Predigt zu Kiliani / Kirchweih / Ewige Anbetung in St. Josef 8. 7 ...

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Predigt zu Kiliani / Kirchweih / Ewige Anbetung in St. Josef 8. 7 ...

Predigt zu Kiliani / Kirchweih / Ewige Anbetung in St. Josef

8. 7. 2012

Liebe Schwestern und Brüder,

am Mittwochabend war ich als „Frankenapostel“ gefragt. Es war schon nach 21 Uhr –

schellte es an meiner Haustür. Ein junger Mann, ca. 30 Jahre, und sein Vater wollten mit

mir sprechen. Ich setzte mich mit ihnen auf das Rondell unter der Linde am Kirchplatz. Ich

kannte beide nicht. Sie gehören nicht zu unserer Pfarrei. Aber das war mir in dem Fall

egal.

Sie hatten viele Fragen zum Thema Glauben. Bald war mir klar, was da abläuft: Der Sohn

sucht verzweifelt nach einem Halt. Es muss doch etwas Positives im Leben geben! Werte

gerade im Umgang von Mann und Frau sind doch wichtig. Welchen Sinn hat mein Leben?

Es muss doch einen Gott geben! Er möchte an ihn glauben. Und der Vater versuchte es

ihm auszureden. „Das ist alles Quatsch. Und jede Religion sagt was Anderes; und die

Kirche erzählt uns alte Geschichten, die niemand beweisen kann.“ Offensichtlich hatten

die beiden vorher und schon öfter diskutiert, und irgendwann bestand der Junge darauf:

Wir gehen zu einem Pfarrer. Ich will es wissen! Es war ein langes, bewegtes Gespräch.

Sie wollten, dass ich Du zu ihnen sage. Die Uhr hatte längst Zehn geschlagen, es wurde

langsam dunkel, als wir uns trennten.

Der Junge fragte sehr direkt: Wer ist Jesus? Wie ist das mit Jesus? Er hatte sich vorher

schon bei anderen Glaubensrichtungen informiert. Es war rührend, wie ehrlich er fragte,

und wie dankbar er meine Antwortversuche aufnahm. Niederschmetternd war für mich, wie

sein Vater ihn und mich dauernd unterbrach, und alles Mögliche dagegenhielt. Er sei zwar

getauft, wie sein Sohn auch, aber jetzt sei er Atheist, und man soll sich von keiner Religion

etwas aufschwätzen lassen. Jeder Mensch könne so leben, wie es ihm Spaß macht. Sein

Sohn hielt dagegen: Aber du siehst doch meine Generation! Viele junge Leute stehen am

Abgrund, weil sie genau das machen, was du sagst. Sie sind nicht glücklich. Es muss

noch etwas anderes geben. Der Vater wurde immer wilder. Eigentlich verrückt! Unsereiner

denkt doch, es müsste umgekehrt sein: Eltern müssten ihren Kindern den Weg zeigen zu

echten Werten, zum Guten, zum Glauben. Und hier erlebte ich es andersherum.

Ich merkte: Diskutieren, hitzige Debatten bringen nichts. Ich machte dem Sohn das

Angebot, er solle, wenn er wieder mal Fragen an mich hat, allein kommen, damit wir

ungestört reden können. Ich bestärkte ihn in seiner Suche nach Gott. Er bedankte sich

sehr, dass ich mir überhaupt Zeit genommen hatte zum Reden.

Ob er wieder mal auftaucht? Ich weiß es nicht. Interessant wurde es am Schluss: Ich

sagte ihm zum Abschied: „Also, ich verspreche Dir, dass ich für Dich bete, dass Du Deinen

Weg findest!“ „Für mich aber auch!“, sagte der Vater. Ich fragte, fast lachend zurück: „Wie

bitte? Ich dachte, Du bist Atheist? Da kannst Du doch nichts vom Beten halten!“ „Doch,

bitte, bet für mich!“

Liebe Gemeinde!

Am Dienstag ist Ewige Anbetung in St. Josef. Ich bitte Euch alle: Betet für diese beiden!

Betet für die Vielen, die ähnlich ringen, suchen, zweifeln! Euch fallen sicher viele Namen

und Gesichter ein. Nehmt sie alle im Herzen mit, wenn Ihr am Dienstag - irgendwann im

Lauf des Tages wenigstens ½ Stunde, oder auch eine Stunde in unsere Kapelle kommt, zu

Jesus Christus kommt. Nehmt im Herzen Eure Familien mit. Nehmt Eure Kranken mit, die

Ihr kennt. Nehmt mit, was Euch bewegt, und breitet es aus vor dem Herrn, tragt es ihm

vor. Er ist da. Wirklich da, im Sakrament, in diesem Stückchen Brot, das verwandelt ist. Er

hat die Wandlungskraft über Menschenherzen, Wandlungskraft über Situationen, auch


über verfahrene Situationen. Wo unsere Glaubenskraft sich mit seiner Wandlungskraft

verbindet, da geschieht etwas! Da bleibt nichts beim Alten. Da geschehen erstaunliche

Dinge.

„Bete auch für mich!“ Wer so redet, kann gar nicht so atheistisch sein, wie er tut. Hinter der

Fassade, hinter seiner rauen Schale, seiner Abwehr gegen den Glauben, gegen die

Kirche, ist er ein hilfesuchender Mensch, der sich im Grunde vielleicht an den letzten

Strohhalm klammert. Vielleicht hat ihm in seinem ganzen Leben noch nie ein Mensch

gesagt: „Ich bete für dich!“ Das hat ihn zu tiefst gerührt. Das hat ihn entwaffnet. Da fällt

sein sogenannter Atheismus wie ein Kartenhaus zusammen.

Liebe Schwestern und Brüder,

was macht denn Kirche im Unterschied zur übrigen Gesellschaft aus? Im Kern eigentlich

nur dieses: Kirche ist die Gemeinschaft derer, die glauben, dass dieser Jesus von Nazaret,

der vor 2000 Jahren gelebt hat und gekreuzigt wurde, lebt, und dass er die Mitte der Welt

ist. Dass sich an ihm alles entscheidet. Das Leben der Menschen und das Schicksal der

ganzen Welt. Er ist der Herr der Welt! Das glauben wir. Deshalb und dafür steht hier diese

Josefskirche. „Was, so einen Quatsch glaubst du?“, hat der Mann an dem Abend zu mir

gesagt. Und ich habe ihm ganz klar geantwortet: „Genau das glaube ich. Verrückt, aber

wahr.“ „Aber wie kann man alles auf diesen einen, auf diese eine Person konzentrieren,

über die man nichts genaues weiß?“ „Oh, wir wissen sehr viel über Jesus. Jedenfalls so

viel und so gut bezeugt, dass es genügt, alles auf eine Karte zu setzen und zu sagen: „Du

bist der Herr!“ Und das , liebe Brüder und Schwestern, ist Anbetung. Wenn Sie wollen,

beten Sie am Dienstag nur: „Du bist der Herr!“ Amen.

Pfarrer Josef Treutlein

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