evwl 19 11 07+ (2)

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evwl 19 11 07+ (2)

Kapitel 6Formale Ableitung der individuellenNachfragekurven für Bier undder Nachfrage für den gesamten Markt


Modell für Nachfrageseite: Fünf repräsentativeStudentInnen optimieren ihr Budget- Wahlentscheidung: Wie oft im Monat insKino gehen und wie viele Gläser Bier inder Kneipe trinken?- Unterschiedliche Einkommen(Budgetrestriktion)- Unterschiedliche Präferenzen(Nutzenfunktion)‣ Herleitung der individuellen Nachfrageaus Nutzenmaximierung‣ Aus der Aggregation der individuellenNachfrage erhält man Marktnachfrage


Kapitel 7Formale Herleitung des individuellenAngebots für Bier unddes Angebots für den gesamten Markt


Modell für Angebotsseite: RepräsentativerWirt maximiert seinen Gewinn- Ausgangsentscheidung: Wie viele festangestellte Kräfte (fixe Kosten) und wie vieleAushilfskräfte (variable Kosten)?- Für jeden Preis das gewinnmaximale Output-Niveau bestimmen (=individuelle Angebotskurve)- Aus Aggregation der individuellenAngebotskurven erhält man das Marktangebot


Kapitel 8Für Anbieter ist der vollständigeWettbewerb kein anzustrebender Zustand


Merkmale desvollständigen Wettbewerbs- Viele Anbieter- Individuelle Anbieter können auf denMarktpreis keinen Einfluss nehmen(„Preisnehmer“)- Nachfrager sind vollständig informiert undsehen alle Kneipen als ein „homogenes Gut“an- Produzenten und Konsumenten erreichenhohe Konsumentenrente


Nachfrage für einen individuellenAnbieter bei vollständigem Wettbewerb


Exkurs: Modell des„homo oeconomicus“ in der VWL- Vollständig über alle entscheidungsrelevantenFaktoren informiert , d.h. keineKosten der Informationsbeschaffung- Nur an seinem eigenen Nutzen interessiert- Keine Schwierigkeiten mit der Verarbeitungkomplexer Entscheidungsprozesse- Kann bei verschiedenen Handlungsalternativenimmer eine konsistenteRangfolge in Bezug auf den Nutzenermitteln


Kenneth Boulding„Niemand im Vollbesitz seiner geistigen Kräftemöchte seine Tochter mit einem „homooeconomicus“ verheiratet sehen, mit jemandemder sämtliche Kosten nachrechnet und stets nachdem Gegenwert fragt, der nie von verrückterGroßzügigkeit oder nicht berechnender Liebeheimgesucht ist, der nie aus einem Gefühlinnerer Identität handelt und der in der Tat keineinnere Identität besitzt, auch wenn er gelegentlichvon sorgfältig kalkulierten Erwägungen überWohlwollen und Missgunst bewegt ist“.


Modell der „behavioral economics“ stellt Annahmeder perfekten Informationsverarbeitung in Frage• Richard Thaler (1982) “Think of the human brainas a personal computer with a very slow processorand a memory system that is both small andunpredictable. I don’t know about you, but the PC Icarry between my ears has more disk failures than Icare to think about.”• Lösungsansatz: Menschen entscheiden anhand vonHeuristiken (=Daumenregeln“)• Problem: Entscheidungen weisen systematischeVerzerrungen („biases“) auf (Kahneman und Tversky)


Beispiel einer Urteilsverzerrungdurch Anker-Heuristik


Experimentelle VWL: Menschen sindkeine vollständigen Egoisten• Ultimatumspiel: Ein Akteur (A) kann einen bestimmten Teil einesihm zur Verfügung gestellten Betrags von z.B. 1 Euro einemanderen Akteur (B) anbieten.• Lehnt dieser den ihm angebotenen Teil ab, so muss auch A aufseinen Teil verzichten. Beide gehen leer aus.• Nimmt B an, erhält er das Angebot (s) und B erhält den Rest.• Die spieltheoretische Lösung für rationale Spieler besteht darin,dass A nur den geringstmöglichen Betrag, d.h. "1 Cent„ anbietet,weil er weiß, dass ein im Sinne der individuellen Nutzenmaximierungrationaler B dieses Angebot einer Auszahlung von Nullvorziehen wird.• In Experimenten verhielten sich jedoch viele Spieler nicht indiesem Sinne rational, sondern lehnten lieber einen kleinenGewinn ab, als eine unfair empfundene Aufteilung zu akzeptieren.• Verschiedene Studien zeigen, dass im Durchschnitt derGesamtbetrag etwa 60:40 aufgeteilt wird.


Diktatorspiel• A kann frei über die Verwendung entscheiden,ohne dass die Zustimmung von B erforderlich ist.• Auch hier gibt es relativ wenige Egoisten• Beispiel eines Diktatorspiels für 10 Euro an derRWTH Aachen:


Anwendungsmöglichkeiten für Modelldes „homo oeconomicus“- Relativ einfache, aber nicht unwichtigeEntscheidungsprozesse:• „Was geschieht, wenn der Preis von Buttersteigt, während der Preis für Margarinekonstant bleibt?“• „Was geschieht, wenn die RegierungTeilzeitarbeit subventioniert (Mini-Jobs)“?- Grenzen des Ansatzes bei schwierigerenEntscheidungen:• „Wo wird der Euro-Dollar-Kurs in einem Jahrliegen?“‣ Alternative: Behavioural Economics


Anreize für die Anbieter,den Wettbewerb zu beschränken- Versuch, den Preis zum Aktionsparameter zumachen, um so- ...den Konsumenten einen möglichst großen derTeil der Konsumentenrente abzunehmen- Formen:• Kartell, d.h mehrere Anbieter vereinbaren denPreis gemeinsam. Setzt begrenzte Zahl derAnbieter voraus (Oligopol)• Monopol: nur noch ein Anbieter


Kartell am Biermarkt- Die Anbieter beschließen gemeinsam,den Preis für das Glas Bier von 3 auf4 Euro zu erhöhen- Nachfragekurve verdeutlicht, dass dienachgefragte Menge von 8000Gläsern auf 4000 Gläser zurückgeht- Lohnt sich das für die Anbieter?‣ Entscheidend sind die Auswirkungenauf die Konsumentenrente


Wohlfahrtseffekte des Kartells


Wohlfahrtseffekte des Kartells- Die Anbieter erhöhen ihre Produzentenrente von8.000 auf 10.000- Die Konsumenten verlieren Konsumentenrente:statt 8.000 nur noch 2.000- Summe von Produzenten- undKonsumentenrente sinkt von 16.000 auf 12.000‣ Die gesellschaftliche Wohlfahrt (=Summe ausKonsumentenrente und Produzentenrente) istbei eingeschränktem Wettbewerb geringer als beivollständigem Wettbewerb


Voraussetzung für Funktionsfähigkeiteines Kartells- Anbieter müssen die angebotene Menge begrenzenund unter sich aufteilen („Quoten“)- Bei einem Preis von 4 Euro wäre sonst angeboteneMenge (=12.000) zu hoch, der Preis würde sinken- Aufteilung und Überwachung der Quoten zentralesProblem eines Kartells- Beispiel: OPEC als Kartell für Rohöl


Ein Monopolauf dem lokalen Biermarkt- Alle Bierlokale werden von einem Betreiberaufgekauft.- Wie findet dieser den für ihn optimalen Preis?- Ausgangspunkt: Konzept der Preiselastizität derNachfrage:• Um wie viel Prozent verändert sich dienachgefragte Menge, wenn der Preis um einProzent gesenkt wird?


Allgemeiner Zusammenhangbei Bewegung auf Nachfragekurve• Eckpunkte:- Prohibitivpreis: Preis zwar hoch, dienachgefragte Menge ist aber Null und damitauch der Umsatz.- Sättigungsmenge: Menge maximal, Preisgleich Null, Umsatz ist ebenfalls Null.• Dazwischen: Umsatz verläuft als Parabel.Steigt ausgehend vom Prohibitivpreis, erreichtMaximum genau bei der halbenSättigungsmenge und fällt dann wieder aufNull.


Allgemeiner Zusammenhang beiBewegung auf Nachfragekurve


Allgemeiner Zusammenhang beiBewegung auf NachfragekurveNachfragefunktion:p = 5- 1/4000xUmsatz (=px):U = 5x - 1/4000x²erhöhtvermindert


U = p(x) xFormale Herleitungdes Umsatzesmit x als Menge und p als Preis.Lineare Nachfragefunktion:p = a – bx,Achsenabschnitt a als Prohibitivpreis,Umsatz (px) dann als Parabel:U = ax – bx².


Noch: formale Herleitung• Maximaler Umsatz, wenn wir dieseGleichung nach x ableiten:– dU/dx = a - 2bx (Grenzerlös)– für dU/dx = 0– x =a/2b.• Sättigungsmenge bei p=0– 0 =a – bx, d.h.– x=a/b• Also: Maximaler Umsatz bei halberSättigungsmenge


Preis-Elastizität der Nachfrage- Prozentuale Veränderung der nachgefragtenMenge bei prozentualer Veränderung desPreises- ε x,p = |(∆x n /x n )/(∆p/p)|.- Als Betrag definiert, da die Elastizität sonstimmer negativ wäre• ε >1: Bereich der Nachfragekurve, der linksvon a/2b liegt: Menge steigt über-proportional,wenn Preis gesenkt wird → Umsatz steigt• ε


Was macht Monopolistmit dieser Information?- In Wettbewerbssituation lag der Preis imBereich mit ε >1.- Preissenkung würde also Umsatz erhöhen- Aber: wegen steigender Grenzkostennehmen auch die Kosten zu- Also kann es für Monopolisten nur sinnvollsein, den Preis zu erhöhen- Entscheidende Frage: Wie hoch ist derPreis, der den Gewinn des Monopolistenmaximiert?


Zur Erinnerung:Der Biermarkt bei vollständigem Wettbewerb


Herleitung desgewinnmaximalen Preises für Monopolisten- Gewinn = Umsatz – Kosten- G (x) = U (x) – K (x)- Maximaler Gewinn:dG/dx = dU/dx - dK/dx = 0- Optimum: Grenzerlös (dU/dx) =Grenzkosten (dK/dx)- Grafische Lösung:- Schnittpunkt der Grenzerlös-Kurve mit derAngebotskurve (=Grenzkostenkurve) ergibtoptimale Angebotsmenge- Preis wird dann auf der Nachfrage-Kurve fürdiese Menge ermittelt


Berechnung für Modell-Bierökonomie- Nachfragefunktion:p = 5- 1/4000x- Umsatz:U = 5x - 1/4000x²- Grenzerlös (dU/dx)GE = 5 - 1/2000x- Grenzkosten (=Angebotskurve)GK = 1/4000x + 1- Optimaler Output für Monopolisten (GE=GK)5-1/2000x=1/4000x+1x=5333- In Nachfragefunktion:p = 5 - (1/4000) 5333 = 3 2/3


Grafische Lösung:Cournot‘scher Punkt


Kosten, Umsatz und Gewinndes MonopolistenDer gewinnoptimale Output im Monopol80000700006000050000Umsatz: UKosten=KU=5x-x²(1/4000)K=x²(1/8000)+x entspricht GK=x (1/4000) + 140000300002000010000006001200180024003000360042004800Gewinn=U-K540060006600720078008400900096001020010800114001200012600132001380014400150001560016200168001740018000KostenUmsatz186001920019800


Marktergebnis für Monopol- Die angebotene Menge ist – wie schon im Kartell –geringer als bei vollständigem Wettbewerb- Der Preis steigt- Effekte auf Konsumenten- und Produzentenrentewie im Kartell-Beispiel. Produzentenrente steigt,Konsumentenrente sinkt. Insgesamt geht dieWohlfahrt zurück- Genaue Berechnung des Cournot´schen Punkteszeigt, dass Wirte im Kartell-Beispiel einen etwas zuhohen Preis fixiert haben


Noch mehr Konsumentenrenteabschöpfen durch Produkt-Differenzierung- Wegen einfacherer Zahlen bleiben wir imBeispiel des Kartells- Wirte beschließen, einen Teil der Kneipenzu Edel-Kneipen zu machen (mit möglichstwenig Kosten)- Kneipen seien für StudentInnen keinhomogenes Gut mehr- Preis in Normal-Kneipe: 4 Euro, in Edel-Kneipe: 4,5 Euro


Noch mehr Konsumentenrente abschöpfendurch Produkt-Differenzierung


Produktdifferenzierung erhöhtdie Produzentenrente- Konsumentenrente sinkt weiter- Produzentenrente steigt (allerdingsvermindert um zusätzliche Kosten, diehier nicht abgebildet sind)- Wichtige Erklärung für das Bestrebenvieler Anbieter, ein differenziertes Produktanzubieten (Produktdifferenzierung,Markenprodukt)


Monopole und Kartelle sind verboten- Rechtliche Grundlage: Gesetz gegenWettbewerbsbeschränkungen (GWB)‣ § 1 Kartellverbot‣ § 36 Zusammenschlüsse dürfen nicht zumarktbeherrschender Stellung führen‣ § 19 Definition einermarktbeherrschenden Stellung


Rechtliche Definition dermarktbeherrschenden Stellung- Bei einem Unternehmen: Marktanteil vonmindestens einem Drittel- Bei zwei und drei Unternehmen:Marktanteil von 50 %- Bei vier und fünf Unternehmen: Marktanteilvon zwei Dritteln