Biologische Vielfalt - Die Grundlage unseres Lebens - Biodiversität ...

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Biologische VielfaltDie Grundlage unseres Lebens


ImpressumHerausgeber:Redaktion:Gestaltung:Druck:Abbildungen:Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)Referat Öffentlichkeitsarbeit · 11055 BerlinE-Mail: service@bmu.bund.deInternet: www.bmu.de · www.biologischevielfalt.deDr. Jonna Küchler-Krischun, Jürgen Schulz (BMU)design_idee, büro_für_gestaltung, ErfurtMKL Druck, OstbevernTitelseite: F. Wierzchowski/PicleaseS. 4: Norbert Hirneisen/PicleaseS. 5: Matthias LüdeckeS. 6: Walter G. Allgoewer/PremiumS. 8: Frank BarschS. 9: Manfred Ruckszio/naturbildportal.deS. 10: Zommer/SchapowalowS. 11: Jan NoackS. 12: Dr. Peter Wernicke/Picture PressS. 13: OKAPIA KG, GermanyS. 14: Jens KoehlerS. 15: Seatops.comS. 16: Helga Lade Fotoagentur GmbHS. 17: Hans Reinhard/OKAPIAS. 19: JUNIORSS. 20: Greta Flohe/PicleaseS. 21: Feldhoff & Martin / VISUMS. 22: Bildagentur-online/ExssS. 23: Meike Böschemeyer/epd-bildS. 25: D. Maehrmann/blickwinkelS. 26: www.project-photos.deStand: Oktober 20102. akt. Auflage: 10.000 Exemplare2


INHALTVorwort 5Leben ist VielfaltVielfalt ist Leben 6Die Natur als Dienstleisterin 8Vielfalt bewahren und nachhaltig nutzen 10Global handeln – Politik für die Vielfalt 16Die deutsche Präsidentschaft 18Deutschland setzt Zeichen 21Was kann ich selbst tun? 24Informationen im Internet 273


LIEBE LESERIN,LIEBER LESER,wussten Sie, dass die Haare von Eisbärenhohl sind? Das ist wichtig, damitdie Tiere nicht frieren. Ingenieurehaben sich davon inspirieren lassenund einen neuen Sonnenkollektorkonstruiert. Der ist mit Fasern besetzt,die Wärme speichern können.Die Natur als Vorbild für Erfindungen – eine der vielen wertvollenLeistungen der biologischen Vielfalt, die unser Leben erleichtern.Doch leider geht dieser Reichtum in rasantem Tempo verloren:Wir überfischen die Meere, holzen die tropischen Wälderab, wandeln natürliche Biotope in Ackerland um und heizenmit unseren Kohlendioxid-Emissionen die Erde auf. Das machtunmissverständlich deutlich: Wir gehen nicht pfleglich mit derSchöpfung um. Natur ist unsere Existenz- und Wirtschaftsgrundlage.Sie ist aber auch ein wertvolles Erbe, das wir um ihrer selbstwillen erhalten wollen.Daher müssen wir dringend Lösungen zum Schutz der biologischenVielfalt finden. Das wichtigste internationale Treffen dafürist die Konferenz des Übereinkommens über die biologischeVielfalt, die UN-Naturschutzkonferenz. Die nächste findet vom18. bis 29. Oktober 2010 in Japan statt.Sollen sich auch unsere Kinder und Enkelkinder noch über dieSchönheit der Natur freuen und den Reichtum nutzen können,gilt es in Nagoya entscheidend voranzukommen. Über die Konferenzund was Deutschland tut, um bei der Erhaltung der biologischenVielfalt mit gutem Beispiel voranzugehen, informieren wirSie in dieser Publikation.Dr. Norbert RöttgenBundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit5


LEBEN IST VIELFALT – VIELFALT IST LEBENAuf den Reisfeldern der Welt wachsen zwei Reisarten. Alleinvon der ersten sind 100.000 verschiedene Sorten bekannt.Brauchen wir die alle? Ist es nicht vernünftig, sich auf denAnbau einiger weniger Varianten zu konzentrieren?Was passieren kann, wenn allein vermeintlich wichtigeArten überleben, hat uns die Natur in den siebziger Jahrenvor Augen geführt. Damals vernichtete ein Virus Reiserntenvon Indien bis Südostasien. Den Menschen drohten Hungerund Ruin – bis Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untertausenden Reissorten eine fanden, die dem Virus trotzte.Das zeigt: Die natürliche Vielfalt zu schützen, bedeutet nichtnur, die Schönheit der Natur zu bewahren. Es bedeutet, dieGrundlagen unseres Überlebens zu sichern.Die Lebensversicherung der NaturKaum ein Winkel der Erde ist unbelebt. Das ewige Eis vonGletschern ist Heimat ganzer Lebensgemeinschaften vonAlgen und Wirbellosen. Selbst an den teerverkrustetenTrichtern von Tiefseevulkanen hat die Forschung Mikroorganismenentdeckt.6


Das Geheimnis dieses Erfolges heißt Vielfalt: Je mehr Artenund genetische Vielfalt es gibt, desto höher die Chance, dassdie Anpassung gelingt. Das gilt auch für extreme Veränderungenwie den Klimawandel. Die Vielfalt der Arten, Geneund Ökosysteme – sie ist die Lebensversicherung der Natur.SOSDie Wissenschaft hat bislang etwa 1,8 Millionen Spezies beschrieben,allein in Deutschland sind es rund 48.000 Tierartenund 28.000 Pflanzen- und Pilzarten. Das klingt beeindruckend,ist aber nur ein Bruchteil dessen, was es vermutlichnoch zu entdecken gibt: weltweit mindestens fünfzehn MillionenArten.Allerdings nimmt der Artenreichtum schneller ab, als die Forschungentdecken kann. Bei Säugetieren und Vögeln ist dienatürliche Aussterberate heute um den Faktor 100 bis 1000überschritten. Gründe gibt es viele: Der Raubbau an derNatur lässt aus Wäldern Agrarsteppen entstehen und Flussauenmachen Siedlungen Platz. Vom Menschen eingeschleppteArten verdrängen die einheimische Flora und Fauna. Undauch der Klimawandel beeinträchtigt Lebensgemeinschaften,etwa weil weniger Niederschläge fallen.Ökosysteme sind Funktionsgefüge: Eine Art hängt von deranderen ab. Stirbt die eine aus, kann das zum Verlust andererArten führen. Das Ausmaß dieses Dominoeffekts istnoch kaum erforscht. Klar ist aber: Wer das Naturkapital verschwendet,gefährdet die Zukunftschancen der Menschen.7


DIE NATUR ALS DIENSTLEISTERINJahr für Jahr übersteigt der weltweite Umsatz mit Holzprodukten200 Milliarden Dollar. Wären die Wälder der Erde einUnternehmen, es gehörte zu den Top 5 der größten Konzerne.Und dabei ist Holz nicht das einzige, was die Wälder liefern.Unbezahlbar werden ihre Dienste, wenn man bedenkt, dass sieauch für Sauerstoff, sauberes Wasser und Arzneimittel sorgen.Ökonomen haben ein Wort dafür: Ökosystemdienstleistungen.pflanzen als LebensretterBeinahe die Hälfte aller in Deutschland gebräuchlichen Medikamentebasieren auf Pflanzen. Alle diese Stoffe gewinnt dieIndustrie aus nicht einmal 90 Arten. Doch es gibt schätzungsweise240.000 Gefäßpflanzenarten. Deshalb dürfte erst einBruchteil der Heilmittel bekannt sein, die die Apotheke derNatur bereithält.arnika: Die Öle der Heilpflanze wirken entzündungshemmendViele Pflanzen haben im Lauf der Evolution Stoffe entwickelt, mitdenen sie sich gegen Krankheiten und Parasiten wehren. Ofthelfen diese Stoffe auch den Menschen. So wie Paclitaxel, das diePazifische Eibe in ihrer Rinde produziert und das als Krebsmittelwirksam ist. Paclitaxel wird heute künstlich hergestellt, denn diePazifische Eibe ist vom Aussterben bedroht. Was, wenn sie verschwundenwäre, ohne ihr Geheimnis zu lüften?8


Vorbild Natur: Das Lotusblatt weist Wasser und schmutz abHinschauen, zuschauen, abschauenDie Träume der Menschheit haben häufig mit dem zu tun,was andere Lebewesen von Natur aus können, etwa fliegenoder ins Meer hinabtauchen. Mittlerweile hat die Forschungden Pflanzen und Tieren zahlreiche weitere Fertigkeiten abgeschaut.Vom Klettverschluss bis hin zu selbstreinigendenOberflächen: Die Natur liefert Ideen für Innovationen. GroßeFlugzeuge fliegen um acht Prozent sparsamer, und Schwimmerstellen Weltrekorde auf, weil die Haifischhaut Vorbild fürdie Oberflächenstruktur von Jets und Schwimmanzügen ist.In Zeiten knapp werdender Rohstoffreserven sind neue Materialiengefragt. Warum nicht in der lebenden Natur danachsuchen und sie dann nachhaltig nutzen? 2007 waren bereitsdreizehn Prozent der von der chemischen Industrie verwendetenRohstoffe nachwachsende Rohstoffe wie Pflanzenöloder Zucker. Und deutsche Ingenieure haben ein Boot gebaut,das fast vollständig aus Flachsfasern besteht.Katastrophentourismus gibt es auch im Tierreich: Wenn es im Nachbarwaldbrennt, eilt der Kiefernprachtkäfer herbei – und legt seine Eier ab. Denndie Larven ernähren sich von verkohltem Holz. Wissenschaftler der UniversitätBonn haben die Sensoren nachgebaut, mit denen der Käfer frischeBrände kilometerweit wittert. Wieso, das liegt auf der Hand: Gelingt es,Feuermelder mit solchen Sensoren auszustatten, ließen sich Flächenbrändeverhindern. Zwar gibt es bereits hochsensible Infrarotsensoren, die Brändewahrnehmen, doch die sind teuer. Die Kopien des pyromanischen Insektsdagegen kosten allenfalls ein paar Euro.9


VIELFALT BEWAHREN UND NACHHALTIG NUTZENNaturschutz findet überwiegend in ländlichen Räumen statt.Naturschutz und Naturnutzung, etwa durch Land- und Forstwirtschaftsowie Tourismus, müssen dabei keinen Konfliktdarstellen. Viele Menschen schätzen die intakte Natur, benötigenaber gleichzeitig Perspektiven für ihre Zukunft.Die allgäuer moorallianzDie Moor- und Streuwiesenlandschaft im bayerischen Allgäuzählt zu den Gebieten Deutschlands, die am reichhaltigstenmit Mooren ausgestattet sind. Sie zu erhalten und zu entwickeln,das steht im Mittelpunkt eines Naturschutzgroßprojektes,das in den nächsten elf Jahren umgesetzt wird. Zugleichwird die ländliche Entwicklung gefördert. So sollen die landwirtschaftlichenBetriebe vor Ort dafür gewonnen werden,durch eine extensive Nutzung die charakteristischen undblumenreichen Streuwiesen dauerhaft zu erhalten. Außerdemwird in dieser herausragenden Urlaubslandschaft Deutschlandsder Naturtourismus gefördert: Dabei gilt es, das Moorerlebnismit den Konzepten des Naturschutzes in Einklang zu bringen.10


Durch die enge, zukunftsweisende Zusammenarbeit vonNaturschutz, Landwirtschaft und Tourismus bestehen guteChancen, die regionale Landwirtschaft trotz schwieriger Wettbewerbsbedingungenzu stärken und dauerhaft zu erhaltenund gleichermaßen den einmaligen Charakter dieser alten Kulturlandschaftmit ihren typischen Tieren und Pflanzen sowieden vielfältigen natürlichen Lebensräumen zu bewahren.Nachwuchs der rückkehrer: Junger Wolf in der Lausitz, sachsenWölfe – wieder im LandeVor mehr als zehn Jahren begannen sich in der Lausitz zwischenCottbus und Dresden wieder Wölfe anzusiedeln, nachdemsie hierzulande seit über hundert Jahren ausgerottetwaren. Sie haben sich mittlerweile auf Truppenübungsplätzenund ehemaligen Tagebauen in der Region etabliert undRudel gebildet, die regelmäßig für Nachwuchs sorgen. Vondiesem Kerngebiet breitet sich der Wolf nun in weitere anSachsen und Brandenburg angrenzende Bundesländer aus.Die Rückkehr des Wolfes wird künftig eine touristische Attraktionfür die Erholungslandschaft Lausitz sein.11


König der LüfteNoch vor 20 Jahren schien das Ende des Seeadlers besiegelt.Kaum ein Ei brachte noch ein Küken hervor, die Eier brachenlange vor der Schlüpfzeit. Das Umweltgift DDT hatte dieSchalen dünn werden lassen. Es war in die Seen gelangt undhatte sich über die Nahrungskette in den majestätischen Vögelnangereichert. Obwohl das Gift bereits im Jahr 1972 verbotenwurde, erholte sich der Bestand zunächst nur langsam.Da DDT eine Halbwertzeit von mindestens zehn Jahren hat,wirkt es über Jahrzehnte. 1980 gab es nur noch 127 Brutpaare.Die Trendwende setzte in den 1990er Jahren ein. Dazu trugenauch engagierte Naturschützer bei, indem sie die Nester(Horste) vor Eierdieben bewachten. Heute brüten wieder beinahe600 Seeadler in Deutschland.erfolgreich geschützt: seeadler in mecklenburg-Vorpommern12


flussperlmuscheln: Wieder öfter zu findenperlen im BachPerlmuscheln in deutschen Bächen – hätten Sie das gewusst?Doch so wenig dies bekannt ist, so selten ist die Flussperlmuschel(Margaritifera margaritifera) heute. Bevor unsere Bächeund Flüsse verschmutzt waren, kam sie in einigen großenBeständen in Mittel- und Süddeutschland vor. Im Mittelalterwurde sie zur Perlengewinnung genutzt. Das aber war denAdeligen vorbehalten, jeder Wilderer musste mit drakonischenStrafen rechnen.Gewässerverschmutzung und Versandung haben die Bächeverändert. Und die Bachforelle – die Flussperlmuschelbraucht sie, um sich zu vermehren – war durch eingeschleppteRegenbogenforellen verdrängt worden. Als Folge gab esnur noch wenige kleine Bestände der Muschel, die keinenNachwuchs bekamen. Sie drohte auszusterben. Trotz intensiverSchutzbemühungen war über viele Jahre kein Erfolg inSicht. Doch heute gibt es wieder Hoffnung: Die ersten jungenMuscheln wurden gesichtet.13


einsatz: Der Baltische stör wird in der Oder angesiedeltDer Wanderer kehrt zurückNoch um 1900 fingen die Fischer in den Zuflüssen von NordundOstsee Störe. Wenige Jahrzehnte später hatten Gewässerverschmutzung,der Bau von Stauanlagen und Kraftwerkenund vor allem Überfischung den großen Wanderer unter denFischen ausgerottet. Seit 1994 arbeitet eine Gruppe von Fachleutendaran, ihn in deutschen Gewässern wieder anzusiedeln.Seit Mai 2006 wurden Jungfische des EuropäischenStörs in die Flüsse Elbe, Oste und Stör eingesetzt, Jungfischedes Baltischen Störs in die Oder. Das Bundesumweltministeriumhat im Herbst 2010 einen Aktionsplan veröffentlicht,mit dem der Europäische Stör in Deutschland wieder angesiedeltund erhalten werden soll. Die Störe sollen bei uns eineZukunft haben.Brücken für tiereDeutschland besitzt eines der dichtesten Verkehrsnetze inEuropa. Autobahnen und Straßen sind für viele Tiere nurschwer zu überwindende Barrieren: Viele werden Opfer desStraßenverkehrs, Lebensräume werden nicht mehr erreicht,Tierpopulationen leben isoliert. Deshalb benötigen unsereheimischen Tiere mehr Möglichkeiten, stark befahreneStraßen gefahrlos zu überqueren.14


Begrünte Brücken und Tunnel helfen den Tieren auf ihrenWanderungen. Sie erhöhen die Sicherheit für Autofahrerinnenund Autofahrer, denn sie schützen vor Wildunfällen. DieWanderkorridore unserer Wildtiere sind erforscht und diewichtigsten Konfliktpunkte an Autobahnen und Bundesstraßengefunden. Mit dem „Bundesprogramm Wiedervernetzung“will die Bundesregierung den Bau dieser wichtigenVerbindungen in Deutschland angehen und an die Arbeit unsererNachbarn anknüpfen. Auch bei Straßen, die erst nochgebaut werden, sollen nun Brücken und Tunnel als Querungshilfenfür Tiere von Anfang an mit eingeplant werden. Wandernin Deutschland ist schön – für Tiere muss dies wiedersicherer werden.fair reisenDie Karettschildkröte hat ein Problem: Dort, wo sie seit MillionenJahren ihre Eier ablegt, gefällt den Menschen das Mittelmeeram besten. Sollte der Strandtourismus verboten werden?Eigentlich ist die Schildkröte gar nicht so anspruchsvoll. Eswürde genügen, wenn die Touristen sich an ein paar Regelnhielten: keine nächtlichen Spaziergänge am Strand und dieKinder nicht im Sand buddeln lassen – denn da liegen die Eier.echte Karettschildkröte15


GLOBAL HANDELN – POLITIK FÜR DIE VIELFALTWeltweite Probleme erfordern internationale Lösungen.Deshalb veranstalten die Vereinten Nationen (UN) alle zweiJahre die Vertragsstaatenkonferenz über die biologische Vielfalt,kurz UN-Naturschutzkonferenz. Dort beraten Regierungsvertreterinnenund Regierungsvertreter über Maßnahmenzum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der biologischenVielfalt sowie über die faire Beteiligung an den Gewinnen,die durch die Nutzung genetischer Ressourcen erzielt werden(siehe rechte Seite). Die nächste UN-Naturschutzkonferenz –die zehnte – findet vom 18. bis 29. Oktober 2010 im japanischenNagoya statt.anliegen der gesamten menschheitDas Fundament der Gespräche und Verhandlungen in Nagoyaist das „Übereinkommen über die biologische Vielfalt“ (Conventionon Biological Diversity, CBD). Dieses Abkommen ist1992 auf dem Erdgipfel in Rio de Janeiro geschlossen worden.193 Staaten einschließlich der Europäischen Union haben esbisher unterzeichnet. Die Weltgemeinschaft steckt sich darindrei Ziele und schreibt sie erstmals als Anliegen der gesamtenMenschheit fest: den Schutz der biologischen Vielfalt, ihrenachhaltige Nutzung sowie den Ausgleich der Vorteile, die derMensch aus den genetischen Ressourcen zieht.16


Liefert Wirkstoff gegen Rheuma-Beschwerden: Teufelskralle aus AfrikaRessourcen nutzen – gemeinsam und gerechtDie biologische Vielfalt ist nicht gleichmäßig über den Globus verteilt.Vor allem in ärmeren Ländern des Südens ist nicht nur die Artenvielfalt,sondern auch die genetische Vielfalt weit größer als etwa in Deutschland.Dennoch profitieren von diesen Reichtümern vor allem die Industrienationen.Denn sie verfügen über das Know-how und die Technik, die genetischeVielfalt zu nutzen – zum Beispiel für Landwirtschaft, Biotechnologieund Medizin.Das Übereinkommen über die biologische Vielfalt strebt daher einen „gerechtenVorteilsausgleich“ an („Access and Benefit Sharing“ – ABS): DieIndustrienationen sollen die ärmeren Länder an den Gewinnen beteiligen,die sie durch die Nutzung der genetischen Vielfalt erzielen. Dies kannbeispielsweise durch die Weitergabe von Wissen und Technologie erfolgen.Letztlich profitieren davon alle. Denn die biologische Vielfalt lässtsich nur bewahren, wenn die gesamte Menschheit an ihrem Nutzen teilhat.Bei der 10. Vertragsstaatenkonferenz des Biodiversitäts-Übereinkommensin Japan soll hierzu eine international verbindliche Regelungverabschiedet werden, das so genannte ABS-Protokoll – ein Abkommenfür fairen Ausgleich und gegen Biopiraterie.17


DIE DEUTSCHE PRÄSIDENTSCHAFTDie 9. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens überdie biologische Vielfalt (CBD) fand im Mai 2008 in Bonn statt.Am ersten Konferenztag hat Deutschland die Präsidentschaftdes Übereinkommens bis zur nächsten Vertragsstaatenkonferenzim Oktober 2010 in Japan übernommen. Deutschlandtrug mit dieser Präsidentschaft von 2008 bis 2010 große Verantwortungdafür, dass die Entscheidungen von Bonn umfassendund rechtzeitig umgesetzt werden. Auch die Vorbereitungder 10. Vertragsstaatenkonferenz erfolgte unter deutscherLeitung und in enger Zusammenarbeit mit dem Gastgeberund künftigen Vorsitzenden Japan.Während der deutschen Präsidentschaft konnten bei folgendenThemen erhebliche Fortschritte erzielt werden:˘ Verhandlung eines internationalen Abkommens zumZugang zu genetischen Ressourcen und der gerechten Aufteilungder Vorteile aus ihrer Nutzung („Access and BenefitSharing“, ABS), das bei der 10. Vertragsstaatenkonferenz imjapanischen Nagoya verabschiedet werden soll;˘ Fortführung und Ausbau der „LifeWeb-Initiative“ – dieInitiative wurde ins Leben gerufen, um ein weltweites Netzvon Schutzgebieten an Land und auf dem Meer zu stärkenund zu verbessern;˘ Mobilisierung von finanziellen Ressourcen und Einführunginnovativer Finanzierungsinstrumente für den internationalenNaturschutz;˘ Verhandlung einer internationalen Strategie zur biologischenVielfalt mit ambitionierten Unterzielen für die verschiedenenSektoren wie Fischerei, Landwirtschaft, Verkehroder Wirtschaft;˘ Abschluss der TEEB-Studie („The Economics of Ecosystemsand Biodiversity“) über den ökonomischen Wert der Leistungender Natur und die Kosten der Naturzerstörung;Verbreitung und Umsetzung der Projektergebnisse;18


˘ Schaffung eines zwischenstaatlichen Gremiums zur wissenschaftlichenPolitikberatung für das Thema biologischeVielfalt (IPBES – Intergovernmental Platform on Biodiversityand Ecosystem Services), vergleichbar mit dem WeltklimaratIPCC (Intergovernmental Panel on ClimateChange);˘ Einbeziehung des Privatsektors in Aktivitäten zum Schutzund zur nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt imRahmen der internationalen „Business & Biodiversity Initiative“(siehe dazu auch unten unter „Unternehmen tragenVerantwortung“);˘ Schaffung eines globalen Netzwerkes von Meeresschutzgebietenbis 2012 durch die Ausweisung von Meeresschutzgebietenim Rahmen der „Global Ocean Biodiversity Initiative“(GOBI).19


Immer seltener: flachlandgorillas in afrikaTrotz zahlreicher Erfolge schwindet die biologische Vielfaltweltweit weiterhin in dramatischem Ausmaß. Ein wichtigerGrund dafür ist, dass Fragen der biologischen Vielfalt nochimmer nicht ausreichend und sektorübergreifend bei politischenMaßnahmen, Strategien und Programmen berücksichtigtwerden. Auch die Hauptursachen des Biodiversitätsverlustessind noch immer nicht ernsthaft eingedämmt: Lebensräumeund Arten werden weiterhin zerstört und übernutzt,die Umwelt verschmutzt. Die Auswirkungen des Klimawandelsauf die biologische Vielfalt sind noch gar nicht abschließendabsehbar. Und schließlich scheitert ein umfassender undwirksamer weltweiter Schutz der Biodiversität noch immer anmangelnder Finanzierung.2010 ist das Internationale Jahr der biologischen Vielfalt, bei einerSondersitzung der Vereinten Nationen im September 2010befassten sich die Staats- und Regierungschefs mit dem Themabiologische Vielfalt, und im Oktober findet die 10. Vertragsstaatenkonferenzdes Übereinkommens über die biologischeVielfalt in Japan statt. Diese hohe Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeitfür das Thema eröffnet die große Chance, das ThemaBiodiversität politisch und gesellschaftlich zu befördernund die dringend benötigte Trendwende einzuleiten.20


DEUTSCHLAND SETZT ZEICHENDie Bundesregierung hat Ende 2007 die „Nationale Strategiezur biologischen Vielfalt“ beschlossen. Darin sind rund 330Ziele definiert und rund 430 Maßnahmen benannt. Sie dienendem Schutz und der nachhaltigen Nutzung der Natur inDeutschland und haben auch die Erhaltung der biologischenVielfalt im globalen Maßstab im Blick. Die Strategie ist soumfassend und anspruchsvoll, dass sie als weltweit beispiellosgelten kann.Konkrete zieleDie Ziele der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfaltgelten ab sofort und sollen – je nach Ziel – 2010, 2015, 2020oder – wie in einem Fall – 2050 erreicht sein. Bis 2020 etwasoll sich der Anteil der Wälder, die sich natürlich entwickelnkönnen, von derzeit einem Prozent auf fünf Prozent erhöhen.Hintergrund: Auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehenvor allem solche Tiere, Pflanzen und Pilze, die auf die natürlichenProzesse in Wäldern angewiesen sind.filigrane schönheit im moor: Der sonnentau steht auf der roten Liste21


Weitere Ziele bis 2020 lauten:˘ Die meisten Arten auf der Roten Liste sollen mindestenseine Stufe weniger gefährdet sein. Zum Beispiel soll einTier, das heute „vom Aussterben bedroht“ ist, dann nurnoch als „stark gefährdet“ gelten.˘ Moore, Wälder und andere Landlebensräume sollen zehnProzent mehr Kohlendioxid (CO 2) aufnehmen können alsheute. Dazu werden sie renaturiert, etwa indem das entzogeneWasser in Moore zurückkehren darf (Wiedervernässung).˘ Unsere Städte und Siedlungen sollen so viele Grünflächenerhalten, dass alle Bürgerinnen und Bürger mindestenseine der Flächen zu Fuß erreichen können.Die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt zu verwirklichen,ist keine Aufgabe von Politik und Verwaltung allein.Vielmehr sind alle staatlichen und nichtstaatlichen Akteuregefordert, sich aktiv zu beteiligen. Hierzu führt das Bundesumweltministeriumseit Ende 2007 einen Umsetzungs- undDialogprozess durch, zu dem alle interessierten Akteure eingeladensind (www.biologischevielfalt.de).22


uN-Konferenz zur biologischen Vielfalt, Bonn 2008Bundesprogramm Biologische VielfaltIm Koalitionsvertrag für die aktuelle 17. Legislaturperiodewurde festgelegt, dass die Umsetzung der Nationalen Strategiezur biologischen Vielfalt durch ein Bundesprogrammunterstützt werden soll, das mit Ländern und Kommunen,mit Waldbesitzern, Landnutzern und Naturschutzverbändenabgestimmt wird. Das „Bundesprogramm Biologische Vielfalt“soll das Engagement der gesellschaftlichen Gruppen –etwa von nichtstaatlichen Organisationen wie den Umweltverbänden– durch finanzielle Förderung stärken.unternehmen tragen VerantwortungEin wichtiger Partner für den nationalen und internationalenSchutz der biologischen Vielfalt ist die Wirtschaft. Das Bundesumweltministeriumhat deshalb die „Business and BiodiversityInitiative“ ins Leben gerufen. Sie soll die positive Rolle aufzeigen,die Unternehmen bei der Erhaltung der Biodiversität spielenkönnen. Darüber hinaus geht es darum, Unternehmen allerBranchen langfristig für Aktivitäten zu gewinnen.23


WAS KANN ICH SELBST TUN?ein Garten für mensch und NaturMit der Gestaltung Ihres Gartens haben Sie es in der Hand,für Vögel, Schmetterlinge und viele weitere Tiere einenattraktiven Lebensraum zu schaffen. Pflanzen Sie heimischeSträucher und Wiesenblumen, schaffen Sie Versteck- und Nistmöglichkeiten.Für eine reichere Tierwelt im Garten genügtes oft schon, kleinere Rasenbereiche weniger oft zu mähen,„Unkräuter“ stehen und blühen zu lassen, eine Kompost-Eckeund kleine Holzstapel anzulegen, ein bisschen Fallobst undHerbstlaub liegen zu lassen, einen alten Baum zu erhaltenoder auf Pflaster zu verzichten. Weniger „geputzt und gestriegelt“:So bleiben unsere Städte und Dörfer Lebensraumfür Spatz & Co.Infos: www.naturgarten.orgBiologische Vielfalt entdecken und schmeckenWas Sie einkaufen, hat viel damit zu tun, ob die biologischeVielfalt erhalten bleibt. Denn zur Biodiversität gehören auchdie im Laufe der Jahrhunderte regional entstandenen Kulturpflanzensortenund Nutztierrassen, deren genetische Vielfalterhalten bleiben sollte. Bereits die Namen machen neugierig:„Schwarze Ungarinnen“ oder „Blaue Schweden“ sind alte Kartoffelsorten,„Struwwelpeter“ und „Dickkopf“ alte Salatsorten,und der „Finkenwerder Herbstprinz“ ist eine historischeApfelsorte. Versuchen Sie doch einmal solche alten GemüseundObstsorten, wenn Sie sie auf dem Markt entdecken.Probieren Sie fast vergessene Genüsse im Restaurant oderlassen Sie sich Saatgut alter Sorten kommen. Und pflanzenSie im Garten eine historisch entstandene Obstbaumsorte ausIhrer Heimat.Infos: www.slowfood.de, www.genres.de, www.g-e-h.de,www.essbare-landschaften.de, www.vern.de24


fisch essen ohne schlechtes GewissenFisch ist gesund und lecker, wird aber nicht immer naturverträglichaus den Meeren gefischt. Deshalb ist inzwischeneine ganze Reihe von Fischarten in ihrem Bestand gefährdet.Wenn Sie den handlichen Fischeinkaufsführer vom WWFdabei haben, können Sie naturbewusster einkaufen und selbstetwas gegen die Überfischung der Weltmeere tun.Infos: www.wwf.de/themen/meere-kuesten/fischerei-undfischzucht/jeder-kann-handeln/einkaufsratgeber-fische-meeresfruechte/25


egenwald am amazonas in Brasilienentspannt den regenwald schonenSchön ist es, zur Sommerzeit im Garten auf gemütlichenMöbeln zu sitzen – besser ist es, wenn das Holz dafür aus naturverträglicherWaldbewirtschaftung stammt und nicht ausRaubbau oder illegalem Holzeinschlag im Regenwald. Zertifizierungssystemefür eine nachhaltige, naturverträgliche Waldbewirtschaftungwie FSC und PEFC helfen bei der Entscheidung.Infos: www.fsc-deutschland.de, www.pefc.detropische schätze bleiben in der NaturJeder erinnert seinen vergangenen Urlaub gerne durchschöne Mitbringsel. Sollten für diese Souvenirs seltene Artengenutzt worden sein, bleibt man der Natur des Urlaubslandesjedoch in schlechter Erinnerung. Informieren Sie sich vorIhrer Reise oder im Urlaubsland, ob die Produkte unter dieBestimmungen das Washingtoner Artenschutzübereinkommens(CITES) fallen, oder kaufen Sie Kunsthandwerk, für dasin keinem Fall Tiere oder Pflanzen leiden mussten.26


INFORMATIONEN IM INTERNETwww.bmu.de/4159: Publikationen des Bundesumweltministeriums(BMU) zum Natur- und Artenschutz.www.bmu.de/45503: Dossier des BMU zur biologischen Vielfalt.www.biologischevielfalt.de: Informationen rund um die NationaleStrategie zur biologischen Vielfalt und den Umsetzungs- und Dialogprozessdes BMU.www.kalender.biologischevielfalt.de: Interaktiver Veranstaltungskalenderzum Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt 2010.www.bmu.de/bildungsservice: Bildungsmaterialien des BMU unteranderem zum Thema biologische Vielfalt.www.business-and-biodiversity.de/wanderausstellung/14-tipps: Naturschützen und Vielfalt erhalten – 14 Tipps der „Business & BiodiversityInitiative“ zum Mitmachen.www.cbd.int: Offizielle Internetseite des Übereinkommens über diebiologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD).www.biodiv-chm.de: Deutscher Beitrag zum Clearing-House-Mechanismus(CHM) des Übereinkommens über die biologische Vielfalt.www.abs.biodiv-chm.de: Informationen über „Zugang zu genetischenRessourcen und gerechter Vorteilsausgleich“ (Access andBenefit Sharing, ABS) des Biodiversitäts-Übereinkommens (CBD).www.floraweb.de: Informationen des Bundesamtes für Naturschutz(BfN) über wild wachsende Pflanzen Deutschlands.www.countdown2010.org: Internetseite der Weltnaturschutzunionzur Initiative „Countdown 2010“.www.biodiv-network.de: Informationen der nichtstaatlichen Organisationen(NGOs) und Gruppen zur biologischen Vielfalt.www.naturdetektive.de: „Naturdetektive“ ist ein Projekt des Bundesamtesfür Naturschutz. Es wendet sich an Kinder und Jugendliche.www.schulhofdschungel.de: „Deutschlands artenreichster Schulhofgesucht!“ – Wettbewerb der Grünen Liga Berlin für Schüler/innen.www.entdecke-die-vielfalt-der-natur.de: Schüler- und Jugendwettbewerbder Deutschen Bundesstiftung Umwelt.27


„Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigenGenerationen die natürlichen Lebensgrundlagen …“Grundgesetz, Artikel 20 aBESTELLUNG VON PUBLIKATIONEN:Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)Postfach 30 03 6153183 BonnTel.: 0228 99 305-33 55Fax: 0228 99 305-33 56E-Mail: bmu@broschuerenversand.deInternet: www.bmu.deDiese Publikation ist Teil der Öffentlichkeitsarbeit des Bundesministeriums für Umwelt,Naturschutz und Reaktorsicherheit. Sie wird kostenlos abgegeben und ist nicht zumVerkauf bestimmt. Gedruckt auf Recyclingpapier.

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