Schlesischer Gottesfreund - Herzlich Willkommen!

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Schlesischer Gottesfreund - Herzlich Willkommen!

62. JAHRGANG – SEPTEMBER 2011– NR. 9

ISSN 1861- 9746 Verkaufspreis: 2,50 Euro H 6114

Schlesischer Gottesfreund

NACHRICHTEN UND BEITRÄGE AUS DEM EVANGELISCHEN SCHLESIEN

„Buschprediger-Stein” in der Nähe von Ustron (Bericht S. 136) Foto: Edgar Kraus


Geistliches Wort 130

GEISTLICHES WORT

Sorget nicht,

sondern trachtet ... S. 130

BEITRÄGE

Das ist meines Herzens

Freude und Wonne ... S. 132

Das Zeichen des Kreuzes

verbindet uns ... S. 134

„Ihr beide nicht fremd” S. 135

„Wenn es bloß nicht so kalt werden möchte. Wir hatten

schon ein paar ganz grimmige Tage und dann nur Holz zu

heizen, da habe ich unsre schöne warme Wohnung doch

vermißt. Hast Du schon einmal darüber nachgedacht, was

wir alles verloren haben, daß jedes kleine Bild, jede Decke,

jedes Buch, Kissen und alles, alles weg ist”.

Einige Zeilen, liebe Hörerinnen und Hörer, aus einem

Brief vom Dezember 1945. Meine Großmutter, auf der

Flucht aus Pommern, schreibt an ihren Mann, der aus

Kriegsgefangenschaft entlassen, bereits in der britischen

Besatzungszone ist. Meine Mutter hat mir vor einigen

Jahren zu Weihnachten eine Sammlung der Briefe ihrer

Eltern aus diesen Jahren des Krieges und der Flucht überreicht.

Briefe, die zwischen Stettin und Deutsch Krone,

zwischen Jasenitz und Vollerwiek an der Nordsee oft wochenlang

unterwegs waren. Die Briefe und Karten bezeugen

eine furchtbare Zeit.

Und doch ist für mich das Lesen dieser Briefe immer

wieder eine zwar traurige aber auch tröstliche Lektüre.

Sicher: Es steht viel von Verzweiflung in den Briefen, von

der Angst um den Sohn, vom Verlust der Heimat, von

Hunger und Kälte. Aber immer wieder auch Sätze der

Hoffnung: „Schon der Gedanke, zusammen zu sein mit

allen seinen großen und kleinen Sorgen, wenn es sein

müßte zusammen zu sterben” oder „Manchmal denke ich,

man brauchte gar nicht mal viel sprechen, man würde wohl

meist dieselben Gedanken haben”.

Die Briefe sind tröstlich, weil sie erzählen, wie Menschen

menschlich bleiben können. Menschlich in Kriegszeiten,

im Hunger, in der verzweifelten Sehnsucht nach

dem Partner. Menschlich, weil sie die Hoffnung nicht aufgeben:

es könnte wieder gut werden. Ich bin dankbar für

diese Briefe. Sie lehren mich, auf das Wesentliche zu

schauen, gerade in guten Zeiten. Auf die Ur-Sehnsucht, die

uns treibt. Auf die Ur-Sehnsucht, nicht allein zu sein.

Zusammen zu stehen, geliebt zu sein auf dieser Welt. Eine

Heimat zu haben, in der man respektiert, anerkannt und

unbedingt gewünscht ist. Nichts kann diese Sehnsucht stillen,

nur das echte und ungeheuchelte Zusammensein der

Herzen. Fehlt es, leidet die Seele tiefen Mangel und das

Sein ist in Frage gestellt.

Bildbericht zur Studienreise S. 136

MELDUNGEN

OKR i.R. Norbert Ernst

zum Abschied S. 139

Zum Gedenken an

Superintendent i.R. Dr. A. Holzhey S. 139

BUCHEMPFEHLUNG S. 140

TERMINE/VERANSTALTUNGEN S. 141

AUS DER LESERGEMEINDE S. 142 FUNDSTÜCK S. 142/144

Sorget nicht, sondern trachtet ...

Predigt von Landesbischof Ralf Meister beim Schlesiertreffen 2011 in der Marktkirche in Hannover

Was brauchen wir also wirklich für unsere Wanderschaft

durchs Leben? Wir hören einige Sätze aus der Bergpredigt

Jesu, Matthäus 6, 25-34:

25 Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben,

was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren

Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr

denn Speise? und der Leib mehr denn die Kleidung? 26

Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie

ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer

himmlischer Vater nährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel

mehr denn sie? 27 Wer ist aber unter euch, der seiner Länge

eine Elle zusetzen möge, ob er gleich darum sorget?

28 Und warum sorget ihr für die Kleidung? Schaut die

Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht,

auch spinnen sie nicht. 29 Ich sage euch, daß auch Salomo

in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist wie

derselben eins. 30 So denn Gott das Gras auf dem Felde also

kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen

geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr euch tun, o ihr

Kleingläubigen?

31 Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden

wir essen, was werden wir trinken, womit werden wir uns

kleiden? 32 Nach solchem allem trachten die Heiden. Denn

euer himmlischer Vater weiß, daß ihr des alles bedürfet. 33

Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner

Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen. 34 Darum

sorgt nicht für den andern Morgen; denn der morgende Tag

wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher

Tag seine eigene Plage habe.

Sätze, die keine Aufforderung zur Verantwortungslosigkeit

und kein Hohn gegen die sind, die sich um Nahrung

und Kleidung gesorgt haben. Sie sprechen der wichtigen

und richtigen Fürsorge für sich selbst und für die Menschen,

die einem anvertraut sind, nicht die Berechtigung

ab. Aber sie betonen: Wir brauchen für unser Leben die

Haltung des „Seins”, nicht die Haltung des „Habens”. So

hat der Psychoanalytiker Erich Fromm über die

Grundlagen einer neuen Gesellschaft philosophiert, die

ohne Krieg und Gewalt auskommen will (Haben oder Sein,

1979). Nicht die Konsumorientierung, nicht das Anerkannt-Werden,

weil ich habe, nicht die Leistung stellt er ins


131

Zentrum des Denkens, sondern die Orientierung am

„Sein”. Wer sich an seinem Sein ausrichtet, lebt anders als

der, der am Haben orientiert ist. „Tätigsein heißt, seinen

Anlagen, seinen Talenten, dem Reichtum menschlicher

Gaben Ausdruck zu verleihen, mit denen jeder – wenn auch

in verschiedenem Maß – ausgestattet ist. Es bedeutet, sich

selbst zu erneuern, zu wachsen, sich zu verströmen, zu lieben,

das Gefängnis des eigenen isolierten Ichs zu transzendieren,

sich zu interessieren, zu lauschen, zu geben.” (S.89)

„Hast Du schon einmal darüber nachgedacht, was wir

alles verloren haben, daß jedes kleine Bild, jede Decke,

jedes Buch, Kissen und alles alles weg ist” – reduziert auf

das Minimalste, auf das, was kaum noch zum Überleben

reicht, merken wir, was wir eigentlich zum Leben benötigen:

„Schon der Gedanke zusammen zu sein mit allen seinen

großen und kleinen Sorgen”. Nicht das Haben, sondern

die Besinnung auf unser Sein brauchen wir für die Wanderschaft

durch das Leben. Dieses kleine, oft unscheinbare,

oft so brüchige, sich immer wieder neu definierende,

manchmal aufrechte, dann plötzlich wieder erschrockene

und zweifelnde Sein. Dieses Sein, das ängstlich fragt: wie

wird es morgen werden? Trägt der Boden, auf dem ich

gehe? „Wir stehen auf dünner Erdenhaut”, hat Arnim Juhre

seine Sammlung von Gedichten und Psalmnachdichtungen

genannt. Dieser Titel weist auch auf die Geschichte. Auf

unsere persönliche und auf die Welthistorie, die unsere persönliche

Geschichte umfängt. Wir stehen auf dünner Erdenhaut

– über dem Abgrund, auf schwankendem Boden.

Da sind so viele, die auf schwankendem Boden nicht mehr

weiterzugehen wagen; die unsicher geworden sind und

ängstlich, vielleicht schon resigniert und hoffnungslos zu

Boden blicken, aber nicht mehr nach vorn und nicht mehr

nach oben sehen.

Ja, Menschen warten auf eine Botschaft der Hoffnung.

Da sind so viele, die sich schuldhafter Verstrickung, in unserer

von Haß, Gewalt und Tod bedrohten Welt nicht mehr

zurechtfinden. Was wird morgen sein? Trägt der Boden, auf

dem ich gehe? Der Lyriker Albrecht Goes lernte als Lazarettgeistlicher

in der Ukraine einen verwundeten Pianisten

kennen. Seine einzige Welt war die Musik und das

Klavier, … aber die schlimme Schußwunde an seinem

Ellbogen beschäftigte ihn sonderbarerweise kaum. Der

Arzt und die Schwestern im Lazarett machten sich darüber

viel mehr Sorgen als er. Albrecht Goes schenkt dem verwundeten

Pianisten ein Porträt Mozarts, das er sich über

seinem Bett aufhängt. Als nach fünf Tagen das Wundfieber

immer weiter ansteigt entscheidet man sich zur Amputation

des Armes. Für die erste Nacht hat man den Frischoperierten

in ein kleines, ruhiges Zimmer gelegt, aber gleich am

nächsten morgen ist er dann auf eigenen Wunsch wieder

zurück in den großen Saal gebracht worden. Als Goes ihn

besucht, unsicher, nach Worten suchend, unterbricht ihn

der Pianist: „Ich komponiere schon.” „Bei uns hat er sich

Notenpapier bestellt”, riefen zwei vom Tisch herüber. Man

sah sie mit Bleistift und Lineal hantieren. „Mann”, sagte

der eine und kam eilig auf einem Bein ans Bett gehüpft,

einen Stoß Blätter in der Hand, „Mann, da kannste ja ne

ganze Sinfonie komponieren!”.

BEITRÄGE

Der Pianist wird ins Heimatlazarett verlegt, für Albrecht

Goes verliert sich die Spur. Aber, so resümiert er: Ich habe

gelernt, was es heißt, sich nicht von der Sorge ums Morgen

bestimmen zu lassen. An dem Pianisten, dem von einem

Tag auf den anderen der Lebensinhalt genommen worden

war, läßt sich lernen, was das bedeutet: Vertrauen in das

Sein zu haben. In das Sein, nicht das Haben, nicht das

Können. In die Einsicht nämlich, daß die Klaviatur des

Lebens nicht nur eine Oktave umspannt. Und wenn eine

Tür zugeht, kann man darauf achten, ob nicht eine andere

sich gerade öffnet. Und sich auf den Weg machen, zögernd

vielleicht, mit tastendem Schritt. Sich nur auf das Sein,

nicht auf das Haben verlassen. Auf das Sein. Auf das von

Gott geliebte Sein. Wir sind von Gott angesehene Menschen,

die auf dünner Erdenhaut einen tragfähigen Grund

gefunden haben, auf dem sie ihr Leben aufbauen können.

Natürlich bleibt das immer eine Herausforderung. Natürlich

bleibt das Leben auf dünner Erdenhaut eine Aufgabe.

Jeder sehe zu, wie er auf diesem Fundament, das mit Christus

gelegt ist, sein Leben aufbaut, sagt Paulus. Manches

wird gelingen und unser Leben reich machen. Anderes wird

mißlingen – in den Augen der Mitmenschen, vielleicht

auch in unserem eigenen Urteil. Wir werden hin und her

schwanken zwischen Haben und Sein. Zwischen Sehnsucht

und Erfüllung. Zwischen Gehen und tastendem Suchen.

Der Mensch ist vor Gott mehr als die Summe des von ihm

Geleisteten. Er sieht unser Sein. Von der Heimat, von der

Lebensarbeit mag manches verloren gehen, der Mensch als

Kind Gottes aber nicht. Niemand wird von Gott als wertlos

abgetan, weil Christus für alle da war, weil dieses Fundament

sich zu jeder Zeit und für alle als tragfähig erweist

– mag die Erdenhaut auch noch so dünn werden. Es ist

unsere Aufgabe, diese Erfahrung weiter zu geben. Du da, in

Schuhen gehend auf dünner Erdenhaut. Mit deinem Munde

gibt du Hoffnung weiter, mit deiner Stimme weckst du

neuen Mut. Mit deinen Taten weist du Christi Weg. So

bauen wir alle gemeinsam an einem großen Bau mit, dem

Bau seiner Gemeinde, seiner Kirche. Sie will Heimat für

alle sein, die sich mit dem eigenen Leben abmühen, die

sich sorgen und ängstlich nach dem Morgen fragen.

Hängt das alles von uns und von unserem Einsatz ab?

„Sorgt euch nicht um den morgigen Tag, denn der morgige

Tag wird für sich selbst sorgen.” Die Aufgaben sind vielfältig,

und niemand muß für alles verantwortlich sein. Da

kann man schon für sich selbst und für die eigene Mitarbeit

an Gottes großem Bau der Kirche Prioritäten setzen. Da

dürfen die einen durchaus neue Aufgabenfelder aus Überzeugung

bejahen, während andere sich kritisch zurückhalten

und lieber mithelfen, Bewährtes weiter zu bewahren.

Entscheidend bleibt die gemeinsame Konzentration auf das

Fundament, das schon gelegt ist. Letzten Endes hat sich alles

Engagement an dem zu messen, was Christus gebracht,

gelebt und gewirkt hat. Einen anderen Grund kann niemand

legen als den, der gelegt ist, Christus. „Siehe ich mache

alles neu” heißt es in der Offenbarung des Johannes. Der

große Traum, daß alles gut wird, er ist im abgelaufenen

Jahrhundert oft geträumt worden. Und diese Hoffnung auf

Erneuerung hat mehr mit Gott als mit uns zu tun.


BEITRÄGE 132

Eine Erfahrung übrigens, die ich auch in den Briefen meiner

Großeltern lesen konnte, als es gegen allen Anschein

wieder gut geworden ist. Viel später hat meine Mutter einmal

vom Ankommen erzählt. Nach mehr als einem Jahr traf

sie mit ihrer Mutter in Nordfriesland ein. In einem Dorf, in

dem sie dann ihre Jugend verlebt und erwachsen wird. Sie

hat erzählt, daß sie damals in die kleine Dorfkirche gegan-

Es sei mir gestattet, diese erinnernden Zeilen mit einigen

persönlichen Worten zu beginnen.

Nur noch selten erklingt die Glocke im hohen schlanken

Turm der Görlitzer Dreifaltigkeitskirche seit sie als Gemeindekirche

außer Dienst gestellt wurde, jene wunderbaren

alte Franziskaner-Klosterkirche, die seit Jahrhunderten

das Bild des Görlitzer Obermarktes so eindrücklich

prägt. Mir selbst ist sie als Ort der Einkehr, der Stille, des

Gebetes und des Dienstes für Gott sehr ans Herz gewachsen.

Das hat gewiß auch damit zu tun, daß sie seit Generationen

die Gemeindeirche meiner Familie väterlicherseits

war. Was mir als Nachgeborenem aus eigenem

Erleben in diesem Gotteshaus zu erfahren verwehrt blieb,

hat sich doch durch Erzählungen und Schilderungen im

Familienkreis zu einem sehr lebendigen Bild verdichtet –

Erfahrungen aus zweiter Hand – das es mir so leicht, ja

fast selbstverständlich erscheinen ließ, hier eine geistliche

Heimat zu suchen ... und zu finden. Diese „Erfahrungen

aus zweiter Hand” sind immer wieder mit dem Namen

Hans-Joachim Kohlis verbunden, und sie führten zu

Begegnungen mit diesem „einem der letzten Zeugen der

alten schlesischen Kirche”, wie ihn Dr. Hans-Wilhelm Pietz

in seiner Predigt nannte. Behutsam begleitete Hans-

Joachim Kohli zu Beginn der 80er Jahre des vorigen

Jahrhunderts – wenn auch zumeist aus der Ferne – meine

Studien zur Geschichte des Kirchenkampfes in Schlesien

und einprägsam waren auch die wenigen Momente des

Miteinanders in den Jahren seines hohen Alters.

Viele Menschen versammelten sich an diesem 4. August

2011 im weiten Chor der Dreifaltigkeitskirche, um Abschied

zu nehmen: Familie, Wegbegleiter, Gemeindeglieder,

Angehörige der Michaels-Bruderschaft, deren in beiderlei

Sinn ältestes Mitglied er war.

Den Abschiedsgottesdienst hatte Dr. Hans-Wilhelm

Pietz unter die Worte des 63. Psalms gestellt. Dem Wortlaut

der Verse folgend warf er einfühlsam einen Blick auf das

nun vollendete, fast einhundert Jahre währende Leben

Hans-Joachim Kohlis, einen Blick, an dem auch die Leserschaft

des „Gottesfreundes” im Folgenden (in gekürzter

Form) teilhaben soll:

gen ist, die gleich neben dem Haus stand, in dem sie wieder

Heimat fand. Da stand sie dann vorne vor dem Altar

und hat die Decke gesehen: Über und über bemalt mit glänzend

goldenen Sternen auf dunklem Blau. In einer stillen,

friedlichen Kirche die Lichter der Nacht. Da, so sagte sie,

da habe ich gedacht, es könnte wieder gut werden.

Amen. �

Das ist meines Herzens Freude und Wonne,

wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann. (Psalm 63)

Am 4. August nahmen Christen aus vielen Teilen Deutschlands in der Görlitzer Dreifaltigkeitskirche

Abschied von Pfarrer Hans-Joachim Kohli

DR. HANS-WILHELM PIETZ – ANDREAS NEUMANN-NOCHTEN

Hans-Joachim Kohli Foto: 1960er Jahre, privat

Welche Strecke seine Lebenszeit umspannt, welche

Generationen zu verbinden ihm zugemutet und aufgetragen

war, das kann uns Jüngeren an einem Vergleich aufgehen:

Am 28. Oktober 1913 geboren war er ja nur zehn Jahre jünger

als die 1903 geborene und schon 1950 verstorbene

Katharina Staritz und als der ebenfalls 1903 geborene

Jochen Klepper, dessen Leben schon 1942 endete. Als

Jochen Kleppers Kyrie mit dem Lied „Ja, ich will euch tragen

bis zum Alter hin” 1938 erschien, da war Bruder Kohli

als 25-Jähriger gerade in Naumburg am Queiss im

Predigerseminar ...”

Die Kindheit des jungen Hans-Joachim Heinrich Friedrich

Ernst Kohli und sein Heranwachsen war von ständigem

Ortswechsel und vom Entbehren einer tragenden Familienatmosphäre

bestimmt ist. Der Vater Walter Kohli war

Ingenieur und in verschiedenen Städtischen Werken tätig.


133

Dreifaltigkeitskirche Görlitz Foto: ANN

Seine Kompetenz als Techniker hat Hans-Joachim wohl

jene aufgeschlossene Modernität, den Zugang zur Welt des

Entwerfens und Gestaltens vermittelt. Die Erfahrung der

Trennung der Eltern aber hat ihn sensibel gemacht für

menschliches Scheitern und für tragfähige Gemeinschaft.

Wir bedenken das im Erinnern der Kindheits- und Jugendorte:

1914-1916 Stettin; 1916-1918 Kindheitserziehung in

der Brüdergemeine Niesky; 1919-1922 Vorschulzeit in

Duisburg; 1923-1932 Schulbesuch bis zum Abitur am

Reform Real Gymnasium in Iserlohn.

Im Rückblick auf die Zeit in Iserlohn konnte Hans-Joachim

Kohli auch von einem Erwachen des eigenen Glaubens

sprechen: Zu Palmarum 1929 wurde er in der reformierten

Kirche zu Iserlohn konfirmiert. Und später hat er

immer wieder einmal zu erkennen gegeben, daß er die

Stärken der unterschiedlichen evangelischen Konfessionen

wohl zu achten wußte, sie aber als Anlaufwege zum gemeinsamen

Christuszeugnis verstand: Lutherisch getauft,

reformiert konfirmiert, in einer Kirche der Union ordiniert

– das läßt lernen, daß im Bereich gelebten Glaubens nicht

alles gleich sein muß, wenn nur die Mitte klar ist. ...

Der Wunsch danach, Theologie zu studieren und Pfarrer

zu werden, hat sich bei ihm auf einem längeren Wege herausgebildet:

Ein Anstoß durch die Mutter mag dazu beigetragen

haben, Erfahrungen im Bund Deutscher Jugendvereine,

weite Fahrten in der Gemeinschaft des CVJM wohl

auch. Im Blick schon auf dieses Reifen heißt es in einem

Lebenslauf, er habe da erfahren, daß persönlicher Glaube

allein nicht trägt. Die Entdeckung der Kirche als Leib

Christi und Haus aus lebendigen Steinen hat ihn weitergeführt.

Das Theologiestudium in Breslau und Dorpat 1932-

1936 brachte eine fundierte Grundlage, Reisen durch das

Baltikum und durch Finnland prägten ebenso wie ein längerer

Aufenthalt im Höhlenkloster Petschur am Peipossee.

Die Schätze orthodoxer Frömmigkeit und orthodoxer Liturgie

gingen von da aus mit. Das Wissen darum, daß geistliches

Leben tief mit der Übung, mit der Disziplin, mit dem

sorgsamen Ritus verbunden ist, beförderten den Kontakt

zur evangelischen Michaelsbruderschaft. ...

Am 1. Oktober 1939 wurde Hans-Joachim Kohli in der

Breslauer Elisabethkirche zum Dienst der öffentlichen

Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung beauftragt.

Pfarrvikar war er dann schon unter den Bedingungen des

Krieges im schlesischen Paschkerwitz, wo im Sommer

BEITRÄGE

1942 unter dem Patronat der Schoellerschen Güterverwaltung

seine Berufung zum Pfarrer von Paschkerwitz erfolgte.

Am 14. Oktober 1939 schloß Hans-Joachim Kohli mit

Käthe von Hansen in St. Bernhardin in Breslau den Bund

der Ehe.

Nach dem II. Weltkrieg folgten Jahre des Dienstes in

Sachsen, zunächst in Freiberg und später in Grüna.

Im Jahre 1956 schließlich übernahm er die Pfarrstelle

an der Görlitzer Dreifaltigkeitskirche. Und hier blieb unter

seiner Führung ein guter Ort für Gemeinde und Bruderschaft,

für die Musik und das Singen, für ein Verkündigen

und Feiern, für grenzüberschreitende Begegnung und nachhaltige

ökumenische Zusammenarbeit. Hans-Joachim

Kohli war ein mutiger und entschiedener Prediger, öffnet e

seinen Mund für die Stummen, verschwieg das Unrecht im

SED-Staat und beim Bau der Mauer vor 50 Jahren nicht.

Eine ungewöhnlich dichte Verbindung von Pfarrer und

Gemeinde, von Familie und Beruf, von Persönlichem und

Dienstlichem prägte die ganz unterschiedlichen Phasen der

späten 50er Jahre, der frühen und späten 60er Jahre, der

noch einmal anderen 70er Jahre des letzten Jahrhunderts,

bis sich dann für Hans-Joachim Kohli mit dem Eintritt in

den Ruhestand Anfang November 1979 noch einmal eine

ganz eigene, fast 32 Jahre währende Lebensperiode eröffnen

sollte.

In einer Welt, die umgetrieben ist von der Inflation der

Wörter und Meldungen, hat er auf den Wert der Stille und

die Möglichkeit des bewußten Schweigens aufmerksam

gemacht. Es war der ihm so ganz eigene Zug von Güte, von

Milde, von Weisheit, der im Alter seinen Weg prägte, aber

eben auch den Weg aller, die ihm nahestanden .

Mit seiner zweiten Frau Christa – die Eheschließung

fand am 3. Dezember 2005 in der Barbarakapelle der Dreifaltigkeitskirche

statt – hat er in den letzten Lebensjahren

immer wieder neu zuwendende Begleitung und Hilfe erfahren

dürfen.

Viele haben Hans-Joachim Kohli als konzentriert arbeitenden

Theologen kennen und schätzen lernen dürfen: im

Studentenpfarramt, bei der Arbeitsgemeinschaft für Theologie

und Soziologie, als Unterrichtender und Seelsorger an

der Kirchenmusikschule, in der Tonbandarbeit unserer Kirche,

als prägenden Denker im Theologischen Ausschuß der

Synode, und auch in der Gesangbuch- und Agendenarbeit

des Bundes Evangelischer Kirchen in der DDR hat er seine

Spuren hinterlassen können. Wer ihn als geistlichen

Gesprächspartner haben durfte, konnte erfahren, wie tief

bei ihm theologisches Denken und die eigene Existenz aufeinander

bezogen waren. Im Gesangbuch, dessen Gewißheiten

er sich so verbunden wußte, heißt es dazu immer

wieder: Vor unseren Augen, in unserer Erfahrung der

gedehnten Zeit ist es wie ein Schlaf, zu dem wir den Leib

in sein Schlafkämmerlein legen in der Erwartung der

Auferstehung der Toten. Bei Gott aber, in seinem Licht, ist

es ein Nu, ein Augenblick, in dem die Tür zum Vaterhaus

schon offensteht, in dem uns schon seine liebevolle und seit

dem Tag der Taufe immer wieder ausgestreckte Hand

begegnet, ein Überkleidetwerden mit einem unvergänglichen

Gewand der Freude. �


BEITRÄGE 134

Das Zeichen des Kreuzes verbindet uns ...

An der Kirche von Geibsdorf (Siekierczyn) wurde eine Gedenktafel für die ehemaligen deutschen Bewohner angebracht.

ANDREAS NEUMANN-NOCHTEN

Schon mehrfach konnte im „Gottesfreund

darüber berichtet werden, daß

an Kirchen und Friedhöfen im heute

polnischen Schlesien Gedenktafeln und

-steine für die früheren deutschen Bewohner

aufgestellt wurden. Dennoch

sind solche Gesten des Aufeinanderzugehens

längst noch nicht Normalität

oder gar Selbstverständlichkeit im Umgang

der heutigen Bewohner Schlesiens

mit dem deutschen Erbe. Um so

wichtiger ist es, darüber zu berichten,

wenn in solcher Weise Schritte in Richtung

guten Miteinanders zwischen Deutschen

und Polen getan werden.

Nur wenige Kilometer von Görlitz,

noch auf dem Gebiet der Oberlausitz,

liegt das einst, wie heute, recht stattliche

Geibsdorf (poln. Sikiercyn). Am

13. August konnte hier im Beisein zahlreicher

Gäste eine Gedenktafel für die

früher auf dem Kirchhof bestatteten

deutschen und die seit dem Kriegsende

zur letzten Ruhe gebetteten polnischen

Bewohner enthüllt werden.

Möglich wurde dies in erster Linie

durch das unermüdliche Wirken von

Günter Scholz, der hier seine Kindheit

verbrachte. Nach erfüllten Berufs- und

Lebensjahren im Westen Deutschlands

ist er vor wenigen Jahren ganz in die

Nähe des Ortes seiner Kindheit gezo-

gen und lebt heute mit seiner Frau Marianne Scholz-Paul

(hierzulande besser bekannt als das „Schlesische Tippelweib”)

in Königshain bei Görlitz.

Er selbst beschreibt den Weg von der Idee bis zur praktischen

Umsetzung des Vorhabens als lang und nicht unkompliziert,

als ein Wechselspiel furchtsamen Fragens, mutigen

Voranschreitens, nachdenklichen Innehaltens und anpackender

Kreativität. Nicht jeder im Gemeinderat des Ortes war

sonderlich von dem Gedanken angetan, hier eine Gedenktafel

aufzurichten, mit der an die vormals deutschen Bewohner

und die deutsche Geschichte des Ortes erinnert werden

sollte. Hier war ein Mann mit diplomatischen Geschick und

Kompromißfähigkeit gefragt. Als ein solcher sollte sich der

Bürgermeister der Gemeinde Januœ Niekracz erweisen, der

mit Geduld und Weitsicht gegensätzliche Positionen zueinander

führte. Wird andernorts auf vergleichbaren Denkmalen

nur auf die deutschen Verstorbenen verwiesen, die

am entsprechenden Ort über Jahrhunderte hinweg ihre letzte

Ruhe fanden, so sollte nun in Geibsdorf auf der Tafel

auch der polnischen Toten der Nachkriegszeit gedacht werden

und vor allem jeder Verweis auf die vielhundertjährige

deutsche Geschichte unterbleiben.

Alte und neue Bewohner von Geibsdorf

nach Messe, Andacht und Enthüllung

der Gedenktafel im Gespräch vor dem

Kirchhof.

Letztlich konnten Formulierungen gefunden

werden, die beide Seiten zufriedenstellten.

Der Tag, an dem die Tafel enthüllt

werden sollte, begann mit schweren Regenschauern.

Vom Görlitzer Bahnhof

aus setzte sich gegen 10 Uhr ein kleiner

Konvoi von 5 Fahrzeugen in Richtung

Geibsdorf in Bewegung. Dort angekommen

hatte sich der Regen noch verstärkt,

so daß in Erwägung gezogen

werden mußte, die kleine evangelische

Andacht, die eigentlich auf dem Kirchhof

direkt vor der Gedenktafel stattfinden

sollte, in den Vorraum der Kirche

zu verlegen. Einer der Teilnehmer äußerte

jedoch mit prüfendem Blick zum

Himmel, daß um 12 Uhr gewiß die Sonne

scheinen würde. In der Kirche hatten

sich zur Messe, gehalten in polnischer

Sprache, ungefähr 60 Gäste versammelt.

Als sich der Gottesdienst dem Ende

entgegenneigte, schimmerte tatsächlich

durch die Kirchenfenster das erste

Sonnenlicht.

Worte des 126. Psalms bestimmten

den Inhalt der Andacht, die zu halten

mir übertragen worden war. Nach Gebet

und Segen ergriff Bürgermeister

Januœ Niekracz das Wort und gab seiner

Freude Ausdruck über das Engagement

der ehemaligen Bewohner Geibsdorfs.

Er sprach davon, daß er der festen Überzeugung sei, daß

„die Menschen eine Sehnsucht nach friedvollem Miteinander

im Herzen tragen”. Günter Scholz, als Initiator,

erinnerte in seiner kurzen Rede an die ursprüngliche

Ideengeberin Frau Regina Werner und verwies auf den langen

schweren Weg, dessen es bedurft hatte: „Es ist das

Zeichen des Kreuzes auf der Tafel, das Deutsche und Polen

vereine. Das Trennende, das sich zwischen beide Völker

drängen will, darf nicht die Oberhand gewinnen. In diesem

schönen Gotteshaus sind wir getauft worden in Christi

Namen. In seinem Namen wurden die Toten begraben. Aus

diesem Grund sind wir heute bei Ihnen, in Ihrem und in

unserem Heimatort.” Besonderer Dank gilt an dieser Stelle

Frau Ettrich aus Görlitz, die als hervorragende Dolmetscherin

alle Redebeiträge in die jeweiligen Landessprachen

übertrug.

Günter Scholz und der Bürgermeister waren es dann,

denen die Aufgabe zufiel, die Tafel durch Entfernen der

weiß-roten bzw. schwarz-rot-goldenen Schleifen symbolisch

zu enthüllen.

Mit einem Empfang in der Schule des Ortes schloß dieser

für alle Beteiligten denkwürdige Tag. �


135

An hellen Tagen stand er, aus fruchtbarer Ebene aufragend,

groß vor den Augen von uns Dorfbewohnern: der Berg

Zobten, einst „Siling” genannt, und das Land hatte von ihm

seinen Namen empfangen - Schlesien. Der kleine Fluß, der

das Dorf streift und zur Oder hinstrebt, hieß Weistritz. An

seinem Ufer steht ein hochgebautes Schloß, und einmal im

Jahr, im Mai, strömten Menschen von weither in unser

sonst stilles Dorf, um sich an dem Meer von Fliederblüten

zu berauschen, die das Schloß umwogten.

Das war unser Dorf, war Domanze. „Domanice 8 km”

lese ich jetzt auf dem Wegweiser. Domanze-Domanice:

kaum ein Unterschied zwischen Vergangenheit und

Gegenwart? In der Tat: die Wiesen beiderseits der Straße

sind die gleichen wie einst, und die weidenden Kühe gleichen

ihren deutschen „Voreltern” aufs Haar. „Domanice”!

Wir, meine Frau und ich, lassen das Auto vor dem Dorfschild

stehen, um den Boden meiner Heimat zu Fuß zu

betreten. Meiner Heimat? Ach, die Menschen in den Vorgärten

und an den Fenstern kennen mich alle nicht, und ich

kenne auch keinen. Kein Gruß, kein Kopfnicken. Heute ist

nicht mehr einst.

Das gilt auch für die Gaststätte, die „Zum grünen

Baum” hieß. In der hocken jetzt, am Vormittag schon,

betrunkene Gestalten. Ein Mann kommt auf mich zu und

schüttelt meine Hand. Genauer: mit bedrohlicher Gebärde

schüttelt er mich, bis ein anderer Zecher eingreift und ihn

von mir trennt.

Bange Frage: wie werden uns die Menschen begegnen,

die jetzt im einstigen Pfarrhaus wohnen, in meinem

Heimathaus? Wir holen das Auto und lassen es am Kirchplatz

stehen. Spielten nicht eben noch Kinder dort? Im Nu

sind sie verschwunden, wohl im Haus, um die Ankunft der

Fremden zu melden. Die Tür steht offen, aber niemand

zeigt sich. Die Steinfliesen im Flur, das Linoleum auf den

Treppenstufen haben die Jahrzehnte überdauert. Eine Frau

kommt von oben herab, hager, erschöpft wirkend, das Gesicht

verschlossen, aber doch auch fragend zugleich. Was

sagen wir jetzt? Wir, die wir nicht Polnisch können – wir,

die wir nicht wissen, ob die Menschen in diesem Haus

Deutsch verstehen, verstehen können, verstehen wollen?

„Djen dobre” sage ich. Ja, einen „guten Tag” wünschen

wir dieser Frau. Und vielleicht erreicht sie auch der zweite

Gruß, der uns in den Sinn kommt: „Pax vobiscum!” Ob sie

ihn wohl kennt aus der Liturgie der Kirche? Ob sie versteht,

wir wollen ihr und den Ihren keinerlei Unheil bringen, wir

wünschen ihnen Gutes? Pax vobiscum – Friede sei mit

euch! Das Antlitz der Polin entspannt sich und ermutigt

mich zu den Worten: „In diesem Haus bin ich geboren und

habe ich gelebt. Dürfen wir hereinkommen?” Einladende

Gebärde eröffnet uns den Zugang. Träume ich oder ist es

wirklich wahr: der Schleier, der sich in tausend Tagen und

Nächten über die Vergangenheit gelegt hatte, ist abgedeckt.

Ich bin in „meinem” Zimmer! Hier zogen mich als Jungen

an lauen Maiabenden Fliederduft und Nachtigallenschlag

ganz lind in den Schlaf. Hier habe ich zuerst Mose-Ge-

„Ihr beide nicht fremd”

GÜNTER KNECHT

BEITRÄGE

schichten gelesen und von den Nibelungen. Hier bin ich

krank geworden und wieder gesund. Hier war alles gut.

Die Polin erklärt die wenigen Veränderungen, die sie im

Zimmer getroffen haben. Woher kann sie einigermaßen

Deutsch? Durch die deutsche Besatzung hat sie es als Kind

gelernt. Deutsche in Polen, damals! „Mein Bruder erschossen

vor Augen mein Vater, am Tage Stille Nacht, heilige

Nacht!” Schweigen steht im Raum . . .

Jungen kommen mit Badesachen. Nehmen sie uns mit

zum Fluß, zur Weistritz? Nicht lange, und ich bade mit

ihnen an der Stelle, an der ich einst schwimmen lernte. Vom

Ufer aus wird schwerlich jemand erkennen: die badenden

Jungen sind Polen, der Mann mit ihnen ist Deutscher.

Wieder im Hause. Wir werden eingeladen zu einer

Mahlzeit, und nun hat sich auch der Familienvater eingefunden,

geboren und aufgewachsen in Lemberg, in Lwow.

Wir essen. „Wir” sage ich und meine nun schon uns beide

und unsere polnischen Gastgeber. Die Kirschen zum

Nachtisch erkenne ich wieder: sie sind von dem Baum, den

mein Vater gepflanzt hat.

Die Polen erzählen, erzählen uns Deutschen auch vom

Streit um Gartenfläche mit ihren polnischen Nachbarn.

Draußen spielen die Kinder mit dem Federballspiel, das wir

ihnen schenkten. Vor der Haustür: Aufstellung zum Gruppenbild:

Polen mit Deutschen, Deutsche mit Polen.

Abschied am Auto: einen Beutel mit Eiern und einen

sehr großen mit Kirschen drücken sie uns in die Hand. Die

Polen sagt: „Ihr beide nicht fremd, ihr Bruder und

Schwester!” Was bleibt zurück hinter uns, was geht mit

uns? „Wohin gehen wir?” hat der Dichter gefragt und vernahm

die Antwort: „Immer nach Hause.”

Schloß Domanze Alte Ansichtskarte, 1920er Jahre

Der Autor dieses kleinen Berichtes lebt als Pfarrer im

Ruhestand, jetzt 85 Jahre alt, in Berlin, und ist der jüngere

von zwei Söhnen (der ältere ist vermißt in Stalingrad) des

Pastors Georg Knecht der von 1918 bis Anfang Februar

1945 Pastor in Domanze war. �


Die Teilnehmer der Studienreise vor der Kirche in Dziêgielów mit Pfarrer Marek Londzin (rechts außen)

„Die evangelische Kirche in Oberschlesien und

Österreichisch-Schlesien in Vergangenheit und Gegenwart”

Bericht zur Studienreise vom 16.- 22.6.2011, veranstaltet von der Kirchlichen Stiftung Evangelisches Schlesien

CHRISTOPH SCHOLZ

Diesmal war nicht wie bei den bisherigen Studienreisen

eine Epoche der Kirchengeschichte das Thema, sondern

eine Grenzregion mit wechselnder staatlicher Zugehörigkeit.

Es handelt sich weitgehend um das ehemalige Piasten

-Herzogtum Teschen. Auch kirchlich ist dieses Gebiet hart

umkämpft gewesen. Recht früh in der Reformationszeit

wurde es evangelisch, dann durch den Wechsel des Herzogs

zum Katholizismus versuchte die Gegenreformation

mit den üblichen Grausamkeiten das Rad zurückzudrehen.

Nach dem Aussterben des Herzogshauses in der Zeit des

30jährigen Krieges kam das Gebiet an Habsburg und musste,

den Verträgen von Münster und Osnabrück 1648 entsprechend,

katholisch werden. Aber der größte Teil der Bevölkerung

blieb seinem Glauben treu, Stichwort: Geheimprotestantismus.

Durch geheime Waldgottesdienste, lutherische

und später pietistische Pastoren und Schriften retteten

sie ihren Glauben bis zum Toleranz-Patent von Kaiser

Joseph II. 1781. Die protestantischen Einwohner der Stadt

Teschen waren 1709 durch den Bau der Gnadenkirche der

drohenden Katholisierung entgangen. Diese Kirche war die

einzige evangelische in Oberschlesien und wurde dazu zur

Mutterkirche für die entstehenden protestantischen Kirchen

Osteuropas. Die pietistische Ausrichtung, begründet von

Predigern aus Halle, blieb bis heute ihr Markenzeichen.

Wir konnten dies beim Besuch der Gemeinden hautnah

erleben. Im Teschener Gebiet bilden Protestanten noch

heute die Mehrheit der Bevölkerung, einzigartig in Polen.

Wir besuchten nicht nur die mächtige, die Stadt überragende

Gnadenkirche, sondern auch eine Reihe von evangelischen

Gemeinden in Polen und Tschechien. Die Stadt

Teschen ist übrigens wie Görlitz geteilt: Die Altstadt, mit

typisch schlesischem Ring, gehört zu Polen, die neuen

Viertel zu Tschechien. Sehr imponierend waren zum einen

Evangelische Kirche im tschechischen Teil von Teschen


die Zahl der Gottesdienstbesucher: im Schnitt 200-250,

Sonntag für Sonntag, wie uns stolz von den Pfarrern verkündet

wurde. Wir konnten in Ustron mitfeiern und ein volles

Haus erleben. Das Gemeindeleben ist rege. Es gibt

Kinderchöre, gemischte Chöre und Posaunen-Chöre und

Jugendgruppen, auch Evangelisationen sind üblich.

Ebenfalls beeindruckend ist das Diakonissen-Mutterhaus

in Dziêngelów. Hier hat sich ein evangelisches Zentrum

entwickelt: Altenwohnheim und Evangelisationszentrum

für die gesamte ev. Augsburger Kirche in Polen. Aber

auch hier fehlt der Diakonissen-Nachwuchs. Pfarrer

Londzin, der Leiter dieses Zentrums begleitete uns auf unserer

Fahrt zu den Gemeinden und gab viele Informationen.

Die westl. Beskiden, bis 1300 m ansteigend, sind ein

dicht bewaldetes Mittelgebirge und zum Wandern sehr geeignet.

Das konnten wir als Familie Scholz mit Mutter Erna

1977 und 1979 ausprobieren. Unser Standquartier war damals

das Waldhäuschen des poln. Pastor Krop. Beim Sonntagsausflug

konnte unsere Gruppe aus dem Bus einen

Eindruck der reizvollen Landschaft bekommen. Ustron und

Drei Schwestern in Dziêgielów

Teile der Schloßanlage in Pless

Evangelische Kirche in Weichsel


Weichsel sind attraktive Kurorte, Bielitz-Biala beherbergt

als Bischofssitz der ev. Diözese Teschen ein weiteres ev.

Zentrum. Es ist stolz auf sein imponierendes Luther-

Denkmal. Übrigens sind die Evangelischen auf der tschechischen

Seite meist zweisprachig: polnisch und tschechisch,

auch bei den Gottesdiensten wechselt die Sprache.

Alle Pastoren , die wir erlebten, sprachen gut deutsch.

Einer der Höhepunkte der Fahrt war der Besuch in der

Teschener Gnadenkirche. Nicht zu übersehen war die Büste

des Schwedenkönigs Karl XII., der dem Kaiser die sechs

Gnadenkirchen in Schlesien abgerungen hatte.

Die zweite Waldwanderung führte zum Platz der geheimen

Gottesdienste bei Ustron, mit erhaltenem Altartisch

und einem Gedenkstein. Die Stelle ist noch heute schwer

zu erreichen.

Auf der Hinfahrt war die Militscher Gnadenkirche

Zwischenstation, auf der Rückfahrt die Stadt Pless mit

Schloß und Evangelischer Schloßkirche, ehemals Sitz des

Fürsten Pless u. Hochberg.

Insgesamt genossen wir wieder eine landschaftlich lohnende

und historisch interessante Gegend, lohnend allein

schon wegen des Besuchs der lebendigen evangelischen

Gemeinden. Unsere Geschichtskenntnisse wurden dabei

kräftig aufgefrischt.

Herzlich sei Herrn Edgar Kraus gedankt, der alle hier

wiedergegebenen Fotos zur Verfügung gestellt hat. �

Blick zum Altar der evangelischen Kirche in Bielitz

Evangelische Schloßkirche in Pless


139

Foto: ANN

OKR i.R. Norbert Ernst zum Abschied

Die „Gemeinschaft evangelischer Schlesier (Hilfskomitee)

e.V.” trauert um Pfarrer und Oberkonsistorialrat i.R. Norbert

Ernst. Er ist am 19. August 2011 in Görlitz im Alter von 77

Jahren „aus dieser Zeit, in der er gern gelebt und Menschen

geliebt hat”, – so die Traueranzeige – abgerufen worden.

Norbert Ernst war mit Leib und Seele Oberlausitzer. Hier

hat er die meiste Zeit seines Lebens verbracht: Am 12. März

1934 in Niesky geboren, war er nach dem Theologiestudium

in Halle/Saale ab 1958 Vikar, dann Pfarrer in Gersdorf, – an

der Kirche, in der am 25. August 2011 auch die Trauerfeier

Zum Gedenken an Superintendent i.R. Dr. Andreas Holzhey

GENERALSUPERINTENDENT MARTIN HERCHE

Am Dienstag, dem 16. August, ist Superintendent i.R. Dr.

Andreas Holzhey im Leipziger Universitätsklinikum verstorben.

Auf dem Weg der schweren Krebserkrankung und

im Abschied ist er dabei treu von den Seinen und von herzlicher

Fürbitte aus Nah und Fern begleitet worden.

Am 29. Januar 1948 ist er in Ruhland als Sohn des

Superintendenten Gotthold Holzhey und seiner Ehefrau Käthe

zur Welt gekommen. Die Erfahrung mannigfacher Gaben

und Begabungen im Geschwisterkreis und in der Familie

haben ihn für den eigenen Weg ebenso vorbereitet wie die

Freude an der Gemeinde und am kirchlichen Gestalten und

Bekennen, die er im Elternhaus erfahren durfte. Nach der

1966 in Leipzig absolvierten Reifeprüfung hat er dort bis

1971 an der Sektion Theologie der damaligen Karl-Marx-

Universität studiert.

Nach dem Lehrvikariat bei Pfarrer Fritz Kolata in

Kroppen und der Predigerseminarszeit in Wittenberg war

Andreas Holzhey als Vikar mit pfarramtlichen Diensten in

MELDUNGEN

stattgefunden hat. Von 1973 bis 1982 war er Superintendent

des Kirchenkreises Reichenbach, 1982 bis 1985 nebenamtlicher,

ab 1985 hauptamtlicher Konsistorialrat in Görlitz und

von 1991 bis zu seiner Verabschiedung aus dem Dienst 1997

Oberkonsistorialrat. Seinen Ruhestand verbrachte er in Görlitz.

Unsere „Gemeinschaft” hat OKR Norbert Ernst viel zu

verdanken. Er gehörte zu denen, die nach der Wiedervereinigung,

als die Zusammenarbeit zwischen uns, die wir aus

der westdeutschen Bundesrepublik kamen, und den Schlesiern

in der Oberlausitz möglich wurde und langsam anlief,

sehr freundlich, ja herzlich willkommen hieß, Türen öffnete,

Beziehungen herstellte und uns half, in der ehemaligen DDR

heimisch zu werden.

Gern denke ich an seine Andachten und Vorträge zurück,

die er bei den Arbeitstagungen des „Vereins für Schlesische

Kirchengeschichte e.V.” in der Kreuzbergbaude in Jauernick-Buschbach

gehalten hat. Mehrere seiner Vorträge sind

dann auch im „Jahrbuch für Schlesische Kirchengeschichte”

gedruckt worden und dort nachzulesen. Nach dem Zusammenschluss

der Evangelischen Kirche der schlesischen

Oberlausitz mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg

hat er den Vorsitz unserer Landesarbeitsgemeinschaft

(LAG) in Görlitz übernommen und regelmäßig Zusammenkünfte

veranstaltet, auch an unserem internen Austausch und

an den Kirchentagen teilgenommen.

Vielen von uns war er ein guter Freund geworden. In

Dankbarkeit für den Weg, den wir mit ihm gemeinsam gehen

durften, nehmen wir Abschied von Oberkonsistorialrat i. R.

Norbert Ernst. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken

bewahren. Christian-Erdmann Schott �

Rothenburg, Kirchenkreis Niesky, beauftragt. Am 20. Juli

1975 in der Görlitzer Dreifaltigkeitskirche durch OKR

Juergensohn ordiniert, hat er dann vom Oktober 1976 bis

zum August 1986 in Rothenburg das Pfarramt wahrgenommen.

In der engen Beziehung von Gemeindewirklichkeit und

diakonischer Arbeit, der zeitlebens seine besondere Aufmerksamkeit

und Liebe galt, hat er in jenen Jahren wichtige

Akzente setzen können. Seit November 1985 war Andreas

Holzhey Superintendent des Kirchenkreises Niesky; die

Pfarrstelle der Evangelischen Kirchengemeinde Niesky

übernahm er am 1. September 1986.

In den Zeiten der friedlichen Revolution und auf dem

Weg in die demokratische Umgestaltung hat Andreas Holzhey

viele geprägt und sich selbst mit großer Verantwortungsbereitschaft

eingebracht. Als Mitglied der Provinzialsynode

und Kirchenleitung, aber auch im politischen Kreis,

der Stadt Niesky und den Gemeinden des Kirchenkreises

konnte er mit Rat, Kritik und Tatkraft wirken. Als ausgewie-


MELDUNGEN 140

sener Kenner der Heimatgeschichte hat er vielen u.a. die

Dichtungen von Eleonore Fürstin Reuß nahe bringen können.

Und unermüdlich hat Andreas Holzhey auch nach der

Verabschiedung in den Ruhestand im Oktober des Jahres

2000 auf Klarheit und Verantwortlichkeit in Kirche, Diakonie

und gesellschaftlichem Leben gedrungen. So hat er

sich vehement für den aus seiner Sicht unabdingbaren Erhalt

seiner geliebten Landeskirche eingesetzt und darauf gesehen,

daß das Erbe des evangelischen Schlesiens auch angesichts

veränderter Kirchenstrukturen mit Dankbarkeit und

Entschiedenheit wahrgenommen wird.

Wer ihn in den letzten Jahren in Diehsa im Kreise seiner

Familie und in der Gemeinde vor Ort erleben konnte, durfte

Unter dem Titel „Zwischen Schlesien und Sachsen – die Migration

der Schwenckfelder in die Oberlausitz” führt der

Verein „Schwenckfeldhaus Berthelsdorf e.V.” in Zusammenarbeit

mit der Kirchlichen Stiftung Evangelisches

Schlesien vom 16. bis 18. September 2011 eine Studientagung

in Görlitz durch. Besonderer Beachtung sei hierbei der

titelgebende Grundlagenvortrag empfohlen, den Herr Prof.

Horst Weigelt (Bamberg) im Schlesischen Museum Görlitz

am 16. September um 19 Uhr halten wird.

Aber auch die weiteren Tagesordnungspunkte versprechen

ein vielfältiges und interessantes Programm. So steht

ein Besuch des Görlitzer Ratsarchivs ebenso auf dem Plan,

wie eine Fahrt ins Schlesische (Harpersdorf, Zobten, Probsthain)

und eine Stadtführung, die sich auf die Suche begibt

nach Spuren konfessioneller Minderheiten in Görlitz

(„Crypto-Calvinisten, Pietisten, Schwenckfelder”). Ein Besuch

Reichenbachs, mit Gottesdienst und Besichtigung des

Sächsischen Migrationszentrums ist für den Sonntag vorgesehen.

In diesem Zusammenhang erfahren die Teilnehmer

durch Film und Vortrag Wissenswertes zum Berthelsdorfer

„Schwenckfeldhaus”.

Noch niemand hat gezählt und zusammengestellt, wie oft

in den Jahren 1945/46 der Befehl und die Verheißung

Gottes an Abraham unter den Ostvertriebenen gepredigt

wurde – eben nicht nur von Joachim Konrad in Breslau-St.

Elisabeth: „Gehe aus deinem Vaterland ... ich will dich segnen

und du sollst ein Segen sein”.

Studientagung „Schwenckfeldhaus”

Buchempfehlung

mit ihm und den Seinen etwas von geschenkter Zeit ahnen,

zugleich aber auch erfahren, mit welchem Lebensmut Andreas

Holzhey so vielfältig engagiert blieb – und von welcher

Vertrautheit und Liebe er umgeben war. Er selbst hat

den Freunden der Diakonie-Sozialstation das einmal so

beschrieben, was für ihn zu dem Schönsten gehörte: „Wenn

die Tiefe erreicht war, wenn die Probleme über uns zusammen

brachen, wenn ich mich eingeschlossen fühlte wie in

einer Grube oder einer Gefängniszelle, dann brachte irgendjemand

eine Leiter oder es drehte sich ein Schlüssel im

Schloß.” Einem solchen Erbarmen, einer solch rettenden und

befreienden Liebe vertrauen wir unseren verstorbenen

Bruder und die Seinen an. ( red. gekürzte Fassung) �

Dank einer Förderung des Landkreises, der die Besonderheit

dieses Gebäudes erkannt hat, konnte in diesem Jahr mit der

Stabilisierung des Hauses begonnen werden. Mit der

Trockenlegung des Bauwerkes in den letzten zwei Jahren

sind die jetzt begonnenen Arbeiten überhaupt erst möglich

geworden. (ANN)

Teilnehmerbeitrag: 30,- Euro

Anmeldung und Informationen:

Kirchliche Stiftung Evangelisches Schlesien

Schlaurother Straße 11, 02827 Görlitz, Tel.:03581-744 205

Abbildungen: (li.o.) Schwenckfeldhaus 2007, Zeichnung: ANN;

(re.u.) Computersimulation des künftig wiederhergestellten

Hauses, Foto: Schwenckfeldhaus Berthelsdorf e.V.

Aber wer nach einem Buch sucht, in dem so spannend wie

anschaulich (in Sprache und Bildern) einmal sehr sehr konkret

erzählt wird, wie vertriebene Schlesier (und wahrhaftig

nicht nur Schlesier) in ihrer neuen (Zwangs-)Heimat

zum Segen wurden, der lese das neue Buch, das Dr. Klaus

Leder (bis zum Ruhestand Dekan in Feuchtwangen) über


141

seinen Vater geschrieben hat. Und wie

der Titel weckt auch das Titel-bild

Aufmerksamkeit: Die Wiedergabe eines

Plakates in damaliger graphischer Manier:

„Studenten in Not! Hilf auch Du!”

Und dazu dann: „Studentenhilfswerk

der Inneren Mission Ansbach.” Der Untertitel

ist dann ganz sachlich: „Erinnerungen

an meinen Vater Martin Leder,

Stadtmissionar, Stadtrat und Bürgermeister,

1948-1967 in Ansbach.”

Für die Lesergemeinde des „Gottesfreundes”:

Martin Leder war Schlesier,

Diakon und Missionar der Oderschiffer

mit Dienstsitz im Oderhafen Cosel.

Über diesen schlesischen Teil seines

Lebens hat der Sohn vor einigen Jahren

bereits eine Arbeit vorgelegt: „Das

Haus an der Oder”; der Gottesfreund

berichtete davon. Und hier nun die Fortsetzung:

mit welcher Energie, mit welchem Sachverstand,

mit welcher Sensibilität für die Nöte der Mitmenschen,

sonderlich der Vertriebenen, mit welcher Phantasie auch

VERANSTALTUNGEN DER

GEMEINSCHAFT EVANGELISCHER SCHLESIER

Hamburg:

Schlesischer Gemeindenachmittag

Freitag, 2. September um 16 Uhr

im Gemeindesaal von St. Petri in Altona, Schmarjestraße 33.

LAG Anhalt-Mitteldeutschland:

Schlesiertreffen in Zerbst

25. Oktober, Beginn um 14 Uhr in der St. Trinitatiskirche.

Berichtet wird über die Arbeit der Goßner-Mission.

LAG Baden-Württemberg:

Jahrestagung vom 19. - 21. September

im Gästehaus der Herrenberger Schwestern in Herrenberg.

Aus dem Programm:

Beginn mit dem Kaffeetrinken am Montag um 15 Uhr;

Vorträge über „Caspar von Schwenckfeld in Süddeutschland”

und den Liederdichter Johann Heermann aus Köben; Bericht

vom Kirchentag der evg. Schlesier; Reiseberichte; Klavierkonzert,

Filmvorführung; am Mittwochvormittag

Abendmahlsgottesdienst.

Stuttgart:

Ostdeutscher Heimatgottesdienst

nach der Liturgie der Altpreußischen Union

Sonntag, 29. September um 14.30 Uhr in der Schloßkirche.

Anschließend Kaffeetafel.

EVANGELISCHE GOTTESDIENSTE

IN DEUTSCHER SPRACHE IN SCHLESIEN

Pfarramt:

ul. Partyzantów 60, PL 51-675 Wroclaw,

Pfarrer Andrzey Fober, Tel.: 0048-71-34 84 598

BUCHEMPFEHLUNG

Martin Leder die Innere Mission in

Ansbach aufbaute und leitete, ist bis in

überraschende und bewegende Details

hinein beschrieben: „Du sollst ein Segen

sein”, oder, mit dem anderen Bibelwort,

das damals immer wieder für

Christenmenschen Ansporn war, am

neuen Ort nach Kräften anzupacken:

„Suchet der Stadt Bestes, in die euch

Gott, der Herr, geführt hat.” Und für

sehr viele unserer Leser wird die Lektüre

ein Erinnerungsgang in die eigene

Kindheit oder Jugend sein: -ß

Klaus Leder

Bettler mit Bundesverdienstkreuz

Erinnerungen an meinen Vater Martin

Leder, Stadtmissionar, Stadtrat und

Bürgermeister,

1948-1967 in Ansbach.

288 Seiten, A 4, reich bebildert.

Vertrieb: Druckerei Sommer, 91 555 Feuchtwangen,

Dieselstraße 4 �

Breslau:

an jedem Sonntag um 10 Uhr

in der Christophorikirche, pl. Sw. Krzyzstofa 1

Jauer

Friedenskirche. Auf Anfrage: Park Pokoju 2, 59-400 Jawor.

Tel. (+4876) 870 51 45. E-Mail: jawor@luteranie.pl

Lauban:

an jedem 4. Sonntag im Monat um 9.30 Uhr

in der Frauenkirche, ul. Kombatantów

Liegnitz:

am 1. und 3. Sonntag um 13

Uhr in der Liebfrauenkirche, pl. Mariacki 1

Schweidnitz:

jeden 4. Sonnabend um 9 Uhr

in der Friedenskirche, pl. Pokoju 6

Waldenburg:

am 2. und 4. Sonnabend um 14 Uhr

in der Erlöserkirche, pl. Koscielny 4

Bad Warmbrunn:

Erlöserkirche, pl. Piastowski 18

jeder 2. Sonnabend im Monat 14 Uhr

jeder 4. Sonntag im Monat 14 Uhr

Weitere Informationen: www.stchristophori.eu

GEBURTSTAGE AUS DER LESERGEMEINDE

102. Am 06.09. Frau Charlotte Wagner, 85221 Dachau,

Ludwig-Ernst-Str. 12, früher Breslau.

96. Am 06.09. Frau Johanna Peschke, 04924 Bad

Liebenwerda, Kurt-Fitzkow-Platz 1, früher Schlauroth/

Görlitz.

92. Am 28.09. Herr Pfarrer Ernst Gelke, 89073 Ulm,

Friedenstr. 39, früher Breslau.

91. Am 16.09. Frau Helene Klose, 34128 Kassel,

Karlsbergstr. 3, früher Goldberg Schlesien.


AUS DER LESERGEMEINDE

90. Am 05.09. Frau Ursula Weirauch, 13583 Berlin,

Kemmannweg 25 a, früher Schweidnitz. � Am 09.09.

Herr Erich Quester, 53115 Bonn, Kreuzbergweg 14, früher

Ohlau. � Am 15.09. Herr Eberhard Scholz, 78098 Triberg,

Rohrbacher Str. 31, früher Reichenbach/Eulengb.

89. Am 17.09. Frau Rosemarie Drescher, geb. Kleiner,

65582 Diez, Rosenstr. 38, früher Gottesberg. � Am

17.09. Herr Pastor i. R. Gottfried Treblin, 38871 Langeln,

Hauptstr. 11, früher Schmolz, Krs. Breslau. � Am 23.09.

Frau Hilde Saur, 72760 Reutlingen, Storlachstr. 88, früher

Laasan, Krs. Schweidnitz.

87. Am 03.09. Frau Ilse Rott, 37520 Osterode, In den

Angerhöfen 38, früher Geischen/Guhrau.

86. Am 28.09. Frau Margot Neumann, geb. Huhnt

02828 Görlitz, Am Wiesengrund 6, früher Kamenz, Krs.

Frankenstein.

85. Am 07.09. Frau Pastorin Elisabeth Fuchs, 48153

Münster, Am Berg Fidel 70, früher Beuthen/Oder. � Am

12.09. Frau Irmingard Gattner, 79241 Ihringen, Auf der

Breite 19, früher Hirschberg. � Am 14.09. Frau Sigrid

Pollerspöck, 51109 Köln, Straßburger Platz 2, früher

Breslau-Opperau.

84. Am 02.09. Frau Brigitte Boulay, 26123

Oldenburg, Theodor-Francksen-Str. 7, früher Hindenburg.

83. Am 07.09. Herr Dietrich Kleiner, 28779 Bremen,

Langenberger Str. 62, früher Berlin. � Am 08.09. Herr

Pfarrer i.R. Christoph Klaffke, 72074 Tübingen, Seestr. 25,

früher Breslau-Zimpel. � Am 10.09. Frau Barbara

Brandt, 32694 Dörentrup, Barntruper Str. 17, früher Waldenburg.

82. Am 05.09. Herr Wolfgang Kaufmann, 02826

Görlitz, Sattigstr. 2, früher Bismarckhütte O/S. � Am

08.09. Herr Rudolf Hanke, 37520 Osterode, Halberstädter

Str. 33. � Am 15.09. Frau Edith Gisbert, 14055 Berlin,

Glockenturmstr. 28. � Am 29.09. Frau Ursula Vogel,

95234 Sparneck, Reinersreuth 71, früher Neuhammer/Queis.

81. Am 08.09. Herr Dr. med. Hans-Gerhard Möller,

31515 Wunstorf, Mühlenkampstr. 41, früher Schweidnitz.

� Am 11.09. S.H. Herr Dr. Wilfried v. Watzdorf, 31167

Bockenem, Martin-Luther-Str. 39, früher Schönfeld

Krs.Kreuzburg. � Am 25.09. Frau Ingeborg Siebke, 61352

Bad Homburg, Seedammweg 46, früher Oppeln. � Am

28.09. Herr Diakon Reinhold Wiesner, 63450 Hanau,

Philippsruher Allee 12, früher Wüstegiersdorf. � Am

29.09. Herr Manfred Klisch, 21217 Seevetal, Am

Twielenberg 26, früher Hennersdorf/Namslau.

78. Am 02.09. Frau Inge Riemann, 61250 Usingen,

Schillerstr. 19, früher Görlitz. � Am 08.09. Frau Margarete

Fritzler, 04315 Leipzig, Neustädter Str. 13, früher

Ottendorf/Bunzlau. � Am 27.09. Frau Barbara Huber,

80634 München, Schäringerstr. 7, früher Ströbel. � Am

28.09. Frau Charlotte Beige, 76229 Karlsruhe, Bruchwaldstr.

45, früher Kattern Krs.Breslau. � Am 29.09. Herr

Gotthard Hoffmann, 38259 Salzgitter, Ernst-Moritz-Arndt-

Str. 10, früher Böhmischdorf/Brieg.

77. Am 09.09. Frau Inge Braun, geb. Kielmann, 50735

Köln, Gelsenkirchener Str. 5, früher Groß Wartenberg.

�Am 23.09. S.H. Herr Dr. Götz v. Goßler, 21244 Buch-

142

holz, Schlehenweg 19. � Am 28.09. Herr Ekkehard Reichel,

14193 Berlin, Hagenstr. 23, früher Heidewilxen.

76. Am 20.09. Frau Barbara Simon, 80804 München,

Bummstr. 15, früher Goldberg. � Am 24.09. Herr Pfarrer

i. R. Christoph Lüke, 09243 Niederfrohna, Am Rittergut 45,

früher Groß Wartenberg. � Am 27.09. Herr Oskar Rohde,

51467 Bergisch Gladbach, Klutstein 39.

75. Am 06.09. Herr Martin Schmidt, 02829 Königshain,

Dorfstr. 307a, früher Niederbacken Krs.Guhrau. �

Am 13.09. Herr Knut Frenzel, 24107 Kiel, Wippen 28.

70. Am 12.09. Frau Marlies Richter, 42389 Wuppertal,

Caronstr. 4, früher Breslau. � Am 17.09. Frau Renate

Bischoff, 22175 Hamburg, Osteroder Weg 16, früher

Reichenbach/Eulengb. � Am 29.09. Frau Irene Dettmar,

31177 Harsum, Kreuzstr. 16, früher Brieg.

65. Am 03.09. Herr Klaus Chr. Röhrbein, 30855 Langenhagen,

Kapellenstr. 10.

Falls Ihr Eintrag fehlt oder falsch ist bzw. wenn Sie Ihre

derzeitige Anschrift oder Ihren gesamten Eintrag löschen

lassen möchten, schreiben Sie bitte an die im Impressum

genannte Herausgeber-Adresse! �

Dienstanweisung

für einen Apostel

DIETMAR NEß

Um es gleich vorweg zu sagen: diese Überschrift ist schön,

sie soll ja auch neugierig machen, nur leider: sie ist nicht

korrekt. Auch wenn der kurze Text, den wir als „Fundsache“

auf die letzte Seite (144) des „Gottesfreundes“ gesetzt

haben, in der Literatur immer wieder als eine solche

ausgegeben wird.

Die „Fundsache“ ist ein Blatt Papier im sogenannten

Quartformat, 34,6 x 21,1 cm, beschrieben um 1750, im

Besitz des Schreibers dieser Zeilen, eine ´Copie` nicht im

heutigen technischen Verfahren, sondern wie seinerzeit

einzig möglich als Abschrift. Und weil vielleicht nicht

mehr alle unsere Leser entziffern können, sei der Text hier

wie-dergegeben: Instruction vor die im Lager bey Glogau

confirmirte neue Prediger.

Auf Sr. Königlichen Majestät in Preußen allergnädigsten

Befehl, soll der Prediger Kegel zu Primkenau und

denen da herum liegenden Dörfern in großen Sälen oder

Gemächern den Gottesdienst halten, auch alle Actus ministeriales

verrichten, übrigens aber denen Catholischen keinen

Eingriff thun, wornach sie ein jeder, wes Standes er

sey, zu richten, Rauschwitz, d 22 Jan. 1741

Sr Königl. Maijestæt in Preußen General Lieutenant

und Commendant des andern Corps der Armee von Glogau.

(LS) Leopold von Anhalt

Der Text veranschaulicht den Bericht über die Ereignisse

im preußischen Kriegslager vor den Toren der Festung

Glogau, den wir in den beiden letzten Ausgaben

abdruckten, mit einem zeitgenössischen Dokument, einer

„Dienstanweisung“, wie deren am gleichen 22. (und wohl


143

auch am 23.) Februar 1741 insgesamt zehn ausgefertigt

wurden. Und zehn junge Geistliche zogen mit einer solchen

Bescheinigung mit den sie abholenden Gemeindevertretern

nun in zehn Orte – Kirchengemeinden kann man ja kaum

sagen – , fanden irgendwo dort vorläufige Wohnung, provisorisch

zum Gottesdienst hergerichtete größere Räume.

Und als Legitimation hatten sie nicht mehr als diesen einzigen

Satz – was müssen das für Zeiten gewesen sein, möchte

man sagen angesichts heutiger Pfarrerdienst-gesetze, als

noch ein einziger Satz, miliärisch knapp, als

Dienstanweisung für einen Pastor ausreichte! Und zugleich

waren diese Zettel auch Königlicher und also nicht zu

umgehender Befehl an die jeweilige Obrigkeit – ob

Grundherr oder Stadtrat – , die Arbeit der Pastoren ja nicht

etwa zu behindern. Und so fingen sie dann an.

Die ersten zwölf dieser im Feldlager Rauschwitz vor

Glogau „confirmirten“ (nicht ordinierten!) Geistlichen

nannte man dann alsbald die „12 schlesischen Apostel“ –

und daher die Überschrift über diesen kleinen Text. Aber

mein erster Satz lautete: diese Überschrift ist, für diesen

Text, nicht korrekt. Denn die historische Wahrheit lautet,

auch wenn das hundertmal und öfter so zu lesen ist: dieser

Text wurde nicht jenen ersten zwölf ´Aposteln`, sondern

erst einer dritten Gruppe von Predigern mitgegeben. Und

ob die ersten 12 ein solches Papier bekamen und wie es lautete,

ist nicht bekannt.

Und noch überraschender: man weiß bis heute nicht

sicher, wer diese ersten Zwölf waren, und welches die

zwölf Orte waren, in die sie geschickt wurden! Schon Johann

Adam Hensel in seiner „Protestantischen Kirchen-Geschichte

der Gemeinen in Schlesien“, der ja eigentlich noch

Zeitgenosse war und sein schönes dickes Buch mit seinen

792 Seiten bereits 1768 drucken ließ, hat eine nicht nur

unvollständige, sondern auch noch teilweise falsche Liste

der Orte und Personen gegeben, und die ist dann fleißig

immer und immer wieder abgeschrieben worden ...

Durcheinandergebracht wurden nämlich drei Termine

und drei Gruppen: eine erste Gruppe von 12 Geistlichen, in

Berlin (!) ordiniert und dann im Lager Rauschwitz an zwölf

Gemeinden ausgelost; eine zweite Gruppe von 9 Geistlichen,

am 16. Februar 1741 in Rauschwitz ordiniert und ausgesandt;

und eine dritte Gruppe von weiteren 10 Geistlichen

dann eine Woche später, am 23. Februar 1741 in

Rauschwitz ordiniert. Und weil ich dieses Durcheinander –

jedenfalls bisher – auch nicht eindeutig entwirren kann,

wird hier auf die Nennung der Orte und Personen verzichtet;

die Fehler sollen nicht weiter verbreitet werden.

Die Ordination weiterer Pastoren für – künftige –

Bethausgemeinden wurde dann erst einmal ausgesetzt: zum

einen müsse die ganze Angelegenheit etwas sorgfältiger

betrieben werden, zum anderen sei jetzt erst einmal Krieg.

Als dann am 20. September 1742, also nach dem ersten der

drei Schlesischen Kriege, in Breslau das inzwischen eingerichtete

Konsistorium eine neuen Dienstanweisung herausgab,

war die um ein mehrfaches länger als die hier wiedergegebene,

die „Verordnung an alle Evangelischen Prediger

der neu erbauten Bethäuser wie sie sich ratione ihres Amtes

zu verhalten haben.“ �

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Verantwortlich für den Inhalt:

Mag. phil. et theol. Dietmar Neß

Wittichenauer Straße 11a, D - 02999 Groß Särchen,

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E-mail: mag.ness@online.de.

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Andreas Neumann-Nochten

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Tel.: 03581 - 878988

E-mail: neumann-nochten@freenet.de

Herausgegeben in Zusammenarbeit mit der

Stiftung Evangelisches Schlesien und der

Evangelischen Diözese Breslau/Wroc³aw.

Druck: MAXROI Graphics GmbH, Görlitz


FUNDSTÜCK


Grusses Schlachtfest woar gewast.

Endlich is der Obend do, olle Kotza wur a groo

und der Kolle kruch eis Nast.

Vullgesackt sei Baeuchla waor, denn a hatte gutt gestuppt

Wellfleisch, Wellwurscht, Plimpelwurscht,

viel getrunka und gesuppt.

Wies halt ies ei sichta Taga, obends leit em olls eim Maaga.

Kolles Maaga dar woar vul und dem Kolle woar ne wuhl.

De Nacht woar schworz wie Pech und Room,

a Kaeuzla uffm Dache rief und wie der Kolle endlich schlief,

do hot ar goar nen biesa Troom:

Ging der Wind eim Ufariehre, kloopt woas on de Stubatiere?

Koama lauter - ees, zwee, drei - lauter fette Schweinla rei,

's woar a ganzes Uufgebote, hoatte lange Masser miete,

lauter Schweinla, lauter fette, koama uff zwee Benn geloofa,

koama olle bis oans Bette, wu dar Kolle und toat schloofa.

Zeigta blanke Masserklinga, finga olle on zu singa:

Kolle, Kolle, Kolle, Kolle, Kolle jitzt werscht du geschlacht'

und aus dir werd Wurscht gemacht.

Jitzt fing doas erschte on zu sprecha:

Nuck, nuck, mer warn a bale stecha.

Und wie doas erschte und hoatta geredt,

do meente doas zweete, ar is hibsch fett,

do daecht icht wull, is waer doas beste,

mer machta Wurscht und zwoar gepresste.

Do sproach doas dritte: sis gutt, surgt ok ver Blutt, surgt ok Ver

Blutt.

Doas erschte sproach: Woas mach denn aber

mit dann Nierlan und mit der Laber?

Do sproch doas zweete: Doas macht keene Miehe,

doas kimmt olles ei de Briehe.

Dann sproch das dritte: Macht kee Gelaerme, macht kee

Gelaerme,

surgt ok ver Daerme, surgt ok ver Daerme.

Do finga se olle zu grunze oan, Faerme werd a wull salber hoan.

Do sproch doas erschte: mer wern ins setza,

Masser wetza, Masser wetza.

Und wie se und hoatta de Masser geschliffa,

do meent doas zweete: Jetzt zugegriffa,

hier hilft erscht kee Aber und kee Wenn, mer nahma a baale bei

a Benn,

ees nimmt a beim linka, ees nimmt a beim rechta,

wir beede haln a, ihr beede stecht a.

Do wurd dam Kolle Angst und bange,

a loag und woand sich wie ne Schlange.

Ar griff noch dar Lompe, a griff nochm Tochte, a flug ausm

Pochte.

Und wie a nabern Bette loag, so wurd a munter und derschroack.

Nee, ducht a, nee, kunnts taelscher sein,

ma kun e jitzt schun Blutwurscht sein.

A griff oan de Uhrn, a griff oan de Beene. -

Nee, Gott sei Dank, ar woar noch keene.

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