Ökologischer Erläuterungsbericht - Stadt Weingarten

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Ökologischer Erläuterungsbericht - Stadt Weingarten

Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamtIm gesamten Untersuchungsraum weist diese Brachfläche die wertvollsten Habitatstrukturen auf in Formder Ruderalfläche mit Stauden und dichten Brombeerhecken, dichtem Junggehölz durchsetzt mit teils älterenBäumen mit vielen Versteck-, Brut- und Schlafmöglichkeiten, der Wiesenflächen neben an sowie derNähe zum Bachbiotop der Scherzach.2.1.5 Bereich 5: MariendfriedhofDie Hecke zwischen der Erddeponie und dem Marienfriedhof besteht hauptsächlich aus heimischen Sträuchernwie Liguster (Ligustrum vulgare), Schneeball (Viburnum opulus), Hasel (Corylus avellana) und vereinzeltHeckenkirsche (Lonicera xylosteum).Der Marienfriedhof entspricht im untersuchten Abschnitt einem "Parkfriedhof" mit jungem bis mittelaltemBaumbestand. Vereinzelt stehen Bäume wie Spitzahorn (Acer platanoides), Vogelkirsche (Prunus avium), Silberahorn(Acer saccharinum), Feldahorn (Acer campestre), Roteiche (Quercus rubra), verschiedene kleineApfelbäume Malus syl-vestris et spec.) und bei "Feld VI" einige ältere, vorwiegend jedoch jüngere Eiben (taxusbaccata) und Thujen (Thuja spec.). Die einzige längere durchgängige Heckenstruktur besteht hier.Südlich des Marienfriedhofes entlang der Kuenstraße stehen Robinien (Robinia pseudoacc.), Vogelbeeren(Sorbus aucuparia) und Bergahorn (Acer pseudoplatanus).Entlang der Scherzach stehen nur noch vereinzelt größere Bäume wie Eschen (Fraxinus excelsior) und Bergahorn(Acer pseudoplantanus) sowie heimische Sträucher durchsetzt mit Ziersträuchern.Der Rasen wird 14-tägig gemäht und gemulcht. Im untersuchten Bereich gibt es keine Mauern außer derbetonierten Außenwand des Friedhofs.Feld VIAbb.15: Marienfriedhof als Luftbild und rechts die Rasenfläche mit Hecke am Westrand zu Bereich 4Abb. 16: Baumbestand an der Scherzach im MarienfriedhofBP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 9 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamt2.2 Tiere2.2.1 Fledermäuse (FFH-Richtlinie 92/43)Im Rahmen von Sanierungsarbeiten in der Basilikakuppel 2004 wurden neun Fledermausarten nachgewiesen.Im Rahmen einer natur- und artenschutzrechtlichen Bewertung wurde 2009 von W. Löderbusch undL. Ramos beobachtet, dass deren Flugrouten über den Kreuzbergweiher Richtung Südosten in den Haslach-/Altdorfer Wald führen.Abb. 16: Flugrouten der Fledermäuse aus der BasilikaDie durchgehende Bebauung entlang der Waldseer Straße bietet kaum eine Strukturkulisse für Fledermausroutenin Ost-West-Richtung. Der Gehölzstreifen entlang der Scherzach ist in weiterer Umgebung die einzigeStrukturkulisse als Fledermausroute für Fledermäuse aus den Hausgärten, der Dauerkleingartenanlageoder dem Marienfriedhof in Jagdgebiete wie das Landschaftsschutzgebiet "Storchenschnabel" oder die"Schussenauen".Abb. 17: Strukturkulisse für Flugrouten von Fledermäusen vom Untersuchungsraum in das Landschaftsschutzgebiet"Storchenschnabel" bzw. die SchussenauenAußer an den älteren Bäumen innerhalb des Uferstreifens der Scherzach bzw. entlang dem Fußweg amGewerbegebiet "Hähnlehof" (Birke und Silberweiden) konnten keine Astlöcher ausgemacht werden. Dieübrigen Bäume – auch im Marienfriedhof – sind noch nicht alt genug, um den Fledermäusen Sommer- oderTagesquartiere anzubieten. Insgesamt erscheint das Gebiet außer als Strukturkulisse zur Querung in Ost-Westrichtung entlang der Scherzach für das Vorkommen von Fledermäusen uninteressant.BP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 10 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamt2.2.2 VögelDie ornithologischen Beobachtungen von L. Ramos im Bereich 4 (Humusdeponie) durchgeführt.RLDRLBWVRL § Status (Brutvögel mithellgrauen Feldern markiert– in Klammern ist die AnzahlReviere dargestellt)BrutökologieAmsel - - - b Brutvogel (5) FreibrüterBachstelze - - - b Nahrungsgast GebäudebrutBlaumeise - - - - Nahrungsgast HöhlenbrüterBuchfink - - - b Brutvogel (3) Freibrüter Bäume > 2m HöheBuntspecht - - - b Nahrungsgast HöhlenbrüterDistelfink - - - b Brutvogel (2) Freibrüter Bäume > 2m Höhe, Brut im Arealund an der Scherzach Höhe ArealEichelhäher - - - b Nahrungsgast Freibrüter Bäume > 2m HöheElster - - - b Brutvogel (1) FreibrüterFeldsperling V V - b Nahrungsgast (6-8) Höhlenbrüter Friedhof, GebäudeGartenbaumläufer - - - b Nahrungsgast Halbhöhlenbrüter, Brut ScherzachgehölzeGartengrasmücke - - - b Brutvogel (1) FreibrüterGirlitz - V - b Brutvogel (1) Freibrüter Bäume > 2m HöheGrauschnäpper - V - b Brutvogel (2) Freibrüter, HalbhöhlenbrüterGrünfink - - - b Brutvogel (3) Freibrüter Bäume > 2m HöheHausrotschwanz - - - b Nahrungsgast Siedlungssbereich, Halbhöhlenbrüter – BrutGebäudeHaussperling V V - b Nahrungsgast Gebäudebrüter SiedlungHeckenbraunelle - - - b Brutvogel (1) Freibrüter Bäume < 2m HöheKernbeißer - - - b Brutvogel (1) Freibrüter Bäume > 2m Höhe, GehölzeScherzach Höhe ArealKleiber - - - b Brutvogel (1) Höhlenbrüter, Gehölze Scherzach HöheArealKohlmeise - - - b Brutvogel (2) Höhlenbrüter Gehölze Scherzach, FriedhofMauersegler - V - b Nahrungsgast Bis zu 15 Ex. jagend beobachtetMäusebussard - - - s Nahrungsgast Wiese, Ansitz GehölzeMehlschwalbe V 3 - b NahrungsgastMönchsgrasmücke - - - b Brutvogel (4) Freibrüter Bäume < 2m HöheRabenkrähe - - - b Brutvogel (1) Freibrüter Bäume > 2m Höhe, GehölzeScherzach Höhe ArealRauchschwalbe V 3 - b NahrungsgastRingeltaube - - - b Brutvogel (1) Freibrüter Bäume > 2m Höhe, GehölzeScherzach Höhe ArealRohrammer - - - b Rastvogel 4 Ind. 27.03.12Rotkehlchen - - - b Brutvogel (1) Freibrüter < 2 mRotmilan - - I s NahrungsgastSchwanzmeise - - - b Brutvogel (1) Freibrüter Bäume > 2m HöheSchwarzmilan - - I s NahrungsgastSingdrossel - - - b Brutvogel (1) Freibrüter Bäume > 2m HöheStar - V - b Nahrungsgast HöhlenbrüterStieglitz - - - b Brutvogel (2) Freibrüter Bäume > 2m HöheSumpfmeise - - - b Brutvogel (1) Höhlenbrüter, ScherzachSumpfrohrsänger - V - b Brutvogel (1) FreibrüterTürkentaube - V - b Brutvogel (1) In einer Weide südlichen Teil UGZaunkönig - - - b Brutvogel (1) Freibrüter < 2 m HöheZilpzalp - - - b Brutvogel (4) Freibrüter > 2 m HöheTabelle 1: Beobachtungen bei den Begehungen am 27.03., 08.05., 10.06. und 01.08.2012 von L. Ramos. Status in der Roten ListeDeutschland Südbeck et al. 2008 ● RL BaWü: Status i. d. RL BaWü Hölzinger et al. 2007 Kategorien: 2 = stark gefährdet, 3=gefährdet,V = Vorwarnliste, -= nicht eingestuft, NE= nicht eingestuft, ● VRL/VSR Anh. I: Art des Anhangs 1 der Vogelschutzrichtlinie, VSR Art.4(2): Zugvogelarten nach Artikel 4(2) der Vogelschutzrichtlinien und BNatSchG: b = besonders geschützte Arten, s = streng geschützteArten ● Status: BV = BrutvogelInsgesamt wurden von L. Ramos 40 Vogelarten beobachtet. Drei Arten (Mäusebussard, Schwarz- undRotmilan) sind nach dem BNatSchG streng geschützt, sie waren als Nahrungsgast unterwegs. Mehl- undRauchschwalbe gelten nach der Roten Liste Baden Württemberg als gefährdet, Feld- und Haussperling, Girlitz,Grauschnäpper, Mauersegler, Star Sumpfrohrsänger und Türkentaube stehen in der Vorwarnliste. Sperlinge-und Schwalben stehen in der Roten Liste Deutschlands auf der Vorwarnliste. Wie wichtig derBP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 11 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamtBereich IV (Humusdeponie des Untersuchungsraums als Brut-und Lebensraum für die Vögel ist, zeigt sichdarin, dass hier 24 verschiedene Arten brüteten.Im Winter 2012/13 wurde vom NABU Weingarten der streng geschützte Turmfalke (Falco tinnunculus) überdem Plangebiet auf Nahrungssuche beobachtet.Anmerkungen zu einigen im Gebiet beobachteten Brutvögeln:Distelfink oder Stieglitz: Die vielen Samen der Acker- und Echten Distel im Untersuchungsraum stellen einegute Nahrungsgrundlage dar für den farbenprächtigen Vogel, der seinen Namen "Stiegelitt" ruft. Die abwechslungsreicheHeckenlandschaft in Bereich 4 und an der Scherzach bietet ihm gute Brutmöglichkeiten.Grauschnäpper: Kleiner als ein Spatz und ähnlich bescheiden gefärbt, wird er leicht übersehen und überhört.Sein kaum hörbarer Gesang besteht aus einem einzigen Ton. Als Frei- oder Halbhöhlenbrüter steht erauf der Vorwarnliste von Baden Württemberg.Gartengrasmücke: Sie ist ein kleiner schlicht olivgrauer Vogel mit einem langen orgelnden Gesang. Wie dieMönchsgrasmücke ist sie ein sehr anpassungsfähiger Vogel in Wäldern, Parks, Gärten und Städten.Im Gegensatz zu dieser hat die Gartengrasmücke jedoch keine Kappe und taucht trotz ihres Namens seltenerin Gärten auf.Girlitz: Das gelbe Gefieder des Weibchens ist blasser als das des Männchens. Der Girlitz ist die kleinsteeuropäische Finkenart. Als Kulturfolger besiedelt er kleinräumig und abwechslungsreich bewirtschafteteSiedlungsräume. Überwinterer besiedeln überwiegend Ruderalfluren mit Beifuß und anderen samentragendenStauden und Kräutern. Sie sind aber auch auf Schuttplätzen sowie an Bahndämmen zu finden, wennBäume in der Nähe sind. Sein Gesang ist ein mehrere Sekunden dauerndes hohes Sirren oder Girren wieeine rostige Fahrradkette.Heckenbraunelle: Sie ist ein häufiger Brutvogel in Wald, Parks und Gärten und dennoch ist dieser knappspatzengroße Vogel mit seinem unauffälligen braunen oder grauen Gefieder recht unbekannt. Am auffälligstenist ihr glockenheller plaudernder Gesang. Wie eine Maus huschend sucht sie ihre Nahrung in meistam Boden. Im Winter kann man sie auch am Futterhäuschen beobachten.Kernbeißer: Er sitzt versteckt in hohen Baumkronen, wo er auch sein Nest baut. Er verrät sich am ehestendurch seine scharfen "zick"-Rufe. Der Name "Kirschkernbeißer" weist auf seinen kräftigen Schnabel, mitdem er hauptsächlich Früchte und hartschalige Samen und sogar Kirschkerne knacken kann.Mäusebussard: Er hat relativ breite Flügel und einen kurzen Schwanz und ist etwa so groß wie ein Huhn.Dieser streng geschützte Vogel brütet im Wald und jagt in der offenen Landschaft. Oft sieht man ihn in derLuft kreisen oder an vielbefahrenen Straßen auf Beute warten.Kleiber: Die Weibchen kleben (entsprechend ihrem Namen) ihre Bruthöhlen mit Lehmkügelchen soweit zu,dass sie selbst gerade noch durchpassen. Der Kleiber ist der einzige Vogel, der kopfüber am Stamm kletternkann. Spatzengroß mit seinem spechtartigem Schnabel fällt er mit seinem grauen Rücken, dem orangefarbenemBauch, seinen schwarzen Augenstreifen und seinem hohem Gesang schnell auf.Mönchsgrasmücke: Auffallend ist beim Männchen die schwarze, beim Weibchen die rotbraune Kappe. Solangedas Männchen allein ist, baut es mehrere Nester (Spielnester). Hat sich ein Weibchen für ein Nest entschieden,muss sie helfen, es fertig zu bauen. Die Mönchsgrasmücke singt auch zur Mittagszeit.Rohrammer: So groß und ähnlich gefärbt wie ein Spatz wird sie (wegen ihrer Art zu schimpfen) auch"Rohrspatz" genannt. Das Männchen hat einen schwarzen Kopf mit weißem Hals- und Kinnband. Erkommt an schilfreichen Gewässern, Gräbern und Getreidefeldern vor und hat den Bereich IV (Erddeponie)im März als "Ruhegast" genutzt. Neben dem Teichrohrsänger ist er der häufigste Vogel in Schilfröhrichten.Schwanzmeise: Sie ist viel kleiner als ein Spatz mit winzigem Schnabel und langem Schwanz sucht sie anden Zweigspitzen nach ihrer Nahrung. Als Freibrüter bringt sie ihr Nest in Form einer dickwandigen kunstvollenKugel in Bäumen in einer Höhe von mehr als 2 m an. Nach der Brutzeit fliegen sie in Trupps (Winterschwärmen)von bis zu 30 Vögeln umher.Schwarz- und Rotmilan: Sie sind auf Grund ihrer unterschiedlichen Schwänze (Rotmilan - deutlich gegabeltund rotbraun, Schwarzmilan - weniger deutlich gegabelt und dunkler) gut zu unterscheiden. Zudem hat derSchwarzmilan lange schlanke Flügel mit dunkler Unterseite mit einem helleren Feld nahe der Flügelspitzen.BP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 12 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamtBeide Arten sind streng geschützt und waren als Nahrungsgast über dem Untersuchungsraum unterwegs,brüten jedoch in den Wäldern.Singdrossel: Etwas kleiner als die Amsel aber olivbraun mit gepunktetem Bauch, singt sie lautstark in derDämmerung. Sie wiederholt ihren Gesang zwei- bis dreimal, was sich anhört wie "Kuhdieb, Kuhdieb". Sielebt in lichten Wäldern, Parks und Gärten mit Büschen und Bäumen. Zu ihren Lieblingsspeisen gehörenGehäuseschnecken, deren Gehäuse sie gegen Steine oder etwas ähnlich Hartem schlägt, der sog. "Drosselschmiede".Sumpfmeise: Sie hat ein sehr ähnliches Gefieder wie die Weidenmeise, unterscheidet sich jedoch in ihremLockruf, Nestbau und sonstigen Lebensweise. Sie wählt vorhandene Höhlen und versteckt gern Sonnenblumenkernein Rindenspalten.Sumpfrohrsänger: Mit seinem klangvollen Gesang ohne viel knarrende Geräusche gehört er zu den wenigenheimischen Nachtsängern. Sein Lebensraum sind Sümpfe, Uferrandstreifen und Getreidefelder. Auch inden durch Stickstoffdüngung geförderten Hochstaudenbeständen hat er einen neuen Lebensraum gefunden,was ihm den Zweitnamen "Getreiderohrsänger" einbrachte.Zilpzalp: Ein kleines, olivbraunes unruhiges Vögelchen, das in Parks, Gärten und Mischwäldern ständig Blätternach Insekten und Spinnen absucht. Während Nestbau hier Frauensache ist, ruft das Männchen seineneigenen Namen und schlägt beim Umher hüpfen ständig mit dem Schwanz.Zaunkönig: Winzig, aber sehr laut huscht er wie eine Maus über den Boden. Seine kunstvollen dickwandigenKugelnester findet man an Baumwurzeln oder Halbhöhlen in bis 2 m Höhe.Abb.18: Girlitzmännchen (links) Rohrammerpärchen (rechts) von L.Ramos aufgenommen am 27.03.2012Rohrammern sind Zugvögel und überwintern in Südeuropa. Ausgelöst durch den Klimawandel, verändernaber in den letzten Jahren viele Vogelarten ihr Zugverhalten. Einzelne kälteunempfindliche Rohrammernkönnen neuerdings auch im Winter bei uns beobachtet werden wie die vier Individuen am 27.03.2012 imBereich 4. Der Gehölzstreifen bietet hier viele Versteck-, Brut- und Schlafmöglichkeiten.2.2.3 AmphibienDer Untersuchungsraum eignet sich im Bereich 2 und 3 auf Grund Bewirtschaftung nicht als Lebensraumfür die nach BNatSchG besonders geschützten und in der Roten List Baden Württemberg auf die Vorwarnlistegesetzte Arten Erdkröte (Bufo bufo) und Grasfrosch (Rana temporaria).Viel eher eignen sich die Bereiche 1 (Scherzach) und 4 (Humusdeponie) als Lebens- und Überwinterungsraumfür Erdkröten. Nur bei der Begehung am 15.05.2012 konnte von E. Hommel eine Erdkröte (Bufobufo) beobachtet werden. Sie saß unter der Dachpappe auf dem Böschungsfuß der östlichen Deponie.Art RL BW RL D FFH NatSchGErdkröteBufobufo V bAls Laichgewässer bevorzugt der Grasfrosch Tümpel mit flachen und vegetationsreichen besonnten Stellen,während Erdkröten in ausdauernden Gewässern mit meist mehr als 50 cm Tiefe ablaichen.Die Scherzach mit ihrem schattigen steilen Ufer und hoher Fließgeschwindigkeit eignet sich deshalb wederfür Erdkröten noch für Grasfrösche als Laichgewässer.Der Untersuchungsraum spielt deshalb für das Ablaichen von Amphibien eine untergeordnete Rolle.BP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 13 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamtAbb. 20: Bereich der Kiesmulde im westlichen Bereich, hier wurden zwei Schlangenbretter ausgelegtInsgesamt konnten keine Blindschleichen oder Schlangen unter den Schlangenbrettern beobachtet werden.Vielmehr sammelten sich unter den Schlangenbrettern Ameisen mit ihren Bauten an (s. 2.6 Insekten/Ameisen).Aus diesem Grund wurden die Schlangenbretter mit Ameisenbauten darunter Ende Juli 2012jeweils um 1 m verlegt.Auf den Sandhaufen konnten keine Spuren von Zauneidechsen oder anderen Reptilien verfolgt werden, aufdem Kieshaufen sonnte sich zu den Begehungszeiten keine Zauneidechse.Abb 21: Links: Zauneidechsenmännchen von L. Ramos. Als Beibeobachtung wurden von ihm an fünf Fundorten neun Tiere beobachtet.Rechts: 9 Fundorte von E .Hommel .Ein weiterer Fundort war Feld VI im Marienfriedhof am 26.07.2012 von E. HommelBP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 15 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamtAbb.23: Rote Keulenschrecke (links, E.Hommel) und Sichelschrecke (rechts, Beibeobachtung v. L. Ramos)Das Weibchen der Roten Keulenschrecke (Gomphocerippus rufus) ist gut zu erkennen an der dunkel abgesetztenhellen Fühlerspitze (die beim Männchen auch noch verdickt ist). Ein typischer Bewohner von dichterer,hochwüchsiger Vegetation wie Brache, Brombeergebüsche, Staudenfluren.Die Sichelschrecke (Phaneroptera falcata), kommt hier in nicht allzu dichten, sonnenexponierten Brachen öftervor. Beide Arten sind weder nach BNatSchG geschützt noch in den Roten Listen genannt.SchmetterlingeBeobachtet wurden: Pfauenauge (Inachis io), C-Falter (Polygonia c-album), Kleiner Fuchs (Nymphalisurticae), Distelfalter (Cynthia cardui), Großer Kohlweißling (Nymphalis brassicae), Hauhechelbläuling(Polyommatus icarus) (E.Hommel u. L. Ramos als Beibeobachtung im Bereich 4) und Waldbrettspiel(Pararge aegeria).Von diesen Arten ist nur der Hauhechelbläuling nach dem BNatschG besonders geschützt, in den Roten Listenist er jedoch nicht erwähnt.Abb. 24: C-Falter, Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge und Waldbrettspiel (E. Hommel)Der Lebensraum des Hauhechelbläulings umfasst offene Bereiche, die feucht bis trocken sein können. Dazugehören unter anderem blütenreiche, nicht überdüngte Glatthaferwiesen an Böschungen, Dämmen, Feldflurenund Feuchtstandorte wie Kohldistelwiesen. Seine Eier legt er unter anderem an jungen, noch nichtblühenden Pflanzen des Hornklees. Obwohl im Untersuchungsraum keine Hauhechel wuchs, findet er hiermit Hopfenklee, Weißklee, Hornklee und der bunten Kronwicke genug Raupenfutter. Er konnte auf derwestlichen Deponiehälfte sowie auf der Wiese (Bereich 2) westlich davon beobachtet werden.Der Kleine Fuchs kommt fast überall vor und überwintert in Häusern. Seine Raupen finden in den Brennesselbeständenbeste Nahrungsvoraussetzungen. Im Gegensatz zum selteneren Großen Fuchs hat er braunschwarzeFlecken und eine blaue Fleckenreihe an den Flügeln.Während die Falter des Tagpfauenauges auf Kleefeldern und Blumenbeeten umherfliegen, entwickeln sichdie Raupen auf Brennnesseln. Wer im Winter "eingefrorene Falter" auf dem Dachboden findet, sollte siedort belassen, bis sie im Frühjahr wieder Nektar finden.Normalerweise sitzt das Männchen des Waldbrettspiels im Halbschatten auf Blättern an Waldrändern oderauf Waldlichtungen (u.a. Auwälder) und verteidigt sein Revier. Die Falter saugen nicht nur an Blüten sondernauch an Baumsäften und reifen Früchten. Die hellgrüne Raupe frisst verschiedene Waldgräser. Auffallendsind die schwarzweißgekernten Augenflecken auf den Flügeln des Männchens.Die Brennnesselbestände und die vielen Blütenpflanzen im Bereich IV (Humusdeponie) bieten den Schmetterlingenund ihren Raupen gute Lebens- und Nahrungsbedingungen.BP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 17 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamtlist, der sich in fast allen Landschaften einschließlich unserer Gärten wohlfühlt. Sie nimmt gern unterirdische"Nisthilfen" an. Meist nistet sie sich in verlassene Mäuselöcher ein oder bevorzugt in frischen Maulwurfsbautenbis zu 1,5 m Tiefe, aber auch in unterirdischen Hohlräumen von Gebäuden, in Heu- oder Strohlagern,sogar in Ställen oder unter Dielen von Schuppen ist sie als "Kulturfolger" zu finden. Sie ist ein Nestbezieher:Vorgefundenes Nistmaterial nutzt sie für den eigenen Nestbau. Sie konnte an der Scherzach(Bereich 1) und im Bereich der Erddeponie (Bereich 4) beobachtet werden.Steinhummeln (Bombus lapidarius) sind größtenteils schwarz, das Ende des Hinterleibs ist braunrot. MännlicheSteinhummeln haben eine gelbe Binde auf der Brust. Ihre Nester legen sie unter Steinhaufen oder Mauernan, worauf sich der Name bezieht. Sie können sich jedoch auch im Stroh von Ställen oder in verlassenenVogelnestern befinden. Ein durchschnittlicher Staat besteht aus etwa 100 bis 200 Arbeiterinnen. Steinhummelnbevorzugen den Nektar von verschiedenen Kleearten und Taubnesseln. Sie war hauptsächlich ander westlichen vorderen Erddeponie (Bereich 4) an den Kronwicken zu beobachten, aber auch teils im westlichenTeil.AmeisenAnstelle von Reptilien wurden unter über der Hälfte der Schlangenbretter Ameisen und ihre Bauten gefunden:Die Rote Gartenameise (Myrmica rubra), auch Rotgelbe Knotenameise genannt, gehört zu den in Mitteleuropaam weitesten verbreiteten Ameisenarten. Wie alle Mitglieder der Knotenameisen (Myrmicinae) sindArbeiterinnen und Königinnen mit einem Stachel ausgestattet, dessen Stich unangenehme Schmerzen verursacht.Sie kommt vor allem in Gärten, Wäldern und auf Wiesen vor, wo sie zumeist unter Steinen, Holzo.ä. nistet. Hierbei bevorzugt sie feuchte und schattige Standorte.Die Schwarze Wegameise findet man in nicht zu trockenen Habitaten an Waldrändern ebenso wie in offenenLandschaften. Ihre Nahrung besteht aus zuckerhaltigen (hauptsächlich Hionigtau) und proteinhaltigenSubstanzen (hauptsächlich Insekten). Sie halten sich Blatt- Schild- und Wurzelläuse und beschützen diesevor Fressfeinden. Sie überbauen bodennahe Zweige öfter mit einer aus Sand hergestellten Schutzverkleidungund züchten Wurzelläuse im eigenen Nest. Um den Weg zu verkürzen, werden die Läuse auch aufPflanzen in Nestnähe gebracht. Die Tiere errichten ihre wenige Zentimeter hohen Nesthügel nur aus Erdeund um Pflanzen (beispielsweise Grashalme) herum. Dadurch wird der nicht sehr stabile Bau etwas haltbarer,da die Pflanzen als Stützen für das Bauwerk dienen.Beide Arten haben keinen Schutzstatus.Abb. 27: Links Eier der Roten Gartenameise in einem Buchenblatt und rechts ein Bau der Schwarzen Wegameise unter DachpappenSpinnenDie Zebra- oder Wespenspinne (Salticus scenicus) gehört zu den Echten Radspinnen. Während die Männchennur eine Körperlänge von sechs Millimetern erreichen, werden Weibchen mit bis zu 25 Millimeterndeutlich größer. Unverwechselbar ist bei den Weibchen der gelb-weiß gestreifte Hinterleib mit den schwarzenwespenähnlichen Querbändern und der silbrig-weiß behaarte Vorderleib. Die Art bevorzugt sonnige,offene Standorte mit niedriger bis halbhoher Vegetation und hoher Heuschrecken-Population auf trockenemwie feuchtem Untergrund. Im Bereich IV (Humusdeponie) des Untersuchungsraumes findet sie ein sehrgutes Nahrungsangebot auf Grund der hier sehr zahlreich vorkommenden Heuschrecken. Sie ist wedernach dem BNatSchG geschützt noch in den Roten Listen erwähnt.BP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 19 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamtAbb. 28: Zebra- oder Wespenspinne (Beibeobachtung: L. Ramos)LibellenDie Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) ist in den Monaten Juli bis Oktober an stehenden Gewässernaller Art anzutreffen, darunter auch Kleingewässer und Gartenteiche. Ihre Jagdflüge können sehr ausgedehntsein, so dass man sie vor allem in Wäldern und auf Waldlichtungen in einiger Entfernung zum Gewässertrifft. Sie fliegen hier in geringer Höhe auf der Jagd nach anderen Insekten.Auf solch einem Jagdflug konnte sie am 11.09.2012 im östlichen Teil der Erddeponie (Bereich IV) beobachtetwerden. Mit ihren 11 cm Spannweite und 7 cm Körperlänge gehört sie zu den Großlibellen. BeimMännchen ist die mosaikartige Körperzeichnung schwarz, grün und blau, beim Weibchen eher grün undbraun.Nach dem BNatSchG ist sie besonders geschützt, in den roten Listen von D und Baden Württemberg ist sienicht erwähnt.Abb. 29: Männchen der Blaugrünen Mosaikjungfer am Ampfer3 ZusammenfassungDer Untersuchungsraum liegt am Westrand von Weingarten. Östlich davon liegt der Marienfriehof, südlichdie Kuenstraße bzw. das Gewerbegebiet "Hähnlehof". Die Flächen westlich und nordwestlich davon werdenlandwirtschaftlich intensiv genutzt. Im Nordosten liegt entlang der Scherzach die Dauerkleingartenanlage"Talstraße".Aus ökologischer Sicht ist der Untersuchungsraum in 5 Bereiche einzuteilen:Bereich 1: ScherzachIm Zuge der Flurneuordnung wurden die beiden ehemaligen Rungsarme 1959 in das befestigte Sohlbett derheutigen Scherzach vereinigt. Durch den parallelen Verlauf der steilen Uferböschungen stellt sich eingleichmäßiges Ablaufprofil dar ohne Untergrundkontaktmöglichkeit. Die Verzahnung Land/Wasser ist sehrmonoton.Der nördlichen Uferrandstreifen entlang der Dauerkleingartenanlage "Talstraße" besteht aus einheimischenSträuchern, durchsetzt mit Ziergehölzen.Der südliche Gehölzstreifen besteht größtenteils aus Eschen, Bergahorn, Weißweide, Vogelkirsche Winter-BP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 20 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamtInsgesamt weist dieser Bereich das größte Artenvorkommen auf:Von L. Ramos wurden 40 verschiedene Vogelarten beobachtet, von denen drei Arten (Mäusebussard,Schwarz- und Rotmilan) als Nahrungsgäste das Gebiet überflogen Mehl- und Rauchschwalbe gelten nachder Roten Liste Baden Württemberg als gefährdet, Feld- und Haussperling, Girlitz, Grauschnäpper, Mauersegler,Star Sumpfrohrsänger und die Türkentaube stehen in der Vorwarnliste. Sperlinge- und Schwalbenstehen in der Roten Liste Deutschlands auf der Vorwarnliste. Insgesamt brüteten hier 24 verschiedene Vogelarten.Außer einer Erdkröte unter einer Dachpappe am Böschungsfuß der Humusmiete wurden keine Amphibiengesichtet.Obwohl sieben Schlangenbretter ausgelegt wurden, konnten keine Blindschleichen oder Schlangen gefundenwerden.Allerdings findet die Zauneidechse hier optimale Lebensbedingungen in Form einer mosaikreichen Struktur:In den Brennnesselfluren, unter den Brombeerranken oder Hochstauden findet sie jede Menge Unterschlupfmöglichkeiten,dazwischen jede Menge Freiflächen zum Sonnen oder um Nahrung zu suchen. Entsprechendhoch ist die Population über den gesamten Bereich verteilt. Neben Adulten konnten im Augustauch Jungtiere beobachtet werden.Die in sich geschlossene Funktionsfähigkeit dieses kleinen Ökosystems kommt sehr gut darin zum Ausdruck,dass wie die Zauneidechsen auch der Moschuskäfer auf der Ruderalfläche mit den vielen Unterschlupfmöglichkeiten(Unterholz, Steinhaufen, usw.) eine geeignete Überwinterungsfläche vorfinden. Auch die Zebraspinnefindet hier optimale Lebens- und Nahrungsbedingungen in Form der auf diesen Bereich beschränktengroßen Heuschreckenpopulation.Die Brennnessselfluren und die anderen Stauden bieten auch für Schmetterlinge und ihre Raupen genügendNahrungspflanzen und gute Lebensbedingungen.Die hohe Anzahl an beobachteten Vogelarten und Brutvögeln in dem doch eher kleinen Bereich (6.300 m²)weist ebenfalls auf ein intaktes, in sich sehr gut funktionierendes Ökosystem hin, in dem sehr gute HabitatsundNahrungsstrukturen für viele Tierarten vorhanden sind.Bereich 5: MarienfriedhofDie Hecke zwischen Bereich 4 und 5 besteht hauptsächlich aus heimischen Sträuchern wie Liguster,Schneeball, Hasel und vereinzelt Heckenkirschen.Der Marienfriedhof entspricht im untersuchten Abschnitt einem "Parkfriedhof" mit jungem bis mittelaltemBaumbestand.Entlang der Scherzach stehen nur noch vereinzelt größere Bäume wie Eschen Bergahorn und heimischenSträuchern durchsetzt mit Ziersträuchern. Im untersuchten Abschnitt gibt es keine Mauern, der Rasen wird14-tägig gemäht und gemulcht. Die einzige längere durchgängige Heckenstruktur besteht bei Feld VINach Aussagen der Friedhofsmitarbeiter wurden dort am häufigsten Zauneidechsen gesehen, was sichdurch den einzigen Fund am 26.07.2012 bestätigte.Insgesamt wurden im Untersuchungsraum folgende nach dem BNatSchG geschützten Tieregefunden:Vögel:Grundsätzlich sind nach den Vogelschutzrichtlinien alle Vögel besonders geschützt. Insgesamt wurden 40Arten beobachtet, darunter 24 Arten als Brutpaare. Insgesamt waren vier streng geschützte Arten (Mäusebussard,Schwarz- und Rotmilan, Turmfalke) als Nahrungsgäste unterwegs.Amphibien:Die Erdkröte ist besonders geschützt.Reptilien:Die Zauneidechse ist streng geschützt.Insekten:Insgesamt wurden fünf besonders geschützte Arten gefunden:Hauhechelbläuling, Moschuskäfer, Dunkle Erdhummel, Steinhummel und blaugrüne Mosaikjungfer.BP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 22 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamt4 LiteraturJochen Hölzinger: Die Singvögel Baden-Württembergs 1 + 2Laufer/Fritz/Sowig: Die Amphibien und Reptilien Baden-WürttembergsGünter Elbert: Die Schmetterling Baden-Württembergs, Band 1 Tagfalter 1Kosmos: NaturführerJ. Zahradnik: Der Kosmos-InsektenführerLuis Ramos: Bebauungsplan Kuenstraße – Bericht: "Vögel 2012" vom 17.08.2012Formblatt z. artenschutzrechtl. Prüfung LUBW: http://www.fachdokumente.lubw.badenwuerttemerg.de/servlet/is/103384/?COMMAND=DisplayBericht&FIS=200&OBJECT=103384&MODE=METADATABP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 23 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamtTeil II – Naturschutzrechtliche Eingriffs- / AusgleichsbilanzierungDie Berechnungen wurden entsprechend dem Bewertungsmodell der Landkreise Bodenseekreis und Ravensburg vorgenommen. Als Rechtgrundlage wurde am südlichenEnde des Bereiches 3.1 der Bebauungsplan "Hähnlehof " vom 24.03.1971 berücksichtigt.Bereich 2WohnbebauungBereich 3.1undBereich 3.2GewerbeAbb. 1: Übersichtsplan mit neuem GeltungsbereichBP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 24 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamtAlte projektierte Riedstraßeundtatsächliche Ausführungder RiedstraßeAbb. 2: rechtsgültiger Bebauungsplan "Hähnlehof" für den südlichen Rand , Bereich 3.2 Gewerbe mit heutigem BestandDie im Bebauungsplan "Hähnlehofstraße" projektierte Riedstraße wurde weiter südlich angelegt. Dennoch ist dieim Plan ausgewiesene Fläche als Rechtsgrundlage zu berücksichtigen. Die Fläche des Wendehammers ist in derBerechnung als Bestand "versiegelte Fläche" anzusetzen, die in der Planung als Entsiegelungsmaßnehme eingeht.Die restlichen Flächen wurden als überbaute Flächen bzw. Grünflächen verrechnet.BP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer ErläuterungsberichtS. 25 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamtSchutzgut BodenEingriffsbewertung / Ermittlung des Kompensationsbedarfs Defizit / GuthabenEingriff-Kompensations-Bilanz Boden gemäß Arbeitshilfe UM Juni 2006, Bewertungsklassen auf Basis Heft 31, angepasst an Haft 23Boden: Berechnung nur für überbaute FlächenFläche aktuelle Nutzungkünftige Nutzung2 Fettwiese Bau- u. VerkehrsflächeKlassenzeichen Eingriffsfläche Bewertungsklasse vor dem Eingriff ÖP (Gesamt) ÖP (Fläche)NB AW FP GesamtL III a 2 19.500 3 3 3 3 12 234.0003.1Landwirtschaftl.FlächeBau- u. VerkehrsflächeL III a 2 7.840 2 3 3 2,67 10,68 83.7313.2Landwirtschaftl.FlächeBau- u. Verkehrsflächeeinschl. wassergeb.Decke L III a 2 15.333 2 3 3 2,67 10,68 163.756Summe Bodeneingriff gesamt (-) 481.488NV = Natürliche BodenfruchtbarkeitAW = Ausgleichskörper im WasserkreislaufFP = Filter und Puffer für SchadstoffeBP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 26 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamtKompensationsmaßnahmenBewertung nach Anlage 2 (zu §8 ÖKVO), Tabelle 3: BodenmaßnahmenBodenkompensationsmaßnahmenBereich 260.23 Verkehrsflächenmit wassergebunde-nerDecke 0,3der Gesamtfläche41.20m²1072*0,3=322 3 966Anlegen von Hecken620 3 1.860Pflanzung Baumhaine800 3 2.40041.20 Anlage vonGehölzstrukturenzur Eingrünung 2.704 3 8.112gesamt 13.338BodenkompensationsmaßnahmenBereich 3.160.60 Grünflächen gärtnerischgestaltet 5585 3 16.755gesamt 16.755BodenkompensationsmaßnahmenBereich 3.260.60 Grünflächen gärtnerischgestaltet 5370 3 16.11060.23 Verkehrsflächenmit wassergebunde-nerDecke 0,3der Gesamtfläche 2.428 3 7284gesamt 23.394Entsiegelungsmaßnahmen 2.586 16 41.376Bodenkompensationsmaßnahmen gesamt: 94.863Im Plan wurde eine Dachbegrünung von 50% der Dachflächen festgeschrieben.BP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 27 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamtMinimierung Eingriff SG Boden durch DachbegrünungBereich 2Dachflächen(m²) 8.100Bereich 3.1Dachflächen(m²) 7.000Bereich 3.2Dachflächen(m²) 7350Dachbegrünung50% 4.050 3 12.150Dachbegrünung50% 3.500 3 10.500Dachbegrünung50% 3675 3 11.025Minimierungmaßnahmen Dachbegrünung gesamt: 33.675Von 22.450 m² Dachflächen sind 50% zu begrünen, dies entspricht insgesamt 11.225 m² Dachbegrünung. Dachbegrünungwurde pro m² mit 3 Ökopunkten verrechnet.Schutzgut WasserDer Boden des Untersuchungsraums ist geprägt von Kiesfeldern der Scherzach und Schussen, die mit einer 2-3 mdicken Schicht aus tonig-schluffigem Auelehm bedeckt sind.Der Grundwasserspiegel liegt hier in 5 – 10 m Tiefe und ist durch den Auelehm als gering durchlässige Deckschichtvor Schadstoffeintragungen geschützt.Durch die Baumaßnahmen sind deshalb keine Beeinträchtigungen des Grundwassers und der Bodendurchlässigkeitzu erwarten.Eine verbal-argumentative Bewertung erfolgt im Umweltbericht.Schutzgut KlimaVerbal-argumentative Abarbeitung im Umweltbericht.BP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 28 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamtSchutzgut Pflanzen / BiotopeEingriffsbewertung / Ermittlung des KompensationsbedarfsBereich 2 WohnbebauungBestandN r. Bioptoptyp Fläche (m²) Modell LUBWGrundwertBioptopwertBilanzwert33.41 Fettwiese 33.107 8 10 331.07060.10 Wege 1.151 1 1 1.15133.41 Verkehrsbegleitgrün 5.379 8 8 43.03233Einzelbäume (60) 1.980 5 5 9.900Ökopunkte gesamt 385.153Die Fettwiese wurde wegen der Artenarmut mit 10 Ökopunkten (ÖP), die Bäume auf Grund ihrer sehr unterschiedlichenGröße (hoher Anteil kleinerer Bäume mit Stammumfang von weniger als 60 cm) im Schnitt mit60 cm Stammumfang bewertet.Bereich 2 WohnbebauungPlanungModellLUBWNr.BiotoptypFläche(m²) Minimalwert Mittelwert Bilanzwert60.10 überbaute Flächen (Wohnungsbaueinschl. Verkehrsflächen)21.770 21.77060.23 Verkehrsflächen1.072 2 2mit wassergebunder Decke2.14460.60Gärten/GrünflächenWohnbebauung 10.437 4 8 83.49660.50 Dachbegrünung (50%) 4.050 4 21 85.05033.41 Fettwiese (mittl. Standort) 4.980 8 13 64.74041.10 Gehölz/Hecke (PFG1) 2.704 10 14 37.85641.10 Baumhaine (StU 18-20) 800 10 14 11.20041.10,41.2044 Einzelbäume 4.400 5 5 22.000Anlegen von HeckenBestand Erhalt entlang Erddeponie+ Scherzach (FNL1) 620 17 1 1Ökopunkte gesamt: 338.796Als Abgrenzung wird der Gehölzstreifen am Westrand der Erddeponien als Hecke vor allem mit Prunusspinosa und Rosen ergänzt.Der Gehölzsaum entlang der Scherzach wird ebenfalls durch buchtenförmige Heckenpflanzung verbreitert.BP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 29 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamtBereich 3.1BestandN r.BioptoptypFläche(m²)ModellLUBWGrundwertBioptopwert Bilanzwert37.10 Acker 13.425 4 4 53.70033.41 gedüngte Blumenwiese4.654 4 4 18.616Ökopunke gesamt 72.316Die intensive gedüngte Blumenwiese (Selbstpflückerwiese mit Narzissen, Sonnenblumen usw.) wurde wie eineIntensivobstanlage mit 4 ÖP bewertet.PlanungModell LUBWNr. Biotoptyp Fläche (m²) Minimalwert Mittelwert Bilanzwert60.10 überbaubare Fläche 7840 1 1 7.840Dachbegrünung(50%) 3500 4 21 73.50060.5060.60 Grünflächen gärtnerischgestaltet 4325 6 8 34.60027 Einzelbäume 2700 5 5 13.50045.40Feldgehölz mitÜberhälter 815 13 19 15.48545.40 Streuobstwiese 1 4.654 12 17 79.118Ökopunkte gesamt 224.043Für sämtliche Streuobstwiesen werden feuerbrandresistente Sorten des Obstkompetenzzentrums Bavendorf sowieder Empfehlungsliste des Landratsamtes Ravensburg vom 29.04.2008 vorgeschrieben. Die Bäume werden im Raster10 x 15 m gepflanzt. Die Wiesen dürfen nur 1 – 2 Mal im Jahr mit einer Schnitthöhe von mind. 10 cm gemähtwerden. Die Streuobstwiese wurde mit 17 ÖP berechnet.Entlang dem Öschweg werden östlich und westlich je 1 Reihe Sommerlinden Tilia platyphyllos) gepflanzt, um denAlleencharakter beizubehalten.BP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 30 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamtBereich 3.2 (GewerbeBestandN r. Bioptoptyp Fläche (m²) Modell LUBWGrundwert Bioptopwert Bilanzwert33.52 Fettweide 14.790 8 10 147.90060.60 Grünfläche 3.994 6 8 31.95260.10 ÜberbauteFlächenFläche 6.380 1 1 6.380Ökopunkte gesamt: 179.852Die artenarme Fettweide wurde wie die Fettwiese mit 10 ÖP verrechnet.Am südlichen Rand der Bebauungsplan "Hähnlehof" zu berücksichtigen, der im westlichen Teil eine Versiegelungder bestehenden Grünfläche zulässt. Die restliche Grünfläche ist als Grünfläche oder Grünfläche mit Ziersträuchernanzulegen. Bäume wurden sind nicht vorgeschrieben. Die bestehenden Bäume wurden deshalb nicht berücksichtigt.PlanungModell LUBWNr. Biotoptyp Fläche (m²) Minimalwert Mittelwert Bilanzwert60.10 überbaubareFläche GRZ 0,8 9950 1 1 9.9506010Überbaubare FlächeGRZ 0,4mitwassergebunderDecke 2920 2 2 5.84060.50Dachbegrünung(50%) 3675 4 21 77.17560.6045.40Grünflächen gärtnerischgestaltetGewerbegebiet 1813 6 8 14.504Feldgehölz mitÜberhälter 2816 13 19 53.50450 Einzelbäume 5.000 5 5 25.00060.10 überbaute Wege 2.462 1 1 2.462Ökopunkte gesamt: 188.435Die Pflanzstreifen nördlich und südlich des geplanten Gehweges werden als Hecke mit Feldgehölzen und einheimischenautochthonen Einzelbäumen als Überhälter mit 19 ÖP angesetzt.Bei der Berechnung des Planwertes wird der Mittelwert zugrunde gelegt und vergleichend die Bilanz unter Verwendungdes Minimalwertes gegenübergestellt.BP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 31 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamtBilanzierung der externen KompensationsflächenExternen KompensationsflächenBestandN r. Bioptoptyp Fläche (m²) Modell LUBWGrundwert Bioptopwert Bilanzwert33.41 Fettweide 1 16.055 8 10 160.55045.40 Fettwiese 2 2.891 8 10 28.91045.40 Fettwiese 3 5.500 13 17 93.500Ökopunkte gesamt 282.960Fettwiese/-Weide 1 liegt zwischen dem Ermlandhof und dem westlichen Teil des Bebauungsplanes.Fettwiese 2 erstreckt sich entlang der Scherzach von Ermlandhof bis zum Bahngleis.Fettwiese 3 liegt in Nessenreben, südöstlich des Schwimmbades.ExterneKompensatiosflächenPlanungModell LUBWNr. Biotoptyp Fläche (m²) Minimalwert Mittelwert Bilanzwert45.40Streuobstwiese 2 16.055 12 17 272.93542.20 Uferstreifen 10m 4.056 16 19 77.06455.20 Waldsaum entlang demnaturnaher Buchen- MischwaldNessenreben 5.500 17 33 181.50022 Einzelbäume 2.200 5 5 11.000Ökopunkte gesamt 542.499Streuobstwiese 2 wird mit einem Raster 10 x 15 m ebenfalls mit Bäumen aus der Liste wie unter 3.1 erwähnt,bepflanzt und deshalb ebenfalls mit 17 Ökopunkten bewertet.Der Uferrandstreifen wird ähnlich dem Heudrusch-Verfahren geeggt und anschließend mit dem Heu von der Flächeder Erddeponie bestreut und deshalb mit 19 ÖP (Magerrasen = 21ÖP) berechnet.Entlang des naturnahen Buchenmischwaldes wird ein entsprechender Waldsaum mit 10 m Breite angelegt. Da essich bei dem Buchenmischwald um einen naturnahen Wald handelt, kann der Waldsaum entsprechend mit 33 ÖPveranschlagt werden.Der 10 m breite Uferstreifen entlang der Scherzach erstreckt sich vom Ermlandhof bis zum Bahngleis. Er wird ähnlichdem Heudrusch-Verfahren geeggt und mit dem Mähgut von der Erddeponie (s. Ökolog. Erläuterungsbericht,Bereich 4) bedeckt. Die Fläche der östlichen Erddeponie weist einen ruderalen bis feuchten Artenreichtum auf.Dieser Vorgang wird mind. drei Jahre durchgeführt.In Teil III werden unter 3.1 die Planungen der externen Kompensationsflächen näher beschrieben.BP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 32 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamtSchutzgut TiereDie Fläche der Erddeponiewerden ist nicht mehr Bestandteil des Bebauungsplanes.Im Rahmen der Förderung spez. Arten werden für den bereits 2012 auf der Fläche der Erddeponie und die Wiese(Bereich 2) beobachteten Hauhechelbläulings (Polyommatus icarus) 2000 m² auf der Grünfläche im Bereich 2 zwischenScherzach und WR2 und im Bereich der Erddeponien (im hinteren Teil der westlichen Deponie, wo kein Kleevorkommt) geeggt und mit einer Kleemischung aus Hopfenklee. Weißklee, Hornklee und bunter Kronwicke eingesät.Diese Fläche wird höchstens 4 - 5 Mal im Jahr gemäht. Der erweiterte Gehölzstreifen an der Scherzach wirdan einigen Stellen nur buchtenförmig mit einer Hecke erweitert, sodass sich hier Kohldistelwiesen entwickeln können,die nur 2 Mal im Jahr gemäht werden. Für die Maßnahmen werden 10 ÖP pro m² angesetzt.Schutzgut LandschaftBP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 33 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamtEs ergibt sich für den Eingriff ein Kompensationsbedarf von 4.030 Ökopunkten.BP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 34 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamtGesamtbilanzierungGesamtbilanzierungwohnbereich2 Wohnbereich 3.1 Wohnbereich 3.2 Externe Flächen SG Landschaft gesamtBoden 234.000 83.731 163.756Bestand 385.153 72.316 179.852 163.756 4.030Dachminimierung 12.150 10.500 11.025Bodenkompensation 13.338 16.755 23.394Entsiegelungsmaßnahmen41.376Planung 338.796 224.043 188.435 542.499Gesamt 254.869 98.811 79.378 259.539 4.030Σgesamt 16.513Insgesamt wurde ein Überschuss von 16.513 Ökopunkten erzielt.BP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 35 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamtTeil III – Artenschutzrechtlicher Ausgleich1 GesetzesgrundlagenFür die erforderlichen Maßnahmen ist das Bundesnaturschutzgesetz 2009 (BNatSchG), in Kraft getretenam 1. März 2010, maßgebend.1.1 Verbotstatbestände1.1.1 TötungsverbotEs ist verboten, „wildlebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zuverletzen oder zu töten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigenoder zu zerstören“ (s. § 44 (1) 1. BNatSchG).Bei nach § 15 zulässigen Eingriffen in Natur und Landschaft sowie nach den Vorschriften des Baugesetzbucheszulässigen Vorhaben im Sinne des § 18 Abs. 2 Satz 1 gilt das Tötungsverbot nur für die inAnhang IV der FFH-Richtlinie aufgeführte Tierarten und für die europäischen Vogelarten sowie für Arten,die in ihrem Bestand gefährdet sind und für die die Bundesrepublik Deutschland in hohem Maße verantwortlichist (vgl. § 44 (5) Satz 5 BNatSchG).Die Untersuchungen im Rahmen des Bauleitplanverfahrens entbinden nicht von einer erneuten Prüfungzum Zeitpunkt des tatsächlichen Eingriffs. Die Tötung einer streng geschützten Art ist in jedem Fall untersagt.1.1.2 StörungsverbotEs ist verboten, „wildlebende Tiere der streng geschützten Arten und der europäischen Vogelarten währendder Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich zustören; eine erhebliche Störung liegt vor, wenn sich durch die Störung der Erhaltungszustand der lokalenPopulation einer Art verschlechtert“ (s. § 44 (1) 2. BNatSchG).Ein Verbot ist demnach nicht gegeben, wenn die Störung zu keiner Verschlechterung des Erhaltungszustandesder lokalen Population führt.Ergänzend wird von den Gerichten darauf hingewiesen, dass der aus dem Störungsverbot abgeleiteteGebietsschutz einer streng geschützten Art nicht das gesamte Jagd- und Nahrungshabitat einer Art betrifft.1.1.3 Beschädigungs- und Zerstörungsverbot von Fortpflanzungs- und RuhestättenEs ist verboten, „Fortpflanzungs- oder Ruhestätten der wildlebenden Tiere der besonders geschütztenArten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören“ (s. § 44 (1) 3. BNatSchG).Ein Verbot liegt „nicht vor, soweit die ökologische Funktion der von dem Eingriff oder Vorhaben betroffenenFortpflanzungs- oder Ruhestätten im räumlichen Zusammenhang weiterhin erfüllt wird. Soweit erforderlich,können auch vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen festgesetzt werden“ (s. § 44 (5)BNatSchG).Potentielle Fortpflanzungs- oder Ruhestätten fallen gemäß Rechtsprechung nicht unter den Verbotstatbestand.Bei nach § 15 zulässigen Eingriffen in Natur und Landschaft sowie nach den Vorschriften des Baugesetzbucheszulässigen Vorhaben im Sinne des § 18 Abs. 2 Satz 1 gilt das Beschädigungs- und Zerstörungsverbotvon Fortpflanzungs- und Ruhestätten nur für die in Anhang IV der FFH-Richtlinie aufgeführteTierarten und für die europäischen Vogelarten sowie für Arten, die in ihrem Bestand gefährdet sindund für die die Bundesrepublik Deutschland in hohem Maße verantwortlich ist (vgl. § 44 (5) Satz 5BNatSchG).BP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 36 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamt1.1.4 Beschädigungs- und Zerstörungsverbot von PflanzenstandortenEs ist verboten, die Standorte von wildlebenden „Pflanzen der besonders geschützten Arten oder ihreEntwicklungsformen (...) zu beschädigen oder zu zerstören“ (s. § 44 (1) 4. BNatSchG).Für Standorte wild lebender Pflanzen der in Anhang IV b der FFH-Richtlinie aufgeführten Arten liegt keinVerstoß vor, soweit die ökologische Funktion der von dem Eingriff oder Vorhaben betroffenen Standorteim räumlichen Zusammenhang weiterhin erfüllt wird. Soweit erforderlich, können auch vorgezogeneAusgleichsmaßnahmen festgesetzt werden (vgl. § 44 (5) BNatSchG).Bei nach § 15 zulässigen Eingriffen in Natur und Landschaft sowie nach den Vorschriften des Baugesetzbucheszulässigen Vorhaben im Sinne des § 18 Abs. 2 Satz 1 gilt das Beschädigungs- und Zerstörungsverbotvon Pflanzenstandorten nur für die in Anhang IV der FFH-Richtlinie aufgeführte Pflanzenartenund für Arten, die in ihrem Bestand gefährdet sind und für die die Bundesrepublik Deutschland inhohem Maße verantwortlich ist (vgl. § 44 (5) Satz 5 BNatSchG).1.2 AusnahmetatbestandBeim Eintreffen eines Verbotstatbestandes sind gemäß § 45 (7) BNatSchG Ausnahmevoraussetzungennachzuweisen. Als für Bauvorhaben einschlägige Ausnahmevoraussetzungen sind:• Keine zumutbare Alternativen, die zu keinen oder geringeren Beeinträchtigungen der strenggeschützten Arten oder europäischen Vogelarten führen oder der Arten, die in ihrem Bestandgefährdet sind und für die die Bundesrepublik Deutschland in hohem Maße verantwortlich ist.• Zwingende Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses, einschließlich solcher sozialer oderwirtschaftlicher Art vorliegen oder im Interesse der Gesundheit des Menschen, der öffentlichenSicherheit, einschließlich der Landesverteidigung und des Schutzes der Zivilbevölkerung oder dermaßgeblich günstigen Auswirkungen auf die Umwelt.• Keine Verschlechterung des Erhaltungszustandes der Populationen streng geschützter Arten odereuropäischer Vogelarten führen oder der Arten, die in ihrem Bestand gefährdet sind und für die dieBundesrepublik Deutschland in hohem Maße verantwortlich ist.• Keine Beeinträchtigung des günstigen Erhaltungszustandes der Populationen bezüglich der strenggeschützten Arten des Anhangs IV FFH-Richtlinie, bzw. keine weitere Verschlechterung des jetzigenungünstigen Erhaltungszustands.1.3 VerhältnismäßigkeitsgrundsatzWenn keine Erwartungen vorliegen, dass eine streng geschützte Art im Bestand bedroht ist, dann istauch kein artenspezifisches Gutachten notwendig. Der auch europarechtlich verankerte Verhältnismäßigkeitsgrundsatzwird verfehlt, wenn für ein Planungsvorhaben Anforderungen an die artenschutzrechtlicheBestandsaufnahme gestellt werden, die keinen für die Entscheidung über die Zulassung desVorhabens wesentlichen Erkenntnisgewinn versprechen und außerhalb jeden vernünftigen Verhältnisseszu dem damit erreichbaren Gewinn für Natur und Umwelt stehen würden. Erforderlich, aber auch ausreichend,ist eine am Maßstab praktischer Vernunft ausgerichtete Prüfung.2 BewertungskonzeptDer im BNatSchG begründete Schutz bezieht sich auf die Art selber, sowohl hinsichtlich des Individuums(Tötungsverbot), als auch des Erhaltungszustands der lokalen Population (Störungsverbot). Ebenso sinddie mit dem Erhaltungszustand der Population bzw. Pflanzenverbreitung im Gebiet direkt zusammenhängendenFortpflanzungs- und Ruhestätten bzw. Pflanzenstandorte geschützt (Schädigungsverbot). ImFolgenden werden anhand der in „Teil I - Ökologische Gebietsbewertung“ festgestellten bzw. aufgrunddes Gebietspotentials zu erwartenden Arten die Maßnahmen zur Vermeidung bzw. Überwindung derunter Ziffer 1.1 genannten Verbotstatbestände erläutert. Sofern Verbotstatbestände eintreffen, sindAusnahmevoraussetzungen darzustellen.3 Artenschutzrechtliche BewertungDer Bebauungsplan enthält nur noch die Bereiche 1 (Scherzach), 2 (Wohnbebauung) und 3 (Gewerbe)des Ökologischen Erläuterungsberichtes. Die Bereiche 4 und 5 wurden aus dem Plangebiet herausgenommen.3.1 PflanzenBereich 1(Scherzach)Der Gehölzsaum entlang der Scherzach wird durch buchtenförmige Heckenpflanzung verbreitert undBP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 37 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamtsomit ökologisch aufgewertet. Die nicht bepflanzten Flächen werden nur 1-2 pro Jahr gemäht, dass sichhier Kohldistelwiesen entwickeln können für die Vergrößerung des Lebensraumes im Rahmen der Förderungspezieller Arten, hier des Hauhechelbläulings (kartiert 2012).Die Überplanung des Gebietes stellt somit keinen Eingriff im Bereich 1 entlang der Scherzach dar.Bereich 2 (Wohnbebauung)Als Abgrenzung wird der Gehölzstreifen am Westrand der Erddeponien ebenfalls als Hecke, vor allemmit Prunus spinosa und Rosen, ergänzt.Bereich 3.1 (Gewerbe)Für die Streuobstwiesen werden feuerbrandresistente Sorten des Obstkompetenzzentrums Bavendorfsowie der Empfehlungsliste des Landratsamtes Ravensburg vom 29.04.2008 vorgeschrieben. Die Bäumewerden im Raster 10 x 15 m gepflanzt. Die Wiesen dürfen nur 1 – 2 Mal im Jahr mit einer Schnitthöhevon mind. 10 cm gemäht werden.Bereich 3.2 (Gewerbe)Die Pflanzstreifen nördlich und südlich des geplanten Gehweges werden als Hecke mit Feldgehölzen undeinheimischen autochthonen Einzelbäumen als ÜberhälterExterne KompensationsflächenDie Streuobstwiese wird ebenfalls wie unter 3.1 beschrieben, angelegt.Der Uferrandstreifen wird ähnlich dem Heudrusch-Verfahren geeggt und anschließend mit dem Mähgutder östlichen Erddeponie bestreut. Das Schnittgut wird Ende Juni/Anfang Juli gemäht und dünn auf demUferstreifen ausgebracht. Dass sich die gesamte Fläche entwickeln kann und eine gewisse Ausbreitungder Samen gewährleistet ist, wird dieser Vorgang mind. 3 Jahre durchgeführt.Waldsaum:Ein 3 m breiter Krautsaum grenzt die Wiese vom künftigen Waldsaum ab. Er muss alle ein bis drei Jahrezwischen Juli und Ende August gemäht werden, um eine Verwaldung der Fläche zu verhindern. Jedochist dieser Krautsaum nur abschnittweise zu mähen. damit sich die Tiere in die nicht gemähten Abschnittzurückziehen können. In den ersten 3 Jahren ist das Schnittgut zu entfernen, um die Abmagerung desBodens zu fördern.Sträucher sind nur selektiv auszulichten, das bedeutet, dass besonders schnellwüchsige Arten wie Haseloder Traubenkirsche im Abstand von wenigen Jahren auf den Stock gesetzt werden. Langsam wachsendeArten wie Rosen, Pfaffenhütchen sind dagegen gut4 Brut- Deckungs- und Nahrungsmöglichkeitenfür Vögel und sollten begünstigt werden.Um möglichst rasch einen Anschluss der abgestuften Hecke zum Wald zu erreichen, werden am Übergangrasch wachende Arten wie Vogelkirsche, Bergahorn gepflanzt. So erreicht die abgestufte HeckeInsgesamt treten im Planungsgebiet keine nach den FFH-Richtlinien geschützten oder in den Roten Listenvorkommenden Pflanzen auf.3.2 TiereEs treten keine nach den FFH-Richtlinien geschützten oder in den Roten Listen vorkommenden Pflanzenauf.In der Planung wird kein Eingriff in den Bereich 1 (Scherzach) vorgenommen, eine Beeinträchtigung dervorkommenden Tierarten besteht nicht.Im Rahmen der Förderung spez. Arten werden für den bereits 2012 auf der Fläche der Erddeponie unddie Wiese (Bereich 2) beobachteten Hauhechelbläulings (Polyommatus icarus) 2000 m² auf der Grünflächeim Bereich 2 zwischen Scherzach und WR2 und im Bereich der Erddeponien (im hinteren Teil derwestlichen Deponie, wo kein Klee vorkommt) geeggt und mit einer Kleemischung aus Hopfenklee.Weißklee, Hornklee und bunter Kronwicke eingesät. Diese Fläche wird höchstens 4 - 5 Mal im Jahr gemäht.Der erweiterte Gehölzstreifen an der Scherzach wird an einigen Stellen nur buchtenförmig mit einerHecke erweitert, sodass sich hier Kohldistelwiesen entwickeln können, die nur 2 Mal im Jahr gemähtwerden.BP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 38 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamtPflanzlistenAlle anzupflanzenden Bäume müssen in der Baumschule zwei Mal ohne Ballen versetzt worden sein (2xVoB) und einen Stammumfang von 18-20 cm haben.Im WR, WA und für die Grünfläche sind folgende Baumarten zu wählen:Mittelkronige Bäume:Acer platanoides ‚Crimson King‘ Roter SpitzahornAcer platanoides ‚Schwedleri‘ SpitzahornCarpinus betulus HainbuchePrunus avium VogelkirschePrunus padus TraubenkirscheTilia cordata ‚Greenspire‘ StadtwinterlindeUlmus hollandica ‚Commelin‘ StadtulmeKleinkronige Bäume:Acer campestre FeldahornAcer campestre ‚Elsrijk‘ Feldahorn (Mehltauresistent)Acer platanoides ‚Faassen’s Black‘ BlutahornPrunus ‚Accolade‘ Frühe ZierkirscheSorbus intermedia Nord. MehlbeereTilia cordata ‚Rancho‘ Kleinkronige WinterlindeObstbäume: s. FNL 4Für FNL 1 sind folgende Gehölzarten zu wählen:Corylus avellana HaselnussCornus mas KornelkirscheCornus sanguinea Gemeiner HartriegelEuonymus europaeus PfaffenhütchenLigustrum vulgare LigusterLonicera xylosteum Rote HeckenkirschePrunus padus TraubenkirschePrunus spinosa SchleheRhamnus cathartica KreuzdornRhamnus frangula FaulbaumRosa arvensis KriechroseRosa canina HundsroseRosa glauca HechtroseRosa majalis ZimtroseRosa pendulina AlpenheckenroseRosa pimpinellifolia BibernellroseRosa villosa (pomifera) ApfelroseSalix caprea SalweideSalix purpurea PurpurweideSambucus nigra Schwarzer HolunderViburnum lantana wolliger SchneeballViburnum opulus Gemeiner SchneeballFür FNL 2 s. PFG 3Für FNL 3 sind folgende Baumarten und Feldgehölze zu wählen:Tilia platyphyllos SommerlindeFür FNL 4 sind folgende Baumarten zu wählen:Obstbäume (Bavendorf)Apfelbäume (feuerbrandresistent):Bavendorfer Apfel Boikenapfel Bramleys SämlingGeflammter Kardinal Gloria Mundi Herzogin OlgaBP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 39 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamtKönigsapfel Nathusius Taubenapfel Rote SternrenetteSalemer KlosterapfelZwetschgenbäume:BühlerzwetschgeHauszwetschgeMirabellenbaum:'Nancy'oder gemäß Liste des Landratsamtes vom 29.04.2008 (s. ökologischer Erläuterungsbericht)Für Pfg 1 sind folgende Gehölze zu wählen:Sträucher auf Ostseite (Richtung Bebauung)Cornus sanguinea Gemeiner Hartriegel, Blüte Mai – Juni, gut schnittverträglichEuonymus europaeus PfaffenhütchenPrunus spinosa Schlehe, Blüte März – April, Rückschnitt regelmäßigRosa arvensis KriechroseRosa canina HundsroseRosa glauca HechtroseRosa pendulina AlpenheckenroseRosa majalis ZimtroseRosa pimpinellifolia BibernellroseRosa villosa (pomifera) ApfelroseSambucus nigra Schwarzer HolunderViburnum lantana Wolliger SchneeballViburnum opulus Gemeiner SchneeballViburnum Carlesii Wohlriechender Schnellball, Blüte MaiVirburnum davidii Immergrüner Kissenschneeball, zur Gestaltung 0,5-1mSträucher auf Westseite (Richtung Straße)Erdhaltende Bodendecker, aufgelockert durch Prunusarten:Potentilla fruticosa Fingerstrauch "Goldfinger" Blüte Juni – OktoberPotentilla fruticosa Fingerstrauch "Abbotswood", Blüte Juni – SeptemberPrunus cerasifera Myrobalanen Pflaume, Großstrauch, Blüte März – MaiPrunus cerasifera Blut-Pflaume, "Nigra" Großstrauch Blüte März – AprilFür Pfg 2 sind folgende Baumarten und Gehölze zu wählen:Grünfläche mitAcer campestre 'Elsrijk' Feldahorn 'Elsrijk'.Für FNL 2 und Pfg 3 sind folgende Heckenanpflanzung mit Überhälter (Bäume) zu wählen:SträucherCorylus avellana HaselnussCornus mas KornelkirscheCornus sanguinea Gemeiner HartriegelEuonymus europaeus PfaffenhütchenLigustrum vulgare LigusterLonicera xylosteum Rote HeckenkirschePrunus padus TraubenkirschePrunus spinosa SchleheRhamnus cathartica KreuzdornRhamnus frangula FaulbaumRosa arvensis KriechroseRosa canina HundsroseRosa glauca HechtroseRosa majalis ZimtroseRosa pendulina AlpenheckenroseRosa pimpinellifolia BibernellroseRosa villosa (pomifera) ApfelroseBP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 40 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamtSalix caprea SalweideSalix purpurea PurpurweideSambucus nigra Schwarzer HolunderViburnum lantana wolliger SchneeballViburnum opulus Gemeiner SchneeballBäume:Acer campestre FeldahornCarpinus betulus HainbuchePrunus avium VogelkirschePrunus padus TraubenkirscheSorbus domestica SpeierlingUferrandstreifenBäume:Acer campestre FeldahornPrunus avium VogelkirschePrunus padus TraubenkirscheSorbus domestica SpeierlingWaldsaum:Bäume:Acer pseudoplatanus BergahornAlnus glutinosa SchwarzerleCarpinus betulus Malus sylvestris WildapfelQuercus robur StieleichePrunus avium VogelkirschePrunus padus TraubenkirschePyrus pyraster WildbirneSorbus aucuparia VogelbeereSorbus domestica SpeierlingSträucherCornus sanguinea Gemeiner HartriegelCorylus avellana HaselnussEuonymus europaeus PfaffenhütchenLigustrum vulgare LigusterLonicera xylosteum Rote HeckenkirschePrunus spinosa SchleheRhamnus frangula FalubaumRhamnus catharticus KreuzdornRosa caninaHundsroseSalix capreaSalweideSambucus nigra Schwarzer HolunderViburnum lantana wolliger SchneeballViburnum opulus Gemeiner SchneeballBP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 41 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamtBP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 42 von 43


Große Kreisstadt WeingartenStadtplanungsamtBP 156 „Kuenstraße Nord“, Ökologischer Erläuterungsbericht S. 43 von 43

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