Pfarrbrief Sommer 2008 - Katholische Pfarrgemeinde Sanctissima ...

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Pfarrbrief Sommer 2008 - Katholische Pfarrgemeinde Sanctissima ...

Urlaub

Wie unterscheidet man einen in Christus verliebten Christen von einem bloßen

Pflicht-Christen oder von einem Christen, der ein verkehrtes Verständnis der christlichen

Religion hat?

Man beobachte sie im Urlaub!

Der Pflicht-Christ verabschiedet sich im Urlaub nicht nur von den Plagen der Arbeit

und des Alltags, sondern auch von Gott. Nicht dass er beabsichtigt zu sündigen!

Aber Beten und ähnliche Sachen sind ihm zu mühsam, und da Urlaub nicht anstrengend

sein soll, nimmt er auch von Gott Urlaub.

Der Christ, der ein verkehrtes Verständnis der christlichen Religion hat, neigt dazu,

auf alle Veranstaltungen und Unternehmungen systematisch zu verzichten, wenn er

merkt, er könnte nicht alle seine üblichen Gebete in Ruhe verrichten, z.B. Bergtouren

mit Übernachtung in einer Berghütte, Ausflüge, deren Ziele „irdisch" sind, wie

eine Ausgrabungsstätte oder ein Museum oder eine touristische Stadt oder eine

Schiffstour, von der man spät und teilweise erschöpft zurückkommt. Der fromme

Vorwand dazu lautet: „Gott soll den ersten Platz einnehmen". Solche Leute werden

oft als Langweiler oder Störenfriede empfunden. Man kann mit ihnen zusammen

nichts unternehmen.

Der Christus liebende Christ weiß, dass die persönliche Beziehung zu Ihm die Qualität

der Liebe ausmacht. Er verzichtet im Urlaub nicht auf Gott, sondern gestaltet

diese Beziehung zu Ihm neu, in angemessener und angepasster Weise, ohne Verbissenheit,

ohne Angst oder Skrupel. Für den Außenstehenden liegt die Schwierigkeit

darin: Wie „zeigt" man die Liebe zu Jesus, ohne ihm die gleiche Zeit, die gleichen

Gebete zu schenken, oder ohne in die Illusion zu fallen und sich selbst was vorzumachen?

Denn manche meinen, dass die bloße Gesinnung genügt: "Ich liebe Gott in

meinem Herzen, und das genügt." Der wahrhaft Liebende begnügt sich nicht mit

der "Gesinnung des Herzens", sondern findet Jesus überall, weil er ihn sucht. Die

Schönheit der Natur ist für ihn nicht bloß Gegenstand der Bewunderung, sondern er

nützt sie, um sein Herz zu Gott zu erheben. Jedoch sind solche Gelegenheiten für

ihn zu wenig, denn der Liebende begnügt sich nicht mit "Erinnerungsmitteln", er

"braucht" die Person Jesu selber. Daher findet er auch Zeiten, um allein mit Jesus

zu sein, ohne daß man es von außen her merkt. Wenn ich sage, er "finde" solche

Zeiten, meine ich nicht, er warte, bis eine solche Zeit von selber kommt, sondern

er sucht und nimmt sich Zeit, um an Gott zu denken. Vielleicht ist es während des

nicht zu anstrengenden Besteigens eines Berghanges. Meistens bleibt er dann still

und "verabschiedet" sich von der Aufmerksamkeit der plaudernden Leute um ihn,

ohne daß man es vielleicht merkt. Oder während der eine unter einem Baum ein

Schläfchen macht und der andere im Souvenirgeschäft bummelt, findet der Liebhaber

den Weg einer nahe gelegenen Kapelle. Seine Spezialität ist die Unauffälligkeit.

Er zeigt sich sehr oft erfinderisch, ohne dass es künstlich fromm erscheint. Dieser

Liebhaber Gottes fürchtet sich nicht vor dem Urlaub, und seine Gegenwart wirkt

angenehm. Er ist ein gern gesehener Freund und Begleiter.

P. Gabriel Baumann

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