MAGAZIN 2.10 - Menschen für Menschen

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MAGAZIN 2.10 - Menschen für Menschen

NAGAYAMAGAZIN 2.10Nagaya heißt FriedenSCHWERPUNKT4 DIE BÜRGER VON LEMMI BITTEN UM HILFESTADT OHNE WASSER8 ERFOLGREICH TROTZ BEHINDERUNGMOMINA GEHT IHREN WEG9 ABC – 2015: BIBLIOTHEKEN FÜR SCHÜLERDIE SCHATZKAMMER


REPORTAGE WASSERMANGELbis sie ihren Behälter füllen können. Die dritteMöglichkeit: Die Frauen marschieren in stundenlangenWanderungen 300 Höhenmetervom Plateau hinab ins Tal, wo es eine schwacheQuelle gibt, und mit schweren Kanisternauf dem Rücken wieder hinauf nach Lemmi.Auch Tigist Bascha, 30, steht jeden Morgenzwischen vier und fünf Uhr auf, um sich mitNachbarinnen zu treffen und zur Quelle hinunterzu steigen. Wenn sich vor der Quelle schoneine Schlange anderer Frauen gebildet hat,muss Tigist Bascha lange warten. Der Marschzurück dauert eineinhalb Stunden. Wenn allesgut geht, ist sie um acht Uhr zurück im Haus.Ihr Mann Aschenawi Aiow, 37, wartet schonungeduldig. Der Beamte in der Stadtverwaltungübergibt ihr Besalot, die vierjährige Tochter,und Massai, die Einjährige, und geht insBüro. Nun muss Tigist Bascha sehen, wie sieden Tag übersteht, mit zwei kleinen Kindernund einem Kanister mit zehn Litern Wasser, diezum Kochen, Spülen, Waschen und Trinkenreichen müssen.„Zehn Liter Wasseram Tag müssenfür die ganzeFamilie reichen.“TIGIST BASCHAEINE SCHWERE BÜRDEÜberall in Afrika trifft Wassermangel besondersFrauen und Mädchen: Sie sind traditionellfür die Beschaffung zuständig. In vielen Dörfernverbringen sie bis zu acht Stunden am TagIn einigen Familien helfen die Söhnebeim Wasserholen. Durch eine engeSchlucht geht es zurück nach Lemmi.mit dem Transport. Die Weltgesundheitsorganisationschätzt den jährlichen Arbeitsaufwandder Wasserträgerinnen in Afrika auf 40 MilliardenStunden – das entspricht der Arbeitszeitaller Berufstätigen in Frankreich: Eine Verschwendungvon Kraft und Lebenszeit der afrikanischenFrauen.„Der Gedanke an das Wassersparen bestimmtden Alltag“, erzählt Tigist Bascha.„Häufig lege ich die Kleider in die Sonne, stattsie zu waschen, das hilft auch ein wenig gegenGerüche und Ungeziefer.“ Beim Waschen stehendie Kinder in einem Zuber: Das Wasserwird aufgefangen und anschließend zum Wäschewaschenverwendet. „Nur einmal in zehnTagen bekommen sie ein Bad mit wenigen LiternWasser“, sagt die junge Mutter.Im weltweiten Maßstab sind diese Verhältnissenicht ungewöhnlich: Ein Fünftel aller Erdenbewohnermuss mit weniger als 25 Liternpro Person und Tag auskommen – das Minimum,das für ein menschenwürdiges Lebenvonnöten ist. Zum Vergleich: In Deutschlandrauschen pro Einwohner und Tag statistisch34 Liter durch die Toilette, gar 45 Liter rinnendurch den Duschabfluss.Als ihre Schwägerin aus der Hauptstadt aufBesuch kam und sah, wie staubig Tigists zehnjährigerSohn Rädiet war, sagte sie: „Gib ihnmir mit nach Addis Abeba, dort kann er sichwenigstens richtig waschen!“ Seit einem halbenJahr lebt der Junge nun von seiner Familiegetrennt. „Es ist hart für uns, aber es tröstet,dass er bei seiner Tante bessere Lebensumständehat“, sagt Tigist Bascha.Ihr Mann Aschenawi Aiow wandte sich alsVorsitzender des Wasserkomitees in Lemmimit der Bitte um Hilfe an Menschen für Menschen.„Solange wir kein Wasser haben“, sagtAschenawi, „haben wir keine Chance auf Ent-5


REPORTAGE WASSERMANGELwicklung.“ Der Wassermangel bremse die lokaleWirtschaft. Statt auf der Rückkehr von denMärkten im Umland Waren mit nach Lemmi zubringen, laden die Bauern Wasserkanister aufdie Rücken ihrer Esel. Viel Zeit und Geld gehefür Besuche in der Gesundheitsstation verloren,um durch schmutziges Wasser hervorgerufeneErkrankungen behandeln zu lassen.Die Gemeinde ließ nun zehn Kilometer vomOrt entfernt mit Hilfe einer Brunnenbohrmaschineein 250 Meter tiefes Bohrloch graben.Im Februar wurde die Bohrung erfolgreich abgeschlossen.Jetzt beginnen die Bewohner vonLemmi, die Gräben für die Leitung zu ziehen.Das Grundwasser aus dem Tiefbrunnen sollnach Fertigstellung der Anlagen in ein Reservoirin der Stadt gepumpt und von dort in etwazehn Wasserstellen im gesamten Stadtgebietverteilt werden. Im Herbst nächsten Jahres solldas System seinen Dienst aufnehmen.„Wir schulen Bürger in Wartungsarbeiten.Das Wasser wird eine Gebühr kosten, damitdas Wasserkomitee Reparaturen ausführenkann“, sagt Dr. Martin Grunder, der Leiter desProjektes bei der Äthiopienhilfe: „Entscheidendist, dass Lemmi die Infrastruktur eigenständigbetreiben kann. Nur so wird Entwicklung nachhaltigerfolgreich.“SEGENSREICHE INVESTITIONDurch die Eigenleistungen der Bewohner unddurch eine einfache und funktionelle Technikhalten sich die Kosten für die gesamte Errichtungder Wasserversorgung in einem Rahmenvon 8,5 Millionen Birr (etwa 475.000 Euro).Wie segensreich diese Investition sein wird,zeigt das Beispiel der Stadt Alge im ProjekgebietIllubabor, wo die Äthiopienhilfe vor zweiJahren eine ähnliche Infrastruktur schuf.Dort sind jetzt 9.000 Bewohner vom Wassermangelbefreit; eine von ihnen ist BerhaneIrana, 37. Die ehemalige Hausfrau betreibt eineSchankwirtschaft mit Tella, dem traditionellenhausgebrauten Maisbier. „Früher konnte ichnur wenige Liter Bier in Tonkrügen herstellen“,erzählt die Wirtin. „Aber jetzt erhalten wir genugWasser, deshalb habe ich mit einem Kleinkreditvon Menschen für Menschen in Gerätschaftenund ein 300-Liter-Fass aus Kunststoffinvestiert.“ Jeden Tag hat sie etwa ein DutzendGäste in der an Ablenkungen nicht gerade reichenStadt. Berhane Irana konnte sich mit demverdienten Geld ein neues Lehmhaus für ihreFamilie bauen und eine Wasserleitung mit eigenemHahn auf ihr Grundstück legen lassen.In Lemmi hofft Tigist Bascha auf eine ähnlicheWendung ihres Schicksals. In das Interviewmit dem Nagaya Magazin platzt ein Nachbarskind.Der etwa acht Jahre alte Junge hatein leeres Glas dabei. Er sagt, seine Mutterschicke ihn. Ob sie nicht etwas Wasser leihendürfte? Sie hätte nichts mehr im Haus. Ganzselbstverständlich schraubt Tigist Bascha denKanister auf und füllt das Glas des Nachbarkindesbis zum Rand: In Lemmi herrscht einMangel an Wasser, aber nicht an Solidarität.Endlich gibt es Wasser in der Stadt Alge. Berhane Irana macht davon gerne Gebrauch, bevor sie Tochter Sotome in den Kindergarten schickt.6


REPORTAGE WASSERMANGELMIT IHRER HILFE BEKÄMPFEN WIR DIE ARMUT„Schon 10 Euro reichen aus, um einen Menschenlangfristig mit sauberem Wasser zu versorgen.Ihre Spende für sauberes Wasser schützt Gesundheit.“SO EINFACH IST ES ZU HELFEN!In Europa ist es so leicht, an sauberes Wasser zu kommen: In jederWohnung gibt es einen Wasserhahn. Ein Luxus, von dem etwa die Hälfteder Weltbevölkerung nur träumen kann.In den ländlichen Regionen Äthiopiens hat keine Familie ihr Wasserdirekt vor dem Haus. Wer bis zur nächsten Wasserstelle nicht weiterals eineinhalb Kilometer laufen muss, gilt als gut versorgt.Doch unzählige Frauen und Mädchen müssen viel mehr Zeit in -vestieren. Sie sind Stunden unterwegs, um ihre Kanister zu füllen. DasWasser, das sie finden, ist oft eine braune Brühe und voller Infektionserreger.Besonders für Kinder ist es lebensgefährlich und eine der Ursachendafür, dass in Äthiopien jedes achte Kind vor seinem fünftenGeburtstag stirbt.Dort wo die Menschen in Äthiopien am stärksten unter Trinkwasser -mangel leiden, kann Menschen für Menschen mit Ihrer Hilfe eine ausreichendeVersorgung schaffen.Zugang zu Trinkwasserfür einen MenschenTraining zur Instandhaltungvon Wasserstellenfür zehn Personen ca.Ein Pumpbrunnen(durchschnittlich)10 Euro100 Euro1.500 EuroSpendenkonto: 18 18 00 18Stadtsparkasse München BLZ 701 500 00Helfen Sie mit! Denn Wasser ist Leben.In dankbarer Verbundenheit, Ihre7


PORTRÄT NÄHERIN MOMINA ALYIMOMINA GEHT IHREN WEGVor zwölf Jahren traf Karlheinz Böhm im Krankenhaus von Mettu eineschwer behinderte junge Patientin. Jetzt begegneten sich die beidenwieder: Aus dem verzweifelten Mädchen ist eine selbstbewusste undglückliche Frau geworden.Nähstube. Die junge Frau, die aufrecht gehend aus der Türtritt und ihm um den Hals fällt, ist Momina. Sie weint undlacht zugleich, als sie sagt: „Karl, sei willkommen in unsererkleinen Schneiderei. Erinnerst du dich daran, in welchemZustand ich war? Schau, was aus mir geworden ist!“Flinke Hände, immer neue Ideen: Arbeit in der Nähstube.„Ich weiß nicht, wie es ohne meine Beine weitergehen soll.Vielleicht wäre es besser zu sterben.“ Die 12-Jährige weinteverzweifelt, als Karlheinz Böhm im Jahr 1998 an ihr Krankenbetttrat und ihre Hand hielt. Viel zu spät hatte MominaAlyi ärztliche Hilfe bekommen. Der Wundbrand war so weitfortgeschritten, dass die Mediziner keine andere Möglichkeitmehr sahen, als zu amputieren.Als der Gründer der Äthiopienhilfe Mettu Anfang diesesJahres wieder besucht, führt ihn sein Weg zu einer kleinenSTOLZ AUF EIGENSTÄNDIGKEITAus ihren Worten spricht der Stolz, wie weit sie es mit dererhaltenen Hilfe gebracht hat: Nach der Beinamputationveranlasste Karlheinz Böhm, dass ihr Prothesen angepasstwurden. Sie und zwei weitere Frauen erhielten die Mög -lichkeit, an einem dreimonatigen Training für Näherinnenteilzunehmen. Und sie bekamen von Menschen für MenschenNähmaschinen zu einem subventionierten Preis aufKreditbasis. Es war der Start für den Aufbau eines gemeinsamenGeschäfts. Momina Alyi, Wubitu Beyene und HamelmalAbebe kauften Schneiderutensilien, Stoffe und Garnund eröffneten eine kleine Nähstube. Nach und nach erweitertensie ihr Angebot um kunstfertig hergestellte Waren,die das Heim verschönern. Heute nähen sie Tischdecken,Polster, Leintücher, Möbelüberwürfe und besticken Tüchermit bunten Mustern. „Wir haben flinke Hände und immerneue Ideen!“, sagt Wubitu Beyene, die ebenfalls eine Beinprotheseträgt.Trotz ihrer Behinderung leben alle drei Frauen heutevöllig eigenständig. Der kleine Laden läuft so gut, dass sieexpandieren möchten. Dabei denken sie nicht nur an sich:Sie möchten zwei weitere Frauen ausbilden und ihnen damitzu einem eigenen Einkommen verhelfen.•Mit Ihrer Hilfe erreicht:• Menschen für Menschen renovierte und erweiterte das marode Krankenhausvon Mettu. Seit der Neueröffnung im Jahr 2001 sichert es die medizinischeVersorgung für über 850.000 Menschen in der Region.• In der Universitätsklinik von Jimma richtete die Äthiopienhilfe das landesweitzweite Prothesen- und Orthesen-Center ein. Seit 2007 erhalten dort Menschenmit Handicap die Hilfsmittel, die ihnen ein Leben jenseits von Abhängigkeit undAusgrenzung ermöglichen.• Kleinkredite der Äthiopienhilfe verhalfen 14.952 Frauen dazu, ein Leben ohneAlmosen zu führen.Momina, Hamelmal, Mominas Tochter Hirut und Wubitu (von linksnach rechts) freuen sich über den Besuch von Karlheinz Böhm.8


HINTERGRUND AUFBAU VON BIBLIOTHEKENDIE SCHATZKAMMEREine entscheidende Erkenntnis für Almaz und Karlheinz Böhm in ihrer Arbeitin Äthiopien ist: „Entwicklung führt über Bildung.“ Deshalb baut Menschenfür Menschen nicht nur Schulen, sondern stattet auch Bibliotheken aus, dievon der Jugend mit großem Eifer genutzt werden.Die Bibliothek ist fast immer bis auf den letzten Platz besetzt.Gymnasiast Melaku kommt fast jeden Tag.Der Schriftsteller Hermann Hesse hat einmalgeschrieben: „Ein Haus ohne Bücher ist arm,auch wenn schöne Teppiche seinen Boden undkostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.“Die jungen Leute, die in der Büchereivon Gundo Meskel Rücken an Rücken sitzen,kommen alle aus Häusern, in denen es nichtsdavon gibt: weder Teppiche oder Tapeten,noch Bücher. Zeitungen sind rar, Internet istein Fremdwort, und Fernsehen gibt es nur inein paar dunklen Spelunken.Umso mehr empfinden die Jungen und Mäd -chen diesen beengten Raum mit seinen Bü-cherregalen ganz offenbar als eine Art Schatzkammer.Nur so ist der heilige Ernst auf denGesichtern zu verstehen, mit dem sie in denSchriften lesen. Von draußen dringen die Geräuschedes Alltags herein: Kinderlachen, Eselgeschrei,die Dieselmotoren alter Lastwagen.Drinnen herrscht konzentrierte Stille.EINZIGE BÜCHEREI WEIT UND BREITDie „Öffentliche Bücherei von Gundo Meskel“hat Menschen für Menschen initiiert und mitinsgesamt 1.254 Büchern bestückt. Es ist dieeinzige Bibliothek im ganzen Distrikt mit einerEinwohnerzahl von 200.000 Menschen. DieNutzer sind fast ausschließlich Schüler. Siekommen nach der Schule in zwei Schichten:Weil es dort zu wenig Klassenräume gibt, werdenmanche Schüler morgens, andere nachmittagsunterrichtet.Immer ist die Bibliothek voll, im Schnitt hatsie täglich 140 Nutzer. „Ich komme fast jedenTag“, sagt der Gymnasiast Melaku Bassasene,17. Die Schulen in Äthiopien leiden häufig untereinem Mangel an Lehrmaterialien. Zumeist gibtes keine vertiefende Literatur. „Hier gibt es dieseweiterführenden Bücher“, erklärt Melaku. „Sokann ich meine Verständnislücken schließen.“Bildungsinitiative ABC – 2015Von den rund 80 Millionen Äthiopiern können rund 30 Millionen weder lesen noch schreiben.40 Prozent der Kinder haben keinen Zugang zu Bildung. Mit der Initiative ABC – 2015will Menschen für Menschen die Alphabetisierungsrate drastisch erhöhen. Seit dem Startdes Programms im Jahr 2008 wurden bereits 51 Schulen für über 70.000 Schüler fertiggestelltund 86 Schulbibliotheken mit Büchern ausgestattet.Lesen Sie mehr: www.menschenfuermenschen.de > Projekte > ABC – 2015MIT BÜCHERN AUS DER ARMUTWie die meisten seiner Altersgenossen hat erverstanden, dass er nur eine Chance hat, ein bes -seres Leben zu führen als sein Vater, ein armerBauer: nämlich wenn er ernsthaft lernt. „MeinTraum ist es, Lehrer zu werden“, sagt Melaku.Vielleicht kann man Hermann Hesses Zitatauch so verstehen: Wer Zugang zu einem Hausmit Büchern hat, kann der Armut entfliehen.9


KOLUMNE ALMAZ BÖHMVoller Einsatz: Mädchen beim Fußballtraining auf dem Sportplatzdes Abdii-Borii-Kinderheimes von Menschen für Menschen.ZWISCHEN DEN KULTURENWAS ALMAZ BÖHM AUFFÄLLT, ODER ...... warum ich mich auf die Fußball-WM freueWenn am 11. Juni die Fußball-Weltmeisterschaftbeginnt, werden sich auchmeine Landsleute von der internationalenEuphorie anstecken lassen. DieMenschen auf dem Land werden anMarkttagen vor den Fernsehgerätenkleiner Dorfkneipen eine Rast einlegen,sich abends mit den Nachbarn um ein Radioversammeln oder die neuesten Spielergebnisse einfachmündlich untereinander austauschen. Selbst in den hinters -ten Winkeln werden die Kinder die Namen der erfolgreichstenTorschützen kennen und – wie so viele ihrer Altersgenossenrund um den Globus – davon träumen, eines Tagesselbst ein berühmter Fussballer zu sein.MIT SELBSTGENÄHTEN BÄLLENIn Äthiopien sind es bisher fast immer Jungen, die bar -fuß und mit selbst genähten Stoffbällen auf staubigenPlätzen ihren Idolen nacheifern. Die Mädchen dagegen habenweniger Freiräume für Sport und Spiel. Sie müssen imHaushalt helfen, Wasser holen, kochen, auf jüngere Geschwisteraufpassen.Insofern ist es auch ein Signal an die Gesellschaft in derStadt Mettu, dass Menschen für Menschen in seinem KinderheimAbdii Borii ein Fussball-Mädchenteam gegründethat. Auch Mädchen dürfen Spass haben! Sie sind mit Feuereiferdabei, bestätigt Trainer Melesse Kamisso: „Die Disziplinund die Kameradschaft ist größer als bei den Jungen,die ich trainiere.“Und wer soll Weltmeister werden? „Deutschland“, sagtJerusalem, 14. „Weil das Team so effektiv ist.“ Derartu, 13,ist „für Brasilien – wegen Ronaldinho!“ Galane, 16, deren Ein -satzwillen sich an ihren aufgeschürften Knien ablesen lässt,hofft dagegen auf einen Sieg von Nigeria.AFRIKA ALS KOMPETENTER PARTNERViele Äthiopier empfinden Freude und Stolz, weil das internationaleFußball-Turnier zum ersten Mal auf dem afrikanischenKontinent stattfindet. Ich sehe darin ein Zeichen undeine Chance dafür, dass Afrika vom Rest der Welt nicht nurals Schauplatz von Gewalt und Dürrekatastrophen wahrgenommenwird, sondern auch als kompetenter Partner, mitdem selbst globale Großereignisse umgesetzt werden können.Einen Monat lang werden Millionen Menschen, vereintin ihrer Begeisterung für Fußball, nach Südafrika blickenund dabei auch sehen können, dass es keine Erste, Zweiteund Dritte Welt gibt, sondern nur eine Einzige.Auch die Abdii-Borii-Mädchen werden bis in die Nachthinein die Spiele am Fernseher im Speisesaal verfolgen.„Das erlaube ich gern“, sagt Taye Aga, der gütige Direktordes Heimes, und fügt schmunzelnd hinzu: „Sonst gibt eseine Rebellion gegen mich.“10


MENSCHEN FÜR MENSCHEN DEUTSCHLANDVON ROTH NACH ADDIS ABEBA –GROSSER ERFOLG BEIM „RUN FOR WATER“5.155 Kilometer galt es zu überwinden, als am 18. April 2010 der Startschusszum Benefizlauf der Stadt Roth fiel. Genau diese Strecke trennt die bayerischeStadt von Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens.WM 2010 –TIPP FÜR AFRIKA!Am 11. Juni 2010 startet die FußballWeltmeisterschaft in Südafrika.Über 1.000 Menschen waren am Start, um unter dem Motto „Run for Water“ aufdem Stadtgartenkurs möglichst viele Runden à 950 Meter zu laufen. Gemeinschaftlichsollte die Marke von 5.155 Kilometern geknackt und zugleich die Durststreckeim ländlichen Äthiopien überwunden werden: Die Firma Auto Dösel, der Hauptsponsordes Laufs, spendete für jede Runde 50 Cent. Um den Spendentopf zu füllen,engagierte sich Jung und Alt: Walker schwangen die Stöcke, Großeltern schobenihre Enkel im Fahrradanhänger, neben Triathleten gaben Firmengruppen und Schulklassenihr Bestes. Am Ende waren es fast 1.000 Kilometer mehr als geplant, dieüberwunden wurden. Im Namen der Kinder, Frauen und Männer in Äthiopien, dieauf sauberes Wasser hoffen, dankt Menschen für Menschen den Initiatoren, Teilnehmernund Spendern, die den Bau von drei Pumpbrunnen ermöglicht haben!Mit dem Tipp-Spiel von Menschen für Menschenwird die WM noch spannender: GebenSie gemeinsam mit Familie, Freunden oderKollegen Ihre Tipps auf die WM-Spiele ab undsammeln Sie gleichzeitig mit Ihrem EinsatzSpenden für die Hilfsprojekte in Äthiopien.Tipp für Afrika:http://afrika.wmtipp10.deOb Stadtlauf, Firmen- oder Sponsorenlauf:Stellen auch Sie Ihren Benefizlauf unter das Motto „Run for Water“ –für den Bau von Brunnen in Äthiopien.Wir unterstützen Sie dabei: www.run-for-water.deMOTHER AFRICA – CIRCUS DER SINNEVom 27. Mai bis 20. Juni 2010 gastiert die Zirkus-Show„Mother Africa“ mit neuen Attraktionenim Deutschen Theater in München. Ein Teilder Einnahmen kommt Menschen für Menschenzugute. Bei der offiziellen Vorstellung desProgramms im Februar war Almaz Böhm zuGast: Dabei boten die Künstler einen Vorgeschmackauf die atemberaubende Show mitTanz, Akrobatik und Musik. Auch in diesemJahr unterstützt die Show die Hilfsprojekte derÄthiopienhilfe. Almaz Böhm liegt die Zusammenarbeitsehr am Herzen: „Afrika ist kein hoff -nungsloser, sondern ein hoffnungsvoller Konti -nent. Die Musik ist laut und fröhlich und dieMenschen strahlen Lebensfreude und Zufriedenheitaus. Genau das zeigen die Artisten, denenich von Herzen für ihr Engagement danke.“Erleben auch Sie Afrika hautnah: 40 Künstleraus neun Ländern Afrikas werden ab Ende Maidie Zuschauer in München verzaubern und ihnenihre Tradition und Kultur näher bringen. Natürlichwirken auch Künstler aus Äthiopien mit.Almaz Böhm mit zwei Darstellernaus „Mother Africa“Tickets kaufen und Gutes tun:Tourdaten, Spielzeiten und Tickets unter www.circus-mother-africa.de11


Mein TagRUMANA HASSEN, 45,HAUSFRAU UND BÄUERIN IN ILLUBABOR„Ohne die Kotscho-Pflanze wäreunser Leben kaum vorstellbar.“„Man könnte denken, wir hätten Bananenpflanzen hinter unseremHaus. Doch diese sechs Meter hohen Stauden in unserem Gartensind keine Bananen. Wir nennen sie Kotscho. Ohne sie wäre unserLeben kaum vorstellbar. Lebensmittel bleiben in der Hitze längerfrisch, wenn wir sie in die Blätter einpacken. Aus den Fasern derStämme drehen wir Seile, die wir brauchen, um auf Bäume zuklettern und dort Bienenstöcke aufzuhängen. Vor allem aber macheich aus der Pflanze unser tägliches Kotscho-Brot. Zuerstschabe ich das Mark aus den Blattstämmen. Das Schabgut legeich gut eingewickelt in Blätter für einige Tage in ein Erdloch, damites fermentiert. Dann packe ich die Masse in neue Blätter ein undlege sie in die Glut eines Holzfeuers. Nach zwei Stunden ist dasErgebnis fertig: unser Kotscho, ein gelbgrauer, säuerlich schmeckenderLaib. Wir haben drei Kühe, jede gibt einen Liter Milch amTag. Kotscho und etwas flüssige Butter darüber: Vor allem davonleben wir, meine sechs Kinder, mein Mann und ich.“In einer Fotostrecke auf der Website der Äthiopienhilfe erklärt Bäuerin Rumana,wie sie aus der Kotscho-Pflanze ihre Hauptnahrung macht.www.menschenfuermenschen.de/Kotscho

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