PDF ansehen

psl.verdi.umfrage.de

PDF ansehen

be wegenFACHBEREICH • POSTDIENSTE • SPEDITIONEN • LOGISTIKHeft 09-10/2005Foto: ver.diMehr Geld fürPostbeamteITF-AktionstagSeiten 10 –11


bewegen | MENSCHEN ■ MEINUNGEN ■ MELDUNGENINHALTTitelthema4-5 Mehr Geld fürPostbeamtePostkonzern6-7 Interview mitRolf Büttner zumKurswechsel desPostchefsKEP-Branche8 Neue Ausbildungsberufein der BrancheTNT Logistics InnightSpedition und Logistik9 „Kalt erwischt“ –ein Krimi aus derTransportbrancheSpedition und Logistik10-11 ITF-Aktionstagdes FahrpersonalsHaftstrafe fürSpediteureService12 TermineIMPRESSUMbewegenNr. 09-10/20054. JahrgangHerausgeber:VereinteDienstleistungsgewerkschaftBundesvorstand:Frank Bsirske, Rolf BüttnerRedaktion:Dr. Sigrun Schmid (verantwortlich),Gabriele SanderE-Mail:bewegen.psl@verdi.deOnline-Ausgabe:www.verdi-Fachbereiche.deRedaktionsanschrift:ver.di BundesverwaltungFachbereich Postdienste,Speditionen und Logistik10112 BerlinTelefon: 0 30/69 56-0Fax: 0 30/69 56-37 62Erscheinungsweise:9 Ausgaben pro JahrRedaktionsschluss:Heft 11/2005: 29. September 2005Heft 12-01/2005: 1. November 2005Gestaltung + Layout:Maren PhilippDruckauflage:277 000Herstellung+Druck:apm AG Darmstadt,Kleyerstraße 3,64295 Darmstadt,www.alpha-print-medien.deNACHRICHTENSchenker AGEBR konstituiertAnfang Juli 2005 wurdeder Europäische Betriebsrat(EBR) der Deutschen BahnAG gegründet. Vorsitzenderdes 23-köpfigen Gremiumsist der Vorsitzende des Konzernbetriebsratsder BahnAG, Günter Kirchheim. AlsStellvertreter wurden KlausVögele, stellvertretender Gesamtbetriebsratsvorsitzenderder Schenker AG undKenneth Anderson, Mitglieddes Schenker-Betriebsrats inSchweden, gewählt. Die betrieblichenInteressenvertretungsgremienaus Deutschlandhaben insgesamt 14Mitglieder im EBR, davonein Vertreter vom Gesamtbetriebsratder SchenkerAG.Schenker beschäftigt inDeutschland rund 12 000Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterund in Europa zirka18 000. Insgesamt arbeitenzirka 225 000 Beschäftigteim Bahn-Konzern, davonrund 23 000 in den Ländernder Europäischen Unionbzw. in anderen europäischenLändern.Werner SchäfferLogistikkonferenzAm 17. und 18. Novemberdiesen Jahres beraten ehren-und hauptamtlicheKolleginnen und Kollegendie Situation und Entwicklungenin der Logistikbranche.Spezifische Workshops vertiefendabei wichtige Handlungsfelderfür die Gewerkschaftund die betrieblicheInteressenvertretung: Im erstenWorkshop werden dieTrends hinsichtlich derunterschiedlichen Entwicklungenvon Unternehmensintegrationund Outsourcingund die sich darausergebenden Auswirkungenauf die Beschäftigten thematisiert.Arbeitszeiten undAnforderungen an die Beschäftigtenzwischen betrieblichenZwängen, gesetzlichenund tariflichenVorgaben und der Forderungnach einer humanenArbeitswelt werden imzweiten Workshop diskutiert.Der dritte Workshopbeschäftigt sich mit denAuswirkungen der technischenEntwicklung, wieEinflüsse auf die Tätigkeitdurch RFID (radio-frequentidentifikation)und Systemender Routenüberwachung(GPS, Fleetboard,Maut-Zusatznutzen).Die anschließende Zusammenfassungder Ergebnissewird in die Betriebe und diegewerkschaftlichen Gliederungengetragen, um gemeinsamAntworten undStrategien auf Veränderungenin der Branche zu finden.Heinrich FritzDigitaler Fahrtenschreiberab 2006Die EU-Kommission setztewillkürlich dieses Datumfest und damit parlamentarischeRegeln aufs Spiel: DieEinführung des digitalenFahrtenschreibers für Lkwsin allen EU-Staaten ist einzweites Mal von der Kommissionverschoben worden.Nach Mitteilung derKommission gilt nun „eineletzte Toleranzfrist“ bis zum31. Dezember 2005. Nichtalle Mitgliedsstaaten seienbisher in der Lage gewesen,den digitalen Fahrtenschreiber,mit dem vor allem dieRuhezeiten von Berufskraftfahrernbesser überwachtwerden können, in nationaleGesetzgebung vorzuschreiben.Ursprünglich hatte der digitaleFahrtenschreiber bereitsvon August 2004 an in allenLkw der EU funktionierensollen. Wegen technischerProbleme und fehlender Typenzulassungenwar dieserTermin um ein Jahr verschobenworden. Nun wünschtennur noch einige wenigeEU-Staaten eine längereÜbergangszeit.Dort, wo der digitale Fahrtenschreiberbereits in nationalesRecht vorgeschriebenist, ändert sich nichts.Deutschland gehört zu jenenLändern, die den digitalenFahrtenschreiber bereitseingeführt haben.Damit geht die Kommissionbewusst das Risiko ein, ohnedas Datum in einer geltendenVerordnung verankertzu haben, die Einführungdes neuen Systems vorzuschreiben.Peter BaranowskiBußgeld für Maut-Preller erhöhtMaut-Preller werden vom15. August 2005 an kräftigerzur Kasse gebeten. BeiFahrlässigkeit des Fahrerswerde das Bußgeld von 75auf 100 Euro angehoben,teilte das Bundesamt fürGüterverkehr mit. Bei Vorsatzsteigt das Bußgeld fürden Fahrer von 150 auf200 Euro. Mehrfach-Sündermüssen mit einer Strafe vonbis zu 20 000 Euro rechnen.Damit ist zu vermuten, dassin weiterem Maße aufStrecken ausgewichen wird,die mautfrei sind und dassdie Lärm- und Abgasbelastungauch in Wohngebietenansteigt. Ein wirksamesMittel dagegen könnte sein,verstärkte Kontrollen derhöchstzulässigen Geschwindigkeitenvon schwerenLkws, die auf Bundes- undLandstraßen 60 Kilometerpro Stunde betragen, durchzuführenund Verstöße zuahnden. In diesem Zusammenhangist zu beobachten,dass hier häufig80 Kilometer pro Stunde,wie auf der Autobahn, gefahrenwerden.Peter Baranowski2 09-10/2005 | ver.di


bewegen | MENSCHEN ■ MEINUNGEN ■ MELDUNGENTarifabschlussprivates VerkehrsgewerbeSaarlandAm 24. August 2005 konntever.di mit dem LandesverbandVerkehrsgewerbe Saarlande. V. für die rund 6000Beschäftigten im saarländischenSpeditionsgewerbeeinen Tarifabschluss erzielen.Der Tarifabschluss beinhaltetfür die Beschäftigteneine Einmalzahlung in Höhevon 50 Euro und eine Tabellenerhöhungab 1. September2005 von 2 Prozent, beieiner Laufzeit von zwölfMonaten, beginnend vom1. Mai 2005 bis zum 30.April 2006.Die Auszubildendenvergütungenerhöhen sich ab1. September 2005 um monatlich10 Euro.Weiterhin wurde vereinbart,dass bei Inkrafttreten neuergesetzlicher Regelungen fürdas Fahrpersonal beide Seitenzügig Verhandlungenaufnehmen werden.Klaus-Dieter WockelFedexTarifverhandlungAm 25. August 2005 fanddie zweite Tarifrunde mitFedex Inc. statt.ver.di fordert für die Beschäftigteneine lineare Erhöhungvon 4 Prozent beieiner Laufzeit von zwölf Monaten.Der Arbeitgeber legte einAngebot vor, das vorsieht,das Tarifgruppensystem von7 auf 11 Tarifgruppen zu erweitern.ver.di steht dem neuen Vergütungssystemgrundsätzlichpositiv gegenüber, wenndadurch alle Mitarbeiterinnenund Mitarbeiter bessereAufstiegschancen erhalten.Die nächste Verhandlungsrundefindet am 31. Auguststatt.Thomas WenzelManipulationen anGeschwindigkeitsbegrenzernDazu trat eine Änderungdes Straßenverkehrsgesetzesund anderer straßenverkehrsrechtlicherVorschriftenin Kraft.Damit werden zukünftignicht nur Käufer von gebrauchtenKraftfahrzeugengeschützt, indem das Manipulierendes Tachokilometerstandesunter Strafe gestelltwird.Auch das gefährliche Rasenvon schweren Lkws undBussen auf den Straßen wirdunter Strafe gestellt, wenndies durch bewusstes Manipulierenan Geschwindigkeitsbegrenzernbewirktwird.ver.di begrüßt diese Rechtsänderungenals einen solidenBeitrag zur Verkehrssicherheit.Peter BaranowskiKulturfrühlingan dertürkischen ÄgäisDie Fachbereiche Postdienste,Speditionen und Logistiksowie Telekommunikationund Informationstechnologieladen vom 17. bis24. April 2006 wieder zueiner besonderen Kulturreiseein.Diesmal geht es an die türkischeÄgäis. Geplant sindunter anderem ein Sinfoniekonzert,ein Auftritt derGerman Tenors vor derüberwältigenden Kulissedes antiken Theaters inEphesus, Ausflüge, türkischeFolklore und Gesprächemit unseren UNI-Partnerorganisationenin derTürkei.Der Reisepreis beträgt fürver.di-Mitglieder ab 488 Euro,die Verlängerungswocheab 169 Euro.Informationen über 0 18 05/00 51 71.Karl-Heinz KindsvogelANZEIGEver.di | 09-10/2005 3


bewegen | TITELTHEMABeamtinnen und Beamte:ver.di setzt neue monatliche Postzulage und den Erhalt der 60 ProzentWeihnachtsgeld durchFast zwei Jahre ist es her, da habenBundestag und Bundesrat mit demBundessonderzahlungsgesetz beschlossen,dass es für Bundesbeamte ab2004 kein Urlaubsgeld mehr gibt unddas Weihnachtsgeld von 84,29 auf60 Prozent abgesenkt wird. Begründungdafür war: Der Bund hat keinGeld. Gemeinsam haben wir mit vielfältigenAktionen, Mahnwachen, Demonstrationen,in Gesprächen undVerhandlungen klargemacht, dass diesesArgument für die Beamtinnen undBeamten bei der Deutschen Post AGnicht zieht. Mit dem Griff ins Portemonnaieder Postbeamtinnen undPostbeamten spart der Bund keinenCent, da die Gehälter von der Post AGgezahlt werden.Der erste Erfolg von ver.di war, dassim Jahr 2004 alle Beamtinnen und Beamtender Deutschen Post AG sowohldas volle Weihnachtsgeld als auch dasUrlaubsgeld erhalten haben.Viel ist inzwischen passiert. Stichwortesind das neue Postpersonalrechtsgesetzund die aufgrund derBundestagswahlen derzeit ins Stockengeratene Beamtenstrukturreform.ver.di hat sich sowohl bezogen auf dieZukunft der Zahlung der 60 Prozentver.di kämpft gegen Einkommensverluste bei der Post AG.Weihnachtsgeld als auch bei der Fragedes Ausgleichs der Differenz hin zu84,29 Prozent und dem weggefallenenUrlaubsgeld mit der Zahlung einerPostzulage erfolgreich durchgesetzt.Zu beiden Sachverhalten besteht Einigkeitzwischen ver.di und der DeutschenPost AG. Den beiden entsprechendenRechtsverordnungen muss das Bundesfinanzministeriumnoch zustimmen.So lange stehen die Zahlungenunter Vorbehalt.Foto: Jürgen SeidelVersorgungsempfängerOft erreichen uns Nachfragen, ob die zwischen ver.di und der Deutschen PostAG ausgehandelten Regelungen für die aktiven Beamtinnen und Beamtenauch für die Versorgungsempfängerinnen und Versorgungsempfänger gelten.Dem ist leider nicht so. Die Versorgungsempfänger können diese mit der DeutschenPost AG ausgehandelten Zahlungen nicht bekommen. Sie bekamen bisherschon kein Urlaubsgeld und werden wohl auch künftig keines erhalten.Somit kann auch kein Ausgleich erfolgen. Den Ausgleich des gekürzten Weihnachtsgeldeskann die Deutsche Post AG für sie ebenfalls nicht leisten. Auchdiese Regelung ist nur für die Postbeamtinnen und Postbeamten möglich, dieim aktiven Beamtenverhältnis arbeiten. Die Sonderzahlung (Weihnachtsgeld)für die Versorgungsempfängerinnen und Versorgungsempfänger ist im Bundessonderzahlungsgesetzabschließend geregelt. Die Deutsche Post AG kannfür sie keine Zahlungen leisten, zumal ihre Pensionen vom Bund gezahltwerden, an deren Finanzierung sich die Deutsche Post AG beteiligen muss.Dennoch ist und bleibt der Bund maßgebend und somit auch die von ihm verabschiedetengesetzlichen Regelungen zur Sonderzahlung.Stufenplan ab 2007Für die 60 Prozent Sonderzuwendungnach Bundessonderzahlungsgesetz gilt:Gemäß dem neuen Postpersonalrechtsgesetzkann die Sonderzuwendungmittels einer Rechtsverordnungdes Bundesfinanzministeriums sowohlkomplett gestrichen als auch leistungsabhängiggezahlt werden. Zunächstwar es Ziel der Deutschen Post AG, dieSonderzuwendung ab 2005 in vollerHöhe leistungsabhängig zu zahlen.Wir haben die Deutsche Post AG nachdrücklichaufgefordert, vor einer entsprechendenAntragsstellung an dasBundesfinanzministerium mit uns inVerhandlungen einzutreten und eineeinvernehmliche Regelung mit ver.dizu vereinbaren. Unser Ziel für die Verhandlungenwar, eine ausschließlich4 09-10/2005 | ver.di


bewegen | TITELTHEMAleistungsorientierte Bezahlung derSonderzuwendung möglichst langeauszuschließen. Außerdem wollten wirsicherstellen, dass das volle Volumender Gehaltssumme, die bisher von derDeutschen Post für das Weihnachtsgeldbereitgestellt wurde, auch weiterhinzur Auszahlung kommt. Beidesist uns gelungen.Wir haben durchgesetzt, dass dasin Höhe von 60 Prozent nach Bundessonderzahlungsgesetzzu zahlendeWeihnachtsgeld auch 2005 und 2006voll zur Auszahlung kommt. Erst ab2007 erfolgt die stufenweise Einführungeiner leistungsabhängigen Bezahlung.Dieser Stufenplan sieht vor,dass 2007 ein Viertel, 2008 die Hälfteund ab 2009 die Gesamtsumme derSonderzuwendung leistungsorientiertausgezahlt wird.Position zur BeamtenstrukturreformWir haben diese schrittweise Einführungder leistungsabhängigen Bezahlungder Sonderzuwendung auch zumAnlass genommen, mit der DeutschenPost AG in Gespräche einzutreten, mitdem Ziel, dass im Falle der Verabschiedungdes Gesetzes zur Beamtenstrukturreformdie dort für die Bundesbeamtinnenund -beamten vorgeseheneleistungsorientierte Bezahlung vonAnteilen der monatlichen Bezüge fürPostbeamtinnen und Postbeamte ausgeschlossenwird.Auch hier haben unsere Argumenteüberzeugt. So konnten wir mit derDeutschen Post AG vereinbaren, dassim Falle des Inkrafttretens des Gesetzesfür die Beamtinnen und Beamtenbei der Post auf eine monatliche leistungsabhängigeBezahlung von Anteilender Bezüge verzichtet und diesgegenüber dem Gesetzgeber auchentsprechend eingebracht und vertretenwerden wird.Monatliche PostzulageANZEIGEGänzlich neu ist, was ver.di bezogenauf den Unterschiedsbetrag zwischenden 60 Prozent Weihnachtsgeld unddem gestrichenen Urlaubsgeld durchgesetzthat: Für die Jahre 2005 bis2007 wird es eine monatliche Postzulagegeben.Materiell wird dabei folgende Formelangewandt: Für jeden Einzelnen wirdein Betrag errechnet, der sich aus derHöhe des Unterschiedsbetrags derSonderzahlung (24,29 Prozent, Stand31. Dezember 2003) und des Urlaubsgeldes(Stand 2003) ergibt. Dieser ermittelteBetrag wird durch zwölf geteiltund ergibt das monatliche Volumender Postzulage. Bei der Berechnungwerden Veränderungen in denindividuellen Verhältnissen im jeweilslaufenden Kalenderjahr berücksichtigt.Mit den Bezügen im Monat Septemberwird es eine Nachzahlung desbis zu diesem Zeitpunkt entstandenenAnspruchs (9/12 des ermittelten Jahresbeitragsder Sonderzahlung) geben.Ab Oktober erfolgt die Zahlung derPostzulage dann monatlich als Sonderzahlung.Diese Erfolge zeigen: Gemeinsamsetzen wir uns durch. Beamte in ver.di– die Mitgliedschaft zahlt sich aus.Helmut Jurke


bewegen | POSTKONZERNFoto: C. von Polentz„Diese Kampfansagenehmen wir an“Postchef Dr. Klaus Zumwinkel macht sich öffentlich füreinen radikalen Kurswechsel stark. Was davon zu haltenist und wie ver.di damit umgeht, darüber sprach„bewegen“ mit Bundesvorstandsmitglied Rolf Büttner.Visionen für Deutschland haben imBundestagswahlkampf Hochkonjunktur.Wer jetzt Vorschläge einbringt,kann sich der öffentlichen Aufmerksamkeitsicher sein. Gleichzeitig sollder Boden dafür bereitet werden, wohindie Reise nach dem 18. Septemberam Besten gehen möge. Genau dasmachen dieser Tage der Vorstandsvorsitzendeder Deutschen Post AG, Dr.Klaus Zumwinkel und der Präsident desDeutschen Instituts für Wirtschaftsforschung(DIW), Prof. Dr. Klaus F. Zimmermann.In einem Beitrag der beidenin der Frankfurter Allgemeinen Zeitungvom 20. August 2005 geht es zurSache. Auch in Presseclubs oder Frühstücksrundender Industrie und Handelskammergehen sie auf Werbetour.Vorgeschlagen wird eine Reform derSozialsysteme, um die Lohnnebenkostenzu senken. Dazu gehört, diegesetzlichen Krankenversicherungenzu privatisieren. Nur noch eine Grundsicherungist vorgesehen. Darüberhinaus gehende Risiken sind privat zuversichern. Bezieher niedriger Einkommensollen möglicherweise aus demSteueraufkommen unterstützt werden.Eine Erhöhung des Rentenalterssoll unter anderem den Anstieg derBeitragssätze stoppen. Das Ganze solldurch eine Erhöhung der Mehrwertsteuerauf 20 Prozent und durch denWegfall der Pendlerpauschale und derSteuerfreiheit von Feiertags-, Wochenend-und Nachtarbeitszuschlägen finanziertwerden. Eine betriebsnaheLohnpolitik wird gefordert, bei der nurnoch der Produktivitätsanstieg beiVerhandlungen über Lohnerhöhungenberücksichtigt werden soll. Die Arbeitszeitsoll ausgeweitet werden. Betriebsvereinbarungensollen Vorrangvor Tarifverträgen haben.bewegen | Der in der Öffentlichkeitpolitisch eher zurückhaltende Vorstandsvorsitzendeder Deutschen PostAG hat jetzt, kurz vor der Bundestagswahl,diese bisher geübte Zurückhaltungaufgegeben. Unter der Überschrift„Mehr Arbeit für Deutschland“werden eine ganze Reihe von Vorschlägengemacht. Überrascht das?Rolf Büttner | Natürlich kann sich jederMensch öffentlich äußern, seineMeinung sagen. Auch ein Top-Manager.Wenn sich jedoch jemand inseiner Eigenschaft als Vorstandsvorsitzenderäußert, der Verantwortung für380 000 Mitarbeiter im Konzern trägtund über die Presse einen radikalenKurswechsel samt gravierender Auswirkungenfür die bei ihm beschäftigtenArbeitnehmerinnen und Arbeitnehmerankündigt, dann hat das schoneine Qualität, die nicht unbeantwortetbleiben sollte.Der Postchef bringt sich mit seiner Personund Funktion in die Debatte umeine andere Republik ein. Er will einenSystemwechsel zu Lasten der Arbeitnehmerinnenund Arbeitnehmer. Wirwerden uns damit auseinandersetzenund unsere Mitglieder in den Postbetriebenzu jedem einzelnen Vorhaben,das ihnen in die Tasche greift, mobilisieren.Dem Betriebsfrieden dient dassicher nicht.Ich sehe im Übrigen nicht, dass durchnur einen der Vorschläge neue Arbeitsplätzeim Konzern geschaffen werden.Statt politische Programme zu entwerfen,die auf die Mitarbeiter wie eineUmverteilungsorgie zu ihren Lastenwirken, sollte der Vorstand sich lieberauf seine ureigensten Hausaufgabenkonzentrieren. Probleme gibt es genug:Managementfehler bei DHL inden USA mit horrenden Verlusten,Qualitätseinbußen in europäischenSchlüsselländern, Wegbrechen vonGroßkunden in Deutschland. Das alleskostet Geld. Am Ende zahlen die Mitarbeiterdie Zeche. Mehr Energie aufdiese Aufgaben zu verwenden, dasschafft Arbeitsplätze.bewegen | Gefordert wird, dass derTarifvorrang im Betriebsverfassungsgesetzersatzlos entfallen soll. EinemWettbewerb zwischen Betriebsvereinbarungenund Tarifverträgen wird dasWort geredet. Tarifverträge sollen nurgelten, wenn es keine Betriebsvereinbarungengibt. Schafft das mehr Arbeit?Rolf Büttner | Willkommen im Klassenkampf.Die Tarifautonomie wirddamit abgeschafft. Allein diesen Vorschlaggesetzlich regeln zu wollen,wird dazu führen, dass wir unser sozialesFreiheitsrecht – die Tarifautonomie– mit allen Mitteln verteidigen werden.Auch mit betrieblichen Aktionen. Dievon Gewerkschaftsgenerationen erstritteneTarifautonomie werden wirnicht kampflos preisgeben.Bisher wurde auf gleicher Augenhöheverhandelt. Wer verschweigt, dassden Betriebsräten ein Durchsetzungsinstrument– nämlich das Streikrecht –nicht gegeben ist, der will die Betriebsräteund die Beschäftigten zu Bittstellernmachen. Ich kann mir beim bestenWillen nicht vorstellen, dass auch nureiner der rund 2700 Betriebsräte imKonzern der DPWN da mitmacht undsich auf das Betteln beschränken wird.Wer Betriebsräte für Lohnverhandlungenzuständig macht, kann ihnen dasStreikrecht nicht verwehren. Ein Dauerkonfliktin den Betrieben des Postkonzernsist vorprogrammiert. Die Aktionärewerden begeistert sein.Alle großen Organisationsmaßnahmender Post von der Behörde zum Weltkonzernwurden von uns tarifpolitischbegleitet. Maßgeschneiderte, auf diejeweiligen Anforderungen bezogeneTarifverträge haben diesen Prozess sozialverträglichbegleitet. Bis vor wenigenWochen ist das vom Postvorstandin seinen Veröffentlichungen als Erfolggefeiert worden. Dass die ver.di-Mitgliederim Konzern jetzt durch solcheVorschläge provoziert werden, kannich mir nur als vorauseilende Ergeben-6 09-10/2005 | ver.di


bewegen | POSTKONZERNheitsadresse an Herrn Westerwelle erklären.Oder aber man will damit einenKurswechsel beim sozialen Dialog imPostkonzern einleiten. Wohlan! DieseKampfansage nehmen wir an.Außerdem muss auch der Postvorstandein Interesse daran haben, dass möglichstalle Unternehmen der Branchetarifgebunden sind, damit der Wettbewerbim Post-, KEP- und Logistikmarktnicht über Sozialdumping, sondernüber Qualität, Innovationen und Investitionenausgetragen wird. Auf denletzten Betriebsräteversammlungenwar das auch verkündete Sichtweisedes Postvorstands. Die Motive desKurswechsels sind mir völlig unklar. DiePost wird im Wettbewerb gegen Stundenlöhnevon 3 bis 4 Euro bei anderenUnternehmen selbst bei bester Qualitätnicht mithalten können. Mit derLogik „Der Billigste gewinnt“ landenwir doch am Ende bei der Kinderarbeit.Darum sollten wir, ver.di, bei unseremEngagement für einen gesetzlichenMindestlohn unterstützt werden. DieVorschläge schaffen keine neuen Arbeitsplätzebei der Post. Nur betrieblicheUnruhe.Im Übrigen gilt für unsere Lohnpolitik:Wir werden unseren Kurs, den wir seit2002 eingeschlagen haben, fortsetzen.Am 30. April 2006 endet die Friedenspflicht.Wer dann etwas Neues gegendie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmerdurchsetzen will, muss sich mituns streitig auseinandersetzen.bewegen | Weil die Lohnnebenkostenin Deutschland zu hoch seien,wird vorgeschlagen die Sozialsystemeumzubauen. Durch eine Erhöhung derMehrwertsteuer, den Wegfall derPendlerpauschale und der Steuerfreiheitder Nacht-, Schicht- und Feiertagszuschlägesoll dieser Umbau unter anderemfinanziert werden. Was ist davonzu halten?Rolf Büttner | Wären die Lohnnebenkostenin Deutschland zu hoch, wärenwir nicht wettbewerbsfähig. Von Jahrzu Jahr sind wir Exportweltmeister.Also an den zu hohen Löhnen liegtdas sicher nicht. Richtig ist, dass versicherungsfremdeLeistungen, die überdie Sozialversicherung bezahlt werden,umfinanziert gehören. Auch dieKosten der Wiedervereinigung, die diedamalige Kohl-Regierung aus den Sozialkassenstatt über Steuern finanzierthat, gehören zurückerstattet.Die von Dr. Zumwinkel gemachten Vorschlägeführen im Kern dazu, das Solidarprinzipabzuschaffen. Den Schwachenwird mehr aufgebürdet als denStarken. Ein Vorstand, der ausweislichdes Geschäftsberichts 2 290 187 Euroim Jahr erhält, der kann einer Abkehrvom Solidarprinzip gut das Wort reden.Ein Briefträger, der 91 Jahre arbeitenmuss, um an dieses Jahresgehaltannähernd ranzukommen, braucht fürsich und seine Familie eine Bürgerversicherung.In Wahrheit geht es doch darum, dasssich die Arbeitgeber aus der solidarischenFinanzierung der Sozialsystemeherausstehlen wollen. Die Vorschlägezur Finanzierung über eine Mehrwertsteuererhöhungauf 20 Prozent, denWegfall der Pendlerpauschale und derSteuerfreiheit für Zuschläge zeugenvon sozialer Kälte. Diese Vorschlägebedeuten für einen verheirateten35-jährigen Briefzusteller mit zweiKindern, der 25 km zur Arbeit fährt,eine Minderung des Jahreseinkommensum 457,19 Euro. Bei einer Verteilerinim gleichen Alter, mit gleicherKinderzahl und gleichem Anfahrtswegsind das bei 38,5 Stunden Nachtarbeitpro Woche 1072,92 Euro im Jahr.Das Jahresnetto sinkt um 7,71 Prozent.Da es nur noch eine Grundversorgungin der Krankenversicherunggeben soll, kommen die Beträgefür Zusatzversicherungen noch obendrauf. Das wird die Beschäftigten indie Armut treiben. Mit ver.di ist dasnicht zu machen.Und zum Thema Renteneintrittsaltererhöhen: Dieser Vorschlag ergänzt sichprima mit der Forderung nach einerErhöhung der Wochenarbeitszeit. Ichfrage mich ernsthaft, wer denn schonbei dem heutigen Leistungsdruck alsBriefzusteller noch mit 67, 70 Jahrendie Post austragen kann. Wenn keinermehr das Rentenalter erreicht, kannman die Probleme auf diese Weise natürlichauch regeln. Unser Weltbild inWürde alt werden zu können ist dasnicht.bewegen | Eine reduzierte Einkommenssteuersoll Geld in die Taschen derArbeitnehmerinnen und Arbeitnehmerbringen. Ist das realistisch?Rolf Büttner | Ich bin sehr gespannt,was da noch alles an Steuersätzen vorgeschlagenwird. Wenn man den durchden Steuerexperten der Union, PaulKirchhof, in die Debatte eingebrachteneinheitlichen Steuersatz von 25 Prozentanstrebt, wird es zum Beispiel fürden Fahrer kaum was geben. Dafüraber für den Manager. Um bei meinemGehaltsbeispiel von vorhin zu bleiben:Die Senkung des Spitzensteuersatzesvon 42 Prozent auf 25 Prozent bringtdem Postvorstand 389 331,79 EuroEntlastung pro Jahr. Das bringen 1798Briefzusteller auf, weil ihnen die Pendlerpauschalegestrichen wird – oderdas bringen 1174 Verteilkräfte auf,weil ihnen die Steuerfreiheit derNachtzuschläge gestrichen wird. Dassoll sozial gerecht sein? Neue Arbeitsplätzebei der Post schafft das auchnicht.bewegen | Vorgeschlagen wird eineweitgehende Arbeitszeitflexibilisierungzur Schaffung von Arbeitsplätzen. Wasist dazu zu sagen?Rolf Büttner | Es gibt eine Vielzahlvon Flexibilisierungsinstrumenten inunseren Tarifverträgen. Dort, wo es imbeiderseitigen Interesse liegt, werdenwir uns auch künftig nicht verschließen.Doch wenn man uns in der elementarenFrage der Tarifautonomiederart angreift – warum sollen wir,ver.di und die 2700 Betriebsräte imKonzern, uns noch um Konsens bemühen?Im Übrigen sehe ich im Moment keinenaktuellen Handlungsbedarf. Als dasPostmanagement den Paketdienst gegendie Wand gefahren hat, haben wirdie Hand zu einem Sanierungsvertraggereicht. Wir haben uns zu einer weitgehendenfreiwilligen Arbeitszeitflexibilisierungentschlossen, um Kündigungenzu vermeiden. Das Managementwollte die Sache bis Ende 2006wieder in Ordnung bringen. Daher istauch der Vertrag befristet. Ebenso istder Ausschluss von betriebsbedingtenBeendigungskündigungen bis zum31. März 2008 befristet. Ich bin festentschlossen, alles daran zu setzen,dass es auch nach diesem Datum keineEntlassungen gibt. Das setzt voraus,dass wir mit unserer bewährten Tarifautonomieauf gleicher Augenhöheverhandeln. Zumwinkel, Merkel undWesterwelle wollen das ändern. Beider Bundestagswahl am 18. September2005 werden dazu die Weichengestellt. Ich empfehle wählen zu gehenund unsere sozialen Freiheitsrechte zuverteidigen.ver.di | 09-10/2005 7


bewegen | KEP-BRANCHENeue AusbildungsberufeDie Logistikbranchebrauchte neue Ausbildungskonzepte.Denn bislanggab es noch keineKEP-Branchenausbildung,sondern nur betriebsbezogeneAusbildungsberufe.TNT Logistics InnightStandortschließungen und EntlassungenEnde Juni 2005 informierte TNT LogisticsInnight GmbH & Co. KG mit 880Beschäftigten in Deutschland den Gesamtbetriebsrat(GBR) über Reorganisationsmaßnahmenim Unternehmen.Überraschend stellte der Arbeitgebereinen Masterplan über Standortschließungenund Zusammenlegungen vonStandorten vor. Weiter soll der Kundenservicevon 12 auf 4 Stationen reduziertwerden. Geplant sind bisher 32Entlassungen.Der GBR bezweifelt die Zahl der geplantenEntlassungen, denn mehrfach8 09-10/2005 | ver.diSeit mehreren Jahren war ver.di politischaktiv, um innerhalb der KEP-Branchezwei neue Ausbildungsberufe einzurichten.Begründet dadurch, dasssich die bisherigen AusbildungsberufeFachkraft für Brief- und Frachtverkehr(FBF) und Postverkehrskaufmann/-frau(PVK) ausschließlich auf die DeutschePost AG (DP AG) bezogen und außerhalbdieses Arbeitgebers nicht zur Anwendungkommen konnten. Gleichzeitigwar es Ziel, das Modell der Stufenausbildungzu überwinden. In diesemZusammenhang forderte ver.dieine dreijährige Ausbildungsdauer. DerVerwendungsbereich des einen Ausbildungsberufeswar auf den operativenund der andere auf den kaufmännischenBereich ausgerichtet.Im Neuordnungsverfahren gelanges nicht, den Gesetzgeber von der Notwendigkeitzu überzeugen, die Dauerbeider Ausbildungsberufe auf dreiJahre festzulegen. Arbeitgeber und dieBildungsministerin setzten ihre Auffassungdurch, dies ausschließlich derkaufmännischen Ausbildung zuzubilligen.Damit wurde erstmals in der Geschichteder Bundesrepublik das Konsensprinzipgebrochen, wonach alleBildungsregelungen nur in Übereinstimmungzwischen Gesetzgeber, Gewerkschaftenund Arbeitgeber umgesetztwerden können. Mit der Konsequenz,dass die Ausbildungsverordnung, derRahmenplan, der Rahmenlehrplan unddie sachliche und zeitliche Gliederungder Ausbildung zur Fachkraft für Kurier-,Express- und Postdienstleistungen(FKEP) ohne gewerkschaftlicheEinflussnahme erstellt wurden.Beim Ausbildungsberuf Kaufmann/Kauffrau für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen(KKEP) stellt sich dieAusgangslage anders dar. ver.di waram Neuordnungsverfahren beteiligt,übte somit wesentlich Einfluss auf dieNeugestaltung aus. Eine erheblicheVerbesserung zur Vorläuferausbildungbesteht in der Verstärkung des kaufmännischenTeils. Die Ausbildung imVertrieb erhielt eine größere Bedeutungund Kundenorientierung sowieQualitätsarbeit stehen mehr im Fokus.Mit der Veröffentlichung der Verordnungenim Bundesgesetzblatt vom22. März 2005 (BGBl. Teil I Nr.18) könnennunmehr alle Unternehmen derBranche ausbilden.Einführung der neuen Ausbildungenbei der DP AGDiese Veröffentlichung erfolgte spät,sodass die Ausbildungskonzepte fürdie Deutsche Post AG erst zeitverzögerterstellt wurden. Erst Ende April/änderte der Arbeitgeber diese. Auf Anfragedes GBR erklärte er, dass es sichum Schätzungen handeln würde undnoch nicht um die genauen Zahlen.ver.di hält dieses Spiel mit Existenzenfür unzumutbar. Eine ernsthafteDebatte über die Zukunft des Unternehmenswäre notwendig. Das entsprichtauch den Verlautbarungen derPräsentationsbroschüre des Unternehmens,die die Förderung wie auch dieZufriedenheit der eigenen Mitarbeiterals zentrale Werte bezeichnet, alsVoraussetzung für die herausragendeAnfang Mai lagen diese dem Gesamtbetriebsratund der Gesamt-JugendundAuszubildendenvertretung vor.Bei der Bewertung der Konzepte orientiertensich beide Gremien stark an derVorgabe des Ausbildungspakts zwischenver.di und dem Konzern, wonachdie Qualität der Ausbildung verbessertwerden soll.Bei der Aufnahme der Verhandlungenstellten die Arbeitnehmervertreterfest, dass die vorgelegten Konzepteund die zur Umsetzung erforderlichenEinführungsanweisungen zum KKEPund zur FKEP im Wesentlichen auseiner Grobüberarbeitung der bisherigenFBF- bzw. PVK-Konzepte und derenAnweisungen bestanden. Zudemkonnte von einer qualitativen Verbesserung,wie im Ausbildungspakt vereinbart,keine Rede sein: So sollte dieGruppengröße der AuszubildendenFKEP von 8 bis 10 auf 15 erhöht und inbeiden Ausbildungskonzepten die Seminartagedeutlich gekürzt werden.Nicht mehr vorgesehen waren die Arbeits-beziehungsweise Lernaufträge.In mehreren Verhandlungen konnteerreicht werden, dass diese qualitativenVerschlechterungen im Wesentlichenzurückgenommen wurden, sodassder Gesamtbetriebsrat und dieGesamt-Jugend- und Auszubildendenvertretungden Ausbildungskonzeptenihre Zustimmung erteilten und die Ausbildungenzum 1. August 2005 bei derDeutschen Post AG eingeführt wurden.Thorsten KühnQualität der eigenen Dienstleistungen.Im August 2005 trafen sich GBRund Arbeitgeber zur ersten Verhandlungzum Thema Kundenservice. AlleVorschläge des GBR erklärte der Arbeitgebervon vornherein als nichtdurchführbar, die Verhandlungen alsgescheitert und seine Absicht, die Einigungsstelleeinzusetzen. Ungeachtetdieses nicht kompromissbereiten Vorgehensdes Arbeitgebers werden derGBR und ver.di sich weiter um Gesprächebemühen, mit dem Ziel des Erhaltsder Arbeitsplätze. Thomas Wenzel


bewegen | SPEDITIONEN„Kalt erwischt“ – Ein Krimiaus der TransportbrancheAn einem etwas abgelegenen Kühlhausim Kölner Großmarkt wird der KölnerLkw-Fahrer Welscher beim Entladen seinereiligen Fracht spanischer Melonenvon seinem eigenen Kühlzug an dieRampe gedrückt und stirbt einen qualvollenTod. Laut dem Temperaturschreiberdes Thermo King wurden die Türendes Aufliegers genau um 22.23 Uhr geöffnet.Da die Handbremse der Sattelzugmaschinegelöst und der rumänischeBeifahrer verschwunden ist, deutetvieles auf einen tragischen Unfall mitFahrerflucht hin. Doch HauptkommissarGerber von der Kölner Kriminalpolizeiglaubt nicht an einen Fall für die Berufsgenossenschaft.Denn gegenüber demLagermeister hatte Welscher kurz vorherbehauptet, seine Spedition würdeihn massiv unter Druck setzen, weil ereinen Betriebsrat gründen und diePresse informieren wollte. Dazu hatWelscher noch versucht, im Todeskampfeine Botschaft zu hinterlassenund mit einem Kuli die Buchstaben RUauf seine linke Handfläche geschrieben.Gerber beruft eine Mordkommissionein und nimmt zusammen mitdem jungen Kriminalkommissar Breitbachdie Ermittlungen bei der ehemaligenKölner Spedition Fischer auf, dieerst zu Jahresbeginn an einen europaweitenLogistikkonzern verkauft wurde.Gerber, durch einen tödlichen Lkw-Unfall seiner Familie ohnehin traumatisiert,stößt dabei auf sehr fragwürdigePraktiken mit rumänischen Praktikantenund eine zunehmende wirtschaftlicheSkrupellosigkeit im europäischenStraßengütertransport, die im Zugeder EU-Osterweiterung buchstäblichgrenzenlos geworden ist. (KBV-Verlag,189 Seiten, 8,90 Euro.)Zum Autor: Jan Bergrath arbeitetals freier Journalist mit dem SchwerpunktTransport und Logistik für zahlreicheeuropäische Fachzeitschriften.Verlosung: 10 Bücher / Hör-CDswerden verlost. Einfach Postkartemit dem Stichwort „Kalt erwischt“bis zum 30. September an: verdi-Bundesverwaltung, Fachbereich Postdienste,Speditionen und Logistik,Redaktion bewegen, 10112 Berlinsenden. Die Gewinner werden in dernächsten Ausgabe veröffentlicht.ANZEIGEver.di | 09-10/2005 9


KEN“ wird ab dem 10. Oktober 2005eine Aktionswoche durchgeführt, inder auch das stationäre Personal derBranchen Personenverkehr, Straßengütertransportsowie Kurier-, ExpressundPaketdienste angesprochen werdensoll. Stärkere Aufmerksamkeit giltdabei den multinationalen Betreibernin den Branchen. Mit ihrer wachsendenBeherrschung der Märkte diktieren sieimmer stärker die Bedingungen in denBereichen und damit für die dort Beschäftigten.Kleinbetriebe und Mittelständlergeraten zunehmend in ihre Abhängigkeitund finden sich in einem ruinösenWettbewerb wieder, der kaum nochüberlebenswerte Erträge zulässt. Anstattvon den Kunden und Transportbewegen| SPEDITIONENGemeinsam für bessere Arbeitsbedingungenin der Branche.InternationalerAktionstag des FahrpersonalsFoto: ver.diAm 10. Oktober 2005 wird der Aktionstag der SektionStraßentransport der Internationalen Transportarbeiter-Föderation(ITF) zum neunten Mal stattfinden.Seit 1997 ist er ein medienwirksamer Höhepunktder Kampagne „Übermüdung tötet“. Daran nehmenjährlich weltweit rund 250 000 Mitglieder aus demBereich des Straßentransports teil.ver.di war von Anfang an bei der Gestaltungder Aktionstage in Mitteleuropamaßgeblich beteiligt. Aktivitäten imBinnenland gehörten ebenso dazu, wieviele gemeinsame Veranstaltungen mitausländischen Kollegen an den GrenzenDeutschlands. Schon vor Jahrenbegann ver.di, nicht nur das Fahrpersonalsondern sämtliche Beschäftigte derBranchen einzubeziehen und Aktivitätenüber den Aktionstag hinaus auszuweiten.Im Blickpunkt der Aktionen– die Multis der BrancheDieser Vorgehensweise folgt in diesemJahr die Sektion Straßentransport. Unterdem Motto „GLOBAL ORGANISIE-REN – DURCHSETZUNGSKRAFT STÄR-10 09-10/2005 | ver.di


bewegen | SPEDITIONENmultis auskömmliche Preise zu verlangen,ist als fragwürdige Überlebensstrategieeine Kostensenkung durchkontinuierliche Verschlechterung derArbeitsbedingungen zu beobachten.Im Visier der Arbeitgeber –Ende der voll bezahltenArbeitsbereitschaft …Inzwischen wurde zwar in der EuropäischenUnion (EU), auch durch denDruck der Aktionstage, die Arbeitszeitrichtliniefür das bis dahin ausgenommenemobile Personal im StraßentransportEG/2002/15 verabschiedetsowie die kurz vor der Verabschiedungstehende Neuregelung der Sozialvorschriftenfür das Fahrpersonal EWG/VO 3820/85 auf den Weg gebracht.Aber neben Verbesserungen zumSchutz der Beschäftigten enthaltenbeide auch bittere Pillen.Die bisher in vielen EU-Staaten geübtePraxis und die Regelungen derallgemeinen Arbeitszeitrichtlinie EG/2003/88 besagen, das die zur Verfügungdes Arbeitgebers verbrachteBereitschaftszeit der Arbeitszeit zuzurechnenist.Wegen „Unbezahlbarkeit“ und zu„kurzer“ Einsatzzeiten wurden unteranderem in der ArbeitszeitrichtlinieEG/2002/15 Bereitschaftszeiten aufgeteiltin Bereitschaftszeiten, die derArbeitszeit zuzurechnen sind sowieBereitschaftszeiten, die von der Arbeitszeitausgenommen werden.Neben der Tatsache, dass die meistenStaaten der EU – einschließlichDeutschland – die ArbeitszeitrichtlinieEG/2002/15 nicht fristgemäß bis zum23. März 2005 in nationales Rechtumsetzten, wird bei den Tarifverhandlungender Druck der Arbeitgeberspürbar, die ausgenommenen Zeitenauszuweiten und sie entweder garnicht oder nur anteilig zu bezahlen.… und erhöhte Verfügbarkeitam ArbeitsplatzWas wie eine Ausnahme nur für dasschon schlechter gestellte Fahrpersonalaussieht, entpuppt sich bei genauemHinsehen als erster Schritt, dieallgemeine Arbeitszeitrichtlinie EG/2003/88 in diese Richtung zu verändern.Der zurzeit vom EU-Ministerratund Parlament diskutierte Entwurfsieht vor, die Arbeitszeit in aktive undinaktive Blöcke mit unterschiedlicherBewertung aufzuteilen. Das wäre dasEnde der voll bezahlten Arbeitsbereitschaft.Gleichzeitig wäre für alle Bereichemit schwankenden Auslastungeneine Erhöhung der Verfügbarkeitszeitenam Arbeitsplatz zu befürchten.Rat, Regierungen und Parlamentescheinen offenbar bereit zu sein, sichals willfährige Werkzeuge der Arbeitgebermissbrauchen zu lassen.Bereits heute ist es gängige Praxis,Gesetze und Verordnungen zumSchutz der Beschäftigten im Bereichder Arbeitszeit zu lasch zu kontrollierenbeziehungsweise Verstöße viel zugering zu bestrafen. Durch die angestrebteRahmenregelung aus Brüsselbräuchten sich in Zukunft die Arbeitgeberbei geschickter Planung kaumnoch Sorgen zu machen, mit den Vorschriftenin Konflikt zu geraten.Überlange Abwesenheitszeiten vonzu Hause, denen kein wirklich planbaresEinkommen mehr gegenüber stehtsowie unabsehbare Gesundheitsrisikenwären zu erwarten. Faktoren, diebeim Fahrpersonal längst zum belastendenund unerträglichen Alltag gewordensind.Damit geht das Thema „Übermüdungtötet“ alle an. Wenn erst einmaldie gesetzlichen Rahmenbedingungenverändert sind, können bessere tarifvertraglicheRegelungen nur noch gehaltenoder durchgesetzt werden,wenn die Machtverhältnisse stimmen.Die Verteidigung und Gestaltung vonArbeitsbedingungen, die längst in einemweltweiten Wettbewerb stehen,lassen sich nur durch aktives Einmischenerreichen. Deswegen kann esnur heißen: mitmachen bei der diesjährigenAktionswoche „GLOBAL ORGA-NISIEREN – DURCHSETZUNGSKRAFTSTÄRKEN“.Peter BaranowskiHaftstrafe für Spediteurenach tödlichem Lkw-UnfallKnapp zwei Jahre nach einem tödlichenLastwagenunfall sind zweiSpediteure vom Amtsgericht Erlangenwegen fahrlässiger Tötung zuHaftstrafen verurteilt worden. EineStrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.Die Transportunternehmermit Firmensitzen in Nürnberg undSchwarzenberg bei Chemnitz hattenihre Fahrer nach Überzeugung desGerichts zu Lenkzeit-Überschreitungengenötigt. Der 59-jährige Seniorchefmuss für zwei Jahre und dreiMonate ins Gefängnis. Er erhielt zudemvier Jahre Berufsverbot. Gegenseinen 37-jährigen Sohn, der als Geschäftsführerfungierte, verhängtedas Gericht 15 Monate auf Bewährungsowie eine Geldauflage von5000 Euro.Im August 2003 hatte ein völligübermüdeter Fahrer des Familienunternehmensnach 30-stündigerNon-Stopp-Fahrt auf der AutobahnA 3 Würzburg – Nürnberg einen Unfallmit zwei Toten verursacht. DerAmtsrichter sprach die beiden Spediteureder fahrlässigen Tötung sowieder Anstiftung zum gefährlichen Eingriffin den Straßenverkehr schuldig.Der Vater wurde härter bestraft, weiler in der Firma das Sagen gehabthabe und die Touren plante.Der Todesfahrer war bereits imvergangenen Jahr zu einer Freiheitsstrafevon 12 Monaten auf Bewährungsowie 18 Monaten Führerscheinentzugverurteilt worden. Der34-Jährige war bei dem Unfall inHöhe Erlangen ungebremst auf einenKleinbus aufgefahren, der nach einerPanne vorschriftsmäßig abgesichertauf dem Seitenstreifen stand. Die beidenMitarbeiter eines Ingenieurbüroswurden von dem Lastwagen erfasstund 20 Meter durch die Luft geschleudert.Beide starben noch an derUnglücksstelle.Die Touren waren nach Darstellungdes Staatsanwalts so geplant,dass die Fahrer die vorgeschriebenenRuhepausen von vornherein nichteinhalten konnten. Mitarbeitern, diegegen die Anordnungen ihres Seniorchefsaufbegehrt hätten, sei mit Kündigunggedroht worden. Der Staatsanwalthatte für den Seniorchef zweiJahre und zehn Monate Haft gefordert,für den Sohn zwei Jahre auf Bewährung.Das erstinstanzliche Urteil ist nochnicht rechtskräftig.(dpa)ver.di | 09-10/2005 11


bewegen | SERVICETERMINEBERLIN: BeG Senioren Reinickendorf/Wedding, FB 1, 9, 10, Treffen,26. Oktober, 15 Uhr, Sportcasino Wackerplatz, Wackerweg 26.BeG Senioren Pankow/Weißensee/Prenzlauer Berg, Sprechstd., 3.Donnerstag im Monat, 15 – 16 Uhr, Rathaus Weißensee, Raum101, Berliner Allee 252/256.BICKELHEIM: FB 10, Rheinland-Pfalz/Saar, Sprechstunde, 1. Dienstagim Monat, 19 – 22 Uhr, Autohof Gau Bickelheim.BOCHUM: BeG Senioren Post, Stammtisch, 19. September, 28. November,15 Uhr, Haus der Begegnung, Alsenstr. 19 a.BOTTROP: BeG Senioren FB 9, 10, Stammtisch, 1. Montag im Monat,17.30 Uhr, Gaststätte Hürter, Gladbecker Str. 19 A.BRAUNSCHWEIG: OV Senioren FB 9, 10, Sprechstd., jd. Donnerstag,9 – 11 Uhr; Seniorentreffen, 2. Montag im Monat, 15 Uhr; Treffpunktjüngerer Senioren, letzter Dienstag im Monat, 15 Uhr, Viewegstr.30, Tel. 05 31/7 55 69, DPG-Braunschweig@t-online.de.BREMEN: OV Senioren FB 9, 10, Treffen, 1. Dienstag im Monat,DGB-Haus, Bahnhofsplatz.CASTROP-RAUXEL: BeG Postsenioren, Stammtisch, jd. Dienstag,10.30 Uhr, Gaststätte „Zum Bus“, Im Ort 11.DORTMUND-LÜNEN: BeG Senioren FB 10, Sprechstd., letzterDienstag im Monat, 10 – 12 Uhr, ver.di-Haus, Königswall 36.DÜSSELDORF: BeG Postsenioren, Stammtisch, 2. Dienstag im Monat,14 Uhr, Goldener Kessel (Schumacher Altstadt).ESCHWEGE: BeG Senioren FB 9, 10 und aller anderer FB, Info-Veranstaltung,22. September, 14 Uhr, Gaststätte Rost, Eschwege-Niddawitzhausen.ESSEN/MÜLHEIM: BeG Senioren, Stammtisch, 2. Mittwoch im Monat,10.30 Uhr, Gaststätte Schröder, Schäferstr. 17.GIESSEN: OV „Sped/KEP/Log“, 1. Mittelhessische Transportmesse,8. Oktober, 10 – 17 Uhr, Bürgerhaus Gießen-Allendorf, Vorträgeund Diskussionen rund um den Straßengütertransport.HAGEN: BeG Senioren FB 10, Info-Nachmittag, 21. September,15 Uhr, AWO-Altentagesstätte Altenhagen, Frauenhoferstr. 18.IDAR-OBERSTEIN: BeG Senioren FB 9, 10, Sprechstd., 1. Montag imMonat, 14 – 16 Uhr, Hilfe zur Steuererklärung, Voranmeldung Tel.0 67 85/1 74 44 oder 01 71/2 63 41 53, DGB-Haus, Wilhelmstr. 25.KAISERSLAUTERN: BeG Senioren FB 9, 10, Fahrt nach SpeyerSchifffahrt in den Altrheinauen, Abschluss in Geinsheim, 19. Oktober, Abf. 12 Uhr Hbf/Messeplatz, Anmeldung Tel. 06 31/7 02 84.KIRCHHEIM: BeG Senioren, Stammtisch, 3. Mittwoch im Monat,15 Uhr, Gaststätte Hasenstall, Kleintierzuchtverein, Siechenwiesen1– 9.KOBLENZ: Bezirksfachbereich 10, Vertrauensleutekonferenz, Referent:Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach, 14. September, 17 Uhr, Hotel„CONTEL“, Pastor-Klein-Str. 19, Koblenz.LÜDENSCHEID: OV Lenne/Volme FB 10, Sprechstd., 1. Freitag imMonat, 15 – 17 Uhr, Frachtbüro, Postamt, Tel. 0 23 51/17 83 53.MAGDEBURG: BeG Senioren FB 9, 10 Sachsen-Anhalt Nord,Sprechstd., 1. und 3. Dienstag im Monat, 10 – 12 Uhr und 14 – 16Uhr, Haus der DeTeImmo, Raum 143, Carl-Miller-Str.MANNHEIM: BeG Postsenioren, Monatstreff, 10. Oktober, 7. November,14 Uhr, Clubhaus ESC Blau Weiß Mannheim.MAYEN: Sprechstd. für alle DGB-Mitglieder, jd. Montag, 16 – 18Uhr, Gebäude der DAA, Hahnengasse 4; jd. Mittwoch, 9.30 –11.30 Uhr, Gebäude Bhf Mayen Ost.MÜNSTER: BeG Senioren FB 1, 9, 10, Info-Nachmittag, 10. Oktober,7. November, 15 Uhr, Casino Telekom, Dahlweg 100; Besuchder Stadtwerke Münster, 18. Oktober, 16 Uhr.NÜRNBERG: BeG Senioren FB 1, 9, 10, Versammlung, Thema: Heilkräuter,6. Oktober, 14.30 Uhr, M.-Hermann-Platz; Weinfahrt, 13.Oktober, 9 Uhr, Abfahrt Langwasser Süd.REMSCHEID: BeG Senioren, Fahrt zum Weihnachtsmarkt nach Köln,7. Dezember, Abfahrt 12 Uhr Radevormwald, 12.20 Uhr Wermelskirchen,12.45 Uhr Remscheid, 13 Uhr RS-Lennep, Anmeldungenbei Willi Bures, 0 21 91/38 62 65, W.Bures@t-online.de.REUTLINGEN: BeG Senioren, Stammtisch, 2. Donnerstag im Monat,14.30 Uhr.ULM: BG Versorgungsempfänger Post und Telekom, Monatstreff,6. Oktober, 3. November, 14.30 Uhr, Söflingen, „Krone“.WORMS: BeG FB 10, Stammtisch, 1. Mittwoch im Monat, 15 – 17Uhr; Seniorensprechstd. ab 14.30 Uhr, „Alte Schule“, Neuhausen.WÜRZBURG: BeG Senioren FB 9, 10, Versammlung, 6. Oktober,13.30 Uhr, „Luisengarten“; Fahrt nach Trabelsdorf (Fischessen),19. Oktober, Abfahrt 13 Uhr, Bismarckstraße; Seniorenwandergruppe,jd. Mittwoch, Infos unter Tel. 09 31/7 69 19.12 09-10/2005 | ver.diANZEIGE

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine