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TREIBEN DIE AGRARPREISE DENHUNGER AN?Prof. Dr. Hartwig de Haen,Präsidium Deutsche Welthungerhilfe e.v.1


ZUR LAGE DER WELTERNÄHRUNG2


DIE WELTERNÄHRUNGSLAGE IST ERNST UND DERAUSBLICK DÜSTERHandbuch WeIternährung, Kap. I,1 S. 16.• Knapp eine Milliarde Menschen hungert weltweit.Jeder sechste Mensch in Entwicklungsländern ist betroffen.• Gleichzeitig leiden immer mehr Menschen, mehr als 1 Milliarde, – auch in denso genannten Entwicklungsländern – unter Überernährung und ihren Folgen.


WELTHUNGER-INDEX 2011


AUSWIRKUNGEN VON HUNGER UNDUNTERERNÄHRUNG• Untergewicht, akute und chronischeUnterernährung bei Kleinkindern• Erhöhte Krankheitsanfälligkeit• Erhöhte Säuglings- undKindersterblichkeit• Geringere Lernleistungen in derSchuleJährlich sterbenüber 3 Millionen Kinder unter 5an direkten oder indirektenFolgen vonHunger und Fehlernährungca. 8000 pro Tag• Geringere Arbeitsproduktivität vonErwachsenenHandbuch Welternährung, Kap. I,2 S. 41• Damit verbundene Kosten für dieFamilien und die Gesellschaft


GLOBALE ZUSAMMENHÄNGE IN DERHUNGERPROBLEMATIK• Armut, Marginalisierung, Politikversagen• Kriege und Konflikte, Vertreibungen• Wettereinflüsse, weltweiter Klimawandel, Naturkatastrophen• Agrarsubventionen, Verzerrungen des Wettbewerbs• Knappheit und steigende Nahrungspreise6


EINKOMMENSUNGLEICHHEIT1,3 MilliardenMenschenhaben wenigerals 1 EUROpro Tag zumLebenhttp://www.worldbank.org/en/topic/poverty7


KLIMAWANDEL UND ERNTEERTRÄGE8


NAHRUNGSMITTELPREISKRISEN9


NAHRUNGSMITTELPREISE SEIT 1990FAO 201210


WELTLANDWIRTSCHAFT NOCH ERFOLGREICH –JEDOCH NIEDRIGE GETREIDEVORRÄTEFAO 2012


AUFRUF VON FAO, WFP UND IFADAM 5. SEPTEMBER 2012• Die augenblickliche Lage auf den Weltagrarmärkten mitstarken Steigerungen der Preise von Mais, Weizen und Sojamacht Angst vor einer Wiederholung der Nahrungskrise von2007-2008. Wir müssen dringend sicherstelllen, dass diePreissteigerungen während der nächsten Monate nichtmehrere 10 Millionen Menschen in eine Katastrophe stürzen!• Zwei verbundene Probleme müssen gelöst werden:(1) unmittelbare Folgen der hohen Preise für die Ärmsten inLändern mit Nahrungsimporten mildern.(2) längerfristigen Sicherung von ausreichend Produktion,Handel und Verbrauch angesichts wachsender Bevölkerung,Nachfrage und Klimawandel.13


PREISSTEIGERUNGEN HABEN VIELE URSACHEN(LÄNGERFRISTIG, KURZFRISTIG)• Bevölkerungswachstum, Konsumwandel• schlechte Ernten• Fehlende ländliche Infrastruktur in Entwicklungsländern• Knappheit an Flächen und Wasser, sinkende Ertragszuwächse• Niedrige Lagervorräte• Handelspolitik, Exportbeschränkungen• Agrar-Treibstoffe und Flächenkonkurrenz• Spekulation mit Agrarrohstoffen14


KONSUM IN ENTWICKLUNGSLÄNDERNHandbuch Welternährung Kap. I,1 S.32


KNAPPHEIT VON FLÄCHENLandwirtschaftliche nutzbareFläche pro Kopf derWeltbevölkerungQuelle: UNEP 2007: Global Environment Outlook: environment for development(GEO-4)HKM, Multiplikatorennetzwerk Ökonomische Bildung, 08.02.2012


ZUNAHME DER AGRARTREIBSTOFFPRODUKTIONStarke Zunahme der Nachfragenach Agrarpflanzen zurHerstellung von Treibstoff;weitere Projektionen:- OECD/FAO: Verdopplung derglobalen Produktionzwischen 2007/09 und 2019- IEA: Vervierfachung derNachfrage nachAgrartreibstoffen 2008-2035 angetrieben durchBeimischungsquoten (in EU)und Subventionen (in USA)


GETREIDEPRODUKTION FÜR BIOSPRIT


ZUNAHME SPEKULATIVERAGRARMARKTGESCHÄFTEIndikatoren:- Starke Zunahme beiden monatlichenUmsätzen vonTermingeschäften mitWeizen, Mais, Reis undSoja insbes. seit 2005- Anstieg bei der Anzahlder Open Interests(offene Terminverträge)insbes. seit 2005- erheblicher Geldzuflussin Indexfonds, dieNahrungsmittelaktienbeinhalten: von 13 Mio.USD Ende 2003 auf 260Mio. im März 2008


FOLGEN DER PREISANSTIEGEHUNGERREVOLTEN• Anstieg der Weltmarktpreisezieht zeitverzögert Anstiegder lokalen Preise nach sich• Besonders stark betroffensind Länder mit einemhohen Bedarf anNahrungsmittelimporten• Folge: Hungerrevolten inden Jahren 2007/2008 und2010/2011 rund um denGlobus


FOLGEN DER PREISANSTIEGEANPASSUNGSSTRATEGIEN DER ARMEN• Preissteigerungen treffen vor allem arme HH in EL→ geben bis zu 70 Prozent ihres Einkommens fürNahrungsmittel aus (Deutschland ca. 10-15 %).• Anpassungsstrategie: weniger Menge, wenigerVielfalt, weniger Qualität der Nahrung(Gefahr von „Hidden Hunger“)• Weitere Anpassungsstrategien: radikaleEinsparungen bei anderen lebensnotwendigenDingen: Gesundheit, Kleidung, Bildung, etc.• Folgen v.a. für Kleinkinder bis 2 Jahre verheerend


POTENZIALE KLEINBÄUERLICHER LANDWIRTSCHAFT“Der Kampf gegen Hunger wird auf dem Land entschieden.” (Welthungerhilfe)• 70 Prozent der Hungernden leben auf demLand• Potenzial kleinbäuerlicher Betriebe besserausschöpfen (450 Millionen Familien!)-• Innovationshemmnisse beseitigen• Faire Erzeugerpreise bieten• Nachhaltige Landnutzung• Verknüpfung mit Weiterverarbeitung,Umweltdienstleistungen, Vermarktung• Ausbildung von Bäuerinnen und Bauernin unternehmerischen Fähigkeiten• Zugang zu sozialen Sicherungssystemen• FrauenförderungMultiple Funktionen bäuerlicherLandwirtschaftHandbuch Welternährung Kap.II,5 S.100


„DEN HUNGER VERTREIBEN,NICHT DIE MENSCHEN“Richard von Weizsäcker, 199223

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