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Liebe ist nicht Instinktsache

von Prof. Dr. Gerti Senger, Sexualtherapeutin


Kein Instinkt garantiert uns Lust. Nur Übung macht den Meister ...

An ihrem dritten Hochzeitstag zog Therese Bilanz: Hatten sich alle ihre

Erwartungen erfüllt, die sie von der Ehe gehabt hatte? In ihrer schwungvollen

Schrift vertraute Therese ihrem Tagebuch an: »Zufrieden bin ich. Aber

befriedigt bin ich nicht. Würde mich Heinz lieben, müsste er doch fühlen,

was beim Sex gut ist für mich!« Warum muss Heinz das? Wurde er von der

Natur mit einem Instinkt für weibliche sexuelle Bedürfnisse ausgestattet?

Sicher nicht. Wir alle haben keinen angeborenen Instinkt, der uns sagen

würde, was wir selbst brauchen oder der geliebte Partner ersehnt, um

Sex befriedigend erleben zu können. Vielleicht wenden Sie ein: »Unsinn!

Schließlich pflanzen sich die Menschen doch seit Millionen Jahren fort.«

Das ist schon richtig. Aber das heißt noch lange nicht, dass Fortpflanzung

und Lust identisch wären. Zum Beispiel ist weder der Orgasmus der Frau

noch ihr Begehren zur Fortpflanzung notwendig. Wenn wir überhaupt von

einem sexuellen Instinkt des Menschen sprechen dürfen, dann äußert er

sich nur in unserer Fähigkeit, uns zu verlieben. Was uns zutiefst aufwühlt,

ist nichts anderes als ein Trick der Natur, um die Arterhaltung zu sichern.

Verliebte wollen Sex, und Sex sorgt für Nachkommenschaft.

»Sich zu verlieben ist ein Trick der Natur«

Aber lustvoller Sex ist kein Naturvorgang, sondern ein Sozialprodukt.

Ein Prozess, der vom sozialen Umfeld gesteuert und geformt, bei vielen

Frauen sogar deformiert wird. Denken Sie doch an Ihre eigene Kindheit

zurück: Sie spielten neugierig mit Ihrem Geschlecht und bekamen zu

hören: »Das darf man nicht!« Schuld entstand. Sie hüpften in unbefangener

Nacktheit vor anderen herum und hörten: »Das gehört sich nicht!«

Was glückliche Paare richtig machen

Die wichtigsten Rezepte für eine erfüllte Partnerschaft

Dass Beziehungen harte Arbeit sind, ist eine weit

verbreitete Meinung. Der erfolgreiche Single- und

Partnerschaftsberater Christian Thiel sieht das anders:

Die Freude am Zusammensein ist wichtiger als das

Wälzen von Problemen. Er richtet den Blick auf Paare,

die schon viele Jahre glücklich zusammenleben, und

zeigt, was diese Partnerschaften ausmacht.

Die Liebe, Sehnsucht unserer Herzen. Sie macht uns mutiger, lässt

uns unsere Kräfte spüren. Wir wachen auf mit dem Gedanken

an sie, an ihn. Wir spüren, wie das Blut durch unsere Adern strömt.

Freuen uns an dem warmen Gefühl im Bauch. Schweifen bei der Arbeit

immer wieder ab. Spüren Sehnsucht, Vorfreude auf ein Wiedersehen.

Das Leben ist schön!

Nichts im menschlichen Leben ist so bedeutend wie die Liebe. Kein

noch so schöner Single-Urlaub in der Karibik. Kein Millionengewinn

im Lotto. Keine Beförderung im Beruf. Liebe ist mehr als all das. Mehr

als der Lottogewinn. Mehr als die Karriere. Mehr als der Traumurlaub.

Nichts hebt unser Lebensgefühl so sehr. Nichts lässt uns so kraftvoll

werden. Nichts stimmt uns so froh wie die Liebe.

Doch dann, eines Tages, tauchen Wolken auf am strahlend blauen

Himmel. Er hat sie nicht angerufen, obwohl sie es sich doch gerade

heute so sehnlich gewünscht hat. Sie hat mit seinem besten Freund

geredet, und er ist sich sicher: Sie hat ihm schöne Augen gemacht!

Quellennachweis: „Alles Liebe“

erschienen im Deuticke Verlag

MIT LUST UND LIEBE

Scham entstand. Sie wurden beim Doktorspiel ertappt und ermahnt:

»Mach’ das nicht noch einmal!« Schlechtes Gewissen entstand. Wer kann

da noch allen Ernstes behaupten, dass wir Instinktwesen seien? Nur Tiere

werden mit einem Instinkt geboren, der sie dazu anhält, auf ein

biologisches Verlangen mit einem richtigen und auch vorgesehenen

Verhalten zu reagieren. Bei uns Menschen ist eher das Gegenteil der Fall.

Wir müssen befriedigenden Sex lernen. Das sexuelle Lernen besteht in

einem Verlernen anerzogener Hemmungen. Kein sexueller Instinkt bewahrt

uns nämlich davor, uns hemmende Verhaltensweisen anzueignen.

Die Männer sind ein bisschen besser dran: Sie haben zwar auch keinen

sexuellen Instinkt, der ihnen selbst und den Frauen Lust beschert. Ihr

Instinkt besteht höchstens darin, dass sie - von der Natur auf Fortpflanzung

programmiert - instinktiv auf jene sexuellen Reize anspringen,

welche die Erektion ermöglichen, die zur Fortpflanzung notwendig ist.

Die Störungsanfälligkeit des Mannes liegt daher nicht im Orgasmuserleben,

sondern in der Erektionsfähigkeit. Das ist übrigens auch der Grund,

warum Männer auf Frauen fliegen, die großzügig mit sexuell aktivierenden

Geschlechtsmerkmalen ausgestattet sind.

Um noch einmal auf Therese und Heinz zu kommen: Wenn sich die beiden

auf einen sexuellen Instinkt als Schlüssel zu einem beglückenden

sexuellen Erleben verlassen, sind sie genauso verlassen, wie wenn sie

sexuelle Befriedigung als Geschenk der »Liebe« erwarten. Bewusstes

Lernen, Wahrnehmen und Hören auf Sinne und Körper sind sicherere

Wege zur Lust ...

Ihr ist der Kuchen missraten und ausgerechnet an diesem Tag kam er

gestresst von der Arbeit nachhause und fand kein tröstendes Wort.

Es folgt der erste Streit, die Versöhnung. Es bleibt nicht bei einem.

Und eines Tages denken beide: Hört das denn gar nicht mehr auf?

Soll das denn immer so weitergehen? Schwere Gewitterwolken

verdunkeln den Himmel des Paares bis hin zum Horizont. Wie konnte

es nur dazu kommen? Wo sie doch alles richtig gemacht haben. Sie

haben sich zahlreiche Beziehungsratgeber gekauft und sie gewissenhaft

durchgearbeitet. Spaß hat das nicht gemacht. Nächtelang haben

sie diskutiert über ihre Probleme miteinander und haben dafür die

früher selbstverständlichen, zärtlichen Liebesspiele geopfert. Aber

was tut man nicht alles für die Liebe!

Schließlich wurde auch ein Paartherapeut zurate

gezogen. Er riet den beiden, ganz offen

zueinander zu sein. Das waren sie dann auch. Er

hat ihr all seinen Frust über die Beziehung an

den Kopf geworfen, sie hat geweint. Dann hat

sie zurückgeschossen. Danach hatten beide

keine Lust mehr, zusammen zu sein. Wer kann

es ihnen verdenken?

BUCHTIPP:

BUCHTIPP:

Christian Thiel: „Was glückliche Paare richtig

machen“ - CAMPUS Verlag, 206 Seiten,

EAN9783593381633, Euro 17,90

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