18. Sonntag im Jahr A 2008 - St. Jakobus Versbach

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18. Sonntag im Jahr A 2008 - St. Jakobus Versbach

18. Sonntag im Jahr – A – 03.08.2008

Mt 14, 13 – 21

In jener Zeit, als Jesus hörte, dass Johannes enthauptet worden war, fuhr er mit dem Boot

in eine einsame Gegend, um allein zu sein. Aber die Leute in den Städten hörten davon

und gingen ihm zu Fuß nach. Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid

mit ihnen und heilte die Kranken, die bei ihnen waren. Als es Abend wurde, kamen die

Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen, und es ist schon spät geworden. Schick

doch die Menschen weg, damit sie in ihre Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen

können. Jesus antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen! Sie

sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische bei uns. Darauf antwortete er:

Bringt sie her! Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen. Und er nahm die

fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die

Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten, und alle aßen und

wurden satt. Als die Jünger die übrig gebliebenen Brotstücke einsammelten, wurden zwölf

Körbe voll. Es waren etwas fünftausend Männer, die an dem Mahl teilnahmen, dazu noch

Frauen und Kinder.

Liebe Schwestern und Brüder!

Bei einer Reise nach Peking habe ich den Winterpalast der chinesischen Kaiser vor den Toren

der Stadt besucht. Wir kamen zufällig dazu, wie ein Film gedreht wurde vor dieser beeindruck-

enden Kulisse. Der Kaiser saß in seinem prächtigen gelben Gewand auf dem Thron, vom

Hofstaat umgeben. Ein Bote kam in die Szene, um eine Nachricht zu überbringen, die

offenbar alle bewegte. Ich habe den Inhalt nicht verstanden, aber die Handlung begriffen. Die

Kameras der Touristen klickten, es gab reichlich Erinnerungsfotos von diesem Blick in eine

längst vergangene Zeit. Wir mussten weiter. Die Führung blieb nicht beim Film stehen. Als

wir nach mehr als einer Stunde zurückkamen, war Drehpause für die Schauspieler und

Kameraleute. Der „Kaiser“ saß in seinem prächtigen Gewand auf einem Holzschemel in der

Ecke, eine Pappschachtel auf den Knien, aß er mit den Fingern sein Fast-Food. Was für eine

Szene! Auch da klickten die Kameras: es gab reichlich Fotos aus der Gegenwart.

„Brot und Spiele“ kam mir in den Sinn. Mit dieser Politik „Brot und Spiele“ stellten die

römischen Diktatoren im untergehenden Römerreich die Leute ruhig. Wer satt ist und eine

Unterhaltung hat, der neigt nicht dazu, sich aufzulehnen und einen Umsturz der politischen

Verhältnisse zu erzwingen. Gutes Essen und gute Unterhaltung – was braucht der Mensch

mehr?! –

Mir scheint, dass auch in einer Demokratie diese beiden Inhalte eine wesentliche Rolle

spielen. Wenn der Mensch sein Einkommen hat – ob mit Arbeit oder ohne – wenn er seinen

Fernseher, sein Internet, seine Sportschau, seinen Stammtisch oder sonstige Zerstreuung hat –

was braucht er mehr?! Es gab und gibt immer wieder Menschen, die sind mit „Brot und

Spielen“ zufrieden im Leben. Die Frage ist, ob diese Rechnung der römischen Diktatoren

wirklich aufgeht und auf Dauer gut geht. Der gespielte chinesische Kaiser samt Hofstaat,

der sich nachher aus der Pappschachtel den Magen vollhaut – das ist kein Leben, das den

Menschen ausfüllt.

Das Motto des heutigen Evangeliums hat andere Inhalte! Nicht „Brot und Spiele“ sondern

Wort und Brot – und zwar genau in dieser Reihenfolge! Die Menschen folgen Jesus hinaus in

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die Wüste, um sein Wort zu hören und in ihren Lebensproblemen ernst genommen zu werden.

Es wird ihnen kein Theater vorgespielt, bei dem sie schnell merken: Wir sind hier im falschen

Film! Die Steppe, die Wüste, ist kein Ort der Zerstreuung und Unterhaltung. Da fällt alles

Äußere weg, was den Menschen von sich selber ablenkt. Jesus führt die Menschen zu sich

selbst.

Viele kaputte Zustände kommen daher, dass es der Mensch mit sich selber nicht aushält. Wer

dauernd Unterhaltung und Zerstreuung braucht, ist vor sich selber auf der Flucht. Und Flucht

ist kein Leben, sondern eine Krankheit. Offensichtlich hat Jesus den Menschen etwas zu

sagen, sonst würden sie nicht kommen und zuhören. Einander zuhören und miteinander reden,

hat eine heilsame Wirkung. Unterhaltung, die als Zerstreuung und Zeitvertreib nur konsumiert

wird, macht auf Dauer nur krank. Wenn der Mensch nicht sagen kann oder nicht sagen darf,

was ihn zutiefst beschäftigt, weil es keiner wissen will oder es niemand hören darf, das macht

den Menschen krank. Eine Fernsehkonsumgesellschaft, die in Chat-Rooms im Internet alle

Perversitäten ausbreitet und sich gegenseitig bis zum Erbrechen nur voll lügt, wird immer

mehr krank. Reden-Können und Zuhören-Dürfen sind lebensnotwendige Tugenden. Wer den

Menschen zu sich selber führen kann, ihm die Kraft gibt, sich auszusprechen und die

Fähigkeit hat, mit ganzem Herzen zuzuhören, der leistet mehr als einer, der in Talk-Shows

peinliche Dummheiten breittritt oder in Krimis die Abartigkeiten des Lebens als geistiges

Schweinefutter auf den Tisch kippt. Eine gesunde Hausmannskost ernährt den Menschen

gesund. Das tägliche Brot ist ein Bild für ein geregeltes Leben. Es muss nicht viel sein, was

der Mensch hat. Es muss ehrlich sein und stimmig. Wer als gesunder Mensch eine ehrliche

Arbeit jeden Tag leistet, nur das Geld ausgibt, das er selber verdient hat, auf dem Teppich

bleibt und treu ist, der hat die besten Voraussetzungen dafür, dass sein Leben gelingt.

Sicher, es gibt Menschen, die zu wenig haben und zu wenig aus eigener Kraft erreichen, die

Hilfe brauchen und in Not sind. Wir dürfen solche Menschen nicht wegschicken. „Gebt ihr

ihnen zu essen!“ sagt Jesus. Grundsätzlich ist es aber sinnvoll, einem Menschen nur zu helfen,

wenn er um Hilfe bittet und ihm nur dann einen Rat zu geben, wenn er um Rat fragt. Hilfe hat

nichts mit Machtausübung zu tun und darf nicht zur Abhängigkeit zwischen Helfer und

Armen führen.

Die Bibel drückt das sehr fein aus: Alle teilen miteinander. Es ist ein Geben und Nehmen.

Niemand wird gedemütigt, weil er Hilfe braucht und niemand kommt groß heraus, weil er

Hilfe gibt. Die Kunst des Helfens besteht darin, dem anderen zu geben, was er wirklich

braucht, nicht das, was ihm nur schadet. Wer einem Drogenabhängigen oder einem

Alkoholiker Geld gibt, hilft ihm nicht, sondern finanziert seine Sucht. Wer Kindern nur einen

Fernseher ins Kinderzimmer stellt, damit sie Ruhe geben, der ihnen nicht hilft, dass sie fleißig

lernen und ordentlich arbeiten, der hält sie dumm, macht sie anfällig für schädlichen Zeitvertreib

und letztlich lebensuntauglich. Was den Menschen nicht fordert, das fördert ihn nicht.

Hilfe zur Selbsthilfe kostet Kraft, gibt aber auch Kraft und bringt Nutzen.

Die Bilder der Bibel sind tiefsinnig und wahr: Wort und Brot, Sinn und Lebensinhalt, Nahrung

für Geist und Körper, Lebensmittel und Lebensziel – alle diese Komponenten zusammen

ergeben ein stimmiges Ganzes. Ein chinesischer Kaiser, der aus der Pappschachtel sein Fast-

Food isst, das gibt keinen stimmigen Lebensinhalt. Aber ein Mensch, der was zu sagen hat,

weil er auch zuhören kann, der sein tägliches Brot selber ehrlich verdient und deshalb auch

großzügig sein kann, ein Mensch, der die Wüste nicht scheut und es bei sich selber aushält,

der aber auch in der Gemeinschaft sich einbringt und geben und nehmen kann – das ist das

Bild , von dem die Bibel spricht. Jeder denkende Mensch weiß und spürt, dass dieses Bild uns

eine gute Richtung zeigt und gesunde Zustände bringt.

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