Kommunaler Strategieplan Integration des Gemeindetags Baden ...

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Kommunaler Strategieplan Integration des Gemeindetags Baden ...

Kommunaler Strategieplan Integration

des Gemeindetags Baden-Württemberg


KE.

Kommunale Kompetenz

und Erfahrung

Stadterneuerung ist gelebte Integration. Sie schafft Lebensräume und Orte der Begegnung, für ein gemeinsames bürgerschaftliches

Engagement und ein tolerantes Miteinander. Seit 1972 unterstützen wir Städte und Gemeinden bei der

Stadt entwicklung, Stadterneuerung, Bauland- und Infrastrukturentwicklung. Dabei tragen wir dem demografischen

Wandel Rechnung und eröffnen Chancen für eine gute Zukunft der Kommunen. Erfolgreiche Projekte in über 500

Kommunen in Baden-Württemberg sind unsere beste Referenz.

LBBW Immobilien Kommunalentwicklung GmbH

Olgastr. 86, 70180 Stuttgart, Tel. 0711 6454-0, Fax 0711 6454-100, www.kommunalentwicklung.de

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Kommunalentwicklung GmbH


Inhaltsverzeichnis

Kommunaler Strategieplan Integration

Vorwort 4

Einführung 6

Lebenssituation der Menschen mit Migrationshintergrund 8

Bevölkerung mit Migrationshintergrund in den Bundesländern und Deutschland 8

Personen mit Migrationshintergrund in Baden-Württemberg nach Herkunft 8

Regionale Verteilung der Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Baden-Württemberg 8

Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Städten und Gemeinden 9

Migrationstypen in den Regionen Baden-Württembergs 9

Altersstruktur der Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Baden-Württemberg 10

Einbürgerung als Integrationsindikator 10

Bildungsniveau bei ausländischen Kindern und Jugendlichen 11

Berufliches Bildungsniveau der Bevölkerung mit Migrationshintergrund 11

Finanzielle Situation der Menschen mit Migrationshintergrund 12

Folgen unterlassener Integration 12

Integration in kleineren Städten und Gemeinden 14

Integrationsprojekte in ausgewählten Städten und Gemeinden

in Baden-Württemberg 15

Eislingen/ Fils 15

Rottenburg 15

Bad Wurzach 16

Murrhardt 16

Salach 17

Schwaikheim 17

Ravensburg 17

Buchen 18

Filderstadt 18

Heilbronn 19

Strategische Handlungsempfehlungen für Städte und Gemeinden 20

Politische Forderungen an Bund und Land 26

Fazit 27

Leitfaden für einen Integrationsplan 28

Quellenverzeichnis 30

Dank 31

Gemeindetag Baden-Württemberg

3


Kommunaler Strategieplan Integration

Liebe Leserinnen und Leser,

Integration ist heute in Politik und Gesellschaft in aller Munde. Angefangen

bei den Integrationsgipfeln und Islamkonferenzen der Bundesregierung bis hin

zur Frage, ob wir in den Verwaltungen eine Mindestquote für die Einstellung

von Menschen mit Migrationshintergrund brauchen.

Es ist jedoch nicht nur die hohe Politik, die das Thema auf der Agenda hat.

Landauf, landab wird in unseren Städten und Gemeinden tagtäglich Integrationsarbeit

geleistet. Baden-Württemberg ist das Flächenbundesland mit dem höchsten

Migrantenanteil. Den einen oder anderen mag es erstaunen, aber diese Migranten

leben nicht ausschließlich in den Groß städten. Viele haben sich auch in kleineren

Städten, Gemeinden und Dörfern in unserem Land niedergelassen.

Und ebenso viele von ihnen sind längst integriert: Sie haben einen Arbeitsplatz,

sind in der Schule oder Ausbildung, nehmen am ge sellschaftlichen Leben ihres

Wohnorts teil.

Ein nicht zu vernachlässigender Teil der Migranten ist jedoch noch nicht

in unserer Gesellschaft angekommen. Menschen, die der deutschen Sprache nicht

oder kaum mächtig sind, Jugendliche, die ihren Schulabschluss nicht geschafft

haben oder keinen Arbeitsplatz bekommen oder Menschen, die sich in unserer

Gesellschaft noch nicht ausreichend auskennen und schlicht nicht akzeptiert

fühlen. So unterschiedlich auch die Lebensumstände der Menschen

mit Migrationshintergrund sein mögen, eines haben sie gemeinsam: Sie erleben

Deutschland, ihr neues Zuhause, zuallererst in ihrem Wohnort, in einer Stadt

oder Gemeinde. Hier begegnen sie zum ersten Mal den einheimischen

Mitbürgern, hier machen sie die ersten Erfahrungen mit Behörden, Kindergärten,

Schulen oder der Arbeitswelt. Der Erfolg oder das Scheitern von Integration zeigt

sich deshalb am unmittelbarsten in unseren Städten und Gemeinden.

Viele Stadtverwaltungen, Gemeinderäte, ehrenamtlich Engagierte, Vereine oder

andere lokale, gesellschaftliche Institutionen haben dies schon vor vielen Jahren

erkannt und können auf eine lange Tradition von Integrationsangeboten

und -anstreng ungen zurückblicken. Diesen Vorreitern und allen Aktiven

auf kommunaler Ebene gebührt zuallererst Anerkennung und Dank. Einige dieser

erfolgreichen Projekte aus baden-württembergischen Städten und Gemeinden

werden im vorliegenden Kommunalen Strategieplan vorgestellt. Sie dienen auch

als gutes Beispiel für andere, die noch auf der Suche nach guten

Integrationsprojekten sind.

4 Gemeindetag Baden-Württemberg

Foto: irisblende.de


BWGZ 1 | 2010

Der Kommunale Strategieplan Integration des Gemeindetags stellt aber nicht

nur die aktuelle Lebenssituation der Menschen mit Migrationshintergrund dar

oder listet ausschließlich Erfolgsmodelle auf. Er ist vor allem als ein Fundus

gedacht, dem Verantwortungsträger, aber auch Engagierte in Städten und

Gemeinden, Ideen, Anregungen und Arbeitshilfen entnehmen können, wenn sie

sich auf den Weg machen, eine erfolgreiche Integrationsstrategie zu entwickeln.

Gute Integrationspolitik ist für Kommunen inzwischen ein maßgeblicher Standortfaktor.

Städte und Gemeinden bemühen sich in Zeiten des demografischen

Wandels, für Bürger ein lebenswerter Wohnort und für Unternehmen ein

attraktiver Standort zu sein. Es ist deshalb wichtig, die kulturelle Vielfalt vor Ort

als Chance zu begreifen. Insbesondere Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund

müssen auf ihrem Bildungsweg unterstützt werden, damit sie in

Zukunft Leistungs träger unserer Gesellschaft werden. Integrationspolitisches Ziel

ist aber auch, Zuwanderern das Gefühl zu vermitteln, hier willkommen zu sein.

Vor allem Oberbürgermeister und Bürgermeister können hierzu beitragen, indem

sie Integration zur Chefsache machen.

Doch auch das Engagement unserer Mitbürger mit Migrationshintergrund

ist gefragt. Nur wenn sie bereit sind, sich mit einzubringen, die Integrationsangebote,

die ihnen gemacht werden, wahrzunehmen, werden sie sich hier

in unserer Mitte auch zuhause fühlen.

Der Weg zur gelungenen Integration ist lang und muss auch Umleitungen,

Hindernisse und mühsame Steigungen in Kauf nehmen. Ich bin jedoch davon

überzeugt, dass wir diese Herausforderung meistern werden und wir die

Potenziale aller bei uns lebenden Menschen nutzen können, um langfristig eine

wirtschaftlich leistungsfähige und friedvolle Gesellschaft zu etablieren.

Roger Kehle

Präsident

Gemeindetag Baden-Württemberg

Kommunaler Strategieplan Integration

Foto: irisblende.de

5

Foto: irisblende.de Foto: irisblende.de Foto: irisblende.de


Kommunaler Strategieplan Integration

Einführung

Lange Zeit herrschte in der deutschen

Politik die Sichtweise vor, Deutschland

sei kein Einwanderungsland. Unabhängig

von dieser Vorstellung wanderten

Menschen in die Bundesrepublik

ein: Ab den 1950er-Jahren Arbeitsmigranten

aus Südeuropa und später

deren Angehörige; in den 1980er- und

1990er- Jahren Menschen, die Schutz

suchten, sei es vor schwierigen

po litischen Situationen in ihren

Herkunftsländern oder wegen kriegerischen

Auseinandersetzungen wie in

Afghanistan oder Ex-Jugoslawien. Nach

dem Zusammenbruch des Ostblocks

emigrierten verstärkt deutschstämmige

Aussiedler und ihre Angehörigen nach

Deutschland. Sehr viele ausländische

Einwanderer sind geblieben, die einen

weiterhin mit dem rechtlichen Status

des Ausländers, die anderen sind eingebürgert,

Kinder der Einwanderer sind

bereits in Deutschland geboren. Sie alle

werden heute unter dem Oberbegriff

Menschen mit Migrationshintergrund

zusammengefasst.

Derzeit leben rund 15 Millionen

Menschen mit Migrationshintergrund

in Deutschland. Darunter werden nach

der Definition des Statistischen Landesamtes

Baden-Württemberg folgende

Personengruppen zusammengefasst:

1. Alle in Deutschland lebenden

Ausländer, sowohl Zugewanderte

als auch in Deutschland Geborene.

2. Personen mit deutscher

Staatsbürgerschaft wie

- Spätaussiedler und Eingebürgerte

- Kinder von Spätaussiedlern und

Eingebürgerten

- Kinder ausländischer Eltern, die

bei Geburt zusätzlich die

deutsche Staatsbürgerschaft

erhalten haben

(„Ius-Soli“-Regelung –

siehe Kasten)

- Kinder mit einseitigem

Migrationshintergrund, bei

denen nur ein Elternteil Migrant ist

- Eingebürgerte, nicht

zugewanderte Ausländer.

Die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund

ist etwa doppelt so hoch

wie die bekannten Ausländerzahlen. Sie

machen etwa 19 Prozent der Gesamtbevölkerung

in der Bundesrepublik aus,

zirka zehn Prozent davon haben die

deutsche, neun Prozent eine ausländische

Staatsbürgerschaft. Viele ausländische

Mitbürger leben schon lange

in Deutschland, mehr als ein Drittel seit

über 20 Jahren. Vor diesem Hintergrund

verwundert es nicht, dass 2006 bereits

jede fünfte Eheschließung in Deutschland

binational war, jedes vierte Neugeborene

mindestens einen ausländischen

Elternteil hat und jeder dritte Jugendliche

in Westdeutschland über einen

Migrationshintergrund verfügt.

Integration ist eine dauerhafte

politische und gesellschaftliche

Aufgabe aller Menschen im Land

Dieser Hintergrund veranschaulicht

deutlich: Integration ist eine der wichtigsten

Aufgaben, die Gesellschaft und

Politik in unserem Land zukünftig zu

bewältigen haben. Sie stellt sich gleichermaßen

denjenigen, die zu uns

kommen, und denen, die schon in

Deutschland leben. Integration ist

daher als die Eingliederung von Bevölkerungsgruppen

in bestehende

Sozialstrukturen einer Aufnahmegesellschaft

zu verstehen und zielt auf die

gleichberechtigte Teilhabe der Zuwanderer

am wirtschaftlichen, gesellschaftlichen,

politischen und kulturellen

Leben unter Respektierung der

jeweiligen kulturellen Eigenart.

Integration bedeutet keineswegs

Assimilation und sowohl die Migranten

als auch die Einheimischen müssen

einen Beitrag dazu leisten, damit Integration

und damit ein friedliches Miteinander

gelingt. Integrationspolitik ist

deshalb eine dauerhafte politische und

gesellschaftliche Aufgabe, die alle im

Land lebenden Menschen betrifft. Um

die Potenziale von Menschen mit

Migrationshintergrund zu nutzen, müs-

sen Deutschland und Baden-Württemberg

als Aufnahmeländer Integrationsangebote

bereitstellen. Künftige Zuwanderer

und bereits Zugewanderte

(dann im Wege einer nachholenden

Integration) sind berechtigt, aber auch

angehalten, diese Angebote wahrzunehmen.

Kommunen als

Integrationsmittelpunkt

Gelebt und umgesetzt wird Integration

zuallererst auf der kommunalen Ebene,

denn in Städten und Gemeinden findet

die konkrete Begegnung von Menschen

unterschiedlicher Herkunft statt. Auf

kommunaler Ebene zeigen sich auch die

Folgen der Defizite bei der Integration

von Zuwanderern am unmittelbarsten.

Dies betrifft, einmal abgesehen von den

Problemen mit Versorgung und Unterbringung

von Asylbewerbern und

Flüchtlingen, zum einen die Frage der

Sozialleistungskosten als Folge von Integrationsdefiziten,

zum anderen die

Frage des friedlichen Zusammenlebens

von Einheimischen und Zuwanderern

und zum Dritten die erfolgreiche Entwicklung

eines Stadt, eines Landkreises

oder einer gesamten Region.

Die Stadt oder Gemeinde, in der man

lebt, prägt das Bild von Gesellschaft und

Staat, vermittelt Kultur, Traditionen

und Bräuche. In den Kommunen wird

den Menschen politische Partizipation

und Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglicht.

Vor Ort entscheidet sich das

Gelingen oder das Fehlschlagen von Integration

am meisten. Häufen sich in

einer Stadt oder Gemeinde kulturelle

oder ethnische Konflikte, wird das Potenzial

von Vielfalt nicht erkannt und

kommt es zu Segregationstendenzen

bis hin zur Ghettoisierung, so wird

das kommunale Gemeinwesen auf

Dauer stark belastet. Es muss daher im

Interesse jeder Kommune sein, ob groß

oder klein, Integration zu fördern. Integrationspolitik

sollte als Politik der

Städte und Gemeinden gesehen

6 Gemeindetag Baden-Württemberg


werden, die die Gemeinsamkeiten aller

Bürger einer Kommune oder Region

herausfiltert und Vielfalt und Unterschiedlichkeit

positiv als Potenzial und

Chance für die eigene Entwicklung

nutzt.

Integrationspolitik ist außerdem schon

lange kein Randthema, sondern harte

Standortpolitik für Kommunen. Gelungene

Integration kann die Chance

der Kommune verbessern, als Standort

für ausländische Investoren ausgewählt

zu werden. Denn Mehrsprachigkeit

und eine grundsätzliche Offenheit in

der Bevölkerung gegenüber anderen

Kul turen sind dabei wichtige Entscheidungsfaktoren.

Gründe für die Bedeutung

guter Integrationspolitik

in Städten und Gemeinden

Das Thema Integration kann darüber

hinaus nicht losgelöst vom Thema

Demografie diskutiert werden, denn

demografische Entwicklung und Integration

bedingen sich gegenseitig.

19 Prozent der heute in Deutschland lebenden

Menschen haben einen Migrationshintergrund,

Baden-Württemberg

liegt mit 25 Prozent sogar über dem

Bundesdurchschnitt. Diese Personen

bekommen aktuell ein Drittel aller Kinder,

die hier geboren werden und die

ganz wesentlich unser aller Zukunft mit

gestalten werden.

Die demographische Entwicklung hat

wirtschaftliche Konsequenzen: Es gibt

immer mehr ältere Rentenempfänger

bei einer sinkenden Zahl junger Menschen,

die ins Erwerbsleben einsteigen

können und zum Beispiel die notwendigen

Rentenzahlungen erwirtschaften.

Dies muss dazu führen, alle potenziell

fähigen Jugendlichen bestmöglich auszubilden,

damit sie fit für den Arbeitsmarkt

werden und die Volkswirtschaft

unterstützen. In einigen Branchen sind

qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland

notwendig, um die Produktivität

zu sichern. Ihren Familien müssen

angemessene Integrationsoptionen angeboten

werden. Darüber hinaus darf

nicht vergessen werden: Gut ausgebil-

Gemeindetag Baden-Württemberg

dete, erwerbstätige Menschen mit Migrationshintergrund

sind Steuerzahler,

Konsumenten und zahlen Beiträge zur

Sozialversicherung.

Integration sollte aber nicht nur aus demographischen

und ökonomischen

Gründen als wichtiges politisches

Thema behandelt werden, die gesamtgesellschaftlichen

Gründe wiegen

schwer: Schlecht integrierte, schlecht

ausgebildete Menschen, die zudem in

ihrem sozialen Umfeld nicht angenommen

werden, neigen dazu, sich in

Parallelgesellschaften abzuschotten und

an Werten und Vorstellungen festzuhalten,

die nicht mit den Grundlagen

der hiesigen Gesellschaft zu vereinbaren

sind. Dies kann zu einer Störung des

friedlichen gesellschaftlichen Zusammenlebens

führen.

Ziele des Strategiepapiers

Mit dem vorliegenden Strategiepapier

Integration möchte der Gemeindetag

Baden-Württemberg seine Mitgliedsstädte

und -gemeinden für die Bedeutung

des Themas Integration sensibilisieren

und insbesondere kleine und

mittlere Städte und Gemeinden mit

Empfehlungen und praktischen Hinweisen

bei der Umsetzung von integrationspolitischen

Konzepten unterstützen.

Auf kommunaler Ebene liegt

die Basis für ein friedliches und gleichberechtigtes

Miteinander aller am

Gemeinwesen Beteiligten. Hier werden

Chancen und Probleme am ehesten

sichtbar. Gemeinsam muss gelingen, Integration

nicht als Randthema, das vor

allem Großstädte betrifft, zu betrachten,

sondern als zentrale Querschnittsaufgabe

der Kommunalpolitik zu etablieren.

Gelungene Integration als Ziel jedes

Oberbürgermeisters oder Bürgermeisters,

das er gemeinsam mit allen Bürgerinnen

und Bürgern der Stadt oder

Gemeinde verfolgt, ist ein für die

Zukunftsfähigkeit der Städte und Gemeinden

entscheidendes Politikfeld.

Es liegen viele wissenschaftliche Studien

zum Thema Integration vor, der

Schwerpunkt dieses Papiers wird deshalb

nicht eine Diskussion dieser Viel-

Kommunaler Strategieplan Integration

zahl von Ergebnissen sein. Vielmehr

wird im ersten Teil ein Überblick über

die Lebenssituation der Menschen

mit Migrationshintergrund in Baden-

Württemberg gegeben, von der Anzahl

der Migranten über ihre regionale

Verteilung bis hin zu soziostrukturellen

Daten wie der Bildung und der Eingliederung

ins Erwerbsleben.

Danach werden Faktoren vorgestellt,

die Integration in kleinen Städten und

Gemeinden vereinfachen, aber auch

Faktoren, die sie erschweren. In einem

weiteren Schritt werden einige erfolgreiche

Integrationsprojekte aus Städten

und Gemeinden, die in einer im Sommer

2009 durchgeführten Umfrage erhoben

wurden, kurz vorgestellt. Eine

ausführliche Projektdarstellung wird im

Extranet für die Mitglieder des Gemeindetags

zur Verfügung gestellt.

Schließlich werden sechzehn Punkte für

verschiedene Handlungsfelder vorgestellt,

die aus der Sicht des Gemeindetags

zum Gelingen von Integration in

Städten und Gemeinden beitragen.

Diese mögen nicht alle in jeder Stadt

oder Gemeinde umsetzbar sein, sondern

dienen als Fundus, aus dem man gemeindespezifisch

schöpfen kann. Dass

Integration nur gelingen kann, wenn

alle politischen Akteure an einem Strang

ziehen, möchten wir im Fazit noch

einmal betonen sowie Forderungen an

Land und Bund stellen.

Angehängt wird an das Papier schließlich

noch ein Leitfaden zur Unterstützung

bei der Erstellung eines

Integrationsplans. Dieser enthält

Vorschläge, wie man vor Ort bei der

Entwicklung eines Integrationsplans

vorgehen kann.

Hinweis

Wir bitten um Ihr Verständnis,

dass in unserem Strategieplan aus

Gründen der besseren Lesbarkeit

für Personen nur die maskuline

Sprachform verwendet wird.

7


Kommunaler Strategieplan Integration

Lebenssituation der Menschen

mit Migrationshintergrund

Abbildung 1 Abbildung 2

Bevölkerung mit

Migrationshintergrund in den

Bundesländern und Deutschland

In Deutschland lebten nach Angaben

des Statistischen Landesamtes Baden-

Württemberg 2007 rund 15 Millionen

Menschen mit Migrationshintergrund.

Der Anteil der Migranten an der Gesamtbevölkerung

liegt damit bei knapp

19 Prozent. Unter den Flächenländern

hat Baden-Württemberg mit 25 Prozent

den höchsten Migrantenanteil, übertroffen

nur durch Hamburg und Bremen

mit rund 26 Prozent (Abbildung 1).

Quelle:

Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

*Angaben aus dem Jahr 2008

Personen mit

Migrationshintergrund in

Baden-Württemberg nach Herkunft

Nach dem Anteil an Menschen mit

Migrationshintergrund ist auch die Verteilung

nach Herkunft von Interesse (Abbildung

2). Die meisten Migranten sind

aus einem anderen europäischen Staat

nach Baden-Württemberg gekommen.

Die größte Gruppe stammt aus der Türkei

(23%). Es folgen mit 14 Prozent Menschen

aus Kroatien, Serbien und Bosnien-

Herzegowina, die in einer ersten Welle als

Gastarbeiter und in einer zweiten Welle

Anfang der 90er-Jahre infolge des Bürgerkrieges

ihre Heimat verließen. Der deutschen

Arbeiteranwerbung folgten auch

viele Menschen aus Italien und Griechen-

land. Infolgedessen sind heute ca. zwölf

Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund

italienischer und rund fünf

Prozent griechischer Herkunft. Der Zerfall

des Ostblocks führte schließlich zu einer

Zuzugswelle aus der ehemaligen Sowjetunion

und anderen Staaten des

ehemaligen Ostblocks.

Regionale Verteilung der Menschen

mit Migrationshintergrund

in Baden-Württemberg

Betrachtet man den Anteil der Bevölkerung

mit Migrationshintergrund in

Baden-Württemberg aus regionaler Perspektive,

zeigt sich, dass die Region Stuttgart

über den höchsten Bevöl kerungsanteil

an Menschen mit Mi grationshintergrund

verfügt. Rund 31 Prozent der Einwohner

der dazu gehörigen Landkreise Böblingen,

Ess lingen, Göppingen, Ludwigsburg,

Rems-Murr sowie die Landeshauptstadt

Stuttgart sind Migranten. Ebenfalls überdurchschnittlich

hohe Migrantenantei-

le findet man in den Regionen

Neckar-Alb (28%), Nordschwarzwald

(27%) und Rhein-Neckar (26%). Den

geringsten Migrantenanteil weisen die

Regionen Bodensee-Oberschwaben und

Südlicher Oberrhein mit jeweils rund

19 Prozent auf. Sie liegen dabei aber

schon genau im Bundesdurchschnitt

(Abbildung 3).

8 Gemeindetag Baden-Württemberg


Anteil der Bevölkerung

mit Migrationshintergrund

in Städten und Gemeinden

Ein genauerer Blick auf die Gemeindeebene

zeigt, dass Integration kein Großstadtthema

ist, sondern ein beachtlicher

Anteil der Menschen mit Migrations-

Gemeindetag Baden-Württemberg

hintergrund in kleineren oder mittleren

Städten und Gemeinden leben. Das

Statistische Landesamt Baden-Württemberg

bietet eine Übersicht über den

Anteil an Ausländern pro Gemeinde.

Damit sind nur diejenigen Menschen

erfasst, die tatsächlich eine ausländische

Staatsbürgerschaft besitzen. Nicht aber

Abbildung 3 Abbildung 4

Kommunaler Strategieplan Integration

diejenigen mit doppelter Staatsangehörigkeit,

Eingebürgerte, Aussiedler,

Kinder von Eltern mit einer anderen

Staatsbürgerschaft etc.

Deutlich ist auch bei dieser Auswahl,

dass die Städte und Gemeinden mit höherem

Ausländeranteil in der Region

Stuttgart liegen. Trotzdem findet man

in kleinen Gemeinden in anderen

Regionen, z.B. in Weißbach im Hohenlohekreis,

einen vergleichsweise hohen

Ausländeranteil. Die Ergänzung der

Statistik durch einen geschätzten Anteil

der Menschen mit Migrationshintergrund

zeigt deutlich, dass ein niedriger

Ausländeranteil nicht bedeuten darf,

Integration als minder wichtiges Thema

in der eigenen Stadt oder Gemeinde

anzusehen. Nach Angaben des Statistischen

Landesamtes Baden-Württemberg

ist der Schätzwert für den Anteil an

Migranten ein Wert, der etwa doppelt so

hoch ist wie der Ausländeranteil.

Migrationstypen in den Regionen

Baden-Württembergs

Verdeutlicht wird dies auch bei der regionalen

Aufschlüsselung nach Migrationstyp

(vgl. Tabelle oben links).

Auch diese Zahlen zeigen klar, dass der

Migrantenanteil weit höher liegt als der

Ausländeranteil. Außer in den Kreisen

Bodenseekreis, Sigmaringen und Ravensburg

liegt der Anteil der Menschen

mit Migrationshintergrund in Baden-

Württemberg weit über dem Bundesdurchschnitt.

9


Kommunaler Strategieplan Integration

Altersstruktur der Bevölkerung

mit Migrationshintergrund

in Baden-Württemberg

Interessant ist weiterhin ein Blick auf

die Altersstruktur der Migranten. Der

Anteil der unter 25-Jährigen, also Kinder,

Jugendliche und junge Erwachsene

liegt bei 36 Prozent, bei den Baden-

Württembergern ohne Migrationshintergrund

liegt er bei nur 24 Prozent.

Im Alter zwischen 25 und 65 ist der Anteil

der beiden zu vergleichenden Gruppen

annähernd gleich (53% und 54%).

Im Rentenalter, also 65 Jahre und

älter, sind nur elf Prozent der Migranten,

die Baden-Württemberger ohne

Migra tionshintergrund machen hier

einen Anteil von 22 Prozent aus (Abbildung

4). Das Durchschnittsalter ist

bei den Migranten in Baden-Württemberg

mit rund 35 Jahren erheblich niedriger

als bei den Nicht-Migranten mit

durchschnittlich 44 Jahren.

Im Moment gibt es also weniger Menschen

mit Migrationshintergrund, die

im Rentenalter sind, als Einheimische

im Rentenalter. In den Alten- und Pflegeheimen

kann daher geplant werden

für die Zeit, in der der Anteil an Menschen

mit Migrationshintergrund steigt,

der ambulant oder in Heimen betreut

oder gepflegt werden muss und bei

deren Betreuung und Pflege interkulturelle

Kompetenz eine große Rolle spielen

wird.

Einbürgerung als

Integrationsindikator

Der Anteil der Ausländer, die bereits seit

längerem in Baden-Württemberg leben,

ist in den vergangenen Jahrzehnten

ständig angestiegen. 1993 hielten sich

erst 57 Prozent der Ausländer mindestens

8 Jahre in Deutschland bzw. in Baden-Württemberg

auf, im Jahr 2000

waren es bereits 69 Prozent und 2008

sogar 77 Prozent. Rund 900.000 Menschen

erfüllen derzeit also die für eine

Einbürgerung im Regelfall vorgesehene

Mindestaufenthaltsdauer von 8 Jahren.

Gemessen daran ist die Zahl der jährlichen

Einbürgerungen relativ niedrig

und lag zuletzt bei nur 11.300. Am häu-

Abbildung 5

figsten haben Türken (2.900) die deutsche

Staatsbürgerschaft erworben, gefolgt

von Serben (1.000) sowie Ru mänen

und Griechen (jeweils 500). Am geringsten

ist die Einbürgerungsquote bei den

EU-Mitgliedsstaaten Italien, Griechenland

und Polen sowie beim EU-Beitrittskandidat

Kroatien. Insgesamt haben sich

die Einbürgerungszahlen seit Anfang des

Jahrzehnts um 60 Prozent verringert (Abbildung

5).

Die Gründe für das unterschiedliche

Einbürgerungsverhalten wurden im

Rahmen verschiedener Erhebungen ermittelt.

Für eine Einbürgerung sprachen

sich Eingebürgerte meist aus rein pragmatischen

Gründen aus. Man wollte

Probleme des Alltags umgehen und ein

„normales“ Leben wie die Deutschen

führen. Dies umfasst u.a. den Wunsch

nach Gleichbehandlung mit Deutschen.

Außerdem wurden als Gründe neue

Abbildung 6

Rechte und Chancen, z.B. politische

Partizipation, aber auch Verbesserung

der beruflichen Perspektiven, die sich

durch die Einbürgerungen eröffneten,

genannt.

Auch die Verlässlichkeit und Stabilität

der politischen, rechtlichen und sozialen

Rahmenbedingungen spielt bei

der Entscheidung sich einbürgern zu

lassen eine große Rolle. Dies erklärt vor

allem, warum sich Menschen aus EU-

Staaten, die auch ohne deutsche Staatsbürgerschaft

weitgehend den deutschen

Staatsbürgern gleichgestellt sind, seltener

einbürgern lassen. Auch die Frage,

ob die frühere Staatsangehörigkeit abgegeben

werden muss, wirkt sich auf die

Einbürgerungsbereitschaft aus. Dies

dürfte vor allem bei der türkischen Bevölkerung

von Bedeutung sein, denn

bei den Eingebürgerten aus der Türkei

müssen derzeit etwa 90 Prozent ihre türkische

Staatsangehörigkeit aufgeben.

Es stellt sich daher die berechtigte Frage,

ob Einbürgerungen als Indikator für Integration

oder Integrationsbereitschaft

angesehen werden können und Bemühungen

in diese Richtung sinnvoll sind.

Dies hängt vor allem vom Verständnis

von Integration ab. Es gibt Studien, die

belegen, dass sich Einbürgerungen in

den meisten Fällen positiv auf den wirtschaftlichen

Erfolg von Migranten auswirken.

Dieser wiederum führt zu einer

besseren sozialen Position und zu mehr

interethnischen sozialen Beziehungen

sowie letztendlich zu einer stärkeren

Identifikation mit der neuen Gesellschaft,

in der man lebt. So gesehen sind

Einbürgerungen in jedem Fall zu begrü-

10 Gemeindetag Baden-Württemberg


ßen. Nichteinbürgerung bedeutet aber

nicht unbedingt, dass sich Ausländer

einer Integration verweigern. Viele

Menschen, insbesondere EU-Bürger, die

bereits gut integriert sind, verzichten

auf eine Einbürgerung, weil diese ihnen

praktisch keine Vorteile mehr verschafft.

Die Zahl der Einbürgerungen ist deshalb

ein wichtiger, aber nicht der einzige Indikator

für Integrationsbereitschaft.

Bildungsniveau bei ausländischen

Kindern und Jugendlichen

Besonderer Handlungsbedarf ergibt

sich im Bildungsbereich bei ausländischen

Kindern und Jugendlichen. Bildungsniveau

und die Schulabschlüsse

der ausländischen unterscheiden sich

signifikant von denen der deutschen

Schülerinnen und Schüler.

(Abbildung 6).

Bildung ist offensichtlich stark von der

sozialen Herkunft abhängig, was besonders

die Kinder aus Migrantenfamilien

betrifft. Von den ausländischen Kindern

besucht fast die Hälfte die Hauptschule

und nur jedes sechste Kind geht auf ein

Gymnasium.

Der Schulbesuch spiegelt sich auch in

den Schulabschlüssen wieder. Laut

Schulstatistik haben rund 32 Prozent

der ausländischen Schulabgänger ihre

Schulbildungslaufbahn 2007 ohne

Hauptschulabschluss beendet. Von

allen Schulabgängern verließen elf Prozent

der ausländischen, aber nur drei

Prozent der deutschen Schülerinnen

Abbildung 7

Gemeindetag Baden-Württemberg

und Schüler die Schule ohne Hauptschulabschluss.

Nach wie vor erreichen

ausländische Jugendliche seltener

höher qualifizierende Abschlüsse als

Deutsche. Während der Anteil an den

ausländischen Schulabgängern mit

Hauptschulabschluss 2007 bei etwa

23 Prozent lag, hatten nur drei Prozent

der Schülerinnen und Schüler, die die

Hochschulreife erlangten, nicht die

deutsche Staatsbürgerschaft.

(Abbildung 7).

In Baden-Württemberg unterscheiden

sich die strukturellen Bildungsdefizite

auch erheblich nach Staatsangehörigkeit.

Insbesondere Kinder aus der Türkei,

Portugal, Italien und Serbien schneiden

aufgrund ihres hohen Anteils an

Hauptschülern im Bildungswesen

deu tlich schlechter ab als Kroaten,

Griechen, Slowenen oder Spanier. Diese

Defizite drohen Konsequenzen für den

weiteren Lebensweg einer ganzen Generation

und damit für die ganze Gesellschaft

mit sich zu bringen. Unzureichende

Integration im Bildungssystem

führt zu mangelnder Integration

auf dem Arbeitsmarkt mit den bekannten

gesellschaftlichen Folgen.

Berufliches Bildungsniveau

der Bevölkerung mit

Migrationshintergrund

Auch die Ausbildungssituation stellt

sich bei den Migranten im Ergebnis

schlechter dar. Sie sind in allen Berufsabschlüssen

unterrepräsentiert (Abbildung

8) und bei den 25 bis unter

Kommunaler Strategieplan Integration

Abbildung 8

65-Jährigen ist besonders der hohe

Anteil ohne jegliche Berufsausbildung

auffällig (40% vs. 11% bei Menschen

ohne Migrationshintergrund).

Es gilt also, die Bildungsanstrengungen

bei den Migrantenkindern, und hierbei

insbesondere bei den türkischen, portugiesischen

und italienischen Kindern,

zu erhöhen, um das Risiko einer später

fehlenden Berufsausbildung und Arbeitslosigkeit

zu minimieren.

Die geringe berufliche Qualifikation

wirkt sich auch unmittelbar auf die

Arbeitsmarktchancen von Migranten

aus. Der Unterschied in der Erwerbsbeteiligung

zwischen Einheimischen von

15-65 Jahren (76% Berufstätige) und

den Migranten (66% Berufstätige) liegt

bei zehn Prozentpunkten.

(Abbildung 9).

Dieses Bild spiegelt sich auch in der Erwerbslosenquote.

Sie lag bei den Baden-

Württembergern ohne Migrationshintergrund

2007 im Jahresdurchschnitt

bei etwa vier Prozent, die der Migranten

war mit knapp neun Prozent mehr als

doppelt so hoch. Ursachen hierfür dürften

sicherlich die bereits erwähnten

schlechteren beruf lichen Qualifikationen

sein sowie die teilweise geringen

Deutschkenntnisse.

Ein weiteres Problem ist, dass Arbeitgeber

Ausbildungsabschlüsse nicht als

gleichwertig anerkennen. Letzteres ist

11


Kommunaler Strategieplan Integration

Abbildung 9

eine Aufgabe, der sich der Gesetzgeber

inzwischen angenommen hat, um mehr

Migranten den Weg in den Arbeitsmarkt

zu erleichtern, die ggf. eine berufliche

Qualifikation in ihrem Heimatland

erworben haben.

Arbeitslosigkeit hat unmittelbare Auswirkungen

auf den Anspruch auf staatliche

Transferleistungen. Rund sieben

Prozent der Personen mit Migrationshintergrund

leben überwiegend von Arbeitslosengeld

I, Hartz IV und anderen

Transferleistungen. Bei den Baden-

Württembergern ohne Migrationshintergrund

sind es lediglich drei Prozent.

Finanzielle Situation der Menschen

mit Migrationshintergrund

Das vergleichsweise geringere Bildungsniveau,

die Erwerbstätigenquote und die

höhere Abhängigkeit von staat lichen

Transferleistungen wirken sich auch auf

das Haushaltseinkommen der Menschen

mit Migrationshintergrund aus. Beispielsweise

musste 2007 fast ein Drittel

aller Haushalte in Baden-Württemberg,

deren Haupteinkommensbezieher einen

Migrationshintergrund hat, mit einem

monatlichen Nettoeinkommen von weniger

als 1.300 Euro auskommen (Abbildung

11). Bei der Vergleichsgruppe, de-

Folgen unterlassener Integration

Welche Bedeutung haben nun die

demografische Entwicklung sowie

die schlechtere Lebenssituation von

Menschen mit Migrationshintergrund?

Zum einen steht Baden-Württemberg

vor der Herausforderung der demografischen

Alterung. Es wird immer mehr

alte Menschen geben und immer weniger

jungen Nachwuchs, was gesellschaftliche

und wirtschaftliche Probleme mit

sich bringt. Die junge Altersstruktur der

Migranten muss deshalb in erster Linie

als Abmilderung der Probleme der demografischen

Alterung aufgefasst werden.

Um dies zu erreichen, muss für die

zahlenmäßig recht kleine junge Generation

die bestmögliche schulische und

berufliche Bildung zur Verfügung gestellt

werden. Da in Baden-Württemberg

jeder dritte Jugendliche und junge Er-

wachsene unter 25 einen Migrationshintergrund

hat, sind die jungen Migranten

ein wichtiges Potenzial, auf das

Wirtschaft und Gesellschaft nicht verzichten

können und das einen beträchtlichen

Teil der zukünftigen gesellschaftlichen

Aufgaben schultern muss.

Zum anderen macht seit einiger Zeit

das Schlagwort der „Parallelgesellschaft“

die Runde. Dieser Begriff verdeutlicht

einerseits, dass die Integration

von Zuge wanderten nicht immer

gelingt. Er trägt unter Umständen aber

auch zu einer Dramatisierung vorhandener

Probleme bei. Dennoch können

die zum Teil bereits statistisch dargestellten

Folgen mangelnder Integration

für beide Seiten, die Aufnahmegesellschaft

und die Migranten, deutlich benannt

werden:

ren Haupteinkommensbezieher keinen

Migrationshintergrund hat, lag der Anteil

bei nur 23 Prozent. Unter den Beziehern

von höheren Haushaltsnettoeinkommen

sind die Migrantenhaushalte

weitaus seltener vertreten. Nur knapp 15

Prozent verfügten über ein Nettoeinkommen

von mindestens 3.200 Euro,

bei den Haushalten ohne Migrationshintergrund

waren es 25 Prozent. Bedenklich

ist dieses Einkommensgefälle vor

allem vor dem Hintergrund, dass Haushalte

von Migranten im Durchschnitt

größer sind (2,5 Personen) als die der

Deutschen ohne Migrationshintergrund

(2,1 Per sonen).

Die im Durchschnitt niedrigeren Einkommen

der Migranten, von denen

aber mehr Personen pro Haushalt leben

müssen, bergen ein hohes Armutsrisiko

für Migrantenfamilien. In Baden-Württemberg

gilt bereits jede fünfte Familie

mit Migrationshintergrund als „armutsgefährdet“,

von den Familien ohne

Migrationshintergrund sind es etwa

acht Prozent.

• Schwierige Integration von Migranten

auf dem Arbeitsmarkt und im

Bildungssystem.

• Anhaltende Sprachprobleme von

Migranten.

• Zunahme der Abhängigkeit von staatlichen

Leistungen bei Migranten.

• Zunahme ethnischer Konzentrationen

auf dem Wohnungsmarkt.

• Konzentration innerethnischer Sozialkontakte

im Sinne des Entstehens

von Parallelgesellschaften.

• Ausbleibende Identifikation mit dem

Aufnahmeland Deutschland auch im

Generationsverlauf.

• Verschlechterung des gesellschaftlichen

Meinungsklimas gegenüber

Ausländern, Zuwanderern allgemein

oder gegenüber bestimmten Zuwanderungsnationalitäten;

Niederschlag

in Umfragen, Mediendarstellung.

12 Gemeindetag Baden-Württemberg


• Entstehung oder Wachstum von

Bewegungen, Organisationen oder

Ein-Punkt-Parteien, die gegen „Überfremdung“

und Zuwanderung zu

mobilisieren versuchen.

Politische Reaktionen:

Nationaler Integrationsplan

und Landesintegrationsplan

Auf politischer Ebene hat man erst in

den vergangenen zehn Jahren einen

vorsichtigen Paradigmenwechsel vollzogen.

1998 trat ein Staatsbürgerschaftsrecht

in Kraft, das die Einbürgerung vereinfacht,

2005 erleichterte ein weiteres

Gesetz hoch Qualifizierten und ausländischen

Studierenden eine dauerhafte

Niederlassung. Die Förderung der Integration

wurde 2005 im Zuwanderungsgesetz

verankert: Zuwanderer sind verpflichtet,

an Integrationskursen teilzunehmen,

die ihnen Grundkenntnisse

über den deutschen Staat, über das hier

geltende Recht und vor allem der deutschen

Sprache vermitteln.

Gesellschaft und Politik haben spätestens

seit den ernüchternden Pisa-Ergebnissen

erkannt, dass sich die Bildungssituation

der hier lebenden Migranten

verbessern muss. Es folgten Integrationsgipfel,

Islamkonferenz und die daraus

resultierende Einigung von Bund,

Ländern, Kommunen sowie Vertretern

aus der Bürgergesellschaft und Migrantengruppen

auf einen Nationalen Integrationsplan,

der 2007 verabschiedet

wurde. Vor allem die Bedeutung der

Kenntnisse der deutschen Sprache für

Integration wurde betont, weshalb

Sprachförderprogramme und Projekte

einen großen Anteil der Integrationsfördermaßnahmen

ausmachen.

Darüber hinaus muss die Entstehung

von „Parallelgesellschaften“ aufgehalten

werden, in denen sich die Mi granten

abschotten. Beide Seiten, Aufnahmegesellschaft

und Migranten, sind gefordert

dazu beizutragen, dass friedliches und

gleichberechtigtes Zusammenleben gelingt.

Integration verlangt von Migranten

keine Assimilation, dem Prinzip des

„Förderns und Forderns“ entsprechend

aber ein klares Bekenntnis zu den demo-

Gemeindetag Baden-Württemberg

kratisch-freiheitlichen Grundwerten

der deutschen Gesellschaft und die Bereitschaft,

Integrationsangebote auch

tatsächlich wahrzunehmen.

Im Koalitionsvertrag für die 14. Legislaturperiode

des Landtags von Baden-

Württemberg wurde 2006 vereinbart,

unter der Berücksichtung der Evaluierung

des Zuwanderungsgesetzes ein

„Leitbild Integration in Baden-Württemberg“

zu entwickeln. Dem Ziel, „zugezogenen

wie einheimischen Personen

gleiche Bildungs- und Berufschancen zu

ermöglichen und sie möglichst umfassend

am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen

Leben zu beteiligen“ wurde

im Integrationsplan Baden-Württemberg,

der im September 2008 vom

Ministerrat beschlossen wurde, Rechnung

getragen.

Kommunaler Strategieplan Integration

Der Landesintegrationsplan, an dem

alle für das Thema wichtigen Akteure mitgearbeitet

haben, gibt einen Überblick

über die integrationspolitischen Handlungsfelder

des Landes, des Bundes, gesellschaftlicher

Akteure wie Stiftungen,

Kirchen, Verbände der freien Wohlfahrtspflege,

der Sportverbände, der verschiedenen

Migrantenvertretungen und der

kommunalen Landesverbände. Der Gemeindetag

Baden-Württemberg hat sich

intensiv an der Ausarbeitung des Landesintegrationsplans

beteiligt und verschiedene

Vorschläge gemacht, wie Städte und

Gemeinden an einer nachhaltigen Integrationspolitik

mitwirken können. Mit der

aktuellen Handreichung zur Integration

auf kommunaler Ebene sollen diese

Empfeh lungen weitergeführt sowie eine

Auswahl gelun gener kommunaler Integrationsprojekte

vorgestellt werden.

Ein typisches Bild für die „Wirtschaftswunder“-Zeit: Die so genannten Gastarbeiter arbeiten

vor allem in der boomenden Baubranche. Viele deutsche Arbeitnehmer stiegen aufgrund der

Beschäftigung von billigen ausländischen Arbeitskräften in bessere berufliche Positionen auf.

13

Foto: LMZ 1962


Kommunaler Strategieplan Integration

Integration in kleineren Städten und Gemeinden

Die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund

ist eine Aufgabe,

der sich nicht nur Großstädte stellen

müssen. Zwar leben in Deutschland

50 Prozent der Migranten in Städten mit

über 100.000 Einwohnern, das heißt

aber, dass jeder zweite in einer kleineren

oder mittleren Stadt bzw. Gemeinde

lebt. Größere Städte haben unter Umständen

größere finanzielle Spielräume

für Integrationsprojekte, eine höhere

Anzahl an professionellen Akteuren

und Kooperationspartnern im Bereich

Integration. Sie haben mehr Personalressourcen

in der Verwaltung und können

auf diese Art eine größere Palette

migrationspolitischer Strukturen (z.B.

Institutionen, die Sprach- und Integrationskurse)

anbieten.

Ein klarer Nachteil der Großstädte ist

jedoch die Anonymität. Man erkennt

bei genauerem Hinsehen, dass viele

Integrationsprojekte in Großstädten

getrennt in den jeweiligen Stadtteilen

durchgeführt werden, die dann

wieder einen Kleinstadtcharakter haben.

Kleinere Städte und Gemeinden

bieten diesen familiäreren Charakter

per se.

Integrationsvorteile in kleineren

Städten und Gemeinden

Kleinere Städte und Gemeinden bieten

neben dem familiären Charakter

wei tere Vorzüge für erfolgreiche

Integra tion.

Ein klarer Vorteil ist die bessere Übersicht

sowohl über die Migrantenzahl

und -zusammensetzung als auch

über die Akteure, die zu einer erfolgreichen

Integrationsstrategie beitragen

können.

Ein zentraler Erfolgsfaktor für gelungene

Integration ist, die Migranten vor Ort

für die Integrationsangebote zu gewinnen.

Eine große Zahl an Integrationsprojekten

ist noch lange kein Garant für

Erfolg, wenn diese Angebote von den

Migranten nicht angenommen werden.

Verschiedene Untersuchungen und

Erhebungen haben gezeigt, dass man

Migranten am besten für Projekte oder

Veranstaltungen gewinnt, wenn man

sie persönlich anspricht.

Noch erfolgversprechender ist, wenn sie

ebenfalls von Migranten angesprochen

werden, die bereits vor Ort leben, erfolgreich

integriert sind und dort eine aktive

Rolle haben bzw. sich engagieren.

Sie können dann die Rolle von „Integrationslotsen

oder -multiplikatoren“ übernehmen.

In kleinen Städten und Gemeinden

sind solche Menschen leichter

zu finden als in den anonymeren Großstädten.

Hilfreich ist zweifellos auch,

wenn wichtige einheimische Akteure,

beispielsweise der Bürgermeister, Vereinsvorsitzende,

Gemeinderäte etc., die

persönliche Ansprache suchen, beispielsweise

indem sie bei Stadt- oder

Dorffesten die Migranten gesondert begrüßen

und betonen, dass diese herzlich

willkommen sind.

Ebenso eine unbestritten zentrale Rolle

spielen Vereine, da sie gerade in kleineren

Städten und Gemeinden das gesellschaftliche

Leben stark prägen. Schafft

man es, Migranten als Mitglieder für

Vereine zu gewinnen, ermöglicht man

ihnen, unmittelbar am Leben in der Gemeinde

teilzuhaben, Kontakt zu Einheimischen

aufzubauen und sich zu

vernetzen. Von solchen Verbindungen

profitieren zum einen die Migranten, da

sie sich in der Mitte der Einheimischen

akzeptiert fühlen und aktiv teilhaben.

Zum anderen lernen die Deutschen die

Migranten persönlich kennen und bauen

so eher Vorurteile und Ängste ab.

Die Vereinsstruktur in kleineren Städten

und Gemeinden ist zweifellos übersichtlicher,

man steht jedoch, ebenso wie in

Großstädten, vor dem Problem, wie

man die Migranten für eine Mitgliedschaft

in Vereinen gewinnen soll. Auch

hier sind vor allem persönliche Ansprachen

hilfreich, wenn möglich über Migranten,

die selbst schon in den Vereinen

aktiv sind. Informationsabende, die

über Vereinsangebote informieren und

bei denen ebenfalls bereits aktive Migranten

Werbung für eine Mitgliedschaft

machen, sind ebenso denkbar.

Gerade in kleineren Gemeinden und

Städten bietet es sich an, ein örtliches

Integrationskonzept oder einen Integrationsplan

zu entwerfen. Es ist leichter,

die dafür notwendigen wichtigen Akteure

an einen Tisch zu bekommen und

mit kleineren, übersichtlichen Projekten

trotzdem gute Ergebnisse zu erzielen.

Ein Leitfaden für einen Integrationsplan

ist dieser Handreichung im

Anhang beigefügt. Eine solide, strukturierte

Vorbereitung ist ein wichtiger

Baustein für einen gelungenen Integrationsplan.

Auch in kleineren Städten und Gemeinden

ist zu überlegen, ob man Integrationsausschüsse

oder -beiräte einrichtet.

Häufig wird jedoch berichtet, dass diese

Gremien, denen in der Regel sachkundige

Menschen mit Migrationshintergrund

angehören und die meist beratenden

Charakter haben, sich zu wenig

einbringen. Gerade in kleineren Städten

und Gemeinden, in denen die Menschen

sich eher untereinander kennen,

ist aber die Hemmschwelle, ein Amt anzunehmen

und dann passiv zu bleiben,

größer als in der Großstadt, da man in

den kleineren Städten und Gemeinden

in so einer Position von der Öffentlichkeit

aufmerksamer beobachtet wird als

in der Großstadt.

Integrationsbemühungen kann man

sich auch teilen. Denkbar ist, dass man

sich im Rahmen von Integrationsprojekten

mit Nachbargemeinden oder

auch im gesamten Landkreis zusammenschließt

und beispielsweise im Rahmen

von interkommunaler Zusammenarbeit

Integrationsstrukturen schafft,

von denen mehrere Städte und Gemeinden

profitieren.

14 Gemeindetag Baden-Württemberg


Integrationsprojekte in ausgewählten

Städten und Gemeinden in Baden-Württemberg

Integrationsbemühungen und Projekte

werden in Städten und Gemeinden

bereits seit langem verfolgt und durchgeführt.

Bisher gibt es jedoch keine

spezielle Datenbank für erfolgreiche

Integrationsprojekte baden-württembergischer

Kommunen, die anderen

Städten und Gemeinden als Vorbild

dienen könnten. Etwas ähnliches

bietet das Internetportal www.familienfreundliche-kommune.de

an, in dem

man u.a. eine Rubrik „Migration und

Integration“ findet, in der Praxisbeispiele

verschiedener Institutionen

präsentiert werden.

Im Rahmen des vorliegenden Strategiepapiers

möchte der Gemeindetag einige

aktuelle, gelungene Projekte aus Städten

und Gemeinden vorstellen und anregen,

dass eine Best-Practice-Plattform für

kommunale Projekte eingerichtet wird,

in der alle Städte und Gemeinde die

Möglichkeit haben, ihre Erfolgsgeschichten

zu dokumen tieren. Diese kommunalen

Projektberichte könnten in der Best-

Practice-Datenbank auf den Seiten der

Stabsstelle des Integrationsbeauftragten

des Landes Baden-Württemberg angesiedelt

sein, die sich im Aufbau befindet.

Alternativ kann der Gemeindetag eine

solche Datenbank für seine Mitgliedsstädte

und -gemeinden auch in seinem

Extranet einstellen.

Gemeindetag Baden-Württemberg

Die aktuell vorliegende Auswahl erfolgreicher

Integrationsprojekte kann an

dieser Stelle nur kurz dargestellt werden.

Die ausführlichen Projektbeschreibungen

werden für die Mitglieder des

Gemeindetags 2010 im Extranet des Gemeindetags

unter Sonderthemen/ Integration

und Ausländerrecht eingestellt.

Integrationskonzept

der Stadt Eislingen/Fils

Nachdem der Bürgermeister und der

Gemeinderat von Eislingen/Fils Integration

zu einem besonders wichtigen

kommunalpolitischen Thema in ihrer

Stadt erklärt haben, wurde die Verwaltung

beauftragt, einen „Arbeitskreis

Integration“ einzurichten. Teilnehmer

des Arbeitskreises waren Mitglieder des

Gemeinderats, des Internationalen Beirats

und der Verwaltung. Sie entwickelten

2007 unter der Federführung eines

Mitarbeiters der Stadtverwaltung das

Integrationskonzept für die Stadt Eislingen“,

für das alle Bereiche des täglichen

Lebens, von der Förderung der

Kinder in Schulen und Kindergärten

über Kultur, Gesundheit, Kirchen und

Vereinsleben bis hin zu bürgerschaftlichem

Engagement, betrachtet wurden.

Es wurde, um ein abstraktes Konzept zu

vermeiden, ein Integrationskonzept

Eislingen/Fils –

Kinder freuen sich

auch über Bücher in

ihrer Sprache.

Kommunaler Strategieplan Integration

formuliert, dem konkrete projektgebundene

Handlungsstrategien zu Grunde

liegen, die kurz- und mittelfristig umgesetzt

werden können. Das Konzept gibt

keine Hinweise darauf, was alles gemacht

werden könnte, sondern schlägt

Projekte vor, die maßgeschneidert auf

die Eislinger Verhältnisse sind

Integrationsforen

der Stadt Rottenburg

Angeregt durch die Initiative der örtlichen

Volkshochschule schlug die Rottenburger

Stadtverwaltung mit dem

Oberbürgermeister an der Spitze vor, das

Thema Integration umfassend und strategisch

anzugehen. Man gründete einen

„Initiativkreis Integrationsforen“, in

dem diskutiert wurde, welche Handlungsfelder

und welche Akteure für die

geplanten Integrationsforen berücksichtigt

werden mussten.

Inzwischen haben in diesem Jahr bereits

zwei Integrationsforen stattgefunden, in

denen bis zu 80 Bürger mit und ohne

Migra tionshintergrund über die Integrationsperspektiven

und -projekte in Rottenburg

diskutiert haben. Die Arbeits gruppen

behandelten Handlungsfelder wie Sprachförderung,

Elternbildung, Gewaltprävention,

interkulturelle Bildung, Sport, Quartiersplanung

etc.

Einige konkrete Vorschläge konnten bereits

realisiert werden: Eine deutschsprachige

Broschüre mit Informationen für

Neubürger wird erstellt, im Oktober 2009

fand ein Erzählcafé statt, bei dem Migranten

aus ihrem Leben und über positive

und negative Erlebnisse in ihrer persönlichen

Integrationsgeschichte berichten.

Dieses Treffen von Menschen aus unterschiedlichen

Kulturkreisen soll keine einmalige

Veranstaltung bleiben, sondern

weitergeführt werden, ebenso wie die Integrationsforen,

die bereits im Frühjahr

2010 fortgesetzt werden sollen.

15


Kommunaler Strategieplan Integration

Integrationsprojekte

in Bad Wurzach

Die Stadt Bad Wurzach macht es sich

seit Jahren zur Aufgabe, die Integration

vor Ort zu fördern und voranzubringen.

Man ist überzeugt, dass Integration vor

Ort, in den Gemeinden, der Nachbarschaft,

in den Schulen, Kindergärten

und Vereinen stattfinden muss. In Bad

Wurzach ist es gelungen, durch ein aktives

Integrationsbüro, einen gewählten

und regelmäßig tagenden Integrationsbeirat,

die Schulsozialarbeit und die

Jugendarbeit sowie durch vielfältige

Projekte in den Kindergärten und

Schulen während der letzten Jahre den

Kontakt mit und die Zusammenarbeit

zu den Mitbürgern mit Migrationshintergrund

aufrechtzuerhalten und

zu stärken.

Erfolgreich ist in Bad Wurzach beispielsweise

das Projekt „Griffbereit“, eine Sozialisationshilfe

für zugewanderte Mütter

mit Kleinkindern. Die Mütter treffen

sich mit ihren Kindern einmal wöchentlich

in ihrer Gruppe, die an eine Institution

(Kindergarten, Hort, Tagesstätte

usw.) angegliedert ist. Hier sprechen sie

gemeinsam mit der Elternbegleiterin

(zweisprachig) über eines von 64 angebotenen

Themen aus dem Alltag.

Durch die beidseitige Vertrauensbildung

werden meist zusätzlich die Sorgen und

Nöte der Mütter angesprochen und

gemeinsame Lösungsvorschläge erarbeitet,

um sie anschließend im Alltag

umzusetzen.

Bad Wurzach – Die Mädchen erhalten nach Abschluss ihres ehrenamtlichen Engagements

im Altenpflegeheimden „Quali-Pass für soziales Engagement“.

Neben weiteren Projekten im Bereich

der Sprachförderung gibt es in Bad

Wurzach ein innovatives Projekt im Bereich

der Altenhilfe. Mädchen aus dem

türkischen Mädchenwohnheim betreuen

in Bad Wurzach Seniorinnen und

Senioren aus einem Altenpflegeheim.

Beide Gruppen, die Senioren und die

Schülerinnen, profitieren davon. Die

älteren Menschen lernen den muslimischen

Kulturkreis kennen, die jungen

Mädchen sprechen Deutsch, erfahren

vieles aus dem reichhaltigen Erfahrungsschatz

der Pflegeheimbewohner

und lernen einen potentiell interessanten

Arbeitsbereich, die Altenpflege,

kennen. Darüber hinaus erhalten sie

den „Quali-Pass für soziales Engagement“,

den sie Bewerbungsschreiben

beilegen können.

Murrhardt –

Eine ehemalige Diskothek

wurde zu einer

türkisch-islamischen

Moschee umgebaut

und im Herbst 2009

feierlich eröffnet.

Weitere Integrationsprojekte in Bad

Wurzach sind u.a. die Schülernachhilfe

des türkischen Elternvereins sowie ein

Projekt für Mütter unterschiedlicher

Herkunft, die behinderte Familienangehörige

pflegen.

Konzept für kommunale

Integrationspolitik

der Stadt Murrhardt

Murrhardt ist eine der ersten Städte

bundesweit, die von der Bundesregierung

als „Ort der Vielfalt“ ausgezeichnet

wurde. 2006 stellten die Murrhardter

ihre bereits traditionellen Integrationsbemühungen

mit der Einrichtung eines

großen Arbeitskreises Integration auf

eine breite gesellschaftliche Basis. Bürgerschaftlich

Engagierte, Vereine, Kirchen,

Unternehmen, Gemeinderäte

und die Stadtverwaltung fanden sich

unter der Initiative des Kreisjugendrings

Rems-Murr in diesem Arbeitskreis

zusammen. Neben zahlreichen Initiativen

entwickelten sie ein „Konzept Kommunale

Integrationspolitik“. Darin legten

die Teilnehmer neben den strategischen

Oberzielen der Murrhardter

Integrationspolitik Vorschläge für verschiedene

Handlungsfelder in Murrhardt

fest, beispielsweise für die interkulturelle

Öffnung der Stadtverwaltung,

das kulturelle Leben, Beratungsstellen,

Schulen, Sport, Gesundheit etc. Eine

Adresssammlung aller für den Bereich

Integration wichtigen Akteure soll eine

bessere Vernetzung gewährleisten.

16 Gemeindetag Baden-Württemberg


Schwaikheim – Auch gemeinsame Ausflüge tragen zur Integration bei, wie hier der Deutschkurs und

der interkulturelle Dialog des Vereins Bürger helfen Bürgern e.V. bei einem Ausflug nach Würzburg.

Integrationsprojekte in Salach

Schwerpunkt der Integrationsarbeit in

Salach ist die Förderung des Erwerbs der

deutschen Sprache bei Kindern und

Müttern mit Migrationshintergrund.

Zum einen wird seit zweieinhalb Jahren

ein Deutschsprachtraining für ausländische

Frauen mit abgeschlossenem

Sprachkurs durchgeführt. Die 6- 8 Teilnehmerinnen

treffen sich zweimal pro

Woche zu einem intensiven Sprachtraining.

Ziel des Projekts ist es, dass

sich die Frauen selbständig und selbstsicher

in Alltagssituationen zurechtfinden.

Der Unterricht wird von einer

erfahrenen Lehrkraft durchgeführt.

Bei der Einübung von Alltagssituationen

unterstützen ehrenamtliche Helferinnen

die Teilnehmerinnen. 2009 erarbeiteten

die Frauen im Rahmen dieses

Projekts ein interkulturelles Kochbuch,

das mit Unterstützung der Gemeindeverwaltung

vervielfältigt und verkauft

werden konnte. Außerdem finden in

regelmäßigen Abständen Freizeitaktivitäten

wie Kegeln, gemeinsame Spiel-

und Frühstückstreffen etc. statt.

Darüber hinaus bietet die Gemeinde

Salach für ausländische Kleinkinder mit

ihren Müttern in Kooperation mit der

AWO Kreisverband Göppingen e.V. und

dem Deutsch-Türkischen Elternverband

e.V. eine Spielgruppe an. Das Projekt

wird von „dieGesellschafter.de“, einer

Initiative der „Aktion Mensch“, finanziell

gefördert.

Gemeindetag Baden-Württemberg

Verein zur Förderung

der Integration von Schülerinnen

und Schülern in Schwaikheim

Schwerpunkt der Integrationsarbeit in

Schwaikheim ist die Unterstützung von

Schülerinnen und Schülern sowie deren

Eltern beim Spracherwerb und die Verbesserung

ihrer schulischen Leistungen.

Neben Projekten wie „Mama lernt

Deutsch“ gibt es in Schwaikheim seit

2005 den Verein Integrations- und

Nachhilfe (INa e.V.), der von engagierten

Ehrenamtlichen gegründet wurde.

Zweck des Vereins ist die Unterstützung

von Bildung und Erziehung bei Kindern

und Jugendlichen aus Familien mit Migrationshintergrund

oder aus sozial

schwachen Familien, denen es schwer

fällt, ihre Talente zu entfalten, vor allem

in der Phase des Wechsels von der

Grundschule auf eine weiterführende

Schule. Der Erfolg des

Nachhilfevereins zeigte

sich bereits nach kurzer

Zeit: Durch die Förderung

erreichen die Kinder einen

besseren Schulabschluss

und damit auch

bessere Zukunftsperspektiven.

Keiner der betreuten

Schüler hat die Schule

abgebrochen.

Das gesamte Projekt wird

von einer paritätisch besetzten

Gruppe aus deutschen

Kräften und Kräften

mit Migrationshinter-

Kommunaler Strategieplan Integration

grund geplant und durchgeführt. Die

gesamte Integrations- und Nachhilfearbeit

des Vereins wird von der Schulleitung

der Schwaikheimer Schulen aktiv

unterstützt. Gemeinderat und Förderverein

der Schwaikheimer Schulen stehen

der Arbeit ebenfalls sehr positiv gegenüber.

Zurzeit nehmen 80 Kinder das Angebot

wahr, die meisten täglich. Neben

der schulischen Nachhilfe können die

Kinder und Jugendlichen auch aus verschiedenen

Freizeitangeboten auswählen,

z.B. gemeinsames Backen, Filmabende,

Spielabende, Tanzgruppen usw. Für

die Förderung der Grundschüler, Förderschüler

und Hauptschüler bis Kl. 6 bekommt

der Verein einen Zuschuss von

der L-Bank (HSL-Maßnahmen).

Integrationskonzept

der Stadt Ravensburg

2008 hat der Gemeinderat einstimmig

das Integrationskonzept der Stadt

Ravensburg verabschiedet. Für das Konzept

analysierten die Verantwortlichen

zunächst den Stand der Integration. Dabei

wurden nicht nur die Erfolge der

bisherigen Integrationsarbeit vorgestellt,

sondern gleich untersucht, in

welchen Bereichen sich Rahmenbedingungen

geändert haben und wo die Integrationsangebote

angepasst werden

müssen. Auf der Basis dieser Untersuchungen

formulierte man Leitziele

für Ravensburg, die der Stadt und ihren

Partnern die Richtung für ihr Handeln

vorgeben. Die Leitziele in Ravensburg

berühren unterschiedliche Lebensbe-

17

Fotograf: Franz Hirth


Kommunaler Strategieplan Integration

reiche, wie z.B. Wohnumfeld, Sprachkompetenz,

Bildung, Gesundheit, interkulturellen

Austausch und politisches

Engagement. Das erste Leitziel der Stadt

Ravensburg ist die Stärkung der Identifikation

mit Land und Leuten. Umgesetzt

werden die Ziele über verschiedene

Projekte und Maßnahmen, ein Monitoring

soll untersuchen, ob und wie die

Ziele des Integrationskonzepts umgesetzt

werden und ob eine Nach-Steuerung

notwendig ist.

Darüber hinaus nimmt die Stadt

Ravensburg gemeinsam mit dem Landkreis

Ravensburg am Forschungsprojekt

Integrationspotentiale in kleinen Städten

und Landkreisen“ der Schader-Stiftung

teil, das 2009 begonnen hat.

Fortbildung verschiedener Akteure

im Bereich Integration in Buchen /

Pilotprojekt der Aktion Jugendschutz

Seit Oktober 2008 läuft in der Stadt

Buchen/Odenwald das von der Aktion

Jugendschutz Baden-Württemberg (ajs)

initiierte landesweite Pilotprojekt „Interkulturell

denken – lokal handeln“. Kern

des Projektes ist eine modulare, auf die

speziellen lokalen Bedürfnisse zugeschnittene,

professionelle Weiterbildung

zentraler Akteure vor Ort. Praxisorientierte

Elemente der Weiterbildung

sorgen dafür, dass die interkulturelle Öffnung

vor Ort mit Leben erfüllt wird.

In Buchen ist es gelungen, nahezu alle

relevanten Einrichtungen für die Teilnahme

an dem Projekt zu gewinnen.

Grund-, Haupt-, Real- und Gewerbeschule,

Jugendamt, Jugendzentrum, ein

Jugendhilfeträger, Kirchen, ein örtlicher

Moscheeverein, der türkische Elternbeirat,

ein Bildungsträger des Arbeitsamtes,

das örtliche Polizeirevier sowie die Stadt

Buchen sind mit meist zwei Personen in

dem 20-köpfigen Netzwerk vertreten.

Als außerordentlich wertvoll erwies

sich, haupt- und ehrenamtliche Akteure

in die Weiterbildung zu integrieren.

Außerdem sind die in Buchen größten

Migrantengruppen - Türken und Spätaussiedler

- mit je zwei Teilnehmerinnen

vertreten.

Insgesamt elf Praxisprojekte wurden ursprünglich

entwickelt. Einige Beispiele:

Die Ergebnisse der Umfrage einer

Gruppe (Schule/Jugendzentrum) zu den

Bedürfnissen von Eltern mit Migrationshintergrund

mündeten inzwischen

in zwei Folgeprojekte der Schülerhilfe

sowie der Elternarbeit. Die von einer

anderen Gruppe angestrebte engere

Kooperation zwischen Jugendamt und

Moscheeverein wurde durch gegenseitige

Besuche und Informationsabende

mit Leben erfüllt. Die Berufsschule,

ein Bildungsträger des Arbeitsamtes und

die Polizei kümmern sich in gemeinsamen

Veranstaltungen um Jugendliche

und Heranwachsende. Höhepunkt dieses

gelebten Miteinanders war das Kultur-

und Kinderfest des türkischen

Elternbeirats und des Moscheevereins,

zu dem die gesamte Bevölkerung eingeladen

war und an dem alle Projektteilnehmer

mitgewirkt haben.

Ehrenamtliche Integrationsbegleitung

für bleibeberechtigte Ausländer

und Spätaussiedler in Filderstadt

Das Referat für Bürgerbeteiligung und

Stadtentwicklung in Filderstadt hat sich

im Jahr 2005 bei einer Ausschreibung

des Innenministeriums Baden-Württemberg

für das Modellprojekt zur

ehrenamtlichen Integrationsbegleitung

beworben und wurde zusammen mit

20 anderen Bewerbern ausgewählt und

gefördert.

Projektstandort war der Stadtteil Sielmingen,

weil dies einerseits der Stadtteil

mit dem höchsten Migrantenanteil ist,

aber auch, weil es hier bereits einige

Bürgerprojekte im Bereich der Integration

von Migrantinnen und Migranten

gab. Außerdem gab es eine enge Zusammenarbeit

mit verschiedenen Kooperationspartnern

aus den Schulen und Kin-

Buchen – Die TeilnehmerInnen des Weiterbildungsprojekts „Interkulturell denken – lokal handeln“ nach der Überreichung der Zertifikate.

18 Gemeindetag Baden-Württemberg


dergärten, die bereits beim Erarbeiten

der Konzeption mit einbezogen wurden.

Die Grundidee ist, Patinnen und

Paten für die Dauer von einem Jahr zu

finden, die Kinder, Jugendliche, Familien

und erwachsene Personen mit Migrationshintergrund

bei der Alltagsbewältigung

unterstützten. Das konnte z.B. in

den Bereichen Schule, Ausbildungsplatz

und Bewerbung, Unterstützung beim

Erwerb der deutschen Sprache, Hilfestellung

bei Erziehungsfragen und bei

der Freizeitgestaltung sein. Die Inhalte

der Betreuung orientierten sich an den

Bedürfnissen der Menschen, die sich am

Projekt beteiligten.

Es konnten schließlich zehn Personen

geworben werden, die sich bereit erklärten,

am Projekt teilzunehmen.

Danach wurden auch genau so viele

Tandems mit Migrantinnen und Migranten

gebildet. Die Tandempartner

verpflichteten sich für die Dauer von

einem Jahr diese Begleitung durchzuführen.

In der Regel trafen sich die

Tandems an einem Nachmittag in der

Woche.

Ein Erfolg ist in erster Linie darin zu

sehen, dass die Migrantenfamilien nun

regelmäßig Kontakt zu Deutschen

haben und die Hemmschwelle, aufeinander

zuzugehen, gesenkt wurde.

Gemeindetag Baden-Württemberg

Ein Hauptbestandteil der Begleitung bei

den meisten Tandems war die Betreuung

von Kindern, die die Grundschule

besuchten. Dabei war eine Hauptaufgabe

der Paten, den Kindern das Interesse

und den Spaß am Lernen nahe zu

bringen; erst in zweiter Linie war die

Hausaufgabenbetreuung wichtig. Darüber

hinaus wurden die Mütter und

Kinder von ihren Paten über verschiedene

Angebote der Stadtverwaltung informiert,

was mit großem Interesse aufgenommen

wurde. Einige der Kinder

konnten somit an die Nutzung z.B. der

Stadtbücherei oder an das Angebot der

Musikschule herangeführt werden.

Unterstützungsbedarf gab es außerdem

bei Behördengängen, bei Bewerbungen

und auch bei der Wohnungssuche.

Hundert Multiplikatorinnen und

Multiplikatoren für Eltern

mit Migrationshintergrund

in Heilbronn

Die Maßnahme zielt auf ein flächendeckendes

Angebot an Informationsvermittlung

für Eltern mit Zuwanderungsgeschichte

in Heilbronn über

das Bildungssystem in Baden-Württemberg

ab. Da bisher über Projektförderungen

nur einzelne Projekte gefördert

wurden, gab es für Eltern mit Zuwanderungsgeschichte

wenig Transparenz

in den Angeboten. Auch bei Schulwechseln

z.B. durch Umzug gab es kein

durchgängiges Angebot an Informationen

über das Bildungssystem.

Der Kontakt zwischen Lehrern und

Erziehern zu den Eltern mit Zuwanderungsgeschichte

gestaltete sich bisher

als schwierig. Auf der anderen Seite stehen

positive Erfahrungen, wenn Menschen

aus dem gleichen Kulturkreis als

Mittler zwischen Eltern und Lehrern

eingesetzt wurden. Dies basiert u.a.

darauf, dass das Vertrauen zu Multiplikatoren

aus dem eigenen Kulturkreis

größer ist, diese ggf. bei Sprachdefiziten

in der Muttersprache vermitteln können

und aufgrund von Kenntnissen

über die Lernkultur des Herkunftslandes

und über Deutschland besser zwischen

den Kulturen vermittelt werden kann.

Kommunaler Strategieplan Integration

Seit Mai 2009 lassen sich in Heilbronn

nun gezielt 100 Menschen mit Zuwanderungsgeschichte

kostenfrei über

einen Bildungsträger (Akademie für

Information und Management) ausbilden,

um andere Eltern schulen zu können.

Die Förderung der Akademie übernimmt

u.a. eine Stiftung. Nach der Ausbildung

der Multiplikatoren werden diese

nun zunächst bedarfsgerecht an elf

Grundschulen eingesetzt. Ab 2010 ist geplant,

die Maßnahme flächendeckend an

allen Kindergärten (30 städtische und 56

freie Träger) und an allen 19 Grundschulen

in Heilbronn durchzuführen. Die Eltern

werden in Gruppen von 7 bis 8 Teilnehmern

geschult. Um die Eltern in deren

Lernkultur „abholen“ zu können, werden

die Gruppen nach Nationalitäten gebildet

(Möglichkeit der Diskussion in der

Muttersprache). Dies ist Voraussetzung

für den Erkenntnisprozess und Verhaltensänderungen

im Hinblick auf die Begleitung

und Förderung der Kinder.

Die ausgebildeten Eltern-Multiplikatoren

stehen als Ansprechpartner für die

Lehrer/innen und Erzieher/innen zur

Verfügung. Sie werden rege bei Mittlergesprächen

zwischen Eltern und der

Schule nachgefragt und konnten bereits

einige Missverständnisse abbauen und

Informationen gezielt weitergeben. Die

Schulen nutzen auch gerne den Einsatz

bei regulären Elternabenden als Kultur-

und Sprachmittler.

Bereits 2010 will die Agentur für Arbeit

einige Multiplikatoren weiter qualifizieren,

um an weiterführenden Schulen bei

Elternabenden im Tandem mit Berufsberatern

Informationen über Ausbildungsberufe,

Ausbildungsmöglichkeiten etc.

zu vermitteln. Die Eltern-Multiplikatoren

können auch von anderen Trägern

oder Institutionen gebucht werden, um

Informationen zu anderen Themen weiterzugeben

(z.B. Ernährungsberatung,

Verkehrssicherheit, Gewaltprävention,

Gesundheit etc.).

In allen Projektphasen, auch bei der Projektplanung

und Konzepterstellung,

achtet man darauf, die Menschen mit

Zuwanderungsgeschichte auf Augenhöhe

zu beteiligen. Die Migrantenverbände

vor Ort unterstützen das Projekt.

19


Kommunaler Strategieplan Integration

Strategische Handlungsempfehlungen

für Städte und Gemeinden

Basierend auf den Erfahrungen unserer

Mitgliedsstädte und -gemeinden und

den Forschungsergebnissen zum Thema

Integration werden an dieser Stelle sechzehn

Handlungsempfehlungen und Anregungen

für mittlere und kleinere Städte

und Gemeinden zusammengefasst.

Sie sollten einen Pool an Maßnahmen

darstellen, aus denen Städte und Gemeinden

schöpfen können, wenn sie

sich der Herausforderung Integration

stellen. Ganz bewusst werden an dieser

Stelle nicht Empfehlungen ausgesprochen,

die nur gemeinsam mit Land

oder Bund angepackt werden können,

z.B. die Sprachförderung im Rahmen

des Orientierungsplans Bildung und Erziehung.

Es geht vielmehr um praktische

Hinweise, die insbesondere den

Strukturen in kleineren Städten und Gemeinden

zugute kommen sollen.

1. Kommunalen Integrationsplan

entwickeln

Kommunalpolitik, Verwaltung, Vereine

und Bürger sollten in einer gemeinsamen

Aktion einen kommunalen Integrationsplan

für ihre Stadt oder Gemeinde

erarbeiten. Dazu entwickeln sie

ein Leitbild und einen konkreten Zielkatalog

für die Integrationspolitik. Alle

relevanten Akteure in diesem Bereich

sollten von Anfang an beteiligt werden.

Zur Unterstützung bei der Erarbeitung

eines Integrationsplans können auch

Experten hinzugezogen werden, beispielsweise

von der Bertelsmann-Stiftung

(www.integrationsworkshop.de)

oder, wenn vorhanden, Experten in

Landratsämtern. Auch der Gemeindetag

plant im Rahmen der Beratungsfunktion

für seine Mitglieder, Workshops

anzubieten, in denen gemeinsam

mit den Vertretern aus den Städten und

Gemeinden ein Integrationsplan entwickelt

wird.

2. Integration positiv darstellen,

als Chance sehen und

als „Chefsache“ behandeln

Das Thema Integration wird in der

Kommunalpolitik und der Verwaltung

häufig nur am Rande behandelt, was

dazu führen kann, dass es auch in der

Bevölkerung nicht ausreichend bzw.

nur bei negativer Berichterstattung in

den Medien Beachtung findet. Das Thema

sollte daher positiv präsentiert und

der Bevölkerung als ein politisches Betätigungsfeld

vorgestellt werden, in dem

man gemeinsam viel für die Zukunft erreichen

kann und für das sich ein Engagement

lohnt. Gerade hinsichtlich der

demografischen Entwicklung ist gute

Integrationspolitik eine Zukunftsinvestition.

Die baden-württembergische

Staatsrätin für demografischen Wandel

und Senioren, Claudia Hübner, sagte

kürzlich: „Demografischer Wandel bedeutet

nicht nur, dass wir älter werden,

sondern auch das unsere Gesellschaft

vielfältiger wird.“ Die Betonung von gesellschaftlichem

Gewinn durch Vielfalt

und Toleranz dürfte von der Bevölkerung

ganz anders aufgefasst werden, als

wenn das Thema Integration stiefmütterlich

und nur dominiert von Problemen

wie Ausländerkriminalität oder

Abhängigkeit von sozialen Transferleistungen

dargestellt wird.

Die Menschen mit Migrationshintergrund

sollten als gleichwertige Mitbürger

anerkannt werden, die ein besonderes

Potenzial mitbringen und das Leben

der einheimischen Bevölkerung bereichern.

Das Thema Integration sollte zu

diesem Zweck von der Verwaltungsspitze

und der Kommunalpolitik als

wichtiges Thema anerkannt und propagiert

werden. Nur eine „Chefsache“ entgeht

der Gefahr, in einer Nische zu versickern

und wird vor Ort ernst genommen.

Integration ist außerdem ein Thema,

das eines fraktionsübergreifenden

Konsens und parteiübergreifender

Zusammenarbeit bedarf.

Wenn ein Bürgermeister bei einer offiziellen

Veranstaltung die Menschen aus

anderen Ländern in seiner Stadt herzlich

willkommen heißt, Einbürgerungsfeiern

organisiert werden, er bei

Stadt- oder Dorffesten internationale

Stände besucht, ist dies ein deutliches

Signal an die einheimische Bevölkerung

und kann ggf. vorherrschende Zurückhaltung

aufbrechen.

3. Ehrenamtliche

Integrationsbegleiter und

Integrationspaten gewinnen

Verbundenheit zum Wohnort, die bereits

ein Integrationserfolg sein kann,

entsteht dann, wenn man sich ein soziales

Netzwerk schafft. Damit Menschen

mit Migrationshintergrund Kontakt zur

einheimischen Bevölkerung bekommen,

können Integrationspaten vor Ort

gesucht werden. Das können Einzelpersonen

oder Familien sein, die Menschen

mit Migrationshintergrund in der ersten

Zeit in ihrem Wohnort in vielfacher

Hinsicht unterstützen, sei es bei Behördengängen,

Anmeldungen an Schulen-

oder Kindergärten, dem Bekanntmachen

mit der örtlichen Infrastruktur,

Gesundheits- und Freizeitangeboten.

Die Landesstiftung Baden-Württemberg

hat hierzu ein Pilotprojekt gefördert, bei

dem bürgerschaftlich engagierte Personen

sich um bleibeberechtigte Ausländer

und Spätaussiedler kümmern und

deren Integrationsprozess beschleunigen

(www.landesstiftung-bw.de/

themen/soziales.php?id=236).

Die ehrenamtlichen Integrationsbegleiter

sollen für eine begrenzte Zeitdauer

Ansprechpartner in Alltagsangelegenheiten

sein und mit den hauptamtlichen

Kräften der Migrationsberatung,

den Kommunen, den Vertriebenenverbänden

und anderen am Integrationsgeschehen

Beteiligten in einem Netzwerk

vor Ort zusammenwirken.

20 Gemeindetag Baden-Württemberg


4. Integration als Querschnittsbereich

der Verwaltung verstehen

Integration ist ein Arbeitsbereich, der

nicht im „stillen Kämmerlein“ von einem

einzigen Integrationsbeauftragten

bearbeitet werden kann. Vielmehr muss

Integration als ressortübergreifende

Thematik verstanden werden, die ggf.

durch eine zentrale Stelle in der Verwaltung

koordiniert wird. Voraussetzung

ist hier natürlich die interkulturelle

Kompetenz der koordinierenden Stelle,

um die Weiterentwicklung des Themas

zu gewährleisten.

5. Beteiligung aller relevanten

Akteure auf gleicher Augenhöhe

Kommunalpolitik und Verwaltung müssen

sicherstellen, dass alle relevanten

Vertreter der Migranten und der einheimischen

Gesellschaft bei der Entwicklung

und Umsetzung örtlicher

Integrationskonzepte, -projekte und

-maßnahmen mit ins Boot geholt werden.

Es ist nicht sinnvoll, das Thema zu

bearbeiten, ohne die Betroffenen selbst

mitreden zu lassen. Vertreter der Migranten

sollten auch auf gleicher

Augenhöhe mitreden, um ihre Gleichberechtigung

zu gewährleisten. Die

Möglichkeit zur Beteiligung fördert

Gemeindetag Baden-Württemberg

darüber hinaus bürgerschaftliches

Engagement und Identifikation mit

dem Wohnort. Auch nach der Implementierung

eines Integrationsplans

kann eine Mitwirkung von Migranten

bei allen integrationsspezifischen Themen

der Kommunalpolitik sinnvoll sein

und beispielsweise über einen Integrationsausschuss

des Gemeinderates oder

einen Integrationsbeirat gewährleistet

werden.

6. Die Kommune als Vorbild:

Arbeitgeber Rathaus

Als Arbeitgeber unterstützen Kommunalpolitik

und Verwaltung direkt den

Zugang der Migranten in den Arbeitsmarkt

und dienen der lokalen Wirtschaft

als Vorbild. Der Migrantenanteil

in Verwaltungen, auch in höheren Positionen,

sollte erhöht und Menschen mit

Migrationshintergrund bei geeigneter

Qualifikation eingestellt werden. In

Stellenanzeigen kann die Motivation

von Migranten, sich auf Stellen zu bewerben,

gefördert werden, z.B. durch

einen Satz wie „Bewerbung von Menschen

mit Migrationshintergrund ist

ausdrücklich erwünscht.“ Darüber hinaus

gilt es, das übrige Personal in den

Verwaltungen interkulturell zu schulen.

Besonderer Fokus sollten hier die Aus-

Kommunaler Strategieplan Integration

länderämter und die Sozialbereiche

sein, die umfassende Maßnahmen treffen

sollten, um als Integrationsbehörde

und wichtige Anlaufstelle für Zuwanderer

zur Verfügung zu stehen. In Baden-

Württemberg bieten verschiedene Fortbildungsträgern,

beispielsweise die

VWA, Fortbildungen im Bereich Interkulturelle

Öffnung der Verwaltung an.

Auch das Innenministerium hat ein Seminarangebot

für Mitarbeiter der Landkreisverwaltungen

in Zusammenarbeit

mit der Polizei entwickelt. Bei Bedarf

könnte auch die Verwaltungsschule des

Gemeindetags eine Seminarreihe konzipieren.

7. Integration beim Städtebau

und im Wohnumfeld beachten

Neben dem Arbeitsplatz spielt das

Wohnumfeld im Integrationsprozess

eine zentrale Rolle. Sofern eine sozialräumliche

Steuerung vor Ort möglich

ist, sollte bei der Vergabe von Wohn-

und Baufläche in einer Stadt oder Gemeinde

einer Durchmischung der Bevölkerung

Sorge getragen werden. Die

Ballung einer oder einiger weniger

Natio nalitäten in bestimmten Wohnvierteln

kann schnell zu einer Ghettoisierung

und einer Abwertung des Wohngebiets

führen. Das Miteinanderleben

verschiedener Kulturen und Nationalitäten

hingegen sorgt für ein gegenseitiges

Kennenlernen und Akzeptanz der

Unterschiede. Um diese Begegnungen

zu ermöglichen, ist die Einrichtung von

Begegnungsstätten, der Bau von Spielplätzen

oder die Einrichtung von

Räumen für Religionsausübung oder

muttersprachlichen Unterricht empfehlenswert.

Zwar gibt es auch Befürworter einer –

freiwilligen – ethnischen Segregation,

die der Ansicht sind, dass ethnische

Quartiere für Neuzugewanderte eine

Funktion als Brückenkopf in die aufnehmende

Gesellschaft übernehmen,

die Entwicklung informeller Hilfsnetze

zwischen den Zuwanderern begünstigen

und die Entstehung ethnischer

Ökonomien als Grundlage für die wirtschaftliche

Existenzsicherung vieler Zuwanderer

fördern. Es wird außerdem

21


Kommunaler Strategieplan Integration

darauf verwiesen, dass allein räumliche

Nähe noch nicht zwangsläufig zu Kontakten

und wechselseitiger Akzeptanz

führt, sondern im Gegenteil sogar zur

Entstehung von Konflikten beitragen

kann. Problematisch ist bei diesem

Ansatz aber zweifellos, dass ethnische

Konzentrationen sich in der Regel in sozial

benachteiligten Stadtteilen finden,

was dazu führt, dass ausgerechnet dem

Teil der einheimischen Bevölkerung das

höchste Maß an Integrationsleistung

und die größte Toleranz abverlangt

wird, der hierzu aufgrund seiner ei genen

Lebenssituation am wenigsten in der

Lage ist. Gibt es bereits ethnisch getrennte

Wohngebiete, ist eine Behebung

von Defiziten im baulichen Bestand

durch Instandsetzung und Modernisierung

der Wohnungsbestände sowie ggf.

auch Neubau nachfragegerechter Wohnungen

sinnvoll. In jedem Falle sollte

diese Frage im Rahmen der Erarbeitung

kommunaler Integrationskonzepte

auch anhand der spezifischen Gegebenheiten

vor Ort entschieden werden.

Als integrationsfördernd hat sich auch

die Einrichtung „interkultureller Gärten“,

beispielsweise in der Stadt Fürth,

erwiesen. Dabei werden auf bestimmten

brachliegenden Grundstücken Gartenparzellen

ausgewiesen, die dann zu einem

bestimmten Anteil an Deutsche

und Menschen mit Migrationshintergrund

verpachtet werden. Mithilfe der

Begeisterung für das Gärtnern und der

Einrichtung von gemeinsam nutzbaren

Gebäuden entsteht so ein freundschaftliches

Miteinander.

8. Gesundheitsversorgung

und Altenpflege in die

Integrationsmaßnahmen einbetten

Zuwanderer kommen aus Ländern und

Kulturen, in denen das Gesundheitswesen

anders organisiert ist als in

Deutschland. Als Neubürger fällt es

ihnen oft schwer, sich in unserem

Gesundheitssystem zurechtzufinden.

Eine Möglichkeit, hier erste Hilfe zu leisten,

ist die Informationsweitergabe über

das deutsche Gesundheitssystem. Der

vom Landesgesundheitsamt Baden-

Württemberg entwickelte mehrsprachi-

ge „Leitfaden Gesundheit“ (www.gesundheitsamt-bw.de)

enthält aktuelle

Informationen zum Gesundheitswesen

in Deutschland, dem Verhalten im

Notfall und zu wichtigen Fragen der

Krankenversicherung und Gesundheitsvorsorge.

Auch in Gesundheitsfragen ist persönliche

Ansprache wichtig. Gibt es vor

Ort Ärzte oder sonstiges medizinisches

Personal mit Migrationshintergrund,

empfehlen wir, diese Experten zu bitten,

Informationsveranstaltungen in

Ihrer Muttersprache durchzuführen.

Dies ermöglicht Migranten das Nachfragen

in komplizierteren Bereichen

und man gewinnt wieder Mitbürger für

ein Ehrenamt.

Sehr viele Menschen mit Migrationshintergrund

kommen inzwischen in ein

Alter, in dem sie pflegebedürftig werden

bzw. sich nicht mehr allein versorgen

können und in ein Alten- oder Pflegeheim

umziehen müssen. Die Pflege und

Unterstützung alter Menschen, die

zudem noch einer anderen Kultur angehören

können, bedarf viel interkultureller

Sensibilität. Auch hier empfiehlt

sich bei angemessener beruflicher Qualifikation

die Einstellung von Personal

mit Migrationshintergrund und die

Schulung von bereits tätigem Personal.

Dies kann beispielsweise auch über

Migranten erfolgen, die im medizinischen

Bereich tätig sind.

Aus der kommunalen Praxis wird

berichtet, dass insbesondere junge Migranten

aus nicht-christlichen Kulturkreisen

kaum den Weg in soziale Berufe

wie die Altenpflege finden. Gerade junge

muslimische Migranten werden in

Zukunft in der Altenpflege gebraucht,

wenn in Zukunft mehr ältere Muslime

pflegebedürftig werden. Städte und

Gemeinden sollten im Rahmen ihrer

Integrationsmaßnahmen und -projekte

über Konzepte nachdenken, wie insbesondere

muslimische Jugendliche für

eine Ausbildung im Pflegebereich motiviert

werden können.

Immer wichtiger wird auch das Thema

der ambulanten Altenpflege, in die

Städte und Gemeinden als Träger von

Sozialstationen involviert sind. Hier

gilt es, insbesondere niedrigschwellige

Angebote zu entwickeln wie beispielsweise

Krankenpflegekurse für ausländische

Frauen etc. Daraus können

Anknüpf ungspunkte für weiteres Engagement

entstehen und Barrieren abgebaut

werden.

Ein neues Beratungsangebot mit dem

Titel „Älter werden in Deutschland“,

22 Gemeindetag Baden-Württemberg


das sich an ältere Türkisch und Russisch

sprechende Migranten richtet, gibt es

derzeit von der AWO. Mithilfe von visuellen

Medien und Materialien können

sich ältere Migranten ab 55 Jahren vor

Ort über Angebote der Altenhilfe informiert

(www.aelter-werden-in.de)

9. Integrationsförderung bereits

im Kindergarten

Neben Sprachförderung der Kinder und

Eltern im Kindergarten (z.B.“Mama

lernt Deutsch“) oder andere Sprachfördermaßnahmen

im Rahmen des Orientierungsplans

Bildung und Erziehung ist

es sinnvoll, die Hemmnisse von Eltern

gegenüber Kinderbetreuung abzubauen,

in deren Herkunftsländern es keine

Kindergärten gibt oder die das deutsche

Kinderbetreuungssystem nicht kennen.

Ein wichtiger Bestandteil erfolgreicher

pädagogischer Arbeit mit Kindern ist die

Zusammenarbeit mit den Eltern. Städte

und Gemeinden können beispielsweise

Informationsblätter über das Kinderbetreuungssystem,

die Konzepte der örtlichen

Kindergärten und die Vorteile

des Kindergartenbesuchs für Kinder entwerfen

und diese an ausländische Eltern

Gemeindetag Baden-Württemberg

versenden, in Bürgerbüros oder sonstigen

öffentlichen Institutionen oder

auch Versammlungsstätten der ausländischen

Mitbürger auslegen. Auch hier

sind Informationsabende in den Sprachen

der Migranten durch erfahrene,

bereits integrierte Migranten sinnvoll.

Ebenso wichtig ist, dass das Betreuungspersonal

sich für die Lebenssituation

der Familien mit Migrationshintergrund

öffnet. Kenntnisse über Erziehungsvorstellungen,

Erziehungsstile und Besonderheiten

in den Kulturen der

Kinder mit Migrationshintergrund sind

Voraussetzung für eine Arbeit, die sich

an den Bedürfnissen und Lebenssituationen

der Kinder orientiert und Erziehung

als gemeinsame Aufgabe von

Kindertagesstätte und Familie versteht.

10. Die Schule als

Integrationszentrum

Während nicht alle Kinder mit Migrationshintergrund

einen Kindergarten

besuchen, ist spätestens der Schuleintritt

der Zeitpunkt, an dem sie und ihre

Eltern intensiv mit der deutschen Kultur,

Sprache und Gesellschaft in Kontakt

kommen. Schulen können deshalb

als Integrationszentren angesehen werden.

Ebenso wie in den Kindertageseinrichtungen

ist die Zusammenarbeit zwischen

Schulen und Eltern ein wichtiger

Faktor für den Bildungserfolg von

Kindern. Studien haben gezeigt, dass die

Familie die Lernbereitschaft und die

Einstellung zu Bildung grundlegend

prägt und wesentliche Weichen für den

Bildungserfolg legt.

Neben der Sprachförderung im Rahmen

des Schulunterrichts und ähnlichen Projekten

zur Sprachförderung wie in Kindergärten,

sollten die Zuständigen in

Städten und Gemeinden deshalb darüber

nachdenken, welche Integrationsprojekte

oder -maßnahmen sich besonders

in Kooperation mit Schulen eignen.

Auch eine Zusammenarbeit mit den

Kreisjugendämtern und Gesundheitszentren

ist für eine gemeinsame Projektentwicklung

sinnvoll. Außerdem bieten sich

– wie in den Kindergärten – Informationsabende

und Broschüren für Eltern

über das deutsche Schul system an.

Kommunaler Strategieplan Integration

In Baden-Württemberg wurde 2009 unter

Trägerschaft der Robert Bosch Stiftung,

des Landes und der Breuninger

Stiftung im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie

Baden-Württemberg

gemeinsam mit unterschiedlichen

gesellschaftlichen, kommunalen und

staatlichen Akteuren das Projekt „Integration

gemeinsam schaffen – für eine

erfolgreiche Bildungspartnerschaft mit

Eltern mit Migrationshintergrund“ konzipiert.

Ziel des Projektes ist, die Zusammenarbeit

zwischen Eltern mit Migrationshintergrund

und verschiedenen

Bildungseinrichtungen gezielt zu stärken.

Als zentrales Element sollen die

Mitwirkungsmöglichkeiten der Eltern

verbessert und somit der Bildungserfolg

der Kinder unterstützt werden. Bereits

im Frühjahr 2010 ist geplant, das Konzept

bei der Nachhaltigkeitskonferenz

zu beschließen und somit den Beginn

der Umsetzungsphase sowie eine finanzielle

Förderung zu ermöglichen.

Schulen können auch als Zentrum für

weitere Integrationsprojekte sein. Beispielsweise

fungieren manche Schulen

in Kanada als Informationsbörse für Eltern.

Diese können sich dort über Arbeitsmöglichkeiten,

Sprachunterricht,

Kinderbetreuung, Weiterbildung und

Wohnungsmarkt informieren. Auch Beratung

zu medizinischen Fragen oder zu

gesunder Ernährung wird in den

Räumen der Schulen angeboten, indem

Berater für die verschiedenen Bereiche

zeitweise in den Räumen der Schule tätig

sind. Gerade in kleineren Städten

und Gemeinden, in denen Organisationen

und Institutionen vielfach keinen

Sitz haben, könnten regelmäßig

Informationsangebote an Schulen angesiedelt

werden. Für viele Eltern ist das

eine Chance, sich zu Themen beraten

zu lassen, für die sie sonst möglicherweise

in Großstädte fahren müssten

oder über die sie selbst gar keine Vorkenntnisse

haben.

Ein wichtiger positiver Integrationsfaktor

sind auch die Ganztagesschulen,

deren Angebot den Kontakt der Schüler

unterschiedlicher Herkunft und sozialer

Schicht vertieft. Im Rahmen der

Ganztagesschulen sind darüber hinaus

Verzahnungen mit örtlichen Sport- und

23


Kommunaler Strategieplan Integration

Kultureinrichtungen sinnvoll, die dadurch

bereits früh auch Mitglieder aus

der Gruppe der Migranten gewinnen

können. Wichtig ist, dass das Land den

Ausbau der Ganztagesschulen weiter

fördert und ausreichend pädagogisches

Personal zur Verfügung stellt.

Weiterführende Schulen sollten sich bemühen,

Kontakte zu lokalen Arbeitgebern

aufzubauen, um Praktikums- und

Ausbildungsplätze für ihre Schüler zu

generieren. Auch die Stadt- und Gemeindeverwaltungen

sollten sich für

Praktika und Ausbildungsplätze, insbesondere

für Jugendliche mit Migrationshintergrund,

öffnen.

11. Interkulturelle Öffnung

kommunaler Kultureinrichtungen

fördern

Viele örtliche Einrichtungen wie zum

Beispiel soziokulturelle Zentren oder

Bibliotheken und Volkshochschulen

sind ohnehin stark im lokalen kulturellen

Umfeld verankert; dennoch sollte

jede Einrichtung ihre jeweiligen Potentiale

in die interkulturelle Kulturarbeit

einbringen. Alle Kulturinstitutionen vor

Ort sollten dafür sensibilisiert werden,

dass sich in ihrem Programmangebot

und ihrer Besucherstruktur die kulturelle

Vielfalt der Kommune widerspiegelt.

Hierzu gehört auch, dass die Personalpolitik

und die Öffentlichkeitsarbeit der

Einrichtungen auf die jeweilige örtliche

Bevölkerungsstruktur abgestimmt sind

und dass die örtlichen Kultur- und/

oder Migrantengruppen eingebunden

werden.

Letztendlich geht es darum, dass auch

die so genannte Migrantenkultur selbstverständlich

Einzug in den klassischen

und etablierten Kulturbetrieb erhält.

Diese interkulturelle Öffnung der

Kultur einrichtungen sollte jedoch nicht

darauf abzielen, die Gruppe der Migranten/innen

„besser zu bedienen“,

sondern die Einrichtungen an sich und

ihr Angebot vielfältiger und damit

attraktiver zu gestalten. Und nicht zuletzt

sind die Kultureinrichtungen

aufgefordert, spezielle interkulturelle

Projektangebote zu entwickeln, die in

erster Linie Kinder und Jugendliche ansprechen

und sie aktiv mit ihren individuellen

künstlerischen Potenzialen und

Ausdrucksformen einbinden.

12. Sport als Handlungsfeld

kommunaler Integrationspolitik

Ziel des Aktionsfeldes Sport im Rahmen

von Integrationsmaßnahmen ist, die

Integration von Migranten im organisierten

Sport zu unterstützen. Es geht

hierbei insbesondere darum, die

Menschen mit Migrationshintergrund

in bereits bestehende örtliche Sportvereine

oder sonstige sportlichen Aktivitäten

einzubinden. Es ist die Tendenz

beobachtbar, dass sich Migranten in

eigenen ethnisch getrennten Sportmannschaften

oder Vereinen zusammenschließen.

Dies ist nicht generell

abzulehnen, eine Durchmischung in

den Sportvereinen ist jedoch der Integration

zuträglicher, da man durch

gemeinsame sportliche Betätigung,

gemeinsames Training und nicht zuletzt

gemeinsame sportliche Erfolge mehr

übereinander lernt und Freundschaften

schließt.

Die immer häufiger auftretenden, auch

in den Medien nachverfolgbaren,

gewalttätigen Auseinandersetzungen

zwischen nicht-deutschen, ethnisch

durch eine bestimmte Nationalität geprägten

Teams in verschiedenen Sportarten

zeigt, dass Konzepte gefunden

werden müssen, die örtlichen Vereine

für die Migranten attraktiv zu machen.

Dies bedeutet zum einen, dass der Sport

als ein elementarer Baustein in die kommunale

Gesamtstrategie für Integration

aufgenommen werden muss und Ideen

gefragt sind, um die Integration vor Ort

durch das örtliche Sportangebot zu

verbessern. Eine Möglichkeit ist die Vorstellung

der örtlichen Sport- und Sportvereinslandschaft

in verschiedenen

Sprachen, sei es durch Broschüren im

Bürgerbüro für Neubürger, sei es durch

Auslage der Informationen an den örtlichen

Sportstätten und -hallen. Eine

weitere Möglichkeit ist die persönliche

Anwerbung von Migranten durch an-

dere, bereits in Vereinen aktive Migranten.

Darüber hinaus muss hier auch an

die einheimische Bevölkerung appelliert

werden: Nur wenn sich die Menschen

mit Migrationshintergrund wirklich

willkommen fühlen, werden sie

auch bereit sein, einem Verein beizutreten.

Vereinsaktive sollten daher auch

Schulungen in Anspruch nehmen, in

denen sie interkulturelles Management

lernen. Solche Schulungen werden im

Landesintegrationsplan explizit unterstützt

und beispielsweise vom Württembergischen

Landessportbund (WLSB)

mit Unterstützung der Landesregierung

ab 2009 vereinzelt angeboten.

13. Örtliche Informations- und

Pressearbeit interkulturell und

integrationsfreundlich gestalten

Um der einheimischen Bevölkerung die

Scheu vor den Menschen aus anderen

Ländern oder mit anderem kulturellen

Hintergrund zu nehmen, die häufig aus

Unkenntnis über deren Herkunftsländer

herrührt, kann auch die lokale

Presse einen Beitrag leisten. Es können

beispielsweise in lokalen Printmedien

oder Amtsblättern Hintergrundberichte

aus den Herkunftsländern der örtlichen

Migranten veröffentlicht werden. Dabei

kann auch ein Mitbürger über sein Heimatland

erzählen bzw. für ein Interview

zu seinem Heimatland und dessen Kultur

angefragt werden. Ebenso positive

Wirkung könnten Portraits erfolgreich

integrierter Migranten haben, zum einen

für andere Migranten, denen sie so

als Vorbilder dienen, zum anderen für

die einheimische Bevölkerung, die sieht,

dass Menschen mit Migrationshintergrund

in der eigenen Stadt oder

Gemeinde nicht ausschließlich im

Rahmen von Problemen öffentlich in

Erscheinung treten.

24 Gemeindetag Baden-Württemberg


14. Integrationsprojekte im Rahmen

von bürgerschaftlichem Engagement

für Einheimische und Menschen

mit Migrationshintergrund

Integrationsarbeit kann in kleineren

Städten und Gemeinden mithilfe von

persönlichem, bürgerschaftlichen Engagement

viel eher geleistet werden als in

Großstädten, in denen sich viele eine

anonyme Lebensweise vorziehen und

die Freizeitangebote sehr vielfältig sind.

Es kann schon ausreichen, wenn nur

einige Einheimische und einige erfolgreich

integrierte Menschen mit Migrationshintergrund

eine Arbeitsgruppe bilden

und Aktivitäten vor Ort initiieren,

mit denen sie andere Einheimische und

Migranten zusammenbringen.

Aus Erfolgsberichten verschiedener Gemeinden

in Baden-Württemberg kristallisiert

sich heraus, dass sich hier

Nationa litätenstände bei Festen, Möglichkeiten

für gemeinsame Aktivitäten

wie Kochen, Wandern oder Landschaftsverschönerung

anbieten. Die

Erfahrung zeigt jedoch, dass insbesondere

die Migranten hierfür nur schwer

über schriftliche Einladungen erreicht

werden können. Am besten ist es auch

in diesem Bereich, andere aktive Menschen

mit Migrationshintergrund als

„Paten“ zu gewinnen, die die Mitbürger

mit gleichem Migrationshintergrund

persönlich motivieren und einladen.

Die direkte Ansprache ist im

ländlichen Raum einfacher, da man

sich hier eher persönlich kennt als in

den Großstädten.

Eine weitere überlegenswerte Möglichkeit

ist die Initiierung von Städtepartnerschaften

mithilfe der Migranten.

Gerade auch um den Einheimischen eine

Möglichkeit zu geben, sich über die

Begebenheiten im Herkunftsland ihrer

Mitbürger einen Überblick zu verschaffen,

können mit Städten aus den Ländern

der Migranten Freundschaften und

ggf. auch Städtepartnerschaften eingegangen

werden. Der Kontakt kann direkt

über die Migranten erfolgen. Diese

wiederum werden stolz sein, dass man

sich für ihre Kultur und ihr Herkunftsland

interessiert und sich gerne dafür

ehrenamtlich engagieren.

Gemeindetag Baden-Württemberg

15. Lokale Veranstaltungen

und Feste als Plattform

für Integrationsförderung nutzen

Stadt- und Dorffeste oder ähnliche

Veranstaltungen haben in kleineren Städten

und Gemeinden einen höheren Stellenwert

als in Großstädten, in denen das

Veranstaltungsangebot vielfältiger ist. Gerade

diese Feste sollten deshalb in kleineren

Städten und Gemeinden genutzt werden,

um zu signalisieren, dass Integration

wichtig ist. Dabei reicht es nicht, dass Migrantenvereine

Stände mit Speisen aus

ihren Herkunftsländern präsentieren.

Kulturelle Programmpunkte reichern

das Angebot zweifellos an. Beispielsweise

können aus den Herkunftsländern

der Migranten Musikvereine eingeladen

werden, man kann ein Quiz über die

Herkunftsländer der Migranten veranstalten,

bei dem ein Gewinn ausgelobt

wird, es können Fahnengirlanden mit

den Fahnen der Länder ausgehängt werden,

aus denen die Menschen, die vor

Ort leben, stammen.

Als integrationsförderlich gelten auch

festliche Einbürgerungsfeiern im Rathaus.

In kleineren Städten und Kommunen,

in denen ggf. die finanzielle Ausstattung

für solche Veranstaltungen

fehlt oder nur eine kleine Zahl von Ausländern

eingebürgert wird, könnte man

Einbürgerungsfeiern mit Stadtfesten

oder anderen festlichen Veranstaltungen

verbinden. So nimmt auch ein

größeres Publikum teil.

16. Ethnische Ökonomie fördern

Die Entscheidung eines Menschen mit

Migrationshintergrund, den Schritt in

die Selbständigkeit zu wagen, kann als

klares Signal für Integrationsbereitschaft

gewertet werden, denn der Unternehmer

weiß, dass er nach den geltenden

Regeln spielen muss, wenn er Anteil

am Geschäftsleben und auch wirtschaftlichen

Erfolg haben will. Schließlich

will der Migrant gerade durch den angestrebten

materiellen Erfolg auch seine

soziale Integration absichern und gestalten,

womit er weitere Integrationsschritte

unternimmt.

Kommunaler Strategieplan Integration

Von den Migranten in Baden-Württemberg

üben gut sechs Prozent eine

selbständige Tätigkeit aus. Diese ausländischen

Unternehmen erzielen in

Baden-Württemberg einen Jahresumsatz

von fast 100 Milliarden Euro, der in

unterschiedlichen Branchen erwirtschaftet

wird. Der Schwerpunkt liegt

meist in den Bereichen Einzelhandel,

Gastronomie und im Import-Export Geschäft.

Bei einer Großzahl der Gründungsvorhaben

handelt es sich um Einzelgründungen,

die oft enge Verknüpfungen

mit Familienangehörigen aufweisen.

Gerade letzterer Punkt könnte für kleinere

Städte und Gemeinden ein Anreiz

sein, ethnische Ökonomie zu fördern.

Orte, in denen Gewerbeflächen leer

stehen, kleinere Lebensmittelgeschäfte

aufgegeben werden oder fehlen, könnten

die Selbständigkeit von Menschen

mit Migrationshintergrund in diesem

Bereich fördern. Da bei diesen häufig

auch die Familienmitglieder mitarbeiten,

wagen sie es möglicherweise eher,

einen kleinen Laden zu führen als

Lebensmittelketten, die bestimmte Mindestumsätze

fordern, um einen Laden

zu eröffnen. Für einige Menschen mit

Migrationshintergrund wäre dies eine

neue Chance auf dem Arbeitsmarkt.

Bei vielen liegt auch eine passionierte

Einstellung zur Selbständigkeit vor, da

sie bereits im Heimatland ihr eigener

Chef waren. Stadt- und Gemeindeverwaltungen

können in solchen Fällen

überlegen, ob sie Unternehmer mit Migrationshintergrund

entsprechend unterstützen.

Hilfreich wäre zweifellos auch ein besonderes

Beratungsangebot für Migranten zu

den Voraussetzungen und Be dingungen

für Selbständigkeit. Dieses Angebot kann

von örtlichen Wirtschaftsbeauftragten,

Wirtschaftsför derern oder auch in Landratsämtern

koordiniert werden. Denkbar

ist in diesem Bereich auch der ehrenamtliche

Einsatz von bereits selbständigen

Migranten.

25


Kommunaler Strategieplan Integration

Politische Forderungen an Bund und Land

1. Spätestens seit den Islamkonferenzen

und den Integrationsgipfeln der

Bundesregierung werden auf nationaler,

Landes- und kommunaler

Ebene Projekte, Förderprogramme

und Initiativen im Bereich Integration

durchgeführt. In Baden-Württemberg

gibt es zwar eine Stabsstelle

des Integrationsbeauftragten mit einer

Homepage, diese könnte aber

noch erweitert werden. Interessant

wären dort oder an einer anderen

Stelle

• eine Übersicht über finanzielle Fördermöglichkeiten

für Integrationsprojekte:

Bisher erhält man von

verschiedenen Ministerien, dem

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

(BAMF) oder anderen Institutionen

immer wieder Hinweise auf

Fördermittel, eine Übersicht über alle

Fördermöglichkeiten, nicht ausschließlich

staatliche, wäre hilfreich;

• eine Adresssammlung von Institutionen

oder Stellen, die Kommunen bei

der Planung von Integrationsprojekten

oder Integrationsplänen beraten;

• eine Übersicht der wichtigsten

Akteure und ihrer Aktivitäten im

Bereich der Integration in Baden-

Württemberg („Who-is-who“ der Integration

im Lande);

• eine Best-Practice-Datenbank:

Präsentation kommunaler und anderer

erfolgreicher Integrationsprojekte;



eine Fachliteraturliste über Integration;

ein landesweiter Veranstaltungskalender

rund um das Thema Integration;

2. Land und Kommunen sollten eine gemeinsame

Strategie zur interkulturellen

Öffnung der Verwaltungen planen.

Zu diesem Zweck wäre eine Arbeitsgruppe,

die sich aus Vertretern

der Ministerien und der kommu nalen

Vertreter zusammensetzt,denkbar.

3. Das Innenministerium Baden-Württemberg

hat im Frühjahr 2008 eine

Empfehlung an die Kommunen herausgegeben,

mindestens einmal pro

Jahr festliche Einbürgerungsfeiern zu

veranstalten. Obwohl zweifellos viele

Kommunen eine solche Veranstaltung

ebenfalls gut heißen und durchgeführt

haben, wird aus der Praxis

berichtet, dass nur ein geringer Prozentsatz

der Eingebürgerten an den

Feiern teilnimmt. Land und kommunale

Vertreter sollten deshalb das

Konzept der Einbürgerungsfeiern neu

erörtern und Wege finden, wie die

Eingebürgerten motiviert werden

können, zu den Feiern zu kommen.

Denkbar ist, die Feiern dezentral

durchzuführen. Bisher finden die

Einbürgerungsfeiern meist in den

Landratsämtern statt, die zum Teil

räumlich weit von den Wohnorten

der Eingebürgerten entfernt liegen.

4. Vor der Einbürgerungsfeier ist eine

bessere Aufklärungs- oder Öffentlichkeitsarbeit

zu den Voraussetzungen

für eine Einbürgerung aus Sicht der

kommunalen Praxis notwendig.

Viele Migranten, die noch einen ausländischen

Pass haben, sind nicht

ausreichend darüber informiert,

unter welchen Bedingungen sie die

deutsche Staatsbürgerschaft erwerben

können. Den wenigsten ist auch

bekannt, dass sie unter bestimmten

Umständen ihre ursprüngliche

Staatsangehörigkeit behalten können.

In diesem Bereich wäre eine

landesweite Aufklärungskampagne

sinnvoll.

5. Auch eine Beteiligung an der Konzeption

und der Herstellung von

Informationsbroschüren über das

deutsche Kindergarten- und Schulsystem,

das politische System

allgemein und die wichtigsten Institutionen

in Gemeinden durch das

Land wäre wünschenswert. Als gutes

Beispiel kann hier die Zusammenarbeit

des Landes Nordrhein-Westfalen

mit seinen Kommunen aufgeführt

werden. Dort initiierte das Land im

Jahr 2005 das Förderprogramm

„Komm In-NRW“. Dieses Förderprogramm

diente der Verbesserung der

Aufnahme und Integration von Neuzuwanderern

in den Kommunen.

Zwar kommt den Kommunen bei der

Integration von Zugewanderten eine

entscheidende Bedeutung zu und

viele leisten hier auch vorbildliche

Arbeit. Um ihnen die organisatorischen

Voraussetzungen zu ermöglichen,

um die vorhandenen Integrationsangebote

erfolgreich zu gestalten

und die Menschen damit passgenau

zu erreichen, konnten sie sich

beim Land um eine Finanzierung

bewerben. Auch eine Messe wurde

veranstaltet, bei der die erfolgreichen

Förderprojekte vorgestellt wurden

und die Akteure sich austau-

schen und vernetzen konnten.

6. Aus Sicht mittlerer und kleiner Städte

und Gemeinden wäre im Rahmen

der Optimierung der Integrationskurse

wünschenswert, diese regional

besser zu verteilen. Wie bereits in diesem

Papier vermerkt, ist es insbesondere

in kleineren Städten und

Gemeinden ein Integrationshemmnis,

wenn man zur Teilnahme an Integrationskursen

in größere, weiter

entfernte Städte fahren muss. Kurse

in kleineren Städten mit einer geringeren

Teilnehmerzahl sollten unbedingt

ermöglicht werden.

26 Gemeindetag Baden-Württemberg


Fazit

Es gibt keinen Masterplan, der erfolgreiche

Integration garantiert. Wie die

unterschiedlichen Beispiele in unserem

Kommunalen Strategieplan Integration

zeigen, führen viele Wege zum gemeinsamen

Ziel, den Menschen mit Migrationshintergrund

die gleichberechtigte

Teilhabe am gesellschaftlichen und

wirtschaftlichen Leben in Deutschland

zu erleichtern. Bürgerinnen und Bürger,

Vereine und andere Institutionen oder

Gruppen in Baden-Württemberg leisten

bereits seit Jahren erfolgreiche Integrationsarbeit.

Ihre Projekte können anderen

als Vorbild dienen.

Unsere Handlungsempfehlungen sind

ein zusätzlicher Fundus für die Verantwortlichen

in Städten und Gemeinden,

um Ideen zu schöpfen, wie sie vor Ort die

Integration von Migranten noch verbessern

können. Wir sind davon überzeugt,

dass insbesondere die gesellschaftlichen

und politischen Strukturen in kleineren

Städten und Gemeinden ein großes Potential

bergen, um die Menschen mit

Migrationshintergrund in ihrer neuen

Heimat ankommen zu lassen. Denn nur

dann, wenn sie eine Verbundenheit mit

ihrem Umfeld aufbauen, wenn sie sich

von den Einhei mischen angenommen

und respektiert fühlen, werden sie sich

auch selbst bemühen, dieser Gesellschaft

etwas zurückzugeben.

Wir möchten an dieser Stelle betonen,

wie wichtig es dabei ist, dass die kom-

Gemeindetag Baden-Württemberg

munale politische Elite, zuvorderst die

Oberbürgermeister oder Bürgermeister

hinter dem Thema Integration stehen.

Wenn Integration zur Chefsache gemacht

wird, steigen die Chancen für

Projekte und Engagierten vor Ort, dass

ihre Bemühungen in der Gesellschaft

akzeptiert werden.

Dabei sind schon erste Gesten ein wichtiger

Schritt: Wenn der Bürgermeister

die Veranstaltung eines Migrantenvereins

besucht, wird diese Veranstaltung

um ein Vielfaches aufgewertet. Auch

verschiedensprachige Informationsbroschüren

für neue Mitbürgerinnen

und Mitbürger mit Migrationshintergrund

im Rathaus oder Bürgerbüro sind

ein Zeichen, dass auch Menschen mit

anderem kulturellen und ethnischen

Hintergrund willkommen sind.

Nahelegen möchten wir den Städten

und Gemeinden auch unbedingt Integrationskonzepte

oder -pläne zu entwickeln.

Sie sind den Aufwand, den sie

zweifellos mit sich bringen, wert, denn

eine sorgfältige Planung von integrationspolitischen

Maßnahmen unter

Teilnahme aller relevanten Akteure

sorgt langfristig für erfolgreiche kommunale

Integrationspolitik.

Am wichtigsten ist aber unserer Meinung

nach, der persönliche Kontakt zu

den Menschen mit Migrationshintergrund.

Dabei können bereits gut inte-

Kommunaler Strategieplan Integration

grierte Migranten eine Vermittlerrolle

übernehmen. Keine Broschüre vermag

die persönliche Begegnung von Mensch

zu Mensch auf gleicher Augenhöhe zu

übertreffen. Hier liegt auch ein nicht zu

unterschätzender Vorteil kleinerer Städte

und Gemeinden, in denen das soziale

Miteinander noch immer persönlicher

ist und häufig „jeder jeden kennt“.

Doch auch das eigene Engagement der

Migranten ist unerlässlich. Die besten

Integrationsprojekte, die farbigsten Broschüren

und auch die hilfreichsten

Sprach-oder Integrationskurse werden

ihr Ziel nicht erreichen, wenn sich die

Zielgruppe der Migranten davor verschließt.

Es ist deshalb auch essentiell,

den Menschen mit Migrationshintergrund

zu kommunizieren, wie stark vor

allem die Zukunft ihrer Kinder davon

abhängt, wie gut sie sich in ihrem Umfeld

einleben und wie intensiv sie sich

selbst bemühen, die Integrationsangebote

auch anzunehmen, die ihnen angeboten

werden.

In Sachen Integration müssen alle Akteure

unserer Gesellschaft an einem

Strang ziehen und Verantwortung übernehmen.

Der Gemeindetag ist gerne bereit,

sich weiterhin im Bereich Integration

zu engagieren, sei es in Zusammenarbeit

mit dem Land bei dessen Projekten

und Initiativen, aber auch als

beratende Stelle für seine Städte und

Gemeinden.

27


Kommunaler Strategieplan Integration

Leitfaden für einen Integrationsplan

Um Integrationsmaßnahmen erfolgreich

umzusetzen, ist es für jede Stadt

und Gemeinde sinnvoll, einen Integrationsplan

zu entwickeln, an dem sich

alle integrationsrelevanten Akteure vor

Ort beteiligen und der die Ziele der örtlichen

Integrationspolitik festlegt. Kleinere

Städte und Gemeinden können

auch einen gemeinsamen oder regionale

Integrationspläne erarbeiten.

Mit dem vorliegenden Leitfaden möchten

wir Tipps und Hinweise geben,

welche Vorüberlegungen für die Erstellung

eines Integrationsplans wichtig

sind, welche Daten und Informationen

über die Situation der Migranten sinnvollerweise

erhoben werden sollten,

welche Handlungsfelder für Integration

relevant und welche praktischen Überlegungen

für den gesamten Prozess der

Erarbeitung des Strategieplans wichtig

sein können.

Im Vorfeld überlegen/planen:

• Sind wir in unserer Stadt/Gemeinde

allein in der Lage, einen Integrationsplan

zu erarbeiten oder benötigen

wir Unterstützung von Experten?

• Gibt es geeignetes und ausreichend

Personal, um die Erarbeitung des Integrationsplans

zu koordinieren, z.B.

einen Integrationsbeauftragten?

• Welche Akteure aus dem Bereich Integration

gibt es vor Ort und wer

muss an der Erarbeitung des Integrationsplans

beteiligt werden (Oberbürgermeister,

Bürgermeister, Vertreter

des Gemeinderats, Vertreter aus

der Stadtverwaltung, Vertreter von

Migranten oder deren Vereinigungen

etc, Vertreter von Kirchen, Vereinen,

Presse etc.)?

• Falls es sich um eine sehr kleine Gemeinde

handelt: Wäre es sinnvoller,

einen Integrationsplan mit Nachbargemeinden

zu erarbeiten, einen Plan

auf Landkreisebene oder einen regionalen

Integrationsplan?

• Wie wird der gesamte Prozess der Erarbeitung

verlaufen? Soll zu Beginn eine

offene Bürgerveranstaltung stattfinden,

in der die Bürger über den Plan

informiert und ggf. aufgefordert werden,

sich zu beteiligen? Oder sollen

von Anfang an nur die Akteure eingeladen

werden, die im Bereich Integration

wichtig und aktiv sind?

Recherche von örtlichen/

regionalen statistischen Daten,

die in den Integrationsplan

einfließen (mögliche Auswahl):

Allgemeine Kennzahlen

• Zusammensetzung der Bevölkerung

nach Menschen mit/ohne Migrationshintergrund,

Deutsche/Ausländerinnen

und Ausländer, EU-Angehörige/ Drittstaatsangehörige

und Altersgruppen

(0 bis unter 3 Jahre, 3 bis unter 6 Jahre,

6 bis unter 18 Jahre, 18 - unter 25 Jahre,

25 bis unter 65 Jahre, ab 65 Jahre).


Herkunftsländer der Ausländer/innen

vor Ort.

• Quote der jährlichen Einbürgerungen

bezogen auf Ausländerinnen und

Ausländer mit einer Aufenthaltszeit

ab 8 Jahren.

• Menschen mit/ohne Migrationshintergrund

nach Lebensformen in Privathaushalten

(Alleinstehend, eingetragene

Lebenspartnerschaft, Ehepaare

und Lebensgemeinschaften

ohne Kind, Ehepaare und Lebensgemeinschaften

mit Kind(ern) unter

18 Jahren, Alleinerziehende).

Frühkindliche Bildung

und Sprachförderung

• Anteil Kinder (0 bis unter 3 Jahre)

mit/ohne Migrationshintergrund

(hier: ausländische Herkunft mindestens

eines Elternteils) in Kindertageseinrichtungen

an allen Kindern

dieser Altersgruppe in Kindertageseinrichtungen

• Anteil Kinder (3 bis unter 6 Jahre) in

Kindertageseinrichtungen, in deren

Familie vorrangig nicht deutsch

gesprochen wird an allen Kindern

dieser Altersgruppe in Kindertageseinrichtungen

• Anteil Kinder im Alter von 4 bis

5 Jahren in Kindertageseinrich tungen

bei denen Förderbedarf bezüglich

der deutschen Sprache festgestellt

wurde, differenziert nach Migrationshintergrund.

• Anteil der Personen vor Ort, die die

Sprachprüfung eines Integrationskurses

bestanden haben.

Schule und Ausbildung

• Anteil der Schülerinnen und Schüler

mit/ohne Migrationshintergrund

nach Schulformen.

• Anteil der Schulabgängerinnen und

Schulabgänger mit/ohne Migrationshintergrund

eines Jahrgangs an allgemein

bildenden Schulen nach Schulabschluss

(ohne Hauptschulabschluss,

mit Hauptschulabschluss,

mit Realschul- oder gleichwertigem

Abschluss, mit (Fach)-Hochschulreife)

an allen Schulabgängerinnen

und Schulabgängern mit/ohne

Migrationshintergrund

• Anteil höchster erreichter allgemeinbildender

Schulabschluss (ohne Abschluss,

mit Hauptschulabschluss,

mit Realschulabschluss oder gleichwertigem

Abschluss, mit (Fach)Hochschulreife)

von Personen mit/ohne

Migrationshintergrund an allen Personen

mit/ohne Migrationshintergrund

von 18 bis unter 25 Jahren und

18 bis unter 65 Jahren

• Ausbildungsbeteiligungsquote (Duales

System) von deutschen und ausländischen

Jugendlichen im Alter

von 18 bis unter 21 Jahren

• Anteil höchster erreichter beruflicher

Abschluss (ohne Abschluss,

mit abgeschlossener Berufsausbil-

28 Gemeindetag Baden-Württemberg


dung, mit tertiärem Ausbildungsabschluss

(entspricht Meister-/

Technikeraus bildung, Fachschul-

oder (Fach-)Hoch schulabschluss) )

von Personen mit/ohne Migrationshintergrund

an allen Personen mit/

ohne Migrationshintergrund von

25 bis unter 35 Jahren und von 25

bis unter 65 Jahren

Arbeit und Einkommen

• Erwerbstätigenquote von Personen

mit/ohne Migrationshintergrund im

Alter von 15 bis unter 65 Jahren

• Anteil Erwerbstätige mit/ohne Migrationshintergrund

im Alter von 15

bis unter 65 Jahren nach Stellung im

Beruf (Selbständige (ohne mithelfende

Familienangehörige), Angestellte,

Beamte, Arbeiter) an allen

Personen der jeweiligen Bevölkerungsgruppe

• Anteil abhängig Erwerbstätiger mit

geringfügiger Beschäftigung (als einziger

oder hauptsächlicher Tätigkeit)

von Personen mit/ohne Migrationshintergrund

an allen Personen der

jeweiligen Bevölkerungsgruppe

• Erwerbslosenquote von Personen

mit/ohne Migrationshintergrund im

Alter von 15 bis unter 65 Jahren,

15 bis unter 25 Jahren und 55 bis unter

65 Jahren

• Arbeitslosenquote von Deutschen

und Ausländerinnen und Ausländer

insgesamt, im SGB II und im SGB III

Gesundheit

• Durchimpfungsgrad der Kinder

gegen Mumps, Masern, Röteln (mindestens

2 Impfdosen) bezogen auf

die Kinder mit vorgelegter Impfdokumentation

zum Zeitpunkt der

Einschulungsuntersuchung differenziert

nach Migrationshintergrund

• Inanspruchnahme der Früherkennungsuntersuchung

U 8 bezogen auf

die Kinder mit vorgelegtem Vorsorgeheft

zum Zeitpunkt der Einschulungsuntersuchung

differenziert

nach Migrationshintergrund

Gemeindetag Baden-Württemberg

Wohnen


Eigentümerquote von Personen mit/

ohne Migrationshintergrund

• Wohnfläche in m2 je Familienmitglied

in Familien mit Kindern unter

18 Jahren differenziert nach Migrationshintergrund


Kriminalität,

nierung

Gewalt, Diskrimi-

• Anteil tatverdächtige Deutsche/

Nichtdeutsche (Wohnbevölkerung,

ohne ausländerspezifische Straftaten)

an allen Tatverdächtigen, insgesamt

und nach Altersgruppen (14 – unter

18 Jahre (Jugendliche) ,18 - unter

21 Jahre (Heranwachsende), 21 bis

unter 25 Jahre und über 25 Jahre)

• Anteil verurteilte Deutsche/Nichtdeutsche

an allen Verurteilten, insgesamt

und nach Altersgruppen (14 - unter 18

Jahre (Jugendliche), 18 - unter 21 Jahre

(Heranwachsende), 21 bis unter 25

Jahre und über 25 Jahre)

• Anzahl der registrierten rassistischen,

fremdenfeindlichen oder antisemitischen

Gewalttaten

• Aufklärungsquote bei registrierten

rassistischen, fremdenfeindlichen

oder antisemitischen Gewalttaten

Bestandsaufnahme der bisherigen

integrationspolitischen

Maßnahmen vor Ort

im Integrationsplan aufführen

• Gibt es z.B. einen Integrationsbeirat?

Wer ist in der Stadt- bzw. Gemeindeverwaltung

zuständig für Integrationsfragen?

• Welche weiteren Akteure haben

bisher Integrationsprojekte und

Maßnahmen durchgeführt und wie

erfolgreich waren sie?

Bereiche oder Handlungsfelder

benennen, in denen

Integrationsmaßnahmen vor Ort

notwendig sind sowie Ziele und

Maßnahmen erarbeiten


Sprachförderung an Kindergärten,

Schulen, im Erwachsenenbereich

Kommunaler Strategieplan Integration

• Über Sprachförderung hinausgehende

Integrationsmaßnahmen an Kindergärten

und Schulen (z.B. Informationen

für Eltern etc.)








Integrationsaktivitäten von Kulturvereinen

und Kulturinstitutionen

Beitrag der Kirchen und anderen religiösen

Gruppen zur Integration

Integration durch Vereinssport

Gesundheitsangebote

Angebote für Jugendliche

Angebote für Senioren mit Migrationshintergrund

Integrationsprojekte und bürgerschaftliches

Engagement

Praktische Überlegungen bei der

Erarbeitung des Integrationsplans


Erarbeitung der Vorschläge für Handlungsfelder

auf Gruppen verteilen

• Realistische Ziele formulieren und

Maßnahmen vorschlagen, die man

vor Ort auch durchführen kann. Ggf.

Unterteilung in kurzfristige und langfristige

Ziele und Maßnahmen

• Eine Person oder ein nicht zu großes

Gremium auswählen, das die Erstellung

des Integrationsplans koordiniert

• Dem Gemeinderat und ggf. auch den

Bürgern regelmäßig Stand der Entwicklung

des Integrationsplans präsentieren

• Regelmäßige Information für die

Presse über den Stand der Entwicklung

des Integrationsplans

• Überlegen, wie die Integrationsarbeit

nach Erstellung des Integrationsplans

weiter geführt wird: Bedarf

es eines Gremiums (Integrationsbeirat

oder –ausschuss), wann und wie

wird die Erreichung der Ziele überprüft,

wird der Integrationsplan fortgeschrieben

und in welchem zeitlichen

Abstand.

29


Kommunaler Strategieplan Integration

Quellenverzeichnis

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im Regierungsbezirk Tübingen: Identität

und Migration im ländlichen Raum.

Bericht über die Arbeitstagung vom

7. bis 8. November 2008 im Bildungshaus

des Klosters Untermarchtal,

Alb-Donau-Kreis. Heft 34. Beiträge zu

den Problemen des ländlichen Raums.

Berlin-Institut für Bevölkerung und

Entwicklung (Hrsg.): Ungenutzte Potenziale.

Zur Lage der Integration in

Deutschland. 2009.

Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Demografie

konkret – Soziale Segregation in

deutschen Großstädten. Daten und

Handlungskonzepte für eine integrative

Stadtpolitik. 2008.

Bertelsmann Stiftung, Wegweiser

Kommune: Zehn Handlungsempfehlungen

– Erfolgsfaktoren für kommunale

Integrationspolitik. http://www.wegweiser-kommune.de/themenkonzepte/

integration/download/pdf/Zehn_

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pdf

Berwing, Heide / Gellert, Detlev: Fördergruppen

in den kommunalen Kindertagesstätten

der Gemeinde Stuhr. Ein

erfolgreiches Konzept zur Integration

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Niedersächsischer Städtetag-

Nachrichten 10/2009.

Goll, Ulrich, Prof. Dr. MdL, Justizminister

und Integrationsbeauftragter der

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(Hrsg.): Integrationsplan Baden-Württemberg:

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Stuttgart, September 2008.

Herwig, Jens: In der Fremde Wurzeln

schlagen. Interkultureller Garten in

Fürth eröffnet. Blickpunkt Integration

3/2007.

Hin, Monika: Lebenssituation von Migranten

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Monatsheft des Statistischen Landesamtes

Baden-Württemberg 3/2009.

Robert Bosch Stiftung / Integrationsbeauftragter

der Landesregierung Baden-

Württemberg / Breuninger Stiftung:

Konzeption des Projekts „Integration gemeinsam

schaffen. Für eine erfolgreiche

Bildungspartnerschaft mit Eltern mit Migrationshintergrund.“

November 2009.

Schader Stiftung: Ausschreibung zur

Forschungsbegleitung zu dem Projekt

Integrationspotenziale in peripheren

Klein- und Mittelstädten“. Januar

2009.

Staatsministerium Baden-Württemberg:

Staatsrätin für Demographischen Wandel

lobt Bemühungen zum Thema Integration

in der Region Heilbronn-Franken.

Claudia Hübner: Demographischer

Wandel verlangt in gleichem Maße die

Integration von Migranten wie die Integration

älterer Arbeitnehmer oder die

Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Pressemitteilung 214/2009.

Statistisches Landesamt Baden-Württemberg:

Lebenssituation von Menschen

mit Migrationshintergrund. Presseheft.

Dezember 2008.

Statistisches Landesamt Baden-Württemberg:

Der demografische Wandel in

Baden-Württemberg. Herausforderungen

und Chancen. Reihe Statistische

Analysen, 1/2009.

Statistisches Landesamt Baden-Württemberg:

Einbürgerungen – aktuelle

Trends in Baden-Württemberg. Statistisches

Monatsheft. Juli 2009.

Walter, Ingrid: Baden-Württemberg –

Anziehungspunkt für Menschen aus aller

Welt. Statistisches Monatsheft des

Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg

12/2007.

Walther, Claudia / Thamm, Alexander:

Strategien lokaler Integrationspolitik.

Bertelsmann Stiftung, Wegweiser Kommune.http://www.wegweiser-kommune.de/themenkonzepte/integration/Integration.action?renderStudien&

Zweiter Bericht der länderoffenen Arbeitsgruppe

„Indikatorenentwicklung

und Monitoring“ vorgelegt aus Anlass

des Treffens der für Integration zuständigen

Ministerinnen und Minister / Senatorinnen

und Senatoren der Länder

am 26. Juni 2009 in Hannover.

Den Migranten verdanken wir große

Bereicherungen für unsere Küche.

30 Gemeindetag Baden-Württemberg

Foto: irisblende.de

© Rainer Giel / PIXELIO

Foto: irisblende.de


BWGZ 1 | 2010

Dank

Hinweis

Hrsg.: Gemeindetag Baden-Württemberg

Inhalt: Kristina Fabijancic-Müller und

Johannes Stingl

Redaktion und Gestaltung:

Silke Gerboth-Sahm

Druck: Gaiser Print Media GmbH

Gemeindetag Baden-Württemberg

Kommunaler Strategieplan Allgemeiner Integration

Teil

Wir möchten an dieser Stelle allen danken, die uns bei der Erarbeitung

unseres kommunalen Strategieplans Integration unterstützt haben.

Hervorzuheben sind vor allem die Mitglieder des Sozial- und Gesundheits-

sowie des Kultur-, Jugend- und Sportausschusses des Gemeindetags

Baden-Württemberg, die uns wichtige Hinweise aus der kommunalen Praxis

gegeben haben.

Besonderen Dank möchten wir den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

des Statistischen Landesamtes aussprechen, die uns die vielen Grafiken

und Statis tiken zur Verfügung gestellt haben.

Vielen Dank auch den Städten und Gemeinden, die uns über ihre Integra tionsprojekte

berichtet und freundlicherweise Fotos zur Verfügung gestellt haben,

die im Rahmen ihrer Projekte und Aktivitäten entstanden sind.

Nicht zuletzt danken wir ganz herzlich der LBBW Immobilien Kommunalentwicklung

GmbH, namentlich Frau Geschäftsführerin Petra Menzel,

für die finanzielle Unterstützung zum Druck dieser Broschüre.

Kristina Fabijancic-Müller

Johannes Stingl

Januar 2010

Nachdruck nicht gestattet.

Der Kommunale Strategieplan Integration des Gemeindetags Baden-Württemberg steht

für die Mitgliedsstädte und -gemeinden kostenlos im Extranet zum Download zur Verfügung.

Nichtmitglieder können die Broschüre für 5 Euro pro Exemplar gegen Rechnung beim

Gemeindetag Baden-Württemberg bestellen (margot.tschentscher@gemeindetag-bw.de).

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