Zurück in die Vergangenheit

webs.4steps2web.net

Zurück in die Vergangenheit

Zurück in die VergangenheitGedanken aus der GegenwartEs gibt immer wieder Leute die von Autos und den Lebenserfahrungen die Sie damitgemacht haben geprägt sind. Ich gehöre eindeutig zu dieser Gruppe. Mitzunehmendem Alter habe ich mich immer wieder an all den Fahrzeugen die ichgefahren oder besessen habe erinnert.Es gibt Geburtsjahr Autos, das erste Auto mit dem man Gefahren ist, das erste selbstgekaufte Auto, oder auch das Auto das mich immer am meisten fasziniert hat.Lange Jahre wollte ich einen Ferrari 308 GTS haben. Das Auto in der Magnum PIFernsehserie. Irgendwie ist es nichts daraus geworden. Dann kam eine Zeit wo esein Geburtsjahr Auto sein sollte - der 57er Chevy. Eine Ikone derAutomobilgeschichte. Ein Teil des Älterwerdens ist aber auch der Einzug von etwas,genannt Vernunft. Und somit ist auch der 57er Chevy in Vergessenheit geraten.Es sollte aber trotzdem etwas aus der weit entfernten Vergangenheit sein. Anfang2008 begann ich nicht nur wirklich ernsthaft darüber nachzudenken, sondern auchdanach zu suchen.Je älter man wird, umso mehr denkt man an vergangene Zeiten. Irgendwann fängtman auch an, die Jahre nachzurechnen. Nachdem der erste Schock vorbei ist,kommen auch die Gedanken an die positiven Erfahrungen und Erlebnisse.So war es auch für mich als ich an meine ersten Erfahrungen mit dem Autofahrenzurückgedacht habe. In einem 1965 Chevrolet Impala habe ich vor langer Zeit (39Jahren) meine erste Autofahrt als Führerscheinbesitzer absolviert.Ich war ein paar Mal wirklich knapp daran einen 65 Impala zu kaufen. Es gab aberimmer wieder irgendwelche Hindernisse. Einmal war das Auto schon verkauft. Einanders Mal war es auf Grund unheimlich großer Rostschäden nicht zum Rettengewesen. Dann waren 2 Autos im E-Bay, die ich trotz mutigen Bietens nichtgewonnen habe.Mitte September 2011 war es aber dann soweit. Wieder eine Möglichkeit. Aber zuerstder Grund wieso es ein 1965 Chevrolet Impala SS sein sollte.


Geschichte aus der VergangenheitAm 16. Juli 1957 kam ich in Edmonton, Kanada auf die Welt. Heuer im Juli 2012 wirddas dann der 55. Geburtstag sein.Meine Mutter kaufte im Jänner 1966 ihren ersten Neuwagen. Ein 1965 ChevroletImpala. Ich war auch damals als 9-jähriger dabei und saß schon im Schauraumhinterm Lenkrad. Die Kaufverhandlungen waren nur mehr eine Formsache und eineStunde später fuhr meine Mutter mit dem Wagen direkt aus dem Schauraum. Ich amBeifahrersitz des wahrscheinlich coolsten Autos der gesamten Nachbarschaft.Ein nagelneuer 1965 Chevrolet Impala SS. Mist Blau Metallic Außenlackierung undBlaues Kunstleder Innen. 283 Kubik Inch Motor, 2 Gang PowerglideAutomatikgetriebe, Einzelsitze vorne und ein Original Chevrolet Radio mit 2Antennen.Fünf Jahre später am 16. Juli 1971 ging ich zum „Department of Motor Vehicles“ undbestand auf Anhieb die theoretische Führerscheinprüfung. Somit wurde mir erlaubt,in Begleitung einer meiner Eltern, als 14-jähriger, Auto zu fahren. Der „LearnersPermit“ ist auch heute noch in Alberta mit 14 Jahren möglich.Meine erste Autofahrt war auch gleich von der Führerscheinstelle nach Hause.Obwohl ich kaum Fahrpraxis hatte, konnte ich den Weg ohne Schaden nach Hausefahren. Für mich eigentlich ganz selbstverständlich – für meine Mutter wahrscheinlichdie erste Grenzerfahrung mit mehrmals Stillstehendem Herzen.Die nächsten 2 Jahre durfte ich sehr viel mit dem Auto fahren. Sogar imTiefverschneiten Winter. Der Chevy hatte schon 5 Jahre schlechte Straßen undMinus 30 Grad Winter überstanden als ich begonnen habe „fast eigenständig“ damitzu fahren. Meine Lenkradkünste hat er auch überstanden. Wie viele Meilen bin ichals „Lernender“ gefahren? Ich kann mich eigentlich gar nicht mehr so richtig erinnern.Es waren aber oft lange Strecken (250 Meilen) und bei sehr schlechtem Wetter. Die


Beste Fahrpraxisschule die es geben konnte. Die zwei Jahre konnte ich auch ohnedie kleinsten Schäden hinter mich bringen.Dann – am 16. Juli 1973 – der große Tag. Pünktlich zum 16. Geburtstag bin ich zurendgültigen Führerscheinprüfung angetreten. Es ging nur mehr ums fahren, da ichden theoretischen Teil schon vor 2 Jahren absolviert hatte. Die praktische Prüfungwar eine Sache von 10 Minuten. Einmal rund um die Häuser und dann hat der Prüfergesagt, „Bestanden.“Die Schule war schon für den Sommer aus und ich bin dann mit meiner Mutter nachHause gefahren. Nicht mehr als Lernender – sondern als Führerscheinbesitzer. AmNachmittag habe ich der Chevy gewaschen und poliert. Punkt 18:00 Uhr bin ich dannzum ersten Mal ganz „alleine“ mit der Chevy ausgefahren.In der Zeit von Mitte April bis Mitte September, hauptsächlich am Freitag undSamstag abends wurde mit den Autos herumgefahren. Cruising war angesagt.Im Sommer während der Schulferien war für uns Cruising die Freizeitbeschäftigungerster Wahl. Benzin kostete 40 Kanadische Cent pro Gallon (10 Cent pro Liter) undnächtelang herumfahren war immer drinnen. Im Sommer ging die Sonne auch niewirklich unter und selbst um Mitternacht war es auch immer dämmerig.Meine erste Fahrt ging durch die Stadt zum Park entlang der Saskatchewan Fluss.Dort drehte ich einige Runden und mit dem linken Arm lässig aus dem offenenFenster gehängt habe ich eine Zigarette geraucht und den Four Tops beim Singenvon „I can´t help myself“ zugehört. Manchmal kam man einfach nicht Cool genugsein.Anfang September kaufte ich das genialste Musikgerät das es jemals gegeben hatte.Ein 8 Track Kassettenspieler. Ich montiert es selber im Auto, was auch meine ersteAutoelektrik Erfahrungen war. Funktioniert hat es aber trotzdem bestens.


Ab diesen Tag wurde Cruising zum besonderen Erlebnis. ZZ Top, Beach Boys undMotown tönten aus der Lautsprechern und ich hatte dann immer das Gefühl, dassder Chevy mittanzt.Cruising Abende wurden immer beim A&W Drive-In am Stony Plain Road beendet.Mit dem Auto hingefahren und ein Burger samt Pommes und dazu ein Root Beer vonden Mädels auf Rollschuhen direkt ins Auto serviert zu bekommen war der Abschlussdes Abends. Und meistens auch der Zeitpunkt wo die Sonne schon am Aufgehenwar.Mitte 1975 war der Chevy schon mehr als 10 Jahre alt. Die Zeit war gekommen umetwas anders zu kaufen. Die erste Ölkrise war 1973 und obwohl wir nicht sehr vieldavon mitbekamen beschloss meine Mutter etwas Sparsameres zu kaufen.Der Chevy wurde dann auf ein 1973 Dodge Dart Swinger mit 318 Kubik Inch V8Motor eingetauscht. Der Benzinverbrauch war tatsächlich weniger – aber auch derFahrspaß.


Ich hatte auch schon mein eigenes Auto – ein 1957 Simca Aronde. Ein ziemlichgroßer Schritt weg von dem Chevy, aber immerhin mein erstes, selbst gekauftesAuto.Zurück in die GegenwartMitte September 2011 war es aber dann soweit. Wieder eine Möglichkeit.In EBay tauchten 4 Stück 65er Impalas auf. Ein roter. Ein grüner. Und zwei blaue.Rot war nicht die richte Farbe für den Chevy. Grün mag ich prinzipiell nicht bei Autos.Der Dodge Dart von meiner Mutter war auch nicht unbedingt einer meiner Lieblinge.Der erste blaue war aber – von den Fotos her – nicht schlecht. Ich nahm Kontakt mitdem Besitzer auf und begann mich ernsthaft damit auseinanderzusetzen. Einige E-Mails später kam ich zur Erkenntnis, dass das Auto doch nicht so gut war. Es warschon lackiert und die Fotos zeigten von großzügigem Spachtelarbeit. Definitiv nichtdas was ich wollte. Es war auch nicht innerhalb meiner Möglichkeiten das Auto ausdiesem Stand zu restaurieren.Der zweite war auch Blau. Das Auto war auch genau – laut Optionsliste – das wasmeine Mutter besessen hat. Wieder Kontakt mit dem Besitzer aufgenommen – undwieder Fotos schicken lassen. Der Besitzer war Bob Brooks, ein Autohändler inColumbia, Illinois. Ein kleiner Händler im ländlichen Gebiet im Mittel USA. Die Fotossahen gut aus, und das Auto war in Original Zustand. Sowohl Lack als auchInnenausstattung und Technik waren Original und unangetastet. Kein Spachtel undkeine Basteleien.


Das Auto wurde auch in EBay angeboten. Mein erster Bieterversuch ging abergründlich daneben. Der Mindestpreis war 10.500 US Dollar. Nach Vorkalkulation vonTransport, Zoll, usw. wäre das Auto dann schlussendlich doch zu teuer.Das Auto ist aber auch nicht verkauft worden. Ich habe immer wieder auf die Websitevon Bob Brooks nachgesehen. Das Auto ist auch nicht billiger geworden. GegenEnde November stellte Bob das Auto wieder im EBay ein. Ich habe auch alles nocheinmal durchkalkuliert und dann, zum erheblich geringeren Preis, bin ich alsBestbieter am Ende festgestanden.Die genaue Abwicklung dauerte dann fast 3 Wochen. Ein fehlgeschlagenerÜberweisungsversuch meiner Bank hätte die ganze Sache aber fast zum Scheiterngebracht.Bob war aber sehr geduldig und dann am 22. Dezember war es soweit. Der Chevy istabgeholt worden.


Von Columbia, Illinois ist das Auto nach New York transportiert worden. Geplant wareine Verschiffung am 26. Dezember. Auf Grund der Verspätungen bei derÜberweisung konnte der Verschiffungstermin nicht eingehalten werden. Und so standder Chevy im Hafen von New York bis 17. Jänner.Die Überfahrt war dafür aber sehr schnell und der Chevy konnte am 31. Jänner inBremerhaven entladen werden. Dann kam wieder das lange Warten. Das Wetter warnicht so gut und der Chevy stand bei der Spedition einige Wochen. Von dort ist dasAuto am 15. Februar per LKW nach Frankreich zur Verzollung transportiert worden.Am Dienstag, den 21. Februar telefonierte ich mit der Spedition. Ich vereinbarteeinen Liefertermin in Aschach für Ende der darauffolgenden Woche. Mit großerFreude, dass das Auto bald ankommt, bin ich am Mittwoch in die Werkstattgegangen und habe begonnen Ordnung zu schaffen. Um 15:00 Uhr läutete meinTelefon und der LKW Fahrer war dran. Er sagte, „Ich bin gerade in Salzburg und binzwischen 17:30 Uhr und 18:00 Uhr in Aschach.“Es folgte hektisches telefonieren mit Helfern, schnelles Werkstatt zusammenräumenund dann banges Warten.Um 17:35 Uhr stand der LKW samt Chevy am Kirchenplatz in Aschach.Fast genau 2 Monate nachdem das Auto in Illinois abgeholt worden ist, stand es inAschach.Ohne größere Schäden hat der Chevy den langen Weg überstanden. Die Batteriewar leer – was ein Starten verhindert hat. Und eine Bremsleitung war –wahrscheinlich durchs verladen im Container – beschädigt, und somit auch keineBremskraft da.Kein großes Problem. Mit vereinten Kräften, einem Abschleppseil und der Ford Kugavon Walter Reiter wurden die letzten 200 Meter bis in die Abelstraße zur Werkstattauch erfolgreich bewältigt.


Am Foto sieht man genau das was man auch bei Harald Teufelauer und seinemPorsche gesehen hat. Ein unheimlich blödes Grinsen – meins.Ein paar Tage später war die Batterie wieder geladen – bessere Hauptkabeln verlegtund dann, … ist der Chevy sofort angesprungen.Zwischenzeitlich habe ich mich an die Bremsen dran gemacht – die auch bald fertigsein werden. Scheinwerfer sind auch schon auf Euro Norm umgebaut und auch dieBlinker hinten leuchten Orange. Ich habe noch einiges zu machen – aber nichtsGravierendes.In der Zeit seit Ankunft des Autos bin ich oft in der Werkstatt gewesen. Ich bin imAuto gesessen und habe etwas genossen was viele Menschen für unmöglich halten.Nur es ist nicht unmöglich.So etwas gibt es wirklich – die Zeitmaschine.Und ich habe eine.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine