Die zwei Seiten Die zwei Seiten

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50 alltagsmagie

Die zwei Seiten

der Medaille

Eine alte Geschichte erzählt

von einem König. Es mangelte

ihm an nichts, dennoch

war er selten so richtig

zufrieden. Einmal war

er zu Tode betrübt und hielt alles, was

er erreicht hatte für null und nichtig.

Dann wieder war er überschäumend

und schlug alle Bedenken in den

Wind. Sein inneres Gleichgewicht war

höchst schwankend. Der König wusste

darum und litt darunter. So bat er eines

Tages seine weisen Ratgeber zu

sich. „Bringt mir etwas, das mich

glücklich macht, wenn ich traurig

bin, und etwas, das mich traurig

macht, wenn ich glücklich bin“,

wünschte er sich von ihnen und erhoffte

sich davon einen inneren Ausgleich.

Die Weisen berieten drei Tage

und drei Nächte. Schließlich übergaben

sie ihrem König einen Ring mit

einer Inschrift. Hierin war zu lesen:

„Alles geht vorbei.“

Der Schlüssel ist die Zeit. Die Zeit

lässt Glück verrinnen, die Zeit lässt

Schmerz vergehen. Die Zeit macht die

Vergänglichkeit aus.

Das Körnchen Glück,

das Tröpfchen Pech

Es gibt immer eine andere Seite. Das

gilt im Guten genauso wie im Bösen.

Manchen Leuten gelingt es wie selbstverständlich,

bei einem Vorfall die jeweils

andere Seite zu sehen. Geschieht

etwas Schlimmes, sind sie in der Lage,

das Körnchen Glück darin zu erkennen.

Das kann eine Aufgabe sein,

die sie darin sehen und die sie weiterbringt.

Es kann eine Fähigkeit sein,

die sie aufgrund der aktuellen Anforderungen

entwickeln und ausüben

müssen. Fast begeistert erzählen sie

dann, dass sie ohne dieses böse Erlebnis

diese Fähigkeit vielleicht nie entdeckt

hätten. Doch auch wenn sie

reichlich mit Glück beschenkt werden,

verlieren sie nicht den Boden unter

den Füßen. Sie haben ein gesundes

Misstrauen im Hinterkopf und wissen,

dass zuviel Glück auch Neider und

Betrüger anziehen kann. Auch ist ihnen

bewusst, dass großes Glück ein

Geschenk ist, über das man sich freuen

kann, auf das man sich aber nichts

einzubilden braucht.

Dann gibt es aber noch die andere

Sorte von Mensch, die, die nur jeweils

eine Seite sehen. Rasseln sie in eine

Pechsträhne, so scheint es ihnen, als

wären sie die Unglücksraben der Nation.

Kaum einer, so meinen sie, habe

es wohl übler getroffen als sie. Haben

sie jedoch mit einem Vorhaben Erfolg,

so brüsten sie sich damit und halten

sich für die Überflieger schlechthin.

Sie trauen sich nun alles zu und halten

sich für unbesiegbar.

Schwarz oder Weiß?

Sicherlich kennen Sie das Zeichen für

Yin und Yang. Zwei ineinander greifende

Tropfen bilden eine Einheit, einen

Kreis. Ein Teil ist schwarz mit

weißem Punkt, der andere Teil ist

weiß mit schwarzem Punkt. Dieses

Symbol zeigt wunderschön, dass in

jedem Bereich ein Korn vom jeweiligen

anderen Extrem enthalten ist.

Sich dieses uralte Wissen herzuholen,

würde vieles im Leben vereinfachen.

Das heißt wir müssten damit aufhören,

uns für etwas, das uns gelingt,

Orden an die Brust zu heften. Wir


Wie unterschiedliche

Blickwinkel das Gute

erkennen lassen

Von BarBara arzmüller

könnten aber auch damit aufhören,

uns zu kritisieren und niederzumachen,

wenn wir Mist gebaut haben.

Das eigene Zutun spielt meist gar keine

so große Rolle. Oftmals ist es nur

die natürliche Bewegung, die von der

Ebbe zur Flut geht und wieder zurück.

Es ist lediglich der Erfahrungsschatz,

den uns das Leben angedeihen lässt.

Wir machen die Erfahrung des Gelingens

und wir machen die Erfahrung

des Misslingens. Letztlich sind beides

nur Erfahrungen. Unseren Wert sollten

wir daran jedenfalls nicht messen.

Wir brauchen deshalb weder stolz

noch unglücklich zu sein. Es würde

reichen, das Geschehen zu beobachten,

es einfach nur wahrzunehmen.

Vom negativen Denken

über das positive Denken ...

Negatives Denken hat sich gar nicht

bewährt. Viel besser ist das positive

Denken, auch wenn es zuweilen zu

reinem Wunschdenken verkommt.

Doch für Menschen, die noch stark in

der negativen Erwartungshaltung verhaftet

sind, ist es immens wichtig.

Sie erzählen von häufigen schlaflosen

Nächten, in denen sie grübeln und

Sorgen wälzen. Hierfür gibt es eine

einfache und wirksame Übung: Wählen

Sie sich einen Buchstaben aus

dem Alphabet. Dann suchen Sie lauter

Wörter, die mit diesem Buchstaben

beginnen und für Sie mit Wohlbefinden

zu tun haben. Zum Beispiel F –

Frieden, Fülle, Freude, Festessen, Flötenspiel,

Fußball, Freundschaft ...

Der Sinn der Übung ist, die logische

Gehirnhälfte mit einer Aufgabe zu beschäftigen

– sie muss Wörter suchen

statt sich Sorgen zu machen. Indem

Sie sich von der negativen Denkweise

hin zur positiven Seite gewandt haben,

lenken Sie die Gehirnströme in

andere Bahnen. Das Grübeln hat ein

Ende. Jetzt, in dieser entspannteren

inneren Haltung, können Sie einschlafen

oder sogar Lösungen finden.

... zum ausgeglichenen Denken

Es wird immer wichtiger, sich nicht

länger auf eine Seite zu schlagen und

Partei für eine bestimmte Sache zu

ergreifen, während die Kehrseite dieser

Medaille nicht gesehen wird. Die

Polarität hat über lange Jahrtausende

unser Leben bestimmt. Aber ihre Zeit

scheint abgelaufen: Diese Polarität,

die die Symbolik von Yin und Yang

ausdrückt, gilt es zu überwinden. Wir

alltagsmagie

treten in eine neue Zeit ein, in der es

notwendig werden wird, einen neuen,

einen anderen Weg zu finden, um mit

den Anforderungen zurecht zu kommen.

Es ist notwendig, stets beide

Seiten einer Medaille, einer Sache, eines

Geschehens wahrzunehmen. Das

Leben ist eben nicht nur weiß und

auch nicht nur schwarz. Es hat nicht

der eine Recht, der andere Unrecht.

Selbst ein Mensch ist nicht nur Mann

oder nur Frau. Ein Körnchen des jeweils

anderen ist überall enthalten.

Aus einer gelassenen inneren Haltung

heraus, die nicht urteilt und nicht

wertet, fällt es viel leichter, auch das

Denken, Fühlen und Handeln ausgeglichen

zu halten.

Nun glauben manche Menschen,

wenn ihre Gefühle nicht mehr Achterbahn

fahren, könnte ihr Leben langweilig

werden. Sie setzen Gelassenheit

mit Interesselosigkeit und Gefühlskälte

gleich. Das ist aber nicht der Fall.

Im Gegenteil, wer die wahre Gelassenheit

erst kennengelernt hat, kann

den Strom an Herzensliebe beständig

fühlen – und weitergeben. Das Fühlen,

Denken und Handeln wird tiefer

und inniger. Sie werden das nicht

mehr missen wollen.

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