7 Vorschläge zur Verbesserung des Informations - Ennepe-Ruhr ...

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7 Vorschläge zur Verbesserung des Informations - Ennepe-Ruhr ...

Planersocietät: Öffentlicher Freizeitverkehr im Ennepe-Ruhr-Kreis 90

7 Vorschläge zur Verbesserung des Informations- und Kommunikationsangebotes

Das auf die Freizeitziele bezogene ÖV-Angebot, sowie insbesondere die hier beschriebenen

Empfehlungen sollten deutlich stärker bekannt gemacht und vermarktet werden, wenn sie die

Besucher zu einem stärkeren Umstieg vom Auto zu den öffentlichen Verkehrsträger bewegen

sollen. Analog zu den in der Bestandsanalyse behandelten Medien der unterschiedlichen

Akteursgruppen, sollen hier Ansätze zur Verbesserung der Informations- und Kommunikationsinstrumente

dargestellt und mit anschaulichen Beispielen illustriert werden.

Die hier beschriebenen Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Information und

Kommunikation bezüglich der ÖV-Erschließung der Freizeitziele werden nach den Möglichkeiten

der beteiligten Akteuren untergliedert:

• Verkehrsunternehmen als Anbieter von Beförderungsleistungen,

• Betreiber von Freizeiteinrichtungen und die kommunalen Gebietskörperschaften als Anbieter

von Freizeitinfrastruktur und damit als Verkehrserzeuger.

7.1 Verkehrsunternehmen

Die Verkehrsunternehmen sind bezüglich der Information über bestehende Verkehrsangebote

zu Freizeitzielen die wichtigsten Akteure, da sie im direkten Kontakt mit den Verkehrsteilnehmern

stehen und im Regelfall bereits über Informations- und Kommunikationsstrukturen

verfügen.

Zahlreiche Verkehrsunternehmen, vornehmlich aus Naherholungsgebieten und touristisch

bedeutsamen Regionen, haben in den vergangenen Jahren ihre freizeitspezifischen Angebote,

in Abhängigkeit von ihren finanziellen Möglichkeiten, in unterschiedlicher Weise vermarktet.

Vereinzelt finden sich derartige Ansätze im Programm der im Kreis operierenden

Verkehrsunternehmen, jedoch außerhalb des Ennepe-Ruhr-Kreises (z. B. Wandertouren der

WSW). Nachfolgend werden Vorschläge zur Optimierung des Kommunikationsangebots unterbreitet,

wobei - wenn möglich - auf beispielhafte Umsetzungen in anderen Räumen hingewiesen

wird.

Öffentlichkeitsarbeit:

• Ausweisung thematischer Wanderwege: Als einfache Form der Öffentlichkeitsarbeit können

Verkehrsunternehmen thematische Spazier-/Wanderwege entlang von Buslinien oder

Schienenstrecken finanziell unterstützen und mit einem speziellen Hinweisschildertyp versehen

lassen (bspw. Bahnwanderweg Weinstraße; Pendolino-Wanderweg).

• Darstellung regionaler Sehenswürdigkeiten mit Streckennetzplan auf der Front-/ Rückseite:

Je nach Darstellungsart, Anzahl der Sehenswürdigkeiten und finanziellen Möglichkeiten

bietet es sich an, eine ausführliche Darstellung der Sehenswürdigkeiten mit dem

Streckennetzplan zu verknüpfen (bspw. Faltblatt über Städte Bayerns mit Hinweis auf das

sogenannte ‚Bayern-Ticket’).


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Abb. 7-1: Wandern und Bahnfahren (Titelblatt)

Abb. 7-2: Tourenbegleiter Moseltal

• Tourenbegleiter für ausgewählte Bus- und Bahnstrecken: In

den Fahrzeugen der SB-Linie 38, in Schienenverkehrsmitteln

sowie den Bahnhöfen der Bahnstrecke

Hagen - Witten könnten derartige Tourenbegleiter auf

Attraktionen und Sehenswürdigkeiten im Ruhrtal

aufmerksam machen. In Rheinland-Pfalz wurde ein

derartiger Ansatz auf der Moselbahnstrecke Koblenz-Trier

mit gutem Erfolg eingeführt.


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• Integration des öffentlichen Verkehrs in Freizeitkarten: Die vorhandenen Freizeitkarten wie

etwa die Karte „Märkische Straße Technischer Kulturdenkmäler“ setzt bei der Erreichbarkeit

ausschließlich auf den Pkw. Von generalisierten Darstellungen bis zu Freizeitkarten

auf Basis von Stadtplan-Grundkarten oder topographischen Karten existieren

zahlreiche Vorbilder für Formen der Berücksichtigung des öffentlichen Verkehrs. Den

umfassendsten Ansatz verfolgt die Umweltverbundkarte Erftkreis. In ihr werden alle

kreisweiten Mobilitätsangebote für den Freizeitverkehr mit dem Ziel zusammengeführt, die

Kombination von ÖV und Fahrrad bzw. ,Fuß’ zu vereinfachen. Neben den Linienwegen

stellt die Karte zahlreiche Freizeittipps sowie die Taktfolge der ÖV an Werktagen / Wochenenden

dar. Durch die enge Zusammenarbeit mit den Verkehrsunternehmen kann eine

Fahrplangarantie für die folgenden drei Jahre gewährt werden.

Werbung:

Im Gegensatz zur Öffentlichkeitsarbeit als kostengünstige Form der Verbreitung von Informationen

in Veröffentlichungen anderer oder mit anderen Partnern soll unter Werbung die

eigenständige Vermarktung von Angeboten gefasst werden.

• bedienungsgebietsbezogene regionale Folder: Mit umfassenden Informationen wie Fahrplan,

Fahrpreis, Fahrtzielen, Veranstaltungskalender für eine Sommersaison sowie mit

Ansprechpartnern, Öffnungszeiten und Angabe von Telefon-, Faxnummern und Internetadressen

dienen sie der unmittelbaren wie der weiteren Informationsbeschaffung (Regio-

Bus Hannover / Tourismus Hannover Region, Rheinland-Pfalz).

• linienbezogene Folder: Neben ausliegenden Veröffentlichungen des Kreises in öffentlichen

Verkehrsmitteln könnte die Initiative auch von den Verkehrsunternehmen ausgehen, die

speziell die mit dem Bus erreichbaren Sehenswürdigkeiten darstellen und sowohl auf die

Vorzüge öffentlicher Verkehrsmittel als auch auf Tourenvorschläge mit Angabe von

Verknüpfungs- und Umstiegshaltestellen sowie Anschlussverbindungen hinweisen (bspw.

„Der Mechernicher“ Bus der Kreisverkehrsgesellschaft Euskirchen).

• Sonstiges: Die „klassischen“ Werbeansätze, insbesondere die Präsenz mit Infomobil und

modernen Fahrzeugen bei größeren Veranstaltungen, werden bislang in akzeptabler Form

durchgeführt, könnten in Relation zu vergleichbaren Bemühungen der Automobilindustrie

allerdings optimiert und intensiviert werden.

Kombicards und Gratifikationen:

Als spezielle Informations- und Kommunikationsform können Gutscheine oder kombinierte

Angebote gelten. Sie erzielen mittels gemeinschaftlicher Vermarktung eine höhere Verbreitung,

sprechen potenzielle Zielgruppen eher an und geben ihnen das Gefühl, einen Ausgleich

für ihr umweltbewusstes, aber mit persönlichen Nachteilen verbundenes Verhalten gewährt

zu bekommen.

• Sponsoring (im engeren Sinne): Public-Private-Partnership von Freizeitdienstleistern mit

einem Verkehrsunternehmen in Form der Co-Finanzierung einer Buslinie oder eines Haltepunktes

in unmittelbarer Umgebung des Veranstaltungsgeländes; möglicherweise zusätzlich

in Verbindung mit einem Kombiticket. Neben dem Freizeitbad Herbede bieten sich

hierfür insbesondere die Objekte des Westfälischen Industriemuseums im Muttental an

(vgl. Kap.6-1). Vorbilder sind hier die Steffens Brauerei als Sponsor eines Haltepunktes

der Rhein-Sieg-Eisenbahn und das VRR-Kombi-Ticket der Warner Brothers Movie World.


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Abb. 7-3: Kombiticket des VRR Abb. 7-4: Gutschein des Sommer-Sonne-Freizeitbusses

• Sponsoring (im weiteren Sinne): Public-Private-Partnership von Verkehrsunternehmen mit

gastronomischen Einrichtungen, z. B. an der Glörtalsperre, oder den Ab-Hof-Vermarktern

in der Elfringhauser Schweiz. Die öffentlichen Verkehrsmittel transportieren zusätzliche

Besucher zu kommerziellen Freizeitzielen und werben für diese Einrichtungen in ihren

Werbemitteln; im Gegenzug gewähren die Freizeitdienstleister den neuen, keine Folgekosten

verursachenden Besuchern eine Gratifikation (bspw. Abreiß-Ermäßigungscoupons

für Busfahrgäste; nach Vorbild des Weser-Ems-Busses)

• Bus-Shuttle Verkehre zur Verknüpfung zweier, räumlich getrennt liegender Events:

Mit dem TaxiBus - Verkehr zwischen dem Muttental und dem Hohenstein wäre es denkbar,

einen komplementären Ansatz „Freizeit und Erholung im 19. Jahrhundert“ zu entwickeln

und zu vermarkten. Das Beispiel des Kulturexpress´ vom Karlsruher Zentrum für

Kunst und Medientechnologie zum Straßburger Musée d’ Art et Contemporain ist zwar in

der Größenordnung kaum mit dem TaxiBus-Verkehr einer Kleinstadt vergleichbar, dennoch

bietet die Idee grundsätzlich Übertragungsmöglichkeiten. Das Beispiel sollte anregen,

zukünftig verstärkt auf bi- oder multipolare Events zu setzen, die mit öffentlichen

Verkehrsmitteln ange- und verbunden werden.

• kombinierte Vermarktung öffentlicher Kulturangebote: Kombiticket (EN-Card) für öffentliche

Verkehrsmittel einschließlich Tourenvorschläge und kostenlosem bzw. ermäßigtem Eintritt

in ausgewählten Museen, Theatern und Erlebnisangeboten als Verkaufsförderung im

weiteren Sinne (Vorbilder RuhrCard, „Stuttcart“).

• Hinweise auf attraktive Tarife im Freizeitverkehr, z.B. mit dem Ticket 2000 darf jetzt am

Wochenende und nach 19 Uhr gefahren werden darf.


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7.2 ANBIETER VON FREIZEITINFRASTRUKTUR

Für die Anbieter von Freizeitinfrastruktur ist die gute Erreichbarkeit eine wichtige Voraussetzung

für die Nutzung und damit den Erfolg der Einrichtungen oder Gebiete. Sind auch die

Zielsetzungen von kommerzialisierten Anbietern wie Gastronomiebetrieben oder Dirketvermarktungshöfen

und den kommunalen Gebietskörperschaften unterschiedlich, so besteht jedoch

für alle Seiten ein Interesse an der Information ihrer Besucher über die Erreichbarkeitsangebote.

Im Folgenden sollen Ansätze dazu für die in der Bestandsanalyse untersuchten

Medien dargestellt werden.

Internetangebote:

Die festgestellten Defizite in den Internetangeboten des Kreises bzw. der Kommunen als

auch bei den privaten Anbietern von Freizeitinfrastruktur bezüglich der Information über deren

(ÖV-) Erreichbarkeit können mit relativ einfachen Mitteln behoben werden.

Bei allen Internet-Informationen, die sich auf konkrete Freizeitziele beziehen, sollten die

Möglichkeiten, diese mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, dargestellt werden. Dies

kann auf zweierlei Arten geschehen:

• Links zur Fahrplanauskunft des VRR

Dieser Hinweis garantiert eine aktuelle und umfassende Erreichbarkeitsinformation. Notwendig

ist jedoch die Kenntnis der Zielhaltestelle im Gebiet und die Eingabe der Informationen

durch den Benutzer.

• Direkte Darstellung der Anfahrtsmöglichkeiten zum Freizeitziel als Textform

Dieser Hinweis ist benutzerfreundlicher, da er die Erreichbarkeitsinformation unmittelbar

darstellt, erfordert jedoch eine regelmäßige Aktualisierung. Zudem müssen die Anreiseinformationen

generalisieren und bieten dem Benutzer damit im Regelfall nicht die Information

von „Tür zu Tür“.

Bei regelmäßig gewarteten Internetangeboten ist daher eine Kombination der Informationen

zu empfehlen. So haben einige Gemeinden unter der Rubrik „Verkehr“ bereits Links zur

Fahrplanauskunft eingerichtet, so dass lediglich eine Kombination mit dem Bereich „Freizeit“

über entsprechende Hinweise bei der Darstellung der Freizeitziele erfolgen muss.

Neben der reinen Serviceleistung für die Kunden bzw. Besucher – bezogen auf die Anreise

zum Freizeitziel – wird mit solchen Anfahrtshinweisen auch Imagearbeit für eine umweltbewusste

Naherholung geleistet; dies dürfte sowohl im Interesse der Gemeinden, als auch der

Betreiber naturbezogener Freizeiteinrichtungen liegen.

Printmedien:

Hier gelten ähnliche Anforderungen wie für die Internet-Angebote: Bei allen Darstellungen der

Freizeitziele sollte ein Hinweis auf die Anreise mit dem ÖPNV integriert werden. Dies sollte

sowohl für öffentliche als auch private Informationen gelten.

So könnten z.B. die Broschüren des Kreisverkehrsverbandes mit Informationen des VRR

versehen werden oder Wanderführer des SGV Routenvorschläge entwickeln, die ihre Anfangs-

und Endpunkte an Knotenpunkten des Öffentlichen Verkehrsnetzes haben. Beispiele

für eine solche Verknüpfung von Informationen finden sich in speziellen Freizeitkarten oder in

der Broschüre „Wandern und Wundern“ des VRR. Auch die privaten Freizeiteinrichtungen


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sollten auf ihren Flyern und in ihren Werbebroschüren auf die Möglichkeiten der Anreise mit

dem öffentlichen Verkehr hinweisen.

Aufgrund der längeren Nutzungsdauer der Medien mit entsprechend geringerer Aktualisierungsfolge

sollten sich die Hinweise dabei auf generelle Informationen, wie z.B. Haltestellen,

Liniennummern beschränken.

Konkrete Handlungsvorschläge für den Ennepe-Ruhr-Kreis:

Da die Interessenlagen von privaten und öffentlichen Freizeitanbietern bezüglich der öffentlichen

Verkehrsangebote ähnlich sind, bieten sich Möglichkeiten der Kooperation bei den

Informations- und Kommunikationsinstrumenten. Im Sinne einer Kooperation sollten die verschiedenen

Freizeitangebote des EN-Kreises einheitlich und aufeinander abgestimmt präsentiert

werden. Dabei kommt dem EN-Kreis und seinen für die Außendarstellung zuständigen

Einrichtungen (EN-Agentur, Arbeitskreis Tourismus) eine Koordinierungsfunktion zu.

Virtuelle Freizeitkarte als Informationsinstrument

Ein attraktives Angebot, dass das Freizeitangebot des Kreises mit Erreichbarkeits- Informationen

verbindet, ist z.B. eine Fahrplan-Freizeitkarte nach Vorbild des Erftkreises bzw. des

Rheinisch-Bergischen Kreises. Auf Basis einer topographischen Karte werden die ÖV-Linien

des Wochenendverkehrs mit Takt und der letzten täglichen Abfahrt der Haltestellen dargestellt;

gleichzeitig werden Informationen über Wander- und Radwege mit Sehenswürdigkeiten

und Serviceeinrichtungen der Region vermittelt.

Abb. 7-5: Kartenausschnitt Umweltverbundkarte Erftkreis


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In einer solchen Darstellung könnten Angebote der öffentlichen und privaten Freizeitanbieter

im EN Kreis gesammelt und die im Konzept dargestellten Erreichbarkeitsangebote mit öffentlichen

Verkehrsmitteln präsentiert werden. Grundlage hierfür könnte die sich in der Erarbeitungsphase

befindliche Freizeitkarte (Wander- und Radwanderstrecken) der EN-Agentur

sein.

Als Internet-Seite könnten auf einer solchen Karte die Umweltverbund-Informationen noch

weiter ausgebaut werden, indem alle Fahrplan- und sonstigen freizeitrelevanten Informationen

per Mausklick auf eine Haltestelle oder ein Freizeitziel abrufbar werden. Auf der im Aufbau

befindlichen Seite „en-mobil.de“ könnte z.B. eine solche virtuelle Freizeitkarte eingerichtet

werden, auf der sich relevanten Freizeit- und Erreichbarkeitsinformationen benutzerfreundlich

abrufen lassen.

Kommunikationsinstrumente als Imagewerbung

Um neben der Information über die Nutzungsmöglichkeiten des ÖPNV auch allgemein für ein

umweltbewusstes Verkehrsverhalten in der Freizeit zu werben, sollten mit den Betreibern von

Freizeiteinrichtungen die Möglichkeiten der Einflussnahme auf das Verkehrsverhalten der

Gäste erörtert und erprobt werden.

Mit diesem Ziel könnte den Freizeitanbietern und Gastronomen vom Kreis eine standortbezogene

Erreichbarkeitskarte zur Verfügung gestellt werden, die in einem einheitlichen Design

über die An- und Abreise mit dem ÖPNV informiert und in den jeweiligen Räumlichkeiten

(z. B. Gastraum) angebracht wird. Insbesondere für die zahlreichen Gastronomiebetriebe in

der Elfringhauser Schweiz könnten so die Vorteile des öffentlichen Verkehrs (Alkoholkonsum

der Gäste, Angebot für nicht automobile Menschen) transportiert werden.

In den Werbebroschüren einzelner Freizeitanbieter sollten Anzeigen der örtlichen Verkehrsunternehmen

geschaltet werden, damit für die Interessenten der Freizeitangebote

gleichzeitig die Angebote des öffentlichen Verkehrs zu diesen Zielen bewusst gemacht werden.

Es muss deutlich werden, dass das Interesse am Kunden sowohl auf Seiten der Freizeitanbieter

als auch bei den Verkehrsunternehmen besteht.

7.3 Ganzheitliche Ansätze

Stellen die bislang dargestellten informations- und kommunikationsbezogenen Maßnahmen

isoliert umsetzbare Ansätze dar, welche lokal geringe Veränderungen im Nachfrageverhalten

bewirken, so zielen die im Folgenden erläuterten ganzheitlichen Ansätze auf die bewusste

Wahrnehmung von Freizeit und Erholung in einer Region ab. Verkehrsunternehmen als integrale

Bestandteile sollten hierbei eine entscheidende Rolle spielen und sich aktiv einbringen.

Sinnvoll ist oftmals die abgestimmte Kooperation zwischen den Verkehrsunternehmen

und den weiteren Beteiligten, da so Angebote für den Nutzer geschaffen werden können, die

sowohl den Verkehrsunternehmen in Form von steigenden Fahrgastzahlen als auch den

Freizeitanbietern durch Besucherzuwachs sowie dem Kreis und seinen Gemeinden in Form

eines Imagegewinns zu Gute kommen.

Die im Bericht dargestellten Vorschläge für die verschiedenen Teilgebiete des Ennepe-Ruhr-

Kreises sollten folglich mit einer gezielten, abgestimmten Aktion im Sinne eines „Paukenschlags“

eingeführt und kontinuierlich fortgeführt werden. Ein Freizeitbusverkehr Ennepe-

Ruhr-Kreis nach dem Vorbild Freudenstadt sollte folgende Qualitäten umfassen: eigenes


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Logo, Freizeitpass, ortsbezogene Hinweise, sportartbezogene Vorschläge. Als ein mögliches

Motto kann z. B. „Mit dem Freizeitbus kommen Sie zu 1001 Freizeitangeboten“ agiert werden.

Abb. 7-6: Titel- und Rückseite des Fahrplanbuchs Freudenstadt

Abb. 7-7: Liniennetz Freizeitbus Freudenstadt


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Um eine möglichst hohe Auslastung der neuen Netzangebote zu erzielen, sollten sich alle

angeführten Kommunikationsansätze an unterschiedliche Zielgruppen richten (in alphabetischer

Reihenfolge). Die Erläuterungen sind als Vorschläge zu verstehen, wie den Bedürfnissen

dieser Zielgruppen entsprochen werden kann.:

• Ausflügler: Elfringhauser Schweiz-Komplettangebote, betitelt „Bauernlust“ oder ähnlich, als

Busfahrt mit ‚Sahnehäubchen‘

• Badegäste: kostenlose Anbindung des Badestrands der Glörtalsperre ab Bushaltestelle mit

Elektro-Kleinfahrzeugen von Mitte Juni bis Anfang August; zusätzlich Bedarfsangebot als

Schönwetterverkehr von Ende Mai - Mitte September

• Freizeitinteressierte ohne Schwerpunktinteresse: Freizeitbuslinie SB 38 im Ruhrtal

• Nachtmenschen: Discobusse / Nachtverkehre in verschiedenen Regionen

• Radler: Radlerbusverkehre im Ruhrtal

• Skifahrer: Transport zu Langlaufloipen

• Spaziergänger: kurze Routen der Industriekultur mit gastronomischen Rastmöglichkeiten

• Städtetouristen: Hattingen-Card

• Wanderer: sog. Umweltverbundführer mit Karte und Wandervorschlägen zum Selbstkostenpreis;

Wandernadel „Elbschetaldurchquerer“

• „last but not least” alle Menschen einer Region: Mobilitätszentrale EN als Beratungsstelle

für autofreie Mobilität im Kreis

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die vorhandenen Informations- und Kommunikationsinstrumente

eine gute Ausgangsbasis für eine ganzheitliche Vermarktung von Freizeit und

Freizeitverkehr im Kreisgebiet bilden, aber aufgrund der Erfahrungen in anderen Regionen

bzw. anderer Verkehrsunternehmen weiterentwickelt werden müssten, um neue Fahrgastpotenziale

zu aktivieren und damit das finanzielle Risiko bei der Umsetzung neuer Ansätze

gering zu halten.


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7.4 HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN ZUR UMSETZUNG

Um die Vorschläge und Ideen bezüglich der Informations- und Kommunikationsinstrumente

konkret umsetzen zu können, ergeben sich für den Kreis und seinen Institutionen als koordinierende

Stelle aller freizeitbezogener Marketingaktivitäten folgende Handlungsempfehlungen:

• Etat einrichten, um Einsatz der Informationsmedien/Vermarktung sicherzustellen

Als finanzielle Absicherung der Marketingaktivitäten sollten der Kreis und seine beteiligten

Einrichtungen einen eigenen Etatposten einrichten, aus dem Freizeit- und freizeitverkehrsbezogene

Marketingaktivitäten (mit-)finanziert werden. Die Mittel sollten als Anschubfinanzierung

für die o.g. Aktivitäten dienen.

• Zusammenarbeit mit EN-Agentur, AK Tourismus

Wie in den Ausführungen bereits ersichtlich, sind für eine erfolgreiche Informations- und

Kommunikationsstrategie verschiedene Akteure zu berücksichtigen, daher ist eine koordinierende

Stelle für gemeinsame Marketingaktivitäten unabdingbar. Im Ennepe-Ruhr-Kreis

bietet sich dafür die EN-Agentur an, die ohnehin bereits vielfältige Anstrengungen bezüglich

der Öffentlichkeitsarbeit im Freizeitbereich wahrnimmt. Hier sollte zunächst eine

Abstimmungs- und Koordinationsrunde auf Basis des Arbeitskreises Tourismus eingerichtet

werden, die neben den Freizeitanbietern auch die Verkehrsunternehmen einbezieht

und als Plattform für gemeinsame Aktionen dient.

• Einbringen der ÖV-Mobilitätsangebote in kommunale Marketing- und Informationsaktivitäten

Inhaltlich sollten die bestehenden und neu eingeführten Angebote des öffentlichen Freizeitverkehrs

in bestehende Marketing- und Informationsinstrumente einbezogen werden.

Die Anregungen bezüglich der Internet- Angebote und Printmedien seien noch einmal als

Beispiel genannt. Damit können bestehende Ressourcen genutzt und gleichzeitig kann

dadurch Imagearbeit für den öffentlichen Verkehr allgemein geleistet werden.