Potsdam.

druckhausberlinmitte

Potsdam.

Potsdam.

Begegnungen mit Bäumen


Inhalt

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Am Neuen Garten

Neuer

Garten

10

Marmor-

11 palais

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5

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7

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Vorwort 7

Register 116

Ein Buch mit Zertifizierung 118

Natürlich stimmige Begegnungen 119

Auf einen Blick 4/5

Park Sanssouci 110/111

Neuer Garten 112

Schlosspark Sacrow · Park Glienicke 113

Park Babelsberg 114

Botanischer Garten 115

Die Hänge-Weide 8

auf der Freundschaftsinsel

Die Gründungssage von Potsdam 11

Die Schwarz-Erle 12

im Park des Jagdschlosses Glienicke

Von Naturgeistern und anderen Zauberwesen 15

Der Amerikanische Tulpenbaum

im Marlygarten 16

Die Gaben der Pomona im Nutzgarten des Königs 19

Der Amerikanische Amberbaum 20

im Volkspark Potsdam

Der Volksgarten – ein Park ohne Hofetikette 23

Der Japanische Kuchenbaum 24

im Lustgarten von Sanssouci

Die Freimaurer – neue Brüder für den König 27

Die Weiße Maulbeere am Weberplatz 28

Seidenherstellung – Luxus für den Hof 31

Der Gewöhnliche Judasbaum 32

an der Gartendirektion

Peter Joseph Lenné – ein Virtuose der Gartenkunst 35

Der Gewöhnliche Trompetenbaum 36

bei der Meierei

Keine Wasserspiele für den König 39

Die Edel-Kastanie im Neuen Garten 40

Der Landschaftsgarten – zurück zur Natur 43

Der Hänge-Perlschnurbaum am Marmorpalais 44

Auf dem Pfad der Rosenkreuzer 47


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Inhalt

Die Kleine Kiwi an der Orangerie 50

im Neuen Garten

Von rankenden Beeren und kletternden Früchten 52

Der Obstgarten am Pfingstberg 54

Die Gehölze der Aphrodite I. 59

Die Holländische Linde im Schlosspark Glienicke 60

Die Bittschriftenlinde – Treffpunkt der Klagenden 63

Die Johanniter – Kreuzritter und Heilsbringer 64

Die Hänge-Buche am Schloss Charlottenhof 66

Der „Baum der Erkenntnis“ 69

Die Echte Sumpfzypresse

am Maschinenteich 70

Die fünf dicksten Bäume Potsdams 73

Die Stiel-Eiche im Schlosspark Sacrow 74

Potsdam als Grenzgebiet 77

Der Taschentuchbaum im Paradiesgarten 78

Der Botanische Garten in Potsdam 81

Der Mönchspfeffer

an der Friedenskirche im Marlygarten 82

Die Gehölze der Aphrodite II. 85

Die Lawson-Scheinzypresse

im Park Babelsberg 86

Fürst Pückler – der Parkomane von Babelsberg 89

Der Ginkgo im Nordischen Garten 90

Zeugen der Urgeschichte in Potsdam 93

Die Gewöhnliche Eibe 94

auf dem Krongut Bornstedt

Bäume der Superlative 97

Die Gewöhnliche Hainbuche am Modellfort 98

Der Barockgarten – hochherrschaftliche Ordnung 100

Die Libanon-Zeder

auf dem Potentestück im Park Sanssouci 102

Duftende Gehölze 105

Der Fächer-Ahorn im Foerstergarten 106

Karl Foerster – ein Leben für den Garten 109

3


12

20

90

Titel

Der Ginkgo

im Nordischen Garten

Ginkgo biloba = „Zweilappige Silber-Aprikose“

Während der wohl älteste Ginkgobaum Deutschlands um das Jahr

1750 in Frankfurt-Rödelheim gepflanzt wurde, stammen die beiden

Exemplare im Nordischen Garten aus der Zeit um 1870. Westlich

befindet sich ein männlicher, östlich ein weiblicher Baum.

Hätten die Finanzen damals gereicht, würde das Ginkgo-Paar

heute ein Gästehaus flankieren, das König Friedrich Wilhelm IV. im

Rahmen seines Projektes „Triumphstraße“ an dieser Stelle zu erbauen

beabsichtigte. Realisiert wurde hier jedoch nur ein kleiner Grottenbau,

umgeben von einem Gartenbereich, in dem vielerlei Nadelgehölze

eine kühle, ernste Stimmung verbreiten.

Gartenarchitektonisch steht der Nordische Garten damit in deut-


Der Ginkgo im Nordischen Garten · Karte Seite 110/111

Eine „Triumphstraße“ nach römischem Vorbild

(zu Ehren des Alten Fritz) am Rande des

barocken Gartens von Sanssouci schwebte

König Friedrich Wil helm IV. vor: Eine Erlebnismeile,

die den Besucher emotional bewegen

sollte. Betritt der Lustwandler von heute den

Nordischen Garten, wird diese Absicht deutlich

spürbar. Umgeben von dichten Nadelgehölzen

wird er von einer düsteren, kühlen

und ernsten Atmosphäre empfangen, die ihn

unverhofft in einen Nadelwald des Nordens

versetzt. Auf der gegenüberliegenden Seite

der Maulbeerallee das genaue Gegenteil:

Dort strotzt der Sizilianische Garten hell,

warm und heiter vor mediterranem Flair.

In dieses Spannungsfeld eingebettet, sollte im

Zentrum des Nordischen Gartens ein zweigeschossiges

Gästehaus entstehen. Aus Gründen

finanzieller Knappheit wurde hier jedoch nur

ein kleiner Grottenbau mit Aussichtsplateau

realisiert. Die verbliebene Freifläche wurde

etwa 1870 mit zwei Ginkgobäumen flankiert,

die mittlerweile zu mächtigen Gestalten herangewachsen

sind: ein männlicher Baum im

Westen, ein weiblicher im Osten. Mit ihrer hellgrünen

und im Herbst goldgelben Blattfärbung

bilden sie einen deutlichen Kontrast zu den

Nadelbäumen in ihrer Umgebung.

Als ältestes lebendes Baumfossil ist der

Ginkgo ein Überlebenskünstler aus der Urzeit.

Da er entwicklungsgeschichtlich zwischen den

Farnen und Nadelbäumen eingeordnet wird,

bildet er innerhalb der Gruppe der Nacktsamer

eine Klasse für sich: die Ginkgoartigen.

männlicher

Ginkgo

Maulbeerallee

weiblicher

Ginkgo

An der Orangerie

Ginkgoblätter ähneln

kleinen Fächern,

Entenfüßen oder

Elefantenohren.

20

Blüte: April – Mai

Samenreife: Oktober

Höhe: bis 50 Meter

Das Triumphtor nahe des

Winzerberges markiert den

Anfang der unvollendet

gebliebenen Triumphstraße.

91


20

92

Der Ginkgo im Nordischen Garten · Karte Seite 110/111

Seine gelben,

fleischigen, mirabellenähnlichen

Samen

verströmen einen

penetranten Geruch

nach ranziger Butter.

Im unbelaubten

Zustand ist der Ginkgo

an den zahlreichen

Kurztrieben zu

erkennen, die wie

Hutständer von den

Zweigen abstehen.

Blick vom weiblichen zum

männlichen Ginkgo

Er erreicht ein Alter von weit über 1000

Jahren, gedeiht in so gut wie jedem Boden und

Klima und gilt als besonders resistent gegen

Hitze, Feuer und Schädlinge. Als 1945 die

Atombombe in Hiroshima hunderttausenfach

Leben auslöschte, trieb ein scheinbar vollständig

verbrannter Ginkgo im nächsten Frühjahr

wieder aus.

Der unangenehme Geruch der Samen nach

Buttersäure hat in Europa dazu geführt, dass

vorrangig männliche Ginkgobäume angepflanzt

werden. In Asien hingegen erfreut sich der

weibliche Baum größerer Beliebtheit, da dort

die gerösteten Samenkerne als Delikatesse gelten.

Ginkgoextrakte aus Samen und Blättern

haben aber auch hierzulande einen hohen

Bekanntheitsgrad als Mittel zur Stärkung von

Gehirn und Kreislauf erlangt. Mit einem 1815

verfassten Gedicht hat Goethe zur Popularität

des Ginkgos beigetragen:

Dieses Baums Blatt, der von Osten

Meinem Garten anvertraut,

Giebt geheimen Sinn zu kosten,

Wie‘s den Wissenden erbaut,

Ist es Ein lebendig Wesen,

Das sich in sich selbst getrennt?

Sind es zwei, die sich erlesen,

Daß man sie als Eines kennt?

Solche Frage zu erwiedern,

Fand ich wohl den rechten Sinn,

Fühlst du nicht an meinen Liedern,

Daß ich Eins und doppelt bin?


Zeugen der Urgeschichte in Potsdam

Titel 12

„Lebende Fossilien“ sind Lebewesen, die nachweislich vor Hunderten

von Millionen Jahren existierten und noch heute in nahezu derselben

Gestalt auf der Erde vorkommen. Die älteste, noch lebende

Baumart ist der Ginkgo. Seine Spuren reichen bis zu 290 Millionen

Jahre zurück. Im Erdmittelalter noch in etlichen Gattungen überall

auf der Welt verbreitet, hat nur eine Art die Eiszeiten in einer Region

im Osten Chinas überlebt. Erst holländische Seefahrer brachten ihn

im 18. Jahrhundert wieder nach Europa zurück.

1956 fand ein anderer Zeuge der Erdgeschichte

nach Potsdam zurück: der Urweltmammutbaum

(Metasequoia glyptostroboides).

Fossile Funde dieses Zypressengewächses

wurden 1941 zum ersten Mal

beschrieben. Die Sensation war perfekt, als

noch im selben Jahr Bestände lebender

Exemplare in einer chinesischen Bergregion

entdeckt wurden! Botanische Forschungen

ergaben, dass die Konifere vor 65 Millionen

Jahren auf der Nordhalbkugel der Erde weit

verbreitet war. Mit seinem bis zu 35 Meter

hohen Stamm, der sich kegelartig nach oben verjüngt und tiefe

Hohlkehlen ausbildet, ist er der kleinste der Mammutbäume. Im

Botanischen Garten in Potsdam ist er gemeinsam mit den kalifornischen

„Redwoods“ (Sequoia und Sequoiadendron) anzutreffen

(siehe Karte S. 115).

Erst 1994 hat sich ein anderes Urwesen der

Welt wieder gezeigt: die Wollemikiefer

(Wollemia nobilis). Das Wort „Wollemi“

stammt aus der Sprache der Aborigines und

bedeutet „wachsam sein“. Genau dies

scheint der Parkranger David Noble gewesen

zu sein, als er das vermeintlich ausgestorbene

Nadelgehölz in einem abgelegenen

Canyon des australischen Wollemi-Nationalparks

wiederentdeckte. Die Wollemikiefer

gehört zur Familie der Araukariengewächse,

deren älteste bekannte Fossilien auf 100 Millionen

Jahre zurückdatiert werden. Der bis zu 40 Meter hohe Baum

mit einer eigenartig blasigen Borke bildet Absenker, die zu neuen

Bäumen heranwachsen. – Ein Überlebensmechanismus, der sich

offenbar bewährt hat! Die Art wurde inzwischen erfolgreich vermehrt

und gelangte 2006 auch in den Botanischen Garten von Potsdam.

93


Ein Buch mit Zertifizierung

Bäume erfreuen uns. Aber sie sind auch nützlich. Sie sind Rohstoff für

viele Dinge, für dieses Buch zum Beispiel. Weil die Macher dieses

Buches wollten, dass mit dem Rohstoff Holz äußerst sorgsam umgegangen

wird, haben sie es von einer FSC-zertifizierten Druckerei herstellen

lassen, dem Druckhaus Berlin Mitte.

Das FSC-Siegel in diesem Buch bedeutet, dass

der Rohstoff für das Papier aus einer umweltgerechten

und sozialverträglichen Waldbewirtschaftung

stammt. Kontrolliert wird das vom

Forest Stewadship Council (FSC), einer 1993

gegründeten international tätigen, gemeinnützigen

und unabhängigen Organisation. Sie formulierte

zehn weltweite Prinzipien für die

Holzwirtschaft, denen sich immer mehr Waldbesitzer

anschließen. Sie garantieren u.a., dass die Grundfunktionen des

ökologischen Systems „Wald“ langfristig gewährleistet sind.

Darin ist zum Thema „umweltschonende Nutzung“ festgehalten:

Kahlschläge sind zu unterlassen, Biozide werden nicht eingesetzt, Totholz

verbleibt im Wald. Zum Thema „sozialverträgliche Arbeitsbedingungen“:

Personal wird möglichst ganzjährig beschäftigt, regelmäßige

Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen werden durchgeführt, Waldnutzungsrechte

werden anerkannt. Zum Thema „effiziente Bewirtschaftung“:

Erzeugung hoher Holzqualitäten, regelmäßige Forstinventur, Produktion

möglichst starker Hölzer, dauerhafte Marktversorgung.

Die FSC-Zertifizierung bezieht sich jedoch nicht nur auf die Holzproduktion.

Sie betrifft die gesamte Herstellungskette – vom Holzeinschlag

bis zum Druck. Wenn das Druckhaus Berlin-Mitte Papier mit dem FSC-

Zertifikat einsetzt, kann es sicher sein, dass es aus Holz aus entsprechend

zertifizierten Wäldern hergestellt wurde. Da ist es dann fast keine

Frage mehr, dass das Druckhaus auch die Abwasserbelastung und CO2-

Emission kontinuierlich verringert und überhaupt, Umweltfaktoren in

ihrer täglichen Arbeit sorgsame Berücksichtigung finden.

118


Natürlich stimmige Begegnungen

Claas Fischer, der Autor dieses

Buches, versteht sich als Mittler

zwischen Mensch und Natur. Darin

hat er seine Berufung gefunden.

Nach seinem Zivildienst bei einem

städtischen Umweltamt, einem Studienjahr

in den USA zum Thema

„Frieden und globales Handeln“,

dem Studium der Geoökologie an

der Universität Potsdam und einer

Ausbildung zum geprüften Natur-

und Landschaftspfleger gründete

er 2004 in Potsdam das Dienstleistungsunternehmen

„Natürlich Stimmig“, das eine ganzheitliche

Bildungsarbeit für Natur- und Selbstkompetenz anbietet.

Unter dem Motto „Rent a Ranger“ können Potsdam-Besucher zu einem

gewünschten Termin eine Parkführung buchen, bei der sie lustwandelnd

an prachtvollen Schlossanlagen vorbeiziehen, exotischen und majestätischen

Bäumen begegnen, Anekdoten aus der herrschaftlichen Vergangenheit

des Ortes erfahren und nachempfinden können, wie Landschaftsarchitektur

auf den Menschen wirkt.

Besondere Aufmerksamkeit wird den „Königen der Pflanzen“ bei

monatlich stattfindenden Baumwanderungen zuteil. Dabei können die

Teilnehmer einheimische und fremdländische Bäume und Sträucher

kennenlernen und Antworten bekommen auf Fragen wie: An welchen

Merkmalen erkenne ich den Baum? Welche Früchte sind essbar? Welche

Wirkung haben die als Tee aufgebrühten Blätter? Welche Bedeutung

hatte der Baum im Brauchtum unserer Vorfahren?

Im Rahmen eines Naturerlebnisprogramms können Erwachsene und

Kinder in direkten Kontakt mit der Natur treten und sie mit allen Sinnen

auf spielerische, aktive und meditative Art und Weise erleben.

„Was man für sich im Außen entdeckt, hat man im Inneren erweckt“,

sagt Claas Fischer über seine Geschäftsphilosophie, „und dasselbe gilt

auch umgekehrt“. Daher bietet er unter dem Motto „Navigation für die

Lebensreise“ ein Training in Selbstkompetenz an, eine Kreativitäts- und

Bewusstseinsschulung, die Menschen ermutigen möchte, ihre eigene,

innere Natur zu erkunden und in der Welt zu verwirklichen – also das zu

tun, was die Bäume dem Menschen vorleben: mit den Wurzeln fest verankert

auf der Erde zu stehen und mit der Krone weit nach den Sternen

zu greifen.

Kontakt: Claas Fischer, Tel: 0331-96 76 972

info@natuerlich-stimmig.de · www.natuerlich-stimmig.de

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Besonderen Dank an

Michael Burkart vom Botanischen Garten Potsdam;

Herbert Claes, Leiter des Grünflächenamtes der Stadt Potsdam;

Karl Eisbein, Katrin Schröder, Gerd Schurig, Jörg Wacker von der

Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg;

Jörg Näthe vom Verein Freunde der Freundschaftsinsel e.V.;

Anna Hoffmann, Franziska Werth

Impressum

© 2007 by Edition Terra

Alle Rechte vorbehalten. Dieses Werk sowie seine einzelnen Teile sind

urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich

zugelassenen Fällen ist ohne vorherige schriftliche Zustimmung

des Verlages nicht zulässig.

Edition Terra

Albrechtstr. 18, 10117 Berlin

Gutenbergstr. 92, 14467 Potsdam

www.edition-terra.de

ISBN: 978-3-9810147-9-2

1. Auflage September 2007

Konzept: Edition Terra, Jana Kotte

Lektorat: Katharina Döring

Grafiken, Karten: kontur GbR

Gestaltung: kontur, Ilona Heimann

Druck und Bindung: Druckhaus Berlin-Mitte

Gedruckt auf Munken Pure, chlorfrei gebleicht (TCF), FSC zertifiziert

Fotos: kontur/Ilona Heimann, Jana Kotte, Joachim Nölte,

SPSG/kontur, Claas Fischer, Anna Hoffmann, Paul W. John

Bildnachweise: Paul W. John/bpk Berlin: S. 63

GStA PK, XI. HA Karten, Allgemeine Kartensammlung,

E 52899: S. 42, 101

Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek:

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im

Internet unter http://dnb.ddb.de abrufbar.

Alle Angaben in diesem Buch wurden nach bestem Wissen recherchiert.

Sollten sich dennoch Fehler eingeschlichen haben, bedankt sich der

Verlag für jeden Hinweis.

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