Entdeckerpaket für Grundschulen - Overbeck-Museum

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Entdeckerpaket für Grundschulen - Overbeck-Museum

Entdeckerpaket für Grundschulen


Informationen zum Overbeck-MuseumDas Overbeck-Museum ist besonders gut für junge Erstbesucher geeignetBei uns geht es ruhiger zu als in den großen Museen, unsere Ausstellungsräumeund die Anzahl der Bilder bleiben überschaubar. SchülerInnen bietet das die Chance,sich intensiv und ablenkungsarm auf die gezeigten Kunstwerke einzulassen. UnsereRäumlichkeiten erleichtern Ihnen die Aufsicht und ermöglichen eine schnelleOrientierung. Dadurch ist eine direkte, aktive Annäherung an Kunst möglich.Wie ist das Museum erreichbar?Sie erreichen das Museum vom Bahnhof Vegesack aus in 5-10 Gehminuten.Ins Museum gelangen Sie über den Hof durch denselben Eingang wie zum KITO,durch den Vorraum links geht es zur Treppe nach oben, die Kasse befindet sich imersten Stock. Nach oder vor dem Museumsbesuch lädt der nur 5 Gehminutenentfernte Spielplatz am Vegesacker Museumshafen zu einer Pause und zumAustoben ein.3


Welche Verhaltensregeln müssen im Museum beachtet werden?Auch wenn wir auf Glasscheiben oder Abstandslinien verzichten, beherbergen wirwertvolle Originale, die bei Beschädigung den Verlust unwiederbringlicherkunsthistorischer und finanzieller Werte bedeuten. Bitte machen Sie dies IhrenSchülerInnen deutlich und besprechen Sie mit Ihnen grundlegende Verhaltensregeln:- Schirme, Jacken, Taschen und Rucksäcke bitte an die Garderobe hängenoder beim Museumspersonal abgeben. Auch Essen und Trinken bitte an derGarderobe lassen.- Die Kunstwerke dürfen nicht angefasst werden, weil sie das beschädigenkönnte. Am Besten immer einen Sicherheitsabstand von einem Metereinhalten – auch, wenn man auf etwas im Bild zeigen möchte.- In den Ausstellungsräumen langsam und leise bewegen, zum einen ausRücksicht auf andere Besucher, und zum anderen, um Unfälle oder dieBeschädigung von Ausstellungsstücken zu vermeiden.- Manche Räume im Museum sind sehr eng, hier ist besondere Rücksicht undVorsicht geboten. Nicht drängeln, nicht schubsen!- Auf den Boden setzten ist ausdrücklich erwünscht! So lässt es sich vielkonzentrierter und zugleich entspannter vor den Kunstwerken arbeiten undalle haben eine gute Sicht.- Die WCs befinden sich im ersten Stock im „Großen Saal“ sowie im zweitenStock im Ausstellungsraum- Wir haben kein Café, verkaufen in unserem Museumsshop aber Postkarten,Poster und BücherAuch wenn in den Ausstellungsräumen Aufsichtspersonal anwesend ist, denken Siebitte daran, dass die Aufsichtspflicht nach wie vor bei Ihnen liegt.4


Informationen zum EntdeckerpaketWie dieses Material funktioniert:Das Material ist in drei Blöcke gegliedert, die Sie auf den ersten Blick anhand derSymbole in der rechten oberen Blattecke erkennen:1. Unterrichtsmaterial und -ideen zur Vorbereitung des Museumsbesuchs undzum Kennenlernen der Künstler Fritz und Hermine Overbeck2. Material und Vorschläge für einen Ausstellungsrundgang mit Ihrer Klasse imMuseum3. Anregungen und Unterrichtsideen zur Nachbereitung desMuseumsbesuchsDie schriftlichen Informationen zu jeder Station des Rundgangs gliedern sich inpraktische Hinweise für Sie und in einen Teil mit didaktischen Informationen undVorschlägen zum konkreten Vorgehen.Im Anhang befinden sich die Kopiervorlagen und das Arbeitsmaterial mit Bildern, dieSie für den Vor- und Nachbereitungsunterricht sowie den Museumsbesuchbenötigen. Anders als in vielen großen Kunstsammlungen dürfen bei unsArbeitsmaterialien wie Bleistifte, nicht-flüssige Malmittel (Buntstifte oderWachskreiden) sowie Schreibunterlagen in die Ausstellungsräume mitgenommenwerden. Wir bitten Sie, die Materialien mitzubringen, die wir nicht bereitstellenkönnen.Für den Museumsrundgang steht vor Ort eine museumspädagogische Kinderkistebereit, in dem Sie alle Materialien finden, die für den spielerisch-entdeckendenRundgang benötigt werden: Puzzles, historische Fotografien, Künstlermaterial usw.Während der Öffnungszeiten können Sie gern kostenfrei die Kinderkiste zur eigenenVorbereitung bei uns einsehen. Bevor Sie mit Ihrer Klasse kommen, rufen Sie bittean, um die Kiste zum geplanten Besuchstermin zu reservieren. Bitte kontrollieren Siebei Abgabe die Vollständigkeit des Materials.Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11.00 - 18.00 Uhr.Kosten:1,50 € pro Schüler und 3 € pro begleitende Lehrkraft.Telefon: 0421 / 663 665Mail:info@overbeck-museum.de5


Anregungen zurVorbereitung desAusstellungsbesuchs6


1. Was ist ein Museum?Material:„Mitarbeiter im Museum“ (Kopiervorlage A)Didaktischer Kommentar:Unbekannte Orte machen neugierig, können aber auch verunsichern. Falls IhreSchülerInnen noch nie in einem Museum waren, sollten Sie die unten aufgelistetenAspekte mit ihnen besprechen. Die Darstellungen der Mitarbeiter eines Museumskönnen ausgemalt und von den Kindern beschriftet werden.Wer arbeitet im Museum?Direktorin:Wissenschaftlerin:Restauratorin:Bürokraft:Aufsicht:Hausmeister:Putzkraft:Museumspädagogin:Leitet das Museum und plant AusstellungenErforscht die Ausstellungsstücke im MuseumRepariert kaputte Ausstellungsstücke und sorgt dafür,dass alle Ausstellungsstücke so behandelt werden, dasssie nicht kaputt gehenBegrüßt die Besucher, kassiert den Eintritt und arbeitetim SekretariatPasst auf, dass nichts geklaut wird und dass sich alleordentlich benehmenHält das Gebäude in Ordnung und sorgt für die SicherheitHält die Toiletten und die Räume sauberBetreut Besuchergruppen und erklärt die AusstellungWelche Aufgaben haben Museen?- Museen sind das Gedächtnis der Gesellschaft: Das, was für Menschen vonBedeutung war/ist und daher nicht vergessen werden soll, wird gesammelt,bewahrt (d.h. sachgerecht aufbewahrt, restauriert und konserviert), erforschtund vermittelt – durch Ausstellungen, Veranstaltungsangebote, Führungenusw.- Kein Museum ist wie das andere. Jedes Museum hat ein eigenesSammelgebiet, auf das es sich spezialisiert hat.7


2. „Ferngläser“ herstellenMaterial:Leere Klopapierrollen (2 pro Kind), Tesakrepp-Band, Kordeln, Lochzange.Zum Gestalten: Farben, Buntpapiere o.ä.Didaktischer Kommentar:Die Ferngläser werden für den Ausstellungsbesuch benötigt.Das Schauen durch ein „Fernglas“ ist eine Methode zur intensiven Bildbetrachtung,mit der der Blick gezielt auf Einzelheiten (wie etwa Malweise und Farbauftrag)gerichtet werden kann. Das herbeigeführte ausschnitthafte Sehen hilft Kindern, sichvom Gesamteindruck eines Motivs zu lösen und neue Aspekte an einem Bildwahrzunehmen. Dies dient nicht nur der Schulung der Wahrnehmung, sondern istauch eine Übung zum genauen, konzentrierten, „langen“ Schauen und dient derspielerischen Sensibilisierung für Details und ihre Wirkungen.Die Herstellung eines persönlichen Fernglases als wichtiges Utensil eineszukünftigen Kunstforschers kann zusätzlich neugierig auf den Museumsbesuchmachen: Die SchülerInnen kleben mit Tesakrepp zwei Klopapierrollen zu einemFernrohr zusammen und verschönern dieses anschließend nach Belieben (Achtung:ggf. lässt sich das Kreppband nur schlecht mit Wasserfarben bemalen. Dann dasgesamte Äußere zuvor mit weißer Schultempera grundieren). Am oberen Rand wirdmit der Lochzange ein Loch gestanzt, durch das eine Kordel gezogen wird, damit die„Ferngläser“ während der Anreise und im Museum um den Hals gehängt werdenkönnen, sodass die SchülerInnen die Hände frei haben und niemand das Fernglasirgendwo vergisst.8


3. „Eine wahre Geschichte“Material:Eine wahre Geschichte (Kopiervorlage B)Wissensbasis für die Lehrkraft:Das Overbeck-Museum beherbergt als Stiftung den Nachlass des KünstlerehepaaresFritz und Hermine Overbeck. In der aktuellen Ausstellung „Farblandschaften“ ist eineAuswahl ihrer Werke in Kombination mit Werken des Delmenhorster Künstlers WilliOltmanns (1905 – 1979) zu sehen. Oltmanns ist ein Vertreter des Nachexpressionismusin Norddeutschland; seine Verbundenheit zur norddeutschen Landschaft alsMotiv bildet eine Parallele zum Werk von Fritz und Hermine Overbeck. AusgewählteAufgaben und kunstpädagogische Vorschläge führen die SchülerInnen spielerisch andie Worpsweder Kunst heran. Wir beginnen mit einer Geschichte über die MalerinHermine Overbeck-Rohte, deren Leben in vielerlei Hinsicht als typisch für dieMalerinnen gegen Ende des 19. Jahrhunderts gelten kann.Didaktischer Kommentar:Die Geschichte wird gemeinsam in der Klasse gelesen. Sie dient zum Kennenlernender Malerin Hermine Overbeck-Rohte. Die Geschichte kann als Ausgangspunktgenutzt werden, um über die Lebensumstände von Mädchen und Jungen, Männernund Frauen um 1900 zu sprechen.- Welche Wünsche und Zukunftsideen haben die SchülerInnen?- Wie denken die SchülerInnen über Hermines Leben?- Hätten sie immer genau wie Hermine gehandelt?- Sind die SchülerInnen neugierig, die richtigen Kunstwerke einmal zu sehen?9


4. Landschaften selber gestaltenMaterial:Buntes Papier, weißes DinA3/4 Papier, SchereWissensbasis für die Lehrkraft:Landschaft ist ein zentrales Thema in der Ausstellung. Nicht nur im Werk derOverbecks nimmt sie einen besonderen Stellenwert ein, sondern auch in den Bildernvon Willi Oltmanns. Seit 1947 lebte er in Delmenhorst und malte vor allem dienorddeutsche Landschaft. Dabei lohnt sich ein Vergleich mit den Bildern derOverbecks: Während diese die Landschaften der menschlichen Wahrnehmungentsprechend wiedergeben, malt Oltmanns "expressionistisch". Das heißt, er lässtdie Landschaft intuitiv aus groben Formen und leuchtenden, teilweise "unnatürlichen"Farben entstehen.Didaktischer Kommentar:Um sich im Unterricht auf das Thema „Landschaft“ vorzubereiten, können dieSchülerInnen eigene kleine Werke erarbeiten. Landschaft muss nicht immergegenständlich sein wie bei den Overbecks, sondern kann auch abstrakterdargestellt werden, wie in den Werken von Willi Oltmanns.Dazu können bunte Papierschnipsel in verschiedenen Größen und Formen gerissen,geschnitten oder geknickt und auf einem Blatt Papier aufgeklebt werden. DieSchülerInnen können versuchen, sich dabei etwas Konkretes vorzustellen oderspontan eine Landschaft entstehen lassen. Am Schluss wird ein abstraktesKunstwerk entstehen. Die Bilder können im Anschluss besprochen werden. Jede/rSchülerIn wird etwas anderes darin erkennen.Die im Unterricht entstandenen Kunstwerke können zu dem Ausstellungsbesuchmitgebracht werden, um das Thema der Landschaft im Museum erneut aufzugreifen.Im Vergleich mit den Gemälden der Overbecks und den modernen Bildern von WilliOltmanns, lassen sich so unterschiedliche Herangehensweisen diskutieren.(s. Station 4 im Museum).10


Rundgang durch dieAusstellung11


VorderhausStation 5StilllebenStation 6Stillleben damalsund heuteGroßer SaalStation 1FreilichtmalereiStation 4Eine KünstlereheStation 3Gemalte GefühleStation 2Farblandschaften12


1. Station a) FreilichtmalereiMaterial in der Kinderkiste:Foto von Freilichtmalern (Mat. 1), Holzkoffer mit Ölmalerei-Equipment (Mat. 2)Malerinnen und Maler fotografiert vonHermine Overbeck-Rohte, Worpswede 1896Wissensbasis für die Lehrkraft:Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden europaweit Künstlerkolonien, die sichvon den traditionellen Kunstakademien abwanden und sich abseits der Großstädteniederließen. Durch die Erfindung von Farbtuben konnten die Maler in der freienNatur arbeiten. Einige schlossen sich zu künstlerischen Gemeinschaften zusammen.Der Ruhm der damals gegründeten „Worpsweder Künstlerkolonie“ hält bis heute anund setzt sich in den Arbeiten der Folgegenerationen bis hin zu Gegenwartskünstlernfort. Auf der Fotografie von Hermine Overbeck-Rohte wird deutlich, wie aufwändigdie Arbeit der Freiluftmaler um 1900 war. Sie zogen mit ihrem Equipment in die freieNatur und malten bei Wind und Wetter oft stundenlang unter freiem Himmel.Didaktischer Kommentar und vorgeschlagenes Vorgehen:Die Fotografie (Mat. 1) verdeutlicht besonders die Arbeitsweise der KünstlerInnen um1900. Es bietet sich an, den Arbeitsalltag und die Ausrüstung eines Freiluftmalers zurdamaligen Zeit zu besprechen. Die Malerei im Freien war, wie auf den beidenhistorischen Fotografien zu sehen, mit einem gewissen Organisationsaufwandaufgrund des vielen benötigten Materials verbunden. Farben, Pinsel, Palette usw.nahmen die KünstlerInnen in Rucksäcken, Körben oder Holzkoffern mit; danebenmussten die Staffeleien zum Arbeitsort geschafft werden. Die Frauen trugen zudemüppige Kleider mit viel Stoff, die die Bewegungsfreiheit einschränkten. Was machen die abgebildeten Menschen da? Wo gehen die Menschen hin, bzw. wo befinden sie sich? Was haben sie an – und warum?13


Ölmalerei-Materialkoffer:Die historische Fotografie stellt einen Bezug zum Ölmalerei-Materialkoffer (Mat. 2)her, da auf dem Bild ein ähnlicher Koffer abgebildet ist. Der Koffer selbst enthältbeispielhaft wichtige Arbeitsmaterialien (manche Gerätschaften sind nur alslaminierte Abbildungen enthalten). Die SchülerInnen können nacheinander jeweilseinen Gegenstand entnehmen und auf dem Boden ausbreiten. Was für Gegenstände sind vorhanden? Wozu werden die einzelnen Gegenstände benötigt? Welche Gegenstände kennen sie selbst aus dem Kunstunterricht undwelche nicht?b) Der Freilichtmaler Fritz OverbeckFritz Overbeck„Vorfrühling“Wissensbasis für die Lehrkraft:Fritz Overbeck„Birken vor Kornfeld“Fritz Overbeck„Gartengrotte in derAbendsonne“Fritz Overbeck malte viele seiner Landschaftsbilder im Freien. Meist waren diesschnelle, mit Öl gemalte Skizzen auf Karton (sog. Ölstudien), die er im Atelier aufgrößere Leinwände übertrug. Sehr große Leinwände hätte er auch nur mit vielAufwand ins Gelände transportieren können.Didaktischer Kommentar und vorgeschlagenes Vorgehen:Die drei Gemälde, die an der ersten Station zu sehen sind, geben Hinweise auf dieseunterschiedliche Arbeitsweise. Gemeinsam kann nun darüber gesprochen werden: Sind die Bilder auf Leinwand oder Karton gemalt? Welches hat er wahrscheinlich im Freien, welches im Atelier gemalt? Warum kann die Größe des Bildes ein Hinweis darauf sein?14


2. Station FarblandschaftenMaterial in der Kinderkiste:Klassensatz graue Bildkarten mit einem Gemälde Oltmanns (Mat. 3)Willi Oltmanns„Spätherbstmorgen“Wissensbasis für die Lehrkraft:Die norddeutsche Landschaft ist ein wichtiges Bildmotiv der Worpsweder Maler undauch des Delmenhorster Malers Willi Oltmanns. Die Farbauswahl, der pastose (alsosehr dicke) Farbauftrag und der Malstil von Willi Oltmanns sind sehr ausdrucksstark,damit unterscheidet sich sein Stil von der Malerei der Overbecks. DerAusstellungstitel "Farblandschaften" nimmt darauf Bezug: Damit ist die Landschaftals Bildthema gemeint, aber auch, dass die Landschaft aus Farben entsteht und mangewissermaßen mit den Augen durch die Farbe reisen kann.Didaktischer Kommentar und vorgeschlagenes Vorgehen:Die SchülerInnen erhalten zu zweit oder in Gruppen eine graue Bildkarte. Nun sollensie zunächst diskutieren, welche Jahreszeit auf dem Gemälde dargestellt seinkönnte. Dann soll das Original im Ausstellungsraum gefunden werden. Gemeinsamkann darüber gesprochen werden, ob die erste Vermutung richtig war: War es schwer das Bild zu finden? Woran habt ihr die Übereinstimmung erkannt? Aus welchen Farben setzt sich das Gemälde zusammen? Wie hilft Farbe dabei, die Jahreszeit zu erkennen?Es bietet sich hier an, mit den SchülerInnen über die Bedeutung von Farbe zusprechen. Der Einstieg über die grauen Bildkarten sensibilisiert die SchülerInnendafür, wie Farben unsere Wahrnehmung beeinflussen und uns dabei helfenPflanzen, Wege, Bäume, aber auch Licht und Atmosphäre einer Landschaft zuerkennen.15


Einsatz der FerngläserMit dem Fernglas können die Bilder von Willi Oltmanns genauer betrachtet werden.Dies lenkt den Blick der Schüler weg vom Motiv, hin zum eigentlich Sichtbaren (denbewegten Pinselstrichen, den Farben und den zumeist ungegenständlichen Formen).Wenn man genau hinschaut, setzt sich das Gemälde aus bunten Strichen undFarbflächen zusammen.Hier kann über die spontane, schnelle Malweise von Willi Oltmanns gesprochenwerden: Wie hat Willi Oltmanns die Farbe aufgetragen? Kann man das Motiv besser von nah oder fern erkennen? Wie hat er zum Beispiel Bäume gemalt? Eher detailliert oder grob undvereinfacht? Gibt es vielleicht mehrere Bedeutungen des Ausstellungstitels„Farblandschaften“?16


3. Station a) DetailsucheMaterial in der Kinderkiste:Klassensatz Bildkarten mit Ausschnitt aus einem Gemälde Oltmanns (Mat. 4)Willi Oltmanns„Bauernhaus und Getreidehocken“Didaktischer Kommentar und vorgeschlagenes Vorgehen:Auch hier geht es darum, ganz genau hin zu schauen. Zunächst bekommen dieSchüler einzeln oder in Gruppen einen Detailausschnitt. Jetzt soll darüber diskutiertwerden, was wohl auf dem dazugehörigen Gemälde zu sehen ist. Kann manvielleicht schon sagen, ob das Bild von Oltmanns stammt oder einem derOverbecks? Dann können die SchülerInnen das Original suchen. Wenn es gefundenwurde, kann es gemeinsam besprochen werden: Wo findet sich die Abbildung im Kunstwerk wieder? War es schwer, die Abbildung im Original zu suchen? Was ist zu sehen? Eine genaue Bildbeschreibung lohnt sich.17


) „Gemalte Gefühle“Material:Papier und BleistiftWissensbasis für die Lehrkraft:Willi Oltmanns wird stilistisch dem „Nachexpressionismus“ zugeordnet. DerExpressionismus ist eine Stilrichtung der modernen Kunst. In erster Linie ging es denExpressionisten darum, durch eine Vereinfachung der Form und eineEmotionalisierung der Farbe Gefühle auszudrücken (deshalb auch das Wort„Expressionismus“, von „Ausdruck“). Anklänge daran findet man auch im Werk vonWilli Oltmanns.Didaktischer Kommentar und vorgeschlagenes Vorgehen:Gemeinsam mit den Schülern soll die Farbe im Bild untersucht werden. Dazu könnendie im Bild dargestellten Getreidehocken genauer angeschaut werden. Aus welchen Farben setzen sie sich zusammen? Welche Gründe könnte der Künstler haben, von der natürlichen Farbeabzuweichen?Willi Oltmanns hat die Farbe intuitiv angewendet, das heißt er hat sich von seinenGefühlen leiten lassen. Hier kann man mit den Schülern besprechen, welche Farbensich besonders gut eignen, um bestimmte Gefühle auszudrücken (z.B. Wut, Freude,Trauer). Doch nicht nur die Farbe, auch die Form kann Gefühle transportieren. Dazukönnen die Schüler jeder für sich eine Form auf das Papier zeichnen, die einbestimmtes Gefühl am besten ausdrückt.Diese Zeichnung kann auch in der Nachbereitung im Unterricht verwendet werdenund z.B. als Vorlage für eine Malerei „im expressionistischen Stil“ benutzt werden.18


4. Station Eine KünstlereheMaterial in der Kinderkiste:Zwei Fotopuzzles DIN A 3 „Hermine und ihre Kinder“, (Mat. 5)„Hermine und Fritz im Hochzeitsjahr“, 1897( Mat. 6)Hermine mit ihren KindernGerda und Fritz Theodor, 1916Hermine mit Fritz Overbeckim Hochzeitsjahr 1897Wissensbasis für die Lehrkraft:Das Gemälde „Abend im Moor“ ist ein Gemälde von Fritz Overbeck. Es hing 1896 ineinem Münchener Museum, wo die Kunstschülerin Hermine Rohte es zum erstenMal sah. Hermine verliebte sich sofort in das Bild und beschloss, dass sie bei FritzOverbeck in die Lehre gehen wolle. So zogen Hermine Rohte und ihreStudienkollegin Marie Bock im Sommer 1896 nach Worpswede. Drei Monate späterverlobten sich Hermine und Fritz miteinander. Nach einjähriger Brautzeit, die sietraditionsgemäß getrennt voneinander verbrachten, heirateten sie am 8. Oktober1897. Während der Trennung pflegte das Paar einen intensiven Briefverkehr, in demsich Hermine viele Gedanken über ihre Zukunft machte.Würde die Rolle als Ehefrau ihre Künstlerkarriere beenden? Hermine Overbeck-Rohte wollte nie wegen der Kunst ihre häuslichen Pflichten verletzen, sondern fürihren Mann Ehefrau, Freund und Kollege in Personalunion sein.Die Fotos zeigen die Künstlerin als ganz normale Hausfrau und Mutter. Sie brachtedrei Kinder zur Welt: Fritz Theodor, eine erste Tochter Anne, die kurz nach derGeburt starb, und eine zweite Tochter namens Gerda.Den Kindern Fritz Theodor und Gerda ist es zu verdanken, dass Hermines Bilder, diezu Lebzeiten der Künstlerin nie öffentlich ausgestellt wurden, entdeckt und bewahrtworden sind, denn sie fanden die Bilder nach dem Tod der Malerin im Nachlass derVerstorbenen – versteckt aufbewahrt hinter den Bildern ihres Mannes.19


Didaktischer Kommentar und vorgeschlagenes Vorgehen:Das Gemälde dient als Aufhänger, um den SchülerInnen vertiefende Informationenüber das Ehepaar zu vermitteln und ihre Familie anhand der Fotopuzzles zuveranschaulichen. Die Klasse wird in zwei Gruppen aufgeteilt, jede Gruppe erhält einPuzzle. Wenn alle mit dem puzzeln fertig sind, werden die Fotos gemeinsambetrachtet und besprochen. Nun können Hintergrundinformationen zu dem Gemäldegegeben werden.Das Gemälde „Abend im Moor“ zeigt darüber hinaus noch einmal deutlich dietypische Landschaft Worpswedes: Die Birken, die flache Moorlandschaft und derweite Horizont waren ein beliebtes Motiv. Hier lohnt es sich, auch dieunterschiedliche Malweise Fritz Overbecks und Willi Oltmanns miteinander zuvergleichen. Wie hat sich die Malerei von damals zu heute verändert? Wie wird die Landschaft jeweils dargestellt? Sieht man z.B. den Horizont,kann man in die Weite schauen? „Stimmt“ die Perspektive? Wie ist die Atmosphäre dargestellt? Kann man z.B. sehen, welcheTageszeit dargestellt ist? Was unterscheidet sich bei der Wahl der Farben? Welches Bild ist „realistischer“? Ist vielleicht Malerei, die Gefühle zeigt,auch irgendwie realistisch?20


5. Station StilllebenMaterial:Bleistifte, PapierWilli Oltmanns„Stillleben mit Worpsweder Stuhl“Wissensbasis für die Lehrkraft:Neben Landschaften haben Willi Oltmanns, Hermine Overbeck-Rothe und FritzOverbeck auch Stillleben gemalt. Darauf sind verschiedene Gegenstände abgebildet,die sich nicht bewegen, sie stehen also „still“. Zu einer eigenständigen Gattung derMalerei entwickelten sich diese Darstellungen erst Anfang des 17. Jahrhunderts imBarock.Didaktischer Kommentar und vorgeschlagenes Vorgehen:Die Klasse setzt sich mit dem Rücken zum Gemälde „Stillleben mit WorpswederStuhl“ auf den Boden. Vorher muss die Regel besprochen werden, dass das Bildbeim Betreten des Raumes nicht angeschaut werden darf. Ein Schüler stellt sich vordas Bild und versucht, es den anderen zu beschreiben. Die Beschreibung muss sogenau wie möglich sein, denn die anderen fertigen währenddessen Skizzen danachan. Dann drehen sich alle um und vergleichen ihre Skizzen mit dem Original. Was ist an einer genauen Bildeschreibung wichtig und hat vielleicht gefehlt? Was ist auf dem Gemälde dargestellt? Unter welchem Begriff könnte man die Gemälde im Raum zusammenfassen(entsprechend dem Begriff „Landschaft“ im großen Saal)? Findet ihr es passend, dass man solche Bilder „Stillleben“ nennt?21


6. Station a) Stillleben damals und heuteMaterial in der Kinderkiste:Porträt von Hermine Overbeck (Mat.7), Selbstporträt von Willi Oltmanns (Mat.8),Sprechblasen (Mat. 9)Bilder in der Ausstellung:Hermine Overbeck-Rothe„Grüne Pfeife in Perlmuttschale“Willi Oltmanns„Hyazinthen und Flascheam Fenster“Didaktischer Kommentar und vorgeschlagenes Vorgehen:Bei dieser Station geht es um den Vergleich der Stillleben Oltmanns mit denen derMalerin Hermine Overbeck. Die Schüler können zunächst aufgefordert werden, denRaum zu finden, in dem Bilder von Hermine Overbeck hängen. Dann setzen sich dortalle in einem Kreis auf den Boden. In die Mitte werden das laminierte Foto Herminesund die laminierte Abbildung des Selbstporträts Willi Oltmanns gelegt. Nun werdengemeinsam die Sprechblasen zu den beiden Künstlern zugeordnet. Was würden diebeiden wohl über ihre eigenen Stillleben sagen?Dabei ergeben sich Unterschiede, aber vielleicht auch Gemeinsamkeiten. Denn auchHermine Overbeck malte für ihre Zeit schon „modern“, so sind z.B. deutlich dieschwungvollen Pinselstriche zu erkennen. An den Stillleben von Oltmanns kann nocheinmal die „expressionistische“ oder ausdrucksstarke Malweise besprochen werden(Farben, Umrisslinien, vereinfachte Formen). Auch die Frage, wer von beiden die„schöneren“ Bilder gemalt hat, ist bestimmt gar nicht so leicht zu beantworten.22


) FantasiegeschichteMaterial:Papier und BleistiftDidaktischer Kommentar und vorgeschlagenes Vorgehen:Anschließend haben die SchülerInnen Zeit, sich zu dem Stillleben „Grüne Pfeife inPerlmuttschale“ von Hermine Overbeck eine kleine Geschichte auszudenken undaufzuschreiben. Als Anregung können Fragen an das Bild gestellt werden: Was sind das für Gegenstände auf dem Bild? Wer könnte sie dort hingelegt haben? Was wird mit ihnen gemacht? Sind es vielleicht Gegenstände, die Hermine besonders wichtig waren?Die Geschichten können im Nachbereitungsunterricht weiter verwendet werden. Dorthaben die Kinder dann die Möglichkeit, ihre ausgedachten Geschichten malerischumzusetzen. In einer abschließenden Präsentation erzählt jede/r SchülerIn, was ersich dabei gedacht hat, und kann seine Geschichte zu dem Bild vorlesen.Wissensbasis für die Lehrkraft:Dieses Stillleben hat tatsächlich eine sehr persönliche Bedeutung. HermineOverbeck malte es nach dem plötzlichen Tod ihres erst 39 Jahre alten Mannes.Andächtig stellte sie darauf Gegenstände zusammen, die sie an ihn erinnerten. DerHintergrund ist recht dunkel gehalten und die Blumen in der Vase sind schon fastverwelkt – ein Hinweis auf Tod und Vergänglichkeit.Vielleicht kann diese traurige Geschichte ebenfalls im Nachbereitungsunterrichterzählt und besprochen werden, nachdem alle ihre Version der Geschichtevorgelesen haben.23


Anregungen zurNachbereitung desAusstellungsbesuchs24


1. „Expressionistisch“ malenMaterial:Tusche, Papier, Zeichnung aus dem MuseumDidaktischer Kommentar:Um das Thema „gemalte Gefühle“ noch einmal praktisch aufzuarbeiten, können dieSchülerInnen im Unterricht ein Bild aus der „Gefühls-Form“ entwickeln. Das kannvöllig abstrakt sein, aber vielleicht auch einen bestimmten Gegenstand, ein Porträtoder eine Landschaft zeigen. Die Form, die im Museum entwickelt wurde, sollte aberim Bild wiederzufinden sein. Natürlich kann das dargestellte Gefühl dabei mit denpassenden Farben noch stärker deutlich werden.2. Geschichten aus dem MuseumMaterial:Ausgedachte Geschichten aus dem MuseumDidaktischer Kommentar:Zur Aufarbeitung des Museumsbesuches kann die in der Ausstellung erarbeiteteGeschichte im Unterricht malerisch umgesetzt werden. Danach können die Bilderbesprochen und die Geschichten dazu vorgelesen werden. Obwohl alle SchülerInnendasselbe Bild mit in die Geschichte haben einfließen lassen, werden die Ergebnissevollkommen unterschiedlich ausfallen.25


3. Hermine als HausfrauEinen Pudding aus Hermines privatem Kochbuch nachkochenMaterial:Rezept „Schokoladenpudding Tante Lene“ (Kopiervorlage C)Wissensbasis für die Lehrkraft:Eine ganz neue Seite entdecken die SchülerInnen an Hermine Overbeck-Rohte,wenn sie erfahren, dass sie nicht nur Malerin, Hausfrau und Mutter war, sondernauch eine sehr gute Köchin. Zahlreiche handschriftliche Rezeptbücher befinden sichim Besitz des Overbeck-Museums. Aus einem der noch in Sütterlin geschriebenenRezeptbücher stammt folgendes Rezept, das freundlicherweise von der Enkelin derKünstlerin, Gertrud Overbeck, entziffert und zur Verfügung gestellt wurde, damit es inder Schulküche ausprobiert werden kann.Das Rezept reicht als Nachspeise für ca. 12 Personen.Anmerkung:Das Originalrezept ist in seiner Anleitung sehr knapp für routinierte KöchInnengehalten. Auf der Kopiervorlage wurde es kinderfreundlich umgeschrieben.Außerdem notierte Hermine als Flüssigkeit „1/2 Liter Wasser oder noch besserKaffee“, was im Schülerrezept durch Milch als Angabe ersetzt wurde.26


Anhang27

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