Grundsätze für die Begleitung von Sterbenden - Ethikberatung im ...

kreuznacherdiakonie.de
  • Keine Tags gefunden...

Grundsätze für die Begleitung von Sterbenden - Ethikberatung im ...

diakonisch-ethische PositionenGrundsätze für dieBegleitung von Sterbendenin den Krankenhäusernder Stiftung kreuznacher diakonie[ 1 ]


Grundsätze für dieBegleitung von Sterbendenin den Krankenhäusernder Stiftung kreuznacher diakoniediakonisch-ethische PositionenImpressum:Herausgeber: Stiftung kreuznacher diakonie, Kirchliche Stiftung desöffentlichen Rechts, Ringstraße 58, 55543 Bad KreuznachVerantwortlich: Der VorstandRedaktion: Ethikausschuss der Stiftung kreuznacher diakonieBasislayout: TRANSFORMDESIGN, Silke Andrea Schmidt, BerlinDruck: odd GmbH & Co. KG , Bad KreuznachAuflage: 800 Stück, April 2009[ 2 ]


Inhaltsverzeichnis6781011I . GültigkeitII. GrundsätzeIII. BegleitungIV. EntscheidungWeitere diakonisch-ethische Positionen[ 5 ]


Wir sehen unsereAufgabe darin, Lebenzu erhalten, Gesundheitzu schützen undwieder herzustellenund Leiden zu mindern.I.Gültigkeit(1) Wir sehen unsere Aufgabe darin, Leben zu erhalten, Gesundheitzu schützen und wieder herzustellen und Leiden zu mindern.(2) Wir sehen unsere Aufgabe aber auch darin, Sterbenden beizustehenund sie bis zu ihrem Tode zu begleiten; ebenso die Angehörigenbei der Begleitung zu unterstützen und zu fördern.(3) Die folgenden Grundsätze haben nur dann Gültigkeit, wenn einPatient oder eine Patientin sich in einem unumkehrbaren Sterbeprozessbefindet. Ein solcher ist charakterisiert durch das unwiderruflicheVersagen vitaler Funktionen und ist im Konsens der behandelndenÄrzte/Ärztinnen und Pflegenden festzustellen. Das Vorliegen einerunheilbaren Krankheit ist für uns noch kein Sterbeprozess. Ebensowenig liegt ein Sterbeprozess vor bei einem Patienten oder einerPatientin mit schwersten cerebralen Schädigungen oder anhaltenderBewusstlosigkeit.(4) Ebenso wenig haben diese Grundsätze Gültigkeit für die Behandlungvon Neugeborenen mit schwersten Fehlbildungen oder schwerenStoffwechselstörungen, auch dann, wenn eine Vitalfunktion ausfälltoder ungenügend vorhanden ist. Dies ist Gegenstand eines eigenenOrientierungsrahmens.II.Grundsätze(1) Weil wir daran glauben, dass jedes menschliche Leben ein GeschenkGottes ist und damit unserer Verfügbarkeit entzogen ist, lehnen wirjede aktive Sterbehilfe ab, auch dann, wenn ein Patient oder einePatientin sie fordert.(2) Es ist uns wichtig, das Leben in seinen wechselnden Phasen alsein Ganzes zu begreifen. Das beinhaltet, dass wir Leben sowohl vonden Möglichkeiten als auch von den Begrenzungen her verstehen undakzeptieren.(3) Für uns sind die unterschiedlichen Phasen menschlichen Lebenszu jeder Zeit von gleichem Wert. Dies betrifft auch das Sterben alsletzte Phase des Lebens.(4) Bei unseren Entscheidungen und Handlungen nehmen wir dieÄngste von Patienten und Patientinnen ernst.Dazu gehören unter anderem:• Die Angst, Schmerzen erleiden zu müssen.• Die Angst, im Sterben alleingelassen zu werden.• Die Angst, ausgeliefert zu sein und in der Würdeund seinem Willen nicht geachtet zu werden.• Die Angst, unnötig lange am Leben erhalten zu werden,was keiner Lebens-, sondern einer Sterbeverlängerunggleichkäme.• Die Angst, dass das Leben fahrlässig verkürzt wird durchmangelnde medizinische oder pflegerische Hilfe.Für uns sind die unterschiedlichenPhasenmenschlichenLebens zu jeder Zeitvon gleichem Wert.Dies betrifft auch dasSterben als letztePhase des Lebens.[ 6 ] [ 7 ]


III.Begleitung(1) Wir verpflichten uns zu einer würdigen Begleitung von Sterbenden.Darunter verstehen wir die medizinische, pflegerische und seelsorgerlicheBegleitung.(2) Wir achten das Selbstbestimmungsrecht der Patienten und Patientinnen.(3) Sofern ein unumkehrbarer Sterbeprozess vorliegt, kann an die Stelleder Verpflichtung zur Lebenserhaltung und damit Lebensverlängerungeine Therapie möglichst großer Schmerzfreiheit treten. Die Schmerzbekämpfunghat für uns Priorität vor der Gefahr der Lebensverkürzung.(4) Wir verpflichten uns zu einer würdigen Unterbringung von Sterbenden,- dazu gehört, dass diese in der Regel in einem Zimmer alleineverbleiben können - zu menschlicher Zuwendung und Körperpflege,zu Linderung von Schmerzen und Atemnot sowie Übelkeit undzum Stillen der Grundbedürfnisse wie Hunger und Durst.(7) Der Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen ohne Einwilligungdes Patienten/der Patientin und ohne vorliegende Patientenverfügungerfordert die Ermittlung des mutmaßlichen Willens des Patienten/derPatientin. Dieser ergibt sich aus den Gesamtumständen,insbesondere früheren Erklärungen des Patienten/der Patientin, seiner/ihrer Lebenseinstellung, seiner/ihrer religiösen Überzeugung, seiner/ihrer Haltung zu Schmerzen und zu schweren Schädigungen in derihm/ihr verbleibenden Lebenszeit. In die Ermittlung des mutmaßlichenWillens sollen die Angehörigen oder andere nahestehenden Personeneinbezogen werden. Eine Entscheidung über die weitere Behandlungsollen die behandelnden Ärzte/Ärztinnen und Pflegenden gemeinsamtreffen. Im Falle des Dissens gibt das Klinische Ethikkomitee ein Votumab. Jede/r Mitarbeitende, jeder Patient/jede Patientin, jede/r Angehörigehat das Recht, das Klinische Ethikkomitee anzurufen.(8) Die Entscheidung zu Therapieänderung und Therapieverzicht darfnicht von wirtschaftlichen Erwägungen abhängig gemacht werden.Wir nehmen damitden Willen des Patienten/derPatientinernst, sich bewusstauf das eigene Sterbenvorzubereiten.(5) Wir verpflichten uns zu einer Therapieänderung und damit auchzum Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen, um das unausweichlichgewordene Sterben nicht hinauszuzögern. Eine solcheTherapieänderung ist für uns besonders dann verpflichtend, wenn derPatient oder die Patientin im Bewusstsein der Tragweite dieser Entscheidungden Verzicht ausdrücklich als ihren/seinen Willen erklärt.Wir nehmen damit den Willen des Patienten/der Patientin ernst, sichbewusst auf das eigene Sterben vorzubereiten.(6) Ein besonderes Problem sehen wir im Verzicht auf lebensverlängerndeMaßnahmen ohne aktuelle Einwilligung des Patienten/der Patientin. Ein schriftlich vorliegender Patientenwille in Formeiner Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht ist verbindlich.Es ist zu prüfen, ob dieser Wille auch angesichts der jetzt eingetretenenSituation Gültigkeit hat.[ 8 ][ 9 ]


[ 12 ]

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine