Kloster und Schloss Salem, Sanierungsmaßnahmen 2009–2011

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Kloster und Schloss Salem, Sanierungsmaßnahmen 2009–2011

Kloster und Schloss Salem


Baden hat davon einen Anteil in Höhe von rund 1,5 Millionen Euroübernommen. So wurden beispielsweise die Raumschale des Kaisersaalsin Abstimmung mit der Denkmalpflege aufwendig instandgesetzt sowie Bereiche der Fassaden und Dächer gesichert und saniert.Die Fertigstellung des ersten Bauabschnittes möchte ich zum Anlassnehmen, all jenen zu danken, die den Erwerb von Kloster undSchloss Salem ermöglicht haben. Ebenso danke ich all jenen, diesich für den Erhalt der historischen Anlage einsetzen. Die gute Zusammenarbeitder Planer und Bauschaffenden bei der Fertigstellungdes ersten Bauabschnitts setzt Maßstäbe für die noch anstehendenMaßnahmen in Kloster und Schloss Salem. Ich bin mir sicher, dassdie Pflege unserer historischen Bauwerke und die Wahrung unsereskulturellen Erbes in Salem weiterhin mit großem Engagement eindrucksvollgelingen werden.Ich lade alle Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste des Landes Baden-Württembergherzlich ein, dieses herausragende Kulturdenkmalzu besuchen.6 7


Dachumdeckung am Nordflügel der PrälaturIn einer zweiten Sanierungsphase wurden ab 1979 in Abstimmungmit der Denkmalpflege die Fassaden und Dachflächen insbesonderedes Konvents und das Münster im Äußeren gesichert. Der Weinbaubetriebwurde ausgebaut und in Nebengebäuden wurden alte Handwerksbetriebeangesiedelt.Der Verkauf von Kloster und Schloss Salem an das Land Baden-Württemberg erfolgte im April 2009. Der privat genutzte Teil derPrälatur befindet sich weiterhin im Eigentum der Familie von Baden.Das Land ist nun Eigentümer eines Schlossbezirks mit über 160.000 m²Grundstücksfläche. Die Nutzflächen der Bauwerke addieren sich insgesamtauf 60.000 m². Allein das Konventgebäude und die Prälaturhaben eine Fassadenabwicklung von über 1.000 Metern. Teilbereicheder Prälatur nutzt die Familie von Baden weiterhin als Wohn-, BüroundArchivbereich; diese Flächen wurden nicht auf das Land übertragen.Die Staatliche Vermögens- und Hochbauverwaltung Baden-Württemberghat parallel zu den Erwerbsverhandlungen mit der Familievon Baden eine Bestandsaufnahme erstellt und für den gesamtenSchlossbezirk ein langfristig angelegtes Sanierungs- und Instandsetzungskonzeptentwickelt. Das Konzept belegt einen Gesamtaufwandvon nahezu 47 Millionen Euro und gliedert sich in sogenannte Sofortmaßnahmenmit einem Volumen von 11 Millionen Euro und einemmittel- bis langfristig umzusetzenden Bauprogramm in Höhe von 36Millionen Euro. Der 1. Abschnitt der Sofortmaßnahmen mit einem14 15


Detail Fassade SternenhofVolumen von 6 Millionen Euro konnte 2011 erfolgreich abgeschlossenwerden. Der 2. Abschnitt mit ebenfalls einem Volumen von 6Millionen Euro ist im Bau. Die Familie von Baden beteiligt sich alsMiteigentümerin mit einem Anteil von rund 3 Millionen Euro an denersten beiden Bauabschnitten. Weitere Sanierungs- und Instandsetzungsmaßnahmensollen ab dem Jahr 2015 umgesetzt werden.Mit dem notwendigen Respekt vor der historischen Bausubstanz hatder Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg in gutemKontakt mit der Familie von Baden und gemeinsam mit Architektenund Fachingenieuren, Gutachtern und qualifizierten Handwerkernund Baufirmen in der 1. Sanierungsstufe im Wesentlichen FassadenundDachbereiche der Prälatur sowie den Kaisersaal behutsam instandgesetzt und den baulichen Brandschutz ertüchtigt – dafür meinenherzlichen Dank.Die Staatliche Vermögens- und Hochbauverwaltung Baden-Württembergunternimmt heute und in Zukunft alle Anstrengungen, das ihranvertraute kulturhistorische Erbe des Landes zu pflegen, zu bewahrenund für die Bürgerinnen und Bürgern zu öffnen und erfahrbarzu machen. In diesem Sinne wünsche ich, dass viele Besucher in derwunderschönen Bodenseeregion mit Kloster und Schloss Salem aufEntdeckungsreise gehen.16 17


Kulturdenkmal Schloss SalemBedeutung unddenkmalpflegerische PraxisProf. Dr. Claus WolfLeiter des Landesamtes für Denkmalpflegeim Regierungspräsidium StuttgartZum DenkmalwertKloster und Schloss Salem, ehemals Zisterzienser-Reichsabtei undspäter Residenz der Markgrafen des Hauses Baden, ist aufgrund seinerherausragenden Architektur, seiner äußerst wertvollen Ausstattungund seiner außergewöhnlich hohen geschichtlichen und kulturgeschichtlichenBedeutung ein Monument von nationalem Rang undzählt zu den bedeutendsten Kulturdenkmalen des Landes.Das Kloster wurde 1134/37 gegründet und gehörte bis zu seiner Aufhebungim Jahr 1802 zu den mächtigsten und reichsten Klöstern imsüddeutschen Raum mit einem Einflussbereich, der sich über ein zusammenhängendesKlostergebiet im Linzgau und darüber hinaus vomBodensee bis zum Schwarzwald und in den mittleren Neckarraumerstreckte. Die wirtschaftliche Kraft und der politische Anspruchder Abtei drückten sich über die Jahrhunderte hin auch in ihren architektonischenLeistungen aus: allen voran durch das hochgotischeMünster, das im Wesentlichen zwischen 1299 und 1311 erbaut wurdeund zu den herausragenden Kirchen der Gotik in Deutschland zählt.Expertendiskussion im Kaisersaal unter der Decke18 19


Details vor der RestaurierungEin verheerender Klosterbrand im Jahr 1697, der fast nur die Klosterkircheunversehrt ließ, wurde als Chance genutzt, um innerhalbweniger Jahre neue Konventbauten im Sinne barocker Repräsentationskraftund hohem Anspruch zu errichten. Zusammen mit denWirtschaftsgebäuden, den historischen Hof- und Gartenflächen undder Umfassungsmauer samt ihren aufwendigen Torbauten ermöglichensie bis heute einen lebendigen Einblick in die Lebens- undWirtschaftsverhältnisse zur größten Blütezeit der Abtei im 18. Jahrhundert.Kurz vor der Säkularisation entstand noch eine ausgesprochenaufwendige Neuausstattung der Münsterkirche.Für Prälatur- und Konventgebäude ist außer auf die schlossartige Anlagevor allem auf den außerordentlich reichen Wand- und Deckenstuckaus allen Stilperioden des 18. Jahrhunderts hinzuweisen, derin seiner Wirkung durch integrierte Gemälde gesteigert wird. Aucham beweglichen Inventar waren häufig dieselben Künstler beteiligtund garantierten den Zusammenklang von Dekoration und Zubehör.Hier sind vor allem die damals sehr berühmten und auch heute inder Kunstwissenschaft hoch angesehenen Bildhauer und StuckatorenFranz Josef Feuchtmayer, Johann Georg Dirr und Johann Georg Wielandzu nennen, deren Lebenswerk in Salem einen Gipfelpunkt fand.Neben diesen, den Charakter des Interieurs besonders stark prägendenKünstlern wirkte hier eine Reihe der seinerzeit bedeutendstenMaler Südwestdeutschlands, deren Werk zum großen Teil bereitswissenschaftlich aufgearbeitet und in Oeuvrekatalogen erfasst wurde:Andreas Brugger, Gottfried Bernhard Göz, Franz Joseph Spiegler, Ja-cob Carl Stauder. Von ihnen stammen die meisten Ölgemälde, dieheute noch die Wände schmücken – darunter so bekannte Zyklenwie die zwölf Bilder aus dem Leben des Bernhard von Clairvaux (vonAndreas Brugger) im Bernhardusgang oder die sechs Szenen aus demLeben Jesu (von Gottfried Bernhard Göz) für den Abtssalon.Über die künstlerische und wissenschaftliche Bedeutung der eigentlichenKlosteranlage hinaus ist das Kloster als politischer undwirtschaftlicher Kristallisationspunkt im süddeutschen Raum durchdie Jahrhunderte von großem Einfluss gewesen. Es ist vor allem derhohe kulturgeschichtliche Stellenwert des Zisterzienserklosters alsGestalter einer vielfältigen Kulturlandschaft, der sich mit dem NamenSalem noch heute sichtbar verbindet. Die ehemaligen Abteigebäudesind der Mittelpunkt einer weitgehend durch die klösterlicheWirtschaftsform mit Grangien (Wirtschaftshöfen) und Fischteichengeprägten Umgebung, zu der auch noch das hügelige Nordufer desÜberlinger Sees mit der vom Kloster erbauten Wallfahrtskirche Birnau,Schloss Maurach und dem Weiler Seefelden zählt, eine Klosterlandschaft,wie sie in Deutschland in dieser Pracht und dieser gutenÜberlieferung nur noch an ganz wenigen Stellen zu erleben ist.Zur Denkmalpflege: Kontinuität und NachhaltigkeitBereits in den 1990er-Jahren hatte die Landesdenkmalpflege zusammenmit der Familie von Baden auf der Basis umfangreicherBestands- und Schadensaufnahmen langfristige Instandsetzungsprogrammeentwickelt, die nach Dringlichkeit aufgestellt worden sind.Dabei hatte die Sicherung des originalen Baubestandes durch eineSubstanz schonende Restaurierung und behutsame Instandsetzungabsolute Priorität.Nach diesem konservatorischen Grundsatz hat das MarkgräflicheHaus 1996 bis 2002 die Dachsanierung des Münsters und die Sicherungder Natursteinfassade am Nordwestquerhaus des Münsters bewerkstelligt.Diese Maßnahmen wurden 2003 im Arbeitsheft 11 desdamaligen Landesdenkmalamtes vorgestellt und fanden wegen ihrervorbildlichen Vorgehensweise große Resonanz in der Fachwelt. Esfolgte die Dachsanierung von Konventgebäude und Prälatur in erstenAbschnitten, wobei die Sicherung der flach gewölbten Deckeüber dem Bibliothekssaal unmittelbar unter der Dachebene einebesonders anspruchsvolle Aufgabe darstellte. Die Finanzierung derMaßnahmen am Kulturdenkmal in Privatbesitz wurde aus Mittelndes Denkmalprogramms des Landes, der Deutschen Stiftung Denkmalschutzund des Deutsch-Französischen Forschungsprogramms desBundes zur Erhaltung von Baudenkmalen unterstützt.Nach dem weitgehenden Übergang von Kloster und Schloss Salem andas Land Baden-Württemberg im Jahr 2009 konnten im sogenanntenSofortprogramm zunächst die bereits vorliegenden Sanierungs- und Restaurierungskonzeptefür die Dächer der Prälatur und für den Kaisersaalaufgegriffen, im Detail weiterentwickelt und umgesetzt werden. Dieschon bisher verfolgten denkmalpflegerischen Grundsätze eines absolutenVorrangs des Substanzerhalts und der Beschränkung aller Eingriffe aufdas Notwendigste galten gleichermaßen für die aktuell in Angriff zu nehmendenInstandsetzungsmaßnahmen. Sie waren und sind Leitlinien für20


Detail vor der Restaurierungalle Vorhaben und Gewerke: von der Restaurierung der Natursteingliederung,der Putzflächen mit Architekturmalerei, der Fenster und der Klapplädenan den Innenhoffassaden, über die Restaurierung der Raumschale,der Deckenbilder, der Armleuchter und des historischen Bodenbelags imKaisersaal bis zur Restaurierung des Gemäldezyklus im Bernhardusgangdes Konventgebäudes oder der Ausstattung des Abtquartiers.Denkmalpflegerische Praxis an den Beispielendes Kaisersaals und der InnenhoffassadenKaisersaal. Im Vorfeld notwendiger Reparaturmaßnahmen am Dachstuhlüber dem Kaisersaal hatte das Landesamt für Denkmalpflegebereits 2006 die Raumschale fotogrammetrisch aufgenommen. Anlasswar ein auffälliges Rissbild an der Stuckdecke und Schäden, die imZusammenhang mit der Dachkonstruktion standen. Von Beginn anwar allen Beteiligten klar, dass die Instandsetzung der Dachkonstruktionund die Restaurierung der Raumschale nicht isoliert voneinanderbetrachtet werden konnten, da Dachwerk und Deckenlage eng miteinanderverbunden sind. Jedes Eingreifen in die Dachkonstruktionwürde sich auf die Stuckdecke auswirken. Unsachgemäße Arbeitenan der Konstruktion und an der sogenannten Bockshaut – dem Putz,der den im Raum sichtbaren Deckenstuck mit der Konstruktion „verzahnt“– haben in der Vergangenheit andernorts zu Abstürzen vonDeckenbildern und Stuck geführt.Der fotogrammetrischen Bestandsaufnahme folgte im Jahr 2009 einerestauratorische Voruntersuchung zur Entwicklung eines konservato-22 23


Beschädigte BockshautZustand der Bockshaut im Kaisersaal.rischen Konzeptes: Auf der Basis der bereits vorliegenden Bildplänevon Decke und Seitenwänden und eines 2010 zusätzlich erstelltenBildplans der gesamten Bockshaut wurde der Gesamtzustand vonRaumschale und Decke mit ihren spezifischen Schadensbildern inText, Plan und Bild erfasst und analysiert. Auf diese Weise konntegleichermaßen der komplexe Überlieferungszustand von Stuckund Fassungen sowie deren Restaurierungsgeschichte ermittelt unddokumentiert werden – entsprechend der konservatorischen Forderung,dass jedem Eingriff in die historische Substanz eine Bestandsanalysevorauszugehen hat, „die die wesentlichen materiellen Denkmalbestandteilein ihrem Zustand erfasst und nach ihrem Beitrag zurDenkmalbedeutung bewertet und dokumentiert“ (Vereinigung derLandesdenkmalpfleger, Leitbild Denkmalpflege, 2011).Das erarbeitete restauratorische Konzept für den Kaisersaal mit dembedeutenden Stuck von Franz Josef Feuchtmayer und den qualitätvollenDeckengemälden von Jacob Carl Stauder wurde zunächstan ausgewählten Musterachsen erprobt. Die denkmalpflegerischeZielsetzung, den Bestand rein konservierend zu sichern, wurde konsequentverfolgt: Die geschädigten Putzflächen, Stuckierungen, Malschichtenund Fassungen waren nach Reinigung und Niederlegungaufstehender Farbschichten in einer auf das Mindestmaß reduziertenVorgehensweise optisch anzugleichen. Für den Betrachter bleibt derhistorische Bestand in seiner gewachsenen Vielfalt mit seiner Restaurierungsgeschichteauch nach erfolgter Konservierung und Restaurierungerlebbar und ablesbar.Fassaden der Innenhöfe. Der Grundsatz, dem Bestand in seinerhistorischen und ästhetischen Aussagekraft gerecht zu werden, fandfolgerichtig auch im Umgang mit den Fassaden der Innenhöfe vonSchloss Salem seine Anwendung. An den Fassaden der beiden Innenhöfe„Tafelobstgarten“ und „Sternenhof“ hat sich ein singulärerBestand historischer Putze mit Fassungen aus der Zeit der Erbauungnach dem großen Brand 1697 (um 1706) sowie einer Überfassung imKlassizismus (um 1788) erhalten. Die einzigartige Befundsituationveranlasste Denkmalpflege und Bauherrn, ein Konservierungskonzeptauf der Grundlage einer differenzierten Bestandsaufnahme derjeweils spezifischen Befunde und Schäden für die Fassaden zu erarbeiten.Das Konzept wurde an zwei Musterachsen überprüft. Auchhier bestand die denkmalpflegerische Zielsetzung gemäß den Vorgabender Charta von Venedig (1964) darin, den wertvollen Bestandrein konservierend zu sichern und die geschädigten Putzflächen bzw.Fehlstellen mit einem dem historischen Bestand entsprechenden Material„neutral“ zu schließen und ihn eben nicht zu rekonstruieren.Der Betrachter vermag Original und Ergänzung zu unterscheiden underlebt trotzdem ein ästhetisch überzeugendes Erscheinungsbild derFassaden als Einheit. Erst mit der Differenzierung von authentischüberliefertem Bestand und den daneben stehenden Ergänzungen entfaltetsich die sogenannte „Aura des Originals“.PerspektivenAn den denkmalpflegerischen Leitlinien wird auch bei künftig anstehendenProjekten wie etwa dem Betsaal oder dem Marstall festzuhaltensein. Gleichzeitig darf der Fokus einer nachhaltigen Denkmal-24 25


Im Sternenhoferhaltung nicht außer Acht gelassen werden. Erst die kontinuierlicheÜberprüfung der Maßnahmen im Rahmen von Inspektions- und Wartungsplänensowie regelmäßige Baupflege garantieren eine langfristigeund substanzschonende Erhaltung. Für alle Einzelbauten sollteein nach fachlichen Schwerpunkten und Dringlichkeit gegliedertes„Denkmalpflegewerk Schloss Salem“ als Grundlage für ein langfristigesund regelmäßiges Monitoring angestrebt werden.In diesem Zusammenhang soll nicht unerwähnt bleiben, dass die alsNotsicherung in den Jahren 1996 bis 2002 durchgeführte Maßnahmean der Sandsteinfassade des Nordwestquerhauses des Münsters imRahmen eines Projektes der Deutschen Bundesstiftung Umwelt 2009auf ihre Nachhaltigkeit überprüft worden ist. Das überaus erfreulicheErgebnis nach mehr als zehn Jahren: Die Restaurierungen haben Bestand,das Fortschreiten der Schäden konnte aufgehalten werden, dasästhetische Erscheinungsbild ist weiterhin überzeugend.Die Ergebnisse des ersten Abschnitts der Sofortmaßnahmen in SchlossSalem haben Maßstäbe gesetzt. Das Landesamt für Denkmalpflegeim Regierungspräsidium Stuttgart und das Referat Denkmalpflegeim Regierungspräsidium Tübingen haben in drei Jahren intensiverZusammenarbeit mit dem Amt Ravensburg des Landesbetriebs Vermögenund Bau Baden-Württemberg, der bauleitenden Architektengemeinschaft,der Restaurierungswerkstatt der Staatlichen Schlösserund Gärten sowie einer großen Zahl qualifizierter Fachfirmen undfreiberuflicher Restauratoren denkmalpflegerische Konzepte und Belangeerfolgreich einbringen und umsetzen können. Die Spezialistenim Fachgebiet Restaurierung des Landesamts für Denkmalpflege hattenhierbei einen besonderen Anteil. Begleitet wurden Konzeptentwicklungund Ausführung von regen, konstruktiven Diskussionen mitden beiden Bauherren, dem Ministerium für Finanzen und Wirtschaftund der Familie von Baden, bei regelmäßigen Ortsterminen und inder mit internen und externen Experten besetzten Lenkungskommission.Die Denkmalpflege war immer wieder gefordert, ihre fachlichenGrundsätze mit Argumenten, mit Vergleichsbeispielen und in Bemusterungenzu vermitteln. Dass sich alle Beteiligten im Prozess derBewältigung einer äußerst komplexen Aufgabenstellung auf eine alleGewerke durchziehende Leitlinie verständigten, ist sowohl im Detailwie im Ganzen sichtbar.Resümee26 27


ZWISCHEN REPRÄSENTATION UND ASKESEdas ZIsterZIENSERKloster SALEMDr. Birgit RückertSchlossverwaltung SalemStaatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg„Der hochwürdige, des Heiligen römischen Reiches Prälat undHerr des königlich eximierten, konsistoralen und unmittelbar freienReichsstiftes und Münsters der allerseligsten Jungfrau Maria vonSalem regierender Abt der beiden kaiserlich-königlichen und königlichapostolischen Majestäten wirklicher Geheimer Rat.“So lautete der offizielle Titel von Anselm II. Schwab, 38. Abt in Salemvon 1746 bis 1778.Noch deutlicher hätte er seine politischen Ambitionen als Prälat derReichsabtei Salem nicht formulieren können. Und eindrucksvoll präsentiertder „vom Bauwurmb“ ergriffene Abt seine Funktion sowiedie Stellung Salems im Reich durch seine außerordentlichen Bauvorhaben,mit denen er Salems Erscheinungsbild nachhaltig prägte: Neugestaltungdes Münsters mit Alabasterausstattung im klassizistischenStil, Vierungsturm mit 16 Glocken, der Neubau einer gewaltigen Orgelanlagemit über 7.000 Pfeifen, die Ausstattung des Abt-Appartementsmit feinstem Rokoko-Stuck, Einrichtung und Ausstattung derBibliothek, nicht zuletzt die Verlegung der Marienwallfahrt und Neubauder Wallfahrtskirche Birnau.Allein den Kaisersaal, das Herzstück der Prälatur im repräsentativenTeil des Klosters, ließ Anselm in seiner Programmatik und Ausstattungweitgehend unangetastet. Zu wertvoll hinsichtlich seines Bildschmucksund dessen Bedeutung erschien der Kaisersaal dem KlosterIdeale Ansicht des Klosters auf einem Salemer Thesenblatt,Planungsstand von 1704 (Prälatur, 2. OG)28 29


Porträt von Abt Anselm II. Schwab (1746–1778),Andreas Brugger zugeschrieben (Bibliothek Schloss Salem)und dem Abt: Als freie Reichsabtei und Konsistorialstift unterstehtSalem nur dem Kaiser und dem Papst – jeder Besucher im Klostermusste dies begreifen.Würde man sich als Gast des Abtes im 18. Jahrhundert der Klosteranlagenähern, fielen sofort Anselms ambitionierte Neu- und Umbauten,Ausdruck seines fürstlichen Repräsentationsbedürfnisses, insAuge: prächtige, von Alleen gesäumte Chausseen, die zum Klosterführen, der damals noch stehende 60 Meter hohe Glockenturm desMünsters, Obstspaliere, mit Statuen geschmückte Brunnenanlagen inden Klosterhöfen und Gartenanlagen – nicht nur die Innenräume,sondern sogar der Pferdestall prächtig ausgestattet; nicht zu vergessen:die ehrwürdige Mönchskirche mit reichstem ornamentalem undfigürlichem Schmuck. Dies alles erscheint als Widerspruch zu demvon Askese, Demut und Armut geprägten Lebensideal der Mönche,von dem die Zisterzienser auch Vorgaben für Anlage und Ausstattungihrer Klöster ableiteten.Doch zurück zu den Anfängen: Wie kamen die Zisterzienser an diesenOrt? Wie entwickelte sich das Kloster im Lauf der Jahrhunderte,und wie konnte trotz Armutsbekenntnis der Mönche eine solch„fürstliche“ Anlage mit schlossartigem Erscheinungsbild entstehen?Der Orden der Zisterzienser hatte sich im 11. Jahrhundert in Burgundals Reformbewegung aus dem Benediktinerorden herausgebildet. Manwollte wieder zurück zum Kern monastischer Lebensformen, wie siedie Regeln des Hl. Benedikt von Nursia beschreiben. Diese Regelnsollten „richtig“ interpretiert und wieder streng wortgenau befolgtwerden. In offener Kritik an den bestehenden Verhältnissen in denBenediktinerklöstern sollten die Mönche nicht durch Zuwendungender Weltlichen existieren oder den Zehnten einfordern, sondern „vonder eigenen Hände Arbeit leben“. Vorbildliche Lebensweise, die Einführungeiner Ordensverfassung (Charta caritatis), effizientes Wirtschaften,vor allem aber auch die charismatische Persönlichkeit desHl. Bernhard, Abt von Clairvaux (1090–1153), führten zu einer hohenAkzeptanz und damit raschen Ausbreitung des Ordens in Europa.1134 stiftete Guntram von Adelsreute den Ort Salemanswilare undweitere Güter dem aufstrebenden Orden. Möglicherweise sollteGuntram als Parteigänger der Staufer durch die Klostergründungstaufischen Einfluss im Welfengebiet sichern. Jedenfalls war Salemin der weiteren Geschichte den Staufern eng verbunden. 1137 bezogder Gründungskonvent von zwölf Mönchen aus dem Kloster Lützelim Elsass unter Abt Frowin (1137–1165) das neue Kloster. Ob derOrt Salmansweiler damals ein intaktes Dorf oder eine Wüstung war,ist nicht bekannt. Ebensowenig kennt man Aussehen und Ausmaßder ersten mittelalterlichen Klosteranlage. Die Mönche hatten demKloster den „heiligen“ Namen Salem (nach dem biblischen „Ort desFriedens“) gegeben, der alte Ortsname Salmansweiler war aber bis ins19. Jahrhundert als Bezeichnung des Klosters gebräuchlich.Das Kloster besaß wohl bereits eine recht imposante romanische Kirche;denn zu den ältesten Überresten Salems zählen die mächtigenDachziegel von der ersten Klosterkirche, die im gotischen Neubau30 31


zum Teil wiederverwendet wurden. Diese ältesten, zum Teil beschriftetenZiegel sind heute im Münster ausgestellt.Bereits in den ersten Jahrzehnten nach der Gründung gelang es demKloster durch weitere Stiftungen, aber auch durch Erwerb von Grundund Boden seine Wirtschaftsflächen gewaltig auszudehnen. Zum Klosterbesitzgehörten landwirtschaftliche Güter nicht nur rund um dasKlosterareal bis an den Bodensee, sondern auch in weiter entferntenRegionen – im Hegau, im Schwarzwald, in Oberschwaben und auf derSchwäbischen Alb. Eine wirtschaftliche Blütezeit erlebte das Klosterunter Abt Eberhard I. von Rohrdorf (1191–1240), der dem Kloster fastfünfzig Jahre vorstand. Das wirtschaftliche Wachstum der Abtei und dieAusdehnung seines Besitzes wurden dadurch begünstigt, dass der Ordenim 13. Jahrhundert längst die strengen Vorgaben zur Eigenwirtschaft gelockertund den Lebensverhältnissen angepasst hatte; Grunderwerb warnun erlaubt. So konnte das Kloster seinen Landbesitz arrondieren, weitereGrundstücke kaufen und sogar in den Städten Besitz erwerben. Um1250 bewirtschaftete das Kloster 22 Grangien, landwirtschaftliche Großhöfe,die Produkte verkaufte man in den Städten in eigenen Pfleghöfen,den sogenannten Salmansweiler Höfen. Neben Land- und Viehwirtschaftwar vor allem der Weinbau Erwerbsgrundlage. Zum nachhaltigen wirtschaftlichenErfolg trug aber auch der Salzhandel bei, den das Kloster seitEberhards Zeiten erfolgreich betrieb. 1201 hatte der Salzburger Erzbischofden Salemern eine Salzpfanne bzw. einen Salzstock bei Hallein geschenkt.initiierte. Unter Abt Ulrich erreichte das Kloster nicht nur eine wirtschaftlicheund spirituelle Blüte, sondern auch die höchste Mitgliederzahl;nach Quellenberichten bewirtschafteten 310 Mönche undKonversen den Klosterbesitz, was den Neubau der Mönchskircheim gotischen Stil erforderte: In jeder Hinsicht hatte man nun höhereAnsprüche.Zwar erlitt Salem auch Rückschläge und Notsituationen wie z.B. inden Bauernkriegen und im Dreißigjährigen Krieg. Doch die über dieJahrhunderte immer wieder bestätigte Reichsunmittelbarkeit Salems,verbunden mit durch Kaiser und Papst gewährten Privilegien, sowieschließlich die Gründung einer „Oberdeutschen Kongregation“des Zisterzienserordens (1619), der Salem vorstand, veranlassten dieÄbte zu repräsentativen Um- und Neubauten. Unter Abt Thomas I.Wunn (1614–1647) erfolgten umfangreiche Baumaßnahmen mit demkompletten Neubau des Konventsgebäudes und zahlreicher Wirtschaftseinrichtungenwie z.B. dem heute noch genutzten großenWeinkeller im Oberen Langbau. Das Erscheinungsbild dieser Anlagekann durch wenige überlieferte Ansichten und durch Quellen rekonstruiertwerden. Ein wichtiges Zeugnis hierfür ist die farbige Abbildungdes Klosters auf einer Spolie des Wunn' schen Baus, die erstkürzlich im Mauerverbund des barocken Konventsgebäudes entdecktwurde. Aus konservatorischen Gründen musste die Spolie im Mauerverbundbleiben und ist derzeit nicht sichtbar.Sichtbarer Ausdruck von Salems Erfolgsgeschichte im Mittelalter istdas gotische Münster, das Abt Ulrich II. von Seelfingen (1282–1311)Als in einer kalten Märznacht 1697 ein explodierender Ofen einenGroßbrand auslöste, lieferte besonders die nach den ZerstörungenMönch bei der Weinlese. Weinbau gehörte zu den wichtigstenErwerbsgrundlagen des Klosters Salem. Darstellung auf einer Ofenkachelim Sommerrefektorium (Steckborner Werkstatt, 1733)32 33


Abtsalon in der Sommerprälaturdes Dreißigjährigen Kriegs erfolgte prächtige Ausstattung mit Stuckaturenund Ölgemälden den Flammen Nahrung, wie Augenzeugen berichten.Von der hohen künstlerischen Qualität der Ausstattung zeugen,abgesehen von Spolien, einige wenige Objekte, die vom Brandverschont geblieben sind, wie z.B. der Marienalter von Bernhard Strigel(1460–1528), der heute im Badischen Landesmuseum Karlsruheaufbewahrt wird. Der Konvent entschloss sich augenblicklich zumAbriss der Brandruine und zum vollständigen Neubau der KonventsundAbteigebäude.Die Äbte Emanuel Sulger (1680–1698) und Stephan I. Jung (1698–1725) ließen durch den Vorarlberger Baumeister Franz Beer zwei baugleicheVierflügelanlagen als Konventsgebäude und Prälatur, verbundendurch einen Mittelbau, errichten. Dass die repräsentative barockeUmgestaltung die gesamte Klosteranlage (und die Landschaft darüberhinaus!) mit einschloss, zeigen eindrucksvoll ideale Ansichten des 18.Jahrhunderts mit symmetrisch angelegten Hof- und Gartenanlagen,neu gestalteten Wirtschaftsgebäuden und repräsentativen Ställen sowiedem Neubau der Bruderschaftskirche mit einer gewaltigen Kuppel,der allerdings nie ausgeführt wurde.Barocke Repräsentationslust und Prestigedenken hatten sich nunendgültig im Zisterzienserkloster durchgesetzt. Auch die nachfolgendenÄbte Konstantin Miller (1725–1745), Stephan II. Enroth(1745–1746), der den Neubau der Wallfahrtskirche Birnau initiierte,sowie Anselm II. Schwab (1746–1778) verfolgten den weiteren repräsentativenAusbau Salems.Obwohl man versuchte, im Erscheinungsbild dem Anspruch und derBedeutung Salems als Reichsabtei, als Landesherrschaft sowie als Wirtschaftsmachtgerecht zu werden, so hat man keineswegs zisterziensischeTugenden vernachlässigt. Dazu zählen effizientes Wirtschaften sowieInnovationen, vor allem im landwirtschaftlichen Bereich, wie z.B. dieEinrichtung einer Obst- und Gehölzbaumschule, die Einführung vonStecklingen „exotischer“ Obstsorten aus dem Ausland oder ein ausgeklügeltesBe- und Entwässerungssystem im Salemertal. Aber auch sozialesEngagement wie die Gründung der „Ordentlichen Waisenkassa“(1746), des Armenhauses Wespach (1784) oder der Bau einer öffentlichenSchule (um 1790) betrachteten die Mönche als ihre Aufgabe.War die repräsentative Erscheinung nach außen in den Augen derÄbte und ihrer Zeitgenossen sicher erforderlich, so unzweifelhaft bestandendie Äbte auf Einhaltung der Ordensregeln nach innen. Sohat Anselm längst gelockerte Regeln im Konvent wieder verschärft.Und trotz üppiger Bewirtung hochgestellter Gäste hielten die Äbtepersönlich die strengen Fastenvorschriften ein.Durch diese vielfältigen Maßnahmen der Äbte erlebte Salem im18. Jahrhundert eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte. Ihnenverdanken wir nicht nur das heutige bauliche Ensemble mit seinenKunstschätzen, sondern sie prägen die gesamte Region bis auf denheutigen Tag.34 35


Der KaisersaalDr. Ulrich KnappBau- und KunsthistorikerDas Zentrum der 1697 von Franz (II) Beer geplanten Klosteranlagebildet der Kaisersaal im zweiten Obergeschoss des Mittelpavillons imOstflügel des Hofgebäudes. Bereits die 1697 abgebrannte Vorgängeranlageverfügte über einen repräsentativen Saal in der Abtei, der miteiner aufwendigen Kassettendecke, vergleichbar jener im Rittersaaldes Schlosses Heiligenberg, versehen war. In den Quellen werdenauch Bildnisse der Kaiser des Heiligen Römischen Reichs genannt,die sich auf der Abtei befunden haben.Die Lage des Saals im zweiten Obergeschoss, zwischen der Sommerprälaturim Norden und den Fürstenzimmern im Süden, steht dabei in derTradition der Festsäle in den Schlossanlagen des späten 16. und des 17.Jahrhunderts. Erschlossen wird der von zwei Seiten belichtete Raum überdas repräsentative Treppenhaus im Nordflügel der Prälatur. Der Saal wurdeim dritten Bauabschnitt in den Jahren 1701 bis 1704 im Rohbau fertiggestellt. Die Ausstattungsarbeiten erfolgten ab 1705. Zu den ersten Ausstattungsarbeitengehörte der Bodenbelag. Die rautenförmigen SolnhofenerPlatten in zwei Farben lieferte Johann Härle (Hänle) aus Mersheim.Dem Kostenvoranschlag lagen Zeichnungen für Verlegemuster bei, vondenen eines dem heutigen Verlegemuster zu Grunde liegt.1705 stand bereits fest, dass der Saal eine aufwendige Stuckausstattungerhalten sollte. 1705/06 lag ein Entwurf eines Stuckators aus Ehingenvor und am 4. Juni 1706 empfahl Franz Maximilian Euseb Graf vonKaisersaal vor der Restaurierung36 37


Vorzeichnung von Franz Joseph Feuchtmayer auf dem Putz der Voute.Das Relief wurde teilweise aus dem Putzgrund herausgearbeitet undteilweise angetragen. Die Vorzeichnung wurde wieder sichtbar, das sichder Kopf des Pferdes vom Putz löste und abbrachKönigsegg-Aulendorf (1669–1710) einen aus dem Gebiet von Comostammenden Stuckator, der in Schloss Aulendorf gearbeitet habe. Ausdem Schreiben ergibt sich, dass in jedem Fall großformatige Stuckplastikengeplant waren. Schließlich wurde Franz Joseph Feuchtmayer1708 mit der Stuckausstattung beauftragt, der zur Ausführung seinenStiefvater Johann Pöllandt hinzuzog. Die Gemälde wurden bei FranzCarl Stauder, der bereits für das Kloster arbeitete, in Auftrag gegeben.Nur das Mittelbild der Südwand wurde später in Auftrag gegebenund von Jakob Carl Stauder 1714 gemalt. Gleichzeitig lieferte FranzJoseph Feuchtmayer 16 Armleuchter für den Saal.Die Stuckausstattung war zunächst nicht oder nur ganz zurückhaltendgefasst. 1722/23 waren erste Reparaturen am Dachwerk und an denStuckaturen erforderlich. Die Stuckarbeiten führten die für DominikusZimmermann arbeitenden Stuckateure Sebastian Zepf und AntonLankhmaier sowie Simon Bürkner und Michael Schaithauff aus. Vielleichtwurden bereits in dieser Zeit große Teile der Decke mit glattemPutz ersetzt. Archivalisch belegt ist, dass erst in den Folgejahren derRaum seine erste vollständige Fassung erhielt. Die Vergolderarbeitenund die Fassung der Armleuchter besorgte Gervasius Feuchtmayer, derBruder von Joseph Anton Feuchtmayer. Für die Fassarbeiten wurdeGold in unterschiedlichen Qualitäten und Schlagmetall verwendet. DieWappen und Inschriften schuf der Meersburger Maler Anton Bastian.Die Arbeiten waren bis 1724/25 abgeschlossen.Unter Abt Anselm II. erhielt der Kaisersaal 1769 eine neue Verglasung undwohl in den Folgejahren erfolgte eine Teilneufassung des Saals, bei der unteranderem sämtliche Inschriften erneuert wurden und die Papstbüsten unddie Architravinschriften an den Portalen neue Hintergründe erhielten. Eineweitere Teilneufassung kann für die Mitte des 19. Jahrhunderts erschlossenwerden und nach dem Erdbeben von 1911 wurden die aufgetretenen Rissezunächst nur geschlossen. In den 1950er-Jahren wurde ein Muster für eineRestaurierung mit einer weitgehenden Fassungsrekonstruktion angelegt,eine Ausführung dieser Arbeiten im Saal unterblieb jedoch.Der Ausstattung des Kaisersaals liegt ein komplexes Programm zugrunde.An den Wandfeldern stehen auf ausladenden Konsolenüberlebensgroße Plastiken von Königen und Kaisern des HeiligenRömischen Reichs. Es handelt sich dabei um Angehörige des HausesHabsburg, mit Ausnahme der beiden Plastiken an der Südseite. KaiserLothar II. und König Konrad III. waren in die Vorgänge um dieStiftung der Zisterze einbezogen. Die Habsburgerreihe beginnt ander Ostseite mit Rudolph I. (reg. 1273–1291) und endete ursprünglichmit dem Reiterbildnis Kaiser Josephs I. an der Nordwand. Dawährend der Ausstattung des Saals Joseph I. verstarb, wurde 1714 anStelle des zu erwartenden Stiftungsbildes ein von Jacob Carl Staudergemaltes Reiterbildnis Kaiser Karls VI. an der Südwand eingefügt.Die Reihe der Plastiken enthält mit Albrecht I., Friedrich dem Schönen,Albrecht II. und Friedrich III. Könige und Kaiser, die in vielenHabsburgerzyklen fehlen, in Salem aber aufgrund ihrer besonderenBeziehungen zum Kloster von elementarer Bedeutung sind.Die Kaiserbildnisse, denen jeweils ihr Motto und ihr Wappen beigegebensind, sind in ein vielfältiges Bezugssystem eingebunden. In denStuckfeldern seitlich der Kaiserplastiken sind zeittypische Waffen,wie der Traubhagel seitlich der Figur Maximilians II., und Trophäendargestellt. Über den Hauptfenstern und im Zentrum der Stirnseitensind die Büsten und Wappen von Päpsten zu sehen, die in enger Beziehungzum Zisterzienserorden oder zu Salem standen.Die vielfigurigen Portalgruppen thematisieren das Verhältnis von Kircheund weltlicher Gewalt, von Krieg und Frieden, von guter undschlechter Herrschaft. Die Portalgruppen der Prälaturseite thematisierenden Vorrang der Ecclesia, der Personifikationen von Fides undCaritas zugeordnet sind. Über dem Portal zum Audienzzimmer erblicktman eine Allegorie auf die gute Herrschaft, unter der Wissenschaft undKünste gedeihen. Ihr gegenüber, an der Südseite, ist der KriegsgottMars zu sehen; die Kriegstrophäen, Gefangenen und die Enthauptetenverweisen unmittelbar auf die Türkenkriege, die kurz zuvor mitder Niederlage der Türken vor den Toren von Wien endeten. Überdem Portal zum Fürstenappartement erblickt man Königin Anna vonEngland mit den Allegorien der Sapientia, der Caritas und der Justitia.Diese auf das Heilige Römische Reich, die Geschichte Salems und dieGaranten für die Privilegien der Abtei sowie die allgemeinen Herrschertugendenkonzentrierten Bildgruppen werden in der Deckenzone inein übergeordnetes Bezugssystem eingestellt. In den Ecken der Vouteerblickt man vor großen Muscheln die vergoldeten Büsten von Nimrod,Cyrus, Alexander dem Großen und Julius Cäsar. Sie stehen für die vieruntergegangenen antiken Weltreiche, das Reich der Assyrer, das Reichder Perser, das griechische und das römische Weltreich, deren Nachfol-38 39


Ausgießung des Heiligen Geistes (Pfingsten), Franz Carl Stauder 1711ge das Heilige Römische Reich, in der mittelalterlichen Vorstellung alsdas Reich der Endzeit, angetreten habe. Die Voute, deren oberer Rahmenvon lebensgroßen Atlanten getragen wird, ist in Kartuschen undRelieffelder unterteilt. In der Mitte der Nordwand sind das Wappen desauftraggebenden Abtes Stephan I. Jung, über der Südwand das Konventswappenangebracht. In der Mitte der Längsseiten hängen querovale GemäldeStauders, die die besondere Frömmigkeit des Hauses Habsburgzum Thema haben. An der Westseite sieht man König Rudolf I., dereinem Priester, der auf dem Versehgang war, sein Pferd gibt, da es nichtrecht sei, dass er reite und der Träger des Leibs des Herrn (d.h. der Priestermit der geweihten Hostie) zu Fuß gehe. An der gegenüberliegendenSeite sieht man Kaiser Maximilian I. vor der Martinswand.In den Relieffeldern der Voute sind unterschiedlichste Jagdszenen dargestellt.Die Jagd ist als Teil des höfischen Lebens, aber auch als Sinnbildchristlicher Herrschertugenden in das Bildprogramm eingebunden. Dabeikam es zu einer Motivwiederholung: An der Westwand ist auch in einemder Reliefs die Szene mit König Rudolf I. und dem Priester zu sehen. Ander Satteldecke eines Pferdes ist ein großes F angebracht, das als Signaturder Stuckators Franz Joseph Feuchtmayer interpretiert werden kann.Die Decke selbst ist biblischen Themen vorbehalten. Die beiden äußerenGemälde Stauders zeigen alttestamentarische Szenen: Daniel inder Löwengrube im Norden und Elias, der im Feuerwagen zum Himmelfährt, im Süden. Das zentrale Deckenbild Stauders aus dem Jahr1711 hat die Ausgießung des Heiligen Geistes (Pfingsten) zum Inhalt.Das Gemälde wurde 1910 von Franck und Sohn restauriert.40 41


Südwand nach der RestaurierungDer Auftraggeber der Kaisersaal-Ausstattung, Abt Stephan I. Jung,hatte weitreichende Ambitionen. Seinen Bemühungen, in denReichsfürstenstand erhoben zu werden, war allerdings kein Erfolgbeschieden. Dennoch genoss er eine Reihe von Auszeichnungen,beispielsweise bei der Huldigung Kaiser Karls IV. Gerade diese herausragendeStellung Salems, die die Abtei vor den meisten anderenAbteien Oberschwabens auszeichnete, kommt im Bildprogrammdes Salemer Kaisersaals zum Ausdruck. Die Reihe der Könige undKaiser steht für die politischen Privilegien der Abtei, die Päpste fürdie besondere kirchenrechtliche Stellung. Keine andere Zisterzienserabteiim Heiligen Römischen Reich konnte solche umfassendenPrivilegien bis 1802 behaupten und im süddeutschen Bereich warSalem die einzige Zisterzienserabtei, deren Reichsunmittelbarkeitunangefochten war.Die Komplexität des Salemer Bildprogrammes ist ebenfalls singulärund in seiner Ausrichtung vergleichbar den Sälen in kurfürstlichenResidenzen. In einem gänzlich anderen Kontext stehen die „Kaisersäle“in den großen landsässigen Stiften in Österreich, in denen dieHabsburgerzyklen den Landesherren huldigen. In seiner reichs- undkirchenpolitischen Ausrichtung erscheint das Bildprogramm des SalemerKaisersaals einmalig. Der Saal dokumentiert bis heute die besonderenPrivilegien, die die Abtei vor den meisten anderen Abteienim Heiligen Römischen Reich auszeichneten.44 45


Die Restaurierung des KaisersaalsBruno SiegelinArchitektDer Kaisersaal beeindruckt durch seine prachtvolle Raumschale, denreichen Stuck, seine architektonische Gliederung, unterstützt durchdie Farb- und Goldfassungen. Bei der Voruntersuchung wurde derBlick jedoch schnell in den statischen Aufbau von Decke und Dachgelenkt.Die stuckierte Decke und ihre Konstruktion sind fest mit der Dachkonstruktionverbunden. Der Bund- oder Deckenbalken, an dem dieStuckdecke über Latten und Bockshaut hängt, bildet mit je einemSparrenpaar das stabile Dreieck der Dachkonstruktion, den Bund.Durch die große Spannweite der Decke wird die Deckenbalkenlagein der Mitte durch einen Überzug, der an einer Reihe von Hängesäulenaufgehängt ist, zusätzlich getragen. Diese Hängewerke sind indie Dachkonstruktion integriert. Aufgrund dieser engen Verknüpfungkann eine Instandsetzung der Decke nicht ohne Betrachtungder Dachkonstruktion erfolgen. Daher wurden im Vorfeld eineSchadenserfassung und Kartierung von Dach-, Hängewerk- und Deckenkonstruktion,vom Aufbau der Stuckdecke mit ihrer Bockshaut,Traglattung, Rissbildern, Ablösungen und zurückliegenden Reparaturenund den Schäden an der Farb- und Goldfassung erstellt.Mit den Kenntnissen der Schadensbilder sowie den daraus resultierendenEinzelmaßnahmen wurde das Gesamtkonzept entwickelt. DerGesamtverbund musste entsprechend seines Aufbaues von der Dachkonstruktionmit Schwelle und Deckenbalken ausgehend über diestatisch tragenden Teile der Stuckdecke (Lattung, Deckenputz undBockshaut) zum plastischen Stuck mit der Farb- und Goldfassung46 47


instand gesetzt werden, ohne Teile der nachgegliederten Arbeitsschrittezu beschädigen.Für die Instandsetzung des Holztragwerkes wurde die Stuckdeckevon unten über eine elastisch gestützte Weichsprießung gesichert.Nun folgte die zimmermannsmäßige Reparatur der Schwellen, Deckenbalkenund Dachfußpunkte. Für die Instandsetzung musstendie zu bearbeitenden Holzteile statisch entlastet werden. Bei diesemEingriff musste darauf geachtet werden, dass die Stuckdecke keinenBewegungen ausgesetzt wird. Diese Belastungen hätten zu Folgeschädenführen können.Erst nachdem das Holztragwerk wieder zur Ruhe gekommen war, konntenInstandsetzungsarbeiten an der Stuckdecke erfolgen. Die Stuckdeckestellt mit der Lattung und der darüberliegenden Bockshaut ein Verbundbauteildar. Die ebenfalls aus Putzmörtel bestehende Bockshautträgt über die sich konisch nach oben weitenden Lattenzwischenräumekraft- und formschlüssig die Stuckdecke. Die Latten sind von untendirekt auf die Deckenbalken genagelt. Um diesen großflächig gelöstenVerbund wieder herzustellen, wurden zunächst die Oberseite gereinigtund die Hohlräume ausgesaugt. Ein niedrigviskoser Hinterfüllmörtelwurde in die Hohlräume und Risse gespritzt, um die einzelnen Schollenwieder miteinander zu verbinden und den Kraftschluss wieder herzustellen.Bei dieser Vorgehensweise wurden alle historischen Bauteileeinschließlich der ansonsten oft erneuerten Bockshaut wieder ertüchtigt.Die Risse auf der Deckenunterseite wurden zuvor gesperrt, um einAustreten des Mörtels zu verhindern.48


Zuvor war die Decke von oben nur durch einen in die Balkenlageeingeschobenen Zwischenboden geschlossen. Die starken Temperaturschwankungenunter dem Dach hatten durch die thermischenSpannungen zusätzlich zu den Schadensbildern, insbesondere anden Deckengemälden, beigetragen. Daher wurden eine Holzfaserdämmungund ein geschlossener Laufboden als zusätzlicher Schutzeingebaut. Die Dämmung mindert die Temperaturspitzen und wirkthydroskopisch ausgleichend. Der Laufboden erleichtert die spätereWartung und schützt die Decke vor den noch anstehenden Reparaturarbeitenan der aufgehenden Dachkonstruktion und Dachhaut.Die RaumschaleDer Saal erlebte in seiner Geschichte nur wenige Eingriffe und ist unssehr authentisch überliefert. Noch im 18. Jahrhundert wurden Teile desDeckenstuckes durch die glatt verputzten Felder ersetzt und die Fensterin ihrer heutigen Gestalt eingebaut. Anfang des 20. Jahrhunderts erfolgtenwiederum Restaurierungsarbeiten am Stuck der Decke und Hohlkehlemit wenig Rücksicht auf die Farbfassung. In der zweiten Hälfte des letztenJahrhunderts wurde auf der Nordseite eine große Musterachse miteiner Neufassung angelegt. Diese wirkt steif und maskenhaft und lässt dieQualitäten der Originalfassung missen. Dieser Verlust an Authentizitätsollte in Übereinstimmung mit den Vertretern der Denkmalpflege undEigentümer vermieden werden. Das Sanierungskonzept sah daher vor,neben der reinen Substanzsicherung der Raumschale, die Flächen nur zureinigen. Dezente Retuschen an den gliedernden und erzählenden Elementenverbessern die Lesbarkeit. Die Geschichte des Kaisersaales mitseinen Alterungsspuren bleibt erlebbar.50 51


Allein durch die Reinigung wurde dem Saal wieder viel Glanz zurückgegeben.Mit der Niederlegung der aufstehenden Vergoldungerhielten diese Flächen wieder Strahl- und Aussagekraft. Durch einezurückhaltende Retusche an den fehlenden Farbfassungen und anden Stuckstäben wurde die architektonische Gliederung wieder ablesbar,zentrale Elemente wie Wappen- und Schriftschilder wirkenwieder geschlossen.Die 14 historischen FensterelementeDie Fenster aus Eichenholz lassen sich mit ihren Fitschenbändernund klassizistischen Beschlägen auf das ausgehende 18. Jahrhundertdatieren. Die in der Wand eingeputzten Rahmen dürften älter sein,erkennbar an den Spuren ehemals angeschlagener Stützkolben. DerFlügelrahmen nimmt die Glasfelder noch in einer umlaufenden Nutund nicht wie später in einem Kittfalz auf. Die Rahmenfriese sinduntereinander nur gesteckt und mit einem Holznagel fixiert. Zusätzlichwerden sie durch die aufgenagelten Zierwinkel über dieEcken stabilisiert. Im Glasfeld selbst werden die Scheiben durchBleiprofile gehalten, wobei die waagerechten Bleie hohl sind undzur Stabilisierung ein Windeisen enthalten. Da diese Konstruktionohne Leim auskommt, lassen sich die Fensterflügel jederzeit in ihreEinzelteile zerlegen und überarbeiten. Bei den Hölzern wurden diezerstörten Holzpartien zurück gearbeitet und passgenau Reparaturhölzerangeschifftet. Äußerlich scheinbar völlig zerstörte Hölzerwaren aufgrund der guten Eigenschaften der Eiche nach wenigenMillimetern wieder brauchbar und gesund. Beim Anschifften derReparaturhölzer wurden diese an den Bestand angepasst, sodass diegesamte Oberfläche einschließlich der Farbfassung auf den Althölzernerhalten blieb.Geduld verlangte der Umgang mit den Bleiprofilen. Die Windeisendehnten sich durch Rostbildung und sprengten die Profile. Das Einlegender Sprossenkonstruktion in ein Spezialölbad ermöglichte, dieEisen aus den Profilen zu ziehen, nachdem sich der Rost gelöst hatte.Jetzt erst konnte man die Bleie zurückformen, Risse löten und Fehlstellenergänzen. Die Beschläge wurden, soweit notwendig, demontiertund überarbeitet, die einzelnen bauzeitlichen Glasscheiben gereinigtund Brüche geklebt. Nun konnten aus den Einzelteilen wiederdie Fensterflügel zusammengesteckt und die Beschläge aufgebrachtwerden.Die im Mauerwerk eingeputzten Fensterrahmen wurden in situ ohneBeschädigung des angrenzenden Stuckes überarbeitet. Abschließenderhielt die Leinölfassung eine Festigung, die neuen Passstücke wurdenfarblich retuschiert und die Außenseite erhielt einen schützendenAnstrich analog dem Farbkonzept der bestehenden Holzfenster derSternenhoffassade. Der nur noch in Teilen vorhandene Hagelschutzvor den sieben Westfassadenfenstern wurde überarbeitet, das Metallgewebekomplett neu eingebracht und farblich gefasst.Die ArmleuchterDie 18 Armleuchter sind prägende Ausstattungsgegenstände und betonenden Rhythmus der Pfeilerachsen. Kräftige Arme strecken sichaus einem mit Fratzen und Fabeltieren geschmücktem Schild, einen52 53


Kerzenständer in der Hand haltend. Diese aus Holz geschnitztenLeuchter besitzen eine Metallfassung aus Silber mit goldener Ornamentik.Die Silberfassung, die mit der Zeit schwarz anlief, wurde immerwieder aufpoliert, bis in weiten Teilen der Kreidegrund freigelegtwar. Auch hier wurde die Metallfassung der Leuchter rein konservatorischbehandelt und die Holzsubstanz, wo notwendig, gefestigt.Einzig die vier Leuchter der Stirnseite, die bereits früher elektrifiziertwurden und die einzige elektrische Ausstattung des Saales darstellen,konnten auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden.Die LeinwandbilderInsgesamt sieben Leinwandbilder gehören zur festen Ausstattungdes Kaisersaales. Die stärksten Schäden wiesen die beiden Bilder inder Hohlkehle auf. Die Dachfläche kommt hier im Traufbereich denBildern sehr nahe und fehlende Dämmung setzte die Bilder starkenTemperatur- und Feuchteschwankungen aus. Die Malschicht kreppierte,bildete starke Schollen aus und war so stark geschädigt, dasseine Restaurierung nicht mehr durchgeführt werden konnte. So beschränktesich die Maßnahme an diesen beiden Bildern auf Reinigenund Festigen. Diese Arbeiten wurden in situ durchgeführt, da dieRahmen sich ohne Beschädigungen nicht von der Unterkonstruktionlösen ließen.Bei den drei großen Bildern in der Mittelachse war der Luftpuffer unterdem Dach deutlich größer und die Schäden entsprechend geringer.Die Rahmen konnten von der Deckenkonstruktion gelöst werden.Aufgrund ihrer Größe – das mittlere Bild misst immerhin 4 x 7 Meter– hingen die Leinwände deutlich durch. Der anfängliche Gedanke,die Gemälde abzunehmen und zur Restaurierung auf einen entsprechendenTisch abzulegen, wurde verworfen. Die Bauchung hätte beimplanen Ablegen in der Leinwand Stauchungen und Brüche verursacht.Daher wurden die Bilder soweit von der Decke abgehängt, dass manvon beiden Seiten daran arbeiten konnte. Von oben musste die Leinwandrepariert, von unten über Kopf die Malschicht restauriert werden.Die Malschicht, die sich in großen Schollen von der Leinwand gelösthatte, wurde gereinigt und mit Bindemittel wieder auf die Leinwandniedergelegt, besser gesagt, gegen zuvor aufgelegte Gewichte an diesehoch gedrückt. Abschließend wurden Fehlstellen geschlossen und retuschiert.Die beiden Bilder an der Stirnseite hingen vor einer massiven Innenwandund waren klimatisch dem geringsten Stress ausgesetzt, entsprechendgut war der Erhaltungszustand. Hier war nur eine Reinigungund partielle Festigung erforderlich.54 55


Die RESTAURIERUNG DER FASSADENIN DEN INNENHÖFENPeter ReinerAeDis Kieferle Reiner Schmid GbRDie Fassaden der Schloss- und Klosteranlage erschließen sich fürden Besucher in der Hauptsache von außen. Hier zeigt sich die Anlagein einem barocken Erscheinungsbild mit aufwendig gemalterArchitekturmalerei, isometrischen Ziergesimsdarstellungen als Umrahmungenfür die Fenster. In Gelb- und Grautönen entsteht einprachtvolles Bild eines herrschaftlichen Besitztums. Zweifelnd stehtder Betrachter davor und fragt sich zu Recht, ob dies alles so perfekt,immerhin über 300 Jahre, erhalten bleiben konnte. Tatsächlichsind die gesamten Außenfassaden und der Novizenhof in den 80erund90er-Jahren mit kompletter Rekonstruktion aller Malereien neugefasst worden. Wir sehen also nur eine Kopie der ursprünglichenMalerei! Was unterscheidet die Kopie vom Original? Eine fast philosophischanmutende Fragestellung, welche sich jedoch der Besucherder Schloss- und Klosteranlage Salem stellen mag, denn die Abweichungenbei der Rekonstruktion sind beträchtlich.Glücklicherweise zeigen die Innenhoffassaden des Tafelobstgartensund des Sternenhofes dem Besucher ihren Malereibestand noch imOriginal. Als einzigartiges Zeitzeugnis sind die erste spätbarockeFassadengestaltung und gleichzeitig die in Gelbtönen gehaltenenElemente einer frühklassizistischen Architekturmalerei als zweiteFassung zu sehen. Diese außergewöhnliche Ausgangssituation verlangtnach maximalem Bestandserhalt. Die Anwendung hochspezialisierterVerfahren zur Putz- und Malschichtkonservierung warenSchwerpunkte bei der Entwicklung eines umfassenden Maßnahmenkonzepts.Hierbei wurden die in der Denkmalpflege gefordertenRichtlinien der Charta von Venedig konsequent umgesetzt.56 57


Zur Bestandserfassung (Kartierung) und Darstellung der geplantenMaßnahmen wurden die Fassaden fotogrammetrisch als hochauflösendeMessbildpläne dokumentiert. Hierzu musste im Sternenhofder starke Bewuchs mit Wildem Wein und Efeu entfernt werden.Eine Befunduntersuchung sollte gesicherte Informationen über denBestand, insbesondere der Maltechnik sowie der Farbgestaltung liefern.Datiert wurde die Erstfassung auf die Erbauungszeit um 1706.Die zweite frühklassizistische Ausmalungsphase in Gelbtönen erfolgte1790, welche direkt auf der Erstfassung aufgebracht wurde.An den obersten Fenstern ist wegen der geschützten Lage unterhalbdes Dachvorsprungs der Originalbestand am umfangreichsten erhalten.Der übrige Teil der Fassade zeigte sich extrem stark geschädigtund in seiner Substanz akut gefährdet! Mauerwerksrisse, großflächigeAblösung der Putz- und Malschichten vom Träger, Risse, Hohlstellenund Abplatzungen zeigten sich je nach Bewitterungsintensität an20% bis 60% der Fassade.Durch die Architekten und Restauratoren erfolgte eine vollflächigeBestands- und Schadenskartierung. Um die so gewonnenenErkenntnisse in praktikable Instandsetzungsmaßnahmen umzusetzen,wurden Putz- und Malschicht einer Musterachse exemplarischrestauriert. Die Suche nach geeigneten Materialien führte von derBetrachtung kleinster Farbproben unter dem Mikroskop bis in einenah gelegene Sandgrube des Hardwaldes, wo der zur Farbgebungin geringer Menge benötigte Dünensand nach Freigabe durch dieNaturschutzbehörde abgebaut werden konnte.58


Wegen der prognostizierten raschen Beschleunigung des Schadensverlaufswurde mit den Maßnahmen umgehend begonnen. Allen Verantwortlichenund Entscheidungsträgern war schnell klar, dass die ca. 4.000qm zu restaurierenden Fassadenflächen eine große Herausforderungdarstellen. Die in fünf Teilaufträgen arbeitenden Restauratoren musstennicht nur die Konsolidierung stark geschädigter fragilster Kleinflächenund Malschichtschollen gewährleisten. Es galt auch größere Putzfehlstellenmit Mörtel als Baustellenmischung in handwerklich höchster Qualitätin einem einheitlichen Duktus aller Fassadenabschnitte zu schließen. DieRestaurierung wurde wie schon im Konzept auch in der Durchführungpermanent mit den Experten des Landesamts für Denkmalpflege undunabhängigen Naturwissenschaftlern abgestimmt. So konnte dieser herausragendegroßflächige Putz- und Malschichtbestand, der sich über 300Jahre im Außenbereich erhalten hat, gesichert und konserviert werden.Zusammen mit den Putzarbeiten wurden auch die Natursteinbauteiledes Sockels, der Außentreppen, der Portale und der Fenstergewändekonserviert. Die Natursteinsimse der Fenster wurden zumSchutz mit einer Bleiabdeckung versehen. Auch sehr stark geschädigteNatursteinbänke wurden nicht ausgetauscht, um Verluste deroriginalen Fenstermalereien zu vermeiden.Eines der letzten verbliebenen, original barocken Holzfenster wurderestauriert. Konstruktiv und materiell besonders hochwertiggefertigt, zeigt es sich zeittypisch mit Sprossenkreuzen und Schiebefensterchenim unteren Teil, aufwendig mit Detailausbildungen,Beschlägen und mundgeblasenen Glasscheiben. Erneuerungsmaß-60 61


nahmen wurden auch hier ausschließlich partiell auf verfaulte oderstark beschädigte Holz- und Glasteile beschränkt.Eine Besonderheit stellt auch die Verglasung des ehemaligen Kreuzgangsdes Klosters zum Innenhof dar. Spezialisten der Metallrestaurierungstellten den sorgsamen Umgang mit der bauzeitlichenMetallkonstruktion der Bogenfenster sicher. Die ursprünglicheFunktion der Lüftungsflügel wurde wieder hergestellt. Die Gesamtheitaller durchgeführten Maßnahmen verbessert die Geschlossenheitder Oberfläche nachhaltig und trägt zum dauerhaften Erhaltdieses herausragenden Kulturdenkmals bei.64 65


DIE DÄCHER DER PRÄLATURBruno SiegelinArchitektDie Dächer stehen in der Regel bei der Betrachtung von Gebäudennicht im Mittelpunkt. Doch allein von der Außenansicht nimmtdas Dach gut ein Drittel für sich in Anspruch. Das Ziegeldach, eineBiberschwanzdoppeldeckung, wurde in den zurückliegenden Jahrhundertenimmer wieder umgedeckt, d.h. beschädigte Ziegel durchgleichartige Ersatzziegel ausgetauscht. Dabei ist ein großer Teil derbauzeitlichen Ziegel erhalten geblieben, der Charakter konnte somitbeibehalten werden.Im letzten Jahrhundert hat sich die Ziegelproduktion grundsätzlichgeändert. Die manuelle Fertigung wurde industrialisiert. Der charakteristische,nuancenreiche Ofenbrand mit seinem faszinierendenFarbenspiel wurde monoton. Um nicht auf Industrieware zurückzugreifen,wurden für Reparatur- und Wartungsarbeiten immer wiederAltziegel aufgekauft. So blieb das Erscheinungsbild erhalten.Doch trotz großer Bemühungen gelang es nicht, an entsprechendgroße Mengen historischen Ziegelmaterials für die im ersten Abschnitt3.400 qm umfassenden Dachflächen zu gelangen. Rund 10%der Ziegelfläche musste ausgetauscht werden. Dies entsprach ca.57.000 Stück. So entschied man sich für einen Manufakturziegel, derin teilmaschineller Handarbeit eigens hergestellt und wegen demgewünschten Farbenspiel in einem Kohleofen gebrannt wurde. Ausder bestehenden Dachdeckung wurde der ursprünglich verwendeteZiegel herausgesucht. Er diente als Vorbild und entsprach in Größe,Form und Farbenspiel dem historischen – lediglich die Patina fehlte.Für die Umdeckung wurde einvernehmlich entschieden, die Dachflä-66 67


che auf der Nordseite des Nordflügels mit „neuen“ Ziegeln einzudecken,um eine geschlossene Ansicht zu erhalten. Die verwendbarengewonnenen Altziegel reichten für die übrigen zu sanierenden Dachflächenaus. So gelang es gerade im Sternenhof, mit seinen konservierendbehandelten Fassadenflächen den authentischen Gesamteindruckzu erhalten.Bevor jedoch der Ziegelaustausch ausgeführt werden konnte, war esnotwendig, sich dem Schadensbild der Dachkonstruktion zu widmen.Trotz Wartungsarbeiten in den vergangenen Jahrzehnten bzw. Jahrhundertengab es umfangreiche Schäden am Dachtragwerk. Anhandder Schäden und Reparaturspuren sind Schadensschwerpunkte anden Kehlen und Wandanschlüsse deutlich erkennbar. So verloren dieDächer im Laufe der Zeit einige ihrer Dachaufbauten. Auch variiertendie Qualitäten der ausgeführten Reparaturen.Der Schwerpunkt der Schadensbilder fand sich im Dachauflagerbereich.Nicht nur, dass sich dort unten eingedrungenes Wasser sammelt,es kann dort auch schlecht wieder abtrocknen – oft zusätzlichbehindert durch angesammelten Bauschutt und Dreck. Und dieserBereich ist sensibel, sind doch die Bundbalken auch Teil des tragendenSystems für die Stuckdecken. Auch hat die Fäulnis bisweilenbereits die Stucklatten so weit geschädigt, dass man diese zusammenmit den Balken einsaugen konnte.Mit der Instandsetzung sollte das im Prinzip einfache statische Systemwiederhergestellt werden. Jeder Bund trägt sich danach wieder sau-68


er auf der Außenwand ab. Kräfte werden nicht über Hilfskonstruktionenundefinierbar verteilt.Um die Eingriffe zu minimieren, wurden nur die zerstörten Teile derBalken herausgenommen. Die fehlenden Teile wurden mit sogenanntenProthesen über angeschnittene Blätter biegesteif wieder ergänzt.Da die Stuckdecken, wie bereits im Kaisersaal beschrieben, direkt anden Balken hängen, verringern wir mit der Größe der Eingriffe auchGefahren für die Decke, und unnötige Arbeitsschritte sparen Kosten.Solche Situationen stellten alle Beteiligte immer wieder vor besondereHerausforderungen. Die tragenden Balken wurden von den Stucklattengelöst, bisweilen mussten auch diese ersetzt werden, um dannan die neu eingebrachten Prothesen wieder angehängt zu werden.Da der Stuck empfindlich auf Stöße und Bewegungen reagiert, waräußerste Vorsicht und Behutsamkeit geboten. Teilweise wurde eineWeichabsprießung der Decke in den benutzten Räumen und Flurenerforderlich. Erschwerend kam hinzu, dass durch die zurückliegendenEingriffe die Lastabtragungen oft nicht mehr sauber erkennbar waren.Daher konnte das Ganze durchaus mit dem Geduldspiel Mikado verglichenwerden, nur dass die Stäbchen Balken mit Querschnitten biszu 50 cm x 30 cm entsprachen und unsere Tischplatte die Stuckdeckewar.70 71


Die RESTAURIERUNG DER GEMÄLDEIM KREUZGANGDr. Felix MuhleDiplomrestauratorStaatliche Schlösser und Gärten Baden-WürttembergZwei GemäldezyklenZur Ausschmückung des Kreuzgangs gehört neben der Gewölbestuckierungeine Reihe von 26 großen Gemälden in stuckumrahmtenWandaussparungen mit Rundbogenabschluss. Eine Serie von 13 Gemäldenzeigt 39 Porträts der Salemer Äbte von Frowin bis AnselmII. in chronologischer Reihenfolge, beginnend im Westflügel rechts.Auf den Gemälden sind die Äbte jeweils zu dritt in ganzer Figur inOrdenstracht wiedergegeben, während auf den Hintergründen Darstellungenvon Ereignissen aus der Klostergeschichte zu sehen sind.Die als historische Quelle bedeutsamen Großgemälde wurden in derZeit von 1716 bis 1723 durch den Konstanzer Barockmaler Jakob CarlStauder (1694–1756) angefertigt. Das jüngste Bildnis Anselms II. fügte1745 Anton Bastian (1690–1759) hinzu. Den östlichen, sogenanntenBernhardusgang schmückt ein Gemäldezyklus mit 13 Szenen aus demLeben des Hl. Bernhard von Clairvaux, die in den Jahren 1765/66von dem aus Kressbronn stammenden Andreas Brugger (1737–1812)gemalt wurden.Zustand und RestaurierungDie 275 cm hohen Ölgemälde weisen umfangreiche Schäden auf,deren Ausmaße sich je nach Gemälde stark unterscheiden. Auffälligsind die starken Wellen in den Leinwänden aufgrund einer mangelhaftenAufspannung. Zahlreiche Beschädigungen und Löchersind teils sichtbar, teils unter Überarbeitungen verborgen – in FormAnordnung der Äbteporträts im Westflügel des Kreuzgangs72 73


Detail eines Engels vor und nach Abnahme von Übermalungen (Inv.Nr. G 10046)Restaurierungswerkstatt im Bereich Feuerwehrmuseummeterlanger verkitteter Rissbereiche und Ausflickungen. Vor allemdurch frühere Restaurierungsmaßnahmen, welche den damaligenfachlichen Gepflogenheiten entsprachen, sind die Gemälde teilweisegeschädigt und in ihrem Erscheinungsbild stark beeinflusst worden.In verschiedenen Zeitphasen wurden die Gemälde auf Stützleinwändeoder Spanplatten geklebt, mit unbekannten starken Lösemittelngereinigt und teils großflächig übermalt, sodass ein uneinheitlicherund von Flecken, Farbveränderungen, vergilbten Harzüberzügen undVerschmutzung bestimmter Gesamteindruck entstanden ist. Diese Erscheinungensind zwar teilweise irreversibel, können aber durch dieRestaurierung deutlich gemildert werden.Nach der Durchführung von zwei Musterrestaurierungen ab 2009konnten vier weitere Gemälde im Rahmen der Sofortmaßnahmenbis 2011 von freiberuflichen Restauratoren/-innen restauriert werden.Die fachliche Betreuung lag bei den Staatlichen Schlössern und Gär-ten, welche die Restaurierung der Gemälde federführend im Rahmeneines von der Staatlichen Toto-Lotto GmbH finanzierten Sonderprojektesweiterführen werden.Hauptziele der MaSSnahmen sind:• Festigung gelockerter Malschicht, Reinigung• Abnahme der Stützleinwände an einzelnen Gemälden,Schließen von Rissen und Löchern• Entfernung schädigender Überzüge und Kittungen sowiestörender Übermalungen• Kittung und umfangreiche Retusche von Fehlstellen• passiver Klimaschutz sowie mechanischer Schutz74 75


Bildnis der Äbte Thomas I., Thomas II. und Anselm I. von Jakob Carl Stauder imZustand vor der Restaurierung (Inv.Nr. G 10053)Äbteporträt nach der Restaurierung (Inv.Nr. G 10053)Links: Detail vom unteren Bildrand im Vorzustand (Stauchungen und Löcher im Bildträger,Ablösungen und Verschmutzung der Malschicht) und nach der Restaurierung(Inv.Nr. G 10053)76 77


MedientrennungBruno SiegelinArchitektBereits zur Bauzeit des Klosters wurde ein umfangreiches Frisch- undAbwassersystem umgesetzt. In den folgenden Jahrhunderten wurdedie technische Infrastruktur immer weiter ergänzt: Wasser-, StromundTelefonnetz, Nahwärmeleitungen, zuletzt Brandmeldeanlageund Datennetz. Die Haustechnik wuchs nicht nur durch die technischenEntwicklungen, sondern auch mit den Ansprüchen der verschiedenenNutzungen.Mit dem Übergang eines großen Teiles der Anlage an das Land Baden-Württemberg gab es zwei Eigentümer und eine Vielzahl an Mietern,die getrennt verwaltet und abgerechnet werden mussten. Daher wurdeim Kaufvertrag vereinbart, die Medienversorgung zu trennen.Die Heizung in den landeseigenen Räumen der Prälatur wurde andas Nahwärmenetz, dessen Heizzentrale sich im Untergeschoss desLangbaues befindet, angeschlossen. Parallel zu den hochwertig gedämmtenFernleitungen wurde das Stromnetz in den Außenanlagenoptimiert und den Anforderungen heutiger Stromverbraucher angepasst.Im Zuge des weiteren Fernleitungsanschlusses wurden die bestehendenHeizungsanschlüsse in der Heizzentrale optimiert. Alleinedurch diese Maßnahme konnte bereits der Heizbedarf um ca. 10%gesenkt werden.Komplizierter war die Trennung und Neustrukturierung des alten Elektronetzesin der Prälatur mit neuen getrennten Stromkreisen und Verteilern.In vielen Bereichen war die Technik soweit überaltert, dass dieseausgetauscht werden musste. Da die Räume hochwertige Ausstattungenwie Stuckierungen, Täfer, Lamperien und Farbfassungen besitzen, verbotes sich, die Technik additiv nachzurüsten. Zunächst musste der Bestanderfasst werden. Für die neue Installation der Technik sollten weitgehendvorhandene Trasse, bestehende Schächte und Hohlräume benutzt werden,um die Eingriffe in die Bausubstanz möglichst gering zu halten. Hiergalt es, die unterschiedlichsten Nutzungsanforderungen mit den gegebenenMöglichkeiten der Technik und des Bauwerkes sowie möglichstwenig Eingriffen in die Bausubstanz in Einklang zu bringen.Auch die Belange des Brandschutzes wurden durch die Erweiterungder bestehenden Brandmeldeanlage auf zusätzliche Gebäudeteile inder Prälatur und im Münsterdach berücksichtigt.78


Ausblick auf weitereSanierungsmaSSnahmenPeter MoserVermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt RavensburgMit der im Herbst 2009 begonnenen und jetzt fertiggestellten GroßenBaumaßnahme „Schloss- und Klosteranlage Salem Sofortmaßnahmen1. Bauabschnitt“ wurde ein erster Schritt der umfassenden Sanierungsarbeitenabgeschlossen. Auch das Land Baden-Württemberg alsneuer Eigentümer sieht sich selbstverständlich in der Pflicht, diesesbesondere Kulturgut zu erhalten und kontinuierlich durch weiterebauliche Maßnahmen und neue Nutzungsüberlegungen die GesamtanlageSalem als herausragendes lebendiges Kulturgut für die Bevölkerungdem Geist des Ortes entsprechend zur Verfügung zu stellen.Ein weiteres Finanzpaket mit einem Volumen von 6,0 Millionen Eurowurde bereits bewilligt und mit dem 2. Bauabschnitt im Februar 2012im Bereich Prälatur begonnen.In Abstimmung mit den Ministerien, der Bau- und Lenkungskommission,der Markgräflich Badischen Verwaltung und der Staatlichen VermögensundHochbauverwaltung wurden unter Berücksichtigung der Schadensbilderund Erkenntnisse aus dem 1. Bauabschnitt folgende Maßnahmenan verschiedenen Gebäuden der Gesamtanlage Salem eingeplant:PrälaturMit den fertiggestellten Arbeiten an den Dächern und Innenhoffassadendes Prälaturgebäudes konnte nur die erste Hälfte der vierflügligenGebäudeanlage gesichert werden. In dem 2. Bauabschnitt werdenjetzt die witterungsgeschützeren Ost-und Nordfassaden im Sternenhofanalog dem ersten Abschnitt bearbeitet. Die Schadenskartierung ist bereitsabgeschlossen und zeigt erwartungsgemäß ein etwas geringeres Schadensbild.Parallel werden die entsprechenden Dächer auf dem West- und80 81


Südflügel und den zwei Eckpavillons saniert und somit die notwendigenSanierungsmaßnahmen an der Außenhaut der Prälatur im Herbst 2013abgeschlossen sein. Die Markgräflich Badische Verwaltung beteiligt sichals Miteigentümerin an den Sanierungskosten mit rund 1,5 MillionenEuro.Innerhalb des landeseigenen Gebäudeteils der Prälatur werden durchweitere Verbesserung der Elektrotechnik, der Beleuchtung, des Brandschutzessowie der Umnutzung und Sanierung der repräsentativenRäume und Flure im 1. und 2. Obergeschoss die Nutzungsmöglichkeitenerweitert. Diese Arbeiten werden unter Berücksichtigung desFührungsbetriebes und der Veranstaltungen ab Herbst 2012 beginnen.BetsaalIm Verbindungsbau zwischen Prälatur und Konvent befindet sich im Erdgeschosssder Betsaal. Als ehemaliges Sommerrefektorium des Klosterswird er heute von der evangelischen Kirchengemeinde Salem genutzt.Dieser Saal beeindruckt durch seine stark ausgeformten Stuckarbeiten ander Decke und seine bauzeitliche Raumausstattung sowie zahlreiche Decken-und Wandgemälde. Es ist geplant, die Wand und Raumschale zureinigen und zu konservieren, um den Bestand zu sichern.Erste restauratorische Untersuchungen anhand einer Musterflächezeigen, dass bereits eine intensive, substanzschonende Reinigung mittelsfein dosierter Druckluft und weichen Gummiteilchen, die hinterden modellierten Stuck gelangen, ein sehr gutes Ergebnis erzielt undder drückende schwere Gesamteindruck gemildert wird. Parallel wer-82 83


den die Wandbilder restauriert werden.MarstallIn dem 2. Bauabschnitt bilden die Arbeiten am barocken Marstallgebäudeeinen weiteren Schwerpunkt neben der Prälatur. Die Fassademit ihrem Ziergiebel, die Wandflächen im ehemaligen Pferdestallsowie der Dachstuhl sind von starken Beschädigungen gezeichnet.Diese werden analog dem Vorgehen in der Prälatur nach umfassenderDokumentation und Schadensanalyse mit dem Ziel einer konservierendenSicherung beseitigt werden.Eine Besonderheit und Herausforderung ist der restauratorischeUmgang mit den acht Freskenmalereien von Georg Brueder in denPferdeboxen. Anhand einer exemplarischen Musterrestaurierung aneinem Bild sollen die Maßnahmen zusammen mit dem Landesamt fürDenkmalpflege für die restlichen sieben Bilder entwickelt, festgelegtund anschließend durchgeführt werden.MünsterIm Inneren des Kernstückes der Gesamtanlage, dem gotischen Münster,sind im Bereich der freiliegenden Gewölbemalereien Notsicherungsmaßnahmenerforderlich, um einen weiteren Verlust an Originalsubstanzzu vermeiden.An einem exemplarischen Gewölbefeld wird im Rahmen einerMusterrestaurierung nach umfassender Bestandsuntersuchung, Bewertungdes Schadensbildes und möglicher Maßnahmen in enger84 85


Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege und der Lenkungskommissionein Sanierungskonzept für weitere Bauabschnitteentwickelt. Parallel wird die bereits in den 1990er-Jahren zumTeil durchgeführte Fassadensanierung des Münsters mit der Schadenskartierungder Seitenschifffassaden weitergeführt. Notsicherungsarbeitenwerden vorab durchgeführt.Ziel dieser intensiven Untersuchungsarbeiten, zu denen auch dieInstallation eines Klimamonitorings gehört, ist es, ein langfristigesSanierungskonzept für das Münster im Inneren wie auch außen fürdie stark verwitterten Steinfassaden zu entwickeln. Die Kosten undMaßnahmenabschnitte für die Zukunft können so zielgerichtet undrechtzeitig eingeplant werden.Nach Abschluss des 2. Bauabschnittes Ende des Jahres 2014 sollten ein3. Bauabschnitt mit Maßnahmen unter anderem am Rentamt, Instandsetzungsmaßnahmenam Münster und der Wasserversorgungdurchgeführt werden..Zusätzlich zu den durchgeführten und geplanten Großen Baumaßnahmendarf aber der jährliche allgemeine Bauunterhalt und Betriebfür die zahlreichen Gebäude, technischen Anlagen und Grünanlagenmit unterschiedlichen Mietern, von der Schule Salem bis zum Dekander Katholischen Kirchengemeinde, von der Glasbläserwerkstattbis zum Tourismusbüro der Region sowie der Schlossverwaltung derStaatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg nicht vergessenwerden.Die Anziehungskraft von Kloster und Schloss Salem besteht in derAuthentizität ihrer Gebäude mit ihren großen Teilen an vorhandeneroriginaler Bausubstanz und der Anordnung und Nutzung derGesamtanlage. Diese zu erhalten ist heute und in den kommendenJahren eine verantwortungsvolle, lehrreiche und interessante Aufgabeinsbesondere für die Kolleginnen und Kollegen des Amtes Ravensburgdes Landesbetriebes Vermögen und Bau Baden-Württemberg.LangbauHier sind Maßnahmen im Bereich der Dachstühle erforderlich. Umdie Energieeinsparung beim Betreiben der Anlage weiter zu verbessern,sind zusätzliche Optimierungsmaßnahmen bei der Regelungund Steuerung der zentralen Heizungsanlage eingeplant.86 87


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AnhangProjektdaten, Zeitlicher AblaufBauherrProjektdaten PrälaturBildersanierung im KreuzgangZeitlicher AblaufLand Baden-Württemberg vertreten durchVermögen und Bau Baden-WürttembergAmt RavensburgBauherr PrälaturWohnungseigentümergemeinschaftMarkgräflich Badische Verwaltung undLand Baden-WürttembergNutzfläche (landeseigen) 2.659 m²Fassadenflächen Innenhof Sternenhof 1.Teil 1.500 m²Kosten 1.100.000,– €Dachflächen Prälatur 1. Teil 3.600 m²Kosten 1.900.000,– €KaisersaalNutzfläche 300 m²Kosten Decke und Wandschale 520.000,– €Kostenfinanziert mit Toto-Lotto-Mitteln 146.000,– €Projektdaten übrige MaSSnahmen im Rahmendes 1. BauabschnittesArbeiten im Münster, in der Prälatur, im Konvent,in der Zentralheizung und AußenanlagenKosten 850.000,– €6. April 2009 Kauf und Übernahme der Liegenschaft KlosterundSchlossanlage SalemOktober 2009 Zustimmung zur Baudurchführung durchdas Ministerium für Finanzen und WirtschaftBaden-WürttembergMärz 2010Juni 2010Baubeginn mit Arbeiten für die MedientrennungBaubeginn mit Arbeiten an den FassadenGrundlagenermittlung,VorplanungMedientrennung in Prälatur und AuSSenanlagenund ProjektleitungVermögen und Bau Baden-WürttembergAmt RavensburgKosten 470.000,– €Vertraglicher Kostenanteil derMarkgräflich Badische Verwaltung 1.540.000,– €Gesamtbaukosten 6.000.000,– €Dezember 2011 Gesamtfertigstellung aller Arbeiten1. Bauabschnitt23. März 2012 Feierliche Übergabe des KaisersaalesEntwurf, Planung und BauleitungArchitekt Bruno Siegelin, HerdwangenARGE AeDis, Hochdorf, Siegelin, HerdwangenProjektdaten KonventNutzfläche 6.498 m²Fassadenflächen Innenhof Tafelobstgarten 2.700 m²Kosten 1.160.000,– €90 91


ImpressumHerausgeberMinisterium für Finanzen und Wirtschaft Baden-WürttembergNeues Schloss Schlossplatz 4 , 70173 Stuttgartwww.mfw.baden-wuerttemberg.deRedaktionPeter MoserVermögen und Bau Baden-WürttembergAmt RavensburgGesamtherstellungVerena Helfert M.A.Staatsanzeiger für Baden-Württemberg GmbH, StuttgartGestaltungFriederike RookStaatsanzeiger für Baden-Württemberg GmbH, StuttgartDruckUngeheuer + Ulmer KG GmbH + Co., LudwigsburgAuflage1500 StückErscheinungsjahr© März 2012Diese Broschüre kann direkt beim Ministerium für Finanzen undWirtschaft Baden-Württemberg, Pressestelle, Telefon 07 11/2 79-35 11,oder Mail pressestelle@mfw.bwl.de bezogen werden.Unter www.mfw.baden-wuerttemberg.de steht sie auchals Download zur Verfügung.BildnachweisAeDis, HochdorfS. 17, 21, 56, 57, 58, 59, 60, 61, 63, 64, 65, 83, 84, 85, 87Hermann Böhne, SalemS. 33, 82, 86,Joachim Feist, ReutlingenS. 2, 7, 21, 23, 40, 41, 44, 45, 46, 47, 53, 54, 62, 67, 68, 80Birgida Gonzalez, StuttgartS. 9, 19, 27Dr. Ulrich Knapp, LeonbergS. 29, 30, 35, 37, 39Achim Mende, ÜberlingenS. Titelbild, 5, 11Staatliche Schlösser und Gärten Baden-WürttembergS. 72, 73, 74, 75, 76, 77Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt RavensburgS. 13, 15, 49, 51, 69, 70, 71,78Volkmer, Aichhalden-RötenbergS. 25, 48, 50Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigungdes Herausgebers.


MünsterTafelobstgarten Novizengarten SternenhofKaisersaalKonventPrälatur

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