24. Sonntag im Jahr – B - St. Jakobus Versbach

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24. Sonntag im Jahr – B - St. Jakobus Versbach

24. Sonntag im Jahr – B – 13.09.2009

Mk 8, 34 – 35

Jesus rief die Volksmenge und seine Jünger zu sich und sagte: Wer mein Jünger sein will,

der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein

Leben retten will, wird es verlieren; wer sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums

willen verliert, wird es retten.

Liebe Hausgemeinde!

„Ich will alles, ich will alles, und zwar sofort!“ Es gab mal einen Schlager, der diesen

dringenden Wunsch in die Welt hinaus gerufen hat. Ob der Satz ernst gemeint war – da habe

ich meine Zweifel. Die Lebenshaltung, die dahinter steckt, ist jedoch weit verbreitet.

Der moderne Mensch lebt in einer gewissen Anspruchs-Mentalität. Wir haben Ansprüche an

das Leben und kennen die Erwartungen, die an uns gerichtet werden. Wir kennen auch unsere

Rechte und haben Möglichkeiten, diese durchzusetzen. Wer aus eigener Kraft seinen

Lebensunterhalt nicht sichern kann, der hat Anspruch auf staatliche Hilfe und das ist gut so,

selbst wenn es bisweilen auch Faulenzer geben mag, die sich in der sozialen Hängematte

ausruhen wollen. In uns allen steckt das Grundgefühl: Es soll mir gut gehen. Ich will

glücklich werden. Das Leben soll mir Leid, Elend und Katastrophen ersparen. Ich habe den

Anspruch, dass mein Leben gut geht und gelingt.

Da schießt die Bibel nun quer: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme

sein Kreuz auf sich und folge mir nach!“ Dem modernen Zeitgenossen passt dieser Satz nicht.

Kein Wunder: Er ist ja auch oft missbraucht worden! Oft ist dieser Satz so gepredigt worden:

Du sollst dich selbst für wertlos halten, dich selbst schlecht machen, dich unterordnen und

sich ausnutzen lassen. „Selbstverleugnung“ – damit verbinden viele das Gefühl von Lebensfeindlichkeit,

Lustfeindlichkeit, ständige Leidensmine, Weltverneinung, Miesepetrigkeit, das

Leben eines Asketen. Kein gesunder, selbstbewusster, vitaler Mensch mit klarem Kopf und

heißem Herzen hat darauf Lust.

Sagt dieser Satz von der Selbstverleugnung und dem Kreuztragen auch einem lebensfrohen

und liebevollen Menschen etwas? Wenn ein Mensch wirklich glücklich werden will, muss er

auch manche Absage an das Leben erteilen! Der Mensch wird nicht froh durch eine Ellenbogenmentalität.

Er muss der Versuchung und der Sucht widerstehen, sich stets und ständig in

den Vordergrund zu spielen, überlegen zu sein und den anderen etwas vormachen zu müssen.

Wer sich zurücknehmen kann und den anderen zu seinem Recht kommen lässt, ist selber der

Gewinner. Denn wenn es nicht mehr um Gerechtigkeit geht, sondern nur noch um den

eigenen Vorteil, wenn es nicht mehr um den Frieden geht, sondern um den Sieg über andere,

wenn es nicht mehr um die Glaubwürdigkeit und die Wahrhaftigkeit unter uns Menschen

geht, sondern darum, „gut da zu stehen“ und den eigenen Glanz zu pflegen – da verlieren alle,

auch die angeblichen Gewinner!

Der Mensch lebt leichter, wenn er nicht der Sucht erliegt, sich mit anderen vergleichen zu

müssen: Schöner, besser, reicher, beliebter als der andere sein zu müssen. Eine solche

verkehrte Einstellung „das Leben zu gewinnen“ strengt an und macht uns kaputt, weil wir

stets und ständig die eigenen Probleme zudecken und die eigenen Schwächen kaschieren

müssen. Hinter jeder Sucht steckt das verzweifelte Bemühen, die eigenen Schwächen und

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Hinfälligkeiten zu verstecken, sein eigenes Kreuz abzulehnen und das nicht wahrhaben zu

wollen, was nicht toll und bewundernswert an uns ist. Wir wollen oder können uns nicht so

lieben, wie wir sind.

„Sich selbst verleugnen“ heißt, aus diesen zerstörerischen Lebenseinstellungen auszusteigen,

diese Zwänge nicht mitzuspielen, die uns zerstören, weil wir uns so nur verrückt machen, aber

keine Probleme lösen, sondern ständig neue produzieren. „Sein Kreuz tragen“ heißt dann:

Mensch, sei dir gut, auch wenn du nicht obenauf und der strahlende Sieger bist. Mach das

Getue dieser Welt nicht mit, das dir vorgegaukelt: „Hast du was, bist du was.“ Nicht das

„Haben-Müssen“ macht den Menschen zum Menschen, sondern das Sein, das Mensch-Sein.

Die zwanghafte Frage ans Leben: Was habe ich davon? Was kriege ich dafür? – das macht

den Menschen unfrei. Diese Lebenseinstellung zerstört und führt zum Kampf aller gegen alle.

Den Dingen des Lebens in Freiheit und ohne Angst begegnen, eine freie, liebevolle

Persönlichkeit zu sein, gut zu sich selber und zu den anderen zu sein, seinen eigenen Platz

ausfüllen und jedem anderen seinen Teil am Leben zu gönnen, das ist echtes Mensch-Sein.

Auf diese Lebenseinstellung kommt es Jesus an! Wer so lebt, muss natürlich damit rechnen,

dass er ausgelacht, verspottet oder für dumm gehalten wird. Dieses Kreuz muss er auf sich

nehmen!

Es gibt kein Leben ohne Kreuz! Aber dieses Kreuz hat nichts Lebensfeindliches an sich, ist

keine krankhafte Selbstquälerei, sondern es gibt dem Menschen die Möglichkeit, sich aus

Zwängen zu befreien, zu sich selber zu finden und so das Leben zu gewinnen.

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