».Отсчет шагов, минут, слов,хлопков: выстраивать сюжетнуюлинию Марии Варкентин помогаларежиссер-постановщикспектакля Анастасия Комерлох(Германия). Для нее участие вТворческой академии – больше,чем работа и хобби. «Я уже которыйгод приезжаю в Россию наэти проекты по одной простойпричине – благодаря им я опятьмогу вспомнить, что я российскаянемка, – говорит Анастасия.– Сравнивая с тем, когда я уезжалаотсюда, когда я занималасьтеми же проблемами этническихнемцев тогда еще в Казахстане,сейчас я замечаю, что этническаяидентификация у молодежи возросланамного, и это очень радует.Невероятный восторг вызываютмолодые люди, говорящие надиалекте».Один их них – Эрик Кнауб,23-летний предприниматель изсела Подсосново Алтайскогокрая. У него в семье все говорятна диалекте. Российский немецс улицы Шнайдера, гражданинРоссии, родной язык – немецкий.Для Эрика в этом нет ничегосверхъестественного. Он спокойнорассказывает, откуда у неготакое имя, кто такие российскиенемцы, как появились, чем живут:«Если ты не знаешь свою историю,то для тебя не может бытьО ПРОЕКТЕВ 2006 году была созванарабочая группа для разработкиконцепции новогорабочего поля «Поддержкаавангарда», в которую вошлипредставители федеральныхобщественных структур российскихнемцев и сотрудникиНемецкого общества потехническому сотрудничеству(GTZ, сегодня GIZ). В 2008году концепцию представилиМВД Германии, и она былапринята. С 2010 года программупо формированиюавангарда при поддержкеМВД Германии осуществляетМеждународный союзнемецкой культуры. Однимиз проектов, поддерживающихмолодых российскихнемцев, является Академиядля творческой молодежи.и никакого дальнейшего развития».Роль Ханса, решившегосяотправиться в далекую Россиюс беременной женой, Эрикв спектакле играет на диалекте.Диалект он хотел бы передать исвоим будущим детям, независимоот того, кто станет его женой –русская или немка. «Несмотря нато, что 90% жителей нашего селауехали в Германию, мы продолжаемчтить и хранить традициироссийских немцев», – эти словаЭрик произносит без малейшегопафоса, с типичным немецкимспокойствием.С творческим задором молодые«академики» высказывали поокончании проекта желание продолжитьработу над спектаклем.Они мечтают представить его насуд более широкой публики. Какможно быстрее.ДНК памятиВ Томске появится памятникв честь 250-летия манифеста Екатерины IIА.ГнедыхКонкурс на лучший проектный эскиз шел полгода. В первом туревыявлялся художественный замысел скульптурной композиции.Члены жюри отдали голоса коллективу скульпторов ТворческогоСоюза художников России под руководством Олега Кислицкого итворческой группе учащихся «Губернаторского Светленского лицея».Юлия Фаллер / redaktion@martens.ruВ первом варианте эскиза памятникапринцесса София, будущаяимператрица Екатерина Великая,по задумке автора Олега Кислицкого,была одета с простымшиком и держала в руке фонарь.Однако эксперты отметили, чтопредставленный вариант скульптурыне совсем отражает темуслужения немцев России.Тогда Светленский лицейпредставил свой проект, которыйи был одобрен: это постаменткубической формы, накотором размещен свиток МанифестаЕкатерины Великой, плавноперетекающий в две тянущиесявысоко вверх ленты, символизирующиелетопись событий250-летней истории, культурно-историческогои духовногонаследия российских немцев, ихвклад в развитие Сибири и Россиив целом. Переплетающиесяленты похожи на спирали ДНК.Это сходство не случайно, ведьДНК передают наследственнуюинформацию, а ленты памятникасимволизируют передачупамяти и культурного наследияиз поколения в поколение.Их витки сходятся в знаке бесконечности.Свиток летописи иленты объединены замкнутымкольцом, на котором изображены,как кадры кинопленки, яркиесобытия многолетней историинемцев России.Во втором туре приняли участиепрофессиональные скульпторыТомской области, регионовРоссии и ближнего и дальнегозарубежья. Их задачей сталовоплощение идейного замыслапобедителя первого тура конкурса.Участники заключительногоэтапа могли представить исвое видение памятника. Победителемконкурса стал томскийскульптор Антон Гнедых – оноказался единственным из авторов,кто воплотил художественныйзамысел лицеистов.


VIИСТОРИЯ И КУЛЬТУРАМОСКОВСКАЯ НЕМЕЦКАЯ ГАЗЕТА№ 11 (354) ИЮНЬ 2013Романтику не предлагатьО мировом бестселлере Даниэля Кельмана узнали в России c опозданием в шесть летMovieGod.deНастоящий немец появляется на свет, чтобы навести порядок.Романтика ночных прогулок не для него. Смешно? Роман «Измеряямир» Даниэля Кельмана доводит эту тему до абсурда. Весьмир давно уже оценил шутку, только до России поздновато дошло.ЛИЧНОСТЬЮлия Шевелкина / redaktion@martens.ruДаниэль КельманАвтор родился в 1975 году в семьережиссера Михаэля Кельмана и актрисыДагмар Меттлер. В 1981 году они переехалив Вену, где будущий писатель изучалфилософию и германистику в местномуниверситете. В 1997 году вышел первыйроман Кельмана «Магия Берхольма»,который отметили стипендией фонда имениКондрада Аденауэра, а также премиямиХ.Додерера и Г.Кляйста. Сегодня ДаниэльКельман - постоянный автор ведущихнемецких СМИ. Его роман «Измеряя мир»переведен на 40 языков.Ироничный роман про немецкуюточность, особое национальноечувство юмора и прагматизмза гранью возможногоопубликовали и благополучнозабыли в России три года назад.«Измеряя мир» не взорвал нашикнижные магазины, не засветилсяв рецензиях уважаемыхкритиков и всего лишь пару разпоявился в любительских отзывахфилологических блогеров.Почему?Переиздать Гюнтера Грассаили придумать новую рыночнуюконцепцию для томика Кафки –задача не из легких. Но найтимолодого автора и сделать так,чтобы его читали, гораздо сложнее.Тут редактор превращаетсяв сапера на минном поле зарубежнойсовременной литературы.И, видимо, с американскимии французскими новинками ончувствует себя более уверенно,иначе бы в книжных магазинахне появлялись Майкл Каннингем,Анна Гавальда и МишельУэльбек. Современные немецкиеклассики пока остаются встороне. Между тем многие изних получают Нобелевские премиии очень востребованы вовсем мире. Молодой австрийскийписатель Даниэль Кельман– не исключение.На родине его давно ужевключили в школьную и университетскуюпрограммы, а вЕвропе по его романам ставятсятеатральные пьесы и радиоспектакли.В России имя Кельманана слуху лишь благодаря экранизацииодного из его последнихроманов – «Измеряя мир»(Die Vermessung der Welt), которыйвышел в прокат зимой 2013года. Ленту немецкого режиссераДетлера Бука сначала показалина традиционном ежегодномфестивале в кинотеатре «35мм», куда, как обычно, пришлите, кто интересуется немецкойкультурой. Тем более печально,что большинство зрителей узналио книге и решили прочитатьее только после сеанса. А зря.«Измеряя мир» Даниэля Кельманаеще в 2006 году покорилмировой рынок и занял второеместо в рейтинге самых продаваемыхкниг по версии New YorkTimes. Мировая пресса назвалаэтот роман великим, а его автора– гением. В России бестселлервышел в конце 2009 годаскромным тиражом с пометкой«представляет Макс Фрай». Имякультового автора подростковогофентези на обложке перебивалосамого Кельмана, да иоформление книги было явностилизовано под знаменитые«Хроники Эхо». Это могло быподействовать на уже отработаннуюаудиторию как приманка,но не получилось. Фанаты Фраяспоткнулись о манеру письмаКельмана уже на первой странице,а те, кто оценил бы шуткипро Канта, равнодушно скользнуливзглядом мимо кричащейобложки. Блестящий переводГалины Косарик в итоге оценилиГумбольдтухаживаетза своейбудущей женойнемногие, ведь мало кто знал –это авторский проект Фрая, гдеона сама выбирала и представлялачитателю современную литературув традиции «магическогореализма».Что же такого магическогонаписал Кельман? На первыйД. Кельман „Измеряя мир“. –СПб.: Амфора, 2009г. - 319с.взгляд это совершенно реалистичноеповествование о двухгениях эпохи Просвещения,типичных немцах – математикеКарле Фридрихе Гауссе игеографе Александре фон Гумбольдте.Одному для великихоткрытий достаточно былозапереться в комнате с листомбумаги, другой с детства искалдвижения. Со своим ассистентомБонпланом он побывал наберегах Амазонки, забирался надействующий вулкан и даже вовремя морской бури приказалподвесить себя на носу корабля,чтобы определить природу катаклизма.Гаусс впервые покинулродной город в 51 год и поехалв Берлин по приглашению Гумбольдта.Найти общий язык уних не получилось. А Гумбольдтвскоре отправился в Сибирь, гдевместо горных пород подробноизучил устройство потемкинскихдеревень.Все эти красочные историииз жизни то одного, то другогогения в книге чередуются.Путешественник и домосед, двагения немецкой науки с каждойстраницей приближаются друг кдругу сначала в географическом,а затем и в духовном смысле.Двум разным историям постепенностановится все сложнееконкурировать друг с другом, ик концу романа они соединяютсяв единый поток. Герои обмениваютсямыслями на расстоянии,дают друг другу советы. Вот она,магия.«Немец тот, кто никогда несидит скособочась, любил онповторять, устало хлебая повечерам картофельный суп». Этислова произносит отец Гаусса всередине романа. Герои Кельманаеще не раз сядут за любимоенемецкое кушанье и будутдумать о правильной осанке всамый неподходящий момент.В Германии у них нет временина сантименты, ведь все нужноотобразить в строгих числах.В этом плане Россия — полнаяпротивоположность. Это странаабстракция,где четкие единицыизмерения просто не действуют.И немец Гумбольдт теряется —как же они живут?Эксцентричные персонажиКельмана заставят улыбнутьсядаже самого серьезного читателя:настолько они смешные вспособности сосредотачиватьсяна науке и не замечать, например,начала войны или рождениясына. Так, как смеется надэтим романом немец, русский,конечно, смеяться не будет,просто потому, что постоянноеподтрунивание над национальнойфилософией и целый букетлитературных отсылок считаетне каждый. Но все же юморкниги вполне доступен даже негуманитариям. Взять хотя быкороткие, емкие диалоги Гауссаи Гумбольдта с их ассистентами.Когда обычный человек совсеми его инстинктами и генийбезуспешно пытаются наладитькоммуникацию, над этим можнохохотать от души.Ирония автора распространяетсяи на то, как написан самтекст. В романе почти нет прямойречи – зато много косвенной.В результате такого ходаповествование делается динамичными пружинистым, а сложныеграмматические конструкции– невесомыми. Никогда ещепостмодернистский текст не былтаким податливым. Ищите сюрпризвнутри.


МОСКОВСКАЯ НЕМЕЦКАЯ ГАЗЕТА№ 11 (354) ИЮНЬ 2013 РЕГИОНЫ ГЕРМАНИИVIIВинные реки,рейнские берегаСтаринный городок Рюдесхайм принимает гостейВсе немецкие городки на Рейне очень похожи: цветущая природа,вино, маленькие домики, праздники. В чем же загадка провинцииРюдесхайма? Чтобы понять ее, надо остановиться посредиоживленной улочки и прислушаться - а вдруг это поет Лореляй?Марина Попова / redaktion@martens.ruМаленький провинциальныйгородок Рюдесхайм-на-Рейненаходится в земле Гессен, в районеРайнгау-Таунус и по правусчитается туристической метрополией.Уникальный культурно-историческийландшафт –верхняя часть долины СреднегоРейна – включен в список всемирногонаследия ЮНЕСКО.Зелень берегов и старинныедомики, раскиданные по обестороны главной реки Германии,недаром называют «эпицентромнемецкого романтизма». В далекомXVIII веке поэты, художникии музыканты искали вдохновениеименно в этих местах.Начать знакомство с Рюдесхаймомможно с холма Нидервальдна правом берегу Рейна,куда ведет подвесная канатнаядорога. Отсюда открываетсявеликолепная панорама старойчасти города, а на долину рекиможно полюбоваться со специальнообустроенных смотровыхплощадок. Нижняя станцияканатной дороги находится впешеходной зоне Оберштрассе.На холме Нидервальд возвышаетсямонумент, ставшийодним из символов Рюдесхайма– памятник «Нидервальд»(Niederwald-Denkmal). Романтическаяфигура женщины вразвевающихся одеждах симво-лизирует объединениенемецкойимперии послевойны с Франциейв 1870–71гг.Германиявысокопод-нимает надо головой коронуимператрицы, а в опущеннойруке держит имперский меч.Подножие памятника украшеномифическими существамии компасом, стрелки которогопоказывают на крупнейшиегорода Европы. Временная дистанцияв двенадцать лет разделяетрешение об установкепамятника и его торжественноеоткрытие в 1883 году. Само жеKarlheinz Walterстроительство заняло шесть лет.Монумент вознесся над водамиРейна на 225-метровой высоте.Старый городЕще один центр притяжениятуристов всего мира – главнаяулица Рюдесхайма – Дрос-сельгассе (Drosselgasse),сердце Старого горо-да. Это излюбленноеместо свиданий и деловыхвстреч. Узенькая улочка протянуласьна целых 144 метра. Здесьсловно сконцентрирован духжизнерадостности, романтизмаи праздника, царящего в Рюдесхаймекруглый год. Игра оркестров,танцы и развлечения продолжаютсяв районе Дроссельграссес утра до поздней ночи.Создается впечатление, что всяулица состоит из уютных ресторанчиков,оригинальных сувенирныхлавок и отелей. Крышии фасады самых разных стилейи цветов то и дело выглядываютдруг из-за друга, а в толпе всегдаможно услышать много языков инаречий.В августе виноделыРюдесхайма выходятна улицы и угощаютвсех жителей городаЧтобы почувствовать атмосферуРюдесхайма, достаточнопройтись по его улочкам и,подобно здешним художникам,попробовать поймать краскимимолетно меняющегося оживленногогородка. Винные трактирчики,фахверковые дома,фонтаны – все это определяетхарактер города ничуть неменьше, чем достопримечательности,описанные в путеводителях.Затейливо украшенныефасады домов придают рейнскомугородку пестрый колорит.А вывески магазинов, отелей,ресторанов свидетельствуют офантазии жителей Рюдесхайма.В ажурной вязи кованых узоровэтих вывесок часто можно заметитьвиноградные мотивы.Море шампанскогоРюдесхайм – это центр винодельческогорегиона, и в ресторанах,количеством и разнообразиемкоторых город удивляетгостей, можно обнаружитьмножество видов этого благородногонапитка. Приезжающиев Рюдесхайм в августе застаюттрадиционные винные фестивали.По всему городу возлересторанов и кафе выставляютсястолы с винами для дегустации.Впрочем, ценители вина неKarlheinz Walterбудут разочарованы и в другоевремя года. Винодельня «Асбах»– популярнейшее место дегустацийи экскурсий. Кроме того,немецкая столица вина, конечно,не могла обойтись без музея,посвященного этому напитку.Рейнский музей, расположенныйв тысячелетней крепостиБрёмзербург, – это экспозициямноговековой истории виноделияв Германии. В залах и подвалахзамка представлено околодвух тысяч связанных с историейвиноделия экспонатов – отантичности до наших дней.Следы историиНестандартный подход к музейномуделу в Рюдесхайме совершенноочевиден – так, например,здесь существует музей средневековыхпыток. Приехавшимв этот небольшой городок наберегах Рейна любопытно будетзаглянуть и в музей механическихмузыкальных инструментов– одно из крупнейших собраний«самоиграющей музыки». Здесьможно не только услышать звучаниекаждого из них, но и проследитьисторию этого изобретенияна протяжении четырехвеков. Музей размещается встаринной усадьбе Бремзерхоф,расположенной всего в несколькихметрах от Дроссельгассе.Коллекция объединяет самыеразные предметы с механическиммузыкальным сопровождением– здесь и миниатюрныечасы с мелодическим звучанием,и громоздкое концертное пианооркестрион.Любознательнымпосетителям во время экскурсииобязательно продемонстрируютпринцип работы этих замысловатыхконструкций.Рюдесхайм-на-Майне подаритсвоим гостям и впечатленияот архитектурных красот.Здесь находятся такие жемчужинызодчества как неоготическийСердце Старого города,улочка Дроссельсгассевсегда многолюдназамок Бозенбург (Boosenburg)XII века, руины крепости Эренфельс(Ehrenfels) XII века, фахверковоездание Клункхардсхоф(Klunkhаrdshof) XV векаи белоснежная Орлиная башня(Adlerturm) XV века. На рыночнойплощади в Старом городерасположена знаменитая церковьСвятого Якоба XIV века, попреданию, возведенная рыцаремИоганном Брёмзером. Башнювенчает флюгер со звездой и полумесяцемв качестве напоминанияо Крестовых походах, в которыхее основатель когда-то принималучастие. В 1944 году церковь былаполностью разрушена во времябомбардировок, после чего зановоотстроена из бутового камня.Еще много тайн хранит в себеэтот маленький сказочный городна берегу Рейна. Но самое главноеего сокровище – это, конечно,особая атмосфера. Стоя наберегу главной реки Германии,каждый хоть на минуту почувствуетсебя героем романтическихбаллад.ТЕРРИТОРИЯРюдесхайм-на-РейнеФедеральная земля: ГессенРайон: Райнгау-ТаунусПлощадь: 51 кв. км.Население: 10 тыс. жителей


VIIIМОСКОВСКАЯ НЕМЕЦКАЯ ГАЗЕТАНЕМЕЦКИЙ ЯЗЫК № 11 (354) ИЮНЬ 2013Wenn der Sommer kommt...Die Saison der Datschen und Schrebergärten ist eröffnetDonskoy/ WikipediaDas Leben in einer Großstadt ist laut und aufregend. Um für ein paarStunden bzw. Tage entspannen zu können, verbringen viele Menschenin Russland die Wochenenden und Ferien auf ihrer Datscha. Dieseskleine Landhaus ist längst unersetzlich geworden. Und wie ist es inDeutschland? Hier sieht es ganz ähnlich aus. Ähnlich, und doch einwenig anders.LESEHILFEVon Kristina Großehabig/ redaktion@martens.ruWer kennt sie nicht, die russischeDatscha? Viele Familiensind stolze Besitzer eines solchenHäuschens im Grünen, das zurErholung jenseits des hektischenGroßstadtlebens einlädt. Abereine Datscha ist weit mehr alsnur ein einfaches Wochenendhaus.Dazu gehört nämlich meistnoch ein großer Garten, in demObst und Gemüse angebaut werdenkann. Deshalb ist die Datschaauch gerade in den Sommermonatensehr beliebt. BerufstätigeEltern und ihre Kinder könnensich dort an den Wochenendenein bisschen ausruhen, währenddie Großeltern möglicherweisefür mehrere Wochen auf ihreDatscha ziehen und somit eineZeit lang gar nicht mehr in derStadt wohnen. Die Datscha wirddann gewissermaßen zu ihremZweitwohnsitz.Sie steht oftmals nicht allein undisoliert irgendwo im Grünen, sondernin Nachbarschaft zu anderenDatschen. So entstanden in denvergangenen Jahrzehnten bereitsviele kleine Datschasiedlungen, indenen die Menschen wie in einerDorfgemeinschaft leben. Dochwoher stammt diese Traditionüberhaupt? Die Geschichte derDatscha geht bereits einige Jahrhundertezurück. Peter der Großeverteilte 1703, nach der GründungSankt Petersburgs, Grundstückein der Nähe der Stadt an seineadligen Günstlinge. Diese Gestedes Zaren, das Geben von Land(russ. dawat,/dat, – geben), wurdevon späteren Zaren und Fürstenbeibehalten. Von ihr stammt auchdie bis heute gängige Bezeichnungder russischen Wochenend- undSommerhäuser: Datscha.Aber wie sieht es denn inDeutschland aus? Gibt es dortauch Datschen? In gewisser Weiseschon. Viele Deutsche besitzenein kleines Grundstück oder einaufregend – волнующий; захватывающийhektisch – изнурительный; сумбурныйanbauen – разводить; выращиватьgewissermaßen – в известной степени; некоторым образомder Zweitwohnsitz – второе место жительстваdas Grundstück – земельный участокder Günstling – любимец; фаворитbewirtschaften – вести хозяйство; обрабатывать (землю)der Ausgleich – уравновешивание; компенсацияsich abwenden – отвлекаться; отворачиватьсяHäuschen im Grünen, das einerDatscha nahe kommt. Diese sogenanntenSchrebergärten oderLauben sind aber vergleichsweiseklein und liegen oftmals in unmittelbarerStadtnähe. Das heißt, siewerden nicht so wie viele russischeDatschen als Zweitwohnsitzgenutzt. Die Besitzer bleiben meistensnur einen Tag lang in ihrenLauben und fahren anschließendwieder in ihre Wohnung in derStadt zurück.Schrebergärten dienen wie auchDatschen zur Erholung und zumAnbau von Obst und Gemüse.Noch im 19. Jahrhundert waren esvor allem die ärmeren Leute, diediese Kleingärten bewirtschafteten.Heute sind Schrebergärten geradebei jungen Familien mit Kindernsehr beliebt. Die größten deutschenGarten- oder Laubenkolonien,wie man eine Ansammlungvon Schrebergärten bezeichnet,sind übrigens in Berlin, Hamburgund München, den größten Städtendes Landes.Datschen nach russischem Vorbildwaren früher in der DDR zusehen. Neben Schrebergärten imstädtischen Gebiet soll es etwa 3,4Millionen Datschen auf dem Landgegeben haben. Die Tradition derSchrebergärten wurde fortgesetzt,Datschen hingegen bringt manheute vielmehr mit Russland inVerbindung.Auch wenn es gerade in Bezugauf die Größe von Datschen undSchrebergärten gewisse Unterschiedegibt, so haben doch beideTypen von Gartenhäusern einegemeinsame Funktion. Sowohl inRussland als auch in Deutschlanddienen sie als Ausgleich zur Stadtund ermöglichen den Menschen,sich für einige Zeit vom Großstadtlebenabzuwenden und die Naturzu genießen.Aufgaben1. Fülle die Lücken aus.a) Das Leben in einer Großstadt ist laut und _________.b) Um für ein paar Stunden bzw. Tage entspannen zu können, verbringenviele Menschen in Russland die Wochenenden und ______ auf ihrerDatscha.c) Dieses kleine ________ ist längst unersetzlich geworden.d) Viele Familien sind stolze ________ eines solchen Häuschens imGrünen.e) Aber eine Datscha ist weit mehr als nur ein _________ Wochenendhaus.f) Dazu gehört nämlich meist noch ein großer _____, in dem Obst undGemüse ________ werden kann.g) Deshalb ist die Datscha auch gerade in den Sommermonaten sehr_______.h) Sie steht oftmals nicht allein und isoliert irgendwo im Grünen, sondernin _____________ zu anderen Datschen.2. Richtig oder falsch? Überprüfe die Aussagen anhand des Textes.a) Für viele ältere Menschen in Russland wird die Datscha oft im Winterzu ihrem Zweitwohnsitz.b) Nach der Gründung Sankt Petersburgs 1703 verteilte Peter der GroßeGrundstücke in der Nähe der Stadt an seine adligen Günstlinge.c) Das Wort „Datscha“ stammt vom russischen Verb „darit,“ (schenken).d) Im 19. Jahrhundert waren es in Deutschland vor allem die ärmerenLeute, welche die Kleingärten bewirtschafteten.e) Die größten deutschen Garten- oder Laubenkolonien sind in Bonn,Heidelberg und Stuttgart zu finden.f) Datschen nach russischem Vorbild waren früher in der DDR zu sehen.Lösungen1. a) aufregend; b) Ferien; c) Landhaus; d) Besitzer; e) einfaches; f) Garten,angebaut; g) beliebt; h) Nachbarschaft. 2. Falsch: a; c; eРЕКЛАМАРЕКЛАМАМесто встречиwww.mdz-moskau.euАдрес редакции: 119 435, Москва, ул. Малая Пироговская, д. 5, оф. 54. E-mail: redaktion@martens.ru Тел.: +7 (495) 531 68 87.Отпечатано в типографии: ОАО «Издательский дом «Красная Звезда», 123007, Москва, Хорошевское ш., 38.


MOSKAUER DEUTSCHE ZEITUNGNR. 11 (354) JUNI 2013SPORTBesser so als andersFünf Lichtblicke einer nicht allzu lichten russischen Fußballsaison09Der deutsche Champions-League-Rausch hat halb Europa beimBlick auf die eigenen Realitätenernüchtert. Auch die Bilanz desrussischen Vereinsfußballs fälltbestenfalls durchwachsen aus.Fünf positive Momente hat dieMDZ trotzdem gezählt.Von Tino Künzel /tinok@martens.ru1Der Meistertitel ging erstmalsseit 2006 wieder aneinen Moskauer Klub – und wieschon damals an ZSKA. Das warauch besser so, denn Konkurrentenwie Zenit St. Petersburg (Meister2007, 2010 und 2011/12) oderRubin Kasan (Meister 2008 und2009) hätten es noch viel wenigerverdient gehabt, am Ende ganzoben zu stehen. Sonderlich mitRuhm bekleckert hat sich der neueChampion allerdings auch nicht.Speziell das peinliche Aus bereitsin der Qualifikation zur EuropaLeague gegen AIK Stockholm wareine bittere Pille. Zugutegehaltenwerden muss der Mannschaftjedoch, dass sie sich nach dürftigemStart berappelte und keinegrößeren Schwächeanfälle mehrerlaubte. Das nötigt schon deshalbeinen gewissen Respekt ab, weilvon den beiden etatmäßigen StürmernTomas Necid nach einemKreuzbandriss die gesamte Saisonausfiel und Seydou Doumbianach Bandscheibenvorfall erst inder Schlussphase zumindest wiedereingewechselt werden konnte.Immerhin hatte das Seuchenjahrfür den Top-Torjäger der Vorsaisondann doch noch ein HappyEnd: Doumbia erzielte in lässigerManier das entscheidende Tor imElfmeterschießen des Pokalfinalesgegen Anschi Machatschkala,wodurch sich ZSKA sogar alsDouble-Gewinner in den Urlaubverabschiedete.Tino Künzel (3)So sehen Sieger aus: Der Brasilianer Vagner Love, einer der Leistungsträgervon ZSKA Moskau, mit dem Meisterpokal auf Ehrenrunde.2Meistertrainer wurde LeonidSluzkij, der 2009 beimArmeeklub ZSKA die Nachfolgeder deutlich namhafteren KollegenZico und Juande Ramos angetretenhatte. Das war auch besserso, denn Sluzkij ist einer vonnur sieben russischen Trainernin der „Premier-Liga“ mit ihren16 Klubs. Und auch ihm hat dieMehrzahl der Experten bei jederGelegenheit das Format für höhereAufgaben abgesprochen unddie Installierung eines erfahrenenAusländers für notwendig erklärt.Dabei sind nicht nur Zico undRamos, sondern auch viele anderevermeintliche Glücksgriffe in Russlandspektakulär gescheitert. In derabgelaufenen Saison landete SlavenBilic, davor kroatischer Nationaltrainer,mit Lokomotive Moskaunur auf Rang neun – für den Klubdie schlechteste Platzierung seinerpostsowjetischen Geschichte.Noch schlimmer erging es demSpanier Unai Emery: Er wurdenach nur 17 Spielen bei SpartakMoskau gefeuert, obwohl er zuvorbeim FC Valencia sehr erfolgreicheArbeit geleistet hatte und mittlerweilebeim FC Sevilla unter Vertragsteht. Spartak hatte sich zuletztschon mit Mi chael Laudrup vertan,der als großes Trainertalent galt,aber mit der Mannschaft nur Mittelmaßproduzierte. Sluzkij dagegenmacht der einheimischen Trainerschulealle Ehre. Der 42-Jährigehat sich aus den Niederungen desFußballs emportrainiert, gilt alsTaktikfuchs und absolut skandalfrei,leidet auf der Bank allerdingsvor Anspannung Höllenqualen. ImVorjahr brachte es ZSKA fertig,einen zwischenzeitlichen Sieben-Punkte-Vorsprung auf den späterenMeister Zenit St. Petersburg ineinen Fünfzehn-Punkte-Rückstandzu verwandeln, was die Nervositätdes Trainers noch erklärt hätte.Vielleicht wird er ja nun, wo er esallen gezeigt hat, endlich ruhiger.3Zu den Spielen in der„Premier-Liga“ kamen imDurchschnitt 13 027 Zu schauer.Das war auch besser so, denndamit wurden die Besucherzahlender zurückliegenden Jahre übertroffen.Nur 2007 sah die Statistikleicht besser aus (13 114). Zugelegthaben vor allem Terek Grosny(+5 762), Anschi Machatschkala(+2 821) und der FC Krasnodar(+2 216). Im internationalenVergleich nimmt sich Russlandmit seinem Publikumszuspruchallerdings nach wie vor bescheidenaus. So hat sogar die zweitedeutsche Bundesliga einenZuschauerschnitt von 17 239. Inder „Premier-Liga“ sind die Stadienbuchstäblich halbleer, nämlichnur zu 45,6 Prozent gefüllt.Und von 240 Ligaspielen locktennur vier mehr als 30 000 Fans an:die beiden Derbys zwischen ZSKAund Spartak sowie zwei Heimspielevon Kuban Krasnodar. Kubanführt mit 20 934 Besuchern auchdie Zuschauertabelle der Liga an.4Bis zum letzten Spieltagherrschte hinter dem SpitzentrioZSKA, Zenit und AnschiSpannung um die Vergabe derPlätze 4 bis 6, die zur Teilnahmean der Europa League berechtigen,wie auch im Tabellenkeller,wo noch vier Klubs darum kämpften,den direkten Klassenerhalt zuschaffen und die Relegation zu vermeiden.Das war auch besser so,denn häufig ist schon lange vor Saisonschlussbei vielen Mannschaftendie Luft raus. Dass neuerdingsneben den beiden Absteigern zweiMannschaften in Ausscheidungsspielegegen den Dritt- und Viertplatziertender zweiten Liga müssen,setzt Klubs im hinteren Mittelfeldzusätzlich unter Druck. Inder Relegation konnten sich derFC Rostow und Krylja SowetowSamara später gegen die ZweitligistenFC Chabarowsk und SpartakNaltschik durchsetzen. Auchdavon dürfte die Liga profitieren,denn sowohl Rostow als auchSamara sind traditionelle Fußballhochburgen.Und dass den Erstligistendie Flüge nach Chabarowskim äußersten Osten Russlandserspart bleiben, dürfte ohnehin füreinen kollektiven Stoßseufzer derErleichterung gesorgt haben.5Den sehenswertesten Fußballspielte nach Auffassungvieler Beobachter nicht etwa ZenitSt. Petersburg mit 60-Millionen-Euro-Einkauf Hulk und nicht dasneureiche Anschi Machatschkalaunter dem sichtlich gealtertenStartrainer Guus Hiddink, sondernUnderdog Kuban Krasnodar.Das war auch besser so, denn mitKrasnodar ist Russland eine weitere„Fußballhauptstadt“ erwachsen,wie die Sportzeitungen freudigberichten. Ohne große Namen,dafür mit akribischer Arbeit undeinem begeisterungsfähigen Publikumsorgt Kuban, bis vor kurzemnoch zwischen erster und zweiterLiga pendelnd, nicht zum erstenMal für Furore. Der im Winterverpflichtete weißrussische TrainerLeonid Kutschuk, den nochnicht einmal Insider kannten, hatdie Mannschaft nun auf Platz fünfgeführt und mit ihr in der Rückrundekein einziges Spiel verloren.Die Stadt Krasnodar mit ihrenknapp 800 000 Einwohnern leistetsich dabei sogar noch einen zweitenErstliga-Klub, der zwar nichtganz so populär ist und „nur“Zehnter wurde, aber ebenfalls nachoben will. Der FC Krasnodar stelltemit dem Brasilianer Wanderson(13 Tore) den besten Torjäger derSaison. Dessen Sturmpartner, derArmenier Mowsijan, wurde imWinter an Spartak Moskau verkauft.Krasnodar funktioniert fürSpieler mit Qualität also auch alsSprungbrett. Es tut sich etwas imSüden Russlands – dem russischenFußball kann das nur recht sein.Die Enttäuschten: Für Kevin-Kuranyi-Klub Dynamo Moskaureichte es nur zu Platz sieben,auch wenn eine starkeAufholjagd die Fans hoffenließ (links). Beim kriselndenLok Moskau (rechts) war Feuerunterm Dach.


10 FEUILLETOND E U T S C H L A N D J A H R I N R U S S L A N DMOSKAUER DEUTSCHE ZEITUNGNR. 11 (354) JUNI 2013TERMINEWohin noch im Juni?Eine erste BilanzKurz vor Schluss der Blick zurück aufs DeutschlandjahrArno DeclairJoseph K., ein Bankbeamter, unverheiratet und Untermieter in einerPension, wird an seinem 30. Geburtstag von Vertretern einer mysteriösenstaatlichen Behörde aufgesucht. Er kommt vor Gericht, warum,weiß er nicht. „Der Prozess“, ein Theaterstück nach dem gleichnamigenRoman von Franz Kafka (Foto), kommt in der Bühnenfassung derMünchner Kammerspiele für Gastaufführungen beim Tschechow-Festivalauf eine Moskauer Bühne – auf Deutsch, mit russischen Untertiteln.14./15./16. Juni Teatrium auf Serpuchowka, Ul. Pawlowskaja 6,Karten: (495) 223 96 50, Puschkinskaja www.chekhovfest.ru+++ „Entfernte Nähe – Auf der Suche nach dem Eigenen und denAnderen“, ein integratives Theaterstück, auf die Bühne gebrachtvon den Regisseuren Andrej Afonin und Gerd Hartmann. 14. JuniTheater „Zentrum für Dramaturgie und Regie“, Ul. Begowaja 5, Karten:(495) 945 32 45, Begowaja www.cdr.theatre.ru+++ Ausstellung der Künstlerin Rebecca Horn mit etwa 35 Werken,darunter Performances, Filme und Installationen. Noch bis 14.Juli Multimedia Art Museum, Ul. Ostoschenka 16, Karten: (495) 936 2457, Kropotkinskaja, Park Kultury http://mamm-mdf.ru+++ Letzte Aufführung in dem Konzertzyklus neuer Musik „Klang-Strom“ unter dem Titel „Auf der Suche nach einer neuen Spiritualität“.Klassische Musik bei freiem Eintritt. 7. Juni Rachmaninow-Saal Moskauer Tschaikowski-Konservatorium, Ul. Bolschaja Nikitskaja13/6, Karten: (495) 690 51 81, Begowaja www.ccmm.ruEs gab viele Leuchtturmprojekte im Deutschlandjahr in Russland,das seit Juni 2012 läuft und jetzt in den Endspurt geht. Noch einMonat mit vollem Programm. Wie es war und was bleiben könnte –außerhalb des Lichtkegels von Berichten in zahlreichen Medien.Von Mandy Ganske-Zapf/ redaktor@martens.ruFast wären die Leute auf die „Straßenbahnhaltestelle“getreten, eineder bekanntesten Rauminstallationendes deutschen KünstlersJoseph Beuys. Die Eröffnung dergrößten Werkschau, die es bisdato zu ihm in Russland gegebenhat, war sehr gut besucht undfand in der russischen Öffentlichkeitbreiten Widerhall. Das war imSeptember 2012 einer der erstenHöhepunkte des Deutschlandjahresin Russland. Auf solche Veranstaltungenaus den insgesamt fast1000 Projekten, Vorträgen, Festenund Aufführungen schaut Wolf Irogern zurück.Noch lieber blickt der Programmleiterfür das Deutschlandjahrin Russland über die Besuchermassendes Eröffnungstages vonAusstellungen wie die zu Beuyshinaus. Auf das, was er mit seinemTeam und den Museen, Vereinen,Instituten und Einrichtungen inRussland gemeinsam organisiertund jede Eröffnung häufig zu einemAuftakt weiterer Veranstaltungengemacht hat. Denn begleitend zurBeuys-Ausstellung zum Beispielgab es ungefähr ein Dutzend Vorträge,jedes Mal ein Rahmen fürInteraktivität. Ein Wort, mit demIro das gesamte Deutschlandjahrbeschreibt, in seinem Anspruch.„Das Ziel war, dass sich Menschenbegegnen.“Im besten Fall zu relevantenThemen. Konkret gehörten dazuGesprächsreihen über Freiheit,Tod oder den Strafvollzug in beidenLändern. Alle Projekte solltenin die Tiefe gehen, das Deutschlandjahrkeine 365-Tage-FliegeWolf Iro, Leiter desDeutschlandjahres in Russland.Ivan Vodopyanov / Goethe-Institutsein, sagt Iro. Deshalb seien 35Prozent des Budgets russlandweitausgeschrieben worden – auf derSuche nach Ideen. 45 waren sogut, dass sie gefördert wurden. DerDialog als Teil der Struktur, vonvornherein. Mit dem Ziel: Austauschzwischen den Menschenund Gedanken anstoßen, die sichweiterdrehen.Das Theater-Projekt „EntfernteNähe“ ist so ein Beispiel. Ob esgelingen würde, war unklar. „Wirhaben uns rangeschlichen.“ Erstmit Workshops mit behindertenund nicht behinderten russischenDarstellern – die Basis für einTheaterstück, das seit der Premiereim November einmal im Monatläuft. Das Theater „Zentrum fürDramaturgie und Regie“ hat sichvertraglich dazu verpflichtet. „Daswar mutig“, sagt Iro über diesenSchritt, von dem er hofft, dass ernachwirkt. Darauf, wie Behindertein Russland wahrgenommen werden,nicht als „Tabu“, nicht mit„Paranoia“. Es gibt Verhandlungenüber Ausstellungsorte für dieeinfühlsamen Fotoaufnahmen zumStück, zum Beispiel in den Filialender Fluggesellschaft Transaero. ImMoment hängen sie an den Wändenim Goethe-Institut, das fürsDeutschlandjahr mit Wolf Iro alsSteuermann die Fäden noch bisEnde Juni in der Hand hält.Iro bedauert:Hochrangige Politikerließen auf sich wartenDerzeit kann sich Iro vorMedienanfragen kaum retten.Die laufende Schau „Mein Kofferfür die letzte Reise“ trifft offenbareinen Nerv (siehe nebenstehenderText). Sogar ein vietnamesischerKorrespondent will ihn sprechen.Das Deutschlandjahr in Russlandzieht Kreise.Das hätte sich Iro mehr vonhochrangigen, deutschen Politikernerhofft, nicht nur als Repräsentanten,sondern auch aus Interesse,sich mit gesetzten Themen zubefassen, als Entscheidungsträger.Besuche gab es kaum. Daran hätteauch die politische „Großwetterlage“ihren Anteil, meint Iro. Sprich:Die zunehmenden Spannungenzwischen beiden Ländern. Es wäreein „nice to have“ gewesen, dasssie eben nicht hätten, zum Beispielauch ein Besuch der Bundeskanzlerin,sagt er, „aber die eigentlicheSubstanz des Jahres wird dadurchnicht betroffen“.Hinter dem SchirmFilme und die Mythen um Katharina II. und Friedrich II.Zwei Projekte: VomVerschwinden und EntstehenSie begrüßen den Besucher am Eingang:Zarin Katharina und PreußenkönigFriedrich. Sie schauenvon den Bildschirmen, die an weißenZaunattrappen hängen. Und imPrinzip geht es auch genau darum:Was ist Attrappe oder erzeugteOberfläche, und was steckt dahinter?Die Ausstellung beschäftigtsich mit dem Mythos der beidenHerrscher, wie ihn Filme mitgeprägthaben, und fragt: Was relativiertsich bei genauerem Hinsehen?Szenen aus Filmen von Joseph vonSternberg oder Ernst Lubitsch, zweistilprägende deutsche Regisseureder 1920er und 1930er Jahre, sindzu sehen, aber auch Ausschnitte ausrussischen oder britischen Produktionen.Wie groß die mediale Flutist, die seit der Erfindung des Zelluoidsauf die Zuschauer dieser Weltprasselte, lässt sich bei einem Blickauf eine Zeittafel erahnen, die 100Filme aufzählt. Für den Filmfan eininteressantes Detail dieser Schau,die sonst darauf setzt, über Tafelnzu beiden historisch bedeutendenDie Schau ist im rekonstruierten Katharinen-Palast in „Zarizyno“ zu sehen.Herrschern Hintergründe aufzuzeigenund darüber hinaus Originaldokumentevon Drehbuchauszügenbis hin zu Kostümen derFilmproduktionen zu präsentieren,sei es aus den Babelsberger Filmstudiosoder des russischen StudiosLenfilm mit Sitz in St. Petersburg.Die Ausstellung ist auf Russischgehalten. Wer schon mal da ist,sollte einen Besuch des Parks „Zarizyno“gleich mit einplanen. mgBis NovemberZarin Katharina und KönigFriedrich: Das 18. Jahrhundertauf der LeinwandDolskaja Ul. 1Zarizynowww.tsaritsyno.netMandy Ganske-ZapfNoch zwei größere Projekte desDeutschlandjahres hält der Sommerfür die Moskauer bereit: Eines,das, kaum dass es da ist, wieder verschwindenwird. Und eines, dassüber dieses Jahr hinausweisen wird– nach allem, was es verspricht.„Die verschwindende Mauer“hatte eine langen Vorlauf. Derweltweit bekannte Ingenieur undArchitekt Professor Werner Sobekwar für zwei Workshops auf Einladungdes Goethe-Instituts in Moskauund entwickelte mit Studentendes Moskauer ArchitekturinstitutsMARCHI die Idee. Entstandenist eine auseinandernehmbareMauer, bestehend aus Holzklötzen,die Zitate deutscher Denkertragen und von den Betrachternmitgenommen werden können.Das Datum ihres Erscheinens stehtnoch nicht voll und ganz fest. Bislangheißt es aus dem Goethe-Institutund auf der Webseite zumDeutschlandjahr in Russland „voraussichtlicham 22. und 23. Juni imMoskauer Gorki-Park“. Und dannwird sie bald auch wieder verschwundensein, verstreut in alleWinde, mit ihr die Gedanken, dieauf ihr prangen.Ein anderes Projekt ist auf dreiEtappen angelegt und soll deutschesTheater auf Russisch auf dieBühne bringen. Auftakt ist AnfangJuni, wenn Friederike Heller, Regisseurinder Berliner Schaubühne,Auszüge des 2012 erschienenenRomans „Johann Holtrop“ von RainerGoetz theatralisiert aufführenlässt. Gearbeitet hat sie daran mitrussischen Schauspielern. Ein Konzept,das auch die beiden nächstenEtappen prägen soll: Nach derSommerpause wird Hans-WernerKroesinger in Moskau erwartet,der als Vertreter des dokumentarischenund politischen Theatersgilt. Wer dritter im Bunde diesesProjekts unter dem Titel „Über dasWesentliche. Laboratorium: DeutschesTheater“ wird, steht nochaus. Kroesingers Stück wird am 18.und 19. September im MoskauerKünstlertheater aufgeführt. mg


MOSKAUER DEUTSCHE ZEITUNGNR. 11 (354) JUNI 2013FEUILLETOND E U T S C H L A N D J A H R I N R U S S L A N DPacken, jetzt schon?Eine Ausstellung will den Tod als Teil des Lebens ins Bewusstsein rücken11Dass irgendwann Schluss ist, einfach so, das ist etwas, was immer nurdie anderen trifft - ein ewiger, unausgesprochener Gedanke. Doch derTod kann jeden treffen, erwartet oder unerwartet, ob Jung, ob Alt.Tabu-Thema Tod. Eine Ausstellung will es sanft aufbrechen.Mandy Ganske-ZapfVon Mandy Ganske-Zapf / redaktor@martens.ruEine Kuscheldecke, eine Duftkerze,eine Flasche Wasser und einGedicht zum Vorlesen. Das hatDagmar, 49 Jahre, in ihren Kofferfür die letzte Reise gelegt. EineReise, für die sie nichts brauchenwird, meint sie. All das ist für ihrenBegleiter gedacht, für denjenigen,der sie umarmen soll, wenn sie imSterben liegt – falls er das braucht,um den Moment zu ertragen.Ihr Koffer ist einer von 100 ineiner Ausstellung, die noch biszum 26. Juni in der Manege zusehen ist. 50 Deutsche und 50 Russengeben mit ihrem Koffer undeinem Begleittext Antwort auf dieFrage: Was nimmst Du mit, wennnur noch der Tod bevorsteht?Die Auswahl dessen, was fürjeden Einzelnen nicht fehlen darf,ist geprägt von den Vorstellungendarüber, was der Tod für sie bedeutenmag oder, ob er das überhauptsoll. Manche fragten sich nach demDanach, andere nach dem Momentdes Sterbens selbst, wieder andereüberlegten, was das für ihre Angehörigenbedeuten wird oder wer sieselbst bisher waren.Für Ingeborg Buß etwa ist derTod das Hinübertreten ins Ungewisse,Unklare. Sie packte eine roteSamtdecke ein, „falls dort, wo ichhingehe, eine Frühlingswiese ist“.Peter Knob begreift den Tod alsBeginn eines neuen Lebens, seinKoffer enthält Familienfotos unddie Bibel. Der Russe Jurij Rostschreibt, sein Koffer sei mit Leeregefüllt – der dennoch einen Plastikglobusenthält, „damit man nichtvergisst, dass meine Heimat eineForm hat“. Der Gedanke ans Sterbentreibt ihn schließlich doch um,auch wenn seine Begleitzeilen fasttrotzig ausrufen mögen: „Ich gehevorerst nirgendwo hin.“Für Moskau wurde die Ausstellungumkonzipiert: Eigens dafürhatte Wolf Iro, Leiter des Deutschlandjahresin Russland, die Idee, sieum die 50 russischen Teilnehmerüberhaupt erst zu erweitern. Zuvorbestand sie allein aus 100 Koffernvon Deutschen und war seit 2006bereits in Deutschland und derSchweiz unterwegs.Gibt es einen Unterschied zwischenDeutschen und Russen imNachdenken über den Tod? Natalijaund Anna Trofimowa, Mutterund Tochter, gemeinsam in derAusstellung zu Besuch, sagen zumBeispiel: Nein. Auch Iro glaubt:„Mitanderen Weltenwissen wir nichtsanzufangen.“„Ich würde vor dieser interpretatorischenFalle warnen.“ Manchestellten sich dem Tod als Teil desLebens „humoristisch oder ironisch“,andere mit der ganzen„Schwere oder Bedeutung“.Zwei der sehr abstrakt gestaltetenKoffer aus beiden Kulturenzeigen zum Beispiel einmalein Dosentelefon, ein einfachesKommunikationsmittel – um imDanach in Kontakt zu bleiben, mitanderen Menschen. Ein drängenderWunsch vieler Ausstellungsteilnehmer.Eine junge Russin hatandererseits zum Thema gemacht,wie schwer ein Nachdenken überdas Ende des Lebens sein kann,indem sie den Science-Fiction-Autor Stanislaw Lem zitiert. Inseinem Roman „Solaris“ schrieber über den Menschen und dessenSuche nach den Grenzen des Selbstund der Welt: „Wir brauchen Spiegel.Mit anderen Welten wissen wirnichts anzufangen.“Der einstige Ideengeber dieserSchau war der Trauerbegleiter FritzRoth, der inzwischen verstorben ist.Er hat eins erreicht: Dass die Teilnehmerden Tod als Gedanken inihr Leben ließen. Und wer nun aufEin Koffer vollerSpiegelscherben – eineAnspielung auf denScience-Fiction-Roman„Solaris“.die sorgsam versammelten Utensilienin den schwarzen Koffernmit weiß-grauem Muschelmusterschaut, kommt kaum umhin zufragen: Und wie ist das mit mir?Bis 26. JuniAusstellung „Ein Koffer für dieletzte Reise“Manege, Maneschnaja Pl. 1Ochotnyj rjadwww.moscowmanege.ruEinfach und sicher nach Russland ReisenVisa aller Artnach Russland, GUS und ChinaРЕКЛАМАRussian Language School16 Bolshoi Golovin pereulokTel.: +7 (495) 768 0488school@ruspeak.comWWW.RUSPEAK.COMРЕКЛАМАTel. : +49 30 37 44 9283 info@euroturism.deLandsberger Allee 131A | 10369 Berlinwww.euroturism.de


12MOSKAUERLEBEN IN MOSKAUDEUTSCHE ZEITUNGNR. 11 (354) JUNI 2013Was zähltSchüler gewinnen bei „Jugend musiziert“Mandy Ganske-ZapfDie Deutsche Schule Moskau war mit vier Schülern beim Bundeswettbewerb„Jugend musiziert“ in Nürnberg, in der Kategorie “Pop-Gesang Solo”. Und alle haben einen Preis geholt. Ein Gespräch überdas Gewinnen und was es ihnen bei diesem Wettbewerb bedeutet hat.Herzlichen Glückwunsch! Seid Ihrmit der Erwartung in den Wettbewerbgegangen, dort zu gewinnen?Vera: Ich habe gar nicht erwartet,überhaupt so weit zu kommen.Ich hatte mir natürlich nicht vorgenommenzu gewinnen, sondernwollte, dass wir Spaß haben undnicht so verkrampft versuchen,irgendwas zu singen.Du sagst „natürlich nicht“ vorgenommen,das ist interessant…Vera: Naja, ich habe nicht vor,Sängerin zu werden. Deswegen binich da ganz locker hingegangen.Hanna: Mein Ziel war eher der 3.Preis. Als ich dann gehört habe 2.Preis, habe ich mich sehr gefreut.Avital: Ich wollte nicht gewinnen,es war mir eigentlich egal. Es gingdarum, mich weiterzuentwickeln.Eure Gewinne haben euch demnachüberrascht?Lukas: Überrascht war ich von deneigentlichen Auftritten, weil sie diebesten waren, die wir bis jetzt hatten.Wir haben den Druck positivumgesetzt. Das Ergebnis hatte ichdanach so ähnlich erwartet.Avital: Ich hab gar nichts erwartet.Dann kam der erste Preis, und ichwar schon überrascht.Warum ward ihr so überzeugend?Vera: Ich denke, wir werden inder Schule sehr gefördert, dadurchdass wir oft auftreten können, zumBeispiel bei Konzerten.Hanna: Bei mir ist das eher ausder Familie heraus zu erklären.Ich singe, seit ich denken kann,ich habe eine musikalische Familieund bin damit aufgewachsen, dassLeute um mich herum nur gesungenhaben. Deswegen lag es nichtfern, dass ich auch anfange.Beeinflusst der Gewinn euren Werdegangin Bezug auf das Singen?Vera: Ich glaube, das ist wie eineTür, die jetzt noch geöffnet wurde,die nicht mehr zufällt – eine sicherereBasis, freier zu wählen, was manmachen wird. Es ist wie ein Zeugnis,das man abgeschlossen hat.Avital: Der Sieg bedeutet für mich,dass die Menschen es mochten,wie ich gesungen habe. Hätten daandere Menschen gesessen, hätteich vielleicht gar keinen Platz. Ichweiß deshalb nicht, was ich damitanfangen soll. Aber natürlich willich weitersingen.„Der erste Platz ist haltein erster Platz“Hanna: Ich würde mit und ohneWettbewerb weitersingen. Diegroße Frage ist, inwiefern ich dasberuflich machen will. Ich überlegenoch, ob ich Musik studieren willoder nicht – ich habe meine Entscheidungein wenig an den Wettbewerbgehängt. Ehrlich gesagt, binich aber immer noch nicht weiter.Willst Du im nächsten Jahr wiederteilnehmen, in der Hoffnung, dasssich in Deiner Frage etwas klärt?Sie waren beim Bundeswettbewerb Ende Mai in Nürnberg ganz vorn dabei, sicherten sich alle einen Platz auf dem Treppchen,in der Kategorie „Pop-Gesang Solo“ (v.l.): 2. Preis für Hanna Steinhauer (16, Klasse 11), 1. Preis für Avital Ginzburg (16, Klasse 10 b),3. Preis Vera Götze (17, Klasse 11). Lukas Sziele (18, Klasse 12 b) hat Avital und Vera auf Akustikgitarre begleitet. Die Mädchen singenseit drei Jahren bei „Jugend musiziert“ sowie bei fast allen musikalischen Schulprojekten. Qualifiziert für Nürnberg hatten siesich in einem Wettbewerb unter deutschen Auslandsschulen von London über Helsinki bis Moskau, wo 2013 Austragungsort war.Hanna: Auf jeden Fall werde ichmitmachen, aber eher wegen derLeute. Den Bundeswettbewerb gibtes nächstes Jahr nicht in der Kategorie„Pop-Gesang“.Vera: Man macht auch nicht mehrmit, um zu gewinnen – das ist vielleichtin den ersten Jahren so. Jetztist uns eigentlich wichtiger, in dieseAtmosphäre einzutauchen und mitallen möglichen Leuten singen zukönnen.Ihr habt einen Preis gewonnen?Für wen war das das erste Mal imLeben? Wie empfindet ihr das?Hanna: Das erste Mal war es nicht.Es war für mich ein jahrelanges Ziel,einmal zum Bundeswettbewerb zufahren – weil mir bislang immerein Punkt fehlte. Aber sonst: Es hatSpaß gemacht. Ich schätze, das istauch das Wichtigste.Vera: Es ist wie ein Abschluss, dersagt, wir müssen uns nicht schämen,wenn wir uns auf die Straßestellen und einfach vor uns hersingen.Avital: Das ist doch aber unnötig.Deshalb finde ich gut, dass es sehrviele erste, zweite und dritte Plätzebei „Jugend musiziert“ gibt. SogarGuiseppe Verdi hat einmal gesagt,dass man Musik nicht einschätzenkann. Und deshalb ist der erstePlatz, ja, ein erster Platz halt.Hanna: Aber dafür ist das Punktesystemda. Selbst wenn es sehrsubjektiv ist, lässt sich einschätzen,wer gut mit seiner Stimme umgehenkann. Du hast ja nicht umsonstden ersten Preis bekommen.Avital: Das ist aber nicht objektiv.Lukas: Das hat Musik so an sich.Auf gewisse Weise kann manes bewerten. Was einige beimAbschlusskonzert für ihre 25 Punkteauf der Bühne gespielt haben,das war schon krass.Vera: Im Prinzip zählt ja nicht derPreis, sondern dass du im Bundeswettbewerbmitgemacht hast. AmEnde hat niemand mehr gefragt,ob du Preisträger bist oder nicht.Das Interview führteMandy Ganske-Zapf.Auf verlorenem Posten?Serie „Vorteil Russland oder Deutschland“ über das Suchen und (Wieder-)Finden„Ein Fundbüro?“, fragt der Wachmann eines Pfandleihhauses am ProspektMira und blickt gutmütig von seinem Bildschirm auf, „das gab eshier mal.“ Etwas zu suchen, das fängt in Moskau damit an, das Fundbürozu finden. Ein kleiner Wegweiser, der den Vergleich zu Berlin sucht.INFOLiebe Leser und Leserinnen,sagen Sie uns, was Sie gernin der „Plus-Minus-Serie“ derMDZ lesen möchten. Odersind Sie auch mal andererMeinung? Schreiben Sie uns!Von Nora Korte / redaktion@martens.ruDer Wachmann deutet auf eineTür im Haus gegenüber. Dort sei esgewesen. Und jetzt? „Ausgezogen.“Er scheint diese Frage nicht zumersten Mal zu hören – immerhinfindet sich diese Adresse des Fundbürosder Moskauer Verkehrsbetriebenoch immer dutzendfachfalsch im Internet. Weiter geht eszur Station „Universität“, das Fundbüroder Moskauer Metro gibt esimmerhin wie angegeben. Dorthinhat es auch Student GrigorijSolotow geschafft. „Ein schwarzerSchirm, mit roter Spitze, haben Sieda was?“, fragt er durch das kleineFenster, das sich ihm öffnet. DieDame auf der anderen Seite verschwindetkurz und kommt wieder,kopfschüttelnd. Ein paar Mal hätteer in Moskau schon etwas verloren,aber nichts wiederbekommen.Selbst nachschauen darf manhier nicht, die Dame hinter der Türhütet ihre Kammer wie ein Staatsgeheimnis.Nichts Interessantesbefinde sich dort, heißt es späterauch von der Pressestelle, auf dieman an der blauen Türluke verwiesenwurde. Ganz anders im Internet.Hier gibt es in Russland einenregen Austausch über Gefundenesund Verlorenes. „Ich hab’ meinenPass gefunden, vielen Dank an alle!“,schreibt ein Nutzer auf der Seite„Fundbüro” im sozialen NetzwerkVKontakte. Ein ähnliches Prinzipverfolgt die Website lost-and-found.ru. Seit 2007 wurden hier russlandweitüber 15 000 Verluste gemeldet– die Zahl der Funde beläuft sichjedoch nur auf ein Sechstel. Ammeisten verlieren und finden dieRussen demnach ihre Pässe. Vielgefunden werden außerdem Hundeund Schlüssel. Schwieriger ist es mitden viel gesuchten Portemonnaies,Handys und MP3-Playern. Für diesegibt es zumindest im Internet kaumehrliche Finder. Um die Motivationzu erhöhen, greifen einige Unglücklichezu drastischen Maßnahmen:knapp 800 Euro Finderlohn bietetjemand für eine Mappe mitDokumenten.In Berlin ist das Finden des Fundbürosetwas leichter. Die Chancen,dort sogar Verlorenes wiederzuentdecken,stehen auch nicht schlecht.Eine zentrale Sammelstelle derStadt gibt es am ehemaligen FlughafenTempelhof. Die Liste ist onlineeinsehbar. Die Verkehrsbetriebehaben außerdem ihr eigenes Fundbüro.„Beim Karneval der Kulturenwurde mir mein Rucksack geklaut“,erzählt Studentin Karolin Strohmervon ihren Erfahrungen. Jemandhatte das Geld herausgenommen,ihn weggeworfen, und sie bekamspäter tatsächlich einen Brief ausdem Fundbüro. Etwa 30 Prozentder Fundstücke werden dort auchwieder abholt. Am meisten betrifftdas Geldbörsen und Handys, weilBesitzer informiert werden können.Fahrräder und Taschen bleibenhingegen meist liegen, heißt esauf Nachfrage. In Russland gibt eseine Vorschrift: Gefundene Dokumentesind bei der Polizei abzugeben.In Deutschland ist das Findenwie auch der Finderlohn gesetzlichgeregelt. Wer einen Gegenstandmit einem Wert über 10 Euro findet,muss diesen „anzeigen undabgeben“.Auch wenn es in Moskau schwierigerscheint, etwas wiederzufinden,Grigorij Solotow sagt überseinen Besuch im Fundbüro: „DenVersuch war es wert.“Fundbüro der MetroUniversität, im 2. Stock überder PolizeiKontakt: (495) 622 20 85Fundbüro für Bus und TramKrasnossjelskij Per. 3KrasnossjelskajaKontakt: (499) 264 82 85Fundbüro für DokumenteNowoslobodskaja Ul. 57/65MendelejewskajaKontakt: (499) 978 46 24


MOSKAUER DEUTSCHE ZEITUNGNR. 11 (354) JUNI 2013LEBEN IN MOSKAU13Konsul golft für den guten ZweckWohltätigkeitsturnier im „Moscow Country Club“ in PodmoskowjeBei einem Wohltätigkeitsturnier kamen 2,5 Millionen Rubel für Hilfsorganisationenzusammen. Die Spenden gehen an Kliniken, Schulen unddirekt an kranke Kinder. Das Turnier wurde vom russischen Außenministeriumveranstaltet, im „Moscow Country Club“ bei Krasnogorsk. Mitvon der Partie: Der österreichische Generalkonsul.Mandy Ganske-Zapf (5)Von Mandy Ganske-Zapf / redaktor@martens.ruKonzentriert, aber ohne kratzbürstigenEhrgeiz macht sich EdwinFerner an den Schlag, kurz vor demEndspurt einer Runde auf dem Golfplatz„Moscow Country Club“. DerGeneralkonsul der österreichischenBotschaft trifft nicht, seinen dreiMitspielern ist ebenfalls kein Glückbeschieden. Sie nehmen es leicht.Immerhin verbringen sie den Tagfür den guten Zweck, außerhalbdes Stadtstresses von Moskau, naheder 130 000-Einwohner-Stadt Krasnogorsk,und zwar auf dem ersten18-Loch-Platz, den es jemals inRussland gab. Spatenstich war nochEnde der 80er Jahre, inzwischen gibtes in ganz Russland 27 Golfplätze fürdas teure Hobby. Der Sport ist angesagt,und so mangelt es auch nichtan Teilnehmern an diesem Tag.Mehr als 120 Männer und Frauenaus den Botschaften der russischenHauptstadt, aus Unternehmen undKulturinstitutionen stehen auf demFeld, die Sonne brennt, die Mückenbeißen. Seit 18 Jahren wird dasTurnier auf dem Platz des Golf-Klubs ausgetragen, etwa 100 MillionenRubel kamen unter anderemfür die beiden Organisationen„Schenke Leben“ („Podari Schisn“)sowie „Glaube“ („Wera“) zusammen.Genauso profitieren Schulenim Umkreis. Während die Männerund Frauen in den Mannschaftenum die Titel vom „weitesten Schlag“bis zum „besten Botschafter“ konkurrieren,verbringt zum BeispielNatalija Bogomolowa mit ihrenSchülern den Tag ebenfalls auf demGolfplatz, sie wurden eingeladen.Ihre Schützlinge brauchen eine spezielleSprecherziehung. Ihre Schuleerhält eine Spende für nötige Renovierungsarbeiten.Auch von denanderen Begünstigten des Spendengeldessind Vertreter gekommen,die Aushängeschilder der Organisationen.Schauspieler MichailPoretschenkow nahm für „SchenkeLeben“ einen symbolischen Schecküber zwei Millionen Rubel entgegen,Schauspielerin Nelli Uwarowafür die Organisation „Glaube“,die ein Kinderhospiz damit bauenwill. „Schenke Leben“ setzt sichunter anderem dafür ein, Kindernmit Krebserkrankungen die teureChemotherapie zu ermöglichen.Für Edwin Ferner Grund genug, dieVeranstaltung zu besuchen, sagt er,schon seit fünf Jahren.Die Prominenz alsRepräsentanten derWohltätigkeitsorganisationen„Podari Schisn“ und „Wera“ließ sich beim Golfen ablichten:Nelli Uwarowa beiTrainingsschlägen (oben rechts),gefilmt von der elfjährigenXenija von der Internatsschuleunter Leitung von NatalijaBogomolowa. MichailPoretschenkow nahm densymbolischen Scheck von zweiMillionen Rubel entgegen (linksoben). Konkurriert hatte derösterreichische GeneralkonsulEdwin Ferner (Foto rechts) mitmehr als 120 Teilnehmern umdie etwa 20 Pokale in den verschiedenenKategorien, holteselbst aber keinen Preis. Er warnicht der einzige Diplomat. Zumdritten Mal nahm auch BonifesGuva Britto Chidyausiku, derBotschafter aus Simbabwe inder russischen Hauptstadt, teil(Foto unten links). Er schnittbesser ab als sein österreichischerKollege, erhielt den Preisfür den „besten Botschafter“ indiesem Turnier.ANZEIGE+79-ANGEL-TAXIAngel-Taxi.comANZEIGEACHTUNG!!!WOHN-& GESCHÄFTSHAUSDEUTSCHLAND / SACHSEN /PLAUEN, TOPLAGE, CA. 750 M² WOHN-& GEWERBEFLÄCHE INCL.ANTIQUITÄTENHANDEL MITWARENBESTAND ZUVERKAUFEN ANGEBOTE ÜBER0049 3741/149 163 ODERKUNSTUNDSCHUNDGMX.DE


MOSKAUER DEUTSCHE ZEITUNGNR. 11 (354) JUNI 2013K O N Z E R T | R E S T A U R A N T | B Ü H N EK I N O | R EMit Regenschirm und OhropaxMusik in alle Himmelsrichtungen bei drei Open Air-Festivals bis Ende JuniNoch bevor die Moskauer sich aufihre Datschas zurückziehen, versuchenzahlreiche Musik-Festivals sieaus der Stadt zu locken.Im vergangenen Jahr waren nochThe Cure gekommen, diesmal siehtdie Gästeliste des Rockfestivals„Maxidrom“ bescheidener aus. DasGroßereignis „Ussadba. Jazz“ findetauf mehreren Bühnen statt, es spielenetwa Jazzstar Igor Butman, aberauch die russische Kult-Rockgruppe„Aquarium“. Auch mitten in Moskauwird es laut. „Park Live“ wurdees getauft, das in diesem Jahr erstmalsstattfindende dreitägige Musikevent.Dabei wird es nicht etwaeinen der Moskauer Parks zum Vibrierenbringen, sondern die Pavillonsdes WWZ. Das Programm isteher bunt und auf die ganze Familieausgerichtet.Bei diesen drei Open-Air-Festivalssollte man mit mindestens 2000Rubeln (50 Euro) Eintrittspreis proTag und Person rechnen.Maxidrom (Rockmusik)12. Juni, ab 14 UhrFlughafen TuschinoWolokolamskoje Chaussee 88TuschinskajaTel. (495) 945 04 37www.maxidrom.ruUssadba. Jazz15. und 16. Juni, ab 14 UhrSchlossmuseum ArchangelskojeKreis Krasnogorsk imMoskauer GebietMjakinino, dann Schattelbussevom Veranstalter(495) 785 35 32www.usadbajazz.ruPark Live (Popmusik)28. Juni, ab 19 Uhr29. und 30. Juni, ab 12 UhrAuf dem Gelände des AllrussischenAusstellungszentrums WWZWDNChKarten: (495) 644 22 22www.parklive.proDas Festival „Ussadba.Jazz“ findet auf vornehmemBoden statt.Mindesthaltbarkeit überschritten:sowjetisches VerpackungsdesignMeist folgt sie dem Trend derZeit, manchmal eilt sie ihm sogarvoraus – auch die Verpackung hateine Geschichte. In der Manegevor den Mauern des Kremls darfman zurzeit darüber staunen,wie sich das Design der Schachtelnund Konserven in Russlandin den vergangenen 200 Jahrenentwickelte.In den Schaukästen stehen Verpackungenvon Lebensmitteln,Parfümen, Arzneien und Haushaltswaren:Seifen, Kölnischwasser,Zigaretten, Zahnpulver, Konservenin allerlei Formen und Größen,Bleistiftsätze, Halwa und Fruchtliköre– solche Waren bevölkertennoch vor nicht allzu langer Zeitdie Regale russischer beziehungsweisesowjetischer Läden. Zuerstwurden die Verpackungen ausbemaltem Blech hergestellt, etwaJulia Alechnodie Büchsen für Tee oder körnigenKaviar aus dem 19. Jahrhundert.Sehr ungewöhnlich sind die erstenGlasflaschen: Die Karaffen habendie Form einer Büste von Puschkin,Turgenew oder auch einer jungenDame und sind mit alkoholischenGetränken gefüllt.Einige Designs sind sogar charakteristischfür eine ganze Epoche,in der sie einfach allgegenwärtigwaren. Dazu gehören dieroten Büchsen mit goldenen Punktenund den Aufschriften „Salz“,„Mehl“ und „Zucker“, die in jederKüche standen, oder die dreieckigeMilchtüte. Dann gibt es noch echteKultobjekte: das erste Dosenbierder UdSSR und die Plastiktüte, diemit dem Maskottchen der OlympischenSpiele 1980, dem BärenMischka, bedruckt war und an derein enormer Mangel herrschte.Die schönsteZigarettenpackungallerZeiten? HundekosmonautinLaika ziert dieSchachtel mit 20Glimmstengelnvon der gleichnamigenMarke.Gesundheitswarnungenwaren damalsnatürlich nochnicht vorgeschrieben.Untenist eine Dose mitsowjetischemKautabak zusehen.Und wer könnte je die Zahnpaste-Tubeoder Zigarettenschachtelmit den ersten Weltraumpionieren,den Hunden Belka und Strelka,vergessen?An den Wänden des Ausstellungsraumshängen prägnante Etiketten,Skizzen und Plakate, dieden Besuchern in ihren Bann ziehen.Gnade dem zeitgenössischenKonsumenten, wenn sich ein sogenialer Dichter wie WladimirMajakowskij mit Werbesprüchenbefasst. Heute bringen seine konstruktivistischenWerbeplakate nichtmehr den Konsum in Schwung,sondern gelten als Kunst.Viele Besucher schlendern miteinem Lächeln auf den Lippendurch die Ausstellung und erinnernsich nostalgisch an ihre Jugend,wenn sie die Exponate betrachten.Und auch eine 18-jährige Studentinweiß schon, von „damals“ zuerzählen. In einer Vitrine vor ihrstehen rote Schachteln, die Kreml-Türmen und -Sternen nachgebildetsind. „Ich habe noch erlebt,dass wir im Kreml solche Neujahrsgeschenkebekommen haben.Aber später gab es nur noch dieKaramellbonbons ohne die cooleVerpackung.“Julia Alechno /redaktion@martens.ruBis 25. JuniVerpackungsdesign. Made inRussiaAusstellungsraum „Manesch“Maneschnaja pl. 1(495) 645 92 77Ochotnyj rjadwww.moscowmanege.ruHIGHLIGHTS1 SPORTLAUFEN IN DER NACHTTokyo, New York, Moskau – dierussische Hauptstadt leistetsich einen neuen offiziellen„Moskau-Marathon“, der am15. September im Stadtzentrumstattfinden wird. Am 22. Maistartete die Registrierung fürdie Teilnahme am Marathon.Die Anmeldung ist online unterwww.moscowmarathon.orgmöglich. Der bisherige traditionelle„Moskauer InternationaleFriedensmarathon“ wird dabeiin vielerlei Hinsicht übertroffen.Insbesondere laden dieVeranstalter vor dem offiziellenStartschuss zu Trainingsläufenunter verschiedenen Mottiein. Am 22. Juni können dieTeilnehmer beim „Nachtlauf“rund um den Luschniki-Park ander Moskwa entlang joggen.Das Rennen selbst dauert von20 bis 0.30 Uhr. Alle Teilnehmererhalten Startnummernmit elektronischen Chips undfluoreszierende T-Shirts. DieTeilnahme kostet 500 Rubel, dieLaufstrecke beträgt zehn Kilometer.Am 4. und 25. Augustwird es noch zwei weitere Vorbereitungsrennengeben – den„Herbstdonner-Lauf“ und das„Farben-Rennen“. nk22. Juni (Nachtlauf), 4. und25. August (Übungsläufe),15. September (Marathon)Luschniki-SportparkUl. Luschniki 24Sportiwnajawww.moscowmarathon.org2 OPERFÜRST IN VOLLENDUNGEine der bedeutendsten russischenOpern ist ein unvollendetesWerk. Ihr Schöpfer AlexanderBorodin ist mit 54 Jahren aneinem Herzinfarkt gestorben,erst 1890, drei Jahre später,konnte „Fürst Igor“ uraufgeführtwerden. Heute ist die Aufführungder Oper ein seltenesEreignis – insbesondere auf derHauptbühne des Bolschoi-Theaters.Alexander Borodin nahmsich Ende des 19. Jahrhundertsdes mittelalterlichen Igorliedesan und machte daraus eineimposante Oper mit Balletteinlagen– in russischer Sprache. DerRegent einer kleinen russischenStadt – Fürst Igor – zieht fürdie Verteidigung seiner Heimatin die Schlacht und fällt dabeiin die Hände der kriegerischenKiptschaken. In fünf Aktenwird hier die Geschichte vonHeldenmut, Ehre und Liebeerzählt, die schon seit Jahrhundertendie Russen in ihren Bannzieht. Insgesamt achtmal zeigtdas Bolschoi die Oper. WegenErkrankung des 95-jährigenRegisseurs Jurij Ljubimow wardie Aufführung um fast einJahr verschoben worden und biszuletzt unter einem Fragezeichengestanden.nk8. bis 16. Juni, 19 UhrBolschoi-TheaterTeatralnaja pl. 1(495) 455 55 55Teatralnajawww.bolshoi.ru


MOSKAUER DEUTSCHE ZEITUNGNR. 11 (354) JUNI 201314|15K U N S T F E S T I V A LS T A U R A N T | B A L L E T T | M U S E U MEin Gladiatorauf leisen SohlenSpartacus tänzelt in der Neuinszenierungeines russischen Ballettklassikers gegen RomAls „The Moscow Classical Ballet“ist es weltweit bekannt. Seit Jahrzehntenbietet es mit seinen Aufführungenim Großen Kremlpalastund in der Neuen Oper einebeständige Konkurrenz zum Bolschoi-Ballett:das Staatliche akademischeBallett unter der Leitungdes Ehepaars Natalja Kassatkinaund Wladimir Wassiljow. Seit demJahr 1966 besteht diese kulturelleInstitution, ein eigenes Gebäudewar dem prominenten MoskauerEnsemble allerdings bis heute nichtvergönnt.Vor allem die hervorragendentänzerischen Leistungen warenes, die den guten Ruf dieses Ballettkorpsbegründeten: Hier startetenMega-Tanzstars wie WladimirMalachow (Intendant desStaatsballetts Berlin), Galina Stepanenko(die derzeit vertretungsweisedas Bolschoi-Ballett leitet)und der langjährige erste Solotänzerim Londoner Covent GardenIrek Muchamedow ihre Weltkarriere.Zuerst wurden von derTruppe eher seltene Ballettstückedargeboten, dann aber auchKlassiker wie der „Schwanensee“von Tschaikowski sowie moderneWerke von Strawinskij undProkofjew.Doch auch in diesem umfassendenRepertoire sticht ein Ballettbesonders hervor und wirkt wieein Magnet auf das Publikum.Das Stück „Spartacus“ (1956) desarmenischen Komponisten AramChatschaturjan wird oft schon als„legendär“ bezeichnet. Es erzähltvon einer bekannten Episode ausder Geschichte Roms: dem Sklavenaufstandunter Führung desGladiators Spartacus. Erst vierJahre später hat sich Hollywooddes Stoffes angenommen. Das Librettowurde von Kassatkina undWassiljow neu geschrieben, dennsie wollten vor allem die tragischeund sinnlich aufgeladeneAtmosphäre des untergehendenRömischen Reiches vermitteln.Das Sujet mit starken Männernund zarten Frauen, Mut und Erotik,Macht und Widerstand ziehtjeden in seinen Bann.Für die kraftstrotzende musikalischeUntermalung des energischenBalletts sorgt das Orchesterder Neuen Oper. Die Kampfszenensollen übrigens vomVizepräsidenten der russischenKampfsport-Bund persönlich choreographiertworden sein.Trotz den zahlreichen Tourneenum die ganze Welt ist dasBallettspektakel von Chatschaturjaninternational weit wenigerbekannt als Tschaikowskis„Schwanensee“ und „Nussknacker“.Aber die Musik ist demMoskau-Besucher aus dem Westennicht gänzlich unvertraut –das Adagio des „Spartacus“ istaus der Titelmusik der populärenBBC-Fernsehserie „The OnedinLine“ aus den 1970er Jahrenbekannt.Tatjana Dattschenko /redaktion@martens.ru28. Juni, 19 Uhr„Spartacus“Ballett in zwei AktenNeue OperKaretnyj rjad 3/2TschechowskajaKarten: (499) 372 05 33www.classicalballet.ruTom und MuttiFamilien-Melodrama „Die Glasmenagerie“von Tennessee Williams in sensibler DarbietungDer Sohn ist frustriert, die Mutter deprimiert und die Tochter fühltsich bei ihrer Sammlung von Glastierchen am wohlsten. FamilieWingfield ist ein schwerer Fall. Im April hatte die Neuinszenierungdes US-Klassikers am Theater der Nationen Premiere.Armselig und provisorisch ist dieBehausung auf der großen Bühne,in die wir Einblick erhalten – dieVorderwand ist weggerissen unddas nackte Innenleben offenbartsich im schrägen Schnitt durchein Wabenhaus wie aus Pappe, jezwei Räume auf zwei Etagen. DieWände sind von innen mit Packpapierbeklebt. Rechts oben sitzteine Musikerin am elektronischenCello, die im Dunkeln wie eineSchaufensterpuppe wirkt, schwarzesKleid, rote Baskenmütze.Sehr dicht hält sich der 28-jährigeRegisseur Tufan Imamutdinowin seiner dritten Arbeit imTheater der Nationen an die Vorgabendes berühmten Stücks vonTennessee Williams „Die Glasmenagerie“.Jewgenij Tkatschuksteht als Tom an der Rampe underzählt von seiner schmerzendenVergangenheit. Farbige Lichterbeginnen auf dem transparentenGittervorhang vor der Bühne zutanzen. Sie entstehen und zerfallenwie im Kaleidoskop, werdenzur allgegenwärtigen Leuchtreklamevon Moskau. Das Rauschenvon Regen geht über in das Surrender Nähmaschine. Marina Nejolowawar einst ein gefeierter Star imVon Ruth Wyneken/ redaktion@martens.ruFilm und Theater, nun näht sie alsAmanda Wingfield Büstenhalter,im alten Bademantel über demNegligé. Toms blonder Wuschelkopftaucht auf. Schon währenddes ersten Dialogs mit der Mutter,die ihm weder physisch noch psychischRaum gibt, durchbricht erWände, reißt Papier weg, schafftLuftlöcher. Sein Spiel ist sehr dynamischund körperbetont.Wenn Tom unter der Matratzeauftaucht, auf der seine SchwesterLaura liegt, sie hoch stemmt undmit ihr kreist, verdichtet sich dasalles zum Bild eines Jungen, derdie ganze Last der Welt auf seinemBuckel schleppt. Der Konflikt Junggegen Alt tobt nicht nur auf derBühne, wenn Jewgenij Tkatschukals Tom Gedichte von Jim Morrisonrezitiert – dem legendärenFrontmann von The Doors, einemIdol der Rebellion gegen die Moralseiner Zeit und gleichzeitig die Verkörperungder Selbstzerstörung.Kunst und Leben liegen in dieserInszenierung um Haaresbreiteauseinander! Feinste psychologischeNuancen werden im Spielaller Akteure sicht- und fühlbar,auch das gedrosselte Lebensgefühlder heutigen jungen Generation.Laura (Alla Juganowa) soll zumBesuch von Jim von der Mutterzur Barbie aufgepeppt werden.Aber sie widersetzt sich, erscheintungeschminkt und zart, ganz entgegendem in Moskau so aktuellenTrend zum Glamour. Der sehnlichsterwartete Jim (Pawel Kusmin)fordert sie zum Tanz auf.Sie steigt auf ihr Grammophon,dreht sich, lacht, das blonde langeHaar offen. Als er sie küsst, verliertsie das Gleichgewicht, kauertsich hin und dreht sich immerweiter mit seligem Lächeln. Dasbleibt auch dann noch an ihremGesicht haften, als Jim geht, Amandazusammenklappt und Tom fürimmer aus dem Leben der Familieverschwindet.Unablässig tropft der Regendurch das Dach auf die Reste derverfehlten Party und das Kaleidoskopwirft sanftes, buntes Licht aufdie zerbrochene Menagerie. Dennochwird einem als Zuschauerwarm ums Herz, denn die Schauspielerhaben die Tür zur innerenWelt weit aufgestoßen. Und sielügen nicht, sie zeigen die Wahrheit,auch wenn sie weh tut.25. und 26. Juni, 19 Uhr„Stekljannyj swerinjez“(Die Glasmenagerie)Theater der NationenPetrowskij per. 3Twerskaja(495) 629 37 39www.theatreofnations.ruKonzert und Protest am Tag RusslandsBalletttänzer mit Rundschild und Kurzschwert, die Damen stets in knapperKleidung. Bei „Spartacus“ geht es körperbetont zu.Am 12. Juni wird wieder Feiertagsstimmungim Moskauer Zentrumherrschen. An vielen Ortender Stadt soll es Veranstaltungenzu Ehren des Tages Russlandsgeben. Die Stadtoberen sprechenvon 20 Events, vor allemin den großen Erholungsparks.Am Abend werden 30 000 Besucherbeim Feiertags-Konzert aufdem Roten Platz erwartet (freierEintritt, 19 bis 24 Uhr). Auftretensollen „populäre Jugendgruppen“.Zuvor wollen sich die Putin-Gegnerganz in der Nähe zu einemProtestmarsch sammeln. DieDemonstranten planen, um 13.Uhr vom Kalugaer Platz (MetroOktjabrskaja, Lenin-Denkmal)aufzubrechen und werden wieinzwischen schon gewohnt überdie Straße Bolschaja Jakimankazum Bolotnaja-Platz marschieren.Der Marsch ist von der Stadtgenehmigt worden, eine Kundgebungist nicht geplant.Am Tag Russlands wird dierussische Unabhängigkeit gefeiert(gemeint ist die Deklaration von1990). Der Mittwoch ist auch dervorläufig letzte Feiertag. Erst imNovember gibt es wieder einenarbeitsfreien Wochentag. bk


16 HINTERLANDMOSKAUER DEUTSCHE ZEITUNGNR. 11 (354) JUNI 2013Doch noch Freispruch für den KoranUfa. In der mehrheitlich muslimischen Republik Baschkortostan sorgt seit einigen Monaten dersogenannte „Prozess gegen den Koran“ für Gesprächsstoff. Im März hatte ein Gericht einenInternetartikel für extremistisch erklärt. Unter anderem brandmarkte es einige Textteile, die sichspäter als Zitate aus dem Koran entpuppten. Das Oberste Gericht in Ufa sollte schon Mitte Maidie Berufung verhandeln, musste aber wegen einer Bombendrohung geräumt werden. Ende desMonats hat es nun das Urteil zum Artikel bestätigt, dabei aber die fraglichen koranischen Surenvom Vorwurf der Hetzerei gegen Andersgläubige befreit. In der Urteilsbegründung werden sienicht mehr erwähnt. Die linguistische Gutachterin des ersten Verfahrens ist sich derweil keinerSchuld bewusst: Woher hätte sie den wissen sollen, dass jene Verse aus dem Koran sind?Schulwunderin DagestanMachatschkala. Das Einheitliche Staatsexamen,die russische zentrale Abiturprüfung,unterscheidet sich in einemPunkt von den Wahlen in Russland:Hier betrügen die Bürger gerne selbst.In Dagestan scheint es dabei besondersrund zuzugehen. Beim diesjährigen Examen,das in ganz Russland Ende Maibegonnen hat, überraschte die Kaukasusrepublikdamit, dass die Mehrheitihrer Absolventen aus Dorfschulen kam.Die Politiker räumten ein, dass vieleSchüler eigens für den Test aus denStädten aufs Land gezogen seien. Auchaus Moskau seien sie gekommen. Mankönne sich ja denken, wieso. Die kaukasischeBergluft scheint die Pennälerohnehin zu Höchstleistungen zu beflügeln.Seit Jahren erzielen die dagestanischenSchüler die besten Noten beimAbschlussexamen in Russisch, zumÄrger der übrigen Russen.Super Mario musste zum ZahnarztNowosibirsk. Auch wenn er mit seinenüberlangen Reißzähnen der tollste Katerim Revier war, glücklich dürfte Mario mitseinen Hauern nicht so recht gewesen sein.Nicht einmal den Mund konnte er schließen.Tierschützer von der Organisation„Die Rechte der Tiere“ hatten den Unglücklichenzufällig auf den Straßen von Nowosibirskentdeckt und ihn gleich zum Zahnarztgeschickt. Nach der Operation suchen sie nun ein neues Zuhausefür die, wie sie versichern, zärtliche und zutrauliche Katze.RIA NovostiAuf ZwitscherjagdPLANETMOSKAUVon Dennis GrabowskyDiese Russen! Wirklich nichts istihnen zu heilig, um eine Illusionder Perfektion herzustellen,bis tief hinab in kitschige Gefilde.Zum Glück gibt es aber diesegründlichen Deutschen, die immeralles ganz genau wissen wollen. Einkulturelles Minenfeld. Der Park imderzeit so sonnigen Schatten derMoskauer Kremlmauer lädt an diesemlauen Frühsommerabend Russenwie Deutsche und alle anderenMenschen zum Flanieren ein, zumTurteln auf den Parkbänken. DieKulisse stimmt.Und zwar bis ins Detail, dennselbst die Fauna spielt mit. RomantischesVogelgezwitscher schalltaus den Bäumen, hallt von derKremlmauer wider und rieseltals akustischer Feenstaub perfektdosiert auf die entrückten Paareund Passanten nieder. Hätte dieseStadt einem nicht längst den Kopfverdreht, spätestens jetzt wäre esum einen geschehen. Dahintermuss ein Plan stehen, denkt sicheine sehr gründliche, sehr deutscheund sehr dreiköpfige Besuchergruppe,das ist zu perfekt. Woalso ist der Haken? Konzentriertlauscht man dem Gezwitscher, bisder Ursprung ausgemacht ist. InBüschen und Bäumen verborgeneLautsprecher nämlich sind es,die hier Idylle vorgaukeln, wie sieanderswo im Lande plärrend fürdie billigsten Preise bei deutschenAutos, deutschen Schuhen unddeutschen Fenstern werben. FrüherParolen, heute Reklame und nunauch noch Singvögel. Diese Russen!Detektivisch und von anderen irritiertbeäugt, schlägt sich die Gruppein die Büsche, die Lautsprechereinzukreisen und inflagranti zustellen. Die Kameras sind gezückt.Über den Köpfen schweben bereitsdie Schlagzeilen über die enttarnterussische Illusionsmaschinerie.Doch schwebt da nicht auch nochetwas anderes? Vielleicht die Tatsache,dass die Menschen die Illusionlieben, dass sie belogen werdenwollen, um in einer alles andere alsfederleichten Welt an das Gute undSchöne glauben zu können? Wiesich zeigt, nein, stattdessen einfachein quicklebendiges Vögelchen. Esspringt fröhlich von Ast zu Ast undtiriliert seine Frühlingsgefühle ausvoller Brust hinaus in die Welt, alswollte es sagen, dass die schönsteIllusion die ist, die sich als Wahrheitherausstellt. Dem wäre alsoauf den Grund gegangen. DieseDeutschen!РЕКЛАМАMan lebt nur zweimal.Bei einem beruflichen Neustart suchen Fach- und Führungskräfte nach denbesten Arbeitgebern. Vielleicht nach Ihnen? Unsere Vorgehensweise ist stetsprofessionell, diskret und zu 100 Prozent erfolgreich – ganz wie unser Freundvom britischen Geheimdienst.Rufen Sie uns jetzt in unserer russischen Niederlassung in Moskau an:РЕКЛАМАTel. +7 495 642 43 93 · www.scherl-partner.com

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine