Arbeit - Untergang oder Aufstieg - Neue Arbeit - Neue Kultur

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Arbeit - Untergang oder Aufstieg - Neue Arbeit - Neue Kultur

Frithjof Bergmanngrauenvoll macht, ist dass diese Vielheit vonVersuchen, Milderungen zu schaffen, nutzlosist. Der Riesendruck, Arbeitsplätze zuschaffen, ist so übermächtig, dass er die vorhandenenAnsätze, nachhaltiger zu wirtschaftenoder die Spaltung der Menschheit zuschließen, weg wäscht wie ein TsunamiKindersandburgen am Strand.Dieses ganze Brutnest vonVerheerungen haterstaunlicherweise die allengemeinsame Ursache in demmassenhaften Wegschmelzenvon Arbeitsplätzen.3


ArbeitUntergang oder AufstiegDie Bandbreite der Beispiele reicht von ganzerdverbundenen Innovationen, wie den „Food-Häusern”, in denen große Teile von dem, wasman zur Ernährung braucht, nicht nur Gemüsesondern auch Fische und Pilze, und trotz derkalten Winter auch Bananen, Papayas,Orangen und Feigen, die mit “GeothermalenHeizungs- und Kühlungsanlagen” zum Reifengebracht werden, bis hin zum anderen Endedieser Polarität, die repräsentiert wird von derjetzt schnell wachsenden Familie der Fabrikatoren.Zu den weiteren auch in der Ausstellunggezeigten Technik-Neuheiten gehören u.a.auch ein “Super-Zement”, der zu 97% ausErde und nur zu 3% aus einem Klebstoffbesteht. Darüber hinaus findet sich noch eineweitere Buntheit von Produkten – Treibstoff,Textilen und Nahrung – die alle auf derBiomasse von Algen basieren.Im Internet ist eine farbige Fülle vonAnweisungen, Handbüchern, Erklärungen undRezepten über wie und was man alles am Ort„selber machen” kann. Auch diesesUniversum von Informationen gehört dazu.Damit sind wir aber noch weit entfernt voneiner Antwort auf das stachlige “Wie?” Wiekönnte sich eine andere Ökonomie nicht nur inTräumen – und eben nicht nur in inselhaftenBeispielen – großflächig entwickeln? Undebenso hartnäckig: Wie würde eine grundlegendandere Wirtschaft nicht nur invereinzelten Technologien, sondern imGanzen, als System, funktionieren? Was unsabsolut fehlt ist eine überzeugende, uns6 newculture


Frithjof BergmannRichtung und Orientierung und Kraft gebendeVorstellung vom Ziel, von einer ArtÖkonomie die machbar und erreichbar wäre inder großen globalisierten Welt, und die unsnicht hineintreiben wird in die uns nur allzubekannten Übel.7


ArbeitUntergang oder AufstiegWaren Sie einmal in einer unserer kolossalen Fabriken? Nur vomHinschauen, vom am Fließband entlang gehen wird oft klar, dass diesemonströsen, im Gänsemarsch aneinander gereihten Maschinen etwasunerhört Unintelligentes, Ineffizientes, Veraltetes an sich haben.Warum ein gigantisches Roboter-Ding, das nur ein fuzeliges Rädchendreht und direkt daneben noch ein ebenso großes Geschmeiß, das auchwieder nur ein einziges Puppen-Schräubchen schraubt? Schon Kinderwissen, wie unerhört viele Funktionen in einem Handy zusammenuntergebracht sind. Warum diese Fließband betreuenden Maschinennicht ineinander schachteln, und statt der kilometerlangen Schlangeeinen einzigen Roboter hinstellen, der im Nu 500 Handgriffehintereinander macht? Die normale Fabrik könnte ein Hundertstel sogroß sein wie sie jetzt ist, sie würde in ein Schlafzimmer hineinpassen,wenn wir uns nur dazu entschließen würden.Das großartige an dieser Phantasie ist, dass sie genügt, uns den erstenHauch einer Idee zu geben: Alles muss nicht unbedingt andauernd nochgrößer werden. Die entgegengesetzte Richtung, in der wir uns teilweisesowieso schon bewegen, also eine verbreiterte Anwendung unsererfabelhaften Kapazität für Miniaturisierung öffnet einen Türspalt zueiner radikal anderen Wirtschaft: Lassen Sie in Ihrer Phantasie das Bildvon einer Stadt aufblitzen, in dem die Musiksäle, die Bibliotheken, dieTanzhallen, die Museen und auch alles was der Entwicklung desKörpers dient, von Spielplätzen zu Stadions, den Gesamteindruckbeherrschen – und in der, im Gegensatz zu dem jetzt Normalen, dieFabriken und die Banken und auch die Büros wunderbar verkleinert,putzig und verschämt in übergebliebenen Ecken stehen.8 newculture


Frithjof BergmannDie normale Fabrik könnteein Hundertstel so groß seinwie sie jetzt ist, sie würde inein Schlafzimmerhineinpassen, wenn wir unsnur dazu entschließenwürden.9


ArbeitUntergang oder AufstiegWir können jetzt den nächsten Schritt von diesem Bilderbuch-Denkenzu einem härteren und kantigeren Denken hin tun: Unsere tiefsitzendeÜberzeugung, dass die groß angelegte, zentralistische Massenherstellungeine alles vor sich hertreibende Macht besitzt ist völligfalsch. Die dezentrale Herstellung, lokal, am Ort, nicht in gigantischenFabriken sondern in kleinen Räumen ist nicht nur idyllischer undgrüner, sondern auch unvergleichlich effizienter, und deshalb wettbewerbstüchtiger.Ganz gleich, ob man von Lippenstiften, Teekannen oder Automobilenspricht, immer und überall sind die eigentlichen Herstellungskosten nur20% von den Kosten, die Sie im Laden zahlen. Zu denHerstellungskosten, die bei einem Lippenstift nur Cents betragen,kommt bei der Massenherstellung die Reklame, der Transport, dieLagerung und Aufbewahrung, die Bezahlung für den Laden mit allemDrum und Dran, also auch die Verkäuferinnen und so fort. Diese 4/5würden bei einer verkleinerten, dezentralen, am Ort stattfindenden„Community Produktion” wegfallen. Wenn wir eine auf dieser Art derHerstellung sich ergebende Ökonomie mit Klugheit und Geduldgeschickt entwickeln würden, dann werden die vielen Kleinen nichtübermorgen, aber doch in einer von uns noch erlebbaren Zukunft, dieGroßen wirtschaftlich verprügeln.Vergegenwärtigen wir uns, welche Geld-Kosten im Groben mit unserenstümperhaften Versuchen, den Arbeitsplatzmangel durch Wirtschaftswachstumzu verringern, verbunden sind, nicht nur weltweit, sondernauch in Österreich oder Deutschland. Wenn man den Versuch macht,die zu summieren, wird einem Schwarz vor den Augen: Die Unterstützungs-und Verwaltungskosten, nebst den Kosten für die“Maßnahmen”, die immer seltener zu Jobs führen, sind dabei nur die10 newculture


Frithjof Bergmannaller ersten Tropfen auf einen heißen Stein. Wenn man einigermaßenzählen will, dann gehört dazu auch alles was getan wird, um das siecheJob-System auf seinem Krankenbett weiter zu bepeppeln. Dazugehören also auch die “Konjunktur Pakete", die Steuersenkungen fürdie Konzerne, die fabelhaften Subventionen für dieselben Konzerne,dass ganze Paket von Gesetzgebungen und Regelungen mit denen manden Standort erotisch anziehend für Unternehmen zu machen versucht.Konzentrische Grund-ÖkonomieDie entscheidende Weichenstellung hin zu einerNeuen Wirtschaft wäre im Vergleich zu dieserangedeuteten Unsumme spottbillig: Man müsstenur in vielen Dörfern, Märkten und Stadtteilen„Community Produktionsräume“ einrichten, dieden am Ort ansässigen gekäfigten MenschenZugang zu den “befreienden Technologien”möglich machen.Die Gelder, die für die Einrichtung von solchen„Grundökonomie Produktionsräumen” nötigwären, sind im Vergleich zu den zig Billiarden,die für “Job-Schaffung” in die Gosse geschüttetwerden, eine lächerliche Kleinigkeit. Von vieltiefer gehender Bedeutung wäre, dass dieseRichtungsänderung uns von dem W.W.W. – d.h.von dem Wirtschafts-Wachstums-Wahnsinn –befreien würde. Wieso? Weil der Druck der vomMangel an Arbeitsplätzen ausgeübt wird derKardinal- und Haupt-Antrieb ist, der uns zuimmer verrückteren Wirtschafts-WachstumsAnstrengungen zwingt.11


ArbeitUntergang oder AufstiegEs ist eine Illusion, dieglaubt, die weltweiteArmut durch die Gründungvon mehr Unternehmenund durch die dadurchentstehendenArbeitsplätze abschaffenzu können.12 newculture


Frithjof BergmannDas Vermehren der “Grundökonomie” ähnelt in deutlicher Weise ganzdem Jahrtausende alten Urprinzips des Bauerntum: “Nur das zu kaufenwas man nicht selber erzeugen kann” – der Unterschied resultiert vonder Riesen-Differenz im Niveau der zur Verfügung stehendenTechnologie: Statt Butter und Käse kann man jetzt Elektrizität,Kühlschränke und Ersatzteile für Autos selber machen.Es ist eine Illusion, die glaubt, die weltweite Armut durch dieGründung von mehr Unternehmen und durch die dadurch entstehendenArbeitsplätze abschaffen zu können. Das stimmt auch für das allerGrundlegendste, nämlich für die Nahrung. Die Verwandlung derLandwirtschaft in die Agrarindustrie hat die Völkerwanderung vomLand in die Slums verursacht. Man kann sich von einem kleinen Hofnicht mehr ernähren. Was man jetzt aber stattdessen kann, ist die sog.„Vertikale Agrikultur” weiter zu kräftigen. Diese “Agrikultur” kommtbeinahe ohne Grund und Boden aus weil das Gemüse in aufeinandergestapelten Behältern die man mit selbst erzeugtem Kompost füllt,wächst. Die selbe frappierende Sparsamkeit begleitet flächendeckendso gut wie alle Teile der konzentrischen Grund -Ökonomie, bis hin zuder jetzt legendär gewordenen Familie der “Fabrikatoren”, die kaumein Körnchen Abfall haben, im krassesten Unterschied zu der mitRohstoffen um sich schmeißenden Massenherstellung. Wenn mandiesen Gedanken gradlinig weiter denkt, kommt man an die Grenze desTraums von der Abschaffung der Armut.13


LeuchttürmeArbeitUntergang oder AufstiegDieser Wechsel, vom weiter Warten zumselber Tun, hilft nicht nur in den ärgstenSlums von Afrika, Indien, oder Süd Amerika,sondern auch in den industrialisiertenLändern. In den wenigen übrig gebliebenen,noch tief im hypnosen Schlaf ihrer Medienträumenden Reichtumsinseln ist man natürlichnoch ein gutes Stück entfernt von dieserscharfen Denk-Drehung. Aber weil man dieserWende unter einer dünnen Decke doch schonso nahe ist, würden einige wenige wirklichbrillant durchgeführte “Demonstrations- Projekte”in Österreich oder Deutschlandgenügen, um einen rapid sich bewegendenProzess auszulösen. Solche “Leuchttürme”würden diese Alternative anschaulich machen.Sie wären Beispiele für unsere Länder, aberauch für Entwicklungs- Projekte und fürOrientierung suchende NGO’s und natürlichauch einfach von Nachbar zu Nachbar. Lautvom Dach gerufen: Deshalb die Ausstellung inLinz!Diese Entwicklung wird ein schrittweiserProzess sein, aber einer mit interessantenEtappen. In einem frühen Stadium könnte z.B.eine städtische Nachbarschaft es zur Eigenproduktionder Nahrung (Food Security) undder Elektrizität gebracht haben. Schon dieserAnfang könnte Änderungen in der Mentalität,in der politischen Weltanschauung zur Folgehaben: Die Abhängigkeit von Jobs würdenicht mehr mit derselben tyrannischen Absolutheiterlebt, das Bankrottgehen der Monster-14 newculture


Frithjof BergmannBanken würde nicht mehr mit apokalyptischenPhantasien ausgemalt werden; vielleichtwürde man sich sogar gegen die mit Erpressungverbundenen sog. Konjunkturpaketemehr wehren: Jobs würden etwas von ihrertotalitären Allmacht einbüßen: weil eineAlternative zu Jobs sichtbar geworden ist.15


ArbeitUntergang oder AufstiegEs ist nicht so arg schwer sichdie Landschaft vorzustellen, diesich auf der Basis dieserWirtschaft formen würde.Jedenfalls viel Bäume, vielGrünes, Vieles das wieder Naturgeworden ist. Aberselbstverständlich trotzdemStädte, nur sehr anders als dieheutigen.16 newculture


Frithjof BergmannMit wenig Phantasie kann man sich die Größenordnung und die Gewaltvergegenwärtigen, die solche und ähnliche Verschiebungen mit sichbringen können, wenn zunehmend beträchtlichere Teile der Wüstenmenschendie Community Produktion und den sie ermöglichendenLebensstil aufgreifen würden.Es ist nicht so arg schwer sich die Landschaft vorzustellen, die sich aufder Basis dieser Wirtschaft formen würde. Jedenfalls viel Bäume, vielGrünes, Vieles das wieder Natur geworden ist. Aber selbstverständlichtrotzdem Städte, nur sehr anders als die heutigen.Wenn durch die Grund-Ökonomie sehr vielandere, Neue Arbeit, entsteht – die des in derCommunity Herstellens – dann wird dieJobmonomanie sich lindern, und das Kaufenund Verkaufen wird wieder einenerträglichen Raum einnehmen. Die Produkteder Massenproduktion strampeln mit allenGliedern, weil sie zwangsweise Aufmerksamkeitauf sich ziehen müssen, um zumVerkauf und damit zu Jobs zu führen. WennArbeit auf andere Art getan wird, dannkönnen die Produkte wieder elegant, einfachund nützlich werden, und das wird dasStadtbild sehr verändern. Auf den Plätzenwird es statt der Läden eine kunterbunteVielfalt von geräumigen Community Hallengeben, die fürs Herstellen, aber auch fürsDiskutieren und Entschlüsse fassen, und fürsgemeinsam Tanzen und Spielen und natürlichMusizieren benützt werden.Damit kann der Kreis sich vorläufigschließen. Wir haben jetzt ein Bild von einervöllig anderen Wirtschaft und wissen auch,17


ArbeitUntergang oder Aufstiegmit welchen Schritten man sie erreichenkönnte: Selbständigkeit durch CommunityProduktion. Bei der nächsten großen Finanzkrisekönnen wir mit Gelassenheit die kriminellstender Banken bankrott gehen lassen.Wenn das Jobs kostet, dann vermehren wirdie Community Produktion, und das würdeeinen Fortschritt und nicht einen Abstiegbringen. Ebenso mit der kommendenWirtschaftskrise – die Antwort ist dieselbe:Wenn die Konjunktur schrumpft erweiternwir die Community Produktion und begrüßendiesen weiteren Fortschritt mit Fröhlichkeitund Festen.Dem Problem des Klimas, der Ressourcenund der Natur werden wir nur Herr, wenn wireine grundlegend andere Ökonomie aufbauen.Weniger ist nicht genug. Aber das istdas Großartige an unsrer Zeit, das ist, waswir an den aller modernsten Technologienfeiern sollten: die Möglichkeit einer völliganderen Ökonomie. Es ist beinahe kinderleichtgeworden. Wir müssen nur die schonmächtige Tendenz zur Miniaturisierung mitTanz und offenen Armen füttern undverbreiten, dann wird eine zweite, ergänzende,in kleinen Räumen herstellende,bottom-up Ökonomie wie von selbstentstehen.Arbeit, so wie sie jetzt ist, ist nicht nur dieUrsache der großen kosmischen Schrecken.Für eine Großzahl von Menschen ist auch dasalltägliche Erlebnis von ihr scheußlichgeworden; und zwar durch die Beschleu-18 newculture


Frithjof Bergmannnigung, durch den Druck, durch dieandauernde Überwachung, den Zwang, dasalltäglich dem Burn-out noch ein Stück nähergerückt werden. Weil die Arbeit so ist, wirddas Verlangen einfach nach Pause, nachRasten, letztendlich nach Aufhören immerbrennender in unseren Köpfen.Die Qualität der Arbeit in der Grund-Ökonomie würde das leuchtende Gegenteildieser Quälerei werden. Einmal schon weilsie so kurz sein wird! Und das wegen derunvergleichlich klügeren Effizienz und demWegfallen von ganzen Gebirgen derVerschwendung (z.B. im Transport, oder inder lächerlichen Modenschau der Autos).Sechs Stunden pro Woche würden genügenum alles was man für ein modernes,erfüllendes Leben braucht mit Leichtigkeitherzustellen.19


ArbeitUntergang oder AufstiegMan könnte auch sagen,dass die zum Leben nötigeArbeit zum Kinderspielwerden wird, zum nichtmehr als dreimal am Tagedie Daumen drehen.20 newculture


Frithjof BergmannVon großer Bedeutung ist außerdem die Tatsache, dass man durchdiese Tätigkeit nicht zum Ruin sondern zur Befreiung der Menschen (ineinem handfesten Sinn dieses Wortes) einen Beitrag leistet. Das würdedas sich Anfühlen der Arbeit zur Umkehrung des heutigen machen,denn Arbeit in dieser Ökonomie würde das Reich der „Notwendigkeit“über das sich schon die Griechen beklagten, systematisch verkleinern.Auch deshalb würde sie nicht mehr die „Milde Krankheit“ sein die manerleidet, sondern eine Vorbereitung, ein sich Üben, ein Trainieren wiebei der Musik oder beim Lernen oder beim Sport. Man könnte auchsagen, dass die zum Leben nötige Arbeit zum Kinderspiel werden wird,zum nicht mehr als dreimal am Tage die Daumen drehen.Weil die Grundökonomie die Muss-Arbeit so radikal reduziert, entstehtein enorm großer leerer Raum. Bildhaft könnte man sich eine Hallevorstellen deren Decke aus aneinander gereihten Regenbögen besteht.Die Absicht dahinter war schon ganz von unserem Ursprung an in Flint(1983) dass durch dieses Zusammenschrumpfen der nötigen Arbeit vielPlatz, nicht nur am Rand, sondern breit und ausladend für die „NeueArbeit“ entstehen würde, d.h. für Arbeit die man wirklich und im Ernstmit aller Kraft tun will.Eine der gröbsten Dummheiten unserer Zeit ist die Illusion das dieErstellung so eines Raums schon genügt, das die Menschen aus sichheraus, wie Automaten, wie im Schlafwandel, kreative und wertvolleund sie hebende Anstrengungen unternehmen werden – sobald es auchnur einen Platz für sie gibt, oder schlimmer ausgedrückt, sobald derStaat ihnen eine Geldsumme in regelmäßigen Abständen auf ihr Konto21


ArbeitUntergang oder Aufstiegüberweist. Nichts könnte die Blauäugigkeit dieser Fantasie übertreffen.Im klaffenden Gegensatz dazu haben wir jetzt eine erste vageVorstellung von der Fülle von Bedingungen, die erfüllt werden müssen,um derartiges Schaffen zu erreichen. Workshops und Seminare undbeichtväterliches gutes Beraten werden auf jeden Fall viel zu schwachsein. Auf den Punkt gebracht: Eine neue Grund-Ökonomie und dieKultur, die diese Ökonomie ermöglicht, – also die Ökonomie und dieKultur die wir schon skizziert haben – sind die Voraussetzungen dafür.Ausnahmen hat es natürlich schon immer gegeben, aber der Mehrheitder Menschen dazu zu verhelfen, dass sie Arbeit, die sie wirklichwollen, auch tun, dazu brauchen wir eine Grundökonomie und eineKultur in der die Stärkung der Menschen die Hauptaufgabe ist, oder inder „Alles Alle stärkt“ – vom Kindergarten hin bis zum begleitetenSterben.Die große SehnsuchtUm uns herum gibt es eine Menge 55-jährige,bauchige, mittlere Manager, die sich Affärenmit 25-jährigen Flugbegleiterinnen antun, weilsie noch wirklich leben wollen bevor es zuspät ist. Müde werden ist das Resultat. Wieviele versuchen Ähnliches mit anderenAbenteuern, die mit Berggipfeln oder Safarisoder schnellen Autos zu tun haben? Oft tun siedas aus demselben Durst – um endlich überdie Brücke vom Zuschauen ins wirklicheLeben zu kommen, und oft mit demselbenResultat: ein Schub von Adrenalin, der schnellwieder verpufft. Vor allem Anderen kommtselbstverständlich das Kaufen: Wenn man erstdieses Auto oder jenen Anzug oder dieseWohnung hat, dann wird sich alles verändern,dann wird die Sonne aufgehen und daswirkliche Leben mit Glockenleuten bei uns22 newculture


Frithjof BergmannEine Kultur, in der„Alles Alle stärkt“ –vom Kindergarten hinbis zum begleitetenSterben.23


ArbeitUntergang oder Aufstiegeinziehen. Wenn man die Menschen um uns herum etwas genauerbeobachtet, dann wird die weite Verbreitung dieses Verlangens immerdeutlicher. Viele von den Kuriositäten in unserer Kultur, von derEsoterik und Mystik bis hin zu der unglaublich vielfältigenSeminarkultur, wird von der Sehnsucht nach dem wirklich Lebenangetrieben und verführt. Viele Menschen haspeln sich durch einelange Serie von solchen Ansätzen bis sie am Ende zu dem Schlusskommen, der für unsere Kultur ein Wegweiser ist: Wenn man inunserer leer gebeuteten Kultur nicht nur den Tod aufschieben, sondernwirklich leben will, dann gibt es für uns nur noch eine Stiege auf derwir dort hinauf steigen können. Das ist die Stiege hinauf zu einer Arbeitdie wir wirklich und im Ernst tun wollen. Diese „Neue Arbeit“ ist dasGegenteil von der „Alten“ weil sie uns nicht erschöpft sondern unsKraft gibt, und zwar wort-wörtlich. Von dieser Arbeit wünscht mansich keinen Urlaub – Urlaub bedeutet eine irritierende Unterbrechung.Sie ist das Gegenteil von der „Alten Arbeit“ weil sie uns nichtabstumpft sondern uns Sinn schenkt. Sie ist, zum Dritten, dasGegenteil, weil sie uns nicht zum „auf das Leben warten“ zwingt,sondern uns auf das hohe Seil des wirklich Lebens hinauf schwingt.NewCulture.sArbeit - Untergang oder Aufstieg von Frithjof Bergmann |NWNC steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine Bearbeitung 3.0 .Impressum: NewWork NewCulture. Networks | Neue Arbeit Neue Kultur //Bilder: staX (Thomas Staehelin)http://newworknewculture.com/ | http://neuearbeit-neuekultur.de/24 newculture


Frithjof BergmannArbeit ist Dreh- und Angel-Punkt.Wir leben in der Spannung zwischen einemEntweder und einem Oder. Das dem Absturzentgegen schleudern ist nur ein möglichesBild. Tatsache ist, dass ein polhaftgegensätzliches Bild in einer Ecke unseresHirns für Momente aufleuchtet: dietraumhafte Vorstellung von einer menschlicheren,intelligenteren und sogar fröhlicherenZukunft. Es mag himmelschreiendunglaubwürdig klingen, ist aber trotzdem derFall. Die Arbeit ist BEIDES: möglicherUntergang aber auch möglicher Aufstieg. DieArbeit, so wie sie jetzt ist, die „Alte Arbeit“,wird uns in den Untergang hinein saugenwenn wir sie nicht umkrempeln können,während auch wieder die Arbeit, aber die„Neue Arbeit“ die grundanders erlebt werdenwird, und in der völlig Anderes getan werdenwird, uns wie eine Planeten-bewegende Kraftin Spiralen hinauf heben wird.Der drei-viertel-Takt könnte also so getanztwerden: der erste Schritt ist hin zu einer„Konzentrischen Grund-Ökonomie“, derzweite Schritt entwickelt auf dieser Basiseine „Neue Kultur“, der dritte hilft uns hinaufin das „Neue Arbeiten.“ Die „Neue Arbeit“gibt uns Kraft und Sinn, aber vor allem einvon uns wirklich, wirklich gelebtes Leben.Frithjof BergmannMärz 201125

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