In der dramati CORNWALL Zeit und Raum. Und

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In der dramati CORNWALL Zeit und Raum. Und

Text: Sabine Lachinger / Photos: Nikolaus Similache

CORNWALL

In der dramati

Zeit und Raum. Und


schen Landschaftskulisse mit den rauen Weiten und wilden Hügeln verlieren nicht nur Romantiker das Gefühl für

mancherorts spürt man, dass selbst die Gegenwart nur ein geduldeter Gast ist.

Paradise Lost


Während in St. Ives entzückte Touristen zwischen engen Gassen und windschiefen Sonnenschirmen auf

While crowds of tourists explore the


goldgelben Sandstränden herumirren, ist man im Fischerhafen von Portloe mit seinen Gedanken mutterseelenallein.

narrow lanes and golden beaches of St. Ives, visitors to the fishing village of Portloe are alone with their thoughts.


Fischmarkt am Hafen von Padstow

Russell Pascoe, Komponist

Val und Peter Russell, Penhallow Manor

The Bell Inn, Launceston

In Cornwall verschmelzen Land und Leute zu einer bittersüßen Symphonie. Wer auf die facettenreichen


Gartenzwerge, made in Pixie Land bei Bodmin

Peter C. Walker, Bildhauer

Michael Williams, Schriftsteller

„Babies“-Kollektion der Designerin Nicola Donovan

Tim Shaw, Creative Team Member, Eden Project

Zwischentöne achtet, erlebt eine leidenschaftliche Intensität und eine erstaunliche Offenheit, die ihresgleichen sucht.


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Bereits die Römer notierten, dass Cornwall der Rand der bewohnbaren Welt sei, als sie vor

zweitausend Jahren hier vorbeikamen. Mancherorts scheint es, dass sich daran bis heute nichts geändert hat.


Es schlägt Mitternacht. Die ausgestopften dreibeinigen Enten

in Potter’s zoologischem Kuriositätenmuseum sind längst im gnädigen

Dunkel versunken, als sich Michael Williams und zwei weitere

Gentlemen nebenan im „Jamaica Inn“ einfinden. Man nimmt

im historischen Teil des Pubs Platz und schweigt. Mr. Williams ist

es schließlich, der gegen 2 Uhr früh die angespannte Stille durchbricht.

Obwohl keiner der wenigen Gäste Pfeife raucht, kann er

eindeutig den intensiven Geruch Jahrhunderte alten Tabaks wahrnehmen.

Die Erregung der drei betagten Herren ist spürbar, denn

die nächtliche Investigation hat sich gelohnt: Heute spukt es recht

ordentlich im „Jamaica Inn“.

Michael Williams, Geisterjäger und Verleger a. D., ist keineswegs

für Späße zu haben, wenn er von seinen übersinnlichen Erfahrungen

berichtet. Seit 40 Jahren gräbt sich der honorige Korne, der

mit seiner Frau Sonja ein kleines Cottage im idyllischen Wadebridge

nahe des sagenumwobenen Bodmin Moores bewohnt, tief

in die Mythen seines Landes und hat darüber mehr als 20 Bücher

geschrieben. Dass er Mitglied in der vor 150 Jahren gegründeten

„Ghost Club Society“ ist, ist für ihn nicht kurios, sondern eine

Frage der Ehre. Schließlich haben sich schon so berühmte Persönlichkeiten

wie Sir Arthur Conan Doyle, Schöpfer des legendären

Sherlock Holmes, als deren ordentliches Mitglied um den Nachweis

zur Existenz von Geistern verdient gemacht. Der schrullige

Schriftsteller führt ein erfülltes Leben zwischen kornischen Tra-

THE ANCIENT ROMANS NOTED THAT CORNWALL WAS ON

THE EDGE OF THE INHABITABLE WORLD WHEN THEY ARRIVED

2,000 YEARS AGO. IN SOME PLACES IT ALMOST SEEMS AS

THOUGH NOTHING HAS CHANGED IN THE MEANTIME.

ditionen, knochentrockenen geschichtlichen

Fakten und schlaflosen Geistern. Seine Geschichten

tauscht er mit alten Freunden am

liebsten während eines Spaziergangs durch

Zennor aus, ein Dorf im Moor, westlich von

St. Ives, in dem es von Mythen und Legenden

nur so wimmelt. Oder bei einem original britischen

Lunch inmitten eines schaurig-schönen

Settings, das die perfekte Kulisse für eine

Fortsetzung von Stanley Kubricks „Shining“

abgeben würde. Vorzugsweise, betont Mr.

Williams, speist er nahe am Abgrund. Seine

Favoriten sind das „Willapark Manor“ bei

Bossiney und das „Polurrian“ bei Mullion, die

wie einsame riesenhafte Monumente aus dem

vergangenen Jahrhundert strahlend weiß am

Klippenrand emporragen.

Wen wundert es also, dass sein patriotisches

Herz für jene Besucher schlägt, die bereit

sind, die Zeiten ein bisschen zurück zu wan-

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Was vom Tage übrig bleibt, wird im „Jamaica Inn“ und in den Galerien von Penryn bis ins Morgengrauen gerettet.

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dern. Denn: Sich mit Leib und Seele auf das Cornwall von Michael

Williams einzulassen, heißt, jene magischen Orte abseits der

touristischen Surferhochburgen wie Blackrock, Duckpool, Bude

und Newquay kennen zu lernen, wo die Geschichten von damals

lebendig sind.

Der Weg zu diesen verborgenen Paradiesen führt durch die typischen

engen Landstraßen, die Cornwall hier wie ein Labyrinth durchziehen.

Links und rechts türmen sich mannshohe Hecken. Nur mit einer

guten Straßenkarte manövriert man mehr oder weniger geschickt

durch diese schier endlosen botanischen Bobbahnen mit den

immergrünen Gemüsewänden. Das magische Ziel heißt Lizard Peninsula.

Hier gibt es absolut gar nichts zu konsumieren, sondern

unverfälscht raue Natur zu erleben. Hier präsentiert sich Cornwall

von seiner prächtigsten Seite. 100 Meter über dem Meeresspiegel

wandert man auf einem unberührten Hochplateau. Beginnend bei

Porth Mullion, den Küstenpfad entlang nach Kynance Cove mit

seinem türkisgrünen Sandstrand. Und weiter zum Lizard Point,

Englands südlichstem Punkt. Die Wolken sind zum Greifen nah, und

wüsste man es nicht besser, könnte man meinen, dass selbst die

Schafherden, die weit entfernt am Horizont den kreisenden Möwen

nachstieren, von der gewaltigen Dramatik der Landschaft trunken

sind. Man kann sich bedenkenlos fallen lassen – in einen butterweichen,

sattgrünen Grasteppich, der die darunter liegende, wild

aufbrechende Erde wie ein schützender Mantel umhüllt. Kann

Stunden lang liegen bleiben und die Gedanken mit dem Klang der

tosenden Gischt unterhalb der steil abfallenden Klippen weit in die

offene See hinaus treiben lassen.

Es wäre jammerschade, würde man sich nach einem derart elementaren

Erlebnis in die gedämpfte blassgelbe Realität eines x-be-

liebigen Hotelrestaurants flüchten. Der beste

Ort, um den aufgewühlten Emotionspegel weiter

anzuheizen, ist das friedlich dahindämmernde

Nest Manaccan im Osten der Peninsula. Eben

dort, wo man so etwas nie und nimmer vermuten

würde, hat die exzentrische Londonerin Janet

Ingram ihren Traum verwirklicht. Ihr Bistro „The

Lion’s Den“ ist eine schrille Mischung aus Antiquitätenladen

und Restaurant. Das sinnliche Ambiente

und die phantasievollen kulinarischen

Kreationen (unbedingt probieren: den gerösteten

Anglerfisch mit Bohnenpesto oder das Thunfischsteak

mit Chili Salsa) sind nur einige der vielen

Überraschungen, die das Lokal bereit hält.

Denn wenn spätabends die Crème de la Crème

der regionalen Musikerelite das „Lion’s Den“ in

einen brodelnden Höllenkessel verwandelt, in

dem die Gäste auf den Tischen tanzen, dann

lässt das so manchen Londoner Szeneschuppen

ganz schön erbärmlich aussehen.

Wenn Janet im „Lion’s Den“ endlich die Stühle

auf die Tische stellen kann, wird im Keller von Pat

Mac Leods „Market St. Mews Gallery“ im nahe

gelegenen Kleinstadtidyll und Künstlertreff

Penryn die Nacht zum Tag. Pat, die ehemalige

Computerexpertin, hat einen Riecher für echtes

Talent und stellt die Räumlichkeiten ihrer Galerie

jungen Künstlern zur Verfügung, die bereit sind,

hart an sich und ihren Träumen zu arbeiten. Einer


HOTELS & RESTAURANTS

At “Jamaica Inn” and in the galleries of

Penryn the remains of the day are kept

alive and kicking until daybreak.

PENHALLOW MANOR, Alternun. Tel.: +44/1566/862 06.

www.penhallow-manor.co.uk. DZ ab 100 Pfund. Val und

Peter Russell haben diese gregorianische Residenz in

ein gnadenlos romantisches Hoteljuwel verwandelt.

HOTEL TRESANTON, Lower Castle Road, St. Mawes. Tel.:

+44/1326/27 00 55. www.tresanton.com. DZ ab 235 Pfund.

Durchgestyltes Aushängeschild der Designerin Olga

Polizzi mit cooler mediterraner Atmosphäre im mondänen

Seglertreff. THE PENZANCE ART CLUB, Chepal Street,

Penzance. Tel.: +44/1736/36 37 61. www.penzanceartsclub.co.uk.

DZ ab 70 Pfund. Künstlerclub der Textildesignerin

Belinda Rushworth-Lund. Im Restaurant baumeln

Hängematten, die vier Zimmer des Hauses sind kleine

Wunderwerke. MULLION COVE HOTEL, Mullion, Tel.: +44/

1326/24 03 28. www.mullioncove.com. DZ ab 96 Pfund.

Dramatische Klippenlage und idealer Ausgangspunkt für

Wanderungen auf dem endlosen Hochplateau. Hier weht

der Wind vergangener Tage. BROCKS RESTAURANT, The

Strand, Padstow. Tel.: +44/1841/53 25 65. Inhaber Tim

und Hazel Brocklebank haben einen stilvollen Gegenpol

zu Rick Stein’s örtlichem Gourmetimperium, dem

„Seafood Restaurant“, errichtet. PORTHGWIDDEN, Porthgwidden

Beach, St. Ives. Tel.: +44/1736/79 67 91. Man

sollte den Tisch am Fenster reservieren, der den Blick auf

den herrlichen Sandstrand und das Meer freigibt. Das

Restaurant ist ein echter Geheimtipp, serviert wird leichte

und tadellose Fusion-Kitchen. CAFE 33, Penryn. Tel.:

+44/1326/377 22 44. Neil Crisp, ehemals Londoner

Werbefachmann, kam nach Penryn und wollte hier einen

Sandwichladen eröffnen. Daraus ist ein urgemütlicher

Insidertreff für regionale VIPs geworden, die die variantenreichen

Fischgerichte schätzen.

Hotel Dvoˇrák

for every season

Hotel Martinspark

... wo sich Gastlichkeit mit

Design verbindet.

Österreichische Gastlichkeit und

Charme prägen den individuellen

Charakter unserer Hotels.

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GRABSTÄTTE AM WEG NACH ZENNOR: FRÜHER GLAUBTEN DIE KORNEN,

ALLE STEHENDEN UND LIEGENDEN STEINE SEIEN MENSCHEN, UNTER DER

HAND GOTTES ERSTARRT, WEIL SIE SONNTAGS GETANZT HATTEN./

A TOMB ON THE WAY TO ZENNOR: THE CORNISH USED TO BELIEVE THAT

ISOLATED BOULDERS LYING ON THEIR SIDE WERE PEOPLE WHO HAD BEEN

TURNED TO STONE BY THE HAND OF GOD FOR DANCING ON SUNDAY.

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von ihnen ist der 27-jährige Peter C. Walker, der in seinem „Atelier“, einem

winzigen Kellerverlies, längst jeden Begriff für Raum und Zeit verloren hat.

Alles begann damit, dass Peter innerhalb kürzester Zeit die Standardwerke

der klassischen Weltliteratur verschlungen hat. „Es war wie ein Rausch“, sagt

er, und seither verschmilzt die gewaltige Flut der unzähligen Charaktäre aus

den Romanen unter seinen sensiblen Händen zu fabelhaften Wesen.

Ein Stockwerk höher prägt die Leidenschaft für ungewöhnliche künstlerische

Zugänge die Bilder von Jane Cooper, die den Betrachter wie durch einen

Sog mitten in ihre sakrale Mystik ziehen. Seit zwei Jahren verbringt sie

nahezu jeden Tag in der Kathedrale von Cornwalls geschäftig-schicker Hauptstadt

Truro und porträtiert den kirchlichen Alltag. Sie hält sich immer im

Hintergrund, skizziert am Boden kauernd in versteckten Nischen, um still

beobachten zu können. Wenn morgens Messen mit lebendigen Schafen

abgehalten werden, und abends die modernen Opern des lokalen Shootingstars

Russell Pascoe aufgeführt werden. Und sie fängt mit ihrer abstrakten

sphärischen Bildsprache die intimsten Momente ein – wenn sich die Geistlichen

zurückziehen, um ihre Andacht zu halten.

Das etablierte und elitäre Pendant zu den ambitionierten kleinen Talenteschmieden

von Penryn und Penzance liegt in St. Ives. Die Tate Gallery, die

hier 1993 ihre Pforten öffnete, ist ein architektonisches Meisterwerk von

Eldred Evans und David Shalev. Im einzigen großen Museumsneubau

Südenglands können sich die Werke der „Westküste“ präsentieren: Knapp

1.000 Objekte, bisher in der Londoner Tate gelagert, finden hier ein neues

altes Zuhause.

Umgeben von engen Gassen und goldgelben Stränden ist das in mediterranem

Licht versunkene St. Ives eine jener berühmten Attraktionen Cornwalls,

die auch eingeschworene Individualreisende nicht achtlos links liegen

lassen sollten. Denn im Gegensatz zu unberührten und einsamen Hafenorten

ANREISE: AUSTRIAN AIRLINES FLIEGEN

VIERMAL TÄGLICH NACH LONDON

HEATHROW./AUSTRIAN AIRLINES FLIES

FOUR TIMES A DAY TO LONDON HEATHROW.

English Summary

Paradise Lost

Michael Williams won’t take any nonsense when he’s

explaining his supernatural experiences. For more than

40 years he has explored the mythology of his land and

written more than 20 books about it. Taking an interest

in Michael Williams’ Cornwall means becoming familiar

with mystic places off the beaten path, where ancient

history is still alive. Our destination is Lizard Peninsula,

where one can wander an untouched, flat landscape 100

metres above sea level. From Mullion, the path leads

along the spectacularly scenic coast to the sandy beaches

of Kynance Cove and on to Lizard Point, the southernmost

spot in England. The best place to further stir the

emotions is Manaccan, where the excentric Londoner

Janet Ingram has realised a dream: her bistro, the

“Lion’s Den”, is a strange mixture of antique shop and

restaurant. When Ingram is closing up shop at “Lion’s”,

Pat MacLeod is busy turning night into day at Market

St. Mews Gallery in nearby Penryn. One of the young

talents on the premises is a 27-year-old sculptor who

has lost any concept of time and space in his tiny dungeon

of a studio. In his hands the flood of fictional characters

merge into fabulous creatures. The established, elite

counterpart to this hotbed of talent lies in St. Ives,

where the Tate Gallery opened an architectonic masterpiece

by Eldred Evans and David Shalev in 1993. In a

setting of narrow lanes and golden beaches, visitors to

St. Ives experience all the fashionable brilliance of the

Cornish riviera. The motto here is “kitsch as kitsch can”

but who cares? For incurable romantics and those seeking

rest and relaxation, this is paradise.


CORNWALL

NEWQUAY

PORT ISAAC

PADSTOW

ALTARNUN

TRURO

FOWEY

ZENNOR

HEAD

PENZANCE

ST. IVES

PENRYN

FALMOUTH

PORTLOE

PORTSCATHO

ST. MAWES

LAND’S

END

HELSTON

MULLION COVE

MANACCAN

The

Lizard

LIZARD POINT

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TRAVEL TIPPS

BEST OF BOOKS:

The Hidden Places of Cornwall (Travel Publishing Limited). Ein

brandneuer, übersichtlicher Führer mit ausgezeichneten Hotel-

und Restaurant-Tipps abseits der Touristenrouten. Telefonische

Bestellung: +44/1189/81 77 77 oder bei www.amazon.com

BEST OF WWW:

www.cornwalltouristboard.co.uk. Alle Infos, die man braucht, um

eine Reise nach Cornwall zu planen. Very special: Hier beantwortet

man auch die gefinkeltsten Fragen rasch und ausführlich.

E-Mail: tourism@cornwallenterprise.co.uk

BEST OF GARDEN:

Ein futuristischer Ort, der die Geschichte von über 100 Pflanzen

auf einer Fläche von dreißig Fußballfeldern erzählt. Besonders

sehenswert: Tim Shaws Kupferskulpturen im prachtvollen mediterranen

Bereich des Eden Projects. www.edenproject.com

BEST OF CAR HIRE:

Wer in Plymouth mit der Cornwall-Erkundung startet, kann getrost

McMullin Motors ansteuern, Tel.: +44/1752/40 18 04. MacMcMullin

hat den passenden rollenden Untersatz für jeden Geschmack.

IRL

GB

Bodmin

Moor

LOOE

PLYMOUTH

English

Channel

wie Port Isaac und Portloe, erlebt man hier den mondänen Glanz

der kornischen Riviera, der an Reizen kaum zu überbieten ist. In

St. Ives heißt es „Kitsch as Kitsch can“. Aber was macht das schon:

Für unverbesserliche Romantiker und abgespannte Entdecker, die

sich von den rauen Weiten der wilden Landschaft erholen wollen,

ist das Künstlerzentrum das feine Sahnehäubchen auf den bodenständigen

kornischen Pasteten.

Für einen atmosphärisch dichten Kick sorgt ein spätabendliches Dinner

im „Porthminster Hotel“ direkt am Strand von St. Ives. Wenn man

zu den letzten Besuchern zählt und sich die riesigen Gold glänzenden

Falttüren zwischen der Bar und dem Speisesaal schließen, dann spürt

man mit einem Schlag, dass die Gegenwart hier allenfalls ein geduldeter

Gast ist. In jeder Ecke stapeln sich die besseren Zeiten, die

das ehrwürdige Haus gesehen hat. Elisabeth Hudson, die Grand

Dame der Serviergarde, kann darüber unzählige Geschichten erzählen.

Seit 30 Jahren ist sie um das Wohl ihrer Gäste bemüht und

seit jeher über den neuen legeren Umgang mit britischer Gastfreundlichkeit

erhaben. Sie ist eine gelungene Reanimation der Noblesse

vergangener Tage, und das lässt ganz schnell vergessen, dass auch

der Einfallsreichtum des amtierenden Küchenchefs langsam aber

unaufhaltsam verblasst.

Erwacht man am nächsten Morgen in einem Zimmer des Porthminster,

könnte man meinen, dass die Aussicht eine einzige riesige

Postkarte aus den 50er Jahren ist, die man hier angebracht hat, um

über den verblichenen Glamour des Hauses hinwegzutrösten. Während

man auf der Fensterbank lehnt, seinen Morning Tea schlürft und

erfasst, dass sich einem die Realität tatsächlich in Pastelltönen

präsentiert, kann es schon passieren, dass sich eine Möwe vertrauensvoll

in die Zimmerfluchten wagt. Ein unvergessliches und gleichermaßen

bedenkliches Erlebnis. Denn das Federvieh ist mit

Sicherheit so ziemlich das einzige Lebewesen unter dem kornischen

Himmel, das man mühelos zähmen kann. Mit einer ganz gewöhnlichen

saftig-grünen Kiwi ...

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