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H I N T E R G R U N D I N F O R M AT I O N E N A U S I S R A E LNachrichten aus Israel • 07/2004INTERVIEW MIT MINISTER GIDEON EZRA«Sharons Plan findet internationale Unterstützung…»Minister Gideon Ezra ist Mitglied der Likud-Partei. Als Minister ist er für die Koordination zwischenRegierung und Knesseth zuständig. In früheren Funktionen beschäftigte er sich mit sicherheitspolitischenAspekten, unter anderem auch als stellvertretender Leiter des InlandsgeheimdienstesShabak. Er ist für seine rechts-konservativen und kompromisslosen Ansichten bekannt und machtkeinen Hehl aus seiner Weltanschauung. So glaubt er nicht, dass man Arabern vertrauen kann,insbesondere nicht den Palästinensern. Doch als Sharon seinen Trennungsplan vorlegte, verblüfftegerade Gideon Ezra viele, weil er sich für Sharons Pläne aussprach. In einem Exklusivinterview für«NAI» erklärt er, warum.«Der Staat Israel hat schonviele Phasen durchgemacht. Seitseiner Gründung hatte er vieleSchwierigkeiten zu meistern. Inder jetzigen Phase geht es jedochdarum, den Staat Israel, seine Territorienund seine Sicherheit zustabilisieren. Der letzte Krieg – dieIntifada – hat bewiesen, dass wirden Palästinensern nicht trauenkönnen. Deshalb müssen wir unsvon ihnen, so weit wie es geht, fernhalten. Der Trennzaun, den wirgegenwärtig in Judäa und Samariabauen, ist meiner Meinung nacheine solche Möglichkeit. Dadurchkönnen wir auch unser Problemmit dem Gazastreifen lösen, dermit seinem enormen Bevölkerungswachstumeine tickende Zeitbombeist. Sharons Plan findet internationaleUnterstützung und gibt unsauch in anderen Angelegenheitendie uneingeschränkte Rückendeckungvon Präsident Bush.»NACHRICHTEN AUS ISRAEL*:Wollen Sie damit sagen, dass Siewegen der Rückendeckung derAmerikaner bereitsind, IhreIdeologie so mirnichts dir nichtsüber Bord zuwerfen? Sind Sie wirklich bereit,auf Gebiete Ihres Vaterlandes zuverzichten?GIDEON EZRA: Ich schätzealle Menschen sehr, die an ihrer«Gross-Eretz-Israel»-Ideologie festhalten. Doch diese kam in ganzanderen Zeiten auf. Seither hatsowohl unser Land als auch die gesamteWelt sehr viele Veränderun-Gideon Ezra, Minister in der Knessethgen durchgemacht. Die arabischeBevölkerung vermehrt sich rapide.Damit wachsen auch ihre Anforderungenund Bedürfnisse. Das,wofür wir einst gekämpft haben,ist heute nicht mehr realistisch.(Bild: IPGO)Und was ist mit der Behauptung,dass ein einseitiger Abzugaus dem Gazastreifen nach Feigheitund Aufgeben aussieht?Ich glaube nicht, dass irgendjemanddenkt, wirwürden uns vor den Scharfschützen,denen wir in Gaza ausgeliefertsind, aus dem Staub machen.In den letzten dreieinhalb Jahrenhaben wir gekämpft und eigentlichrecht gut Stand gehalten. Ich glaube,dass Sharon keine Trennungwährend einer ruhigen Phase,sondern seinen Plan gerade aufdem Höhepunkt durchsetzen will,wenn wir den Sieg unser nennenkönnen.Glauben Sie wirklich, dassdurch einen Abzug der israelischenArmee aus dem Gazastreifen derpalästinensische Terror aufhörenwird?Nein, das glaube ich nicht.Er wird sogar noch zunehmen.Aber dennoch werden wir nachder Trennung eine Grenze haben,durch die ein Eindringen in unserLand schwieriger wird. Wenn wireine klare Grenze haben, könnenwir auch deutlich sagen: Bis hierherund nicht weiter. Wir könnenuns Übergriffe verbitten bzw. ohneSchaden unseres Ansehens vergelten.Bisher hat die israelischeArmee keine Adresse, an die siesich wegen des Terrors, der vomGazastreifen ausgeht, wendenkann. Wenn die Palästinenserdort autonom sind, müssen siesich organisieren, und wir habendann einen Ansprechpartner fürsolche Probleme. Gegenwärtigschauen unsere Soldaten dort jedemFahrradfahrer nach, weil sienicht wissen, ob es ein harmloserZivilist oder ein Terrorist ist. Nachder Trennung müssen wir uns damitnicht mehr herumschlagen undhaben zudem eine Adresse, an diewir uns wenden können.Dann sind Sie also trotz allemoptimistisch?Sehr optimistisch sogar.* Das Gespräch führte unserJerusalemer Korrespondent ZwiLidar.10


H I N T E R G R U N D I N F O R M AT I O N E N A U S I S R A E LTIEFPUNKT IN DER TOURISTIK SCHEINT ÜBERWUNDENWieder mehr Touristen im Heiligen LandDas Rekordjahr, das der Tourismus im Jahr 2000 in Israel hatte, ist längst vergessen. Die Tourismusbranchedes Landes hatte drei schwere Krisenjahre zu überstehen, doch inzwischen zeichnetsich wieder ein leichter Anstieg der Touristenzahlen ab.Vorjahres. Dies hat eine einfacheErklärung: Die römisch-katholischeTourismus in Israel: Blick auf Nazareth (Bild: IPGO)Kirche bemüht sich intensiv um dieOrganisation von Pilgerfahrten, umauf diese Weise die römisch-katholischenInstitutionen im Heiligen Land wirtschaftlichzu unterstützen. Die Kirchen, Hospize und anderenEinrichtungen leiden schwer unter dem Ausbleiben derPilger und können die Institutionen teilweise nicht mehrfinanzieren. US/ANIn Jerusalem konnte man in den letzten Monatenwieder einige Busse beobachten, aus denen farbenfrohgekleidete afrikanische Pilger stiegen. Es brannten mehrLichter in ansonsten dunklen Hotels, und in vielen Kirchenstimmten gläubige Reisende wieder Chorgesänge an.Im ersten Vierteljahr 2004 kamen 433 000 Touristennach Israel, was im Vergleich zu den ersten drei Monatendes Jahres 2003 einen Zuwachs von 86 Prozent bedeutet.Aus Deutschland wurden zum Beispiel 21 000 Touristenverzeichnet, was einem Zuwachs von 111 Prozent gegenüberdem ersten Quartal des Jahres 2003 entspricht.Eine bemerkenswerte Steigerung wurde bei Pilgern ausItalien notiert. Mit 11 856 Touristen aus Italien kamen163 Prozent mehr als im vergleichbaren Zeitraum desKommentar: Wir möchten alle Leser dieser Zeitschriftaufrufen, einmal an einer Israelreise von Beth-Shalom teilzunehmen!Tausende Christen können bezeugen, wie durcheinen Israelbesuch mit Beth-Shalom ihr Glaubenslebenvertieft und gestärkt wurde. Es ist in diesem Zusammenhangvielleicht interessant zu wissen, dass ein mit Touristenbesetzter Reisebus noch nie Ziel eines Terroranschlagswar, aber für Christen gilt sowieso: An Gottes Segen istauch hier alles gelegen. Wir brauchen die Bewahrung desHerrn in der Heimat und in Israel. Abgesehen davon ist eserfreulich, dass sich die Zahl der Terroranschläge in Israelmassiv verringert. Auch in dieser Hinsicht hilft der HerrSeinem Volk bzw. der israelischen Armee auf wunderbareWeise. CMZWEITE GENERATION DEUTSCHER ZIVILDIENSTLEISTENDER IN ISRAELWunderbarer Dienst an IsraelJohannes Herwig-Lempp machte 1977-1978 seinen Zivildienstim Rahmen von «Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste (ASF)»in einem Heim für schwer erziehbare Kinder in Israel. Der heuteals Professor für Sozialarbeit in Halle tätige Mann verabschiedetekürzlich seinen Sohn Kasimir, der seinen Zivildienst ebenfalls inIsrael leisten und mit Holocaust-Überlebenden arbeiten wird.Johannes Herwig-Lempp überlebte1978 unverletzt einen Terroranschlagin Nablus. Palästinenserhatten eine Nagelbombe in einengemieteten arabischen Bus geworfen,mit dem Freiwillige von ASF zu einerErkundungstour durch die besetztenGebiete fuhren. Zwei Deutschewurden getötet, fünf schwer verletzt.«Eltern lernen, ihre Kinder ziehen zulassen», antwortete er lächelnd auf dieFrage, wieso er seinen Sohn freiwilligin jenes Land gehen lasse, das mit derandauernden Intifada noch gefährlichersei als damals. «Ich erlaube mir,keine Angst zu haben. In Deutschlandkann man mit dem Auto verunglücken.»Aber er gesteht: «Meine Frauhat mehr Angst.» Sein Sohn hingegenfühlt sich durch die Sicherheitsauflagenvon ASF erheblich eingeschränkt.Er darf nicht nach Ost-Jerusalem undnicht in die palästinensischen Gebietefahren. «Ich bin nicht so frei wie inEuropa», meint Kasimir, der mit Israelaufgrund der Geschichte seinerFamilie eng verbunden ist. «Alles gefälltmir, das Land, die Leute, die unterschiedlichenMentalitäten», fügteer hinzu. Vater Johannes, der seinenSohn kürzlich besuchte, bestätigt: «Israelist eben nicht ein Land, in demnur Busse in die Luft fliegen.»Früher hiessen diese deutschenjungen Männer, die nicht zur Bundeswehrwollten, Kriegsdienstverweigerer.Heute nennen wir sie Zivildienstleistende,doch wie kommen sie in einemLand klar, «wo einen der Krieg direktentgegenspringt?» Sohn Kasimir sagt,er habe «viel gelernt». Vater Johannesmeint: «Auch Soldaten sind Menschenund keine Ungeheuer.» US/AN15


H I N T E R G R U N D I N F O R M AT I O N E N A U S I S R A E LSPANNUNGEN ZWISCHEN ISRAEL UND DER TÜRKEIUnzuverlässiger BündnispartnerDie israelisch-türkischen Beziehungen sind derzeit stark unterkühlt. Seit dem Regierungsantritt vonMinisterpräsident Recep Tayyip Erdogan bestimmen Spannungen und nicht mehr herzliches Einvernehmendie Atmosphäre. Bitte lesen Sie dazu auch das Editorial von Fredi Winkler auf Seite 3.Obwohl Israel die Türkei nach wie vor als «strategischenBündnispartner» ansieht, ist der Bruch in den bilateralen Beziehungenunübersehbar.Die Spannungen nahmen nach der Liquidierung der Hamas-FührerScheich Yassin und Rantissi zu und erreichten ihren einstweiligenHöhepunkt während der Militäroperationen der israelischen Armeeim Gazastreifen. Der türkische Ministerpräsident und Vorsitzende derislamistischen Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) konntees sich nicht erlauben, angesichts dieser Ereignisse zu schweigen. Alsgläubiger Muslim nahm er deshalb unter anderem auch Stellung zurErmordung der Anführer der islamischen Hamas-Bewegung. Selbstverständlichwaren sie für ihn auch geistliche Oberhäupter.Erdogan ging nicht darauf ein, dass Yassin und Rantissi auchTerroristen waren. In diesem Zusammenhang bezeichnete er IsraelsPolitik als «Staatsterrorismus» und fügte in einem Interview hinzu,Israel trage mit dieser Politik nicht zum Frieden bei. Abdullah Gul, derAussenminister seines Kabinetts, drohte sogar, den israelischen Botschafterin Istanbul «zu Beratungen» nach Israel zurückzuschicken.Israel verhielt sich sehr zurückhaltend. Das Jerusalemer Aussenministeriumwies die Ausführungen des türkischen MinisterpräsidentenErdogan und seines Aussenministers zwar zurück, äussertesich jedoch nicht weiter dazu. Den Mitarbeitern des israelischenAussenministeriums ist klar, dass der türkische Regierungschefals Muslim und Vorsitzender einer islamisch ausgerichteten Parteienormem innenpolitischen Druck ausgesetzt ist. Andererseits hatauch die türkische Regierung grosses Interesse an der sicherheitspolitischenZusammenarbeit mit Israel. Es handelt sich um einfragiles Gleichgewicht, das insbesondereden muslimischen Türken viel Feingefühlund Manövrierfähigkeit abverlangt.Die politischen Spannungen haben bereitsAuswirkungen auf die Wirtschaftsbeziehungen,die sich auf einem GesamtvolumenDas Verhältnis zwischen der Türkei und Israelbeginnt seit der Liquidierung von Yassin undRantissi zu bröckeln(Bild: IPGO)von zwei Milliarden US-Dollar pro Jahr bewegen. Jährlich besuchen320 000 israelische Touristen die Türkei und tragen so wesentlichzu den Einkünften der türkischen Tourismusbranche bei. Darüberhinaus erwirbt die türkische Armee israelische Rüstungsgüter. ZurVerhandlung ausstehende Handelsverträge handhabt die Türkeimomentan mit vorsichtiger Zurückhaltung.Einige Kommentatoren der israelischen Medienlandschaft konntensich zynische Bemerkungen nicht verkneifen. Im Hinblick aufden Israel vorgeworfenen «Staatsterrorismus» erinnerten sie an dasVerhalten der Türkei gegenüber der kurdischen Minderheit. Dass dieTürkei nicht gerade ein Vorbild für eine humane Politik ist, beweisendie hohen Zahlen toter Kurden und die unzähligen kurdischenFlüchtlinge in aller Welt.Das israelische Aussenministerium wird sich allerdings hüten,solche Aussagen der israelischen Medien an die grosse Glocke zuhängen. Vielmehr wurde in Jerusalem betont, dass man auf eineschnelle Verbesserung des Verhältnisses hofft. ZLKommentar: Auf Dauer verstehen sich der Islam und dasJudentum nicht, denn der Islam repräsentiert die finstere Machtvon unten, während das Judentum ein Beweis für die Existenz desGottes Israels ist. Wir haben in dieser Zeitschrift schon mehrmals aufdiesen Sachverhalt hingewiesen. Es war und ist immer klar, dass dieTürkei Israel eines Tages den Rücken kehren wird. In diesem Lichtgesehen ist es verständlich, warum Muslime, die jahrelang scheinbarfriedlich mit Juden zusammenlebten, sich plötzlich gegen diese stellenund die Intifada unterstützen. Im Grunde genommen widerlegtdas Judentum die islamische Religion undstraft sie Lügen.Auch in europäischen Ländern, in denenviele Muslime leben, scheint es nur eine Frage der Zeit, bis eine«Explosion» stattfindet. Denn auch hier gilt: Christentum und Islamvertragen sich auf Dauer nicht; da prallen in der unsichtbaren Weltdie Geister aufeinander. Es ist ein fataler Irrtum vieler europäischerRegierungen zu glauben, eine dauerhafte friedliche Koexistenz mitdem Islam sei möglich. Bibelkenner wissen, dass die Entwicklunganders verlaufen wird. Die Vermischung des Abendlandes mit demIslam wird diesem zum Verhängnis. In Israel sehen das heute sogarunverbesserliche Friedensaktivisten. Diese Entwicklung macht auchvor Europa und den USA nicht Halt. In Amerika scheint man dasimmer mehr zu erkennen, in Europa noch nicht. Aber das ist nur eineFrage der Zeit. In diesem Zusammenhang wird man daran erinnert.dass es auch für die Gemeinde Jesu lebensgefährlich ist, wenn wirim Glaubenskampf Kompromisse eingehen und uns mit dem Geistder Welt vermischen (vgl. 2.Kor 6,14; Röm 12,2). CM17


H I N T E R G R U N D I N F O R M AT I O N E N A U S I S R A E LNachrichten aus Israel • 07/2004ISRAELISCHE SOLDATEN IN LEBENSGEFÄHRLICHEM EINSATZ«Kommt unser Sohn gut heim?»Die Mitarbeiter von Radio und Fernsehen wissen sehr gut, was es heisst, als Profis «Redewendungenzu finden, die möglichst wenig Bedenken und Furcht wecken». Doch die Angst der Eltern umihre Söhne, die in gefährlicher Mission unterwegs sind, können sie nicht zerstreuen.Wenn in Israel wieder einmal die sicherheitspolitische Lagebrenzlig ist und sich Soldaten der israelischen Armee hinter feindlichenLinien befinden, um die Sicherheit der israelischen Bürger zugewährleisten, dann verfolgen die Zivilisten jedes Wort, das in Radiound TV zu hören ist.Sie wissen schliesslich,was los ist undvergewissern sich,dass es ihren Liebengut geht. Doch dieRealität in Israel isthart. Immer wiederwerden Soldatenbei militärischenEinsätzen verletztoder getötet. Dasgeschah auch imletzten Monat, alsgrosse Truppenverbändeim Gazastreifenoperierten.Jeder kann sichvorstellen, wie esMüttern und VäternJeder kann nachvollziehen, wie eine Meldung aufEltern wirkt, in der es heisst: «Heute Abend kamenvier Soldaten ums Leben. Acht weitere wurdenverletzt, als …»(Bild: Reuters)geht, die ihre Söhneim Einsatz wissen. Jeder kann nachvollziehen, wie eine Meldung aufsie wirkt, in der es heisst: «Heute Abend kamen vier Soldaten umsLeben. Acht weitere wurden verletzt, als …» Beginnt eine Meldungmit diesen Worten, dauert es noch Sekunden, bis der Nachrichtensprecherweitere Einzelheiten bekannt gibt. Für Eltern werden dieseSekunden zu einer Ewigkeit. In einer solchen Situation besteht immerwieder die Gefahr, dass Angehörige einen Herzinfarkt erleiden.Deshalb lernt jeder israelische Nachrichtensprecher, wie er eineMeldung formulieren muss, um diese Sekunden der Ungewissheitzu reduzieren und zu entschärfen. In Israel wird zuerst der Ortgenannt, an dem es zu einem Zwischenfall kam, denn die meistenEltern wissen ungefähr, wo ihre Söhne im Einsatz sind. Erst danachwerden langsam weitere Informationen bekannt gegeben.In Israel denkt man auch diesbezüglich anders als fast in derganzen übrigen Welt. Das bezieht sich nicht nur auf besorgte Mütter,die ihre Söhne im Kampf wissen. Dieses umsichtige Verhaltenwird nicht nur von den Medien praktiziert, sondern auch vonPolitikern und Militärs. Einer der Gründe für den Rückzug Israelsaus dem Libanon waren die Mütter der Soldaten, die sich in derÖffentlichkeit zu Wort meldeten und ihrer Sorge um das Lebenihrer Söhne Ausdruck verliehen. Damals riefen diese Mütter eineBewegung mit dem Namen «Vier Mütter» ins Leben. Anfang Junidieses Jahres organisierte sich eine weitere Gruppe besorgter Mütter,die «Shuwe» («Kehrt zurück») heisst. Unter ihnen sind einigenamhafte Frauen, die im öffentlichen Leben stehen. Sie wollen, dassihre Söhne heimkehren. Sie sorgen sich, dass sie einen sinnlosenTod sterben könnten und zu Opfern eines nicht enden wollendenKrieges werden. Sie fordern, dass die israelische Armee aus demGazastreifen abzieht.Doch es gibt auch israelische Mütter, die anderer Ansicht sind.Im Laufe des Monats Mai berührten die Worte der Mutter einesgefallenen Soldaten die Bürger des Landes. Aviv Chakani diente ineiner Sondereinheit der israelischen Armee, die vor nicht allzu langerZeit ins Leben gerufen wurde. Die Soldaten dieser Spezialeinheitsuchen in der Grenzstadt Raffah nach unterirdischen Tunneln. DieStadt liegt zwischen dem Gazastreifen und Ägypten. Hier verläuftauch die so genannte «Philadelphi-Achse», die Israel aufgrund derbestehenden Friedensverträge kontrolliert. Früher haben die Palästinenserdie unzähligen unterirdischen Tunnel zum Schmuggeln vonDrogen benutzt. Inzwischen schmuggeln sie Waffen und Raketen– Geschenke der vom Iran gesteuerten libanesischen Hisbollah-Miliz. Im Laufe des Jahres 2003 entdeckte die israelische Armeerund 100 unterirdische Tunnel. Sie wurden gesprengt, um denWaffenschmuggel zu unterbinden. Der Offizier Aviv Chakani warfür die Sprengung der meisten Tunnel verantwortlich.Auch im Mai dieses Jahres befand er sich mit seiner Einheit aufder Suche nach solchen Tunneln. Als er mit seinen Kameraden ineinem gepanzerten Fahrzeug auf dem Rückweg zur Kaserne war,gab es plötzlich eine gewaltige Explosion. Das Fahrzeug wurde voneiner palästinensischen Rakete getroffen. Da sich darin zusätzlicherSprengstoff befand, blieb davon kaum etwas übrig. Offizier AvivChakani und fünf weitere Soldaten kamen bei dieser Explosionums Leben.In Israel war man zutiefst erschüttert. Der Tod eines Sohneswährend eines Militäreinsatzes ist bitter und schmerzlich genug.Doch wie soll man den Eltern beibringen, dass es noch nichteinmal einen Leichnam gibt, den man bestatten kann? Deshalbentschied die Armeeleitung, alles daran zu setzen, um möglichstviele sterbliche Überreste der gefallenen Soldaten aufzufinden.Für die damit beauftragten Soldaten war es ein grausiges Erlebnis.Kniend bewegten sie sich immer nur wenige Zentimeter vorwärts,während sie den Sand absuchten. Hier und da fanden sie sterblicheÜberreste oder Trümmerteile des gepanzerten Fahrzeuges.Die sterblichen Überreste konnten durch Gen-Untersuchungenidentifiziert werden. Die israelischen Soldaten fanden auch Überresteihres Kameraden Aviv Chakani, sodass ihm ein Begräbnis18


H I N T E R G R U N D I N F O R M AT I O N E N A U S I S R A E Ldes Hauses, das uns als Stützpunkt diente, mussten ins Untergeschossumziehen. Zunächst sollten wir die Einhaltung der Ausgangssperreüberwachen. Dadurch soll der Schmuggel von Bomben, Ausrüstungenzu Bombenherstellung und die Bewegungsfreiheit von Terroristeneingeschränkt werden. An verschiedenen Punkten der Stadt wurdenStrassensperren errichtet. Ausserdem wurden in den Nächten Hausdurchsuchungenund Patrouillen vorgenommen.«Afpteh al Jaket afpteh vkies» – «Öffne dein Jackett und mache dieTasche auf.» Das waren die Worte während meiner ersten Diensttagean der Strassensperre. «Ta’al! Ta’al!» – «Komm näher», rief ich einemPalästinenser zu, der mit seiner Familie an einer Strassensperre auftauchte,um in die Stadt zu gelangen. Er erzählte mir, dass sie dort zueinem Arzt wollten. Derartige Antworten hört man häufig an einerStrassensperre. Er zeigte mir ein zwei Jahre altes Attest auf Arabischund Englisch, in dem bestätigt wird, dass er Probleme mit den Füssenhat. Ausserdem habe er sehr ernsthafte Herzbeschwerden, erklärteer. «Afsterig» – «Gesperrt.» «Heute kommt ihr nicht durch», erklärteich ihm, denn die ganze Region war in Alarmbereitschaft versetztworden. «Wann kann man hier wieder passieren?» Als ich ihm sagte,dass ich keine Ahnung hätte, schaute er ungläubig drein, trommelteaber schliesslich seine Familie zusammen und ging mit ihr wieder nachHause. Als ich der Familie nachblickte, bekam ich Schuldgefühle, weilich mich in das Leben dieser Familie eingemischt hatte. Wir durchsuchenMänner, Frauen und Kinder, lassen sie lange in Schlangenwarten und erschweren ihren Alltag. Zwangsläufig fragte ich mich, obwir Zivilisten tatsächlich das Leben so schwermachen müssten. Es dauerte nicht lange, bisich eine Antwort auf meine Frage erhielt.Eines Abends sassen wir gerade indem arabischen Haus beim Abendessenzusammen, als der Kommunikationsoffizierin die Küche stürmte. «Notfall! Notfall!» Fürdiese Nachtwache war ich dem Notfallteamzugeteilt worden. Mit mir liessen fünf weitereSoldaten ihr Essen stehen, griffen nach ihrerAusrüstungen und rannten zum Armeefahrzeug.Wir rasten zum Flüchtlingslager Askar– vor uns ein Panzer, hinter uns ein mit Waffenbeladenes Fahrzeug.Die Armeehatte gesicherteErkenntnisse überden Aufenthaltsortvon vier schwerBilder, die in den Medien nicht zu sehen sind: Einisraelischer Soldat gibt seinem Feind zu trinken(Bild: IPGO)bewaffneten Terroristen in diesem Flüchtlingslager. Man wusste,dass sie unterwegs zu einem Anschlag auf eine der nahe gelegenenjüdischen Siedlungen waren.Wir fuhren durch das Flüchtlingslager. Die Türen unseres Fahrzeugshatten wir offen gelassen. Ich lehnte mich ein Stück weit heraus.Plötzlich war das laute Knattern eines Maschinengewehrs zu hören.Die Schüsse waren ganz nahe. Wir warteten auf die Schiesserlaubnis.Während wir die Terroristen durch das Flüchtlingslager verfolgten,wurden wir mit Steinen beworfen und einem Molotowcocktail, derdas letzte Fahrzeug unseres kleinen Konvois nur knapp verfehlte. Mirschossen viele Gedanken und Erinnerungen durch den Kopf. «Wennwir diese Terroristen nicht erwischen, dann werden viele Juden ihrLeben verlieren … Wie viele Verletzte wird es geben? Werden Familienausgelöscht werden?» Während ich mich aus dem Fahrzeug lehnte,flüsterte ich Psalmen. Wir rasten weiter, beobachteten, warteten, lauerten.Die Terroristen entkamen uns, aber zum Glück wurden sie vonder Fusspatrouille der Siedlung entdeckt, die sie angreifen wollten.Sie wurden erschossen.Später war ich in Ramallah im Einsatz. Nachdem der erste Versuch,Scheich Achmed Yassin auszuschalten, fehl geschlagen war, wurdemeine Einheit in Alarmbereitschaft versetzt. Man fürchtete Racheakteder Hamas. Eine Gruppe von Hamas-Terroristen plane einen Anschlagim israelischen Kernland, hiess es. Uns lagen genaue Informationenüber den Anführer der Terroristen vor, doch wo genau er sich aufhielt,wussten wir nicht. In der Nacht durchsuchten wir viele Häuser, aberohne Erfolg.Einige Tage später hörten wir die Nachricht über einen Selbstmordanschlagauf ein Café in Jerusalem. Dabei kamen sieben Menschen unsLeben, darunter auch Dr. Appelbaum und seine Tochter Nava, die amnächsten Tag heiraten wollte. Der Selbstmordattentäter war Studentan der Universität Bir Ze’it, die in dem Gebiet liegt, das wir durchsuchthatten. Die Beschreibung des Terroristen in den Nachrichten passtezu den Informationen, die wir vor der Suche bekommen hatten.Doch wir erfuhren niemals, ob der Attentäter tatsächlich der von unsgesuchte Mann war. Im Grunde genommen war es gleichgültig, dennan meinen Gefühlen hätte das ohnehin nichts geändert. Ich fühltemich schuldig und schrecklich hilflos zugleich. Wenn meine Einheiterfolgreich gewesen wäre und diesen Terroristen ergriffen hätte, dannhätte Dr. Appelbaum vielleicht an der Seite seiner Tochter unter demHochzeitbaldachin gestanden. In Gedanken begleiteten wir das Begräbnisvon Vaterund Tochter.Ja, die Palästinenserleiden.Niemand kann dasleugnen. Doch aufdie Frage, warumsie leiden, gibt eseine eindeutige undrecht einfache Antwort:Ihre Anführerund ihre Regierunghaben sich fürTerror und Gewaltentschieden. Aufdiese Weise wollensie den Konfliktlösen. Indem sie den Terroristen Märtyrerstatus verleihen, macht siediese zu Idolen. Es sind Terroristen, die unschuldige Männer, Frauenund Kinder ermorden. Sie haben sich für den Terrorismus entschieden,den sie aus islamischen Motiven zum Jihad, zum heiligen Krieg,erklärt haben. Dadurch wird die Ermordung unschuldiger Menschenzu einem heiligen Akt.Das nächste Mal, wenn Ihnen von den Medien Bilder präsentiertwerden, die das Leid der Palästinenser veranschaulichen, denken Sieeinmal über den wahren Grund nach. Die palästinensische Gesellschafthat sich für Gewalt und Zerstörung entschieden, und wir haben dasRecht, uns dagegen zu verteidigen.Alexander Landa, der Autor dieses Beitrags, arbeitete früherals Analyst an der Wallstreet und ist ehemaliger Student von «AishHaTorah». Der jung verheiratete, religiöse Jude will zum Thora-Studiumnach Israel zurückkehren. Von August 2002 bis Januar 2004diente er in einer Fallschirmjäger-Einheit der israelischen Armee.www.aish.com21


S O F O R T H I L F E F Ü R I S R A E LNachrichten aus Israel • 07/2004NEUES VOM PROJEKT «DIENST AN ISRAEL»Fortschritte bei der ArbeitLangsam ist bei den wichtigstenUmbauarbeiten ein Ende absehbar.Acht Zimmer sind zur Zeit in Arbeit,und so bleiben nur noch vier,die dann noch umgebaut werdenmüssen. Kürzlich hatten wir wiedereinen Engpass bei unseren Hilfskräften.Walter Pierson und seineFrau waren sechs Wochen bei uns,aber sie sind am 20. Mai wiederabgereist. Benjamin Höhn undseine Frau haben uns nach einemachtwöchigen Einsatz am 3. Juniverlassen. Auch unser SchwiegersohnAbel Platt musste am 7. Juniwieder nach Deutschland zurück,um dort mit einer Ausbildung zubeginnen. Ende Juni wird Kees, einVolontär aus Holland, der uns einegrosse Hilfe war, wieder nach Hausezurückkehren. Aber als es geradeknapp wurde mit den Arbeitskräften,meldeten sich zwei Freiwilligeaus Deutschland, die Erfahrung mitBauarbeiten haben. Sie wollen unseinen Monat lang helfen. So durftenwir erneut zur rechten Zeit die Hilfedes Herrn erfahren!Wenn die Zimmerrenovierungabgeschlossen ist, werden wir dengrössten Teil der Umbauarbeitenhinter uns haben. Trotzdem sindnoch weitere Erneuerungsarbeitengeplant, wie zum Beispiel an denFenstern in den Gängen. Zudemmüssen wir eine automatische Feuerlöschanlage(Sprinkler) einbauen,um eine Auflage der hiesigen Behördenzu erfüllen. Die Montage derSprinkleranlage wollen wir in einemseparaten Projekt im kommendenWinter vornehmen. Auf jeden Fallsind wir allen unseren Freundendankbar, wenn sie uns weiterhineifrig unterstützen – sei es durcheinen freiwilligen Arbeitseinsatzbei uns in Haifa, durch Gaben oderdurch Fürbitte!Im Sommer haben drei kleinereGruppen einen Aufenthalt in unseremHaus geplant. Das ist einermutigendes Zeichen, denn dieseJahreszeit wird wegen der Hitze vonTouristen eher gemieden. Die Lageim Land hat sich jedoch merklichberuhigt. Wir hoffen auf den Herrn,dass diese positive Entwicklung anhältund keine weiteren Terroranschlägemehr geschehen!Wir grüssen unsere Freunde undLeser mit einem herzlichen Shalomaus HaifaFredi und Beate Winklermit MitarbeiternWenn Sie dieses wichtige Projekt(weiter) finanziell unterstützenmöchten, tragen Sie bitte aufdem beiliegenden Zahlschein imVerwendungszweck den Vermerk«DIENST FÜR ISRAEL» ein. JedeSpende geht ohne den geringstenAbzug nach Israel weiter. CM22

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