Filmheft als PDF - Kriegerin

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Filmheft als PDF - Kriegerin

GEWINNERFÖRDERPREIS DEUTSCHER FILMDAviD WnenDtDREHbUCHGEWINNERINFÖRDERPREIS DEUTSCHER FILMAlinA levshinSCHaUSPIEL WEIbLICHGEWINNERFiRst stePs AWARDabENDFüLLENDER SPIELFILMGEWINNERINbESTE HaUPTDaRSTELLERINAlinA levshin35. Sao PaULoINTERNaTIoNaL FILMFESTIvaLWuchtig, eMotional, authentischDeR beste DeutscheFilm seit JAhRenoliver hüttMann - rolling stonekraftvoll undbeängstigend nahein WichtigeRDeutscheR FilmfbW deutsche filM- und MedienbeWertungFILMHEFTMATERIALIEN FÜR DEN UNTERRICHTKRIEGERIN-FILM.DE© Ascot Elite Filmverleih / Alexander Janetzko


VORWORTZum „Hassangriff“ bereit: Sandro(Gerdy Zint) und seine „Nazibraut“Marisa (Alina Levshin)Deutschland, heute. Es herrscht Krieg.Jedenfalls in den Hirnen einer rechtsradikalenClique, irgendwo auf dem Land.Sie spielen sich als Retter der Nation auf,wüten gegen Ausländer und überhauptalle, an denen sie ihren Hass abreagierenkönnen: Neonazis in ihrem Element.Der kundig recherchierte, differenzierte,dabei emotional wuchtige Film führt unsin ein Milieu, das zugleich abstößt undAufmerksamkeit fordert. Wie entstehtRassismus? Wie funktioniert Identifikation?Wie wirken asoziale Rollenvorbilder?KRIEGERIN zeigt eine Innenperspektivevoller Aggression und eklatanterWidersprüche. Der Film konfrontiert unsmit simplistischen Ansichten, groben Ritualenund einer erschreckenden Gruppendynamik.Denn die hasserfüllten,verrohten Jugendlichen brauchen zu ihrerSelbstbestätigung unaufhörlich neueOpfer. Sie finden sie außerhalb wie innerhalbder Gruppe.Wir beobachten aber auch, wie die TitelheldinMarisa beginnt, sich dem Strudelvon Hass und Gewalt zu entziehen.Sie zahlt am Ende einen hohen Preis.Aber sie schafft durch ihren Mut ein neuesModell – wenigstens entlässt uns derFilm mit dieser Hoffnung.KRIEGERIN gibt keine einfachen Antwortenund ist gerade dadurch reichan Denkanstößen. Der Film berührt dasMenschenbild der Demokratie, fragtnach dem Zusammenleben, nach derimmensen Aufgabe der Integration. Erfragt nach Radikalisierung und Gewalt.KRIEGERIN greift Probleme auf, dieim Licht der aktuellen Erkenntnisse zumRechtsterrorismus nur umso dringlichererscheinen.Unser Filmheft möchte zur lebendigenAuseinandersetzung mit dem Thema beitragen– durch kompakte Informationenzu Film und Hintergrund sowie praktischeVorschläge für den Unterricht. Wirwünschen Ihnen ein anregendes Kinoerlebnisund ertragreiche Diskussionen!© Alexander JanetzkoIhreVera Conrad mit den AutorenRegine Wenger und Ulrich StellerImpressumHerausgeber: Vera Conrad, im Auftrag der Ascot Elite Filmverleih GmbHVerantwortlich: Vera Conrad, www.con-kuk.dePraktische Übungen: Regine Wenger, reg.wenger@gmx.deTexte zum Film: Dr. Ulrich Steller, www.textstrategie.deVertrieb Filmheft: Jakob Osman, SK Schulkurier GmbH, www.schulkurier.deGrafik:Juliane Dorn, SPIESSER GmbH, www.SPIESSER.deFotos:Alexander Janetzko, Jonas SchmagerAlle Materialien in diesem Heft dürfenfür den Unterricht vervielfältigt werden.Gedruckte Filmhefte können Sie mit demFormular auf Seite 19 nachbestellen.Die Hefte werden verschickt, solange derVorrat reicht.Die elektronische Fassung (PDF) diesesHeftes steht unter www.kriegerin-film.dezum Herunterladen bereit.2


INHALTSVERZEICHNISINHALTFächer, Themen, Einstiege Seite 3Filminhalt und zentrale Themen Seite 4Muster, Wege, Widersprüche Seite 6Filmische Gestaltung Seite 8„Rechtsradikale“: Gruppenbild mit Fragen Seite 9Die Akteure im Film Seite 10Praktische ÜbungenDen Kinobesuch vorbereiten Seite 12Den Kinobesuch nachbereiten Seite 16Zum Lesen, Recherchieren, Weitermachen Seite 18Bestellformular Seite 19DATEN ZUM FILMStab (Auszug)Buch und Regie: David WnendtProduzenten: Eva-Marie undAlexander MartensProducer: René FrotscherRedaktion ZDF/Das KleineFernsehspiel: Jörg SchneiderKamera: Jonas SchmagerSchnitt: Andreas WodraschkeSound: Paul RischerSzenenbild: Jenny RoeslerKostümbild: Nicole HutmacherMaske: Jana SchulzeOriginalmusik*: Johannes Repka*„Alle Songs und Texte sind explizit undausschließlich für diesen Film produziertworden. Alle beteiligten Musiker distanzierensich von den rechtsradikalen, volksverhetzendenInhalten der Musik. EineVerwendung außerhalb des Films ist nichtgestattet. Jeglicher Missbrauch wird mit sofortigerStrafanzeige geahndet.“(Aus: Abspann KRIEGERIN)Darsteller (Auszug)Marisa: Alina LevshinSvenja: Jella HaaseRasul: Sayed Ahmad Wasil MrowatSandro: Gerdy ZintMarkus: Lukas SteltnerOliver, Svenjas Stiefvater: Uwe PreußAndrea, Svenjas Mutter: Winnie BöweBea, Marisas Mutter: Rosa EnskatClemens, der Wiener: Haymon MariaButtingerGroßvater Franz: Klaus ManchenDetlef: Andreas LeupoldJamil: Najebullah „Najeb“ AhmadiMelanie: Anne LaszusMarisa als Kind: Hanna HöppnerVerleih: Ascot Elite Filmverleih GmbHProduktion:Mafilm – Martens Film- und Fernsehproduktions-GmbH,in Co-Produktion mitdem ZDF/Das Kleine Fernsehspiel undder Hochschule für Film und Fernsehen„Konrad Wolf“ Potsdam-BabelsbergGefördert durch:Mitteldeutsche Medienförderung (MDM),Medienboard Berlin Brandenburg (MBB)Originaltitel:KRIEGERIN, Deutschland, 2011Auszeichnungen:35. Sao Paolo International Filmfestival„Mostra” – Beste Hauptdarstellerin(Alina Levshin)First Steps Award 2011 –Bester abendfüllender SpielfilmFörderpreis Deutscher Film 2011–Bestes Drehbuch (David Wnendt)Beste Darstellerin (Alina Levshin)International Zürich Filmfestival 2011–Special Jury MentionKinofest Lünen 2011 – Schülerfilmpreis(KRIEGERIN), Beste Szenographie(Jenny Roessler)MFG-Star 2011 Baden Baden –Bester Nachwuchsregisseur (DavidWnendt)Prix Genève Europe – Best TV Fiction ScriptFBW – Prädikat besonders wertvollKinostart Deutschland: 19. Januar 2012FSK: 12 JahreGenre: DramaLänge: 103 MinutenDIE STARTRAMPE: FÄCHER UND THEMENDeutsch, Gemeinschaftskunde,Religion, Ethik, PolitikGeschichteMusik· Lebendige Demokratie: Struktur, Grenzen, Probleme· Randgruppen und Integration in Deutschland· Erziehung, Sozialisation, Hass und Aggression· Wodurch entstehen Identität, Solidarität, Zusammenhalt?· Elemente der menschenverachtenden Ideologie· Neonazis: Woran erkenne ich sie? Wie verhalte ich mich?· Die „neuen“ weiblichen Kräfte in der rechtsextremen Szene· Die gesellschaftliche Rolle von Frauen und Mädchen· Nazis damals, Nazis heute: historisch-politischer Vergleich· Rechtsextreme vor 1990, nach der Wende und heute· Musik und Emotionen, Musik und Tanz als „Lifestyle“· Musik als „Aussage“: Wie viel trägt ein Stil bei, wie viel die individuelle Gestaltung?· Hatecore & Co.: Was ist Rechtsrock? Was finden Jugendliche daran attraktiv?3


FILMINHALT UND ZENTRALE THEMEN© Jonas SchmagerFrisches Feuer: Svenja (Jella Haase)und ihr neuer rechtsextremer FreundMarkus (Lukas Steltner)Der Film beginnt mit seinem Ende. Diejunge Marisa liegt zusammengebrochenauf einem Strand irgendwo im NordostenDeutschlands, sie wirft einen letztenBlick aufs Meer (Abblende ins Weiß).Bei ihr ist nur ihre Freundin Svenja. Einelange Rückblende, die fast den ganzenFilm einnimmt, entrollt die dramatischeVorgeschichte. KRIEGERIN verfolgt dieLebenswege rechtsextremer Akteure undporträtiert drastisch ein Milieu, dessen Abgründedurch konsequente Innensicht undimpressionistische Erzählweise „erlebbar“werden. Zugleich schickt der Film seineHauptfigur durch schmerzliche Selbstzweifelhindurch: Marisa legt einen langenWeg zurück von der „Nazibraut“ biszur Aussteigerin und Hoffnungsträgerin.Heldentum und HassDer symbolische Beginn des Weges liegtin Marisas Kindheit. Ihr Großvater trainiertsie mit einem Rucksack voll Sand.Als sie mit Mühe ihr Ziel erreicht, nimmter sie in den Arm und nennt sie liebevoll„meine Kriegerin“.Marisa ist 20, die Bindung zum Opastärker denn je, sie besucht ihn im Krankenhaus.Dann ist Marisa mit ihremFreund Sandro und der Neonazi-Cliqueunterwegs zum „Ausländerklatschen“im Zug. Sie schüchtern Fahrgäste ein,werfen einen Schaffner hinaus. Zwischengeschnittensind Handy-Clips derselbenSzenen. Wieder daheim, liebensich Marisa und Sandro, atemlos, wiezwanghaft. Wenig später, als Marisain Opas Zimmer Blumen gießt, stürmtdie Polizei die Wohnung. Beide werdenüberwältigt, Sandro festgenommen (Gesichternah, Zeitlupe, Hall).Family BluesSvenja, 15, sitzt am Computer. Ihr Stiefvaterruft, sie tippt ungerührt weiter „Familienstand:Vollwaise“. Der Familienchefkontrolliert Finger und Mund, dennSvenja darf nicht rauchen. Fürs brillanteZeugnis gibt es Geld, „das hast du dirverdient“. Svenja flirtet im Garten mitdem etwas älteren Markus, bietet ihmZigaretten aus ihrem Versteck an.Marisa raucht mit ihrer Mutter in derArbeitspause vor dem Einkaufsmarkt.Sandro wird bald aus dem Gefängnisentlassen, Marisa will ein Kind. Die Muttermacht abschätzige Bemerkungen.Wieder bei der Arbeit, behandelt Marisadie ihr unbekannte Svenja grundlosruppig. An der Kasse weigert sie sich,zwei Asylanten zu bedienen, Jamil undRasul. Svenjas Mutter wird Zeugin. Stattsich zu empören, beschwert sie sich, weilsie warten muss. Die Nazi-Clique grilltam Strand. Man pöbelt, trinkt, produziertsich und filmt alles mit dem Handy (Clips).GruppenmitgliedMelanie lässt sichgeduldig mobben.Jamil und Rasul kommen zum Baden,werden rassistisch beleidigt und attackiert.Beide ziehen sich mit dem Motorrollerzurück, Rasul tritt noch heimlichMarisas Rückspiegel kaputt. Marisa rastetaus, jagt den beiden hinterher undrammt sie auf offener Strecke (Musik:„Holocaust Reloaded ...“). Zurück amStrand, braucht sie viel Bier. Markushat Svenja mitgebracht, auf die Marisagleich bissig losgeht. Nach durchzechterNacht fährt Marisa noch einmal zur Unfallstelle,nachdenklich geworden. BeimBesuch im Krankenhaus fragt ihr Großvater,ob sie „etwas ausgefressen“ habe.Marisa rettet Opas Zimmereinrichtungvor ihrer Mutter, die alles hinauswerfenwill. Rasul kommt allein einkaufen, hat zuwenig Geld. Kassiererin Marisa zögert,dann lässt sie ihn durch. Rasul, allein inseiner schäbigen Unterkunft, betrachtetsehnsuchtsvoll eine Postkarte aus Schweden.Markus stellt Svenja seinem Vatervor. Der sitzt im Rollstuhl, ist Marxist undversteht seinen „politischen“ Sohn nicht.Markus zeigt Svenja braune Propaganda,sie spielt mit einer Hitlermaske, dieer ihr nervös vom Kopf reißt.Abtauchen, durchhaltenRasul, der ins Jugendheim soll, läuft seinerBetreuerin davon. Er bittet Marisaum Geld. Sie lehnt ab, lässt ihn abererneut „einkaufen“, ohne zu bezahlen.Ihre Mutter will den Ladendieb aufhal-4


FILMINHALT UND ZENTRALE THEMENten, Marisa schlägt sie, damit Rasulentkommen kann. Ihre Mutter ist völligaufgebracht und droht ihr. Marisa, vonRasul so friedlich wie hartnäckig um Hilfegebeten, nimmt ihn mit dem Auto mit.In seinem Unterschlupf tritt sie in einenNagel, Rasul versorgt ihren Fuß. Es gibtTee aus Schraubgläsern, eine Ahnungvon Sympathie entsteht.Svenjas Stiefvater hat die Zigaretten entdeckt.Zur Strafe muss sie rauchen, bisihr schlecht wird. Marisa holt Sandro mitdem Auto vom Gefängnis ab (Rocksong:„Deutschland erwacht“), sie küssen undlieben sich im Wagen. Svenja ist eingeladenzu einem Treffen in einer heruntergekommenenHochhauswohnung. In dermännerlastigen jungen Clique führt einzynischer Altnazi mit österreichischemAkzent das Wort. Rassistische, sexistischeHetze ist Konsens. Zwischen reichlichBier und Original-NS-Filmen gehtSandro auf Markus los, der Drogen anbietet.Marisa hält Sandro zurück. Markuswird hinausgeworfen, Svenja bleibt.Auf dem Balkon erfährt sie SandrosCredo: Nur Taten zählen. Sandro kauftdem Österreicher für viel Geld eine Pistoleab. Marisa will ihn bremsen, dannprovoziert sie beide mit der Waffe. Sandroschlägt sie, Marisa lässt ihre Wut anSvenja aus. Die beiden prügeln sich, angefeuertvon der johlenden Clique, allesmündet in aggressiven Tanz, Rechtsrockdröhnt („Der ganze Abschaum machtmich einfach krank ...“). Svenja drängtMarisa, ihr ein „88“-Tattoo zu machen.Am Morgen, als alle anderen nochschnarchen, kommen sich Svenja undMarisa in der Küche näher.Daheim probt Svenja den Aufstand,zerbricht ihre Brille, in kaltem Zorn zertrümmertStiefvater Oliver ihren Laptop.Nachts sucht Sandro an der ImbissbudeMarkus auf, der ihn mit Hilfe von anderenblutig zusammenschlägt. Sandroschleppt sich heim. Marisas Großvaterist gestorben. Sandro trainiert am Sandsack.Marisa weist sein Liebesverlangenzurück, er schlägt ihr ins Gesicht, siebricht in Tränen aus. Marisa holt Rasulaus seinem Unterschlupf und verstecktihn bei sich im Schuppen. Sandro, derBereit zum Absprung: Svenja (Jella Haase) provoziert ihre Eltern(Winnie Böwe, Uwe Preuß)nichts erfahren darf, schenkt ihr eineHalskette. Derweil hat Svenja ihre Sachengepackt, stiehlt ein Bündel Geldscheine,beschmiert das Wohnzimmermit Hassparolen und brennt durch.Svenja schließt sich Marisa und derfreundlichen, stillen Melanie an. Sie sitzenim Freien, beobachten die Männerder Clique beim paramilitärischen Drill,fühlen sich abgestoßen. Sandro fährt mitSvenja und anderen durch die Stadt, sieprovozieren Passanten,Musik dröhnt inihrem Wagen mit„100 % deutsch“-Aufkleber.© Jonas SchmagerBei der Imbissbude richtet Sandro seineWaffe auf Ausländer, die entsetzt flüchten.Später entdeckt Sandro zufällig Rasul,der auf Marisas Motorhaube hockt,und schlägt ihn zusammen. Melanie hilftRasul und bringt ihn zu Marisa. Die hatgenug, nimmt die Kette ab, packt ihreSachen und will fort. Von ihrer Muttererfährt sie, dass der Großvater sie wegender Schwangerschaft gedemütigtund misshandelt hat. Marisa dringt indie Cliquenwohnung ein, wo man geradevölkische Lieder singt. Mit dem Baseballschlägerprügelt Marisa Sandro zuBoden, zieht Svenja mit sich und renntaus der Wohnung. Sandro verfolgt siewütend und hat schon eine Autoscheibezertrümmert, als endlich der Motoranspringt und Marisa ihm im letztenMoment entkommen kann. Marisa fährtdurch die Nacht, nach Rügen. Mit SvenjasGeld organisiert sie Fluchthelfer, dieRasul nach Schweden bringen sollen.Rasul erzählt, dass sein Bruder bei demUnfall nicht starb, sondern ins Krankenhauskam und von der Polizei wegenfalscher Papiere aufgegriffen wurde –„they sent him back“.Offenes Ende mit SchreckenDie Fluchthelfer fahren mit Rasul imSchlauchboot davon, Marisa blickt ihmnach. Während Svenja zum Auto geht,hängt Marisa ihren Erinnerungen an dieKindheit und an den Opa nach. Dannreißt sie entsetzt die Augen auf: Sandroläuft auf sie zu, schießt sie wortlos niederund verschwindet. Marisa liegt sterbendam Strand, Svenja kniet fassungslos nebenihr. Marisa schaut aufs Meer undstirbt. Die lange Rückblende hat den Filmbeginneingeholt. Svenja legt sich nebenihre tote Freundin (Vogelperspektive; elegischesLeitmotiv), aus dem Off ist SvenjasStimme zu hören („Demokratie ist ...“).5


MUSTER - WEGE - WIDERSPRÜCHEWas ist ein Neonazi? Der FilmKRIEGERIN stellt unterschiedliche Ausprägungendessen vor, was oft pauschalals rechtsextrem zusammengefasstwird. Am Werdegang der Hauptakteurelassen sich die Ursachen und Begleitumständeihrer Radikalisierung gut erkennen.KRIEGERIN demonstriert, waseine Clique von „Gleichgesinnten“ zusammenhält– und präsentiert zugleichderen menschenverachtendes Weltbildmit seinen groben Widersprüchen unddramatischen Auswirkungen.Marisas Weg hinausAnfangs tritt Marisa als gewalttätigeRassistin auf. Sie hat vom Großvater,dem sie sehr nahe steht, gängige Ansichtenaus der Nazizeit ungefiltertübernommen. Sie will all die Wut undEnttäuschung abreagieren, die sichbei der 20-jährigen Kassiererin ohneLebensperspektive in einer tristen Umgebungaufgestaut haben. Ihre traumatisierte,verständnislose Mutter war nieeine Hilfe, sondern Teil des Problems.In der rechtsradikalen Clique dagegengenießt Marisa einen hohen Status. Siebekommt die Anerkennung und Selbstbestätigung,die das bürgerliche Lebenihr vorenthält. Sie lebt den Rausch derMacht gewalttätig aus. „Opfer“ sinddie anderen, und die beschimpft manmit diesem Wort. Doch Marisa machteine enorme Entwicklung durch. Ihrschwarz-weißes Weltbild zerfällt. Siebeginnt die Wirklichkeit differenzierterzu sehen, kämpft mit sich und willschließlich aussteigen.Drei schmerzhafte Erfahrungen leitenihr Umdenken ein. Erstens verliert sie einprägendes Vorbild: Der Großvater warseit der Kindheit Marisas emotionalerAnker. Er ersetzte einen Vater, der offenkundignie eine Rolle spielte. Der Toddes Großvaters ist für Marisa ein schwererSchlag. Ob sie ihrer Mutter glaubt,dass er sie für ihre Schwangerschaftkörperlich misshandelt hat, bleibt offen.Zweitens bereut Marisa, die beiden Ausländerbrutal mit ihrem Auto angefahrenzu haben. Anfänglich hilft sie Rasul ausdiesen Gewissensbissen heraus, dannentwickelt sie vorsichtig eine echte Sympathiezu ihm. Sie hilft Rasul und riskiertdafür immer mehr. Drittens wird Sandro,dessen rücksichtslose Art Marisa bisherbewundert und kopiert hat, plötzlich zurernsten Gefahr. Denn Sandros Liebe istBesitzanspruch. Als sie ihn verlassenwill, schlägt seine Zuneigung blitzartigin Hass um. Am Schluss wird Marisa, diefrühere Täterin, zum Opfer der Gewalt.Svenjas Weg hineinSchülerin Svenja stammt aus besserenVerhältnissen als Marisa und geht in dieentgegengesetzte Richtung. Sie brichtmit einer bürgerlichen Welt, in der sie zuersticken glaubt. Svenja möchte in denNeonazi-Kreis aufgenommen werden,um ihren Eltern zu entkommen. Sie willfrei sein, ebenso frei von einer Mutter,die sich aufdrängt und einmischt, wiefrei von einem tyrannischen Stiefvater.Svenja als Jugendliche schließt sichder Gruppe vor allem aus persönlichenGründen an, sie sucht Solidarität undBestätigung. Rechtsextreme Gedankensaugt sie auf, die Provokation der Gesellschaftwird zum willkommenen Bestandteilihrer vermeintlichen Befreiung.Dabei nimmt Svenjain Kauf, sich Menschenauszuliefern,mit denen sie weniggemein hat.In der neuen Umgebung verhält sich amAnfang einzig Melanie freundlich zuihr. Markus kann ihr nur kurz imponieren.Als er hinausfliegt, bleibt Svenja beider Gruppe und weint ihm keine Tränenach. Stattdessen ringt sie zäh um dieAnerkennung von Marisa, die sie alsweibliche „Leitwölfin“ identifiziert hat.Deren Aggressionen erträgt Svenjageduldig und demonstriert Leidensfähigkeit.Bei alledem verdrängt sie, dassihr der ersehnte Schritt in die Freiheitgründlich misslungen ist – Svenja hatsich neue, viel schlimmere Abhängigkeiteneingehandelt. Als Markus ihr einmaldie Hitler-Maske herunterreißt, beklagtsie sich bitter. In der Gruppe ist sie mitweit größerer Gewalt konfrontiert, wassie anfangs fasziniert. Doch dort gibtes für sie keine Schutzräume mehr, eszählt nur die Autorität des Stärkeren.Mädchen und Frauen sind ohnehin aufUnterwerfung abonniert. Ehe Svenja dieFolgen der Gewaltverherrlichung rechtbegriffen hat, kniet sie neben ihrer totenFreundin – und vor dieser Katastrophe,so ist zu hoffen, wird sie die Augen nichtmehr verschließen können.© Alexander JanetzkoAusbildung, Einbildung: Die harten Männer drehen sich im Kreis ...Sandros Stillstand: Das Karussell derOhnmachtDer Aufenthalt im Gefängnis hat Sandrosichtlich mitgenommen, seinen Hass gesteigert,ansonsten hat sich nichts verän-6


FILMISCHE GESTALTUNGKRIEGERIN hinterlässt beim Zuschauerden Eindruck einer schonungslosenMilieustudie. Szenenbild, Kostüme undDialoge wirken so unmittelbar und authentisch,dass man etliche Szenen undEinstellungen für dokumentarisch haltenkönnte. Diese realitätsnahe, geschlosseneOptik ist jedoch das Ergebnis derkünstlerischen Gestaltung.Ihre offensichtliche Basis ist eine Füllesorgfältiger Beobachtungen, aus denenDrehbuch und Szenenbild schöpfen.Umgangsformen und Rituale, Haartrachten,Kostüme und Ausstattung lassenein stimmiges Bild der geschildertenPersonen und ihrer Lebensauffassungenentstehen. Kahle, lieblos eingerichtetebis heruntergekommene Räume prägendas Ambiente. Die Wohnverhältnissesind Ausdruck der inneren Leere, derRohheit und Verwahrlosung oder, wieim Fall eines liebevollen Details – dasBügeleisen als Kochplatte – , von RasulsArmut und Kreativität.Die Kamera „verhält“ sich wie eine stummeBetrachterin, nicht wie eine Erzählerin.Sie verfolgt das Geschehen meistauf Augenhöhe und aus halber Distanz,zeigt Naheinstellungen, dagegen kaumTotalen oder ungewöhnliche Perspektiven.Wir Filmzuschauer sehen dasselbewie die handelnden Personen, sind beiihnen, als säßen oder stünden wir nebenMarisa und Svenja. Ein gelegentlicherunruhiger Handkamera-Look verstärktdiesen Eindruck. Handy-Clips sind wie„Originalaufnahmen“ integriert.MittendrinKRIEGERIN gönnt uns keinen Wissensvorsprung,gibt dem Geschehen keineErläuterungen mit, nicht einmal hinreichendeReflexionen aus der Sicht derHandelnden. KRIEGERIN ist, trotz dramatischerEreignisse, keine Abenteuergeschichte.Der Zuschauer wird vonder ersten Szene an in die Handlunghineingezogen und muss ständig seineDistanz verteidigen. Dieses hautnahe„Dabeisein“ wirkt durch den Mangel anErklärungen um so beunruhigender. Esist, als beträten wir eine fremde, feindseligeWelt, deren Regeln wir nicht ganzdurchschauen. Ein wenig ist es auch,als würde die zerfahrene Selbstwahrnehmung,die Zerrissenheit der Gruppe,auf die Darstellung „abfärben“.Was setzen wir dem entgegen? Hinzukommt, dass die Erzählung Sprüngemacht. Die Lebenswirklichkeit enthülltsich nur in Ausschnitten, manches bleibtoffen, Fragen tauchen auf. Warum wirdSandro verhaftet, Marisa nicht? Ist RasulsBegleiter sein großer Bruder oderein Freund? Stirbt er bei dem Unfall?Obgleich die Linie der Handlung stetsklar bleibt, muss sich der Zuschauer vieleEinzelheiten selbst zusammensetzen,manchmal sogar den Seelenzustand derHauptfiguren. Diese Ungewissheit generiertSpannung.Eine Dramaturgie der Opfer und TäterEin rechtsradikales Denkschema, vonder ganzen Gruppe verinnerlicht, prägtSzene um Szene: „Es gibt nur zwei Sortenvon Menschen.Um nicht Opfer zuwerden, kannst dunur eines tun, seider Täter.“© Alexander Janetzko„Zu-sammen-stehʻn“: Rottenchef Clemens (Haymon Maria Buttinger)bei der BasisarbeitBesonders deutlich tritt dies an denKulminationspunkten der Erzählunghervor. In der Bahn und am Strandidentifizieren die Nazis ihre Opfer, provozieren,drohen, rüpeln, schlagen zu.Marisa rastet aus, als sie Rasuls kleinenRacheakt entdeckt. Mit ihrem Auto verfolgtsie die Mopedfahrer, um sie durchauseventuell zu töten. Das Blatt wendetsich, die Täter erfahren die Gewalt ameigenen Leib. Zuerst Sandro: Ein Polizeikommandostürmt die Wohnung, erwandert ins Gefängnis. Dann Marisa,denn sobald sie sich abzusetzen versucht,ist sie in Gefahr. Nur um Haaresbreitekann sie dem tobenden Sandrodavonfahren. Am Ende entkommt sieihm nicht. Als er sie aufgestöbert hat,zögert er nicht, sie niederzuschießen.Und doch sie hat es zuvor noch geschafft,die fatale Spirale der Gewaltzu durchbrechen. Ihr früheres OpferRasul kann dank ihrer Hilfe fliehen.8


„RECHTSRADIKALE“ – GRUPPENBILD MIT FRAGENUnpolitische Schläger oder geschickteAgitatoren? Organisierte Terroristenoder jähzornige Gelegenheitstäter? Revolutionäreoder Traditionalisten? Dasrechtsextreme Spektrum in Deutschlandbietet offenbar von allem etwas. Einpaar Konstanten, so scheint es, lassensich immerhin festhalten. Der JournalistThomas Kuban [Pseudonym] fasste in einemInterview (zuerst 2008 bei stern.de)einige Ergebnisse jahrelanger verdeckterRecherchen zusammen: Die europäischeNeonazi-Szene ist von Deutschendominiert. Sie wächst. Ihre Musik wirktals Magnet und als wichtiges Mittel, umrechtsextremes Gedankengut zu verbreiten.Die Mitglieder tarnen sich immerwirkungsvoller. Frauen sind noch in derMinderheit, ihr Anteil hat aber stark zugenommen.Kuban blieb unerkannt undhat seine Arbeit inzwischen eingestellt.Was ist Rechtsextremismus?Das Forscherteam von Professor Heitmeyeran der Universität Bielefeld spricht liebervon „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“.Sie beruht auf kollektiverAbwertung ganzer Gruppen innerhalbder Gesellschaft, die möglich wird durcheine Aufweichung demokratischer Werte.Was mit Ablehnung und Ausgrenzungbeginnt, kann zu offenen Anfeindungenführen, schlimmstenfalls zu Mord und Totschlag.Die Rechtspopulisten, so die BielefelderForscher, profitieren von einemKlima der Islamfeindlichkeit ebenso wievom Antisemitismus oder von verbreitetenRessentiments gegen Randgruppen.Was macht Rechtsextremismus„attraktiv“?Warum bekommen Rechtsextreme Zulauf?Sie profitieren von Demokratieverdrossenheitund sozialer Verhärtung,von verbreiteten Tendenzen der Ausgrenzung.So lautet die Analyse derBielefelder Forscher, die seit 2002 ineiner Langzeitstudie „Deutsche Zustände“unter die Lupe nehmen. Ein paarBeispiele: „Wenn Arbeitsplätze knappwerden, sollte man die in Deutschlandlebenden Ausländer wieder in ihre Heimatzurückschicken“, sagten 24,4 % derBefragten im Jahr 2010. Immerhin 16 %fanden, „Juden haben zu viel Einfluss inMarisa (Alina Levshin) hilft Rasul (Sayed Ahmad Wasil Mrowat), den Sandrozusammengeschlagen hatDeutschland“, und 49 % stimmen derAussage zu: „Es leben zu viele Ausländerin Deutschland“.Woran erkennt man Rechtsradikale?Ein Teil der Szene stellt seine Zugehörigkeitzur Schau – etwa durch Tattoosund Codes, wie im Film zu sehen, oderbei Aufmärschen. Man entwickelt eineeigene Mode, einen Lifestyle. Doch nichtalle Rechtsradikalen tragen Glatze oderTattoos, die Szene befindet sich im stetigenWandel. Wo man sich bedroht fühlt,schottet man sich ab, organisiert Treffenund Events konspirativ. Die politisch Ambitioniertengehen zum Teil noch andereWege: Sie versuchen, rechtsextreme Gedankenohne Aufsehen zu verbreiten. Siekleiden sich unauffällig, gehen bürgerlichenBerufen nach. Sie gehören allenAltersstufen an, stammen nicht aus Randschichten,sind in allen Teilen Deutschlandszu Hause. Manche kandidieren, vorgeblichparteilos, für kommunale Ämter.Fazit: Auf Äußerlichkeiten ist wenig Verlass.Das sicherste Erkennungszeichender Rechtsextremen ist ihr Denken – darunterAusländerhass, übersteigerterNationalismus und Verharmlosung derNazi-Verbrechen. Die beste Gegenwehrist, Widerstand gegen den populistischenNährboden dieser Gedanken zu leisten,und für demokratische Werte einzutreten,für Solidarität, für Vielfalt und Toleranz.Kuban im Interview:http://www.bpb.de/themen/IGCVD0,0,0,Undercover_in_der_Szene.html© Alexander JanetzkoWas ist Rechtsextremismus?www.netz-gegen-nazis.de/category/tags/gruppenbezogene-menschenfeindlichkeitDeutsche Zustände 2010:www.netz-gegen-nazis.de/artikel/deutsche-zustaende-2010-zahlen-1614Kompakter Überblick:www.netz-gegen-nazis.de/category/lexikon/zahlen9


DIE AKTEURE IM FILM„Demokratie ist dasBeste, was wir je aufdeutschem Boden hatten.Wir sind alle gleich.Es gibt kein Oben undkein Unten. In einerDemokratie kann jedermitbestimmen: Du, ich,Alkoholiker, Junkies,Kinderschänder, Neger,Leute, die zu blöd sind,ihren Hauptschulabschlusszu schaffen.“(Off-Ton Marisa,Vorspann KRIEGERIN)© Alexander Janetzko© Jonas SchmagerMarisa (Alina Levshin)Zart, zerbrechlich? Die Optiktäuscht, Marisa ist knallhart undgewalttätig. Sie liebt ihren Opa undSandro, dessen „Nazibraut“ sie ist.Sie hasst Ausländer. Sie hasst ihrenJob als Kassiererin. Marisa reagiertsich gnadenlos ab, bis sie einmal zuweit geht. Sie bekommt Schuldgefühle,beginnt einem Opfer zu helfen.Svenja, die „Neue“, durchbrichtMarisas Ego-Schutzwall. Sandro istabgemeldet. Ein großer Wandelbahnt sich an.Sandro (Gerdy Zint)„Ich will Taten sehen“: Macho bleibtMacho. Sandro ist ständig voll mitAdrenalin, oft auch mit Bier, dagegennie mit Drogen. Er will dominieren,sucht gern Streit und rastetleicht aus. Sandro landet vorübergehendim Gefängnis, Schuld sind dieanderen. So wächst sein Zorn, aufdie Ausländer, auf die Polizei. Füralle Fälle beschafft er sich eine WaltherP38. Marisa ist Sandros Ein undAlles – solange sie ihn bewundertund ihm gehorcht.© Jonas SchmagerSvenja (Jella Haase)Bürgerstochter wird Mitläuferin: Dieclevere 15-Jährige erstickt zwischender Affenliebe ihrer Mutter und derTyrannei des Stiefvaters. Da kommtMarkus gerade recht, der ihrer Rebelliondie braune Richtung vorgibt.Die Zumutungen der Nazi-Subkulturerträgt Svenja als gelernte Dulderinklaglos. Ihr neues Vorbild ist Marisa.Deren Zuneigung muss sie sicherkämpfen – bis Svenja eines Tagesviel mehr von Marisa lernen kann,als beide ahnten.10


DIE AKTEURE IM FILM© Jonas SchmagerRasul (Sayed Ahmad Wasil Mrowat)„You help me?“: Rasul ist arm undmit seinen 14 Jahren schon um denhalben Erdball geflohen. Er ist anspruchslosund kommt kreativ mit jederSituation zurecht. Aber er will sichnicht alles gefallen lassen, wehrt sichfriedlich, aber hartnäckig. Er kann einpaar Brocken Englisch, macht abernie viele Worte. Rasul wirkt bescheiden,doch er verfolgt unbeirrbar seinZiel: nur fort aus Deutschland, nachSchweden zu seinem Onkel.© Alexander JanetzkoMarkus (Lukas Steltner)Der Apfel fällt weit rechts vomStamm: Markus, Sohn eines Altkommunisten,ist überzeugter Neonazi.Damit will er auch seinem neuenSchwarm Svenja imponieren, unddie Rechnung geht auf. Dann machtder selbstverliebte Markus einenFehler. Als er großspurig mit Drogenhantiert, wird er verprügelt undaus der Clique verstoßen. Markusverliert seine Neonazi-Ehre, seinesauberen „Kameraden“ und obendreinseine Freundin.© Jonas SchmagerBea (Rosa Enskat)Verbittert und einsam: Marisas Mutterhat unter ihrem Vater – Marisasgeliebtem Opa – enorm gelitten.Sie kann es kaum erwarten, dasser „endlich“ stirbt, seine Sachenwirft sie schon vorher herzlos ausdem Haus. Beas Leben besteht ausgähnender Leere, trostloser Arbeitim Haus oder im Supermarkt undDauerstreit mit ihrer Tochter. Derenpolitische Entgleisungen sind ihrgleichgültig, Marisas Wunsch nachNähe blockt sie ab, loslassen will siesie trotzdem nicht.© Jonas SchmagerDer Großvater (Klaus Manchen)„Man muss für alles bezahlen“:Großvater Franz hält an moralischenGrundsätzen fest und obendrein aneinem unbelehrbaren Antisemitismusalter Prägung. Die kleine EnkelinMarisa ist sein Augenstern und seine„Kriegerin“. Für sie bleibt er immerder zärtlich geliebte Opa, der wichtigsteMensch in ihrem Leben, auch alssie 20 ist. Marisas Mutter dagegenhasst ihn mehr als alles und wünschtsich seinen Tod, um ihn loszuwerden.„Demokratie ist dasBeste, was wir je aufdeutschem Bodenhatten. Wir sind allegleich. Es gibt keinOben und kein Unten.Alles wird sich ändern.Und jeder kannmitbestimmen.“(Off-Ton Svenja,Abspann KRIEGERIN)11


PRAKTISCHE ÜBUNGENDEN KINOBESUCH VORBEREITENAmazonen (Άμαζόνες)Sagenhaftes Volk kriegerischer Frauen, dieim Nordosten Kleinasiens einen schon vonHomer erwähnten Weiberstaat gründeten. Sieverehren Ares und Artemis, haben mit Männernnur zur Fortpflanzung Kontakt, töten oderverstoßen die Knaben. Die Mädchen werden zuKriegerinnen erzogen. Sie bleiben Jungfrauen,bis sie drei Feinde getötet haben. (Nach: Derkleine Pauly, Lexikon der Antike)Wort-Botschaften | Assoziative Gedanken und eigenes Erleben sammeln und verknüpfen,kommunikative Raumgestaltung (Kleingruppenarbeit)Relevante Begriffe auf A4-Blätter schreiben, im Raum verteilen.Beispiele: Emotionen, Klischee, Intoleranz, Rassismus, Rituale, Kleiderordnung,Stereotype, Gewalt, Frauenrolle, Echt Deutsch, Vaterland.Aufgabe:Kleine Gruppen bilden. Jede wählt ein Blatt aus, formuliert Assoziationen zu demBegriff und notiert sie auf das Blatt dazu. Andere Gruppen können ihre Gedankenergänzen. Austausch über das Erfasste. Die Wort-Botschaften bleiben im Raumhängen.Gewalt als Rausch? | Über Gewalt recherchieren, dazu die Berichterstattung inden Medien (Presse, TV) verfolgen, eine eigene Definition zu Gewalt im rechtsextremenBereich erarbeiten, eine persönliche Haltung zu rechtsextremer Gewalt äußern© Jonas SchmagerDeine Panik, meine Macht: Sandro(Gerdy Zint) unterwegs mit seinerneuen PistoleFragen und Aufgaben:· Was haben aktuelle Berichte von Gewaltszenarien, besonders aus dem rechtsextremenMilieu, mit der eigenen Realität zu tun?· Recherchieren Sie im Freundeskreis über einschlägige Gewalt-Erlebnisse!In welchen Zusammenhängen sind sie geschehen?· Haben Sie selbst rechtsextreme Überfälle erlebt? War dabei „Happy Slapping“im Spiel? Welche Folgen hatte der Vorfall?· Sind Mädchen in diese Gewalttätigkeiten verwickelt gewesen?· Kann Gewalt einen Rauschzustand auslösen? Welche Emotionen überwiegen?· Trauen Sie sich, anderen in einer Situation drohender Gewalt zu helfen?Wann würden Sie es nie tun?· Definieren Sie mit eigenen Worten „Gewalt/rechtsextreme Gewalt“; äußern SieIhre Meinung zu diesem Thema.„… Hass geht aus Wut (eine der elementarenEmotionen im Menschen) hervor … MittelschwererHass nimmt die Form des Sadismus an. DerHassende hat den Wunsch, seinem WidersacherLeiden zuzufügen, wobei dieses Leiden genossenwird: in der Phantasie, in der sich der Hassendelustvoll vorstellt, wie er seinen Widersacher leidenlässt, aber auch in der Wirklichkeit … Dabeiwird das Zufügen von Leid ritualisiert … ExtremerHass ist eine extreme Form der Selbstbehauptung… ‚Er ist nicht (mehr), also bin ich (übrig)ʻ …Die größte Angst bereitet kollektiver Hass, weiler das gesamte soziale Leben mit Feindseligkeitund Gewalt zersetzt … Wenn alle hassen, ist dieVerführung groß, sein persönliches Gewissenzu suspendieren.“ (Aus: Rolf Haubl, „ÜberHass, Neid und Gewaltbereitschaft“, in: ZDFnachtstudio(Hrsg.): Große Gefühle: Bausteinemenschlichen Verhaltens. Frankfurt am Main:Suhrkamp , 2000, 47-75.)Den Hass von der Seele schreiben | Sich mit elementaren Emotionen wie Wut,Zorn, Furcht auseinandersetzen, den Umgang mit extremen Gefühlen wie Hassergründen und bewältigen, in eine literarische Form überführenAufgabe:Setzen Sie sich im Brainstorming mit starken Emotionen wie Wut, Zorn, Furcht undHass auseinander! Finden Sie eine literarische Form, um eigene Grundemotionenauszudrücken. Beispiel: (Aus der Dokumentation des Projektes SchreibenderSchüler mit der Autorin Anja Tuckermann, SCHEUKLAPPEN, Rheinsberg 2002.)· Ich hasse es, wenn wir uns streiten.· Ich hasse es, wenn du mich nicht verstehst. …· Ich hasse es, wenn du mich verletzt. …· Ich hasse es, mich für alles rechtfertigen zu müssen.· Ich hasse es, wenn du mir nicht vertraust.· Ich hasse es, dass du mir nichts zutraust.· Ich hasse es, keine Bestätigung von dir zu bekommen. …· Ich hasse es, enttäuscht zu sein. …· Ich hasse es, verzweifelt zu sein. …· Ich hasse es, wenn du mir ausweichst. …· Ich hasse es, so vieles zu hassen. Autor: namenlos12


PRAKTISCHE ÜBUNGENZeichen der Gewaltbereitschaft | Rechtsextreme Symbole, Codes und Begriffeerkennen und klären, Kennzeichen des gegenwärtigen Rechtsextremismus kennenlernen (Recherche, auch als Hausaufgabe / Rollenspiel)Aufgabe 1:Ein Glossar zu rechten Symbolen und Erkennungszeichen sowie zu neonazistischenJugend- und Frauenorganisationen zusammenstellen.Quellen: www.dasversteckspiel.de und andere (vgl. Linkliste).Beispiele: 88; doppelte „Sig“-Rune; 14 Words; Haare: Glatze und Federschnitt/ FeatherCut wie bei Marisa in KRIEGERIN; GDF: Gemeinschaft Deutscher Frauen, Nachfolgeorganisationdes Skingirlfreundeskreises Deutschland (SFD), Renee, White PowerAufgabe 2:Schülerinnen und Schüler fahnden in ihrer räumlichen Umgebung (an Hauswänden,Türen, öffentlichen Plätzen und in Verkehrsmitteln) nach Zeichen und Symbolen ausdenen sich schließen lässt, dass sich hier Jugendliche mit neonazistischem Hintergrundaufgehalten und ihr Terrain entsprechend markiert haben.Welche eigene Reaktion ruft das hervor? Die Beobachtungen können als kommentierteÜbersicht ausgehängt oder auf die Schulhomepage gestellt werden.„Jeder fünfte Nazi ist mittlerweile weiblich, Tendenz steigend. Dieser Tatsachewurde sehr lange kaum Beachtung geschenkt. Es stimmt auch schon lange nichtmehr, dass rechte Frauen ausschließlich die oft wechselnden Begleiterinnen derSkinheads sind. Es gibt genauso die völkischen Vertreterinnen im Dirndl- undLandmode-Look sowie ganz seriös anmutende oder schlicht modern und modischaussehende Frauen jeden Alters (...) Die Zeiten, wo Rechtsextreme optisch klarerkennbar waren sind vorbei, bei beiden Geschlechtern.“(Aus: Rechtsradikale Frauen, WDR / frauTV, Sendung vom 31. März 2011)© Alexander JanetzkoUnter dem Pflaster... das Hakenkreuz:Kriegerin Marisa (Alina Levshin)Rechtsradikale Frauen:www.wdr.de/tv/frautv/sendungsbeitraege/2011/1117/thema_2.jspDas große Warum | Gesellschaftliche und sozialpsychologische Zusammenhängerecherchieren; DiskussionImpulsthese:Handy und i-Phone bestimmen die alltägliche Kommunikation, die damit individualisiertund fast körperlos geworden ist. Freundschaften und Konflikte werden übersHandy an jedem öffentlichen Ort diskutiert; Flashmobs dienen als unterhaltsameFreizeitaktivitäten; Selbsterfahrung findet in der virtuellen Spielewelt statt. Dermenschliche Körper wird über Schönheits-, Leistungs- und Gesundheitskult in denMedien vermarktet. Im Gegenzug wächst besonders unter Jugendlichen die Suchenach Authentizität.Gefragt sind radikale Erfahrungen mit dem eigenen Körper in Extremsituationen,„Sich-Spüren-Können“, Machtdemonstrationen mit Risikofaktor, Provokation. DieseBedürfnisse suchen ein „Opfer“. Dessen Angst mischt sich mit dem eigenen Rausch.Aggressive Nazi-Rapmusik und Tanzstile wie Wrecking unterstützen Gefühle jenseitsvon Richtig und Falsch – ein Scheinbeweis für eigene Macht.Leitfragen für eine Diskussion:· Was spricht für diese These, was dagegen?· Ist Aggression eine unveränderliche Grundkonstante?· Welche gesellschaftlichen Faktoren haben einen Einfluss?· Wie kann der Einzelne, wie kann die Gesellschaft gegensteuern?© Alexander JanetzkoSvenja (Jella Haase, links) in Not:Marisa (Alina Levshin) attackiert sie,Sandro (Gerdy Zint) schaut zu13


PRAKTISCHE ÜBUNGENHeikle Situationen | Typisches Verhalten in extremen Konfliktsituationen aufzeigenund hinterfragen; Rollenspiel, um mit eigener Unkenntnis, Ignoranz, Überheblichkeit,Naivität umgehen zu lernen; dazu Impulstexte nutzen, sich mündlich nach den Spielszenensehr genau und intensiv austauschen, Konfliktstrategien entwickelnWenn man sich Figuren annähert, die im Widerspruch zur eigenen Person undWeltsicht stehen, betritt man erst einmal einen unbekannten Weg.Aufgabe:Eine vorgegebene Situation im „Rollenkarussell“ (Paarübung ohne Vorabsprache!)präsentieren: Zwei Stühle stehen auf der Spielfläche parallel zueinander. FünfKleingruppen bilden, die je einen Impulstext bearbeiten. Sie entwickeln aus den Situationsbeschreibungenzwei Figuren: Name, Alter, Beschäftigung, Freundeskreis,Familienhintergrund.Der erste Impulstext wird bestimmt. Auf den Stühlen liegt je eine Figuren-Karte.Eine Schülerin oder ein Schüler der Gruppe nimmt die Karte beim Hinsetzen aufund liest erst jetzt, welche Person sie oder er darstellt. Eine passende, erkennbareKörperhaltung wird eingenommen. Die Spielenden sollen den improvisiertenMonolog durch Mimik und Gestik ergänzen. Ein Signal (Klatscher) beendet dieSzene. Platzwechsel. Die zweite Person tritt auf. Die Plätze, sprich Rollen, werdengetauscht.Applaus und Gespräch – beobachten, aufnehmen, einschätzen, bewerten.Situationsbeispiele:www.online-beratung-gegenrechtsextremismus.de1. Eine 16-Jährige trifft sich plötzlich mit ganz anderen Freundinnen als früher, auchzu Wochenendausflügen. Zu ihren Eltern spricht sie sehr befremdlich über ihre Bestimmungals Frau und dass sie auf jeden Fall eine gute deutsche Ehefrau und Mutterwerden möchte. Dass nur eine heile Familie, mit dem Mann als Ernährer und derFrau als liebevoller Mutter, einen vernünftigen Staat garantiere. Sie nimmt an dubiosenTreffen teil, verweigert die Diskussion darüber und reagiert aggressiv. Wastun die Eltern?2. Auf dem Rummelplatz einer Kleinstadt. Ein 15-jähriger Junge in einem schwarzenKapuzen-Sweatshirt „Gegen Nazis“ trifft auf mehrere, durch ihr Aussehenerkennbar rechtsradikale, weibliche und männliche Jugendliche. Der Konflikt istvorprogrammiert. Wie verhalten sich Unbeteiligte, die ihn bemerken?3. In eine Bahn steigt ein unauffälliges Pärchen ein. Die Bahn fährt los. Plötzlichziehen die beiden aus ihren Jacken Baseballschläger und versuchen, auf einenAsiaten, der ein paar Plätze vor ihnen sitzt, einzuschlagen. Wie reagieren anderemännliche und weibliche Fahrgäste?www.wdr.de/tv/frautv/sendungsbeitraege/2011/1117/thema_2.jsp4. Eine Reporterin filmt eine Naziveranstaltung, wird bedroht und flüchtet sich mitdem Kamerateam in einen Supermarkt. Nazis verfolgen sie und schlagen sie zuBoden. Die Reporterin wird im Gesicht getroffen, trägt Prellungen und Hämatomedavon. Der Supermarkt sollte ein sicherer Ort sein, doch keiner im Laden hilft. Wasgeschieht, als die Nazihorde sich zurückzieht?5. Ein dunkelhäutiger Mann kauft im Supermarkt ein. An der einzigen offenenKasse weist ihn die Kassiererin ab: „So einen wie dich bediene ich nicht!“. Wie löstsich die Situation auf?14


PRAKTISCHE ÜBUNGENDEN KINOBESUCH NACHBEREITENFragen zum Film© Jonas Schmager1. Beschreiben Sie Marisa! Was erzählt sie über ihr bisheriges Leben? Was ist ihrwichtig? Was kann sie gut? Welche Schwächen spürt der Zuschauer an ihr? (Beispiele:lebt in der Provinz noch bei der Mutter / Verkäuferin / starke Bindung an denGroßvater / ist wütend auf alles und jeden, auf ihre soziale Situation / fühlt sich nurbei ihrem Freund Sandro und dessen Neonaziclique anerkannt und stark / denkt nichtnach über ihren Umgang mit Neonazis / demonstriert immer Stärke, zeigt ihre Verletzlichkeitnur ihrem Großvater / Improvisationstalent / sucht Liebe und Geborgenheit... – weiter ausbauen durch „Method Acting“, sich in Marisa hineinversetzen).Marisa (Alina Levshin):hellwach und voller Hass2. Großaufnahme: Welche Stimmungen und Gefühlszustände erfasst die Kamera durchNahaufnahmen von Marisas Gesicht? Beschreiben Sie eindrückliche Situationen dazu!Beziehen Sie das Plakatmotiv mit ein! (Verängstigt und wütend bei der Verhaftung vonSandro / überlegen, aggressiv und unnachgiebig in den ersten Begegnungen mit Svenja/ traurig und verstört beim Tod des Großvaters / Plakat: Junge Frau schaut ernst undentschlossen nach vorn, Neonazi-Zeichen erst auf den zweiten Blick sichtbar)3. Wann kann der Zuschauer Empathie für Marisa entwickeln, wann schlägt das insGegenteil um? Wie fängt die Kamera solche Momente ein? (Einfühlsame Szenen imKrankenhaus beim Großvater – Nahaufnahmen / Marisa droht Svenja auf dem Balkon– Wechsel von Frosch- und Vogelperspektive, halbnahe Aufnahme – Zuschauerstehen als Beobachter quasi neben der Hauptfigur)4. Wann kippt Marisas rechtsextremes Verhalten? Was oder wer ist Auslöserdafür? (Rasul will keine Opferrolle einnehmen, wehrt sich aktiv gegen Marisas Auftreten/ letzte Worte des Großvaters: … für alles bezahlen, geradestehen / Schuldgefühle/ Sandros emotionales Unverständnis ihr gegenüber)5. Die Rolle des Großvaters in Marisas Leben; welche seiner Ansichten verinnerlichtsie? (Intensives, auch körperliches Verhältnis / Großvater will Marisa „abhärten“:„meine Kriegerin“ / Vaterersatz / Großvater fühlt Missstimmungen, legt Keim fürMarisas rechtsextreme Anschauungen, ihren Ausländer- und Judenhass)6. Die Familienverhältnisse bei Svenja. Welche Szenen erzählen vom Verhältnis zwischenMutter und Tochter; welche vom Stiefvater und Svenja? (Svenjas Eintrag im PC-Profil: „hasserfüllt“, „Vollwaise“ / Mutter versöhnlich: gemeinsame Rauchpause, Vier-Augen-Gespräche über ihren Freund und ersten Sex / Stiefvater despotisch: Geld fürgute Noten statt echter Anerkennung; nötigt sie zur Unterordnung, zwingt sie zum„Strafrauchen“, bis ihr schlecht wird)15


PRAKTISCHE ÜBUNGEN7. Welche Szenen beschreiben den Platz, den die Mutter in Marisas Gefühlslebeneinnimmt? (In der abgenutzten alten Küche, Marisas Mutter lässt keine körperlicheNähe zu / Marisa hat keinen Respekt, schlägt ihre Mutter / Mutter will Marisa festhalten,kann aber Marisa nicht daran hindern, auszubrechen / Marisa will nichtwahrhaben, was ihre Mutter über den Großvater erzählt)8. Marisa, Svenja, Melanie: Was zieht diese Mädchen mit so unterschiedlichem Hintergrundin die Nazigruppe? (Aggressives Auftreten der Gruppe imponiert, sie fühlensich hier stark, haben als weibliche Minderheit eine besondere Stellung, Sex)9. Was tragen die männlichen Jugendlichen zur Filmgeschichte bei? (Neonazi-Hintergrund,Reflexionsfläche für dramatische Ereignisse im Film)© Alexander JanetzkoHakenkreuze sind gestattet, Emotionennicht: Marisa (Alina Levshin) mitihrer politisch blinden, gefühlskaltenMutter (Rosa Enskat)10. Welche wesentlichen Handlungsmomente und Entwicklungen sehen Sie in der Geschichte?Beschreiben Sie mindestens fünf prägnante Szenen, die Marisas Lebenswegcharakterisieren! (Übergriffe im Zug mit „Happy Slapping“, Marisa beteiligt sich aktivund präsentiert ihre Gesinnung offen/den von ihr provozierten Unfall begleitet Hassmusikund ein aggressiver Rausch: „Deutschland, mein Vaterland... Holocaust Reloaded…“/Täterin Marisa kehrt zum Ort der Tat zurück, erstes Schuldbewusstsein/Besuchbei Großvater im Krankenhaus – Rückblende: er und Marisa am Meer/Behauptungihrer Alpha-Stellung im Kampf gegen Svenja/Marisa erfährt vom Tod des Großvaters– mit dem emotionalen Schock beginnt das Umdenken/Showdown ab dernächtlichen Fahrt nach Prora auf Rügen am heute denkmalgeschützten, nie fertiggestellten KdF-Seebad, siehe www.proradok.de)11. Warum wurde für den Film eigene Musik komponiert? (Mittäterschaft ausschließen;keine Originalpropaganda verbreiten, keine Geschäfte mit Rechtsextremen,keine Werbung für Neonazi-Bands; siehe oben, Hinweis bei den Daten zum Film)12. Wie wirken die ausgewählten Drehorte? (Karge, flache Gegend/öde Architektur,heruntergekommene Wohnungen – steigern die Authentizität)13. Symbole im Film: das Meer, Zigaretten, versteckte und abgeklebte Körpertattoos– was bewirken sie beim Zuschauer? Wofür stehen sie? (Meer: Erinnerung an Geborgenheit,Freiheit / Rauchen: Selbstbestimmung, Abnabelung von der Familie, Rauschund Selbstzerstörung / abgeklebtes Hakenkreuz: um Strafverfolgung zu vermeiden undtrotzdem zu provozieren)Im Blickwinkel – will ich das sehen oder nicht? | Entsprechend den Intentionender Gruppe aus den Fragen zum Film auswählen und in ein Gespräch einbinden, Aussagendes Vor- und Abspanns von Marisa und Svenja einbeziehen und eine Perspektivefür Svenja als Filmplot „KRIEGERIN II“ entwickeln, sich mit dem Demokratie-Begriffund der gesellschaftlichen Realität in Deutschland auseinander setzenAufgabe 1:Filmfragen besprechen, möglichst offen, und Stellung beziehen. Dabei Fragenwie „Was ist mir selbst wichtig?“ und das eigene Demokratieverständnis mit einbringen.Die beiden Statements von Marisa und Svenja einbeziehen, die den Film „umrahmen“.„Demokratie ist ...“ , siehe oben, Seite 10/11Aufgabe 2:Den Schluss von KRIEGERIN diskutieren: Könnte die Geschichte anders ausgehen? Wiekönnten sich die Personen weiterentwickeln? Ein alternatives Ende verfassen, eine Fortsetzung(„KRIEGERIN II“) entwickeln und die Handlung für einen Kinofilm oder Kurzfilm skizzieren.16


PRAKTISCHE ÜBUNGENWahrnehmen – Gegensteuern | Neonazismus geschlechtsbewusster wahrnehmenund diskutieren, sich sensibilisieren für die Aktivitäten und das Selbstbewusstsein rechtsextremerMädchen und Frauen; einschlägige gesellschaftliche Wahrnehmung in Fragestellen, Position beziehenAufgabe:Thesen und Gegenthesen zur Problemwahrnehmung in Kleingruppen diskutieren, interpretierenoder nachweisen:1. Frauen sind friedfertig Frauen sind aktiv und indirekt an der Ausübung rechterGewalt beteiligt.2. Frauen sind unpolitisch Frauen werden nicht ernst genommen in ihrem sozialenEngagement als politischem Ausdruck.3. Rechtsextremismus bei Mädchen ist eine Phase Das Zur-Schau-Stellen rechterSymbole und der offensive Umgang mit rechtsextremen Einstellungsmustern ist einKennzeichen des Übergangs in die rechtsextreme Szene und zu gefestigten rechtsextremenAnschauungen.4. Frauen sind weniger sichtbar und weniger gefährlich Frauen werden in ihrer öffentlichenPräsenz eher akzeptiert; sie sind gefährlich, weil sie „sanfter“ auftreten undrechtsnationale Parolen bei der bürgerlichen Mitte besser „platzieren“.Nach: Gabi Elverich, Rechtsextremorientierte Frauen und Mädchenwww.bpb.de/themen/A8QXFY,0,0,Rechtsextrem_orientierte_Frauen_und_M%E4dchen_%96_eine_besondere_Zielgruppe.htmlFaschismus ist nicht trendy! | Ideen für antifaschistische Aktionen und Aufklärungsportalesammeln, ungewöhnliche kreative Möglichkeiten dazu ausloten, sich vonwirkungsvollen laufenden Projekten inspirieren lassen, dort mitmachenEngagement ist eine gesellschaftliche Aufgabe: „Da wo wir uns nicht engagieren,da entstehen weiße Flecken, und da können sich diese Frauen ausbreiten.“ (AndreaRöpke, Rechtsradikale Frauen, WDR / frauTV, Sendung vom 31. 03. 2011)www.wdr.de/tv/frautv/sendungsbeitraege/2011/1117/thema_2.jspAufgabe:Eine Klassen- oder Schulkampagne gegen Neonazis starten, gegen den „rechten Lifestyle“;ungewöhnliche kreative Wege gehen, um Jugendliche in ihrer digitalisiertenWelt zu erreichen. (Beispiele: Bei einer der Initiativen in Deutschland mitmachen; Präventionsprojektein der Mädchenarbeit entwickeln; Aufklärungsaktionen über SocialMedia: „Sich zur Wehr setzen gegen …“; Fotoclipserie „Zivilcourage“: „Sich trauen,den Nazis die Stirn zu bieten …“ / Einzelfallbetreuung durch Schülerpaten erwägen).© Jonas SchmagerEndstation: Marisa (Alina Levshin links), bei ihr Svenja (Jella Haase).17


ZUM LESEN, RECHERCHIEREN, WEITERMACHENLesestoffArgumentationshilfe gegen dieSchulhof-CD der NPD mit dem Titel„BRD vs. Deutschland“ August 2009Hrsg. Argumente & Kultur gegen Rechtse.V., Bielefeld und Arbeitsstelle RechtsextremismusMiteinander e.V., Halle. Broschüre,72 Seiten; abrufbar unter www.jugendserver-dresden.de/media/files/argumente-gegen-npd-cd.pdf| DetaillierteAnalysen zu den Texten, den Bands, derrechtsextremen Agitationsstrategie;S. 11-13 speziell zur Rolle der Frauen.Freistaat Thüringen/Landesamt fürVerfassungsschutzVerfassungsschutzbericht 2010. – 223Seiten, abrufbar unterwww.thueringen.de/imperia/md/content/verfassungsschutz/vsb_2010_internet.pdf | Kapitel „Rechtsextremismus“:Seite 16-91.Freistaat Thüringen/Landesamt fürVerfassungsschutzRechtsextremistische Symbole und Kennzeichen:ein Überblick. 3. Aufl. 2009. –Broschüre, 36 Seiten, abrufbar unterwww.thueringen.de/de/publikationen/pic/pubdownload1081.pdf | GuterÜberblick zur Identifikation der Symbole,Grußformen, Kleidung; Infos zurMusikszene; juristische Bewertungen.Kuban, Thomas„Im Sumpf: Zehn Jahre Recherchenin der rechtsradikalen Subkultur“, in:Süddeutsche Zeitung, 19./20. November2011, Seite 15. | Der europaweit tätigeJournalist Kuban (Pseudonym) resümiert:„Was aus dem Blick geriet, ist immer stärkergeworden“; vgl. Interview,www.bpb.de/themen/IGCVD0,0,Undercover_in_der_Szene.htmlLand Brandenburg / Ministeriumfür Arbeit, Soziales, Gesundheitund FamilieSchutz vor (rassistischer) Diskriminierung:Wie wehre ich mich? Broschüre,84 Seiten. 2008. Abrufbar unter www.masf.brandenburg.de/sixcms/media.php/4055/diskriminierung.pdf | Informationenund konkrete Ratschläge inacht Sprachen.Mein Kind ist doch kein Nazi!Mobile Beratung in Thüringen (Hrsg.),Broschüre, 52 Seiten, abrufbar unterhttp://mobit.org/Materialien/Brosch%FCre_051115.pdf | Ratgebermit Analyse und Verhaltenstipps.Speit, Andreas / Röpke, AndreaMädelsache!: Frauen in der Neonazi-Szene. 2. Aufl. Berlin: Christoph LinksVerlag, 2011; 240 Seiten, Abb., broschiert,€ 16,90 | Faktenreicher Reportüber den wachsenden Einfluss weiblicherNeonazis in der bislang männerdominiertenSzene.www.zeitzeugengeschichte.deInterviews von Zeitzeugen des Nationalsozialismus,zusammengestellt hauptsächlichvon Jugendlichen.Linkshttp://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2007/erste5118.pdfHitlergruß und Nazi-Kult – geheimeAufnahmen von NPD-Funktionären;PANORAMA Nr. 679 vom 15.03.2007.http://taz.de/Naehrboden-derrechten-Gewalt/!82179/TAZ-Artikel (19.11.2011) über den „NationalsozialistischenUntergrund“ und dieEntstehung der ultrarechten Gruppen imKielwasser der deutschen Einheit.www.amadeu-antonio-stiftung.deAmadeu Antonio Kiowa aus Angolawurde 1990 eines der ersten Todesopferrechtsextremer Gewalt nach der Wende;die Stiftung wendet sich gegen Rassismus,Rechtsextremismus und Antisemitismus.www.bpb.de/themen/WOSE96,0,0,Neonazis.html„Neonazis“ – ein Dossier der Bundeszentralefür politische Bildung; Weiteresunter Themen > Gesellschaft > Rechtsextremismus,www.bpb.de/themen/R2IRZM,0,0,Rechtsextremismus.htmlwww.dasversteckspiel.deInformiert über „Lifestyle, Symbole undCodes von neonazistischen und extremrechten Gruppen“; Projekt der Agenturfür soziale Perspektiven e.V., Berlin.www.exit-deutschland.deBerliner Initiative, die Menschen aus derrechten Szene beim Aussteigen hilft;Infos, Downloads, Beratung.www.freudenbergstiftung.deSetzt sich ein für gesellschaftlicheIntegration, Schwerpunkt Kinder- undJugendarbeit, demokratische Kultur inder Schule.www.jmmv.de/service/archiv/fairdenken/start.html„Fair Denken“: Argumentationshilfegegen rechtsextreme Weltanschauung,von Jugendmedienverband Mecklenburg(nur online lesbar).www.kriegerin-film.deDie offizielle Film-Website zu KRIEGERIN(Ascot Elite Filmverleih GmbH,www.ascot-elite-film.de).http://lernen-aus-der-geschichte.deBildungsportal; kostenlose Unterrichtsmaterialen,Informationen über historischpolitischeBildung in anderen Ländern.www.miteinander-ev.de/index.php?page=51Hintergrundinformationen der ArbeitsstelleRechtsextremismus bei Miteinandere. V., in loser Folge zu aktuellen Themenpubliziert.www.mut-gegen-rechte-gewalt.deAktions-Portal der Amadeu AntonioStiftung; eine „Chronik der Gewalt“listet Gewalttaten und Zwischenfälle mitrechtsextremem Hintergrund (Januar bisOktober 2011 rund 200 Kurzmeldungen,25 Seiten Text).www.netz-gegen-nazis.deAufklärung und Aktionen, Lexikon,Aktuelles nach Bundesländern;maßgebliche Betreiber sind der Zeit-Verlagund die Amadeu Antonio Stiftung.www.sueddeutsche.de/thema/rechtsextremDossier der Süddeutschen Zeitung.www.thueringen.de/de/verfassungsschutz/rechtsextremismus/rechtsextremismus_thueringenDer Landesverfassungsschutz informiertüber Rechtsextreme im FreistaatThüringen.FilmtippsOi! WarningBuch und Regie: Dominik und BenjaminReding. Deutschland 1999, 90 Minuten.Jugendkultur, Gewalt, Männlichkeit:Ein 17-Jähriger schließt sich denSkinheads an; Spielfi lm (sw), FSK: 12.Bernau liegt am MeerBuch und Regie: Martina Döcker.Deutschland 2003, 87 Minuten.Erzählt den Werdegang eines jungenRechtsradikalen; Dokumentarfi lm(Spieldokumentation).Die WelleBuch: Dennis Gansel, Peter Thorwarth;Regie: Dennis Gansel. Deutschland2008, 108 Minuten. | Politisch brisanteZauberlehrlings-Geschichte: EinFaschismus-Experiment gerät außerKontrolle; Spielfi lm.18


BESTELLFORMULAR19


www.augenauf.net www.exit-deutschland.de www.gesichtzeigen.de www.miteinander-ev.de www.kulturbuero-sachsen.de© Alexander Janetzko

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