3. Sonntag im Jahr – B – 25.01.2009 Mk 1, 14 - St. Jakobus Versbach

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3. Sonntag im Jahr – B – 25.01.2009 Mk 1, 14 - St. Jakobus Versbach

3. Sonntag im Jahr – B – 25.01.2009

Mk 1, 14 – 15

Nachdem man Johannes den Täufer ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach

Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich

Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!

Liebe Schwestern und Brüder!

Ich traf einen Bekannten, den ich jahrelang nicht mehr gesehen hatte. Natürlich gab es einiges

zu erzählen. „Wie geht’s?“ hatte ich ihn gefragt. „Prima!“ sagte er und erzählte von seiner

Familie, seiner Arbeit, die mit großer Verantwortung verbunden war, von seinen Hobbys, die

ihm Freude machen und von Alltäglichkeiten, die er zu bewältigen hatte. „Das Beste in

meinem Leben ist die Tatsache, dass ich jeden Morgen weiß, warum ich aufstehe und jeden

Abend weiß, warum ich müde bin. Meine Zeit ist ausgefüllt und darüber bin ich froh.“ Da hat

der Mann auch allen Grund dazu!

Der Mensch hält Leerlauf und Sinnlosigkeit auf Dauer nur schwer aus – oder gar nicht.

Wer einfach keine Arbeit findet, obwohl er ernsthaft danach sucht, der ist mit dem Gefühl

konfrontiert, nutzlos oder überflüssig zu sein. Ein gesunder Mensch will etwas leisten, auf das

er stolz sein kann und einen Tagesablauf haben, der ihn fordert, um sich beweisen zu können.

„Müßiggang ist aller Laster Anfang“ sagt das Sprichwort. Wer viel zu viel Zeit hat – wie etwa

in der Haft – oder weil er lange krank ist – Zeit, in der viel zu wenig Sinnvolles geschieht, der

verdirbt sich selber den Geschmack am Leben. Vielleicht mag es einige Berufsfaulenzer

geben, die so etwas ganz gut finden, aber im Allgemeinen gilt: Wo kein echter Sinn und keine

gesunde Erfüllung stattfindet, da machen sich kaputte und krankhafte Dinge breit: Drogen,

Gewalt, Betrug – oder Krankheit. Der Mensch steht immer vor seiner großen Lebenspflicht:

Lebe so, dass deine Zeit ausgefüllt ist und dein Leben einen echten Inhalt hat!

Und wo findet man diesen Inhalt? In erster Linie in sich selber! Der Mensch spürt, was er

spürt, und wenn er zu sich selber ehrlich ist, zeigt ihm sein tiefstes Empfinden und sein

Gewissen, was für ihn gut ist und was nicht. Der Mensch hat den Himmel in sich selber –

die Hölle aber auch! „Das Reich Gottes ist in euch“ sagt Jesus. Das Leben ist so einzigartig,

jeder Tag ist einmalig und unwiederholbar und das eigene Leben ist für jeden Menschen das

Wichtigste, was es gibt. Wer mit sich selber ehrfürchtig umgeht, der verehrt genau dadurch

seinen Gott, den Schöpfer dieses Lebens. Religion ist die Achtung der eigenen Persönlichkeit

und die Erfüllung des eigenen Lebens. Nur wer sich selber gut ist, der ist auch in der Lage,

den anderen Menschen voller Wertschätzung und Mitgefühl zu begegnen. Gott ist in uns

selber und in den Menschen, die mit uns leben. Religion ist keine unbeweisbare Theorie,

sondern ein stimmiges Gespür für mich selber und für die anderen. Ausgefüllte Zeit und

ehrliche Menschlichkeit bilden die Grundlage für ein sinnvolles Leben und einen glaubwürdigen

Glauben. Ich weiß, das sagt sich alles so leicht und ist auch alles so selbstverständlich

–und zugleich so schwer und bisweilen fast unmöglich!

Wir leben nicht im Paradies. Die Welt ist so voller Probleme. Wir Menschen haben oft genug

so große Kämpfe mit uns selber, unseren dunklen Seiten, unseren seelischen Verletzungen,

unserer Schwachheit und unserer Schuld. Dazu kommt: „Es kann der Frömmste nicht im

Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ Wir haben unsere Kämpfe und

Probleme miteinander mit all dem Leid, das Menschen sich gegenseitig zufügen. Selbst


Menschen, die sich lieben, tun sich gegenseitig weh. Wir dürfen die Probleme nicht einfach

nur so treiben lassen, denn dadurch werden sie nur noch schlimmer. Wir müssen unsere

eigene Selbsterziehung hin auf das Gute sehr ernst nehmen. Der Mensch, der sich seelisch

verwildern und verrohen lässt, macht sich selber unglücklich und die anderen dazu.

„Kehrt um!“ Das ist keine billige moralische Floskel, sondern Aufruf zu harter Arbeit an sich

selber: „Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu.“ Jeder von uns

weiß, dass er dagegen schon oft sich versündigt hat. Die Welt gerät aus den Fugen, wenn der

Glaube an das Gute fallengelassen wird, denn an diese Stelle tritt dann immer das Recht des

Stärkeren und das führt zuletzt zum Kampf „Alle gegen Alle“.

„Glaubt an das Evangelium!“ Auch das ist keine billige fromme Floskel, sondern das tapfere

Bemühen, dem Guten, der Liebe, eine Chance zu geben. Da hab ich neulich jemand gefragt,

was die drei tätowierten Punkte auf seiner Hand bedeuten. „Nichts sehen, nichts hören, nichts

sagen“ gab er zur Antwort. „Falsch“ hab ich ihm gesagt: „Das Gute sehen, das Gute hören,

das Gute tun.“ Nichts als fromme Worte ohne Inhalt, ein Muster ohne Wert? Nun – ob es uns

passt oder nicht – wir haben es als Menschheit selber in der Hand, was aus unserem Leben

und unserer Welt wird. Ob unsere Lebenszeit sich lohnt, ob wir bei uns selber zuhause sind,

ob wir unsere Selbsterziehung zum Guten ernst nehmen und dem Guten mehr Kraft zutrauen

als der Gewalt und dem Bösen, all diese Fragen entscheiden über den Sinn unseres Lebens

und die Zukunft unserer Welt.

Die Worte Jesu sind zeitlos gültig: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist in euch. Kehrt

um, hin zu euch selber. Glaubt an das Gute, an die Frohe Botschaft, an das Evangelium.“

Wir leben leichter, wenn wir nach diesen Lebenszielen uns ausrichten. Wir leben erfüllter,

wenn wir diesen Lebenssinn in die Tat umsetzen.

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