PDF-Datei herunterladen (ca. 1 MB) - Gesev.de

gesev.de

PDF-Datei herunterladen (ca. 1 MB) - Gesev.de

64. JAHRGANG – MAI 2013 – NR. 5ISSN 1861- 9746 Verkaufspreis: 3,- Euro H 6114Schlesischer GottesfreundNACHRICHTEN UND BEITRÄGE AUS DEM EVANGELISCHEN SCHLESIENTITELGRAPHIK: ANN


66GEISTLICHES WORTGEISTLICHES WORTSo wichtig, wie die Luft ... S. 66BEITRÄGEDie Reformierten in Schlesien ... S. 67Zusammenbruch oder Befreiung? S. 71Tagungsbericht S. 72MELDUNGENZum Gedenkenan Manfred Goldberg S. 74BUCHEMPFEHLUNGDieter Liebig(K)ein Weg westwärts S. 75LESERZUSCHRIFT S. 77VERANSTALTUNGENDie ‘Gemeinschaft’ auf demDeutschen Ev. Kirchentag S. 77Das Deutschlandtreffender Schlesier S. 77AUS DER LESERGEMEINDE S. 78AUSSTELLUNGSEMPFEHLUNG S. 80So wichtig, wie die Luft zum Atmen ...Die Luft, liebe Leser, ist etwas Wunderbares. Sie istpraktisch überall. Sie kommt in allen möglichenZu- und Umständen daher. Sie begleitet uns sprachlichrund um die Uhr. Wenn die Luft rein ist, erfreuen wiruns nicht etwa ihrer Frische, nein, wir stellen lediglich fest,daß irgendetwas oder irgendjemand Unliebsames aus unseremDunstkreis verschwunden ist. Wenn die Luft dick ist,hat Papa wieder zu lange am Auto gebastelt, Mama diePlinsen anbrennen lassen, das renitente Kind die vierteFünf in Folge aus der Schule mit nach Haus gebracht unddie große Schwester den kleinen Bruder am Schlüssellochihrer Zimmertür erwischt. Der böse Nachbar gönnt einemnicht die Luft zum Atmen. Der spinnerte Dichter baut Luftschlösser.Ein vermasseltes Rendezvous ist eine Luftnummerund der Hans Dampf in allen Gassen ist ein Luftikus.Immer dann, wenn wir einem Menschen in ganz besondererWeise unser Mißfallen, unsere Ablehnung deutlichmachen wollen, behandeln wir ihn als ob er Luft für uns seiund wer uns nicht riechen kann läßt uns ein Gleiches widerfahren.In einer Unterrichtsbeihilfe für das Parteilehrjahr derSED aus den sechziger Jahren fand ich eine Diskussionsanleitungfür FDJ-Sekretäre. Der Verfasser gibt Ratschlägefür die Arbeit in Jugendgruppen, für den Fall, daß dasGespräch auf Glaube und Religion kommt. Diese Anleitungist eine überaus literarisch wertvolle Angelegenheitund ich muß schwer an mich halten, sie Ihnen nicht inGänze zu zitieren.Wörtlich heißt es da: „…in einem Staat der Arbeiter undBauern, einem Staat, der sich den Errungenschaften dervon Marx, Engels und Lenin begründeten materialistischenWeltanschauung verpflichtet weiß, ist kein Platz für übernatürlichePhänomene und Geister. Aber auch dem Hirngespinst,welches vor allem in den unbefreiten Teilen derWelt, vereinzelt aber auch noch bei uns unter dem NamenGott, Allah oder Jehova durch die Hirne geistert, müssenwir mit aller Entschiedenheit den Kampf ansagen. Es mußganz klar verdeutlicht werden, daß dieser Gott nur eineErfindung der Mächtigen ist, als Instrument der Unterdrückungder arbeitenden Klasse. In Wirklichkeit aber istdieser Gott ein Nichts, ein Wesen, das es nicht gibt, er isteine luftige Gedankenblase… ja Luft schlechthin.”Sie merken schon, es bleibt nicht viel Gutes an der Luft.Fast immer wenn sie für einen Vergleich herhalten muß, istdie Rede negativ behaftet. Die Luft ist in aller Munde. Undwas noch wichtiger ist, sie ist in aller Lungen.Dabei ist doch die Luft so ungefähr das Wichtigste waswir haben. Sie ist schlechthin die Grundvoraussetzung fürdas Leben. Zuerst war da diese Gashülle um den damalsnoch gar nicht blauen Planeten, den wir Jahrmillionen späternach Gottes gutem Gebot uns untertan machen sollten.Alles andere kam später. So beschreibt es uns die Schöpfungsgeschichte:die Erde war wüst und leer und es war finsterund der Geist Gottes schwebte über den Wassern. Wiehätte er das tun können, wäre da nicht schon die Luft gewesen.Verstehen sie mich bitte nicht falsch. Nichts liegt mirferner als Witze zu reißen oder einem biblischen Fundamentalismusdas Wort zu reden.Es ist nicht wirklich wichtig, ob Gott nun die Erde insieben Tagen erschaffen oder sich damit ein paar Augenblickemehr Zeit gelassen hat. Was sind schon Jahrtausendebei dem, der über die Ewigkeit, die Zeitlosigkeit gebietet.Doch wenn er es so eingerichtet hat, daß alles gut ist, daßalles Erschaffene dem Leben dient, dann können wir getrostdavon ausgehen, daß die Luft ganz am Beginn desSchöpfungswerkes steht.Und wie jedem von Gott geschaffenen Ding haftet natürlichauch der Luft etwas Göttliches an. Wenn der Parteilehrersagt, Gott sei quasi Luft, meint er zwar das eine, sagtaber in Wirklichkeit etwas ganz anderes. Die Luft ist unsichtbar.Gott ist es auch. Und dennoch spüren wir sie. Wirmerken ihre Bewegungen, lassen sie uns als Wind um dieNase wehen, empfinden sie als angenehme Kühlung an heißenTagen. Und wir fürchten sie, wenn sie als Sturm daherkommt.Ähnlich beschreibt uns das Alte Testament immerwieder die Anwesenheit Gottes. Er kommt daher in Sturmesbrausen.Er ist bei uns wie der morgendliche Lufthauch.Wir alle bekennen einen Gott. Gott den Vater, Gott denSohn und Gott den Heiligen Geist. Zwar ist es biblischesGebot sich kein Bild von Gott zu machen, aber wer hältsich schon daran?! Vielleicht können wir ja auch gar nichtanders, als in Bildern denken. Sich den Vater vorzustellenist kein allzu großes Problem, auch vom Sohn haben wirDank der christlichen Ikonografie ein relativ festgezurrtesBild. Wenn es aber um den Heiligen Geist geht, ist es mit


BEITRÄGE 67unserer Vorstellungskraft schon schlechter bestellt. Wiegut, daß es die Luft gibt, sie ist geradezu ideal, das WirkenGottes als dem Heiligen Geist zu versinnbildlichen.Wie die Luft in aller Lungen ist – unverzichtbar für dasLeben – so ist das Walten und Wirken Gottes eben auchnicht nur auf eine bestimmte Anzahl Menschen, treuer Gefolgsleuteoder in einer Kirche organisierter Christen beschränkt.Gott will mit seiner Botschaft, mit seinen Versöhnungsangebotenseiner gesamten Schöpfung Gutes tun.Er tut das ohne Vorbedingung.Besser noch! er ist bereits in Vorleistung gegangen. Wiedas neugeborene Kind ganz selbstverständlich den erstenAtemzug tut, die erste Luft seinen Körper durchströmenläßt, so selbstverständlich ist Gott da und bietet sich uns an.Die Bibel berichtet in vielfältiger Weise von den AngebotenGottes. Da ist der Noahbund, der Bund am Sinai. Dakommt Gott selbst in seine Schöpfung und nimmt wahr,was seine Stadthalter mit ihr angerichtet haben. Aber erstraft nicht sondern baut wieder eine Brücke. Errichtet inseinem Sohn Jesus Christus eine Brücke zu seinem Herzen.Wir haben in der Heiligen Schrift die Zeugnisse derer, diesie beschritten haben. Wir wissen daß sie da ist und wirwissen, daß sie für uns unverzichtbar ist. So unverzichtbareben wie die Luft. Andreas Neumann-Nochten Breslau kurz vor dem Reformationszeitalter – aus der „Schedelschen Weltchronik”, 1493Die Reformierten in Schlesien bis zum Beginn der preußischen ZeitCHRISTIAN-ERDMANN SCHOTTTrotz mehrfacher Bemühungen, besonders gewichtigim Marburger Religionsgespräch von 1529, war esden Protestanten nicht gelungen, die theologischenPositionen der Anhänger von Luther, Melanchthon, Zwingliund Calvin anzunähern. oder wenigstens in Ansätzen einerreichsweiten protestantisch-konfessionellen Geschlossenheitentgegen zu führen. Diese theologisch und konfessionspolitischunbefriedigende Lage wurde in Schlesiennoch verschärft durch das Fehlen einer Führungspersönlichkeit,die die Interessen der Reformierten wirksam hättevertreten können. Am Vorabend des Augsburger Reichstagesim Jahr 1555 gab es in Schlesien zwar zahlenmäßignicht wenige Reformierte, aber sie waren verteilt im ganzenLand, ohne konfessionspolitische Konzeption undweitgehend auch ohne übergreifenden Zusammenhang.Das Luthertum wiederum sah in den Reformierten weitgehendIrrlehrer oder Ketzer, die verboten, verfolgt, verjagtwerden mußten. Es war höchst gefährlich, in den Verdachtzu geraten, „Calvinist” oder „Kryptocalvinist” zu sein. Eskonnte Berufsverbot und Vertreibung aus der Heimat bedeuten.In Breslau war es Zacharias Ursinus (1534-1583),damals Lehrer am Elisabeth-Gymnasium, später Mitverfasserdes Heidelberger Katechismus, der sich 1559 alsCalvinist offenbart hatte, und daraufhin 1560 zur Auswanderunggezwungen worden ist. Er hat dann ab 1561 mehrals fünfzig Theologen und Schulmänner aus allen TeilenSchlesiens in die Kurpfalz nachgezogen. Die bekanntestenunter ihnen waren David Pareus aus Frankenstein undAbraham Scultetus aus Grünberg. In Brieg wurden 1575der Rektor Johannes Ferinarius (1534-1602) und 1584 der


68BEITRÄGEPrinzenerzieher Laurentius Zirkler des Calvinismus beschuldigtund ausgewiesen. In Schweidnitz mußten sichdie Rektoren der Lateinschule 1589 wegen des Verdachtes,reformiertes Gedankengut zu verbreiten, vor dem Rat derStadt verantworten. Ähnlich ging es dem Rektor der Lateinschulein Hirschberg, Christoph Schilling (1534-1583).Weil er den Heidelberger Katechismus im Unterricht verwendethatte, mußte er 1566 seine Stelle aufgeben. In Liegnitzwar es der über Jahrzehnte hoch geschätzte, auch alswissenschaftlicher Chronolog geachtete Superintendent LeonhardKrenzheim (1532-1599), der des Kryptocalvinismusverdächtigt und auf besonders niederträchtige Weisegezwungen wurde, 1593 Amt und Heimat zu verlassen.Alle diese Maßnahmen haben nicht verhindern können,daß Philippismus und Kryptocalvinismus in Schlesien weitverbreitet waren und sogar in Kirchenordnungen nachweisbarsind.Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie undwann konnte der Calvinismus in Schlesien überhaupt soweit Fuß fassen? Oder anders: Wie müssen wir uns die Anfängeder reformierten Bewegung in Schlesien vorstellen?Dazu:I.Johann Crato von Krafftheim und Zacharias Ursinus -zwei exemplarische Lebensläufe aus der Anfangszeitder Reformierten in SchlesienBeide, Crato und Ursinus, waren Breslauer. Crato, der ältere,wurde am 22. November 1519 „als Sohn eines Handwerkersund Boten der Kaufmannschaft” geboren und aufden Namen Johann Krafft getauft. Ursinus, geboren am 18.Juli 1534, hieß eigentlich Beer oder Baer. Schon der Vater,der Diakon Caspar Beer (+1555), hatte den Namen 1528latinisiert. Der Beruf des Vaters, läßt vermuten, daß es eherbescheidene Verhältnisse waren, in denen Zacharias aufwuchs.Beide, Johannes Krafft und Zacharias Ursinus, besuchtendas Elisabeth-Gymnasium in ihrer Vaterstadt undzeichneten sich durch herausragende Leistungen aus – mitder Folge, daß beide durch Stipendien gefördert und in dieLage versetzt wurden, ein Studium aufzunehmen.Da Schlesien im 16. Jahrhundert zwar ein „einzigartigeshöheres Schulwesen” , aber keine eigene Universität besaß,waren die Scholaren gezwungen, zum Studium außer Landeszu gehen. Das war zwar teuer, hatte aber die gute Folge,daß sich die Schlesier als Teil des europäischen Geisteslebensverstanden. Durch mehrjährige Auslandsaufenthalteinternational erfahren und vernetzt, durch den Humanismus,aber auch durch den andauernden persönlich-freundschaftlichenAustausch mit den wichtigen Köpfen und Strömungenauf der Höhe der Zeit, gehörte Schlesien im Geisteslebenzu den führenden Regionen in Mitteleuropa. DerPräzeptor Germaniae, Phillipp Melanchthon, hat das eindrücklichzu würdigen gewußt und mehrfach (1521, 1526,1558) erklärt, daß „kein anderer Stamm in Deutschland imganzen Wissensgebiet mehr gelehrte Männer hat” als dieSchlesier.In diese Tradition wächst nun auch Crato hinein. 1535,fünfzehn Jahre alt, ging er zum Studium nach Wittenberg.Johann Crato von Krafftheim – Kupferstich,16. Jh. von Theodorde Bry. Quelle: Bibliothek des evangelischen PredigerseminarsLutherstadt WittenbergSechs Jahre lebte er als Haus- und Tischgenosse bei Martinund Katharina Luther. Bei Melanchthon studierte er dieklassischen Sprachen. In dieser Zeit führte er ein Tagebuch,das Johannes Aurifaber (eigentlich Johannes Goldchmied,um 1519-1575) 1566 bei der Herausgabe der „Tischredenund Colloquia D. M. Luthers” als Quelle mitberücksichtigthat. Als 1538 Cratos Gönner, der Gräzist, Jurist und RatsherrJohannes Metzler d. J. (1494-1538) in Breslau starb,sorgte Melanchthon dafür, daß Ambrosius Moibanus(1494-1554), Pfarrer an St. Elisabeth und lutherischerReformator, aber auch Verehrer Calvins, in Breslau, dieweitere Förderung übernahm. 1542 schloß Crato in Wittenbergdas Studium der Artes liberales mit dem Magisterexamenab.Den Plan, nun ein Theologiestudium zu beginnen, gaber auf. Luther hatte ihm wegen seiner für das Predigtamtnicht günstigen Gesundheit davon abgeraten und stattdessendas Medizinstudium empfohlen. Durch Fürsprache vonMelanchthon kam Crato in die Förderung des Rates derStadt Breslau. So konnte er 1544 in Leipzig das Medizinstudiumbeginnen. Hier, in Leipzig, war er Hausgast beiProfessor Joachim Camerarius d. Ä. (1500-1574), einembekannten Humanisten, daneben zeitweise auch Hofmeisterbeim Grafen von Wertheim. 1546 wechselte er an dieUniversität Padua. Hier war sein bevorzugter Lehrer derberühmte Medizinprofessor Johannes Baptista Montanus.1549 wurde Johannes Crato in Bologna zum Doktor der


BEITRÄGE 69Medizin promoviert. Damit war das Studium abgeschlossen.Nach einer Freundschaftsreise durch Italien begann erin Verona zu praktizieren.Bereits ein Jahr später, 1550, geht Crato nach Breslauzurück. Im November wird zum er zum zweiten Stadtarzternannt. Einen Monat später heiratet er die Tochter desStadtschreibers Johannes Scharf von Werd. Drei Kinder,zwei Töchter und ein Sohn, werden aus der Ehe hervorgehen.In Anerkennung seines Einsatzes bei der Pestepidemieim Jahr 1554 erhält er vom Rat der Stadt ein jährlichesSalär von 100 Talern. Als Stadtarzt stellte er die Arzneimittelversorgungum, vor allem aber entwickelte er 1555eine Ordnung zu Pestprophylaxe. Aber es kommen auchVerdächtigungen auf, die besagen, daß Crato Calvinistsein soll. Sie bleiben nicht ohne Folgen: 1561 wird Dr.Crato als Armenarzt aus dem Dienst der Stadt Breslau entlassen.Die Frage, ab wann Crato Calvinist ist, läßt sich nachdiesem Entwicklungsgang insofern eindeutig beantworten,als er selbst die gegen ihn erhobene Anschuldigung nichtzurückgewiesen oder bestritten hat. Spätestens ab 1561 istCrato bekennender Calvinist. Nicht beantwortet ist damitallerdings die Frage, wie er dazu gekommen ist, was ihnveranlaßt hat, sich in diese Richtung zu bewegen. Voneinem „Bekehrungserlebnis” oder ähnlichem ist nichtsbekannt. Es ist auch nicht bekannt, daß ihn theologischeFragen besonders umgetrieben hätten. Warum aber danndiese Wende vom Haus- und Tischgenossen Luthers zu JohannesCalvin?Manfred P. Fleischer, einer der besten Kenner des schlesischenHumanismus, greift die Ansicht des zeitgenössischenPastors Martin Fechner (1579-1647) auf und meint,Johannes Crato und Zacharias Ursinus, „fühlten sich an diePerson Luthers nicht gebunden” im Unterschied zu denvielen, die, so Fechner, „Lutherum allzeit für iren Präceptoremerkennet”. Diese Deutung ist nicht von der Hand zuweisen, ja kann sogar noch ein wenig zugespitzt werdendurch die Beobachtung, daß die allzu einseitige Orientierungan Luther auch eine Engführung bedeuten kann. EineEngführung, die für einen Humanisten mitzumachen, nichterstrebenswert sein kann und gegen die Crato gezielt protestiert,indem er sich öffnet für Ideen und Personen auchnach und neben Luther. Dabei ist allerdings nicht zu übersehen,daß Crato so gestellt war, daß er sich – im Unterschiedzu vielen anderen Pfarrern, Ärzten oder Schulmännern– eine solche freie Einstellung leisten konnte. Schonein Jahr vor seiner Entlassung aus dem Dienst der StadtBreslau, 1560, war er als Leibarzt des Kaisers Ferdinand I.nach Wien berufen worden. Das heißt, die Stadtarzt-Stellein Breslau hätte er ohnehin aufgegeben.In den folgenden Jahren lebte Crato häufig in Wien,zwischendurch aber immer wieder, auch für längere Zeiten,in Breslau. Als Ferdinand 1564 gestorben war, berief ihnKaiser Maximilian II. zum Leibarzt. 1567 erhob er ihn inden Adelsstand, Crato, nunmehr Johannes Crato von Krafftheim,kaufte das Gut Rückers bei Bad Reinerz in der GrafschaftGlatz und gründete dort eine reformierte Gemeinde.Ein Jahr später ernannte ihn Maximilian zum kaiserlichenPfalzgrafen. Elf Jahre, bis zum Tod Maximilians 1576,blieb Crato Leibarzt des Kaisers. Bereits ein Jahr späterwurde er wieder an den Hof gerufen, nun nach Prag alsLeibarzt Rudolfs II. Er nahm das Amt an, spürte aber auch,daß es für Protestanten schwieriger wurde. Sein Eintretenfür die Reformierten war den Jesuiten am Hof schon immerein Dorn im Auge. Der Druck und die Intrigen gegenihn nahmen zu. Schließlich bat Crato 1581 um den Abschied.Er zog sich auf sein Gut Rückers zurück, in derAbsicht, hier mit seiner großzügig ausgestatteten Bibliothekseinen Lebensabend zu verbringen.Auf die Dauer hat es ihn in der Abgeschiedenheit vonRückers nicht gehalten. Das geistige Leben seiner Heimatstadtfehlte ihm. 1583 ging Crato nach Breslau zurück.Trotz seines Alters arbeitete er wieder als Pestarzt für dieAllgemeinheit, mußte aber zugleich hilflos mit ansehen,wie seine Frau an der Pest starb. Er selbst starb am 19.Oktober 1585 ebenfalls an der Pest. Als Leibarzt dreierKaiser, als Pfalzgraf und als Haupt des größten gelehrtenFreundeskreises in Breslau, Schlesien und weit darüberhinaus war Crato von Krafftheim eine Institution; „derStaatsmann dieser (späthumanistischen) Gelehrtenrepublik”,ein Mann, der äußerlich und innerlich unabhängiggenug war, sich unerschrocken zum Calvinismus zu beken-Zacharias UrsinusKupferstich, 17. Jahrhundert


70 BEITRÄGEnen und sich als Mäzen für verfolgte und arme Glaubensgenosseneinzusetzen. Seinen Landsleuten galt er als maecenasoptimus. Dabei dürfte sein Mäzenatentum zweifachbegründet gewesen sein, – zum einen in der Dankbarkeitfür die Förderung, die er selbst erfahren hatte, dann aberauch im Selbstverständnis dieses der Bildung und ihrerWeitergabe verpflichteten neuen bürgerlichen Gelehrtenadels.Zacharias Ursinus, der junge Stadt- und Schulgenosse,war einer von denen, die Crato gefördert hat. Für Zachariaswar er bald mehr, nicht nur ein Vorbild und Mäzen,sondern väterlicher Freund, Helfer, Berater. In einem Briefbekennt er: „Außer dir habe ich in der ganzen Welt keinenFreund, dem ich mein Herz ausschütten kann”. 1550, sechzehnJahre alt, hatte Ursinus das Studium in der Artistenfakultätin Wittenberg begonnen. Besonders hingezogenfühlte er sich zu Philipp Melanchthon, wurde so auch unmittelbarerZeuge der Anfeindungen, denen sich der verehrte,älter und einsamer werdende Lehrer durch die lutherischeOrthodoxie ausgesetzt sah.Nach Abschluß des Studiums mit dem Magisterexamenunternahm Ursinus, finanziert von Crato, von Worms auseine längere Reise Richtung Süden mit dem Ziel, dieHäupter der reformierten Bewegung persönlich kennen zulernen. Diese Reise begann am 1. Oktober 1557 in Worms,wo er an einem erfolglosen Wiedervereinigungsversuchvon Katholiken und Protestanten teilgenommen hatte. SeineReise führte ihn nach Genf, wo er Beza besuchte; undnach Zürich, wo er Bullinger, Martyr und Calvin, der sichdort im Zusammenhang mit dem Wormser Kollloquiumaufhielt, antraf. Weiter ging es nach Paris. Auf der Rückreisebesuchte er Calvin erneut, dieses Mal in Genf. Danachging Ursinus nach Wittenberg zurück.Im September 1558 erreichte ihn die Berufung zumLehrer an seine alte Schule, an das Elisabeth-Gymnasiumin Breslau. Er nahm den Ruf an. In Breslau allerdings bliebseine Nähe zu Calvin nicht lange verborgen. Um den sichabzeichnenden Schwierigkeiten aus dem Wege zu gehen,bat Ursinus nach nur anderthalb Jahren Lehrertätigkeit umseine Entlassung. Am 26. April 1560 erhielt er eine sehrlobend gehaltene Abgangsbeurteilung durch die Stadt Breslau.Über seinen Abschied und über seine Zukunftspläneschrieb er damals: „Nicht ungern verlasse ich mein Vaterland,wenn dasselbe das Bekenntnis der Wahrheit nicht duldet,welches ich mit gutem Gewissen nicht aufgeben kann.Lebte mein bester Lehrer Philippus noch, so würde ichmich nirgends anders als zu ihm begeben. Nun er gestorbenist, will ich mich zu den Zürichern wenden, deren Ansehenhier freilich nicht groß ist, die aber bei andern Kircheneinen so berühmten Namen haben, daß er von unsern Predigernnicht verdunkelt werden kann. Es sind fromme,gelehrte, große Männer, mit denen ich mein Leben zuzubringenfest entschlossen bin. Für das Übrige wird Gottsorgen”.Mit Crato von Krafftheim blieb er in Verbindung. DieHeimat fehlte ihm. Am 6. Oktober 1560 schrieb er anCrato, daß er gern wieder zurück käme, aber nur unter derBedingung, daß er „die Lehre der Schweizer Kirchen überdie Sakramente, die Vorsehung und Gnadenwahl, den freienWillen, die menschlichen Überlieferungen und über diechristliche Kirchenzucht öffentlich….bekennen” dürfe.Wobei hinzuzufügen wäre: Es waren nicht allein dieSchweizer Kirchen, es war auch Philipp Melanchthon, derUrsinus bleibend geprägt hatte.Lange mußte Ursinus, nicht auf ein Angebot warten.Kurfürst Friedrich III. (der Fromme) von der Pfalz (1515-1576) bot ihm eine Stelle als Lehrer am gerade errichtetenSapienz-Kolleg in Heidelberg, eine Art Predigerseminar,an. 1562 ging Ursinus nach Heidelberg. Am 28. August1562 wurde er zum Dr. theol. promoviert. Wenige Tage daraufübernahm er in der Nachfolge von Caspar Olevian(1536-1587), der in den pfälzischen Kirchendienst wechselte,auch den Lehrstuhl für Dogmatik an der UniversitätHeidelberg.Bald nach dem Dienstantritt von Zacharias Ursinusbegannen in Heidelberg die Vorarbeiten für die Abfassungdes Katechismus, der dann bis heute nachwirkend zumweltweiten Bindeglied für die reformierten Kirchen in derganzen Welt wurde. Die theologische Fakultät Heidelberg,Vertreter des kirchlichen Lebens und, höchst persönlich,auch der Kurfürst waren an seiner Entstehung beteiligt; Ursinusan führender Stelle. Es spricht viel dafür, daß seintheologisch wichtigster Beitrag zu dem Gesamtwerk darinzu sehen ist, daß er „die Lehre von dem neuen Gehorsamder Gläubigen unter den Gesichtspunkt der menschlichenDankbarkeit für die Befreiung aus ihrem Elend gestellthat”. Der dritte Teil des Heidelberger Katechismus (Frage86-129) wird dann ganz unter der Überschrift „Von derDankbarkeit” abgehandelt.Wie sehr der Kurfürst Ursinus schätzte, zeigt ein Brief,den er im Januar 1563 im Zusammenhang mit der Unterzeichnungdes Einführungsdekretes des Heidelberger Katechismusan den Reichshofrat Joachim vom Berge (1526-1602) auf Herrndorf im Fürstentum Glogau in Schlesienschrieb.: Dort erklärte er „…dein Vaterland war eines solchenMannes nicht wert; sage deinen Landsleuten, siemöchten viele solcher Leute zu mir austreiben”.Weil er sich weigerte, nach dem Tod Friedrichs III.1576 die Konkordienformel zu unterschreiben, wurde Ursinusaus dem Universitätsdienst entlassen. Einen Ruf nachBern lehnte er ab, den Ruf des Pfalzgrafen Casimir an dieneu eingerichtete theologische Schule „Collegium Casimirianum”in Neustadt an der Hardt nahm er dagegen an. Am26. April 1578 hielt er seine erste Vorlesung in Neustadt.1581 ließ er eine scharfe, vom reformierten Standpunkt ausgeschriebene Kritik an der Konkordienformel – „De libroConcordiae … admonitio Christiana” – erscheinen. Es warseine letzte große Veröffentlichung. Am 6. März 1583 starbUrsinus in Neustadt. In der Stiftskirche wurde er beigesetzt.Dieser, hier im ersten Teil abgedruckte Aufsatz, ist mit zahlreichenFußnoten versehen, die aus Platzgründen im‘Gottesfreund’ keine Aufnahme fanden. Auch ist der Textgeringfügig gekürzt. Interessierte haben jedoch die Möglichkeitden vollständigen Aufsatz zu erhalten. Bitte wendenSie sich an die Redaktion.


BEITRÄGE71Zusammenbruch oder Befreiung?Gedanken zu einem Tag, der nicht in Vergessenheit geraten sollte.ANDREAS NEUMANN-NOCHTENDer 8. Mai 1945 ist der Tag des Inkrafttretens derdeutschen Kapitulation und markiert somit das Endedes II. Weltkrieges wenigstens dahingehend, daßdie kriegerischen Auseinandersetzungen eingestellt wurden.„Zusammenbruch” nannten es die einen, „Befreiung”die anderen. Letzteres war es in jedem Falle, wenn man dieDinge lediglich unter dem Aspekt der Beseitigung desnationalsozialistischen Regimes betrachtet. In der Zusammenschauder Ereignisse, die diesem Datum vorausgingenund folgten, ist die unreflektierte, einseitige Verwendungdes Begriffs „Befreiung” allerdings ein heute kaum noch zuverteidigender Euphemismus. In solcher Weise wurde jahrzehntelangin der sowjetischen Besatzungszone verfahren.Zwar war das nur mittels eines Kunstgriffs möglich, welcherdarin bestand, den Staat der Arbeiter und Bauern kurzwegzu den „Siegern der Geschichte” zu erklären. Über diefatalen Folgen dieses Antifaschismusdiktats ist bereits auchim ‘Gottesfreund’ geschrieben und debattiert worden.In den westlichen Besatzungszonen dagegen sprachman – wie in zeitgenössischen Publikationen immer wiederbelegt – vorrangig vom „Zusammenbruch”. In einem ideologischweitaus weniger einengenden Umfeld, gab es ausreichendSpielraum, dem Gefühl von Niederlage und Ohnmachtmit diesem Begriff Ausdruck zu verleihen. Fast zeitgleichkam auch die Rede von der „Stunde Null” auf, diebewußt den Blick auf das Künftige zu lenken beabsichtigte:von nun an läuft die Zeit wieder für uns. „Der Blicknach vorn” wurde schnell zu einer Art Lebensgefühl, dassich in dieser Weise wohl kaum im Osten einstellen konnte.Hier wurde zunächst im großen Stil demontiert und abtransportiert.Während jenseits der Demarkationslinien dieSoldaten aus amerikanischer, englischer und französischerGefangenschaft bereits in die Heimat zurückkehrten, wurdein der sowjetischen Einflußsphäre noch deportiert. Andersals im Westen bedeutete dort „der Blick nach vorn” primär,sich mit den neuen Machthabern und deren Ideologie zuarrangieren. Nur unter dieser Voraussetzung hatten dieMenschen eine Chance, Teilhaber und Nutznießer eines nurzögerlich anlaufenden Wiederaufbaus zu werden. Daß allerdingsdie Strukturen des „neuen” Systems denen desalten in fataler Weise ähnelten, mag manchem nicht unbequemgewesen sein. In der Masse aber dürften die Bewohnerder späteren DDR die „Neuen Zeiten” eher als Bedrükkung,denn als Befreiung empfunden haben. Vielleicht istin dieser gemeinsamen Erfahrung von Rechtlosigkeit undAusgeliefertsein auch die Ursache dafür zu suchen, daßhier vielfach die Vertriebenen aus den Ostgebieten freundlichereDuldung erfuhren als andernorts.Allerdings – und dieser kleine Exkurs sei mir an dieserStelle gestattet – macht der generelle Umgang mit denVertriebenen vor allem Eines deutlich: Deutschland warseit 1871 nicht wirklich zu einer Einheit geworden. DerVerlust weiter Gebiete des deutschen Ostens wurde in keinerWeise als „nationale Demütigung” empfunden. In andereneuropäischen Ländern war Sprache das verbindendeElement und die gemeinsame Sprache begründete die jeweiligenterritorialen Ansprüche. Deutschland hingegenstellte sich nach außen seit 1871 zwar als politisch geeintesStaatsgebilde dar, von einer inneren Einheit aber – auch imobigen Sinne – konnte noch lange keine Rede sein. Zwischenden beiden Weltkriegen verband Deutsche eigentlichnur Eines: die Wut über die als tiefes Unrecht empfundenenBedingungen des Versailler Friedenvertrages. Wäre es seinerzeitden Siegermächten tatsächlich um eine stabile Friedensordnungin Europa gegangen und nicht nur darum, sicham zum Verlierer erklärten Gegner nach gut mittelalterlichemGebaren schadlos zu halten, die Geschichte hättedurchaus einen ganz anderen Verlauf nehmen können.Doch zurück zur Situation des Jahres 1945. Unter demeben erörterten Blickwinkel erhält die Tatsache, daß diegroßen Gebietsverluste in der Hauptsache Preußen betrafen,eine bislang nur wenig beachtete Bedeutung. Nicht seltenforderte man die Vertriebenen in den Ankunftsgebietenauf, doch dahin zurückzukehren, woher sie gekommen waren,nämlich nach Preußen. Daß es das Deutsche Reich desJahres 1918 – eine politische Verbindung einzelner deutscherNationalstaaten – in dieser Form nicht mehr gebenwürde, wem war das zu diesem Zeitpunkt schon klar?Es klingt fast absurd, aber die Nachkriegsentwicklungim geteilten Deutschland führte letztlich dazu, daß sich aufbeiden Seiten des „Eisernen Vorhangs” Formen eines jeeinigenden Nationalbewußtseins entwickeln konnten. Diegroße Herausforderung unserer Tage besteht darin, dieseEntwicklung im noch nicht vollendeten Einigungsprozeßdes ehemals geteilten Deutschlands mit gutem Ziel voranzutreiben.Allein das bisher Gesagte ist Grund und Anlaß genugden „8. Mai” in Erinnerung zu behalten.In der vormaligen DDR galt der „Tag der Befreiung”,wie schon erwähnt, vor allem als Geburtsstunde eines austiefstem Herzen gelebten und praktizierten Antifaschismus.Damit verband sich gleichzeitig ein Redeverbot zu allenanderen Aspekten, die sich mit diesem Datum verbanden.In der Bundesrepublik stellten sich die Dinge, wie eingangsbeschrieben, zunächst anders dar. Es ist das Verdienstvon Bundespräsident Richard von Weizsäcker, denSchwerpunkt allgemeiner Erinnerung auf die Beendigungder nationalsozialistischen Diktatur gelenkt zu haben.„Wir Deutschen begehen den Tag unter uns, und das ist notwendig.… Wir brauchen und wir haben die Kraft, derWahrheit, so gut wir es können, ins Auge zu sehen, ohneBeschönigung und ohne Einseitigkeit. Der 8. Mai ist füruns vor allem ein Tag der Erinnerung an das, was Menschenerleiden mußten. Er ist zugleich ein Tag desNachdenkens über den Gang unserer Geschichte. Je ehrlicherwir ihn begehen, desto freier sind wir, uns seinen


72BEITRÄGEFolgen verantwortlich zu stellen. ... Die meisten Deutschenhatten geglaubt, für die gute Sache des eigenen Landes zukämpfen und zu leiden. Und nun sollte sich herausstellen:Das alles war nicht nur vergeblich und sinnlos, sondern eshatte den unmenschlichen Zielen einer verbrecherischenFührung gedient. ... Erschöpfung, Ratlosigkeit und neueSorgen kennzeichneten die Gefühle der meisten. Würdeman noch eigene Angehörige finden? Hatte ein Neuaufbauin diesen Ruinen überhaupt Sinn? Der Blick ging zurück ineinen dunklen Abgrund der Vergangenheit und nach vorn ineine ungewisse, dunkle Zukunft. ... Und dennoch wurdevon Tag zu Tag klarer, was es heute für uns alle gemeinsamzu sagen gilt: Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hatuns alle befreit von dem menschenverachtenden Systemder nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. ... Niemandwird um dieser Befreiung willen vergessen, welche schwerenLeiden für viele Menschen mit dem 8. Mai erst begannenund danach folgten. Aber wir dürfen nicht im Ende desKrieges die Ursache für Flucht, Vertreibung und Unfreiheitsehen. Sie liegt vielmehr in seinem Anfang und im Beginnjener Gewaltherrschaft, die zum Krieg führte.” (Richardvon Weizsäcker, aus der Ansprache, gehalten am 8. Mai1985 in der Gedenkstunde im Plenarsaal des DeutschenBundestages, Quelle:Bundeszentrale für politische Bildung).Ja, der 8. Mai ist ein Tag der Befreiung, wenn auch invielsinnigerer Weise, als es Jahrzehnte hüben wie drübenpropagiert wurde. Das Nachdenken über dieses einschneidendeEreignis in der deutschen Geschichte führte zu einerErkenntnis, die heute breiter gesellschaftlicher Konsens ist:Weder begangenes, noch erlittenes Leid darf zum Vorwandfür neues Unrecht mißbraucht werden. „Früh und beispielhafthaben sich die Heimatvertriebenen zum Gewaltverzichtbekannt. Das war keine vergängliche Erklärung imanfänglichen Stadium der Machtlosigkeit, sondern ein Bekenntnis,das seine Gültigkeit behält.” (R.v.W., s.o.). Der„8. Mai”, in seiner ganzen Vielschichtigkeit, darf nicht inVergessenheit geraten, in Deutschland nicht und auch nichtbei jenen, die ihn bis heute als „Tag des Sieges” begehen.Erst dann kann und wird Versöhnung tatsächlich Wirklichkeitwerden.„Die Wahrheit machet uns zu lauter Emigranten ...” –Konfessionelle Toleranz in der OberlausitzStudientagung am 22. und 23. März 2013 im Rahmen des Themenjahres „Reformation und Toleranz”DR. DIETRICH MEYER„Die Wahrheit machet uns zu lauter Emigranten, dennSaltzburg drückt uns hart ...” Dieser Satz, ist auf demnebenstehenden Bild im unteren Textfeld als Klage einesSalzburger Exulanten zu lesen.Die Oberlausitz wurde im 18. Jahrhundert zu einer einzigartigenZufluchtsregion für Evangelische aus den HabsburgerLanden. Hier fanden Salzburger ebenso, wie Böhmen,Mähren und Schwenckfelder Aufnahme. Was machtediese Region besonders? Galten hier andere Maxime? WarenObrigkeit und Bevölkerung toleranter als in anderenGebieten Deutschlands? Gab es eine begünstigende politischeoder kirchliche Verfassung?Diesen und vielen weiteren Fragen ging eine Studientagungim März diesen Jahres nach, von der im Folgendenberichtet werden soll.(ANN)Die Tagung begann nach herzlicher Begrüßung undeiner thematischen Hinführung durch die beidenverantwortlichen Organisatoren, Margrit Kempgenund Thomas Napp, mit einem von Pfarrer Dr. H.-W. Pietzgehaltenen Referat zum Thema „Toleranz und Theologie”.Der Referent verteilte seine Thesen schriftlich, untersetztmit guten Zitaten aus der Literatur, und trug seine Ergebnissesehr lebendig und frei vor. Er machte vor allem klar,daß sich der Anspruch einer Religion, die allein wahrhaftigezu sein, durchaus mit toleranter Einstellung zu anderenverbinden könne, so wie es Jeremia in Jer. 29 den Exulan-


MELDUNGEN 73ten in Babylonien schrieb, daß sie Häuser bauen und heiratenund für die Stadt Babylon beten sollen, „denn wenn’sihr wohl geht, so geht’s euch auch wohl.” (29,7). Ähnlichtolerant verhielt sich Melanchthon gegenüber der katholischenKirche. Die lebendige Diskussion ließ freilich Fragenoffen. Was sind die unaufgebbaren Glaubenssätze desChristentums? Wie weit kann die Toleranz gehen, wenn dieTürken vor Wien stehen?Dr. Chr. Speer entwickelte die Geschichte der „Reformationin der Oberlausitz” anhand einer ‘power-point-presentation”und betonte die verschiedenen Mischformenzwischen katholischer und evangelischer Praxis in Sachsensowie die Selbstständigkeit des Oberlausitzer Adels, dermanche tolerante Lösung anbot.Am Sonnabend mußte leider auf das Referat vonBürgermeister und Präses Böer verzichtet werden, da er zueiner dringenden Sitzung in Berlin unterwegs war.Frau Editha Sterik (Foto o.) sprach über die „böhmischenund mährischen Exulanten” seit dem 16. Jahrhundert undderen zahlreiche Siedlungen an der Grenze in Sachsen.Auch hier zeigte sich die staatliche und kirchliche Obrigkeitvor dem Pietismus wenig tolerant, obwohl es sich umevangelische Geschwisterkirchen handelte. Erst im 18.Jahrhundert setzte mit dem Pietismus ein neues Verständnisdes Glaubens und kirchlicher Zusammenarbeit ein, derZinzendorf nicht nur zur Aufnahme dieser Exulanten sondernsogar zu einer Wiederbelebung der frühen reformatorischenBestrebungen in Böhmen/Mähren führte.Nach diesen historischen Einblicken in die Entwicklungder Toleranz am Beispiel von religiösen Sondergruppenwurde der Nachmittag für eine Exkursion nach Berthelsdorfzum inzwischen baulich geretteten Versammlungssaalder Schwenckfelder, zu Zinzendorfs Herrenhaus und zumArchiv der Brüderunität in Herrnhut genutzt.Dr. Dietrich Meyer (Foto o.) gab eine Übersicht über die„Schwenckfelder in der Oberlausitz” mit ihrer Vorgeschichtein Schlesien. Waren es zunächst die lutherischenKirchen Schlesiens, die die Gemeinschaften der Schwenckfelderverfolgten und bei der katholischen Habsburger Regierunganzeigten, so war es im 18. Jahrhundert der Kaiserselbst, der eine Jesuitenmission gegen sie ansetzte. Kirchlichhatte sich auf ev. Seite inzwischen ein Wandel vollzogen.Der lutherische Pietismus Speners, Franckes und Zinzendorfssetzte sich für die Schwenckfelder ein, weil ihrechristliche Praxis als vorbildlich galt. Zinzendorf nahm dieSchwenckfelder auf seinen Gütern auf und setzte sich energisch,auch mit wirtschaftlichen Argumenten für sie ein,doch der katholische Kurfürst im Zusammenspiel mit demKaiser ließen sich nicht beirren und zeigten die ganze Härteeiner absolutistischen Regierung.Aus Bielefeld war Frau M. Bergmann, die Vizepräsidentindes Salzburger Vereins angereist. Sie schilderteeindrücklich die Geschichte der „Salzburger Exulanten”unter dem Verfolgungsdruck der Habsburger in Österreich,während das aufgeklärte Preußen ihnen vor allem eineBleibe in Ostpreußen zusicherte.Tagungsort: via regia-Haus in Reichenbach, Foto: ANNAlle weiteren Aufnahmen: K. Zinnow


BUCHEMPFEHLUNG 75Buchempfehlung„Frei seyn wollen wir!”Mit diesem revolutionären Idealerreicht der junge Oberlausitzer WeberHeinrich Hauptmann die Neue Welt.Doch statt von New Orleans wie geplantweiter westwärts zu ziehen, wirder durch alte Bekannte aus Deutschland,die unter die Sklavenhaltergegangen sind, in den beginnendenKonflikt zwischen Nord- und Südstaatenhineingezogen. Auch auf der Seiteder Nordstaaten stehen deutsche Einwanderer:so etwa der ZeitungsredakteurFriedrich Hohlfeld und der AltrevolutionärCarl Schurz, der zu einemwichtigen Unterstützer im WahlkampfAbraham Lincolns wird. Es wird versucht,die 1848/49 in Deutschlandgescheiterten Träume von Freiheit zuverwirklichen.In diesem umfangreichen, aufhistorischen Grundlagen basierendenRoman zeichnet Dieter Liebig dievielfältigen Schicksale jener Menschenund Revolutionäre nach, die inden Sezessionskrieg zogen und sich ingrausamen Schlachten wiederfanden.Schuldbewußtsein, Menschenwürdeund Solidarität beschäftigen dieKämpfer auf ihrer Höllenfahrt voneinem Schlachtfeld zum nächsten. Esgeht um Geschichtliches wie auchPolitisches, Geistiges wie auch Geistlichesund nicht zuletzt Menschliches.Dieter Liebig(K)ein Weg westwärtsSoftcover, 733 Seiten14,95 €ISBN 978-3-941955-56-1MEDU-VerlagSchloss PhilippseichD-63303 DreieichTelefon: +49 (0) 6103-3125471Telefax: +49 (0) 6103-3125475Web: www.medu-verlag.deE-Mail: info@medu-verlag.deLeseprobeaus dem Roman„(K)ein Weg westwärts”,Kapitel 1 „New Orleans”Heinrich Hauptmann verabschiedetesich für immer. Es gab hier kein Glückund erst recht keinen Reichtum. Folglichwar es nicht mehr sein Heimatland.Die Hymne auf dieses versicherteim ersten Vers, daß es noch so schönim fremden Land sein könnte, daßHerz bleibe doch stets hier. OhneGefühlswallung rief sich Hauptmannauch die anderen Verse in Erinnerung.Sie beschrieben diese liebliche Landschaft,vor allem die „ewigen” Bergeder Oberlausitz. Und natürlich dieSpree, die hier aus mehreren Quellensprudelte und schließlich das preußischeSpreeathen mit Wasser aus demKönigreich Sachsen speiste.Woher er das Geld für die Überfahrthatte, verschwieg er. SeinemVater reichte er zum Abschied eineSpule, die dieser wie selbstverständlicheinlegte. Sie würden sich niewiedersehen. Denn er brach dahin auf,wo die Baumwolle direkt in denWebstuhl wuchs. Draußen stand eineMietdroschke. Auf der verstaute HeinrichHauptmann seine Kiste mit alldem Werkzeug eines Zimmermanns.Es hatte ein halbes Jahr gedauert,bis er sich mit Auswanderungswilligenverständigt und seine Papiere beisammenhatte. Die Ereignisse des Jahres1848 gingen ihn nichts mehr an.Ihm fehlte die Überzeugung, daß dieerrungene Freiheit Bestand habenwürde.Nach vierzehn Tagen langten sie inBremerhaven an. Die Unterkunft warzu bezahlen und Hauptmann erfuhr,daß er für einundfünfzig Taler nur eineleere Bettstelle auf dem Schiff erhaltenwürde. Also mußte alles beschafftwerden, vom Strohsack bis zum Blechgeschirr.Das Schiff lag draußen auf demMeer. Am 25. Oktober bestiegen dieAuswanderer einen Kahn, auf dem sieeng beieinander standen. Unter ihnenwaren auch Kinder und schwangereFrauen. Wegen ungünstigen Windesbrauchte der Kahn mit sechzig Personenan Bord zwei volle Tage biszum Erreichen des Schiffes.Wenn das Herbstwetter es erlaubte,suchte Heinrich das Deck auf. Dortbefand er sich auch, als ein Schlepperam Schiff festmachte. Es war der 9.November 1848.Der Lotse kam an Bord. Da dieVertäuung Zeit in Anspruch nahm,wollte sich Hauptmann auf ein Gesprächeinlassen. Er fragte den Lotsen,wie lange die Reise bis New York dauernwürde. Der blickte ihn verwundertan: „Du mußt dich irren, Junge. Diefünfzehn Schiffe, die wir eben freibugsieren,gehen nach New Orleansab.”Heinrich wollte das nicht glauben.Er hatte anders gebucht! Der Lotse sahihn geringschätzig an, dann sagte ervon oben herab: „Du glaubst dochnicht, daß euch Hungerleider in derneuen Welt jemand haben will.”Jetzt war die „Phönix” mit demSchlepper verbunden. Der Lotse gingvon Bord, ohne sich je an den AuswandererHeinrich Hauptmann zu erinnern.Die Fahrt über den Atlantik verliefohne Zwischenfälle. Das Schiff machtegute Fahrt. Beim Anblick des vielenWassers rief sich aber der Durst ständigin Erinnerung. Auf fünf Leute kampro Tag eine Kanne Wasser.Eines Abends konnte sich HeinrichHauptmann die milde Luft nicht erklären.Es war immerhin Mitte Dezember.Er traf auf einen nachdenklichzum Himmel blickenden Kapitän. Ohnedaß Hauptmann gefragt hätte, sagte


76BUCHEMPFEHLUNGer: „Wir segeln geradewegs in einenHurrikan hinein.”Es ging auf Heilig Abend zu. DreiKerzen waren aufgetrieben worden. Ineinem Anflug von Sentimentalität hattejemand eine Weihnachtskrippe aufdie Reise mitgenommen. Das Jesuskind,umgeben von Joseph und Maria,den knienden Hirten und den HeiligenDrei Königen, wurde zum Gegenstandallgemeiner Anbetung. Denn eingewaltiger Sturm hatte sich aufgemacht.Dieser steigerte sich in Toben undWüten. Das Schiff tanzte derart, daßHeinrich von seiner Kiste fiel. Ermischte sich unter andere, die aus denKojen gestürzt waren.Das Schiff begann zu stöhnen undzu ächzen. Dann krachte es. DiesesGeräusch wußte Heinrich Hauptmannzu deuten. Es hörte sich an, als würdeder Sturm Bäume umwerfen. Hierhandelte es sich um die Masten. DasSchiff trieb jetzt steuerlos dahin.Am Mittag des 24. Dezembers lief esauf eine Sandbank. Als Heinrich sichumblickte, sah er, daß nicht nur die„Phönix”, sondern auch die anderenSchiffe gestrandet waren.In der Karibik war man auf Zwischenfällemit strandenden Schiffenvorbereitet. Es dauerte nur eine kurzeZeit, bis Mast- und Schiffbruch beseitigtwaren. Dann ging es wieder westwärts.Als das Jahr 1849 begrüßt wurde,gab der Kapitän die Order aus, sichbereitzuhalten. Wer mehr als nur eineKiste mit sich führte, packte emsigseine Habseligkeiten. Heinrich Hauptmannsaß auf seinem wertvollenBesitz. Das Handwerkszeug war seineLebensversicherung. Was er nicht amLeibe trug, war in einem Bündel verschnürt.Die Auswanderer wurden schließlichan Deck geholt. Der Kapitän teilteihnen mit, daß sie jetzt Einwandererwären. Es dauerte nicht lange, dannwaren sie auch das nicht mehr.Auf dem Deck stand ein Tisch ausder Kajüte des Kapitäns. Dahinter saßein fettleibiger Mann, neben ihm standenzwei Soldaten.Der Beamte ließ die Reihe an sichvorüberziehen, sah nur flüchtig die Papierejedes Erwachsenen durch, machtesich nicht einmal die Mühe festzustellen,ob die vielen Kinder aufgeführtwaren. Dann knallte er seinenStempel in die Papiere.Heinrich Hauptmann befand sicham Ende der Warteschlange. Er würdesich niemals von seinem Entschluß,sein Leben selbst in die Hand zu nehmen,abhalten lassen.Seine Gedanken wurden dadurchunterbrochen, daß er plötzlich vor demTisch stand. Entgegen seinen Gewohnheitenblickte der Beamte auf.Seine gleichgültige Miene hellte sichetwas auf, als er in Hauptmannsgespanntes Gesicht sah. Dann fragte eretwas, wies auf die Kiste. Hauptmannantwortete: „In der ist mein Handwerkszeug.Ich bin Zimmermann.”Der Beamte holte aus, wollte denStempel auf die Papiere bringen. Dannzögerte er, drückte ihn auf das Stempelkissen,besah die frische Tinte undgab, den Stempel hin- und her wiegend,den Dokumenten ihre Gültigkeit.Er sagte: „Willkommen in Amerika,Heinrich Hauptmann.”Glücklich nahm Hauptmann diePapiere an sich. Er war nicht abgestempelt,sondern in diesem, seinemLand willkommen geheißen worden.Er würde sich dankbar erweisen.”Der Autor in Stichpunkten:Dieter Liebig, geboren am 5. August1951 in Daubitz/Oberlausitz. Verheiratet,drei Kinder. 1958-1970 Schulbesuche.1970-1976 Theologiestudiumin Halle, Leipzig und Naumburg.1977-1989 im Industriegebiet Hagenwerder.1980-1989 dort Pfarrer derKirchengemeinde Deutsch-Ossig.Inanspruchnahme des Ortes durchden Braunkohlenbergbau. 31.August1989 Schließung der Gemeinde. Vonda an freiberuflicher Schriftsteller.1990-1994 Landrat des KreisesGörlitz-Land. Vorsitzender der EuroregionNeiße.1994-2001 Oberverwaltungsrat LandkreisLöbau-Zittau.Seit 2001 wieder freier Schriftsteller.Schriftstellerischer WerdegangNach einer externen Unterrichtung inDramatik (1973-76) im November1976 Aufführung des ersten Stückes.In den folgenden Jahren entstehenEinakter im absurden Stil.1978 Gründung der SpielgruppeHagenwerder, später Deutsch-Ossig.Aufführungen eigener Stücke in Kirchen.1983 Herausgabe einer Sammlungdurch Werk und Feier. Im gleichenJahr erscheint in „Theater derZeit“ das Stück „Nonnenmacher“.Bereits mit dessen Vorläufer „Episodenaus dem Deutschen Bauernkrieg“Aufgabe des absurden Stils und Hinwendungzu geschichtlich-politischerDramatik. Es folgt das Antikriegsstück„König von Preußen“, das mehrereJahre von der eigenen Gruppeaufgeführt, 2003 wieder in das Programmaufgenommen wird. Zur Umweltproblematikwird 1985 das Hörspiel„Waldhüter“ gesendet. Im gleichenJahr durch die Veröffentlichungvon „Grünes Requiem, Totenmessefür die Natur“ bei Werk und Feier vorläufigesEnde der Publikation.1986-1990 (beginnend 1978) sinderbitterte Auseinandersetzungen umden Braunkohlenbergbau im Gange.Die Devastierung von Deutsch-Ossigsoll verhindert werden. In diesemZeitraum entstehen die fünf Deutsch-Ossig-Bücher.Da die Oberlausitz 1813 Hauptkampfgebietin den Befreiungskriegenwar, entstehen Essays zu jener Zeit,veröffentlicht als „…1813…“ und„1813 – die Sieger“. Dramatik wird inder „Spielagende“ zusammengefaßt,so zu Bibelstoffen, rußischer Prosa,Malern und Gemälden, ökologischenund politischen Themen. Den Abschlußder Neunziger bildet der philo-


ZUSCHRIFT – TERMINE 77sophische Kommentar zu JakobBöhmes „Aurora oder Morgenröte imAufgang“. Bei der gänzlichen Orientierungauf das Schreiben als Berufvon 2001 an, stehen Texte im Vordergrund,die vertont und zur Aufführunggebracht werden Hierher gehört auchdie Veröffentlichung „Hiob – in Psalmengesungen“, Texte zum Buch Hiobverbunden mit Fotografien von Auschwitz.2003 erfolgt die Gründung derSpielgruppe Hochkirch. 2002-2004entsteht der Roman „Kap der gutenHoffnung“ nach Motiven des „FliegendenHolländers“. Die Jahre 1990-2005 werden regional im Deutsch-Ossig-Report II „Etwas bleibt immerübrig“ zusammengefaßt.Zuschrift – „Lebenslieder”„Komm bitte einmal kurz mit”, bat mich mein Vater amMorgen meines Konfirmationssonntages. Aufgeregt gingich mit ihm in sein Anwaltsbüro – ich vergesse es nie – wirbeide im festlichen Anzug – mein erster. Und dann saßenwir uns an seinem großen Schreibtisch gegenüber. Heuteweiß ich, was ihm dieser Moment bedeutete. Er überreichtemir mein erstes Gesangbuch! „Es möchte dir Begleitersein auf deinem Lebensweg”, sagte er und hatte ein persönlichesSegenswort hineingeschrieben.Vor wenigen Wochen hielt ich in einem kleinen Dorf inder schlesischen Oberlausitz, einen Gottesdienst. Aus derGemeinde, die ich aus DDR-Zeiten kannte, schenkte miram Ende eine alte Schlesierin ihr persönliches Familiengesangbuchvon 1835. „Es hat mich mein Leben begleitet undGenerationen unserer Familie durchgetragen. Auch in denJahren der Flucht und Vertreibung war es mein fester Halt.Nun bin ich allein und möchte diesen Schatz weitergeben.”Bald wird in unseren Gemeinden der Sonntag „Kantate”gefeiert – vielerorts auch Konfirmation. Was geben wirheute jungen Menschen mit auf den Weg? Ein Gesangbuch?Brauchen sie das? Am besten Geld?Was brauchen wir, wenn wir täglich die Nachrichten ausSyrien, Mali oder Korea hören? Einfach das Gesangbuchaufschlagen und gegenan singen? – So einfach geht dasnicht.Aber einmal nachlesen, was Liederdichter wie MartinLuther, Paul Gerhardt, Dietrich Bonhoeffer oder JochenKlepper und viele andere in ihrer Zeit bewegt hat. Siehaben über Jahrhunderte in Chorälen, Songs oder Spiritualsgegenan gedichtet und gesungen – gegen Tod und Teufel,gegen Mächte und Gewalten, gegen Ängste und Trauer,gegen Wut,Verzweiflung, Gewalt und Ungerechtigkeit. RichtigeProtestlieder.Vor allem aber standen sie für etwas: Für eine lebendigeund persönliche Gottesbeziehung. Diese „fährt mit denTexten und Melodien in die Seele”, sagt Luther und dasEvangelium von Jesus ist „guttes geschrey, davon man singetund saget und fröhlich ist”. Also auch: richtige Zeugnislieder– für alle Anlässe und Situationen meines Lebens.Eben Lebenslieder, die Hoffnung, Liebe und Trost vermitteln.Kantate! Singt!Christoph Onken, Pfarrer i. R. Die ‘Gemeinschaft’ beim Deutschen Evangelischen KirchentagVom 1. bis 5. Mai findet in Hamburg der DeutscheEvangelische Kirchentag mit über 1000 Veranstaltungenstatt. Unsere Gemeinschaft wird zusammen mit 8 anderenHilfskomitees dort auf einem Stand unter Leitung desKonventes der ehemaligen evangelischen Ostkirchen vertretensein. Dr. H. H.Neß, Georg Burkert und Klaus-UlrichVogel werden dort sein und die Evangelischen Schlesiervertreten. Als Haupt-Augenmerk ist die UNESCO-Weltkulturerbe-Friedenskirchein Schweidnitz ausgewählt.Weiterhin wird ein Vortrag über die Friedenskirche durchPastor Pytel aus Schweidnitz am Freitag, dem 3. Mai um16.30 Uhr in der Messenhalle A 1 gehalten. Das Deutschlandtreffen der Schlesierfindet vom 21. bis 23. Juni 2013 wieder in Hannover statt.Alle Teilnehmer und Besucher sind herzlich eingeladenzum ökumenischen Eröffnungsgottesdienst am Freitag, 21.Juni, um 17.00 Uhr, in der katholischen St. Clemens-Kirche, Clemensstraße 1, in Hannover-Mitte.Vorbereitung und Leitung dieses Gottesdienstes liegenin diesem Jahr turnusgemäß bei den katholischen Schwesternund Brüdern. Die Festgottesdienste am Sonntag, dem23. Juni, werden dann wieder getrennt nach Konfessionenauf dem Messegelände gefeiert. Beginn jeweils um 9.30 Uhr.Wir Evangelischen werden – wie 2007, 2009 und 2011 –wieder in der Münchner Halle sein.Auch in diesem Jahr bitte ich Pastorinnen, Pastoren unddie Ritter des Johanniterordens, zu beiden Gottesdienstenihren Talar bzw. Rittermantel mitzubringen, damit wir zusammeneinziehen können!Als „Gemeinschaft evangelischer Schlesier (Hilfskomitee)e. V.” werden wir auch wieder einen Stand betreiben.Wie in den vergangenen Jahren soll er auch dieses Malin der großen Messehalle direkt neben dem „Heimatwerkschlesischer Katholiken” aufgestellt werden. Das ist fürgegenseitige Hilfe, aber auch gelegentliche Vertretungenund für unsere Auffindbarkeit günstig, wenn die beidengroßen Kirchen gut erkennbar nebeneinander platziert sind.


78VERANSTALTUNGENDazu möchte ich noch eine weitere Bitte aussprechen:Wir brauchen viele Helfer – für den Gottesdienst und fürden Stand. Ich bitte sehr herzlich um Ihre Mithilfe.Wenn Sie sich dazu entschließen können, melden Sie sichbitte beim Vorsitzenden der geschäftsführenden Landesarbeitsgemeinschaft(LAG) Hannover-Braunschweig,Herrn Oberstudienrat i. R. Christoph Scholz, Fritz-Reuter-Weg29, 30938 Burgwedel, Tel.: 05139-4934 oder beiC.-E. Schott, Elsa-Braendstroem-Str. 21, 55124 Mainz-Gonsenheim, Tel.: 06131-690488.Christoph Scholz danke ich auch an dieser Stelle sehrherzlich für den großen Einsatz, den er und seine LAGschon jetzt bei der Vorbereitung zeigen. So ein Treffenstellt hohe Anforderungen an viele von uns. Um so mehrhoffen wir auf ein frohes, gesundes, harmonisches Wiedersehenin Hannover! Christian-Erdmann Schott Zum Vormerken – zwei Görlitzer TermineAm 18. Mai 2013 um 10.00 Uhr hält Pfr. Dr. Christian-Erdmann Schott im Ev. Zentrum, Schlaurother Str. 11,02827 Görlitz, einen Vortrag unter dem Titel: „DieDiskussion um die Ehrung der gefallenen Helden nachden Freiheitskriegen (1813 - 1815) in Schlesien”.Am 28. Mai 2013 wird um 15.00 Uhr in der GörlitzerStadtbibliothek (Jochmannstr. 3) Inge Sobota unter demvielversprechenden Motto „Frühling im alten Schlesien”einer hoffentlich zahlreichen Zuhörerschaft Heiteres undMundartliches zum Besten geben.VERANSTALTUNGEN DERGEMEINSCHAFT EVANGELISCHER SCHLESIERHamburgAusflug der evangelischen SchlesierMittwoch, 8. Mai 2013 im Gemeindesaal von St. Petri in Altona,Schmarjestr. 31.LAG Baden-Württemberg/StuttgartGottesdienst mit Feier des Hl. Abendmahlsnach der Liturgie der Altpreußischen UnionSonntag Trinitatis, 26. Mai um 14.30 Uhrin der Schloßkirche in Stuttgart.EVANGELISCHE GOTTESDIENSTEIN DEUTSCHER SPRACHE IN SCHLESIENBreslau:an jedem Sonntag um 10 Uhr in der Christophorikirche,pl. Św. Krzyzstofa 1.Lauban:an jedem 2. Sonnabend um 10 Uhr in der Frauenkirche,al. Kombatantów.Liegnitz:am 1. und 3. Sonntag um 13 Uhrin der Liebfrauenkirche, pl. Mariacki 1.Schweidnitz:an jedem 4. Sonnabend um 9 Uhr im Lutherhaus,pl. Pokoju 6.Waldenburg:an jedem 2. Sonntag und jedem 4. Sonnabend um 14 Uhrin der Erlöserkirche, pl. Kościelny 4.Bad Warmbrunn:an jedem 2. Sonnabend in der Erlöserkirche, pl. Piastowski 18.JauerFriedenskircheAuf Anfrage: Park Pokoju 2, 59-400 Jawor.Tel. (+4876) 870 51 45. E-Mail: jawor@luteranie.plPfarramt:ul. Partyzantów 60, 51-675 Wrocław.Tel. 0048 - 71-3484598. Pfarrer Andrzej Foberwww.stchristophori.euchristophori@poczta.onet.euGEBURTSTAGE AUS DER LESERGEMEINDE100. Am 25.05. Herr Pastor i.R. Herbert Weisbrich,31167 Bockenem, früher Pogarell/Brieg.92. Am 06.05. Frau Anna-Dorothea Gerschwitz,61118 Bad Vilbel, früher Königsfeld.91. Am 05.05. Herr Dr. Werner Elkeles, 68165 Mannheim,früher Breslau.90. Am 03.05. Frau Käthe Maschler, 34305 Niedenstein. Am 04.05. Frau Christa-Helene Affeldt-von Gersdorff,38640 Goslar, früher Altseidenberg/Görlitz. Am14.05. Frau Hildegard Bothe, 38315 Schladen.89. Am 22.05. Frau Margarete Kruppa, 36251 BadHersfeld.88. Am 04.05. Frau Brigitte Glaser, 81679 München,früher Reichenbach.87. Am 29.05. Herr Pfarrer i.R. Kurt Hoffmann,59939 Olsberg, früher Breslau.86. Am 13.05. Herr Martin Schneider, 49632 Essen,früher Breslau.85. Am 20.05. Herr Gerhard Neumann, 70374 Stuttgart,früher Keula. Am 30.05. Frau Dr. Elisabeth Hoppe,65189 Wiesbaden, früher Wohlau.84. Am 16.05. Frau Christiane von Kessel, 64342 Seeheim-Jugenheim,früher Raake, Krs. Oels. Am 22.05.Frau Friedhild Seidel, geb. Appel, 30559 Hannover, früherMilitsch. Am 23.05. Frau Margarete Müller, 21266Jesteburg, früher Herischdorf.83. Am 08.05. Frau Edeltraut Warko, 70736 Fellbach,früher Schönau/Katzbach. Am 11.05. Frau HelgaScharbius, 97980 Bad Mergentheim, früher Forst/Lausitz. Am 26.05. Herr Curt v. Rothkirch, 32756 Detmold, früherOels. Am 31.05. Frau Sigrid Kosche, 49205 Hasbergen,früher Lauenbrunn.


AUS DER LESERGEMEINDE 7982. Am 16.05. Herr Pfarrer i.R. Dr. Traugott U. Schall,32756 Detmold, früher Breslau. Am 23.05. SchwesterErika Reichelt, 06005 Halle, früher Breslau u. Kunzendorf/Krs.Trenitz. Am 29.05. Herr Hans-Joachim Wunsch,51375 Leverkusen.81. Am 02.05. Frau Erna Stiller-Trumpold, 49152Bad Essen, früher Lamsfeld b. Breslau. Am 08.05. HerrPastor Kurt Neufert, 06502 Thale - OT Neinstedt, früherWühleisen. Am 15.05. Herr Dr. Christian Greiff, 86911Dießen a. A., früher Görlitz.80. Am 05.05. Frau Ruth Döring, 89522 Heidenheim,früher Saabor, Krs. Grünberg. Am 21.05. Herr Pfarrer i. R.Erhard Benning, 02827 Görlitz, früher Schlossberg/Ostpr. Am 28.05. Frau Marianne Fricke, 38274 Elbe-Gustedt.79. Am 03.05. Herr Andreas Sabarth, 31848 BadMünder, früher Riemendreis/Löwenberg. Am 05.05.Herr Karl Wehner, 42549 Velbert, früher Turawa O/S. Am 07.05. Herr Pfarrer i.R. Lothar Meerkötter, 51491Overath, früher Schweidnitz. Am 11.05. Frau LiselotteSabarth, geb. Weiner, 31848 Bad Münder, früher Görlitz. Am 28.05. Herr Dieter Woizik, 53721 Siegburg, früherHermsdorf/Krs. Hirschberg.78. Am 13.05. Herr Klaus-Dieter Tempel, 72622Nürtingen, früher Konstadt. Am 24.05. Herr Pfarrer i.R.Eberhard Czaika, 87629 Füssen, früher Breslau. Am30.05. Frau Gudrun Mitschke, 89231 Neu-Ulm.77. Am 05.05. Frau Brigitte Herbert, 35216 Biedenkopf,früher Neisse/OS. Am 14.05. Herr Karl-WilhelmSchmidt, 80992 München, früher Breslau.76. Am 07.05. Frau Friederike v. Gellhorn, 24217Wisch, früher Ottwitz. Am 19.05. Frau Renate Rübesam,97877 Wertheim, früher Frankenstein. Am 23.05.Frau Friederike Wirth, 65779 Kelkheim, früher Liegnitz.75. Am 22.05. Herr Wolfgang Bulla, 26382 Wilhelmshaven,früher Jauer. Am 24.05. Herr Dr. Volker Boehm,53340 Meckenheim, früher Gleiwitz. Am 31.05. FrauRuth Schlag, geb. König (in Schweidnitz), 14167 Berlin,früher Linden, Krs. Brieg.74. Am 05.05. Herr Altbischof Klaus Wollenweber,53129 Bonn, früher Krefeld. Am 30.05. Herr WinfriedKothe, 98553 Schleusingen-Gethles, früher Sagan.73. Am 06.05. Herr Günter Weiß, 39261 Zerbst, früherOels. Am 07.05. Herr Dr. Ekkehard Knobloch,82131 Gauting.71. Am 09.05. Herr Schuldekan i. R. Georg Burkert,97980 Bad Mergentheim, früher Breslau. Am 23.05.Frau Marie-Luise Gebauer, 02826 Görlitz, früher Dresden. Am 30.05. Frau Charlotte Merle, 30171 Hannover, früherSchweidnitz.69. Am 11.05. Frau Gertraude M. Wallhofen-Vosseler,93049 Regensburg.67. Am 17.05. Frau Gisela Bartsch, 31191 Algermissen,früher Harpersdorf/Goldberg.65. Am 03.05. Herr Hans-Joachim Scholz, 06493Harzgerode. Am 16.05. Frau Annelies Böhmig, 02763Zittau, früher Lauban/Greiffenberg.64. Am 12.05. Herr Klaus-Ulrich Vogel, 32440 PortaWestfalica, früher Hille Krs.Minden. Am 20.05. FrauGudrun Stillfried, 55583 Bad Münster a.Stein- Ebernburg,62. Am 14.05. Herr MR Dr. Rudolf Grzegorek, 02826Görlitz, früher Görlitz. Beitrittserklärung:Ich erkläre hiermit meinen Beitritt zur Gemeinschaft evangelischerSchlesier e. V. bei einem Mitglieder-Jahresbeitrag von aktuell 30 Eurofür das laufende Kalenderjahr; im Rahmen meiner Vereinsmitgliedschafterhalte ich die Zeitschrift „Schlesischer Gottesfreund” kostenfrei.Ich möchte kein Mitglied werden, bestelle aber die Monatszeitschrift„Schlesischer Gottesfreund” zum Abo-Preis von 36 Euro proJahr.Bitte senden Sie mir eine Probenummer der Zeitschrift „SchlesischerGottesfreund” zu.Datum:Titel:Nachname:Vorname:Straße:PLZ, Ort:Geburtsdatum/-ort:Unterschrift:Beruf:persönlicher bzw. familiärerschlesischer Herkunftsort:Sollten Sie nicht mit der Veröffentlichung einiger Ihrer persönlichenDaten in der Geburtstagsliste des „Gottesfreundes” einverstandenxsein, kreuzen Sie es bitte in den entsprechenden Kästchen an.Bitte einsenden an: Gemeinschaft evangelischer Schlesier e.V.Postfach 1410, D – 32440 Porta Westfalicaoder Stiftung Evangelisches SchlesienSchlaurother Straße 11, D – 02827 GörlitzBankverbindung: Stadtsparkasse Porta WestfalicaBLZ: 490 519 90 Kto.-Nr.: 26 997ImpressumHerausgeber:Gemeinschaft evangelischer Schlesier (Hilfskomitee) e.V.D 32440 Porta Westfalica, PF 1410, Tel.: 0571-971 99 74,Bankverbindung: Stadtsparkasse Porta WestfalicaBLZ: 490 519 90 Kto.-Nr.: 26 997E-mail: info@gesev.deVerantwortlich für den Inhalt:Andreas Neumann-NochtenHotherstraße 32, D - 02826 GörlitzTel.: 03581 - 878988E-mail: gottesfreund@nochtenart.deBeiträge/Grafik/Satz/Layout: Andreas Neumann-NochtenHerausgegeben in Zusammenarbeit mit derStiftung Evangelisches SchlesienEinsendungen: Schlaurother Straße 11, 02827 GörlitzE-Mail: gottesfreund@kkvsol.netDruck: JAENSCH & AHRENSMEYER, Porta Westfalica


AUSSTELLUNGSMPFEHLUNG80Agnetendorfauf alten Postkartenvia regia-HausReichenbach/OLGroße Kirchgasse 18. Mai 2013 – 23. Juni 2013Eröffnung: 7. Mai 2013 – 18 UhrÖffnungszeiten:Dienstag bis Sonntag: 14–17 Uhr und nach Vereinbarung.In Kooperation mit dem Städtischen MuseumGerhart-Hauptmann-Haus in Hirschberg(Jelenia Góra) zeigt das via regia-Haus„Agnetendorf auf alten Postkarten” als beliebtesReiseziel im 19. Jahrhundert.Neben der malerischen Landschaft desRiesengebirges sind es die touristischen Zielefür Wanderer und Wintersportler sowie die„Villa Wiesenstein” von Gerhart Hauptmann,die auf der Postkarte vom Urlaubsort grüßtenund bei den Zuhausegebliebenen Fernwehund Reiselust weckten. Die Direktorin des Gerhart-Hauptmann-Hauses, Julita Izabela Zaprucka, wird in dieAusstellung einführen und aus gegenwärtiger, deutschpolnischerSicht den gemeinsamen kulturgeschichtlichenSpuren im Riesengebirge nachspüren.Kontakt:Thomas Napp, Tel.: 035828/74350, t.napp@reichenbach-ol.de

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine