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Dr. Johanna Kammerlander0676/7293955 oder jjk@aon.atSchoellerbank (BLZ 19200) Nr. 68 510310 046 01.03.2011Gbeta – 6. BerichtLange habe ich nicht mehr berichtet – fast 1 Jahr. DerGrund dafür war die völlig unspektakuläre, aber dafür sehr gute Entwicklung in Dorfund Schule. Die Schule hat ebenso gut funktioniert wie die Geburtenstation. DieFrauengenossenschaften, aber auch die Genossenschaft der Männer und derJugend haben sehr erfolgreich gearbeitet. Das Dorf hat genug Reis bis zur nächstenErnte und genug Saatgut. Eben jetzt hat Pater Pierre anlässlich seines Besuches inGbeta 2 Gruppen von Frauen aus Nachbardörfern,ein Startkapital für die Gründungeiner Genossenschaft gegeben.Eigentlich hatten wir auch noch geplant, je 2 jungeMenschen in Solartechnik bzw. Permakultur ausbilden zu lassen, aber dieser Plan istvorerst an Sprachkenntnissen gescheitert. Englisch wäre gefordert gewesen. Umaber das Dorf mit der Solartechnik bekannt zu machen, haben wir Sonnenenergie-Lampen ins Dorf geschickt, die in der Schule und der Geburtenstation mit viel Freudeund Erfolg eingesetzt worden sind. Im Ganzen war die Entwicklung so positiv, daßwir uns mit den geplanten Investitionen zurückgehalten haben, um nicht den Elan mitGeld abzuwürgen. Wir haben lediglich das 4. Lehrerhaus fertig gebaut und begonnen,eine gesundheitliche Versorgung aufzubauen. Es ist uns leider bisher nichtgelungen, einen Arzt oder zumindest Sanitäter für regelmäßige Besuche im Ort zufinden. Nun hat sich ein anderer Sanitäter angeboten, ganz im Dorf zu bleiben – einProbezeit wurde vereinbart.In der Vorwahlzeit für erste Präsidentenwahl seit Endedes Bürgerkrieges hat sich in dem Land nichts bewegt – keiner wollte auffälligwerden. 2007 wurde der Bürgerkrieg zwar durch einen Friedensvertrag zwischen derRegierung und den Rebellen beendet, die Spaltung des Landes ist aber geblieben.Der meist muslimische Norden des Landes (auch Gbeta) war unter der Kontrolle derRebellen, im Süden herrschte die Regierung, die wiederum von den Christen unterstütztwird. Die Präsidentenwahl hat die erhoffte Klärung der politischenZukunft des Landes nicht gebracht, vielmehr liegt – wie wir alle aus den Medienwissen - die Gefahr eines Bürgerkrieges in der Luft. Die ersten Schüsse sind


gefallen, allerdings bisher nur von Militär zu Militär. Die Unruhe scheint nun vonAbidjan aus auch auf die Hauptstadt und andere Städte übergegriffen zu haben. AmLand, so auch in Gbeta ist alles (noch?) ruhig.Auf Befehl der Rebellen sind im Norden alle Schulen geschlossen.Die Banken sind zu. Die Strom- und Wasserversorgung in den Städtenist problematisch. Es gibt kaum Telefon- oder Internetverbindung. Die Kommunikationist schwierig. Pater Pierre hat sich Anfang Februar kurzfristig entschlossen, sichselbst ein Bild zu machen und mit den Rebellen über die Öffnung unserer Schule zuverhandeln. Er ist Gott sei Dank am 24.2.2011 heil zurückgekommen. Es war eineanstrengende Reise, die auch viel Mut erforderte, wurde Pater Pierre doch imBürgerkrieg von den Rebellen persönlich verfolgt und bedroht. Seine Liebe zu Gbetaund unserem Projekt sowie sein Verantwortungsgefühl gegenüber den Geldgebernhaben ihn zu diesem Schritt veranlasst.Wie sich jetzt zeigt, war die Reise notwendig und sehrerfolgreich: Resultat der Verhandlung mit den Rebellen ist, daß wir die Schule aufunsere Kosten öffnen können Es wird die einzige offene Schule für 53 Dörfer sein!6 Lehrer konnte Pater Pierre schon engagieren, darunter auch eine Frau (worüberwir uns besonders freuen). Die Lehrer sind namentlich von den Rebellen registriertund somit geschützt. Ein Vorrat an Kreide und sonstiger notwendiger Schulutensilienwurde angeschafft. Provisorischer Schuldirektor wird ein Bruder von Pater Pierresein, der als pensionierter und erfahrender Lehrer nach Eröffnung der Schule vomStaat auch schon für einige Monate zum Direktor bestellt worden ist. .Zugesagtwurde uns, dass die Schulbehörde am Ende des Schuljahres eine Abschlussprüfungabnehmen wird, so dass die Kinder kein Jahr verlieren. Derzeit ist nicht abzusehen,wie viele Kinder aus den Nachbardörfern zu unseren 370 Schüler dazu stoßenwerden. Das Dorf ist bereit, die auswärtigen Kinder in ihren Familien aufzunehmenund zu versorgen. Wahrscheinlich werden wir mehr als unsere 6 Lehrer brauchen –jeder weitere Lehrer muss den Rebellen gemeldet werden. Dank eines noch vorhandenenBodensatzes an Spenden (jetzt sind wir froh, mit unseren Investitionenzurückhaltend gewesen zu sein) können wir die Lehrer für einige Zeit bezahlen. DieEltern müssen allerdings nach Kräften mitzahlen. Wie lange wir aushalten müssen/können hängt davon ab, wie groß der Zustrom an Kindern bzw. der Bedarf anLehrern sein wird. Bis wieder Ordnung im Land sein wird, wird es sicherlich dauern.Mehr denn je zeigt sich, wie wichtig unser Engagementwar und ist.Sehr herzlich Eure Johanna

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