MAGAZIN 2.12 - Menschen für Menschen

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MAGAZIN 2.12 - Menschen für Menschen

NAGAYAMAGAZIN 2.12Nagaya heißt FriedenSCHWERPUNKT4 SCHWIERIGER ALLTAG IN BORENAWarum Familien unsereHilfe dringend brauchen9 ARMUT VERHÜTENWarum Frauen für ihreFamilien planen10 ALMAZ BÖHMS KOLUMNEWarum Urlaubsreisenin Äthiopien selten sind


IMPRESSUMEDITORIALStiftung Menschen für Menschen –Karlheinz Böhms ÄthiopienhilfeBrienner Straße 4680333 MünchenTel.: (089) 38 39 79-0Fax: (089) 38 39 79-70info@menschenfuermenschen.orgwww.menschenfuermenschen.dewww.menschenfuermenschen.atwww.menschenfuermenschen.chSpendenkonto: 18 18 00 18Stadtsparkasse München(BLZ 701 500 00)Verantwortlich: Axel Haasis, JosefineKamm, Rupert WeberRedaktion: Astrid Merkl, Bernd HauserGrafisches Konzept, Layout:Steven Dohn, Cora TrinkausBohm & Nonnen, DarmstadtDruck: Druckerei Fritz Kriechbaumer,TaufkirchenFotos: Rainer Kwiotek, Sigi Müller,picture alliance / Herbert Neubauer,Peter Rigaud, Stefan MohnTitelbild: Rainer KwiotekNagaya (Frieden) heißt das ersteMenschen für Menschen-Dorfin Äthiopien – ein Symbol dafür,dass Menschen für Menschen Hilfeauch als Friedensarbeit versteht.Das DZI Spenden-Siegel bürgt für denzweckbestimmten, wirksamen und wirtschaftlichenUmgang mit Ihrer Spende.Liebe Leserin, lieber Leser,wenn ich von einer Reise heimkehre, stellt sichspätestens beim Betreten meiner Wohnung einheimeliges Gefühl ein. Ich kenne die Umgebung,die Aussicht und weiß, dass viele Menschen,die ich gern habe, nahe sind. Dieses Gefühlder Geborgenheit in der Heimat kennt wohljeder Mensch auf der ganzen Welt.Auch die Menschen in Äthiopien wollen ihregeliebte Umgebung und ihre Mitmenschennicht verlassen. In vielen Regionen scheint einÜberleben ohne fremde Hilfe jedoch nicht möglichzu sein. Es fehlt an Wasser, an Nahrung, anBildungs- und Gesundheitseinrichtungen undan Wissen in der Agrarwirtschaft. Auch dieBevölkerung der Region Borena bat Menschenfür Menschen deshalb um Unterstützung. Nacheiner gründlichen Abklärung zu den Bedürf -nissen und der Machbarkeit ist Menschen fürMenschen nun seit 2011 in der Region präsent.Mit dem breit angelegten und nachhaltigenAnsatz der integrierten ländlichen Entwicklungunterstützen wir die Bewohner dabei, sich – mitMaßnahmen in verschiedenen Bereichen – eineZukunft in ihrem geliebten Land zu erarbeiten.Die spürbare Begeisterung und das große Engagementder Bevölkerung zeigt, wie sehr sichdie Äthiopier einsetzen, um sich und ihren Mitmenscheneine Perspektive für ein Leben in dereigenen Heimat zu geben. Ihre treue Unterstützunghilft den Menschen dabei.Vielen herzlichen Dank!IhrNEU IM KURATORIUM:DENNENESCH ZOUDÉDie beliebte Schauspielerin Dennenesch Zoudéist neues Kuratoriumsmitglied der StiftungMenschen für Menschen. Am 14. Mai 2012nahm sie in München die Ernennungsurkundevon Almaz Böhm entgegen. „Mir geht es um dieRealisierung menschlicher Grundrechte, wiezum Beispiel das Recht auf Bildung. DiesenKampf nehme ich gerne zusammen mit Menschenfür Menschen auf!“, so die gebürtigeÄthiopierin, die die Arbeit der Stiftung seit vielenJahren sehr engagiert unterstützt, etwa alsBotschafterin der „Städtewette 2011“ in ihrerHeimatstadt Berlin. Ebenso wie die anderen Kuratoriumsmitgliederwird Zoudé auch künftigeinen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklungvon Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe leisten. Sieist das 13. Mitglied des Gremiums, zu dessenAufgaben neben Beratung von Vorstand undStiftungsrat auch die Mobilisierung von Unterstützernund die Erschließung von Spendengeldernfür die Arbeit in Äthiopien gehören. ZumKuratorium zählen unter anderem Persönlichkeitenwie Münchens Oberbürgermeister ChristianUde, Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann,Autorin Beate Wedekind, Topmodel Sara Nuruoder Delikatessenhändler Ralf Bos.Wir wollen die Wälder unserer Welt erhalten.Das verwendete, FSC ® -zertifizierte Papiererfüllt die umwelt- und sozialrelevanten Kriteriendes FSC.Axel Haasis, Geschäftsführer der StiftungMenschen für Menschen DeutschlandMehr über die Struktur derStiftungsorgane, ihre Funktionund Zusammensetzung:www.menschenfuermenschen.de >Über uns > Organisation > Struktur2


„UNSER ALLTAGIST FURCHTBARSCHWIERIG“Ein Besuch in Borena zeigt, wie arm und bedürftig dasneue Projektgebiet von Menschen für Menschen ist.Doch die Situation ist nicht ausweglos. Die Bauernund Tagelöhner können mit Hilfe der Stiftung ihrSchicksal zum Guten wenden.VON BERND HAUSER · FOTOGRAFIE RAINER KWIOTEK4Teje Mengistu mit ihrer jüngsten Tochter Banju, 5,beim Schnapsbrennen: Eine Woche strapaziöserArbeit bringt knapp zwei Euro.


REPORTAGE NEUES PROJEKTGEBIET BORENANoch nie zuvor haben die Bewohner desGehöfts Ausländer gesehen. Die Reporter desNAGAYA MAGAZINS sind die ersten Weißen,denen sie begegnen. Yalelet, der achtjährigeSohn der Familie, deutet auf die Kamera desFotografen und fragt: „Was ist das?“Ihr Dorf Sefatira ist eine Siedlung aus weitverstreuten Gehöften. Schiefe Lehmhüttenducken sich hinter Wällen aus Steinen und dornigenÄsten, die vor Hyänen schützen sollen.Der einzige Weg zur Zivilisation führt zweieinhalbStunden weit über einen Fußpfad nachMekane Selam, dem Marktort des abgelegenenDistrikts Borena in der Weite des äthiopischenHochlands.Yalelets Eltern Demeke Ayele, 45, und seineFrau Teje Mengistu, 40, haben sechs Kinder.Teje trägt keine Schuhe. Sie besitzt zwar einbilliges Paar aus Plastik, „Aber ich möchte sieschonen. Ich trage die Schuhe nur, wenn ichzum Markt oder in die Kirche gehe“, erklärtsie. „Wir sparen an uns selbst und geben daswenige Geld lieber für die Kinder aus.“Die beiden Ältesten, der 18-jährige Amareund die 15-jährige Silma, gehen in Mekane Selamaufs Gymnasium. Zusammen mit Klassenkameradenhaben sie sich dort eine Unterkunftgemietet. Die monatlichen Kosten von 120 Birr(fünf Euro) bringen die Eltern nur durch Entbehrungenauf.EINE HANDVOLL KÖRNERNur zweimal am Tag, morgens und abends,kann die Familie essen, weil ihr ausgelaugtesLand keine größere Ernte abwirft. Lediglich diekleineren Kinder bekommen am Mittag eineHandvoll geröstete Weizenkörner, wenn sie zuarg über Hunger klagen und nach Essen betteln.Um das Einkommen aufzubessern, brenntMutter Teje regelmäßig Arake, den lokalenSchnaps. Eine höchst strapaziöse Arbeit: VieleStunden lang muss sie zuerst Holz sammelnund dann in der Hütte das Feuer unter demTontopf mit der vergorenen Maische unterhalten:Der Alkohol verdampft und wird über eindurch Ton und Sisalschnüre abgedichtetesBambusrohr in ein Auffanggefäß geleitet. DieHitze und vor allem der beißende Rauch sindschier unerträglich.Der Gewinn steht in keinem Verhältnis zumAufwand: Zwar produziert die Mutter zehn FlaschenArake pro Woche für den Verkauf. Dochweil sie Mais und Hopfen einkaufen muss,„Wir sind bereit anzupacken“,sagen Teje Mengistu und ihrMann Demeke Ayele.„Wirwollen lernen, wie wir unserLeben verbessern können.“bleibt ihr am Ende nur ein Verdienst von 40Birr, das sind weniger als zwei Euro. Möglicherweisezahlt die Familie sogar drauf, wennman bedenkt, dass durch das Schnapsbrennendie Ernten wahrscheinlich geringer ausfallen:Das Feuer wird auch mit getrockneten Kuhfladenunterhalten, die auf den ausgelaugten Felderndringend als Dünger gebraucht würden.So arm die Familie ist, wenigstens haben sieLand und Ochsen, es zu bestellen. Ihre Nachbarnhaben nicht einmal das: Bekele Takele,36, und seine Frau Amognesh Mutuku, 26,sind landlose Tagelöhner. Auch Amogneshbrennt Arake, und Bekele verdingt sich für 10Birr (weniger als 50 Eurocent) pro Tag auf denFeldern von Bauern. Hauptsächlich überlebtdie Familie mit den drei Töchtern zwischenvier und 13 Jahren nur, weil sie Land von ihrenNachbarn bewirtschaften – allerdings zu einemsehr hohen Preis: In manchen GegendenÄthiopiens müssen Unterpächter 40 und mehrProzent ihrer Ernte an den Hauptpächter desLandes abgeben.LIEBEVOLLE EHELEUTEIn ihrer kleinen Hütte geschieht alles in einemRaum: schlafen, kochen, Arake brennen, essen.Während des Interviews mit dem NAGAYAMAGAZIN lächeln sich die Eheleute an, ihreBlicke sind liebevoll. Als Besucher denkt manunwillkürlich an den Satz, mit dem Leo Tolstoiseinen Roman Anna Karenina beginnt: „Alle„Wir haben unsere Büros mit Containern und mitSperrholz so einfach und billig wie möglich gebaut,damit der Löwenanteil unserer Ressourcender Bevölkerung zugute kommt. Diese Effektivitätist eine Freude. Effizient können wir aber nur sein,wenn die Einwohner der Region mitziehen:Der starke Wille der Bevölkerung, an der eigenenEntwicklung hart zu arbeiten, ist eine wesentlicheVoraussetzung für unsere Interventionen.“ADANE NIGUS,PROJEKTLEITER VON MENSCHEN FÜR MENSCHENIM NEUEN PROJEKTGEBIET BORENA5


MIT IHRER HILFE BEKÄMPFEN WIR DIE ARMUTGemeinsam können wir in den neuen Projektregionen schnellwichtige Verbesserungen erreichen. Ihre Spende kommt da an,wo sie am dringendsten gebraucht wird.SO EINFACH IST ES ZU HELFEN!Mit Ihrer Hilfe engagieren wir uns in zehn entlegenen ProjektgebietenÄthiopiens. Insbesondere in den drei jüngsten – Borena, Ginde Beretund Abune Ginde Beret – ist das größte Problem die Nahrungsunsicherheit.Neun von zehn Einwohnern hier leben als Bauern. Die Mühsal,ihrer Landwirtschaft genug abzuringen, um ihre Familien zu ernähren,gleicht dem sprichwörtlichen Kampf gegen Windmühlen: Bodenerosion,unzuverlässige Regenfälle und Schädlinge schmälern die ErträgeJahr um Jahr.Unsere Hauptaufgabe ist es, den Familien zu helfen, bessere Erntenzu erwirtschaften. Sie sollen Vorräte anlegen und finanzielle Rück -lagen bilden können. Denn immer von der Hand in den Mund leben zumüssen, ist bitter. Auch die Kinder leiden darunter: Ihre Ernährung istmangelhaft, ihre Mithilfe auf Feldern und Gehöften ist nötig und hindertsie, zu lernen und sich kindgerecht zu entwickeln.Um einen guten Boden speziell für die Zukunft dieser jungen Menschenzu bereiten, sieht unser bewährtes Konzept der „Integriertenländlichen Projektarbeit“ ein riesiges Paket an sozialen, Bildung undEinkommen schaffenden und Gesundheit schützenden Maßnahmenvor. Die Einheimischen beteiligen sich sehr aktiv an der Umsetzungaller Aktivitäten. Bitte tun Sie es auch: nur durch Ihre Unterstützung,liebe Leserin, lieber Leser, kann dies gelingen.Zugang zu Trinkwasserfür einen Menschen10 Euro2.000 Setzlinge zur Aufforstung 50 EuroTrachom-Operation gegenErblindung und Nachsorgefür zehn Menschen120 EuroSpendenkonto: 18 18 00 18Stadtsparkasse München BLZ 701 500 00Bequem online spenden:www.menschenfuermenschen.deAlmaz und Karlheinz Böhm7


HINTERGRUND DAS KONZEPT VON MENSCHEN FÜR MENSCHENENTWICKLUNG FÜRGANZE REGIONENKarlheinz Böhms Äthiopienhilfe lindert nicht nur das Elend desEinzelnen. Die Lebenssituation aller Einwohner in ausgewähltenRegionen wird durch verschiedenste Hilfen nachhaltig verbessert.Seit Anfang 2011 wendet die Stiftung ihr Konzept im neuenProjektgebiet Borena an.SudanILLUBABOREritreaGINDE BERETNONO SELLEKeniaBORENAMIDDADERRABORECHAMERHABETEASAGIRTHAGERE MARIAMADDIS ABEBAABUNE GINDE BERETIntegrierte ländliche EntwicklungsprojekteÄthiopienBABILEinkl. ERER-TALJemenSomaliaIllubabor 35.000 km 2 Borecha 960 km 2Asagirt 437 km 2 Abune Ginde Beret 1.360 km 2Merhabete* 1.210 km 2 Nono Selle 2.000 km 2Derra* 1.500 km 2 Hagere Mariam 752 km 2Midda 900 km 2 Borena 980 km 2Babile 3.500 km 2 Ginde Beret 1.200 km 2*abgeschlossenAktuell arbeitet die Äthiopienhilfe in zehn Projektgebieten,zwei wurden bereits erfolgreich abgeschlossen. In denProjektgebieten leben die Menschen fast ausschließlichvon der Landwirtschaft. Deshalb ist deren nachhaltigeVerbesserung eines der Schlüssel-Anliegen der Stiftung.Aber gleichzeitig lässt Menschen für Menschen Trinkwasserbrunnengraben und Schulen bauen, sorgt für Gesundheitseinrichtungenund hilft mit Fortbildungen, diesozioökonomische Rolle der Frauen zu stärken.Welche ist von all diesen Interventionen die wich -tigste? „Alle sind wichtig“, antwortet Almaz Böhm: „Washilft eine Schule, wenn die Schüler krank sind, weil siekein sauberes Wasser bekommen? Was nützt eine Klinik,wenn die Menschen zu wenig zu essen haben? Washelfen Kleinkredite für Frauen, wenn sie keine Zeit haben,mit diesem Geld zu wirtschaften, weil sie jeden Tag diemeiste Zeit damit verbringen, Wasser und Holz von weither heranzuschleppen?“ Die Lösungen der Problemehängen voneinander ab, erklärt Almaz Böhm: „Armutmuss man von verschiedenen Seiten her gleichzeitigbekämpfen.“UM VERTRAUEN WERBENIm Rahmen dieses Konzepts der „Integrierten ländlichenEntwicklung“ bleibt die Äthiopienhilfe zwölf bis 15 Jahrein einem Projektgebiet: Um nachhaltige Veränderungenzu erzielen, braucht es Zeit. Beispielsweise gibt es in denrückständigen Gebieten häufig überkommene Traditionenwie die Frühverheiratung von Mädchen. „Erst wennwir das Vertrauen der Einheimischen gewonnen haben,weil wir ihnen über viele Jahre beistehen, können wir daraufhinwirken, dass die Menschen solche schädlichenBräuche beenden“, erklärt Almaz Böhm.Beim Aufbau des neuen Projektgebiets Borena kommtden Fachleuten der Äthiopienhilfe ihre Erfahrung zugute:Die meisten der rund 40 Teammitglieder kamen aus demnunmehr abgeschlossenen und erblühten Projekt gebietDerra. Vom ersten Tag im Januar 2011 an konnten sieeffektive Entwicklungsmaßnahmen in Borena beginnen.Dort war bislang mehr als ein Drittel der 180.000 Einwohnerauf Nahrungsmittel-Nothilfen angewiesen, weildie Böden extrem erodiert sind. Die Fachleute der Stiftungzogen in die Dörfer, um dort mit den Bauernzu leben und sie im Alltag zu beraten. Das Wasserteamerkundete, wo Brunnenbauten möglich sind; die Agrarökologenstarteten Bewässerungs- und Erosionsschutzmaßnahmen.Häufig mussten sie lange Märsche zu -rücklegen, weil es kaum Straßen gibt. Um Hilfsgüter undBerater zu den Bedürftigen zu bringen, schuf einePlanierraupe der Äthiopienhilfe deshalb bislang rund60 Kilometer Zugangspisten in die entlegenen Dörfer.8


HINTERGRUND FAMILIENPLANUNGFamilien werden immer kleiner, wenn Eltern ihrLand unter der nachkommenden Generationverteilen. Nahrungsmittelunsicherheit oder garHunger sind bei geringen Ernten die Folge.Deshalb haben viele Frauen in Borena schonvor Jahren begonnen, Verhütungsmittel zu neh -men, die sie von staatlichen Gesundheitsbehördenerhalten. Doch die bisherigen Möglichkeitenwaren für viele Mütter nicht optimal. „Andie Pille muss man jeden Tag denken, wie leichtvergisst man sie einzunehmen, bei all der Arbeitvon früh bis spät“, sagt Tiruwork Admasu,Mutter von fünf Kindern. Also habe sie sich zunächstfür die Dreimonatsspritze entschieden.„Aber auch dieses Mittel war beschwerlich“,erzählt die 35-Jährige. Nicht nur, weil sie jedesVierteljahr einen Arbeitstag durch den Marschzur Gesundheitsstation und durch das Wartenauf die Behandlung verlor. Noch schwerer wiege,dass die Station das Präparat in dem abge -legenen Landstrich nicht immer vorrätig hatte.NEUE METHODEBäuerin Tiruwork Admasu hat sich für dieLangzeit-Verhütung mit Implanon entschieden.FRAUEN PLANENFÜR IHRE FAMILIENEiner der Gründe, warum äthiopische Familien in Armut verharren,ist ihr Kinderreichtum – das haben auch die Eltern von Borena erkannt.Jedes zweite Ehepaar im Distrikt bestimmt mit Hilfe von Familienplanungüber die Zahl seiner Kinder. Menschen für Menschen hilft mitzusätzlichen Verhütungsmitteln.Bislang bekommt in Äthiopien jede Frau reinstatistisch fünf bis sechs Kinder. In den vergangenen25 Jahren hat sich die Zahl derEinwohner verdoppelt. Man kann sich leichtausrechnen, was diese Bevölkerungsexplosionbedeutet: In Borena leben neun von zehnEin wohnern als Bauern, also von dem, wasihre Scholle hergibt; die Felder für die jungenDie staatlichen Behörden baten die Äthiopienhilfeum Unterstützung. Nun liefert die Stiftungnicht nur die in der Region bislang bekanntenVerhütungsmittel, sondern auch Implanon. Dassind Stäbchen aus Kunststoff, die unter dieHaut appliziert werden und durch Hormonabgabedrei Jahre lang vor Schwangerschaftschützen. Gesundheitsexperten der Stiftungtrainieren das staatliche Personal darin, wieman die Stäbchen implantiert und auch wiederentfernt. In den ersten Monaten seit Einführungdes Services entschieden sich bereits 458Frauen in Borena für die neue Methode. 1.442Frauen benutzten die Pille und 6.537 die Dreimonatsinjektionen.ZU WENIG LANDNeben Tiruwork Admasu war Tsehay Temesgeneine der ersten Mütter, die sich im Degadebi-Gesundheitszentrum für das Langzeit-Verhütungsstäbchenentschieden. Zwei Söhne undeine Tochter habe sie bereits: „Noch ein Kindwürde uns überlasten, wir haben zu wenig Landund Einkommen.“ Zwar hätte sie schon nochgerne eine Tochter. „Dann wäre das Verhältnisausgeglichen“, sagt die Bäuerin lächelnd, „abererst müssen sich unsere Lebensumständedeutlich verbessern.“9


ÄTHIOPIEN LAND UND LEUTEZWISCHEN DEN KULTURENWAS ALMAZ BÖHM AUFFÄLLT, ODER ......warum Urlaubsreisen in Äthiopiennur wenig bekannt sindDie Urlaubs- und Ferienzeit steht vor der Tür, fürdie meisten Europäer ist sie untrennbar mit Ausflügenoder Reisen ins In- und Ausland verbunden.In Äthiopien ist es bis heute so gut wie gar nichtüblich, zum Vergnügen zu verreisen. Über 80 Prozentder Bevölkerung lebt von der Landwirtschaftund kennt keinen Urlaub. Dafür fehlt sowohl die Zeitals auch das Geld. Und wenn die Kinder auf dem LandSchulferien haben, helfen sie den Eltern auf dem Hof. Auch hoheFeiertage verbringt man meist zu Hause oder besucht Verwandtein der näheren Umgebung. Man käme gar nicht auf die Idee,irgendwo hinzufahren, wo man nichts und niemanden kennt!DAS LAND BRAUCHT INFRASTRUKTURIn meinen Vorträgen und Interviews erwähne ich oft, dass auchich meine Heimat erst richtig kennenlernte, als ich begann, meinenMann bei seiner Arbeit für Menschen für Menschen zu begleiten.Davor hatte ich nicht viel mehr gesehen als die Gegendrund um meine Geburtsstadt Jijiga im Osten des Landes sowiedie Hauptstadt Addis Abeba und die Universitätsstadt Awassa,wo ich meinen Schul- bzw. Studienabschluss gemacht hatte.Selbst die städtischen und wohlhabenden Äthiopier fahren nurselten weg. Das beruht zum einen darauf, dass man – mangelsverfügbarer Informationsquellen – viel zu wenig über die unterschiedlichenKulturen, die historischen Sehenswürdigkeiten unddie beeindruckende Natur der verschiedenen Landesteile weiß.Zum anderen liegt es aber vor allem daran, dass weite Teile Äthiopiensauch heute noch infrastrukturell sehr schlecht erschlossensind. Man kann sie nur schwer erreichen und muss dann vor Ortoft auf jeden noch so kleinen Komfort verzichten.In die landesweite Strom- und Wasserversorgung sowie inein gut ausgebautes Verkehrsnetz muss ungeachtet aller Fortschritteder letzten Jahre besonders in den armen und entlegenenGegenden noch viel investiert werden. Menschen für Menschenleistet hierzu vor allem durch den Bau von Wasserstellen, Straßen,Brücken und Zufahrtswegen einen wichtigen Beitrag. Vonder Bevölkerung in unseren Projektgebieten werden dieseEr rungenschaften natürlich noch lange nicht mit Urlaub oderVergnügen in Verbindung gebracht. Sie sind einfach dankbar fürdie enormen Verbesserungen ihres alltäglichen Lebens.Auf äthiopischen Landstraßen:Kaum jemand ist nur zum Vergnügen unterwegs.10


MENSCHEN FÜR MENSCHEN DEUTSCHLANDPORTAL FÜREHRENAMTLICHES ENGAGEMENT„Nachdem sich nach Studium, Heirat, Familie und Hausbauso viel vom eigenen Glück für mich erfüllt hat, gibt mir meinEngagement einen neuen, tiefen Sinn in meinem Leben. Esbedeutet, über meine kleine Welt hinauszublicken und gemeinsammit meinen Kindern hautnah zu erleben, was esheißt, Verantwortung für andere zu übernehmen. Dass jederEinzelne viel bewegen, ganz greifbar die Welt zum Besserenverändern kann, das ist es, was mich an der Arbeitvon Menschen für Menschen fasziniert,“ so Elisabeth Stengelaus Ingenheim in Rheinland-Pfalz zu ihrer Motivation.Auf der Website von Menschen für Menschen stellenaktive Helfer, die einzeln arbeiten oder in Regionalgruppenengagiert sind, in einem neuen Portal ihre vielfältigenAktivitäten vor. Sie reichen von Schulvorträgen undSponsorenläufen über Verkaufs- und Infostände bis hin zurUmsetzung sehr individueller, kreativer Ideen im persön -lichen Umfeld. Vieles ist möglich und neue Interessenten,die Zeit, Motivation und Inspiration mitbringen, sind herzlichwillkommen.Möchten Sie ehrenamtlich tätig werden? Nehmen Sie Kontakt zu Gleichgesinnten aufoder wenden Sie sich an unsere Koordinatorin für Ehrenamt im Münchner Büro:melanie.koehler@menschenfuermenschen.org | Tel: (089) 38 39 79-61www.menschenfuermenschen.de > Aktiv werden > MitarbeitenUNTERSTÜTZEN SIEUNS ÜBERbetterplace.org ist mit über 3.500 eingestellten Hilfsprojek -ten in 135 Ländern eine der bekanntesten Spenden-Plattformenim Internet. Als gemeinnützig anerkannte Organi-Alte Schule in Gumero Abo.sationen können auf der Website um Geld-, Sach- oder Zeitspendenwerben. Das Spendenportal fungiert als Vermittlerzwischen Spendern und Hilfsorganisationen. Für die Spender– über 200.000 sind es nach Angaben des Portals aktuell– besonders greifbar ist die Tatsache, dass sie nicht inGlobalbudgets spenden, sondern projektbezogen: etwa fürBrunnen, Schulmöbel oder Bücher. Hier wird konkret angegeben,wer wofür wie viel Geld benötigt. Seit März 2012ist auch Menschen für Menschen mit zwei Projekten beibetterplace.org am Start: Zum einen möchte die Stiftungin der Gemeinde Gumero Abo im Projektgebiet Illubabordie Schulmöbel für eines der 16 neuen Klassenzimmer der„Ameya Higher Primary School“ finanzieren. Bisher müssenviele Schüler einen Schulweg von bis zu zwei Stundenauf sich nehmen, um dann in dunklen, baufälligen Räumenauf dem staubigen Lehmboden sitzend, dem Unterricht zufolgen. Diesen Kindern können Sie durch Ihre Spenden helfen.Wenn die Schule fertig ist, sollen rund 960 Mädchenund Jungen in hellen, sauberen und gut ausgestattetenKlassenzimmern lernen können.Zum anderen baut Menschen für Menschen, ebenfalls inIllubabor zwei neue Brunnen. Dort fehlt es immer noch anTrinkwasser für die wachsende Bevölkerung. Speziell in Diduist die Versorgung mit sauberem Wasser extrem schlecht.Sie können mithelfen, diese Brunnen zu finanzieren.betterplace.org ist kostenlos und leitet Ihre Spende zu100 Prozent an uns weiter.11

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