mit dem fremdsein vertraut sein - Beratungsstelle fuer Eltern, Kinder ...
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„MIT DEM FREMDSEIN VERTRAUT SEIN“<br />
ABSCHLUSSBERICHT<br />
EIN PROJEKT DES MGFFI IN ZUSAMMENARBEIT MIT DER<br />
BERATUNGSTELLE FÜR ELTERN, KINDER UND JUGENDLICHE<br />
IN LEVERKUSEN,<br />
TRÄGER: KATHOLISCHE ERZIEHUNGSBERATUNG LEVERKUSEN E.V.,<br />
IN KOOPERATION MIT DEM DIÖZESAN-CARITASVERBAND KÖLN
INHALTSVERZEICHNIS<br />
<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
– INHALTSVERZEICHNIS............................................................2<br />
– 1. ALLGEMEINE ANGABEN .....................................................3<br />
– 2. VORWORT UND GESELLSCHAFTSPOLITISCHER ZUSAMMENHANG............4<br />
– 3. NETZWERKAUFBAU...........................................................7<br />
– 4. ÜBERSETZUNGSARBEITEN....................................................8<br />
– 5. AUFBAU VON KOOPERATIONSPROJEKTEN...................................9<br />
– 6. DURCHGEFÜHRTE VERANSTALTUNGEN WÄHREND DES PROJEKTS........12<br />
– 7. VERLAUF DES PROJEKTES ANHAND DER FALLZAHLEN....................13<br />
– 8. BERATUNG DER KLIENTEN/INNEN........................................15<br />
8.1 BERATUNG - UNTERSCHIEDE IN DEN SOZIALEN BINDUNGSMUSTERN DER<br />
VERSCHIEDENEN ETHNIEN TÜRKISCHER MIGRANTENGRUPPEN.....................16<br />
8.2 BERATUNG - NIEDERSCHWELLIGER ZUGANG ZU DEN LEISTUNGEN DER<br />
ERZIEHUNGSBERATUNGSSTELLE......................................................18<br />
8.3 BERATUNG - TYPISCHE ERZIEHUNGS- UND FAMILIENFRAGEN..............19<br />
– 9. BEDÜRFNISSE DES MIGRANTENKLIENTEL.................................23<br />
– 10. ZITATE ...................................................................24<br />
– 11. RESÜMEE UND AUSBLICK................................................25<br />
– 12. DANKSAGUNG............................................................27<br />
– LITERATUR.....................................................................29<br />
– ANHÄNGE.......................................................................31<br />
2
1. ALLGEMEINE ANGABEN<br />
<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
Träger: Land Nordrhein-Westfalen in<br />
Zusammenarbeit <strong>mit</strong> der Katholischen<br />
Erziehungsberatung Leverkusen e.V.<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
Projektmanagerin: Frau Diplom-Sozialpädagogin Gülbahar<br />
Tuzcu<br />
Projektort: <strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>, <strong>Kinder</strong> und<br />
Jugendliche<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
Tel: 0214/45553<br />
E-mail: guelbahar.tuzcu@beratung-inleverkusen.de<br />
Projektförderung: Ministerium für Generationen, Familie,<br />
Frauen und Integration des Landes<br />
Nordrhein-Westfalen<br />
Die Projektmanagerin – Frau Diplom-Sozialpädagogin Gülbahar<br />
Tuzcu – arbeitet seit <strong>dem</strong> 1. Juli 2005 in den Räumen der<br />
„<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>, <strong>Kinder</strong> und Jugendliche“ der<br />
Katholischen Erziehungsberatung Leverkusen e.V. und hat das<br />
Projekt „ Mit <strong>dem</strong> Fremd<strong>sein</strong> <strong>vertraut</strong> <strong>sein</strong>“ gestartet.<br />
Das Projekt war auf zwei Jahre begrenzt und wird vom Ministerium<br />
für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes<br />
Nordrhein-Westfalen finanziert.<br />
3
<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
2. VORWORT UND GESELLSCHAFTSPOLITISCHER ZUSAMMENHANG<br />
Das Modellprojekt wurde unter den Leitgedanken „Mit <strong>dem</strong><br />
Fremd<strong>sein</strong> <strong>vertraut</strong> <strong>sein</strong>“ gestellt. Hier<strong>mit</strong> sollte zum Ausdruck<br />
gebracht werden, dass es bei der Beratung von Migrantenfamilien<br />
immer auch um die Austarierung von Vertrautheit und Fremdheit<br />
gehen muss und sich das sogenannte „Interkulturelle Lernen“ auch<br />
in konkreten Kommunikations- und Verhaltensweisen ereignet.<br />
Das Schlagwort hierzu ist die „Interkulturelle Öffnung“, die die<br />
Öffnung und Qualifizierung gesellschaftlicher Einrichtungen als Ziel<br />
hat, um Migrantinnen und Migranten einen gleichwertigen Zugang<br />
zu ermöglichen sowie Migrantinnen und Migranten als<br />
selbstverständlichen Teil des Klientels anzusprechen und ihre<br />
Angebote auf deren zum Teil spezifische Bedürfnisse und Interessen<br />
auszurichten.<br />
Den Familien <strong>mit</strong> Migrationshintergrund soll dabei <strong>dem</strong>entsprechend<br />
Hilfe zu Teil werden, in Fragen der Erziehung und in Fragen des<br />
Zusammenlebens in der Familie in beiden in Ihnen repräsentierten<br />
Kulturen sozialverträglich, selbstwirksam und zufriedenstellend<br />
leben zu können.<br />
„Interkulturelle Öffnung“ als Schlagwort findet sich dabei sowohl im<br />
Aktionsplan des MGFFI als auch in den Zielen des Caritasverbandes<br />
entscheidend wieder. Ebenso verweisen die Landesrichtlinien für<br />
Erziehungsberatung auf dieses wichtige Thema der „stärkeren<br />
Öffnung der Beratungsdienste für Familien <strong>mit</strong><br />
Migrationshintergrund“.<br />
Wer relevant Jugend- und Familienarbeit machen will, muss sich<br />
<strong>mit</strong> der Tatsache au<strong>sein</strong>ander setzen, dass ein wachsender Teil des<br />
Klientels Migrationshintergrund hat und dass Teile der Gesellschaft<br />
nur erreicht werden können, wenn kultursensible Angebote gemacht<br />
werden. Dabei ist auch hier ein Perspektivenwechsel weg vom<br />
Defizitansatz hin zu einem an den Ressourcen der Migrantinnen und<br />
Migranten orientierten Ansatz zu beobachten und zu beachten und<br />
fachlich sinnvoll.<br />
Dies erweist sich fachlich und sozial als wichtig, weil eine Defizit-<br />
Zuschreibung zugleich eine Entwertung der Kultur der Heimatländer<br />
bedeuten würde wie auch der verinnerlichten Lebenskultur der<br />
Familien <strong>mit</strong> Migrationshintergrund.<br />
„Verinnerlichte Lebenskultur“ heisst übersetzt im Lebensalltag der<br />
Familien: Wie geht man <strong>mit</strong>einander um? Welcher Stil der<br />
Kommunikation herrscht vor und zu welchen Konfliktlagen kann<br />
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<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
dieser führen? Welcher Art sind die Hierarchien und so<strong>mit</strong> auch der<br />
Erziehungsstil? Welche Themen sind relevant und können bzw.<br />
können nicht einer offenen Kommunikation zugeführt werden in den<br />
Familien? Wie instrumentalisieren sich die Werte der<br />
übergeordneten Migrantengruppen konkret in einer Familie? In<br />
welchen sozial-emotionalen Verhaltensweisen und psychischen<br />
Bewältigungsmustern findet dies Ausdruck? Welche Folgen sowohl in<br />
geeigneter Form als auch in einschränkender Form für im weitesten<br />
Sinne gelungene Integration haben diese?<br />
Diese Fragen umreissen den Bereich, den Erziehungs- und<br />
Familienberatung in der <strong>Kinder</strong>- und Jugendpolitik originär<br />
behandelt. Die Landesrichtlinien für Erziehungsberatung fordern<br />
<strong>dem</strong>entsprechend ebenfalls die Öffnung für interkulturelle Beratung.<br />
Im Aktionsplan des MGFFI wird dies auch ausdrücklich über die<br />
Einbeziehung von Familienberatungsstellen in die Familienzentren<br />
als Orte der Integration berücksichtigt.<br />
Ein zentrale Bedeutung für eine Integration hat die Bildung. Dies<br />
wird ebenfalls im Aktionsplan des MGFFI verdeutlicht.<br />
Bildung ohne Bindung wiederum bleibt ein rein technisches<br />
Konstrukt, welches dann eben nicht die erhofften<br />
integrationsförderlichen Wirkungen zeitigt. Bindung als gelungene<br />
Einbindung eines Kindes in die Familie kann erst dann auch in eine<br />
gesellschaftliche Bindung transzendieren, wenn die die<br />
vorherrschende Form der Bindung aufrechterhaltenden<br />
Kommunikationsmuster der Mehrheitsgesellschaft Einzug in die<br />
Familien findet. Und dieses ist in einer westlichen<br />
Verständigungsgesellschaft eben die offene Kommunikation<br />
untereinander. Dies wiederum ist ein wesentliches Ziel und<br />
Kennzeichnung von Erziehungsberatung. Das bedeutet nicht, dass<br />
im Sinne einer Konfrontation dies von den Migrantenfamilien quasi<br />
als Eingangsbedingung für Beratung gefordert werden kann,<br />
sondern soll eben, wie sonst auch, als übergeordnetes Ziel den<br />
Beratungsprozess im Hintergrund begleiten.<br />
Die Fachliteratur ist sich einig, dass „Interkulturelle Kompetenz“<br />
immer auf der Beziehungsebene stattfindet. Insofern ist die<br />
Einbindung der Beratung von Migrationsfamilien in die<br />
Beratungslandschaft der Erziehungsberatungsstellen eine, die in<br />
geeigneter Weise die vorhandenen Kompetenzen der<br />
Erziehungsberatungsstellen <strong>mit</strong> nutzen kann.<br />
Besonders durch die multidisziplinäre Ausrichtung der<br />
Erziehungsberatungsstellen erhält die Beratung von<br />
Migrantenfamilien einen qualitätsgesicherten Hintergrund, der der<br />
Vielfältigkeit dieser Aufgabe gerecht wird.<br />
Allerdings ist das Wissen über die Unterschiede von Mimik, Gestik,<br />
5
<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
körperlicher Nähe oder Distanz in den verschiedenen Kulturen ein<br />
durchaus sehr spezifisches, so dass die Einbindung von Mitarbeitern/<br />
innen <strong>mit</strong> diesem Hintergrundswissen, also z.B. <strong>dem</strong> jeweiligen<br />
Kulturkreis entstammenden, eine sehr förderliche Bedingung ist, um<br />
dieses Wissen auch handlungsorientiert umsetzen zu können. Auch<br />
die Erfahrungen des Teams im beruflichen Alltag <strong>mit</strong> einem/r der<br />
anderen Kultur entstammenden Mitarbeiter/in befördern im Sinne<br />
der alltäglichen Öffnung die interkulturelle Kompetenz der<br />
Mitarbeiter/innen. Denn letztlich ist das reine Wissen um fremde<br />
Kulturmuster alleine nicht hilfreich, erst das sich einlassen auf die<br />
Aspekte der fremden Kultur bildet die Fähigkeit, kulturelle<br />
Bedeutungen und Verhaltenserwartungen in <strong>dem</strong> Sinne<br />
„auszuhandeln“, dass eine ausreichende Verständigung möglich<br />
wird.<br />
Aus der Handreichung des Caritasverbandes „Vielfalt bewegt<br />
Menschen - Interkultuelle Öffnung der Dienste und Einrichtungen<br />
der verbandlichen Caritas -“, S.8-9, lässt sich dazu passend zitieren:<br />
„Die interkultuelle Öffnung der Dienste und Einrichtungen erfordert<br />
spezifische Handlungskompetenzen sowohl bei den Mitarbeitenden<br />
als auch beim Managememt, die als „interkulturelle Kompetenz“<br />
bezeichnet werden. Unter interkultueller Kompetenz versteht der<br />
Deutsche Caritasverband die Fähigkeit, sich der eigenen kulturellen<br />
Prägung bewusst zu werden, die eigene Wahrnehmung zu<br />
reflektieren, Unterschiede zwischen sich und den anderen<br />
wahrzunehmen und <strong>mit</strong> <strong>dem</strong> Anders<strong>sein</strong> des Gegenübers<br />
einfühlsam, respektvoll und nicht diskriminierend umgehen zu<br />
können. Interkultuelle Kompetenz hat, als Teil professionellen<br />
Handelns, eine starke persönliche Dimension, insofern sie alle<br />
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrer Fähigkeit und Bereitschaft<br />
zur Selbstreflexion fordert, da<strong>mit</strong> eine interkultuelle Begegnung auf<br />
der strukturellen Ebene eines Dienstes oder einer Einrichtung<br />
möglich wird.“<br />
Die „<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>, <strong>Kinder</strong> und Jugendliche“ in<br />
Leverkusen wurde als sogenannte Erziehungsberatungsstelle 1962<br />
vom damaligen Stadtdechanten Monsignore Fritz Hommerich<br />
gegründet. Träger ist seit<strong>dem</strong> die<br />
"Katholische Erziehungsberatung Leverkusen e.V.".<br />
6
3. NETZWERKAUFBAU<br />
Um für die Inanspruchnahme der <strong>Beratungsstelle</strong> zu werben bzw.<br />
die Zugangsschwellen abzusenken und da<strong>mit</strong> die Zielgruppe von<br />
türkischen Migranten/innen für das Angebot der <strong>Beratungsstelle</strong><br />
aufmerksam zu machen, bedurfte es besonderer methodischer<br />
Vorgehensweisen.<br />
In den ersten drei Monaten lag der Schwerpunkt der Arbeit auf der<br />
Projektpräsentation in verschiedenen Einrichtungen und Gremien,<br />
die in Leverkusen aktiv sind:<br />
Im Folgenden die Institutionen und Gremien, die <strong>mit</strong> <strong>dem</strong> Projekt<br />
<strong>vertraut</strong> gemacht worden sind:<br />
- Das Frauenbüro (Frau Dahl),<br />
- Schulpsychologischer Dienst (Frau Seewald),<br />
- Mädchentreff (Frau Winterscheid und Frau Charif, inzw. Stelle<br />
gewechselt),<br />
- Moscheeverein Diyanet (Herr Şengül, neuer Vorsitzender Herr<br />
Ateş),<br />
- Türkischer <strong>Eltern</strong>verein Leverkusen e.V. (Herr Altinova),<br />
- Kath. Jugendamt und Jugendwerke Leverkusen e. V. (Herr Hirth),<br />
- Caritasverband Leverkusen,<br />
- Fachdienst für Intergration.und Migration (Frau Engels-Barry, Frau<br />
Girardi-Junggeburth),<br />
- Familienpädagogischer Dienst (Frau Schlunkes-Daum, Frau<br />
Rosprich),<br />
- Intergrationsrat der Stadt Leverkusen (Herr Goudoulakis),<br />
- Fachberatung städt. <strong>Kinder</strong>tagesstätten (Frau Strauß)<br />
- Fachberatung kath. <strong>Kinder</strong>tagesstätten (Herr Gesing),<br />
- Schulamt (Frau Kreiz-Henn),<br />
- AWO (Herr Reiner),<br />
- Arbeitskreis „Sexueller Mißbrauch“<br />
- Jugendamt, Allgemeiner Sozialer Dienst (Dienstbesprechung aller<br />
Mitarbeiter/innen).<br />
Dabei zeigte sich vor allem die Dienstbesprechung vom Jugendamt<br />
(Allgemeiner Sozialer Dienst) als ein geeignetes Gremium zur<br />
Präsentation, da hier viele Akteure/Multiplikatoren in Leverkusen auf<br />
einmal erreicht werden konnten.<br />
Eine weitere wichtige Veranstaltung ist die<br />
Integrationsratsversammlung der Stadt Leverkusen, wo alle<br />
ausländische Vereine vertreten sind. Dank Herrn Goudoulakis, <strong>dem</strong><br />
Vorsitzenden des Integrationsrates, wurde das Projekt in diesem<br />
Gremium präsentiert und das anschließend der Presse <strong>mit</strong>geteilt.<br />
(Anlage 1: Aufgabenstruktur)<br />
<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
7
4. ÜBERSETZUNGSARBEITEN<br />
Parallel zu der Öffentlichkeitsarbeit wurden Übersetzungsarbeiten<br />
geleistet. Die Klientendatenbögen wurden von der Projektmanagerin<br />
auf türkisch übersetzt. Um das Projekt bildlich darzustellen, war es<br />
wichtig, einen Flyer auf türkisch und deutsch herzustellen. Dieser<br />
Flyer wurde in den verschiedenen Gremien, Institutionen und<br />
Organisationen verteilt. Nebenbei wurden Plakate auf türkisch<br />
entworfen und an den Moscheeverein, an das Projekt<br />
Nachbarschaftstreff „Deer-Siedlung“ und an den türkischen<br />
<strong>Eltern</strong>verein weitergegeben. Familien <strong>mit</strong> Migrationshintergrund<br />
wurden durch diese Plakate vor Ort auf die Sprechstunden<br />
hingewiesen.<br />
Wichtig zu beachten ist dabei, dass diese Informationsmaterialien in<br />
einfacher und direkter Sprache verfasst sind. Das Kontaktangebot<br />
einer <strong>Beratungsstelle</strong> kann so leichter aufgegriffen werden.<br />
Darüber hinaus ist es aber vor allem das „persönliche Gesicht“ und<br />
das Vertrauen in die Person des/der Berater/in, welches die<br />
entscheidenden Brücken baut. Informationen alleine reichen nicht<br />
aus, um türkische Familien in die Beratung <strong>mit</strong> einzubinden. Die<br />
Erfahrung zeigte, dass sie erst erproben, ob der/die Berater/in als<br />
Person vertrauenswürdig ist. Dies ist für sie erheblich wichtiger als<br />
für nicht-türkische Familien. Bevor man über Konflikte in der Familie<br />
spricht, muss dies gesichert <strong>sein</strong>, weil die Angst vor Ehrverlust in<br />
der türkischen Gemeinde immens ist.<br />
Dies bedeutet auch, dass der/die Berater/in <strong>mit</strong> den<br />
Kommunikationsweisen und den Ritualen einer Bevölkerungsgruppe<br />
<strong>vertraut</strong> <strong>sein</strong> muss, um die Signale richtig entschlüsseln zu können.<br />
Insofern reicht eine technische Übersetzung alleine nicht aus,<br />
vielmehr braucht die Herstellung von Beratungsbeziehungen eine<br />
dauerhafte innere und soziale „Dolmetscherfähigkeit“. Dabei ist<br />
„Dolmetschen" natürlich nicht im Sinne einer reich sprachlichtechnischen<br />
Übersetzung gemeint, sondern im Sinne der<br />
Bedeutungsentschlüsselung der kommunikativen und der sozialen<br />
Bindungsmuster in der Familie und im sozialen Netz der<br />
Migranten/innen.<br />
Das nächste Kapitel versucht, dies anhand der verschiedenen<br />
ethnischen Gruppen zu konkretisieren.<br />
(Anlage 2: Flyer auf türkisch und deutsch)<br />
(Anlage 3: Plakat auf türkisch)<br />
(Anlage 4: Anmeldungsbogen auf türkisch)<br />
<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
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5. AUFBAU VON KOOPERATIONSPROJEKTEN<br />
<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
Neben den Präsentationen erfolgten bereits erste konkrete<br />
Kooperationsmaßnahmen im Stadtteil Steinbüchel, bei <strong>dem</strong><br />
Nachbarschaftstreff „Deer-Siedlung“, einem Projekt vom<br />
Sozialpädagogischen Familiendienst. Mit Frau Schlunkes-Daum und<br />
Frau Rosprich wurde vereinbart, dass Frau Tuzcu die Räume des<br />
Nachbarschaftstreff <strong>mit</strong>benutzen kann, um einmal die Woche,<br />
jeweils zwei Stunden, eine „Offene Sprechstunde“ anzubieten.<br />
Eine weiterer Kooperationspartner ist der Moscheeverein „Diyanet“<br />
im Stadtteil Küppersteg. Der neu gewählte Vorsitzende, Herr Ates,<br />
(seit September 2006 im Amt) war ebenfalls sehr interessiert an<br />
<strong>dem</strong> Projekt und unterstützte es. Seit September 2005 wurden in<br />
den Räumen des Moscheevereins einmal in der Woche jeweils zwei<br />
niederschwellige Beratungsstunden angeboten. Leider konnte das<br />
Angebot im zweiten Halbjahr 2006 nicht mehr weitergeführt werden,<br />
da das Projekt nur <strong>mit</strong> einer halbe Stelle besetzt ist; so war es<br />
schwierig, den ganzen neuen Anmeldungen zeitlich gerecht zu<br />
werden.<br />
Dies verdeutlicht den grossen Bedarf nach solchen Angeboten, der<br />
in der türkischen Gemeinde vorhanden ist und der durch das<br />
Erfüllen der oben genannten besonderen Bedingungen, wie absolute<br />
Vertraulichkeit z.B., erst sichtbar wurde.<br />
Da es ein vergleichbares Projekt in Leverkusen noch nicht gegeben<br />
hat, wurde dieses <strong>mit</strong> einer sehr großen Resonanz bei den<br />
türkischen Frauen aufgenommen, so dass die sehr hohe<br />
Anmeldungsrate im zweiten Halbjahr 2006 die Projektmanagerin<br />
dazu veranlasst hat, die offene Sprechstunde in die<br />
Erziehungsberatungsstelle zu verlegen; so<strong>mit</strong> wurden keine<br />
Sprechstunden in der Moschee mehr angeboten.<br />
Es wäre aber sehr empfehlenswert, wieder diese Möglichkeit<br />
einzurichten, weil gerade eben auch die bekannten und so<strong>mit</strong><br />
vertrauensbildenden Orte für die türkische Gemeinde ebenfalls einen<br />
hohen Stellenwert haben, um Zugangsbarrieren abzubauen. Nur<br />
über die Integration der Projektmanagerin in solche bekannten Orte<br />
und vorhandenen Institutionen war das Beratungangebot in jeder<br />
Weise als vertrauenswürdig einstufbar für die türkischen<br />
Mitbürger/innen.<br />
Ebenfalls können gezielt Familien aus <strong>dem</strong> türkisch-islamischen<br />
Kulturkreis erreicht werden, die bisher nur selten den Weg in eine<br />
Erziehungsberatungsstelle fanden, über den Aufbau und Ausbau des<br />
Angebotes der Sprechstunden in den <strong>Kinder</strong>tage<strong>sein</strong>richtungen und<br />
Schulen. Das Projekt strebt eine regelmässige Betreuung von<br />
<strong>Kinder</strong>gärten an, um Migrantenfamilien einen direkten, noch<br />
niederschwelligeren Zugang zu den Leistungen der<br />
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<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
Erziehungsberatungsstelle zu ermöglichen.<br />
Ab November 2005 betreute die Projektmanagerin den Kath.<br />
<strong>Kinder</strong>garten St. Anna, Stadtteil Lützenkirchen, und bot „Offene<br />
Sprechstunden“ für türkische Bürger/innen an.<br />
Die Sprechstunde im kath. <strong>Kinder</strong>garten St. Anna wurde im ersten<br />
Halbjahr 2006 eingestellt, weil die <strong>Kinder</strong>gartenkinder einen sehr<br />
geringen Anteil an Migrationshintergrund hatten und dieses Angebot<br />
so sehr schnell ausgeschöpft war.<br />
Betreuungen von städt. <strong>Kinder</strong>tage<strong>sein</strong>richtungen können derzeit<br />
nicht stattfinden, denn es konnte nicht abgeklärt werden, ob eine<br />
Beraterin aus der katholischen Erziehungsberatungstelle in einer<br />
städt. <strong>Kinder</strong>tagestätte Sprechstunden für Migranten-Familien<br />
anbieten kann oder darf. Die Bemühungen der Projektmanagerin<br />
führten bisher noch zu keiner entsprechenden<br />
Rückmeldung.Trotz<strong>dem</strong> findet ein Austausch <strong>mit</strong> den städt.<br />
<strong>Kinder</strong>garten statt, denn es kommen viele Familien <strong>mit</strong> Kleinkinden<br />
im <strong>Kinder</strong>gartenalter zur Beratung, so dass diese <strong>Kinder</strong> im<br />
<strong>Kinder</strong>garten beobachtet und begleitet werden. Durch den<br />
Austausch zwischen <strong>dem</strong> <strong>Kinder</strong>garten (Leitung und Erzieher/innen)<br />
und der Projektmanagerin wurden weitere Familien zur<br />
Erziehungsberatungsstelle empfohlen.<br />
Im zweiten Halbjahr 2006 und im ersten Halbjahr 2007 kamen<br />
mehrere Infoveranstaltungen in der GHS Neukronenberg in Opladen<br />
zustande in Kooperation <strong>mit</strong> der Schulsozialarbeit. Diese<br />
Veranstaltungen fanden in türkischer Sprache statt und wurden<br />
deshalb von den türkischen Frauen sehr rege wahrgenommen und<br />
übertraf die Vorstellungen der pädagogischen Kräfte.<br />
Gegen Ende des Projektes kam noch eine enge Zusammenarbeit <strong>mit</strong><br />
der Käthe-Kollwitz Gesamtschule im Stadtteil Rheindorf zustande.<br />
Dabei ging es um Familien <strong>mit</strong> komplexen Problem-Strukturen<br />
resultierend aus der Migration. Die Erziehungsideale und die<br />
Bildungsvorstellungen der Familien, so wie sie diese in der Türkei<br />
kennengelernt haben, korrelierte nicht mehr <strong>mit</strong> <strong>dem</strong> Erziehungs-<br />
und Bildungsvorstellungen der Schule bzw. der Lehrer. So<strong>mit</strong> kam<br />
es zu Konflikten zwischen Jugendlichen und Lehrern, die die<br />
Familien sehr überforderten. Die Aufgabe der Projektleiterin bestand<br />
da drin, die Gespräche zu „übersetzen“, die Lage zu stabilisieren und<br />
eine Vertauenbasis zwischen Schule und Familie zu finden.<br />
Zusammenschauend wird deutlich, dass die alltagsnahen und<br />
bekannten Orte wie Schule, Kita z.B., die schon automatisch den<br />
Raum der Erziehung <strong>mit</strong> besetzenm auch für die türkischen<br />
Mitbürger/innen eine der wesentlichen Hintergründe war für den<br />
schnellen Erfolg des Projektes.<br />
Dadurch war die Projektmanagerin eingebunden in die türkische<br />
Gemeinde und mögliche Konflikte in der Familienhierarchie wurden<br />
als Hinderungsgrund für den Beginn einer Beratung ausgeschlossen.<br />
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<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
Erziehungswünsche im Sinne des Erfolgs für die <strong>Kinder</strong> wurden<br />
durch diese Orte automatisch <strong>mit</strong>transportiert und verhinderten<br />
Ängste, die den Gang zur <strong>Beratungsstelle</strong> erschwert hätten.<br />
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<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
6. DURCHGEFÜHRTE VERANSTALTUNGEN WÄHREND DES PROJEKTS<br />
In Kooperation <strong>mit</strong> <strong>dem</strong> Fachdienst für Integration und<br />
Migration vom Caritasverband Leverkusen:<br />
Eine Frauengesprächsreihe wurde einmal in Monat<br />
durchgeführt für Frauen, die eine Beratung in Anspruch<br />
genommen hatten. Dies wurde im Sinne einer<br />
„nachsorgenden Präventionsarbeit“ verstanden:<br />
1. Thema: Wie kann ich Stress in meinem Alltag vermeiden?<br />
2. Thema: Welche Strategien stehen mir zur Verfügung, um<br />
Stress abzubauen?<br />
3. Thema: Wie sind die Erziehungsstile und -werte in einer<br />
türkischen muslimischen Familie? - Impulsreferat<br />
<strong>mit</strong> anschließender Diskussion.<br />
In Kooperation <strong>mit</strong> der Gemeinschaftshauptschule<br />
Neukronenberg:<br />
4. Thema: Das neue Schulgesetz. Vortrag für die türkischen<br />
Frauen in Zusammenarbeit <strong>mit</strong> der<br />
Schulsozialarbeit.<br />
5. Thema: Schulische Orientierung nach der 9. Klasse.<br />
Vortrag für die türkischen Frauen in<br />
Zusammenarbeit <strong>mit</strong> der Schulsozialarbeit.<br />
In Kooperation <strong>mit</strong> der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule:<br />
6. Thema: Wie sind die Erziehungsstile und -werte in einer<br />
türkischen muslimischen Familie. Vortrag für die<br />
Schulrektorin und Lehrer/-innen.<br />
12
7. VERLAUF DES PROJEKTES ANHAND DER FALLZAHLEN<br />
Um zu zeigen, wie wichtig das Projekt im Raum Leverkusen ist,<br />
helfen ein paar Zahlen, die dies veranschaulichen können.<br />
30<br />
25<br />
20<br />
15<br />
10<br />
5<br />
0<br />
Fallzahlen<br />
1. Halbj. 2006<br />
1. Halbj. 2007<br />
2. Halbj. 2005<br />
2. Halbj. 2006<br />
Überblick über die gesamte Projektdauer<br />
<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
Dass türkische Familien ebenfalls Bedarf an den Angeboten von<br />
Erziehungsberatungstellen haben, beweist dieses Projekt. Es gab<br />
aber bis jetzt keine geeigneten Stellen in Leverkusen, wo sich die<br />
türkischen Bürger/innen in <strong>dem</strong> Maße verstanden und angenommen<br />
gefühlt haben, auch wenn es schon vorher türkische Klienten in der<br />
<strong>Beratungsstelle</strong> gab, aber nicht in diesem zahlenmässigen Umfang.<br />
Das Kreisdiagramm veranschaulicht, wie das Projekt von den<br />
türkischen Migranten/innen innerhalb der zwei Jahren positiv<br />
angenommen wurde, so dass im 2. Projekthalbjahr durch<br />
Empfehlungen der Klienten selbst (Freundes- und Familienkreis)<br />
eine Fallzahl von 27 zustande kam. Die Beratungswünsche, die<br />
abgelehnt werden mussten, machten nochmal so viel aus. Die<br />
Projektmanagerin war aufgrund auch der übergreifenden<br />
Netzwerkarbeit nicht in der Lage, mehr Familien zu beraten.<br />
Offensichtlich findet das Projekt deswegen diese vermehrte<br />
Anerkennung, weil die Klienten/innen sich in ihrer Muttersprache<br />
13
<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
äußern können und die Projektmanagerin das gleiche<br />
Kulturverständnis besitzt.<br />
Mit der Aufgabe der „offenen Sprechstunde“ in der Moschee, gingen<br />
die Neuanmeldungen zurück und da<strong>mit</strong> auch die Fallzahlen; dies<br />
wird im Kreisdiagramm verdeutlicht.<br />
Durch die begrenzte Dauer des Projektes und die begrenzte<br />
Stundenzahl der Projektleiterin konnten keine weiteren<br />
Sprechstunden im Moscheeverein eingeplant werden. Sonst wäre die<br />
Qualität der Beratung nicht mehr gegeben gewesen.<br />
Erstaunlich ist, dass gegen Ende des Projektes die Anmeldezahlen<br />
nochmal leicht angestiegen sind, obwohl keine „Werbung“<br />
durchgeführt wurde; der Abschluss der laufenden Fälle sollte ja noch<br />
in der Projektzeit gesichert <strong>sein</strong>.<br />
Da das Projekt zu Ende lief und es am Anfang des Jahres 2007 keine<br />
weiteren Aussichten auf eine Verlängerung gab, konnten keine<br />
Termine durch die Sekretärin vergeben werden. Die Klienten wollten<br />
trotz<strong>dem</strong> einen Beratungtermin haben und deshalb erschienen sie<br />
sogar persönlich bei der Projektleiterin.<br />
Durch die Unterstützung des Diözesancaritasverbandes Köln und der<br />
<strong>Beratungsstelle</strong>, die sich sehr für dieses Projekt engagiert haben,<br />
stand es in Aussicht, dass das Projekt in einem anderen finanziellen<br />
und organisatorischen Rahmen durch Gelder des<br />
Diözesancaritasverbandes Köln fortgeführt werden kann. So<strong>mit</strong><br />
konnte die Projektmanagerin den Klienten dann wieder weitere<br />
Termine anbieten.<br />
14
8. BERATUNG DER KLIENTEN/INNEN<br />
<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
Die Beratung der Klienten war lösungs- und ressourcenorientiert.<br />
Übergreifendes Ziel war es, die <strong>Eltern</strong> aus der Ecke, der „Betreuten-<br />
Rolle“, der passiv Hinnehmenden, herauszuholen, ihnen ihre Stärken<br />
und Ressourcen aufzuzeigen und Ihre Handlungskompetenz zu<br />
stärken.<br />
Es sollte übergreifend auch ver<strong>mit</strong>telt werden, dass bestehende<br />
Wissenslücken nicht reine Defizite der Migranteneltern sind, sondern<br />
auch z.B. an fehlender Ver<strong>mit</strong>tlung durch die Mehrheitsgesellschaft<br />
liegen kann und dass es in den Möglichkeiten der <strong>Eltern</strong> auch jetzt<br />
noch steht, diese Ver<strong>mit</strong>tlungsangebote einzufordern und<br />
umzusetzen.<br />
Die Beratungen wurden von den beratenden Frauen als eine Zeit<br />
und ein Ort empfunden, wo sie ihre Sorgen, Ängsten und Probleme<br />
lassen und sich erleichtern konnten, ohne dass sie durch den Druck<br />
der Normen der Mehrheitsgesellschaft mißverstanden wurden.<br />
Den Vätern, die <strong>mit</strong> zur Beratung kamen, wurde die seltene<br />
Gelegenheit gegeben, den Druck, den der Ehrbegriff auf sie ausübt,<br />
überhaupt mal zu verbalisieren, ohne gleichzeitig Furcht davor zu<br />
haben, dass das alleine schon wieder die Ehre angreifen konnte.<br />
Migranteneltern brauchen im Einwanderungsland qualifizierte<br />
Anlaufpunkte. Vor allem, wenn es darum geht, Inhalte (z.B. zu<br />
Fragen frühkindlicher Erziehung, Schule und Pubertät) zu<br />
über<strong>mit</strong>teln, ist bei <strong>dem</strong> Grossteil der in Leverkusen wohnenden<br />
Türken/innen eine muttersprachliche und interkulturelle<br />
Infrastruktur auch in den Regeldiensten wie<br />
Erziehungsberatungsstellen von entscheidender Bedeutung.<br />
Denn dann ist man in der Lage, auch diejenigen Migranten zu<br />
erreichen, die die deutsche Sprache nicht oder noch nicht gut<br />
beherrschen; hier betrifft es meist die Frauen. Dies steht nicht im<br />
Gegensatz zu der Forderung, die deutsche Sprache zu lernen.<br />
Die Sprache ist das Tor zur Integration.<br />
Es ist von großer Bedeutung, dass die Frauen - hier ist es unwichtig<br />
aus welchem Auswanderungsland sie kommen – die Sprache des<br />
Gast-Einwanderungslandes erlernen, denn die Erziehungsaufgabe<br />
liegt in den meisten Fällen bei den Frauen. Erst durch das Erlernen<br />
der deutschen Sprache können sich die Migrantinnen frei in dieser<br />
Gesellschaft bewegen und den <strong>Kinder</strong>n eine Unterstützung <strong>sein</strong>.<br />
15
8.1 BERATUNG - UNTERSCHIEDE IN DEN SOZIALEN BINDUNGSMUSTERN DER<br />
VERSCHIEDENEN ETHNIEN TÜRKISCHER MIGRANTENGRUPPEN<br />
<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
Die vorherrschende Familienform sowohl in der Türkei als auch in<br />
Deutschland ist die Kernfamilie (vgl. Atabay 1994, S. 43). Die<br />
Großfamilie existiert weder in der Türkei noch hier. Aufgrund der<br />
modernen Lebensbedingungen werden die Familien immer kleiner.<br />
Die Struktur der türkischen Familie ist durch den Begriff der Ehre<br />
bestimmt, „(...) der sich auf die Verhältnisse der verschiedenen<br />
Familien<strong>mit</strong>glieder untereinander nach außen bezieht (...) die Ehre<br />
und Ruf nach außen beziehen sich auf die gesamte Familie, daher<br />
hat auch jedes Familien<strong>mit</strong>glied in <strong>sein</strong>en Beziehungen nach außen<br />
darauf zu achten, die Ehre der Familie zu schützen.“ (Brainin 1996,<br />
S. 333)<br />
Die einzelnen Familien<strong>mit</strong>glieder sollen grundsätzlich ihre<br />
individuellen Interessen <strong>dem</strong> Wohl der Familie unterordnen, weil das<br />
Kollektiv der Familie mehr zählt als das einzelne Familien<strong>mit</strong>glied.<br />
Achtung und Ehrerbietung sind zentrale Werte in der türkischen<br />
Familie (vgl. Berkenkopf 1984, S. 16).<br />
Religiös-moralische Wert- und Normvorstellungen im Umgang der<br />
beiden Geschlechter sollen befolgt werden. Die türkischen Mädchen<br />
müssen bis zur Heirat ihre Jungfräulichkeit bewahren. Dagegen<br />
werden die Jungen allgemein freier erzogen, von ihnen „(...)<br />
erwartet man die Übernahme der typischen Männerrolle: Stolz,<br />
Ehrenhaftigkeit (seref) und Männlichkeit (erkeklik) (...).“ (Hansen<br />
1989, S. 36).<br />
Die türkische Familie weist eine patriarchalische Struktur auf, die<br />
Väter und die älteren Brüder sind diejenigen Autoritäten, denen sich<br />
die jüngeren und vor allem die weiblichen Familien<strong>mit</strong>glieder<br />
unterzuordnen haben (vgl. Brainin 1996, S. 333). Es gibt allerdings<br />
Autoren, die dieses Thema anders betrachten. Sie sind der Meinung,<br />
dass auch anders strukturierte Migrantenfamilien existieren,<br />
Familien, die <strong>mit</strong> der Zeit ihre Familienstrukturen geändert und<br />
gelockert haben oder einer höheren Bildungsschicht angehören.<br />
Nauck (1985) ist der Meinung, dass in türkischen Familien in<br />
Deutschland nicht der autoritäre patriarchalische Familientyp<br />
vorherrscht, sondern eher ein synkratisch-frauenzentrierter<br />
Familientypus (vgl. S. 22 f.).<br />
Nach Polat (1998) konnten verschiedene Untersuchungen belegen,<br />
dass viele Migrantenfamilien ihre Lebensgewohnheiten und<br />
-haltungen während ihres Aufenthalts in Deutschland erheblich<br />
veränderten. Dieser Wandel macht sich bemerkbar in der<br />
16
<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
Familienplanung, der Erwerbstätigkeit von Frauen, den höheren<br />
Scheidungsraten und den veränderten Erziehungsmaßnahmen der<br />
<strong>Eltern</strong> (vgl. S. 45).<br />
Die Familienstruktur, die Lebensweise und Lebensart der türkischen<br />
Familien hängt zum großen Teil davon ab, wie und wo die Familien<br />
vor ihrer Migration im Heimatland gelebt haben. Alle türkischen<br />
Familien haben in Deutschland sicher eines gemeinsam: die<br />
Erfahrung der Migration und das Bemühen, sich in einer fremden<br />
Welt zurechtzufinden (Sen/Goldberg 1994, S. 54).<br />
Man kann daher die Familien aus der Türkei nicht verallgemeinern,<br />
und je nach Familienstruktur bei der Beratung dies beachten. In der<br />
Türkei leben ungefähr 72 Minderheiten <strong>mit</strong> unterschiedlichen<br />
Glauben und Kulturen, die von Ort zu Ort unterschiedlich sind. Im<br />
ersten Beratungsjahr waren viele sunitische Familien in der<br />
Beratung, weil am Anfang des Projektes sehr eng <strong>mit</strong> <strong>dem</strong><br />
Moscheeverein zusammengearbeitet wurde. Die Zusammenarbeit<br />
<strong>mit</strong> dieser Gruppe war sehr mühsam und schwer, weil sie noch sehr<br />
traditionell, verschlossen und religiös waren. Im zweiten Jahr waren<br />
viele alevitische Familien in der <strong>Beratungsstelle</strong> und die<br />
Zusammenarbeit war <strong>mit</strong> dieser Gruppe nicht so aufwendig wie die<br />
erste Gruppe. Da sie viel offener sind und eine liberale religiöse<br />
Haltung beziehen, lässt sich der Beratungsrahmen weniger<br />
schwieriger gestalten; auch wird der Gestaltungsflexibilität ein<br />
größeres Spielraumspektrum verliehen. Angesichts dieser Aspekte<br />
lässt sich eine bemerkbare Differenz insbesondere hinsichtlich des<br />
Erziehungsverhaltens in den beiden Subkulturen feststellen. Aber die<br />
beiden Gruppen hatten vor unserem Projekt sehr selten irgendeine<br />
andere <strong>Beratungsstelle</strong> besucht. Anfänglich haben fast alle die<br />
gleiche Hemmschwelle und durch die positive Erfahrungen <strong>mit</strong> uns<br />
einen Zugang zur <strong>Beratungsstelle</strong> geschafft.<br />
17
8.2 BERATUNG - NIEDERSCHWELLIGER ZUGANG ZU DEN LEISTUNGEN DER<br />
ERZIEHUNGSBERATUNGSSTELLE<br />
<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
Eine für die Beratungstelle besonders schwer zu erreichende<br />
Zielgruppe sind die Familien <strong>mit</strong> Migrationshintergrund, vor allem<br />
die türkischen Familien. Durch die Sprachbarriere und die kulturellen<br />
Unterschiede fühlen sie sich meistens nicht verstanden und haben<br />
Angst, sich zu blamieren oder im Extremfall, dass ihnen ihre <strong>Kinder</strong><br />
vom Jugendamt weggenommen werden. Auch ist eine soziale<br />
Hilfsstruktur in der Türkei weitgehend unbekannt.<br />
Daher ist die Einrichtung von Sprechstunden in der Moschee, im<br />
Nachbarschaftstreff oder in <strong>Kinder</strong>tagesstätten eine der wichtigsten<br />
Elemente zur Erreichung einer niederschwelligen Beratung von<br />
türkischen Migranten.<br />
In <strong>dem</strong> als „Offene Sprechstunden“ bezeichneten Angebot war es<br />
wichtig, dass die Beraterin durch Ihre Präsenz die türkischen<br />
Familien ermutigt, die Erziehungsberatungstelle aufzusuchen.<br />
Die <strong>Eltern</strong> bzw. die Frauen (die bisherige Erfahrung hat gezeigt, dass<br />
die türkischen Frauen eher bereit sind, <strong>mit</strong> der Beraterin ins<br />
Gespräch zu kommen als ihre Männer) wurden auf die<br />
Sprechstunden vor Ort durch die auf türkisch geschriebenen Plakate<br />
hingewiesen.<br />
Als hilfreich erwies es sich für die Beraterin, während dieser<br />
Sprechstunden nicht nur auf Ratsuchende zu warten, sondern sich<br />
aktiv in der Einrichtung zu zeigen und zu Beginn der Sprechzeit<br />
durchs Haus zu gehen und anwesende Frauen, <strong>Kinder</strong> und<br />
MitarbeiterInnen zu begrüssen.<br />
Die Anwesenheit der Beraterin war so<strong>mit</strong> ein Stück Normalität,<br />
dadurch wurden Ängste gegenüber der <strong>Beratungsstelle</strong> abgebaut<br />
und Vertrauen wurde aufgebaut. So konnte in den Gedanken der<br />
Migranten/innen die Idee wachsen, dass auch ausserfamiliäre Hilfen<br />
nützlich <strong>sein</strong> können.<br />
Nach einem ersten Kontakt und Erstgespräch wurde versucht, den<br />
türkischen Frauen Termine in der <strong>Beratungsstelle</strong> anzubieten,<br />
insofern sie es innerhalb der Familie vereinbaren konnten; sonst<br />
wurden die Frauen vor Ort beraten.<br />
Die Zugangsschwelle zu der <strong>Beratungsstelle</strong> konnte durch die<br />
offenen Sprechstunden deutlich abgesenkt werden. Der Anteil der<br />
Familien <strong>mit</strong> Migrationshintergrund, die auf diese Weise zu der<br />
Beratungstelle kommen, macht derzeit schon eine grosse Gruppe<br />
von türkischen Familien in der Beratungstelle aus.<br />
18
<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
8.3 BERATUNG - TYPISCHE ERZIEHUNGS- UND FAMILIENFRAGEN<br />
Migrantenfamilien sind <strong>mit</strong> der Erziehung der <strong>Kinder</strong> und den neuen,<br />
komplizierten gesellschaftlichen Bedingungen oft überfordert. Die<br />
<strong>Eltern</strong> erleben sich häufig als hilflos. Einige Familien haben den<br />
Einfluss auf ihre <strong>Kinder</strong> verloren und sind nicht in der Lage, ihre<br />
<strong>Kinder</strong> bei der Orientierung und der Entwicklung von<br />
Zukunftsperspektiven zu unterstützen. Versuchen die <strong>Kinder</strong>, sich<br />
auf etwas Neues einzulassen, wird streng unterschieden: Leistung –<br />
ja, Freizeit und „deutsches Verhalten“ – nein. Bostan beschreibt dies<br />
in ihrer Kurzbiographie: „Er (der Vater) war sehr stolz darauf, dass<br />
wir das Gymnasium besuchen (...). Aber er wollte auch, dass wir<br />
leben wie in der Türkei. Er hatte wohl Angst vor der deutschen<br />
Kultur“ (Bostan 1997, S. 29).<br />
Manche türkische Migrantenfamilien sind besonders in der Fremde<br />
sehr daran interessiert, ihren <strong>Kinder</strong>n die eigenen ethnischen<br />
Normen und Werte zu ver<strong>mit</strong>teln (vgl. Hansen 1989, S. 28).<br />
Die fremden Einflüsse wirken auf die <strong>Eltern</strong> oft bedrohlich und<br />
stehen im Gegensatz zu ihrer Orientierung an traditionellen<br />
Wertvorstellungen und Familienstrukturen. Deshalb reagieren die<br />
<strong>Eltern</strong> strenger und starrer als sie dies in der Türkei tun würden.<br />
Viele türkische Jugendliche geraten bei der Verwirklichung ihrer<br />
Lebenspläne <strong>mit</strong> den abweichenden Wertvorstellungen ihrer <strong>Eltern</strong> in<br />
Konflikt. Für die türkischen Jugendlichen ist es „ein schmerzhafter<br />
Prozess“, die Handlungsbeschränkung der <strong>Eltern</strong> und deren<br />
gesellschaftliche Außenseiterposition zu erleben (vgl. Sen/Goldberg<br />
1994, S. 56).<br />
Konflikte treten häufig in Fragen der Schul- und Berufsbildung, im<br />
Freizeitbereich und bezüglich der Verheiratung auf. Viele türkische<br />
<strong>Eltern</strong> wollen traditionsgemäß eine möglichst frühe Verheiratung<br />
ihrer <strong>Kinder</strong> <strong>mit</strong> einem von ihnen ausgewählten Partner. Die meisten<br />
Jugendlichen wollen den Zeitpunkt einer Hochzeit und den<br />
zukünftigen Ehepartner selbst auswählen. Durch den größeren<br />
Kontakt der <strong>Kinder</strong> zur deutschen Umwelt sind diese <strong>vertraut</strong>er <strong>mit</strong><br />
der deutschen Sprache und Lebensweise als die <strong>Eltern</strong>. Die <strong>Eltern</strong><br />
sind oft auf die Ver<strong>mit</strong>tlung der <strong>Kinder</strong> zwischen den beiden Kulturen<br />
angewiesen. Dies führt häufig zu einem Autoritätsverlust der <strong>Eltern</strong>,<br />
besonders des Vaters. Dies kann wiederum zu Konflikten und<br />
Unsicherheit in der Familie führen (vgl. Straube 1987, S. 322 f.).<br />
Türkische Jugendliche werden oft in unterschiedlichen<br />
Lebensbereichen, wie Familie, Schule und Freizeit <strong>mit</strong> Erwartungen<br />
konfrontiert, die nicht zusammenpassen oder sich widersprechen.<br />
Dies formt ihr Selbstbild: „Die Balance jeweils in sozialen<br />
19
<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
Interaktionen zwischen unterschiedlichen Rollenerwartungen und<br />
strukturellen Zwängen einerseits und den eigenen Bedürfnissen und<br />
Zukunftsorientierungen, die sich in früheren Identifikationen<br />
entwickelt haben, andererseits formen das jeweilige Selbstbild einer<br />
Person“ (Hansen 1989, S. 26).<br />
Dieses Hin- und -Hergerissen-Sein zwischen Kulturen und<br />
verschiedenen Rollen stellt für die türkischen Jugendlichen eine<br />
Herausforderung dar.<br />
Es ist bis jetzt jedoch nicht belegt, inwieweit das Aufwachsen in<br />
einer ethnischen Minderheit zu psychischen Schwierigkeiten führt.<br />
Es gibt bis jetzt wenige Untersuchungen zu dieser Fragestellung,<br />
und die bisherigen zeigen widersprüchliche Ergebnisse auf (vgl.<br />
Boos-Nünning 1999, S. 19).<br />
Atabay (1995) bestreitet nicht, dass türkische Jugendliche<br />
Identitätsprobleme haben, jedoch steht er der Kulturkonfliktstheorie<br />
kritisch gegenüber. Er ist der Meinung, dass zu viele Wissenschaftler<br />
durch eine einseitig geführte Diskussion dazu beigetragen haben,<br />
dass die Migrantenjugendlichen als nicht handlungsfähige, nicht<br />
autonome und nicht souveräne Subjekte gesehen werden. Die<br />
Theorie des Kulturkonfliktes führt <strong>sein</strong>er Ansicht nach dazu, dass die<br />
Orientierungsschwierigkeiten dieser Jugendlichen <strong>mit</strong> <strong>dem</strong><br />
Aufeinandertreffen der beiden Kulturen erklärt werden, und nicht<br />
<strong>mit</strong> den rechtlichen, sozialen und soziokulturellen Benachteiligungen<br />
(vgl. S. 160 f.).<br />
Das Leben zwischen zwei Kulturen ist den meisten türkischen<br />
Jugendlichen bewusst. Durch die klare Trennung der Lebensräume<br />
wird die Diskrepanz zwischen den verschiedenen<br />
Erwartungshaltungen erträglich gemacht. Die Jugendlichen<br />
hinterfragen kritisch beide Kulturen und übernehmen aus jeder<br />
Kultur die Dinge, die am besten zu ihrer Lebensweise passen.<br />
Daraus entwickeln sie ihre eigene Kultur <strong>mit</strong> neuen kulturellen<br />
Ausdrucksformen. Viele Werte der türkischen und deutschen Kultur<br />
haben so für diese Jugendlichen eine neue Bedeutung. Mit ihrer<br />
eigenen Kultur stoßen sie oft auf Ablehnung, da sie von beiden<br />
Kulturen als „Bedrohung“ gesehen werden: Ihren türkischen <strong>Eltern</strong><br />
erscheinen sie „zu deutsch“ und der deutschen<br />
Aufnahmegesellschaft noch „zu türkisch“ (vgl. Atabay 1995, S. 164<br />
ff.).<br />
Die die <strong>Beratungsstelle</strong> aufsuchenden Familien sind sehr oft <strong>mit</strong> den<br />
oben erwähnten Problemen konfrontiert und wünschen sich daher<br />
dringend Hilfe und Lösungskonzepte.<br />
20
<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
Jugendphase<br />
Nicht in allen Gesellschaftsschichten gibt es eine eigene Phase des<br />
Jugendalters. Sie ist in der türkischen Gesellschaft nur schwach<br />
ausgebildet. In der heutigen türkischen Gesellschaft ist die<br />
Jugendphase immer noch nur sehr schwach ausgeprägt.<br />
Türkische Jugendliche, die in der Bundesrepublik aufwachsen,<br />
entwickeln unter <strong>dem</strong> Einfluss der deutschen Gesellschaft<br />
jugendspezifische Bedürfnisse. Sie orientieren sich meist an <strong>dem</strong><br />
Verhalten deutscher Gleichaltriger. Sie werden aufgrund der<br />
fehlenden Jugendphase in der türkischen Gesellschaft und des stark<br />
entwickelten Jugendabschnitts in Deutschland in ein Dilemma<br />
gestürzt. Die enge Verbindung zu den <strong>Eltern</strong> bedingt nämlich<br />
einerseits, dass sie sich lange als Kind wahrnehmen. Auf der<br />
anderen Seite jedoch werden sie früh erwachsen, da ihnen die<br />
heimatliche Kultur schon früh eine Erwachsenenrolle zuschreibt.<br />
Durch die andersartige deutsche Umwelt, den Kontakt <strong>mit</strong><br />
Gleichaltrigen, vor allem <strong>mit</strong> Deutschen, wird ihnen jedoch ein<br />
Status des Jugendlich<strong>sein</strong>s aufgezwungen, der nach Weische-Alexa<br />
(1982) in der kulturellen Tradition ihrer Herkunftsgesellschaft<br />
unbekannt ist (vgl. S. 126).<br />
Das Bild der Jugendphase verändert sich in der heutigen türkischen<br />
Gesellschaft, sowohl in Deutschland als auch in der Türkei. Vor 20<br />
bis 30 Jahren wurde in der türkischen Gesellschaft und dort vor<br />
allem in den ländlichen Regionen der Begriff Jugend kaum<br />
gebraucht, wurde ein Mensch meistens entweder als Kind oder als<br />
Erwachsener angesehen. Diese Familien, die die Jugendphase, wenn<br />
auch ohne gezielte Absicht, in ihrer Bedeutung für die<br />
Pubertätsentwicklung der Jugendlichen ignorierten, betrachten ihre<br />
<strong>Kinder</strong> hauptsächlich als spätere Beschützer und Garanten für die<br />
Alterssicherung. In der ersten oder sogar manchmal in der zweiten<br />
Generation der türkischen Migrantenfamilien ist dies noch eine<br />
gängige Art der Betrachtung. Die Lebensweise der Menschen hat<br />
sich seit<strong>dem</strong> jedoch geändert, weil die traditionelle Großfamilie<br />
aufgehört hat zu existieren. In einigen Kleinfamilien wird heutzutage<br />
der Jugendphase größere Beachtung geschenkt.<br />
Die Bedeutung der Religion<br />
Die Religion spielt bei türkischen Migranten seit jeher eine große<br />
Rolle. Bei einem Großteil von ihnen herrscht die Auffassung vor,<br />
dass die Religion in der Fremde der einzige Schutz und Halt für sie<br />
sei. In Deutschland leben ca. 800.000 <strong>Kinder</strong> und Jugendliche<br />
islamischen Glaubens, ca. 680.000 davon sind türkischer Herkunft<br />
(vgl. Aslan 1998, S. 42).<br />
Die <strong>Eltern</strong> versuchen ihren <strong>Kinder</strong>n ihre Vorstellung von religiöser<br />
Erziehung auf unterschiedliche Art und Weise zu ver<strong>mit</strong>teln. Der<br />
21
<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
Islam hat jedoch für manche Migrantenjugendliche eine neue<br />
Bedeutung gewonnen: „Sie befreien den Islam von <strong>sein</strong>em<br />
Fanatismus und versuchen ihn <strong>mit</strong> ihrer eigenen Realität in Einklang<br />
zu bringen. So eine Entwicklung wäre eine ernstzunehmende und<br />
positive Entwicklung“ (Atabay 1995, S. 165).<br />
Sie glauben zwar zumeist an Gott, betrachten jedoch die<br />
Verhaltens- und Lebensmaximen, die der Koran vorschreibt, als für<br />
ihr Leben schlichtweg nicht relevant. Für die Menschen, die aus der<br />
Türkei kommen, bedeutet dies, dass nicht alle religiös sind z.B. die<br />
Aleviten sind weniger religiös aber eher traditionell und die Sunniten<br />
sind religiös und tradionell.<br />
In der Beratung wird immer darauf geachtet, welche Einstellungen,<br />
Normen und Werte die Klienten haben. Je nach Einstellung werden<br />
die Klienten beraten.<br />
22
9. BEDÜRFNISSE DES MIGRANTENKLIENTEL<br />
<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
Hier werden im Überblick die Erwartungen der Migrantenfamilien<br />
aufgelistet:<br />
� Gewährleistungen der sprachlichen Verständigung durch<br />
muttersprachliche Beraterin, wenn die deutsche Sprache nur<br />
schlecht beherrscht wird.<br />
� Mehrsprachige Lektüre im Wartebereich, mehrsprachige<br />
Fragebögen bei der Klientendatenerfassung.<br />
� Die Akzeptanz des Migrationshintergrundes, Wertschätzung,<br />
Respekt und die Anerkennung divergierender Vorstellungen<br />
und Werte.<br />
� Schnelle, konkrete und gezielte Unterstützung und<br />
hochwertige Hilfestellung. Dies konnte durch das<br />
multidisziplinäre Team und die da<strong>mit</strong> verbundene Nutzung<br />
kollegialer Supervisionen durch die Projektmanagerin<br />
gesichert werden.<br />
� Kurze Wartezeiten, die helfen, die Scheu abzubauen; das<br />
Erstgespäch sollte natürlich möglichst schnell stattfinden.<br />
� Für die Migranten-Familien ist es besonders wichtig, dass die<br />
Schweigepflicht sorgfältig berücksichtigt wird und man ihnen<br />
dies auch zeigt und versichert. Dies wurde immer wieder zum<br />
Ausdruck gebracht.<br />
� Die Qualifizierung der <strong>Eltern</strong> in ihrer erzieherischen<br />
Kompetenz durch regelmässige muttersprachliche<br />
<strong>Eltern</strong>veranstaltungen, <strong>Eltern</strong>kurse wurde als Einstiegshilfe<br />
sehr gut angenommen und immer wieder nachgefragt.<br />
� Vertraulichkeit noch als übergreifender Begriff über die<br />
Schweigepflicht hinaus muss gesichert <strong>sein</strong>, sonst würde<br />
keine Inanspruchnahme von Beratung stattfinden. D.h. die<br />
kleinen Dinge zu wissen, die in der türkischen Gemeinde u.U.<br />
die Ehre der Familie schon in Frage stellen könnten. Da war<br />
das Wissen der <strong>Eltern</strong> um den gleichen kulturellen<br />
Hintergrund der Projektmanagerin von unschätzbarem Vorteil.<br />
23
10. ZITATE<br />
Hier ein paar Zitate von den Klientinnen, um zu zeigen, wie das<br />
Projekt angenommen und Wert geschätzt wurde:<br />
„...iyiki siz varsınız, siz olmasaydınız ne yapabilirdim ki...“<br />
>>zum Glück sind Sie da, sonst wüßte ich nicht, was ich tun<br />
würde>auch wenn ich Deutsch könnte, und einem Deutschen meine<br />
Probleme schildern würde, könnte dieser trotz<strong>dem</strong> meine Probleme<br />
nicht verstehen. Zumindest kann ich hier meine Probleme in der<br />
Muttersprache schildern, ich weiß, dass sie diese verstehen, aber<br />
nicht verurteilen.>Ich kann erleichtert nach Hause gehen.>Durch Ihre Hilfe ist mein Kind, nach so langer Zeit, trocken.
11. RESÜMEE UND AUSBLICK<br />
<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
Dieses Projekt hat eine sehr große Wirkung im Raum Leverkusen<br />
gehabt, die sich durch <strong>sein</strong>e Einmaligkeit kennzeichnet. Dadurch<br />
konnte die Zugangschwelle zur <strong>Beratungsstelle</strong> deutlich abgesenkt<br />
werden. Der Anteil der türkischen Familien, die den Weg zur<br />
<strong>Beratungsstelle</strong> gefunden haben ist enorm gestiegen.<br />
Das Projekt ist ein Teil eines Programms zur Verbesserung der<br />
Integration für bereits länger in NRW lebende türkische<br />
Migrantinnen und Migranten.<br />
Leider ist dieses Projekt nur auf zwei Jahre begrenzt, so dass man<br />
nur punktuell und nicht auf eine längerer Sicht hinarbeiten kann.<br />
Seit ein paar Jahren ist interkulturelle Öffnung und Integration groß<br />
im Munde der Politiker. Leider, wie in diesem Projekt auch, welches<br />
eine wertvolle Arbeit hinsichtlich der interkulturellen Öffnung von<br />
Institutionen und der Integration von türkischen Migranten in<br />
Leverkusen geleistet hat, läuft die Zeit dieses Projektes aus zu<br />
einem Zeitpunkt, an <strong>dem</strong> die Arbeit in voller Blüte steht und werden<br />
sozusagen die lebensspendenden Adern gekappt.<br />
Seit Mai 2007 ist es bekannt, dass dieses Projekt dank der<br />
Unterstüzung des Diözesancaritasverbandes und der <strong>Beratungsstelle</strong><br />
<strong>mit</strong> 15 Std. die Woche weitergeführt werden kann. Das Projekt kann<br />
also weiter bestehen dank der ergänzenden Projektgelder vom<br />
Diözesancaritasverband Köln. Zusätzlich wird die Projektleiterin<br />
zusehen, dass sie weitere Mittel zur Finanzierung heranziehen kann.<br />
Da das Projekt befristet war, war es Ziel des Projektleiterin, die<br />
Kollegen/innen auf die weitere Arbeit <strong>mit</strong> den türkischen Klienten<br />
vorzubereiten.<br />
Um die kulturellen Unterschiede aufzeigen zu können, wurden<br />
Berichte verfasst über die Rolle der Frau, die Rolle des Mannes,<br />
darüber wie die Erziehung und die Kommunikationsstrukuren<br />
innerhalb einer türkischen Familien aussehen. Die Berichte wurde<br />
dann an der Pinnwand aufgehangen und im Intranet veröffentlich,<br />
so dass meinen Kollegen/innen sich informieren konnten. Sie waren<br />
Anlass für vielfältige Diskussionen und Austausch <strong>mit</strong>einander, ganz<br />
im Sinne Öffnung für Interkulturalität.<br />
Mit zur Aufklärung gehörten auch die Informationen über wichtige<br />
Feiertage (religiöse), wie z.B. Ramadan und Opferfest, um dabei<br />
aufzuzeigen, wie diese in der Türkei und hier gefeiert und erlebt<br />
werden.<br />
Ganz lebenspraktisch gehörte zu dieser Aufklärungsarbeit auch, die<br />
türkische Küche den Kollegen/innen nahe zubringen. Die türkische<br />
Küche ist eine reichhaltige und regional sehr unterschiedlich<br />
ausfallende Küche, die nicht nur aus Döner und Lahmacun besteht.<br />
Deshalb wurden von der Projektleiterin immer wieder Gerichte <strong>mit</strong><br />
25
<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
Bezug auf bestimmte Feste oder Ritualen aus der türkischen Küche<br />
auf den Tisch gebracht, was oft Anlass war, in der Mittagspause bei<br />
einem Glas Tee ausgiebig über die Arbeit <strong>mit</strong> türkischen Migranten<br />
zu diskutieren.<br />
Dies förderte das interkulturelle Lernen in einem Team ganz<br />
alltagsbezogen. Die Kulturen trafen sich sozusagen an einem<br />
„runden Tisch“. Die Gewohnheiten und Bedeutungen sozialer Rituale<br />
in türkischen Familien, die Rollen und Aufgaben, Fragen der<br />
Kohäsion und der sozialen Netzwerke konnten auf diese Weise sehr<br />
erfahrungsnah besprochen werden.<br />
Interkulturelles Lernen braucht neben <strong>dem</strong> Fachdialog,<br />
gemeinsamen Projektideen und gemeinsamer Supervision vor allem<br />
auch lebenspraktische Annäherungen. Es braucht ein Lernen auf<br />
beiden Seiten.<br />
26
12. DANKSAGUNG<br />
<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
An erster Stelle ist das MGFFI zu nennen, insbesondere gilt da der<br />
Dank Fr. Dr. Kaluza und Frau Schmelzle. Ohne sie wäre das Projekt<br />
nicht möglich gewesen.<br />
Desweiteren ist hervorzuheben, dass das Team der <strong>Beratungsstelle</strong><br />
mich freundlich und neugierig aufgenommen hat und ich eine tolle<br />
Unterstützung bekam, vor allem in schwierigen Zeiten und <strong>mit</strong><br />
schwierigen Fällen.<br />
Der Erfolg dieses Projekt begründete sich <strong>mit</strong> im Wesentlichen auch<br />
darin, dass ich mich dadurch nie ausgegrenzt gefühlt habe und von<br />
Anfang an als ein Teil dieses Teams gefühlt habe. Durch die positive<br />
Atmosphäre konnte meine Arbeit gut gedeihen.<br />
Entscheidend war in fachlicher Hinsicht die multidisziplinäre<br />
Zusammensetzung des Teams, welches mir ermöglichte, die in der<br />
Beratungsarbeit <strong>mit</strong> den sozialen Bindungsmuster der türkischen<br />
Migrantengruppen geforderte verstärkte Kreativität durch den<br />
Einfluss der verschiedenen Fachrichtungen der Mitarbeiter/innen<br />
nachzukommen. Eine normierte Beratungsarbeit hätte den Zugang<br />
zu den Familien nicht ermöglicht.<br />
Dafür danke ich <strong>dem</strong> gesamten Team.<br />
Darüber hinaus bedanke ich mich bei Herrn Müller, <strong>dem</strong> Leiter der<br />
<strong>Beratungsstelle</strong>, dafür, dass er sich unermüdlich für die Arbeit im<br />
Projekt und für den Erhalt dieses Projektes engagiert hat und immer<br />
ein offenes Ohr für mich hatte.<br />
Bei Herrn Dr. Hoehne als Geschäftsführer wusste ich mich die ganze<br />
Zeit über in meinen Ideen gestärkt. Dafür ist ihm gedankt.<br />
Bei Herrn Böhnke bedanke ich mich, dass er sich an verantwortlicher<br />
Stelle für die Fortführung des Projektes eingesetzt hat und <strong>dem</strong><br />
Projekt den Rücken gestärkt hat sowie <strong>mit</strong> <strong>sein</strong>em fachlichen<br />
Verständnis weitere Anregungen ins Projekt <strong>mit</strong> eingebracht hat.<br />
Ich möchte Ihnen noch etwas <strong>mit</strong>geben auf den Weg, nämlich ein<br />
Gedicht von Hilde Domin: es handelt von Weggehen und vom<br />
Ankommen.<br />
27
Ziehende Landschaft<br />
Man muß weggehen können und<br />
doch <strong>sein</strong> wie ein Baum,<br />
als bliebe die Wurzel im Boden,<br />
als zöge die Landschaft,<br />
und wir ständen fest.<br />
Man muß den Atem anhalten,<br />
bis der Wind nachläßt und<br />
die fremde Luft um uns zu kreisen beginnt,<br />
bis das Spiel von Licht und Schatten,<br />
von Grün und Blau die alten Muster zeigt,<br />
und wir zu Hause sind, wo es auch sei,<br />
und niedersitzen können und uns anlehen,<br />
als sei es an das Grab unserer Mutter.<br />
<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
28
LITERATUR<br />
<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
Aslan, A. (1998). Religiöse Erziehung der muslimischen <strong>Kinder</strong> in<br />
Deutschland und Österreich. Stuttgart: Verlag Islamisches<br />
Sozialdienst- und Informationszentrum.<br />
Atabay, I. (1994). Ist dies mein Land? Identitätsentwicklung<br />
türkischer Migrantenkinder und -jugendlicher in der Bundesrepublik.<br />
Pfaffenweiler: Centaurus Verlag.<br />
Atabay, I.(1995). Die Identitätsentwicklung türkischer<br />
Migrantenjugendlicher in Deutschland. In: Koch, Eckhard:<br />
Psychologie und Pathologie der Migration. Freiburg: Lambertus–<br />
Verlag.<br />
Auernheimer, G. (Hg., 2002) Interkulturelle Kompetenz und<br />
Professionalität. Interkulturelle Studien Bd. 13. Opladen.<br />
Bostan A. (1997). In der Türkei leben? Nie!, Die Zeit Magazin<br />
(Hrsg.), Hamburg.<br />
Boos-Nünning, U. (1998). Sozialisation von Jugendlichen<br />
ausländische Herkunft. Bedingungen für die Förderung oder<br />
Verhinderung von Drogenabhängigkeit. In: Deutsche Hauptstelle<br />
gegen die Suchtgefahren (Hrsg.): Sucht in unserer multikulturellen<br />
Gesellschaft. Freiburg: Lambertus Verlag, S.11-32.<br />
Boss-Nünning, U. (1995). Abweichendes Verhalten von Jugendlichen<br />
ausländischer Herkunft: Jugend- und ausländerspezifische<br />
Erklärungsansätze. In: Jugendkriminalität, Dokumentation der<br />
2.Veranstaltung in der Reihe: Migration und Justiz. Essen.<br />
Die deutschen Bischöfe (2004). Integration fördern -<br />
Zusammenleben gestalten. Bonn: Sekretariat der Deutschen<br />
Bischofskonferenz.<br />
Hansen, R. (1989). Türkische Jugendliche, deutsche Türken oder<br />
„ein bisschen von da und ein bisschen von da“: Re-Migration und<br />
Identitätskonflikte türkischer Jugendlicher aus Izmir. Saarbrücken:<br />
Breitenbach.<br />
Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des<br />
Landes Nordrhein-Westfalen (2006). Nordrhein-Westfalen Land der<br />
neuen Integrationschancen - Aktionsplan Integration -<br />
29
<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
Nauck, B. (1985). „Heimliches Matriarchat“ in Familien türkischer<br />
Arbeitsmigranten? Empirische Ergebnisse zu Veränderungen der<br />
Entscheidungsmacht und Aufgabenallokation. In: Zeitschrift für<br />
Soziologie, 14 (6), S. 450-465.<br />
Parla, F. (2007). Migration und Drogenabhängigkeit. Eine<br />
vergleichende Studie von türkischen Jugendlichen in Deutschland<br />
und in der Türkei. Hamburg: Verlag Dr. Kovac.<br />
Sen, F./Goldberg, A. (1994). Türken in Deutschland. München:<br />
Süddeutscher Verlag.<br />
Sera, A. (Redaktion), (2004). Interkulturelle Öffnung - eine Frage<br />
der Standortbestimmung. Deutscher Caritasverband e.V., Freiburg.<br />
Sera, A. (Redaktion), (2006). Vielfalt bewegt Menschen.<br />
Interkulturelle Öffnung der Dienste und Einrichtungen der<br />
verbandlichen Caritas. Eine Handreichung. Deutscher<br />
Caritasverband. e.V., Freiburg.<br />
Straube, H. (1987). Türkische Leben in der Bundesrepublik.<br />
Frankfurt am Main.<br />
Uslucan, H. (2004). Erziehung und Sozialisation türkischer und<br />
islamischer <strong>Kinder</strong>: Implikationen für die familienpsychologische<br />
Praxis. In: Kind-Prax. Kindschaftsrechtliche Praxis, Köln:<br />
Bundesanzeiger; 7 (2004); Spezial S. 32-38.<br />
Weische-Alexa, P. (1982). Sozial-Kulturelle Probleme junger<br />
Türkinnen in der Bundesrepublik Deutschland Köln,<br />
Diplomarbeit.<br />
Zwania, I./Tießler-Marenda, E. Dr. (2006). Verhinderung von<br />
Zwangsehen und Stärkung des Opferschutzes - Position des<br />
Deutschen Caritasverbandes, Freiburg.<br />
30
ANHÄNGE<br />
Anhang 1: Aufgabenstruktur<br />
<strong>Eltern</strong> und<br />
Schüler<br />
Sprechstunden<br />
Schulen in<br />
Leverkusen<br />
Türkischer<br />
<strong>Eltern</strong>verein<br />
Moslemische<br />
Familien<br />
Beratung in<br />
verschiedenen<br />
Lebenssituatione<br />
n und<br />
Lebenslagen<br />
Fam. Päd. Dienst<br />
„Deersiedlung“<br />
Sprechstunden,<br />
Sensibilisierung<br />
von Familien<br />
Lehrerkollegium<br />
Kath.<br />
<strong>Beratungsstelle</strong><br />
Fr. Tuzcu<br />
<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
Erzieher/Innen<br />
<strong>Kinder</strong>gärten in<br />
Leverkusen<br />
Caritasverband<br />
Fachdienst für<br />
Integration und<br />
Migration<br />
Diyanet<br />
Moscheeverein<br />
in Leverkusen<br />
Sprechstunden<br />
<strong>Eltern</strong><br />
Sprechstunden<br />
Regelmässig. Austausch<br />
fallbezogene Besprech.<br />
gemeinsame Veranstalt.<br />
Sensibilis. d.<br />
Moscheegem.<br />
31
Anhang 2: Flyer auf türkisch und deutsch<br />
<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
32
Anhang 3: Plakat auf türkisch<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
Tel: 0214-45553<br />
Bireysel Danışmanlığı ve Aile Danışmanlığı<br />
Çaresiz olduğunuzu düşünüyorsanız, yanılıyorsunuz...<br />
En ü<strong>mit</strong>siz olduğunuz anlarda çalın kapımı/zı...<br />
Hedefimiz:<br />
Sağlıklı Birey<br />
Sağlıklı Aile<br />
Sağlıklı Toplum<br />
Yetişkinlerde ve Gençlerde...<br />
� Çocuklarınızla ilgili olarak gelişim, eğitim ve iletişim problemleri ile<br />
karşılaştığınızda<br />
� sosyal ilişkilerinizde bazı şeylerin yolunda gitmediğini<br />
düşündüğünüzde,<br />
� Eşinizle ya da diğer aile bireyleri ile iltişim ve ilişki problemleri<br />
yaşadığınızda.<br />
Eğitim, Meslek ve Çalışma hayatınızda...<br />
� Eğitim sorunları ile karşılaştığınızda,<br />
� Eğitiminizi desteklemek, daha kaliteli hale getirmek istediğinizde,<br />
� Iş, aile ve sosyal yaşantınızı daha sağlıklı bir dengeye oturtmak<br />
istediğinizde,<br />
Aile ve evlilik yaşantınzda, ilişkinizde...<br />
� Çocuk yapmaya, edinmeye karar verdiğinizde, karar vermek<br />
istediğinizde,<br />
� Boşanma sürecinde ya da evliliğinizle ilgili karar almanız<br />
gerektiğinde (hukuk danışmanlık yapilmiyor) ,<br />
Çocuklarda ve Ergenlerde...<br />
� Okul korkusu ya da ayrılık kaygısı gibi sorunlar yaşadığınızda,<br />
� Anne-Baba-Çocuk arasında ilişki ve iletişim sorunları ortaya<br />
çıktığında,<br />
� Karşı gelme, saldırganlık ve öfke nöbetleri gibi davranışsal<br />
problemlerle karşılaştığınızda,<br />
� Öğrenme, eğitim ve gelişim sorunları ile karşılaştığınızda,<br />
� konuşma bozuklukları ve kekemelik sorunuyla karşılaştığınızda,<br />
� Okul başarısızlığı ve sınav kaygısi gibi sorunlarla kaşılaştığınızda,<br />
� Çocuklarınızın gelişim ve eğitim süreçlerini desteklemek ve daha<br />
kaliteli hale getirmeyi arzuladığınızda.<br />
Danışman: Diplom Sozialpädagogin Gülbahar Tuzcu<br />
Danışmanlık hizmetimiz üçretsizdir!!<br />
<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
33
Anhang 4: Anmeldebogen auf türkisch:<br />
EG am: bei:<br />
Nr.<br />
NAME: Vorname:<br />
SOYADI Öz adι<br />
geb.: in:<br />
Doğum tarihi doğum yeri<br />
Strasse: Telef.:<br />
Cadde<br />
PLZ/Ort: kath./evangel./Moslem/ Alevi<br />
Posta kod numarasi/ mahal Katolik/Protestan/Müslim<br />
Stadtteil:<br />
Semt<br />
Klasse: LehrerIn:<br />
Sınıf öğretmen<br />
Arzt: Erzieherin:<br />
Ev doktoru ana okul öğretmeni<br />
Vater: geb.:<br />
Baba doğum tarihi<br />
Beruf: Firma:<br />
meslek iş yeri<br />
Mutter: geb.:<br />
Anne doğum tarihi<br />
Beruf: Firma:<br />
Meslek iş yeri<br />
Sonstige Bezugspersonen:<br />
Velilerden başka aile feritleri<br />
Geschwister:<br />
Kardeşler<br />
Anmeldedatum:<br />
Kayιt tahrihi<br />
durch:<br />
Kimin tercih üzerine<br />
Anmeldegrund:<br />
Kayιt nedeni<br />
<strong>Beratungsstelle</strong> für <strong>Eltern</strong>,<br />
<strong>Kinder</strong> und Jugendliche,<br />
Carl-Leverkus-Str. 16<br />
51373 Leverkusen<br />
34