Download - Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt

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Helft mir!Habe Hunger!Helft mir!Habe Geld!THEMENHEFTReichtum,du wirst einSegen seinMATERIALIENFÜR GOTTESDIENSTUND GEMEINDE


VORWORTINHALTReichtum,du wirst einSegen seinLiebe Leserin, lieber Leser,wenn die Schere zwischenEinkommensmillionären undNiedriglohnbeschäftigten inunserem Land immer weiterauseinander klafft, sichBündnisse zum Thema„Umfairteilen“ organisierenund Millionäre freiwillig mehrSteuern bezahlen möchten,dann ist es höchste Zeitüber das Thema „Reichtum“nachzudenken.Was hat Reichtum mit Armutzu tun? Wie wirken sichgroße Einkommens- und Vermögensunterschiede auf dasZusam men leben in unsererGesell schaft aus? WelcheZusam menhänge gibt es zwischenReichtum und Macht?Diese Fragen bewegen uns inder vorliegenden Broschürezum sozialpolitischen BußundBettag. Es war uns wichtigbei der Bearbeitung dieserThemen nicht polemisch undstigmatisierend zu sein, sondernnüchtern und sachbezogen.Dieser Anspruch ziehteine gewisse Differenziertheitund Wissenschaftlichkeitnach sich. Sie werden alsobeim Lesen häufiger auf soziologischeund volkswirtschaftlicheArgumentationen mitentsprechenden Fachaus-drücken stoßen. Um ihnentrotzdem ein gutes Verständnisdieser Zusammenhänge zuermöglichen, haben wir amEnde der Broschüre ein Glossareingefügt.Aufmerksame Leserinnenund Leser werden die Verän derungen auf der Titelseite bemerkthaben. Wo früher Sozialpolitischer Buß- und Bettagmit Jahreszahl genannt wurde,steht nun „Themenheft“.Wir wollen dadurch deutlichmachen, dass sich die Broschüren nicht nur zur Gestaltungvon Buß- und Bettagsgottesdiensten in einembestimmten Jahr eignen,sondern grundsätzliche An regungenund Beiträge zur derThematik anbieten.Ich wünsche uns einenklugen Umgang mit unseren– von Gott anvertrauten –Talenten. Reichtum gehörtdabei bestimmt zu den großenHerausforderungen. UnsererKDA Ökonomin und ihrenKollegen sowie allen weiternAutoren danke ich für ihrEngagement und die Erarbeitungdieser Broschüre.3 GRUSSWORTDr. Ulrich Schneider,Hauptgeschäftsführer Pari tä tischerWohlfahrts verband4 THEMA04 Warum wirtschaftliche undsoziale Ungleichheit derGesellschaft schaden07 Die schwierige Annäherungan die oberen 0,1 Prozent10 Dimensionenökonomischer Macht13 Neid und sozialeGerechtigkeit16 GOTTESDIENSTBAUKASTEN16 Predigt: Vom klugen Umgangmit Reichtum1. Kön 3, 5-1418 Alternativer Predigtvorschlag20 Liturgische Bausteine:Gebete, Lieder, Texte22 ZWISCHENRUF„Verantwortlich für die schnelleZunahme des Reich tumssind vor allem veränderteSteuergesetze.“23 HINTERGRÜNDE23 Von der Last zum Segen26 Reichtum und Verantwortung28 Ethisches Investment30 Alternativen zur Messungvon Wohlfahrt32 ZWISCHENRUF„Ist es fair und zukunftsweisend,das Phänomen Reichtum undalle Vermögenden grundsätzlichüber einen Kamm zu scheren?“33 GLOSSAR34 LITERATUR, LINKS, MEDIEN35 IMPRESSUM & KONTAKTEPeter JanowskiBundesvorsitzender des Kirchlichen Dienstesin der Arbeitswelt im Evangelischen VerbandKirche – Wirtschaft – Arbeitswelt+++ Sprüche 11, 24-28: 24 Einer teilt reichlich aus und hat immer mehr; ein andrer kargt, wo er nicht soll, und


GRUSSWORTDie Deutsche Steuer- und Haushaltspolitiksteht vor einem Scheideweg. Auf dereinen Seite eine Schuldenbremse, die zustrukturell ausgeglichenen Haushaltenzwingt. Auf der anderen Seite drängenderInvestitions- und Reformbedarf von derPflege bis zur Bildung, den kein Politikerernsthaft bestreiten wollte. Allein in denKommunen besteht ein Investitionsrückstandvon fast 100 Milliarden Euro. Überein Viertel davon entfallen auf Schulen undandere Bildungs- und Erziehungseinrichtungen.Sporthallen und Spielplätze sindvielerorts in marodem Zustand. Schwimmbäder,Büchereien und Theater werdengeschlossen. Jugendzentren und Projektein so genannten sozialen Brennpunktensind genauso Opfer dieser Entwicklungwie Seniorentreffs oder familienunterstützendeDienste – Einrichtungen, die fürdie Lebensqualität in einer Kommune vonzentraler Bedeutung sind. Echte Armutsregionen sind in Deutschland mittlerweileentstanden. Von gleichwertigen Lebensbedingungen,wie sie das Grundgesetzfordert, kann keine Rede mehr sein.In den staatlichen Konsolidierungs -bemühun gen wurde bisher fatalerweisefast ausschließlich auf Ausgabenkür zun genzu Lasten der Schwächsten gesetzt. DieHaushaltskonsolidierung wurde mit derimmer tieferen Spaltung der Gesell schaftund der immer weiteren Ausgrenzungohnehin benachteiligter Gruppen erkauft.Sollte dieser Weg so weiter gegangenwerden, wird mittelfristig der gesamteSozial staat aufs Spiel gesetzt. Oder anders:Wer diesen Sozialstaat weiter will,muss sich auch zu den damit verbundenenMehr kosten bekennen und dieVerteilungsfrage stellen.Geld ist da. Deutschland ist gemessenam Bruttoinlandsprodukt nach wie vordas viertreichste Land der Erde. Denrund 2 Billionen Euro öffentliche Schuldenstehen in Deutschland fast 5 BillionenEuro privates Geldvermögen gegenüber.Dabei wächst das private Vermögen deutlichschneller als die öffentliche Verschuldung.Aber: Dieses Vermögen ist extremungleich verteilt. Teilen sich die obersten30 Prozent auf der Wohlstandsskala über90 Prozent des Gesamtvermögens, lebtder ganz überwiegende Teil der Bevölkerungmehr oder weniger von der Handin den Mund.Angesichts der sozialen und demo gra fischenHerausforderungen kommen wirnicht darum herum, sehr Vermögende zurFinanzierung der Lasten stärker als bisherheranzuziehen. Große Vermögen, Erbschaftensowie hohe Einkommen müs senstärker besteuert werden als es derzeitder Fall ist. Es geht dabei nicht um Neid,sondern um soziale Gerechtigkeit. Esgeht nicht um Klassenkampf, sondernum Vernunft.Die notwendige Umfairteilung verlangtin dieser Gesellschaft eine Grundhaltungder Solidarität, der gemeinschaftlichenVerantwortung und des Anstands. Sie verlangtdie Bereitschaft, etwas für diesesGemeinwesen zu tun, und von einigendie Bereitschaft, im wahrsten Sinne desWortes abzugeben, zu teilen. Deutschlandist nicht nur Wirtschaftsstandort sondernvor allem Lebensstandort. Vom Teilenprofitieren letztlich alle, auch die, die abgeben.Teilen ist nichts Unanständiges,sondern die Basis eines solidarischenMiteinanders.Hierüber aufzuklären und für eine neueSolidarität in Deutschland zu werben,bieten gerade die Buß- und Bettagsgottesdienste einen guten Anlass.Dr. Ulrich SchneiderHauptgeschäftsführerParitätischer WohlfahrtsverbandTHEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen seinwird doch ärmer. +++ 25 Wer reichlich gibt, wird gelabt, und wer reichlich tränkt, der wird auch getränkt3


THEMAWENN IN EINEM LANDE ORDNUNGHERRSCHT, so ist Armut und Niedrigkeiteine Schande; wenn in einem LandeUnordnung herrscht, dann ist Reichtumund Ansehen eine Schande.Konfuzius: Gespräche Lunyü, Wiesbaden:Marix, 2005, S. 138 (VIII,13)Wohin heuteNacht?Warum wirtschaftliche und sozialeUngleichheit der Gesellschaft schadenEine hinführende Unterzeile ist nötigEs war die jüdisch-christliche Vorstellungvom Menschen als Geschöpf und EbenbildGottes, die dem Gleichheitsgedankenerstmals eine universelle Dimension verlieh.Mit der Aufklärung und den bürgerlichenRevolutionen seit dem 18. Jahrhundertwurde die Forderung nach politischerGleichheit aufgestellt, die zum konstitutivenMerkmal moderner Demokratien werdensollte. In den sozioökonomischenKonflikten und Kämpfen der beginnendenIndustrialisierung erwuchs darüber hinausdas Streben nach sozialer Gleichheit.Die als Einheit gedachten Grundsätze derfranzösischen Revolution Liberté, Égalité,Fraternité wurden zu – immer wieder umkämpften- universellen Werten emanzipatorischerPolitik in Gestalt allgemeinerMenschenrechte. In den westlichenDemokratien schlugen sie sich nach 1945in den verschiedenen Varianten des Wohlfahrtsstaates nieder, der den MenschenChan cengleichheit auf der Grundlagematerieller sozialer Gerechtigkeit gewährenwollte. Jede und jeder sollte seineund ihre Ta len te und Befähigungen unabhängigvon der sozialen Herkunft bestmöglichent wickeln können.Mit der am Ende der langen Nachkriegsprosperitätin den 1970er Jahren einsetzenden neoliberalen Transformation derWirt schafts- und Gesellschaftsordnungwurden diese Grundlagen zunehmend inFrage gestellt. Dabei bereitete die marktradikaleSozialphilosophie mit ihremag gressiven Anti-Egalitarismus den geistigenBoden für die Angriffe auf denWohl fahrtsstaat. 1 Mit besonderer Schärfeattackierte der spätere neoliberale WirtschaftsnobelpreisträgerFriedrich Augustvon Hayek jedwede egalitäre Politik:„Ungleichheit ist nicht bedauerlich, sondernhöchst erfreulich. Sie ist einfachnötig.“ 2 An die Stelle des Leitbilds derdurch politische Eingriffe herzustellenden4 THEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen seinwerden. +++ 26 Wer Korn zurückhält, dem fluchen die Leute; aber Segen kommt über den, der es verkauft.


THEMAWohin mitdem Geld?Chancengleichheit in der Gesellschaft tratnun das Bild des eigenverantwortlichen,auf sich selbst gestellten Individuums.Gleichheit, so das neoliberale Credo, sollees allein vor dem Gesetz im Sinne formalerGleichheit geben. Dagegen wurde dasStreben nach sozialer Gleichheit undsozialer Gerechtigkeit als unzeitgemäßesPrinzip moderner individualisierter Gesellschaftendiskreditiert.In der durch die neoliberalen Agendainspirierten wirtschafts- und sozialpolitischenPraxis kam es, wie der langjährigeDirektor des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschungund führende PolitikberaterWolfgang Streeck aus heutigerSicht resümiert, zu einem „Prozess derAuflösung des Regimes des demokratischenKapitalismus der Nachkriegszeit.“ 3Im Ergebnis müssen wir 30 Jahre nachdiesem Paradigmenwechsel konstatieren,dass die sozioökonomische Ungleichheitnational wie international massiv zugenommenhat. Das wirtschaftspolitischeKon zept der Standortkonkurrenz produzierteGewinner- und Verliererstaaten imglobalen Maßstab. Selbst Europa drohtmit der seit 2008 anhaltenden Finanz- undWirt schafts krise wirtschaftlich und sozialauseinanderzubrechen. Und auch inDeutschland, für viele einst Beispiel füreinen tragfähi gen Kompromiss zwischenKapital und Arbeit, haben sich die Lebenschancendramatisch auseinanderentwickelt,wie insbesondere an den immerweiter aus einan derklaf fen den Einkom mensundVermögens verhältnisse und demstarren, undurch lässigen Bil dungssystemdeutlich wird. Für den renommiertenSozial histo riker Hans-Ulrich Wehler istdiese Ent wicklung von einer „verblüffen denRealitätsblindheit“ der Eliten begleitet. 4Die frappierende Zunahme sozialer undwirtschaftlicher Ungleichheit steht nichtnur im Konflikt mit den rechtlichen Nor mendes Grundgesetzes im Hinblick auf Sozialstaatlichkeitund die Herstellung gleicherLebensbedingungen für alle Menschen.Auch der viel diskutierte und beklagteWertewandel hin zu einer Ellenbogen gesellschaftist die Konsequenz einer Sozialethik,welche die Eigennutzorientierungder Individuen zur Ultima Ratio erklärt.Aber neben diesen rechtlichen und ethischenKategorien hat die Ungleichheitauch handfeste materielle Auswirkungenauf Individuum und Gesellschaft.Im ökonomischen Feld sinkt durch dieUmverteilung von unten nach oben seit20 Jahren fast durchgängig die Lohnquote,d. h. der Anteil der Einkünfte aus abhängigerArbeit am gesamten Volkseinkommen.Im Ergebnis schrumpfen die KaufkraftTHEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen sein+++ 27 Wer nach Gutem strebt, trachtet nach Gottes Wohlgefallen; wer aber das Böse sucht, dem wird es5


THEMAVIELLEICHT VERDIRBT GELD DEN CHARAKTER.Auf keinen Fall aber macht Mangel an Geldihn besser.John Steinbeck (1902-68), amerik. Schriftstellerder privaten Haushalte und die Nachfrageauf dem Binnenmarkt mit der Folge einernegativen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. 5 Deutschland wird damit nochabhän giger vom exportorientierten „Geschäftsmodell“mitsamt seiner wirt schaftspolitischenImplikationen. Hinzu kommt,dass durch die unsicheren Lebenslagenprekärer Beschäftigungsverhältnisse daswirtschaftliche Prinzip immer tiefer denLebensalltag der betroffenen Menschendurchdringt und damit zugleich einenLebensstil permanenter Wachstumsorientierungerzwingt, um überhaupt dieExistenz sichern zu können. 6 Auch stellendie Folgekosten gesellschaftlicher Ungleichheitein echtes volkswirtschaftlichesProblem dar, denn sozialer Abstieg ist oftvon gesundheitlichem Verfall, schlechterErnährung oder hoher Kriminalität begleitet,wie Richard Wilkinson und Kate Pickettin ihren Untersuchungen zur Ungleichheitherausgearbeitet haben. 7 Die höherenKosten für das Gesundheitswesen, Justizoder Polizei müssen dann durch Steuermittelaufgebracht werden, die wiederuman anderer Stelle fehlen.Es ist fast eine zwangsläufige Folge,dass der gesellschaftliche Zusammenhalteiner sozialen Demokratie infolge überbordenderUngleichheit abnimmt: Wennder Trend dahin geht, dass jede und jederversucht zum eigenen Vorteil zu handeln,gerät das Gemeinwohl aus dem Blick.Damit riskieren wir eine gesellschaftlicheEntwicklung, die längst überwunden geglaubteKlassenverhältnisse reproduziert.Während die „Unterschicht“ in Enttäuschungund Hoffnungslosigkeit verharrtund die „Mittelschicht“ von der Angst dessozialen Abstiegs durchdrungen und gefangenist, scheint sich ein Großteil der„Oberschicht“ von der Gesellschaft abzukoppeln.Es ist wenig verwunderlich, dassvor diesem Hintergrund autoritäre undausschließende Denkweisen neue Verbreitung finden. Das wirkt auch auf daspolitische System zurück. Wenn sich dieso zialstaatlich eingebettete Demokratiezur „Postdemokratie“ (Collin Crouch) wandelt,die lediglich auf formale prozessualeVer fahren gestützt ist und die sozialeDimen sion immer weiter ausklammert,dann leidet auch die Legitimität von Politikinsgesamt. Sichtbarer Beleg für dieseEntwicklung ist die stetig sinkendeWahlbeteiligung aller parlamentarischenEbenen auf historische Tiefstände. 8Gleichheit ist nicht irgendein gesellschaftlicherWert. Sie ist ein universeller Grundpfeilermoderner, demokratischer Gesellschaften.Dabei ist die formelle Gleichheitdie eine Seite der Medaille, die sozialeGleichheit die andere. Es war und ist einIrrglauben des Neoliberalismus und seinerideologischen Ableger, dass hochentwickelteWirtschaftsgesellschaften aus sichheraus über freie Märkte ausreichendeChancen für alle generieren. Im Gegenteil:je mehr wir uns dem neoliberalen Idealeiner Marktgesellschaft nähern, desto ungleicherist die Chancenverteilung geworden.Deshalb ist die Wiederherstellungsozialer Gleichheit im Sinner echter Chancengleichheiteine zentrale Aufgabe vonPolitik und Zivilgesellschaft. Auch das irreführendeGegeneinanderstellen vonGleichheit und Freiheit ist nichts als eineideologische Konstruktion. Tatsächlichbedingen Freiheit und Gleichheit einander.Diese Bedingtheit fasst der französischeSoziologe Étienne Balibar im Begriff der„Gleichfreiheit (Égaliberté)“ 9 zusammen –ein Begriff, den es lohnt weiter zu denkenund praktisch werden zu lassen.Ralf Ptak1 Vgl. Ralf Ptak (2008): Grundlagen des Neoliberalismus, in: ChristophButterwegge / Bettina Lösch / Ralf Ptak (2008): Kritik des Neoliberalis mus,2. Aufl., Wiesbaden: VS Verlag, S. 13-86, v.a. S.66 ff.2 Friedrich A. von Hayek (1981): „Ungleichheit ist nötig“ – Interview mitFriedrich August von Hayek, in: Wirtschaftswoche, Heft 11, S. 38; dortheißt es auch mit Blick auf die Entwicklungsländer: „Für eine Welt, die aufegalitäre Ideen gegründet ist, ist das Problem der Überbevölkerung aberunlösbar. Wenn wir garantieren, dass jeder am Leben erhalten wird, dererst einmal geboren ist, werden wir sehr bald nicht mehr in der Lage sein,dieses Versprechen zu erfüllen. Gegen diese Überbevölkerung gibt es nurdie eine Bremse, nämlich daß sich nur die Völker erhalten und vermehren,die sich auch selbst ernähren können.“3 Wolfgang Streeck (2013): Gekaufte Zeit. Die vertagte Krise des demokratischenKapitalismus, Frankfurt/M.: Suhrkamp, S. 104 Hans-Ulrich Wehler (2013): Die neue Umverteilung. Soziale Ungleichheitin Deutschland, München: C.H. Beck, S. 13 u. 75 Vgl. Karl Brenke/Gert G. Wagner (2013): Ungleiche Verteilung der Einkommenbremst das Wirtschaftswachstum, in: Wirtschaftsdienst, H. 2, S. 110-1166 Vgl. Till van Treeck (2012): „Wohlstand ohne Wachstum“ braucht gleichmäßigeEinkommensverteilung, in: APuZ, 62. Jg., H. 27-28, S. 32-387 Vgl. Richard Wilkinson /Kate Pickett (2012): Gleichheit ist Glück. Warumgerechte Gesellschaften besser für alle sind, 4. Aufl., Berlin: Tolkemitt-Verlag8 Vgl. Streeck, Fn 3, S. 899 Étienne Balibar (2012): Gleichfreiheit, Frankfurt/M.: Suhrkamp6 THEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen seinbegegnen. +++ 28 Wer sich auf seinen Reichtum verlässt, der wird untergehen; aber die Gerechten werden


THEMADie schwierige Annäherung andie oberen 0,1 ProzentAnalyse, Bewertung und HandlungsoptionenAussagen über den Zusammenhang zwischeneiner (weltweit) zunehmendenKonzentration von Reichtum in der Handeiniger weniger und der wachsenden privatenund öffentlichen Armut. 3VIELE KAPITALISTEN VERBRINGEN ein Drittelihres Lebens damit, Kapital zu schaffen,ein weiteres Drittel, ihr Geld zu bewahren,und im letzten Drittel befassen sie sich mitder Frage, wem sie es vermachen sollen.André Kostolany (1906-99), amerikanischerBörsenkolumnist ungarischer HerkunftDie Forderung der Kirchen und zivilgesellschaftlicherGruppen, dass auchReich tum Gegenstand der gesellschaftlichenDebatte sein müsse, 1 wird mit denArmuts- und Reichtumsberichten (AuR)der Bun des regierung, die seit 2001 injeder Legis laturperiode erstellt wurden,nur teilweise entsprochen. Erstmals wurdedamit zwar überhaupt von Regie rungsseiteReich tum genauer betrachtet. Allerdingswurde bei allen bisher vorgelegtenBerich ten zu Recht kritisiert, dass für dieEr forschung von Reichtum weder eine angemesseneDatenbasis noch ein klaresmethodisches und begriffliches Instrumentarium zur Verfügung steht. DiesenMangel behebt auch der nun vorliegende4. AuR nicht. Das ist umso bedauerlicher,als die Bundesregierung im Vorfeld des4. AuR eine umfangreiche Studie zu Möglichkeitenund Grenzen der Reichtumsberichterstattungerstellen ließ. Sie machtdeutlich, dass zwar bei weitem nicht alleLücken in der statistischen Datenbasis zurErfassung von Reichtum geschlossensind, dass aber inzwischen sehr viel mehrmöglich wäre, als die sehr knappe und aufwenige Aspekte beschränkte Darstellungdie der aktuelle AuR bietet. 2 Insbesonderefehlen in diesem Bericht auch fundierteSchwierigkeiten der Definition undAbgrenzung von ReichtumDie Reichtumsforschung umfasst sowohlquantitative Aspekte wie das Ausmaß vonReichtum (wie viele Personen sind reich?),die Intensität (wie reich sind diese Personen?)und die Definition von Schwellenwerten.Diese Größen und insbesondereletztere sind von Bedeutung, da sie alsGrundlage politischer Entscheidungenherangezogen werden und in der öffentlichenDebatte eine große Rolle spielen.Außerdem sind auch qualitative Fragennach der Entstehung, der Persistenz undder gesellschaftlichen Funktion von ReichtumGegenstand der Reichtums- undVermögensforschung.Der im 4. AuR der Bundesregierunganalog zur Armutsgrenze verwendeteReichtumsbegriff, der als reich bezeichnet,wer mehr als 200 bzw. 300 % des mittlerenEinkommens (Median) erreicht, wirdnicht nur von den meisten Bürge rin nenund Bürgern nicht geteilt 4 sondern auchvon der Reichtumsforschung so nicht mitgetragen.Reichtumsforscher verstehenunter Reichtum meist Vermögen, die sogroß sind, dass sie sich problemlos aussich selbst erhalten oder wachsen. 5Von Finanzinstituten, die für VermögendeAnlagen verwalten und diese beraten,werden Menschen, die ein frei verfügbaresNetto-Kapitalvermögen (ohneselbst genutzte Immobilien oder anderehochwertige Sachgüter) von 1 Million Eurohaben, als „High-Networth-Individuals“bezeichnet, solche mit 30 Mill. Euro freiverfügbarem Kapitalvermögen als „Ultra-High-Networth-Individuals“, einige Reichtumsforscherbezeichnen als „Super reiche“Personen mit einem Vermögen ab 100Millionen Euro. Je nach eigener Lebenssituationnennen Bürgerinnen und BürgerTHEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen seingrünen wie das Laub. +++ Gen 24, 34-36: 34 Er sprach: Ich bin Abrahams Knecht. +++ 35 Und der HERR hat7


THEMAReichtum ist nicht gleich ReichtumEs kann nicht überraschen, dass sich inder Bewertung von Reichtum unterschiedlicheForschungsrichtungen gegenübereineReichtumsgrenze bei Einkommenzwischen knapp 5000,00 Euro und über12.000,00 Euro. Das durchschnittliche Vermögenvon Reichen liegt bei dieser Erhebungbei ca. 2,6 Mill. Euro.Der Medianwert führt zu einer Ver nachlässigungder höchsten und niedrigs tenEinkommen. Insgesamt erlauben die verfügbarenstatistischen Daten und Me tho denauch in anderen Ländern keine realis ti scheErfassung der höchsten Ein kom men undVermögen. Insbesondere die Schwierig keitenbei der Erfassung und Bewertung vonVermögen führen zu einer systemati schenUnterschätzung hoher Vermögen.Noch immer bleibt das Problem un gelöst,dass ein großer Teil der Daten erfassungauf die freiwillige Auskunft von reichenbzw. vermögenden Personen angewiesenist 6 und dass ein sehr beträcht licher Anteildes privaten Vermögens in Offshore-Zen tren verlagert und daher für nationaleFi nanzbehörden weitgehend unzugänglichist. 7 Schließlich führt die übliche Darstellungin Quintilen oder Dezilen dazu, dasskeine Differenzierung innerhalb dieserGruppen möglich ist. Dies ist besondersgravierend im obersten Dezil, da hier dieSpreizung weitaus größer ist als in jedemanderen Zehntel. 8Mit dem Verweis auf die unvollständi geDatenlage und die Schwierigkeiten derErfassung wird häufig von der Tat sacheder hohen Konzentration von Reichtumund Ver mögen bei einem sehr kleinen Teilder Be völkerung und dessen Folgen fürdie übrige Bevölkerung und die Wirtschaftabgelenkt.Wie also nähert man sich den Reichenund der Frage wie Reichtum entsteht undvermehrt wird und wozu er eingesetzt wird?DER REICHTUM, den die Natur verlangt,ist begrenzt und leicht zu beschaffen, derdagegen, nach dem wir in törichtemVer langen streben, geht ins Ungemessene.Epikur: Philosophie der Freude, 11. Aufl. Frankfurt/M:Insel, 2009, S. 55Reichtum als entscheidende Vorraus setzungfür Distinktion ist neben der quan titativenErfassung von Einkommen undVermögen ein wesentlicher Bereich derReichtumsforschung. Dabei geht es zumeinen um die Möglichkeiten unbegrenztenLuxus-Konsums, um exklusives Wohnenund um sehr individuelle Sport- und Freizeitgestaltung.Es geht vor allem aberauch um die selbst gewählte Abgren zungvon großen Teilen der Gesellschaft.Während Armen Teilhabe in vielen Formenaufgrund finanzieller Grenzen nicht möglichist, entziehen sich die Superreichenvielfach dieser Teilhabe und leben in einereigenen, von nationalen Grenzen weitgehendunabhängigen Welt. Gleichzeitigüben sie, teilweise durch die Medienberichterstattungund die Idealisierung desmit Reichtum verbundenen Lebensstils,noch stärker aber durch die mit Reichtumverbundene wirtschaftliche und politischeMacht einen nicht zu überschätzendenEinfluss auf das Leben aller anderen aus.Letzteres wird ermöglicht und gestärktdurch eine sehr effektive Servicestrukturund ein Milieu von Funktionseliten, die davonselbst profitieren und die „Richistan“wirksam abschirmen 9 .8 THEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen seinmeinen Herrn reich gesegnet, dass er groß geworden ist, und hat ihm Schafe und Rinder, Silber und Gold,


THEMAstehen. Die einen, wie der Soziologe UlrichBeck, warnen vor einer „vorrevolu tionärenSituation“ 10 , die anderen betonen diepositive gesellschaftliche Rolle, die großeStif ter und Spender von John D. Rockefellerund Andrew Carnegie bis Bill Gatesübernehmen. Thomas Druyen u.a. gehenda von aus, dass wir Reiche brauchen unddarauf angewiesen sind, dass sie ihr Vermögensinnvoll zum Wohle der Gesellschafteinsetzen. 11 Spenden und gemeinnützigeStiftungen sind zweifellos ein gesellschaftlichunverzichtbarer Bereichbürgerschaftlichen Engagements. Werwüsste dies besser als die Kirchen, derenArbeit einerseits von der freiwillig gezahltenKirchensteuer und zum anderen Teilvon zahllosen kleinen und vielen größerenSpenden finanziert wird. Dass auch hierdie Wohlhabenden und Vermögendeneinen beachtlichen Anteil tragen, ist zwarauf ihre größere Leistungsfähigkeit zurückzuführen,aber dennoch nicht selbstverständlich.Dies kann aber kein Ersatzfür eine Besteuerung nach der Leistungsfähigkeitund keine Rechtfertigung dafürsein, dass große Privatvermögen und sehrhohe Einkommen nicht entsprechend zurFinanzierung öffentlicher Aufgaben herangezogenwerden.Auch in Deutschland hat die Zahl derprivaten Stiftungen deutlich zugenommen.Allerdings handelt es sich keineswegsnur um große, gemeinnützige Stiftungenvon wohlhabenden Privatpersonen.Immer häufiger errichten Menschen inGemein den oder in anderen lokalenKontexten gemeinsam, mit vielen kleinenZustif tun gen und Einzelspenden Stiftungen,um wegbrechende öffentlicheoder kirchliche Mittel zu ersetzen.Problematisch bleibt dabei die Ungleichheitin den Gestaltungsmöglichkeiten unddie fehlende demokratische Kontrolle.Problematisch bleibt die Tatsache, dassein hohes Ungleichgewicht in der Vermögensverteilungdie Gefahr wiederholterund immer dramatischerer Finanz- undWirtschaftskrisen mit sich bringt und insgesamtfür die wirtschaftliche und demokratischeEntwicklung unproduktiv undschädlich ist. Hier gibt es weiteren Forschungsbedarf,um diese Zusammenhängegenauer zu belegen. Hier gibt esaber vor allem auch hohen politischenHandlungs- und Gestaltungsbedarf übernationale Grenzen hinweg, um die technischdurchaus vorhandenen Möglich keitenfür die gleichmäßige Erfassung undBesteuerung aller Einkommen und Ver mögenumzusetzen. Schritte in die richtigeRichtung sind die in der EU im Rahmender verstärkten Zusammenarbeit von elfMitgliedsländern angestrebte Einführungeiner Finanztransaktionssteuer sowie dieBemühungen um einen automatischenInformationsaustausch steuerrelevanterDaten in Europa analog dem amerikanischenFATCA-Abkommen, das alleBanken und Finanzdienstleister verpflichtet,steuerlich relevante Daten automatischin die Heimatländer der Auslandsanlegerzu übermitteln. Hier braucht eserhöhte Aufmerksamkeit und Informationseitens der Politik aber auch der Zivilgesellschaft.Es geht dabei gerade nichtdarum, den Mittelstand und die mittelständischeWirtschaft weiter zu belasten,sondern vielmehr auch um eine Beseitigungvon Wettbewerbsverzerrungen zugunstenTransnationaler Unternehmenund sehr hoher Privatvermögen und derweiteren, demokratiegefährdenden Konzentrationvon Reichtum und Macht.Brigitte Bertelmann1 Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit. Wort zur wirtschaftlichenund sozialen Lage in Deutschland, Hrsg. Rat der Evangelischen kirche inDeutschland und Deutsche Bischofskonferenz, Bonn, 1997, Zi. 24.2 Lebenslagen in Deutschland. Der 4. Armuts- und Reichtumsbericht derBundesregierung, Hrsg. Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Bonn2013, S. 406 ff3 Vgl.Trade and Development Report 2012. Wirtschaftspolitik für sozialausgewogenes und stabiles Wachstum, Genf und Bonn 2012 zu den Auswirkungender Einkommenskonzentration auf Wachstum und Entwicklung.Zur Einkommenskonzentration in Deutschland siehe auch: Anselmann,Christina und Hagen Krämer, Wer hat, dem wird gegeben. WISO direkt,Hrsg. Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn, September 20124 Vgl. Lebenslagen in Deutschland, a.a.O. S. 409 ff5 Vgl. z.B. Reichtum und Vermögen, Zur Gesellschaftlichen Bedeutung derReichtums- und Vermögensforschung, Hrsg. Druyen, Thomas et al.,Wiesbaden 20096 Vgl. Möglichkeiten und Grenzen, a.a.O. S. 377 Nach konservativen Schätzungen des Tax Justice Networks handelt es sichdabei um weltweit ca. 21 Billionen US-Dollar. Vgl. You Don’t Know the Halfof it. (Or: Why inequality is worse than we thought) by Nicholas Shaxson,John Christensen and Nick Mathiason; Tax Justice Network, July 2012,http://www.taxjustice.net/cms/upload/pdf/Inequality_120722_You_dont_know_the_half_of_it.pdf8 Vg. Anselmann, Christina und Hagen krämer, a.a.O., S. 39 In 0,1 %. Das Imperium der Milliardäre, beschreibt Hans-JürgenKrysmanski das Entstehen und die Auswirkungen der weltweit wachsendenVermögenskonzentration in der Verfügung einer sehr kleinen Elite,Frankfurt a. Main, 201210 Monitor (WDR) am 24. 05. 2012, Den Euro retten, die Demokratieruinieren. Wie Politiker in der Krise wieder den Banken folgen und dieBürger verlieren, Bericht von Kim Otto und Stephan Stuchik11 Druyen, Thomas, Hrsg. (2011) Vermögenskultur. Verantwortung im21. Jahrhundert, Wiesbaden 2011THEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen seinKnechte und Mägde, Kamele und Esel gegeben. +++ 36 Dazu hat Sara, die Frau meines Herrn, einen Sohn9


THEMADimensionen ökonomischer MachtEine hinführende Unterzeile ist nötigDer Epochenwechsel am Ende der 1970erJahre vom „demokratischen Kapitalis mus“(Streeck) zur „neoliberalen Revolution“(Friedman) hat nicht nur die wirtschaftlicheund soziale Ungleichheit in allen fortgeschrittenenIndustriestaaten ansteigenlassen, sondern auch eine neue Qualitätökonomischer Machtpositionen aufgebaut.Eine Kombination aus drei Faktoren dürftediese Entwicklung beschleunigt haben:(1) Die Verlagerung politischer Entscheidungenin die Sphäre der anonymenSelbst regulierungskräfte des Marktes,(2) die ungehemmte Entfesselung derökonomischen Globalisierung und (3) dietechnischen Möglichkeiten weitgehendunkontrollierter Geschäftsbeziehungendurch die Cyber-Revolution. Ein Symptomdieser Entwicklung ist die Herausbildungeiner neuen globalen Elite der Super rei chen(siehe auch den Artikel auf Seite 7 vonB. Bertel mann), etwa 1.200 US-Dollar-Milliardäre, 1 die unter den genannten Bedingungeneine nahezu unkontrollierteprivate Sphäre wirtschaftlich-politischerMacht aufgebaut haben. Chrystia Freeland,Geschäftsführerin der „Verbrauchernachrichten“bei der Nachrichtenagentur Reu tersund Wirtschaftsjournalistin, bezeichnetdiese kleine Schicht der Super reichen alsBeginn einer neuen Plutokratie. 2Ob die 250-fache höhere Entlohnungeines DAX-Topmanagers in Deutschlandgegenüber dem Durchschnittsverdienereine leistungsbezogene Rechtfertigunghat, ist mehr als zweifelhaft. Aber in derChampions-League der Superreichenhaben sich Leistung und Vermögens entwicklungin kaum fassbarer Weise auseinanderentwickelt.Die deregulierten Finanzmärkteund ein globales Netzwerk vonSteueroasen ermöglichen eine leis tungsloseVermehrung von Reichtum, die an dieSchatzkammern der Könige und Fürstenim Feudalismus erinnert. Aller dings mitdem Unterschied, dass sie nicht nur gehortet,sondern auf spekulativen Märktenmit höchsten Renditen angelegt werden.Im Ergebnis sind Vermögen entstanden,welche die Budgets ganzer Staa ten übersteigenund die private Ak teure mit ungeheurerMacht ausstatten. Für die Wirtschaftswissenschaft war und ist dieseper sonenbezogene Seite ökonomischerMacht (bisher) kein oder bestenfalls einRandthema. Lediglich in der diffu sen antikapitalistischenNachkriegs stimmung deszerstörten Deutschlands wagte der OrdoliberaleAlexander Rüstow einmal ein„Gedanken-Experiment“. Zur Verteidigungeiner ‚echten‘, funktionsfähigen Marktwirtschaftbrachte er die Herstellung allgemeinerStartgerechtigkeit aller Menschendurch eine radikale Reform des Erbschaftsrechtsin die Debatte ein. 3 Auch diegegenwärtig viel beschworene Not wendigkeitguter Bildungschancen für jungeMenschen, die heute mehr denn je darüberentscheiden, ob eine Integration inden Arbeitsmarkt gelingt, ist letztlich eineFrage personeller wirtschaftlicher Machtverhältnisse.Denn Bildung ist in FolgeZERSTÖRE BANKKONTO UND KREDIT, undder reiche Mann hat nicht bloß kein Geldmehr, sondern er ist am Tage, wo er esbegriffen hat, eine abgewelkte Blume.Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften –Roman/I. Erstes und zweites Buch, 16. Aufl. Reinbekbei Hamburg: Rowohlt, 2002, S. 41910 THEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen seingeboren meinem Herrn in seinem Alter; dem hat er alles gegeben, was er hat. +++ Gen 26, 12-14: 12 Und


THEMAdes sozialstaatlichen Ab- und Um bauszunehmend zu einem Ersatz für Sozialpolitikgeworden und entscheidet damit inhohem Maße über individuelle (materielle)Lebenschancen und ein selbstbestimmtesLeben. 4 Aber trotz dieser – aus bildungspolitischerPerspektive durchaus bedenklichen– ökonomisch-funktionalenAuf wer tung von Bildung, stagnieren diedeutschen Bildungsausgaben vor demHinter grund entsprechender wirtschaftsundfiskalpolitischer Entschei dun gen aufinternational niedrigem Niveau.Dagegen gehört die strukturelle Seiteökonomischer Macht seit Beginn der modernenWirtschaftstheorie durchaus zumAnalysebereich der Wirtschaftswissenschaft.Seit Adam Smith gilt die optimistischeAnnahme, dass die dezentraleStruktur einer Marktwirtschaft die Machtder Akteure gewissermaßen automatischbegrenzt. Damit dies funktionieren kann,bedarf es allerdings einer ethisch fundiertenSelbstbeschränkung der Markt akteureund vor allen Dingen eines vollständigenWettbewerbs, der die Macht der Einzelnenbeschränkt. Beide Voraus setzungenhaben sich in der Realität hingegen nichtbestätigt. Überbordender Egoismus, Maßlosigkeitund eine sich selbst verstärken deGier sind weitverbreitete ‚Tugenden‘ vielerMarktakteure geworden. VollständigerWettbewerb mit seinen vermeintlichen Entmachtungstendenzen ist mithin ein theoretischesModell, das in der Realität nurauf den wenigsten Märkten existiert.Zwar haben auch hier die deutschenOrdoliberalen einen interessanten Beitragzur Wettbewerbstheorie geleistet, indemsie schon seit den 1930er Jahren auf dieNotwendigkeit einer staatlichen Organi sationder Wettbewerbsordnung hingewiesenhaben. Aber ihr Ideal einer machtfreienMarktwirtschaft hat sich zunehmend alsrein idealistisches Prinzip erwiesen. 5 Übereine Monopol- und Kartellkontrolle hin aus,die zudem durch die forcierte Internatio nalisierungder Ökonomie ausgehebelt wird,ist wenig erreicht worden. Heute ist – nichtzuletzt aufgrund des hohen Kapi tal be darfsund der globalisierten Wirtschaft – dasenge Oligopol die beherrschende Marktform,bei der vielen Nachfragern nur weni gegroße Unternehmen als Anbieter auf großräumigenMärkten gegenüberstehen.Schließlich ist das Verhältnis von Politikund Ökonomie seit langem ein Themain der Wirtschaftswissenschaft. Schon inder Weimarer Republik wurde über dieMacht der Interessengruppen diskutiert.Aber die Größe der heutigen Unternehmen,vor allem der transnationalen Konzerne mit ihren moderne KommunikationsundUnternehmensstrukturen haben eineneue Qualität wirtschaftlicher Machtausübungauf die Politik hervorgebracht.Zu Recht wird seit einiger Zeit über diewachsende Bedeutung der Medien hinausvon einer fünften Gewalt des Lobbyismusgesprochen, die durch ihre Wirkungsmächtigkeitdie Fundamente der Demokratieuntergräbt. 6Als letzten Aspekt sollten wir auch im Zeitalterdes hochentwickelten Individualis musdie betrieblichen Machtverhältnisse nichtausklammern. Zwar betont das liberaleCredo seit jeher, nochmals verstärkt imideolo gischen Gebäude des Neolibe ra lismus,die hohe Bedeutung der Ver tragsfreiheitals gewissermaßen wirtschaftlicheSeite des persönlichen Freiheitsideals.Aber allen zeitgeist-gemäßen Freiheitsbekundungenzum Trotz besteht zwischenTHEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen seinIsaak säte in dem Lande und erntete in jenem Jahre hundertfältig; denn der HERR segnete ihn. +++ 13 Und er11


THEMAUnternehmern und Beschäftigten bisheute ein grundlegendes AbhängigkeitsundMachtverhältnis. Diese Macht assymetriehat bereits Max Weber wie folgtauf den Punkt gebracht: „Das formaleRecht eines Arbeiter, einen Arbeitsvertragjeden beliebigen Inhalts mit jedem beliebigemUnternehmer einzugehen, bedeutetfür den Arbeitssuchenden praktisch nichtdie mindeste Freiheit in der eigenen Gestaltungder Arbeitsbedingungen und garantiertihm an sich auch keinerlei Einflussdarauf. Sondern mindestens zunächstfolgt daraus lediglich die Möglichkeit fürden auf dem Markt Mächtigeren, in diesemFall normalerweise den Unternehmer,diese Bedingungen nach seinem Ermessenfestzusetzen (...).“ 7 Mag sein, dassheute einzelne Unternehmen bestimmterauf Kreativität angewiesener Branchen dieindividuellen Freiheitsräume der Beschäftigtenerweitert haben. Aber im Großenund Ganzen ist die Sphäre der Wirtschaftauch im 21. Jahrhundert eine demokratiefreieZone, in der bestenfalls die Grundrechteund beschränkte Beteiligungsrechtedurch Gewerkschaften mit ihrenPersonal- und Betriebsräten geschütztwerden. Aber selbst daran halten sichviele Unternehmen aufgrund des überbordendenKonkurrenzdrucks oder einfachaus Habgier nicht, wie die Entwicklungenauf den Arbeitsmärkten zeigen.Eine machtfreie Wirtschaft ist vermutlichnicht mehr als eine idealistischeKon struktion. Treffender ist ein Gedankevon Gert von Eynern: „Nicht in derAbschaf fung der Macht liegt offenbar eineLösung des Machtproblems, sondern inEIN SOLCHER INNERLICH REICHER bedarf vonaußen nichts weiter, als eines negativenGeschenks, nämlich freier Muße, um seinegeistigen Fähigkeiten ausbilden undentwickeln und seinen inneren Reichtumgenießen zu können, also eigentlich nur derErlaubnis, sein ganzes Leben hindurch,jeden Tag und jede Stunde ganz er selbstsein zu dürfen.Arthur Schopenhauer: Aphorismen zur Lebensweisheit,1. Aufl. 1976 Frankfurt/M, Leipzig: Insel, 1976, S. 42,Kap. 2, Von dem, was einer istder Herstellung eines Gleichgewichts derökonomischen Kräfte!“ 8 Wir brauchenalso mehr Demokratie und Beteiligung –auch und gerade inder Wirtschaft‘. Dabeiist ein erster Schritt die erhöhte Aufmerksamkeitund Sensibilität gegenüber denvielfältigen Formen ökonomischer Machtund ihren individuellen und gesellschaftlichenAuswirkungen.Ralf Ptak1 Vgl. Hans-Jürgen Krysmanski (2012): 0,1% - Das Imperium derMilliardäre, Frankfurt a.M.: Westend Verlag2 Vgl. Chrystia Freeland (2012): Plutocrats. The Rise of the New GlobalSuper Rich and the Fall of Everyone Else, London: Penguin Press(deutsch im Herbst 2013)3 Vgl. Alexander Rüstow (1949): Zwischen Kapitalismus und Kommunismus,Godesberg; dort heißt es auf S. 25: „Dass die Verteilung von Vermögenund Einkommen in unserer plutokratischen Wirtschaftsordnung irgendetwasmit sozialer Gerechtigkeit zu tun hätte, wird wohl heute niemandmehr im Ernst behaupten wollen. Sicherlich gibt es Leute, die ihren selbsterworbenenReichtum ausschließlich eigener Tüchtigkeit, und andere, dieihr Elend ausschließlich eigener Untüchtigkeit zu verdanken haben. DieseFälle sind aber denkbar weit davon entfernt, die Regel zu bilden. Schonder alte türkische Dichter Fuzuli (†1555) sagt: ‚Aus Dummheit glaubt einer,der reich werden möchte, dass Faulheit die Ursache der Armut, und vielArbeit die Ursache des Reichtums sei‘.“4 Vgl. Ralf Ptak (2010): Bildung als Produktionsfaktor: Die schleichendeTransformation des Bildungssystems, in: Lösch, Bettina / Timmel, Andreas(Hrsg.), Kritische politische Bildung. Ein Handbuch, Schwalbach/Ts.:Wochenschau-Verlag, S. 101-1135 Vgl. Ralf Ptak (2003): Vom Ordoliberalismus zur Sozialen Marktwirtschaft.Stationen des Neoliberalismus in Deutschland, Opladen: Leske +Budrich6 Vgl. Thoms Leif / Rudolf Speth (Hrsg.1) 2006: Die fünfte Gewalt:Lobbyismus in Deutschland, Bonn: Bundeszentrale für Politische Bildung;siehe mit aktuellem Bezug auch die NGO-Internetplattform vonLobbyControl: www.lobbycontrol.de7 Max Weber (1964): Wirtschaft und Gesellschaft, Studienausgabe,1. Halbband, Köln/Berlin: Kiepenheuer&Witsch, S. 561 f.8 Gert von Eynern (1952): Die Wirtschaftliche Macht. Vortrag vom15. Januar 1952, Berlin: Gebrüder Weiss Verlag, S. 2112 THEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen seinwurde ein reicher Mann und nahm immer mehr zu, bis er sehr reich wurde, 14 sodass er viel Gut hatte an


THEMANeid und soziale GerechtigkeitEine sozialethische BetrachtungAktuelle DebattenZur Zeit gibt es viele Bemühungen diestarken Schultern unserer Gesellschaftstärker zur Finanzierung der Staatsaus -gaben heranzuziehen. So fordert die KampagneUmfairteilen unter anderem höhereSpitzensteuersätze für Einkom men, eineVermögensabgabe oder die Auf hebungder Aussetzung der Ver mö gens steuer inDeutschland. Ebenso haben manche Parteiengleiche oder ähnliche Forde rungenin ihr Wahlprogramm aufgenommen. Klarist: Die Schuldenbremse kann nicht nurüber Sparen und damit Reduzierung derStaatsausgaben ein gehalten werden. Siekann genauso eingehalten werden, wenndie Staatsein nahmen erhöht werden.Das Echo auf solche Vorhaben hatnicht lange auf sich warten lassen. Sofortwurde von Neiddebatten gesprochen,welche die Personen führen würden, diesolche Forderungen erheben. Das isteine schnelle und einfache Reaktion, umdiese Forderungen zu diskreditieren.Aber was ist eigentlich Neid und welcheFormen gibt es?Neid, Missgunst und EifersuchtNeid ist nach Georg Simmel 1 ein sozialesGefühl, welches die Formen des menschlichenUmgangs negativ beeinflussen kann,aber nicht muss. Dieses Gefühl entstehtin den Wechselbeziehungen zwischenPer sonen und Gruppen. Neid entstehtdann, wenn jemand im Vergleich zu anderenweniger hat oder weniger ist und diesePerson das Mehr des Anderen oder derAnderen begehrt. Dieses Mehr kann dabeisehr unterschiedlich sein. Es kann sichauf Personen, Werte, Güter oder Eigenschaftenbeziehen. Hierbei kommt es aufdas persönliche Empfinden einer Situationan, nicht ob sie tatsächlich so besteht.Neid entsteht hauptsächlich dort, wodie Menschen direkten Kontakt miteinanderhaben. Je größer die Distanzen werden,desto weniger entsteht der Neid.Der Neid wird umso größer, je ähnlicherdie andere Person wahrgenommen wird,je unterschiedlicher deren Ausstattungist und je seltener das Begehrte ist. Ent-spre chend ist der Neid unter Nachbarnoder Kollegen viel häufiger anzutreffen, alsder Neid einer arbeitslosen Person aufeinen Manager.Das Wort Neid stammt vom mittel hochdeutschennīt beziehungsweise vom althochdeutschnīd, was ursprünglich Hassoder Groll bedeutet. Diese Wort be deu tunglegt die vergiftende Wirkung von Neid nahe,welche bereits von den alten Philo sophenbeschrieben wurde. Diese vergiftendeWirkung tritt aber nicht nur gegenüber derbeneideten Person zutage, sondern richtetden Schaden ebenfalls in der Person an,welche Ande ren etwas neidet.Allerdings hat Neid nicht immer diesevergiftende Wirkung. Im Neid kann aucheine Bewunderung zum Ausdruck kommen.In diesem Fall sieht man den Unterschied,gönnt das Mehr der anderenPerson und versucht das Mehr selbst zuerreichen. Die ser positive Neid kann einMotivator sein, welchen unser Wirt schaftssystembe wusst pflegt und verwendet.Schlägt je doch der Neid ins Negative um,indem sich der Nei der wünscht, dass derBenei dete das Mehr verliert, so verwandelter sich. Er wird zur Missgunst, mit all dennegativen Folgen, welche die Wortbe deutungnahelegt.Aber selbst dieser missgünstige Neidkann nach John Rawls 2 gerechtfertigt werden,wenn eine Gesellschaftsstruktur großeUnterschiede in der Verteilung aufweistund gleichzeitig Rechtsgleichheit und Gerechtigkeitsnormengelten. In diesem Falldrückt der Neid ein Ungerechtig keitsempfindengegenüber einseitigen Vor teilenvon anderen Personen oder Grup pen aus.SUCHE NACH GERECHTIGKEIT ist eineBewegung zu denjenigen, die als Arme undMachtlose am Rand des sozialen und wirtschaftlichenLebens existieren und ihreTeilhabe und Teilnahme an der Gesellschaftnicht aus eigener Kraft verbessern können.Soziale Gerechtigkeit hat insofern völlig zuRecht den Charakter der Parteinahme füralle, die auf Unterstützung und Beistandangewiesen sind. (Ziffer 155)Denkschrift Gemeinwohl und Eigennutz, 1991THEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen seinkleinem und großem Vieh und ein großes Gesinde. Darum beneideten ihn die Philister. +++ Psalm 65, 10-14:13


THEMAHier kann der missgünstige Neid „zivilisiert“werden, indem er in Gerechtigkeitsforderungenüberführt wird. Der Vorwurfdes Sozialneids oder des Führens vonNeiddebatten stellt dagegen den Versuchdar, die Gerechtigkeits an sprüche, moralischzu entwerten.Eifersucht wird häufig als ein anderesWort für Neid verwendet. Bei genauererBetrachtung zeigt sich jedoch, dass siesich deutlich von Neid unterscheidet.Im Gegensatz zum Neid ist die eifersüchtigePerson bereits im Besitz des begehrten„Gutes“. Wird dieser Besitz streitiggemacht, so entsteht Eifersucht. Ent -sprechend kommt sie vor allem dann zumTragen, wenn geteilt, abgegeben oderverzichtet werden muss. Ebenso wie dieMissgunst entfaltet die Eifersucht einegiftige Wirkung nicht nur auf die eifersüchtigePerson selbst.Neid und Eifersucht in der BibelSowohl für Neid als auch für Eifersuchtfinden sich viele Bibelstellen. Zwei sollenan dieser Stelle herausgegriffen werden.Da wäre zum einen „Der Prediger Salomo“(Kohelet) 4,4 aus dem Alten Testamentund „Der Brief des Jakobus“ 4,2-3 ausdem Neuen Testament. Im Zusammenhangmit der Stelle aus dem Jakobusbriefsei auf die Passage zur „Weisheit vonoben“ hingewiesen, welche sich kurz vorder gewählten Passage findet. Auch sieist in den unterschiedlichen Überset zungensehr lesenswert.In Pred 4,4 stehen das Mühen und Tunvon Menschen im Fokus, die sich von Gottentfernt haben und nur auf sich selbst sehen.Der Prediger sieht in diesem Han delnnur den Ausdruck von Eifersucht, Neidbzw. Konkurrenzkampf. Aber all sol chesHandeln bezeichnet er als häwäl, als einWindhauch oder Dunst. Es ist ein Nichts,absurd, zwecklos, hoffnungslos, unverständlichund es verweht und vergeht.Solches Handeln hat keinen Be stand undführt letztlich zu nichts - allerhöchstenszum Leid der Gerechten, während es denUngerechten gut geht.Der Jakobusbrief (4,2-3) schlägt einenähnlichen Ton an. Auch hier führt je nachÜbersetzung Neid, Eifersucht oder übertriebenerKonkurrenzkampf nicht zumZiel. Ihre Bitten werden jedoch ebenfallsnicht erhört, weil diese von Gier undschlechten Absichten geprägt sind. Allesist vom Negativem durchdrungen undführt letztlich zu nichts, zumindest nichtzu etwas Gutem und Gerechten.Interessant an beiden Stellen ist, dasssie ein Wort unterschiedlich übersetzen.Allen Übersetzungen ist gemein, dass siedas vergiftende Element von Neid, Eifersuchtund purer Konkurrenz betonen.Angesprochen sind also letztlich Miss gunstund Eifersucht mit all ihren fatalen Folgen.Zugleich macht der Jakobusbrief aberdeutlich, dass sich mit den richtigen Bit tenetwas erreichen lässt. Das sind Bitt en umdas Gute, Lautere und Gerech te. Bei denBitten an Gott stehen zu bleiben, wäreaber zu kurz gegriffen. Letztlich muss esum eine Einstellungsänderung gehen, diesich in Handlungen ausdrückt. So ist auchdie Vaterunserbitte „unser täg liches Brotgib uns heute“ zu verstehen. Es gehtnicht nur um mein privates Auskommen,sondern um ein auskömmliches Lebenfür alle. Und genau an dieser Stelle kannder Neid, selbst in seiner negativenAusprä gung genutzt und verändert werden,indem daraus Forderungen nachGerechtigkeit abgeleitet werden. Es kannein gerechter Zorn entstehen, welcher derBibel durchaus nicht unbekannt ist.Was für eine Debatte wird geführt?Führen wir als Gesellschaft denn aktuellüberhaupt eine Neiddebatte, wie es14 THEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen sein10 Du suchst das Land heim und bewässerst es / und machst es sehr reich; Gottes Brünnlein hat Wasser die


THEMAKAUM HASTE MALein bisschen was,gibt es wen,den ärgert das.Wilhelm Buschmanche Politiker und Medien so gernebezeichnen? Oder ist dieser Vorwurfeinfach schlichtweg verfehlt? Ich glaubeLetzteres ist der Fall. Hierfür gibt esviele Gründe.Zum Einen zeigt die Entwicklung derUn gleichheit in Deutschland auf, dasses immer ungerechter in unserer Gesellschaftzugeht. Diese Ungleichheiten stellennicht nur ethische und moralischeHerausfor derungen dar. Gegen Sie sprechenviel fältige andere Gründe, wie auchdie Texte von Brigitte Bertelmann undRalf Ptak in dieser Broschüre zeigen.Zum Anderen nutzt unser WirtschaftssystemNeid bewusst als Triebfeder. Dasist wie der Tanz auf Messers Schneide.Nur allzuleicht treten dann die negativenAspekte und Folgen von Neid zutage,wenn die Ungleichheiten größer werden.Dies zeigt auf, wie wichtig es ist, institutionalisiertgegen eine Vergrößerung derUngleichheit zu wirken, wenn man Neidals Triebfeder wirklich nutzen möchte.Alternativ müsste man den hochproblematischenMotivator aus dem System nehmen,was aber ein vollständig anderesSystem erfordern würde.Drittens zeigen die Antworten auf eineBefragung, welche im Armuts- und Reichtumsbericht3 unserer Bundesregierungauf Seite 407 veröffentlicht wurde, dassunsere Gesellschaft weit entfernt davonist, eine Neiddebatte zu führen. So stimmen85 % der Befragten der Aussage zu,dass es gerecht sei, wenn jemand behält,was diese Person durch Arbeit verdienthat, selbst wenn dies dazu führe, dasseinige reicher sind als andere. Lediglich7 % lehnen diese Aussage ab. Das ist diehöchste Zustimmung und die geringsteAblehnung bei allen Fragen! AndereFragen in diese Richtung haben ebenfallshohe Zustimmungswerte. Dies zeigt ganzdeutlich, dass wir in Deutschland keineNeiddebatte führen. Hier wird schlichtwegnichts oder höchst selten irgendetwasvergiftend geneidet.Zugleich zeigen die Antworten auf, dassdie Verwendung des Reichtums kritischgesehen wird. 60 % lehnen die Aussage ab,dass Reiche in Deutschland ihren Reichtumzum Wohle der Gesellschaft ein setzen.Die Zustimmung dieser Aus sage liegtgerade einmal bei 20 %. Hierin wird einAusdruck extremer Un zufrieden heit deutlich.Reichtum wird, so die Wahr nehmung,nicht mehr für die Gemein schaft dienlich,sondern lediglich für das eigene Haschennach dem Wind verwendet.All dies deutet darauf hin, dass wir inDeutschland keine Neiddebatte führen,sondern vielmehr eine Eifersuchtsdebatte.Wir führen Debatten, in denen es letztlichdarum geht, das zu behalten, was manhat und niemand anderen daran profitierenzu lassen. Gerade die Finanzver mögensind trotz Krisen in den letzten Jahrzehntenimmens angewachsen. Diese jagenum den Globus auf der Suche nach immerhöheren Renditen, als sei dies ein Selbstzweck.Eifersucht hat aber im Gegensatzzu Neid immer nur eine vergiftende Wirkung.Also lasst uns diese Eifersuchtsdebatteim positiven, verändernden Sinneführen, damit mehr Gerechtigkeit einzieheund das Gemeinwohl gestärkt werde.Thomas Krämer1 Vgl. Simmel, Georg (1908): Soziologie, im Internet:http://ia600200.us.archive.org/6/items/soziologieunters00simmrich/soziologieunters00simmrich.pdf2 Vgl. Rawls, John (1979): Eine Theorie der Gerechtigkeit, Berlin: Suhrkamp3 Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hrsg., 2013): Lebenslagen inDeutschland, Armuts- und Reichtums bericht erstattung der Bundesregierung,Der vierte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung,im Internet: http://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Publikationen-DinA4/a334-4-armuts-reichtumsbericht-2013.pdf?__blob=publicationFile, S. 407THEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen seinFülle. Du lässest ihr Getreide gut geraten; denn so baust du das Land. +++ 11 Du tränkst seine Furchen und15


GOTTESDIENSTBAUKASTENPredigt: Vom klugen Umgang mit Reichtum1. Kön 3, 5-14„Und der HERR erschien Salomo zu Gibeonim Traum des Nachts und Gott sprach:Bitte, was ich dir geben soll!Salomo sprach: Du hast an meinem VaterDavid, deinem Knecht, große Barmherzigkeitgetan, wie er denn vor dir gewandelt ist inWahrheit und Gerechtig keit und mit aufrichtigemHerzen vor dir, und hast ihm auch diegroße Barm her zig keit erwiesen und ihm einenSohn gegeben, der auf seinem Thron sitzensollte, wie es denn jetzt ist.Nun, HERR, mein Gott, du hast deinen Knechtzum König gemacht an meines Vaters Davidstatt. Ich aber bin noch jung, weiß weder ausnoch ein. Und dein Knecht steht mitten in deinemVolk, das du erwählt hast, einem Volk, sogroß, dass es wegen seiner Menge niemandzählen noch berechnen kann.So wollest du deinem Knecht ein gehorsamesHerz geben, damit er dein Volk richten könneund verstehen, was gut und böse ist. Denn wervermag dies dein mächtiges Volk zu richten?Das gefiel dem Herrn gut, dass Salomo darumbat. Und Gott sprach zu ihm: Weil du darumbittest und bittest weder um langes Lebennoch um Reichtum noch um deiner FeindeTod, sondern um Verstand, zu hören undrecht zu richten, siehe, so tue ich nach deinenWorten. Siehe, ich gebe dir ein weises undverständiges Herz, sodass deinesgleichen vordir nicht gewesen ist und nach dir nicht aufkommenwird.Und dazu gebe ich dir, worum du nichtgebeten hast, nämlich Reichtum und Ehre,sodass deinesgleichen keiner unter denKönigen ist zu deinen Zeiten. Und wenn du inmeinen Wegen wandeln wirst, dass du hältstmeine Satzungen und Gebote, wie dein VaterDavid gewandelt ist, so werde ich dir einlanges Leben geben“.Liebe Gemeinde!„Ich aber bin noch jung, weiß weder ausnoch ein“. Der das von sich sagt, solltespäter einer der berühmtesten KönigeIsraels werden. Überaus mächtig und mitsolch sagenhaf tem Reichtum ausgestattet,dass so gar die Königin von Saba vonweither anreiste, um ihn zu bestaunen.Machtfülle und unermesslicher Reichtumsind für gewöhnlich genau die Eigenschaften,durch die Menschen sich denNeid und die Missgunst ihrer Zeit genos senzuziehen. Bei Salomo war das offenkundiganders.Die Bibel schreibt ihm als Herrschereine bodenständige Lebensklugheit zu, dieihn in der Ausübung von Recht und Gesetzdas menschliche Maß im Auge behaltenlässt. Er wird quer durch alle Schichtenzum Vorbild einer zutiefst humanen Lebensführung,die sich weder durch die Widrigkeitendes Lebens aus dem Gleichgewichtbringen noch durch gelegentliche Höhenflügezur Selbst über hebung verleiten lässt.Das ist auch in biblischen Zeiten nichtder Normalfall für einen Herrscher.Von anderen Stilen der Herrschaftsausübungerzählt die Bibel an vielen Stellen.Da wird Macht missbraucht, um andereklein und ohnmächtig zu halten. Da wirdKlug heit dazu verwendet, um andereunmündig und unselbständig bleiben zulassen. Da wird Reichtum benutzt, umandere zu blenden und nur sich selbstins rechte Licht zu setzen.Das alles gibt es auch in der Bibel. Unddie, von denen dies erzählt wird, ziehenden Neid und die Missgunst der Men schenauf sich und vor allem anderen ihren Zorn.Und doch, obwohl all dies auch zur Ausübungvon Herrschaft ge hören kann,obwohl all dies auch mit dem Besitz vonReichtum verbunden sein kann und obwohlall dies auch mit über legenem Wis sen einhergehenkann, reduziert die biblischeÜberlieferung Herr schaft, Reich tum undWissen nicht auf diese mit ihnen verbundenenGefahren des Missbrauchs, sondernerzählt an prominenter Stelle von ihrenChancen für alle Menschen.Und zugleich erzählt sie auch davon,welche Haltung nötig ist, um jenen Gefahrenzu begegnen.„Dein Knecht steht mitten in deinemVolk, das du erwählt hast“, sagt Salomovon sich selbst.16 THEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen seinfeuchtest seine Schollen; mit Regen machst du es weich und segnest sein Gewächs. +++ 12 Du krönst das


GOTTESDIENSTBAUKASTENHerrschaft und Macht werden genau dannzum Segen und nicht zum Fluch, wenn sienicht Herrschaft und Macht über anderesind und den Herrscher über andere erhebensollen. Macht und Reichtum eröffnenChancen für alle, wenn der Mächtige sichals Teil der Gemeinschaft erkennt, seineMacht und seinen Reichtum für das Wohldes Ganzen einsetzt und vor allem, wenner auch sich selbst unterordnet, zum„Knecht“ wird, der dem Leben dient, dasGott allen in Fülle zugedacht hat.Entscheidend ist, als wessen „Knecht“,als wessen Diener er sich selbst sieht.Sieht er sich als „Knecht“ eines Erfolgs,dessen Maßstab finanzieller Zugewinn ist,oder eines Wachstums, das sich einzig ander Steigerung abstrakter Größen orientiert,dabei aber den konkreten Menschenaus dem Blick verliert, so wird aller äußereZugewinn mit innerer Verarmung einhergehen.Etwas anderes tut not, soll jenerWohlstand entstehen, der alle gleichermaßenreich macht, weil er nicht auf Kostender Humanität, sondern nur durchsie gewonnen wird.„So wollest du deinem Knecht ein gehorsamesHerz geben, damit er dein Volkrichten könne und verstehen, was gut undböse ist“.Dieser demütigen und in ihrer Demutzugleich mutigen Haltung sagt Gott seinenSegen zu: „Ich gebe dir ein weisesund verständiges Herz“.DER WEISE ACHTET sich keinerlei Gabendes Zufalls unwert. Er liebt die Reich tümernicht, aber er zieht sie der Armut vor;er nimmt sie nicht in seine Seele, wohlaber in sein Haus auf.Seneca: Vom glückseligen Leben, 14. Aufl. Stuttgart:Kröner, 1978, S. 42, Kap. 21Herrschaft wird dort Bestand haben, wosie nicht auf dem Schwert beruht, sondernauf jener Integrität, die nur durch innereAnteilnahme aneinander gewonnenwird. Macht nimmt zu, wo sie andere ermächtigt.Reichtum wächst, wo er dazuverwendet wird, andere reich zu machen.Weisheit nimmt zu, wo wir das Lebenmit den Augen der anderen sehen lernenund ihnen nicht unsere Perspektive aufzwingen.Es gibt nicht nur in der Bibel Beispielefür die Wahrheit dieser Sichtweise. Esgibt auch in unserem Land Firmen undUnter nehmen, die deshalb Erfolg haben,weil sie innerlich an diesen Leitlinien ausgerichtetsind. Denen das Vertrauen aufdie Orien tie rungskraft jener biblischenHuma nität gerade in krisenhaften Zeitener mög licht hat, miteinander Schwierigkeitenzu bestehen. Ist das einfach?Mitnichten! Es erfordert Mut und kühlenKopf – und zwar von allen.Die biblische Kritik an ungerechten Herrschaftsstrukturen,an zum Himmel schreienderArmut aufgrund der Ausbeu tungdurch unersättliche Cliquen und an derEntmündigung großer Massen durch eineeinflussreiche Intelligenzija ist stets begleitetdurch die Kritik an jenen, die durchihr eigenes Handeln erst zu Steigbügelhalternjener Mächtigen wurden.Wenn wir am Buß- und Bettag über denklugen oder törichten Umgang mit Reichtumund den humanen oder inhuma nenMachtgebrauch nachdenken, dann betrifftdieses Nachdenken nicht nur einige wenige.Es betrifft uns alle, die wir zu dieser Ge sellschafthinzugehören. Es betrifft jede undjeden an genau dem Ort, an dem er odersie Verantwortung zu übernehmen hat. AlsVorgesetzte oder Untergebener. Als Chefoder Befehlsempfängerin. Als Anbieter aufdem Markt oder als Konsu ment.Und diese Übernahme von Verantwortungbeginnt für jeden von uns mit einemschlichten Eingeständnis und einerschlichten Bitte: Dem Eingeständnis„Ich weiß weder aus noch ein“ und derBitte „So wollest du mir ein gehorsamesHerz geben, damit ich verstehe, wasgut und böse ist“.Pfarrer Dr. Ralf StrohTHEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen seinJahr mit deinem Gut, und deine Fußtapfen triefen von Segen. +++ 13 Es triefen auch die Auen in der Steppe,17


GOTTESDIENSTBAUKASTENAlternativer PredigtvorschlagLiebe Gemeinde!Im kommenden Jahr lautet das Thema derLutherdekade „Reformation und Politik“.Manchen mag dieses Thema Bauchschmerzenbereiten. Sie denken daran,wie oft sie erleben mussten, dass politischeInteressen unter dem Deckmanteldes Glaubens der Diskussion entzogenwerden sollten. Mit der Behauptung, dassder Glaube dieses oder jenes verlange,wurde allzuoft nicht Gott die Ehre gegeben,sondern einer bestimmten Gruppedas Wort geredet.Nur zu verständlich, dass darum nichtwenige der Meinung sind, Religion seiPrivatsache. Der Glaube dürfe sich nichtin öffentliche Belange einmischen. Aberso verständlich diese Haltung auch angesichtsmancher Entgleisungen sein mag,sie ist letztlich doch falsch und nimmt dieVerantwortung des Glaubens für unserZusammenleben nicht ernst.Martin Luther hat sich oft mit theologi schenArgumenten in die öffentliche De batte eingemischt.Er hat Verantwortung für dasGanze übernommen und danach gefragt,was aus der Perspektive des Glaubensder Maßstab für gelingendes Leben ist.In seinen Predigten, dem kleinen und demgroßen Katechismus und zahlreichenSchriften hat er sich an die Öffentlichkeitgewandt, um die Orientie rungskraft deschristlichen Glaubens gerade auch angesichtsdrängender gesellschaftlicher Problemeunter Beweis zu stellen.Was alle betrifft, das kann keine Privatsache sein. Und woran sich jemand inseinem Handeln als Papst oder Mönch,als Kaufmann oder Bauer, als Fürst oderUntertan, als Ehemann oder Ehefrau, alsVater oder Mutter oder Kind ausrichtet,das betrifft eben die, mit denen er zusammenlebt,unmittelbar. Darüber muss alsogeredet und gestritten werden. Und dassdarüber geredet und gestritten werdenmuss, bedeutet, dass mit der Bezug nah meauf den Glauben nicht das Gesprächendet, sondern überhaupt erst anfängt.Denn erst jetzt wird ja darüber geredet,welche Überzeugungen einen Menschenim Innersten bei all seinen Entscheidun genanleiten. Und nur wenn darüber geredetund gestritten und nicht geschwiegen wird,kann offenkundig werden, ob unser Tunund Lassen dem entspricht, was wir innerlichfühlen und wollen. Vielleicht folgen wirja blind äußeren Traditionen und Vor gabenund sind mit unserem Tun gar nicht beiuns selbst, sondern fremdbestimmt.Über den Glauben reden und mit demGlauben argumentieren, heißt also geradenicht, andere fremdbestimmen und inde ren Seele hineinregieren zu wollen, sondernganz im Gegenteil Räume zu schaffen,um über dasjenige zu reden, was unsalle frei macht.REICHTUM DIENT DEM WEISEN,den Toren beherrscht er.Seneca, De vita beata 26,1Unmittelbar erlebt hat Luther die Unfrei heit,die entsteht, wenn man in grund le gendenLebensfragen fremdbestimmt und daraufverpflichtet wird, äußeren Autoritäten zufolgen, im Verlauf seiner klösterlichen Suchenach innerem Seelen frieden. Aber waser in diesem schmerzhaften Prozess derSelbst- und der Got tesfindung gelernt hat,das hat ihn hell hörig werden lassen für alldie anderen Wei sen der Fremdbe stimmung,denen wir in unserem Leben unterliegen– auch wenn sie nicht immer alskirchliche Dog men in Erscheinung treten.„Worauf Du nun (sage ich) Dein Herzhängest und verlässest, das ist eigentlichDein Gott“ – so schreibt Luther in seinemGroßen Katechismus als Erläuterung zumersten Gebot. Und weiter:„Es ist mancher, der meinet, er habeGott und alles genug, wenn er Geld undGut hat; er verlässt und brüstet sich darauf18 THEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen seinund die Hügel sind erfüllt mit Jubel. +++ 14 Die Anger sind voller Schafe, / und die Auen stehen dick mit Korn,


GOTTESDIENSTBAUKASTENso steif und sicher, dass er auf niemandetwas gibt. Siehe: dieser hat auch einenGott, der heißet Mammon, das ist Geld undGut, darauf er all sein Herz setzet, welchesauch der allergewöhnlichste Ab gott aufErden ist. Wer Geld und Gut hat, der weißsich sicher, ist fröhlich und unerschrocken,als sitze er mitten im Paradies; und umgekehrt:wer keins hat, der verzweifelt undverzagt, als wisse er von keinem Gott.Denn man wird ihrer gar wenig finden,die guten Mutes seien, nicht trauern nochklagen, wenn sie den Mammon nichthaben; es klebt und hängt der Natur anbis ins Grab“.Schon zu Luthers Zeiten war es so: Geldbestimmt das Leben der Leute bis in ihrInnerstes hinein. Geld regiert die Welt.Luther hat das sehr nüchtern gesehen undgar nicht moralinsauer von oben her ab betrachtet.Die Sorge um das leibliche Wohlund Wehe gehört zum menschlichen Lebenhinzu – und hierfür sind Geld und Gut nuneinmal entscheidende Faktoren.Dass Geld und Gut für sich allein nochnicht inneren Seelenfrieden herbeiführenkönnen, macht sie für Luther als Seel sor geraber nicht belanglos. Ganz im Gegen teil!Er sieht sich gerade als Seelsorger aufgerufen,öffentlich dafür einzutreten, dassjeglichem Mangel in diesem Bereich nachMöglichkeit gewehrt wird. Die Not leidendenreiben sich sonst in der Sorge um dastägliche Brot völlig auf und kommen garnicht mehr dazu, sich um ihre inneren Belangezu kümmern. Gerade um der Seelenwillen sorgt sich Luther auch um die materiellenBelange der Men schen. In dieserPerspektive gewinnt das siebte Gebot fürihn eine Bedeutung, die viel tiefer reichtals nur die Sicherung des Be sitzes vorDiebstahl, Neid und Missgunst.So schreibt er in seiner Schrift „Vonden guten Werken“ folgendes zum siebtenGebot „Du sollst nicht stehlen“:„Dieses Gebot hat auch ein Werk, das sehrviele guten Werke in sich begreift undvielen Lastern entgegensteht. Es heißt aufdeutsch Freigebigkeit.Dieses Werk besteht darin, dass jedermannwillig ist, mit seinem Gut zu helfenund zu dienen. Und es streitet nicht bloßgegen Diebstahl und Räuberei, sonderngegen jede Verkürzung, die man am zeitlichenGut gegeneinander verüben kann,wie Geiz, Wucher, Überteuern, Über vor -teilen, falsche Ware, falsche Maße, falscheGewichte verwenden; und wer könnte alledie behenden neuen Spitz findigkeitenaufzählen, die sich täglich vermehren injeder Hantierung, durch die jeder seinenVorteil sucht zum Nachteil des Andernund das Gesetz vergisst, das uns sagt:»Was du willst, dass dir andere tun, dastu du ihnen auch.« (Matthäus 7, 12)Wer sich diese Regel vor Augen hielte,jeder bei seinem Handwerk, Geschäft undHandel gegenüber seinem Nächsten, derwürde leicht finden, wie er kaufen undverkaufen, nehmen und geben, leihen undumsonst geben, zusagen und halten sollteund dergleichen mehr“.Was genau die „Freigebigkeit“ ist, dieden Geist des siebten Gebotes erfüllt, dasmuss ein jeder in eigener Verantwortungentscheiden. Aber er muss sich auf dieseVerantwortung hin ansprechen lassen undhierüber Rechenschaft abgeben. Nicht,weil andere ihm seinen Besitz neiden odereifersüchtig sind, sondern weil in seinemVerhältnis zu seinem Besitz etwas vielwichtigeres zum Thema wird: nämlich seinVerhältnis zu seinen Mitmenschen und zusich selbst. Vielleicht erweist sich dann ja,dass er nur deswegen so an seinem irdischenBesitz festhält und sich an ihnklammert, weil er nichts Besseres kennt.Auch hier hat Luther ein eminent seelsorgerlichesInteresse, das überhauptnichts mit Neid, sondern viel eher mit Mitleidzu tun hat. Denn wer nichts Wichti geresim Leben kennt als Geld und Gut, istein armer Tropf.„Reichtum ist das allergeringste Ding aufErden, die kleinste Gabe, die Gott einemMenschen geben kann. Was ists im Vergleichzu Gottes Wort? ja, was ists nochim Vergleich zu leiblichen Gaben undSchönheit und im Vergleich zu den Gabendes Gemüts? Dennoch strebt man soemsig danach! In keiner Hinsicht ist amReichtum etwas Gutes. Darum gibt unserHerrgott für gewöhnlich Reichtum dengroben Eseln, denen er sonst nichts gönnt“(Tischreden Nr. 5559).Pfarrer Dr. Ralf StrohTHEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen seindass man jauchzet und singet. +++ Pred 4,4: Ich sah alles Mühen an und alles geschickte Tun: da ist nur19


GOTTESDIENSTBAUKASTENGebete, Lieder, TexteLiedvorschlägeHerr, die Erde ist gesegnet (EG 512)Lobe den Herren, o meine Seele (EG 303)So jemand spricht: „Ich liebe Gott“ (EG 412)Hilf, Herr meines Lebens (EG 419)Herr, höre, Herr, erhöre (EG 423)Komm Herr segne uns (EG 170)Biblische TexteSprüche 11, 24-28„Einer teilt reichlich aus und hat immermehr; ein andrer kargt, wo er nicht soll,und wird doch ärmer. Wer reichlich gibt,wird gelabt, und wer reichlich tränkt, derwird auch getränkt werden. Wer Kornzurückhält, dem fluchen die Leute; aberSegen kommt über den, der es verkauft.Wer nach Gutem strebt, trachtet nachGottes Wohlgefallen; wer aber das Bösesucht, dem wird es begegnen. Wer sichauf seinen Reichtum verlässt, der wirduntergehen; aber die Gerechten werdengrünen wie das Laub“.Dtn 8, 10-18„Und wenn du gegessen hast und sattbist, sollst du den HERRN, deinen Gott,loben für das gute Land, das er dir gegebenhat. So hüte dich nun davor, denHERRN, deinen Gott, zu vergessen, sodassdu seine Gebote und seine Gesetzeund Rechte, die ich dir heute gebiete,nicht hältst. (…) Du könntest sonst sagenin deinem Herzen: Meine Kräfte und meinerHände Stärke haben mir diesenReichtum gewonnen. Sondern gedenkean den HERRN, deinen Gott; denn er ist‘s,der dir Kräfte gibt, Reichtum zu gewinnen,auf dass er hielte seinen Bund, den erdeinen Vätern geschworen hat, so wiees heute ist“.Genesis 41, 33-36„Nun sehe der Pharao nach einem verständigenund weisen Mann, den er überÄgyptenland setze, und sorge dafür,dass er Amtleute verordne im Lande undnehme den Fünften in Ägyptenland inden sieben reichen Jahren und lasse siesammeln den ganzen Ertrag der gutenJahre, die kommen werden, dass sieGetreide aufschütten in des PharaoKornhäusern zum Vorrat in den Städtenund es ver wahren, damit für Nahrunggesorgt sei für das Land in den siebenJahren des Hungers, die über Ägyptenlandkommen werden, und das Landnicht vor Hunger verderbe“.1. Tim 6, 17-19„Den Reichen in dieser Welt gebiete,dass sie nicht stolz seien, auch nichthoffen auf den unsicheren Reichtum,sondern auf Gott, der uns alles reichlichdarbietet, es zu genießen; dass sieGutes tun, reich werden an gutenWerken, gerne geben, behilflich seien,sich selbst einen Schatz sammeln alsguten Grund für die Zukunft, damit siedas wahre Leben ergreifen“.KyrieGott,wir wissen: eines Tages wird sichtbarwerden, was hinter den glänzendenFassaden, hinter unseren wohlgefälligenWorten und unseren oberflächlichenGesten verborgen ist:Gott, wir fühlen: Eines Tages wird sichtbarwerden, was wir so gern verbergenwürden vor anderen und vor uns selbst;Unsere Schwäche und unsere Fehler,unsere Kälte und unsere Lieblosigkeit –und unsere Sehnsucht,über uns hinauszuwachsen,dir entgegen und dem Leben, das duuns in Jesus Christus gezeigt hast.Darum allmächtiger Gott:Herr, erbarme dich unser.20 THEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen seinEifersucht des einen auf den anderen. Das ist auch eitel und Haschen nach dem Wind. (Luther) +++ Jak 4,2-3:


GOTTESDIENSTBAUKASTENDAS IST ES, WAS DER HIMMELWÜNSCHT: Wer Kraft hat, sollanderen helfen; wer Weisheitbesitzt, andere lehren;wer Reichtum erwirbt, ihnmit anderen teilen.Alte Chinesische Weisheiten, So sprachder Meister – Altchinesische Lebensweisheitengesammelt von Ernst SchwarzMünchen: Kösel, 1994, S. 94 (Mo Tzu –auch Mo Dse, ca. 468-376 v. Chr.GloriaIn all unserer Schwäche halten wirdaran fest: „Gott hat uns nicht gegebenden Geist der Furcht, sondern der Kraftund der Liebe und der Besonnenheit“(2. Tim 1,7).Lobsinget Gott, erhebet seinen Namen.KollektengebetGütiger Gott,gib uns die Kraft umzukehren undwahrhaftig zu sein – nicht aus Furcht,sondern aus Freude an der Wahrheit;gib uns die Kraft, einander gütig zubegegnen und auch uns selbst gütiganzuschauen, wo wir gefehlt haben –denn nur da, wo wir unsere Fehlereingestehen können, können wir auchden Mut fassen, wahrhaftig zu leben –so, wie du es uns zugedacht hast.FürbittenGütiger Gott,tief in unserem Inneren wissen wir genau,wie viel noch fehlt.Tief in unserem Inneren spüren wir, waswirklich wichtig ist und was nur ablenktvon den Fragen, die uns wirklich umtreiben.Gott, wir möchten so gerne klug werden,damit wir verstehen, diesen hellen Schein,den du in unsere Herzen gesenkt hast,auch in die Welt hinausstrahlen zu lassen.Wir möchten so gerne mutig werden,damit wir ohne Angst einmal sagen:„Worüber redet ihr eigentlich? Habt ihrnichts Besseres zu tun und zu sagen alsnur Oberflächlichkeiten?“Gott, wir bitten dich, lass uns klug werden,damit wir dazu beitragen können,diese Welt wirklich zu einem Zuhause zumachen für alle Menschen;zu einem Ort, an dem Menschen miteinander reden, statt nur übereinander;zu einem Ort, an dem Menschen dafürgeschätzt werden, dass sie auf Vorteileverzichten, wenn das einem anderengut tut;zu einem Ort, an dem Junge und Alte,Männer und Frauen, Arme und Reiche,Lachende und Weinende das Lebenmiteinander teilen – und daran reifen, dasssie Schwierigkeiten gemeinsam aus halten,anstatt vor ihnen zu fliehen.THEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen seinIhr begeht und habt doch nichts, was die Begierde stillt. Ihr beutet die einen bis aufs Blut aus und konkurriert21


ZWISCHENRUF„Verantwortlich für die schnelleZunahme des Reich tums sind vor allemveränderte Steuergesetze.“Die materielle Ungleichheithierzulande hat seit 2000 massivzugenommen. Einerseitsist die Armutsquote um über50 % gestiegen. Andererseitshaben sich die hohen Ein kommenund Vermögen sehr raschvermehrt. So ist die Kluft zwischenden Bezügen der DAX-Vorstände und den Gehälternihrer Beschäftigten zwischen1995 und 2012 vom 14fachenauf das 54fache gewachsen.Die Zahl der deutschen Milliardäreist allein zwischen 2004und 2012 trotz der weltweitenFinanzkrise von 80 auf 115gestiegen. Die 500 reichstenDeutschen bringen es mittlerweileauf ein Gesamtvermögenvon gut 500 Milliarden Euro.Verantwortlich für die schnelleZunahme des Reich tums sindvor allem veränderte Steuergesetze.Die reale steuer licheBelastung der 46 reichstenDeutschen ist dadurch alleinzwischen 2000 und 2005 von48,2 auf nur noch 28,7 % gesunken.Dadurch hat jeder einzelnevon ihnen knapp 34 Mio.Euro Steuern pro Jahr gespart.Dem Staat sind allein beidiesen 46 Personen jährlichEin nahmen von über zweiMillia rden Euro entgangen,die weiteren Steuersenkungennach 2005 gar nicht eingerechnet.Wenn jetzt über diegroßzügigen Stiftungen vonReichen geredet wird, sollteman das nicht vergessen.Außer dem entspricht es vordemokra tischen Gepflogen -heiten, wenn nicht gewählteGremien, sondern einzelneMenschen nach ihren Vorliebenentscheiden.So lange sie das ergänzendzu den notwendigen öffentlichenLeistungen machen, istes noch relativ unproblematisch.Wenn es aber, wie zunehmendzu beobachten, einenErsatz für diese Leistungendarstellt, weil sie angesichtsder leeren öffent lichen Kassennicht mehr bezahlbar sind, istes nicht akzeptabel.Prof. Dr. Michael HartmannInstitut für SoziologieTU DarmstadtResidenzschloß64283 Darmstadt22 THEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen seinum die Gunst der anderen, und trotzdem erreicht ihr kein Ziel. Ihr kämpft und führt Krieg und ihr geht doch leer


HINTERGRÜNDEVon der Last zum SegenVermögende für eine Vermögensabgabe„Reicher Mann und armer Mann //standen da und sah‘n sich an. // Und derArme sagte bleich: // ‚wär ich nicht arm,wärst du nicht reich‘.“Dieser Reim von Bertold Brecht aus demKindergedicht Alfabet enthält eine tiefeWahrheit. Wenn man dem folgt, wie auchden Argumenten des US-Wirt schaftsnobelpreisträgersJoseph Stiglitz in seinemjüngsten Buch „Der Preis der Ungleichheit“,liegt auf vielen Formen desReichtums kein Segen. In der medialenDiskussion aber wird dieser Zusam menhangwie auch die große nicht legitimiertepolitische und wirtschaftliche Macht, diemit Geld einhergeht, immer noch weitgehendausgeblendet.In wohlhabenden, aber relativ bescheidenenVerhältnissen aufgewachsen, war mirlange nicht bewusst, dass meine Familienach herkömmlichen Maßstäben „reich“war. Ich selbst bin erst relativ spät durch(groß)elterliches Erbe zu einem größerenPrivatvermögen gekommen, das sichohne viel Zutun meinerseits „automatisch“weiter vermehrt hat. Meine Steuer last hingegennahm ab. Durch unseren Arztberuf– auch meine Frau ist Ärztin – den wirbeide immer engagiert ausgeübt haben,wäre uns die Anhäufung eines solchenVermögens nicht möglich gewesen. Geldwar für meine Arbeitsmotivation und Wahlmeiner Tätigkeit nie Ausschlag gebend.Politisch sozialisiert durch die 68 igerBewegung gilt für mich auch heute noch:Geld arbeitet nicht, sondern es istmenschliche Arbeit, die gesellschaftlichenReichtum schafft. Daher spende undstifte ich inzwischen auch alle meineKapitaleinnahmen.Reichtum gilt gemeinhin als rechtmäßigerworben, wenn er Frucht eigenerArbeit ist. Die Wirklichkeit ist aber eineandere. Gerade die großen Vermögensind heute meist ererbt und die großenEinkommen werden heute häufig „leistungslos“,durch Kapitalrenditen, verdient.Dies geschieht nicht zuletzt mittels ofthöchst fragwürdiger, das Gemeinwohlschädigender „Geschäftsmodelle“ wieMonopol- bzw. Oligopolmacht, widerrechtlicheAneignung, Korruption, Steuerhinterziehung(EU Kommission schätzt diein Europa derart entgangenen Steuereinnahmenauf 1 Billion Euro jährlich!),Begünstigung und die verschiedenenTHEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen seinaus, weil ihr nicht wirklich bittet. Ihr sprecht Bitten aus. Aber ihr erhaltet nichts, weil ihr um nichts Gutes23


HINTERGRÜNDEFormen des „dirty money. Das mir als„Zufallsergebnis des natürlichen und gesellschaftlichenLotteriespiels“ zugeflossene„unverdiente“ Vermögen war mirnicht nur Beruhigung, sondern zunächstauch eine Last. In dieser Privilegierungdurch Erbschaft liegt im Grunde einegroße Ungerechtigkeit. „Die Vermögensübertragungan Erben zur ausschließlichprivaten Nutzung ist ... in einer demokratischenGesellschaft (und ihrem Postulatder realen Chancengleichheit, D.L.) nichtzu rechtfertigen,“ so Friedhelm Hengsbach,emerit. Professor für christliche Gesellschaftsethikan der Hochschule St. Gallen.Inzwischen ist die Last für mich zumSegen geworden: im Einsatz meines Vermögensals soziales Gestaltungsmittel,sei es in Form ethisch- sozialer Geldanlagen,vor allem aber im Einsatz zurFörderung von Projekten und Initiativen,die auf einen progressiven sozialen Wandelabzielen; das heißt auf die Veränderungpolitischer Rahmenbedingungenund Normen, die Ursache vieler sozialerund ökologischer Probleme sind. Ein„weiter so“ ist angesichts der vielfältigenSystem krisen, davon bin überzeugt, nichtmöglich. Daher mein Einsatz für Changestatt Charity.Die Initiative Vermögender für eineVermögensabgabeAus einer solchen Haltung heraus, die,wie ich meine in Ethik wie politischer undökonomischer Vernunft gleichermaßengründet, sind wir – angesichts der absehbarenFolgen der Finanzkrise – mit 21Wohlhabenden im Mai 2009 mit unseremAppell für eine Vermögensabgabe an dieÖffentlichkeit getreten. Darin fordern wireine zeitlich befristete zweckgebundeneVermögensabgabe in Höhe von 10 %,verteilt auf zwei Jahre, auf alle Vermögenjenseits eines Schonvermögens von500.000 Euro (Betriebsvermögen 5 MillionenEuro). Danach soll die 1996 ausgesetzteVermögenssteuer in Höhe von mindestens1 % wieder eingeführt werden(www. appell-vermoegensabgabe.de). DieAbgabe allein würde etwa 160 Mrd. Eurogenerieren, die Vermögenssteuer danachlaufend etwa 16 Mrd. jährlich. Wir wolltenals Wohlhabende, die von einer solchenAbgabe betroffen wären, ein öffentlichesSignal setzen, Vermögende an der Abfederungder finanziellen Folgen der Finanzkrisezu beteiligen. Der Appell hat, auchinternational, eine relativ große öffentlicheResonanz ausgelöst. Inzwischen sind wir62 Personen, darunter zwei auch interna-24 THEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen seinbittet. Denn ihr wollt das Erbetene benutzen, um eure Gier zu stillen. (Bibel in gerechter Sprache) +++


HINTERGRÜNDEtional hoch angesehene Wissenschaftler,der ehemaliger Chef einer großen Genossenschaftsbank,ein Bundestagsabgeordneter,sowie ein bekannter Kabarettist.Wir sind zudem Teil des BündnissesUmfairteilen, des Bündnisses „Steuergegen Armut“ zur Einführung der Finanztransaktionssteuersowie des erfolgreichenBündnisses gegen das gescheiterteDeutsch-Schweizer Steuerab kommen.Warum tun wir dies?Wir sind ein Teil dieser Gesellschaft, derwir uns verpflichtet fühlen. Auch wir profitierenvon der Infrastruktur, dem Bildungswesen,dem Rechtssystem und der Sicherheitunseres Landes. All dem verdankenwir u.a. auch unseren Wohlstand, den wirja nicht allein geschaffen haben. ZurFi nan zierung dieser Gemeinwohlaufgaben,muss die Finanzkraft des Staateswieder gestärkt werden: gerade jetzt inder Krise und angesichts klammer staatlicherKas sen, um in dringende Zukunftsaufgabenwie Energiewende und Bildungzu investieren.Wir sind weiterhin der Auffassung:Die Anhäufung von großem Reichtum inden Händen weniger ist nicht so sehr einZeichen besonderer Leistungsfähigkeitoder des Geschäftssinnes Einzelner (dasgibt es auch), sondern eher ein Versagenvon Wirtschaft und Politik, den gemeinsamerarbeiteten Reichtum fair zu verteilen.Gerade die Bankenkrise zeigt, wieEinkommen von Bankern in krassemVerhältnis zur ihrer Leistung stehen. Niehaben so wenige Menschen so großenSchaden angerichtet und wurden so fürstlich„belohnt“. Auch Kapitaleinkommenaufgrund ererbter Vermögen und Unternehmensanteilesind leistungslose, d.h.ohne eigenen Verdienst erzielte Einkommen,die mit 25 % Abgeltungsteuer oftnoch niedriger besteuert werden als dasEinkommen eines Facharbeiters.Bild von DieterLehmkuhlDieter Lehmkuhlerbte von seinenEltern einst einkleines Vermögen.Obwohler selbst vermögendist, fordertder Berlinerhöhere Steuernfür Reiche.Vermögende haben in aller Regel vomdem der Finanzkrise vorausgehendenWirtschaftsboom stark profitiert. Wennjetzt, wie sich überall zeigt, Vermögendeund Banken zur Finanzierung der Folgekostenkaum herangezogen und stattdessendie Lasten der Allgemeinheit aufgebürdetwerden, ist das eine Verletzungelementarer Gerechtigkeitsprinzipien wieauch des Verursacherprinzips. Die Bankenrettungspaketedienten auch der Sicherunggroßer Vermögen, deren Besitzer aufden Finanzmärkten spekuliert und damitzur Finanzkrise beigetragen haben. DieseMittel müssen wieder in die Sphäre gesellschaftlicherNützlichkeit zurückgeführtNUR WER GEIST HAT, sollte Besitz haben:sonst ist der Besitz gemeingefährlich.Friedrich Nietzsche: Werke I – Menschliches,Allzumenschliches, 6. Aufl. Frankfurt/M u. a.:Ullstein, 1969, S. 846, Zweiter Band, VermischteMeinungen und Sprüche, Nr. 310werden, nicht zuletzt auch, um zukünftigenspekulativen Blasen und Krisen aufden Finanzmärkten vorzubeugen.Wir sind der Auffassung, dass Wertewie Solidarität, Fairness und reale Chancengleichheitwichtige Bestandteile einesjeglichen Gemeinwesens sind und diestärkeren Schultern auch die stärkerenLasten zu tragen haben. Die Besteuerungmuss sich wieder nach der Leistungsfähigkeitder zu Besteuernden richten.Auch dies sind Grundsätze unsererVerfassung.Wenn Vermögende sich stärker an derFinanzierung der Aufgaben für dasGemeinwohl beteiligen, muss keiner derBetroffenen seinen Lebensstandard nennenswerteinschränken. Wir sind derMeinung – und die Wissenschaft stütztdas - dass es uns allen besser ginge,wenn wir mehr teilen und dafür in einemGemeinwesen leben würden, in dem alleein Auskommen haben, mit dem sie inWürde leben könnten; in dem sie sozialabgesichert sind und die öffentlichenRäume ohne Gefahr betreten werden können:einem Gemeinwesen, in dem jedersein Potential entfalten kann und dieLebenschancen gleicher verteilt sind.Dieter LehmkuhlTHEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen sein25


HINTERGRÜNDEReichtum und VerantwortungGespräch mit Martin Kind, Unternehmermich so sehr, dass ich seit Jahren keinenUrlaub mehr gemacht habe. Nicht ausZwang, sondern weil ich es für mich nichtbrauche. Ich habe ein Gen in mir, dasmich gerne arbeiten lässt und dafür binich dankbar. Sie fühlen sich also in gewisser Weise durchihre Arbeit reich. Wann aber ist für Sie jemandaus materieller Sicht reich?Martin Kind ist Eigentümer undGeschäfts führer der KIND Gruppe.KIND ist Markt führer in Deutschlandund eines der welt weit führendenUnternehmen der Hörgeräte-Akustikmit über 2500 Mitar beitern. Martin Kindist mit kurzer Unter brechung seit 1997Präsident von Hannover 96. Der diesjährige Kirchentag in Hamburgstand unter dem Motto „So viel du brauchst“.Es ging also um das richtige Maß, um den verantwortlichenUmgang mit Ressourcen und umdie Absage an Gier und grenzenloser Eigennutzmaximierung. Die Generalsekretärin desDEKT, Ellen Überschär, sagte es so: „Gott sorgtfür dich, es ist so viel da, wie du brauchst“ und„Gebrauche nur so viel, wie da ist.“ Wie vielbrauchen Sie persönlich für ein gutes gelingendesLeben?KIND: In erster Linie brauche ich meineArbeit. Ich arbeite gerne und bin in derglücklichen Lage, dass ich Verantwortungfür mein Unternehmen und meine Mitarbeiterübernehmen darf. Dieser Aufgabestelle ich mich und habe große Freudedaran. Ich kann Visionen entwickeln, sieaktiv umsetzen und Menschen dafür motivierenund begeistern. Das alles erfülltKIND: Das ist in Geldgrößen nicht absolutzu beschreiben. Materieller Reichtum,wenn man es denn so nennen will, befähigtMenschen aber sicherlich zu einemLeben ohne existenzielle Not. Vor allemversetzt es einen in die komfortable Lagesich in ganzer Freiheit Aufgaben zuzuwenden,die für einen selbst wichtig und erstrebenswertsind. Allerdings ist auch klar,dass materieller Reichtum nicht unbedingtdie Grund vor aussetzung für persönlichesGlück oder Zufriedenheit ist. Wenn Reichtum und Vermögen in Gesellschaftenextrem ungleich verteilt sind, dannhat das verheerende Folgen. Mit steigenderUngleich heit zwischen den Einkommen steigennach Wilkinson fast alle Arten von sozialenProble men. Ist Umverteilung damit nichtzwangsläufig notwendig für eine gelingendeSozialpolitik?KIND: In unserem Land wird umverteilt unddas ist auch gut so. Ob das nun nochmehr oder weniger sein muss sei einmaldahin gestellt. Die Rolle des Staates istaber in Bezug auf die Ausgabenseite bzw.Mittelverwendung durchaus kritisch zubeurteilen. Wichtig ist aber, dass dieFrage der Umverteilung auch sozialpolitischnicht an erster Stelle steht. Vor derUmverteilung muss erst einmal etwaserwirtschaftet werden was umverteiltwerden kann. Es gilt: Erst Innovation undInvestition, erst Leistung und erst Rahmenbedingungenschaffen in denen sichetwas erwirtschaften lässt. Die Wettbewerbsfähigkeitist immer zu beachten undhat hohe Priorität. Dann erst kommt dieFrage der Umverteilung.26 THEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen sein


HINTERGRÜNDE In der sozialpolitischen Debatte um dasThema ‚Umverteilung’ sollen ja vor allem die‚besser Verdienenden’ etwas abgeben, um imGegen zug die ‚Geringverdiener’ zu entlasten.Aber: Ab welchem Einkommen ist man ausIhrer Sicht eigentlich ‚besserverdienend’?KIND: Mit Einkommenshöhen, die zum Teilvon Facharbeiterinnen und Facharbeiternerzielt werden können ist auf jeden Fallkein Reichtum zu begründen. Diese Menschensind die Leistungsträger unsererGesellschaft und sollten bei der Finanzierungder Staatsausgaben nicht stärkerals bisher belastet werden. Wer dies tut,riskiert am Ende nur eine Ausweitung derSchwarzarbeit und im schlechtesten Fallsogar sinkende Steuereinnahmen. Gibt es einen Zusammenhang zwischenReich tum und Macht? Befähigt Reichtum zugesellschaftlicher und politischer Einflussnahme?KIND: Für ein mittelständiges Unternehmenwie das Unsere gilt das nicht. Da halte ichden Einfluss eher für begrenzt. Für Großvermögenkann das anders sein. Generellhabe ich in dieser Frage aber ein großesVertrauen in unser Land. Nach denschrecklichen Ereignissen des zweitenWeltkrieges sind wir zu einer stabilenDemokratie gereift in der Mehrheitentransparent in einem öffentlichen Prozesszu organisieren sind. Ob das so bleibt,wenn auch Deutschland einmal in einewirkliche Krise kommt weiß ich nicht. Esist aber zu hoffen. Könnte die Finanz- und Wirtschafts situationin Europa sich zu einer solchen Krise fürDeutschland entwickeln?KIND: Im Kontext unserer deutschen Vergangenheitenmit den unfassbaren Gräueltatendes zweiten Weltkrieges ist Europaweit mehr als nur ein Wirtschafts raum.Scheitert der Euro, dann ist die europäischeIdee für viele Jahre Geschichte. Wirtun gut daran unseren Nachbarn zur Seitezu stehen. Denn was ist passiert? Länderwie Griechenland, Spanien oder Italienhaben von den günstigen Zinsen in derWährungsunion profitiert. Bedauer licherweisefloss das meiste in den Konsumund nicht in Investitionen für Bildung undInfrastruktur. Dabei muss man aber wis-sen, dass gerade dieser Konsum dieExporte unseres Landes gestärkt hat. Wirhaben also auch an ihnen verdient undsollten uns schon deshalb nicht aus derVerantwortung ziehen. Kommen wir von Europa wieder zurück zuIhnen und Ihrer eigenen Verantwortung. WelcheVerpflichtung verspüren Sie ganz persönlich?KIND: In aller erster Linie trage ich Verantwortungfür das Unternehmen und seineBeschäftigten. Dabei geht es um Ausbildungsplätzegenauso wie um die Ent wicklunginnovativer Produkte, die den Absatzvon morgen sichern. Mitarbeiterverantwortung drückt sich dabei nicht nur inGehaltsfragen aus. Es geht auch darumBedingungen zu schaffen, in denen jederEinzelne die eigenen Fähigkeiten einbringenund entwickeln kann. Darüber hinausgeht es auch immer um Anerkennung fürgeleistete Arbeit und um soziale Bezieh ungen.Arbeit darf nie ein notwendiges Übelsein. Arbeit ist wichtig für die eigene Persönlichkeitund muss Sinn stiftend sein. Das bezieht sich sehr auf ihr Unternehmen.Wie aber nehmen Sie für sich selbst Verantwortung außerhalb des Unternehmens wahr?KIND: Da gibt es immer genügend Betätigungsfelder. Nehmen Sie nur einmal dieHand lungsfelder Sozial-, Kultur- undSport spon soring. Oder finanzielles undehrenamtliches Engagement in Stiftungenund Vereinen. Sind Stiftungen ein gutes Modell für „reicheMitbürger“ ein Segen zu werden?KIND: Das muss jeder selber entscheiden.Mein gefühlter Eindruck ist, dass wir eineVielzahl von Stiftungen in unserem Landhaben und damit auch viele gute Dingetun können. Für mich steht die Gründungeiner eigenen Stiftung zurzeit aber nichtan. Meine Priorität liegt auf dem langfristigenErfolg und Wohlergehen unseresFamilienunternehmens. Vielen Dank für das Gespräch.Das Interview führte Axel Braßler,Geschäftsführer Evangelischer VerbandKirche-Wirtschaft-ArbeitsweltTHEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen sein27


HINTERGRÜNDEETHIK IST PRIMA,aber wie schaut es ausmit den Dividenden?Die GLS Bank setzt unter anderem auf neue Mobilitätskonzepte.Wilhelm II. (1859 - 1941),letzter deutscher Kaiserund preußischer König von1888 bis 1918Ethisches InvestmentAlternativen für den Umgang mit KapitalSoziales, nachhaltiges Handeln undBankgeschäft – zwei Dinge, die sich ausschließen?Mitnichten! Doch was bedeutetes, Verantwortung im Umgang mitGeld zu übernehmen? Geld ist ein gesellschaftlichesGestaltungsmittel. Es wirktdort, wo es investiert wird. Wer also seinGeld gedankenlos auf ein Girokonto oderin einen rein renditeorientierten Fondsgibt, der läuft Gefahr, Unternehmen zufinanzieren, die die Rüstungsindustrieunterstützen oder Kinderarbeit in Kaufnehmen. Immer wiederkehrende Nachrichtenüber Finanzkrisen, den Klimawandelund soziale Missstände bewegenviele Men schen zum Umdenken. Sie werdensich ihrer Verantwortung bewusst,nehmen sich dieser an. Nicht länger istder maximale monetäre Gewinn dasentscheiden de Kriterium, sondern dieVerwendung des angelegten Geldes.Mit dem Motto „Geld ist für die Menschenda“ wurde die GLS Bank 1974 als erstesozial-ökologische Universalbank derWelt in Bochum gegründet. Seit nun mehr39 Jahren ist sie Wegbereiter für ein nachhaltigesBankgeschäft. Sie fungiert dabeials Hausbank – ihre Bankdienstleistungenreichen vom Girokonto und Sparange -boten bis hin zu Finanzierungen und Beteiligungen. Zusätzlich bietet sie Möglichkeitenzum Stiften und Schenken. Ihr anvertrautesVermögen investiert die GLSBank in sinnstiftende Projekte und Unternehmen.Dabei bestimmt der Kundeselbst in welcher Branche sein Geld derGesellschaft nachhaltig nützen soll: RegenerativeEnergien, ökologische Landwirtschaft,ökologische Baufinanzierung,freie Schulen, Kindergärten, Naturkostoder Kultur. Die GLS Bank baut auf einenoffenen Dialog und eine umfassende28 THEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen sein


HINTERGRÜNDEInvestitionsbereiche der GLS-Bank:Neue Kredite mit einem Volumen von 543 Mio. Euro in 2012Gesamtbestand 20129,3 % GESUNDHEITBehinderteneinrichtungenGesundheit31,4 % ENERGIERegenerativeEnergien19,1 % BILDUNGSchulen, KulturSonstiges25,7 % WOHNENLeben im AlterWohnprojekteBaufinanzierung14,5% ERNÄHRUNGÖkologischeLandwirtschaftBiobrancheQuelle: GLS-Bank, Stand: 31.12.2012Transparenz. Sie veröffentlicht alle neuvergebenen Kredite in ihrer Kundenzeitschrift„Bankspiegel“ und legt ihre Eigenanlagenim Internet offen. So ermöglichtsie ihren Kunden, sich jederzeit überdie Verwendungen ihres Geldes zu informierenund die Einhaltung der nachhaltigenKriterien zu überprüfen.Durch private Beteiligungen an geschlossenenFonds oder die Zeichnung vonGenussscheinen, in denen Menschen ihrGeld langfristig für einen bestimmtenZweck anlegen, können viele gemeinsamdie Voraussetzungen für Entwicklungen inder Gesellschaft schaffen. Das angelegteGeld kann so regional beim Ausbau desgrünen Stroms oder weit entfernt, z. B. ineiner biologisch-dynamischen Farm in derWüste Afrikas, wie das Projekt ‚Sekem‘beweist, seine gemeinnützige Kraft entfalten.Im Kreditbereich entwickelte dieGLS Bank spezielle Angebote zur Finanzierung gemeinnütziger Projekte. Verzichtenihre Kunden auf einen Teil oder dengesamten Zinsertrag ihrer Geldanlage,kann die GLS Bank durch diese SpendeKredite mit einem geringen Darlehenszinsan soziale Projekte vergeben, die sonstkeinen Zugang zu Kapital hätten.Einfach Geld zu schenken – das gehtnatürlich auch. Die unter dem Dach derGLS Bank beheimatete GLS Treuhandunterstützt seit über 50 Jahren Menschen,die ihr Geld in sozial-ökologischen Pro -jekten wirken lassen möchten, berät beiStif tungsgründungen oder verwaltetStif tun gen. Zusätzlich führt sie eigeneZu kunftsstiftungen. Die ZukunftsstiftungEntwicklung strebt beispielsweise gemeinsam mit ihren Kooperationspartnernan, Menschen unter Berücksichtigungörtlicher Bedingungen und individuellerBe dürfnisse in die Lage zu versetzen ihreLebensverhältnisse selbstbestimmendzu gestalten.Verantwortung übernehmen, das be deutetauch, sich nicht diktieren zu lassen, wodas eigene Geld investiert wird. Sondernsein Geld dort einzusetzen, wo es Sinnstiftet und Entwicklung ermöglicht.Brigitte BertelmannTHEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen sein29


HINTERGRÜNDEWachstum und WohlfahrtAlternative Messkonzepte in der Diskussion*Ist Deutschland in den letzten Jahrenärmer oder reicher geworden, hat dieWohlfahrt des Landes zugenommen odernicht? Wenn man sich Gedanken darübermachen möchte, wie man Wohlstand undWohlfahrt in einem Land messen kann,um solche Fragen zu beantworten, dannmuss man sich erst einmal einigen,wie man diese Begriffe definieren möchte.Sichtet man die vorliegenden Begriffs -bestimmungen, wird schnell deutlich,dass hier keineswegs Einigkeit herrscht,sondern dass in Begriffsdefinitionennicht selten auch politische Absichtenverbunden werden, ganz bestimmteVorstellun gen über eine gute Ordnungder Gesellschaft zu verwirklichen.Umgangssprachlich wird mit Wohlstandhäufig ein Zustand beschrieben, indem ein Individuum ausreichend oder sogarmehr Geld zur Verfügung hat, um sichseine Wünsche erfüllen zu können. DiesesBe griffsverständnis verweist auf die materielleDimension des Wohlerge hens, wobeiin erweiterten Begriffsfas sungen auchim ma terielle Aspekte hinzugenommenwerden.1 Wird nun nicht nur das einzelneIndivi duum betrachtet, sondern eineGesell schaft insgesamt, stellt sich natürlichdie Frage, wie sich dann der Wohlstandim Blick auf das Ganze bemisst.Damit kommen vor allem Fragen der Verteilungin den Blick. Ist es der Reich tumdes Herrschers in einem absolutistischenStaat, der alleine zählt, oder ist es das„größte Glück der größten Zahl“?Der Begriff der Wohlfahrt kann in mindes -tens drei verschiedenen Kontexten ver ortetwerden, in denen er jeweils eine unterschiedlicheBedeutung transportiert:(1) Am nächsten liegt zunächst der alltagssprachlicheund politisch-technischeKon text, in dem Wohlfahrt das Systemoder Teilsysteme der sozialen Sicherungbezeichnet. Wer auf institutionelle Hilfe zurSicherung seines Lebensunterhaltes angewiesenist, „lebt von der Wohlfahrt“.(2) Dann existiert der wissenschaftlicheKontext, in dem Wohlfahrt den Gesamtnutzen eines Individuums oder der Gesell-schaft beschreibt, letzteres als Aggregationder jeweiligen Nutzenfunktionen derIndividuen. Zwischen den Begriffsfel dern(1) und (2) gibt es eine Schnittmenge dann,wenn Wohlfahrt vor allem als Befrie digungder Grundbedürfnisse von Men schen verstandenwird.(3) Schließlich gibt es einen zum Teil alltagssprachlichen, überwiegend aber wissenschaftlichenKontext, in dem der Begriffals umfassende Bezeichnung für Wohlergehenverwendet wird, der neben materiellenauch immaterielle Komponen tenenthält. Hier kann eine Definition der Weltgesundheitsorganisationherangezogenwerden, nach der auf der individuellenEbene Wohlfahrt verstanden werden kannals „… die subjektive Wahrnehmung einerPerson ihrer Stellung im Leben, in Relationzur Kultur und den Wertesystemen, indenen sie lebt, in Bezug auf ihre Ziele,Erwartungen, Standards und Anliegen“. 2Damit wird etwas ausgedrückt, was intuitivfast alle Menschen für richtig halten:Wohl fahrt ist weit mehr als „nur“ Ökono mie:gelingende Beziehungen, Freundschaften,Gesundheit, intakte Natur, sinnvolle Arbeitund vieles andere mehr.Auf der Ebene der Gesamtgesellschaft hatdieses Begriffsverständnis notwendig zurFolge, dass die Messung der Wohlfahrtnicht nur durch das Bruttoinlandsprodukt(BIP) vorgenommen werden kann, sonderndurch alternative Wohlfahrtsmaße ersetztoder ergänzt werden muss. Denn im BIPsind für die gesellschaftliche Wohl fahrtwesentliche Aspekte nicht berücksichtigt:die Verteilung der Einkommen, die nichtüber den Markt vermittelte Wert schöp fung,die zum Beispiel durch Haus arbeit undehrenamtliche Arbeit entsteht, oder dieUmweltschäden, die durch ökonomischeAktivitäten entstehen und nicht beseitigt* Der folgende Text stützt sich auf die Abschlussberichte zweierForschungsprojekte: Meyer, Bernd/Ahlert, Gerd/Diefenbacher, Hans/Zieschank, Roland/Nutzinger, Hans (2012): Eckpunkte eines ökologischtragfähigen Wohlfahrtskonzepts. Osnabrück: GWS, und Diefenbacher,Hans/Held, Benjamin/Rodenhäuser, Dorothee/Zieschank, Roland (2012):NWI 2.0 - Weiterentwick lung und Aktualisierung des NationalenWohlfahrtsindex. Heidelberg/Berlin: FEST/FFU; der vorliegende Textenthält auch Passagen aus diesen Berichten.30 THEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen sein


HINTERGRÜNDE1101051009590858075Vergleich: Nationaler Wohlfahrtsindex (NWI 2.0) und Bruttoinlandsprodukt (BIP)(nominiert auf 200=100)NWI 2.0701991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010BIBQuelle: Fest/FFU, Statistisches BundesamtWIR MÜSSEN DAS BIP als Hauptindikator fürFortschritt hinter uns lassen, und einenIndex für nachhaltige Entwicklung schaffen,der die Menschen an erste Stelle setzt.Ban Ki-moon, Generalsekretär der Vereinten Nationen, in„Remarks to the High-level Delegation of Mayors andRegional Authorities“, New York, 23. April 2012.werden. Mit anderen Worten: Eine Gesellschaft,die sich am Leitbild der Nachhaltigkeitoder der Zukunftsfähigkeit orientiert,kann nicht auf ein eindimensionales,überdies nur an kurzfristiger öko nomi scherVerwertung orientiertes Wohl fahrtsmaßzurückgreifen – denn was würde die Steigerungdes BIP nützen, wenn das Mehrproduktbei der Mehrheit der Bevölkerunggar nicht ankäme – oder wenn dessen Produktiondie Ressourcengrundlage, alsodas Naturkapital, zerstören würde, auf daszukünftige Generationen angewiesen sind?Alternative Wohlfahrtsmaße sind daherunabdingbar. Derzeit lassen sich dreiunterschiedliche Hauptrichtungen in derDiskussion unterscheiden: Der Einzelindikator BIP wird durch einSystem von Indikatoren ersetzt, häufig istdas BIP dann ein Indikator unter mehrerenoder vielen; das ist der Ansatz der bundesdeutschenNachhaltigkeitsstrategieoder der Enquete-Kommission „Wachstum,Wohlstand, Lebensqualität“. Anstelle des BIP wird ein so genannter„Composite Indicator“ gebildet, der Indikatorenunterschiedlicher Skalen – etwaSchadstoffausstoß, Lebenserwartung,Alphabetisierungsquote – mit einem eigenenNormierungs- oder Aggregationsverfahren– zusammenrechnet. Auch hier kanndas BIP als ein Indikator neben anderenin den Composite Indicator einbezogenwerden; ein bekannter Ansatz dieser Artist der Human Development Index (HDI). Im Rahmen von „Accounting Ansätzen“wird ein Index geschaffen, der dem BIPweitgehend vergleichbar ist, da – wie beimBIP – in Geldeinheiten bewertete Komponentenaddiert beziehungsweise subtrahiertwerden und auf diese Weise – wiedas BIP aus der VolkswirtschaftlichenGesamtrechnung – ein Gesamtaggregatberechnet wird.Ein Beispiel für einen Accounting Ansatzist der Nationale Wohlfahrtsindex (NWI).Der NWI 2.0 setzt sich aus insgesamt 20Komponenten zusammen: Ausgangspunkt ist der private Konsum,der mit der Einkommensverteilung gewichtetwird. Darüber hinaus gehen Hausarbeit undehrenamtliche Tätigkeiten positiv in denNWI ein; ebenso ein Teil der öffentlichenAusgaben für Gesundheit und Bildung. Es erfolgt eine Korrektur für das zeitlicheAuseinanderfallen von Kosten undNutzen dauerhafter Konsumgüter. Schließlich werden wohlfahrtsminderndesoziale und ökologische Aspekteim NWI abgezogen. Darunter fallen imsozialen Bereich unter anderem Kostenvon Kriminalität und Verkehrsunfällen,im ökologischen Bereich zum BeispielAus gaben für die Reparatur von Umweltschäden und Schadenskosten für Umweltbelastungen wie Luftverschmutzungund CO 2-Emissio nen. Darüber hinaus werdenErsatzkosten für den Verbrauch nichterneuerbarer Ressourcen und die Kostender Atom energie nutzung berücksichtigt.Fortsetzung auf Seite 32THEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen sein31


ZWISCHENRUF„Ist es fair und zukunftsweisend, das PhänomenReichtum und alle Vermögenden grundsätzlichüber einen Kamm zu scheren?“Verfolgt man die öffentlichenDebatten erscheint Reichtummeistens als ein Fluch für vieleund als ein Segen für wenige.Denkt man an Steuerhinterziehung,völlig überzogeneBonizahlungen oder den grassierendenWahnsinn derFinanz märkte fühlen wir unszu Recht verärgert, bedrohtund entmündigt. Die Fragennach Schuld und Verantwortungliegen auf der Hand unddas Gefühl der Ungerechtigkeitist mit Händen zu greifen.So weit, so schlecht.Aber sind es die Reichen undVermö genden, die allein diesesGeschäft der Ungleichheitwillentlich und vorsätzlich betreiben?An dieser beliebtenund ein seiti gen Schuldzuweisunggibt es begründeteZweifel. Betriebliche und unternehmerischeAktivitätenbedingen nicht nur einenGroßteil unserer Arbeitsplätze,auch ein hoher Anteil desSteueraufkommens stammtallein aus einer kleinen Gruppeerfolgreich Handelnder, dienicht mehr als zehn Prozentunserer Gesellschaft repräsentieren.Und hier liegt dasirritierende Problem: ist es fairund zukunftsweisend, dasPhänomen Reichtum und alleVer mögenden grundsätzlichüber einen Kamm zu scheren?Die objektiven Tatbestände derindividuellen, institutionel lenund konzernspezifi schenSteuer vermeidung, der politischeIrrsinn der Schul den anhäufungund die Un kontrol lierbarkeituferloser Finanz märktesind offensichtlich und imKern die Basis einer aus demRuder laufenden Gesell schaftsordnung.Auch die Tatsache,dass Geld und Konsumismussich wie eine Infektions krankheitin allen Milieus ausgebreitethat, macht die Menschenpropagandaanfällig.Vor diesem Hintergrund müssenwir uns die Mühe machen,zwischen Reichen, die nur ansich denken und Vermögenden,die sich als verantwortungsbewussterTeil unsererGesellschaft verhalten, zuunterscheiden.Prof. Dr. Thomas DruyenDirektor des Institutes für Verglei chendeVermögenskultur und Vermögenspsychologiean der Sigmund FreudPrivatuniversität in WienFortsetzung von Seite 31Ein Vergleich von NWI 2.0 und BIP zeigt,dass sich die Entwicklung der Gesell schaftin Deutschland sehr unterschiedlich darstellt,je nachdem, welche Zeit reihe manbetrachtet: das BIP steigt nahezu kontinuierlichan, bis auf den durch die Finanzkrisebedingten Einbruch 2008/2009; derNWI sinkt hingegen in der Regel zwischendem Jahr 2000 und 2008 und nimmt danachwieder leicht zu. Genauere Analysezeigen, dass vor allem die in vielen Jahrenungleicher werdende Einkommens verteilungund die nach wie vor hohen Umweltkostenhier eine entscheidende Rolle beider Erklärung der Differenz spielen.Insgesamt scheint mit der Einführungalternativer Wohlfahrtsmaße eine Rückkehrzur „Sinnfrage“ der Ökonomie leichtermöglich. Hier wird implizit die Frage angesprochen,ob mit einer Ausdehnung wirtschaftlicherAktivitäten – und vor allem:bestimmter wirtschaftlicher Aktivitäten –in hoch entwickelten Industriegesell schaftennoch ein Wohlfahrtsgewinn verbundenist oder nicht – und ob eine Verbesserungder Lebensqualität letztlich nicht docheher über eine Rückbindung an das Gemeinwohlzu erzielen ist.Hans DiefenbacherProf. Dr. Hans Diefenbacher, apl. Prof. für Volkswirtschaftslehream Alfred-Weber-Institut der Universität Heidelberg,stellv. Leiter der Forschungsstätte der EvangelischenStudiengemeinschaft (FEST) Heidelberg1 Diese beiden Aspekte berücksichtig auch Ludwig Erhard schon 1957 inseiner Begriffsdefinition. Vgl. Erhard, Ludwig (1957): Wohlstand für alle.Düsseldorf: Econ.2 WHO (Hrsg.) (1995): „The World Health Organization Quality of Lifeassessment (WHOQOL): Position paper from the World HealthOrganization“ in: Social Science and Medicine, Vol. 41, 1403-1409.3 Der NWI wurde 2009 in Zusammenarbeit zwischen der FEST inHeidelberg und dem Forschungszentrum für Umweltpolitik der FU Berlinentwickelt und versucht, durch die Berücksich tigung von ökologischenund sozialen Faktoren eine alternative Betrachtung von Wachstum undWohlfahrt zu fördern.32 THEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen sein


GLOSSARWichtige Begriffe (Glossar)Dezile – Einteilung in Zehnprozentabschnitte(Zehntel). Wird häufig zur Darstellung vonEinkommens- und Vermögensanteilen aberauch von Steuerbeiträgen genutzt. BegrenzteAussagefähigkeit, da Einkommens-/Vermö genskonzentrationinnerhalb eines Dezils nichtwidergegeben wird. Für eine aussagekräftigeDarstellung der Verteilung von Steuerbeiträgenist gleichzeitig Information zur Verteilung derBemessungsgrundlage erforderlich.FATCA steht für „Foreign Account Tax ComplianceAct“ und ist die Kurzbezeichnung für einenTeil eines im Jahr 2010 in Kraft getretenen US-Gesetzes, mit dem das US-Steuer-Reportingvon ausländischen Finanz institu tio nen deutlichverschärft wurde. Ziel des FATCA ist es zu verhindern,dass in den USA Steuer pflichtige Geldin ausländische Steuer oasen schaffen.Medianwert – der mittlere Wert in einer (gedachten)Reihe, der genau zwischen der oberenund der unteren Hälfte liegt. Je ungleicher eineVerteilung z.B. von Einkommen oder Ver mögenist, um so weiter liegt der Medianwert unterdem arithmetischen Mittel (Durchschnitt).WER IM ROLLS-ROYCE durchFrankfurt fährt, kriegt von mirkeinen Pfennig Kredit.Hermann Josef Abs (1901-94),deutscher BankierNeoliberalismus ist eine Sammelbezeichnungfür die Neuformierung einer wirtschaftsliberalenRichtung in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften,die sich vor dem Hintergrundder Weltwirtschaftskrise von 1929-32 erstmalsformiert hat. Ihr Ziel ist die theoretische Legitimationfreier Marktwirt schaften sowie dieDelegitimation des Wohlfahrtstaates. Grundlagensind die Vorstellungen eines übersteigertenIndividualismus und die „Entthronung derPolitik“ (Hayek).Ordoliberalismus ist eine in den 1930er Jahrenin Deutschland entstandene wirtschaftswissenschaftlicheStrömung des internationalenNeoliberalismus, die im Unterschied zurangelsächsischen Variante dem Staat einestark ordnende Funktion („Ordo“) zur Durchsetzungeiner funktionsfähigen Marktwirtschaftzuweist. Staatliche Interventionen sindallerdings nur erlaubt, soweit sie „marktkonform“(Röpke) sind.Persistenz – Beständigkeit, Dauerhaftigkeit.Hier die gleichbleibende Verteilung/Konzen trationvon Vermögen/Reichtum bei relativgeringer sozialer Mobilität.Plutokratie charakterisiert eine Herrschaftsform,die sich über Vermögen definiert.Allein die Vermögensposition legitimiert undentscheidet über politischen Einfluss in derplutokratischen Gesellschaft.Quintile – Einteilung in zwanzig ProzentAbschnitte (Fünftel). S.a. DezileSozioökonomie oder Sozialökonomie umschreibteine im 20. Jahrhundert entstandenesozialwissenschaftliche heterogene Richtungder Ökonomik, die ökonomische Problemstellungenin den Zusammenhang gesellschaftlicherEntwicklung stellt. Das können beispielsweiseMacht- oder Geschlechterverhältnisse,Demokratiefragen oder soziale Ungleichheitensein. In diesem Sinne ist die Sozioökonomie/Sozialökonomie ein interdisziplinärer Zugang,um ökonomische Probleme in ihrer Gesamtwirkungzu analysieren.THEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen sein33


LITERATUR, LINKS, MEDIENLiteraturtipps und InternetlinksBundesministerium für Arbeitund Soziales (Hrsg.):Lebenslagen in Deutschland.Der 4. Armuts- undReichtumsbericht derBundesregierung, Bonn 2013Druyen, Th., Lauterbach,W., Grundmann, M. (Hrsg.):Reichtum und Vermögen. Zurgesellschaftlichen Bedeutungder Reichtums- undVermögensforschung,Wiesbaden 2009Freeland, Ch.:Plutucrats. The Rise oft heNew Global Super Rich andthe Fall of Everyone Else,London 2013Michael J. Sandel:Was man für Geld nichtkaufen kann. Die moralischenGrenzen des Marktes,Berlin 2012Tomas Sedlacek:Die Ökonomie von Gut undBöse, München 2012Oliver Stengel:Suffizienz. Die Konsumgesellschaftin der ökologischenKrise (Wuppertaler SchriftenBd. 1), München 2011Streeck, W.:Gekaufte Zeit. Die vertagteKrise des demokratischenKapitalismus, Frankfurt 2013Apell für eine Vermögensabgabewww.appellvermoegensabgabe.deNetzwerk Steuergerechtigkeit(Tax Justice Network)www.taxjustice.netTransaktionssteuer:Steuer gegen Armutwww.steuer-gegen-armut.orgUmfairteilen:Reichtum besteuernwww.umfairteilen.deEilert Herms:Die Wirtschaft des Menschen.Beiträge zur Wirtschaftsethik,Tübingen 2004Wehler, H.-U.:Die neue Umverteilung.Soziale Ungleichheit inDeutschland, München 2013Krysmanski, H.-J.:0,1 % – Das Imperium derMilliardäre, Frankfurt 2012Wilkinson, R., Pickett, K.:Gleichheit ist Glück. Warumgerechte Gesellschaftenbesser für alle sind, 4. Aufl.,Berlin 2012LIEBER ARM DRAN als Arm ab.Marco (17), Berufsschule Worms34 THEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen sein


IMPRESSUMKONTAKTETHEMAIM AUFTRAG DES KDA-BUNDESVORSTANDESERSTELLT VON:Gerda EgbersKirchlicher Dienst in der ArbeitsweltIm Haus kirchlicher DiensteEvangelisch-lutherische LandeskircheHannoversArchivstraße 330169 Hannoveregbers@kirchliche-dienste.deMartin HuhnEhemaliger Industrie- und Sozialpfarrerin NordbadenMannheimkda.huhn@t-online.deHeike RiemannKirchlicher Dienst in der ArbeitsweltEvangelisch-Lutherische Kirche inNorddeutschlandHaus der KircheHölertwiete 521073 Hamburgheike.riemann@kda.nordkirche.deKOORDINATION:Walter JungbauerAlt-Katholischer Pastor (mit Zivilberuf)Referent für Öffentlichkeitsarbeit undFundraising / PressesprecherEvangelischer Verband Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt (VKWA)Friedrich Karrenberg HausArnswaldtstraße 630159 Hannoverw.jungbauer@vkwa-ekd.deVERANTWORTLICH:Peter JanowskiBundesvorsitzender des KDA im VKWAVorsitzender des VKWAFriedrich Karrenberg HausArnswaldtstraße 630159 Hannoverp.janowski@vkwa-ekd.deREICH IST MAN ERST DANN,wenn man sich bei derBilanz um einige Millionenirren kann, ohne daß esauffällt.Jean Paul Getty (1892-1976),amerikanischer Ölindustriellerund MilliardärGESTALTUNG UNDREALISATION:Design, Layout, Bildauswahl:Holger Giebelerwww.magascreen.comLektorat:Dr. Angelika Fallert-Müllerwww.fallert-mueller.deDruck:Direkt Druck- und VerlagsserviceGmbH, DarmstadtAuflage: 6.000März 2013TEXTE/QUELLEN:12 Thesen mit freundlicher Gene h -migung von Herrn Erhard Epplerund dem Campus Verlag, entnommendem Buch: Erhard Eppler, Wasbraucht der Mensch? Vision: Politikim Dienst der Grundbedürfnisse,Frankfurt am Main, 2000Bibelstellenleiste:Übersetzung nach Martin LutherKARIKATUREN:Alle Karikaturen in diesem Heftsind von Thomas Plaßmann, Essenwww.thomasplassmann.deFOTOQUELLEN:1, 4, 5, 21,34, 36:© pojoslaw - Fotolia.com2: KDA3: Der Paritätische Gesamtverband7: © tanatat - Fotolia.com8: Fotolia10/11: Fotolia12: Fotolia14/15: Fotolia17: Fotolia18: Fotolia22: privat25: privat26: privat28: GLS-Bank32: privat33: FotoliaBÜNDNIS UMFAIRTEILENPD Dr. Ralf Ptak,WirtschaftswissenschaftlicherReferent, KDA Nordkircheralf.ptak@kda.nordkirche.deALLIANZ FÜR DEN FREIEN SONNTAGPhilip Büttner,Sozialwissenschaftlicher Referent,KDA Bayernbuettner@kda-muenchen.deTAX JUSTICE NETWORKDr. Brigitte Bertelmann,Referentin für Wirtschaft undFinanzpolitik des ZentrumsGesellschaftliche Verantwortungder Evangelischen Kirchein Hessen und Nassaub.bertelmann@zgv.infoTRANSAKTIONSSTEUER:STEUER GEGEN ARMUTThomas Krämer,Sozialwissenschaftlicher Referent,KDA Bayernkraemer@kda-bay.deBUNDESAUSSCHUSSARBEIT UND TECHNIKNina Golf,Wirtschaftsmediatorin undSozialwissenschaftliche Referentin,KDA Bayerngolf@kda-bay.dePeter Greulich,Referent für Arbeit, Wirtschaftund Soziales / Bildungsreferentfür Wirtschaft,KDA der Landeskirche Hannoversgreulich@kirchliche-dienste.deBUNDESAUSSCHUSSERWERBSLOSIGKEIT, SOZIAL-UND ARBEITSMARKTPOLITIKHeike Riemann,Referentin / Regionsleiterin,KDA Nordkircheheike.riemann@kda.nordkirche.deKarin Uhlmann,Wirtschafts- und Sozialpfarrerinin der Prälatur Heilbronn,Konfliktprävention und Mobbing,KDA Württembergkarin.uhlmann@ev-akademie-boll.deBUNDESAUSSCHUSS EUROPAEsther Kuhn-Luz,Wirtschafts- und Sozialpfarrerinin der Prälatur Stuttgart,KDA Württembergesther.kuhn-luz@ev-akademie-boll.deKlaus-Peter Spohn-Logé,Sozialsekretär, KDA Badenkda.spohn-loge@t-online.deTHEMENHEFT: Reichtum, du wirst ein Segen sein35


ZERSTÖRE BANKKONTO UND KREDIT,und der reiche Mann hat nicht bloßkein Geld mehr, sondern er istam Tage, wo er es begriffen hat, eineabgewelkte Blume.Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften –Roman/I. Erstes und zweites Buch, 16. Aufl. Reinbekbei Hamburg: Rowohlt, 2002, S. 419KDA im Ev. VerbandKirche-Wirtschaft-ArbeitsweltFriedrich Karrenberg HausArnswaldtstraße 630159 HannoverTelefon: 0511 473877-0www.kda-ekd.de

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