Artikel als PDF - Dr. Michael Bohne

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MusikermedizinMichael BohneDie Kunst, sein Spielselbst wert zu schätzenVon der Selbstentwertung zur SelbstachtungSelbstbewusstes Auftreten, aufrechteKörperhaltung und entschiedene Bewegungenhaben die beiden „Jugend musiziert“- TeilnehmerCarsten und Anja Wernicke schon verinnerlicht undvermitteln damit ein hohes Selbstwertgefühl18Das Orchester 3/07


Einklang von Denken,Fühlen und HandelnEin hohes Selbstwertgefühl ist für Musiker und Sängerein „Immunschutz“ gegen Angriffe von außen und förderlichfür das Spiel. Überhöhte Erwartungen an sich selbst undübersteigerter Perfektionswille führen dagegen meist zu einemdeutlich schlechteren Auftrittsergebnis, da der Musiker sichstark unter Druck setzt. Die Arbeit wird als Belastungempfunden. Doch man kann lernen, mit eigenen Fehlernumzugehen und seine Emotionen zu „managen“.Foto: Erich MalterMusikalische Spitzenleistungen können dann erbracht werden,wenn körperliche Funktionsabläufe, das zielgerichtete Denkenund die Emotionen gemeinsam an einem Strang ziehen. Wennsozusagen alle drei im Dienste der Musik unterwegs sind. Immerdann, wenn Musiker 1 während eines Auftritts mit einemdieser drei Leistungsbereiche nicht „bei der Sache sind“, störensie sich selbst, da sie mit einem Bereich „auf einer anderenHochzeit tanzen“ und so Gefahr laufen, unterhalb ihrer Leistungsfähigkeitzu bleiben. Um mich als Musiker oder Sängervoll und ganz auf die Sache, die Musik, fokussieren und konzentrierenzu können, muss ich die Fähigkeit der „selbstbestimmtenAufmerksamkeitslenkung“ besitzen. Dies ist die Fähigkeit, die esmir als Musiker erlaubt, selbst entscheiden zu können, wo ichmit meinem Aufmerksamkeitsfokus bin und wie ich mit so genanntenStörungen und Fehlern umgehen möchte. Diese Fähigkeitist erlern- und verbesserbar. Ob ich bei Störungen und Fehlerndie Fähigkeit besitze, mich zu refokussieren, also wiederganz meiner Sache zuzuwenden, oder ob ich mich öffentlichgeißele und selbst entwerte, ist prinzipiell meine freie Entscheidung.Wie gut mir das gelingt, ist jedoch abhängig von der Qualitätmeiner Selbstbeziehung. Ist meine Selbstbeziehung schlecht, wasbei Musikern aufgrund einer leistungsorientierten Sozialisationund Grundhaltung nicht selten der Fall ist, habe ich mich aufgegebenund bin schutzlos den Angriffen und Erwartungen andererausgeliefert. Dass sich nun Gefühle von Angst, Einsamkeit,Peinlichkeit, Hoffnungslosigkeit etc. „einnisten“ können, ist wenigverwunderlich. Ich selbst habe dann mein Abwehrsystemgegen diese negativen Gefühle geschwächt. Gedanken und Handelnverursachen Gefühle. Gefühle wiederum definieren, ob icheine Situation z. B. als Gefahr erlebe oder nicht. Somit ist es vonentscheidender Bedeutung, dass ich mit zieldienlichen Kognitionen,Emotionen und Verhaltensweisen auftrete. Diese dreibestimmen, ob ich ein hohes oder niedriges Selbstwertgefühlhabe.■ Zieldienliche Kognitionen können z. B. sein:– „ich glaube an mich“– „ich vertraue auf mein Können“– „ich weiß, dass ich das gut spielen kann“– „auch wenn ich Fehler mache, bleibe ich ein guter Musiker“■ Zieldienliche Emotionen können z. B. sein:– Freude, Spaß, Gelassenheit, Neugier, Spiellust, Stolz, Liebe,Zartheit, Zuversichtlichkeit, Hoffnung, Glück■ Zieldienliches Handeln kann z. B. sein:– selbstbewusstes Auftreten, aufrechte Körperhaltung, entschiedeneBewegungen, körperliche Leichtigkeit und Lockerheit, tänzerischeBeweglichkeit, für sich aktiv eintreten, seine Meinungsagen, zu seinen Fehlern öffentlich stehen.Das Orchester 3/0719


MusikermedizinNoch einmal deutlich: Die Art und Weise, wie wir denken,fühlen und handeln, bestimmt, wie hoch unser Selbstwertgefühlist. Dies ist wichtig zu verstehen, da wir das Denken, Fühlen undHandeln aktiv beeinflussen und verändern können. Das Selbstwertgefühl2 abstrakt zu verändern ist jedoch nicht möglich.Wenn wir uns also entwerten, indem wir nur auf unsere Fehlerschauen und bei anderen nur auf deren Können, dann dürfenwir uns nicht wundern, dass unser Selbstwertgefühl am Bodenliegt. Wenn wir mit Gefühlen von Angst, Scham oder Hoffnungslosigkeitauf die Bühne oder ins Probespiel bzw. Vorsingengehen, dann ist es nur logisch, dass wir unser Selbstwertgefühldamit drücken. Wenn wir beim Probespiel oder Vorsingenauf die Bühne schlurfen oder hektisch dahinzittern oder mit gesenktemKopf und hängenden Schultern die Bühne betreten,dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn die Jury sich schonvor unserem ersten Ton ein negatives Bild von uns gemacht hatund eher fehlerorientiert zuhört. Haben wir doch dann schonweit vor unserem ersten Ton quasi nonverbal mitgeteilt, „wasvon uns zu halten ist“. Wie wir über uns denken, ist nämlichsichtbar und hörbar für andere Menschen. Wenn wir uns selbstentwerten, dann erhöht dies die Wahrscheinlichkeit, dass andereunserem Beispiel folgen und uns auch nicht achten. Ein hohesSelbstwertgefühl dagegen ist quasi ein „Immunschutz“ gegensolcherlei Angriffe und sollte zum Rüstzeug eines jeden Auftrittsprofisdazugehören.Von der Selbstabwertung zur positivenSelbstbeziehung – „Ich bin ein Dreamteam“Bei öffentlichen Auftritten und musikalischen Präsentationen istes von enormer Wichtigkeit, dass Musiker und Sänger eine guteSelbstbeziehung haben, also gut mit sich umgehen. Hierzugehört, dass sie ihre Stärken, Fähigkeiten und Potenziale genausogut sehen wie ihre Schwächen, Fehler und Grenzen. Dies istbei Musikern und Sängern leider häufig nicht der Fall. Eine zueinseitig fehlerorientierte Sozialisation führt dazu, dass vieleMusiker ziemlich genau sagen können, was alles (noch) nichtgut ist, ihnen jedoch die Worte fehlen, wenn sie beschreiben sollen,was alles gut an ihrem Spiel ist und was auf alle Fälle so bleibensoll, wie es ist. Ferner führt eine oft sehr ausgeprägte Lehrerorientierungdazu, dass Musiker selbst nicht sicher entscheidenkönnen, was an ihrem Spiel gut ist und was nicht. Darüberhinaus entwerten sich Musiker häufig dadurch, dass sie beiihren Konkurrenten und Kollegen nur auf deren Stärken schauen,sich also immer mit jemandem in selbstabwertender Weisevergleichen, der in genau diesem verglichenen Bereich besser ist.Die „Perfektionismusfalle“ oder:„Wer keine Fehlerfreundlichkeit hat,macht mehr Fehler und lernt nicht dazu!“Eine zu geringe Fehlerfreundlichkeit, ja eine bisweilen ausgeprägteFehlerphobie führt auf vielen Bühnen und in vielen Orchestergräbendazu, dass zu viele Ressourcen und Energien zurFehlervermeidung verschwendet werden. Hinzu kommt die Gefahr,dass bei starker Fehlerorientierung Fehler mit einer höherenWahrscheinlichkeit auftreten. Für einen professionellenUmgang mit Fehlern und Angriffen braucht man ein hohesSelbstwertgefühl, da man sonst zu schnell in eine Opferrollegerät.„Ich entscheide, was ich annehmeund was nicht“Ist das Selbstwertgefühl eines Menschen geschwächt, fängt ersich jede Meinung ein, die jemand „ablässt“. Insofern schwächtsich jeder selbst, der an seinem emotionalen und kognitiven„Immunschutz“ Raubbau betreibt. Anders gesagt: Mein Selbstwertgefühlkann nur dann gering sein, wenn ich etwas mache,um es zu schwächen. Meist passiert dies auch unbewusst undunwillentlich, ja hinter dem eigenen Rücken, sodass ich davonim Zweifel gar nichts mitbekomme und nur die unangenehmenAuswirkungen in Form von Unsicherheiten, Unzufriedenheitenund Abwertungen durch andere merke.Wenn wir uns entwerten, indem wir nur auf unsereFehler schauen, dürfen wir uns nicht wundern,dass unser Selbstwertgefühl am Boden liegtFoto: Grimur Bjarnarsson„Opfer bin ich meist nur dann, wenn ichdie Welt durch eine Opferbrille betrachte“Abgesehen von Extremsituationen, in denen Menschen Opfervon Gewalttaten, Naturkatastrophen oder echten Angriffen werden,sind wir im Alltag meist kräftig daran beteiligt, wenn wiruns als Opfer erleben. Wir spielen das „Spiel“ mit. Wenn wiruns unseren Vorgesetzten, dem Dirigenten, dem Agenten, demPultnachbarn, den Orchester- oder Ensemblekollegen, demPartner, den eigenen Kindern oder am besten immer noch deneigenen Eltern, dem „bösen Markt“, der Regierung, wem auchimmer hilflos ausgeliefert fühlen, dann haben wir selbst meisteinen gehörigen Anteil daran, uns in dieser Opferrolle zu wäh-20Das Orchester 3/07


Musikermedizinnen. Dies geschieht z. B., indem wir nichts von uns halten, anderenkeine oder unzureichend Grenzen aufzeigen, unsere Grenzenvon anderen permanent verletzen lassen, nicht nein sagen,Angst vor allem und jedem haben, glauben uns nicht wehren zukönnen oder zu dürfen, alles hinnehmen ohne für uns einzutretenusw. Der österreichische Kabarettist Georg Kreisler hat dassehr treffend in seinem Wiegenlied für Erwachsene 3 ausgedrückt(siehe Kasten).Interessant ist es zu beobachten, wie sich so genannte Täterplötzlich verändern, wenn das so genannte Opfer nicht bereitist, das „Täter-Opfer-Spiel“ mitzuspielen. Man muss allerdingseinräumen, dass dies etwas schwieriger wird, je länger solch eine„Täter-Opfer-Beziehung“ bereits besteht. Dieses Thema ist hiererwähnt, weil ein großer Anteil des Stresses und der Entwertungen,die Musiker erleben, einerseits aufgrund „suboptimaler“Kommunikation untereinander bzw. zwischen Dirigent undMusikern zustande kommt, andererseits durch tatsächliche odermutmaßliche Angriffe und Entwertungen durch andere entsteht.Manche Menschen mit einem niedrigen Selbstwertgefühlentwerten nämlich andere, um ihr eigenes niedriges Selbstwertgefühldurch dieses „Beziehungsfoul“ aufzuwerten. Dies ist invielen Institutionen eine „bewährte Strategie“ zur „Rettung“ deseigenen geringen Selbstwertgefühls. Sie ist jedoch brüchig. Dennist niemand mehr da, den man entwerten kann, so „kracht“ dasmühevoll „aufgeblasene“ falsche Selbstwertgefühl sofort wiederin sich zusammen. Erstaunlicherweise werden aber diese „Entwertungsprofis“von ihrer Umwelt häufig als stark oder selbstbewussterlebt. Hier lohnt es sich, sich nicht länger von der bedrohlichenFassade beeindrucken zu lassen, sondern einmalhinter den Vorhang, auf die verletzliche oder menschliche Seitedieser Angreifer zu schauen. Dadurch verlieren sie meist erheblichan Bedrohungspotenzial. Natürlich gibt es auch echte Fieslingeund gefährliche Leute, meist jedoch wesentlich seltener, alsgemeinhin angenommen wird.Schlechte Kommunikationund schlechte PersonalführungLeider machen sich viele Musiker und Sänger häufig untereinanderdas Leben schwer. Würden sie einander mehr wertschätzen– was natürlich nur geht, wenn sie sich selbst wertschätzen–, dann wären die Orchester auch immuner gegen Angriffeund versuchte Entwertungen von außen bzw. resistentergegen Dirigenten, die es an Wertschätzung mangeln lassen bzw.einen Führungshabitus haben, der aus dem vorletzten Jahrhundertstammt. Nirgendwo in Spitzenleistungsbereichen sind die„Manager“ (also auch Dirigenten) und Hochleistungsträger sowenig in Kommunikation und Personalführung geschult wie inOrchestern. Aus der arbeitswissenschaftlichen Forschung ist bekannt,dass schlechte Führung Krankheiten verursacht und mittel-bis langfristig natürlich zu einem schlechteren EndproduktGeorg Kreisler:Warum?Warum sind die Leute so feige?Dafür gibt's doch gar keinen Grund.Ach, es sterben die blühenden Zweige,und das Leben geht immer zur Neige,doch sie halten verbissen den Mund.---Warum sind die Leute so trägeund befreien sich nicht aus der Not?Ach, sie schlucken den Schlamm und die Schläge,bis der Sargtischler kommt mit der Säge,doch sie schweigen sich durch bis zum Tod.---Warum sind die Leute so fügsamund fürchten den leisesten Wind,so wie Gerten, geschmeidig und biegsamund im Leben und Tode genügsam?Sei nicht wie die Leute, mein Kind!führt. Und die so genannten genialen Dirigenten, die großenMaestros, die beeindruckenden Klangzauberer sind hinsichtlichihrer Lernfähigkeit bezogen auf ihre Führungsqualitäten meistmassiv eingeschränkt, da sie – bei aller Sympathie, die der Autorfür viele von ihnen hegt – kein vernünftiges Feedbackinstrumenthaben, ob der von ihnen praktizierte Führungsstil wirklichdie Bestleistung aus den Musikern und Sängern „herauskitzelt“.Dass viele ihrer Musiker und Sänger wesentlich besser „funktionieren“,d.h. musizieren würden, wenn die Kommunikationzwischen ihnen und den Musikern und Sängern besser, meintvor allem wertschätzender, angstfreier und lösungsorientierterabliefe, bleibt wohl den meisten dieser Dirigenten verborgen.Moderne Kommunikation in Leistungs- bzw. Hochleistungsbereichensollte ziel-, ressourcen- und lösungsorientiertsein. Das starke Fokussieren auf Fehler und Fehlervermeidungführt mit weit geringerer Wahrscheinlichkeit zum gewünschtenZiel. Schon Einstein gab zu bedenken, dass die Logik der Problemlösunganderen Gesetzmäßigkeiten folgt als die Logik derProblementstehung. Gerade weil Dirigenten, aber auch Orchester-oder Ensemblekollegen zuweilen als entwertend, launischund in ihrer nichtmusikalischen Kommunikation als wenignachvollziehbar erlebt werden, brauchen Musiker und Sänger(und natürlich auch Dirigenten) ein hohes Selbstwertgefühl.Denn die Kritik eines Dirigenten (oder Musikerkollegen), egalwie berühmt er sein mag, ist zunächst einmal lediglich seinepersönliche Meinung, die sich aus seiner individuellen Wahrnehmungspeist. Kritik sagt immer mehr über den aus, der sieDas Orchester 3/0721


Musikermedizinausspricht, als über den, den sie betrifft. Ist also mein Selbstwertgefühlals Musiker oder Sänger hoch genug, dann erlebe ichden Dirigenten oder Kollegen auch nicht mehr als Bedrohungoder als Angreifer. Selbst wenn er tatsächlich droht oder angreift,kann ich die negative Energie bei ihm lassen und mit einemsehr lösungsorientierten Fokus auf das Ziel schauen. Ganzfrei nach dem Motto, wenn ich mir meiner Qualitäten und meinesWertes bewusst bin, dann lasse ich mich durch keinen auchnoch so berühmten Dirigenten oder Kollegen verunsichern oderentwerten. Ich bleibe ganz professionell auf der Inhaltsebeneund lasse mich nicht auf die (unprofessionelle) Beziehungsebeneein. Ich bleibe Profi und stehe zu meinem Können – und zumeinen Grenzen.GefühlsterroristenNatürlich gibt es in Teams, die so eng miteinander arbeiten wieOrchester und Chöre und in denen eine so hohe Leistungsorientierungherrscht, eine erhöhte Stressreaktionsbereitschaft.Und manche Menschen, die bei dieser lang anhaltenden Höchstleistungserwartungstraucheln oder die kein effizientes Stressmanagementhaben, erleben sich plötzlich als Opfer. Manchewerden dann kompensatorisch zu Tätern, gesellen sich zu denen,die von Haus aus eine schlechte Ausstrahlung haben, undvergiften gemeinsam mit ihrem Unmut die Atmosphäre. SolcheMenschen nennt man „Gefühlsterroristen“. Gefühlsterroristenschädigen den Klangkörper und verschlechtern das musikalischeResultat.Die preisgekrönten Management- und OrganisationsberaterHelmut Fuchs und Andreas Huber 4 haben in ihrem Buch Gefühlsterroristenerkennen, durchschauen, entwaffnen eindrücklichaufgezeigt, dass so genannte Gefühlsterroristen den Unternehmenmassiv Schaden zufügen. Man kann ohne große Fantasiedavon ausgehen, dass Gefühlsterroristen das künstlerische Endprodukteines Orchesters oder Opernensembles erheblich verschlechtern.Wenn man sich anschaut, mit welchen VerhaltensweisenGefühlsterroristen laut Fuchs und Huber die Leistungsfähigkeitund das Innovationspotenzial der Unternehmen undInstitutionen schwächen, dann fühlt manch einer sich vielleichtan das ein oder andere Orchester oder Opernhaus erinnert. DieAutoren beschreiben folgende „emotionale Terrorstrategien“:■ üble Nachrede■ Beleidigung, persönliche Angriffe■ sexistische Anspielungen■ Ausgrenzung und Missachtung■ Besserwisserei und Rechthaberei■ Zynismus, Sarkasmus■ abschätzige Körperbotschaften (Mimik und Gestik)■ Fehlerfixierung (Angst vor Misserfolg)■ Lügen und bewusste Falschinformationen■ zügellose Aggression (Anschreien, Brüllen, Drohgebärden)Natürlich wäre es am besten, wenn die gesamte Organisation,die sich selbst und vor allem die Musik durch „Gefühlsterrorismus“vergiftet, ein Training in „wertschätzender Kommunikation“absolvieren würde. Entsprechende Angebote aus den BereichenMediation, Personal- und Organisationsentwicklung sindsinnvoll und sollten genutzt werden. Nur darauf zu vertrauen,dass das Problem gewissermaßen von außen gelöst wird, kannjedoch kontraproduktiv sein. Eine solche Einstellung ist nur dasweitere Ausbauen der eigenen Passivität. Deshalb und weil wertschätzendeKommunikation nicht ohne Selbstwertschätzung erfolgenkann, ist es wichtig, sich selbst positiv zu sehen und denAufmerksamkeitsfokus auf die gewünschte Lösung zu richten.Wie aber kommt man raus aus der „Selbstentwertungstrance“und hinein in eine „Lösungstrance“ 5 oder in so etwas wie Flowoder Beseeltheit?LösungstranceIn der Arbeit mit Musikern und anderen Auftrittsprofis in Auftritts-Coachings,Probespieltraining und Stressreduktionsworkshopshat sich gezeigt, dass Interventionen in folgenden vier Bereichensehr Erfolg versprechend sind. Diese können Musikersich mit etwas Zeit und Mühe allein erarbeiten bzw. anwenden,wenngleich man mit einem erfahrenen Coach oder Trainernatürlich schneller und leichter zum Ziel kommt. Bei diesenStrategien geht es immer auch um ein gutes emotionales Management,da negative Gefühle massive Auswirkungen auf unserSelbsterleben und Selbstwertgefühl haben.Negative „Selbstentwertungsstrategien“ sollten analysiertwerden, damit man versteht, wie man selbst das Problem „gebaut“hat. Anschließend sollten diese dann in positive „Selbstwertschätzungsstrategien“transformiert werden. Im Klartextheißt dies zu schauen, welche alternativen individuellen Denk-,Fühl- und Verhaltensweisen zu einem besseren Resultat führen.Diese Lösungsstrategien müssen im „echten Leben“ also unterden realen Belastungsbedingungen auf ihre Wirksamkeit hinüberprüft, gegebenenfalls angepasst und dann eingeübtwerden. 6Negative Gefühle, die mit schlecht gelaufenen Auftrittserfahrungender Vergangenheit in Verbindung stehen, sollten mittelseiner der modernen Stressreduktionstechniken aufgelöst werden,da sie sonst aus der Vergangenheit in die Gegenwart undZukunft „hineinfunken“. D. h., bekomme ich noch ein komischesGefühl, z. B. Peinlichkeit oder Angst, wenn ich an einenverpatzten Auftritt denke, so ist dieses Erlebnis noch aktiv undstört mit hoher Wahrscheinlichkeit alle ähnlichen Situationen,denen ich begegne. Dies geschieht, da das Gehirn dieses Erlebnisnoch unter „Achtung! Gefahr!“ abgespeichert hat. Wenn mandiese „emotionalen Störfeuer“ in einem Auftritts-Coaching angeht,so würde der Auftritts-Coach eine Technik nutzen, dieeine schnelle Wirkung erwarten lässt. Das können lösungs- und22Das Orchester 3/07

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