Informativ Ausgabe 51 - AWO

awothueringen.de

Informativ Ausgabe 51 - AWO

nformativ

Eine Zeitschrift der Arbeiterwohlfahrt

Landesverband Thüringen e.V.

Titelthema:

Ampeln in Pflegeheimen?

Sachthemen:

AWO

Interkulturelle Öffnung

Wahlversprechen

der Parteien

Projekt:

Erfolg

Schülerfreiwilligentag

Information:

Bildung für Kinder

LJW

Bildungswerk

Ausgabe 51 09 / 2009


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Titelthema AWO

Titelthema 3

Ampeln in Pflegeheimen?

Ampeln in Pflegeheimen?

Die Stärkung der Verbraucherrechte wird in Deutschland

seit einiger Zeit heftig diskutiert. Zu Recht soll das auch bei

der Suche nach Pflegeeinrichtungen gelten. Indizien, wie

Qua lität in stationären Einrichtungen und ambulanten

Diens ten nachlesbar ist, gibt es genügend. Aber was be -

deutet Qualität für die Betroffenen und deren Angehörige?

Klar ist, dass dies nicht aus den dicken Prüfberichten des

Medizinischen Dienstes der Krankenkassen ablesbar ist.

Mit deren Interpretation haben oft schon die Einrichtungen

selbst Probleme. Nach langer Diskussion, hat sich der

Gesetzgeber nunmehr in der letzten Novellierung des

Pflege versicherungsgesetzes am 1.7.2008 entschieden,

eine „hinsichtlich der Ergebnis- und Lebensqualität verständliche

Veröffentlichung“ einzuführen. Hängen wir nun

Teile von Prüfberichten in den Einrichtungen aus? Werden

Prüfberichte auf Internetplattformen veröffentlicht? Sollen

Ampeln mit der entsprechenden Farbschaltung, die im

Eingangsbereich aufgestellt werden, dem geneigten Be -

trachter positive Signale geben oder ihn gleich zum Ver -

lassen der Einrichtung auffordern? Was ist Ergebnis qua -

lität? Wer versteht was unter Lebensqualität? Und wie sage

ich es meinem zukünftigen Kunden?

Viele Fragen, mit denen sich die festgelegten Verhand -

lungs partner auf Bundesebene im letzten Jahr auseinander

zu setzen hatten. Im Ergebnis wurden am 17.12.2008 die

Transparenzvereinbarungen für die stationäre Pflege,

gefolgt von den Transparenzkriterien für den ambulanten

Bereich am 29.1.2009 verabschiedet. Wie werden nunmehr

die Kategorien der Ergebnis- und Lebensqualität erfasst?

Dazu wird das Rad nicht neu erfunden, sondern das bereits

etablierte Instrument der Qualitätsprüfrichtlinie erweitert.

Die Entscheidung, welche neuen Fragen die Prüferinnen

des MDK zukünftig stellen, ist gefallen.

Im stationären Bereich sollen nach Erweiterung der Prüf -

richt linie 82 Fragen in den Bereichen:

n Pflege und medizinische Versorgung (35)

n Umgang mit demenzkranken Bewohnern (10)

n Soziale Betreuung und Alltagsgestaltung (10)

n Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene (9)

n Befragung der Bewohner (18)

beantwortet werden.

Für den ambulanten Bereich wurden 49 neue Kriterien zu:

n Pflegerischen Leistungen (17)

n Ärztlich verordneten pflegerischen Leistungen (10)

n Dienstleistungen und Organisation (10) und

n Befragung der Kunden (12)

aufgenommen.

Neben dem Qualitätsprüfbericht werden die Einrichtungen

zukünftig Schulnoten von 1 bis 5 für die neuen Kriterien

erhalten. Zwischenzeitlich hat man sich auf Bundesebene

auch auf das Verfahren der Veröffentlichung einigen können.

Zur Aufbereitung der durch den MDK gelieferten Daten

wird eine zentrale Datensammelstelle eingerichtet. Für die

entsprechende Veröffentlichungsform vorbereitet, werden

sie von hier aus den Landesverbänden der Pflegekassen

zur Verfügung gestellt.

Ab wann müssen sich die Einrichtungen nun auf das neue

Verfahren einstellen? Alle Prüfungen ab Juli (stationärer

Bereich) und alle Prüfungen ab September in den ambulanten

Pflegediensten werden die Transparenzkriterien enthalten.

Mit einer Veröffentlichung ist ab Ende August / Anfang

September, beginnend mit dem stationären Bereich zu

rechnen.

Kann ich nun durch besonders gutes Essen, ausgewählte

Freundlichkeit, eine besonders saubere Einrichtung oder

herauspolierte Dienstwagen Mängel in der Pflege ausgleichen?

Die Kritiker behaupten das, die Vertreter des Ministe -

riums sehen dies ganz anders. Klar ist, auch bei den Trans -

parenzkriterien handelt es sich, wie bei den Qualitäts prüfun -

gen, um eine stichprobenartige Betrachtung einer Augenblickssituation.

Damit ist die Bandbreite an Objekti vi tät

sicherlich gegeben. Bedenkt man zusätzlich den Faktor

Mensch in Form von PrüferInnen, fallen Bewertungen unterschiedlich

aus. Wie genau ein Raum aussieht, der eine

angenehme und entspannte Atmosphäre bei der Einnahme

von Speisen und Getränken ausstrahlt, bleibt sicherlich

genauso subjektiv, wie die Frage nach dem Geschmack des

Essens Geschmacksache bleiben wird. Klar ist, dass dies

ein Schritt in die richtige Richtung ist, den Weg durch den

Dschungel der Pflege zu erleichtern. Eine Evaluation und

notwendige Anpassungen wird es für die Zukunft sicherlich

geben.

Sabine Spittel


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Sachthema AWO

AWO

Interkulturelle Öffnung (IKÖ) – eine Gesamt -

strategie der AWO, auch in Thüringen

Im Jahr 2000 hat die AWO Bundes -

kon ferenz einen Beschluss zur interkulturellen

Öffnung aller Einrichtungen

und Dienste gefasst. Die AWO will

damit ihre Einrichtungen stärker konzeptionell,

organisatorisch und personell

an den Bedürfnissen von Migran -

tinnen und Migranten ausrichten.

Der JMD zu Besuch in Erfurt.

Wichtigstes Ziel der interkulturellen

Öffnung ist der Abbau von Zugangs -

barrieren. Viele Angebote werden von

Familien mit Migrations hin ter grund

bisher wenig genutzt. Die AWO will

nun verstärkt Strategien entwickeln,

die Mi granten einbeziehen. AWO Mitarbeiter

können sich in Fortbildungen

über Vielfalt, Unterschiede, Gemein -

sam kei ten und Individualität der Menschen

mit Migrationshintergrund informieren.

In Thüringen bilden Migranten nur

einen kleinen Teil der Bevölkerung.

Den noch ist es eine gesamtgesellschaftliche

Aufgabe, Maßnahmen zu

ent wickeln, um Zuwanderern die Inte -

gration in das gesellschaftliche Leben

zu ermöglichen. Hierbei kommt der

AWO eine besondere Aufgabe zu.

Dazu leisten die Jugendmigra tions -

dienste und Migrationsberatungs stel -

len der AWO in Thüringen einen wichtigen

Beitrag.

*

AWO informativ stellt beispielhaft die

Arbeit von Josina Monteiro vom Ju -

gend migrationsdienst Jena vor.

Der Jugendmigrationsdienst (JMD)

Jena bildet zusammen mit der Integra -

tiven Kita „Schatzinsel“ und einem

ambulanten Pflegedienst das „AWO

Zentrum Lobeda“.

Der Anteil von Migranten ist in diesem

Stadtteil am höchsten, was sich in der

starken Inanspruchnahme der Ange -

bote des Migrationsfachdienstes und

in der Kundenstruktur von Kita und

Pflegedienst widerspiegelt.

So besuchen die Kita „Schatzinsel“

viele Kinder mit Migrationshintergrund.

Teilweise sind sie in Deutschland

geboren, andere leben erst wenige

Monate in Jena. Ihre Familien stammen

meist aus osteuropäischen Län -

dern, wie Russland und der Ukraine,

aber auch aus Syrien, Ägypten, der

Türkei oder Vietnam. Die Kinder sind

eine Bereicherung und eine Heraus -

for derung für die Kita. Den Mitar bei -

tern fehlten zum Teil Kompetenzen in

diesem interkulturellen Kontext, so

z. B. im Umgang mit den Migran ten -

eltern.

Die Kita reagierte und nahm Kontakt

zum JMD auf. 2006 wurden neben Be -

ratungsgesprächen zur Elternarbeit

inter kulturelle Sensibilisierungs work -

shops für die Erzieherinnen durchge-

führt. Dabei entstand die Idee zur Ein -

bindung von Migranteneltern, die im

Rahmen eines LOS Projektes umgesetzt

wurde.

Trotz Startschwierigkeiten fand sich

ein kleiner Kreis von Eltern zu regelmäßigen

Elternstammtischen zusammen.

Diese halfen, Zugangs- und Be -

rührungsängste seitens der Erzie he -

rin nen und der Eltern abzubauen.

Schnell konnten neue Ideen und Im -

pulse zur Mitgestaltung von Eltern und

zur sprachlichen Förderung von Mi -

gran tenkindern entwickelt werden.

In Jena wurde 2007 eine Arbeits -

gruppe gebildet, die ein frühkindliches

Sprachförderkonzept für Kitas der

Stadt Jena entwickelte. Die Umset -

zung erfolgt über einen Trägerver -

bund, zu dem auch der AWO KV Jena-

Weimar e.V. mit der Kita „Schatzinsel“

gehört.

Gefördert wurden weiterhin die Ein -

stellung von Personal mit Migrations -

hinter grund und die Mehrsprachigkeit.

Nach einer einjährigen Pilotphase

waren die Ergebnisse durchweg positiv,

sodass die Projektidee auf weitere

Kitas ausgeweitet wurde. 2009 blickt

das Pro jekt „Sprachfüchse“ nun auf

eine echte Erfolgsgeschichte zurück.

Für viele Eltern sind die Sprach för -

derung und kultursensible pädagogische

Arbeit in den AWO Kitas wichtige

Auswahl kriterien.

An diesem Beispiel werden die fachlichen

Ressourcen deutlich, die die

AWO aufgrund ihrer breit gefächerten

Angebotsstruktur besitzt. Für die An -

for derung der interkulturellen Öffnung

gilt es, vorhandene fachliche Ressour -

cen zu nutzen, Netzwerke zu knüpfen

und Kooperationen einzugehen.

Josina Monteiro

Susanne Dornaus-Bätzel

Nur acht Minuten Zeit

zum Vorlesen

AWO und IHK Erfurt

veranstalteten Bildungskongress

Frühe Bildung von Kindern ist eine

wertvolle Zukunftsinvestition. Da sind

sich die Thüringer Wirtschaft und die

AWO Thüringen einig. Anfang Juni

fand deshalb der erste gemeinsame

Bildungskongress von AWO und IHK

Erfurt statt.

„Wer eine verantwortungsvolle Fa mi -

lienpolitik machen will, braucht die

Wirt schaft“, sagte der AWO Lan des -

vorsitzende Werner Griese. „Und die

Thüringer Wirtschaft braucht eine verantwortungsvolle

Familienpolitik.“ Der

Kongress beschäftigte sich daher

damit, wie sich die beiden Themen in

Einklang bringen lassen. Dazu wurden

Vorträge und Foren angeboten, die

Unternehmer und Kita-Erzieher glei -

chermaßen betrafen. Gemeinsam

wurde diskutiert und erarbeitet, welche

An for derungen Unternehmen an frühkindliche

Bildungsangebote haben

und wie sich Familie und Beruf besser

vereinen lassen.

„Vor dem Hintergrund der demografischen

Entwicklung haben die Unter -

nehmer inzwischen erkannt, dass die

Fachkräfte knapper und damit immer

bedeutender für den wirtschaftlichen

Erfolg werden“, erklärte IHK-Präsident

Niels Lund Chrestensen. Von daher

sei es dringend erforderlich, sich um

die frühzeitige Förderung unserer

Kinder zu bemühen. Denn nur mit gut

ausgebildeten Mitarbeitern können

Unternehmen im globalen Wettbewerb

bestehen und damit den Wohlstand für

die gesamte Gesellschaft sichern.

Ein zentrales Ergebnis des gemeinsamen

Bildungskongresses von AWO

und IHK Erfurt war die Feststellung,

dass vor allem die schlechten Per -

sonalschlüssel in den Kitas die sonst

guten Rahmenbedingungen für Kinder

im Freistaat torpedieren. „Quantitativ

ist das Angebot in den Thüringer

Kindergärten hervorragend“, so

Kathrin Bock-Famulla, die im Auftrag

der Bertelsmann-Stiftung die Kita-

Versorgung in allen 16 Bundesländern

verglichen hat. Allerdings ist es der

Freistaat Thüringen, der bundesweit

den schlechtesten Personalschlüssel

vorhält. Darunter leidet die Qualität der

Kinderbetreuung und damit die frühkindliche

Bildung.

Auch Prof. Roland Merten von der

Uni versität Jena konnte dieses Er -

gebnis bestätigen. Seine Studien belegen,

dass im Schnitt in einer Kita nur

acht Minuten pro Woche vorgelesen

werde. „Für die Ausbildung der

Sprach kompetenz ist das ein schlimmes

Resultat“, so Merten. „Wer mehr

für die frühkindliche Erziehung tun will,

muss also bei den Personalschlüsseln

anfangen“, machte auch der AWO

Landesvorsitzende Werner Griese

klar. „Denn, was an der Bildung von

Kindern gespart wird, kostet später

durch Jugendhilfeleistungen und

andere soziale Transfers oft deutlich

mehr.“ So habe Thüringen zum Bei -

spiel eine der höchsten Förder schul -

quoten.

Die AWO und die IHK Erfurt arbeiten

beim Thema Bildung bereits seit einiger

Zeit eng zusammen. So wurde

bereits das Projekt Kita Plus, mit dem

die AWO in Kooperation mit Unter -

nehmen längere und flexible Kita-Öffnungszeiten

anbietet, aktiv von der

IHK begleitet.

Sachthema 5

AWO Landesvorsitzender

Werner Griese

eröffnete den

Kongress


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Wahl 09 AWO

Thüringen ist von der Bevölkerungsstruktur bereits heute eines der ältesten Bundesländer. Zukünftig wird der Freistaat durch die demografischen

Veränderungen im Pflegebereich einer großen Herausforderung gegenüberstehen. AWO informativ hat die politischen Parteien vor

der Wahl gefragt, welche Rezepte sie für diese Probleme haben. Die AWO wird die politischen Entscheidungen der kommenden Jahre nun

kritisch begleiten und die Parteien an ihren Versprechen messen.

Unsere Fragen an die Parteien vor der Landtagswahl 2009:

Welche Schwerpunkte setzt Ihre

Partei, damit eine bedürfnisge-

rechte und qualitativ hochwertige

Pflege weiterhin gewährleistet

wird?

Wie wollen Sie der Gefahr von

Kapazitätsmängeln und

Qualitätseinbußen entgegen-

wirken?

Mit welchen Konzepten will Ihre

Partei der zunehmenden Zahl an

demenzkranken Personen gerecht

werden?

FRAGEN

FRAGEN

WAHL 09

Wahl 09 7

WAHL 09

SPD CDU FDP DIE LINKE BÜNDNIS 90/

DIE GRÜNEN

Die Leistungen, die das Pflegepersonal er -

bringt, müssen in Thüringen endlich angemessen

vergütet werden. Nur so wird die

Abwanderung von Fachpersonal in andere

Bundesländer verhindert. Für die Pflege -

leistungen selbst muss außerdem ausreichend

Zeit bleiben. Wenn wir unnötige Bü -

ro kratie abbauen und die Arbeitsbe din gun -

gen verbessern, profitieren nicht nur die

Pfle gebedürftigen, auch die Pflegeberufe

werden attraktiver. Der Abbau von Büro kra -

tie in diesem Bereich muss in einem modernen

Heimgesetz für Thüringen festgeschrieben

werden. Ein solches Heimgesetz

ist in Thüringen längst überfällig.

Durch die Verbesserung des Images des

Pflegeberufes muss es gelingen, mehr qualifizierte

junge Menschen für diesen Be rufs -

zweig zu gewinnen. Die Arbeit des Pflege -

per sonals kann um niedrigschwellige Ange -

bote, die durch ehrenamtlich Tätige er -

bracht werden, ergänzt werden.

Pflegeleistungen und die Beratung dazu

müssen ausgebaut werden, sodass Ange -

bote stärker ineinander greifen und sich er -

gänzen. Dazu brauchen wir eine regionale

Planung des Bedarfs und Angebote im

Rah men einer zukunftsfähigen Sozial pla -

nung.

Die adäquate Betreuung von an Demenz

erkrankten Menschen stellt an das Pflege -

personal besondere Ansprüche. Sie haben

einen höheren Pflege- und Betreuungs be -

darf. Im Pflegeweiterentwicklungsgesetz

wurde eine bessere Versorgung von De -

menzerkrankten festgeschrieben. So wurde

der Betrag, der Demenzkranken jährlich zu -

steht, signifikant erhöht und kann nun bis zu

2.400 Euro im Jahr betragen. Auch die Mög -

lichkeit der Einstellung zusätzlichen Per so -

nals in Pflegeinrichtungen zur Betreuung

De menzkranker bringt eine bessere Ver sor -

gung. Die Kosten für das zusätzliche Per so -

nal werden von den Pflegekassen getragen.

Die Aufklärung der Bevölkerung zum The -

ma Demenz muss zudem verbessert werden.

Thüringen verfügt über eine moderne und

leistungsfähige Struktur im Bereich der

Pflege. Die Bürger finden ein Netz ambulanter

Dienste und moderner teilstationärer

und stationärer Einrichtungen vor. Im Frei -

staat gibt es inzwischen 251 Pflegeheime

mit 20.000 Plätzen, die in Bau und Aus stat -

tung modernsten Anforderungen gerecht

werden. Durch das Pflegewei terentwick -

lungs gesetz hat die unionsgeführte Bun -

des regierung mit der Einführung einer

Pflege zeit die Situation pflegender Ange hö -

riger verbessert. Das Angebot in Thüringen

ist bedarfsgerecht, einen Pflegenotstand

gibt es bei uns nicht!

Die Thüringer Union steht für eine transparente

und unbürokratische Pflege, die die

menschliche Zuwendung in den Mittelpunkt

stellt. Der gesamte Pflegebereich befindet

sich im Umbruch. Die Entwicklung steht

dabei im unmittelbaren Bezug zum demografischen

Wandel. Deshalb braucht Thü -

ringen ein neues, zeitgemäßes Heimge -

setz, um die Bedingungen für die Pflege

länderspezifisch auszugestalten. Folgende

Schwerpunkte sollte das neue Thüringer

Landesheimgesetz enthalten: Sicherung

der Qualitätsstandards, Rechtssicherheit

für ambulant betreute Wohnformen, erleichterte

Erprobung neuer Wohnformen, Büro -

kratieabbau durch reduzierte Anzeige pflich -

ten, verbesserte Zusammenarbeit der Prüf -

behörden. Qualitativ hochwertige men -

schen würdige Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche

Herausforderung. Deshalb sollten

alle Beteiligten die Chance nutzen, sich

in die Diskussion einzubringen, um eine zu -

kunftsfähige Pflege in Thüringen mit zu ge -

stalten.

Gerade auf die steigende Zahl von De -

menz erkrankungen in Thüringen müssen

wir künftig noch stärker unser Augenmerk

richten. Hier wird besonders deutlich, wie

wich tig eine qualitativ hochwertige und hu -

mane Versorgung pflegebedürftiger Men -

schen ist. Der Sozialstaat hat die Aufgabe,

den an Altersdemenz leidenden Menschen

ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen.

Damit diese Menschen so lange wie

möglich in ihrem häuslichen Umfeld, in ihrer

gewohnten Umgebung versorgt und betreut

werden können, benötigen sie – und auch

ihre pflegenden Angehörigen – ein Netz von

abgestuften und bedürfnisorientierten

wohnortnahen Hilfen und Versorgungs an -

ge boten. Thüringen fördert ambulante

Struk turen, um das Leben in vertrauter Um -

gebung zu ermöglichen.

In Würde gepflegt zu werden, ist ein Men -

schenrecht. Im Interesse der Pflegebe dürf -

tigen und ihrer Angehörigen muss den Pfle -

genden wieder mehr Zeit für menschliche

Zuwendung verbleiben. Anstatt bürokratische

Vorgaben zu erfüllen, muss die Pflege

und soziale Betreuung im Vordergrund stehen.

Pflegende müssen einen ausreichenden

Spielraum haben, um auf die individuellen

Wünsche der Pflegebedürftigen flexibel

reagieren zu können.

Pflegebedürftige sollten grundsätzlich ihren

Hilfebedarf selbst zusammenstellen können.

Wer dies nur eingeschränkt oder gar

nicht mehr kann, muss unbürokratisch Hilfe

erhalten. Die aus der Pflegeversicherung

gewährten Sachleistungen sollten durch

eine nach Schwere der Pflegebedürftigkeit

differenzierte Geldleistung ersetzt werden.

Hilfebedürftige entscheiden als Kunden

dann selbst, wo sie sich aufhalten und welcher

Anbieter oder welche Person Hilfe er -

bringen soll. Anbietern werden so Anreize

ge setzt, sich kundenorientiert zu verhalten

so wie flexible und auf die speziellen Bedürf -

nisse ausgerichtete qualitativ hochwertige

An gebote zu entwickeln. Ziel aller Maß -

nahmen muss es sein, Pflegebedürftigen

so lange wie möglich das Verbleiben in der

gewünschten Umgebung zu ermöglichen.

Für eine verlässliche finanzielle Teilab si -

che rung guter Pflege muss die Pflege ver -

sicherung umgestellt werden. Ohne den

Übergang in eine kapitalgedeckte, prämienfinanzierte

Pflegeversicherung mit der

Bildung von Altersrückstellungen werden

weder das heutige Leistungsniveau zu halten

noch Leistungsverbesserungen zu realisieren

sein.

Die Betreuung und Pflege eines Demenz -

kranken ist für pflegende Angehörige und

professionelle Pflegekräfte mit großen physischen

und psychischen Belastungen verbunden.

Diese aufopferungsvolle Arbeit

ver dient deshalb höchste Anerkennung und

Unterstützung.

Die FDP begrüßt den von der Fachwelt neu

entwickelten Pflegebedürftigkeitsbegriff, der

neben den körperlichen Einschränkungen

nunmehr auch die geistigen und psychischen

Beeinträchtigungen der Menschen

er fasst. Die stärkere Einbeziehung demenzieller

Erkrankungen ist ein längst überfälliger

Schritt, den die Liberalen schon seit langem

fordern. Aufgabe der Politik ist es, den

fachwissenschaftlich erarbeiteten Pflege be -

dürf tigkeitsbegriff mit Leistungen der Pfle -

ge versicherung zu hinterlegen und zu fi -

nan zieren.

DIE LINKE steht für den Grundsatz „ambulant

vor stationär". Um diesen umsetzen zu

können, bedarf es des Beschreitens neuer

Wege. DIE LINKE setzt sich daher für den

Erhalt und die Förderung bezahlbarer Woh -

nungen für Familien und ältere Menschen

und die Förderung von Mehrgene ra tions -

häusern in Wohnungs- und Baupro gram -

men ein. Um den Wohnbedürfnissen älter

werdender Menschen gerecht zu werden,

ist DIE LINKE für ein Programm zur Schaf -

fung von barrierefreien, alternativen und

generationsübergreifenden Wohn- und Be -

treu ungsformen. Insbesondere sind Wohn -

projekte zu fördern, in denen sich die Be -

wohner gegenseitig helfen können sowie

Wohnprojekte mit integrierten und ambulanten

Pflegediensten und Dienstleis tungs -

angeboten, die ein längeres Leben im eigenen

Wohnraum ermöglichen. Um eine ausreichende

Zahl von Pflegeplätzen im ambulanten

sowie stationären Bereich vorhalten

zu können, ist es notwendig, dass eine

Lan despflegeplanung auch in Abstimmung

mit den Kommunen wieder erfolgt.

Aufgrund des demografischen Wandels

wächst die Zahl der Menschen mit Demenz

stetig. Im Alter von über 80 Jahren sind ca.

20 % der Bevölkerung von Demenz betroffen.

Demenz ist in der Aufzählung chronischer

Krankheiten von besonderer Wichtig -

keit, da diese Krankheit nicht nur für den

Betroffenen einen gravierenden Lebens ein -

schnitt darstellt, sondern auch für die Ange -

hörigen. Deshalb fordert DIE LINKE, Kran -

ken- und Pflegeversicherung mit der solidarischen

Bürgerversicherung auf eine solide

Finanzbasis zu stellen. Pflege- und Kran -

ken versicherung sind miteinander zu verbinden,

um "Verschiebebahnhöfe" zu vermeiden.

Die Versorgungsbereiche ambulant,

stationär und Rehabilitation sind besser

zu vernetzen und Rehabilitationen

schnellstmöglich zu realisieren. Ebenso

müssen die Qualifikation und Weiterbildung

der Ärzte in Bezug auf Demenz erkran kun -

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wollen dafür

sor gen, dass das Land seiner Verant wor -

tung für eine bedarfsgerechte Altenpflege

nach kommt und berufsbegleitende Fortund

Weiterbildungsmaßnahmen für Pflege -

kräfte ermöglicht. Wir wollen ein Heim ge -

setz vorlegen, das auch alternative Pflege -

konzepte, die psychosoziale Betreuung in

Heimen und neue Formen des Wohnens

ge setzlich verankert und so ein würdiges

Leben im Alter absichert. Mit uns wird die

Pflege endlich wieder zum Thema.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wollen Pflege

menschenwürdig gestalten. Dies kann nur

gelingen, wenn die Menschen, um die es

geht, in den Mittel punkt aller Reform -

überlegungen gestellt werden. Diese Überzeugung

bildet die Grund lage unseres Po -

sitionspapiers zur Pflegereform, das wir be -

reits im September 2006 als erste und bis

heute einzige Frak tion vorgelegt haben.

Darin machen wir deut lich, dass ein völlig

neu gedachtes Pflege system, das sich an

den Bedürf nis sen der Einzelnen orientiert,

zweierlei verlangt: eine neue Struktur und

ein neues Finan zierungskonzept. Nur wenn

beide ineinander greifen und sich aufeinander

be ziehen, können ständige Nachbes se -

rungen vermieden und Nachhaltigkeit er zielt

werden. Ein zukunftsfähiges, stabiles Pfle -

ge sys tem muss veränderten Lebens la gen

und -formen, Erwartungen und Bedürf nis -

sen Rech nung tragen. Das kann nicht durch

Ein zel maßnahmen erreicht werden. Des halb

be schreibt unser Positionspapier ein Ge -

samt konzept, dessen Maßnahmen aufeinander

abgestimmt sind und zwei we sent liche

Ziele verfolgt: eine konsequente Nutzer -

orien tie rung und die Stärkung ambulanter

und alternativer Pflege- und Wohn formen.

In der Versorgung demenziell erkrankter

und sterbender Menschen lassen sich leider

eklatante Mängel feststellen. Demen -

zielle Erkrankungen werden in den nächs -

ten Jahren das zentrale Thema der Pflege

sein. Pflege in der Familie ist besonders

dort, wo ein Demenzerkrankter begleitet

wird, allzu oft eine Zerreißprobe. Nicht selten

sind die gesellschaftlichen Teilhabe -

möglichkeiten der Angehörigen durch die

intensive Betreuung des Pflegebedürftigen

massiv eingeschränkt und nicht selten

geraten sie auch in eine soziale Isolation.

Wir brauchen daher zukünftig gezielte

Hilfen für ambulant betreute Menschen mit

Demenz und gezielte Entlastung und Un -

terstützung für die Angehörigen. BÜNDNIS

90/DIE GRÜNEN sehen eine Möglichkeit

darin, dass die Verantwortung bei einer Er -

krankung auf mehrere Schultern verteilt

wird.


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Wahl 09 AWO

WAHL 09

WAHL 09

FRAGEN

Die erwerbsfähige Bevölkerung

sinkt in Thüringen, der Wettbe -

werb auf dem Arbeitsmarkt steigt.

Mit welchen Ansätzen wird Ihre

Partei dem bereits bestehenden

und sich verstärkenden Fach -

kräfte mangel entgegenwirken?

FRAGEN

SPD CDU FDP DIE LINKE BÜNDNIS 90/

DIE GRÜNEN

Ebenso die Beratung, welche Be treu ungs -

angebote genutzt werden können. Hierbei

wäre die Einrichtung eines flächendeckenden

Netzes an Pflegestützpunkten in Thü -

ringen notwendig. Wir wollen für Thü ringen

eine ausreichende Beratungs struk tur, so -

dass kein Betroffener oder Ange hö riger

eines Pflegebedürftigen hunderte Kilo meter

zu einem Pflegestützpunkt fahren muss.

Alternative Betreuungs- und Pflege ange -

bote für Demenzkranke, die deren individuellen

Bedürfnissen angepasst sind, wie

z. B. Wohngemeinschaften für Demente,

unter stützen wir.

Im Thüringer Heimgesetz sollen für diese

Einrichtungen Richtlinien festgeschrieben

werden, um Rechtssicherheit für die Ein -

rich tungen und ihre Bewohner herzustellen.

Die CDU-Landesregierung hat mit ihrer Bil -

lig lohnideologie dafür gesorgt, dass in Thü -

ringen bundesweit die niedrigsten Löhne

ge zahlt werden. Dies ist die wesentliche

Ursache für die Ab wanderung junger, gut

qua lifizierter Fachkräfte. Damit muss

Schluss sein. Zur Sicherung des künftigen

Fachkräftebedarfs sind die Tarifvertrags par -

teien – besonders die Arbeitgeber – und die

Politik gefragt. In einem breiten Bündnis

von Gewerkschaften und Arbeitgeber ver -

tretern wird eine SPD-geführte Landes re -

gierung für eine Ausweitung der Tarifbin -

dung eintreten. In einem ersten Schritt werden

wir in der neuen Legislaturperiode

zudem ein Thüringer Mindestlohngesetz in

den Landtag einbringen. Für öffentliche Auf -

träge soll ein eigener Mindestlohn als untere

Schutzgrenze gelten und so ein Signal

für Existenz sichernde Löhne in allen Wirt -

schaftsbereichen gesetzt werden. Nur mit

einer Verbesserung der Arbeitsbedin gun -

gen, einschließlich einer angemessenen

Entlohnung, können Fachkräfte gewonnen

und vor allem im Land gehalten werden.

Dabei verfügt der Frei staat bei den niedrigschwelligen

Be treu ungsangeboten im

Bundesvergleich be reits jetzt über ein überdurchschnittlich

gut ausgebautes Angebot.

An einer Alters de menz erkrankten Men -

schen wird so der Zugang zu sozialen Kon -

takten und positiven Begegnungen ermöglicht.

Die Thürin ger CDU setzt sich dafür

ein, dass die be stehenden Möglichkeiten

erhalten und bestmöglich Schritt für Schritt

weiterentwickelt werden können.

Die CDU Thüringen wird deshalb weiterhin

dafür sorgen, dass die Rahmenbe din gun -

gen für eine nachhaltige Fachkräfte siche -

rung verbessert werden. Beispiele dafür

sind u. a. der Thüringer Ausbildungspakt

und die „Thüringer Allianz zur Fachkräfte -

sicherung" mit dem Ziel einer nachhaltigen

Unterstützung der Ausbildung von Fach -

kräften. Damit wollen wir junge Menschen

im Land halten und abgewanderte Fach -

kräfte zurückholen. Für das Thüringer Son -

der programm zur Ingenieurausbildung an

der FH Erfurt und der FH Jena stehen zur

Beschleunigung der Ingenieurausbildung

und zur Schaffung von 360 zusätzlichen

Stu dienplätzen 3,9 Mio. Euro zur Verfü -

gung. Mit diesem Maßnahmekatalog reagiert

die CDU-geführte Landesregierung

bereits auf den prognostizierten Fachkräfte -

mangel. Die Thüringer Union tritt energisch

dafür ein, dass Mittelstandspolitik wie bisher

auch weiterhin im Mittelpunkt der Thü -

ringer Wirtschaftspolitik stehen wird. Wich -

tig ist dabei die Motivation und Unter stüt -

zung junger Menschen, sich als Existenz -

gründer und Jungunternehmer in und für

Thüringen zu engagieren. Damit sichern

und stärken wir den Mittelstand und geben

jungen Menschen eine gute und sichere

Zu kunftsperspektive in unserem Land.

Es ist umgehend zu klären, wie die Finan -

zierung auf ein sicheres Funda ment gestellt

werden kann, damit verlässliche Hilfen

lang fristig gewährleistet werden können.

Qualifizierte Fachkräfte zu halten und zu fin -

den, ist eine der zentralen Heraus for derun -

gen. Wir müssen die Qualifikationen und

Kompetenzen unserer Arbeitskräfte nutzen.

Unser Ziel ist eine Politik für mehr Wachs -

tum und Beschäftigung. Aus Sicht der FDP

muss der Arbeitsmarkt flexibilisiert werden.

Deshalb fordert die FDP neben einer Reform

des Tarifvertragsrechts zur Sicherung be -

trieblicher Bündnisse für Ar beit vor allem im

Interesse mittelständischer Betriebe ein flexibilisiertes

und entbürokratisiertes Be triebs -

verfassungsgesetz, Locke rungen im Teilzeitund

Befristungs ge setz und ein zeitgemäßes

Kündigungs schutz recht, damit die Unter -

neh men zeitnah auf sich verändernde Auf -

tragslagen reagieren können.

Wir brauchen eine Politik, die den Mittel -

stand mit niedrigen Steuern und Abgaben

stärkt. Das Versicherungsprinzip in der Ar -

beits losenversicherung ist deutlich zu stärken.

Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen

sind auf Umfang und Wirksamkeit zu überprüfen.

Die Förderinstrumente sind möglichst

unbürokratisch zu gestalten. Not wen -

dig ist ein ausreichendes Maß an Flexibilität

bei den Arbeitsmarktinstrumenten, damit

passgenaue Hilfsangebote entwickelt und

ge nutzt werden können. Mit einer Bildungsund

Qualifizierungs offen sive ist einem möglichen

Mangel an gut ausgebildeten Bürgern

entgegenzu wirken.

Die FDP wird daher die öffentlichen Bil -

dungs investitionen deutlich verstärken und

für bessere Rahmenbedingungen in Kin -

dertagesstätten und Schulen sorgen. Es

muss sichergestellt werden, dass jedes

Kind und jeder Jugendliche nach seinen in -

dividuellen Bedürfnissen gefordert und ge -

fördert wird. Dies kann nur durch eine weitere

Qualifizierung der pädagogischen

Kräfte, eine Verbreiterung der Angebots viel -

falt sowie einer entsprechenden Wahlfrei -

heit für Eltern gelingen.

gen über alle Fachgruppen (zur interdisziplinären

Zusammenarbeit) gesichert werden.

Bei der Novellierung des Pflege ge set -

zes stehen gegenwärtig fünf Pflegestufen

in der Diskussion. Von Seiten der Pflegen -

den wird eine Umwandlung von derzeit drei

in zukünftig sieben Pflegestufen gefordert.

Das würde dem individuellen Be darf des

einzelnen Patienten besser ge recht werden.

Notwendig ist auch die stärkere Unter -

stützung und Entlastung pflegender Fami -

lien angehöriger. Das betrifft so wohl die Be -

ratung durch speziell geschulte Pflege fach -

kräfte vor Ort als auch die Mög lichkeit, den

zu Pflegenden zumindest zeitweise in speziellen

gerontopsychiatrischen Einrich tun -

gen unterzubringen. Bedeut sa me Behand -

lungs ziele aus Sicht der Be trof fenen sind

die Wahrung der Eigen stän digkeit und der

Verbleib in der vertrauten Umgebung so

lange wie möglich. Die heute verfügbaren

Antidementiva können die Symptomatik

ver langsamen. Jedoch führt die Budge tie -

rung nicht zu einer adäquaten Versorgung

aller Demenz-Patienten.

Ein wichtiges Element, dem Fachkräfte -

man gel entgegenzuwirken, ist aus Sicht der

LINKEN die Einführung eines gesetzlichen

Mindestlohns. In Thüringen werden die

bun desweit niedrigsten Löhne und Ge häl -

ter gezahlt. Viele, vor allem junge, gut ausgebildete

Menschen, wandern deshalb ab.

DIE LINKE, die jede Form der Niedrig lohn -

beschäftigung ablehnt, will dagegen auf

zwei Ebenen vorgehen: In Thüringen soll

ein Vergabegesetz mit Tariftreue- und

Mindestlohnforderung dafür sorgen, dass

nur die Unternehmen öffentliche Aufträge

erhalten, in denen es nicht zu Lohn dum -

ping kommt. Darüber hinaus soll Thüringen

im Bundesrat für die Einführung eines bun -

desweiten gesetzlichen Mindest lohns aktiv

werden, um in Deutschland end lich euro -

päische Normalität zu erreichen.

Um der Abwanderung gerade junger Men -

schen zu begegnen, müssen in Thüringen

deutlich mehr betriebliche Ausbildungs -

plätze als bisher geschaffen werden. DIE

LINKE setzt sich deshalb für eine Aus bil -

dungsplatzumlage ein, die zudem dafür

sorgt, dass die Ausbildungslasten zwischen

den Unternehmen endlich gerecht verteilt

und kleine und mittlere Unternehmen, die

die Hauptlast der Ausbildung tragen, nicht

länger zugunsten der Großunternehmen

benachteiligt werden.

Im Feld der aktiven Arbeitsmarktpolitik will

DIE LINKE die Aus- und Weiterbildung viel

stärker als bisher zur Sicherung des Fach -

kräfte bedarfes als Bestandteil einer zu -

kunfts orientierten Struktur- und Beschäfti -

gungs politik und der Bekämpfung von Ar -

beits losigkeit organisieren.

Wahl 09 9

Die Förderung bestehender und neuer

Formen gesellschaftlicher Solidarität und

des Miteinanders, ohne die die Absi che -

rung von Pflege zukünftig undenkbar ist,

sehen wir als Notwendigkeit an. Diese

Solidarität ist erforderlich, um Hilfe mix -

systeme etablieren zu können. Der Hilfemix

steht dafür, dass pflegerische, betreuerische

und alltägliche Hilfestellungen auf

mehrere Akteure aufgeteilt und verteilt ist –

bspw. zwischen Familie, Freunden, Nach -

barn, ehrenamtlich Engagierten und Pro -

fessionellen. Diese geteilte Verantwortung

ist Verantwortung, die leichter fällt.

Thüringen wird von einem gravierenden

Fachkräftemangel bedroht. Dieser wird sich

ab 2012 besonders stark bemerkbar

machen und ist schon heute zu spüren.

Unsere Antwort auf diese Krisen ist ein grüner

New Deal, mit dem wir den ersten

Schritt hin zu einer grünen Marktwirtschaft

für Thüringen machen. Dabei zielt grüne

Marktwirtschaft darauf ab, eine hohe

Lebensqualität für alle Menschen zu erreichen

und dabei Nachhaltigkeit in den

Mittelpunkt des wirtschaftlichen Handelns

zu stellen. Sie verbindet Klima- und Um -

welt schutz mit der Schaffung neuer Ar beits -

plätze. Der schon jetzt spürbare Fach -

kräfte mangel ist teilweise durch die

Unternehmen hausgemacht. BÜNDNIS 90/

DIE GRÜNEN setzen hier auf gut ausgebildete

Frauen und wollen Mädchen schon

früh an vermeintliche Männerberufe heranführen

und ihnen in Thüringen lebenswerte

Perspektiven bieten. In der Pflege- und

Gesundheitsförderung zeichnet sich ein

erheblicher Fachkräftemangel ab, um diese

Engpässe mit qualifiziertem Personal zu

beseitigen, müssen wir die Attraktivität und

gesellschaftliche Aner ken nung dieser Be -

rufe steigern und auch die Finanzierung der

Ausbildung verbessern. Bei Umschu lungs -

maßnahmen wollen wir deshalb die Finan -

zierung aller drei Aus bil dungsjahre dauerhaft

sichern. In der Kran ken- und Alten -

pflege plädieren wir für eine Ausbil dungs -

umlage in allen Bundes län dern.

FRAGEN


10

Wann?

Projekt AWO

Schülerfreiwilligentag

Am 10. Juni 2009 fand der zweite Thü -

ringer Schülerfreiwilligentag statt.

Wer?

260 Schüler engagierten sich in 24

Ein richtungen der AWO Thüringen.

Was?

Unter dem Motto „Thüringer Schü -

lerinnen und Schüler engagieren sich“,

unterstützten junge Menschen an diesem

Tag soziale Einrichtungen und

Projekte. Landesweit beteiligten sich

1.500 Schüler ehrenamtlich in allen

möglichen Projekten und Tätigkeits be -

reichen. Die Zahl der Teilnehmer hat

sich damit im Vergleich zum Vorjahr

fast verdoppelt.

Wo?

In der AWO engagierten sich Schüler

in Ohrdruf und Friedrichroda, Pöß -

neck, Bad Langensalza, Jena, Wei -

mar, Erfurt, Meiningen, Saalfeld,

Zeulenroda, Auma, Triebes, Bad

Salzungen, Hildburghausen und dem

Kyffhäuserkreis.

Portrait Andre Neumann

Andre Neumann (Jahrgang 1979) ist

Diplom-Mediengestalter und arbeitet

seit 2005 als Filmemacher, Modera -

tor und Medienkünstler (www.n13media.de).

Er hat den Schülerfrei wil li -

gen tag in der AWO mit der Kamera be -

gleitet.

Engagiert ins kalte Wasser springen.

„Im Erfurter Rathaus begann der 2.

Thü ringer Schülerfreiwilligentag für die

Teilnehmer mit der Vergabe der Ein -

satzorte. Sehr mutig von den jungen

Menschen, zwar angespannt, doch

voller Tatendrang den Sprung ins kalte

Wasser zu wagen. Nachdem sich

jeder für eine Tätigkeit entschieden

hatte und alle zu ihren Einsatzstellen

in Kitas, Pflegeheime und Projekte

aufbrachen, ging es für mich per Auto

weiter zum AWO Altenpflegeheim

nach Ohrdruf bei Gotha. Die Ju gend -

lichen blickten hinter und vor die Ku -

lissen der Einrichtung, konnten Fragen

stellen und bereits mit den Bewohnern

in Kontakt treten. Eine tolle Mög lich -

keit, Vorurteile abzubauen, sich ein

eigenes Bild zu machen und vielleicht

auch in einen zukünftigen Beruf zu

schnuppern.

Für mich ging es bald wieder weiter

Richtung Süden in den Thüringer

Wald nach Meiningen. Der AWO

Kinder- und Jugendclub „Am Berg“

hatte seine Türen geöffnet, gekocht,

Cocktails (natürlich alkoholfrei!) ge -

mixt und sich mal richtig herausgeputzt.

Wie alles an diesem Tag freiwillig

und ehrenamtlich von den Ju gend -

lichen selbst gestaltet und organisiert,

versicherte mir Einrichtungsleiterin

und gute Seele des Hauses, Frau

Petra Hannemann, im Interview. Sie

ist stolz auf 'ihre Kids', die auch mal

spontan auf dem tollen Außengelände

Unkraut zupfen – freiwillig!

„Beeindruckend“, dachte ich mir, trank

noch einen Bananasplit-Cocktail aufs

Haus, bevor ich wieder Richtung Erfurt

aufbrach. Ein langer Tag voller Ge -

spräche, Taten und ganz viel Engage -

ment, der richtig 'Men schelte'.“

Portrait Christoph

Christoph (16 Jahre) hat die AWO Kita

Ringelblume als Einsatzort für den Tag

gewählt.

Es ist Zeit für das Mittagessen. Chris -

toph sitzt mit den Kindern an einem

kniehohen Tisch – es wird Gemüse -

suppe gekostet und dabei werden

spannende Spiel pläne für den Nach -

mittag geschmiedet.

„Der Christoph hat ein Händchen für

Kinder. Schon als er vorhin kam, hat er

gleich Fingerspiele mit ihnen gemacht.

Das ist ungewöhnlich. Die Kinder

schauen oft erst einmal und dann fassen

sie Vertrauen, aber bei ihm war es

gleich da“, teilt uns Erzieherin Frau

Busse mit. „Es ist wichtig, dass die

Kleinen auch von Männern betreut

werden.“

Christoph möchte auch beruflich gern

in die soziale Richtung gehen. Ehren -

amt findet er wichtig für die Integration

und Kommunikation mit den Anderen,

selbst wenn man beruflich einen anderen

Weg wählt.

Portrait Frau Bodenstein

Frau Bodenstein ist Ergotherapeutin

im Altenpflegeheim Friedrichroda, wo

sie den Projekttag koordiniert hat.

"Die Schüler besuchten uns gern und

unsere Bewohner sind immer begeis -

tert, wenn junge Leute kommen, junge

Gesichter. Das haben Sie ja eben hier

gesehen, dann sind sie immer ganz

ergriffen und freuen sich.

Die Schüler waren sehr aufgeschlossen

und haben von sich erzählt, von

der Schule. Da gab es richtig schöne

Gespräche. Unsere Bewohner fragen

dann auch, ob sie gerne kommen oder

jetzt frei haben oder noch zur Schule

müssen“, berichtet Frau Bodenstein.

Voller Freude erwähnt sie auch den

Erfolg des letzten Jahres: "Wir haben

hier eine Schülerin durchs vorige Jahr

gewonnen. Sie hat sich das gesamte

Jahr bei uns engagiert und ist jetzt im

Schülerpraktikum für zwei Wochen bei

uns. Sie zeigt großes Interesse.

Vielleicht klappt das ja in diesem Jahr

wieder."

Portrait Elise Prinz

Frau Prinz (97 Jahre) ist Bewohnerin

des Alten- und Pflegeheims "An den

drei Teichen" in Ohrdruf.

Nach dem gelungenen Theaterstück

der Schüler zeigte sie ein Stück Leben

aus ihrem Alltag im Pflegeheim. In mit -

ten eines Kreises aus Schülern und

Bewohnern berichtete sie von ihrer

Woche.

"Ich bin schon vor sechs Uhr munter.

Dann kommt meist dreiviertel sieben

die Schwes ter rein und acht Uhr ist

dann Kaffee trinken. Dann gehen wir

raus und es wird Zeitung gelesen.

Dienstags wird auch mal gesungen

oder wir malen Bilder. Diese Woche

habe ich meine Bilder im Zimmer aufgehängt.

Wir machen immer mal was

anderes. Wenn es schön ist, gehen

wir spazieren, z. B. runter an die

Teiche.

Früh habe ich immer was zu tun. Die

Becher, in die die Tabletten kommen,

wasche ich auf. Das sind jeden Tag

70, wenn nicht noch mehr. Donnerstag

freuen wir uns besonders, da ist

Kegeln. Jetzt gibt's einen Pokal, den

habe ich auch schon öfter gehabt.

Freitags kommt manchmal der Herr

Pfarrer oder eine Frau aus der Kirche

zum Vorlesen. Das ist immer schön.

Und Samstag haben wir frei, da können

wir machen, was wir wollen. Da

kommt meine Tochter und wir gehen

spazieren. Und so ist die Woche rum."

Für den gemütlichen Ausklang des

Tages sorgten gemeinsame Spazier -

gänge und die leckeren Thüringer

Bratwürste.

Projekt 11

Portrait Sara und Angelina

Sara (15 Jahre) und Angelina (16

Jahre) besuchen die Thomas-Mann-

Schule in Erfurt. Nach der Eröffnung

des Schülerfreiwilligentages im Er fur -

ter Rathaus entschieden sie, sich im

Bummi-Kaufhaus zu engagieren.

"Ich mache gern etwas für Andere, das

hat mich motiviert mitzumachen“, so

Sara.

"Ich finde, man muss nicht immer Geld

für etwas bekommen. Man kann doch

auch freiwillig etwas für andere Men -

schen tun“, fügt Angelina hinzu und

bügelt sorgfältig weiter. Wäsche wa -

schen, bügeln, Sachen sortieren und

einräumen in die Regale, das ist heute

ihre Aufgabe.

Welches ehrenamtliche Projekt würden

sie wohl selbst gern starten? Sara

würde genau so einen Laden wie das

Bummi-Kaufhaus ehrenamtlich be -

treuen. Angelina würde ein Projekt für

Kinder aus Familien mit Problemen

entwickeln, damit die Kinder etwas un -

ternehmen, Abwechslung erleben und

merken, dass jemand sie mag und sie

nicht allein da stehen.


12

Information AWO

AWO: Neue Regierung

darf im Sozialbereich

nicht sparen

Das Thüringer Finanzministerium hat den durch die Wirt schaftskrise

hervorgerufenen Steuerausfall auf 450 Mil lio nen Euro beziffert. Die

AWO warnt nun vor Einschnitten im Sozialbereich. „Damit würden gerade

die, die es ohnehin schon am schwersten haben, weiter belastet“,

sagte AWO Landesgeschäftsführer Ulf Grießmann. „Diese soziale Un -

ge rechtigkeit wäre nicht zu vermitteln.“

Die AWO fordert, dass die schwächsten Mitglieder einer Gesellschaft

der Maßstab der Krisenbewältigung sein müssen. „Es kann nicht sein,

dass wir Konzerne und Autokäufer mit Milliarden unterstützen, bei

Kindern, Arbeitslosen und Senioren aber den Rotstift ansetzen.“

Die AWO engagiert sich thüringenweit mit rund 10.000 Mitgliedern und

7.000 Beschäftigten in zahlreichen sozialen Bereichen, z. B. der Be hin -

dertenarbeit, in Kindertages stät ten, mit Angeboten für sozial Schwache

und der Senioren betreuung.

Null Euro für Bildung

AWO fordert kostenlose Angebote für arme Kinder

Null Euro im Monat. Das ist die Summe, die Kindern aus

Hartz IV Familien monatlich für Bildungsausgaben zur Ver -

fügung steht. Also für Bücher, den Besuch einer Musik -

schule oder eines Sportvereins. „Wir fordern endlich Taten

von der Politik“, sagte der

AWO Landesvorsitzende

Wer ner Griese. „Jeder Kom -

mu nal-, Landes- und Bundes -

politiker muss gerade jetzt

Farbe bekennen und sagen,

was er dagegen tun will.“

AWO Landesvorsitzender

Werner Griese

Konjunkturprogramme, mit

denen Kitas und Schulen sa -

niert werden, seien die eine

Sache. „Viel wichtiger ist

aber, ob es uns gelingt, wirklich

Bildungsgerechtigkeit

her zustellen“, sagte Griese.

Nur dann könne man von

Chancengleichheit in einer

Gesellschaft sprechen. Die

AWO fordert vor allem einen

kostenlosen Zugang zu jeglichen

Bildungsangeboten.

AWO Landesgeschäftsführer Ulf Grießmann

„Von der Kita bis zum Sport verein, vom Studium bis zur

Musikschule.“ Jeder Euro, der hier investiert wird, sei nicht

nur zutiefst sozial, sondern rentiert sich in den Folgejahren

mehrfach. „Das haben zahlreiche Studien der Bertelsmann-

Stiftung und anderer Institute bewiesen“, so Griese.

Derzeit versucht die AWO, die größte Not durch einen

eigens gegründeten Sozialfonds „Sterntaler“ zu lindern.

Darüber wurden Schulstarter-Pakete, Vereinsmitglied -

schaften oder eine Reittherapie finanziert. Insgesamt

27.000 Euro wurden über den Fonds ausgeschüttet. „Wenn

man aber die Dimension in Thüringen und der gesamten

Bundesrepublik bedenkt, ist das natürlich nicht einmal der

berühmte Tropfen auf dem heißen Stein“, so Griese.

„Außer dem sollten wir bei Bildungsfragen überhaupt keine

Almosen verteilen müssen.“

Bundesweit gelten 2,4 Millionen Kinder als arm. In Thürin -

gen erhalten mehr als 58.000 Kinder und Jugendliche

Sozialgeld. Das entspricht rund 23 Prozent. In größeren

Städten Thüringens steigt der Prozentsatz sogar bis weit

über 30 Prozent.

Schulranzen für Kinder in Not

AWO stockte Mittel für Schulranzen um 5.000 Euro auf

Aufgrund der gewaltigen Nachfrage hat

der AWO Kreisverband Erfurt weitere

5.000 Euro für das Schulstarter-Projekt

des „Bummi-Kaufhaus“ zur Ver fügung

gestellt. Dadurch konnten noch einmal

Schulranzen und verschiedene andere

Schulsachen für bedürftige Familien

gekauft und im Bummi-Kauf haus ausgegeben

werden. Insgesamt standen

damit 20.000 Euro von AWO und Stadt

zur Verfügung.

In diesem Jahr herrschte bei einigen

Jungen und Mädchen der LEG-Som -

merschule besonders große Aufre -

gung. 60 Kinder aus Erfurt konnten in

drei Durchgängen jeweils eine Woche

in der Rothleimmühle oder auf der

Feuer kuppe verbringen. Weitere 100

Kin der erlebten spannende Tage in

Erfurt und Umgebung.

Jeweils sonntags wurden Taschen und

Rucksäcke gepackt. Neben Sonnen -

milch und Regenschirm hatten alle

eine große Tüte gute Laune dabei.

Gutes Wetter war bestellt und traf

auch rechtzeitig ein.

Die Ranzen waren mit Stiften, Farben,

Heften und Sportsachen prall gefüllt.

Daneben lagen auch für ältere Schüler

Stifte, Hefte und Sport sachen bereit.

Außerdem wurden im Bummi-Kaufhaus

zahlreiche Kleidungs stücke für die

Schul einführung an g e boten. Vorzulegen

war lediglich ein Nachweis der Be dürf -

tigkeit in Form des Sozialausweises oder

eines gültigen Hartz IV Be schei des.

Bereits im Vorjahr wurden über 100

„Schul ausrüstungen“ an Kinder aus

Die vier Betreuer/-innen warteten

mon tags um acht Uhr an der neuen

Oper. Gemeinsam ging es mit dem

Bus in Richtung Ferien. Fünf erlebnisreiche

Ferien tage lagen vor der

Gruppe. Foto safari in Nordhausen,

Ge lände ralley, Backen, Disko,

Schwimm bad besuch, Sommer rodel -

bahn, Grillabend u.v.m. standen auf

dem Programm. Für Heimweh blieb

keine Zeit. Viel zu schnell war der Frei -

tag gekommen. Zimmer aufräumen

und Sachen packen gehörten nicht zu

den Lieblings spielen, mussten aber

sein. Nach dem Mittagessen ging es

wieder nach Hause, wo die Ferien kin -

der bereits von ihren Eltern erwartet

wurden.

Information 13

sozial schwachen Familien verteilt. Das

Geld für die Schulsachen stammte aus

Spenden von Erfurter Unternehmen und

Privatpersonen, dem Sterntaler-Fonds

der AWO und Mitteln der Stadt Erfurt.

Die Kowo unterstützt das Bummi-Kauf -

haus durch einen kräftigen Nach lass bei

der Miete.

In diesem Jahr kamen in Erfurt 130

Kinder mit einem Harz IV Hintergrund in

die Schule. Insgesamt gelten rund 3.000

Kinder der Stadt als arm.

Die Sommerschule von LEG und AWO

Ferienimpressionen

LEG und AWO

Auch die Erfurter Ferienkinder verlebten

aufregende Tage: Wie entsteht

unsere Zeitung? Wie macht VIBA so

leckere Süßigkeiten? Die Ferienkinder

wissen es jetzt. Immer wieder toll ist

ein Besuch auf dem Bauernhof in

Witterda oder beim KIKA.

Seit drei Jahren organisieren LEG und

AWO die Sommerschule. In diesem

Jahr nutzten auch andere Unter neh -

men, wie die Thüringer Aufbaubank,

die GfAW, IKK oder Zeitungsgruppe

Thüringen und die AWO selbst das An -

gebot für die Kinder ihrer Mitarbeiter.

Karin Griese


14

Einrichtung AWO

AWO

AWO investiert in gesunde Arbeitsplätze

Die AWO und die IKK Thüringen haben

Ende Juli eine Pilotvereinbarung zur be -

trieblichen Gesundheitsförderung unterzeichnet.

Die Vereinbarung gilt zunächst

für ein Jahr und für die insgesamt 68

Mitarbeiter des Kinder- und Jugend hei -

mes „Am Palmental“, der Kleinstgruppe

in Eisenach und der Kinder- und Ju -

gend heime in Creuzburg und Schweina.

Der Vertrag wurde von IKK Thüringen

Geschäftsführer der Hauptge schäfts -

stelle Süd, Gerhard Arnold, und dem

AWO AJS Hauptgeschäftsführer, Mi -

chael Hack, unterschrieben. Ähnliche

Ver einbarungen bestehen bereits mit

der Barmer und der AOK.

„Bei entsprechendem Erfolg wollen wir

in allen unseren Thüringer Einrich tun -

gen eine solche Gesundheitsförderung

Die AWO übergab im Juni das wissenschaftliche

Begleitbuch „Familienhilfe.

Über den Umgang mit Familien in multiplen

Problemlagen“ in der „Integrierten

Familienhilfe“ in Erfurt an Vertreter des

Jugendamtes. „Die Einrichtung ist so

einzigartig, dass sie von Anfang an von

Wissenschaftlern begleitet wurde“,

erklärte Andrea Schreiber, Verbund -

leiterin für Jugendhilfe bei der AWO. „Mit

der Übergabe des Buches wollen wir der

Stadt für die große Unterstützung beim

Aufbau des Angebotes danken und

gleichzeitig für eine weitere Zusammen -

arbeit werben.“

In der Integrierten Familienhilfe werden

Familien betreut, wenn sie ihren Alltag

allein nicht mehr meistern können. Was

zunächst banal klingt, ist in der bundesdeutschen

Jugendhilfepraxis eine echte

Innovation. „Bisher wurden die Eltern oft

allein sozialpädagogisch oder therapeutisch

betreut“, so Andrea Schreiber.

Inzwischen wurden die Kinder durch

ver schiedene Hilfsangebote oder Ta ges -

gruppen unterstützt oder außerhalb der

Familie in Kinderheimen oder bei Pfle -

ge eltern untergebracht. In der Integrier -

ten Familienhilfe ist diese Trennung auf-

einführen“, sagte Hack. Das würde dann

knapp 2.500 Mitarbeitern zu Gute kommen.

„Bei der betrieblichen Gesundheits för -

derung geht es darum, durch viele Ein -

zelmaßnahmen einen insgesamt gesünderen

Arbeitsplatz zu schaffen“, betonte

Gerhard Arnold von der IKK. Zunächst

werden die Ursachen für Krankheiten

und Krankenstände analysiert. An schlie -

ßend soll diesen mit Präventions an ge -

boten oder neuen technischen Hilfs mit -

teln vorgebeugt werden. Vor allem die

Zahl der Langzeitkranken soll so dauerhaft

gesenkt bzw. die Rückkehr nach

langer Krankheit erleichtert werden.

Im jüngst gestarteten Projekt werden

IKK-Experten die AWO-Einrichtungen

Chancen für Familien in bundesweit

einzigartiger Einrichtung

gehoben. „Die Probleme, die die Familie

hat, werden auch gemeinsam bearbeitet“.

Die Erfolge sind deutlich. Das ergab

auch die Untersuchung der Wissen -

schaftler. Auf den Punkt gebracht:

Problemfamilien haben nach der Betreu -

ung in der Integrierten Familienhilfe

einen deutlich geringeren Bedarf an weiteren

Hilfen, als bei „herkömmlichen“ Ju -

gend hilfeangeboten. Besonders bei al -

lein erziehenden Eltern mit kleinen Kin -

dern hat sich die Hilfe bewährt.

Doch bei allem Erfolg gibt es auch einen

Wermutstropfen. Das Angebot wird von

den Jugendämtern bisher zu zögerlich

in Anspruch genommen. „Häufig weicht

man einfach auf die Angebote und

Metho den aus, die man standardmäßig

im Kopf hat“, erklärte Andrea Schreiber

das Phänomen. „Wir würden uns wünschen,

dass man hier flexibler wird und

genauer hinschaut, was den Familien

wirklich hilft.“ Dafür wolle man bei dem

Treffen mit der Erfurter Bürgermeisterin

Tamara Thierbach und Jugendamtsleiter

Hans Winklmann noch einmal werben.

Die Integrierte Familienhilfe besteht seit

Mai 2005. Mehrere Familien können das

aus führlich beraten und begleiten. Ge -

plant sind zunächst betriebsbezogene

Analysen. Daraus werden gemeinsam

Veränderungsstrategien entwickelt und

um gesetzt. Zukünftig soll eine Vielzahl

von Gesundheitsangeboten vorgehalten

werden.

Für die AWO ist die betriebliche Ge -

sund heitsförderung eine wichtige Zu -

kunftsinvestition. „Wenn unsere Mit ar -

beiter in Zukunft bis 67 in Pflegeheimen,

Kindergärten oder eben Jugendhilfe ein -

richtungen arbeiten sollen, müssen wir

etwas tun, damit sie diese schwere Ar -

beit körperlich und psychisch bewältigen“,

so Hack. Die Pilotprojekte mit den

Krankenkassen sind dazu die ersten

kleinen Schritte eines langen Weges.

AJS Geschäftsführer Achim Ries und Tamara

Thierbach, Erfurter Bürgermeisterin

Angebot der AWO gleichzeitig nutzen.

Neben klassischen sozialpädagogischen

Hilfen zur Erziehung erhalten die

Familien auch Unterstützung bei Ver -

schul dung, der Wiederbeschaffung

einer eigenen Wohnung und im Umgang

mit Behörden und Ämtern. Nach der Zeit

in der Integrierten Familienhilfe werden

die Familien eine Zeit lang ambulant

wei ter betreut. Zusätzlich begleiten

ehren amtliche Familienpatinnen unsere

Fa mi lien und bleiben verlässliche An -

sprech partner für die Familien.

Die AWO verfügt in Erfurt über ein breites

und differenziertes Jugendhilfe an ge -

bot, das von Erziehungsberatung, am -

bu lanten Hilfen für Eltern und Kinder,

einer Tagesgruppe, einem Lernprojekt

für verhaltensauffällige Kinder bis zu

Kin derheimen reicht.

AWO

Die AWO Tagesstätte für psychisch kranke Menschen in

Bad Salzungen feierte im Juni ihren 15. Geburtstag. Gleich -

zeitig wurden die neuen Räume der Einrichtung vorgestellt.

Angefangen hat die Einrichtung 1992 als Modellversuch.

1994 zog die Tagesstätte dann in eine frühere Wohnung,

später in die Räume des AWO Beratungszentrums. In diesem

Jahr schließlich folgte ein erneuter Umzug, in die heutigen

barrierefreien Räume. „Damit können wir nun auch

Klienten betreuen, die neben psychischen Krankheiten

auch unter körperlichen Einschränkungen leiden“, sagt Ein -

richtungsleiterin Denise Gubitz.

Spezialisiert ist die Tagesstätte auf jüngere Menschen mit

einer chronischen psychischen Erkrankung. Das Ziel ist, die

Aktion 15

15 Jahre AWO Tagesstätte

für psychisch kranke Menschen

Rund zehn Millionen Menschen in Deutschland trinken zu

viel Alkohol, davon gelten 1,3 Millionen als alkoholabhängig.

Angesichts dieser Besorgnis erregenden Zahlen beteiligte

sich die Psychosoziale Beratungsstelle für Suchtkranke,

Suchtgefährdete und deren Angehörige der AWO Sonneberg/Neuhaus

gGmbH an der bundesweiten Aktionswoche

„Alkohol? Kenn dein Limit“.

Am 15. Juni haben die Mitarbeiter der Beratungsstelle in

Neu haus und in Sonneberg im Ein-Stunden-Takt in Dis -

kussionsrunden Informationen über den verantwortungsvollen

Umgang mit Alkohol vermittelt und einen

Selbsttest an ge boten, der Aufschluss

über den individuellen Alkohol kon sum

gab.

„Mit dieser Aktion wollten wir möglichst

viele Menschen für einen verantwortungsvollen

Alkoholkonsum sensibilisieren“,

sagte Frau Dr. Rehberg, die Leiterin der Suchtbera -

tungs stelle. „Wir plädieren nicht generell für den völligen

Verzicht auf Alkohol, sondern für einen vernünftigen Um -

gang damit, d. h. einen risikoarmen Konsum in solchen Men -

gen, der alkoholbedingte Folgeerkrankungen und ein Ab rut -

schen in eine Alkoholabhängigkeit ausschließt. Für bereits

abhängig gewordene Personen, Schwangere sowie Men -

Klienten wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. „Dazu

haben wir eine Partnerschaft mit 20 Unternehmen ge -

schlossen, bei denen unsere Klienten Praktika machen können“,

erklärt Denise Gubitz. Die Tagesstätte hilft bei Behör -

dengängen, arbeitet mit den Klienten an einem strukturierten

Tagesablauf und trägt so zu einem selbstbestimmten

Leben ihrer Klienten bei.

Im Laufe der Zeit haben sich zahlreiche weitere Partner -

schaften und Projekte rund um die Tagesstätte angesiedelt.

Zum Beispiel ein Theaterprojekt, das von der Aktion

Mensch unterstützt wurde oder eine Selbsthilfegruppe für

Betroffene und Angehörige von psychisch kranken Men -

schen.

Aktionswoche Alkohol mit Aktion

„Alkohol? Kenn dein Limit.“

schen mit gesundheitlichen Einschränkungen u. a. halten wir

natürlich an der Empfehlung einer strikten Alkoholabstinenz

fest. In Beratungsgesprächen mit Menschen mit Alkohol -

problemen stellen wir immer wieder fest, dass ihnen nicht

bekannt ist, welche Alkoholmengen von der WHO als ge -

sund heitlich unbedenklich eingestuft werden, sodass sie oftmals

über einen langen Zeitraum unwissentlich zu viel trinken

und diese Mengen für „normal“ halten. Besonders

schlimm ist es, wenn der eigene aktuelle Alkoholpegel un -

ter schätzt wird, derjenige als Kraftfahrer

am Straßenverkehr teilnimmt und an -

dere gefährdet. Daher haben wir am 15.

Juni besonders Kraft fahrer über die

Auswirkung von Alko hol auf die Fahr -

tüchtigkeit, die durch be stimmte

Trink mengen er reich ten Blut alkohol kon -

zentrationen und den Ab bau von Alkohol im Blut aufgeklärt.

Wir haben jeden Einzelnen, der uns an diesem Tag

aufgesucht hat, dazu angeregt, das eigene Trinkverhalten

ehrlich einzuschätzen.“

Bei den Diskussionsrunden gab es eine Verkostung alkoholfreier

Cocktails.


16

Aktion AWO

Seniorenwohnen im Klassenzimmer

Pilotprojekt wird zu Erfolgsmodell

Aus Schulen werden Servicewohnanlagen für Senioren.

Ein Modellprojekt der AWO Thüringen gemeinsam mit

dem Architekturbüro „Projektscheune“ in St. Kilian ist

auf dem Weg, vor allem in Ostdeutschland eine länderübergreifende

Ausstrahlung zu entwickeln.

Der Osten hat ein Problem. Die demografische Entwicklung

schlägt hier durch die verstärkte Abwanderung schneller

und härter zu Buche als in den westlichen Bundesländern.

Die Folge: Vor allem Schulen werden geschlossen, stehen

leer und verschandeln als Ruinen das Stadtbild.

Der Richtkranz hängt.

Die Alzheimer Gesellschaft Thüringen gestaltete im Juni im

AWO Seniorenpflegeheim „Haus zu den vier Jahreszeiten“

in Erfurt einen Informationsabend zum Thema Demenz.

„Die Diagnose Alzheimer bedeutet für die Betroffenen und

die Angehörigen eine gravierende Veränderung“, sagte

Wilfried Georgi, Vorstandsvorsitzender der Alzheimer Ge -

sellschaft Thüringen. „Viele Ängste und eine große Un -

sicherheit gehen damit einher.“ Der richtige Umgang mit der

Erkrankung und mit dem Betroffenen kann die Fa mi lien -

situation jedoch deutlich entlasten. „Mittlerweile gibt es viele

Hilfsangebote, auch durch die Pflegeversicherung“, erklärte

In Suhl wird nun die erste dieser Schulen zu einem Service-

Woh nen für Senioren umgebaut. Aus den früheren Klassen -

zimmern werden barrierefreie Einzel- oder Doppelapparte -

ments. Vom Eingang bis zum Bad sind alle Gänge und

Wege rollstuhlgerecht gestaltet. Eine zentrale Servicestelle

sorgt für Betreuungsangebote und vermittelt Pflegedienst -

leistungen.

Der Ansturm ist gewaltig. Die 55 Wohnungen in der ehemaligen

„Döllbergschule“ sind seit Monaten reserviert. Auch

auf dem Seniorentag in Leipzig sorgte „Wohnen im

Klassen zimmer“ für Aufsehen. Knapp 300 Besucher informierten

sich während einer Präsentationsveranstaltung

über das Projekt.

Zahlreiche Bürgermeister haben sich bereits bei der AWO

gemeldet und Objekte vorgeschlagen. Die beteiligten Kom -

munen gewinnen dabei doppelt, die unschönen Bau ruinen

verschwinden und gleichzeitig werden seniorengerechte

Woh nungen für die immer älter werdende Be völ kerung

geschaffen. Grund genug für die AWO und die Architekten

der „Projektscheune“, weitere stillgelegte Schulen ins „Vi -

sier“ zu nehmen. Zwei Bauvorhaben in Stadtilm und Roß -

leben sind bereits fest geplant. Weitere Projekte in der Lan -

des hauptstadt Erfurt, im Landkreis Sonne berg und an anderen

Standorten werden derzeit geprüft.

Das Projekt in Suhl feierte im August Richtfest. Bis zum

Frühjahr 2010 werden die Wohnungen bezugsfertig sein.

Alzheimer Gesellschaft Thüringen

informiert zum Thema Demenz

Georgi. Viele der Möglichkeiten seien aber noch gar nicht

bekannt. Mit der Informationsveranstaltung konnten zahlreiche

Anregungen gegeben werden.

Im Rahmen des traditionellen Sommer -

festes Anfang Juli wurde der feierliche

Spatenstich für das neue Bauvorhaben

„Sanierung des Herrenhauses“ in Hai -

nichen gesetzt. Schon in knapp einem

Jahr sollen hier 25 Senioren in sogenannten

stationären Hausgemein -

schaften leben.

Stationäre Hausgemeinschaften sind die

derzeit modernsten und innovativsten

Ansätze in der Altenpflege. Fach leute

be zeichnen diese Projekte auch als

„Pfle geheime der 4. Generation“. Die

Be wohner leben in kleinen Wohn grup -

pen. Therapie und Betreuung finden di -

rekt vor Ort statt. Gemeinsam wird ge -

kocht, gebacken und der Tag

gestaltet. So ge nannte Prä -

senz kräfte sind ständig an -

wesend. Die de menz kran ken

Senio ren er hal ten derart einen

fes ten Tages ablauf. Ängste

und Des orien tie rung werden

deutlich gemindert.

Die Sanierung des denk mal -

geschützten Gebäu des knüpft

nahtlos an die bestehende 60jährige

Tra di tion der Alten -

pflege in Hainichen an. Denn

das He rren haus war schon seit

Aktion 17

Spatenstich für Millioneninvestition in Hainichen

Symbolischer Spatenstich für die Sanierung des

„Herrenhauses“

15 jugendliche Graffiti-Künstler aus dem Jugendclub „Zelle“

haben die AWO Kin dertagesstätte „Haus der Marien kin der“

verschönert. Zahlreiche bunte Graffitis mit unterschiedlichen

Motiven zieren nun die Wände des Kinder gar tens. So sind

zum Beispiel bekannte Mo tive aus „Entenhausen“ zu erkennen.

Auch der Name der Kita ist farbenprächtig lesbar.

„Wir hatten immer wieder Probleme mit Schmierereien“, er -

zählte Kita-Erzieherin Martina Taubert. „So entstand die Idee,

1949 Alten heim. Damals lebten allerdings

noch 70 Leute in dem Haus. 1994

wurde die Ein rich tung dann von der

AWO übernommen. Vier Jahre später

wurde mit dem Neu bau des heutigen

Pfle geheimes be gon nen, das 1999 eingeweiht

wurde. Seit dem stand das Haus

leer. Die AWO investiert in die Sanierung

des Her ren hauses in Hainichen fast zwei

Millionen Euro.

Nach dem Spatenstich fand eine große

öffentliche Feier mit Musik und buntem

Showprogramm statt. Mit dabei waren

u. a. ein Zauberer, eine Disko, Angebote

für Kinder und ein Live-Dixieland-Kon zert

mit den „Steep-Wall-Stompers“. Heim -

leiter Lutz Dittel konnte anlassgerecht in

diesem Jahr besonders zahlreiche Gäste

begrüßen. Die inzwischen tra ditionellen

Sommerfeste der Ein rich tung sind in der

Region beliebt und werden jährlich von

etwa 300 Teilnehmern besucht.

Die gute Idee des Monats:

Graffiti-Künstler gestalten AWO Kindergarten

Mit einem großen gemeinsamen Fest verabschiedete die AWO im

Juni 249 Schul anfänger aus ihren dreizehn Er furter Kinder tages -

stätten.

„Es macht schon stolz, wenn man so viele Kinder ein Stück ihres

Lebens be gleiten und fördern konnte“, sagte Kita-Leiterin Carola

Pfannschmidt. Obwohl auch immer ein bisschen Wehmut dabei

ist. „Viele der Knirpse wachsen mir im Laufe der Jahre wirklich

ans Herz.“ Doch im September startet bereits das neue Kin der -

gartenjahr und die Lücken werden mit neuen Sprösslingen ge -

schlossen. Alle Erfurter AWO Kinder gärten sind auch für das neue

Jahr be reits voll ausgelastet.

die Sprayer ganz offiziell und legal Hand anlegen zu lassen.“

Die Farben für die jungen Künstler wurden von der Stadt ge -

stellt. „Nun hoffen wir, dass der Ehren kodex der Sprayer wirklich

gilt und die Motive nicht von anderen Sprayern wieder zerstört

werden“.

80 Kinder besuchen das „Haus der Ma rien kinder“ in Gotha.

Die Kita der AWO wurde 1998 vollständig saniert.

AWO verabschiedet 249 Schulanfänger

249 Erfurter „Kita-Absolventen“ 2009


18

Intern AWO

Inge Barg mit

Verdienstkreuz ausgezeichnet

Die Vorstandsvorsitzende des AWO

Kreisverbandes Saale-Orla e.V., Inge

Barg, hat für ihre großen Verdienste

um den Aufbau der AWO das Ver -

dienstkreuz am Bande des Ver dienst -

ordens der Bundesrepublik Deutsch -

land erhalten.

Am 30. Juli nahm sie bei einer Feier -

stunde die Urkunde und Ordens insig -

nien in der Erfurter Staatskanzlei entgegen.

Inge Barg hat ihr persönliches Enga -

ge ment seit der Gründung des AWO

Kreisverbandes Pößneck im Jahr

1990 unermüdlich für den Ver band

eingesetzt, um die AWO zu einem

ganzheitlichen und zukunftsorientierten

Träger zu entwickeln. Mit der Ge -

bietsreform 1994 erfolgte unter ihrer

maßgeblichen Beteiligung der Zusam -

men schluss der Kreisverbände Loben -

stein, Pößneck und Schleiz und Inge

Barg wurde als Vorstands vorsitzende

gewählt. Dieses Amt erfüllt die 78jährige

noch immer und gleichzeitig ist sie

als Aufsichtsratsvorsitzende der AWO

Sozialmanagement gGmbH Saale-

Orla-Kreis und der Pößnecker Werk -

stätten gGmbH, Tochterge sell schaften

des AWO Kreisverbandes, tätig.

Große Ereignisse werfen ihre Schat -

ten bekanntlich voraus. Im nächsten

Jahr feiert die AWO Thüringen ihr

20jähriges Jubiläum.

In diesen zwanzig Jahren seit der Wie -

dergründung der AWO in den neuen

Bundesländern ist viel aufgebaut und

bewegt worden, zahlreiche Ereignisse

beeinflussten das Geschehen und es

fanden sich großartige Mitstreiter, die

die Entwicklung unseres Verbandes

voran getrieben haben.

Anlässlich dieses Jahrestages beabsichtigt

die AWO Thüringen, ihre Ver -

Ihr Verantwortungsbewusstsein, ihre

Sachkompetenz und ihr unermüdlicher

Einsatz sind in der AWO sprichwörtlich.

Seit Jahren nutzt Inge Barg ihre

Freizeit und ihren Sachverstand, um

im Sinne der AWO Auf gaben zu erfüllen

und Probleme zu lösen.

AWO informativ gratuliert herzlich zu

dieser Ehrung.

Projekt Chronik 20 Jahre AWO in Thüringen

AWO Förderverein „Unstruttal“ –

bereits über 50 Mitglieder

Der im Juli gegründete AWO För der -

verein „Unstruttal“ hat bereits 50 Mit -

glieder. „Das zeigt, dass wir mit unserer

Idee, etwas für die sozialen Ein -

richtungen hier vor Ort zu tun, einen

richtigen Nerv getroffen haben“, sagte

Der Vorstand

der neu gewählte Vereins vor sitzende

Dietmar Edelmann. Gemein sam mit

den beiden Stellvertre terin nen, Marlies Fricke vom integrativen

AWO Kindergarten „Gänse blüm chen“, und Sandra

Müller, Leiterin der AWO Kita „Löwen zahn“ in Wiehe, will

Inge Barg (2.v.li) und stellvertretende Minister -

präsidentin Birgit Diezel (3.v.li)

bandschronik zu aktualisieren und fortzuschreiben.

Der historische Zeitraum

von der Gründung 1919 bis zum Ver -

bot der AWO 1933 wird Bestandteil der

Publikation bleiben. Besonderes

Augen merk wird auf die Darstellung

der Entwicklung der Strukturen der

AWO seit 1990 liegen.

Die einzelnen Kreisverbände haben

dazu bereits einen umfangreichen

Frage bogen zu ihrer Entwicklung er -

hal ten. Die hier erfassten Angaben

wer den in die ausführliche Auswertung

der Geschichte der AWO in Thüringen

einfließen.

der Förderverein dazu beitragen, soziale Arbeit in der Re -

gion stärker zu vernetzen und zusätzliche Angebote vor

allem für sozial Schwache zu ermöglichen.

An der konstituierenden Sitzung des AWO Fördervereines

nahmen 30 Mit glie der teil. Dort wurden die Satzung des

Vereines beschlossen und der Vor stand gewählt.

Neue Mitglieder sind herzlich willkommen. Aufnahme an -

träge gibt es in allen AWO Einrichtungen in der Region.

Zwei von drei Projektauszeichnungen

„Alt und Jung gemeinsam leben und

gestalten“ der Thüringer Ehrenamts -

stiftung gingen an Ehrenamtsprojekte

der AWO Thüringen. Die Förderung

soll dazu beitragen, das Erfahrungs -

wissen Älterer zu nutzen und diese

aktiv in ehrenamtliche Tätigkeiten zu

integrieren. Kinder und Familien sollen

mit diesem Engagement gestärkt werden.

Am 25. April überreichte die Sozial -

ministerin, Christine Lieberknecht,

einen Förderbescheid in Höhe von

2.000 Euro an das Projekt „Familien -

gar ten“ des AWO Kreisverbandes

Bad Lan gensalza.

Die „Initiative Familiengarten“ verwandelte

von 2006 bis 2008 eine Wiese im

Stadtgebiet Bad Langensalza in einen

lebendigen Ort der Begegnung aller

Generationen. Im Jahr 2009 werden

die Ehrenamtlichen ihren Garten auch

weiterhin als attraktiven Mittelpunkt für

Kinder, Eltern, Großeltern und An woh -

ner des Wohngebietes erhalten. Ein

Ort sinnvoller und kreativer Freizeit -

gestaltung, ein Ort der Kommunikation

der Generationen, die hier leben und

das Wohngebiet ausmachen.

Im Rahmen des 3. Thüringer Landes -

familientages in Gotha überreichte

Sozialministerin Christine Lieber -

Anfang Juni stellte der Ortsverein Er -

furt-Nord einen Informationsstand in

Partnerschaft mit dem SPD-Ortsverein

Erfurt-Nord beim Straßenfest in der Ein -

kaufsmeile „Magdeburger Allee“ auf.

Trotz strömenden Regens wurde das

Interesse der Bewohner, unter anderem

auch durch das Schild: „Sam meln

Spielzeug für das Bummi-Kaufhaus“,

geweckt.

Interessierte stellten zahlreiche Fra -

gen zum Bummi-Kaufhaus, wo und

wann Spenden abgegeben werden

kön nen und allgemein zu der Arbeit

knecht einen Förderbescheid in Höhe

von 2.000 Euro an das AWO Tanz zen -

trum in Gotha.

Im Oktober 2008 startete der AWO

Ortsverein Gotha dieses neue Ehren -

amts projekt: In altersspezifischen

Grup pen treffen sich Kin der, Jugend -

liche und Senioren um zu reden, zu

lachen und zu tanzen.

Schon die ersten Presseaufrufe stießen

auf so große Resonanz, dass gar

nicht alle Interessen und Wünsche

erfüllt werden konnten. 20 tanzbegeis -

terte Kinder, Jugendliche und Senio -

ren nahmen den „Trainings betrieb“

auf. Die Teamarbeit, die Krea tivität und

die daraus entstehenden Ideen und

Choreographien überstiegen selbst

die Erwartungen der Pro jekt leiter, so -

dass das AWO Tanz zentrum schon am

30. November 2008 zum „Tag des

Tanzes“ der Öffentlichkeit präsentiert

wurde.

Die ehrenamtlichen Trainer und Team -

leiter des Tanzzentrums sollen mit

Hilfe der Fördergelder während der

Modellprojektlaufzeit bis Ende 2011

weitere Qualifizierungsmaßnahmen im

Bereich Tanz, Trainingsaufbau, Kon -

flikt management und Gruppenlei tung

erhalten, um die Gruppen sozial, mental

und sportlich führen, konditionieren

und motivieren zu können.

des Sozialverbandes AWO. Es ent -

wickelten sich vor diesem Hin tergrund

auch Gespräche zum Ehren amt und

der Mitgliedschaft in der AWO. Die

Besetzung des Info-Stan des konnte

fachliche Auskunft geben sowie wei -

tere Ansprechpartner oder Informa -

tionsmaterial vermitteln.

Auch der Oberbürgermeister Andreas

Bausewein besuchte den AWO-Stand.

Für den Ortsverein ist gewiss, dies war

nicht der letzte Info-Stand.

Petra Poppe

Ortsverein-Vorsitzende

Ehrenamt 19

AWO

Preisgekrönte AWO Projekte

Preisverleihungen durch Sozialministerin

Christine Lieberknecht

Info-Stand des AWO Ortsvereins Erfurt-Nord

OB Andreas Bausewein am AWO Stand in Erfurt


20

Bildungswerk AWO

Italienische und slowakische

Pflegekräfte zu Gast in Roßleben

Insgesamt sechs italienische und slowakische

Pflegefachkräfte besuchten

Mitte Juni das AWO Seniorenzentrum

in Roßleben. Vor Ort wollten sich die

Experten über unterschiedliche Erfah -

rungen mit den jeweiligen nationalen

Pflegesystemen austauschen und darüber

beraten, wie die berufliche Mo -

bilität von Pflegefachkräften auf internationaler

Ebene gestärkt werden

könne.

Die Reise war Teil des IBS-Projektes

„MOTUS – Fachlicher Austausch und

berufliche Mobilität von Fachkräften in

der stationären Altenhilfe aus Deutsch -

land, Italien und der Slowakischen

Republik“. Das von der europäischen

Kommission geförderte Modellprojekt

soll dazu beitragen, die berufliche und

geographische Mobilität in den EU-

Mitgliedsstaaten zu stärken.

Erste Schulbegleiterqualifizierung in Eisenach

Nach fünf Monaten intensiver Arbeit ist

es so weit: QuaSI – Modellprojekt zur

Qualifizierung von Schulbegleitern und

Schaffung von Netzwerken für die

gelungene schulische Integration in

Thüringen – startet den ersten Quali -

fizierungsdurchgang für aktive Schul -

begleiter. Während dieser berufsbe-

Momentan liegt der Anteil an Euro -

päern, die in einem anderen EU-Mit -

glieds staat als ihrem Heimatland

leben, gerade einmal bei 1,5 Prozent.

„Auch dem zunehmenden Fachkräfte -

mangel in der deutschen Altenhilfe soll

vorgebeugt werden“, sagte Projekt lei -

terin Diana Baier. Thüringen, das in

ein paar Jahren das älteste Bun des -

land sein wird, könne von Mitarbeitern

aus slowakischen und italienischen

Pflegeheimen profitieren.

Die internationalen Besucher nahmen

in Roßleben an Fachvorträgen teil und

hospitierten bei der Arbeit der heimischen

Pflegekräfte. Der Besuch war

der letzte von insgesamt sechs Aus -

tausch wochen. Dabei waren auch

deutsche Pflegekräfte in Altenhilfe ein -

richtungen in das slowakische Banská

Bystrica und nach Florenz gefahren.

gleitenden Weiterbildung werden im

Zeitraum von Oktober 2009 bis Mai

2010 vertiefende Kenntnisse in den

Be reichen berufliches Selbst ver ständ -

nis, professionelle Kommunikation,

pädagogisches Arbeiten, rechtliche

und administrative Rahmenbedin gun -

gen der Schulbegleitung, Krankheits -

Das im April 2008 gestartete Modell -

projekt MOTUS endet im September

mit einer gemeinsamen Fachtagung

der drei EU-Staaten in Florenz. Dort

werden die gesammelten Erfahrungen

und Ergebnisse vorgestellt und ausgewertet.

Neben einem Handlungs leit -

faden zur Integration ausländischer

Fach kräfte in Unternehmen finden

Interessierte ab Oktober die Ab -

schluss studie zum Projekt auf der

Web seite des Institutes für Berufs bil -

dung und Sozialmanagement e.V.

(www.ibs-thueringen.de).

Im AWO Seniorenzentrum „Am

Mühlenpark“ leben derzeit 60 Be -

wohner. In den nächsten Monaten soll

das Haus um 20 Plätze erweitert werden.

Das Pflegeheim wurde für seine

hervorragende Pflegequalität mit dem

TÜV-Siegel ausgezeichnet.

bilder und Behinderungsarten sowie

unterstützende Pflege vermittelt. Am

09. Oktober 2009 beginnt der erste

Qualifizierungsdurchgang in Eisenach.

Weitere Informationen können Interes -

senten gern unter der Telefonnum mer

0361 21031-523 erfragen.

Schöne Ferien für Kinder

Auch im zweiten Jahr ihres Bestehens

gab es ein großes Interesse an den

„5für20! Freizeiten“ des Jugendwer kes.

Insgesamt nahmen 70 Kinder zwischen

8 und 11 Jahren für einen Teilnahme -

beitrag von 20 Euro daran teil. An drei

Orten in Thüringen – Eisenberg, Lau -

scha und Kirchheilin gen – wurde durch

das Engagement von vielen Seiten

schein bar Un mög liches in die Realität

umgesetzt. Ein kostenlos zur Verfügung

gestellter Zeltplatz, Equipment vom Lan -

des jugendwerk, ehrenamtlich Betreu -

ende und Sponsoren für die Ver pfle gung

sorgten für eine Woche unbeschwerte

Zwischen vier verschiedenen internationalen

Jugendwerks-Freizeiten konnten

Kinder und Jugendliche dieses Jahr

wählen. Für die Jüngeren gab es in

Lützensömmern das Sprachcamp

„I speak English very well“. 14 Kinder im

Alter von 11 bis 13 Jahren konnten hier

ihr Englisch beim Zelten, beim gemeinsamen

Kochen oder bei Aus flü gen spielerisch

ausprobieren und verbessern.

Die Älteren trafen auf der internationalen

Jugendbegegnung „Let's play orne“

Ferienfreizeit. Ein Glücksfall war es,

dass sich nach einem Spen den aufruf in

der TLZ die Stiftung „jenacon foundation“

aus Jena meldete und 2.500 Euro spendete.

So waren zusätzliche Ausflüge,

z. B. in die Klet terhalle Jena bzw. in die

Schwimm halle „Sonneberg“, möglich.

Zusätzlich konnten neue Spiel sachen

angeschafft werden, sodass die Kin der

Jonglieren und Zaubern lernen konnten.

Neben der „jenacon foundation“ übernahmen

auch private Spen der Pa ten -

schaften für Kinder aus Fa mi lien, für die

20 Euro im Alltag unverzichtbar sind.

in Frankreich auf Jugendliche aus

Frankreich, Marokko und Tune sien. Hier

war das inhaltliche Haupt thema der

Umgang bzw. die Ver mei dung von Müll.

In der Jugendbegegnung „Society

Island XXL“ haben ein Dutzend Ju -

gendliche aus Nordirland, Frank reich,

Spanien und Deutschland ihre eigene

Gesellschaft aufgebaut und diskutiert.

Fragen dabei waren zum Beispiel: „Ab

welchem Alter darf man wählen?“,

„Welche Gesetze sind wichtig?“. Da ne -

Landesjugendwerk 21

Internationale Jugendbegegnung

Ein Freiwilliges Soziales Jahr in Thüringen

Im vergangenen Jahr haben sich 125

jungen Menschen entschieden, ein Frei -

williges Soziales Jahr beim Lan des ju -

gendwerk der AWO in Thü ringen durchzuführen.

Neben den praktischen Tätig -

keiten in gemeinwohlorientierten Ein -

rich tungen haben die Frei willigen an insgesamt

25 Seminar ta gen teilgenom-

Im Jugendwerk bin ich als Diplom-Biologin mit

Ausbildung im Projekt management und langjähriger

Arbeit in einem Naturschutzverband die

klassische Quereinsteigerin. Seit meiner Geburt

hänge ich an Erfurt, auch wenn es mich seitdem

einige Jahre in die Ferne gezogen hat. Im Stu -

dien ort Leipzig habe ich Feuer gefangen für

men. Das Abschluss-Se minar in Gün -

tersberge im Harz war ein Höhepunkt

für alle Teilneh mer Innen. Beim Seminar

gab es zehn verschiedene Workshops

zur Auswahl so wie die Möglichkeit, das

vergangene Jahr gemeinsam zu reflektieren,

neu gewonnene Freundschaften

zu vertiefen, aber auch Abschied von

Vorgestellt: Alexandra Schubert

basispolitische Arbeit und ehrenamtliches En -

ga gement.

Ich freue mich, nun als leitende Koordinatorin

LJW zum AWO-Team zu gehören und hoffe auf

eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit

mit allen Haupt- und Ehrenamtlichen in der

AWO.

ben gab es eine Stadtsafari in Erfurt und

lange Lagerfeuerabende mit Musik.

Für die 17- bis 20-jährigen fanden 10

Tage Jugendbegegnung in Polen statt –

zu sammen mit Teilnehmern aus Polen,

Großbritannien und Frankreich. „How to

prevent world war III“ war hier das

Haupt thema. Feste Programm punkte

waren Besuche von Krakau und Ausch -

witz.

vie len lieb gewonnenen Menschen zu

nehmen.

An dieser Stelle soll allen Freiwilligen

ein riesengroßes Dankeschön für ihr

geleistetes gesellschaftliches Engage -

ment ausgesprochen werden.


22

Qualität AWO

QUALITÄT KONKRET

...von Audit bis Zertifizierung

Am 14. Mai 2009 fand der 4. Qualitäts -

kongress der AWO Thüringen in Ober -

hof statt. Mehr als 100 Teilnehmer traten

in den gemeinsamen Erfahrungs -

aus tausch über aktuelle Entwicklun -

gen des Qualitäts manage ments und

neue Perspektiven für die Zukunft.

Leit spruch der Veranstaltung war

„Trans parenz: Qualität erkennen, darstellen

und in die Öffentlichkeit transportieren“.

Bereits in der Einladung zum diesjährigen

Qualitätskongress betonte Lan -

des geschäftsführer Ulf Grießmann,

dass die AWO in Thüringen inzwischen

auf mehr als 10 Jahre Qualitäts -

management zurück blickt. Von der

Ent wick lung der ersten Qualitäts stan -

dards bis heute haben wir uns kontinuierlich

verbessert. Unsere Mitarbeiter

leisten, mit oder ohne Gütesiegel an

der Wand, sehr gute Qualität. Mit dem

großen Ziel der Zertifizierung werden

allerdings viel zu oft die kleinen Erfolge

im Arbeitsalltag übersehen. Deshalb

sollten wir unseren Blick für die Beson -

derheiten der Qualität unserer Ein rich -

tungen, für die Erfolge in unserer täglichen

Arbeit und für die nahen Ziele

schärfen: Wie lernen wir, das Beson -

dere zu erkennen, wenn wir doch täglich

damit arbeiten? Wie machen wir

uns unsere Qualität nach innen, im

Team, bewusst? Wie können wir un -

sere Qualität dann nach außen transparent

darstellen?

Diesen Prozess unterstützten die

Gäste Ingrid Griesel, Mitarbeiterin des

TÜV Thüringen, und Otto Schlie, Be ra -

ter in der Flow Consult GmbH. Im

ersten Vortrag erhielten wir einen

Einblick in die Sicht des Zertifizierers.

Otto Schlie erläuterte in seinem The -

menbeitrag die Potenziale der Ver -

mark tung von Qualität. Fachbereichs -

übergreifende Beiträge zum aktuellen

Stand der Qualitätsentwicklung sowie

zur Vermarktung von Qualität in der

AWO Thüringen rundeten die Informa -

tio nen ab.

Die Workshops widmeten sich den

Fragen: Was haben wir bis heute in

unserer Qualitätsentwicklung er -

reicht?, Was kennzeichnet unsere

Qua lität als „das Besondere“?, Wie er -

kennen wir das? bzw. Wie stellen wir

unsere Qualität nach innen und nach

außen hin dar?

Die Ergebnisse stellten Erfolge und

Stärken unserer Qualität heraus. So

u. a.:

n die Verbesserung der Essens quali -

tät,

n die Kunden fühlen sich zu Hause,

n die Einbeziehung der Mitarbeiter,

n die bessere Zusammenarbeit der

Einrichtungen und Dienste der

AWO,

n engagierte Ehrenamtliche,

n strukturiertes Arbeiten,

n Mut zum Ausprobieren und Mut

zur Festlegung.

Diese Stärken müssen wir uns be -

wusst machen und gezielt nach außen

vermitteln. Im Ergebnis der Workshops

wurde festgestellt, dass wir unseren

Blick nach innen schärfen müssen,

z. B. durch:

n klare Kommunikationsstrukturen,

n Nutzen des Qualitätszirkels als

Plattform für Anerkennung und

Auseinandersetzung,

n Entscheidungen im Team nach

Konsensprinzip,

n QM als „Werkzeug“ verstehen und

Prozesse ständig hinterfragen,

n Interne Audits,

n Mitarbeiterbefragung,

n Ausgewertete Kundenbefragungen

und Rückmeldung an das Team.

Einige Teilnehmer äußerten zum Ab -

schluss, dass ihnen der Blick auf an -

dere Einrichtungen „die Augen öffnet“

und dass es sogenannte „Aha-Effekte“

gab. Eine Sensibilisierung für die

Erfolge im Arbeitsalltag und für das

Besondere unserer Qualität wurde er -

reicht. Diese wurden im Verlauf der

Veranstaltung sichtbar und werden

nun von den Teilnehmenden bewusst

mit in die Einrichtungen getragen.

Dr. Annett Junk

Info: Die ausführliche Dokumentation

des Qualitätskongresses finden Sie

unter

http://www.awothueringen.de/

qualitaet/

Haben Sie spezielle Wünsche oder

Fragen, dann teilen Sie uns diese mit!

Telefon: 0361 21031-518

E-Mail: junk@awo-thueringen.de

Kurz notiert:

Die AWO AJS gGmbH übernahm die Kosten für die

Restaurierung des Fröbeldenkmals im Garten der AWO

Ehe-, Erziehungs-, Familien- und Lebensberatung in

Bad Salzungen. Im Vorfeld der Sanierung hatte es in der

Stadt einige Diskussionen über die Zukunft des Denkmals

gegeben.

Als „Haus der kleinen Forscher“ wurde die AWO Kita

Kinderland in Pößneck ausgezeichnet. Im Juli überreichte

die Stiftung Bildung für Thüringen die entsprechende Pla -

kette an die Kinder. In der Kita wird viel experimentiert und

geforscht, z. B. mit Eis, Backpulver oder Tönen, Schall,

Licht oder Farben. Die natürliche Neugier der Kin der wird in

der täglichen Beschäftigung genutzt, um Interesse für

Natur wis sen schaften und Technik zu wecken.

Der erste Spatenstich wurde an der AWO Kita Fuchs -

grund in Erfurt feierlich gesetzt. Nach dem Abriss des

alten Gebäudes entsteht seit Juli an gleicher Stelle eine

neue Kita. Der Neubau bietet bessere Möglichkeiten, z.B.

ausreichend Platz für eine Bibliothek, einen Sportraum, eine

Kinderküche und eine Kreativwerkstatt. Das große Außen -

gelände, das die Eltern und Erzieher in vielen freiwilligen

Arbeitseinsätzen in einen Abenteuerspielplatz verwandelten,

bleibt dabei unangetastet. Knapp 100 Kin der werden ab

September 2010 in dem rund 2,4 Millionen Euro teuren

Neu bau betreut. Darunter befinden sich dann auch zwei

Krippengruppen.

Eine Möbel- und Hausrat-Rabattaktion führte Ende Juli

das AWO Sozialkaufhaus „Skawo“ in Eisenberg durch.

Im „Skawo“ befanden sich neben Kleidung zum Schulbe -

ginn auch Schulranzen und Zuckertüten für sozial benachteiligte

Kinder im Angebot.

Zahlreiche Sommerfeste aus den AWO Ortsvereinen

und Einrichtungen der AWO wurden der Redaktion aus

dem gesamten Thüringer Raum gemeldet. Ob im Zelt,

bei gutem Wetter unter freiem Himmel oder bei Regen -

schauern in der Begegnungsstätte – alle Berichte betonen

die gelungenen Veranstaltungen mit Kuchen und Brat wurst,

Musik, buntem Programm und guten Gesprä chen. Die Som -

merfeste waren zudem gut besucht.

Kurznachrichten 23

Neu im Landesvorstand

Roland Erdtmann wurde auf der AWO Landesaus -

schusssitzung im Juni als stellvertretender Vorsit zen -

der gewählt. Er ist bereits seit 1992 AWO Mitglied, arbeitet

seit 1994 im Vorstand des Stadtverbandes Ilmenau und war

bereits in den Jahren 2000 bis 2004 Mitglied des Lan des -

vorstandes.

Roland Erdtmann wurde 1963 in

Ilmenau geboren, schloss 1989

ein Studium an der TU Ilmenau

als Diplom-Ingenieur ab und war

in den folgenden Jahren als 1.

Bei ge ordneter der Stadt Groß -

brei ten bach, als Leiter des Amtes

zur Rege lung offener Vermögens -

fra gen in Ilmenau und als Landes -

geschäftsführer des SPD-Lan -

des verbandes Thüringen tätig.

Seit 1996 ist er als Mitarbeiter der

Thüringer Aufbau bank beschäftigt.

Roland Erdtmann mit

Werner Griese

IMPRESSUM

Herausgeber:

AWO Landesverband Thüringen e.V.

Pfeiffersgasse 12, 99084 Erfurt

Tel.: 0361 / 21031-0, Fax: 0361 / 21031-149

Verantwortlich:

Ulf Grießmann, Landesgeschäftsführer

Für die inhaltliche Richtigkeit der Bei träge sind die

zustän digen Fachrefe renten, für namentlich gekennzeichnete

Beiträge die Autoren verantwortlich.

Redaktion:

Heike Höfler

Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung

der Redaktion. Namentlich gekennzeichnete Artikel

stellen die Meinung des Autors, nicht unbedingt auch der

Redaktion dar. Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften

zu kürzen oder Informationen zu ver arbeiten.

Layout / Herstellung:

Löwe Werbung, Erfurt

Auflage:

3.200 Stück

Erscheinungsweise:

AWO informativ erscheint 4x im Jahr, z.T. mit

Sonderbeilagen, AWO Thüringen intern.

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