DEINE RECHTE ALS LEHRLING - Arbeiterkammer

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DEINE RECHTE ALS LEHRLING - Arbeiterkammer

DEINE RECHTEALS LEHRLINGEIN RATGEBER FÜR DENEINSTIEG IN DIE ARBEITSWELTStand 2007o: fotolia/ Diana DrubigDeinstarkerPartner.


Deine Rechte als Lehrling


InhaltsverzeichnisStarthilfe für Lehrlinge 3Lehrvertrag 4Lehrlingsentschädigung und Lohnabrechnung 5Ausbildungsvorschriften und Berufsbild 6Berufsschule 7Rechte und Pflichten 8Arbeitszeit 9Überstunden 10Ruhezeiten 11Urlaub 12Auflösung des Lehrverhältnisses 13Kollektivvertrag 14Lehrabschlussprüfung 15Nach der Lehre – Weiterverwendungszeit 16Mutterschutz 17Präsenz-, Ausbildungs- und Zivildienst 18Pflegefreistellung 19Dienstnehmerhaftpflichtgesetz 20Sicherheit am Arbeitsplatz 21Betriebliche Interessenvertretung – Jugendvertrauensrat 22Aushangpflichtige Gesetze 23


Starthilfe für LehrlingeMit der Lehre hast du einen Schritt gesetzt, Praktisches und Theoretischesfür deinen Berufsweg zu erlernen. Fachliches wird dir im Laufedeiner Lehrzeit vermittelt werden. Darüber hinaus wird sich das Leben inder Lehre auch nach Rechten und Pflichten ausrichten. Um dir dabei zuhelfen haben wir in diesem Heft die wichtigsten Punkte angeführt und dieHinweise beschrieben.Sie sollen dich darin unterstützen die richtigen Entscheidungen zu treffen,wenn es darauf ankommt. Wie deine Ausbildung im Betrieb ablaufenwird und was du in der Berufsschule lernen wirst, darüber gibt es genaueBestimmungen, von denen die wichtigsten in diesem Heft beschriebensind.Und wenn dir einmal etwas nicht ganz klar ist, dann stehen dir BeraterInnender Arbeiterkammer und Gewerkschaften zur Seite, um die richtigenSchritte zu setzen.Informationen zur Lehrlingsausbildung findest du auch im Internet unterwww.arbeiterkammer.atAK-Infoservice3


LehrvertragWenn du ein Lehrverhältnis eingehst, wird dieses durch einen Vertrag geregelt.Der Vertrag wird zwischen dir und dem Lehrberechtigten schriftlichabgeschlossen. Darin sind z. B. persönliche Daten (wie Name und Adressevon dir und deinem/deiner Lehrberechtigten), dein Lehrberuf, Beginnund Ende deiner Lehrzeit enthalten. Bist du noch nicht 18 Jahre, mussauch dein gesetzlicher Vertreter den Lehrvertrag unterschreiben.Der Lehrvertrag muss binnen 3 Wochen nach Beginn deiner Lehre beider Lehrlingsstelle angemeldet werden. Der Lehrberechtigte muss dichdarüber informieren.Es ist ratsam den Lehrvertrag genau zu lesen und bei Unklarheiten nachzufragen.Wenn du innerhalb der vorgesehenen Zeit von 3 Wochen noch keinenLehrvertrag unterschrieben hast, wende dich telefonisch oder persönlichan deine BeraterInnen bei der AK.4 AK-Infoservice


Lehrlingsentschädigungund LohnabrechnungWenn du ein Lehrverhältnis eingehst, entsteht neben dem Anspruch aufAusbildung in deinem Beruf auch ein Anspruch auf einen Lohn, der Lehrlingsentschädigunggenannt wird. In den meisten Berufen ist die Höhedieser Lehrlingsentschädigung im Kollektivvertrag geregelt.Als Lehrling bist du auch ArbeitnehmerIn, der/die einen Lohnzettel bekommenmuss. Auf diesem Lohnzettel sind sämtliche Lohnbestandteilesowie die gesetzlichen Abzüge festzuhalten.Lohnbestandteile sind:• n Lehrlingsentschädigung/Lohn• n Zulagen• n Überstundenentgelt und Überstundenzuschläge• n Sonderzahlungen (z. B. Urlaubsgeld, Weihnachtsremuneration)Gesetzliche Abzüge sind:• n Sozialversicherungsbeiträge• n Lohnsteuer (fällt aber erst ab einer bestimmten Lohnhöhe an)Lohnzettel enthalten manchmal Verzichtserklärungen. Daraus kannbei Beendigung deines Lehrverhältnisses ein finanzieller Nachteilentstehen. Deshalb sollten Verzichtserklärungen nicht unterschriebenwerden.Grundsätzlich sollte jeder, der mit seiner Lohnabrechnung nicht klarkommt, fachkundigen Rat einholen. Die AK-BeraterInnen stehen dafürgerne zur Verfügung.AK-Infoservice5


Ausbildungsvorschriftenund BerufsbildDamit du später das in deiner Lehrzeit erworbene Wissen und Könnenerfolgreich einsetzen kannst, ist es wichtig, dass du während deiner Lehrzeitsehr gut ausgebildet wirst.Art und Umfang der Ausbildung sind nicht alleine deinem Lehrberechtigtenüberlassen, es gibt für jeden Lehrberuf ein sogenanntes Berufsbild.Im Berufsbild sind – nach Lehrjahren geordnet – all jene Fertigkeiten undKenntnisse angeführt, die dir im Betrieb beigebracht werden müssen.Können Teile des Berufsbildes (bestimmte Fertigkeiten und Kenntnisse)nicht im Lehrbetrieb vermittelt werden, so ist ein entsprechender Kursoder eine Ausbildung in einem anderen Betrieb zu absolvieren (Ausbildungsverbundmaßnahme).Im Lehrvertrag sind Dauer und Inhalt, dasLehrjahr und der Ort, an dem die Fertigkeiten und Kenntnisse vermitteltwerden sollen, zu vereinbaren. Diese Vereinbarung muss von dir und vondeinem Lehrberechtigten eingehalten werden.Kontrolliere deinen Ausbildungsstand regelmäßig!Das Berufsbild deines Lehrberufes findest du unter www.bmwfj.gv.at (Berufsausbildung,Lehrberufe in Österreich, Liste der Lehrberufe von A – Z).6 AK-Infoservice


BerufsschuleDeine Ausbildung erfolgt im Lehrbetrieb und in der Berufsschule. Die Unterrichtszeitin der Berufsschule (mit den Pausen – aber ohne Mittagspause!)ist auf deine Arbeitszeit anzurechnen.Beträgt die Unterrichtszeit an einem Schultag 8 Stunden oder länger,darfst du an diesem Tag im Betrieb nicht mehr beschäftigt werden. Entfälltan einem Schultag der ganze oder ein Teil des Unterrichts bzw. dauertder Unterricht weniger als 8 Stunden, musst du arbeiten, wenn dieUnterrichtszeit, die Wegzeit zwischen Schule und Betrieb und die Zeitim Betrieb, die gesetzliche Arbeitszeit nicht überschreiten (siehe KapitelArbeitszeit, Seite 9).Besuchst du eine lehrgangsmäßige oder saisonmäßige Berufsschule,darfst du während des tatsächlichen Besuches dieser Schule nicht imBetrieb beschäftigt werden.Während der Dauer des Berufsschulbesuches muss dein Lehrberechtigterdie Lehrlingsentschädigung weiter bezahlen. Die Kosten des Berufsschulinternatshast du grundsätzlich selbst zu tragen, übersteigen dieseKosten aber deine Lehrlingsentschädigung, muss dein Lehrberechtigterdie Differenz bezahlen.Viele Kollektivverträge sehen günstigere Internatskostenregelungenvor. Informier dich über die für dich gültige Regelung bei denBeraterInnen der Gewerkschaften und der AK.Auch BerufsschülerInnen haben ein Recht auf Vertretung ihrer Inte ressenund auf Mitgestaltung des Schullebens durch die Schülermitverwaltung.Dazu werden Schülervertreter aus dem Kreis der BerufsschülerInnen gewählt,die dann für einen bestimmten Zeitraum die Interessen der SchülerInnengegenüber der Schulleitung zu vertreten haben.AK-Infoservice7


Rechte und PflichtenAus dem Lehrverhältnis entstehen für dich Rechte und Pflichten. Dazugehört es, dich zu bemühen, alle notwendigen Fertigkeiten und Kenntnissezu erwerben, die für deinen Lehrberuf notwendig sind. Der regelmäßigeBesuch der Berufsschule ist ebenfalls verpflichtend und vermittelt dirtheoretisches Wissen zu deinen erlernten praktischen Fertigkeiten.Zu den Pflichten zählt auch deinen Lehrberechtigten zu verständigen,wenn du einmal verhindert sein solltest. Im Falle einer Krankheit musst dueine ärztliche Bestätigung vorgelegen.Dein Lehrberechtigter ist seinerseits verpflichtet für eine ordnungsgemäßeAusbildung zu sorgen, dir regelmäßig die Lehrlingsentschädigung zu zahlenund dir für den Besuch der Berufsschule frei zu geben.Beachte deine Pflichten, denn Vernachlässigung kann zur Auflösungdes Lehrverhältnisses führen.Hier sind nur einige der Rechte und Pflichten angesprochen. Fühlst dudich in deinen Rechten verletzt, reagiere nicht unüberlegt, sondern lassdich umgehend beraten.8 AK-Infoservice


ArbeitszeitAls Lehrling ist deine Arbeitszeit genau geregelt. Solange du das 18. Lebensjahrnicht vollendet hast gilt grundsätzlich, dass eine Arbeitszeit von• n 8 Stunden täglich• n 40 Stunden wöchentlichnicht überschritten werden darf.Für eine verlängerte Wochenfreizeit oder wenn es dein Kollektivvertragerlaubt, darfst du auch mehr als 8 Stunden täglich arbeiten.Es darf aber deine tägliche Arbeitzeit nicht mehr als 9 Stunden betragen(wenn du über 16 Jahre alt bist, zusammen mit den Vor- und Abschlussarbeitenkeinesfalls mehr als 9,5 Stunden).Eine Verlängerung deiner Wochenarbeitszeit kann z. B. durch Kollektivvertragerlaubt werden. Dann darfst du nicht mehr als 45 Stunden arbeitenund deine Arbeitszeit muss innerhalb eines mehrwöchigen Zeitraumesso verteilt werden, dass sie im Durchschnitt 40 Stunden nicht übersteigt(Durchrechnungszeitraum).Nach deinem vollendeten 18. Lebensjahr gelten für dich die gleichen Bestimmungenwie für Erwachsene. Die genauen Bestimmungen sind z. B.im Arbeitszeitgesetz geregelt.In deinem Lehrbetrieb muss ein Arbeitszeitplan zur Einsicht aufliegen. Dusolltest über deine Arbeitszeiten genaue Aufzeichnungen führen und siein einer Liste eintragen. Ein Muster findest du im Internet zum Downloadwww.arbeiterkammer.atAls Lehrling darfst du nicht zu Akkordarbeiten herangezogen werden.AK-Infoservice9


ÜberstundenAls Überstunde gilt jede Arbeitszeitüberschreitung der 8-stündigen Tages-oder 40-stündigen Wochenarbeitszeit. Eine Ausnahme ist z. B. derso genannte Durchrechnungszeitraum nach Kollektivvertrag (siehe KapitelArbeitszeit, Seite 9).Hast du als Lehrling dein 18. Lebensjahr noch nicht vollendet, sind Überstundengrundsätzlich verboten.Solltest du dennoch Überstunden machen müssen, so sind diese gesondertzu bezahlen. Abgesehen von einigen kollektivvertraglichen Ausnahmen,erhältst du für deine Überstunden einen Überstundenzuschlag von50 Prozent deines Stundenlohnes. Falls dir anstelle der Bezahlung Zeitausgleichangeboten wird, musst du damit einverstanden sein, ein Überstundenzuschlagsteht dir dann ebenfalls zu.Für 4 Überstunden steht dir in der Regel ein Zeitausgleich von 6Stunden zu.Wenn du über 18 bist, gelten für dich die gleichen Bestimmungen wie fürErwachsene (z. B. Arbeitszeitgesetz). Bei der Berechnung der Überstundenentlohnungist aber der niedrigste im Betrieb vereinbarte Facharbeiterlohnbzw. Angestelltengehalt heranzuziehen.Die Bezahlung der Überstunden musst du, falls sie nicht gleich bezahltworden sind, schriftlich einfordern. Um den Anspruch nicht zu verlieren,müssen die im Kollektivvertrag dafür vorgesehenen Fristen eingehaltenwerden.Du solltest in jedem Fall deine täglichen Arbeitszeiten, also Arbeitsbeginn,Pausen und Arbeitsende, genau und regelmäßig aufzeichnen.10 AK-Infoservice


RuhezeitenWenn du dein 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hast, hast du spätestensnach 6 Stunden Arbeitszeit Anspruch auf eine Pause von 30 Minuten,in der nicht gearbeitet werden darf. Innerhalb von 24 Stunden nachArbeitsbeginn hast du Anspruch auf 12 Stunden ununterbrochene Ruhezeit.Nur im Gastgewerbe gibt es eine Ausnahme, denn dort muss eineununterbrochene Ruhezeit von 12 Stunden nach Arbeitsende eingehaltenwerden.Bist du noch nicht 15 Jahre alt, dann steht dir eine Ruhezeit von 14 Stundeninnerhalb von 24 Stunden nach Arbeitsbeginn zu.Solange du das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hast, darfst dunicht an Sonn- und Feiertagen und nicht in der Zeit von 8 Uhr abendsbis 6 Uhr früh beschäftigt werden. Ausnahmen zum Arbeitsverbotan Sonn- und Feiertagen gibt es z. B. im Gastgewerbe oder im Handelfür den 8. Dezember. Ausnahmen zum Nachtarbeitsverbot gibt esz. B. für Gastgewerbe, Bäcker oder mehrschichtige Betriebe.Als Lehrling hast du grundsätzlich Anspruch auf 2 auf einander folgendefreie Tage pro Woche, Sonntag eingeschlossen, ab spätestens Samstag13.00 Uhr (Wochenfreizeit). Solltest du am Samstag arbeiten müssen, sohast du Anspruch am folgenden Montag arbeitsfrei zu bekommen (Ausnahmeregelungfür Montag Berufsschultag).Zur Wochenfreizeit gibt es eine Reihe von Ausnahmeregelungen, wie z. B.Teilung der Wochenfreizeit aus organisatorischen Gründen oder Sonderregelungenfür den Handel mit Samstagnachmittagsarbeit. Kollektivverträgekönnen weitere Ausnahmen zulassen.Vergleiche deine Arbeitszeit mit den Bestimmungen des Kollektivvertragesdeiner Berufsgruppe oder wende dich an deine/n AK-BeraterIn.AK-Infoservice11


UrlaubAls Lehrling hast du einen Anspruch auf einen 5-wöchigen Urlaub im Jahr,das entspricht 30 Werktagen.Der Urlaubsbeginn und die Dauer des Urlaubs muss zwischen dir unddeinem Lehrberechtigten abgesprochen werden, da der Urlaub nicht nurvon dir alleine oder nur von deinem Lehrberechtigten festgelegt werdenkann. Der Urlaub kann auch in Teilen genommen werden.Solange du dein 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hast, besteht fürdich ein Anspruch auf 12 Werktage durchgehenden Urlaub in der Sommerzeit,und zwar zwischen 15. Juni und 15. September.Solltest du während deines Urlaubes länger als 3 Tage erkranken, so istdamit dein Urlaub unterbrochen. Dazu brauchst du aber unbedingt eineärztliche Bestätigung deiner Erkrankung.Vereinbare deinen gewünschten Urlaubszeitpunkt frühzeitig mitdem Lehrberechtigten.Sollte dein Lehrverhältnis aufgelöst werden, so hast du Anspruch auf Urlaubsersatzleistung,das ist eine finanzielle Abgeltung deines Resturlaubes.Für nicht verbrauchten Urlaub aus vergangenen Jahren steht dir eine Abgeltungim vollen Umfang zu, Urlaubsansprüche aus dem laufenden Urlaubsjahrwerden anteilsmäßig (im Verhältnis zur Dienstzeit im laufendenUrlaubsjahr) und unter Abzug des bereits verbrauchten Urlaubes abgegolten.12 AK-Infoservice


Auflösung des LehrverhältnissesNormalerweise endet dein Lehrverhältnis mit dem im Lehrvertrag vorgesehenenZeitpunkt, kann aber grundsätzlich auch mit einer vorzeitigenAuflösung beendet werden. Im Wesentlichen können folgende Möglichkeitenzu einer Auflösung deines Lehrverhältnisses führen:• n Während der dreimonatigen Probezeit kann das Lehrverhältnis von diroder deinem Lehrberechtigten ohne Angabe von Gründen aufgelöstwerden.• n Das Lehrverhältnis kann aus wichtigem Grund von dir oder von deinemLehrberechtigten aufgelöst werden. Wichtige Gründe für denLehrberechtigten sind beispielsweise unentschuldigtes Fernbleiben(Schwänzen) der Berufsschule, unerlaubtes Verlassen des Arbeitsplatzesoder auch Diebstahl. Schwerwiegende Gründe für den Lehrlingdas Lehrverhältnis aufzulösen sind etwa nicht bezahltes Entgelt,gesundheitliche Gründe oder auch körperliche Züchtigungen.• n Von dir oder von deinem Lehrberechtigten kann das Lehrverhältnisunter Einhaltung einer Frist von einem Monat zum Ende des zwölftenMonats des ersten Lehrjahres oder zum Ende des 24. Monats deszweiten Lehrjahres außerordentlich aufgelöst werden. Der Lehrberechtigtemuss zu dieser Art der Auflösung ein bestimmtes Verfahren(Mediationsverfahren) einhalten.• n Das Lehrverhältnis kann auch einvernehmlich, im beiderseitigen Interesse,aufgelöst werden. Dazu ist allerdings eine sogenannte Belehrungsbestätigungdurch die AK oder durch ein Arbeits- und Sozialgerichtnotwendig.Wird dein Lehrverhältnis vorzeitig aufgelöst, so muss das in jedem Fallschriftlich erfolgen. Wird das Lehrverhältnis durch dich oder einvernehmlichgelöst und bist du noch minderjährig, dann ist die Zustimmung deinergesetzlichen Vertreter notwendig.Ein Lehrverhältnis aufzulösen ist oftmals eine heikle Sache undnicht immer einfach. Lass dich unbedingt beraten.Melde dich bei Auflösung deines Lehrverhältnisses umgehend beim Arbeitsmarktservice,damit dir ein Ersatzausbildungsplatz vermittelt werdenkann und du deine Ausbildung abschließen kannst.AK-Infoservice13


KollektivvertragDer Kollektivvertrag ist eine schriftliche Vereinbarung zwischen den Gewerkschaftenund der Arbeitgeberseite. Es handelt sich dabei um einezwingende Bestimmung und entspricht in etwa einem Gesetz.Der Kollektivvertrag enthält wichtige Bestimmungen beispielsweise zuArbeitszeit, Mehrarbeit, Überstunden, Probezeit, Kündigungsfristen undregelt wichtige Ansprüche von ArbeitnehmerInnen bzw. Lehrlingen.Zu diesen Ansprüchen zählen:nnMindestlohn/gehalt, LehrlingsentschädigungnnZulagennnÜberstundenentgelt, ÜberstundenzuschlägennUrlaubszuschussnnWeihnachtsremunerationIn Kollektivverträgen sind auch Bestimmungen enthalten, die sich auf bestimmteFristen beziehen, innerhalb derer finanzielle Ansprüche geltendgemacht werden müssen.Der Arbeitgeber ist verpflichtet den Kollektivvertrag zur Einsichtnahme imBetrieb aufzulegen.Im Kollektivvertrag sind die Mindestanforderungen geregelt, günstigereVereinbarungen für den/die ArbeitnehmerIn bzw. den Lehrling sind möglich.Es ist ratsam finanzielle Ansprüche immer schriftlich geltend zumachen. Die BeraterInnen der AK und der Gewerkschaften helfendabei.14 AK-Infoservice


LehrabschlussprüfungDie Lehrabschlussprüfung hat in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert.Wer sie erfolgreich ablegt, kann nicht nur mit einer besseren Entlohnungrechnen, sondern hat auch mehr Aufstiegschancen im Berufsleben.Frühestens 6 Monate vor Ende deiner Lehrzeit kannst du dich bei derLehrlingsstelle zur Lehrabschlussprüfung anmelden. 10 Wochen vor Endedeiner Lehrzeit kannst du dann zur Lehrabschlussprüfung antreten. Voraussetzungdafür ist der Abschluss der Berufsschule.Die Prüfungsordnung regelt den Inhalt der Prüfungsgegenstände. Klapptes nicht, bist du berechtigt die Prüfung zu wiederholen, wobei nur dienegativ bewerteten Prüfungsgegenstände geprüft werden.Hast du die Lehrzeit nicht zur Gänze absolviert, die Berufsschule nichtvollständig oder nicht positiv abgeschlossen, kannst du unter gewissenVoraussetzungen dennoch zur Lehrabschlussprüfung antreten. Welchedas sind, lässt sich am besten bei einem/einer AK-BeraterIn erfragen.Für die Lehrabschlussprüfung ist eine Prüfungsgebühr zu bezahlen. Diesemuss vom Lehrberechtigten/Arbeitgeber beim erstmaligen Antreten währendder Lehrzeit oder Weiterverwendungszeit zurückerstattet werden.Die Lehrabschlussprüfung zieht sich meist über einen ganzen Tag. AmEnde des Prüfungstages wird dir dann ein Zeugnis überreicht. Ist die Lehrabschlussprüfungerfolgreich bestanden, gibt es dann noch die Möglichkeitin den verwandten Lehrberufen Zusatzprüfungen abzulegen. Wanndas möglich ist und welche Schritte du dafür unternehmen musst, sagtdir der/die AK-BeraterIn.Download: Prüfungsordnung unter www.bmwfj.gv.at (Berufsausbildung,Lehrberufe in Österreich, Liste der Lehrberufe von A – Z)AK-Infoservice15


Nach der Lehre – WeiterverwendungszeitFür den Lehrberechtigten besteht die Verpflichtung dich nach Ende derLehrzeit weitere 3 Monate, in der sogenannten Behaltezeit oder Weiterverwendungszeit,im Lehrberuf zu beschäftigen. Wenn die Ausbildung beidemselben Lehrberechtigten die Hälfte oder weniger der gesamten Lehrzeitbetragen hat, so verkürzt sich diese Verpflichtung auf 1,5 Monate. Inmanchen Branchen wird die Weiterverwendungszeit durch die Bestimmungendes Kollektivvertrages verlängert.Wenn du die Lehrabschlussprüfung während der Lehrzeit ablegst, endetdein Lehrverhältnis in derselben Woche (am Sonntag). Mit Beginn dernächsten Arbeitswoche beginnt die Weiterverwendungszeit. Ab diesemZeitpunkt ändert sich auch die Entlohnung (in z. B. Facharbeiterlohn). Inallen anderen Fällen endet die Lehrzeit mit dem vertraglich festgesetztenEnde der Lehrzeit.Das Arbeitsverhältnis kann während der Weiterverwendungszeit grundsätzlichnur von dir, unter Einhaltung der gesetzlichen bzw. kollektivvertraglichenBestimmungen, gekündigt werden. Ist für diesen Zeitraumjedoch ein befristetes Arbeitsverhältnis vereinbart, so gibt es diese Kündigungsmöglichkeitnicht. Grundsätzlich sollte jeder Auflösung von Arbeitsverhältnissenausführliche Beratung vorausgehen.Es ist ratsam den Abschluss von befristeten Arbeitsverhältnissengenau zu überlegen, da sie meist zum Nachteil für den/die ArbeitnehmerInsind.16 AK-Infoservice


MutterschutzAuch als Lehrling gelten für dich im Falle einer Mutterschaft die Bestimmungendes Mutterschutzgesetzes. Die spezielle Broschüre „Mutterschutzund Elternkarenz“ zum Download findet sich auf der Website derArbeiterkammer www.arbeiterkammer.at.Damit die Schutzbestimmungen des Mutterschutzgesetzes wirksam werdenkönnen, ist es erforderlich, dass du eine Schwangerschaft deinemLehrberechtigten so rasch wie möglich mitteilst (ärztliche Bestätigung).Für schwangere Arbeitnehmerinnen besteht bis zum Ablauf von 4 Monatennach der Entbindung ein besonderer Kündigungs- und Entlassungsschutz.Dieser Entlassungsschutz nach dem Mutterschutzgesetz gilt auchfür dich als Lehrling, du darfst daher grundsätzlich nur aus besonderenGründen und mit Zustimmung des Gerichtes entlassen werden.Während der Schwangerschaft und Stillzeit darfst du keine Überstundenleisten. Du darfst auch nicht über die gesetzlich oder kollektivvertraglichzulässige tägliche Arbeitszeit arbeiten.Die tägliche Arbeitszeit darf keinesfalls 9 Stunden, die wöchentliche Arbeitszeitkeinesfalls 40 Stunden überschreiten.Darüber hinaus darfst du als werdende Mutter zu bestimmten Tätigkeitennicht bzw. nur teilweise herangezogen werden (z. B. Arbeiten im Stehen,Heben und Tragen von Lasten, Arbeiten mit gesundheitsschädlichenStoffen, Nachtarbeit).Während der Schutzfrist von 8 Wochen vor der Geburt bis 8 Wochen(höchstens 16 Wochen) nach der Geburt gilt ein absolutes Beschäftigungsverbot.Im Anschluss an die Schutzfrist haben Mutter oder Vater wahlweiseAnspruch auf Karenzzeit bis maximal zum 2. Geburtstag des Kindes, währendder ebenfalls Kündigungs- und Entlassungsschutz besteht. Beginnund Dauer der Karenzzeit sind dem Lehrberechtigten grundsätzlich bis zumEnde des Beschäftigungsverbotes (Mutter) bzw. innerhalb von 8 Wochennach der Entbindung (Vater) bzw. bei Teilung der Karenz spätestens 3 Monatevor Ende des ersten Karenzteiles (am besten schriftlich) mitzuteilen.Der Kündigungs- und Entlassungsschutz gilt nicht während der Probezeitund für befristete Arbeitsverhältnisse gelten Sonderregelungen.AK-Infoservice17


Präsenz-, Ausbildungs- und ZivildienstWenn du zum Präsenz-, Ausbildungs- oder Zivildienst einberufen wirst,stehst du unter einem besonderen Kündigungs- und Entlassungsschutz,der durch das Arbeitsplatzsicherungsgesetz geregelt wird.Voraussetzung ist, dass der Arbeitgeber/Lehrberechtigte unverzüglichvon der Einberufung bzw. Zuweisung informiert wird. Ab diesem Zeitpunktkann das Arbeitsverhältnis/Lehrverhältnis bis zum Ablauf einesMonats nach Beendigung des Präsenz-, Ausbildungs- oder Zivildienstesvom Arbeitgeber nicht aufgelöst werden.Wirst du während der Weiterverwendungszeit zum Präsenz-, Ausbildungs-oder Zivildienst einberufen, so wird der Fortlauf der Weiterverwendungszeitfür die Dauer deines jeweiligen Dienstes gehemmt.Besonders zu beachten ist, dass innerhalb von 6 Werktagen nach Endedes Präsenz-, Ausbildungs-, und Zivildienstes die Arbeit wieder aufgenommenwerden muss. Wenn nicht, hat der Arbeitgeber damit einen Entlassungsgrund.18 AK-Infoservice


PflegefreistellungWenn ein naher Angehöriger, der im gemeinsamen Haushalt lebt, erkranktund gepflegt werden muss, so steht dir auch als Lehrling Pflegefreistellungzu.Nach den gesetzlichen Bestimmungen sind nahe Angehörige unter anderemEhegatten, Kinder und Eltern, Wahl- und Pflegekinder sowie Lebensgefährten.Auf Pflegefreistellung besteht ein Rechtsanspruch, weshalb es auch genügt,dem Arbeitgeber bzw. Lehrberechtigten mitzuteilen, dass diesesRecht beansprucht wird. Für die Zeit der Pflegefreistellung darf der Lohnnicht gekürzt werden.Pro Arbeitsjahr steht Pflegefreistellung bis zum Ausmaß der regelmäßigenwöchentlichen Arbeitszeit zu. Unter bestimmten Voraussetzungen bestehtAnspruch auf eine weitere Woche Pflegefreistellung. Sie kann auch tage-,halbtage- oder stundenweise in Anspruch genommen werden.Der Arbeitgeber muss vor Inanspruchnahme der Pflegefreistellung informiertwerden.Die Pflegebedürftigkeit des Angehörigen muss nachgewiesen werden,wobei das Gesetz keine besondere Art des Nachweises kennt. Der Arbeitgeberkann aber einen Nachweis verlangen, sollten daraus Kostenentstehen, muss er diese übernehmen.AK-Infoservice19


DienstnehmerhaftpflichtgesetzIn jedem Arbeitsprozess können Fehler passieren, die manchmal mehroder weniger große Schäden anrichten. In jedem Einzelfall muss geprüftwerden, wer den Schaden verursacht hat, wer die Schuld am Schadenträgt.Wenn der Arbeitgeber bzw. Lehrberechtigte die Bezahlung des Schadensverlangt oder auch Teile des Lohnes einbehält, so muss möglichst schriftlichinnerhalb von 14 Tagen widersprochen werden. Mit diesem Widerspruchdarf der Arbeitgeber keinen Lohn einbehalten.Für die Klärung der Verschuldensfrage ist dann das Arbeits- und Sozialgerichtzuständig. Besteht der Arbeitgeber auf Bezahlung des Schadens,so muss er diesen gerichtlich geltend machen. Das Gericht prüft die Höhedes Schadenersatzes, kann diese herabsetzen oder zur Gänze erlassen.Für eine entschuldbare Fehlleistung (geringfügiges Versehen) haftetder/die ArbeitnehmerIn nicht!Und wenn etwas passiert sollten keine Schulderklärungen abgegebenwerden, solange die Hintergründe und Ursachen nicht voll geprüft sind.Mutwillige Sachbeschädigungen im Betrieb oder vorsätzlich verur sachteSchäden sind selbstverständlich von der/vom ArbeitnehmerIn zu begleichen.20 AK-Infoservice


Sicherheit am ArbeitsplatzUm gesundheitliche Risken am Arbeitsplatz zu mindern, wurden ArbeitnehmerInnenschutzgesetzeund Verordnungen erlassen. Für die Einhaltungder darin formulierten Vorgaben hat der Arbeitgeber zu sorgen.Das Arbeitsinspektorat und die AK sind für die Überwachung der ArbeitnehmerInnenschutzvorschriftenzuständig. In den Betrieben unterstützender Betriebsrat und allenfalls Sicherheitskräfte die Maßnahmen für die Sicherheitam Arbeitsplatz.Im Interesse der eigenen Gesundheit solltest du die speziellen Schutzmaßnahmengenau beachten und die zum Schutz vorgesehenen Geräteund Hilfsmittel benutzen.Jede Berufssparte hat ihre eigenen Sicherheitsvorschriften. Welche Bestimmungenfür dich gelten, lassen sich mit Hilfe der Betriebsräte, derJugendvertrauensräte, der AK und dem Arbeitsinspektorat klären.Weiterführende Information findest du auch im Web:http://www.arbeitsinspektion.gv.at/AI/default.htmAK-Infoservice21


Betriebliche Interessenvertretung –JugendvertrauensratAnliegen, Vorstellungen und Interessen von Arbeitgebern und Arbeitnehmernsind naturgemäß nicht auf gleicher Ebene. Die Wahrung und Durchsetzungder Anliegen von ArbeitnehmerInnen liegt in den Händen betrieblicherInteressenvertretungen wie Jugendvertrauensrat oder Betriebsrat inenger Zusammenarbeit mit Gewerkschaften und Arbeiterkammer.Sind in einem Betrieb mindestens 5 ArbeitnehmerInnen beschäftigt kannein Betriebsrat gewählt werden. Zu den Aufgaben des Betriebsrates gehörtdie Verbindung zwischen Betriebsinhaber und den ArbeitnehmerInnenaufrecht zu halten. Der Betriebsrat kann Maßnahmen beantragen umbeispielsweise soziale Nachteile zu beseitigen oder Mängel aller Art zubeheben. Um dies zu erreichen, kann er gegebenenfalls auch zuständigeStellen außerhalb des Betriebes, wie Gewerkschaften, Arbeiterkammerund Arbeitsinspektorat, einbinden.Der Betriebsinhaber ist seinerseits verpflichtet dem Betriebsrat notwendigeAuskünfte zu geben und ihn in allen Angelegenheiten, die die ArbeitnehmerInnenbetreffen, anzuhören.Bei der Aufnahme von neuen Mitarbeitern oder wenn Kündigungen undEntlassungen von ArbeitnehmerInnen ausgesprochen werden, kommtdem Betriebsrat eine besonders wichtige Bedeutung zu.Sind im Betrieb mindestens 5 jugendliche ArbeitnehmerInnen (Lehrlinge)bis 18 Jahre beschäftigt, kann ein Jugendvertrauensrat gewählt werden.Der Jugendvertrauensrat hat die besonderen Interessen der jugendlichenArbeitnehmerInnen und Lehrlinge im Einvernehmen mit dem Betriebsratwahrzunehmen.Durch eine organisierte Betriebsvertretung können ArbeitnehmerInnenihre Interessen Erfolg versprechend durchsetzen. Bei der Organisierungeiner Betriebsrats- bzw. Jugendvertrauensratswahl sind Arbeiterkammerund Gewerkschaften behilflich.Weiterführende Information findest du auch im Web:www.arbeiterkammer.at22 AK-Infoservice


Aushangpflichtige GesetzeInformation ist alles. Damit du dich über Bestimmungen, die für dichwichtig sind, informieren kannst, müssen in jedem Betrieb, der ArbeitnehmerInnen(Lehrlinge) beschäftigt, bestimmte Gesetze und Verordnungenso aufgelegt werden, dass jederzeit Einsicht genommen werden kann.Aushangpflichtig sind unter anderem:• n Kinder- und Jugendlichenbeschäftigungsgesetz (KJGB – der Inhaltdieses Gesetzes bezieht sich auf den besonderen Schutz für Kinderund Jugendliche)• n Arbeitszeitgesetz (AZG – es regelt den Rahmen für die ArbeitszeitErwachsener – ab 18 Jahre)• n Mutterschutzgesetz (MSchG – auch für Lehrlinge gelten im Fall einerMutterschaft die Bestimmungen des Mutterschutzgesetzes – Beschäftigungsverbote,Kündigungs- und Entlassungsschutz, Karenzusw.)• n ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG – es beinhaltet die Grundzügedes ArbeitnehmerInnenschutzes, die durch spezielle Durchführungsverordnungennäher geregelt werden)• n Durchführungsverordnungen zum ASchG sind unter anderem:• n Arbeitsstättenverordnung (diese Verordnung enthält grundsätzlicheBestimmungen über die Beschaffenheit von Arbeitsstätten – Ausgänge,Stiegen, Beleuchtungen, Türen, Fenster usw. – sowie Bestimmungenüber Fluchtwege, Notausgänge, Sanitäreinrichtungen, Erste Hilfe,Brandschutz usw.)• n Bauarbeiterschutzverordnung (diese Verordnung bezieht sich aufden Schutz der Arbeitnehmer bei der Ausführung von Bauarbeiten allerArt einschließlich des Bauneben- und Bauhilfsgewerbes)AK-Infoservice23


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Deine Rechte als Lehrling


InhaltsverzeichnisStarthilfe für Lehrlinge 3Lehrvertrag 4Lehrlingsentschädigung und Lohnabrechnung 5Ausbildungsvorschriften und Berufsbild 6Berufsschule 7Rechte und Pflichten 8Arbeitszeit 9Überstunden 10Ruhezeiten 11Urlaub 12Auflösung des Lehrverhältnisses 13Kollektivvertrag 14Lehrabschlussprüfung 15Nach der Lehre – Weiterverwendungszeit 16Mutterschutz 17Präsenz-, Ausbildungs- und Zivildienst 18Pflegefreistellung 19Dienstnehmerhaftpflichtgesetz 20Sicherheit am Arbeitsplatz 21Betriebliche Interessenvertretung – Jugendvertrauensrat 22Aushangpflichtige Gesetze 2351565_Rechte_als_Lehling_Kern.indd 2 09.07.10 11:33


Starthilfe für LehrlingeMit der Lehre hast du einen Schritt gesetzt, Praktisches und Theoretischesfür deinen Berufsweg zu erlernen. Fachliches wird dir im Laufedeiner Lehrzeit vermittelt werden. Darüber hinaus wird sich das Leben inder Lehre auch nach Rechten und Pflichten ausrichten. Um dir dabei zuhelfen haben wir in diesem Heft die wichtigsten Punkte angeführt und dieHinweise beschrieben.Sie sollen dich darin unterstützen die richtigen Entscheidungen zu treffen,wenn es darauf ankommt. Wie deine Ausbildung im Betrieb ablaufenwird und was du in der Berufsschule lernen wirst, darüber gibt es genaueBestimmungen, von denen die wichtigsten in diesem Heft beschriebensind.Und wenn dir einmal etwas nicht ganz klar ist, dann stehen dir BeraterInnender Arbeiterkammer und Gewerkschaften zur Seite, um die richtigenSchritte zu setzen.Informationen zur Lehrlingsausbildung findest du auch im Internet unterwww.arbeiterkammer.atAK-Infoservice351565_Rechte_als_Lehling_Kern.indd 3 09.07.10 11:33


LehrvertragWenn du ein Lehrverhältnis eingehst, wird dieses durch einen Vertrag geregelt.Der Vertrag wird zwischen dir und dem Lehrberechtigten schriftlichabgeschlossen. Darin sind z. B. persönliche Daten (wie Name und Adressevon dir und deinem/deiner Lehrberechtigten), dein Lehrberuf, Beginnund Ende deiner Lehrzeit enthalten. Bist du noch nicht 18 Jahre, mussauch dein gesetzlicher Vertreter den Lehrvertrag unterschreiben.Der Lehrvertrag muss binnen 3 Wochen nach Beginn deiner Lehre beider Lehrlingsstelle angemeldet werden. Der Lehrberechtigte muss dichdarüber informieren.Es ist ratsam den Lehrvertrag genau zu lesen und bei Unklarheiten nachzufragen.Wenn du innerhalb der vorgesehenen Zeit von 3 Wochen noch keinenLehrvertrag unterschrieben hast, wende dich telefonisch oder persönlichan deine BeraterInnen bei der AK.4 AK-Infoservice51565_Rechte_als_Lehling_Kern.indd 4 09.07.10 11:33


Lehrlingsentschädigungund LohnabrechnungWenn du ein Lehrverhältnis eingehst, entsteht neben dem Anspruch aufAusbildung in deinem Beruf auch ein Anspruch auf einen Lohn, der Lehrlingsentschädigunggenannt wird. In den meisten Berufen ist die Höhedieser Lehrlingsentschädigung im Kollektivvertrag geregelt.Als Lehrling bist du auch ArbeitnehmerIn, der/die einen Lohnzettel bekommenmuss. Auf diesem Lohnzettel sind sämtliche Lohnbestandteilesowie die gesetzlichen Abzüge festzuhalten.Lohnbestandteile sind:• n Lehrlingsentschädigung/Lohn• n Zulagen• n Überstundenentgelt und Überstundenzuschläge• n Sonderzahlungen (z. B. Urlaubsgeld, Weihnachtsremuneration)Gesetzliche Abzüge sind:• n Sozialversicherungsbeiträge• n Lohnsteuer (fällt aber erst ab einer bestimmten Lohnhöhe an)Lohnzettel enthalten manchmal Verzichtserklärungen. Daraus kannbei Beendigung deines Lehrverhältnisses ein finanzieller Nachteilentstehen. Deshalb sollten Verzichtserklärungen nicht unterschriebenwerden.Grundsätzlich sollte jeder, der mit seiner Lohnabrechnung nicht klarkommt, fachkundigen Rat einholen. Die AK-BeraterInnen stehen dafürgerne zur Verfügung.AK-Infoservice551565_Rechte_als_Lehling_Kern.indd 5 09.07.10 11:33


Ausbildungsvorschriftenund BerufsbildDamit du später das in deiner Lehrzeit erworbene Wissen und Könnenerfolgreich einsetzen kannst, ist es wichtig, dass du während deiner Lehrzeitsehr gut ausgebildet wirst.Art und Umfang der Ausbildung sind nicht alleine deinem Lehrberechtigtenüberlassen, es gibt für jeden Lehrberuf ein sogenanntes Berufsbild.Im Berufsbild sind – nach Lehrjahren geordnet – all jene Fertigkeiten undKenntnisse angeführt, die dir im Betrieb beigebracht werden müssen.Können Teile des Berufsbildes (bestimmte Fertigkeiten und Kenntnisse)nicht im Lehrbetrieb vermittelt werden, so ist ein entsprechender Kursoder eine Ausbildung in einem anderen Betrieb zu absolvieren (Ausbildungsverbundmaßnahme).Im Lehrvertrag sind Dauer und Inhalt, dasLehrjahr und der Ort, an dem die Fertigkeiten und Kenntnisse vermitteltwerden sollen, zu vereinbaren. Diese Vereinbarung muss von dir und vondeinem Lehrberechtigten eingehalten werden.Kontrolliere deinen Ausbildungsstand regelmäßig!Das Berufsbild deines Lehrberufes findest du unter www.bmwfj.gv.at (Berufsausbildung,Lehrberufe in Österreich, Liste der Lehrberufe von A – Z).6 AK-Infoservice51565_Rechte_als_Lehling_Kern.indd 6 09.07.10 11:33


BerufsschuleDeine Ausbildung erfolgt im Lehrbetrieb und in der Berufsschule. Die Unterrichtszeitin der Berufsschule (mit den Pausen – aber ohne Mittagspause!)ist auf deine Arbeitszeit anzurechnen.Beträgt die Unterrichtszeit an einem Schultag 8 Stunden oder länger,darfst du an diesem Tag im Betrieb nicht mehr beschäftigt werden. Entfälltan einem Schultag der ganze oder ein Teil des Unterrichts bzw. dauertder Unterricht weniger als 8 Stunden, musst du arbeiten, wenn dieUnterrichtszeit, die Wegzeit zwischen Schule und Betrieb und die Zeitim Betrieb, die gesetzliche Arbeitszeit nicht überschreiten (siehe KapitelArbeitszeit, Seite 9).Besuchst du eine lehrgangsmäßige oder saisonmäßige Berufsschule,darfst du während des tatsächlichen Besuches dieser Schule nicht imBetrieb beschäftigt werden.Während der Dauer des Berufsschulbesuches muss dein Lehrberechtigterdie Lehrlingsentschädigung weiter bezahlen. Die Kosten des Berufsschulinternatshast du grundsätzlich selbst zu tragen, übersteigen dieseKosten aber deine Lehrlingsentschädigung, muss dein Lehrberechtigterdie Differenz bezahlen.Viele Kollektivverträge sehen günstigere Internatskostenregelungenvor. Informier dich über die für dich gültige Regelung bei denBeraterInnen der Gewerkschaften und der AK.Auch BerufsschülerInnen haben ein Recht auf Vertretung ihrer Inte ressenund auf Mitgestaltung des Schullebens durch die Schülermitverwaltung.Dazu werden Schülervertreter aus dem Kreis der BerufsschülerInnen gewählt,die dann für einen bestimmten Zeitraum die Interessen der SchülerInnengegenüber der Schulleitung zu vertreten haben.AK-Infoservice751565_Rechte_als_Lehling_Kern.indd 7 09.07.10 11:33


Rechte und PflichtenAus dem Lehrverhältnis entstehen für dich Rechte und Pflichten. Dazugehört es, dich zu bemühen, alle notwendigen Fertigkeiten und Kenntnissezu erwerben, die für deinen Lehrberuf notwendig sind. Der regelmäßigeBesuch der Berufsschule ist ebenfalls verpflichtend und vermittelt dirtheoretisches Wissen zu deinen erlernten praktischen Fertigkeiten.Zu den Pflichten zählt auch deinen Lehrberechtigten zu verständigen,wenn du einmal verhindert sein solltest. Im Falle einer Krankheit musst dueine ärztliche Bestätigung vorgelegen.Dein Lehrberechtigter ist seinerseits verpflichtet für eine ordnungsgemäßeAusbildung zu sorgen, dir regelmäßig die Lehrlingsentschädigung zu zahlenund dir für den Besuch der Berufsschule frei zu geben.Beachte deine Pflichten, denn Vernachlässigung kann zur Auflösungdes Lehrverhältnisses führen.Hier sind nur einige der Rechte und Pflichten angesprochen. Fühlst dudich in deinen Rechten verletzt, reagiere nicht unüberlegt, sondern lassdich umgehend beraten.8 AK-Infoservice51565_Rechte_als_Lehling_Kern.indd 8 09.07.10 11:33


ArbeitszeitAls Lehrling ist deine Arbeitszeit genau geregelt. Solange du das 18. Lebensjahrnicht vollendet hast gilt grundsätzlich, dass eine Arbeitszeit von• n 8 Stunden täglich• n 40 Stunden wöchentlichnicht überschritten werden darf.Für eine verlängerte Wochenfreizeit oder wenn es dein Kollektivvertragerlaubt, darfst du auch mehr als 8 Stunden täglich arbeiten.Es darf aber deine tägliche Arbeitzeit nicht mehr als 9 Stunden betragen(wenn du über 16 Jahre alt bist, zusammen mit den Vor- und Abschlussarbeitenkeinesfalls mehr als 9,5 Stunden).Eine Verlängerung deiner Wochenarbeitszeit kann z. B. durch Kollektivvertragerlaubt werden. Dann darfst du nicht mehr als 45 Stunden arbeitenund deine Arbeitszeit muss innerhalb eines mehrwöchigen Zeitraumesso verteilt werden, dass sie im Durchschnitt 40 Stunden nicht übersteigt(Durchrechnungszeitraum).Nach deinem vollendeten 18. Lebensjahr gelten für dich die gleichen Bestimmungenwie für Erwachsene. Die genauen Bestimmungen sind z. B.im Arbeitszeitgesetz geregelt.In deinem Lehrbetrieb muss ein Arbeitszeitplan zur Einsicht aufliegen. Dusolltest über deine Arbeitszeiten genaue Aufzeichnungen führen und siein einer Liste eintragen. Ein Muster findest du im Internet zum Downloadwww.arbeiterkammer.atAls Lehrling darfst du nicht zu Akkordarbeiten herangezogen werden.AK-Infoservice951565_Rechte_als_Lehling_Kern.indd 9 09.07.10 11:33


ÜberstundenAls Überstunde gilt jede Arbeitszeitüberschreitung der 8-stündigen Tages-oder 40-stündigen Wochenarbeitszeit. Eine Ausnahme ist z. B. derso genannte Durchrechnungszeitraum nach Kollektivvertrag (siehe KapitelArbeitszeit, Seite 9).Hast du als Lehrling dein 18. Lebensjahr noch nicht vollendet, sind Überstundengrundsätzlich verboten.Solltest du dennoch Überstunden machen müssen, so sind diese gesondertzu bezahlen. Abgesehen von einigen kollektivvertraglichen Ausnahmen,erhältst du für deine Überstunden einen Überstundenzuschlag von50 Prozent deines Stundenlohnes. Falls dir anstelle der Bezahlung Zeitausgleichangeboten wird, musst du damit einverstanden sein, ein Überstundenzuschlagsteht dir dann ebenfalls zu.Für 4 Überstunden steht dir in der Regel ein Zeitausgleich von 6Stunden zu.Wenn du über 18 bist, gelten für dich die gleichen Bestimmungen wie fürErwachsene (z. B. Arbeitszeitgesetz). Bei der Berechnung der Überstundenentlohnungist aber der niedrigste im Betrieb vereinbarte Facharbeiterlohnbzw. Angestelltengehalt heranzuziehen.Die Bezahlung der Überstunden musst du, falls sie nicht gleich bezahltworden sind, schriftlich einfordern. Um den Anspruch nicht zu verlieren,müssen die im Kollektivvertrag dafür vorgesehenen Fristen eingehaltenwerden.Du solltest in jedem Fall deine täglichen Arbeitszeiten, also Arbeitsbeginn,Pausen und Arbeitsende, genau und regelmäßig aufzeichnen.10 AK-Infoservice51565_Rechte_als_Lehling_Kern.indd 10 09.07.10 11:33


RuhezeitenWenn du dein 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hast, hast du spätestensnach 6 Stunden Arbeitszeit Anspruch auf eine Pause von 30 Minuten,in der nicht gearbeitet werden darf. Innerhalb von 24 Stunden nachArbeitsbeginn hast du Anspruch auf 12 Stunden ununterbrochene Ruhezeit.Nur im Gastgewerbe gibt es eine Ausnahme, denn dort muss eineununterbrochene Ruhezeit von 12 Stunden nach Arbeitsende eingehaltenwerden.Bist du noch nicht 15 Jahre alt, dann steht dir eine Ruhezeit von 14 Stundeninnerhalb von 24 Stunden nach Arbeitsbeginn zu.Solange du das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hast, darfst dunicht an Sonn- und Feiertagen und nicht in der Zeit von 8 Uhr abendsbis 6 Uhr früh beschäftigt werden. Ausnahmen zum Arbeitsverbotan Sonn- und Feiertagen gibt es z. B. im Gastgewerbe oder im Handelfür den 8. Dezember. Ausnahmen zum Nachtarbeitsverbot gibt esz. B. für Gastgewerbe, Bäcker oder mehrschichtige Betriebe.Als Lehrling hast du grundsätzlich Anspruch auf 2 auf einander folgendefreie Tage pro Woche, Sonntag eingeschlossen, ab spätestens Samstag13.00 Uhr (Wochenfreizeit). Solltest du am Samstag arbeiten müssen, sohast du Anspruch am folgenden Montag arbeitsfrei zu bekommen (Ausnahmeregelungfür Montag Berufsschultag).Zur Wochenfreizeit gibt es eine Reihe von Ausnahmeregelungen, wie z. B.Teilung der Wochenfreizeit aus organisatorischen Gründen oder Sonderregelungenfür den Handel mit Samstagnachmittagsarbeit. Kollektivverträgekönnen weitere Ausnahmen zulassen.Vergleiche deine Arbeitszeit mit den Bestimmungen des Kollektivvertragesdeiner Berufsgruppe oder wende dich an deine/n AK-BeraterIn.AK-Infoservice1151565_Rechte_als_Lehling_Kern.indd 11 09.07.10 11:33


UrlaubAls Lehrling hast du einen Anspruch auf einen 5-wöchigen Urlaub im Jahr,das entspricht 30 Werktagen.Der Urlaubsbeginn und die Dauer des Urlaubs muss zwischen dir unddeinem Lehrberechtigten abgesprochen werden, da der Urlaub nicht nurvon dir alleine oder nur von deinem Lehrberechtigten festgelegt werdenkann. Der Urlaub kann auch in Teilen genommen werden.Solange du dein 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hast, besteht fürdich ein Anspruch auf 12 Werktage durchgehenden Urlaub in der Sommerzeit,und zwar zwischen 15. Juni und 15. September.Solltest du während deines Urlaubes länger als 3 Tage erkranken, so istdamit dein Urlaub unterbrochen. Dazu brauchst du aber unbedingt eineärztliche Bestätigung deiner Erkrankung.Vereinbare deinen gewünschten Urlaubszeitpunkt frühzeitig mitdem Lehrberechtigten.Sollte dein Lehrverhältnis aufgelöst werden, so hast du Anspruch auf Urlaubsersatzleistung,das ist eine finanzielle Abgeltung deines Resturlaubes.Für nicht verbrauchten Urlaub aus vergangenen Jahren steht dir eine Abgeltungim vollen Umfang zu, Urlaubsansprüche aus dem laufenden Urlaubsjahrwerden anteilsmäßig (im Verhältnis zur Dienstzeit im laufendenUrlaubsjahr) und unter Abzug des bereits verbrauchten Urlaubes abgegolten.12 AK-Infoservice51565_Rechte_als_Lehling_Kern.indd 12 09.07.10 11:33


Auflösung des LehrverhältnissesNormalerweise endet dein Lehrverhältnis mit dem im Lehrvertrag vorgesehenenZeitpunkt, kann aber grundsätzlich auch mit einer vorzeitigenAuflösung beendet werden. Im Wesentlichen können folgende Möglichkeitenzu einer Auflösung deines Lehrverhältnisses führen:• n Während der dreimonatigen Probezeit kann das Lehrverhältnis von diroder deinem Lehrberechtigten ohne Angabe von Gründen aufgelöstwerden.• n Das Lehrverhältnis kann aus wichtigem Grund von dir oder von deinemLehrberechtigten aufgelöst werden. Wichtige Gründe für denLehrberechtigten sind beispielsweise unentschuldigtes Fernbleiben(Schwänzen) der Berufsschule, unerlaubtes Verlassen des Arbeitsplatzesoder auch Diebstahl. Schwerwiegende Gründe für den Lehrlingdas Lehrverhältnis aufzulösen sind etwa nicht bezahltes Entgelt,gesundheitliche Gründe oder auch körperliche Züchtigungen.• n Von dir oder von deinem Lehrberechtigten kann das Lehrverhältnisunter Einhaltung einer Frist von einem Monat zum Ende des zwölftenMonats des ersten Lehrjahres oder zum Ende des 24. Monats deszweiten Lehrjahres außerordentlich aufgelöst werden. Der Lehrberechtigtemuss zu dieser Art der Auflösung ein bestimmtes Verfahren(Mediationsverfahren) einhalten.• n Das Lehrverhältnis kann auch einvernehmlich, im beiderseitigen Interesse,aufgelöst werden. Dazu ist allerdings eine sogenannte Belehrungsbestätigungdurch die AK oder durch ein Arbeits- und Sozialgerichtnotwendig.Wird dein Lehrverhältnis vorzeitig aufgelöst, so muss das in jedem Fallschriftlich erfolgen. Wird das Lehrverhältnis durch dich oder einvernehmlichgelöst und bist du noch minderjährig, dann ist die Zustimmung deinergesetzlichen Vertreter notwendig.Ein Lehrverhältnis aufzulösen ist oftmals eine heikle Sache undnicht immer einfach. Lass dich unbedingt beraten.Melde dich bei Auflösung deines Lehrverhältnisses umgehend beim Arbeitsmarktservice,damit dir ein Ersatzausbildungsplatz vermittelt werdenkann und du deine Ausbildung abschließen kannst.AK-Infoservice1351565_Rechte_als_Lehling_Kern.indd 13 09.07.10 11:33


KollektivvertragDer Kollektivvertrag ist eine schriftliche Vereinbarung zwischen den Gewerkschaftenund der Arbeitgeberseite. Es handelt sich dabei um einezwingende Bestimmung und entspricht in etwa einem Gesetz.Der Kollektivvertrag enthält wichtige Bestimmungen beispielsweise zuArbeitszeit, Mehrarbeit, Überstunden, Probezeit, Kündigungsfristen undregelt wichtige Ansprüche von ArbeitnehmerInnen bzw. Lehrlingen.Zu diesen Ansprüchen zählen:nnMindestlohn/gehalt, LehrlingsentschädigungnnZulagennnÜberstundenentgelt, ÜberstundenzuschlägennUrlaubszuschussnnWeihnachtsremunerationIn Kollektivverträgen sind auch Bestimmungen enthalten, die sich auf bestimmteFristen beziehen, innerhalb derer finanzielle Ansprüche geltendgemacht werden müssen.Der Arbeitgeber ist verpflichtet den Kollektivvertrag zur Einsichtnahme imBetrieb aufzulegen.Im Kollektivvertrag sind die Mindestanforderungen geregelt, günstigereVereinbarungen für den/die ArbeitnehmerIn bzw. den Lehrling sind möglich.Es ist ratsam finanzielle Ansprüche immer schriftlich geltend zumachen. Die BeraterInnen der AK und der Gewerkschaften helfendabei.14 AK-Infoservice51565_Rechte_als_Lehling_Kern.indd 14 09.07.10 11:33


LehrabschlussprüfungDie Lehrabschlussprüfung hat in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert.Wer sie erfolgreich ablegt, kann nicht nur mit einer besseren Entlohnungrechnen, sondern hat auch mehr Aufstiegschancen im Berufsleben.Frühestens 6 Monate vor Ende deiner Lehrzeit kannst du dich bei derLehrlingsstelle zur Lehrabschlussprüfung anmelden. 10 Wochen vor Endedeiner Lehrzeit kannst du dann zur Lehrabschlussprüfung antreten. Voraussetzungdafür ist der Abschluss der Berufsschule.Die Prüfungsordnung regelt den Inhalt der Prüfungsgegenstände. Klapptes nicht, bist du berechtigt die Prüfung zu wiederholen, wobei nur dienegativ bewerteten Prüfungsgegenstände geprüft werden.Hast du die Lehrzeit nicht zur Gänze absolviert, die Berufsschule nichtvollständig oder nicht positiv abgeschlossen, kannst du unter gewissenVoraussetzungen dennoch zur Lehrabschlussprüfung antreten. Welchedas sind, lässt sich am besten bei einem/einer AK-BeraterIn erfragen.Für die Lehrabschlussprüfung ist eine Prüfungsgebühr zu bezahlen. Diesemuss vom Lehrberechtigten/Arbeitgeber beim erstmaligen Antreten währendder Lehrzeit oder Weiterverwendungszeit zurückerstattet werden.Die Lehrabschlussprüfung zieht sich meist über einen ganzen Tag. AmEnde des Prüfungstages wird dir dann ein Zeugnis überreicht. Ist die Lehrabschlussprüfungerfolgreich bestanden, gibt es dann noch die Möglichkeitin den verwandten Lehrberufen Zusatzprüfungen abzulegen. Wanndas möglich ist und welche Schritte du dafür unternehmen musst, sagtdir der/die AK-BeraterIn.Download: Prüfungsordnung unter www.bmwfj.gv.at (Berufsausbildung,Lehrberufe in Österreich, Liste der Lehrberufe von A – Z)AK-Infoservice1551565_Rechte_als_Lehling_Kern.indd 15 09.07.10 11:33


Nach der Lehre – WeiterverwendungszeitFür den Lehrberechtigten besteht die Verpflichtung dich nach Ende derLehrzeit weitere 3 Monate, in der sogenannten Behaltezeit oder Weiterverwendungszeit,im Lehrberuf zu beschäftigen. Wenn die Ausbildung beidemselben Lehrberechtigten die Hälfte oder weniger der gesamten Lehrzeitbetragen hat, so verkürzt sich diese Verpflichtung auf 1,5 Monate. Inmanchen Branchen wird die Weiterverwendungszeit durch die Bestimmungendes Kollektivvertrages verlängert.Wenn du die Lehrabschlussprüfung während der Lehrzeit ablegst, endetdein Lehrverhältnis in derselben Woche (am Sonntag). Mit Beginn dernächsten Arbeitswoche beginnt die Weiterverwendungszeit. Ab diesemZeitpunkt ändert sich auch die Entlohnung (in z. B. Facharbeiterlohn). Inallen anderen Fällen endet die Lehrzeit mit dem vertraglich festgesetztenEnde der Lehrzeit.Das Arbeitsverhältnis kann während der Weiterverwendungszeit grundsätzlichnur von dir, unter Einhaltung der gesetzlichen bzw. kollektivvertraglichenBestimmungen, gekündigt werden. Ist für diesen Zeitraumjedoch ein befristetes Arbeitsverhältnis vereinbart, so gibt es diese Kündigungsmöglichkeitnicht. Grundsätzlich sollte jeder Auflösung von Arbeitsverhältnissenausführliche Beratung vorausgehen.Es ist ratsam den Abschluss von befristeten Arbeitsverhältnissengenau zu überlegen, da sie meist zum Nachteil für den/die ArbeitnehmerInsind.16 AK-Infoservice51565_Rechte_als_Lehling_Kern.indd 16 09.07.10 11:33


MutterschutzAuch als Lehrling gelten für dich im Falle einer Mutterschaft die Bestimmungendes Mutterschutzgesetzes. Die spezielle Broschüre „Mutterschutzund Elternkarenz“ zum Download findet sich auf der Website derArbeiterkammer www.arbeiterkammer.at.Damit die Schutzbestimmungen des Mutterschutzgesetzes wirksam werdenkönnen, ist es erforderlich, dass du eine Schwangerschaft deinemLehrberechtigten so rasch wie möglich mitteilst (ärztliche Bestätigung).Für schwangere Arbeitnehmerinnen besteht bis zum Ablauf von 4 Monatennach der Entbindung ein besonderer Kündigungs- und Entlassungsschutz.Dieser Entlassungsschutz nach dem Mutterschutzgesetz gilt auchfür dich als Lehrling, du darfst daher grundsätzlich nur aus besonderenGründen und mit Zustimmung des Gerichtes entlassen werden.Während der Schwangerschaft und Stillzeit darfst du keine Überstundenleisten. Du darfst auch nicht über die gesetzlich oder kollektivvertraglichzulässige tägliche Arbeitszeit arbeiten.Die tägliche Arbeitszeit darf keinesfalls 9 Stunden, die wöchentliche Arbeitszeitkeinesfalls 40 Stunden überschreiten.Darüber hinaus darfst du als werdende Mutter zu bestimmten Tätigkeitennicht bzw. nur teilweise herangezogen werden (z. B. Arbeiten im Stehen,Heben und Tragen von Lasten, Arbeiten mit gesundheitsschädlichenStoffen, Nachtarbeit).Während der Schutzfrist von 8 Wochen vor der Geburt bis 8 Wochen(höchstens 16 Wochen) nach der Geburt gilt ein absolutes Beschäftigungsverbot.Im Anschluss an die Schutzfrist haben Mutter oder Vater wahlweiseAnspruch auf Karenzzeit bis maximal zum 2. Geburtstag des Kindes, währendder ebenfalls Kündigungs- und Entlassungsschutz besteht. Beginnund Dauer der Karenzzeit sind dem Lehrberechtigten grundsätzlich bis zumEnde des Beschäftigungsverbotes (Mutter) bzw. innerhalb von 8 Wochennach der Entbindung (Vater) bzw. bei Teilung der Karenz spätestens 3 Monatevor Ende des ersten Karenzteiles (am besten schriftlich) mitzuteilen.Der Kündigungs- und Entlassungsschutz gilt nicht während der Probezeitund für befristete Arbeitsverhältnisse gelten Sonderregelungen.AK-Infoservice1751565_Rechte_als_Lehling_Kern.indd 17 09.07.10 11:33


Präsenz-, Ausbildungs- und ZivildienstWenn du zum Präsenz-, Ausbildungs- oder Zivildienst einberufen wirst,stehst du unter einem besonderen Kündigungs- und Entlassungsschutz,der durch das Arbeitsplatzsicherungsgesetz geregelt wird.Voraussetzung ist, dass der Arbeitgeber/Lehrberechtigte unverzüglichvon der Einberufung bzw. Zuweisung informiert wird. Ab diesem Zeitpunktkann das Arbeitsverhältnis/Lehrverhältnis bis zum Ablauf einesMonats nach Beendigung des Präsenz-, Ausbildungs- oder Zivildienstesvom Arbeitgeber nicht aufgelöst werden.Wirst du während der Weiterverwendungszeit zum Präsenz-, Ausbildungs-oder Zivildienst einberufen, so wird der Fortlauf der Weiterverwendungszeitfür die Dauer deines jeweiligen Dienstes gehemmt.Besonders zu beachten ist, dass innerhalb von 6 Werktagen nach Endedes Präsenz-, Ausbildungs-, und Zivildienstes die Arbeit wieder aufgenommenwerden muss. Wenn nicht, hat der Arbeitgeber damit einen Entlassungsgrund.18 AK-Infoservice51565_Rechte_als_Lehling_Kern.indd 18 09.07.10 11:33


PflegefreistellungWenn ein naher Angehöriger, der im gemeinsamen Haushalt lebt, erkranktund gepflegt werden muss, so steht dir auch als Lehrling Pflegefreistellungzu.Nach den gesetzlichen Bestimmungen sind nahe Angehörige unter anderemEhegatten, Kinder und Eltern, Wahl- und Pflegekinder sowie Lebensgefährten.Auf Pflegefreistellung besteht ein Rechtsanspruch, weshalb es auch genügt,dem Arbeitgeber bzw. Lehrberechtigten mitzuteilen, dass diesesRecht beansprucht wird. Für die Zeit der Pflegefreistellung darf der Lohnnicht gekürzt werden.Pro Arbeitsjahr steht Pflegefreistellung bis zum Ausmaß der regelmäßigenwöchentlichen Arbeitszeit zu. Unter bestimmten Voraussetzungen bestehtAnspruch auf eine weitere Woche Pflegefreistellung. Sie kann auch tage-,halbtage- oder stundenweise in Anspruch genommen werden.Der Arbeitgeber muss vor Inanspruchnahme der Pflegefreistellung informiertwerden.Die Pflegebedürftigkeit des Angehörigen muss nachgewiesen werden,wobei das Gesetz keine besondere Art des Nachweises kennt. Der Arbeitgeberkann aber einen Nachweis verlangen, sollten daraus Kostenentstehen, muss er diese übernehmen.AK-Infoservice1951565_Rechte_als_Lehling_Kern.indd 19 09.07.10 11:33


DienstnehmerhaftpflichtgesetzIn jedem Arbeitsprozess können Fehler passieren, die manchmal mehroder weniger große Schäden anrichten. In jedem Einzelfall muss geprüftwerden, wer den Schaden verursacht hat, wer die Schuld am Schadenträgt.Wenn der Arbeitgeber bzw. Lehrberechtigte die Bezahlung des Schadensverlangt oder auch Teile des Lohnes einbehält, so muss möglichst schriftlichinnerhalb von 14 Tagen widersprochen werden. Mit diesem Widerspruchdarf der Arbeitgeber keinen Lohn einbehalten.Für die Klärung der Verschuldensfrage ist dann das Arbeits- und Sozialgerichtzuständig. Besteht der Arbeitgeber auf Bezahlung des Schadens,so muss er diesen gerichtlich geltend machen. Das Gericht prüft die Höhedes Schadenersatzes, kann diese herabsetzen oder zur Gänze erlassen.Für eine entschuldbare Fehlleistung (geringfügiges Versehen) haftetder/die ArbeitnehmerIn nicht!Und wenn etwas passiert sollten keine Schulderklärungen abgegebenwerden, solange die Hintergründe und Ursachen nicht voll geprüft sind.Mutwillige Sachbeschädigungen im Betrieb oder vorsätzlich verur sachteSchäden sind selbstverständlich von der/vom ArbeitnehmerIn zu begleichen.20 AK-Infoservice51565_Rechte_als_Lehling_Kern.indd 20 09.07.10 11:33


Sicherheit am ArbeitsplatzUm gesundheitliche Risken am Arbeitsplatz zu mindern, wurden ArbeitnehmerInnenschutzgesetzeund Verordnungen erlassen. Für die Einhaltungder darin formulierten Vorgaben hat der Arbeitgeber zu sorgen.Das Arbeitsinspektorat und die AK sind für die Überwachung der ArbeitnehmerInnenschutzvorschriftenzuständig. In den Betrieben unterstützender Betriebsrat und allenfalls Sicherheitskräfte die Maßnahmen für die Sicherheitam Arbeitsplatz.Im Interesse der eigenen Gesundheit solltest du die speziellen Schutzmaßnahmengenau beachten und die zum Schutz vorgesehenen Geräteund Hilfsmittel benutzen.Jede Berufssparte hat ihre eigenen Sicherheitsvorschriften. Welche Bestimmungenfür dich gelten, lassen sich mit Hilfe der Betriebsräte, derJugendvertrauensräte, der AK und dem Arbeitsinspektorat klären.Weiterführende Information findest du auch im Web:http://www.arbeitsinspektion.gv.at/AI/default.htmAK-Infoservice2151565_Rechte_als_Lehling_Kern.indd 21 09.07.10 11:33


Betriebliche Interessenvertretung –JugendvertrauensratAnliegen, Vorstellungen und Interessen von Arbeitgebern und Arbeitnehmernsind naturgemäß nicht auf gleicher Ebene. Die Wahrung und Durchsetzungder Anliegen von ArbeitnehmerInnen liegt in den Händen betrieblicherInteressenvertretungen wie Jugendvertrauensrat oder Betriebsrat inenger Zusammenarbeit mit Gewerkschaften und Arbeiterkammer.Sind in einem Betrieb mindestens 5 ArbeitnehmerInnen beschäftigt kannein Betriebsrat gewählt werden. Zu den Aufgaben des Betriebsrates gehörtdie Verbindung zwischen Betriebsinhaber und den ArbeitnehmerInnenaufrecht zu halten. Der Betriebsrat kann Maßnahmen beantragen umbeispielsweise soziale Nachteile zu beseitigen oder Mängel aller Art zubeheben. Um dies zu erreichen, kann er gegebenenfalls auch zuständigeStellen außerhalb des Betriebes, wie Gewerkschaften, Arbeiterkammerund Arbeitsinspektorat, einbinden.Der Betriebsinhaber ist seinerseits verpflichtet dem Betriebsrat notwendigeAuskünfte zu geben und ihn in allen Angelegenheiten, die die ArbeitnehmerInnenbetreffen, anzuhören.Bei der Aufnahme von neuen Mitarbeitern oder wenn Kündigungen undEntlassungen von ArbeitnehmerInnen ausgesprochen werden, kommtdem Betriebsrat eine besonders wichtige Bedeutung zu.Sind im Betrieb mindestens 5 jugendliche ArbeitnehmerInnen (Lehrlinge)bis 18 Jahre beschäftigt, kann ein Jugendvertrauensrat gewählt werden.Der Jugendvertrauensrat hat die besonderen Interessen der jugendlichenArbeitnehmerInnen und Lehrlinge im Einvernehmen mit dem Betriebsratwahrzunehmen.Durch eine organisierte Betriebsvertretung können ArbeitnehmerInnenihre Interessen Erfolg versprechend durchsetzen. Bei der Organisierungeiner Betriebsrats- bzw. Jugendvertrauensratswahl sind Arbeiterkammerund Gewerkschaften behilflich.Weiterführende Information findest du auch im Web:www.arbeiterkammer.at22 AK-Infoservice51565_Rechte_als_Lehling_Kern.indd 22 09.07.10 11:33


Aushangpflichtige GesetzeInformation ist alles. Damit du dich über Bestimmungen, die für dichwichtig sind, informieren kannst, müssen in jedem Betrieb, der ArbeitnehmerInnen(Lehrlinge) beschäftigt, bestimmte Gesetze und Verordnungenso aufgelegt werden, dass jederzeit Einsicht genommen werden kann.Aushangpflichtig sind unter anderem:• n Kinder- und Jugendlichenbeschäftigungsgesetz (KJGB – der Inhaltdieses Gesetzes bezieht sich auf den besonderen Schutz für Kinderund Jugendliche)• n Arbeitszeitgesetz (AZG – es regelt den Rahmen für die ArbeitszeitErwachsener – ab 18 Jahre)• n Mutterschutzgesetz (MSchG – auch für Lehrlinge gelten im Fall einerMutterschaft die Bestimmungen des Mutterschutzgesetzes – Beschäftigungsverbote,Kündigungs- und Entlassungsschutz, Karenzusw.)• n ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG – es beinhaltet die Grundzügedes ArbeitnehmerInnenschutzes, die durch spezielle Durchführungsverordnungennäher geregelt werden)• n Durchführungsverordnungen zum ASchG sind unter anderem:• n Arbeitsstättenverordnung (diese Verordnung enthält grundsätzlicheBestimmungen über die Beschaffenheit von Arbeitsstätten – Ausgänge,Stiegen, Beleuchtungen, Türen, Fenster usw. – sowie Bestimmungenüber Fluchtwege, Notausgänge, Sanitäreinrichtungen, Erste Hilfe,Brandschutz usw.)• n Bauarbeiterschutzverordnung (diese Verordnung bezieht sich aufden Schutz der Arbeitnehmer bei der Ausführung von Bauarbeiten allerArt einschließlich des Bauneben- und Bauhilfsgewerbes)AK-Infoservice2351565_Rechte_als_Lehling_Kern.indd 23 09.07.10 11:33


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